Neu im Kino/Filmkritik: Knock, „Knock at the Cabin“, Mr. Shyamalan

Februar 11, 2023

Es ist ein schöner Sommertag, als zuerst einer, dann drei weitere Fremde vor einer einsam im Wald gelegenen Hütte auftauchen und energisch Einlass begehren. Bei sich haben sie archaisch anmutende Waffen, die aus einem Fantasy-Mittelalter-Rollenspiel stammen könnten. Sie begehren so lautstark Einlass, dass Eric (Jonathan Groff), Andrew (Ben Aldridge) und ihre achtjährige Adoptivtochter Wen (Kristen Cui) sofort Todesangst haben und panisch alle Fenster und Türen verbarrikadieren.

Es hilft nicht. Kurz darauf sind die vier Fremden – Leonard (Dave Bautista), der sich sanft gebende Wortführer der Truppe, Sabrina (Nikki Amuka-Bird), Adrianne (Abby Quinn) und Redmond (Rupert Grint) – in der Hütte. Wens beiden Väter sind an Stühle gefesselt und ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr. Leonard sagt ihnen, dass Alpträume ihn und seine drei Begleiter an einem bestimtmen Ort zu einer bestimmten Uhrzeit zusamengeführt hätten. Jetzt seien sie hier, um das in wenigen Stunden nahende Ende der Welt zu verhindern. Dafür muss Eric, Andrew oder Wen ein anderes Familienmitglied töten. Dieses Opfer verhindere die Apokalypse. Ein Suizid könne das Ende der Welt nicht verhindern. Es muss ein Mord sein.

Schon in diesen ersten Minuten seines neuen Horrorfilms zeigt M. Night Shyamalan mehr religiöse Sympolik als in einem religösem Traktat enthalten ist. Entsprechend müßig ist eine detaillierte Auflistung. Jedenfalls präsentieren diese vier apokalyptischen Reiter, um ihren Worten eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen, ihren Gefangenen live ausgestrahlte Fernsehberichte über die Plagen, die in den vergangenen Stunden über die Menschen hereingebrochen sind.

Eric, Ben und Wen haben davon in der Einöde, die sie ohne Internet und Fernsehen genießen wollen, nichts mitbekommen. Sie halten diese Berichte für Falschberichte, die ihnen als echte Berichte präsentiert werden. Einerseits weil bei ihnen im betont malerischen Wald von den die Welt erschütternden Katastrophen nichts zu spüren ist. Andererseits weil sie nicht glauben können, dass sich innerhalb weniger Tage alles verändert haben soll. In dem Moment halten sie die vier Eindringlinge vor allem für durchgeknallte religiöse Spinner, die ein perverses Spiel mit ihnen treiben. Sie könnten sich auch in einen Alptraum befinden, aus dem sie irgendwann aufwachen. Das ist, soviel kann verraten werden, nicht der Fall. M. Night Shyamalan ist seit „The sixth Sense“ zwar für seine überraschende Enden bekannt, aber banale Es-war- nur-ein-böser-Traum-Enden lehnt er ab.

Doch egal warum die vier Eindringlinge tun, was sie tun, sie meinen es tödlich ernst. Sie sind sogar bereit, für ihren Glauben zu sterben.

Shyamalan erzählt diese rabenschwarze Geschichte mit spürbarer Lust an überraschenden Wendungen, die alle auf eine katastrophale Entscheidung hinauslaufen. Denn was ist schlimmer: einen geliebten Menschen ermorden oder für das Ende der Menschheit verantwortlich zu sein? Genau auf diese Frage konzentriert Shyamalan sich in seinem mit religiösen Anspielungen vollgestopftem Horrorfilm in dem eine Familie sich plötzlich in einem Alptraum befindet, der überhaupt nichts mit der normalen, realen, allseits bekannten und vertrauten Welt zu tun hat. Das ist die Welt der Twilight Zone und wie eine zu lang geratene „Twilight Zone“-Episode wirkt „Knock at the Cabin“ dann auch.

Denn trotz aller Wendungen und inszenatorischer Finessen ist der Horrorfilm vor allem eine hochgradig hypothetische Versuchsanordnung, die direkt aus einem Philosophieseminar stammen könnte.

Knock at the Cabin (Knock at the Cabin, USA 2023)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan, Steve Desmond, Michael Sherman

LV: Paul Tremblay: The Cabin at the End of the World, 2018 (Das Haus am Ende der Welt)

mit Dave Bautista, Jonathan Groff, Ben Aldridge, Nikki Amuka-Bird, Kristen Cui, Abby Quinn, Rupert Grint

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Knock at the Cabin“

Metacritic über „Knock at the Cabin“

Rotten Tomatoes über „Knock at the Cabin“

Wikipedia über „Knock at the Cabin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Glass“ (Glass, USA 2019)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Old“ (Old, USA 2021)

 


TV-Tipp für den 11. Februar: Herr Bachmann und seine Klasse

Februar 10, 2023

3sat, 20.15

Herr Bachmann und seine Klasse (Deutschland 2021)

Regie: Maria Speth

Drehbuch: Maria Speth, Reinhold Vorschneider

TV-Premiere. Absolut empfehlenswerter Dokumentarfilm über Dieter Bachmann, Lehrer an einer Gesamtschule, und wie er seine Schulklasse unterrichtet. Trotz seiner epischen Länge von dreieinhalb Stunden vergeht die Zeit wie im Flug.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Dieter Bachmann, Aynur Bal, Önder Cavdar

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Moviepilot über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Rotten Tomatoes über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Wikipedia über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Berlinale über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Meine Besprechung von Maria Speths „Herr Bachmann und seine Klasse“ (Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Just „Women Talking“ in „Die Aussprache“

Februar 10, 2023

Irgendwo im ländlichen Amerika trifft sich eine Gruppe Frauen auf dem Dachboden einer Scheune. Nur ein Mann ist bei dem Treffen zugelassen. August Epp (Ben Whishaw) soll das Treffen protokollieren. Denn die Frauen, die von Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Judith Ivey, Sheila McCarthy, Michelle McLeod, Kate Hallett, Liv McNeil, August Winter und Frances McDormand (die nur eine kleine, aber einprägsame Rolle hat), gespielt werden, können nicht schreiben. Sie wollen reden über die von Männern an ihnen verübten Vergewaltigungen und was sie jetzt tun sollen. Die Vergewaltigungen geschahen über mehrere Jahre in einer streng religiösen Gemeinde. Vergewaltigut wurden sie im Schlaf von Mitgliedern der tiefreligiösen Gemeinde. Sollen sie ihnen vergeben und weiter mit ihnen zusammen leben oder sollen sie die Gemeinde verlassen und in eine ihnen vollkommen unbekannte Welt aufbrechen?

