Neu im Kino/Filmkritik: „Die drei Musketiere – D’Artagnan“ will mitspielen

April 13, 2023

Jetzt fechten sie wieder für den König und, angesichts der vielen Verfilmungen von Alexandre Dumas‘ Roman kann man sich fragen, ob die Welt wirklich einen weiteren „Die drei Musketiere“-Film benötigt. Die bekanntesten und immer noch beliebtesten Verfilmungen sind George Sidneys „Die drei Musketiere“ (USA 1948) und Richard Lesters Zweiteiler „Die drei Musketiere“ (Panama 1974) und „Die vier Musketiere – Die Rache der Milady“ (Panama 1975). Außerdem gibt es unzählige weitere Verfilmungen der bekannten Vorlage, die inzwischen vergessen sind.

Und dann gibt es noch Bertrand Taverniers „D’Artagnans Tochter“ (Frankreich 1994), die im Film von Sophie Marceau als muntere Kämpferin gespielt wird. Die Mantel-und-Degen-Komödie hat zwar nichts mehr mit dem Roman von Dumas zu tun, aber sie ist äußerst kurzweilig, viel zu unbekannt und der Grund, warum Martin Bourboulon das Angebot einer Neuverfilmung von Dumas‘ Roman akzeptierte. Sein Vater war einer der Produzenten von Taverniers Film und er durfte als Jugendlicher das Set besuchen.

Jetzt konnte Martin Bourboulon seinen eigenen Mantel-und-Degen-Film drehen.

Die Story hat er nicht grundlegend verändert. Wieder geht es um D’Artagnan (François Civil), einen vor Selbstvertrauen strotzendem Burschen aus der Gascogne, der in Paris ein Mitglied der legendären Musketiere werden möchte. Doch zuerst muss er sich mit drei Männern herumschlagen, denen er in den übervollen Gassen der Hauptstadt innerhalb weniger Minuten auf die Füße trat und die ihn nacheinander zum Duell herausforderten. Es sind, was D’Artagnan nicht weiß, die Musketiere Athos (Vincent Cassel), Porthos (Pio Marmaï) und Aramis (Romain Duris).

Noch bevor sie in einem Waldstück mit dem ersten Duell beginnen können, werden sie von Kardinal Richelieus Männern gestört – und Regisseur Martin Bourboulon nutzt die Gelegenheit für eine große, ungeschnittene, nicht enden wollende Actionszene. Bis zum Abspann folgende weitere sparsam geschnittene Kampfszenen.

Nach diesem wilden Kampf hat D’Artagnan sich den Respekt der drei Musketiere verdient. Sie nehmen ihn in ihre elitäre Gruppe auf.

Schnell werden sie in einen Komplott gegen den König, den sie beschützen sollen, verwickelt. 1627 ist die politische Situation unübersichtlich. Frankreich und England bekriegen sich. Evangelen und Katholen ebenso. Es wird munter hinter dem Rücken des Königs intrigiert. Treibende Kräfte sind dabei Kardinal Richelieu (Éric Ruf) und die geheimnisvolle Milady de Winter (Eva Green).

Martin Bourboulon, zuletzt „Eiffel in Love“, verzichtet in seiner Interpretation der klassischen Geschichte auf Modernismen, Ironisierungen und Aktualisierungen, die andere Regisseure bei ihren Verfilmungen historischer Stoffe vornehmen. Zum Bespiel indem die Musik aus Rocksongs besteht. Teilweise werden diese Songs, neu arrangiert, vor Publikum auf höfischen Gesellschaften gespielt. Oder indem moderne Gegenstände, die es damals noch lange nicht gab, im Bild auftauchen. Bourboulon verzichtet darauf. Er inszenierte einen bewusst altmodischen Mantel- und Degenfilm, der so auch schon für fünfzig Jahren hätte entstehen können. Und er nimmt sich viel Zeit. Wie einige ältere Versionen der Geschichte erzählt er sie in zwei Teilen. Der zweite Teil „Die drei Musketiere – Milady“ soll am 14. Dezember 2023 in Deutschland starten.

Eben diese Entscheidung führt zu einigen Längen. Die Geschichte wird jetzt in ungefähr vier Stunden erzählt. Dabei hätten sie sie auch als einen konzentriert in, sagen wir mal 150 Minuten erzählten Abenteuerfilm erzählen können. Jetzt ziehen sich einige Duelle gefühlt endlos hin. Milady de Winter geht auf einem Maskenball ebenfalls gefühlt endlos durch die Feiernden. Das Leben am Hof des Königs hätte nicht so ausführlich geschildert werden müssen. Und natürlich ist dieser erste Teil (mit seiner Abspannszene) vor allem die Vorbereitung des zweiten Teils, in dem die tapferen drei Musketieren (die eigentlich vier Musketiere sind) gegen die böse Milady de Winter kämpfen. Im ersten Teil hat sie nur eine Nebenrolle.

Doch das sind eher kleinere Einwände gegen einen unterhaltsamen, traditionsbewussten, starbesetzten Abenteuerfilm.

Die drei Musketiere – D’Artagnan (Les trois mousquetaires: D’Artagnan, Deutschland/Frankreich 2023)

Regie: Martin Bourboulon

Drehbuch: Matthieu Delaporte, Alexandre de La Patellière

LV: Alexandre Dumas: Les trois mousquetaires, 1843/44 (Die drei Musketiere)

mit François Civil, Vincent Cassel, Romain Duris, Pio Marmaï, Eva Green, Louis Garrel, Vicky Krieps, Lyna Khoudri, Jacob Fortune-Lloyd, Eric Ruf, Marc Barbé, Patrick Mille

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Moviepilot über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Allociné über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Rotten Tomatoes über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Wikipedia über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Martin Bourboulons „Eiffel in Love“ (Eiffel, Frankreich/Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Cocaine Bear“, viele dumme Menschen, fertig ist der blutige Spaß

April 13, 2023

1985 wirft ein Drogenschmuggler über dem Chattahoochee National Forest in Georgia etliche mit Kokain gefüllte Drogenpakete aus einem Flugzeug. Als er herausspringen will, verletzt er sich tödlich – und „Cocaine Bear“ hat seinen ersten Lacher. Weitere folgen. Aber weniger als erwartet.

