Neu im Kino/Filmkritik: „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“ restauriert im Kino

April 24, 2025

Die Musik: bekannt.

Die Bilder: auch bekannt.

ABER nicht in dieser Qualität. 1971 schlug Adrian Maben Pink Floyd, damals bestehend aus der klassischen Besetzung Roger Waters (Bass), David Gilmour (Gitarre), Richard Wright (Keyboards) und Nick Mason (Schlagzeug), vor, in Pompeji im Amphitheater einige Songs ohne Publikum zu spielen und daraus einen Konzertfilm zu machen.

1972 wurde das Werk erstmals der Öffentlickeit präsentiert. Vor dem Kinostart 1974 gab es Nachdrehs in den Abbey Road Studios. Seitdem wurde der Konzertfilm, teils in leicht geänderten Schnittfassungen, immer wieder veröffentlicht.

Präsentiert werden von den vier Musikern im menschenleeren, sonnendurchfluteten Theater heute immer noch bekannte Songs, wie „Echoes“, „One of these Days“ (beide von „Meddle“) und „A Saucerful of Secrets“ (von „A Saucerful of Secrets“ und „Ummagumma“), aber nicht die große Hits von ihren später veröffentlichten LPs. Als Pink Floyd in Pompeji spielte, waren sie bereits eine bekannte Band. Der große Durchbruch erfolgte 1973 mit „The Dark Side of the Moon“. Einige Soundschnipsel aus der LP wurden im Film zu Aufnahmen aus dem Abbey Road Studios verwendet. Dort entstanden auch Aufnahmen von Gesprächen mit und zwischen den Musikern.

Für die aktuelle Kinoauswertung wurde das originale 35mm-Kameranegativ, das kürzlich im Archiv von Pink Floyd entdeckt wurde, in 4K restauriert. Steven Wilson (Porcupine Tree) mischte für das Kino und das Heimkino den Ton neu ab.

Das Bild ist – ich konnte den Musikfilm im IMAX, in einer der vordersten Reihen sitzend, sehen – fantastisch. Das sind Details zu sehen, die frühere Generationen so wahrscheinlich niemals sahen. Der Ton überzeugt ebenfalls.

Der Film selbst ist heute eine Zeitkapsel, der auch eine Band kurz vor ihrem so von niemand erahnbarem großen Durchbruch zeigt. Einige damals revolutionäre Stilmittel sind heute veraltet. Einiges was damals mit großem logistischem Aufwand verbunden war, wird heute lässig für jeden Konzertmitschnitt verwendet. Die Mischung aus live im Amphitheater aufgenommenen Stücken, Impressionen aus dem Studio, Gesprächen und pointillistisch eingestreuten Bildern von durch die Landschaft laufenden Musikern und römischen Fresken war damals sicher aufregender als heute, wo wir solche Montagen schon hunderttausendmal gesehen haben. Jedenfalls hätte ich gerne mehr von ihrem Auftritt in Pompei gesehen.

Als historisches Dokument und als wegweisender Konzertfilm ist „Pink Floyd at Pompeii“ immer noch sehenswert und in der aktuellen Fassung, betitelt als „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“, im Kino ein Erlebnis, das wegen der Bilder und der Musik im größten Kinosaal mit der besten Soundanlage gesehen werden sollte.

Für das Heimkino und die heimische Stereonanlage erscheint der Konzertfilm am 2. Mai als CD, DVD, Blu-Ray und LP.

Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII (Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII, Großbritannien/USA 2025)

Regie: Adrian Maben

Drehbuch (eher Idee): Adrian Maben

mit Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright, Nick Mason

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

alternativer Titel/Originaltitel: Pink Floyd: Live at Pompeii (Frankreich/Deutschland 1972/1974)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“

Metacritic über „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“

Rotten Tomatoes über „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“

Wikipedia über „Pink Floyd at Pompeii – MCMLXXII“ (deutsch, englisch) und über Pink Floyd (deutsch, englisch)

AllMusic über Pink Floyd

Homepage von Pink Floyd


Neu im Kino/Filmkritik: Wahre Geschichte „Der Pinguin meines Lebens“

April 24, 2025

Der aus Sussex kommende Tom Michell (Steve Coogan) ist, nach einer langen Tour durch ähnliche Schulen in Südamerika, 1976 in Buenos Aires gelandet. Er ist im noblen St. George’s College der neue Englischlehrer. In dem von der Außenwelt durch eine Mauer getrenntem Jungeninternat sind die Regeln streng. Ihm wird die lernschwache siebte Klasse zugewiesen. Er soll ihre Leistungen soweit verbessern, dass sie versetzt werden können.

Nach dem Militärputsch wird die Schule für einige Tage geschlossen. Zusammen mit einem Kollegen unternimmt er einen typischen Junggesellenausflug nach Uruquay. Um eine Frau, die er am Strand trifft, zu beeindrucken und so später Sex mit ihr zu haben, rettet er einen ölverschmutzten Pinguin vor dem Tod. Der Pinguin überlebt. Die Frau will trotzdem nicht mit ihm ins Bett gehen. Außerdem verfolgt der Pinguin ihn fortan überall hin. Am Strand, wenn der Pinguin hinter Tom herläuft, ist das ein putziges Bild. Wenn er den Pinguin im Handgepäck über die Grenze schmuggeln muss und er ihn im Internat in seinem Zimmer – erfolglos – vor neugierigen Blicken schützen will, ist das weniger putzig, sondern gefährlich, weil er gegen verschiedene Regeln verstößt und er seine Arbeit und seine Freiheit verlieren könnte.

Aber „Der Pinguin meines Lebens“ ist kein Drama, sondern eine humoristische Feelgood-Komödie über einen ausgebrannten, sarkastischen Lehrer, der dank der Hilfe eines Pinguins zu einem besseren Menschen wird. Und der mit der Hilfe des Pinguins seine Schüler zu besseren Schülern macht.

Der historische Hintergrund bleibt eine pittoreske Kulisse.