Was diese Aussprache so erschreckend macht, ist dass sie nicht irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert, sondern fast in der Gegenwart, nämlich 2010 in den USA, spielt. Sarah Polley ließ sich für ihren neuen Film „Die Aussprache“ (Women Talking) von Miriam Toews‘ gleichnamigem Roman inspirieren. Die Inspiration für den Roman und damit auch für den Film waren Vergewaltigungen, die zwischen 2005 und 2009 in Bolivien in Manitoba in einer abgelegen liegenden äußerst konservativen mennonitischen Gemeinde geschahen. Die im Buch und Film geschilderte Aussprache ist dann, wie eine Texteinblendung am Filmanfang verrät, ein „Akt weiblicher Vorstellungskraft“, bei dem es vor allem um das Abwägen von Argumenten und Handlungsoptionen geht.

Sarah Polleys Film, für den sie auch das Drehbuch schrieb, spielt eigentlich nur in einem Raum in der Scheune. Dort sitzen die Frauen zusammen und reden miteinander. Brav werden dabei verschiedene Argumente ausgetauscht und abgewogen. Niemand unterbricht die Rednerin. Niemand schreit oder hat einen filmreifen emotionalen Ausbruch. Die Aussprache verläuft strikt nach dem Modell des herrschaftsfreien Diskurses. Die von den Frauen formulierten Argumente und Sätze gehören ins Thesentheater. In diesem Fall ist es gutes Thesentheater, aber halt auch eine Abfolge von Argumenten, die von diesen Frauen aufgrund ihres bisherigen Lebens so wohl nie gesagt würden.

Aber das stört nicht weiter in dieser klugen, umfassenden und sehr didaktisch aufgebauten Auseinandersetzung mit männlichem Machtstreben und den Möglichkeiten, die Betroffene dagegen haben. Es ist letztlich nur die Wahl zwischen gehen oder vergeben und bleiben. Die dritte Möglichkeit, nämlich bleiben und kämpfen, ist bestenfalls eine theoretische Möglichkeit. Bei diesem Gespräch sprechen die Frauen auch die Machtstrukturen innerhalb der Glaubensgemeinde an. Denn ihre Peiniger sind auch die einzigen Menschen, die dank ihres Kontakts zu Gott, ihnen den Weg in den Himmel ebnen können.

Das verfilmte Theaterstück (denn letztendlich ist es das und mit wenigen Änderungen kann es das auch werden) ist gut geschrieben und gut gespielt von einer Top-Besetzung, die hier als Ensemble agiert. Und natürlich ist das Problem, mit dem die Gläubigen konfrontiert werden, mühelos auf viele andere Situationen übertragbar.

Ärgerlich ist in „Die Aussprache“, wie bei zu vielen anderen neuen Filmen, die Farbgebung. Oder besser Nicht-Farbgebung. Immer sehen die fast vollständig farbentsättigten Bilder wie ausgewaschen an. Jede blühende Wiese wird zu einem grauen Einerlei. Die Scheune versumpft eh in einem grauen Matsch und die dunklen Kleider der Frauen sind ebenfalls matschgrau. Es sieht von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur grauenhaft, billig und erschreckend amateurhaft aus.

Die Aussprache (Women Talking, USA 2022)

Regie: Sarah Polley

Drehbuch: Sarah Polley

LV: Miriam Toews: Women talking, 2018 (Die Aussprache)

mit Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Judith Ivey, Sheila McCarthy, Michelle McLeod, Kate Hallett, Liv McNeil, August Winter, Ben Whishaw, Frances McDormand (eigentlich ein längerer Cameo, der dazu dient, den von ihr mitproduzierten Film besser zu verkaufen)

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die Aussprache“

Metacritic über „Die Aussprache“

Rotten Tomatoes über „Die Aussprache“

Wikipedia über „Die Aussprache“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Februar: The Nice Guys – Nett war gestern!

Februar 9, 2023

Pro 7, 22.45

The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016

Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.

Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Wiederholung: Samstag, 11. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Magic Mike: The Last Dance“ – Wirklich? Oder hoffentlich?

Februar 9, 2023

Magic Mike ist zurück und dieses Mal soll es, wie der Filmtitel verrät, sein letzter Tanz sein. Seinen ersten Auftritt hatte er 2012 in Steven Soderberghs „Magic Mike“. Channing Tatum übernahm die Hauptrolle. Matthew McConaughey, Joe Manganiello, Adam Rodriguez und Kevin Nash tanzten neben ihm. Die Geschichte spielt in Tampa, Florida, im wenig mondänem Strippermilieu in eher dritt- als zweitklassigen Bars. Soderbergh zeigt, fast wie eine Reportage, ihr Leben und das Leben von Mike Lane, der als Magic Mike die Herzen der Frauen erobert. Der Film war an der Kinokasse ein Hit und ein kulturelles Phänomen.

2015 folgte „Magic Mike XXL“. Gregory Jacobs, Soderbergs langjähriger First Assistant Director, übernahm die Regie. Reid Carolin schrieb wieder das Drehbuch. Dieses Mal geht es um die Teilnahme an einer Stripper-Convention. Dafür müssen die „Kings of Tampa“ des ersten Films wieder zusammengetrommelt werden und, in schönster Road-Movie-Tradition, den Weg zur Convention überstehen. Der Film war deutlich schlechter, aber die zahlreichen Tanzszenen sicherten den Erfolg an der Kinokasse. Und viele Schauspieler des ersten Films spielten wieder mit.

Seit 2017 gibt es die Show „Magic Mike Live“. Zuerst in Las Vegas. Danach wurde in anderen Städte rund um den Globus getanzt.

Für den dritten und wie es heißt letzten „Magic Mike“-Film übernahm Steven Soderbergh wieder die Regie. Das Drehbuch ist wieder von Reid Carolin. Und Channing Tatum spielt wieder die Hauptrolle. Trotzdem unterscheidet sich „Magic Mike: The Last Dance“ vollkommen von seinen beiden Vorgängern, die sich auch vollkommen voneinander unterschieden.

Mike lebt immer noch in Südflorida. Mit dem Tanzen hat er aufgehört. Seine Schreinerei, die sein großer Traum war, existiert nicht mehr. Stattdessen arbeitet er als Barkeeper. Bei seiner Arbeit trifft er Maxandra ‚Max‘ Mendoza (Salma Hayek). Sie erfährt auf der Party von seinen tänzerischen Fähigkeiten und bietet ihm viel Geld an, damit er sie nach London begleitet. Mike ist einverstanden. Sein aktueller Job ist nur ein schlecht bezahlter Job.

In London quartiert sie ihn bei sich in ihrer riesigen Villa ein. Er soll innerhalb weniger Wochen in ihrem Theater eine Show inszenieren. Dort wird gerade ein langweiliges, in der Vergangenheit in der englischen Provinz spielendes Theaterstück gespielt. Max setzt das Stück kurzerhand ab.

