Nach einem Streit mit ihrem Freund trifft Leah Vaughn (Sanaa Lathan) in der Schlange eines Cafés auf Carter Duncan (Michael Ealy), einen höflichen und sehr aufmerksamen Mann. Als sie sich kurz darauf von Dave (Morris Chestnut) trennt, weil er sie noch nicht heiraten will, trifft sie wieder, wieder scheinbar zufällig, Carter. Sie verabreden sich zum Essen und eins kommt zum anderen. Carter ist wirklich der titelgebende „Perfect Guy“, der sogar von Leahs knurrigem Vater schnell akzeptiert wird.
Dummerweise, und das ist jetzt keine große Überraschung, hat Carter auch eine dunkle Seite. An einer Tankstelle verprügelt er einen Mann, der sich mit Leah unterhält und als sie sich danach, schockiert von der für sie ungewohnten Gewaltätigkeit, von Carter trennt, beginnt der verschmähte Liebhaber sie zu verfolgen. Denn ein „Nein“ akzeptiert der Stalker nicht.
Wer auch nur einen dieser zahlreichen Thriller gesehen hat, in denen ein Mensch eine verhängnisvolle Affäre hat, kann sich schnell die Geschichte von „The Perfect Guy“ bis zur letzten Minute ausmalen. Auf dieser Ebene gibt es in David M. Rosenthals ansprechend inszeniertem Film keine einzige Überraschung. Auch das Ende, wenn Leah, nach einem Gespräch mit einem verständnisvollem Polizisten, sich eine Schrotflinte besorgt hat, und alles auf die finale und tödliche Konfrontation hinausläuft, ist vorhersehbar. Was schade ist. Denn Leah ist als gut bezahlte Lobbyistin eigentlich eine intelligente Frau, die, wenn sie nur zwei Sekunden nachgedacht hätte, sicher eine viel smartere Lösung gefunden hätte, um Carter zu besiegen. Das hätte dem Thriller dann auch eine interessante Note verpasst.
Überraschend bei dem Film ist allerdings die, bis auf den Polizisten und wenige Nebenfiguren, ausschließlich afroamerikanische Besetzung, die hier alle typische gut gekleidete, gut aussehende, sich gut benehmende, in schönen Häusern lebende WASP-Charaktere verkörpern. Das ist bei Hollywood-Filmen immer noch ziemlich selten.
3sat, 22.25 Geliebte Aphrodite (USA 1995, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Lenny Weinrib (Woody Allen) und seine Frau haben Max adoptiert. Als ihre Liebe erkaltet, sucht Lenny die leibliche Mutter von Max. Es ist Linda (Mira Sorvino). Ein Callgirl. Lenny will sie auf den Pfad der Tugend zurückführen. Und ein griechischer Chor kommentiert die Ereignisse.
Wunderschöne Komödie von Woody Allen. Er erhielt für sein Drehbuch eine Oscar-Nominierung, Mira Sorvino erhielt, unter anderem, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA als beste Nebendarstellerin.
„Woody Allen alt? Keine Spur. Bei ihm hören die besten Zeiten einfach nie auf.“ (Fischer Film Almanach 1997)
mit Woody Allen, Mira Sorvino, F. Murray Abraham, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Jack Warden, Paul Giamatti Hinweise Rotten Tomatoes über „Geliebte Aphrodite“
Wikipedia über „Geliebte Aphrodite“ (deutsch, englisch)
Arte, 20.15 M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte den extrem selten gezeigten Agenten-Thriller „Ministerium der Angst“, der ebenfalls von Fritz Lang ist.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen Wiederholung: Freitag, 4. Dezember, 00.40 Uhr (Taggenau!) Hinweise
3sat, 22.15 Manhattan (USA 1979, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Während TV-Autor Isaac Davis sich noch mit seiner lesbischen Ex (die ihre gescheiterte Ehe vermarktet) kabbelt, hat er bereits eine neue Freundin und schon ein Auge auf seine Zukünftige geworfen. Und er will ein Buch schreiben.
Einer von Woody Allens schönsten Filmen. In SW und damit stilbildend für unser Bild von, nun, Manhattan als Sehnsuchtsort.
