„Neues Glück“ für die Fans von Black Widow

Juni 7, 2021

Zuerst: Es gibt einen Starttermin für den „Black Widow“-Film mit Scarlett Johansson. Es ist der 8. Juli – und angesichts der aktuellen Entwicklung dürfte es dann ein ziemlich spektakuläres Abenteuer im Kino geben.

Bis dahin

können die Fans von Natasha Romanoff den Comic „Neues Glück“ lesen, der, soweit wir das in Unkenntnis der bei dem Marvel-Filmen gewohnt geheimnisumwitterten Filmgeschichte sagen können, nichts mit dem Film zu tun hat.

In der von Autorin Kelly Thompson und Zeichnerin Elena Casagrande erzählten Geschichte hat Natasha Romanoff in San Francisco ein neues Leben begonnen. Sie ist glücklich verheiratet, hat einen kleinen Sohn, einen bürgerlichen Beruf, einen neuen Namen und sie ist glücklich. Von ihren Freunden hat sie sich nicht verabschiedet. Sie ist einfach verschwunden.

Als ihre Freunde Hawkeye Clint Barton und Winter Soldier Bucky Barnes sie zufällig im Fernsehen sehen, wollen sie herausfinden, warum sie seit drei Monaten nichts mehr von ihr gehört haben. Sie entdecken, dass Natasha keinen ‚Nikita‘ gemacht hat. Sie erinnert sich nicht mehr an ihre Vergangenheit. Sie erkennt ihre alten Freunde nicht mehr.

Zusammen mit Yelena Belova wollen Clint und Bucky herausfinden, warum und von wem Natashas Gedächtnis gelöscht wurde.

Die in sich abgeschlossene Geschichte „Neues Glück“ ist ein spannender Thriller mit einer ordentlichen Verschwörung und viel Action. Vor allem wenn am Ende Natasha und ihre Freunde gegen die Bösewichter, die zuerst Natashas Gedächtnis manipulierten und sie jetzt umbringen wollen, kämpfen. Im Mittelpunkt steht allerdings die Frage, welches Leben Natasha leben möchte: ein braves, unauffälliges bürgerliches Leben mit liebendem Ehemann und Kind oder ein ungebundenes, abenteuerliches Leben, das jederzeit für sie und ihre wenigen Freunde mit dem Tod enden kann. Kelly Thompson und Elena Casagrande behandeln diese Frage immer anhand der Entscheidungen, die Natasha trifft. So geht sie eines Abends, als sie Hilfeschreie aus einer dunklen Gasse hört, in diese Gasse, sieht eine Gruppe Halbstarker, die eine Frau vergewaltigen wollen und kämpft, ohne Nachzudenken, gegen sie.

Kelly Thompson schrieb Geschichten für Captain Marvel, Deadpool, Jessica Jones, Nancy Drew und Star Wars. Elena Casagrande zeichnete Geschichten für Doctor Who, Catwoman und Angel.

In den USA erschienen bereits weitere von ihnen erzählte Abenteuer von Natasha Romanoff. In Deutschland ist der zweite von ihnen geschriebene „Black Widow“-Band für Dezember angekündigt.

Kelly Thompson/Elena Casagrande: Black Widow: Neues Glück

(übersetzt von Carolin Hidalgo)

Panini Comics, 2021

124 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Black Widow (2020): The Ties that bind # 1 – 5

Marvel, November 2020 – April 2021

Zur weiteren Vorbereitung gibt es die umfangreiche Black-Widow-Anthologie, die einen Überblick über ihre wichtigsten Comicabenteuer gibt

Black Widow: Agentin und Avenger – Die Black Widow-Anthologie

Panini, 2020

324 Seiten

29 Euro

Hinweise

Marvel über Black Widow

Wikipedia über Black Widow 

Meine Besprechung von Greg Rucka/J. G. Jones‘ „Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern“ (Black Widow (1999) # 1 – 3: The Itsy-Bitsy Spider; Black Widow (2001) # 1 – 3: Breakdown; Black Widow (2002) # 1- 3: Pale Blue Spider)

Meine Besprechung von „Black Widow: Agentin und Avenger – Die Black Widow-Anthologie“ (2020)


TV-Tipp für den 7. Juni: John Carpenter – Fürst der Dunkelheit

Juni 6, 2021

Arte, 23.55

John Carpenter – Fürst der Dunkelheit (Big John, Frankreich 2006)

Regie: Julien Dunand

Drehbuch: Julien Dunand

TV-Premiere einer schon etwas älteren spielfilmlangen Doku über John Carpenter.

Sie ist Teil einer kleinen John-Carpenter-Reihe mit der „Klapperschlange“, den „Fürsten der Dunkelheit“ (Freitag, 11. Juni, 00.15 Uhr [Taggenau!]) und der erschreckenden Erkenntnis „Sie leben!“ (Montag, 14. Juni, 21.45 Uhr).