Ganz oder gar nicht“-Regisseur Peter Cattaneo inszenierte die Geschichte nach einem Drehbuch von Jeff Pope. Pope schrieb auch die Drehbücher für „Philomena“ und „Stan & Ollie“, die beide mit Steve Coogan verfilmt wurden. Und wie schon „Philomena“ und „Stan & Ollie“ basiert die Geschichte auf einer wahren Geschichte. In diesem Fall den 2015 erschienenen gleichnamigen Memoiren von Tom Michell. Dieses Mal nahm Pope sich Freiheiten. Die auffälligste und folgenreichste Änderung ist, dass er Michells Alter änderte. Der echte Tom Michell war damals Mitte zwanzig. Der von Steve Coogan im Film als liebenswert-sarkastischer Miesepeter mit dem Herzen auf dem rechten Fleck gespielte Michell ist ein Mann in den Fünfzigern. Er blickt auf ein längeres Leben zurück und er ist auch ein anderer Charakter als der echte Michell.

Aber warum sollte die Wahrheit eine schöne Geschichte stören?

Der Pinguin meines Lebens (The Penguin Lessons, Großbritannien/Spanien 2024)

Regie: Peter Cattaneo

Drehbuch: Jeff Pope

LV: Tom Michell: The Penguin Lessons, 2015 (Der Pinguin meines Lebens)

mit Steve Coogan, Vivian El Jaber, Björn Gustafsson, David Herrero, Jonathan Pryce, Alfonsina Carrocio, Mica Breque

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Pinguin meines Lebens“

Metacritic über „Der Pinguin meines Lebens“

Rotten Tomatoes über „Der Pinguin meines Lebens“

Wikipedia über „Der Pinguin meines Lebens“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 24. April: The Quiet Girl

April 23, 2025

WDR, 23.45

The Quiet Girl (An Cailín Ciúin, Irland 2022)

Regie: Colm Bairéad

Drehbuch: Colm Bairéad

LV: Claire Keegan: Foster, 2010 (Das dritte Licht)

Irland, 1981: die schüchterne neunjährige Cáit soll den Sommer bei der Cousine ihrer Mutter auf dem Land verbringen. Dort entdeckt sie eine neue Welt.

TV-Premiere zu einer ungünstigen Uhrzeit. Stilles, hochgelobtes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Carrie Crowley, Andrew Bennett, Catherine Clinch, Michael Patric, Kate Nic Chonaonaigh

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Quiet Girl“

Metacritic über „The Quiet Girl“

Rotten Tomatoes über „The Quiet Girl“

Wikipedia über „The Quiet Girl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colm Bairéads „The Quiet Girl“ (An Cailín Ciúin, Irland 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Folge: „The Accountant 2“

April 23, 2025

Während eines Treffens mit einer Profi-Killerin wird Ray King (J. K. Simmons) ermordet. Nicht unauffällig in einer dunklen Gasse, sondern von einem ganzen Killerkommando, das vor, hinter und in dem Lokal auf ihn und die Profi-Killerin wartete und alle tötet, die zwischen ihnen und ihrem Ziel stehen. Vor seinem Tod kann King die kryptische Botschaft „Find the Accountant“ (oder auf Deutsch: „Finde den Buchhalter“) auf seinen Unterarm schreiben. Während U. S. Treasury Deputy Director Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson), die Nachfolgerin von King im US-Finanzministeriums, noch den Buchhalter sucht, haben wir ihn bereits gefunden. Er lebt immer noch in seinem Wohnwagen und besucht eine Partnerbörse.

Wir kennen aus dem Thriller „The Accountant“. Der lief 2016 durchaus erfolgreich im Kino und wird auf Streamingportalen immer noch gerne gesehen. Kein Wunder, denn Gavin O’Connor erzählt kraftvoll und konzentriert eine weitgehend vertraute Geschichte gut konstruiert, mit einigen Twists und einem interessanten Helden. Denn der titelgebende Accountant Christian Wolff (Ben Affleck) ist gleichzeitig ein zurückgezogen lebender Autist, der gut mit Zahlen umgehen kann und die Buchhaltung für verschiedene Verbrechersyndikate erledigt, und ein, zusammen mit seinem Bruder Brax (Jon Bernthal), von seinem Vater ausgebildeter Killer. Brax schlug später eine Karriere als Auftragskiller ein. Im Finale von „The Accountant“ treffen sie aufeinander.

O’Connor erzählte, nach einem Drehbuch von Bill Dubuque, in „The Accountant“ eine runde, in sich abgeschlossene Geschichtet, die nach keiner Fortsetzung verlangte. Eigentlich war alles gesagt.

Aber natürlich geht es weiter. Schließlich kann der titelgebende Buchhalter in ein weiteres Abenteuer hineinstolpern oder er kann, nach den Ereignissen des ersten Films, zum Kreuzritter gegen das Verbrechen werden und sich eine Verbrecherbande nach der nächsten vornehmen.

Und das macht er auch in „The Accountant 2“. Bei King wurde ein älteres Bild von einer vor acht Jahren aus El Salvador geflüchteten dreiköpfigen Familie gefunden: Zusammen mit Medina nimmt Christian die Fährte der skrupellosen und über beträchtliche Ressourcen verfügenden Menschenschmuggler auf. Dabei soll ihm sein Bruder Brax helfen.

Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer Thriller, in dem ständig etwas passiert. Aber wahrscheinlich kann noch nicht einmal der Drehbuchautor die Story schlüssig in wenigen Worten nacherzählen. Die Motive der Figuren sollte man auch nicht so genau hinterfragen. Letztendlich tun sie, was sie tun, weil es so im Drehbuch steht. Die Guten tun gute Dinge, auch wenn sie foltern und töten. Die Bösen sind böse. Sie sind so böse, dass sie sogar Kinder umbringen würden. Dazwischen wird mild eine Lanze für die aus Südamerika in die USA flüchtenden Menschen gebrochen.

Die Story ist ein Potpourri bekannter Thrillerszenen und -motive, die locker-flockig aneinandergereiht werden. Nie wird die erzählerische Geschlossenheit oder Dringlickeit des ersten Films erreicht. In „The Accountant 2“ passieren Dinge einfach. Die Geschichte erstreckt sich über die halbe USA, aber die Figuren sind im richtigen Moment immer am richtigen Ort. Gavin O’Connor inszeniert das kompetent. Wuchtig in den wenigen Actionszenen. Eher plätschernd in den teils endlosen Dialogen. Wenn Christian und sein Bruder Brax ihren Beziehungsstatus erörterten eher nervig in Buddy-Humor-Gefilden. Wenn die beiden Brüder zusammen mit der Beamtin Medina die Bösewichter jagen, gibt es, weil sie vollkommen unterschiedliche Ermittlungsmethoden haben, einige witzige Szenen.