Um 20.15 Uhr und um 00.45 Uhr zeigt 3sat „Midnight in Paris“. Das Erste zeigt um 00.20 Uhr „Ich sehe den Mann deiner Träume“ und um 01.55 Uhr „Whatever works – Liebe sich wer kann“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Michael Murphy, Mariel Hemingway, Meryl Streep, Anne Byrne, Karen Ludwig, Michael O’Donoghue, David Rasche Wiederholung: Mittwoch, 2. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Manhattan“
Wikipedia über „Manhattan“ (deutsch, englisch)
Der Stadtneurotiker (USA 1977, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Der vierzigjährige, neurotische Komiker Alvy Singer erzählt von seinem Leben und seiner Beziehung zu Annie Hall.
Woody Allens bekanntester Film. Hier ist für uns Zuschauer kein Unterschied zwischen Woody Allen und dem von ihm erfundenen Alvy Singer zu spüren – und dabei ist letztendlich doch alles erfunden. Jedenfalls irgendwie.
„Annie Hall“ erhielt die Oscars für den besten Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin (Diane Keaton) und zahlreiche weitere Preise.
Danach, um 21.45 Uhr, läuft „Woody Allen: A Documentary“ (sehenswert!) und in den kommenden Tagen zeigen alle Sender Woody-Allen-Filme, weil Woody Allen am Dienstag einen runden Geburtstag hat, den er wahrscheinlich mit Dreharbeiten für seinen nächsten Film verbringt.
Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Carol Kane, Paul Simon, Janet Margolin, Shelley Duvall, Christopher Walken, Marshall McLuhan (als er selbst), Jeff Goldblum (Partygast), Walter Bernstein (Annies Date vor dem Theater), Sigourney Weaver (Alvys Date vor dem Theater), Truman Capote (Capote Look-Alike)
The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, Regie: Steven Soderbergh)
Drehbuch: Paul Attanasio
LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)
Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-Journalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.
Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?
Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges
Mit seinem neuen Roman „Leavin Berlin“ kehrt Joseph Kanon zurück in das Nachkriegsberlin. Im Januar 1949 wird der deutsch-jüdische Schriftsteller Alex Meier wegen seiner prokommunistischen Ansichten aus den USA ausgewiesen. Da bietet ihm die CIA eine Möglichkeit zur Rückkehr an. Meier muss über seine Jugendliebe, die inzwischen mit einem russischen Major liiert ist, an Informationen über den Uranabbau im Erzgebirge kommen.
Das hört sich doch ganz spannend an.
Auch wenn ich nicht verstehen kann, warum irgendjemand Berlin verlassen möchte.
– Joseph Kanon: Leaving Berlin (übersetzt von Elfriede Peschel) C. Bertelsmann, 2015 448 Seiten
19,99 Euro
– Originalausgabe
Leaving Berlin
Simon & Schuster, London, 2014
Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod (USA 1995, Regie: Mike Figgis)
Drehbuch: Mike Figgis
LV: John O’Brien: Leaving Las Vegas, 1990 (Leaving Las Vegas)
Ben ist Drehbuchautor und Trinker. Er macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich dort zu Tode zu trinken. Da trifft er Sera, eine Hure, die seine Begleiterin auf seinem Trip in den Tod wird.
Beeindruckendes Trinkerdrama, das nach einem autobiographischem Roman entstand und für das Nicolas Cage unter anderem einen Oscar als bester Darsteller erhielt. Im Nachhinein beendete „Leaving Las Vegas“ die Phase in Cages Leben, in der er ein ernstzunehmender Schauspieler war. Danach trat er in „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off – Im Körper meines Feindes“ (der im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ein tiefsinniges Drama ist) auf und es wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch viel schlimmer. Ich sage nur “Ghost Rider”.
mit Nicolas Cage, Elizabeth Shue, Julian Sands, Emily Procter, Valeria Golino, Mike Figgis, R. Lee Ermey, Mariska Hargitay, Danny Huston, Bob Rafelson, Xander Berkeley, Lou Rawls, Julian Lennon
Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“, obwohl die Prämisse von „Highway to Hellas“ sehr nach „Local Hero“ klingt, dieser herzigen Komödie von Bill Forsyth, in der ein US-Amerikaner aufgrund seines schottischen Namens ein abgelegen an der Küste gelegenes schottisches Dorf überzeugen soll, dass eine riesige Ölraffinerie vor der Haustür eine tolle Angelegenheit sei.
