Die Jungs brauchen ihre Freiräume. Einen „Männerhort“ eben. Früher war das Vereinsheim, das Wohnzimmer (Samstags beim Fußball) oder eben der liebevoll ausgebaute Keller ein solches Refugium. Heute, so behauptet Franziska Meyer Price in ihrer Boulevard-Komödie „Männerhort“, gibt es diesen von den inzwischen so furchtbar anspruchsvollen Frauen geduldeten Ort des reinen und wahren Mannseins nicht mehr. Also müssen die Männer sich konspirativ in einem verdächtig gut geputztem Heizungskeller treffen, den sie mit einigen Sperrmüllmöbeln, Kühlschrank, Playboy-Bildern und einem Dixi-Klo wohnlich einrichteten. Es gibt sogar einige Zimmerplanzen. Dort sehen sich der ziemlich entspannte Software-Entwickler Eroll (Elyas M’Barek), der dauergeile Dixi-Klo-Vertreter Lars („Stromberg“ Christoph Maria Herbst) und der arbeitslose Berufspilot Helmut (Detlev Buck) Fußballspiele an und spielen Computerspiele, während ihre Frauen das tun, was Frauen halt so tun. Nämlich einkaufen.
Als der neue Hausmeister Aykut (Serkan Cetinkaya) das pubertäre Pennälerparadies in der Vorstadtsiedlung entdeckt, will er es gleich auf der nächsten Müllkippe entsorgen. Obwohl er Türke ist, benimmt er sich wie der typische deutsche Hausmeister in einer klischeetriefenden Komödie. Sowieso wechselt Aykut ganz nach Belieben zwischen typisch türkischer und typisch deutscher Identität, was ihn vor allem gegen die Bestechungsversuche der drei Heizungskellerbesetzer immun macht.
Die drei Musketiere Eroll, Lars und Helmut müssen jetzt um ihren mietfreien Rückzugsort kämpfen. Gleichzeitig haben sie noch einige Probleme mit ihren Frauen. Neben Kaufrausch und Selbstfindung sind es Schwangerschaft und Seitensprung. Halt das Programm für einen boulevardesken Schwank, dessen Humor primär unter die Gürtellinie zielt.
Und Helmut ist mit einem Mann verheiratet, was aber seine Saufkumpanen, die alle in der gleichen langweiligen, sich noch im Bau befindlichen Reihenhausvorstadtsiedlung wohnen, nicht wissen.
„Männerhort“ basiert auf einem erfolgreichem Boulevard-Theaterstück von Kristof Magnussen und während in einem Theaterstück, wenn es nur schnell genug gespielt wird und das Publikum ämusierwillig jeden Auftritt beklatscht, die Klischees für Lacher sorgen, fallen in einem Film eben diese unreflektiert wiedergekäuten Uralt-Klischees negativ auf. „Männerhort“ spielt zwar in der Gegenwart, aber es versprüht den Muff der fünfziger Jahre.
Eine irgendwie erinnerungswürdige Geschichte hat die substanzlose Nummernrevue nicht. Sie pendelt unentschlossen zwischen wenig engagiertem Kampf um den Kellerraum und vorhersehbarem Beziehungsgedöns. Auch die Klischees von den ewig pubertierenden Männern, die Witzeleien gegen „emanzipierte“ und „moderne“ Frauen (shoppen, Kinder kriegen, ständig Sex haben wollen, weil der Mann das doch so will, und auf den Beruf des Uniform-tragenden Mannes fliegen sind nicht gerade das, was sich der Feminismus auf die Agenda geschrieben hat) und die weinerliche Selbstvergewisserung von Eroll (am wenigsten), Lars (am großmäuligsten) und Helmut (am feigsten), dass wir Männer doch unbedingt einen Raum brauchen, in dem wir uns entfalten können, fischen einfach nur beifallheischend nach der erstbesten Pointe, ohne dass bei den Machern jemals eine eigene Position, eine durchgehende erzählerische Haltung erkennbar wird. Außer die von Larmoyanz und Pantoffelheldentum; was wir ja aus gut abgehangenen Boulevard-Komödien, in denen Frauen schon vor Jahrzehnten die Hosen anhatten, kennen.
Disney Channel, 20.15 Mit dem Wind nach Westen (USA 1982, Regie: Delbert Mann)
Drehbuch: John McGreevey
Zwei Familien flüchten im September 1979 in einem Heißluftballon, den sie konspirativ in ihrer Wohnung nähten, über die Grenze aus der DDR in die BRD, also nach Deutschland in das schöne Bayernland.
Der auf einer tatsächlichen Republikflucht basierende, heute fast unbekannte Film ist vor allem als Zeitzeugnis interessant.
Gedreht wurde in Bayern, Baden-Württemberg (Friedrichshafen) und in Berlin und einige deutsche Schauspieler waren auch dabei.
„Stinklangweilig und voller Klischees über die DDR“ (Fischer Film Almanach 1983)
mit John Hurt, Jane Alexander, Doug McKeon, Keith McKeon, Beau Bridges, Ian Bannen, Klaus Löwitsch, Sky du Mont, Günther Meisner, Jan Niklas Wiederholung: Freitag, 3. Oktober, 22.35 Uhr Hinweise Rotten Tomatoes über „Mit dem Wind nach Westen“
Wikipedia über „Mit dem Wind nach Westen“ (deutsch, englisch)
Emsige DVD-Käufer kennen das Spiel: zuerst gibt es die Staffelboxen. Dann eine Mehrstaffelbox; jedenfalls wenn man sich schon die Einzelboxen besorgt hat. Und irgendwann eine Komplettbox. Oft, siehe „Dexter“ und „The Walking Dead“, in verschiedenen Ausgaben. Auch bei „Lewis – Der Oxford Krimi“, die ein Spin-off von „Inspector Morse“ ist, wurden jetzt in der ersten Collector’s Box die ersten drei Staffelboxen und, als Bonusfilm, der erste „Inspector Morse“-Film veröffentlicht. Weil man nur die bereits erschienen DVD-Boxen zusammenpackte, spart diese Collector’s Box (jedenfalls die Ausgabe, die ich habe), im Gegensatz zu den schlanken „Inspector Barnaby“-Boxen, keinen Regalplatz.