Cocaine Bear“ zählt zu den Filmen, die ihre Prämisse und gleichzeitig ihren größten Witz bereits im Titel tragen. In „Cocaine Bear“ geht es um einen Bären, der Kokain frisst und durchdreht. Er verhält sich nicht mehr wie ein friedliebender Bär, sondern wie ein komplett durchgeknallter Maniac. Das erfahren die Menschen, die zu dem Zeitpunkt gerade im Wald sind, leidvoll. Sie sind, wie es sich für eine Schwarze Deppen-Komödie gehört, eine Ansammlung von grenzdebilen Deppen, die mindestens zur Hälfte für ihre Verletzungen und ihren Tod selbst verantwortlich sind. Ihr teils groteskes Ableben – erinnert sei hier nur an die Szene im Krankenwagen – sorgt im Publikum dann für die erwartbaren höhnischen und auch überraschten Lacher. Die in der Komödie porträtierten Trottel sind sich tough gebende Verbrecher aus der Stadt (die jetzt die Kokainpakete im Wald suchen müssen) und der Provinz (die sich mit den Städtern anlegen und zuerst einmal ordentlich verkloppt werden), einer verliebten, älteren, übergewichtigen Parkwächterin, die sich als Elitepolizistin auf Standby sieht, ein Tierschützer, Sanitäter und Touristen.

Die wenigen Ausnahmen – zwei zwölfjährige Schulkinder, die zum ersten Mal Kokain ausprobieren, und eine besorgte Mutter, die verärgert die beiden Schulschwänzer sucht – bestätigen die Regel, dass an diesem Tag nur Idioten im Wald sind, deren Lebensinhalt darin besteht, Bärenfutter zu sein.

Als kleiner schwarzhumorige Splatterquickie ist „Cocaine Bear“ okay. Er liefert ziemlich genau das, was der Titel versprichte. Aber die Komödie ist nie auch nur halb so gut, wie sie hätte sein können.

Cocaine Bear (Cocaine Bear, USA 2023)

Regie: Elizabeth Banks

Drehbuch: Jimmy Warden

mit Keri Russell, O’Shea Jackson jr., Christian Convery, Alden Ehrenreich, Jessie Tyler Ferguson, Brooklynn Prince, Isiah Whitlock jr., Margo Martindale, Ray Liotta

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Cocaine Bear“

Metacritic über „Cocaine Bear“

Rotten Tomatoes über „Cocaine Bear“

Wikipedia über „Cocaine Bear“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood prüft – obwohl es in diesem Fall ziemlich egal ist, weil außer dem auslösendem Ereignis (dem Abwurf von Drogen aus dem Flugzeug und dem späteren Fund eines toten Bären, der 17 Kilo Kokain in seinem Magen hatte) alles erfunden ist

Meine Besprechung von Elizabeth Banks‘ „Movie 43“ (Movie 43, USA 2013) (sie inszenierte nur eine Episode und niemand will mehr etwas mit dem Ding zu tun haben)

Meine Besprechung von Elizabeth Banks‘ „3 Engel für Charlie“ (Charlie’s Angels, USA 2019)


TV-Tipp für den 13. April: Er

April 12, 2023

Arte, 00.10

Er (Él, Mexiko 1953)

Regie: Luis Buñuel

Drehbuch: Luis Buñuel, Luis Alcoriza

Extrem selten, um nicht zu sagen ‚fast nie‘, gezeigtes Melodrama von Luis Buñuel: Der reiche Francisco spannt Raúl die Verlobte aus und heiratet sie. Ihre Ehe könnte perfekt sein, wenn er nicht rasend eifersüchtig wäre.

Surrealistisch gefärbtes Melodram aus Buñuels mexikanischer Periode.“ (Lexikon des internationalen Films)

Die deutsche Premiere war am 7. Juli 1970 in der ARD.

Luis Buñuel Portolés (* 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien; † 29. Juli 1983 in Mexiko-Stadt, Mexiko) war ein mexikanischer Filmemacher spanischer Herkunft, der gegen Ende der Stummfilmzeit als surrealistischer Regisseur bekannt wurde. Er zählt zu den bedeutendsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts.“ (Wikipedia)

Seine bekanntesten und wichtigsten Filme sind Ein andalusischer Hund“ (Un chien andalou, 1929), „Viridiana“ (1961), „Der Würgeengel“ (El ángel exterminador, 1962), „Tagebuch einer Kammerzofe“ (Le journal d’une femme de chambre, 1964), „Belle de Jour – Schöne des Tages“ (Belle de jour, 1967), „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (Le charme discret de la bourgeoisie, 1972), „Das Gespenst der Freiheit“ (Le fantôme de la liberté, 1974) und „Dieses obskure Objekt der Begierde“ (Cet obscur objet du désir, 1977).

mit Arturo de Córdova, Delia Garcés, Carlos Martínez Baena, Manuel Dondé, Fernando Casanova

Hinweise

Arte über „Er“ (bis 11. Juli 2023 online)

Rotten Tomatoes über „Er“

Wikipedia über „Er“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. August: Der große Gatsby

April 11, 2023

Kabel 1, 23.20

Der große Gatsby (The great Gatsby, USA 2013)

Regie: Baz Luhrmann

Drehbuch: Baz Luhrmann, Craig Pearce

LV: F. Scott Fitzgerald: The great Gatsby, 1925 (Der große Gatsby)

Auf Long Island veranstaltet der geheimnisumwitterte Jay Gatsby in den zwanziger Jahren glamouröse Partys. Da trifft er seine große, inzwischen verheiratete Liebe Daisy wieder.

Fünfte Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds Romanklassiker und wieder ist die Verfilmung eine bestenfalls durchwachsene Angelegenheit, die der vernachlässigbaren Handlung des Romas folgt und ihren viel wichtigeren Geist verfehlt. Immerhin ist bei Luhrmann immer etwas los. Allerdings: „Luhrmanns Oberflächenfetischismus kennt keine echten Abgründe.“ (Lexikon des internationalen Films)

Die aktuell bekannteste Verfilmung dürfte die ebenfalls ungeliebte Version von 1974 sein. Francis Ford Coppola schrieb das Drehbuch und Robert Redfort spielte Jay Gatsby.

mit Leonardo DiCaprio, Isla Fisher, Jason Clarke, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Tobey Maguire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der große Gatsby“

Wikipedia über „Der große Gatsby“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baz Luhrmanns „Elvis“ (Elvis, USA 2022)


TV-Tipp für den 11. April: Schweigen und Vertuschen

April 10, 2023

Arte, 20.15

Schweigen und Vertuschen: Die Todsünden der katholischen Kirche (Belgien/Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Helmar Büchel

Drehbuch: Helmar Büchel

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über sexuellen Missbrauch in und im Umfeld der Katholischen Kirche, der Vertuschung durch sie und dem zögerlichen Umgang der weltlichen Justiz damit. Helmar Büchel konzentriert sich in seiner Doku auf Fälle aus Frankreich, Deutschland und Belgien.

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche


TV-Tipp für den 10. April: Eins, zwei, drei

April 9, 2023

3sat, 11.40/23.45

Eins, zwei, drei (One, Two, Three, USA 1961)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond

LV: Ferenc Molnár: Egy, kettó, három, 1929 (Theaterstück)

Der Berlin-Berlin-Film: Westberlin, August 1961: Mr. MacNamara, der Leiter der örtlichen Coca-Cola-Filiale, muss die heimliche Heirat zwischen der Tochter seines Chefs und einem Ostberliner Über-Proletarier rückgängig machen. Bevor der garstige Chef ankommt.