In „Highway to Hellas“ soll Jörg Geissner für die AVO-Bank die Sicherheiten für einen Kredit, den die Bank der griechischen Insel Paladiki vor Jahren zur Entwicklung des Tourismus gewährte, überprüfen. Die Inselbewohner sind von dem Besuch aus Deutschland nicht begeistert. Aber südländisch gewitzt wie sie sind, wollen sie den stocksteifen deutschen Aktenfresser so lange an der Nase herumführen, bis er bestätigt, dass die in der Realität nicht vorhandenen Sicherheiten für den Kredit vorhanden sind.
Deshalb beginnen die wenigen Inselbewohner (insgesamt scheint die Insel mit einem großen Leerstand bezugsfertiger Wohnungen nur von einer Handvoll Menschen bewohnt zu sein) mit einer Charade, die alles das enthält, was einem halt so einfällt, wenn man die bekannten Klischees über Griechenland und die Südeuropäer so sammelt. Es gibt also bunte Fassadenhäuser, epische Beerdigungen, reichlich Alkohol und wonneproppige Frauen. Es gibt Improvisationen und kleine Gemeinheiten, wenn Herr Geissner (gespielt von Christoph Maria Herbst, der seit Stromberg nur noch einen Typ spielen darf) auf einem Esel reitet oder, tags drauf, Sozius auf dem Motorrad des deutsch-griechischen Klein-Casanova-Einzelhändlers Gigolo Panos (Adam Bousdoukos) sein darf, das natürlich prompt liegen bleibt.
Diese eher weniger witzigen Episoden plätschern dann so aufregend wie eine schlechte „Traumschiff“-Folge bis zum vorhersehbaren und auch unbefriedigenden Ende vor sich hin. Da gibt es dann sogar ein, zwei Überraschungen, die, wenn sie früher präsentiert worden wären, auch aus dieser arg vor sich hin langatmigen Geschichte einen besseren Film gemacht hätten.
Allerdings, das muss auch gesagt werden, taugt das auf Harmonie machende Ende noch nicht einmal als Scheinlösung. Jedenfalls wenn man sich nur eine Zehntelsekunde fragt, was jetzt aus den Plänen der AVO-Bank wird. Diese und der Widerstand der Inselbewohner dagegen hätten die Grundlage für einen guten Film sein können. Aber die Macher drehten einen anderen Film.
So ist „Highway to Hellas“ vor allem behauptete Völkerverständigung mittels sich bestätigender Klischees.
Highway to Hellas (Deutschland 2015)
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Arnd Schimkat, Moses Wolff, Aron Lehmann
LV/Buch zum Film (oder so): Arndt Schimkat/Moses Wolff: Highway to Hellas, 2014
mit Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos, Akillas Karazisis, Christos Valavanidis, Giorgos Kotanidis, Rosalie Thomass, Eva Bay, Errikos Litsis, Gitta Schweighöfer
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Filmportal über „Highway to Hellas“ Film-Zeit über „Highway to Hellas“ Moviepilot über „Highway to Hellas“
Als James Donovan (Tom Hanks) 1957 die Anfrage für ein Pflichtmandat erhält, will er zuerst ablehnen. Nach dem Krieg war er zwar Assistent des Hauptanklagevertreters bei den Nürnberger Prozessen, aber jetzt ist er vor allem ein Versicherungsanwalt. Strafrecht hat er schon lange nicht mehr praktiziert. Aber solche Pflichtmandate müssen gemacht werden. Er wird also Rudolf Abel (Mark Rylance) verteidigen. Abel ist ein hochrangiger sowjetischer Spion und ihm droht die Todesstrafe. Donovan kann sie verhindern, indem er argumentiert, dass es möglich sei, dass in naher Zukunft die Sowjets einen wichtigen US-Bürger verhaften. Dann könne man die Gefangenen austauschen.
Am 1. Mai 1960 schießen die Sowjets den U-2-Piloten und CIA-Spion Francis Gary Powers während eines Spionagefluges, den er über ihrem Gebiet unternimmt, ab. Sie präsentieren ihn und seine Spionageausrüstung im Fernsehen und verurteilen ihn zu einer langjährigen Haftstrafe.