In der Box sind die ersten zwölf spielfilmlangen „Lewis“-Krimis enthalten:
Der Schlüssel zum Mord (Pilot, GB 2006)
Dämonen der Vergangenheit (Whom the God’s would destroy, GB 2007)
Das Mordkomplott (Old School Ties, GB 2007)
Späte Sühne (Expiation GB 2007)
Partitur des Todes oder Deckname Siegfried (Music to die for, GB 2008)
Der Kuss des Mondes (And the Moonbeams kiss the Sea, GB 2008)
Wer mit dem Feuer spielt (Life Born of Fire, GB 2008)
Mord in bester Gesellschaft (The Great and the Good, GB 2008)
Von Musen und Morden (Allegory of Love, GB 2009)
Mörder in eigener Sache (The Quality of Mercy, GB 2009)
Eine Frage der Perspektive (The Point of Vanishing, GB 2009)
Ein letzter Blues (Counter Culture Blues, GB 2009)
In der Pilotfolge „Der Schlüssel zum Mord“ kehrt Inspector Robert Lewis (Kevin Whately) nach einem längeren Auslandsaufenthalt nach Oxford zurück und er stürzt sich auch gleich in seinen ersten Mordfall. Als Kollegen bekommt er James Hathaway (Laurence Fox), der hier noch wie eine Morse-Kopie wirkt, während Lewis der eher bodenständige Ermittler ist. Seitdem ermitteln sie in der Universitätsstadt und ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Gerade in der ersten Folge wird öfters Inspector Morse angesprochen. Auch weil der aktuelle Mordfall mit einem alten Fall von Morse in Verbindung steht und Hathaway etliche Fragen zu dem legendären Inspector hat. Davon abgesehen folgt der erste Fall von „Lewis“ schon den vertrauten „Inspector Barnaby“-Rätselkrimipfaden mit viel Lokalkolorit, aber deutlich weniger Humor.
Einige Fragen über Inspector Endeavour Morse werden auch in dem Bonusfilm „Inspector Morse – Pilotfolge“ (Die Toten von Jericho/The Dead of Jericho) beantwortet. In dem arg betulich erzähltem Rätselkrimi findet der verliebte Ermittler den Mörder seiner Geliebten.
Inspector Morse ist ein von Colin Dexter erfundener Charakter: Ein Denker, ein Einzelgänger, mit einem eher assoziativem Ermittlungsansatz, ein Kreuzworträtselfreak, ein Biertrinker und Opernfan, mit einem Verständnis von den Komplexitäten des Lebens, die im Gesetz nicht abgebildet werden. Dexter schrieb die erfolgreichen Morse-Romane zwischen 1975 (Last Bus to Woodstock) und 1999 (The Remorseful Day), wo Morse starb. Die deutschen Übersetzungen erschienen bei rororo thriller.
Die TV-Serie mit John Thaw (1942 – 2002, „The Sweeney – Die Füchse“) lief von 1987 bis 2000 im englischen TV, brachte es auf 33 spielfilmlange Fälle, war weltweit erfolgreich und lief nie im deutschen TV. Daher ist die jetzige Veröffentlichung der Pilotfolge „Die Toten von Jericho“ und der ersten vier Morse-Filme in der Box „Staffel 1“ (was nicht ganz der englischen Numerierung entspricht) ein längst überfälliger Lückenschluss für die Rätselkrimifans. Auch Cineasten sollten unbedingt einen Blick auf die Pilotfolge werfen. Denn Anthony Minghella schrieb das Drehbuch. Er schrieb noch zwei weitere „Morse“-Drehbücher. Später drehte er „Der englische Patient“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Unterwegs nach Cold Mountain“.
Lewis – Der Oxford Krimi – Collector’s Box 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0, Dual Mono)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Inspector Morse: Pilotfolge (OmU)
Länge: 1157 Minuten (13 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
Inspector Morse – Staffel 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Englisch (Dual Mono)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 410 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– enthält
Die Toten von Jericho (The Dead of Jericho, Großbritannien 1987)
Die Stille Welt des Nicholas Quinn (The Silent World of Nicholas Quinn, Großbritannien 1987)
Eine Messe für alle Toten (Service of all the Dead, Großbritannien 1987)
Der Wovercote-Dorn (The Wolvercote Tongue, Großbritannien 1987)
–
Hinweise
BR, 23.10 Perfect Sense (Deutschland/Großbritannien/Schweden/Dänemark/Irland 2011, Regie: David Mackenzie)
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Während eine weltweite Seuche die Menschen ihrer Sinneswahrnehmungen beraubt, lernen sich in Glasgow ein Gourmet-Koch und eine Epidemiologin kennen, die versuchen, mit der Krankheit und ihren Gefühlen füreinander umzugehen.
Vor dem zwiespältig aufgenommenen „Perfect Sense“ inszeniert David Mackenzie „Young Adam“ und „Hallam Foe“.
„Die souveräne Inszenierung und die beiden Hauptdarsteller halten die stilvoll überkonstruierte Parabel im Lot.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Ewan McGregor, Eva Green, Ewen Bremner, Connie Nielsen, Stephen Dillane, Denis Lawson Hinweise Rotten Tomatoes über „Perfect Sense“
Wikipedia über „Perfect Sense“ (deutsch, englisch)
RTL Nitro, 22.05 Hollywood Monster (Deutschland 1987, Regie: Roland Emmerich)
Drehbuch: Roland Emmerich, Thomas Kubisch
Hollywood: zwei junge Filmemacher erben eine Uhr, die einen Geist herbeizaubern kann. Gemeinsam gehen sie auf Schatzsuche nach einer Erbschaft.
Anscheinend lief Roland Emmerichs Frühwerk, sein dritter Spielfilm, nur einmal im Fernsehen: im November 1989 auf Hessen 3. Nach dem „Hollywood Monster“ drehte er in Hollywood etliche Blockbuster.
„Bei allen angstrengt-effektvollen Schnitten und mühsamen Gags ist das ‚Hollywood-Monster‘ doch nicht viel mehr als eine synthetische Studio-Geburt ohne Esprit.“ (Fischer Film Almanach 1988)
„Ein mit handwerklich eigentlich hübschen Tricks vollgestopfter Film, dem aber jeder Sinn für Spannung fehlt. Miserabel inszeniert und gespielt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Tja, schon damals war Emmerich kein Kritikerliebling.
mit Jason Lively, Jill Whitlow, Tim McDaniel, Paul Gleason, Leonard Lansink, Ian McNaughton Wiederholung: Mittwoch, 1. Oktober, 01.50 Uhr (Taggenau!) Hinweise Filmportal über „Hollywood Monster“ Rotten Tomatoes über „Hollywood Monster“
Wikipedia über „Hollywood Monster“ (deutsch, englisch) Meine Besprechung von Roland Emmerichs „White House Down“ (White House Down, USA 2013)
Als vor über fünfzig Jahren die erste Episode von „Doctor Who“ an einem Samstagnachmittag im BBC ausgestrahlt wurde, war es nur ein halbstündiges Überbrückungsprogramm, das Kindern und Erwachsenen gefallen sollte. Schnell wurde der Doktor ein Kult, den die BBC letztes Jahr zu einem umfassendem Jubiläumsprogramm inspirierte, das es inzwischen auch teilweise bei uns gibt.
In Deutschland war „Doctor Who“ bis vor kurzem, weil die Science-Fiction-TV-Serie mit den verschiedenen Reinkarnationen des Doktors (vulgo Schauspielerwechseln) bei uns erst 1989 auf RTLplus teilweise gezeigt wurde und weil nur einige Romane mit dem Doktor vor langer, langer Zeit übersetzt wurden, höchstens ein Nischenphänomen. Das änderte sich in den vergangenen Jahren, in denen „Doktor Who“, nach einer mit Büchern, Hörspielen und Einzelfilmen gut gefüllten TV-Pause von 1989 bis 2005, von einer halbstündigen TV-Serie auf 45 Minuten verlängert und zu einem weltweitem kulturellem Ereignis wurde, das von der BBC inzwischen auch mit viel TamTam zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zelebriert wird.
Ein Teil des 2013er Jubiläums ist der fünfhundert Seiten starke Sammelband „Doctor Who: 11 Doktoren – 11 Geschichten“, für den bekannte Autoren längere Kurzgeschichten schrieben, und der Spielfilm „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“, der erzählt, wie die Geschichte von „Doctor Who“ begann.
Der für den Hugo nominierte Spielfilm erzählt in pointierten Szenen die Geschichte des ersten „Doctor Who“ von der ersten Idee über die Produktion und den Aufstieg von einer Pausenfüllersendung, die am 23. November 1963 erstmals gezeigt wurde, wegen der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November fast sofort wieder gecancelt worden wäre, schnell zu einer beliebten Show wurde, bis zum Ausstieg von William Hartnell, dem Darsteller des ersten „Doctor Who“, aus der arbeitsintensiven Serie.
Autor Mark Gatiss („Sherlock“) und Regisseur Terry McDonough („Breaking Bad“, „The Gates“) erzählen das als vergnügliche Zeitreise, die allerdings eher an eine gute Reportage erinnert und einen ebenso pointierten, wie liebevollen Blick in die Welt des Fernsehens vor einem halben Jahrhundert wirft, als die Schauspieler die Serienfolge zuerst ausführlich probten und dann quasi live einspielten, als Frauen Sekretärinnen waren, aber BBC-Drama-Chef Sydney Newman einfach seine Assistentin Verity Lambert (die danach eine lange, erfolgreiche Karriere hatte) zur Produzentin ernannte und ein alternder Schauspieler zunächst mit seiner Rolle, die er als unter seiner Würde ansah, haderte und später den Ruhm genoss. Dass der 1975 verstorbene William Hartnell, als er den Doktor erstmals spielte 54 Jahre war, während David Bradley, der ihn im Film spielt, bereits 71 Jahre ist, sei hier nur als Randnotiz erwähnt.
Das Bonusmaterial ist mit einer knappen halben Stunde sehr knapp ausgefallen. Es besteht vor allem aus geschnittenen Szenen und zwei Featurettes. Eines über William Hartnell, eines über „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“, die beide informativ, aber auch sehr kurz ausgefallen sind.
Bei Cross-Cult erschien der Sammelband „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“, in dem elf Autoren jeweils eine neue, etwa vierzigseitige Kurzgeschichte mit einem der Doktoren erzählen. Er ist ein Time Lord von Gallifrey, der in einer Polizei-Notrufzelle (die TARDIS) durch Raum und Zeit reist und mit nimmermüder Neugierde oft haarsträubende Abenteuer erlebt und der Probleme vor allem mit seiner Cleverness löst. Die kanonischen und damit wichtigen Inkarnationen des Doktors sind:
Erster Doktor: William Hartnell (1963–1966)
Zweiter Doktor: Patrick Troughton (1966–1969)
Dritter Doktor: Jon Pertwee (1970–1974)
Vierter Doktor: Tom Baker (1974–1981)
Fünfter Doktor: Peter Davison (1981–1984)
Sechster Doktor: Colin Baker (1984–1986)
Siebter Doktor: Sylvester McCoy (1987–1989)
Achter Doktor: Paul McGann (Fernsehsonderausstrahlung, 1996)
Neunter Doktor: Christopher Eccleston (2005)
Zehnter Doktor: David Tennant (2005–2010)
Elfter Doktor: Matt Smith (2010−2013)
Zwölfter Doktor: Peter Capaldi (ab 2013, daher nicht mehr in dem Buch verewigt)
und dann gibt es noch einige Inkarnationen, die zu kurz lebten, um in den „Doctor Who“-Kanon aufgenommen wurden.
Die Geschichten in dem Sammelband sind von Eoin Colfer, Michael Scott, Marcus Sedgwick, Philip Reeve, Patrick Ness, Richelle Mead, Malorie Blackman, Alex Scarrow, Charlie Higson, Derek Landy und Neil Gaiman. Einige der Autoren sind ja auch bei uns bekannt.
Sie erzählen vor allem actionreiche und fast immer witzige Abenteuer, die teils auf der Erde in verschiedenen Jahrhunderten und auf fremden Planeten mit sehr seltsamen Lebewesen spielen. So landet der Doktor mit seiner Begleiterin (die auch mit den Doktoren wechselten) auf einem Spukplaneten, der wie eine Version von einem „Die Rätselsucher“-Jugendkrimi aussieht. Jetzt muss der Doktor gegen eine erfundene Welt, die es nicht geben dürfte, kämpfen (Das Geheimnis des Spukhauses). Er trifft auf freundliche Daleks. Dabei wollen die Daleks immer nur alles zerstören (Wellen am Strand). Er muss sich mit den Kin auseinandersetzen, die aus ihrem Gefängnis entkommen konnten und die Erde entvölkern wollen. Ganz legal und mit viel Geld (Kein Uhr). In der Wüste von Nevada kämpft er gegen außerirdische Lebewesen, die die Erde bevölkern wollen und dafür innerhalb kürzester Zeit alles Leben zerstören, wenn nicht eine Frage, die Intelligenz beweist, richtig beantwortet wird (Die Spore). 1968 fällt ihm in London das Necronomicon in die Hände, und das ist kein guter Fund (Die namenlose Stadt). Um einen Physikalischen Temporalnexus („Äußerst gefährliche Dinger.“) an einen ungefährlichen Ort zu befördern, muss er zu den Wikingern reisen. Der Doktor und seine Begleiterin Jo geraten natürlich gleich in eine Schlacht (Der Speer des Schicksals). Er landet auf einem Baumplaneten, auf dem die Bewohner ihn seit Ewigkeiten erwarteten, um ihn zu töten. Da hilft auch seine angeborene Freundlichkeit nicht weiter (Die Wurzeln des Bösen). Er besucht auf dem Planeten Koturia, der wie Las Vegas aussieht, eine Hochzeit und muss gegen die Rani, eine extrem bösartige Frau, kämpfen (Etwas Geliehenes).
Ich kann zwar nicht beurteilen, ob die elf Autoren die elf Doktoren zutroffen beschreiben, aber mir haben die elf Geschichten durchgehend gut bis sehr gut gefallen. Es sind kurze Abenteuergeschichten, bei denen vor allem die ewige Neugierde und Erfahrung des Doktors, der schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat, gefallen und sie haben eine verführerische Ich-lese-noch-eine-Geschichte-Länge.
Ein Abenteuer in Raum und Zeit (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)
Regie: Terry McDonough
Drehbuch: Mark Gatiss
mit David Bradley, Jessica Raine, Sacha Dhawan, Brian Cox, Claudia Grant
– DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: William Hartnell: Der erste Doktor; Making of, Originalausschnitte von „An unearthly Child“, „Regeneration“, „Abschied von Susan“, „Weihachtsgrüße“, Titelvorspann, Deleted Scenes, Wendecover mit Retro-Cover, 8-seitiges Booklet
Länge: 83 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten (verschiedene Übersetzer) Cross-Cult, 2014 528 Seiten
16,80 Euro
– Originalausgabe
Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories
Puffin Books, 2013
– Hinweise
JAMES BOND: Die Welt ist nicht genug (USA/Großbritannien 1999, Regie: Michael Apted)
Drehbuch: Bruce Feirstein, Neal Purvis, Robert Wade
LV: Figur von Ian Fleming
Buch zum Film: Raymond Benson: The World is not enough, 1999 (Die Welt ist nicht genug)
Nachdem Öl-Mogul King im Hauptquartier von MI-6 in die Luft gesprengt wurde, wird Bond als Bodyguard für dessen schöne Tochter Elektra abgestellt.
Mit Michael Apted engagierten die Bond-Macher einen renomierten Regisseur (u. a. Gorky Park, Gorillas im Nebel, Halbblut, Nell), der bis dahin nicht durch Action-Filme aufgefallen war. Im Rahmen dieser Produktion wurde er zum willigen Erfüllungsgehilfen einer wie üblich haarsträubenden Geschichte.
Mit Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards (trotz eines Razzie die beste Werbung für den unbeliebten Job eines Atomphysikers), Robbie Coltrane, Claude Oliver Rudolph, John Cleese, Serena Scott Thomas, Goldie
Pro 7 Maxx, 22.30 The Italian Job(Großbritannien 1969, Regie: Peter Collinson)
Drehbuch: Troy Kennedy Martin
Frisch aus dem Knast entlassen erbt Charlie (Michael Caine) einen bombensicheren Plan für einen Überfall auf einen Turiner Goldtransport. Charlie beginnt den Plan in die Tat umzusetzen. Dabei legen er und seine Kumpels sich mit der Polizei und der Mafia an – und es gibt eine legendäre Autoverfolgungsjagd, die zeigt, was man mit einem Mini Cooper alles machen kann.
Ein Kultfilm in England dank Michael Caine, seinem Satz „You’re only supposed to blow the bloody doors off!“, Benny Hill, der Mini Coopers und der Autoverfolgungsjagd durch eine italienische Stadt, der allerdings arg unentschlossen zwischen den Stilen schwankt und auch seine Längen hat, bis zu seinem legendärem Ende. Als ich „The Italian Job“ zum ersten Mal sah, war ich ziemlich enttäuscht.
Das gleichnamige Remake von 2003 (das mir als Caper-Movie-Fan gefällt) nimmt sich etliche Freiheiten (eigentlich erzählt F. Gary Gray eine komplett neue Geschichte), verzichtete aber nicht auf die Mini Coopers.