Billy Wilders turbulente und respektlose Komödie kam wenige Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer in die Kinos und floppte. 1985, bei seiner Wiederaufführung, kam er deutlich besser an. Seitdem ist der Film ein Klassiker.

mit James Cagney, Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Pamela Tiffin, Arlene Francis, Hanns Lothar, Karl Lieffen, Howard St. John, Ralf Wolter, Hubert von Meyerinck

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eins, zwei, drei“

Wikipedia über „Eins, zwei, drei“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Wer ist hier das „Victim“?

April 9, 2023

Irinas dreizehnjähriger Sohn Igor liegt schwer verletzt und nicht ansprechbar im Krankenhaus einer tschechischen Kleinstadt. Er wurde in dem anonymen Mietshaus in dem Irina und Igor wohnen, überfallen. Wer den aus der Ukrainie stammenden Teenager zusammengeschlagen hat, ist unklar. Es ist auch unklar, was genau geschah. Aber schnell wird die Körperverletzung zu einem Ereignis, das immer weitere Kreise zieht. Auch weil ein rassistischer Hintergrund vermutet wird. Die Polizei ermittelt. Die Medien sehen in dem Überfall eine gute Boulevard-Story. Die Bürgermeisterin spricht ihr Beileid aus und möchte, nicht ganz uneigennützig, Irina und Igor helfen. So erhält Irina eine größere Wohnung. Ein früherer Profisportler, der jetzt als Rechtsradikaler Politik macht, will ihnen ebenfalls helfen und dabei fremdenfeindliche Ressentiments bedienen. Denn die Tatverdächtigen sind einige im gleichen Haus lebende Roma-Jungen.

Und Irina hofft, dass der Überfall sich positiv auf ihren wiederholten Antrag auf die tschechische Staatsbürgerschaft und ihre Pläne, sich mit einem Friseursalon selbstständig zu machen, auswirkt. Auch wenn sie dafür lügen muss.

Schnell verschwimmen in Michal Blaškos bevorzugt in langen Einstellungen gedrehtem Spielfilmdebüt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Das erzählt er etwas zu reduziert und zu didaktisch, um wirklich zu begeistern.

Trotzdem ist „Victim“ insgesamt ein zum Nachdenken und Diskutieren anregendes Drama mit einer sehr ironischen Schlußpointe.

Victim (Slowakei/Tschechien/Deutschland 2022)

Regie: Michal Blaško

Drehbuch: Jakub Medvecký

mit Vita Smachelyuk, Gleb Kuchuk, Igor Chmela, Viktor Zavadil, Inna Zhulina, Alena Mihulová, Veronika Weinhold, Gabriela Míčová, Claudia Dudová

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Victim“

Moviepilot über „Victim“

Rotten Tomatoes über „Victim“

 


TV-Tipp für den 9. April: Das Leben des Brian

April 8, 2023

RTL II, 20.15

Das Leben des Brian (Monty Pythons Life of Brian, Großbritannien 1979)

Regie: Terry Jones

Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Das Leben von Brian, das erstaunliche Parallelen zu dem von Jesus Christus hat, und hier von Monty Python kräftig durch den Kakao gezogen wird.

Kult. Und wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.

Der deutsche Kinostart war am 15. August 1980

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler, Carol Cleveland, Kenneth Colley, Neil Innes, Charles McKeown

Wiederholung: Montag, 10. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Leben des Brian“

Wikipedia über „Das Leben des Brian“ (deutsch, englisch) und über Monty Python (deutsch, englisch)

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)


TV-Tipp für den 8. April: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

April 7, 2023

Servus TV, 00.30

M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931)

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang

Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.

Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.

Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jon J Muths „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (M, 1990/2008, der Comicversion des Films)


Neu im Kino/Filmkritik: Tarik Saleh deckt „Die Kairo-Verschwörung“ auf

April 7, 2023

Kurz nach Adams Ankunft an der Azhar-Universität in Kairo stirbt der Großiman. Die Universität ist das Epizentrum der Macht in der islamischen Welt; der Großiman das Oberhaupt der Universität. In ihr und durch ihn wird die für Muslime entscheidende Auslegung des Korans formuliert. Für den sunnitischen Islam ist er die oberste Autorität. Wie der Papst für Katholiken die oberste Autorität ist. Bei neuen Gesetzen berücksichtigt die äyptische Regierung seine Empfehlungen. Entsprechend wichtig ist das Amt des Großimans.

Während der mit harten Bandagen, Mord und Intrigen geführte Kampf um die Nachfolge tobt, gerät Adam, Sohn eines einfachen Fischer, der ein Stipendium für die Universität erhalten hat, in der Universität zwischen die Fronten der verschiedenen Gruppen, die eines ihrer Mitglieder zum Nachfolger ernennen wollen. Gleichzeitig versucht der zwiespältige Regierungsbeamte Ibrahim ihn anzuwerben. Ibrahim hofft so, einen tieferen Einblick in die verschlossene Welt der Universität zu erhalten und über Adam das Geschehen in der Universtität beeinflussen zu können.

Nach dem 08/15-Thriller „The Contractor“ kehrt Tarik Saleh, ein gebürtiger Schwede mit einem ägyptischen Vater, nach Ägypten zurück. Dort spielte sein überaus gelungener Politthriller „Die Nile Hilton Affäre“, der gelungen an die Erzählmustern westlicher Polit-Thriller, mit einer mehr als ordentlichen Portion französischer 70er-Jahre Polit- und Paranoia-Thriller anknüpft.

Seit den Dreharbeiten für diesen Thriller darf er nicht mehr nach Ägypten einreisen. Deshalb drehte er „Die Kairo-Verschwörung“ in der Türkei. Die in Istanbul stehende Süleymanye-Moschee wurde im Film zur Azhar-Universität.

Wie „Die Nile Hilton Affäre“ ist „Die Kairo-Verschwörung“ ein Polit-Thriller. Aber dieses Mal interessiert sich Tarik Saleh nicht sonderlich für den Thrill. Dafür sind die Machtkämpfe zu bräsig erzählt. Sein neuester Film ist eher ein Drama und eine Coming-of-Age-Geschichte, das sich den etablierten Erzählmustern des Verschwörungsthrillers bedient. Und es ist ein intensiver Blick in das Innenleben und die Strukturen einer von der Außenwelt abgeschotteten Welt.

Die Kairo-Verschwörung (Boy from Heaven, Schweden/Frankreich/Finnland 2022)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: Tarik Saleh

mit Tawfeek Barhom, Fares Fares, Mohammad Bakri, Makram J. Khoury, Sherwan Haji, Mehdi Dehbi

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

alternative Schreibweise: Die Kairo Verschwörung

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Kairo-Verschwörung“

Rotten Tomatoes über „Die Kairo-Verschwörung“

Wikipedia über „Die Kairo-Verschwörung“

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)

Meine Besprechung von Tarik Salehs „The Contractor“ (The Contractor, USA 2022)


TV-Tipp für den 7. April: Fabian oder Der Gang vor die Hunde

April 6, 2023

Arte, 20.15

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Deutschland 2021)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Constantin Lieb, Dominik Graf

LV: Erich Kästner: Fabian oder Der Gang vor die Hunde, 1931/2013

TV-Premiere. Dominik Grafs grandiose Verfilmung von Erich Kästners Roman über Jakob Fabian, einem Schriftsteller, der als Werbetexter Geld verdient und durch das nächtliche Berlin der Goldenen Zwanziger driftet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Albrecht Schuch, Saskia Rosendahl, Michael Wittenborn, Petra Kalkutschke, Elmar Gutmann, Aljoscha Stadelmann, Anne Bennent, Meret Becker

Die Vorlage

Erich Kästner: Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Atrium, 2021

248 Seiten

12 Euro

Erstausgabe dieser Ausgabe

Atrium Verlag, 2013

Erstausgabe

Fabian – Die Geschichte eines Moralisten

Deutsche Verlags-Anstalt, 1931

Hinweise

Filmportal über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Moviepilot über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Metacritic über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Rotten Tomatoes über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Wikipedia über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Air – Der große Wurf“ für eine Turnschuhfirma

April 6, 2023

Hätte mir vor wenigen Tagen jemand gesagt, dass ich mich für einen Film über einen Turnschuh und einen Werbevertrag interessieren könnte, hätte ich gesagt „Quatsch. Es gibt nichts, was mich weniger interessiert.“.

Nach dem fabelhaftem Trailer war ich dann gespannt auf den Film über Nike und Michael Jordan. „Air – Der große Wurf“ ist auch der neue Spielfilm von Ben Affleck. Der Schauspieler hat als Regisseur mit „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (2007), „The Town – Stadt ohne Gnade“ (2010), „Argo“ (2012) und „Live by Night“ (2016) eine makellose Filmographie. Da hätte mich sein neuer Film, das gebe ich unumwunden zu, in jedem Fall interessiert.

Sein Drama „Air – Der große Wurf“ erfüllt die Erwartungen, die der Trailer und sein Name wecken. Er erzählt die Vorgeschichte zu dem Vertrag zwischen Nike und Michael Jordan, aus der Sicht von dem Mann, der bei Nike den Vertrag einfädelte.

Nike befindet sich 1984 in einer finanziell unbefriedigenden Situation. Das Geschäft mit der Verpflichtung von Sportlern, bei Wettkämpfen und Spielen ihre Schuhe zu tragen und so Schuhe zu verkaufen, läuft schlecht. Trotzdem will Nike in der kommenden Saison wieder Sponsoring-Verträge mit mehreren Sportlern abschließen. Das Risiko wird gestreut. Aber Spitzensportler und Stars können so nicht eingekauft werden. Nike bedient sich an der Resterampe.

Da schlägt Sonny Vaccaro (Matt Damon), der Basketballexperte von Nike, einen neuen Ansatz vor: das gesamte Budget wird für einen Sportler ausgegeben. Michael Jordan, der damals am Anfang seiner Karriere stand, soll das sein. Vaccaro denkt, dass Jordan ein riesiges Potential hat.

Es gibt nur zwei Probleme: zuerst muss Vaccaro seine Vorgesetzten von seiner Idee überzeugen. Die sind davon nicht begeistert. Denn wenn Vaccaro sich irrt, wird das ein kostspieliger, die Firma gefährdender Irrtum sein.

Und Michael Jordan muss überzeugt werden. Sein Agent bereitet gerade Vertragsverhandlungen mit Adidas und Puma vor. Beide Firmen würden Jordan eine Summe zahlen, die über dem bei Nike verfügbarem Budget liegt. Außerdemn hat Jordan bereits öffentlich gesagt, er werde niemals bei Nike unterschreiben.

Affleck orientiert sich in seinem neuen Film an an neueren, auf wahren Ereignissen beruhenden Hollywood-Filmen, wie „The Big Short“, „Vice – Der zweite Mann“ und „Bombshell – Das Ende des Schweigens“. Im Gegensatz zu diesen Filmen, die über gesellschaftliche Missstände aufklären, geht es in „Air – Der große Wurf“ letztendlich um nichts. Denn ein Sponsoring-Vertrag zwischen einem Sportler und einer Firma, von dem beide profitieren, ist kein Skandal und nichts, was verändert werden muss. Denn Jordan schloss einen für sich sehr vorteilhaften Vertrag ab, der sich fundamental von den Verträgen unterschied, die andere Sportler vor ihm abschlossen.

Affleck erzählt diese Vertragsverhandlungen äußerst kurzweilig und satirisch zugespitzt aus der Sicht von Sonny Vaccaro und Nike. Michael Jordan, den in den USA jedes Kind kennt, tritt im Film nicht auf. Seine Mutter Deloris Jordan (Viola Davis), das Oberhaupt der Familie Jordan, führt die Verhandlungen. Das Erzähltempo ist hoch. Die Dialoge pointiert. Die hochkarätigen Schauspieler – neben Matt Damon und Viola Davis sind Ben Affleck, Jason Bateman, Chris Tucker und Chris Messina dabei – sind spielfreudig. Das Zeitkolorit ist stimmig. Alles sieht wie ein Dokumentarfilm aus den achtziger Jahren aus. Es gibt Bilder aus Nachrichtensendungen und Ausschnitte aus Videoclips, die nostalgische Gefühle wecken. Der Soundtrack besteht aus den damaligen Hits.

Da macht dann ein vollkommen kritiklos präsentiertes Stück Firmengeschichte über einen Sportler, einen Schuh und wie die profitable Partnerschaft zwischen Nike und Jordan begann, Spaß.

Air – Der große Wurf“ ist ein kurzweiliger Werbefilm für Nike und eine Zeitreise in eine Zeit, als Telefone nur Telefone waren.

Air – Der große Wurf (Air, USA 2023)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Alex Convery

mit Matt Damon, Ben Affleck, Jason Bateman, Chris Tucker, Viola Davis, Chris Messina, Marlon Wayans, Matthew Maher, Julius Tennon

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Air“

Metacritic über „Air“

Rotten Tomatoes über „Air“

Wikipedia über „Air“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beurteilt die Fiktionalisierung dieser Vertragsverhandlungen

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Kuckuck! Russell Crowe ist „The Pope’s Exorcist“

April 6, 2023

Pater Gabriele Amorth ist nicht irgendein Exorzist, sondern „The Pope’s Exorcist“; also der Exorzist des Papstes. Er war, im Gegensatz zu den normalen Film-Exorzisten, ein wirklicher Exorzist, der Yoga und das Lesen der Harry-Potter-Bücher für satanisch hielt.

Der Norditaliener lebte von 1925 bis 2016. Seit 1986 war er der Exorzist der Diözese Rom. Später war er mehrere Jahre der Präsident der Internationalen Vereinigung der Exorzisten. Nach eigenen Angaben führte er 50.000 (das sagt er 2000), 70.000 (das sagte er 2010) oder 160.000 (das sagte er 2013) erfolgreiche Teufelsaustreibungen durch. Oder, anders gesagt: ungefähr zu jeder Mahlzeit praktizierte er mindestens einen Exorzismus.

Und er schrieb darüber erfolgreiche Bücher. Wie Ed und Lorraine Warren, die als Geisterjäger und -austreiber in den USA vor allem in den Siebzigern ihre bekanntesten Fälle hatten. Seit 2013 wurden ihre Fälle in den gelungenen, sich an ihre Aufzeichnungen haltenden bislang drei „The Conjuring“-Filmen nacherzählt.

Diesen Weg, nämlich einen ‚wahren‘ Fall stilbewusst zu erzählen, wählten die Macher von „The Pope’s Exorcist“ nicht. Regisseur Julius Avery und die Drehbuchautoren Michael Petroni und Evan Spiliotopoulos erzählen eine erfundene Geschichte, die um ein, zwei Fakten und Statements aus Pater Gabriele Amorths Leben ergänzt wird. Jedenfalls wirkt Amroths Hauptfall mit seiner Erklärung über das Wesen des Dämons wie die Erfindung eines Drehbuchautoren, der sich von einem trashigen Verschwörungsthriller über die katholische Kirche und deren teuflisches Treiben durch die Jahrhunderte inspirieren ließ.

Amorth wird im Juli 1987 von Rom nach Spanien zur in Kastilien liegenden Abtei St. Sebastian geschickt. Er soll herausfinden, ob der zwölfjährige Henry besessen ist. Der Junge ist mit seiner älteren Schwester und seiner Mutter vor kurzem dort angekommen. Henrys Mutter möchte das Anwesen renovieren und gewinnbringend verkaufen. Es handelt sich dabei um ihre gesamte Erbschaft.

Kaum ist Amorth in der baufälligen Abtei angekommen, stellt er fest, dass er gegen Satan höchstpersönlich kämpfen muss. Dabei soll ihm der junge Gemeindegeistliche Vater Esquibel helfen.

The Pope’s Exorzist“ ist einfach der vorhersehbare Exorzismus-Film der Saison. So wird aus Pater Gabriele Amorths Leben, das durchaus den Stoff für einen gelungenen Film hergegeben hätte, nichts gemacht. Stattdessen wird einfach noch einmal die sattsam bekannte Exorzismus-Geschichte erzählt, als ginge es um Malen nach Zahlen. Und diese Geschichte kümmert sich erstaunlich wenig um irgendeine Form von Logik. Das ist augenfällig, wenn Amorth mehr über den Dämon und die Geschichte der Abtei herausfindet und wie er dabei vorgeht. Da warnt er zuerst vor Gefahren. Und tut Sekunden später alles, um genau diese Gefahren wieder herauf zu beschwören, während der Dämon alle paar Minuten einen Menschen gegen die nächste Wand schleudert und der von ihm besessene Henry mit teuflischen Stimmen spricht.

Operation: Overlord“-Regisseur Julius Avery erzählt dies vor allem in dunklen Räumen, mit etwas Sünde (vulgo Sex) und ziemlich viel spritzendem Blut. Er ist dabei mehr an Oberflächenreizen als an etwaigen thematischen Vertiefungen interessiert.

Russell Crowe hatte bei diesem Budenzauber offensichtlich seinen Spaß. Mit großer Geste, dem pathetischen Ernst einer Shakespeare-Aufführung und einem „Ich kann das auch alles nicht glauben“-Blick tritt er mit ausgebreiteten Armen gegen den Teufel an, der nach Amorths Meinung ein humorloser Geselle ist. Deshalb gibt es Witzeleien und lateinische Sprüche.

Dazu gibt es, in der Originalfassung, durchgehend ein für einen US-Film erstaunliches Sprachgemisch aus Italienisch, Spanisch, Englisch und Latein. In den ersten Minuten wird bis auf ein, zwei Sätze nur italienisch gesprochen. Auch Russell Crowe, der als Amorth in Tropea, einem Dorf in Kalabrien, zu einem Exorzismus gerufen wurde, redet italienisch.

Am Ende bleibt nach hundert Minuten Teufelsaustreibung nur der übliche Exorzismus-Quark, mit dem Katholiken sich immer herumschlagen müssen, und Russell Crowe beseelt eine Lambretta Scooter durch Rom und Spanien fahrend.

The Pope’s Exorcist (The Pope’s Exorcist, USA 2023)

Regie: Julius Avery

Drehbuch: Michael Petroni, Evan Spiliotopoulos (nach einer Geschichte von Michael Petronik R. Dean McCreary, Chester Hastings)

LV: Pater Gabriele Amorth: Un esorcista racconta, 1990 (Ein Exorzist erzählt); Nuovi racconti di un esorcista, 1992 (Neue Berichte eines Exorzisten)

mit Russell Crowe, Daniel Zovatto, Alex Essoe, Franco Nero, Peter DeSouza-Feighoney, Laurel Marsden, Cornell John

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Pope’s Exorcist“

Rotten Tomatoes über „The Pope’s Exorcist“

Wikipedia über „The Pope’s Exorcist“

Meine Besprechung von Julius Averys „Operation: Overlord“ (Overlord, USA 2018)


TV-Tipp für den 6. April: Ziemlich beste Freunde

April 5, 2023

SWR, 23.40

Ziemlich beste Freunde (Intouchables, Frankreich 2011)

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache

Drehbuch: Eric Toledano, Olivier Nakache

Ein wohlhabender, körperlich schwerbehinderter Franzose engagiert einen jungen, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Migranten als Pfleger. Dieser behandelt ihn nämlich ohne falschen Respekt.

Mit fast neun Millionen Besuchern war „Ziemlich beste Freunde“ 2012 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos.

„Charmantes Buddy-Movie (…) Konzipiert als schwungvoller Wohlfühlfilm, mangelt es ihm allerdings an Glaubwürdigkeit, zumal die Konflikte und Probleme recht naiv verharmlost werden.“ (Lexikon des internationalen Films)

2017 gab es ein hochkarätig besetztes, überflüssiges US-Remake, in dem aus der Komödie ein Drama wurde.

mit Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Molllet

Widerholung: Freitag, 7. April, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Ziemlich beste Freunde“

Moviepilot über „Ziemlich beste Freunde“

Rotten Tomatoes über „Ziemlich beste Freunde“

Wikipedia über „Ziemlich beste Freunde“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 5. April: Bis ans Ende der Welt – Director’s Cut

April 4, 2023

BR, 00.20

Bis ans Ende der Welt (Deutschland/Frankreich/Italien 1991)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Peter Carey, Wim Wenders (nach einer Originalidee von Wim Wenders und Solveig Dommartin)

1999 (also damals in der Zukunft): eine nuklearer Satellit verläßt seine Umlaufbahn und er könnte das Ende der Welt bedeuten. Während die Menschheit auf ihr Ende wartet, verfolgt eine Frau einen Mann über den halben Globus bis nach Australien. Er zeichnet mit einer Spezialkamera Bilder auf, die Blinde sehen können.

Das ist etwas für die Nachteulen (und den Recorder): Wim Wenders Epos „Bis ans Ende der Welt“ in der selten gezeigten Langfassung, dem Director’s Cut. Diese lief laut OFDB lief der Film bis jetzt zweimal im Fernsehen. 2005 zeigte EinsFestival diese Fassung des Films. 2015 zeigte ihn das ZDF weit nach Mitternacht. Auch in der kürzeren Kinofassung gehört „Bis ans Ende der Welt“ zu seinen selten gezeigten Werken.

1991 lief im Kino eine dreistündige Fassung, die nicht so gut ankam, die ich aber, bei all ihren Schwächen, faszinierend finde.

„In ‚Bis ans Ende der Welt‘ synthetisiert Wenders zahlreiche traditionelle Filmgenres wie Science-Fiction, Romanze, Abenteuer-, Kriminal- und Musikfilm zu einer Art Gesamtkunstwerk, zu dem prominente Musiker und Bands von Peter Gabriel über Patti Smith und U2 bis zu den Talking Heads Exklusivsongs komponiert haben. Sein Stammkameramann Robby Müller hat dazu wieder brillante Bilder, vor allem von den grandiosen australischen Landschaften, eingefangen. (…) Bei allem Respekt für die enorme Kraftanstrengung bleibt am Ende doch ein zwiespältiger Eindruck, der sich vielleicht durch die Langfassungrevidieren läßt.“ (Fischer Film Almanach 1992)

„Wenders bleibt der Regisseur, der mit jedem neuen Projekt viel wagt. Trotz aller Widersprüche ist ‚Bis ans Ende der Welt‘ ein Film, der sich aus der Kinolandschaft als ein wichtiger Versuch heraushebt, wenn mit ihm auch nicht der erhoffte große Entwurf und Abschluß gelungen ist. Am Ende ist die größte Sensation des Films: daß es ihn tatsächlich gibt.“ (Stefan Kolditz: Bis ans Ende der Welt, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Wim Wenders, 1992)

Immerhin hatte Wenders das Projekt bereits 1977 nach „Der amerikanische Freund“ begonnen. Das Budget betrug 23 Millionen Dollar (sein damals und wahrscheinlich immer noch teuerster Film). Der Film wurde auf vier Kontinenten an 120 Drehtagen gedreht und 600 Menschen waren beteiligt.

Erst zehn Jahre später veröffentlichte Wenders die gut fünfstündige Fassung, die heute gezeigt wird, und die auch die ursprüngliche und schon beim Kinostart angekündigte Fassung ist.

Mit Solveig Dommartin, Chick Ortega, Eddy Mitchell, Ernie Dingo, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler, Elena Smirnowa, Lois Chiles, Jeanne Moreau, Max von Sydow

Hinweise

Filmportal über „Bis ans Ende der Welt“

Rotten Tomatoes über „Bis ans Ende der Welt“

Wikipedia über „Bis ans Ende der Welt“ (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. April: Verleugnung

April 3, 2023

HR, 23.55

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 3. April: Mona Lisa

April 2, 2023

Arte, 21.55

Mona Lisa (Mona Lisa, Großbritannien 1986)

Regie: Neil Jordan

Drehbuch: Neil Jordan, David Leland

Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Kleinganove George (Bob Hoskins) darf als Gnadenbrot die Highclass-Prostituierte Simone (Cathy Tyson) durch das nächtliche London zu ihren kutschieren. Zwischen den Kunden kommen die beiden gegensätzlichen Charaktere sich näher. Und das sorgt für Probleme.

Grandioser, sehr selten gezeigter Neo-Noir-Gangsterfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Bob Hoskins, Cathy Tyson, Michael Caine, Robbie Coltrane, Clarke Peters

Hinweise

BFI Screenonline über „Mona Lisa“

Rotten Tomatoes über „Mona Lisa“

Wikipedia über „Mona Lisa“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über „Mona Lisa“ (13. Juni 1986, nicht so begeistert)

Meine Besprechung von Neil Jordans „Mona Lisa“ (Mona Lisa, Großbritannien 1986)

Meine Besprechung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ (The Brave One, USA 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ gibt es nur im Kino

April 2, 2023

Lange, sehr lange, ungefähr seit 2013 war ein Reboot von „Dungeons & Dragons“ im Gespräch. Davor war das erfolgreiche Pen-&-Paper-Rollenspiel bereits die Vorlage für drei zwischen 2000 und 2012 entstandene und inzwischen vergessene Spielfilme. Danach wanderte das Projekt durch zahlreiche Hände, bis Jonathan Goldstein und John Francis Daley, die vorher „Vacation – Wir sind die Griswolds“ (Vacation, USA 2015) und „Game Night“ (Game Night, USA 2018) inszenierten, den Zuschlag erhielten. Gedreht wurde „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ von April bis August 2021 in Island und Nordirland. Der angekündigte Starttermin wurde mehrmals verschoben.

Entsprechend groß ist natürlich die Skepsis. Mehrmalige Startterminverschiebungen deuten oft auf Probleme hin. Und dann gibt es noch die Fans des Spiels, die sich schaudernd an die vielen misslungenen Spieleverfilmungen erinner. Auch Filmfans, die das zugrunde liegende Spiel nicht kennen, können mühelos etliche Spieleverfilmungen aufzählen, die einfach schlechte Filme sind. Wie, um ein halbwegs aktuelles Beispiel zu nennen, Justin Kurzel hochkarätig besetztes Desaster „Assassin’s Creed“ (Assassin’s Creed, USA 2016).

Glücklicherweise ist „Dungeons & Dragons“: Ehre unter Dieben“ ein ganz okayer, unterhaltsamer und sich nicht allzu ernst nehmender Film. Ob es eine gute Verfilmung des Spiels ist, kann ich nicht sagen, weil ich das Spiel nicht kenne. Aber bis jetzt gibt es noch kein Wutgeheul von den Fans des Spiels.

Die Helden des Films sind Edgin (Christ Pine), ein Barde und ehemaliges Mitglied einer Geheimorganisation von Friedenshütern, und seine Kampfgefährtin Holga (Michelle Rodriguez), eine kampferprobte und kampffreudige Barbarin. Nach einem gescheiterten Einbruch sitzen sie in einem mittelalterlichen Hochsicherheitsgefängnis – äh, „Dungeons & Dragons“ spielt in einer dieser Fantasy-Welten, in denen alles nach Mittelalter aussieht, es aber einige moderne Dinge und viel Zauberei gibt.

Ihnen gelingt die Flucht aus dem Gefängnis. Von ihrem alten Kumpel Forge (Hugh Grant) wollen sie nun den ihnen zustehenden Teil der Beute haben. Er will ihn ihnen nicht geben. Außerdem konnte er in den vergangenen zwei Jahren Edgins Tochter Kira (Chloe Coleman) überzeugen, dass er ein netter fürsorglicher Onkel und Edgin ein egoistischer, seine Frau und Tochter verachtender Dieb ist. Deshalb möchte Kira bei Forge bleiben. Außerdem ist der Schlawiner Forge inzwischen der Lord von Niewinter.

In wenigen Tagen will Forge ein großes Fest feiern, zu dem auch viele andere Lords kommen. Dieses High Sun Fest mit seinen Kämpfen und Attraktionen in der Arena und der Stadt wollen Edgin und seine Freunde benutzen, um Forges bestens gesichertem Safe auszuräumen. Um ihn öffnen zu können, müssen sie sich zuerst an anderen Orten einige Dinge besorgen, die schwer zu besorgen sind.

Und los geht die Reise durch Fantasy-Land. Edgin und Holga erleben viele Abenteuer beim Zusammensuchen der für ihren Diebstahl wichtigen Utensilien, sie treffen alte Bekannte und lernen neue Kampfgefährten kennen. Dazu gehören Doric (Sophia Lillis), eine Druidin, die mühelos ihre Gestalt verändern kann und auch als Eulenbär kämpft (frag nicht, akzeptier einfach, dass es riesige Mischwesen aus Eule und Bär gibt), der halbtalentierte Magier Simon (Justice Smith) und der erheblich talentiertere Paladin Xenk (Regé-Jean Page).

Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ erzählt eine sattsam bekannte Abenteuergeschichte durchaus vergnüglich und selbstironisch, aber auch ziemlich holprig. Jede Figur und jeder Charakterzug ist bekannt. Dass Michelle Rodriguez eine kampfstarke Barbarin spielt, ist nur auf den ersten Blick eine Neuerung. Letztendlich spielt sie den treuen, gutgelaunten, für die Witze zuständigen, bulligen Freund des Helden, der sich ohne mit der Wimper zu zucken, in die nächste Schlacht wirft und für den eine zünftige Kneipenschlägerei immer eine willkommene Abwechslung vom Saufen und Fressen ist. Ob Mann, ob Frau ist egal.

Das gleich gilt aüf die anderen Figuren.

Die Story folgt ebenfalls den vertrauten Pfaden, in denen an verschiedenen Orten verschiedene Dinge besorgt werden müssen und die Figuren auf ihrer Reise viele Abenteuer erleben. Sie folgt auch der Dramaturgie eines Spiels, bei dem hinter jeder Karte eine neue Überraschung wartet.

Die in „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ erzählte Geschichte selbst ist dann schlechte Fantasy. Regeln werden immer so benutzt, wie sie gerade passen. Da ist ein Portal zur Hand, wenn es gerade benötigt wird. Da hilft mal ein Zauberspruch, mal hilft er nicht. Und wenn alle Stricke reißen, fällt einer Figur spontan ein neuer Zauberspruch ein. Figuren können sich immer dann unsichtbar machen, wenn der Drehbuchautor es so will. Gesetze und Regeln werden bei Bedarf einfach ignoriert.

Es gibt, natürlich, viel CGI. Vor allem das Finale ist eine einzige CGI-Schlacht. Auch davor gibt es überreichlich im Computer hergestellte Effekte.

Immerhin wurden Teile vor Ort gedreht. Diese Landschaftsaufnahmen verpassen dem Film eine nötige Portion Realismus. Auch dass die spielfreudigen Schauspieler öfter gemeinsam im Bild sind, führt zu Interaktionen, die in Superheldenfilmen, in denen jeder Schauspieler seinen Text ohne die anderen Schauspieler aufsagt, fehlen.

Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben (Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves, USA 2023)

Regie: Jonathan Goldstein, John Francis Daley

Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Michael Gilio (nach einer Geschichte von Chris McKay und Michael Gilio, basierend auf Hasbros Dungeons & Dragons)

mit Chris Pine, Michelle Rodriguez, Regé-Jean Page, Justice Smith, Sophia Lillis, Chloe Coleman, Daisy Head, Hugh Grant

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“

Metacritic über „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“

Rotten Tomatoes über „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“

Wikipedia über „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonathan Goldstein/John Francis Daleys „Vacation – Wir sind die Griswolds“ (Vacation, USA 2015)

Meine Besprechung von Jonathan Goldstein/John Francis Daleys „Game Night“ (Game Night, USA 2018)


TV-Tipp für den 2. April: Free Guy

April 1, 2023

Schwierige Entscheidung zwischen den TV-Premieren „Mulan“ (RTL, 20.15), „Free Guy“ (Pro 7, 20.15 Uhr), „Proxima – Die Astronautin“ (Servus TV, 20.15), dem selten gezeigten Klassiker „Wem die Stunde schlägt“ (Arte, 20.15) und dem „Tatort“ (ARD, 20.15). Also nehmen wir das Programm mit den meisten Osterhasen

Pro 7, 20.15

Free Guy (Free Guy, USA 2021)

Regie: Shawn Levy

Drehbuch: Matt Lieberman, Zak Penn (nach einer Geschichte von Matt Lieberman)

Guy führt ein glückliches und zufriedenes Leben als kleiner Bankangestellter in Free City. Als er sich in Molotovgirl verliebt und eine Brille aufsetzt, die er nicht aufsetzen sollte, erfährt er, dass er in einem Online-Multiplayer-Game lebt. Sein im Spiel nicht vorgesehenes erwachendes Bewusstsein gefährdet sein weiteres Leben und die Weiterexistenz des Spiels. Er und alle seine Freunde könnten den Pixeltod sterben.

TV-Premiere. Überaus unterhaltsame in zwei Welten spielende Actionkomödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jodie Comer, Ryan Reynolds, Taika Waititi, Camille Kostek, Aaron W Reed, Channing Tatum, Utkarsh Ambudkar, Joe Keery, Kimberly Howe, Matty Cardarople, Lil Rel Howery, Alex Trebek

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Free Guy“

Metacritic über „Free Guy“

Rotten Tomatoes über „Free Guy“

Wikipedia über „Free Guy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shawn Levys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011)

Meine Besprechung von Shawn Levys „Prakti.com“ (The Internship, USA 2013)

Meine Besprechung von Shawn Levys „Sieben verdammt lange Tage“ (This is where I leave you, USA 2014)

Meine Besprechung von Shawn Levys „Free Guy“ (Free Guy, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Frauke Finsterwalder, „Sisi & Ich“

April 1, 2023

Zehn Jahre nach ihrem Spielfilmdebüt „Finsterworld“, einer schwarzen Komödie über Deutschland, seziert Frauke Finsterwalder jetzt das Leben von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, bekannter als Sisi (bzw. seit den Romy-Schneider-Filmen Sissi). Das Drehbuch schrieb sie wieder mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Christian Kracht. Aber während „Finsterworld“ ein Ensemble- und Episodenfilm war, konzentriert sie sich in ihrem neuen Film, wie der Titel „Sisi & Ich“ schon verrät, auf zwei Personen: die Kaiserin Elizabeth (Susanne Wolff) und Irma, Gräfin von Sztáray (Sandra Hüller), ihre neue Hofdame. Irma ist eine mit 42 Jahren schon ältere, immer noch nicht verheiratete Frau, die unter der strengen Fuchtel ihrer Mutter steht und von ihr in diese Anstellung gedrängt wird. Sisis vorherige Hofdame begutachtet sie wie ein Stück Vieh, stellt sie ein und schickt sie sofort nach Korfu. Dort hält sich die Kaiserin mit ihrem Hofstaat auf.

Als Irma nach einer qualvollen Reise auf der Insel ankommt, entdeckt sie eine Welt, die nichts mit dem strengen Hofprotokoll zu tun hat. Graf Berzeviczy ist der einzige Mann auf der Insel. Er ist ein der Kaiserin treu ergebener, am Rand stehender, für flüssige Abläufe sorgender Diener. Das Leben der Frauen auf Korfu ähnelt dem Leben in einer freien, dauerbekifften Frauenkommune mit einem Oberhaupt, das sich wie ein von allen abgöttisch verehrter Popstar verhält. Sisi leidet an Stimmungsschwankungen, benimmt sich wie ein kleines Kind, will immer ihren Spaß haben, vergibt spontan ihre Gunst und entzieht sie genauso schnell. Jetzt schenkt sie ihre Gunst ihrer neuen Hofdame Irma. Und diese erwidert sie. Schnell entsteht eine Freundschaft, in der das Machtgefälle zwischen den beiden Frauen immer präsent ist.

Wie „Corsage“, Marie Kreutzers Sisi-Interpration, die letztes Jahr im Kino lief, interpretiert Frauke Finsterwalder Sisi und den Sisi-Mythos frei für die Gegenwart. Beide Filme konzentrieren sich auf die zweite Hälfte von Sisis Leben und enden mit ihrem Tod. Beide Filme entfernen sich immer wieder von den historisch verbürgten Fakten; wozu auch Sisis Tod gehört. In beiden Filmen gibt es bewusste Brüche. In „Corsage“ sind das moderne Gegenstände und eine auf einer Abendgesellschaft präsentierte Neuinterpretation von „As Time goes by“.

In „Sisi & Ich“ erfolgt die Modernisierung des historischen Stoffes überzeugender, gelungener und weniger störend vor allem über die Haltung der Figuren, das Spiel der Schauspieler, satirische Zuspitzungen und die Musik. Es gibt nämlich achtzehn von Frauen gespielte und gesungene Lieder, die ein gutes Mixtape ergeben. Es sind vor allem in der breitest möglichen Definition Rocksongs, die Frauke Finsterwalder nicht nach ihrer Popularität bei der breiten Masse, sondern nach ihrem Geschmack und der Stimmigkeit für den Film auswählte.

(Einschub: Es beginnt mit „Wandering Star“ von Portishead. Es folgen „Deceptacon“ von Le Tigre, „Meantime“ von Beaumont, „Things That We Do“ von Rose Melberg, „Lady with the Braid“ von Dory Previn, „Life after youth“ von Tess Parks, „Waiting“ von Alice Boman, „Sinks of Gandy“ von The Other Years, „Death a la carte“ von Would-Be-Goods, „Baby alive“ von Nina Hynes, „Angel“ von Seagull Screaming Kiss Her Kiss Her, „Festival of Kings“ von The Mark Wirtz Orchestra and Chorus, „Girlie Pop“ von Pop Tarts, „Shchedryk (Carol of the Bells)“ von Bel Canto Choir Vilnius, „Afraid“ von Nico, „Shining“ von Peace Orchestra, „Cosmic Dancer“ von Sandra Hüller [ursprünglich ein „T. Rex“-Song, aber es sollten nur Frauen singen] und, etwas Klassik muss sein, „Clara Schumann: Piano Sonata G-Minor II Adagio“ von Yoshiko Iwai.)

Nach der auf Korfu spielenden ersten Hälfte der Komödie, begibt Sisi sich auf eine Reise durch ihr Königreich, halb Europa und nach Ägypten. Dabei zeigt sie immer wieder ihr schon von Korfu bekanntes sprunghaftes, triebgesteuertes, mit den Konventionen des Hofprotokolls haderndes manisch-depressives Verhalten. Immer wieder bricht sie kurzzeitig aus dem goldenen Käfig aus. Und kehrt wieder zurück. Das ergibt eine schnell redundant werdende Aneinanderreihung des Immergleichen. Denn zwischen den zweiten und dem zehnten Ausbruchversuch aus dem Hofprotokoll ergeben sich keine neuen Erkenntnisse.

Damit reiht „Sisi & Ich“ sich in die Reihe aktueller Filme ein, die eine sehr gelungene, in sich geschlossene erste Hälfte, in der eigentlich alles gesagt wird, und eine zerfasernde, zunehmend uninteressantester werdende zweite Hälfte haben.

Sisi & Ich (Deutschland/Schweiz/Österreich 2023)

Regie: Frauke Finsterwalder

Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht

mit Sandra Hüller, Susanne Wolff, Stefan Kurt, Georg Friedrich, Sophie Hutter, Maresi Riegner, Johanna Wokalek, Sibylle Canonica, Angela Winkler, Markus Schleinzer, Anne Müller, Anthony Calf, Tom Rhys Harries, Annette Badland

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Sisi & Ich“

Moviepilot über „Sisi & Ich“

Rotten Tomatoes über „Sisi & Ich“

Wikipedia über „Sisi & Ich“ (deutsch, englisch)

Berlinale über das Werk

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ (Deutschland 2013)