The Accountant 2“ ist okay, aber nicht so gut wie der erste Film.

Ein dritter Film ist bereits in Planung.

The Accountant 2 (The Accountant 2, USA 2025)

Regie: Gavin O’Connor

Drehbuch: Bill Dubuque

mit Ben Affleck, Jon Bernthal, Cynthia Addai-Robinson, Daniella Pineda, Allison Robertson, J. K. Simmons

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Accountant 2“

Metacritic über „The Accountant 2“

Rotten Tomatoes über „The Accountant 2“

Wikipedia über „The Accountant 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „Jane got a Gun“ (Jane got a Gun, USA 2015)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „The Accountant“ (The Accountant, USA 2016)


TV-Tipp für den 23. April: Sabotage – Deutschland in Putins Visier

April 22, 2025

ARD, 22.50

Sabotage – Deutschland in Putins Visier (Deutschland 2025)

Regie: Diana Löbl, Peter Onneken

Brandneue 45-minütige Doku über aktuelle und mögliche russische Anschläge auf Deutschland mit explodierenden DHL-Paketen, Anschlägen auf Frachtflugzeuge und, zuletzt öfter in den Nachrichten zerstörten Unterseekabeln in der Ostsee. Löbl und Onneken porträtieren diesen hybriden Krieg.

Hinweis

ARD über die Doku


TV-Tipp für den 22. April: Eagle Eye – Außer Kontrolle

April 21, 2025

Tele 5, 20.15

Eagle Eye – Außer Kontrolle (Eagle Eye, USA 2008)

Regie: D. J. Caruso

Drehbuch: Dan McDermott, John Glenn, Travis Adam Wright, Hillary Seitz

Actionfilm über einen slackerhaften Copyshop-Angestellten und eine alleinerziehende Mutter, die plötzlich in das Fadenkreuz von Polizei und Geheimdiensten geraten. Die Regierung hält sie für gemeingefährliche Terroristen. Eine geheimnisvolle Frau hilft ihnen via Telefon immer wieder aus der größten Gefahr. Und die beiden Gejagten wollen herausfinden, warum sie öfters in Lebensgefahr geraten als James Bond in einem halben Dutzend Abenteuer.

Der Paranoiathriller soll nach Meinung der Macher vor der totalen Überwachung warnen. Das dürften einige ältere Filme („Staatsfeind Nr. 1“?; um nicht in die siebziger Jahre zurückzugehen) schon besser erledigt haben. Dafür gibt es Action satt, eine damals aufsehenerrengenden Cast mit aufstrebenden Stars (wie „Transformers“ Shia LaBeouf, der danach karrieretechnisch in die falsche Richtung abbog) und vielen Anspielungen auf andere Filme. Den Kritikern gefiel’s nicht. Dem zahlenden Publikum schon mehr.

mit Shia LaBeouf, Michelle Monaghan, Rosario Dawson, Michael Chiklis, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Julianne Moore (Stimme, im Original)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eagle Eye“

Wikipedia über „Eagle Eye“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von D. J. Carusos „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ (xXx: Return of Xander Cage, USA 2017)


TV-Tipp für den 21. April: Die Körperfresser kommen

April 20, 2025

Arte, 21.55

Die Körperfresser kommen (Invasion of the Body Snatchers, USA 1978)

Regie: Philip Kaufman

Drehbuch: W. D. Richter

LV: Jack Finney: The Body Snatchers, 1955 (Unsichtbare Parasiten, Die Körperfresser kommen )

Außerirdische Sporen landen auf der Erde und entwickeln sich zu Doppelgängern von Menschen. Sie beginnen die Macht auf der Erde zu übernehmen. Dr. Matthew Benell versucht die Menschheit zu warnen.

Die damalige Kritik war ziemlich ungnädig gegenüber dem aus heutiger Sicht gelungenem und, wie die regelmäßigen Wiederholungen zeigen, beständigem Remake mit einem legendären Ende. Auch die Grundidee, „dass es die urbane Entfremdung praktisch unmöglich macht, zwischen Zombies und Menschen zu unterscheiden“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998) ist heute, wo alle mit dem Blick auf das Smartphone und dem Kopfhörer über den Ohren, aktueller denn je.

Entsprechend positiv sind heutige Einschätzung des SF-Films.

Hier einige zeitgenössische Kritiken:

Nur in wenigen Sequenzen erreicht er die albtraumhafte Qualität des Originals“ (Hans C. Blumenberg, Die Zeit)

Durch die auf äußere Effekte ausgerichtete Inszenierung wird die tiefere Dimension der Horrorgeschichte nicht erfasst.“ (Lexikon des internationalen Films)

Philip Kaufmans Remake ist zwar nicht weniger spannend, hat die Geschichte jedoch stark verflacht und die nach innen gelagerte Dramatik dieses Stoffes den äußerlichen Effekten geopfert.“ (Fischer Film Almanach 1980)

Das Remake kommt „bei weitem nicht an das Original heran“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films, 1983)

Später wurde es, wie gesagt, positiver:

Dies ist eines der interessantesten Remakes innerhalb der Neuverfilmungen, die Hollywood in den siebziger Jahren hervorbrachte.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)

effektvolle Gruselthriller“ (Manfred Hobsch: Mach’s noch einmal!, 2002)

Das 1956 von Don Siegel inszenierte Original „Die Dämonischen“ (Invasion of the Body Snatchers) könnte auch mal wieder gezeigt werden.

Ebenso Abel Ferraras ebenfalls sehenswerte 1992er Version der Geschichte „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“.

Mit Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Veronica Cartwright, Jeff Goldblum, Art Hindle, Kevin McCarthy, Don Siegel, Robert Duvall

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Körperfresser kommen“

Wikipedia über „Die Körperfresser kommen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Philip Kaufmans „Der große Minnesota-Überfall“ (The great Northfield Minnesota Raid, USA 1972)


TV-Tipp für den 20. April: Das Leben des Brian

April 19, 2025

Es gab Jesus und…

RTL II, 20.15

Das Leben des Brian (Monty Pythons Life of Brian, Großbritannien 1979)

Regie: Terry Jones

Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Das Leben von Brian, das erstaunliche Parallelen zu dem von Jesus Christus hat, und hier von Monty Python kräftig durch den Kakao gezogen wird.

