TV-Tipp für den 31. August: The Accountant

August 30, 2020

ZDF, 22.15

The Accountant (The Accountant, USA 2016)

Regie: Gavin O’Connor

Drehbuch: Bill Dubuque

Christian Wolff (Ben Affleck) ist Autist, Chef von „ZZZ Accounting“ und Kreditberater. Außerdem ist das auf seine Aufgaben fokussierte Mathegenie der Buchprüfer für verschiedene Verbrecherkartelle.

Für Living Robotics, einer Firma die auch Prothesen herstellt, soll er die Bücher prüfen. Ein hundertprozentig legaler Auftrag, der ihn in Teufels Küche bringt. Jetzt werden seine Fähigkeiten als Auftragskiller benötigt.

Wenn man darüber hinwegsieht, dass „The Accountant“ Humbug ist, ist Gavin O’Conner ein angenehm altmodischer Gangsterfilm gelungen, der seine Geschichte etwas intelligenter als erwartet zusammenfügt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Affleck, Anna Kendrick, J. K. Simmons, Jon Bernthal, Jean Smart, Cynthia Addai-Robinson, Jeffrey Tambor, John Lithgow, Rob Treveiler, Andy Umber, Ron Prather, Susan Williams

Wiederholung: Mittwoch, 2. September, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Accountant“

Metacritic über „The Accountant“

Rotten Tomatoes über „The Accountant“

Wikipedia über „The Accountant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „Jane got a Gun“ (Jane got a Gun, USA 2015)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „The Accountant“ (The Accountant, USA 2016)


TV-Tipp für den 30. August: Harold und Maude

August 29, 2020

SWR/SR, 00.00

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Colin Higgins

Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.

Immer wieder gern gesehener Kultfilm!

Mit der Musik von Cat Stevens.

Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Harold und Maude“

Wikipedia über „Harold und Maude“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ (Harold and Maude, 1971)

Ein gelungener Fan-Trailer


TV-Tipp für den 29. August: Gone Girl – Das perfekte Opfer

August 28, 2020

Pro7, 20.15

Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Gillian Flynn

LV: Gillian Flynn: Gone Girl, 2012 (Gone Girl – Das perfekte Opfer)

Nick Dunnes Ehefrau Amy ist spurlos verschwunden. Noch während er sich in der Öffentlichkeit als besorgter, seine Frau innig liebender Ehemann inszeniert, taucht Amys Tagebuch auf, das eine ganz andere Geschichte ihrer Ehe erzählt.

Finchers bislang letzter Kinofilm (seitdem arbeitete er für den kleinen Bildschirm): ein hübscher Noir über das Lieben und Morden glückliche verheirateter Thirty-Somethings.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Sela Ward

Wiederholung: Sonntag, 30. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Gone Girl“

Metacritic über „Gone Girl“

Rotten Tomatoes über „Gone Girl“

Wikipedia über „Gone Girl“ (deutsch, englisch)

Homepage von Gillian Flynn

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. August: Papillon

August 27, 2020

3sat, 22.25

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Dalton Trumbo (Nebenrolle)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. August: Big Fish

August 26, 2020

Disney Channel, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (Big Fish, USA 2003)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August

Rotten Tomatoes über “Big Fish”

Wikipedia über “Big Fish” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts “The Nines” (The Nines, USA 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tenet“, irgendetwas mit Zeitreisen

August 26, 2020

Jetzt, nachdem er in den vergangenen Monaten mehrmals verschoben wurde, eine abermalige Verschiebung, möglicherweise, wie bei anderen Blockbustern, gleich auf nächstes Jahr, nicht ausgeschlossen wurde, und der Film, ungefähr im gleichen Atemzug, zur Zukunft des Kinos erhoben wurde, läuft „Tenet“ in unseren Kinos an. In den USA startet „Tenet“ erst am 3. September und nur in den Staaten, in denen es sicher ist. Angesichts der aktuellen Coronavirus-Zahlen dürfte der Thriller daher dort nur in wenigen Kinos in wenigen Bundesstaaten gezeigt werden.

Bei uns markiert der Start von „Tenet“ den Moment, der wieder die Massen in die Kinos bringen soll. Das könnte gelingen. Denn Christopher Nolans „Tenet“ ist für die große Leinwand gemacht und, bei all seinen Mängeln, sehenswert.

Nolans Filme, zuletzt „Dunkirk“ und „Interstellar“, sind seit Jahren intelligentes Blockbuster-Kino, das visuelle Schauwerte mit einer Geschichte, bei der man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss, verbindet. Bis auf seine „Batman“-Trilogie handelt es sich außerdem um Einzelfilme und Originalstoffe.

Tenet“ soll daran anschließen. Über die Filmgeschichte wurde vorher, wie man es von Nolan gewohnt ist, wenig verraten. Außer dass es um einen Agenten geht, der den Untergang der Welt verhindern soll. Dabei sind das Wort ‚Tenet‘, die Idee der Invertierung (oder Umkehrung), aus der Zukunft kommende Gegenstände, die in die Gegenwart geschickt werden, um den Weltuntergang herbeizuführen, und Zeitreisen wichtig.