Anfang 1962 soll Donovan im Auftrag der US-Regierung in Berlin über den Austausch verhandeln.
Auch wenn man weiß, wie die Geschichte damals endete – es war der erste Gefangenenaustausch zwischen Ost und West, die Medien berichteten damals nachträglich groß darüber und Donovan veröffentlichte schon 1964 ein Buch über seine Begegnung mit Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel und den Gefangenenaustausch – ist „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ein spannender Thriller, in dem Steven Spielberg nach der enttäuschenden Geschichtsstunde „Lincoln“ wieder zur gewohnten Form zurückkehrt. Denn trotz einer Laufzeit von über 140 Minuten wird es nie langweilig. Das straffe und pointierte Drehbuch von Matt Charman und den Coen-Brüdern half sicher. Alle Hintergründe werden erklärt (was bei „Lincoln“ ein Problem war), die Geschichte entwickelt sich beständig weiter und die Schauspieler dürfen mit klugen Sätzen brillieren, während die Ausstattung sich im Zeitkolorit badet und Spielbergs Stamm-Kameramann Janusz Kaminski (der für „Schindlers Liste“ und „Saving Private Ryan“ Oscars erhielt) die damalige Zeit und auch die damals beliebten, heute eher vergessenen Kalter-Krieg-Thriller, in denen es in Ost-Berlin mindestens fünf Grad kälter als in West-Berlin ist, wieder aufleben lässt. Dass auch an historischen Orten, wie der Glienicker Brücke, an der dieser erste von mehreren Gefangenaustäusche stattfand, gedreht wurde, erhöht nur die Glaubwürdigkeit der wahren Geschichte, bei der sich für den Film einige wenige Freiheiten genommen wurden, die vor allem Geschichts-Geeks in den Wahnsinn treiben.
Alle anderen dürfen einen feinen Schauspielerfilm genießen.
Bridge of Spies – Der Unterhändler(Bridge of Spies, USA 2015)
Regie: Steven Spielberg Drehbuch: Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen
mit Tom Hanks, Mark Rylance, Scott Shepherd, Amy Ryan, Sebastian Koch, Alan Alda, Austin Stowell, Mikhail Gorevnoy, Will Rogers
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Die Hintergrundgeschichte
Es gibt inzwischen mehrere Sachbücher, die sich mit diesem Agentenaustausch beschäftigen. Spielbergs Film basiert explizit auf keiner Vorlage.
Dennoch wird die Neuausgabe von James B. Donovans „Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel“ vom Goldmann- Verlag als die Hintergrundgeschichte zum Film beworben, was durchaus zutreffend ist. Immerhin verteidigte Donovan Abel und er verhandelte den Agentenaustausch.
Donovan (1916 – 1970) war während des Zweiten Weltkriegs Marine-Offizier und juristischer Berater des Office of Strategic Services (dem militärischen Nachrichtendienst und Vorläufer der CIA) und danach Assistent des Hauptanklagevertreters der Nürnberger Prozesse. Er war also, auch wenn er als Pflichtverteidiger zu dem Fall Abel kam, keine so schlechte Wahl wie der Film suggeriert. Denn, so Donovan in „Strangers on a Bridge“: „Die Wahl verdankte ich (…) dem Vorsitzenden des Ausschusses. Vor mehr als zehn Jahren hatte Goodenough einen Vortrag über die Nürnberger Prozesse angehört, den ich vor einer Gruppe konservativer Rechtsanwälte aus Brooklyn gehalten hatte und unter denen auch einige prominente Deutsch-Amerikaner waren. Goodenough hatte meinem Kompagnon erzählt, die Schlussdebatte sei damals recht hitzig gewesen, und er meinte, ich sei jedenfalls für meine Überzeugung eingetreten.“
Donovan nimmt das Mandat an, weil er überzeugt ist, dass „auch der gemeinste Verbrecher, Anspruch auf Rechtsbeistand und ein faires Gerichtsverfahren habe.“
In dem Buch, das auf seinen Tagebuch, das er während des Prozesses führte und das er für die Veröffentlichung um Gerichtsprotokolle, Briefe und gekabelte Berichte für das Außenministerium (über seine Verhandlungen in Berlin) ergänzte, erzählt er vor allem die Geschichte des Prozesses. Sie nimmt deutlich über die Hälfte des 576-seitigen Buches (über 330 Seiten) ein. Die Verhandlungen über den im Film zentralen Gefangenaustausch werden auf knapp siebzig Seiten érzählt, die Donovan mit dem Hinweis „Aus Sicherheitsgründen mussten gewisse Fakten unerwähnt bleiben und manche Einzelheiten verändert werden“ einleitet.