Davor, um 22.20 Uhr, zeigt Arte John Carpenters „Die Klapperschlange“. Besser hätten sie zuerst die Doku und anschließend den bekannten SF-Klassiker gezeigt.

Danach können Cineasten dranbleiben. Um 01.20 Uhr zeigt Arte die Doku „Kirk Douglas – Der Unbeugsame“ und danach, um 02.15 Uhr, „Milos Forman, ein freies Leben“ („Einer flog übers Kuckucksnest“, „Hair“, „Amadeus“, „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ [Uh, den Spielfilm zeigt Arte um 20.15 Uhr.])

mit John Carpenter, Adrienne Barbeau, Larry J. Franco, Keith Gordon, Debra Hill, Alan Howarth, Peter Jason, Nicolas Saada, Melvin Sloan, Austin Stoker, Jean-Baptiste Thoret

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 1. Februar 2022 in der Mediathek) und das Universum von John Carpenter

Wikipedia über John Carpenter (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Juni: Sing Street

Juni 5, 2021

Sixx, 20.15

Sing Street (Sing Street, Irland/USA/Großbritannien 2016)

Regie: John Carney

Drehbuch: John Carney

Dublin in den Achtzigern: Der schüchterne 15-jährige Conor verliebt sich in überirdisch schöne und unerreichbar coole Raphina. Um sie zu beeindrucken, bietet er ihr sofort eine Rolle in einem Musicclip seiner Band an. Dummerweise hat er noch keine Band und auch noch keine Freunde an der neuen Schule. Conor will alle diese Probleme lösen. Außerdem stehen seine Chancen bei Raphina gar nicht so schlecht. Denn ihr Freund hört Phil Collins.

TV-Premiere. Wunderschöner Coming-of-Age-Film, Musikfilm, Bandbiopic (einer fiktiven Schülerband), eine halbe Kulturgeschichte (vor allem die Rock- und Popmusik der achtziger Jahre) und Liebesfilm.

Mehr Begeisterung in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton, Jack Reynor, Maria Doyle Kennedy, Aiden Gillen, Kelly Thornton, Ben Carolan, Mark McKenna, Percy Chamburuka

Wiederholung: Montag, 7. Juni, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Sing Street“

Metacritic über „Sing Street“

Rotten Tomatoes über „Sing Street“

Wikipedia über „Sing Street“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carneys „Can a Song save your Life?“ (Begin again, USA 2013)

Meine Besprechung von John Carneys „Sing Street“ (Sing Street, Irland/USA/Großbritannien 2016) (und dem Soundtrack) und der DVD


Die Krimibestenliste Juni 2021

Juni 5, 2021

Welche literarischen Morde sind im Juni nach Ansicht der vom Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenliste keine Schandtaten, sondern mörderische Lesebefehle?

In der Reihenfolge ihrer Begeisterung empfehlen die Damen und Herren Krimikritiker folgende Romane, von denen viele von den üblichen Verdächtigen geschrieben wurden:

1 (1) David Peace: Tokio, neue Stadt

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Liebeskind, München 2021

432 Seiten, 24 Euro

2 (3) Colin Niel: Nur die Tiere

Aus dem Französischen von Anne Thomas

Lenos, Basel 2021

286 Seiten, 22 Euro

3 (-) Johannes Groschupf: Berlin Heat

Suhrkamp, Berlin 2021

254 Seiten, 14,95 Euro

4 (10) Kate Atkinson: Weiter Himmel

Aus dem Englischen von Anette Gruber

Dumont, Köln 2021

476 Seiten, 24 Euro

5 (6) Louisa Luna: Tote ohne Namen

Aus dem Englischen von Andrea O‘Brien

Suhrkamp, Berlin 2021

444 Seiten, 15,95 Euro

6 (-) Friedrich Ani: „Letzte Ehre“

Suhrkamp, Berlin 2021

270 Seiten, 22 Euro

7 (2) Simone Buchholz: „River Clyde“

Suhrkamp, Berlin 2021

230 Seiten, 15,95 Euro

8 (-) Sara Paretsky: Landnahme

Aus dem Englischen von Else Laudan

Ariadne im Argument Verlag, Hamburg 2021

544 Seiten, 24 Euro

9 (-) Beth Ann Fennelly/Tom Franklin: Das Meer von Mississippi

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Heyne Hardcore, München 2021

384 Seiten, 22 Euro

10 (-) Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub

Aus dem Englischen von Sabine Roth

List, Berlin 2021

458 Seiten, 15,99 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 5. Juni: Mid 90s

Juni 4, 2021

One, 21.45

Mid90s (Mid90s, USA 2018)