Zusammen mit einigen Vertrauten und unerschöpflichen Ressourcen kämpft dieser Agent ohne Name („BlacKkKlansman“ John David Washington, im Abspann wird er ‚Protagonist‘ genannt) gegen die ebenso potenten Bösewichter, deren Gesicht der russische Oligarch Andrei Sator (Kenneth Branagh, schön fies) ist. Zwischen dem Agenten und Sator steht Kat (Elizabeth Debicki), Sators wunderschöne Frau, die ihren fiesen Ehemann gerne verlassen würde, von ihm aber zum Bleiben erpresst wird. Dieses Dreieck kopiert den Plot eines typischen James-Bond-Film der Prä-Daniel-Craig-Ära. Nur dass Nolan diese altbekannte Geschichte um Zeitreise-Hokuspokus ergänzt und sich anschließend mit all den Problemen von Zeitreise-Geschichten beschäftigen muss.

Das erste und größte Problem des Films liegt im Plan des Bösewichts. Denn es ist unklar, warum die Menschen aus der Zukunft die Gegenwart (und damit sich selbst) vollkommen und endgültig vernichten wollen. Sie wollen nicht ein, zwei Menschen töten, die später vielleicht etwas sehr böses tun werden (wie die Ermordung des Kindes Adolf Hitler, um so seine späteren Taten zu verhindern) oder eine bestimmte Entwicklung verhindern (wie in den „Terminator“-Filmen, wo es letztendlich auch um das Leben und Sterben eines Mannes geht), sondern sie wollen einen Weltkrieg entfachen, der die gesamte Menschheit vernichtet. Und damit auch sie. Es handelt sich hier also um Bösewichter, die die Welt vernichten wollen, bevor sie geboren werden. Irrationaler geht es wohl kaum.

Das zweite große Problem ist, dass bei all den Zeitreisen oder Zeitsprüngen (immerhin springen die meisten Menschen nur einen kurzen Moment zurück) gar nicht mehr so klar ist, wer was wo warum tut. Da poppen Figuren auf und verschwinden. Andere haben ein zweites Leben und Zeit wird zu einem höchst variablen Gut.

Aber, und das ist ein großer Pluspunkt des Films, es sieht spektakulär aus, wenn Fahrzeuge und Menschen gleichzeitig vorwärts und rückwärts durch das Bild laufen, sich verfolgen und miteinander kämpfen. Oder wenn Nolan in den ersten Minuten in einer atemberaubenden Actionsequenz zeigt, wie groß die Bedrohung ist. Da stürmen in Kiew Terroristen in einen vollbesetzten Konzertsaal. Kaum haben sie in der Oper die Besucher als Geisel genommen, stürmt eine Eliteeinheit das Gebäude und tötet alle. Diese eindeutig von den Ereignissen im Moskauer Dubrowka-Theater 2002 inspirierte Geiselnahme ist ein Ablenkungsmanöver, um einen Agenten, dessen Tarnung aufgeflogen ist, zu schützen und um an einen wichtigen Gegenstand zu kommen. Wie wichtig der Gegenstand für die Guten und die Bösewichter ist, zeigt die Zahl der bei dem Ablenkungsmanöver ermordeten Menschen. Später gibt es ein ähnlich spektakuläres Ablenkungsmanöver, wenn unser Held und sein Vertrauter Neil (Robert Pattinson) auf dem Osloer Flughafen aus einer Boeing 747 Goldbarren auf der Startbahn verteilen und das riesige Flugzeug in das Flughafengebäude fahren lassen. Dieser Crash soll von einem Einbruch in ein, zugegeben sehr gut gesichertes, Warenlager ablenken. Für diese Szene, die wie bei Nolan üblich, real gedreht wurde, schrotteten sie einen Jumbo-Jet. In einem anderen Fall sperrten sie für mehrere Wochen für einen komplizierten Diebstahl aus einem fahrenden Laster mit einer anschließenden Verfolgungsjagd und Schießerei mehrere Kilometer einer innerstädtischen Hauptverkehrsstraße. Wirklich spektakulär wird diese Szene, weil hier die Zeit vorwärts und rückwärts läuft.

Die Geschichte bewegt sich, wie man es aus den James-Bond- und „Mission Impossible“-Filmen kennt, globetrottend um die Welt. Gedreht wurde in Estland, Italien, Indien, Dänemark, Norwegen, Großbritannien und den USA.

Die reichlich vorhandenen Schauwerte können allerdings nicht über die enttäuschende Story hinwegtäuschen. Letztendlich erzählt „Tenet“ einen uralten Agententhrillerplot aus den sechziger und siebziger Jahren, als im Gefolge der unglaublich erfolgreichen James-Bond-Filme Geheimagenten um die Welt reisten, Sex mit schönen Frauen hatten (hier ist Nolan deutlich prüder) und gegen größenwahnsinnige Bösewichter, die die Welt vernichten wollten, kämpften. Spätestens mit den Austin-Powers-Filmen wurde dieser Plot zu Grabe getragen.

Nolan reanimiert ihn wieder und die Idee der Inversion und der Zeitreisen beschert etlichen Szenen interessante Wendungen. Auch weil die verschiedenen Figuren immer wieder bestimmte Orte und Ereignisse besuchen können. Aber weil Nolan seine abstruse und letztendlich sehr einfache Agentengeschichte mit heiligem Ernst und fern der Selbstironie der Bond-Filme erzählt, wird die Idiotie des Plans des Bösewichts unerträglich offensichtlich.