Das gesagt ist Donovans Einblick in seine Arbeit als Abels Pflichtverteidiger ein faszinierender Einblick in die Arbeit eines Verteidigers, in das damalige US-Rechtssystem und die damalige Geisteshaltung nach der Ära McCarthy und vor dem Bau der Mauer und der Kuba-Krise.
Wer also tiefer in die damalige Zeit eintauchen möchte, sollte sich diesen spannenden Erlebnisbericht eines Zeitzeugen, geschrieben mit dem damaligen Wissen, zulegen.
– James B. Donovan: Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel (übersetzt von Eva Bornemann und Michael Molitor; mit einem neuen Vorwort von Jason Matthews) Goldmann, 2015 560 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
Strangers on a Bridge – The Case of Colonel Abel
Atheneum House, Inc., 1964
– Frühere deutsche Ausgabe
Der Fall des Oberst Abel
Scheffler-Verlag, 1965
– Hinweise Amerikanische Homepage zum Film Deutsche Homepage zum Film Film-Zeit über „Bridge of Spies“ Moviepilot über „Bridge of Spies“ Metacritic über „Bridge of Spies“ Rotten Tomatoes über „Bridge of Spies“
Wikipedia über „Bridge of Spies“ (deutsch, englisch) History vs. Hollywood über „Bridge of Spies“ Das Drehbuch zum Film
Es ist wie immer: es wird geworben mit einem tabubrechendem Skandalfilm der Hardcore-Sex zeigt und am Ende bin ich enttäuscht, weil, nun, länglich gezeigte Penisse und Penetrationen nicht abendfüllend sind. Denn ohne ein emotionales Zentrum, ein Thema und eine Geschichte ist ein Film meistens eine langweilige Angelegenheit.
So auch Gaspar Noés neuester Film „Love“, der sogar in 3D gedreht wurde (deshalb auch „Love 3D“ heißt), was allerdings nur in zwei Szenen (ja, genau die zwei Szenen, die ihr euch jetzt spritzig denkt) einen Effekt hat. Der Rest besteht aus wenigen Menschen in engen Räumen.
Im Mittelpunkt steht Murphy, der von der Mutter seiner früheren Freundin Electra einen Anruf erhält. Electra ist seit zwei Monaten spurlos verschwunden. Jetzt hat Murphy eine neue Freundin, er ist Vater einer zweijährigen Tochter und den gesamten Film hängt er todtraurig, wie ein nasses Hemd, in seiner Wohnung herum und erinnert sich an Electra.
Diese Erinnerungen, die nicht-chronologisch präsentiert werden, dehnen sich über zwei Stunden, in denen die Schauspieler eifrig improvisieren durften (das Drehbuch bestand, so Noé, aus sieben Seiten) und weil das alles in keiner besonderen Chronologie präsentiert wird, gibt es auch keinen Spannungsbogen, sondern nur die beliebig austauschbaren Erinnerungen von Murphy an seine große Liebe, garniert mit vielen, äußerst statisch inszenierten Sexszenen, die daher eher an Stilleben erinnern.
Präsentiert wird diese Nicht-Geschichte in dunkel versumpften 3D-Bildern, die wie die schlampig gezogenen YouTube-Kopie eines schlechten Siebziger-Jahre-Pornos aussehen. Alles ist zu dunkel, oft erkennt man fast nichts und die 3D-Brille ist hier noch nerviger als bei einem kunterbunten Blockbuster.
Dass es auch anders geht, zeigen Filme wie „Der letzte Tango in Paris“ oder „Blau ist eine warme Farbe“. Um nur zwei Filme zu nennen, die man sich immer wieder ansehen kann, weil sie, abseits von jedem Skandalfilmgetue, eine emotional berührende Geschichte haben.