Kult. Und wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.

Der deutsche Kinostart war am 15. August 1980

Anschließend, um 22.05 Uhr, reiten „Die Ritter der Kokosnuss“ durch…ein schönes Königreich.

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler, Carol Cleveland, Kenneth Colley, Neil Innes, Charles McKeown

Wiederholung: Montag, 21. April, 02.o5 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Leben des Brian“

Wikipedia über „Das Leben des Brian“ (deutsch, englisch) und über Monty Python (deutsch, englisch)

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)


TV-Tipp für den 19. April: Der Hauptmann von Köpenick

April 18, 2025

Stadtgeschichte

RBB, 20.15

Der Hauptmann von Köpenick (Deutschland 1956)

Regie: Helmut Käutner

Drehbuch: Carl Zuckmayer, Helmut Käutner

LV: Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick, 1931 (Theaterstück)

Schuster Wilhelm Voigt will nach dem Verbüßen seiner Zuchthausstrafe wieder arbeiten. Eine Arbeit gibt es aber nur mit einem Pass und einen Pass erhält nur, wer eine Arbeit hat. Also entschließt der Schuster sich, sich als falscher Hauptmann einen Pass zu besorgen.

Klassiker des deutschen Tonfilms, der damals ein Publikumserfolg war (über zehn Millionen Besucher in fünf Monaten), auch für den Auslands-Oscar nominiert war, die deutschen Filmpreise abräumte und zu den bekanntesten und beliebtesten Heinz-Rühmann-Filmen gehört.

Zuckmayers Stück gehört zur Schullektüre und ist heute immer noch aktuell.

mit Heinz Rühmann, Hannelore Schroth, Martin Held, Erich Schellow, Walter Giller, Wolfgang Neuss

Hinweise

Filmportal über „Der Hauptmann von Köpenick“

Wikipedia über „Der Hauptmann von Köpenick“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Dag Johan Haugeruds erste von drei „Oslo Stories: Liebe“

April 18, 2025

Das ist der Vorteil von Kinostartterminen. Im Gegensatz zu zeitlich und örtlich auseinanderliegenden Festivals können sie dicht beieinander liegen. Dag Johan Haugeruds drei „Oslo Stories“ liefen 2024 auf der Berlinale im Panorama („Sehnsucht“), einige Monate später in Venedig im Wettbewerb („Liebe“), und, zuletzt, im Februar 2025, auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb. „Träume“ erhielt sogar den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Der Bären-Gewinner läuft am 8. Mai und „Sehnsucht“ am 22. Mai an.

Den Auftakt macht diese Woche „Liebe“, der für mich gelungenste Film der Trilogie, die ich jetzt zusammen besprechen werde und bei den Kinostarts von „Träume“ und „Sehnsucht“ in, so plane ich es im Moment, leicht veränderter Form reposten werde.

Liebe“ ist der erzählerisch offenste Film der Trilogie und der Film mit dem größten Ensemble und den meisten Handlungssträngen, die locker miteinander verflochten sind. Es geht um den in einem Krankenhaus arbeitenden sanften und verständnisvollen Pfleger Tor, der Nachts auf der Suche nach flüchtigem Sex mit Männern mit der Fähre von einem Ufer zum anderen und zurück fährt. Es geht um die im gleichen Krankenhaus arbeitende Ärztin Marianne. Sie lebt ebenfalls allein und würde gerne ihre sexuellen Bedürfnisse ausleben. Eines Nachts trifft sie Tor auf der Fähre und redet mit ihm über ihre Gefühle und Sehnsüchte. Es geht um Mariannes beste Freundin Heidi, die für eine Stadtfeier gerne die überall in der Stadt sichtbaren Skulpturen und Fresken in einem feministischen und sexuellem Zusammenhang interpretieren würde. Wie das aussehen könnte, erklärt sie am Filmanfang im Rahmen einer ziemlich schrägen Stadtführung.

Sie alle sind Großstädter auf der Suche nach Liebe. Und, soviel kann verraten werden, sie finden sie auf überraschende Weise.

In „Träume“ geht es um die minderjährige Schülerin Johanne, die sich in ihre Lehrerin verliebt. Sie schreibt darüber und gibt ihrer Großmutter ihre Texte zum Lesen. Die früher erfolgreiche Schriftstellerin ist begeistert von der Qualität von Johannes tabulosen Texten. Sie regt eine Veröffentlichung an. Johannes Mutter ist von den literarischen Geständnissen ihrer Tochter weniger begeistert.

Sehnsucht“ kreist um zwei heterosexuelle, glücklich verheiratete Schornsteinfeger. Aber dann träumt der eine davon, in seinen Träumen David Bowie zu begegnen und der Musiker ihn ansieht, als ob er eine Frau sei. Er ist von diesem Traum und Bowies Reaktion auf ihn verunsichert. Sein im Film ebenfalls namenloser Kollege erzählt ihm von einer kürzlich erfolgten Begegnung. Nachdem er bei einem schwulen Mann den Schornstein kontrolliert hatte, hatte er Sex mit ihm. Es gefiel ihm. Aber er besteht darauf, dass er nicht homosexuell sei oder seine Frau betrogen habe.

Nach diesen gegenseitigen Geständnissen könnten die Sachen erledigt sein. Aber beide Männer denken weiter darüber nach, reden darüber und erzählen es ihren Frauen, was zu weiteren Gesprächen führt.

Regisseur und Autor Dag Johan Haugerud fasste die drei Filme, die voneinander unabhängige Geschichten mit verschiedenen Schauspielern erzählen, unter dem Titel „Oslo Stories“ zusammen.

Diese Vorgehensweise erinnert an Eric Rohmer, der seine Filme in Zyklen wie „Moralische Erzählungen“ und „Komödien und Sprichwörter“ zusammenfasste und so ein schönes Gleichgewicht zwischen Offenheit und Geschlossenheit schuf. Jeder Film stand gleichzeitig für sich und war Teil von etwas Größerem.

Der Zusammenhang zwischen den „Oslo Stories“ ergibt aus dem Handlungsort, der von Haugerud verwendeten Sprache, der Inszenierung und dem Thema. Alle drei Filme beschäftigen sich, wie die Filme von Eric Rohmer, mit unterschiedlichen Formen von Liebe, Begehren und dem Verhältnis der Geschlechter zueinander. Alle drei Filme spielen in der Gegenwart.

Die Inszenierung ist spartanisch. Haugerud inszenierte die Gespräche und Gedanken seiner Figuren in langen, oft statischen Szenen, in denen die Schauspieler unglaubliche Textmengen ohne erkennbare äußere Regungen und mit wenigen Bewegungen vortragen. Im Mittelpunkt der drei Filme steht eindeutig das gesprochene Wort, das immer wie ein sorgfältig aufgeschriebenes Wort klingt.

Insofern sind alle „Oslo Stories“ verfilmte Literatur. „Träume“ und „Sehnsucht“ mehr, „ Liebe“ weniger.

Liebe“ ist, so Haugerud, der Abschluss der Trilogie. „Sehnsucht“ ist der erste und „Träume“ der zweite Teil. Die internationalen Premieren auf Filmfestivals folgten einer anderen Reihenfolge. Die deutschen Kinostart drehen die Chronologie einfach um, indem der Abschluss der Trilogie zuerst und der Beginn der Trilogie zuletzt startet. Aber letztendlich ist die Reihenfolge egal.

Liebe“ ist der am meisten an Rohmer und redselige, sexuell offene französische Beziehungsfilme erinnernde Film der „Oslo Stories“. Es geht um mehrere eher jüngere Menschen, die auf der Suche nach Liebe und Sex sind.

Der Berlinale-Gewinner „Träume“ ist der anspruchsvollste und literarischste Film der Trilogie. Eigentlich handelt es sich um ein auf mehreren Zeit- und damit verbundenen Interpretationsebenen spielendes Gedankenspiel über Begehren, Tabubrüche, ihre literarische Verarbeitung und wie diese Verarbeitung von anderen Menschen aufgenommen wird. Intellektuell ist das interessant, aber keine dieser nur auf dem Papier existierenden Figuren interessierte mich.

Sehnsucht“ ist letztendlich ein Zwei-Personenstück über zwei in ihrer Sexualität verunsicherte Männer, die stundenlang darüber reden. Auch diesem Film fehlt die französische Leichtigkeit von „Liebe“. Dafür ist es der queerste Film der Trilogie, in dem die beiden Protagonisten ständig betonen, dass sie das nicht sind.

Haugerud schuf drei sehenswerte Filme, die eher bebilderte Hörspiele sind. Falls man die „Oslo Stories“ im Original mit Untertiteln sieht, muss man jeweils zwei Stunden ununterbrochen Untertitel lesen und sich dabei möglichst wenig von den Bildern und Geräuschen stören lassen. Insofern rate ich in diesem Fall zur mir unbekannten synchronisierten Fassung.

Oslo Stories: Liebe (Kjærlighet, Norwegen 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Andrea Bræin Hovig, Tayo Cittadella Jacobsen, Thomas Gullestad, Lars Jacob Holm, Marte Engebrigtsen

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 17. April 2025

Oslo Stories: Träume (Drømmer, Norwegen 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

Länge: 110 Minuten

FSK: ?

Kinostart: 8. Mai 2025

Oslo Stories: Sehnsucht (Sex, Norwegen, 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen, Theo Dahl

Länge: 118 Minuten

FSK: ?

Kinostart: 22. Mai 2025

Hinweise

Deutsche Homepage zur Trilogie

Moviepilot über „Liebe“, „Träume“ und „Sehnsucht“

Metacritic über „Liebe“ und „Sehnsucht“

Rotten Tomatoes über „Liebe“, „Träume“ und „Sehnsucht“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch, norwegisch), „Träume“ (deutsch, englisch, norwegisch) und „Sehnsucht“ (deutsch, englisch, norwegisch)


TV-Tipp für den 18. April: Die fabelhafte Welt der Amélie

April 17, 2025

One, 20.15

Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain, Frankreich/Deutschland 2001)

Regie: Jean-Pierre Jeunet

Drehbuch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet

In einem Paris, das nicht von dieser Welt ist (und das es so nie gab), verzaubert die Kellnerin Amélie ihre Mitmenschen und macht sie glücklich. Da trifft sie ihren Märchenprinzen…

Ein märchenhafter, schnell verzaubernder, vor Einfällen überbordender, wundervoll warmherziger Film voller Humor und skurriller Typen.

mit Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau, Artus de Penguern

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die fabelhafte Welt der Amélie“

Wikipedia über „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Pierre Jeunets „Die Karte meiner Träume“ (The young and prodigious T. S. Spivet, Frankreich/Kanada 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Alex Garland und Ray Mendozas Kriegsfilm „Warfare“

April 17, 2025

Für das Navy-SEAL-Team war der Einsatz am 19. November 2006 im Irak in Ramadi nur ein Routineeinsatz. Sie sollten in der Nacht in der Stadt ein Haus finden und von dort das Gelände beobachten.

Alex Garland und Ray Mendoza, einer der Soldaten, der bei dem Einsatz dabei war, schildern diesen Einsatz von den Sekunden bevor die Einheit das von ahnungslosen Irakern bewohnte Wohnhaus, das ihr Stützpunkt werden soll, besetzen und dem Moment, in dem die Soldaten das zerstörte Haus verlassen.

Der schief laufende Einsatz – die Einheit wird von Einheimischen entdeckt, angegriffen und belagert und muss Hilfe anfordern – wird von Garland und Mendoza chronologisch und minutiös geschildert. Dabei bleiben sie, bis auf einige Drohnen-Aufnahmen von dem Gebiet, immer in dem Wohnhaus und den wenigen Metern zwischen Haus und Straße.

Der aus dieser Begrenzung auf ein Ereignis, einen kurzen Zeitraum und einen Ort entstandene Kriegsfilm „Warfare“ überzeugt vor allem als formale und technische Übung. Und als Actionfilm.