Regie: Jonah Hill

Drehbuch: Jonah Hill

Los Angeles, neunziger Jahre, die coole Skaterszene und wie sie ihre Tage verbummeln. Jonah Hills Regiedebüt ist ein Film wie eine Zeitkapsel.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sunny Suljic, Katherine Waterston, Lucas Hedges, Na-kel Smith, Olan Prenatt, Gio Galicia, Ryder McLaughlin, Alexa Demie, Harmony Korine

Hinweise

Moviepilot über „Mid90s“

Metacritic über „Mid90s“

Rotten Tomatoes über „Mid90s“

Wikipedia über „Mid90s“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonah Hills „Mid90s“ (Mid90s, USA 2018)


TV-Tipp für den 4. Juni: Edge of Tomorrow

Juni 3, 2021

Pro7, 20.15

Edge of Tomorrow (Edge of Tomorrow, USA 2014)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Christopher McQuarrie, Jez Butterworth, John-Henry Butterworth

LV: Hiroshi Sakurazaka: All you need is Kill, 2004

Nachdem Major Bill Cage (Tom Cruise) von den außerirdischen, scheinbar unbesiegbaren Mimics ermordet wird, hat er danach ein Erlebnis der besonderen Art. Er erlebt seine letzten Stunden vor dem Tod noch einmal – und mit der bekannten Kämpferin Rita Vrataski (Emily Blunt), die ihn zu einem Kämpfer ausbildetet, nehmen sie den Kampf auf.

Unglaublich flotter, dicht erzählter Action-Science-Fiction-Thriller mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors und einem klugen Umgang mit den Paradoxien der Zeitreise (was hier eigentlich nur eine kleine Zeitschleife ist), der etwas zu unpolitisch geraten ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Brendan Gleeson, Jonas Armstorng, Tony Way, Kick Gurry, Franz Drameh, Dragomir Mrsic, Charlotte Riley

auch bekannt als „Live.Die.Repeat.“ (mehr oder weniger der DVD-Titel)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Edge of Tomorrow“

Metacritic über „Edge of Tomorrow“

Rotten Tomatoes über „Edge of Tomorrow“

Wikipedia über „Edge of Tomorrow“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)


TV-Tipp für den 3. Juni: Das Ende der Wahrheit

Juni 2, 2021

Arte, 21.45

Das Ende der Wahrheit (Deutschland 2019)

Regie Philipp Leinemann

Drehbuch: Philipp Leinemann

BND-Mitarbeiter Martin Behrens will herausfinden, warum seine heimliche Geliebte, die investigative Journalistin Aurice Köhler, bei einem Bombenanschlag auf ein Münchner Café starb. Denn es ist möglich, dass sie wegen seiner Arbeit und Informationen, die sie von ihm erhielt, gezielt ermordet wurde.

TV-Premiere. Gelungener deutscher Polit-Thriller mit zahlreichen vertrauten Wendungen und einem arg naiven Helden. Immerhin ist der BND-Zentralasienexperte Behrens knietief in den Kampf gegen den Terrorismus verwickelt. 

mit Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Katharina Lorenz, Claudia Michelsen, Axel Prahl, Antje Traue, August Zirner

Hinweise

Filmportal über „Das Ende der Wahrheit“

Moviepilot über „Das Ende der Wahrheit“

Wikipedia über „Das Ende der Wahrheit“


TV-Tipp für den 2. Juni: Das ewige Leben

Juni 1, 2021

3sat, 23.25

Das ewige Leben (Österreich 2015)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas

LV: Wolf Haas: Das ewige Leben, 2003

Jetzt ist schon wieder was passiert und der Brenner muss wieder ermitteln. Dieses Mal in seinem Geburtsort.

Der vierte Brenner-Film zeigt den Privatdetektiv ganz unten. Aber Aufgeben tut er nicht und wir bekommen einen weiteren höchst vergnüglichen Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, Margarethe Tiesel, Christopher Schärf, Sasa Barbul, Johannes Silberschneider, Wolf Haas (Cameo)

Die selbstverständlich lesenswerte Vorlage

Haas - Das ewige Leben - Movie-Tie-In

Wolf Haas: Das ewige Leben
dtv, 2015
208 Seiten
8,95 Euro

Erstausgabe
Hoffmann und Campe Verlag, 2003

Hinweise

Film-Zeit über „Das ewige Leben“

Moviepilot über „Das ewige Leben“ 

Wikipedia über „Das ewige Leben“

Krimi-Couch über Wolf Haas

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Wikipedia über Wolf Haas

Meine Besprechung von Wolf Haas’ “Brenner und der liebe Gott” (2009)

Meine Besprechung von Wolf Haas‘ „Brennerova“ (2014)

Meine Besprechung von Wolfgang Murnberges „Das ewige Leben“ (Österreich 2015)