Die innere Sicherheit (Deutschland 2000, Regie: Christian Petzold)
Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki
Die 15-jährige Jeanne ist mit ihren Eltern ständig auf der Flucht. Denn diese sind gesuchte, ehemalige RAF-Terroristen. Jetzt müssen sie wegen Geldproblemen zurück nach Deutschland. Die alten Freunde sollen ihnen aus der finanziellen Misere helfen. Und Jeanne ist erstmals wirklich verliebt.
Mit dem genau beobachteten, die deutsche Wirklichkeit sezierenden Drama über vergangene Schuld, das Erwachsenwerden und Verpflichtungen hatte Christian Petzold seinen Durchbruch bei den Kritikern und dem Publikum (über 100.000 Zuschauer). Stellvertretend für die zahlreichen euphorischen Besprechungen: „bester deutscher Film des Jahres“ (Michael Althen, SZ, 31. Januar 2001)
Mit Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Günther Maria Halmer
BR, 00.00 Liebe und Intrigen (Crime d’amour, Frankreich 2010)
Regie: Alain Corneau
Drehbuch: Alain Corneau, Nathalie Carter
Christine (Kristin Scott Thomas) ist die Managerin der französischen Abteilung eines US-Konzerns, die kurz vor einer Beförderung in die USA steht und die ihre Untergebenen schamlos manipuliert. Auch die sie bewundernde Isabelle (Ludivine Sagnier), die irgendwann auch anerkannt werden möchte. Es beginnt ein tödlicher Zickenkrieg voller Wendungen und Überraschungen. „Love Crime“ ist ein edler französischer Noir. Ein elegant inszenierter Kriminalfilm, der fest in der Tradition des französischen Kriminalfilms steht und seine Vorbilder in den Filmen der sechziger und siebziger Jahre hat, in denen man niemals sicher sein konnte, welche Gerechtigkeit, falls überhaupt, am Ende siegt.
Das Sahnehäubchen ist die Musik von Pharoah Sanders.
mit Ludivine Sagnier, Kristin Scott Thomas, Patrick Mille, Guillaume Marquet, Gérald Laroche, Julien Rochefort, Olivier Rabourdin
auch bekannt als „Love Crime“ (DVD-Titel)
Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.
Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen, drehte mit einer Action-All-Star-Besetzung „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun), zwei Fortsetzungen und, als neuesten Film, „Creed“. Einen weiteren, 132 Minuten langen Rocky-Film, der diese Woche in den USA und am 14. Januar bei uns anläuft. Die ersten Kritiken sind äußerst positiv.
Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich
ARD, 22.45 Citizenfour (Citizenfour, USA/Deutschland 2014)
Regie: Laura Poitras
Drehbuch: Laura Poitras
TV-Premiere der äußerst sehenswerten, mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Dokumentation über „Citezenfour“ Edward Snowden. Laura Poitras filmte in einem Hotelzimmer in Hongkong die ersten Gespräche zwischen NSA-Mitarbeiter Snowden und Glenn Grennwald. Sie dokumentierte den vielleicht wichtigsten Zeitpunkt für unser gewandeltes Verhältnis zur globalen Überwachung durch die Geheimdienste. Und allein schon das macht „Citizenfour“ sehenswert. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Wer die Uhrzeit für eine Frechheit hält, sollte am Freitag den Sender „Tagesschau 24“ suchen. Dort läuft die Doku bereits um 21.02 Uhr.
mit Edward Snowden, Glenn Greenwald, Laura Poitras, William Binney, Jacob Appelbaum, Ewen MacAskill, Jeremy Scahill Wiederholung: Freitag, 27. November, Tagesschau 24, 21.02 Uhr
Arte, 20.15 Der Smaragdwald(Großbritannien 1985, Regie: John Boorman)
Drehbuch: Rospo Pallenberg
Während der Vater als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markahm sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.
Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.
In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der Genera“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.
„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)
mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno
HR, 21.40 Tatort: Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer (Deutschland 1972, Regie: Michael Verhoeven)
Drehbuch: Wolfgang Menge
Zollfahnder Kressin sucht einen verschwundenen gelben Koffer, in dem Unterlagen über schmutzige Waffendeals sind. Für den Koffer interessiert sich auch der Gentleman-Gangster Sievers, ein alter Bekannter von Kressin.