Garland führt in „Warfare“ die Entkernung einer durchaus politischen Geschichte von ihren politischen Implikationen und Einrahmungen, die schon bei seinem vorherigen Film „Civil War“ hochproblematisch war, weiter fort. In „Civil War“ erzählte er von einem Krieg, in dem US-Amerikaner gegen US-Amerikaner kämpfen. Warum sie gegeneinander kämpfen, was die einzelnen Gruppen erreichen wollen und wie es zu dem Bürgerkrieg kam, ist egal. Es geht nur um eine Gruppe A die gegen eine Gruppe B kämpft. In „Warfare“ geht es nur noch um einen kleinen Einsatz. Über das Ziel des Einsatzes werden wir am Filmanfang in wenigen Worten informiert: die Navy SEALs sollen einen Spähposten errichten. Welche Bedeutung er innerhalb des Krieges hat, erfahren wir nicht. Über den Irak-Krieg erfahren wir in dem Film noch weniger. Ohne den Ortshinweis am Filmanfang wüssten wir noch nicht einmal, wo der Film spielt. Und wenn Alex Garland Ray Mendoza nicht am Set von „Civil War“ kennen gelernt und dieser nicht von diesem Einsatz erzählt hätte, hätte der Film genausogut an irgendeinem anderen Ort in irgendeinem anderen Krieg spielen können. Denn „Warfare“ interessiert sich nicht für den Kontext, in dem das Gefecht stattfand. Es ist auch kein Gefecht, das für den damaligen Krieg und die Planung künftiger Einsätze eine Bedeutung hatte.

Über die Soldaten, die um ihr Überleben kämpfen und sterben, erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist uns ihr Leid und ihr Tod. Schließlich haben sie sich freiwillig verpflichtet. Anders ist das bei den Hausbewohnern und den beiden irakischen Übersetzern, die zum SEAL-Team gehören. Sie bleiben allerdings Randfiguren. Kanonenfutter, an das die US-Soldaten und der Film keine Gedanken verschwenden.

Warfare“ ist genau der Actionfilm, den Garland und Mendoza machen wollten. Und damit eine gerade wegen seiner Beschränkung auf einen in jeder Beziehung unwichtigen Einsatz todlangweilige technische Übung im luftleeren Raum ohne irgendeinen Erkenntnisgewinn.

Am Ende dieses verfilmten Einsatzberichts bleibt nur die Bestätigung der schon vorher vorhandenen Meinung. Kriegsgegner sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Krieg schlimm und sinnlos ist. Soldaten sehen die Dokumentation eines Einsatzes, der ihre Tapferkeit im Kampf gegen einen unsichtbaren, überlegenen, sie aus dem Hinterhalt angreifenden Feind feiert. Andere Romane und Filme über den Krieg, wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) oder Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987), um nur zwei Klassiker zu nennen, waren da vor Jahrzehnten schon weiter.

Warfare (Warfare, USA/Großbritannien 2025)

Regie: Alex Garland, Ray Mendoza

Drehbuch: Alex Garland, Ray Mendoza

mit D’Pharaoh Woon-A-Tai, Charles Melton, Joseph Quinn, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Evan Holtzman, Finn Bennett, Noah Centineo, Henrique Zaga, Taylor John Smith, Kit Connor, Michael Gandolfini, Adain Bradley

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Warfare“

Metacritic über „Warfare“

Rotten Tomatoes über „Warfare“

Wikipedia über „Warfare“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Alex Garlands Jeff-VanderMeer-Verfilmung „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (Men, Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Civil War“ (Civil War, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blood & Sinners“ – Schwarzes Leben und Sterben in Mississippi 1932

April 17, 2025

Uh, das wird jetzt etwas schwierig. Plakat, Trailer und Synopse verraten wenig, die Gerüchteküche schon mehr und ich frage mich, was ich verraten möchte. Denn ein großer Teil des Vergnügens ist dieses Nichtwissen. Die einfachste Möglichkeit mit dem Problem umzugehen, ist eine geteilte Kritik: vor dem Trailer im Text allgemein über den Film, nach dem Trailer mit Spoilern.

Also: „Blood & Sinners“ ist der neue Film von Ryan Coogler. Wie bei seinen vorherigen Filmen „Nächster Halt: Fruitvale Station“, „Creed“ und den beiden „Black Panther“-Filmen spielt Michael B. Jordan. Wieder die Hauptrolle. Er spielt überzeugend und ohne es jemals wie einen Gimmick wirken zu lassen (wie Robert De Niro in „The Alto Knights“) in einer Doppelrolle die Zwillinge Smoke und Stack. Die vergangenen sieben Jahre lebten sie in Chicago. Was sie genau taten, bleibt wie bei dem Großen Gatsby, unklar. Jetzt, 1932, kehren sie in in ihre alte Heimat Clarksdale, Mississippi, zurück. Es ist eine dieser Gegenden, in der Bluesmusiker an einsam gelegenen Kreuzungen den Teufel treffen und mit ihm Geschäfte machen. Die Zwillinge wollen einen Juke Joint eröffnen. Die Eröffnungsnacht soll eine Nacht werden, die sie und die hoffentlich zahlreich erscheinenden Gäste nicht vergessen. Wenige Stunden später ist die Hütte voll und sie kämpfen um ihr Leben.

Blood & Sinners“ badet im Blues, vor allem dem damals dort gespielten Country Blues, und der afromarikanischen Kultur. Coogler schöpft aus dem Vollen und legt dann, wie ein guter Prediger, noch eine Schippe drauf.

Die Story selbst, – nun, sie hat wenige Wendungen und Überraschungen, aber sie malt jedes Detail detailfreudig aus.

Das Ergebnis ist unbedingt sehenswert. „Blood & Sinners“ ist in jedem Fall einer von Ryan Cooglers besten, möglicherweise sogar sein bester Film. Es ist ein Film mit einer klaren künstlerischen Handschrift und einer Vision, die kompromisslos durchgezogen wurde.

Außerdem sollte man, wie bei einem Marvel-Film, unbedingt sitzen bleiben bis das Saallicht angeht und der Film wirklich vorbei ist. Im Gegensatz zu den zunehmend beliebig und vollkommen uninteressant werdenden Mid- und Post-Credit-Szenen der Superheldenfilme ist hier jede Szene wichtig.

So, und jetzt kommen wir zu dem Teil meiner Kritik, in dem es Spoiler gibt.

Coogler erzählt nach seinem Drehbuch eine Südstaatenhorrorgeschichte.