James Mottram meint in „Public Enemies: The Gangster Movie A – Z“, dass der „somewhat xenophobic film“ den Übergang zwischen den alten, liebenswerten „Ladykillers“-Verbrechern und den späteren, kaltblütigen Brit-Gangsten markierte.
„’The Italian Job‘ is a last romp for a Britain which was at the centre of pop culture, which even had a national cinema that was cool; a Britain now teetering at the edge of a precipice, with no real ideas of what to do next.“ (Lloyd Hughes: The Rough Guide to Gangster Movies)
mit Michael Caine, Noel Coward, Benny Hill, Raf Vallone, Tony Berkley
Auch bekannt als „Charlie staubt Millionen ab“ (Kinotitel) Wiederholung: Montag, 29. September, 03.25 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „The Italian Job“
Wikipedia über „The Italian Job“ (deutsch,englisch)
RTL II, 20.15 Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und „älteren“ Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich
– Hinweise Rotten Tomatoes über „Rum Diary“
Wikipedia über „Rum Diary“ (deutsch, englisch) Heyne-Verlag über Hunter S. Thompson
–
Der Roman „Rum Diary“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Zum Filmstart gab es auch ein Movie-Tie-In.
Hunter S. Thompson: The Rum Diary
(übersetzt von Wolfgang Farkas)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,95 Euro
Arte, 22.50 Irbo, der Imker (Schweiz 2013, Regie: Mano Khalil)
Drehbuch: Mano Khalil
Auf eine knappe Stunde gekürzte Fassung des zweistündigen, sehenswerten Dokumentarfilms „Der Imker“ über Ibrahim Gezer, eine Kurden, der vor dem türkischen Militär in die Schweiz floh, der immer Bienen züchtete und nie sein Vertrauen in die Menschen verlor.
Vielleicht läuft ja auch irgendwann die Kinofassung im TV.
mit Ibrahim Gezer, Anita Wyrsch-Gwerder, Max Wyrsch, Barbara Bienz, Nicole Hohl, Viktor Krummenacher, Gabriele Schneier Krummenacher Hinweise
Zum Kinostart der ersten Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Erbarmen“ im Januar schrieb ich: Nach einem missglückten Einsatz wird Carl Mørck befördert und gleichzeitig abgeschoben. Er soll das neue Sonderdezernat Q leiten, das alte, nicht aufgeklärte Fälle noch einmal untersucht. Das Dezernat ist irgendwo im Keller des Kopenhagener Polizeigebäudes und erst nach Protesten erhält er einen Assistenten, der sich vor allem um die Aktenablage kümmern soll. Aber Assad ist nicht auf den Kopf gefallen. Der Flüchtling erweist sich schnell als unersetzliche Hilfe für Mørck. Gemeinsam nehmen sie sich den Fall Merete Lyngaard noch einmal vor. Die Politikerin verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Die ermittelnden Beamten schlossen den Fall als mutmaßlichen Suizid ab. Aber Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten und Lücken in den Ermittlungen. Sie gehen von einem Mord aus. In dem Moment wissen wir allerdings, dass Merete seit Jahren in einer Druckkammer gefangen gehalten wird. Ihr Entführer, der nicht mit ihr redet, will, dass sie ihm sagt, warum er sie einsperrte. „Erbarmen“ ist die Verfilmung von Jussi Adler-Olsens erstem Sonderdezernat-Q-Roman. Für die Verfilmung wurden die Ermittlungen von Mørck und Assad in eine stringente Form gebracht und auch einige Szenen wurden verändert. So gelingt es im Film Assad die Schutzmauer von Meretes geistig behindertem Bruder Uffe zu durchbrechen, indem er geduldig eine Beziehung zu ihm aufbaut. Im Roman versucht das Mørck mit der Sensibilität einer Dampfwalze. Es gibt allerdings immer noch mehrere Szenen zwischen Mørck und seinem Sohn, die nur deshalb im Film sind, weil sie in einer längeren TV-Fassung (wenn es sie gibt) oder den nächsten Adler-Olsen-Verfilmungen wichtiger werden. Immerhin ist der zweite Sonderdezernat-Q-Roman schon verfilmt und Adler-Olsen will insgesamt zehn Sonderdezernat-Q-Romane schreiben. Allerdings hat der Film, wie schon der Roman, mit einem vollkommen unglaubwürdigem Bösewicht zu kämpfen, was den Film, der von Mikkel Nørgaard in bester Skandinavischer-Thriller-Tradition inszeniert wurde, von einem spannenden Polizeithriller zu einer hanebüchenen Kriminalgeschichte werden lässt.
Auf der DVD ist im Bonusmaterial auch ein Teaser für „Schändung“, die zweite Adler-Olsen-Verfilmung, enthalten, die am 22. Januar 2015 bei uns im Kino anlaufen soll und die von dem bewährten Team vor und hinter der Kamera gemacht wurde.
Außerdem gibt es ein siebenminütiges Interview mit Regisseur Mikkel Nørgaard und ein fünfminütiges mit Hauptdarsteller Nikolaj Lie Kaas und ein 25-minütiges Making of. Das ist alles durchaus informativ, aber, abgesehen von den beiden Interviews, auch deutlich mehr Pflicht als Kür.
Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel
LV: Jussi Adler-Olsen: Kvinden i buret, 2008 (Erbarmen)
mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter, Mikkel Boe Følkstar, Søren Pilmark, Troels Lyby
– DVD
NFP/Warner
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Interviews, Trailer, Teaser „Schändung“
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
3sat, 00.15 Larry Cohen – Don’t Show the Monster(Deutschland 2014, Regie: Sven von Reden)
Drehbuch: Sven von Reden
Vierzigminütige Doku über Larry Cohen, der die Drehbücher für „Phone Booth – Nicht auflegen“, „Final Call“, „Jenseits der Unschuld“, „Maniac Cop“, „Bestsellers“ (Edgar-nominiert), „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ und, in den Fünfzigern und Sechzigern, für etliche TV-Serien schrieb. Er schrieb auch die Drehbücher zu seinen Filmen, die normalerweise gute B-Pictures, Horror- und Kriminalfilme mit schwarzem Humor und einem Kommentar zur Gesellschaft, sind, wie „Die Wiege des Bösen“ (It’s Alive) und die Fortsetzungen, „Der Pate von Harlem“ (Black Caesar), „American Monster“ und, sein letzter Spielfilm, „Original Gangstas“.