Damals war Zollfahnder Kressin so etwas wie die deutsche TV-Ausgabe von James Bond. Heute sind die Abenteuer des Jungen mit der lockeren Dienstauffassung immer noch vergnüglich.
Kressin durfte zwischen 1971 und 1973 sieben Mal ermitteln. Vier der Drehbücher sind von Wolfgang Menge, der die besten Kressin-Tatorte schrieb. Und dann gibt es noch, vollkommen außer Konkurrenz, Sam Fullers durchgeknallten Kressin-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“, in dem er Zollfahnder sich schnell aus der Handlung verabschiedet.
mit Sieghardt Rupp, Ivan Desny, Paul Verhoeven, Günther Stoll, Friedrich von Thun, Friedrich Nowottny, Ernst Dieter Lueg, Fritz Eckhardt Hinweise Tatort-Fundus über Zollfahnder Kressin Wikipedia über Zollfahnder Kressin
San Francisco, 1976: Teenager Minnie Goetze (Bel Powley) ist ein leicht pummeliges Mädchen, das lieber in ihrem Zimmer im Robert-Crumb-Stil (aber ohne dessen Weltsicht) Comics zeichnet als mit Klassenkameradinnen US-amerikanischen Schönheitsidealen zwischen Cheerleadertum und Sex mit dem Star der Footballmanschaft hinterherzuhecheln. Gleichzeitig erlebt sie die ganz normale Teenagerhölle, in der sie sich fragt, ob jemals irgendjemand Sex mit ihr haben will. Ihre lebenslustige, ungefähr doppelt so alte Mutter Charlotte (Kristen Wiig), ein immer noch nicht erwachsen gewordener scharfer Feger, der sich auch in der Alternativkultur tummelt (sicher inclusive dem regelmäßigen „The Grateful Dead“-Konzertbesuch), ist ihr bei der Selbstfindung keine große Hilfe. Ihr anzugtragender Vater (Christopher Meloni) ist zwar ansprechbar, aber er und Charlotte sind schon länger geschieden.
Außerdem hat Charlotte inzwischen einen neuen Freund, der auch Minnie gefällt. Monroe Rutherford (Alexander Skarsgård) ist wirklich nett. Minnie glaubt, dass er mehr als quasi-väterliche Gefühle für sie hat und sie hält ihn für den perfekten Mann für den ersten Sex.
Sie hat recht und damit beginnen die Probleme.
Das hätte, auch vor dem Hintergrund der liberalen siebziger Jahre, leicht schief gehen können. So in Richtung Klamotte mit Vulgärhumor. Aber Marielle Heller erzählt Minnies Geschichte in ihrem Spielfilmdebüt zurückhaltend aus der unschuldig-experimentierfreudigen Sicht eines 15-jährigen Mädchens. Der Film basiert auf dem semi-autobiographischen Buch von Phoebe Gloeckner, einer Mischung aus Comic und Roman. Heller verarbeitete das Buch bereits zu einem Theaterstück mit ihr in der Hauptrolle. Diese Mischung aus Roman und Comic überträgt sie in den Film, indem Minnie versucht, ihre Gefühle in ihrem akustischen Tagebuch und in ihren Zeichnungen (die teilweise für den Film animiert werden) auszudrücken. Dabei ist Minnie eine angenehm frei denkende Protagonistin, die die Welt erkunden will.
„The Diary of a Teenage Girl“ ist, weil Minnie nie verurteilt wird, ein durchgängig harmlos wirkender Film, den man, trotz etlicher Nacktszenen, bedenkenlos allen als Teenagerdrama, das ihre Protagonistin und ihre Gefühle ernst nimmt, empfehlen kann.
Das gesagt, muss ich auch sagen, dass ich nicht zur Zielgruppe von „The Diary of a Teenage Girl“ gehöre. Die, Teenager, vor allem weibliche Teenager, verliehen dem Film auf der diesjährigen Berlinale den Großen Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus. Dummerweise können diese Jugendlichen den Film jetzt wegen der FSK-16-Freigabe nicht im Kino sehen.