Über irgendwelche Regie-Erfahrungen verfügt Mike nicht. Und nichts drängt ihn dazu, eine Show zu inszenieren. Aber Max bezahlt ihn gut. Also beginnt er, immer von ihr begleitet (und auch bekleidet), die Tänzer für eine große Strip-Show zu suchen. Auch bei den Proben und der anschließenden Genese des Stücks, das nur eine Abfolge von pseudo-erotischen Tanz-Nummern ist, ist sie dabei.

Währenddessen beobachten ihn Max‘ Diener Victor (Ayub Khan Din) und ihre Tochter Zadie Rattigan (Jemelia George) amüsiert herablassend. Sie lassen ihn immer spüren, dass er in ihrem Haus, wie ein Haustier, nur ein kurzes Gastspiel geben wird. Denn Max hat immer wieder ambitionierte künstlerische Projekte, die lange vor iher Vollendung aus nichtigen Gründen scheitern. Das ist ihre Art, etwas von ihrem vielen Geld zu verbrennen.

Salma Hayek spielt Max als eine hoffnungslos überspannte Frau, deren Stimmung sich jederzeit ändern kann. Nach den beiden „Killer’s Bodyguard“-Thrillerkomödien scheint sie Gefallen an so durchgeknallt psychotischen, durchgehend übertrieben agierenden Frauen gefunden zu haben. Dagegen stolpert Channing Tatum mit ungläubigem Blick über das Agieren seiner reichen Gönnerin durch den Film. Sie gibt an einem Nachmittag mehr Geld aus, als er in einem Jahr verdient.

Seine alten Kumpels tauchen in einem kurzen Zoom-Meeting auf. Sie erzählen zwei, drei Sätze von ihrem Leben und aktuellen Plänen, ehe sie Mike viel Glück bei seinem neuen Projekt wünschen. So wird, neben dem Hauptdarsteller und den Tänzen, immerhin etwas Kontinuität zu den ersten beiden Filmen hergestellt.

Die Story kann kaum eine Geschichte genannt werden. Sie ist eine lieblose Abfolge improvisierter Szenen, in denen Salma Hayek dem Affen ordentlich Zucker gibt. Die Auswahl der Tänzer und die Proben werden als eine immer wieder von Spielszenen unterbrochene Montage gezeigt.

Diese Tanzszenen, wozu auch die Auswahl der Tänzer für die Show in London gehören, werden weitgehend ohne Schnitte und als Totale präsentiert. So können ihre tänzerischen Fähigkeiten ausgiebig bestaunt werden. Es sind Tänzer aus den „Magic Mike“-Live-Shows.

Am Ende von „Magic Mike: The Last Dance“ gibt es dann endlich die von der ersten Minute an versprochene große Tanzshow. In dem Moment wird gezeigt, weshalb frau (man?) sich einen „Magic Mike“-Film ansieht: tanzende, sich dabei ausziehende und sexuell eindeutige Gesten und Bewegungen machende gut gebaute Männer. Angefeuert werden sie dabei von einer Hundertschaft wie Teenager kreischender Frauen.

In dem Moment ist der Film endlich bei sich angekommen. Bis dahin überzeugte er höchstens als eine gigantische Verschwendung von Zeit und Geld, der eine unglaubwürdige Geschichte mit unglaubwürdigen Figuren in einem unglaubwürdigem Setting uneinheitlich erzählt. „The Last Dance“ ist der mit Abstand schlechteste Film der Trilogie. Und auch einer von Steven Soderberghs misslungensten Filmen.

Magic Mike: The Last Dance (Magic Mike’s Last Dance, USA 2023)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Reid Carolin

mit Channing Tatum, Salma Hayek (im Film als Salma Hayek Pinault), Ayub Khan-Din, Jemelia George, Juliette Motamed, Vicky Pepperdine

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Magic Mike’s Last Dance“

Metacritic über „Magic Mike’s Last Dance“

Rotten Tomatoes über „Magic Mike’s Last Dance“

Wikipedia über „Magic Mike’s Last Dance“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gregory Jacobs‘ „Magic Mike XXL“ (Magic Mike XXL, USA 2015)


TV-Tipp für den 9. Februar: Mackie Messer – Brechts Dreigroschefilm

Februar 8, 2023

Weil Bertold Brecht am 10. Februar 1898 das Licht der Welt erblickte:

SWR/SR, 00.50

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Deutschland 2018)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.

Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Moviepilot über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Wikipedia über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 8. Februar: Gesicht der Erinnerung

Februar 7, 2023

ARD, 20.15

Gesicht der Erinnerung (Deutschland 2022)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Norbert Baumgarten

Vor zwanzig Jahren starb Christinas große Liebe Jacob bei einem Autounfall. Jetzt hat sich die 36-jährige in den deutlich Jahre jüngeren Patrick verliebt. Schnell glaubt sie, dass Patrick eine Reinkarnation von Jacob ist.

TV-Premiere des neuen Films von Dominik Graf. Seine Premiere hatte das Drama beim Filmfest München. Beim Festival des deutschen Films wurde das Drehbuch ausgezeichnet.

mit Verena Altenberger, Alessandro Schuster, Florian Stetter, Judith Altenberger, Maria Preis

Wiederholung: Donnerstag, 9. Februar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ARD über „Gesicht der Erinnerung“

Filmportal über „Gesicht der Erinnerung“

Wikipedia über „Gesicht der Erinnerung“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Cover der Woche

Februar 7, 2023

Weil Pro 7 die Vorlage für dieses gute Buch am Freitag, den 10. Februar, um 22.45 Uhr (und 03.25 Uhr) zeigt.


Neu im Kino/Filmkritik: „Aus meiner Haut“ in deine Haut – und in die nächste Haut

Februar 7, 2023

Leyla (Mala Emde) und ihr Freund Tristan (Jonas Dassler) fahren auf eine einsam gelegene Insel. Leyla will dort ihre Jugendfreundin Stella besuchen. Als sie sie treffen, ist Leyla erfreut und Tristan erstaunt. Denn Stella ist keine junge Frau, sondern ein alter Mann (Edgar Selge), der wie ein gesetzter Hippie-Guru wirkt. Nett, etwas schrullig, aber weitgehend harmlos. Auf der Insel lebt er mit seinen Jüngern in einer Mischung aus sich selbst versorgender Landkommune und Nobelhotel mit echter vorindustrieller Bauernhofambiente.

Neben Leyla und Tristan sind zahlreiche weitere Gäste auf der Insel. Sie sind alle wegen einem von Stella durchgeführtem Körpertausch-Ritual gekommen. Und das mit dem Körpertausch ist wortwörtlich zu verstehen. Immer tauscht ein Paar mit einem anderen, zufällig ausgelostem Paar, wobei die Frau mit der anderen Frau und der Mann mit dem anderen Mann tauscht. Dieser Tausch wird nach einer bestimmten Zeit rückgängig gemacht. Außer die Betroffenen wollen den Tausch früher oder überhaupt nicht rückgängig machen.