Vor der Doku läuft um 22.25 Uhr „Ich bin der Boß – Skandal beim FBI“ (USA 1978), Larry Cohens Porträt von FBI-Direktor J. Edgar Hoover. Hinweise
Ja, schon wieder. Denn von den TV-Premieren („Der Fall Bruckner“, ARD, 20.15 Uhr, könnte gut sein. Ebenso „Helen Dorn: Unter Kontrolle“, ZDFneo, 20.15 Uhr, oder „Der Retter“, Arte, 20.15 Uhr, oder „Omar – Ein Justizskandal“, BR, 23.10 Uhr. Und „Dark Tide“ Halle Berry, Kabel 1, 20.15 Uhr, spielt eh in einer anderen Liga) kenne ich keine. Daher
Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.
Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.
Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.
„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.
mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris
Das Mädchen und der Kommissar (Frankreich/Italien 1971, Regie: Claude Sautet)
Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron
LV: Claude Néron: Max et les ferrailleurs, 1968
Ein ehrgeiziger Polizist animiert, mit Hilfe einer Prostituierten, eine Gruppe von Kleingangstern zu einem Banküberfall. Er will sie auf frischer Tat ertappen.
Der vorzügliche französische Kriminalfilm mit Starbesetzung ist eine beklemmende Charakterstudie über einen ehrgeizigen Polizisten und die Annahme, dass der Zweck die Mittel heilige.
Mit Romy Schneider, Michel Piccoli, Bernard Fresson
ARD, 21.45 Liebe(Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise. Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.
mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco
In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.
„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)
Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.
Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.
mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand
Edward Hopper war in seinen Gemälden vom Film inspiriert und er inspirierte etliche Filmemacher, aber auf die verwegene Idee, Bilder von Hopper im Film möglichst originalgetreu nachzustellen kam vor Gustav Deutsch noch niemand. Er nahm dreizehn Gemälde und die Filmbilder unterscheiden sich nur in Details von den Originalen. Es sind, in der Reihenfolge der filmischen Präsentation:
Sitzabteil (Chair Car, 1965)
Hotelzimmer (Hotel Room, 1931)
Zimmer in New York (Room in New York, 1940)
Kino in New York (New York Movie, 1939)
Nachts im Büro (Office at Night, 1940)
Hotelhalle (Hotel Lobby, 1943)
Morgensonne (Morning Sun, 1952)
Sonnenlicht auf braunem Sandstein (Sunlight on Brownstone, 1956)
Motel im Westen (Western Motel, 1957)
Exkursion in die Philosophie (Excursion into Philosophy, 1959)
Eine Frau in der Sonne (A Woman in the Sun, 1961)
Pause (Intermission, 1963)
Sonne in einem leeren Raum (Sun in an Empty Room, 1963)
Zu diesen Bildern erzählt Gustav Deutsch, der früher experimentelle Filmanalysen machte, die Geschichte der Schauspielerin Shirley (Stephanie Cumming), die sich zwischen den Dreißigern und den Sechzigern, zwischen Depression, Zweitem Weltkrieg, McCarthy-Ära und Bürgerrechtsbewegung, abspielt. Dabei ist die Historie und Shirleys Geschichte nur die akustische Klammer für die Bildbetrachtungen. Denn während die Kamera sich minimal in und aus den nachgestellten Bildern bewegt, die Schauspieler sich ebenfalls kaum bewegen, hören wir ihre Gedanken. Manchmal auch Gespräche oder Gedanken von anderen Menschen.
Das ist am Anfang ein faszinierendes Spiel mit dem Werk von Hopper, das Gustav Deutsch auf der visuellen Ebene unverändert übernimmt, während die Texte sich, ohne es direkt zu sagen, mit Hoppers Ansichten auseinandersetzen. Denn Hopper war ein Ultra-Konservativer, für den es selbstverständlich war, dass seine Frau ihre Karriere aufgab. Shirley dagegen ist eine Schauspielerin, die Mitglied des Group Theatres und des Living Theatres ist, auch andere Jobs annimmt (als Kartenabreißerin im Kino oder als Bürohilfe), linke Ansichten hat und im Hintergrund, aus dem Radio, wichtge historische Ereignisse angesprochen werden. Außerdem spielen die Segmente immer am 28. oder 29. August, weil am 28. August 1963 der erste große Marsch der Bürgerrechtsbewegung auf Washington war. Martin Luther King hielt dort seine legendäre „I have a Dream“-Rede.
Mit zunehmender Filmzeit wird allerdings auch deutlich, wie monothematisch Hoppers Bilder sind und wie sehr er seinem Stil treu blieb. So ordnete Deutsch die Bilder letztendlich chronologisch. Aber auch bei einer anderen Anordnung wäre nicht aufgefallen, dass die Bilder aus vier Jahrzehnten stammen, in denen große politische, soziale und ökonomische Veränderungen in den USA und der Welt stattfanden. In den Gemälden finden sie keinen Niederschlag.
Es geht in den dreizehn Gemälden immer um Einsamkeit. Fast immer ist Shirley allein oder isoliert von den anderen Charakteren, die ebenso isoliert in den anonymen Räumen sitzen. Es sind Büros, Hotellobbys, Hotelzimmer, Kinosäle und leere Wohnungen, die nichts über ihre Bewohner verraten. Transiträume.
Diese thematische und visuelle Begrenzung des Films zeigt dann auch die Grenzen in Edward Hoppers Werk. Denn letztendlich bewegt sich in ihnen nichts. Es herrscht Stillstand, verbunden mit einer Tendenz zur schön anzusehenden Leere.
Der überraschend zugängliche Experimentalfilm „Shirley – Visionen der Realität“ funktioniert vor allem als Meditation über die Gemälde und als fiktionale Auseinandersetzung mit dem Werk eines Künstlers.
Wobei man auch einfach in aller Ruhe die nachgestellten Bilder bewundern kann.
Nachdem „Ohne Schuld“, das mit „72 Stunden – The next three days“ ein US-Remake erhielt, und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“, von dem ein US-Remake geplant ist, bei uns nur auf DVD erschienen, läuft Fred Cavayés neuer Thriller „Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens“ bei uns auch im Kino. Naja, in einigen Kinos und, angesichts der wenigen Vorstellungen hier in Berlin, dürfte er auch schnell aus ihnen verschwinden.
Dabei ist „Mea Culpa“ für den Fan französischer Kriminalfilme einen Blick wert. Cavayé erzählt die Geschichte von Simon (Vincent Lindon), einem Ex-Polizisten, der seinen neunjährigen Sohn Théo vor skrupellosen Gangstern retten möchte. Denn Théo beobachtete einen Mord. Die Gangster wollen den Zeugen töten.
Ab diesem Moment brennt Cavayé ein wahres Actionfeuerwerk ab, das nie vollkommen den Boden der Realität verlässt, sich aber nicht mehr weiter um den Plot kümmert. Die Guten und die Bösen sind fein säuberlich getrennt. Die Hintergründe sind egal. Vor allem über die Gangster erfahren wir nur, dass sie Böse sind. Es geht, mit beeindruckenden Set-Pieces, nur noch um die Dynamik einer Menschenjagd. Das ist spannend und, dank der handgemachten Action und der guten Schauspieler, auch angenehm geerdet.
Außerdem behandelt Cavayé in allen Plots und fast jeder Szene die titelgebende Frage nach Schuld und dem Umgang mit ihr.
Dennoch ist „Mea Culpa“ Cavayés bislang enttäuschendster Film. Zu sehr folgt er den Konventionen des Polizeithrillers, zu umständlich führt er seine Charaktere ein, zu spät beginnt er mit dem Hauptplot und, bis auf einen Subplot, fehlen die großen Überraschungen.
Aber wer sich schon immer fragte, wie heute ein gelungener 80er-Jahre-Action-Thriller aussehen könnte, wird von „Mea Culpa“ begeistert sein.
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (USA 1989, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeffrey Boam, George Lucas, Menno Meyjes
Dritter Auftritt von Indiana Jones. Dieses Mal sucht der Archäologe mit der Peitsche den Heiligen Gral, tut alles, damit er nicht den Nazis in die Hände fällt (das ist der leichte Teil) und er begegnet seinem Vater.
Und weil dieser von ‘James Bond’ Sean Connery gespielt wird, der wenig von seinem Sohn hält, ist für Spaß gesorgt. Und es gibt, selbstverständlich, Action satt.
Davor läuft, um 20.15 Uhr, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“. Wahrscheinlich in einer gekürzten Fassung.
mit Harrison Ford, Sean Connery, River Phoenix, Denholm Elliott, John Rhys-Davies, Julian Glover, Michael Byrne
Dass der zweite „Sin City“-Film nicht mehr den Überraschungseffekt des ersten „Sin City“-Films hat, dürfte niemand überraschen. Denn als das Gemeinschaftswerk von Regisseur Robert Rodriguez und Comicautor und Zeichner Frank Miller, dessen Hollywood-Erfahrungen bis dahin eher ernüchternd waren und Rodriguez ihn mit dem Versprechen der absoluten Werktreue überzeugte, in die Kinos kam, war das im Kino absolut neu. Sie übertrugen Frank Millers formal sehr experimentellen in Schwarz und Weiß gehaltene „Sin City“-Comics, die sich lustvoll und gelungen durch die bekannten Noir- und Hardboiled-Klischees pflügten, Eins-zu-Eins auf die große Leinwand. Auch der Film war Schwarz-Weiß, mit wenigen Farbtupfern. Die Bilder wurden immer wieder zu abstrakten und stilisierten Montagen, teils auch zu Schattenrissen. Und weil die Schauspieler, eine beeindruckende Schar bekannter Gesichter, meistens vor einem Green Screen agierten, konnten später Stadtlandschaften und Räume hinzugefügt werden, die zwischen hyperreal und abstrakt schwankten. Und die Kamera musste sich wirklich nicht um die normalen Begrenzungen kümmern. In der von Frank Miller und Robert Rodriguez gedrehten Kinofassung verbanden sie in „Pulp Fiction“-Manier mehrere „Sin City“-Geschichten zu einem Film, der bei der Kritik, dem Publikum und den Comicfans gut ankam. Ein Klassiker, ein Kultfilm und eine der wirklich bahnbrechenden Comicverfilmungen.
Seitdem wurde über einen zweiten „Sin City“-Film gesprochen. Genug Geschichten waren vorhanden. Bei uns sind alle von Frank Miller geschriebenen „Sin City“-Geschichten bei Cross-Cult in sieben Büchern veröffentlicht worden. Die Namensliste der jetzt beim zweiten „Sin City“-Film beteiligten Schauspieler ist, wieder einmal, beeindruckend. Mickey Rourke, Jessica Alba, Josh Brolin, Joseph Gordon-Levitt, Rosario Dawson, Bruce Willis, Eva Green, Powers Boothe, Dennis Haysbert, Ray Liotta, Christopher Meloni, Jeremy Piven, Christopher Lloyd, Jamie King, Juno Temple, Stacy Keach, Marton Csokas, Jude Ciccolella, Jamie Chung, Julia Garner, Lady Gaga und Alexa Vega sind dabei. Das liest sich nach einem gelungen Mix aus aus dem ersten Film bekannten Gesichtern und neuen Charakteren. Die ersten Bilder aus dem Film hätte man auch als Promo-Bilder für den ersten „Sin City“-Film veröffentlichen können. Und dass Frank Millers Ruf in den vergangenen Jahren arg gelitten hat – geschenkt. Immerhin sollten ja ältere Werke von ihm verfilmt werden und Robert Rodriguez war ja auch dabei.
Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die ziemlich umfassend enttäuscht werden. Unter anderem weil „Sin City 2: A Dame to kill for“ auf den ersten Blick wie „Sin City“ aussieht. Wieder SW, wieder mit einer Armada bekannter Namen, wieder wurde vor dem Green Screen gedreht.
Wobei das schon ein Problem des Films ist. Denn jetzt wurde nur noch vor dem Green Screen gedreht. Die Schauspieler hatten, außer Minimal-Requisiten wie einem Stuhl und einem Tisch, überhaupt keine Requisiten mehr. Im Endeffekt spielten sie in einer leeren Halle. Oft entstanden ihre gemeinsamen Szenen auch an verschiedenen Tagen und wurden dann im Schneideraum zusammengefügt. So gelungen das auf technischer Ebene ist, so leblos wirkt dann auch der gesamte Film, der fast ausschließlich am Computer entstand.
Das zweite Problem ist das nervige 3D. Denn, wie in Millers Comics, wird viel mit irrationalen Noir-Perspektiven gespielt, die in 3D noch extremer ausfallen. Dazu kommt der Regen (es regnet immer in Sin City) und das hohe Schnitttempo, das, in Verbindung mit 3D, eher für Verwirrung sorgt.
Vor allem weil Rodriguez und Miller wie kleine Kinder möglichst viel, gerne auch gleichzeitig ausprobieren wollen, wozu auch Spielereien mit Farben gehören. Das erinnert dann eher an einen Jahrmarktbesuch, auf dem einem nacheinander, sehr beliebig und marktschreierisch die verschiedenen Attraktionen angeboten werden.
Wieviel gelungener war dagegen Tim Burtons ebenfalls in SW gedrehter Stop-Motion-Film „Frankenweenie“. Er setzte 3D sehr überlegt ein und die Charaktere wurden auch alle lebendig. Im Gegensatz zu den „Sin City“-Pappkameraden, die alle fest in ihren Klischees stecken bleiben.
Dazu kam die fatale Entscheidung, die Geschichten hintereinander zu erzählen. Dabei nimmt die titelgebende Hauptgeschichte „A Dame to kill for“ (die der grandiosen Comicvorlage ziemlich genau folgt) die meiste Filmzeit in Anspruch. Vor dieser Geschichte werden mehrere „Sin City“-Charaktere knapp eingeführt und wir erleben „Just another Saturday Night“ mir Marv (Mickey Rourke), die mit einigen Leichen endet. Nach der tödlichen Dame gibt es noch die deutlich kürzeren Geschichten „The long, bad Night“ (über einen Spieler, der sich den falschen Gegner aussucht) und „Nancy’s last Dance“ (über Nancys Rache an dem Verantwortlichem für Hartigans Tod). Beide Stories schrieb Frank Miller extra für den Film. Formal zeigen uns Rodriguez und Miller daher, in dieser Reihenfolge, eine Kurzgeschichte, einen Roman, zwei Kurzgeschichten bzw. Subplot, Hauptplot, Subplot, Subplot. Emotional ist der Film allerdings mit dem Ende der „A Dame to kill for“-Geschichte zu Ende. Danach gibt es noch zwei Nachschläge, die man eher gelangweilt verfolgt, weil man sich für keinen der Charaktere interessiert. Auch weil man sich in dem Moment schon daran gewöhnt hat, dass jeder Charakter, dem auch nur etwas Individualität gestattet wird, eine sehr überschaubare Restlebenszeit hat.
Die Hauptgeschichte „A Dame to kill for“ ist dabei als typische Noir-Geschichte gar nicht so schlecht. Dwight McCarthy (Josh Brolin) arbeitet als Privatdetektiv und er hat ein Problem mit seinem Temperament. Da meldet sich seine frühere Freundin Ava Lord (Eva Green), die ihn für den reichsten Mann der Stadt verlassen hat, wieder bei ihm. Die Femme Fatale benutzt Männer wie Spüllappen, weshalb Dwight auch nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Aber er verfällt ihr wieder. Er glaubt ihr, dass sie von ihrem Mann Damien gefangen gehalten will. Als er sie befreien will, endet die Aktion mit Damiens Tod. Er selbst kann, angeschossen von Ava, schwer verletzt entkommen. Der Polizei erzählt Ava eine Lügengeschichte, die ihn zum Mörder und Psychopathen macht. Während Dwight seine Wunden leckt, becirct Ava den grundehrlichen ermittelnden Polizisten Mort (Christopher Meloni). Er soll Dwight umbringen.
„Sin City 2: A Dame to kill for“ ist ein ziemlich überflüssiger Nachschlag zu „Sin City“, der dem Original nichts Neues hinzufügt und mindestens acht Jahre zu spät kommt. Jedenfalls erscheint die Noir-Atmosphäre hier nur noch als ein liebloses, aus der Zeit gefallenes und unentschlossenes Abspulen der bekannten Klischees mit viel Sex und Gewalt. Beides eher lustlos, aber exzessiv präsentiert.
Sin City 2: A Dame to kill for(Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)
Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City: A Dame to kill for, 1993/1994 (Sin City: Eine Braut, für die man mordet)
mit Mickey Rourke, Jessica Alba, Josh Brolin, Joseph Gordon-Levitt, Rosario Dawson, Bruce Willis, Eva Green, Powers Boothe, Dennis Haysbert, Ray Liotta, Christopher Meloni, Jeremy Piven, Christopher Lloyd, Jamie King, Juno Temple, Stacy Keach, Marton Csokas, Jude Ciccolella, Jamie Chung, Julia Garner, Lady Gaga, Alexa Vega
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
– Die Vorlage
Zum Filmstart veröffentlichte Cross-Cult die mit dem Eisner-Award ausgezeichnete Hauptgeschichte des Films in einer günstigen Ausgabe, die ein guter Einstieg in Frank Millers „Sin City“-Kosmos ist.