Beim Sound führt Nolan das Sounddesign von „Dunkirk“ fort. Es ist oft atemberaubend laut. Als Stilprinzip ist das okay. Leider versumpfen die Erklär-Dialoge oft im Sound. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es immer dann besonders laut wurde, wenn eine der Figuren zu einer längeren Erklärung ansetzte. Aber dafür gibt es ja Untertitel.

Im Gegensatz zu „Inception“, wo er eine vollkommen neue Welt und Physik erfand, bedient Nolan in „Tenet“ nur abgestandene Spionage- und Zeitreisetopoi. Am Ende können die Bilder, die Bildkompositionen, die Kamerafahrten und die druckvolle Inszenierung nur mühsam die Leere der Story übertünchen.

Tenet (Tenet, USA 2020)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

mit John David Washington, Robert Pattinson, Kenneth Branagh, Elizabeth Debicki, Dimple Kapadia, Aaron Taylor-Johnson, Michael Caine, Martin Donovan, Fiona Dourif, Yuri Kolokolnikov, Himes Patel, Clémence Poésy

Länge: 150 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Tenet“

Metacritic über „Tenet“

Rotten Tomatoes über „Tenet“

Wikipedia über „Tenet“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 26. August: Meine schöne innere Sonne

August 26, 2020

Arte, 22.00

Meine schöne innere Sonne (Un beau soleil intérieur, Frankreich/Belgien 2017)

Regie: Claire Denis

Drehbuch: Claire Denis, Christine Angot

Juliette Binoche, die hier die Künstlerin Isabelle spielt, taumelt allein und unglücklich durch Paris. Denn sie sucht die bedingungslose und kompromisslose Liebe.

TV-Premiere. „Ein brillantes Diskurs-Kino im Rückgriff auf Roland Barthes und Niklas Luhmann.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Philippe Katerine, Sandrine Dumas, Nicolas Duvauhelle, Gérard Depardieu

Hinweise

AlloCiné über „Meine schöne innere Sonne“

Rotten Tomatoes über „Meine schöne innere Sonne“

Wikipedia über „Meine schöne innere Sonne“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 25. August: Forrester – Gefunden!

August 24, 2020

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Sean Connery!

 

Servus TV, 20.15

Forrester – Gefunden! (Finding Forrester, USA 2000)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Mike Rich

Als Mutprobe bricht der sechzehnjährige Jamal Wallace (Rob Brown) bei dem Einsiedler William Forrester (Sean Connery) ein. Daraus entwickelt sich die Freundschaft zwischen einer Schriftstellerlegende und einem begabtem Schüler.

Herziges, aufbauendes Drama, das damals oft mit Gus Van Sants „Good Will Hunting“ verglichen wurde.

Nach „Forrester – Gefunden!“ drehte Sean Connery noch „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (ein Desaster, über das sie niemand freute und über das wir gerne ignorieren).

Anschließend, um 22.55 Uhr, zeigt Servus TV mit „Die Wiege der Sonne“ (Rising Sun, USA 1993) einen weiteren Connery-Film.

Mit Sean Connery, Rob Brown, F. Murray Abraham, Anna Paquin, Busta Rhymes, Matt Damon

Wiederholung: Mittwoch, 26. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Forrester – Gefunden!“

Wikipedia über „Forrester – Gefunden!“ (deutsch, englisch) und Sean Connery (deutsch, englisch)

My-Space-Seite von Gus Van Sant

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018)

Homepage von Sean Connery

Sean Connery in der Kriminalakte

Mein Text zu einem früheren Geburtstag von Sean Connery

 


TV-Tipp für den 24. August: Die Verfolgten

August 23, 2020

Arte, 20.15

Die Verfolgten (Les Guichets du Louvre, Frankreich 1974)

Regie: Michel Mitrani

Drehbuch: Albert Cossery, Michel Mitrani (nach einer Geschichte von Roger Boussinot)

Paris, Juli 1942: Student Paul versucht möglichst viele jüdische Bewohner des Viertels Saint-Paul vor einer Großrazzia zu warnen. Aber niemand glaubt ihm.

Der heutige TV-Tipp, ein ziemlich vergessener und daher sehr unbekannter Film, ist möglicherweise eine echte Entdeckung. 1974 lief „Die Verfolgten“ auf der Berlinale im Wettbewerb und anschließend nicht in den deutschen Kinos. Warum ist unklar. An der Qualität des Dramas scheint es, wenn man den positiven Besprechungen glaubt, nicht gelegen zu haben.

So urteilt der Filmdienst: „Ein authentisches Filmporträt der Einkesselung Pariser Juden durch die französische Polizei, durchweg eindringlich inszeniert und hervorragend gespielt. Bedeutsam auch als erster Spielfilm, der die maßgebliche Beteiligung von Behörden und Bevölkerung an der Judenverfolgung in Frankreich behandelte.“

mit Christian Rist, Christine Pascal, Judith Magre, Henri Garcin, Michel Robin, Michel Auclair

Hinweise

Arte über „Die Verfolgten“

Rotten Tomatoes über „Die Verfolgten“

Wikipedia über „Die Verfolgten“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 23. August (+ Buchtipps): World War Z

August 22, 2020

Pro7, 22.20

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

LV: Max Brooks: World War Z, 2006 (Operation Zombie, World War Z)

Wissenschaftler Gerry Lane (Brad Pitt) globetrottet auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen den Zombievirus um die Welt – und überall, wo er auftaucht, tauchen sind auch die sich unglaublich flott bewegenden Zombies.