Cover der Woche

Juni 1, 2021


George Orwells Klassiker „1984“ und „Farm der Tiere“ neu übersetzt – und als Graphic Novel

Juni 1, 2021

Das nennt man wohl Nachruhm: auch wer „Farm der Tiere“ und „1984“ nicht gelesen hat, dürfte beide Geschichten und ihre Aussage halbwegs kennen. In „Farm der Tiere“ übernehmen die Tiere eine Farm. Die Utopie, dass alle Tiere gleich sind verändert sich immer mehr zu einer Gesellschaft, in der einige Tiere gleicher sind und die Schweine über den Hof und die anderen Tiere herrschen. In „1984“ beschreibt George Orwell eine Negativutopie, in der der Große Bruder über alles wacht, Neusprech unsere Sprache abgelöst hat, die Wahrheit endlos manipuliert wird und es keine Beziehungen mehr gibt. Da verliebt sich Winston Smith, Mitarbeiter im Ministerium der Wahrheit und für die Berichtigung der Vergangenheit zuständig, in seine Arbeitskollegin Julia. Gemeinsam beginnen sie gegen das ihr Leben und ihre Gedanken kontrollierende Terrorregime zu rebellieren. Es ist eine von Anfang an aussichtslose, rein private Revolte.

In beiden Büchern spricht George Orwell sich gegen den Totalitarismus aus. Damals war unüberlesbar, dass er mit dem Stalinismus abrechnete. Heute, auch weil beide Bücher als „Märchen“ und „Dystopie“, nicht ein bestimmtes totalitäres System, sondern das Funktionieren totalitärer Systeme beschreiben, drängen sich andere Vergleiche auf. So dachte ich bei der wiederholten Lektüre von „Farm der Tiere“ immer wieder an die DDR. Obwohl, als Orwell den Roman während des Zweiten Weltkriegs schrieb, es die DDR noch nicht gab und er nicht wissen konnte, wie sie sich entwickeln würde. Er wusste allerdings aus eigener Erfahrung, wie sehr sich kommunistische Bewegungen von ihren Idealen entfernen. Einige Worte und Slogans aus „1984“, wie „Big Brother is watching you“, sind Teil unserer Alltagssprache. Es gibt auch einen Big-Brother-Preis, der jährlich die größten Datenkraken auszeichnet.

Eine andere Form von Nachruhm, die auch zeigt, wie relevant diese beiden Romanen von George Orwell für die Gegenwart sind, sind die zahlreichen Neuauflagen, Übersetzungen und Interpretationen; – wobei eine Übersetzung selbstverständlich auch eine Interpretation ist. Diese sollte allerdings möglichst nahe beim Originaltext bleiben und ihn in möglichst allen Facetten und Bedeutungsebenen in eine andere Sprache übertragen. Jüngst erschienen bei Manesse und Anaconda neue Übersetzungen (es ist möglich, dass fast zeitgleich noch weitere Neuüberetzungen erschienen sind) und bei Panini und Splitter Comicversionen von „Farm der Tiere“ und „1984“.

Beginnen wir mit den Comics und kommen dann zu den Übersetzungen von Ulrich Blumenbach, Heike Holtsch (beide „Farm der Tiere“), Gisbert Haefs und Jan Strümpel (beide „1984“).

Sybille Titeux de la Croix und Amazing Ameziane haben „1984“ äußerst überzeugend in das Comicformat übertragen.

Es ist eine eigenständige Interpretation, die vom Respekt vor der Vorlage getragen ist, aber nie wie eine mit Zeichnungen aufgepeppte Zusammenfassung des in den aktuellen deutschsprachigen Ausgaben ungefähr vierhundertseitigen Romans wirkt. Sie visualisieren die Welt von „1984“, ein London, das immer noch wie das im Zweiten Weltkrieg zerbombte London mit einigen modernistischen Betongebäuden aussieht, in einem atemberaubenden Mix unterschiedlicher Zeichenstilen, ständig variierenden Panelgrößen und -anordnungen und einer unübersehbaren Tendenz zu wenigen, auf einzelnen Seiten und Doppelseiten fast schon durchgehend monochromen Farbgebung. Die Textanordnung ist ähnlich variabel. Dazwischen gibt es immer wieder Plakate, die die Regierungspoltik verkünden. Das ist, in jeder Beziehung, gleichzeitig äußerst modern und retro. Ein Meisterwerk.

Odyrs Interpretation der „Farm der Tiere“ liest sich eher wie die Reader’s-Digest-Version der kurzen Geschichte. Die Bilder, schöne meist naturalistische, seltener mild satirisch überspitzte Aquarelle, wirken wie Buchillustrationen. Die Texte wie eine gekürzte Version des Romantextes. Durch die Kürzungen entfallen dann einige Schattierungen des Romans und einige Entwicklungen erfolgen überraschend schnell. Das ist nicht wirklich schlecht, auch weil der Respekt gegenüber und die Bewunderung für die Vorlage auf jeder Seite spürbar ist, aber im Gegensatz zur überragenden „1984“-Interpretation von Sybille Titeux de la Croic und Amazing Ameziane enttäuschend.