Das Problem hatte Hark Bohm vor gut dreißig Jahren mit seinem Jugenddrama „Nordsee ist Mordsee“ auch. Damals gab es Proteste gegen die zu hohe FSK-Freigabe, die verhinderte, dass das Zielpublikum den Film sehen konnte.
Es beginnt mit einem zünftigem Arbeiteraufstand. Gemeinsam, revolutionäre Parolen skandierend, marschieren die Arbeiter gegen die Polizei, die verschlossenen Werktore und den Kapitalismus. Das ist bestes italienisches Siebziger-Jahre-Agitpropkino und Kino ist es auch. Denn schnell unterbricht Margherita (Margherita Buy) den Kampf für ein Gespräch mit ihrem Kameramann.
Margherita ist eine erfolgreiche Regisseurin, die sich gerade von ihrem Freund getrennt hat und ihre flügge werdende Tochter, die einen Führerschein für wichtiger als eine gute Lateinnote hält, lebt bei ihrem Vater. Neben den Dreharbeiten für ihr Arbeiterdrama, – einer der Filme, die heute nicht mehr gemacht werden -, kümmert sie sich auch, wenn sie die Zeit dafür findet, um ihre im Krankenhaus im Sterben liegende Mutter Ada (Giulia Lazzarini). Ihr Bruder Giovanni (Nanni Moretti, eine Legende des italienischen Kinos) kümmert sich vor allem liebevoll um Ada, die, als frühere Lehrerin, immer noch alle mit ihrem enzyklopädischem Wissen beeindruckt. Er scheint auch, nach seiner Kündigung, mit sich und seinem Leben im Reinen zu sein, während Margherita von Selbstzweifeln geplagt ist. Sie steht im Mittelpunkt von „Mia Madre“.
Ihre Selbstzweifel sind die von Nanni Moretti. Immerhin verarbeitet er seit Jahrzehnten in seinen Filmen auch immer persönliche Erlebnisse, oft stellte er sich, seine Gefühle, seine politischen Ansichten und seine Zweifel in den Mittelpunkt seiner Filme, in denen er die Wünsche, Sehnsüchte und Zweifel des linken Bürgertums reflektierte. Auch „Mia Madre“ ist so ein persönlicher Film, der deshalb auch als inoffizielles Making-of zu seinem vorherigen Film „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ (2011) gesehen werden kann. So hatte Moretti damals Probleme mit Michel Piccoli, dem großen Star des Films, und während des Drehs starb seine Mutter, die ebenfalls eine Lateinlehrerin war.
Es ist, auch wegen des Themas, ein sehr humorfreier, fast schon depressiver Film. Ganz im Gegensatz zu dem verspielten „Liebes Tagebuch“, mit dem er vor über zwanzig Jahren in Deutschland endlich bekannt wurde.
Allerdings funktioniert die Balance aus Szenen von den anstrengenden Dreharbeiten (inclusive der Zweifel, ob ihr relevanter Film wirklich relevant ist), übereilten Krankenhausbesuchen, Gesprächen mit der Tochter, Erinnerungen und Träumen, vor allem realistische Alpträume (wie ihre unter Wasser stehenden Wohnung) nicht wirklich. Was auch daran liegt, dass die Szenen von den Drehbarbeiten mit dem großen US-Star Barry Huggins (John Turturro) etwas zu sehr auf Klamauk angelegt sind. Andererseits reflektiert eben diese leichte Unausgewogenheit zwischen den verschiedene Anforderungen mit denen Margherita kämpft, auch ihre Selbstzweifel und ihr vor allem durch das Sterben ihrer Mutter aus dem Gleichgewicht geratenes Leben.
Die für Margherita und uns am Filmende kommende große Enthüllung über ihre Mutter ist dann auch zu unvermittelt, um wirklich zu überzeugen. Es wirkt eher wie ein schlecht platzierter Taschenspielertrick.
Das gesagt, ist „Mia Madre“ natürlich ein Film, der seine Figuren mit großer Sympathie betrachtet und der sich fragt, wie man zwischen Beruf und Privatleben eine Balance findet, sich verändert und wie man mit dem Sterben seiner Eltern umgeht. Denn das Leben ist nicht perfekt. Und da wäre ein perfekter Film auch die falsche Antwort, weshalb „Mia Madre“ dann vielleicht gerade deswegen perfekt ist.
Auch ohne Vespa.