Unterhaltsamer Zombie-Horror mit einer schwierigen Produktionsgeschichte. Als der Film sich in World-War-Z-Zombiegeschwindigkeit zum Kassenhit entwickelte, war schnell eine Fortsetzung im Gespräch. Inzwischen ist die Arbeit an ihr eingestellt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Wiederholung: Montag, 24. August, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „World War Z“

Rotten Tomatoes über „World War Z“

Wikipedia über „World War Z“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ (Roman) und Max Brooks (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Max Brooks‘ „World War Z“ (World War Z, 2006)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Christopher Robin“ (Christopher Robin, USA 2018)

Die Vorlage (derzeit nur antiquarisch erhältlich)

Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

Lesehinweis

Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman von Max Brooks auf Deutsch. In „Devolution“ muss sich eine in der Wildnis lebende Gruppe von Aussteigern gegen affenähnliche Kreaturen, die vom Instinkt zu überleben getrieben sind, wehren. Weil sie nach einem Vulkanausbruch von der Außenwelt abgeschnitten sind, sind sie auf sich allein gestellt.

Devolution“ ist sein erster Roman seit „World War Z“. Die ersten US-Kritiken sind positiv.

Max Brooks: Devolution

(übersetzt von Thomas Bauer)

Goldmann, 2020

464 Seiten

10 Euro

Originaltitel

Devolution

Del Rey, 2020


TV-Tipp für den 22. August: Terror 2000 – Intensivstation Deutschland

August 21, 2020

Arte, 01.30

Terror 2000 – Intensivstation Deutschland (Deutschland 1992)

Regie: Christoph Schlingensief

Drehbuch: Christoph Schlingensief, Oskar Roehler, Uli Hanisch

Gut versteckt mitten in der Nacht zeigt Arte zu Schlingensiefs zehntem Todestag den Abschluss seiner Deutschland-Trilogie. Die beiden Gangster Bössler und Jablo finden in der ostdeutschen Kleinstadt Rassau Asyl. Dort beginnen sie mit der Säuberung Deutschlands, wie das damals von einem rassistischen Mob auf der Straße gefordert wurde.

Terror 2000 – Intensivstation Deutschland“ ist nicht das ‚deutsche Kettensägenmassaker‘ aber trotzdem, inspiriert von den Schlagzeilen und diese konsequent weiterdenkend, geschmacksicher alle Tabus und Geschmacksgrenzen übertretend.

mit Alfred Edel, Udo Kier, Peter Kern, Margit Carstensen, Susanne Bredehöft, Dietrich Kuhlbrodt, Christoph Schlingensief, Oskar Roehler

Hinweise

Filmportal über „Terror 2000“

Moviepilot über „Terror 2000“

Rotten Tomatoes über „Terror 2000“

Wikipedia über Christoph Schlingensief


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Rüden“: Hunde, aggressive Männer und eine Trainerin

August 21, 2020

Das Gefängnis, in dem die Hundetrainerin Lu mit vier Häftlingen ein Anti-Gewalttraining absolvieren darf, ist kein reales Gefängnis, sondern eine Arena, die auch in einer Dystopie nicht deplatziert wäre. Sie ist ein auf ihre Wirkung beim Zuschauer hin entworfenes, ihre Künstlichkeit betontes brutalistisches Bühnenbild, das hundertprozentig zur Aussage des Films passt.

Die erste Idee für ihren neuen Film „Die Rüden“ hatte Connie Walther als sie die Hundetrainerin Nadin Matthews, die im Film Lu spielt, kennen lernte und sie zu einem viertägigen Aggressions-Seminar in die JVA Wriezen begleitete.

Bei der Recherche für den Film kontaktierte sie später den Berliner Verein Gangway. Gangway ist der größte Träger von Straßensozialarbeit in Deutschland. Zusammen führten sie einen Workshop durch, in dem Laien mit professionellen Schauspielern zusammen arbeiteten. Daraus entstand das Theaterstück „Wir müssen draußen bleiben“, das im April 2017 in Berlin seine Premiere hatte.

In dem Film, der eine ganz andere Geschichte als das Theaterstück erzählt, arbeitet Walther wieder mit Laien zusammen, die mehr oder weniger sich selbst spielen. Die Filmgeschichte, in der sie mitspielen, funktioniert vor allem als Versuchsanordnung, in der vier Häftlinge auf drei hoch aggressive Hunde und eine toughe Hundetrainerin treffen. Die Häftlinge sollen so ihre Aggressionen verarbeiten und auch eine Beziehung zu den Hunden herstellen.

Walther erzählt diese Annäherung und mögliche Wandlung extrem stilisiert in langen Einstellungen, kargen Dialogen und kurzen Fantasy-Sequenzen. Es sind Sätze und Situationen, aus denen die Botschaft über das Tier im Menschen und wie die Gesellschaft über Macht- und Unterdrückungsverhältnisse strukturiert ist, förmlich herausgehauen wurden. Wenn Lu mit den Gefangenen über das Verhältnis von Hund zu Mensch redet, dann redet sie gleichzeitig über das Verhältnis der gewalttätigen Sträflinge zur Gesellschaft und unter welchen Bedingungen sie an ihr teilnehmen dürfen.

In der im Film präsentierten Weltsicht gibt da keinen Unterschied. Menschen sind hier wie Tiere. Mitgefühl und Empathie gibt es nicht. Gewalt kann nur mit Gewalt beantwortet werden. Die furchtlosere und damit physisch stärkere Person überlebt und setzt sich an die Spitze des Rudels. Beziehungsweise der Gesellschaft.

Allerdings ist ein Gefängnis kein 1-zu-1-Abbild der Gesellschaft und es ist das Gegenteil eines herrschaftsfreien Raums. Der gesamte Tagesablauf der Gefangenen ist strukturiert. Ihnen wurde jede Freiheit genommen. Für eine bestimmte Zeit, die, wenn sie sich falsch verhalten, verlängert werden kann. Die Wärter entscheiden über jede Kleinigkeit. Sie können Vergünstigungen gewähren und sie nach Belieben entziehen. Das ist der Rahmen für Lus Anti-Gewalt-Training. Die aus dieser künstlich herbeigeführten Situation entstehende Analyse der Gesellschaft ist bitter und letztendlich auch ohne Hoffnung auf eine bessere Welt.

Allerdings bestimmt das Design der Situation das Verhalten der teilnehmenden Akteure. Entsprechend determiniert ist das Ergebnis. Es wird halt nur das bewiesen, was man auch beweisen wollte. Bewusste Auslassungen – So erfahren wir nie, wann, wo und in welcher Gesellschaft „Die Rüden“ spielt. – betonen das Allgemeingültige der Situation.

Am Ende der düsteren Allegorie bleibt der Eindruck eines betont künstlichen Gedankenspiels. Faszinierend und auch interessant ist der extrem stilisierte Film gerade wegen seiner extrem düsteren Sicht auf das menschliche Zusammenleben und der Konsequenz mit der diese Sicht auf die conditio humana erzählt wird. Ein richtiges Feelbad-Movie eben.

Die Rüden (Deutschland 2018)

Regie: Connie Walther

Drehbuch (Konzept): Nadin Matthews

mit Nadin Matthews, Ibrahim Al-Khalil, Konstantin-Philippe Benedikt, Ali Khalil, Marcel Andrée, Sabine Winterfeldt, Robert Mehl, Mathis Landwehr

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Rüden“

Moviepilot über „Die Rüden“

 


TV-Tipp für den 21. August: Star Wars: Eine neue Hoffnung

August 20, 2020

Pro7, 20.15

Star Wars: Eine neue Hoffnung (aka: Krieg der Sterne – Special Edition) (Star Wars, USA 1977)

Regie: George Lucas

Drehbuch: George Lucas

Darth Vader entführt Prinzessin Leia. Der Jüngling Luke Skywalker macht sich auf den Weg, sie aus den Fängen des Bösewichts zu retten.

Heute wird die 1997 von George Lucas himself digital aufgepeppte Version seines Klassikers gezeigt. Naja, immerhin besser als nichts.

Die zeitgenössische Kritik war nicht amüsiert („Ramschladen“ [Der Spiegel], „ein Verbrechen“ [Film und Fernsehen], „Star Wars offenbart sich als ein Film, der den Zuschauer in seinen Ängsten gefangenhalten will, um ihm eine affirmative Haltung zur Macht zu erleichtern.“ [SF-Baustelle], „Star Wars gehört zu jenen zahllosen Filmen, die das Publikum unmündig halten wollen.“ [Science Fiction Times]).

Variety meinte: „An der Kinokasse dürfte der Film, der potentiell alle Altersgruppen anspricht, zauberhafte Ergebnisse erzielen.“

Das Werk wurde ein Blockbuster.

„Im nachhinein ist es einfach, die Schwachstellen in Krieg der Sterne zu finden: Er ist mehr naiv als unschuldig erzählt; er arbeitet nicht mit Andeutungen, sondern mit geklauten Ideen. (…) Kurz gesagt, ist Krieg der Sterne eine durchdacht hergestellte Märchengeschichte, die sorgfältig aus Stücken seiner Hauptinspiration Rocket Ship (Flash Gordon, 1936) und zahlreichen anderen Filmen und Serien zusammengefügt ist, die trotz ihrer herrlichen Verrücktheiten mit einigen Ausnahmen (für die Flash Gordon das beste Beispiel ist) ihre bizarren Plots in eine Moral packten, die weitaus enger gefasst war als die in alten Märchengeschichten. (…) Krieg der Sterne ist ein erheiternder Film.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)

Nicht erstaunlich ist, dass „Krieg der Sterne“ 1978 einen Hugo gewann. Erstaunlich ist aber die Drehbuchnominierung der Writers Guild of America. Nicht, dass das Buch nominiert wurde, sondern dass es in der Kategorie „Best Comedy Written Directly for the Screen“ nominiert wurde.

Obwohl – witzig ist der „Krieg der Sterne“ schon. Irgendwie.

Mit Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guiness, Anthony Daniels, Kenny Baker, David Prowse, Peter Mayhew, Phil Brown

Hinweise

Homepage zu “Star Wars” (Lucasfilm)

Wikipedia über „Krieg der Sterne“ (deutsch, englisch)

Deutsche “Krieg der Sterne”-Fanseite

Simply Scripts: Drehbuch “Star Wars” von George Lucas (Links zu den verschiedenen Versionen. Die ersten Fassungen unterscheiden sich sehr von dem verfilmten Drehbuch.)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht“) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von James Frys „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The Last Jedi, 2018) (Filmroman)

Meine Besprechung von Rae Carsons „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars – The Rise of Skywalker, 2020) (Filmroman)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tesla“, der Erfinder und sein Leben

August 20, 2020

Sagen wir es einfach und ohne zu viel technisches Brimborium, das meinen bescheidenen Verstand übersteigt: ohne die Entdeckungen und Erfindungen von Nikola Tesla sähe die Welt heute anders aus. Auf ihn geht die erste praktische Verwendung des Wechselstroms, die Tesla-Spule, zurück. Sie war der Grundstein für drahtlose Technologien und wird noch heute in der Funktechnik verwendet. Weltweit wurden ungefähr dreihundert Patente auf seinen Namen eingetragen. Für weitere Erfindungen wurde kein Patent von ihm beantragt.

Aber war dieser Nikola Tesla? Nach Michael Almereydas ungewöhnlichem Biopic „Tesla“ war der 1856 in dem Dorf Smiljan, das damals zum Kaisertum Österreich und heute zu Kroatien gehört, geborene Erfinder ein introvertierter, im zwischenmenschlichen Umgang gehemmter Wissenschaftler, der vor allem für seine visionären Ideen und Forschungen lebte. In finanziellen Dingen war er höchst unbedarft. 1884 kam er in die USA. Der bekannte Erfinder und Geschäftsmann Thomas Alva Edison stellte ihn ein. Bereits nach wenigen Monaten verließ Tesla Edisons Unternehmen.

In den nächsten Jahren entbrannte zwischen ihnen der Stromkrieg. Edison war ein Anhänger des Gleichstroms. Tesla des Wechselstroms. Diese Technik ermöglicht es, dass Strom durch Kabel nahezu verlustfrei über große Strecken transportiert werden kann. Tesla, oder sagen wir besser Teslas Erfindungen, wurden von verschiedenen Investoren, vor allem von George Westinghouse und J. P. Morgan, unterstützt. Sie finanzierten über die Jahre seine Forschungen und verdienten an ihnen. Dabei übervorteilten sie den an Geld und Eigentum (festgelegt in Patenten) nicht interessierten Nikola Tesla immer wieder.

Erzählt wird „Tesla“ von Anne Morgan. Sie war J. P. Morgans Tochter. Im Film taucht sie als Teslas Freundin und als Erzählerin auf, die Teslas Leben auch mit Hilfe des Internets erzählt. Immer wieder stellt sie eine imaginierte und damit sehr filmische Version der Ereignisse den wahren Ereignissen gegenüber. Sie erzählt, wie der Stromkrieg zwischen Edison und Westinghouse sich entwickelte. Der Erfinder Tesla stand dabei zwischen den beiden um die Vorherrschaft auf dem Strommarkt (und den damit verbundenen Entwicklungen und Einnahmen) kämpfenden Investoren. Morgan erzählt auch von Teslas Suche nach der Freien Energie und von seiner Beziehung zur damals weltbekannten Schauspielerin Sarah Bernhardt.

Durch die Erzählerin, die gleichzeitig als Zeitgenossin und als heute lebende Erzählerin auftritt, erfährt Michael Almereydas „Tesla“ eine interessante Brechung, die durch weitere Anachronismen verstärkt wird. Im Gegensatz zu anderen Biopics, in denen die Bilder immer behaupten, dass sie die wahre Geschichte der historischen Ereignisse erzählen, wird in „Tesla“ immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um eine Interpretation der damaligen Ereignisse aus unserer heutigen Perspektive handelt. Damit dekonstruiert Almereyda seine Biopic-Geschichte schon während er sie erzählt.

Almereyda schrieb das Drehbuch zu dem inzwischen kultigen SF-Trash „Cherry 2000“ und er war einer der Drehbuchautoren von Wim Wenders‘ „Bis ans Ende der Welt“. Sein bekanntester Film ist „Hamlet“. In dem Drama verlegte er William Shakespeares gleichnamiges Stück in das heutige New York. Die Hauptrollen übernahmen Ethan Hawke und Kyle MacLachlan. Jetzt, zwanzig Jahre später, treten sie wieder gemeinsam in einem Film auf. Kyle MacLachlan spielt Thomas Alva Edison. Ethan Hawke Nicola Tesla. Und Hawkes Darstellung des im Umgang mit anderen Menschen extrem schweigsamen und steifen Genies überzeugt. Während des gesamten Films ist in Hawkes Gesicht kaum eine Regung sichtbar. Bis er am Ende dann seine Version des „Tears for Fears“-Hits „Everybody wants to Rule the World“ zum Besten gibt.

Tesla“ ist kein einfach konsumierbares Biopic, sondern ein, durchaus innerhalb der Konventionen, immer wieder eigene Wege beschreitendes und die üblichen Biopic-Konventionen unterlaufendes Drama, das so versucht Teslas Persönlichkeit gerecht zu werden.