Wie der Tausch vonstatten geht, erklärt Alex Schaad in seinem Langfilmdebüt nicht weiter. Er zeigt nur, wie die Menschen einzeln in ein Wasserbecken steigen, von dem nur ein kleiner Teil zu sehen ist. Im nächsten Bild sind sie im anderen Körper. Angesichts der Häufigkeit und der Schnelligkeit, in der im Film Körper getauscht werde, kann dieses Körpertausch-Ritual nicht besonders zeitaufwändig oder schmerzhaft sein. Es ist aber in jedem Fall eine interessante, manchmal auch verstörende Erfahrung, im Körper eines anderen Menschen zu sein.

Bei der nun folgenden Abfolge von Körpertäuschen – so wird laut Presseheft Leyla von vier Schauspielern gespielt – geht dann schnell der Überblick darüber verloren, wer gerade in welchem männlichen oder weiblichem Körper steckt, wer mit wem Geschlechtsverkehr hat, was das für die eigene Identität bedeutet und warum uns das gerade bei diesem Geist interessieren sollte. Im Gegensatz zu anderen Körpertauschfilmen wie, um nur zwei zu nennen, „Face/Off“ (ein Polizist und ein Terrorist, der einen Anschlag plant, tauschen ihre Körper) oder „Freaky“ (ein weiblicher Teenager und ein Serienkiller tauschen ihre Körper und nach 24 Stunden kann der Tausch nicht wieder rückgängig gemacht werden) geht es in „Aus meiner Haut“ wegen der schieren Menge der Tauschvorgänge letztendlich um nichts. Hier werden männliche und weibliche, junge und alte Körper wie Kleider in einem Kaufhaus ausprobiert, bis am Ende eines passt. Oder auch nicht.

Mit jedem weiteren folgenlosen Tausch in einen anderen Körper erlahmt daher das Interesse. Die guten Schauspieler, die hier immer mehrere Figuren spielen dürfen, die schöne Location und die fantastische Prämisse mit den in diesem Fall damit verknüpften, aber nicht konsequent vertieften philosophischen Fragen von Körper und Identität ändern daran nichts.

Aus meiner Haut (Deutschland 2022)

Regie: Alex Schaad

Drehbuch: Alex Schaad, Dimitrij Schaad

mit Mala Emde, Jonas Dassler, Maryam Zaree, Dimitrij Schaad, Edgar Selge, Thomas Wodianka

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Aus meiner Haut“

Moviepilot über „Aus meiner Haut“

Wikipedia über „Aus meiner Haut“


TV-Tipp für den 7. Februar: Tatort: Zwei Leben

Februar 6, 2023

WDR, 23.40

Tatort: Zwei Leben (Deutschland 1976)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei

Franz Scheller lebt als verheirateter Fotohändler ein beschaulich-bürgerliches Leben. Das war nicht immer so: vor zehn Jahren sagte er als Kronzeuge gegen die Mafia aus. Das FBI verschaffte ihm eine neue Identität. Jetzt klopft die Vergangenheit an seine Tür – und Kommissar Haferkamp hat einen neuen Fall.

Ein „Tatort“-Oldie

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Heinz Bennent, Gisela Uhlen, Günther Stoll, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar Finke; weil damals gab es noch Gastkommissare)

Hinweise

Tatort-Fans über „Tatort: Zwei Leben“

Wikipedia über „Tatort: Zwei Leben“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Karl-Heinz Willschrei


Die Krimibestenliste Februar 2023

Februar 6, 2023

Auch im närrischen Monat präsentiert Deutschlandfunk Kultur seine monatliche Krimibestenliste:

1) Megan Abbott: Aus der Balance

(übersetzt von Karen Gerwig und Angelika Müller)

416 Seiten

16,00 Euro

Pulp Master

2) Johannes Groschupf: Die Stunde der Hyänen

265 Seiten

16,00 Euro

Suhrkamp

3) Kenneth Fearing: Die große Uhr

(übersetzt von Jakob Vandenberg)

200 Seiten

20,00 Euro

Elsinor

4) Attica Locke: Pleasantville

(übersetzt von Andrea Stumpf)

452 Seiten

26,00 Euro

Polar

5) Tom Lin: Die tausend Verbrechen des Ming Tsu

(übersetzt von Volker Oldenburg)

304 Seiten

16,00 Euro

Suhrkamp

6) Sally McGrane: Die Hand von Odessa

(übersetzt von Diana Feuerbach)

416 Seiten

24,00 Euro

Voland & Quist

7) Tade Thompson: Fern vom Licht des Himmels

(übersetzt von Jakob Schmidt)

384 Seiten

20,00 Euro

Golkonda

8) Joe R. Lansdale: Moon Lake

(übersetzt von Patrick Baumann)

464 Seiten

26,99 Euro

Festa

9) Antoine Volodine: Einige Einzelheiten über die Seele der Fälscher

(übersetzt von Holger Fock)

320 Seiten

25,00 Euro

Edition Converso

10) Iben Albinus: Damaskus

(übersetzt von Kerstin Schöps)

512 Seiten

24,00 Euro

Hoffmann und Campe

Die ersten fünf Bücher stehen auch ganz oben auf meiner Zu-lesen-Liste.

Aktuell hat sich Johannes Groschupfs „Die Stunde der Hyänen“ vorgedrängelt. Der Grund: Auf Einladung der Krimibuchhandlung Hammett (meine liebste Kreuzberger Buchhandlung) stellt Johannes Groschupf am Mittwoch, den 15. Februar 2023, ab 19.00 Uhr im Mühlenhauptmuseum (Fidicinstraße 40, Nähe U-Bahnhof Platz der Luftbrücke, Karten: karten@muehlenhaupt.de) „Die Stunde der Hyänen“ vor. Und damit ich die Lesung pompös ankündigen kann, muss ich vorher den Krimi lesen.

Die große Uhr“ ist ein uralter, zweimal grandios verfilmter Noir. Einmal 1948 von John Farrow als „The big clock“ (mit Ray Milland und Charles Laughton). Einmal 1987 von Roger Donaldson als „No Way Out“ (mit Kevin Costner, Gene Hackman und Sean Young). Das ist die aktuell bekanntere Verfilmung. Sie läuft auch regelmäßig im Fernsehen. Erstaunlicherweise wurde Kenneth Fearings 1946 erschienener Noir-Klassiker bislang nicht ins Deutsche übersetzt. Das hat sich jetzt geändert.

Und dann will ich noch auf den „Tanzplatz der Toten“ hinweisen. Dieser jetzt in einer überarbeiteten Übersetzung wieder erschienene Krimi wird nicht auf der Bestenliste erscheinen, weil es sich um eine Neuauflage handelt und Neuauflagen nicht für die Liste empfohlen werden dürfen. Das ändert nichts daran, dass „Tanzplatz der Toten – Ein Fall für die Navajo-Police“ (Dancehall of the Dead, 1973) von Tony Hillerman ein grandioser Krimi ist. Er gehört zu einer grandiosen Serie, die in den kommenden Jahren im Unionsverlag hoffentlich vollständig erscheint.