Bei den Neuübersetzungen stellt sich natürlich die Frage, welche Ausgabe empfehlenswerter ist.

Schon auf den ersten Blick sind einige Unterschiede offensichtlich. Die Manesse—Ausgaben sind teurer, haben die bekannteren Übersetzer (Ulrich Blumenbach und Gisbert Haefs) und teils umfangreiches Bonusmaterial. Bei „1984“ handelt es sich um ein ausführliches Nachwort von Mirko Bonné und eine editorische Notiz, die auch einiges zur Übersetzung verrät. Bei „Farm der Tiere“ gibt es ebenfalls eine editorische Notiz und ein Nachwort. Dieses Mal geschrieben von Eva Menasse. Außerdem gibt es das von George Orwell 1947 geschriebene Vorwort zur ukrainischen Ausgabe von „Farm der Tiere“ und sein Essay „Die Pressefreiheit“ (The Freedom of the Press“), das ursprünglich als Vorwort des Märchens erscheinen sollte. Als das Buch wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschien, hatte der Inhalt des Essays erledigt. Es verschwand im Archiv. Erst 1972 wurde der Text im „Times Literary Supplement“ erstmals veröffentlicht. In beiden Texten schreibt Orwell über die Hintergründe der Geschichte und die komplizierte Veröffentlichungsgeschichte.

Die Anaconda-Ausgabe beschränkt sich dagegen in beiden Fällen auf den Text. D. h. wer nur die Romane von Orwell lesen und keine weiteren Informationen haben will, sollte die billigeren Anaconda-Ausgaben kaufen.

Die Übersetzungen unterscheiden sich in Details. Trotzdem gefallen mir die Manesse-Übersetzungen im direkten Vergleich und im Vergleich mit dem Original etwas besser. Vor allem die Übersetzung von Ulrich Blumenbach ist sehr gelungen. Er bleibt nah am Originaltext und überträgt ihn und Orwells Intentionen äußerst elegant ins Deutsche. Das zeigt sich beispielsweise an den Namen der drei, den Hof führenden Schweine Napoleon, Snowball und Squealer. Er hat sie eingedeutscht in Napoleon, Schneeball und Petzwutz, dessen Name „Squealer“ schon im Original eine Kritik am Denunziantentum ist.

Heike Holtsch entfernt sich dagegen in ihrer Übersetzung etwas mehr vom Originaltext. Die Namen der Tiere übersetzt sie nicht, was gerade bei Petzwutz (der in früheren Übersetzungen Quiekschnauz und Schwatzwutz hieß) schade ist.

Bei „1984“ ist es ähnlich und oft nur eine Frage, welche Interpretation man bevorzugt. Also ob man lieber „Freiheit ist Knechtschaft“ (Haefs) oder „Freiheit ist Sklaverei“ (Strümpel) oder ob man lieber „Der Große Bruder beobachtet Dich“ (Haefs) oder, doch etwas verharmlosend im Neusprech, „Der Große Bruder wacht über Dich“ (Strümpel) liest. Persönlich würde ich im direkten Vergleich die Übersetzung von Haefs bevorzugen, weil er etwas näher an der Nachkriegssprache und dem damaligen Denken ist. Aber in einigen Stunden könnte ich mich für die Strümpel-Übersetzung entscheiden.

Aber letztendlich sind alle Übersetzungen gelungen. Trotzdem würde ich bei der „Farm der Tiere“, allein schon wegen des Bonusmaterials, die Manesse-Ausgabe empfehlen.

Die verschiedene Akzente setzenden Covers sind ebenfalls alle äußerst gelungen.

Odyr: Farm der Tiere – Die Graphic Novel

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini Comics, 2021

176 Seiten

25 Euro

Originalausgabe

A revolucao dos bichos

2018

Sybille Titeux de la Croix/Amazing Ameziane: 1984

(übersetzt von Harald Sachse)

Splitter, 2021

232 Seiten

29,80 Euro

Originalausgabe

1984

Editions du Rocher, 2021

George Orwell: Farm der Tiere – Ein Märchen

(übersetzt von Ulrich Blumenbach)

Manesse, 2021

192 Seiten

18 Euro

George Orwell: Farm der Tiere – Ein Märchen

(übersetzt von Heike Holtsch)

Anaconda, 2021

144 Seiten

4,95 Euro

Originalausgabe

Animal Farm. A Fairy Story

Martin Secker & Warburg Ltd., 1945

George Orwell: 1984

(übersetzt von Gisbert Haefs)