Tesla (Tesla, USA 2020)

Regie: Michael Almereyda

Drehbuch: Michael Almereyda

mit Ethan Hawke, Eve Hewson, Kyle MacLachlan, Jim Gaffigan, Donnie Keshawarz, Rebecca Dayan, Josh Hamilton, Lucy Walters

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Tesla“

Metacritic über „Tesla“

Rotten Tomatoes über „Tesla“

Wikipedia über „Tesla“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. August: Fahrenheit 11/9

August 20, 2020

Phoenix, 20.15

Fahrenheit 11/9 (Fahrenheit 11/9, USA 2018)

Regie: Michael Moore

Drehbuch: Michael Moore

Vor der Wahl zum Senat und Repräsentantenhaus im November 2018 holte Michael Moore zu einem Rundumschlag gegen US-Präsident Donald Trump aus. Er fragt, wie es passieren konnte, dass ein offensichtlich unqualifizierter Chaot, Egozentriker, Lügner und Rassist gewählt wurde und er zeigt den Widerstand gegen ihn. In etwas über zwei Stunden entsteht ein Porträt der USA, im typischen Michael-Moore-Stil, bei dem man erstaunt sieht, was man, angesichts immer neuer Skandale, Unfähigkeiten und Lügen, schon vergessen hat. Denn dieser Film ist nur eine Skandalchronik der ersten beiden Jahre.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michael Moore, Donald Trump, Barack Obama, Katie Perry

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Fahrenheit 11/9“

Metacritic über „Fahrenheit 11/9“

Rotten Tomatoes über „Fahrenheit 11/9“

Wikipedia über „Fahrenheit 11/9“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Moores „Fahrenheit 11/9“ (Fahrenheit 11/9, USA 2018)


TV-Tipp für den 19. August (+ Buchtipp): Der Mandant

August 18, 2020

Nitro, 20.15
Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)
Regie: Brad Furman
Drehbuch: John Romano
LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)
Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.
Rundum geglückte Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere einen gewaltigen Schub in Richtung interessanter Projekte gab.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.
mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Lektürehinweis

Zuletzt von Michael Connelly auf Deutsch erschienen:

Auf eigene Faust ermittelt die in die Nachtschicht verbannte LAPD-Ermittlerin Renée Ballard in zwei Fällen. In dem einen wurde eine junge Frau halbtot auf dem Santa Monica Boulevard gefunden. In dem anderen erschoss ein Mann in einem Promi-Club fünf Menschen.

In ihren nächsten beiden, in den USA bereits erschienen Fällen ermittelt Ballard zusammen mit ihrem Kollegen Harry Bosch. Und einmal taucht auch Michael Haller auf. Die Großstadt ist halt doch nur ein Dorf mit vielen Menschen.

Michael Connelly: Late Show – Renée Ballard: Ihr erster Fall

(übersetzt von Sepp Leeb)

Kampa, 2020

432 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe

Late Show

Little, Brown and Company, 2017

 

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mandant“

Wikipedia über „Der Mandant“ (deutsch, englisch)

Michael Connelly unterhält sich mit Matthew McConaughey über den Film

Meine Besprechung der Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)

Meine Besprechung von Brad Furmans „The Infiltrator“ (The Infiltrator, Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 18. August: Hot Shots! Die Mutter aller Filme

August 18, 2020

Kabel Eins, 20.15

Hot Shots! Die Mutter aller Filme (Hot Shots: An important Movie, USA 1991)

Regie: Jim Abrahams

Drehbuch: Jim Abrahams, Pat Proft

Blöde gut, diese Parodie auf Hollywood-Filme wie dieser Fliegerfilm mit Tom Cruise. In „Hot Shots!“ zieht US-Pilot Topper Harley in den Krieg gegen einen Diktator.

Mit Charlie Sheen, Cary Elwes, Valeria Golino, Lloyd Bridges, Kevin Dunn, Jon Cryer, William O’Leary, Kristy Swanson, Efrem Zimbalist Jr.

Wiederholung: Mittwoch, 19. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Hot Shots!“

Wikipedia über „Hot Shots!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. August: Paris, Texas

August 16, 2020

One, 20.15

Paris, Texas (Deutschland/Frankreich 1984)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Sam Shepard

Nachdem Travis vier Jahre spurlos verschwunden war, kehrt er zurück. Sein achtjähriger Sohn Hunter ist inzwischen bei seinem Bruder in Los Angeles. Seine Frau Jane ist in Houston. Travis macht sich Hunter auf die Suche nach ihr.

In Cannes erhielt Wenders für „Paris, Texas“ die Goldene Palme. Auch an der Kinokasse war „Paris, Texas“, trotz seiner moralisch abstrusen Geschichte, ein Erfolg. In Deutschland sahen sich über eine Million Menschen den Film an.

Ry Cooder schrieb die spartanische Musik. Robby Müller fand die einprägsamen Americana-Bilder, in denen die USA ein Sehnsuchtsort ist und die Mutter-Kind-Zusammenführung von Travis, dem letzten Cowboy, der wortkarg seine Mission erledigt, als logisch erscheint.

Einer von Wim Wenders‘ schönsten und besten Filmen.

mit Harry Dean Stanton, Natassja Kinski, Hunter Carson, Aurore Clement, Dean Stockwell, Bernhard Wicki

Hinweise

Filmportal über „Paris, Texas“

Rotten Tomatoes über „Paris, Texas“

Wikipedia über „Paris, Texas“ (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders


TV-Tipp für den 16. August: Der Himmel über Berlin

August 15, 2020

One, 20.15

Der Himmel über Berlin (Deutschland/Frankreich 1987)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders, Peter Handke

Kultfilm, Klassiker und, inzwischen, ein historisches Dokument. Denn die Engel Damiel und Cassiel besuchen und schweben über die damals die Stadt trennende Mauer und besuchen Berliner Orte, die es heute so nicht mehr gibt. Das könnte ewig so weitergehen, wenn Damiel sich nicht in die Artistin Marion verlieben würde. Jetzt überlegt er, ob er für sie sein Engeldasein aufgeben und sterblich werden soll.

mit Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander, Curt Bois, Peter Falk, Teresa Harder, Nick Cave

Hinweise

Filmportal über „Der Himmel über Berlin“

Rotten Tomatoes über „Der Himmel über Berlin“

Wikipedia über „Der Himmel über Berlin“ (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders


Neu im Kino/Filmkritik: „Nur ein Augenblick“, Karim will seinen Bruder aus dem Kriegsgebiet retten

August 15, 2020

Mit „Nur ein Augenblick“ startet, neben dem Geiselthriller „Der letzte Mieter“ (aka ‚Häuserkampf, Berlin Style‘), ein weiterer deutscher Thriller in unseren Kinos und wie „Der letzte Mieter“ ist „Nur ein Augenblick“ ein ziemlich gelungener Genrefilm.

Im Mittelpunkt von Randa Chahouds Spielfilmdebüt – sie inszenierte vorher mehrere Fernsehfilme und Episoden für TV-Serien, wie den Münsteraner Tatort „Lakritz“, „Deutschland 89“ und „Ijon Tichy: Raumpilot“ – steht Karim Reza. Als er erfährt, dass sein Bruder in Syrien gefangen gehalten wird, bricht er auf, um herauszufinden, was geschehen ist. Dafür muss er zurück in seine alte Heimat, die er fünf Jahre früher, während der letzten Tage des Arabischen Frühlings, verließ. Genaugenommen schickten seine Eltern und sein Bruder ihn damals nach Hamburg. Dort soll es ihm besser gehen.

Fünf Jahre später ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Er wird demnächst sein Studium erfolgreich beenden. Er hat eine Freundin. Und sie erwarten ein Kind.

Da ist der Weg zurück schwierig. Aber es soll ja nur ein kurzer Ausflug sein, bei dem er frühere Freunde trifft und ihnen einige Fragen stellt. Über die Türkei geht es in das Kriegsgebiet, wo er schnell in die Kämpfe verwickelt wird.

Anfangs folgt Randa Chahoud ziemlich genau den etablierten und bewährten Drehbuchregeln, was dem Film zum Vorteil gereicht. Die Figuren und der zentrale Konflikt werden schnell eingeführt. Karims Weg vom Studenten zum Kämpfer wider Willen ist ebenso nachvollziehbar.

Später schwächelt die Dramaturgie. Einerseits konzentriert sich die Filmgeschichte, sicher auch budgetbedingt, auf Karims Freundin Lilly und ihre Probleme mit einem gemeinsamen Studienfreund, Karims Eltern (die aus Syrien flüchteten und von Lilly aufgenommen werden), ihre Schwangerschaft und ihr Baby. Keiner dieser Konflikte bringt Karims Geschichte voran. Keine dieser Geschichten ist wahnsinnig interessant. Einige Schnitte zwischen Karims und Lillys Erlebnissen sind hochproblematisch.

Hier, also in Lillys Geschichte, gibt es dann auch einige arg hölzerne Dialoge. Wobei junge Erwachsene im Zweifel eher in schlechten Drehbuchsätzen als in formvollendeten, literarisch ausgefeilten Sätzen zu reden.

Das Problem bei dieser Konzentration auf Lillys Leben ist, dass in diesen Momenten Karims Schicksal in den Hintergrund gerät. Dabei hätte man gerne mehr über seine Erlebnisse in Syrien, wo er sich notgedrungen und widerwillig Rebellen anschließt und inhaftiert wird, erfahren. Auch wie er am Ende des zweiten Akts (wenn wir der Syd Fieldschen Drehbuchstruktur folgen) nach Deutschland zurückkehrt, hätte mehr Raum als zwei Sätze und eine Umarmung verdient.

Trotzdem ist „Nur ein Augenblick“ eine erstaunlich souveräne Aneignung und Adaption bekannter Genremotive auf die deutsche Gesellschaft und ein aktuelles Thema. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber es setzt sich wohltuend von früheren krampfhaften und glücklicherweise längst vergessenen Genreversuchen ab, die in unseren Kinos liefen.

Nur ein Augenblick (Deutschland/Großbritannien 2019)

Regie: Randa Chahoud

Drehbuch: Randa Chahoud

mit Mehdi Maskar, Emily Cox, Jonas Nay, Amira Ghazalla, Husam Chadat, Marwan Moussa, Tariq Al-Saies

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur ein Augenblick“

Moviepilot über „Nur ein Augenblick“