In der ersten Filmminute stolpert ‚Preacher Boy‘ Sammie, krampfhaft den Hals einer zerstörten Gitarre festhaltend, in den Gottesdienst einer dieser kleinen ländlichen Kirchen. Sein Vater, der Prediger, fordert ihn zum Beten auf. Preacher Boy hat Flashbacks. In diesen Flashbacks deutet Coogler schlimme, in dem Moment nicht identifizierbare Ereignisse an. Dann springt die Filmgeschichte einen Tag zurück. Die aus Chicago kommenden Zwillinge Smoke und Stack kaufen von einem Weißen eine geräumige Scheune, die sie innerhalb weniger Stunden zu einem Lokal herrichten wollen. Den Schnaps haben sie schon. Die anderen Dinge, wie Musiker, Bedienungen, Türsteher und Schilder, besorgen sie innerhalb weniger Stunden. Coogler zeigt dies ausführlich. Es sind Minuten, in denen wir die Figuren kennen lernen und erfahren, wie das Leben im ländlichen Mississippi funktioniert.

Auch die anschließende Eröffnungsnacht in dem Juke Joint der Zwillinge zeigt Coogler ausführlich. Anfangs ist es eine normale Feier mit Alkohol, Blues, Sex, schwitzenden Körpern und überbordenden Emotionen. Personal und Gäste sind Schwarze und einige wenige Asiaten. Die Trennung der Rassen bestimmte damals in den Südstaaten das Leben noch mehr als heute.

Als ziemlich spät in der Filmgeschichte eine Gruppe Weißer anklopft und gerne in das Lokal hineingebeten würde, ist Ärger vorprogrammiert. In dem Moment wissen wir schon aufgrund einer vorherigen Szene, dass diese Weißen Vampire sind. Weiße Vampire, die Folk Music, also Weiße Musik, spielen, und die die Schwarzen aussaugen wollen. Das ist ein ebenso einfaches wie aussagekräftiges Bild für die Situation in den USA.

Sicher, später verwischt Coogler etwas die Grenzen. Dann wird der Juke Joint auch von zu Vampiren gewordenen Schwarzen angegriffen. Und die in der Hütte eingeschlossenen wehren sich mit brachialer Gewalt. Blut spritzt. Gedärme liegen auf dem Boden neben zerfetzten Leichen. Da werden Erinnerungen an „John Carpenters Vampire“ wach. Wobei hier die Vampire und andere Bösewichter in der Black-Power-Variante (bevor es Black Power gab) bekämpft werden.

Blood & Sinners“ ist, mit etwas Quentin Tarantino, ein überaus gelungener Beitrag zur afroamerikanischen Mythenbildung.

Schade ist, dass die Mitglieder des Mississippi-Choctaw-Indianerstammes nur einen, rein expositorischen Auftritt haben. Von ihnen hätte ich gerne mehr gesehen. Vielleicht in einem zweiten Film.

P. S.: Wer nach „Blood & Sinners“ die früheren Werke von Ryan Coogler sehen möchte, kann dies während der Ostertage tun:

Pro7 zeigt am Samstag, den 19. April, um 20.15 Uhr „Black Panther“; Wiederholung am Montag, den 21. April, um 9.10 Uhr.

Sat 1 zeigt am Montag, den 21. April, um 00.40 Uhr (Taggenau!) „Creed – Rocky’s Legacy“; Wiederholung am Dienstag, den 22. April, um 03.20 Uhr (Taggenau!)

Pro7 zeigt am Montag, den 21. April, um 20.15 Uhr, als TV-Premiere, „Black Panther: Wakanda forever“; Wiederholung am Freitag, den 25. April, um 22.25 Uhr.

Blood & Sinners (Sinners, USA 2025)

Regie: Ryan Coogler

Drehbuch: Ryan Coogler

mit Michael B. Jordan, Hailee Steinfeld, Miles Caton, Jack O’Connell, Wunmi Mosaku, Jayme Lawson, Omar Miller, Li Jun Li, Delroy Lindo, Buddy Guy (erst im Abspann – und das ist ein Grund, sich den Abspann anzusehen)

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Blood & Sinners“

Metacritic über „Blood & Sinners“

Rotten Tomatoes über „Blood & Sinners“

Wikipedia über „Blood & Sinners“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Creed“ (Creed, USA 2015)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Black Panther“ (Black Panther, USA 2018)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Black Panther: Wakanda forever“ (Black Panther: Wakanda forever, USA 2022)


TV-Tipp für den 17. April: Überdosis

April 16, 2025

Tele 5, 22.00

Überdosis (Overdose, Frankreich 2022)

Regie: Olivier Marchal

Drehbuch: Christophe Gavat, Olivier Marchal

LV: Pierre Pouchairet: Mortels trafics, 2016

TV-Premiere eines harten französischen Polizeikrimis über Drogenhandel und den Kampf dagegen.

Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Story und Charaktere [bleiben] im Ganzen wenig originell, doch der Film vermag seine weit verzweigten Handlungsstränge stringent zu entwickeln und spannungsfördernd zu verweben.“

mit Sofia Essaïdi, Assaad Bouab, Alberto Ammann, Simon Abkarian, Carlos Bardem

auch bekannt als „Overdose“ (Amazon-Prime-Titel)

Wiederholung: Samstag, 19. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Überdosis“

Rotten Tomatoes über „Überdosis“

Wikipedia über „Überdosis“


TV-Tipp für den 16. April: Sorry we missed you

April 15, 2025

Arte, 20.15

Sorry we missed you (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

Seltsamerweise war dieser gewohnt überzeugende Film von Ken Loach noch nie mein Tagestipp.

Im Mittelpunkt des Dramas steht Ricky, der versucht als selbstständiger Paketbote zu überleben. Ein ziemlich unmögliches Unterfangen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster, Charlie Richmond, Julian Ions

Hinweise

Moviepilot über „Sorry we missed you“

Metacritic über „Sorry we missed you“

Rotten Tomatoes über „Sorry we missed you“

Wikipedia über „Sorry we missed you“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Jimmy’s Hall“ (Jimmy’s Hall, Großbritannien/Irland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Ich, Daniel Blake“ (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Sorry, we missed you“ (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)

Meine Besprechung von Ken Loachs „The Old Oak“ (The Old Oak, Großbritannien 2023)


TV-Tipp für den 15. April: Im Rausch der Tiefe

April 14, 2025

HR, 22.40

Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland

Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.

Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.

mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Tiefe“

Wikipedia über „Im Rausch der Tiefe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Projekt: Peacemaker

April 13, 2025

Agentengedöns nach dem Kalten Krieg

Kabel 1, 20.15

Projekt: Peacemaker (The Peacemaker, USA 1997)

Regie: Mimi Leder

Drehbuch: Michael Schiffer

LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)

US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.

Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.

„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt “Projekt: Peacemaker” seine Geschichte.

Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Projekt: Peacemaker”

Wikipedia über “Projekt: Peacemaker” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mimi Leders „Die Berufung“ (On the Basis of Sex, USA 2018)


TV-Tipp für den 13. April: The Ipcress File

April 12, 2025

Arte, 20.15

Ipcress – Streng geheim (The Ipcress File, Großbritannien 1965)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Bill Canaway, James Doran

LV: Len Deighton: The IPCRESS File, 1962 (Ipress – Streng geheim)

Der britische Geheimagent Harry Palmer soll herausfinden, warum Top-Forscher plötzlich Gedächtnislücken haben. Stecken die Russen dahinter?

Mit dem ersten von drei Harry Palmer-Filmen legte Bond-Produzent Harry Saltzman einen erfolgreichen Gegenentwurf zu James Bond vor. Denn Harry Palmer – in Deightons Romanen hat er noch nicht einmal einen Namen – ist ein ganz gewöhnlicher Beamter mit einem Kassengestell und billigen Anzügen. Er ist eher ein Privatdetektiv, der hartnäckig eine Spur verfolgt und sich nicht auf die schützende Hand seiner Regierung verlassen kann.

Das Drehbuch des spannenden Agententhrillers erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Für Michel Caine ist Harry Palmer eine seiner klassischen Rollen. Insgesamt spielte er dreimal den Geheimagenten. Nach „Ipcress – Streng geheim“ gab es das „Finale in Berlin“ (Funeral in Berlin, 1966, Regie: Guy Hamilton) und „Das Milliarden-Dollar-Gehirn (Billion Dollar Brain, 1967, Regie: Ken Russell). 1995 und 1996 spielte Caine wieder Harry Palmer in den zu Recht vergessenen TV-Filmen „Peking Express“ (Bullet to Beijing) und in „Herren der Apocalypse“ (Midnight in Saint Petersburg), die nicht auf Romanen von Len Deighton basieren und auch sonst nichts mit Deighton zu tun haben.

Mit Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ipcress – Streng geheim“

Wikipedia über „Ipcress – Streng geheim“ (deutsch, englisch) und Len Deighton (deutsch, englisch)

The Deighton Dossier

Krimi-Couch über Len Deighton

Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)


TV-Tipp für den 12. April: Der Schneider von Panama

April 11, 2025

ZDFneo, 20.15

Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama, USA/Irland/Großbritannien 2001)

Regie: John Boorman

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Der damalige James-Bond-Darsteller Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Brendan Gleeson, Martin Ferrero, Mark Margolis, Dylan Baker, Daniel Radcliffe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schneider von Panama“

Wikipedia über „Der Schneider von Panama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

Homepage von John le Carré

seine Romane

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung von John le Carrés „Silverview“ (Silverview, 2021)

neuere le-Carré-Verfilmungen

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik (kurz): Über Paolo Sorrentinos „Parthenope“

April 10, 2025

Parthenope ist in Homers Odyssee der Name einer der Meerjungfrauen, die mit ihrer verführerischen Stimme Seeleute und Reisende ins Verderben lockt.

Parthenope ist auch eine Bezeichnung der Neapolitaner für ihre Stadt Neapel.

Parthenope ist in Paolo Sorrentinos neuem Film „Parthenope“ der Name einer Neapolitanerin. In seinem Film erzählt er ihr Leben von ihrer Geburt 1950 bis in die Gegenwart. Er konzentriert sich dabei auf die Jahre zwischen 1968 und 1974, als sie als junge Schönheit reihenweise Männern den Kopf verdreht und an der Universität Anthropologie studiert. Sie ist immer gelangweilt und die schönste und klügste Person im Raum.

Paolo Sorrentino illustriert dieses sorgenfreie Leben am sommerlich-sonnigen Mittelmeer in einer Abfolge exquisit aussehender Stillleben und kluger Kalendersprüche.

Das sieht in jeder Sekunde gut aus. Aber es bleibt leblos. Parthenope entwickelt nie mehr Persönlichkeit als ein Playboy-Model. Sorrentinos Blick auf sie und die sie umgebenden halbnackten, ebenfalls gut aussehenden Männer ist voyeuristisch. Es fehlt die in seinem früheren Film „Ewige Jugend“ vorhandene Brechung. Dort sinnierten zwei alte Männer beim Anblick einer jungen Schönheit über ihr Alter und die Vergänglichkeit. In „Parthenope“ gibt es nur noch Bilder von schönen Menschen in einer schönen Landschaft.

Es gibt viele Anspielungen auf die Geschichte Neapels und Italiens, die Kirche und, sich in Prüfungen und Begegnungen mit ihrem Professor erschöpfend, die Wissenschaft. Die meisten Anspielungen können wahrscheinlich nur Einheimische dechiffrieren.

Gary Oldman darf als der von Parthenope bewunderte Schriftsteller John Cheever einige Minuten betrunken im Bild herumhängen und kluge Sätze sagen.

Als großformatiger Bildband mit einigen Sätzen aus dem Drehbuch funktioniert diese Liebeserklärung an die Schönheit der jungen Frau, Neapels und des untergegangenen „La dolce vita“-Italien der sechziger und frühen siebziger Jahre sicher prächtig. Im Kino nicht.

Parthenope (Parthenope, Italien/Frankreich 2024)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Celeste Dalla Porta, Stefania Sandrelli, Gary Oldman, Silvio Orlando, Luisa Ranieri, Peppe Lanzetta, Isabella Ferrari, Silvia Degrandi

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Parthenope“

Metacritic über „Parthenope“

Rotten Tomatoes über „Parthenope“

Wikipedia über „Parthenope“ (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)