Manesse, 2021

448 Seiten

22 Euro

George Orwell: 1984

(übersetzt von Jan Strümpel)

Anaconda, 2021

400 Seiten

6,95 Euro

Originalausgabe

Nineteen Eighty-Four

Martin Secker & Warburg Ltd., 1949

Hinweise

Homepage von Amazing Ameziane

Wikipedia über George Orwell (deutsch, englisch), „Farm der Tiere“ (deutsch, englisch) und „1984“ (deutsch, englisch)

Die Zukunft redet mit den Übersetzern


TV-Tipp für den 1. Juni: Limbo

Mai 31, 2021

ARD, 22.50

Limbo (Deutschland 2019)

Regie: Tim Dünschede

Drehbuch: Anil Kizilbuga

TV-Premiere. Formal beeindruckender Uni-Abschlussfilm. Tim Dünschede erzählt die Geschichte ohne einen Schnitt. Dummerweise ist die Gangstergeschichte (es geht um eine Compliance-Managerin, die unsaubere Zahlungen entdeckt, einen Undercover-Polizisten, der ein Geldwäsche-Netzwerk enttarnen soll und um illegale Boxkämpfe) eine Ansammlung von Klischees, schlechten Entscheidungen und schlechten Dialogen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Elisa Schlott, Tilman Strauß, Martin Semmelrogge, Christian Strasser, Matthias Herrmann, Steffen Wink

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Limbo“

Moviepilot über „Limbo“

Wikipedia über „Limbo“

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Limbo“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 31. Mai: Michael Ciminos kritischer Blick auf Amerika

Mai 30, 2021

Arte, 22.05

Michael Ciminos kritischer Blick auf Amerika (Frankreich 2019)

Regie: Jean-Baptiste Thoret

Drehbuch: Jean-Baptiste Thoret

Mit seinem Debütfilm „Die Letzten beißen die Hunde“, dem mit fünf Oscars ausgezeichnetem Vietnam-Drama „Die durch die Hölle gehen“ und dem Western „Heaven’s Gate“ drehte Michael Cimino (1939 – 2016) hintereinander drei Klassiker. Dummerweise war „Heaven’s Gate“ 1980, nach seiner Premiere, auch ein gigantischer Flop. In den Reagan-Jahren wollten die Zuschauer andere Filme sehen. Außerdem haben lange, komplexe Filme es eh schwer in den USA (Ich sage nur „Es war einmal in Amerika“.). Danach war die Karriere von Cimino eigentlich vorbei. Trotzdem sind auch seine folgenden Filme „Im Jahr des Drachen“, „Der Sizilianer“, „24 Stunden in seiner Gewalt“ und „The Sunchaser“ (gut, der vielleicht am wenigsten) einen Blick wert.

Kernstück der heute erstmals im TV gezeigten Doku ist ein Roadtrip, den Regisseur Jean-Baptiste Thoret 2010 mit Michael Cimino durch den amerikanischen Westen unternahm und mit ihm über sein Leben, seine Filme und seine Sicht auf Amerika redete.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte Ciminos Debüt „Die Letzten beißen die Hunde“. Danach solltet ihr dranbleiben. Denn um 23.00 Uhr läuft John Boormans kultiger SF-Film „Zardoz“ (mit Sean Connery).

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 29. Juli 2021)

Rotten Tomatoes über Michael Cimino

Wikipedia über Michael Cimino (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. Mai: Nur eine Frau

Mai 29, 2021

HR, 20.15

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

Beeindruckendes Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur eine Frau“

Moviepilot über „Nur eine Frau“

Wikipedia über „Nur eine Frau“

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „Nur eine Frau“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 29. Mai: Wild Tales – Jeder dreht mal durch!

Mai 28, 2021

3sat, 23.15

Wild Tales – Jeder dreht mal durch! (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)

Regie: Damián Szifrón

Drehbuch: Damián Szifrón

Es gibt diese Tage, an denen man einfach genug hat und zurückschlägt. Damián Szifrón erzählt in seinem argentinischen Kinohit sechs solcher Geschichte, die alle überzeugen und nicht nachgeahmt werden sollten. „Wild Tales“ ist ein großer Spaß, der viel zu selten im Fernsehen gezeigt wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ricardo Darin, Dario Grandinetti, Oscar Martinez, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg, Maria Marull, Mónica Villa, César Bordón, Walter Donado, Ricardo Darín, Nancy Dupláa, María Onetto, Alan Daicz, Osmar Núnez, German de Silva, Diego Gentile

Hinweise

Moviepilot über „Wild Tales“

Metacritic über „Wild Tales“

Rotten Tomatoes über „Wild Tales“

Wikipedia über „Wild Tales“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damián Szifróns „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)


TV-Tipp für den 28. Mai: Das Phänomen „Blade Runner“

Mai 27, 2021

Arte, 21.50

Das Phänomen „Blade Runner“ (Deutschland 2020)

Regie: Boris Hars-Tschachotin

Drehbuch: Boris Hars-Tschachotin

Aktuell ist Arte der Sender für gehaltvolle Kino-Dokus. Heute gibt es eine brandneue, fast einstündige, informative Doku über einen bahnbrechenden Science-Fiction-Film.