TV-Tipp für den 6. Februar: Es geschah am hellichten Tag

Februar 5, 2023

Arte, 20.15

Es geschah am hellichten Tag (Deutschland 1958)

Regie: Ladislao Vajda

Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.

Allseits bekannter Krimiklassiker mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Siegfried Lowitz. Auch das Ausland war von dem Film begeistert: „Unter der hervorragenden Regie von Ladislao Vajda wird die Handlung pausenlos in einem unbarmherzigen und beklemmenden Tempo gesteigert und ist getragen von einem Dialog, der vor Gescheitheit blitzt und nur gelegentlich durch die, dem Dichter eigene, Melancholie gebremst wird.“ (Aufbau, New York, 1960)

Dürrenmatt war mit dem Ende des Filmes unzufrieden. Sein „Buch zum Film“ hat daher ein pessimistisches Ende

Hinweise

Wikipedia über „Es geschah am hellichten Tag“ und Heinz Rühmann

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Park Chan-wooks Noir „Die Frau im Nebel“

Februar 5, 2023

In der südkoreanischen Hafenstadt Busan verunglückt ein Hobby-Bergsteiger tödlich bei einer Klettertour. Jang Hae-joon (Park Hae-il), der ermittelnde Kommissar, vermutet schnell einen Mord. Und er vermutet, dass die jüngere Frau des Toten, die Chinesin Song Seo-rae (Tang Wei), die Täterin ist. Allerdings hat sie ein ausgezeichnetes Alibi: zur Tatzeit pflegte sie als Krankenschwester eine ältere bettlägerige Frau und sie beantwortete einen Kontrollanruf auf dem Telefon der Patientin.

Schon bei ihrer ersten Begegnung herrscht zwischen ihnen diese seltsame Anziehungskraft, die bei Noir-Fans alle Warnglocken ertönen lässt. Trotzdem verliebt Jang sich in die geheimnisvolle Femme Fatale. Der an Schlaflosigkeit leidende Ermittler beginnt sie zu beobachten und durch die nächtliche Stadt zu verfolgen.

Seit seiner Premiere in Cannes, wo „Die Frau im Nebel“ den Preis für die beste Regie erhielt, wird Park Chan-wooks Neo-Noir überall abgefeiert. Er stand auf Jahresbestenlisten, wurde für wichtige Filmpreise nominiert, erhielt bislang auch einige Preise und er dürfte noch weitere Auszeichnungen erhalten.

Trotzdem kann ich die große Begeisterung nur teilweise nachvollziehen. Denn gerade für den Noir-Fan hat das langsam erzählte Krimidrama einige unübersehbare Schwächen. Die weitgehend – Park Chan-wook variiert natürlich ein wenig – bekannte Story ist es nicht. Es sind andere Dinge.

Doch beginnen wir mit dem Positiven. Park Chan-wook inszenierte seinen melancholischen Noir überaus elegant und atmosphärisch. Auch der verschachtelte Wechsel zwischen Zeitebenen, Realität und Fantasie gefällt am Anfang. In der zweiten Hälfte des Films wird dieser ständige Wechsel zunehmend verwirrend und weniger überzeugend verwandt. Sowieso ist diese Hälfte deutlich schlechter. Sie spielt ein Jahr nach dem ersten Mord. In dem Moment, also nach ungefähr achtzig Filmminuten, ist der Mord an dem Bergsteiger aufgeklärt. Jang weiß, dass Song die Mörderin ist und er könnte sie verhaften. Er tut es nicht, aber sie klären ihr Verhältnis zueinander – und der Film könnte zu Ende sein. Aber es geht weiter. Fast eine Stunde lang gibt es eine ermüdende Abfolge zufällger Ereignisse, wie einer zufälligen Begegnung auf einem Markt in Ipo, einem weiteren Mord, in den Song wieder verwickelt ist und in dem Jang wieder der Ermittler ist, arkane Ermittlungen mit einer neuen Partnerin und einem doch etwas umständlichem, ziemlich düsterem Ende. Auch für einen Noir.

Doch das Schicksal von dem obsessiv verliebtem Kommissar und der geheimnisvollen Mordverdächtigen berührt kaum. Ihre Gefühle und Motive bleiben eher verborgen. Das von Park Chan-wook entworfene Beziehungsgeflecht zwischen ihnen ist komplex, aber vor allem ein intellektuelles Spiel. Die elegant und auch gelungene Inszenierung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass einen diese Noir-Geschichte und die Leiden der Figuren emotional kalt lassen. Eben darum ist „Die Frau im Nebel“ definitiv nicht Park Chan-wooks bester Film.

Mit gut zweieinhalb Stunden ist „Die Frau im Nebel“ außerdem eindeutig zu lang. Früher hätte ein Hollywood-Regisseur diese Noir-Geschichte über einen ehrlichen Polizisten, der sich in die falsche Frau verliebt, und einer Femme Fatale, die an ihren Taten leidet, locker in neunzig Minuten erzählt.

Zu Park Chan-wooks früheren Filmen gehören „Joint Security Areas“, „Oldboy“, „Lady Vengeance“, „I’m a Cyborg, but that’s OK“, „Stoker“, „Die Taschendiebin“ und die John-le-Carré-Miniserie „Die Libelle“.

Die Frau im Nebel (Heojil Kyolshim, Decision to leave [internationaler Titel], Südkorea 2022)

Regie: Park Chan-wook

Drehbuch: Park Chan-wook

mit Tang Wei, Park Hae-il, Lee Jung-hyun, Go Kyung-pyo, Park Yong-woo, Jung Yi-seo

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Frau im Nebel“

Metacritic über „Die Frau im Nebel“

Rotten Tomatoes über „Die Frau im Nebel“

Wikipedia über „Die Frau im Nebel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks “Stoker” (Stoker, USA 2012)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ (The Handmaiden, Südkorea 2016)


TV-Tipp für den 5. Februar: Deepwater Horizon

Februar 4, 2023

Sat.1, 22.35

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die darauf folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Wiederholung: Montag, 6. Februar, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Peter Bergs „Mile 22“ (Mile 22, USA 2018)


TV-Tipp für den 4. Februar: Loving

Februar 3, 2023

3sat, 23.15

Loving (Loving, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

LV: Nancy Buirski: The Loving Story, 2011 (Dokumentarfilm)

Mildred Jeter und Richard Loving lieben sich. Sie heiraten – und weil sie unterschiedliche Hautfarben haben, ist das in Virginia, wo gemischtrassige Heiraten verboten sind, ein Verbrechen, das mit Haft und Verbannung geahndet wird.

Jeff Nichols erzählt die Geschichte, die am 12. Juni 1967 zu dem einstimmigen Urteil des Obersten Gerichtshofs führt, das ein Verbot von Eheschließungen aufgrund von Rassenmerkmalen für verfassungswidrig erklärt. Seitdem wird in den USA, teils als Feiertag, der Loving Day gefeiert.

Klassisches Hollywood-Erzählkino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joel Edgerton, Ruth Negga, Marton Csokas, Nick Kroll, Terri Abney, Alano Miller, Jon Bass, Christopher Mann, Sharon Blackwood, Michael Shannon

Hinweise

Moviepilot über „Loving“

Metacritic über „Loving“

Rotten Tomatoes über „Loving“

Wikipedia über „Loving“ (deutsch, englisch)

History vs Hollywood über „Loving“

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Midnight Special“ (Midnight Special, USA 2015)

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Loving“ (Loving, USA/Großbritannien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Gerad Butler fliegt ein „Plane“ und kämpft gegen Geiselnehmer

Februar 3, 2023

Schon vor dem Start hat Pilot Brodie Torrances (Gerard Butler) ein mulmiges Gefühl. Nicht wegen der überraschenden Mitnahme von Louis Gaspare (Mike Colter). Gaspare ist ein Mörder, der jetzt von einem Gefängnis in ein anderes Gefängnis gebracht werden soll. Der hat Handschellen an und wird von einem FBI-Agenten bewacht. Der sollte ihm während des Flugs keine Probleme bereiten. Brodie ist beunruhigt wegen eines heraufziehenden Sturms. Durch ihn muss er fliegen, weil die Fluggesellschaft das Benzin für einen Umweg sparen will.

Dieser Sparplan geht schief. Der Sturm zerstört die Elektronik des Passagierflugzeugs. Die Triebwerke fallen aus. Die Maschine stürzt ab.

Zum Glück entdecken Brodie und sein Co-Pilot eine Insel, auf der sie eine Notlandung versuchen. Diese gelingt.

Dummerweise ist das notgelandete Flugzeug fluguntauglich und die Funkanlage funktioniert nicht mehr. Niemand weiß, wo sie sind.

Brodie – ein Mann mit besonderen Fähigkeiten – und Louis – ein Mann mit ‚a very particular set of skills‘, wie Brodie nach einem Blick in Louis‘ Handgepäck weiß – machen sich gemeinsam auf den Weg, um Hilfe zu holen. Dabei erfahren sie, dass sie auf Jolo notgelandet sind. Diese Insel wird von Piraten/Terroristen beherrscht, die so schlimm sind, dass das philippinische Militär sich nicht auf die Insel wagt. Sie sind skrupellose Verbrecher, die mit Geiselnahmen ihr Geld verdienen. Als sie von dem abgestürztem Flugzeug erfahren sind sie angesicht des erwartbaren Lösegeldes begeistert.

Weil „Plane“ einer dieser Filme ist, in denen ein, zwei mutige Einzelkämpfer locker ganze Armeen besiegen können, wissen Genrefans, wie die Begegnung für die Piraten enden wird. Insofern erfüllt dieses Gerard-Butler-Vehikel genau die Erwartungen seiner Fans. „Plane“ ist ein 80er-Jahre-Action-Thriller mit handgemachter Action und zweckdienlichen Tricks. Aber wegen der Spezialeffekte sieht sich wirklich niemand einen Film mit Gerard Butler an.

Ein Blick auf den Stab macht dann doch neugierig. Zwei Namen stechen hervor: Jean-François Richet und Charles Cumming.

Richet ist als Genreregisseur bekannt, dessen Filme immer etwas besser als die Masse der Actionfilme ist. Er drehte das durchaus gelungene John-Carpenter-Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (2005), das auf zwei Kinofilme angelegte Gangster-Biopic „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ (Mesrine: L’instinct de mort, 2008) und „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ (Mesrine: L’Ennemi public n°1, 2008) und das Mel-Gibson-Actionvehikel „Blood Father“ (2016). „Plane“ nennt er zutreffend eine „klassische Actiongeschichte mit leicht zuordenbaren Charakteren“.

Cumming ist bekannt als Autor von Spionagethrillern, die in Kritiken selbstverständlich mit den Werken von James-Bond-Erfinder Ian Fleming und George-Smiley-Erfinder John le Carré verglichen werden. Fleming und le Carré sind halt die üblichen Verdächtigen, die in so einem Fall immer genannt werden. Dessen ungeachtet sind Cummings Agentengeschichten gelungene Thriller. Vor einigen Jahren erschienen einige seiner Werke bei Goldmann in deutschen Übersetzungen. Unter anderem erschien „Die Tunis Affäre“, sein erster Roman mit dem Geheimagenten Thomas Kell, auf Deutsch. Der Roman erhielt den CWA Ian Fleming Steel Dagger und wurde zum Scottish Crime Book of the Year gewählt. Sein Drehhbuch für „Plane“ verkaufte er bereits 2015 an DiBonaventura Pictures.

Das sind Namen, die mehr als einen 08/15-Actionthriller versprechen. Und so ist es auch.Plane“ ist ein gut gemachter B-Actionthriller (bis auf die Tricks), der kurzweilig und ohne große Überraschungen knapp zwei Stunden unterhält.

Plane (Plane, USA/Großbritannien 2023)

Regie: Jean-François Richet

Drehbuch: Charles Cumming, J. P. Davis (nach einer Geschichte von Charles Cumming)

mit Gerard Butler, Mike Colter, Yoson An, Daniella Pineda, Paul Ben-Victor, Remi Adeleke, Joey Slotnick, Tony Goldwyn, Lilly Krug

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Plane“

Metacritic über „Plane“

Rotten Tomatoes über „Plane“

Wikipedia über „Plane“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Charles Cummings „Die Trinity-Verschwörung“ (The Trinity Six, 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Idioten! Ove ist „Ein Mann namens Otto“

Februar 3, 2023

Wer ein gutes Gedächtnis hat, wird schon beim Plakat gedacht haben: Das Bild und den Titel kenne ich. Und er hätte recht. Der Tom-Hanks-Film „Ein Mann namens Otto“ ist das US-Remake des schwedischen Films „Ein Mann namens Ove“. Der war vor sieben Jahren ein Hit und war, neben einigen anderen Preisen, die in diesem Zusammenhang unwichtig sind, für drei Oscars, unter anderm den Oscar als bester fremdsprachiger Film, nominiert. Spätestens in dem Moment wurde Hollywood auf ihn aufmerksam.

In dem Feelgood-Film geht es um den titelgebenden Ove/Otto, einen sechzigjährigen Witwer, der überaus pedantisch und notorisch schlecht gelaunt dafür sorgt, dass in seiner Wohneinheit alles in Ordnung ist. Da liegt kein Blatt Laub auf dem Boden. Herumstehende Fahrräder werden weggesperrt. Der Müll ist ordentlich sortiert – und wer sich nicht an die Regeln hält, wird darauf hingewiesen. Autos, die, obwohl das verboten ist, durch die Wohneinheit fahren, sind schlecht gelitten. Außerdem hält Ove/Otto fast alle anderen Menschen für Idioten.

Nach dem Tod seiner von ihm über alles geliebten Frau will er sich umbringen. Das ist leichter geplant als durchgeführt. Denn immer wenn Ove/Otto sich umbringen will, kommt etwas dazwischen. Als er sich in seiner Wohnung erhängen will, zieht gegenüber lärmend eine Familie ein. Weil Tommy nicht einparken kann, erledigt Ove/Otto dies schlecht gelaunt in wenigen Sekunden.

Danach will Tommys Frau Marisol sich bei ihm bedanken. Und Ove/Otto hat keine ruhige Minute mehr. Die hochschwangere Mexikanerin dringt – im US-Remake rücksichtsloser als im Original – in Ove/Ottos Leben ein. Ihr Mann ist Informatiker. Jede handwerkliche Tätigkeit überfordert ihn. Beim Versuch, ein Fenster zu öffnen, stürzt er von der von Ove/Otto geliehenen Leiter und landet im Krankenhaus. Einen Geschirrspüler kann er nicht anschließen. Marisol hat außerdem zwei überaus herzige Töchter, auf die Ove/Otto ab und zu aufpassen muss. Die finden den Griesgram durchaus sympathisch.

Ihr merkt schon: die Unterschiede zwischen dem Original und dem zehn Minuten längerem Remake sind minimal. Mal ist die eine Fassung, mal die andere Fassung besser. Mal ist es wirklich Geschmacksache, welche Version einem besser gefällt.

Marc Forster verlegt die Geschichte, mit einigen notwendigen Anpassungen, in die USA. Tom Hanks übernimmt die Hauptrolle. Rolf Lassgård spielte Ove im Original und er ist als schlecht gelaunter Miesepeter überzeugender. Das liegt nicht daran, dass Tom Hanks schlecht spielt. Das liegt vor allem an seinem Image als nettester Mann von Hollywood. Er ist eine allseits wohlgelittene moralische Instanz. Er ist immer freundlich und er scheint alle Menschen zu lieben.

Genau deshalb nehme ich ihm den pedantischen Stinkstiefel, den er hier spielt, nicht ab. Immer wirkt es, als müsse er sich dazu zwingen, missmutig in die Welt zu blicken. Immer wirkt es, als ob er viel lieber alle anlächeln und herzen möchte. Genau deshalb wäre ungefähr jeder andere Schauspieler geeigneter gewesen, diesen Otto zu spielen.

(Nebenbemerkung: Tom Hanks als netten Serienkiller oder Psychopathen würde ich gerne einmal sehen.)

Das gesagt ist „Ein Mann namens Otto“ ein herziges, gut gemachtes Feelgood-Movie, das auch den Fans von „Ein Mann namens Ove“ gefallen sollte.

Ein Mann namens Otto (A man called Otto, USA 2022)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: David Magee (basierend auf dem Drehbuch „En man som heter Ove“ von Hannes Holm und dem Roman von Fredrik Backman)

LV: Fredrik Backman: En man som heter Ove, 2012 (Ein Mann namens Ove)

mit Tom Hanks, Mariana Treviño, Rachel Keller, Manuel Garcia-Rulfo, Truman Hanks

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein Mann namens Otto“

Metacritic über „Ein Mann namens Otto“

Rotten Tomatoes über „Ein Mann namens Otto“

Wikipedia über „Ein Mann namens Otto“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Christopher Robin“ (Christopher Robin, USA 2018)


TV-Tipp für den 3. Februar: Der letzte der harten Männer

Februar 3, 2023

BR, 00.00

Der letzte der harten Männer (The last hard men, USA 1976)

Regie: Andrew V. McLaglen

Drehbuch: Guerdon Trueblood

LV: Brian Garfield: Gun Down, 1971 (später auch “Last hard men”)

Arizona, 1909: Halbblut Zach Provo flieht aus dem Gefängnis. Er will den Tod seiner Frau durch den pensionierten Sheriff Sam Burgade rächen. Er entführt dessen Tochter und flieht in das Navajo-Reservat. Burgade verfolgt ihn.

Im Original heißt der Spätwestern „The last hard men“. Damit ist klar, dass Provo und Burgade Geistesverwandte und, als Westerner im zwanzigsten Jahrhundert, eine aussterbende Gattung. Sam Peckinpah hat über diesen Menschenschlag einige grandiose Filme gedreht. „McLaglen gelingt es nur, die Ermattung seiner Helden auf die Zuschauer zu übertragen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Auf seiner Homepage meint Garfield (der als ungenannter Script-Doctor bei den Dreharbeiten dabei war): „The screenplay (…) was extraordinarily faithful to Garfield’s novel, but some factors that work well in a novel do not necessarily work on screen.“

Brian Garfield ist vor allem für seinen Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, 1972) bekannt. Er schrieb, teils unter verschiedenen Pseudonymen, aber auch zahlreiche weitere Western und Thriller. Weil ihm, besonders nach der Verfilmung, die Perzeption von „Ein Mann sieht rot“ und die Aussage, dass gegen Gewalt nur Gewalt hilft, nicht zufrieden war, schrieb er eine Fortsetzung von „Ein Mann sieht rot“ und mehrere Romane, in denen die Helden sich mit nicht gewalttätigen Mitteln gegen Gewalt wehren.

Mit Charlton Heston, James Coburn, Barbara Hershey, Christopher Mitchum, Michael Parks

Wiederholung: Sonntag, 5. Februar, 01.05 Uhr (Taggenau! – Nach „Spiel mir das Lied vom Tod“ um 20.15 Uhr und „Mein großer Freund Shane“ um 23.10 Uhr.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der letzte der harten Männer“

Wikipedia über „Der letzte der harten Männer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew V. McLaglens „Die Wildgänse kommen“ (The Wild Geese, Großbritannien/Schweiz 1978)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Michael Winners Brian-Garfield-Verfilmung „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, USA 1974)

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Meine Besprechung von Eli Roths Brian-Garfield-Verfilmung „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Mein Nachruf auf Brian Garfield

 


TV-Tipp für den 2. Februar: Man on Fire

Februar 1, 2023

Servus TV, 22.30

Man on Fire (Man on Fire, Italien/Frankreich 1986)

Regie: Elie Chouraqui

Drehbuch: Elie Chouraqui, Sergio Donati

LV: A. J. Quinnell: Man on Fire, 1980 (Der Söldner, Mann unter Feuer)

Ex-CIA-Agent Christian Creasy arbeitet inzwischen als Bodyguard. Sein neuester Auftrag: in Mailand soll er Samantha, die zwölfjährige Tochter einer reichen Industriellenfamilie beschützen. Als Samantha entführt wird, sucht Creasy die Entführer.

Dieses Mal läuft im TV nicht „Mann unter Feuer“ (Man on Fire, USA 2004), Tony Scotts bekannte Verfilmung von Quinnells Roman, sondern die erste, fast unbekannte Verfilmung des Romans. Sie ist sicher kein Meisterwerk, aber einen Blick wert.

Elie Chouraquis Thriller war ein Kassenflop. Den Grund sah der Fischer Film Almanach 1989 darin, „dass er Gesetze des Actiongenres unterläuft und mit gänzlich unamerikanischen Inhalten füllt. (…) Chouraquis Thema ist eine bürgerliche Welt, die durchsetzt ist von Brutalität und Gewalt, die sich stets scharf am Abgrund des Krieges bewegt. Dennoch stehen nicht Action und Selbstjustiz im Vordergrund der Geschichte, sondern ein Vater-Kind-Verhältnis.“

Mit Scott Glenn, Jade Male, Joe Pesci, Danny Aiello, Brooke Adams, Jonathan Pryce, Franco Trevisi, Laura Morante, Lou Castel

Wiederholung: Freitag, 3. Februar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Man on Fire“

Wikipedia über „Man on Fire“ (deutsch, englisch)


Noch mehr Nominierungen: Die Agatha und die Lefty Awards 2023

Februar 1, 2023

Die Edgars sind die prestigeträchtigsten Krimipreise. Aber auch die Agatha-Awards (für Krimis im Agatha-Christie-Stil, also keine bluttriefenden Szenen mit axtschwingenden Serienkillern) und die Leftys (für Krimiliebhaber, die Morde gerne weglachen) sind einen Blick wert – und sie haben inzwischen auch einen guten Ruf.

Für die Agathas sind nominiert:

Best Contemporary Novel:

Bayou Book Thief, von Ellen Byron (Berkley Prime Crime)

Death by Bubble Tea, von Jennifer J. Chow (Berkley)

Fatal Reunion, von Annette Dashofy (Level Best)

Dead Man’s Leap, von Tina de Bellegarde (Level Best)

A World of Curiosities, von Louise Penny (Minotaur)

Best Historical Novel:

The Counterfeit Wife, von Mally Becker (Level Best)

Because I Could Not Stop for Death, von Amanda Flower (Berkley)

The Lindbergh Nanny, von Mariah Fredericks (Minotaur)

In Place of Fear, von Catriona McPherson (Mobius)

Under a Veiled Moon, von Karen Odden (Crooked Lane)

Best First Novel:

Cheddar Off Dead, von Korina Moss (St. Martin’s Press)

Death in the Aegean, von M.A. Monnin (Level Best)

The Bangalore Detectives Club, von Harini Nagendra (Constable)

Devil’s Chew Toy, von Rob Osler (Crooked Lane)

The Finalist, von Joan Long (Level Best)

The Gallery of Beauties, von Nina Wachsman (Level Best)

Best Short Story:

• “Beauty and the Beyotch,” von Barb Goffman (Sherlock Holmes Magazine, February 2022)

• “There Comes a Time,” von Cynthia Kuhn (aus Malice Domestic: Mystery Most Diabolical, herausgegeben von Verena Rose, Rita Owen und Shawn Reilly Simmons; Wildside Press)

• “Fly Me to the Morgue,” von Lisa Q Mathews (aus Malice Domestic: Mystery Most Diabolical)

• “The Minnesota Twins Meet Bigfoot,” von Richie Narvaez (aus Land of 10,000 Thrills, Bouchercon Anthology 2022, herausgegeben von Greg Herren; Down & Out)

• “The Invisible Band,” von Art Taylor (aus Edgar & Shamus Go Golden, herausgegeben von Gay Toltl Kinman und Andrew McAleer; Down & Out)

Best Non-fiction:

The Life of Crime: Detecting the History of Mysteries and Their Creators, von Martin Edwards (HarperCollins)

The Handbook to Agatha Christie: The Bloomsbury Handbook to Agatha Christie, von Mary Anna Evans und J.C. Bernthal (Bloomsbury Academic)

The Science of Murder: The Forensics of Agatha Christie, von Carla Valentine (Sourcebooks)

Promophobia: Taking the Mystery Out of Promoting Crime Fiction, herausgegeben von Diane Vallere (Sisters in Crime)

Agatha Christie: An Elusive Woman, von Lucy Worsley (Pegasus Crime)

Best Children’s/YA Mystery:

Daybreak on Raven Island, von Fleur Bradley (Viking Books for Young People)

In Myrtle Peril, von Elizabeth C. Bunce (Algonquin Young Readers)

#shedeservedit, von Greg Herren (Bold Strokes)

Sid Johnson and the Phantom Slave Stealer, von Frances Schoonmaker (Auctus)

Enola Holmes and the Elegant Escapade, von Nancy Springer (Wednesday)

Die Agathas werden am Samstag, den 29. April 2023, während der Malice Domestic Conference in Maryland verliehen.

+

Und nun zu den Leftys:

Lefty for Best Humorous Mystery Novel:

Bayou Book Thief, von Ellen Byron (Berkley Prime Crime)

Death by Bubble Tea, von Jennifer J. Chow (Berkley Prime Crime)

Five Moves of Doom, von A.J. Devlin (NeWest Press)

A Streetcar Named Murder, von T.G. Herren (Crooked Lane)

Scot in a Trap, von Catriona McPherson (Severn House)

Bill Gottfried Memorial Lefty for Best Historical Mystery Novel (books set before 1970):

A Bride’s Guide to Marriage and Murder, von Dianne Freeman (Kensington)

In Place of Fear, von Catriona McPherson (Severn House)

Anywhere You Run, von Wanda M. Morris (Morrow)

Under a Veiled Moon, von Karen Odden (Crooked Lane)

The Secret in the Wall, von Ann Parker (Poisoned Pen Press)

Framed in Fire, von Iona Whishaw (Touchwood)

Lefty for Best Debut Mystery Novel:

Jackal, von Erin E. Adams (Bantam)

Don’t Know Tough, von Eli Cranor (Soho Crime)

Shutter, von Ramona Emerson (Soho Crime)

Other People’s Secrets, von Meredith Hambrock (Crooked Lane)

The Bangalore Detectives Club, von Harini Nagendra (Pegasus Crime)

Devil’s Chew Toy, von Rob Osler (Crooked Lane)

The Verifiers, von Jane Pek (Vintage)

Lefty for Best Mystery Novel (not in other categories):

Like a Sister, von Kellye Garrett (Mulholland)

Back to the Garden, von Laurie R. King (Bantam)

Dead Drop, von James L’Etoile (Level Best)

Under Lock & Skeleton Key, von Gigi Pandian (Minotaur)

A World of Curiosities, von Louise Penny (Minotaur)

Secret Identity, von Alex Segura (Flatiron)

Die Leftys werden am Samstag, den 18. März 2023, während der Left Coast Crime Konferenz in Tucson, Arizona, verliehen.

(via The Rap Sheet)