DVD-Kritik: Vier Noirs, gut abgehangen und immer noch sehenswert

Juli 20, 2015

Die Filme habe ich schon vor einiger Zeit gesehen, aber aus Gründen, die ausschließlich bei mir lagen (Planung, Planung und 5-Jahres-Pläne) komme ich erst jetzt dazu, „Unter Verdacht“, „Der unheimliche Gast“, „Ministerium der Angst“ und „Die Killer“ abzufeiern. Sie sind alle in der uneingeschränkt lobenswerten „Film Noir“-Collection von Koch Media erschienen und sie sind, auch wenn nicht jeder Film ein Klassiker ist, einen Blick wert. Bild und Ton sind, immerhin sind die Filme schon etwas älter, gewohnt gut. Die Zusatzinformationen sind, wie bei den vorherigen Veröffentlichungen, informativ und gut gewählt. Es gibt immer ein 16-seitiges Booklet mit einem Essay von Thomas Willmann über den Film, den Trailer, eine Bildergalerie und, manchmal noch mehr, wie ein parallel zum Film entstandenes Radiohörspiel.
Und es ist eine der Gelegenheiten, einige fast schon vergessene Filme von Größen wie Fritz Lang und Robert Siodmak (mehr über den inzwischen wieder fast vergessenen Regisseur könnt ihr in „Robert Siodmak“ lesen) wieder oder erstmals zu entdecken.

Robert Siodmak ist vor allem bei Noir-Fans hochgeschätzt und mit „Unter Verdacht“ und „Die Killer“ liegen jetzt zwei seiner großen Noirs vor.
„Die Killer“ ist die erste Verfilmung von Ernest Hemingways gleichnamiger Kurzgeschichte, die eigentlich nur aus einer Situation besteht: ein Mann wartet in einem Hotelzimmer auf seine Killer. Warum erfahren wir nicht in Hemingways Geschichte, aber Robert Siodmak und später Don Siegel (der die Geschichte 1964 verfilmte) bieten eine Erklärung an.
In dem Dorf Brentwood tauchen zwei Killer auf. Sie suchen einen Mann, finden und töten ihn. Während die Polizei den Fall als Auseinandersetzung zwischen auswärtigen Verbrechern zu den Akten legt, beginnt Versicherungsdetektiv Reardon mit seinen Ermittlungen. Dabei entdeckt er eine Versicherungspolice des Toten Pete Lunn, genannt „der Schwede“, den dieser auf ein Zimmermädchen ausgestellt hatte. Als Reardon weiter in Lunns Vergangenheit stöbert, erfährt er, wie der Boxer in kriminelle Gesellschaft geriet. Wegen einer Frau anderen Frau.
Siodmaks Film ist ein unumstrittener Noir-Klassiker voll grandioser Szenen und verzweifelter Menschen. Das mit dem Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnete Werk war damals in den USA ein Kassenhit, der Robert Siodmaks Marktwert in Hollywood ungemein steigerte. Burt Lancaster, der in „Die Killer“ sein Leinwanddebüt als der Schwede gab, hätte keinen besseren Einstand haben können. Ava Gardner, die davor kleine, unwichtige Rollen spielte und hier die Femme Fatale war, wurde ebenfalls zum Star.
Ernest Hemingway, der die meisten Verfilmungen seiner Werke hasste, war begeistert von Siodmaks Verfilmung. Sie nennt zwar einen Grund für Lunns regloses Warten auf seinen Tod, nimmt aber nichts vom Fatalismus der Vorlage weg.


„Unter Verdacht“ ist vor allem eine Paraderolle für Charles Laughton, der Philip Marshall, einen reichen, unglücklich verheirateten Geschäftsmann spielt, der 1902 in London eine andere Frau kennenlernt. Kurz darauf stirbt Marshalls Frau bei einem Unfall. Scotland-Yard-Inspektor Huxley glaubt zwar an einen Mord, aber er hat gegen Marshall keine Beweise. Kurz darauf heiratet Marshall Mary Grey – und spätestens wenn Marshall seinen Nachbarn, der ihn erpressen wollte, vergiftet, wissen wir, dass hinter der jovialen Maske des Geschäftsmannes ein kaltblütiger Mörder ist.
Ein mit der Atmosphäre des viktorianischen Londons, in dem wenige Jahre früher Jack the Ripper mordete, badender Noir, der vor allem Dank Charles Laughton sehenswert ist.

Fritz Lang ist natürlich allgemein bekannt. „Metropolis“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und die ersten„Dr. Mabuse“-Filme sind einflussreiche Filme, die jeder Filmfan gesehen hat (oder es behauptet und schnellstens nachholen sollte).
„Ministerium der Angst“ gehört zu seinen unbekannteren Werken. Er drehte den Thriller 1944 nach einem Roman von Graham Greene und Buch und Film sind natürlich eine unmittelbare Reaktion auf den 2. Weltkrieg und den London und halb England verwüstenden Bombenkrieg.
Stephen Neale (Ray Milland) wird aus einer ländlich gelegenen Irrenanstalt entlassen. Schon auf dem Weg nach London wird er von seltsamen Männern verfolgt. Dass er nicht an einer paranoiden Wahnvorstellung leidet, beweisen die Leichen, die plötzlich seinen Weg pflastern und die ihn als Mörder verfolgende Polizei, die noch gar nicht mitbekommen hat, dass ein Nazi-Agentenring in London arbeitet.
Die actionreiche Jagd mit einem von allen verfolgten, unschuldigen Normalbürger ist inzwischen immer noch als typischer Alfred-Hitchcock-Stoff bekannt. Schon Jahrzehnte vor „Der unsichtbare Dritte“ drehte Hitchcock, noch in England mehrere Filme mit einer ähnlichen Geschichte. Am bekanntesten dürfte seine John-Buchan-Verfilmung „Die 39 Stufen“ sein. Dicht gefolgt von „Der Mann, der zu viel wusste“ (wobei hier das Remake mit James Stewart bekannter ist). Diese Hitchcock-Filme sind dann auch das größte Problem für Langs Film, weil Hitchcock schon in den Dreißigern deutlich flottere Thriller inszenierte.
Dennoch, oder gerade deswegen und weil es hier nicht um Thriller, sondern um Noirs geht: empfehlenswert, wenn auch nicht so gut wie „Die Killer“.
„Obwohl Fritz Lang den Film nicht besonders mochte, gehört er zu den besten seiner Films noirs. Die Orientierungslosigkeit des Helden, der als Spielball unbekannter Mächte in einer Welt verborgener Identitäten seine eigene Identität sucht, stellt Lang mit äußerster formaler Geschlossenheit dar.“ (Paul Werner: Film noir)


Im Gegensatz zu Fritz Lang und Robert Siodmak ist Lewis Allen deutlich unbekannter. Nach einigen Spielfilmen, u. a. „Desert Fury – Liebe gewinnt“ (der ebenfalls in der Film Noir Collection erschien), die alle keine große Aufmerksamkeit erregten, arbeitete er seit den Fünfzigern vor allem für das Fernsehen, wo er zahlreiche TV-Episoden inszenierte, unter anderem für die Serien „Auf der Flucht“, „Kobra, übernehmen Sie“ und „Bonanza“.
Sein Spielfilmdebüt „Der unheimliche Gast“ ist eigentlich kein Noir. Da helfen auch einige Noir-Einstellungen, wenn die Kerzen im Haus große Schatten werfen, nicht. Es ist ein Geisterfilm und ein Liebesfilm, der nie wirklich gruselt. Über weite Strecken ist der Geist einfach ein Hausgeist, ein weiterer Bewohner, den man halt akzeptiert. Also wie „Beetlejuice“, nur ohne den Tim-Burton-Humor und ohne die Verbrüderung der Bewohner mit den Geistern.
1937 kaufen Komponist Patrick Fitzgerald (Ray Milland) und seine Schwester Pamela (Ruth Hussey) das einsam an der Küste in Cornwall gelegene, erstaunlich günstige Windward House. Schon bald bemerken sie, ihr Schoßhund und die Hauskatze, dass sie einen nicht eingeladenen Hausgast haben, der sie aus dem Haus verjagen will.
Trotz allem hat der doch inzwischen arg altmodische Grusler seine Fans. Martin Scorsese und Guillermo Del Toro nahmen den Film in ihre Listen der schaurigsten Horrorfilme auf – und allein das rechtfertigt schon einen Blick.

Unter Verdacht - DVD-Cover
Unter Verdacht (The Suspect, USA 1944)
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Bertram Millhauser, Arthur T. Horman (Adaptation)
LV: James Ronald: This Way Out, 1939
mit Charles Laughton, Ella Raines, Dean Harens, Stanlec C. Ridges
–
DVD
Koch Media (Film Noir Collection 16)
Bild: 1.37:1
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Bildergalerie, Booklet, Einstündiges Hörspiel mit Charles Laughton und Ella Raines
Länge: 82 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Unter Verdacht“
Turner Classic Movies über „Unter Verdacht“
Wikipedia über „Unter Verdacht“ (deutsch, englisch)

Filmportal über Robert Siodmak

Senses of Cinema über Robert Siodmak

Noir of the Week über Robert Siodmak

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Zeuge gesucht” (Phantom Lady, USA 1943)

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Der schwarze Spiegel” (The dark mirror, USA 1946)

Meine Besprechung von Deutsches Historisches Museum (Hrsg.) „Robert Siodmak“ (2015)

Der unheimliche Gast - DVD-Cover

Der unheimliche Gast (The Uninvited, USA 1944)
Regie: Lewis Allen
Drehbuch: Dodie Smith, Frank Partos
LV: Dorothy Macardle: Uneasy Freehold, 1941 (US-Titel „The Uninvited“)
mit Ray Milland, Ruth Hussey, Gail Russel, Alan Napier, Cornelia Otis Skinner
–
DVD
Koch Media (Film Noir Collection 17)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet, Zwei jeweils halbstündige Radio-Hörspiele zum Film mit Ray Milland von 1944 und 1949
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der unheimliche Gast“
Turner Classic Movies über „Der unheimliche Gast“
Wikipedia über „Der unheimliche Gast“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Lewis Allens „Desert Fury – Liebe gewinnt“ (Desert Fury, USA 1947)
Ministerium der Angst - DVD-Cover

Ministerium der Angst (Ministry of Fear, USA 1944)
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Seton I. Miller
LV: Graham Greene: Ministry of Fear, 1943 (Zentrum des Schreckens)
mit Ray Milland, Marjorie Reynolds, Dan Duryea, Percy Waram, Erskine Sanford, Alan Napier
–
DVD
Koch Media (Film Noir Collection 18)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet
Länge: 83 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Ministerium der Angst“
Turner Classic Movies über „Ministerium der Angst“
Wikipedia über „Ministerium der Angst“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Kirjasto über Graham Greene

Greeneland – The World of Graham Greene (Fanseite)

Meine Besprechung von Graham Greenes “Am Abgrund des Lebens” (Brighton Rock, 1938) und den englischen Verfilmungen von 1947 und 2010

Die Killer - DVD-Cover
Die Killer (The Killers, USA 1946)
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Anthony Veiller, John Huston (ungenannt), Richard Brooks (ungenannt)
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Die Killer, Kurzgeschichte)
mit Burt Lancaster, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Albert Dekker, Sam Levene, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“
–
DVD
Koch Media (Film Noir Collection 19)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet, Radioadaption von 1949 mit Burt Lancaster, Shelley Winters und William Conrad
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Die Killer“
Turner Classic Movies über „Die Killer“
Wikipedia über „Die Killer“ (deutsch, englisch)
Noir of the Week über „Die Killer“


TV-Tipp für den 20. Juli: Fanny und Alexander/Wilde Erdbeeren

Juli 20, 2015

Arte, 20.15
Fanny und Alexander (Schweden/DeutschlandFrankreich 1982, Regie: Ingmar Bergman)
Drehbuch: Ingmar Bergman
Eine „Hommage an Ingmar Bergman“ präsentiert Arte heute mit „Fanny und Alexander“, seinem letzten Spielfilm (er drehte danach noch mehrere TV-Filme) und „Wilde Erdbeeren“. Und kommenden Montag, den 27. Juli, zeigt Arte um 20.15 „Szenen einer Ehe“ (Schweden 1973); noch ein Bergman-Klassiker.
In „Fanny und Alexander“, den er schon bei der Premiere als seinen letzten Kinofilm ankündigte, erzählt er ein Jahr aus dem Leben des zehnjährigen Alexander, der in einer wohlhabenden Familie, die ein Provinztheater führt, aufwächst. Es beginnt 1907 mit der Weihnachtsfeier.
„ein Monument, in dem sich noch einmal der ganze Bergmansche Kosmos findet (…) Ein Alterswerk, ein Meisterwerk.“ (Fischer Film Almanach 1984)
Der Film erhielt vier Oscars (unter anderm Sven Nykvist für die Kamera und als bester ausländischer Film, Bergman war für seine Regie und sein Drehbuch nominiert). Es gibt außerdem einen über fünfstündigen TV-Fassung.
Heute läuft die dreistündige Kinofassung.
mit Kristina Adolphson, Pernilla Allwin, Kristian Almgren, Carl Billquist
Wiederholung: Mittwoch, 22. Juli, 13.55 Uhr

Arte, 23.20
Wilde Erdbeeren (Schweden 1957, Regie: Ingmar Bergman)
Drehbuch: Ingmar Bergman
Auf der langen Autofahrt zu einer Ehrung erinnert der 78-jährige Professor Isak Borg (gespielt vom Stummfilm-Regisseur Victor Sjöström) an seine Vergangenheit und phantasiert über seinen nahenden Tod, weshalb die Fahrt für ihn auch zu einer bitteren Bilanz über sein Leben wird.
Ein Klassiker, der damals auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt, aber erst am 21. Juli 1961 in Deutschland im Kino anlief.
mit Victor Sjöström, Ingrind Thulin, Bibi Anderson, Gunnar Björnstrand, Max von Sydow
Hinweise
Arte über die Ingmar-Bergman-Filmreihe
Wikipedia über Ingmar Bergman (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Juli: Spartacus

Juli 19, 2015

3sat, 21.40
Spartacus (USA 1960, Regie: Stanley Kubrick)
Drehbuch: Dalton Trumbo
LV: Howard Fast: Spartacus, 1951 (Spartacus)
71 nach Christus: Spartacus führt einen Sklavenaufstand gegen die Römer an – und Stanley Kubrick inszenierte (nachdem Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas Regisseur Anthony Mann gefeuert hatte) einen der wenigen genießbaren Monumentalfilme.
mit Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, John Gavin, Tony Curtis, Nina Foch, John Ireland, Herbert Lom, John Dall, Woody Strode
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Spartacus“
Wikipedia über „Spartacus“ (deutsch, englisch)
Stanley Kubrick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Juli: Der Mandant

Juli 18, 2015

RTL, 20.15
Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)
Regie: Brad Furman
Drehbuch: John Romano
LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)
Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.
Heute ist die TV-Premiere der rundum geglückten Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere auf spannende Bahnen lenkte.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.
mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Mandant“

Rotten Tomatoes über „Der Mandant“

Michael Connelly unterhält sich mit Matthew McConaughey über den Film

Meine Besprechung der Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Mit Miss Everdene „Am grünen Rand der Welt“

Juli 17, 2015

Wir wissen schon nach der ersten Minute, wenn Bathsheba Everdene, eine junge, unabhängige Frau, und Gabriel Oak, ein zuverlässiger Schäfer, sich begegnen, dass sie, auch ohne Thomas Hardys Wessex-Roman „Am grünen Rand der Welt“ zu kennen, füreinander bestimmt sind. Bathsheba braucht dann noch gut zwei Kinostunden für diese Erkenntnis. In dieser Zeit übernimmt sie den Hof ihres verstorbenen Onkels und führt ihn, entgegen den damaligen viktorianischen Konventionen, als Chefin. Außerdem balzen noch zwei andere Männer um die Aufmerksamkeit der schönen Frau. Es sind der schon etwas ältere, immer noch allein lebende und deshalb bei den Frauen des Dorfes begehrte Großgrundbesitzer William Boldwood und der junge Soldat James Troy, den wir schon auf den ersten Blick als verantwortungslosen Blender und Spieler erkennen.
Gabriel, der durch ein Unglück seine gesamte Schafherde verlor, hat inzwischen als Schäfer eine Stelle auf Bathshebas Hof gefunden.
Bathsheba heiratet – wir ahnen es – den für sie schlechtesten Verehrer: den Soldaten Troy. Schon in der Hochzeitsnacht betrinkt er sich mit den Gästen, anstatt das zum Verkauf bestimmte Getreide vor einem aufziehenden Gewitter zu schützen. Gabriel deckt es, bis Bathsheba ihm hilft, alleine ab. Auch danach hilft Troy nicht auf dem Hof mit, sondern verzockt das von seiner Frau erarbeitete Geld und er trifft wieder Fanny Robin, eine frühere Freundin, die er heiraten wollte und die von ihm schwanger ist.
Für einen ereignisreichen Kinofilm gibt es also genug Konflikte in Thomas Hardys schon mehrfach verfilmtem Liebesroman, der immer noch zu den wichtigen Werken der englischen Literatur gehört. Drehbuchautor David Nicholls (mehrere Romane, unter anderem „Zwei an einem Tag“, und mehrere Drehbücher, unter anderem die Charles-Dickens-Verfilmung „Große Erwartungen“ [2012] und die Thomas-Hardy-Verfilmung „Tess of the D’Urbervilles“ [2008]) und Thomas Vinterberg („Das Fest“, „Die Jagd“) folgen der bekannten Geschichte genau. Aber sie setzen andere Akzente und modernisierten sie in einigen Bereichen behutsam, indem sie Bathsheba eindeutig ins Zentrum stellen. Im Roman ist Gabriel Oak im ersten Viertel die Hauptfigur; auch danach ist Bathsheba nur ein Charakter unter mehreren. Außerdem lässt Hardy oft einen Charakter einem anderen Charakter von wichtigen Ereignissen erzählen oder er rafft es zu einem kurzen Bericht zusammen. Vinterberg zeigt diese Ereignisse, wie den Tod von Gabriels Schafherde oder Bathshebas Ankunft in ihrem neuen Haus. Und er kann sich auf das differenzierter Spiel seiner in jeder Szene sympathischen Schauspieler – Carey Mulligan als Bathsheba Everdene, Matthias Schoenaerts als Gabriel Oak, Michael Sheen als William Boldwood und Tom Sturridge als Frank Troy – verlassen. Ihnen sieht man in jeder Sekunde gerne zu, auch wenn Vinterberg konsequent in der antidramatischen Erzählhaltung des neunzehnten Jahrhunderts bleibt, in der einfach chronologisch von den Ereignissen berichtet wird und sie fast schon zufällig aufeinander folgen, während die Menschen ihr Schicksal ertragen. Heute erwarten wir von Geschichten eine Kette von aufeinander folgenden Aktionen von verschiedenen Charakteren, die alle immer etwas erreichen wollen. Aber Bathsheba sucht keinen Ehemann. Sie kommt – und das macht sie schon in Hardys Roman zu einer modernen Frau – gut ohne einen Mann aus. Sie ist auch erstaunlich desinterressiert an männlicher Gesellschaft. Gabriel, der sie begehrt, akzeptiert klaglos ihre Ablehnung und er landet eher zufällig auf ihrem Hof. Dort arbeitet er als Schäfer, der wegen seines jetzt niederen Standes, überhaupt nicht mehr an eine Heirat denkt. Im Roman ist er, viel stärker als im Film (wo er einen stoischen Heroismus ausstrahlt), ein passiver Leidender und Beobachter, den man am liebsten ohrfeigen würde. Aus solch passiven Gestalten kann sich natürlich keine dramatische Handlung (was schade ist) und auch keine Nicholas-Sparks-Schmonzette (was gut ist) entwickeln.
Zu den guten Schauspielern kommen noch die schönen Kostüme und die wundervolle Landschaft der im Südwesten Englands liegenden Grafschaft Dorset, dem realen Vorbild von Thomas Hardys Wessex.
Und so ist „Am grünen Rand der Welt“ eine konventionell erzählte, werkgetreue, stimmungsvolle und in jeder Beziehung traditionsbewusste Romanverfilmung, die vor allem wegen der Schauspieler gefällt.
P. S.: Suzanne Collins benannte ihre „Die Tribute von Panem“-Heldin Katniss Everdeen nach Bathsheba Everdene. Aber das habt ihr natürlich alle gewusst?

Am grünen Rand der Welt - Plakat

Am grünen Rand der Welt (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
LV: Thomas Hardy: Far from the Madding Crowd, 1874 (Am grünen Rand der Welt)
mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts, Michael Sheen, Tom Sturridge, Juno Temple, Bradley Hall, Jessica Barden
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Die Vorlage

Hardy - Am grünen Rand der Welt - Movie Tie-in

Thomas Hardy: Am grünen Rand der Welt
(übersetzt von Peter Marginter)
dtv, 2015 (Filmausgabe)
432 Seiten
9,90 Euro
–
Originalausgabe
Far from the Madding Crowd
London, 1874
(für spätere Ausgaben überarbeitete Hardy seinen Roman)
–
Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Am grünen Rand der Welt“
Moviepilot über „Am grünen Rand der Welt“
Metacritic über „Am grünen Rand der Welt“
Rotten Tomatoes über „Am grünen Rand der Welt“
Wikipedia über „Am grünen Rand der Welt“ und Thomas Hardy (deutsch, englisch)
Homepage von David Nicholls


TV-Tipp für den 17. Juli: Blue Steel

Juli 17, 2015

3sat, 22.35
Blue Steel (USA 1990, Regie: Kathryn Bigelow)
Drehbuch: Kathryn Bigelow, Eric Red
Während ihres ersten Einsatzes erschießt Streifenpolizistin Megan Turner in einem Supermarkt einen bewaffneten Räuber. Ein klarer Fall von gerechtfertigtem Einsatz der Schusswaffe, wenn nicht ein Kunde, Eugene Hunt, die Waffe des Räubers eingesteckt hätte. Kurz darauf beginnt Hunt mit dieser Waffe (und Megans Name auf den Kugeln) Menschen zu erschießen. Außerdem nähert er sich ihr als verständnisvoller Liebhaber.
In Bigelows optisch überzeugendem, spekulativem Polizistinnenthriller erlebt und tut eine Frau all die Dinge, die sonst nur ein Mann tut. Das war damals noch verdammt ungewöhnlich.
mit Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Pena, Louise Fletcher, Philip Bosco, Kevin Dunn, Richard Jenkins, Tom Sizemore
Wiederholung: Sonntag, 19. Juli, 02.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Blue Steel“
Wikipedia über „Blue Steel“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Station to Station“, Künstler zu Künstler, einmal durch die USA

Juli 16, 2015

Doug Aitken, der Regisseur von „Station to Station“, ist ein in Los Angeles und New York lebender Multimedia-Künstler, der vor allem für seine Kunstinstallationen bekannt ist und die jetzt, also seit dem 9. Juli und bis zum 27. September 2015, in Frankfurt am Main in der Schirn Kunsthalle ausgestellt werden. Es ist, auf 1400 m² Ausstellungsfläche, die erste große Einzelpräsentation von ihm in Deutschland. Mit Skulpturen, Film- und Soundinstallationen, wie – damit ihr etwas für die Suchmaschine eurer Wahl habt – „Black Mirror“, „diamond sea“, „migration (empire)“ und „Sonic Foundation“. Aitken, so das Presseheft knapp zusammenfassend, „stellt existenzielle Fragen des Lebens, liefert jedoch keine einfachen Antworten. Stattdessen bringt der Künstler ene fast naive Begeisterung für das Menschsein und das gemeinschaftliche Zusammenwirken zum Ausdruck. Seine Themenwelt kreist fortwährend um die menschliche Zivilisation.“
Eröffnet wurde die Ausstellung von dem Filmessay „Station to Station“, das jetzt auch regulär im Kino (also in einigen Kinos; in sehr wenigen Kinos; in Berlin in keinem Kino) läuft. In dem Film dokumentiert Doug Aitken eines seiner Kunstprojekte: die Fahrt mit einem Zug vom Atlantik zum Pazifik quer durch die USA. Die 4000 Meilen wurden innerhalb von 24 Tagen zurückgelegt. Im Zug waren Künstler, die, auch zusammen mit anderen Künstlern, an neuen Projekten arbeiteten, die im Zusammenhang mit der Reise und den Stationen, die sie währenddessen einlegten, standen. Bei den zehn Aufenthalten in großen, wie Los Angeles und Chicago, und kleinen Städten, wie Winslow, gab es dann verschiedene Kunstprojekte für und mit den ortsansässigen Bewohnern, wie Konzerte, Happenings und Installationen, die schon während der Fahrt ihre Fortsetzung im Internet und auf einer die Reise begleitenden Webseite fanden. Dabei herrschte bei den Stationen oft eine freigeistige Jahrmarktatmosphäre, in der einfach Dinge ausprobiert wurden, getanzt wurde, es Performances und Konzerte gab.
Aitken strukturierte den Film „Station to Station“ in 62 mehr oder weniger thematische Impressionen von jeweils einer Minute, die sich fast nie wie eine Minute anfühlen; was auch daran liegt, dass diese Einteilung in die verschiedenen Kapitel eher willkürlich ist. Denn „Station to Station“ ist eine fließende Musik-, Sound- und Bildcollage, in der immer wieder bekannte Gesichter kurz auftauchen. Einige, wie Jackson Browne und Patti Smith, haben nur einen Auftritt. Thurston Moore („Sonic Youth“) ist dagegen mehrmals zu sehen. Und Initiator Doug Aitken ist vor allem die graue Eminenz im Hintergrund. Die von ihm gewählte Struktur mit den 62 Kapiteln, wobei die Kapitel vor allem dazu dienen, den Film zu rhythmisieren, entwickelt im Kino, auch weil bestimmte Motive immer wieder aufgegriffen werden, einen tranceartigen Sog.
„Station to Station“ ist aufgrund seiner gewählten Form vor allem eine Sammlung von Reiseimpressionen, Gedankensplittern und liefert, ausgehend von den kurzen Statements der beteiligten Künstler, Anregungen zum Nachdenken. Über das Projekt selbst und seine Wirkung erfährt man dagegen nichts.

Station to Station - Plakat

Station to Station (Station to Station, USA 2014)
Regie: Doug Aitken
Drehbuch: Doug Aitken
mit Sun Araw, Ariel Pink’s Haunted Graffiti, Beck, Black Monks of Mississippi, Bloodbirds, Jackson Browne, Cat Power, Cold Cave, The Congos, The Conquerors, Dan Deacon, Thomas Demand, Destruction Unit, William Eggleston, Olafur Eliason, Sam Falls, Urs Fischer, Sasha Frere-Jones, Eleanor Friedberger, Liz Glynn, Cornbred Harris, Gary Indiana, Christian Jankowski, Aaron Koblin, Lucky Dragons, Mark Bradford, Giorgio Moroder, Thurston Moore, Ernesto Neto, No Age, Ed Ruscha, Savages, Patti Smith, Mavis Staples, Paolo Soleri, Stephen Shore, Suicide, Theesatisfaction, Lawrence Weiner, White Mystery, Yoshimio Trio (es sind immer nur Kurzauftritte, d. h. wer nur wegen einem der Künstler in den Film geht, wird enttäuscht sein.)
Länge: 67 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Amerikanische Homepage zum Film/Projekt
Film-Zeit über „Station to Station“
Moviepilot über „Station to Station“
Rotten Tomatoes über „Station to Station“
Wikipedia über Doug Aitken
Homepage von Doug Aitken
Homepage zur Ausstellung

–

Ein Gespräch mit Doug Aitken über „Station to Station“

und etwas Musik von Thurston Moore (mehr)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Unknown User“ stört

Juli 16, 2015

Spoilerwarnung!!!

Vor einem Jahr brachte Laura Barns sich um. Sie konnte nicht mit der Schande – einem entblößendem Video und den hämischen Kommentaren im Netz– leben.
Jetzt hängen einige ihre Schulfreunde vor dem Computer ab und chatten miteinander, bis sie plötzliche „Billie 227“ in ihrem Gespräch haben. Zuerst bemerken Blaire, ihr Freund Mitch und ihre Freunde Jess, Adam, Ken und Val den unbekannten Gast nicht. Dann glauben sie an einen Fehler, den sie mit einem Abbruch und Neuaufnahme ihres Gesprächs beseitigen können. Aber er ist immer noch da und er meldet sich jetzt zu Wort. Er will wissen, wer von ihnen Laura in den Tod trieb. Er weiß Dinge über sie, die er nicht wissen kann. Und er droht jeden, der den Chat vorzeitig verlässt, umzubringen.
Nachdem der Störenfried einen von ihnen vor laufender Kamera tötet, glauben sie ihm. Die noch überlebenden Teenager (Hey, wir wissen doch alle, dass kleine Sünden mit dem Tod bestraft werden!) lassen sich, notgedrungen, auf sein Wahrheitsspielt ein.
Gut, das erinnert etwas ältere Horrorfilmfans an „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (I know what you did last summer, USA 1997). Nur dass dieses Mal die Teenager die ganze Zeit in ihren Zimmern vor ihren Computerbildschirmen verharren müssen. Auf dieser erzählerischen Ebene hat „Unknown User“ auch keine Überraschungen: die Teenager waschen ihre schmutzige Wäsche und sterben dabei der Reihe nach. Meistens schnell und unblutig.
Aber auf der formalen Ebene ist Levan Gabriadzes US-Debüt ist überaus gelungen. Der gesamte Film spielt vor dem Computerbildschirm von Blaire Lily. Wir sehen, wie sie die Maus bewegt. Bilder und Icons vergrößert und verkleinert, zwischen Programmen hin und her switcht und was sie schreibt. Manchmal auch, wie sie etwas geschriebenes vor dem Absenden wieder löscht. In der deutschen Fassung sind dabei alle von ihr benutzten Programme eingedeutsch. Es gibt also keine lästigen Untertitel. Und dieses Beobachten eines Bildschirms ist überhaupt nicht langweilig.
Außerdem gelingen Gabriadze immer wieder köstliche Zuspitzungen, wenn Connie Conways „How you lie, lie, lie“ zu einer Montage der Charaktere, die sich ängstlich anbrüllen und dabei ihrer Lügen überführt werden, als sarkastischer Kommentar abläuft. Da zeigt sich ein inszenatorisches Geschick, das aus „Unknown User“ eine kostengünstig produzierte Talentprobe macht.
Als Film hadert er mit dem üblichen Found-Footage-Overacting, den banalen Teenager-Dialogen (die Schauspieler durften sie improvisieren) und einer letztendlich unbefriedigenden Geschichte. Denn Drehbuchautor Nelson Greaves liefert im Film (es gab verschiedene Fassungen) keine Auflösung. Der Täter, sein Motiv und wie er Teenager umbringt, bleibt vollkommen im Dunkeln. Am Ende sind einfach alle tot. Das ist eine ziemliche Verarschung des Zuschauers. Denn wir müssen annehmen, dass die Teenager in verschiedenen mehr oder weniger weit voneinander entfernt liegenden Häusern leben (Okay, ich dachte mir irgendwann: die Teenies stehen auf, öffnen ihre Zimmertür und treffen sich auf dem Flur des Hauses) und dass der Täter ein Einzeltäter ist. Und da stellt sich die Frage: wie konnte er, solange er kein Geist ist (was im Rahmen eines sich bis zur vorletzten Minute realistisch gebenden Films keine Erklärung ist), seine Taten begehen?

Unknown User - Plakat

Unknown User (Unfriended, USA 2014)
Regie: Levan Gabriadze
Drehbuch: Nelson Greaves
mit Shelley Henning, Moses Storm, Rene Olstead, will Peltz, Jacob Wysocki, Courtney Halverson, Heather Sossaman

Länge: 83 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Unknown User“
Moviepilot über „Unknown User“
Metacritic über „Unknown User“
Rotten Tomatoes über „Unknown User“
Wikipedia über „Unknown User“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Amy“ Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben

Juli 16, 2015

Wie die meisten Dokumentarfilme über eine bekannte Person richtet sich auch „Amy“ vor allem an Fans der Sängerin Amy Winehouse, die 2003 mit „Frank“ zuerst in Großbritannien und mit ihrer zweiten CD „Back to Black“ auch weltweit bekannt wurde. Keine fünf Jahre später war sie tot. Die 27-jährige Drogensüchtige starb am 23. Juli 2011 an einer Alkoholvergiftung. Seitdem erschienen CDs mit ihren bislang nicht veröffentlichten Studioaufnahmen, Live-CDs und DVDs.
Asif Kapadias Doku „Amy“ passt natürlich in diese Verwertungsstrategie. Immerhin ging die erste Initiative von Winehouses Plattenlabel Universal Music aus. Außerdem konnte Kapadias auf bislang unveröffentlichte Privatvideos zurückgreifen und mit ihr nahestehenden Menschen reden konnte, wie ihrer ältesten Freundinnen. Dazu gibt es noch einige Konzertausschnitte – und das Herz des Fans ist umfassend gestreichelt.
Die Nicht-Fans (und seinen wir ehrlich: so toll, wie jetzt behauptet wird, war Amy Winehouse als Soul-Sängerin nicht) werden sich dagegen an einigen Punkten, die auch in anderen Doku-Porträts so sind, stören. Kapadia erzählt Amy Winehouses Geschichte chronologisch von ihren Anfängen als Profi-Musikerin (so als habe es vor ihrer Volljährigkeit kein Leben gegeben) bis zu ihrem Tod. Dabei vermeidet er platte Psychologisierungen, aber auch jede Analyse.
So bleibt unklar, warum Winehouse drogenabhängig wurde und auch warum jede Hilfe fehlschlug. Wobei die Auswahl ihrer beiden wichtisten Männer in ihrem Leben einige Rückschlüsse zulässt. Ihr Vater Mitch Winehouse, der sich von ihrer Mutter scheiden ließ und den sie als Jugendliche an den Wochenenden besuchte, wurde von ihr verehrt und er erscheint in „Amy“ als ziemlich geldgeil. Ihr Ehemann Blake Fielder-Civil, ein Junkie, brachte sie in Kontakt mit Heroin und Crack und versorgte sie mit Drogen. Der Druck der Medien, die sie irgendwann belagerten (eine typisch britische Art des Umgangs mit Prominenten), wird zwar immer wieder mit den immergleichen Bildern von ihr und ihren Vertrauten, die sich durch ein Blitzlichtgewitter zum Auto oder Hauseingang drängen, gezeigt, Während diese Bilder immer redundanter werden, versäumen die Macher es, nach der Rolle der Medien zu fragen. Stattdessen wiederholen sie, vor allem bei ihren letzten Auftritten und Privataufnahmen, die sie minutenlang als seelisches und körperliches Wrack zeigen, ohne jede Distanz die sensationslüsterne, nur die Oberfläche bedienende Masche der Boulevardmedien.
Für eine tiefere Analyse hätte Kapadia allerdings auch Menschen fragen müssen, die nicht zu Winehouses engstem beruflichen und privaten Umfeld gehören. Ihre Eltern, ihre Freundinnen, ihr Bodyguard und verschiedenen Managern und Angestellten von Plattenfirmen kommen zu Wort. Da ist man schon dankbar, wenn man Winehouses Hausärztin oder einen ihrer Musiker hört. Aber auch von ihnen erwartet man persönliche und intime Einblicke und Anekdoten.
Ihr habt sicher bemerkt, dass ich „befragt“ und nicht „interviewt“ geschrieben habe. Der Grund dafür ist ziemlich einfach: bei „interviewt“ denke ich bei einem Dokumentarfilm, dass ich die Interviewte Person auch sehe; was manchmal zu den berühmt-beriüchtigten „sprechenden Köpfen“ führt. Aber immerhin hat man dann ein Bild von den Sprechenden und auch einen Eindruck von ihrer Glaubwürdigkeit (auch wenn dieser Eindruck täuschen kann). In „Amy“ hören wir dagegen nur verschiedene Personen etwas sagen und auch die Einblendungen von Namen und ihrer Beziehung zu Winehouse helfen kaum, um sie auseinander zu halten. Es wird auch nie deutlich gemacht, ob es sich um ein aktuelles oder ein älteres Interview handelt.
Die Bilder konzentrieren sich auf Winehouse, die in fast jedem Bild ist. Mitmusiker und eine Band hat es anscheinend nicht gegeben. Die Rolle ihres Vaters bleibt mysteriös. Ebenso von ihrem letzten Bodyguard. Beide präsentieren sich als ihre Beschützer. Auch die Plattenfirmen erscheinen, soweit sie zu Wort kommen, als Wohltäter. Dabei haben sie alle, was auch in Halbsätzen angesprochen wird, durchaus handfeste finanzielle Interessen an Amy Winehouse, die man hätte beleuchten können.
Und, auch wenn Kapadia im Presseheft sagt „Auf der Kinoleinwand neigt das Publikum dazu, diese [Film-]Qualität eher zu vergeben, als wenn es den Film auf einem kleinen Monitor sieht.“ stimmt es nicht. Es nervt einfach, zwei Stunden lang mit unzähligen Amateuraufnahmen (auch wenn sie noch so sehr bearbeitet wurden) malträtiert zu werden. Es sind Aufnahmen, die niemals für eine Kinoleinwand gedacht waren und die aus einem Mangel an filmisch besserem Material und aus dokumentarischen Zwecken präsentiert werden.
Wobei Brett Morgens in seiner Doku „Cobain: Montage of Heck“ die Verwendung von Amateuraufnahmen zu einer umfassenden künstlerischen Aussage führte. Bei ihm reflektierten die rauhen Bilder auch Cobains seelischen Zustand und sie verliehen damit dem schwer anzusehendem und genau deshalb sehenswertem Film eine zusätzliche Dimension. Jedenfalls solange man irgendetwas mit Grunge und der Musik von „Nirvana“ anfangen kann und einen unverfälschten Einblick in Cobains Denken haben will.
„Amy“ ist dagegen nur gefälliges, an der Oberfläche bleibendes Doku-Handwerk mit einem klarem Zielpublikum: Amy-Winehouse-Fans, die auf eine Analyse und eine Einordnung von Amy Winehouses Leben und Retro-Musik in irgendeine größere Erzählung verzichten können. Die dürften von „Amy“ begeistert sein.

Amy - Plakat

Amy (Amy, Großbritannien 2015)

Regie: Asif Kapadia

Drehbuch: Asif Kapadia

mit Amy Winehouse und gaaanz vielen Stimmen

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Amy“
Moviepilot über „Amy“
Metacritic über „Amy“
Rotten Tomatoes über „Amy“
Wikipedia über „Amy“ und Amy Winehouse (deutsch, englisch)
AllMusik über Amy Winehouse

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Und hier ihr Auftritt in Glastonbury 2007


TV-Tipp für den 16. Juli: The Guard – Ein Ire sieht schwarz

Juli 16, 2015

3sat, 22.25
The Guard – Ein Ire sieht schwarz (Großbritannien/Irland 2010, Regie: John Michael McDonagh)
Drehbuch: John Michael McDonagh
Musik: Calexico
Garda Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist Kleinstadt-Polizist im County Galway. Er hat schon alles gesehen und geht seinen Job entsprechend ruhig und entspannt an. Da soll er mit dem FBI-Polizisten Wendell Everett (Don Cheadle) zusammenarbeiten, weil einige Drogengangster in Galway ein großes Geschäfte durchziehen wollen – und Boyle überlegt, was das schlimmste an Everett ist: seine Herkunft, seine Anzüge oder seine Hautfarbe.
Das köstliche Buddy-Movie „The Guard“ ist wie ein Abend in einem irischen Pub. Etwas ziellos, aber voller guter und oft haarsträubender Geschichten, mit viel Sentiment, etwas Sex und einer ordentlichen Portion Gewalt. Nur das Pint muss man schon selbst organisieren.
mit Brendan Gleeson, Don Cheadle, Mark Strong, Liam Cunningham, David Wilmot, Rory Keenan, Fionnula Flannagan, Katarina Cas
Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über “The Guard – Ein Ire sieht schwarz”

Film-Zeit über „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“

Wikipedia über „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ (The Guard, Großbritannien/Irland 2010)

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs “Am Sonntag bist du tot” (Calvary, Irland 2014)


TV-Tipp für den 15. Juli: Kamikaze 1989

Juli 15, 2015

Wegen des Todes von Wolf Gremm (26. Februar 1942 – 14. Juli 2014) ändert der RBB sein Programm.

In den letzten Jahrzehnten drehte Gremm, der seit 1977 mit der Filmproduzentin Regina Ziegler verheiratet war, einen vernachlässigbaren TV-Film nach dem nächsten. Dabei waren seine ersten Spielfilme gar nicht so schlecht. Sein erster Film „Ich dachte, ich wäre tot“ (1973), gleichzeitig der erste von Regina Ziegler produzierte Film, erhielt den Bundesfilmpreis. Danach folgten „Tod oder Freiheit“ (1977, eine freie Schiller-Verfilmung), „Fabian“ (1979, eine Erich-Kästner-Verfilmung), „Nach Mitternacht“ (eine Irmgard-Keun-Verfilmung und das Filmdebüt von Désirée Nosbusch) und „Kamikaze 1989“, sein wahrscheinlich immer noch bekanntester Film.

Zu „Nach Mitternacht“ schrieb der Fischer Film Almanach: „Wolf Gremm gehört zu den Regisseuren, die eine funktionierende Filmkultur dringend braucht. Nur bei uns sieht man das nicht so: Da kennt man nur die Künstler und den Dreck. In Hollywood wäre ein Mann wie Gremm hochgeehrt; man würde keine Kunstwerke von ihm verlangen, keine genialen Würfe, aber Fleiß, Hartnäckigkeit, sauberes Handwerk. Und genau das bietet er.“

Vor „Kamikaze 1989“ läuft bereits um 22.15 Uhr sein letzter Film „Ich liebe das Leben trotzdem“, in dem er seinen Tod durch Krebs dokumentierte.

RBB, 23.30

Kamikaze 1989 (Deutschland 1982, Regie: Wolf Gremm)

Drehbuch: Robert Katz, Wolf Gremm

LV: Per Wahlöö: Mord pa 31: a vaningen, 1964 (Mord im 31. Stock)

Was verbirgt sich in dem 31. Stock eines Verlagshochhauses? Kommissar Jansen ermittelt.

Von der damaligen Kritik wurde der Film lauwarm aufgenommen. Nur Fassbinders Darstellung wurde allgemein gelobt. Und er ist in seinem letzten Filmauftritt auch das Zentrum des Films. Um ihn scharen sich etliche Leute aus seinem Clan und weitere bekannte Schauspieler. Und Wolf Gremm vermischte munter alle Stile zu einem postmodernen Deutschland, in dem Intellektuelle nichts mehr zählen.

Aus heutiger Sicht ist „Kamikaze 1989“ einer der wenigen gelungenen bundesdeutschen S-F-Filme und, ungewollt, ein Abgesang auf eine Ära. Wahrscheinlich der beste Film von Wolf Gremm.

„Der letzte Auftritt von Fassbinder als Schauspieler…was Gremms durchdachten und rätselhaften Hybriden noch interessanter macht…stellt der Film eine Übung in einer Mischung von Stilen und genreübergreifender Charakterisierung dar.“ (Phil Hardy: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)

Mit Reiner Werner Fassbinder, Günther Kaufmann, Boy Gobert, Arnold Marquis, Richy Müller, Nicole Heesters, Brigitte Mira, Franco Nero, Frank Ripploh, Hans Wyprächtiger

Hinweise

Krimi-Couch über Per Wahlöö

Wikipedia über Per Wahlöö

Die Zeit: Filmbesprechung von Hans-Christoph Blumenberg (16. Juli 1982)

Rotten Tomatoes über „Kamikaze 1989“

Moviepilot über „Kamikaze 1989“

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Filmportal über Wolf Gremm

Wikipedia über Wolf Gremm

 

 


TV-Tipp für den 14. Juli: Blick in den Abgrund – Profiler im Angesicht des Bösen

Juli 14, 2015

ARD, 22.45
Blick in den Abgrund – Profiler im Angesicht des Bösen (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Barbara Eder
Drehbuch: Barbara Eder
Sehenswerte Doku über die Arbeit von sechs Profilern, die in verschiedenen Ländern arbeiten.
Mehr dazu in meiner Besprechung.
mit Roger L. Depue, Helinä Häkkänen-Nyholm, Stephan Harbort, Robert R. Hazelwood, Gérard N. Labuschagne, Helen Morrison
Wiederholung: Mittwoch, 15. Juli, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blick in den Abgrund“

Moviepilot über „Blick in den Abgrund“


Neu im Kino – nach Kinotour/Filmkritik: „Heil“ die deutsche Komödie

Juli 13, 2015

„Heil“, der neue Film von Dietrich Brüggemann („Kreuzweg“, „3 Zimmer/Küche/Bad“) hätte der Film der Stunde werden können. Eine Satire über das heutige Deutschland. Eine Bestandsaufnahme über die Lage der Nation. Aber es wurde nur ein sich politisch gebender Klamauk, der nicht tiefer geht als ein Kneipenabend, bei dem man kräftig über alles ablästert und, nach dem dritten Bier, alles witzig findet. Vor allem die eigenen Witze. Auch und gerade wenn sie zum x-ten Mal erzählt werden.
Dabei setzt eine Satire, eine Komödie, eine „schrille Farce“ (Presseheft), eine Klarheit des Denkens und eine Analyse des Gegenstandes voraus, die „Heil“ nie leisten möchte. Es ist nur ein blinder Rundumschlag, bei dem wenigstens in jeder Sekunde die persönliche Betroffenheit von Dietrich Brüggemann spürbar ist. Es ist eine gigantische Entleerung, die ihm sicher guttut. Aber im Kino möchte man mehr sehen als diese halbgare Parade von Nazis, Autonomen, Verfassungsschützern, Polizisten, Richtern, Kulturschickeria, Politikern, Journalisten, Ausländern und einer Schwangeren, die alle mehr oder weniger einfältig dumm sind.
Die Schwangere ist Nina, die Freundin von Sebastian Klein, einem afrodeutschem Sachbuchautor und Liebling der liberalen Öffentlichkeit, der in Prittwitz, gelegen im Dreiländereck Thüringen, Brandenburg und Sachsen, lesen soll. Noch bevor das Empfangskomitee des Bürgermeisters ihn begrüßen kann, wird Sebastian von den örtlichen, strunzdummen Nazis zusammengeschlagen. Sebastian hat eine Totalamnesie, die dazu führt, dass er, wie ein Papagei, alles nachspricht. Für Sven Stanislawski, den geistig nicht besonders hellen Anführer der örtlichen Nazis, ist das die Gelegenheit. Mit einem Afrodeutschen als seiner Bauchrednerpuppe lässt er Sebastian, vor einem begeisterten Publikum landauf, landab in allen Talkshows ausländerfeindliche Sprüche aufsagen und alle freuen sich, dass endlich einmal jemand die Wahrheit sagt.
Nur Nina will die Verwandlung ihres Freundes nicht akzeptieren.
Und während sie versucht, ihren Freund wieder zurückzugewinnen, fährt Brüggemann eine Parade von Charakteren auf, die wohl alle, nah an der Wirklichkeit, diese demaskieren sollen. Aber es funktioniert nicht. Jedenfalls nicht, wenn man mehr als eine harmlose Sketch-Show erwartet. So sind die Nazis ohne irgendeine Grandezza einfach zu doof, um wirklich gefährlich zu sein. Dafür wird der Gag mit ihrer Rechtschreibschwäche so lange wiederholt, bis er nicht mehr witzig ist. Die Autonomen sind anscheinend in den Achtzigern stecken geblieben. Die Politiker, Verfassungsschützer und Polizisten nehmen Probleme überhaupt nicht wahr. Ein freier TV-Journalist verschärft wegen der Quote gesellschaftliche Probleme und Vorurteile. In Talkshows (es gibt mehrere Talkshow-Szenen, deren Erkenntnisgewinn schnell gegen Null geht) wird nur geredet. Sowieso wird jeder Gag mehrmals wiederholt, bis man sich, wie Sebastian Klein, einen Schlag auf den Kopf wünscht. Dann würde man „Heil“ vergessen. Beim nächsten Schlag sich, wie Sebastian, wieder an den Film erinnern. Beim nächsten Schlag wieder alles vergessen. Beim nächsten Schlag wieder daran erinnern; – nun, ich glaube, Sie haben das Prinzip verstanden. Sebastian erhält aber noch einige weitere Schläge.
Subtil geht anders.
Satire auch, wie, um nur zwei deutsche Beispiele, zu nennen, Rainer Werner Fassbinder in „Die Dritte Genration“ und Helmut Dietl in „Schtonk“ zeigten.
„Heil“ bestätigt dagegen nur das Urteil, dass die Deutschen keine Komödien machen können. Jedenfalls seitdem etliche deutsche Regisseure und Autoren nach Hollywood emigrieren mussten.

Heil - Plakat
Heil (Deutschland 2015)
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Dietrich Brüggemann
mit Benno Fürmann, Liv Lisa Fries, Jerry Hoffmann, Jacob Matschenz, Daniel Zilmann, Oliver Bröcker, Anna Brüggemann, Thelma Buabeng, Richard Kropf, Jörg Bundschuh, Michael Gwisdek, Hanns Zischler, Heinz-Rudolf Kunze, Dietrich Kulbrodt, Thees Uhlmann, Bernd Begemann, Alfred Holighaus, Andreas Dresen, Heike-Melba Fendel, Robert Gwisdek, Leslie Malton, Marie-Lou Sellem, Lavinia Wilson (viel Spaß beim Entdecken dieser und weiterer Cameos)
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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„Heil“ on Tour
Montag, 13. Juli, 20.00 Uhr
Berlin / Premiere – Kino International
In Anwesenheit der Produzenten, des Regisseurs und der Darsteller sowie weiterer Beteiligter.
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Dienstag, 14. Juli, 19.00 Uhr
Potsdam – Thalia
mit Dietrich Brüggemann, Liv Lisa Fries, Jacob Matschenz, Jerry Hoffmann
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Mittwoch, 15. Juli, 20.00 Uhr
Hamburg – Abaton
mit Dietrich Brüggemann, Liv Lisa Fries, Jacob Matschenz, Jerry Hoffmann
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Donnerstag, 16. Juli, 20.15 Uhr
Münster – Cinema
mit Dietrich Brüggemann und Jacob Matschenz
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Freitag, 17. Juli, 21.00 Uhr
Bremen – Cinema Ostertor
mit Dietrich Brüggemann, Jacob Matschenz, Jerry Hoffmann
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Samstag, 18. Juli, 20.00 Uhr
Karlsruhe – Schauburg
mit Dietrich Brüggemann, Benno Fürmann, Jacob Matschenz, Jerry Hoffmann
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Sonntag, 19. Juli, 21.30 Uhr
Freiburg – Open Air im Mensagarten
mit Dietrich Brüggemann, Benno Fürmann, Jacob Matschenz, Jerry Hoffmann
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Hinweise
Homepage zum Film
Facebook-Seite zum Film
Filmportal über „Heil“
Film-Zeit über „Heil“
Moviepilot über „Heil“
Rotten Tomatoes über „Heil“


TV-Tipp für den 13. Juli: Kopfüber in die Nacht

Juli 12, 2015

Arte, 20.15

Kopfüber in die Nacht (USA 1985, Regie: John Landis)

Drehbuch: Ron Koslow

Ed Okin kann einfach nicht einschlafen. Also fährt er ins Flughafenparkhaus, eine Frau springt zuerst auf seine Motorhaube, dann auf seinen Beifahrersitz und fordert ihn auf, möglichst schnell abzuhauen. Denn sie wird von einigen Killern verfolgt. Ed gibt Gas und erlebt eine aufregende Nacht.

Grandiose Komödie mit einer gehörigen Portion Slapstick, viel Schwarzer Serie und einem beeindruckendem Aufgebot von Stars, die niemand kennt, weil sie als Kollegen von „Blues Brothers“-Regisseur John Landis hauptsächlich hinter der Kamera stehen (und standen).

„Landis (…) ist wieder ein amüsantes Vexierspiel aus ironisch montierten Versatzstücken unterschiedlicher Genres gelungen, das häufig augenzwinkernd mit Zitaten spielt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Eine sträflich unterschätzte, selten gezeigte Filmperle

Mit Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, David Bowie, Dan Aykroyd, David Cronenberg, John Landis, Waldo Salt, Bruce McGill, Rick Baker, Colin Higgins, Daniel Petrie, Paul Mazursky, Jonathan Lynn, Paul Bartel, Carl Perkins, Don Siegel, Jim Henson, Jack Arnold, Amy Heckerling, Roger Vadim, Lawrence Kasdan, Richard Farnsworth, Vera Miles, Irene Papas, Clu Gulager, Jonathan Demme, Carl Gottlieb

Wiederholung: Freitag, 17. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau! – Für Eds Leidensgenossen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfüber in die Nacht“

Wikipedia über „Kopfüber in die Nacht“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über “Into the Night” (22. Februar 1985)

Fast Rewind über “Into the Night”

Strange Conversation über “Into the Night” (16. Mai 2007)

Blog über “Into the Night”


TV-Tipp für den 12. Juli: Tote schlafen fest

Juli 12, 2015

Arte, 20.15

Tote schlafen fest (USA 1946, Regie: Howard Hawks)

Drehbuch: William Faulkner, Leigh Brackett, Jules Furthman

LV: Raymond Chandler: The big sleep, 1939 (Der große Schlaf)

Privatdetektiv Philip Marlowe soll einen Erpresser finden. Zuerst findet er zwei schöne Töchter und viele Leichen.

Unbestritten – neben „Der Malteser Falke“ – der Klassiker unter den Privatdetektiv-Krimis und eines der Meisterwerke des Film Noir.

Im Anschluss, um 22.05 Uhr, läuft „Bacall on Bogart“.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Elisha Cook Jr.

Wiederholung: Mittwoch, 15. Juli, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tote schlafen fest“

Turner Classic Movies über „Tote schlafen fest“

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch) und „Tote schlafen fest“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Tote schlafen fest“


Neu im Kino/Filmkritik: „Für immer Adaline“ – Unsterblichkeit und Liebe, Liebe, Liebe

Juli 11, 2015

Unsterblichkeit macht nicht unbedingt glücklich. Jedenfalls sieht Adaline Bowman (Blake Lively), die nach einem Autounfall 1935 nicht mehr alterte, im San Francisco der Gegenwart ziemlich unglücklich aus. Die 29-jährige ist zwar bei ihren Arbeitskollegen in der Stadtbibliothek beliebt und verbringt jedes Jahr an Silvester ihre Geburtstagsfeier (sie war 1906 in San Francisco das erste Baby des neuen Jahres) mit einer blinden, deutlich älteren Freundin, weil sie keinen Freund hat. Denn irgendwann, spätestens wenn er sich fragt, warum er altert und sie immer noch keine Falten hat, müsste sie ihn verlassen. Deshalb wechselt Adaline alle zehn Jahre ihre Identität und zieht in eine andere Stadt um. Nur ihre Tochter Flemming (Ellen Burstyn), inzwischen schon Achtzig und kurz vor dem Umzug in ein Altersheim, kennt ihr Geheimnis.
Auf der diesjährigen Silvesterparty in einem Ballsaal in San Francisco, in dem sie schon vor achtzig Jahren, in den wilden Dreißigern Silvester feierte, trifft sie Ellis Jones (Michiel Huisman), einen jungen Privatier und Philantrophen, der sich vor allem für Altertümer interessiert und der sie fortan mit charmanter Galanterie verfolgt. Er könnte die Liebe ihres Lebens sein, wenn es da nicht die Sache mit der Unsterblichkeit gäbe.
Wirklich schwierig wird es für Adaline allerdings erst, als Ellis sie zu einem Wochenende bei seinen seit vierzig Jahren verheirateten Eltern einlädt. Denn, was sie allerdings erst zu spät erfährt, Ellis‘ Vater William (Harrison Ford) ist ein früherer Liebhaber von ihr. Bevor er Kathy (Kathy Baker) heiratete, lernte er in England Adaline kennen und sie verbrachten einige wundervolle Tage miteinander, ehe sie ihn sitzen ließ. William reagiert, zu Recht, etwas verwirrt, als er seine Jugendliebe sieht, die noch genauso aussieht, wie er sie in Erinnerung hat.
Machen wir es kurz: „Für immer Adaline“ ist „Highlander“ für Mädchen, inszeniert in einem zeitlosen Stil, der sich deutlich am Dreißiger-Jahre-Hollywood-Schnulzenkino, mit einem Touch Douglas Sirk, orientiert und der Adaline erstaunlich unberührt und unbeteiligt von allen weltpolitischen, innenpolitischen und kulturellen Veränderungen durch die Jahrzehnte schweben lässt als stünde seit 1935 nicht nur ihre biologische Uhr still. Der Film umschifft wirklich alle Tiefen des Themas „Unsterblichkeit“ weiträumig bis hin zu der grotesken Pointe, dass ihre Unsterblichkeit zwar einzigartig ist, aber niemand, der davon erfährt, darüber erstaunt ist.
Als nostalgischer Liebesfilm funktioniert „Für immer Adaline“ allerdings ohne Probleme.

Für immer Adaline - Plakat

Für immer Adaline (The Age of Adaline, USA 2015)
Regie: Lee Toland Krieger
Drehbuch: J. Mills Goodloe, Salvador Paskowitz
mit Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker, Amanda Crew
Länge: 113 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Für immer Adaline“
Moviepilot über „Für immer Adaline“
Metacritic über „Für immer Adaline“
Rotten Tomatoes über „Für immer Adaline“
Wikipedia über „Für immer Adaline“ 


TV-Tipp für den 11. Juli: Die Vögel

Juli 11, 2015

ZDFneo, 21.35

Die Vögel (USA 1963, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Evan Hunter

LV: Daphne du Maurier: The birds, 1952 (Die Vögel)

In Bodega Bay attackieren Vögel Menschen.

Nicht direkt ein Krimi, aber ein Klassiker.

„‘The Birds’ war ein Avantgarde-Hitchcock, haarsträubend und voll verschlagenem Witz. Der Held krümmt sich, und das Publikum kreischt.“ (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)

Alfred Hitchcock verwandte von du Mauriers Kurzgeschichte nur den Grundgedanken (rätselhafte Attacken von Vögel auf Menschen). Evan Hunter kennen wir auch als Ed McBain (87. Polizeirevier).

„Die Vögel“ ist der Auftakt für eine schlaflose Nacht mit dem Master of Suspense. ZDFneo zeigt um 23.30 Uhr „Topas“, um 01.30 Uhr „Der zerrissene Vorhang“ und um 03.35 Uhr „Cocktail für eine Leiche“.

Mit Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Daphne du Mauriers “Der Apfelbaum” (The Appletree, 1952)

Homepage von Ed McBain

Meine ausführliche Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions)

Meine Besprechung von Ed McBains „Die Gosse und das Grab“ (The Gutter and the Grave, 2005, Originalausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neu im Kino/Filmkritik: „Escobar – Paradise Lost“ verheddert sich

Juli 10, 2015

„Escobar – Paradise Lost“.
Das klingt nach einem Titel. Aber Andrea di Stefanos Film hat in Wirklichkeit zwei Titel.
Als „Escobar“ ist er ziemlich gescheitert.
Als „Paradise Lost“ ist er gar nicht so schlecht, weil hier, auch wenn sich auf ein Mitglied der Gruppe konzentriert wird, die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher erzählt wird, die glaubt, das Paradies gefunden zu haben und dann alles verliert. Auch den Einheimischen geht es nicht viel besser. Aber der Film hadert halt mit seinem im Titel und der Werbung gegebenem Versprechen, ein Biopic über Pablo Escobar (1949 – 1993) zu sein. Das ist er nicht. Auch wenn Benicio Del Toro als Pablo Escobar dem echten Drogenbaron sehr ähnelt und viele Elemente seiner Biographie verwandt wurden.
Escobar ist nur ein Nebendarsteller in einer erfundenen, mit Zeitsprüngen unnötig komplex erzählten Geschichte. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem naiven kanadischen Jungen, der sich in Kolumbien in den Achtzigern in ein Mädchen verliebt und von ihrem Onkel, den er als vermögenden Politiker, Wohltäter und Gastgeber einer lockeren Familienfeier kennenlernt, und in dessen Familienunternehmen er aufgenommen wird.
Weil der Onkel ein Verbrecher ist, gibt es dann auch noch einen halben Gangsterthriller. Nachdem Escobar 1991 im Dschungel untertaucht und einen Deal mit der Regierung aushandelt, beauftragt er mehrere Vertraute, in verschiedenen LKWs Teile seines Vermögens zu verschiedenen Verstecken zu befördern. Einer der Fahrer ist Nick Brady, der sich fragt, ob er den Auftrag ausführen kann und der danach von Escobars Helfern und der Polizei verfolgt wird.
In seinem Spielfilmdebüt pendelt Andrea di Stefano zwischen diesen drei Plots, die sich, auch wegen der zahlreichen Zeitsprünge, letztendlich gegenseitig behindern. Vor allem das erwartete Escobar-Biopic besteht aus so wenigen Szenen, dass di Stefano Escobars Namen besser durch einen erfundenen Drogenbaron ersetzt hätte. Dann hätte man eine Liebesgeschichte, die – etwas plötzlich – zu einem Gangsterthriller wird, gesehen. Denn nachdem Nick sich in Maria verliebt hat und sie ihn ihrem Onkel vorstellt, ist er plötzlich Teil von Escobars Gangsterfamilie. Warum der sympathische Surfer Nick, der uns als gesetzestreuer, etwas naiver junger Mann vorgestellt wurde, ein Teil von Escobars Familie werden will, erfahren wir allerdings nicht.
Gerade der Gangsterthriller leidet an seinen langen Szenen und dem mangelndem Tempo. Hier entwickelt sich die Geschichte zu langsam und die Fakten stehen ihr immer wieder im Weg. Denn egal was Nick unternehmen wird, es wird nichts an den wahren Ereignissen und dem Tod Escobars ändern.
So ist „Escobar – Paradise Lost“ ein Film, der sich, trotz etlicher gelungener Szenen und einem grandiosen Benicio Del Toro, selbst immer wieder sabotiert.

Escobar - Paradise Lost - Plakat

Escobar – Paradise Lost (Escobar: Paradise Lost, Frankreich/Spanien/Belgien/Panama 2014)
Regie: Andrea di Stefano
Drehbuch: Andrea di Stefano (adaptiert von Andrea di Stefano und Francesca Marciano)
mit Josh Hutcherson, Benicio Del Toro, Brady Corbet, Claudia Traisac, Ana Girardot, Carlos Bardem, Laura Londono
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Escobar – Paradise Lost“
Moviepilot über „Escobar – Paradise Lost“
Metacritic über „Escobar – Paradise Lost“
Rotten Tomatoes über „Escobar – Paradise Lost“
Wikipedia über „Escobar – Paradise Lost“ und Pablo Escobar (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von James Mollisons (mit Rainbow Nelson) „Escobar – Der Drogenbaron“ (The Memory of Pablo Escobar, 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: „Den Menschen so fern“, den Problemen so nah

Juli 10, 2015

1954 unterrichtet Ex-Soldat Daru (Viggo Mortensen) in Algerien in einem abgelegenem Tal eine Gruppe Kinder. Es sind die ersten Tage des Algerienkrieges, der bis 1962 dauerte, unzählige Leben forderte und mit der Unabhängigkeit des Landes von den französischen Kolonialherren endete.
Eines Tages wird Daru von den örtlichen Machthabern gezwungen, den Bauern Mohamed (Reda Kaleb) in die nächste Stadt zu bringen. Er soll ein Mitglied einer anderen Familie getötet haben. In der Stadt erwartet ihn, nach einer Gerichtsverhandlung nach französischem Recht, der sichere Tod. Trotzdem will Mohammed unbedingt dorthin. Nur so könne der Kreislauf der Blutrache durchbrochen werden.
Auf der gefährlichen Reise durch das Gebirge – immerhin tobt im Land gerade ein Bürgerkrieg und sie werden von auf Blutrache sinnenden Reitern verfolgt – lernen sie sich näher kennen. Außerdem versucht Daru Mohamed zu überzeugen, nicht in den sicheren Tod zu gehen.
Aber welche andere Möglichkeit hat er?
Der Hinweis, dass David Oelhoffens grandioser und stilbewusster Western „Den Menschen so fern“ auf einer Geschichte des Philosophen Albert Camus basiert, könnte vielleicht einige Menschen abhalten. Was Schade wäre. Denn sie würden dann einen glänzend gespieltes Drama vor der prächtigen Kulisse des Atlasgebirges (gedreht wurde in Marokko, die Geschichte spielt im benachbarten Algerien) verpassen, musikalisch stimmig unterlegt von Nick Cave und Warren Ellis, die hier eine ähnlich reduzierte Musik abliefern wie Ry Cooder zu Wim Wenders „Paris, Texas“. Oelhoffen inszenierte nach seinem Drehbuch einen Western, der sich immer noch aktuellen philosophischen Fragen widmet und der auf die Kraft seiner Bilder und dem reduzierten Spiel der beiden Hauptdarsteller vertraut. Da können sich die Dialoge, vor allem die Gespräche zwischen Daru und Mohamed, auf das Notwendigste beschränken.

Den Menschen so fern - Plakat

Den Menschen so fern (Loin des Hommes, Frankreich 2014)
Regie: David Oelhoffen
Drehbuch: David Oelhoffen
LV (frei nach): Albert Camus: L’Hôte, 1957 (Der Gast, Erzählung)
mit Viggo Mortensen, Reda Kateb, Djemel Barek, Vincent Martin Nicolas Giraud, Angela Molina
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Verleihseite zum Film
Film-Zeit über „Den Menschen so fern“
Moviepilot über „Den Menschen so fern“
AlloCiné über „Den Menschen so fern“
Metacritic über „Den Menschen so fern“
Rotten Tomatoes über „Den Menschen so fern“
Wikipedia über „Den Menschen so fern“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 10. Juli: Krieg der Welten

Juli 10, 2015

Pro 7, 20.15
Krieg der Welten (USA 2005, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp
LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)
Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.
Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.
mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan
Wiederholung: Samstag, 11. Juli, 00.50 Uhr
Hinweise
Film-Zeit über „Krieg der Welten“
Moviepilot über „Krieg der Welten“
Metacritic über „Krieg der Welten“
Rotten Tomatoes über „Krieg der Welten“
Wikipedia über „Krieg der Welten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Steven Spielberg in der Kriminalakte