Hinweise

Arte über „Das Phänomen ‚Blade Runner’“ (bis 26. Juni 2021 in der Mediathek)

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)


TV-Tipp für den 27. Mai: Another Day of Life

Mai 26, 2021

Arte, 23.35

Another Day of Life (Another Day of Life, Polen/Spanien/Belgien/Deutschland 2018)

Regie: Raúl de la Fuente, Damian Nenow

Drehbuch: Raúl de la Fuente, David Weber, Amaia Remirez

LV: Ryszard Kapuscinski: Jeszcze dzień życia, 1976 (Wieder ein Tag Leben)

TV-Premiere. Äußerst gelungene und sehenswerte Mischung aus Dokumentar- (weniger) und Animationsfilm (mehr, viel mehr), der die Erlebnisse des polnischen Journalisten Ryszard Kapuscinski 1975 in Angola schildert. Damals tobte dort ein äußerst blutig und rücksichtslos geführten Bürgerkrieg um die Unabhängigkeit des Landes. Unzählige Kriegsparteien bekämpften sich und die Weltmächte fochten dort einen weiteren Stellvertreterkrieg aus.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Another Day of Life“

Rotten Tomatoes über „Another Day of Life“

Wikipedia über „Another Day of Life“

Meine Besprechung von Raúl de la Fuente/Damian Nenows „Another Day of Life“ (Another Day of Life, Polen/Spanien/Belgien/Deutschland 2018)


Ausgezeichnete Bücher: der Wolfe- und Hammett-Gewinner „Der gekaufte Tod“ von Stephen Mack Jones

Mai 26, 2021

Ausgezeichnet mit dem Wolfe- und dem Hammett-Award. Für den Shamus-Award war „Der gekaufte Tod“ als bestes Krimidebüt nominiert. Diese Preise verraten Krimifans, dass Stephen Mack Jones einen Privatdetektivkrimi geschrieben hat und angesichts der vorherigen mit dem Shamus-, Hammett- und Wolfe-Award ausgezeichneten Krimis dürfte es sich um ein gutes Buch handeln.

Die Story selbst erinnert auf den ersten Blick an unzählige andere Privatdetektivkrimis: Ich-Erzähler August Snow wird von der vermögenden Privatbankbesitzerin Eleanore Paget gebeten, herauszufinden, wer ihr Leben und ihre Bank bedroht. Kurz darauf ist sie tot. Snow, von Schuldgefühlen geplagt, weil er ihre Ängste für unbegründet hielt, beginnt herumzuschnüffeln. Und er entdeckt, was der gestandene Krimifan erwartet: etliche Familiengeheimnisse, einige davon tödlich, illegale Geschäfte, Verbindungen zum Organisierten Verbrechen und ein FBI, das sich für Paget und ihre Bank interessiert.

Aber wie Stephen Mack Jones diese Geschichte erzählt und wie er dabei die Regeln des Genres achtet, die Klassiker zitiert und in die Gegenwart überträgt, ist dann überaus gelungen. Natürlich ist August Snow als Privatdetektiv (auch wenn er in „Der gekaufte Tod“ ohne Lizenz als Amateurdetektiv ermittelt) ein Kind von Sam Spade, Philip Marlowe, Lew Archer, etwas Mike Hammer und Spenser. Er ist Anfang Dreißig, Kriegsveteran, Ex-Polizist (weil seine Entlassung problematisch war, wurde ihm der Abschied mit 12 Millionen Dollar versüßt), Single, hat einige hilfreiche Freunde (teils bei der Polizei, teils nicht) und, jetzt kommen wir zum modernen Teil, er ist tief in seiner Community verwurzelt. Bei Snow ist es Mexicantown, der Teil von Detroit, in dem Mexikaner und Afroamerikaner leben. Sein Vater, ein Polizist, war Afroamerikaner,. Seine Mutter, eine Malerin, war Mexikanerin. Nach seiner Entlassung und einer einjährigen Weltreise lebt Snow jetzt wieder in seinem Elternhaus. Mit seinem Entlassunggeld hat er in der Straße schon einige Häuser gekauft und renoviert. Er ist ein Teil dieser Gemeinschaft und er passt auf sie auf.

Snows Erfinder, Stephen Mack Jones, hat seinen Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Ross MacDonald, Mickey Spillane und Robert B. Parker gelesen; um nur einige zu nennen, um nur die zu nennen, die allgemeim bekannt sein dürften und um ein elend langes nur den Rezensenten befriedigendes Name-Dropping zu vermeiden. Jones hat auch George Pelecanos gelesen. Genau wie Pelecanos taucht er tief in die Stadt, in der die Geschichte spielt, ein. Oft hatte ich den Eindruck, eine Mischung aus Reiseführer in die schmuddeligen Ecken Detroits und Sozialreportage zu lesen. Wie Pelecanos thematisiert Jones die sozioökonomischen Verwerfungen in den USA, die Armut, den Rassismus, die alltägliche Gewalt (schon vor dem Tod von Paget verlässt Snow seine Wohnung normalerweise mit einer Pistole in der Hand) und den Alltag der Menschen, die täglich um ihr Überleben kämpfen müssen.

Im Gegensatz zu Pelecanos entwirft Jones allerdings viel stärker die Utopie einer Gesellschaft, in der Menschen sich helfen und über Klassen-, Rassen- und Gendergrenzen hinwegblicken. In den Momenten wird Snow zu einem helfendem Engel, der eine Gemeinschaft aufbaut, die niemanden ausgrenzt. Das ist einerseits ein uralter US-Mythos, andererseits – der Roman wurde im Original 2017 veröffentlicht – ein Gegenentwurft zum Trump-Amerika.

Der gekaufte Tod“ ist ein Privatdetektivkrimi, der seine Vorbilder kennt, die Tradition behutsam weiterentwickelt und dabei dem Alltag und den Beziehungen des Helden viel Raum gibt. Das geht dann, zugegeben, etwas auf Kosten des Krimiplots. Für etwas Nachbarschaftsarbeit lässt Snow den Mordfall Paget immer wieder links liegen.

In den USA erschien Anfang Mai der dritte Kriminalroman mit August Snow. Für Nachschub ist also gesorgt.

Stephen Mack Jones: Der gekaufte Tod – Ein Detroit-Krimi

(übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)

Tropen/J. G. Cotta’sche Buchhandlung 2021

368 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

August Snow

Soho Press, New York 2017

Hinweise

Homepage von Stephen Mack Jones

Thrilling Detective über August Snow


TV-Tipp für den 26. Mai: Der Kanal

Mai 25, 2021

Arte, 23.05

Der Kanal (Kanal, Polen 1957)

Regie: Andrzej Wajda

Drehbuch: Jerzy Stefan Stawinski (nach seiner gleichnamigen Erzählung)

Warschau, 1944: Nach einem gescheiterten Aufstand gegen die Deutschen versuchen einige Männer und Frauen durch die Kanalisation aus der Stadt fliehen.

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter zweiter Spielfilm von Andrzej Wajda, für den er in Cannes den Regiepreis erhielt. Danach drehte er „Asche und Diamant“, „Der Mann aus Marmor“, „Der Mann aus Eisen“, „Danton“, „Eine Liebe in Deutschland“ und „Korczak“.

Nach der angekündigten Länge könnte Arte die auch in der DDR gezeigte Originalfassung zeigen. In Deutschland lief der Film in einer um sieben Minuten gekürzten Fassung.

mit Wienczyslaw Glinski, Teresa Izewska, Tadeusz Janczar, Emil Karewicz, Wladyslaw Sheybal

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Kanal“

Wikipedia über „Der Kanal“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Mai 25, 2021


TV-Tipp für den 25. Mai: James Bond 007: Inn tödlicher Mission

Mai 24, 2021

Nitro, 20.15

James Bond: In tödlicher Mission (For your eyes only, Großbritannien 1981)

Regie: John Glen

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: For you eyes only, 1960 (Für Sie persönlich, Kurzgeschichte), Risico, 1960 (Riskante Geschäfte, Kurzgeschichte)

James Bond sucht im Mittelmeer ein verschwundenes Gerät zur Steuerung der U-Boot-Flotte, das ATAC. Es wurde von dem griechischen Millionär Kristatos geklaut, der es an die Sowjets verkaufen will.

Einer der besseren Roger-Moore-Bonds. „Variety“ hielt „In tödlicher Mission“ sogar für einen der durchgehend erfreulichsten aller bis dahin gedrehten zwölf Bond-Filme. Andere Kritiker meinten, es sei ein Remake von „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (Hm.) und eine einzige Verfolgungsjagd (Gut!) mit viel Werbung (Schlecht!). Jedenfalls kam diese Mischung dem Talent von John Glen entgegen und Roger Moore bewältigte seine Arbeit mit der Hilfe von fast fünfzig Stuntmännern.

Mit Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Chaim Topol, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: In tödlicher Mission”

Wikipedia über “James Bond: In tödlicher Mission” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte