Erstaunlich, dass diese äußerst informative Doku über den Sexfilm „Deep Throat“ erst heute seine TV-Premiere hat. Der Pornofilm wurde 1972 zu einem Massenphänomen. Die Menschen stürmten in den Film und redeten später darüber. Sittenwächter empörten sich und die Mafia, die damals die Pornokinos betrieb, zählte das Geld.
„Inside Deep Throat“ beschäftigt sich neben dem Porno, seiner Entstehung, Vermarktung und den beteiligten Personen auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund. So entstand ein flott geschnittenes Sittengemälde der frühen siebziger Jahre.
mit Linda Lovelace, Gerard Damiano, Harry Reems, Camille Paglia, Larry Flynt, John Waters, Erica Jong, Dr. Ruth Westheimer, Dick Cavett, Hugh Hefner, Norman Mailer Alan Dershowitz, Larry Parrish, Gore Vidal
Am Mittwoch, 13. Februar 2019, ab 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr) liest D. B. Blettenberg in der Buchhandlung Otherland (zwei Türen neben der Krimibuchhandlung Hammett, Ecke Friesenstraße/Bergmannstraße, Kreuzberg, Berlin) aus seinem neuen Roman „Falken jagen“, in dem Farang einen Killer von Thailand nach Griechenland verfolgt.
Den Thriller habe ich ja schon abgefeiert und D. B. Blettenberg ist ein äußerst angenehmer Gesprächspartner, der dann auch einiges über die historischen Hintergründe des Thrillers verraten kann.
Der Eintritt beträgt 5 Euro, Getränke gibt es für einen Euro und Knabberzeug für umsonst.
Pierre und Lucienne sind verliebt. Dummerweise sind beide unglücklich verheiratet und, ebenfalls dummerweise, ist er in der Loire-Kleinstadt ein sozialistischer Stadtrat und Luciennes Mann der Bürgermeister und ein Gaullist. Oh, und dummerweise kennt hier jeder jeden. Trotzdem will Pierre seine Frau umbringen.
Ein schon ewig nicht mehr gezeigter, auf einer wahren Begebenheit beruhender Chabrol-Klassiker, in dem er das französische Bürgertum attackiert.
Demnächst zeigt Arte einige weitere Chabrol-Fime. Nämlich „Biester“ (Sonntag, 17. Februar, 20.15 Uhr), „Der Schlachter“ (Montag, 18. Februar, 20.15 Uhr) und „Vor Einbruch der Nacht“ (Montag, 18. Februar, 21.45 Uhr).
mit Stéphane Audran, Michel Piccoli, Claude Piépiu, Clotilde Joano, Elinia De Santis, Francois Robert
Zwei Brüder überfallen Banken, um ihre Schulden bei der Bank zu bezahlen. Zwei Polizisten verfolgen sie in einem Land in dem zu viele Männer zu viele Schusswaffen haben.
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz
Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.
Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.
Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.
„Ich heiße Logan. Bin ein Mutant. Ich war vieles in meinem Leben. Söldner. X-Man. Mörder. Irregeleitet tötete ich all meine Freunde. Aber die Schuld gab ich mir. Also ging ich fort. Schwor, meine Krallen nie mehr zu zücken. Mit der Zeit zerfiel die Welt. Schließlich fand ich in der Einöde ein Zuhause.
Aber dann geschah etwas…Ich erwachte in einer anderen Welt. Einer anderen Vergangenheit. Das war meine Chance. Zu kämpfen. Um so viele zu Retten, wie nur möglich“, fasst Logan auf den ersten Seiten von „Mond über Madripoor“, dem siebten Sammelband der „Old Man Logan“-Serie, die Prämisse dieser Marvel-Comicserie zusammen.
Die ersten Hefte wurden von Jeff Lemire geschrieben. Mit Heft 25 (bzw. Sammelband 6) hat Ed Brisson die Autorenschaft übernommen. Seitdem sind die Geschichten schlüssiger. Bei Lemire waren die Geschichten eher Skizzen und Situationen, die sich aus Logans früheren Erlebnissen und seinem Versuch in der jetzt aktuellen Welt, als alter Mann mit eingeschränkten Regenerationskräften, den Menschen zu helfen, denen er in der anderen Welt Leid zufügte, sie tötete oder für ihren Tod verantwortlich war. Es sind Geschichten, die erst nach der Lektüre der letzten Seite verständlich sind. Es sind auch Geschichten, die zwischen den verschiedenen Welten, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft hin und her springen. Stammzeichnerin Andrea Sorrentino verstärkte das ihn ihren Zeichnungen das Gefühl, im Kopf von Logan zu sein. Zeichner Mike Deodato Jr., der mit Ed Brisson „Old Man Logan“ übernahm, hat einen deutlich konventionelleren Stil. Das sieht man schon im sechsten „Old Man Logan“-Sammelband „Maestros Rache“.
In der Einöde regierte der Hulk und seine kriminelle Sippe im Stil eines alten Landlords. In der neuen Welt, in der Old Man Logan lebt (laut Marvel ist es die Erde-616), hat Logan wieder Ärger mit der Hulk-Sippe. Sie wollen sich an ihm rächen, weil er ihr Familienoberhaupt Bruce Banner tötete. Außerdem haben sie einige Atomwaffen aus einem Militärbunker im Yukon-Territorium gestohlen.
In „Mond über Madripoor“ reist Logan nach Japan. In Tokio trifft er auf einige Straßenschläger, die dank der Droge Regenix atemberaubend schnell regenerieren. Logan gerät in einen Kampf zwischen Tomi Shishido, aka Gordon, dem Anführer des mystischen und verbrecherischen Ninja-Ordens Die Hand, und Shingen ‚Shin‘ Harada, aka Silver Samurai, dem Repräsentant der Yashida Corporation, die Regenix als Arzneimittel erfunden hat.
Und er trifft Scarlett Samurai, die er von früher kennt und die jetzt unter dem Einfluss von Shishido steht.
In beiden Sammelbänden erzählt Ed Brisson eher konventionelle Geschichten, in denen Old Man Logan wieder gegen alte Gegner antritt und er seine Krallen oft und exzessiv gebrauchen kann.
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Ed Brisson/Mike Deodato Jr.: Old Man Logan: Maestros Rache (Band 6)
(übersetzt von Jürge Petz)
Panini Comics, 2018
132 Seiten
15,99 Euro
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enthält
Tage des Zorns, Teil 1 – 6 (Days of Anger, Part 1 – 6, Old Man Logan [2016] # 25 – 30, August 2017 – Januar 2018)
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Ed Brisson/Mike Deodato Jr.: Old Man Logan: Mond über Madripoor (Band 7)
(übersetzt von Jürgen Petz)
Panini Comics, 2018
116 Seiten
13,99 Euro
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enthält
Scarlett Samurai: Teil 1 – 3 (Scarlett Samurai, Part 1 – 3, Old Man Logan [2016] # 31 – 33, Januar – März 2018)
Mond über Madripoor, Teil 1 – 2 (Moon over Madripoor, Part 1 – 2, Old Man Logan [2016], # 34 – 35, März – April 2018)
Michèle Leblanc (Isabelle Huppert), die taffe Chefin einer Videogame-Firma, wird vergewaltigt. Danach reagiert sie anders als erwartet. Denn sie verweigert konsequent die Opferrolle.
Grandioser Thriller von „Basic Instinct“ Paul Verhoeven mit einer grandiosen Isabelle Huppert in der Hauptrolle.
mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons
Jedenfalls kann nach Florian Hartlebs „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“ der Eindruck entstehen. Nachdem ich auch schon Psychopath und Massenmörder war; – jedenfalls nach der Lektüre entsprechender Sachbücher. Denn die „Einsamen Wölfe“ sind eine Untergruppe der „alleinstehenden Männer“. D. h., um ein anderes Beispiel zu nehmen, jeder Abiturient ist ein Schüler, aber nicht jeder Schüler ist ein Abiturient. Und damit sind wir bei einem, vielleicht sogar dem größten Problem, um gegen Einzeltäter etwas zu unternehmen.
Aber bevor man etwas gegen Einzeltäter unternimmt, sollte man das Phänomen erfassen. Politikwissenschaftler Florian Hartleb will mit seinem Buch dazu beitragen. Denn im Bereich des Terrorismus ist der „Einsame Wolf“ ein relativ neues Phänomen. Klassische Erklärungen für Terrorismus gehen von einer gefestigten Ideologie und einer Gruppe aus, die mehr oder weniger gemeinsam Anschläge plant und verübt.
Der „Einsame Wolf“ ist dagegen ein Einzeltäter. Er – weibliche Einsame Wölfe gibt es bislang nicht – ist kein Mitglied einer Gruppe. Jedenfalls nicht im klassischen Sinn. In verschiedenen Internetgruppen ist er schon Mitglied. Er ist sozial isoliert und im persönliche Umgang merkwürdig bis fanatisch. Er plant und führt seine Tat allein aus. Oft hat er eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und auch nach der Tat wird darüber diskutiert. Also ob seine Tat in seiner rechten Ideologie begründet ist oder ob er psychisch krank und daher vermindert schuldfähig ist. Diese Frage stellte sich bei früheren Terroristengenerationen nicht. Auch bei islamistischen und religiösen Tätern wird normalerweise nicht über seine Zurechnungsfähigkeit spekuliert, sondern ihm sofort die politische Motivation zugestanden.
In seinem Sachbuch „Einsame Wölfe“ beschäftigt sich Hartleb nicht weiter mit dem religiösen Terrorismus. Bei ihm stehen rechte Einzeltäter im Zentrum. Sie sind eine Gruppe, die sich signifikant von anderen Terroristen unterscheidet.
Bei den Einsamen Wölfen beherrscht oft ein paranoides Wahngebilde das Denken. Er sieht sich von Feinden umzingelt. Es ist ein sich selbst verstärkendes Denken, aus dem es keinen rationalen Ausweg gibt, weil schon die Analyse irrational ist.
Damit ähnelt dieser Rechtsterrorismus dem Vigilantismus. Auch der Vigilant sieht überall Feinde, die er bekämpfen muss.
Diese Einsamen Wölfe sind Männer wie Anders Breivik und David Sonboly. Sonboly tötete am 22. Juli 2016 in München neun Menschen. Zunächst war das Motiv unklar. Hartleb, der für die Stadt München ein Gutachten zu dem Fall schrieb, beschäftigt sich in seinem Buch ausführlicher mit diesem Fall.
Dummerweise ist „Einsame Wölfe“ schlecht strukturiert und das Analyseraster ist mehr essayistisch als wissenschaftlich. Außerdem ist es so schlecht geschrieben, dass ich beim Lesen fast jeden Satz umformulierte. Dieses Bedürfnis hatte ich schon lange nicht mehr.
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Florian Hartleb: Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter
Lucky ist schon neunzig Jahre und überzeugter Junggeselle, mit einem festen Tagesablauf. Trotzdem gibt es Veränderungen. Zum Beispiel dass er bei seinem morgendlichen Eiskaffee einfach so umfällt.
Wundervolle Abschiedsvorstellung von Harry Dean Stanton in einer seiner wenigen Hauptrollen. Er bevorzugte die Nebenrollen.
Eva Beaufils entdeckt unter den Schnappschüssen von ihrem letzten Familienausflug ein ihr vollkommen unbekanntes Foto. Auf dem sind ihr Mann und einige andere Menschen. Sie kennt niemand von ihnen und als sie Bastien danach fragt, reagiert er seltsam auf das gut zwanzig Jahre alte Bild.
Kurz darauf verschwindet er spurlos.
Eva beginnt ihn zu suchen. Denn, das erfahren wir schon in der ersten Folge der sechsteiligen Miniserie „Just one look“, Bastien wurde entführt. Und, das ahnen wir dank der zahlreichen Rückblenden schnell, sein Verschwinden hängt mit einem Rockkonzert, das ebenfalls vor gut zwanzig Jahren in den Katakomben von Paris stattfand, zusammen. Damals brach während des Konzerts eine Panik aus. Menschen starben – und auch Eva war dort. Sie kann sich nur nicht daran erinnern.
In den USA ist Harlan Coben schon seit Ewigkeiten ein Bestsellerautor. In der Krimiszene wurde er mit seinen Myron-Bolitar-Romanen, von denen der erste 1995 erschien, bekannt. Mit seinen Einzelromanen, beginnend mit „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001) (die zwei vor seinen Bolitar-Romanen erschienenen Bücher können wir als Frühwerk links liegen lassen), hatte er dann auch beim breiten Publikum seinen Durchbruch. Auch in Deutschland war das so.
Und obwohl Hollywood immer wieder an Cobens Tür klopft und er nichts gegen Verfilmungen seiner Thriller einzuwenden hat, hatte bei den Verfilmungen bis jetzt Frankreich die Nase vorn. Es begann 2006 mit Guillaume Canets gleichnamiger Verfilmung von „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001). 2015 folgte die Miniserie „No Second Chance – Keine zweite Chance“ (Une chance de trop), nach seinem Roman „Keine zweite Chance“ (No Second Chance, 2003). Sie ist für den 29. März 2019 angekündigt. Jetzt erschien, ebenfalls bei Polyband, die Miniserie „Just one look“.
Und, wegen der Vollständigkeit, 2017 gab es, als Zweiteiler, eine deutsche Verfilmung von „Keine zweite Chance“.
Doch zurück zu „Just one look“. Als ich den Roman „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004) vor über zwölf Jahren las, war ich begeistert. Das war ein richtiger Pageturner, der einen zuverlässig durch die Nacht bringt. Auf den letzten Seiten hat Harlan Coben dann noch einige überraschende und ziemlich atemberaubende Enthüllungen.
Ludovic Colbeau-Justins Verfilmung verlegt die Geschichte aus den Vororten New Yorks nach Paris und dem Umland. Selbstverständlich wurde sie auch etwas aktualisiert. Das bemerkt man hauptsächlich an den benutzten Telefonen.
Dummerweise wurde irgendwo auf dem Weg über den Atlantik die Spannung vergessen. Denn, im Stil skandinavischer Krimiserien, plätschert die Geschichte zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Rückblenden zum Konzert. Spannung und das drängende Bedürfnis, erfahren zu wollen, warum Bastien entführt wurde, entsteht so nicht. Dafür passiert in den einzelnen Episoden zu wenig, während die Geschichte auf über dreihundert Minuten gestreckt und immer wieder die Glaubwürdigkeit strapaziert wird. Zum Beispiel wenn Bastiens Entführer ihn ausgerechnet in einem Vorstadthaus versteckt oder Evas Tochter mit einer simplen Internetrecherche viele Fragen beantwortet oder die Kommissarin immer zwei Schritte hinter den Bösewichtern ist.
Insgesamt ist „Just one look“ eine erstaunlich spannungsfreie Coben-Verfilmung.
Just one look (Juste un regard, Frankreich 2017)
Regie: Ludovic Colbeau-Justin
Drehbuch: Patrick Renault, Mehdi Ouahab, Sophie Hiet, Aude Marcle, Kristel Mudry, Sébastien Vitoux
LV: Harlan Coben: Just one look, 2004 (Kein böser Traum)
mit Virginie Ledoyen, Thierry Neuvic, Thierry Frémont, Jimmy Jean-Louis, Joseph Malerba, Stanislas Merhar, Anne Girouard, Mathilde Bisson, Michaël Abiteboul, Carole Richert, Sophie-Charlotte Husson, Arthur Jugnot, Julie Gayet, Joséphine Hélin, Jean-Baptiste Blanc, Harlan Coben (Cameo am Ende der Serie)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 319 Minuten (6 Folgen auf 2 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage
(die ich damals spannender als jetzt die TV-Serie fand)
Harlan Coben: Kein böser Traum
(übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel)
Goldmann, 2006
416 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Just one look
Dutton 2004
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Zuletzt erschienen:
der elfte Myron-Bolitar-Roman. Dieses Mal will Myron Bolitar herausfinden, was mit zwei Kindern wohlhabender US-Familien geschah. Nach zehn Jahren taucht nämlich einer der beiden entführten Jungs in London auf. Der andere bleibt verschwunden und es ist unklar, was in den zehn Jahren geschah.
45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.
Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.
mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden
Regie: Val Guest, Ken Hughes (als Kenneth Hughes), John Huston, Joseph McGrath, Robert Parrish
Drehbuch: Wolf Mankowitz, John Law, Michael Sayers, Woody Allen (ungenannt), Val Guest (ungenannt), Ben Hecht (ungenannt), Joseph Heller (ungenannt), Terry Southern (ungenannt), Billy Wilder (ungenannt), Peter Sellers (ungenannt)
LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953
Sir James Bond wird aus dem Ruhestand geholt, um die nach der Weltherrschaft strebende Gangsterorganisation SMERSH zu besiegen. Sir James Bond entwirft einen genialen Plan: er schickt mehrere James Bonds los.
Albert Broccoli und Harry Saltzman gelang es nicht, sich die Rechte an diesem Bond-Roman zu sichern. So konnte Charles K. Feldman diesen Bond produzieren. Weil Feldman nicht einfach nur Flemings Buch verfilmen wollte, entschloss er sich zu etwas vollkommen anderem.
Feldman: „Wir hatten die Idee von vielen Bonds, vielen Regisseuren, vielen Autoren und vielen Sets, so wie das auch bei [dem Kriegsfilm] ‚Der längste Tag’ geschah. Das war der einzige Weg, den Film zu realisieren. Ich hatte die Vision eines gigantischen Happenings mit Bonds, soweit das Auge reicht, mit ganzen Armeen von Girls, in wilder Pop-Art ausgemalt und von wilder Pop-Musik erfüllt.“
Letztendlich gab es bis zu fünfzehn verschiedene Drehbücher. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es noch kein endgültiges Drehbuch, aber bereits ein veritables Chaos, das sich durch die gesamte Produktion zog. Die Drehbarbeiten zogen sich in die Länge, spontan wurden Gaststars engagiert, Drehbücher umgeschrieben und das Budget überzogen.
Das Ergebnis war niederschmetternd.
„Casino Royale ist ein Ian-Fleming-Titel, aber nur ein falsch nachgemachter Pseudo-Bond-Film…Casino Royale ist ein Alptraum.“ (Michael Scheingruber: Die James-Bond-Filme)
„Ich glaube, ich kann – mit der Hand in der Magengrube – ehrlich sagen, dass Casino Royale der schlechteste Film ist, den ich je genossen habe.“ (Donald Zec, Daily Mirror)
Und das zahlende Publikum ging lieber in die echten Bond-Filme.
Mit Peter Sellers, Ursula Andress, David Niven, Orson Welles, Joanna Pettet, Daliah Lavi, Woody Allen, Deborah Kerr, William Holden, Charles Boyer, John Huston, George Raft, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset, Anjelica Huston (Hände von Agent Mimi; Debüt), Peter O’Toole (ungenannt), David Prowse (ungenannt, Debüt von „Darth Vader“)
Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove or: How I learned to stop worrying and love the Bomb, GB 1964)
Reige: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Peter George, Terry Southern
LV: Peter George: Red Alert. 1958 (Die Welt der letzten Tage)
Buch zum Film: Peter Bryant (Pseudonym von Peter George): Dr. Strangelove Or: How I learned to stop worrying and love the bomb, 1963
Air-Force-Kommandant Jack D. Ripper glaubt, dass die Russen für seine Impotenz verantwortlich sind. Also gibt er den Befehl aus, das Reich des Bösen anzugreifen. Seine Vorgesetzten versuchen einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Doch das ist nicht so einfach.
Tiefschwarze Satire auf den Rüstungswahnsinn und das Denken der Militärs, Technokraten und Politiker, die beängstigend nahe an der Wirklichkeit ist und auch nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch aktuell ist. Eine Alptraum-Komödie
Mit Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden, Keenan Wynn, Slim Pickens, Peter Bull, James Earl Jones, Tracy Reed
Fünf Studenten wollen ein ruhiges Wochenende in einer Berghütte verbringen und wecken durch ihre Dummheit eine Horde extrem böswilliger Dämonen. Immerhin wächst Ash (Bruce Campbell!) in dem ganzen Gemetzel über sich hinaus.
Ein Horrorfilmklassiker der wenig subtilen Schule, der damals bei der deutschen Kritik nicht gut ankam: „geradezu sensationeller Geschmacklosigkeit“ (Die Zeit), „einen Beitrag mehr zum Niedergang eines Genres geleistet (…) Bilder aus dem Schlachthaus“ (Fischer Film Almanach 1985), „dass es angeraten ist, Kotztüten bereitzuhalten“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms). Die US-Kritik war anscheinend durchgehend positiver und der kommerzielle Erfolg überragend.
Inzwischen kommt der „stilbildende Slapstick-Horror-Splattermovie“ (Frank Schnelle/Andreas Thiemann: Die 50 besten Horrorfilme, 2010) in einem Meta-Ranking der 50 besten Horrorfilme auf den 18. Platz.
2017 erfolgte die ungekürzte (!) TV-Premiere des in Deutschland lange Zeit verbotenen Films. Wer will, kann sich die damaligen Diskussionen über das damalige Verbot durchlesen. Einen Einstieg dazu ermöglicht die entsprechende Wikipedia-Seite.
mit Bruce Campbell, Ellen Sandweiss, Hal Delrich, Betsy Baker
Das „Negro Motorist Green Book“ war ein Reiseratgeber, der Tony ‚The Lip‘ Vallelonga (Viggo Mortensen) am Anfang seiner Tätigkeit als Fahrer, Bodyguard und Problemlöser für Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) in die Hand gedrückt wird. In dem Buch sind die Hotels und Gaststätten aufgeführt, in denen Afroamerikaner in den Südstaaten bedient werden. Das war 1962 und Dr. Don Shirley war damals ein anerkannter klassischer Pianist, der in New York in einem riesigen Apartment über der Carnegie Hall wohnte. Jetzt hat er sich entschlossen, mit seinem Trio eine mehrwöchige, an Weihnachten endende Tour durch die Südstaaten zu machen. Dafür braucht der distinguierte Schwarze einen Fahrer, der auch mal zulangen kann.
Vallelonga ist Rausschmeißer im legendären Nachtclub „Copacabana“. Als Shirley sich nach einem geeigneten Fahrer umhörte, empfahlen ihm mehrere Personen Vallelonga. Weil das „Copacabana“ gerade für mehrere Monate geschlossen ist, hat der Italo-Amerikaner Zeit. Das Geld kann er auch gut gebrauchen. Vor allem, weil er keine Jobs für Mafiosi erledigen will.
Vallelonga ist vor allem streetsmart (Bauernschlau beschwört das falsche Bild herauf). Er ist ungebildet und ein Rassist. So wirft er in der eigenen Wohnung die Gläser, aus denen die schwarzen Handwerker getrunken haben, in den Müll (und seine Frau holt sie wieder heraus). Aber er hat letztendlich das Herz auf dem rechten Fleck und er sieht den einzelnen Menschen, der anständig behandelt werden soll.
Denn während er auf der Tour in ordentlichen Hotels übernachtet, muss Shirley mit Absteigen vorlieb nehmen. Vor einem Konzert in einer Villa soll Shirley die im Gebüsch stehende Holzlatrine benutzen und selbstverständlich darf er in einem Nobelhotel, in dem er auftritt, nicht mit den weißen Gästen zu Abend essen.
Der New Yorker Vallelonga beobachtet das zunächst befremdet. Auch dass Shirley all die offenen und versteckten Diskriminierungen geduldig erträgt.
Bekannt wurde Peter Farrelly mit den Komödien „Dumm und Dümmer“ und Verrückt nach Mary“. Sein neuer, aus Vallelongas Perspektive erzählter Film „Green Book“ passt überhaupt nicht zu seinem bisherigen Werk. Denn „Green Book“ ist ein Feelgood-Movie, das sich entlang vertrauter Pfade und Konflikte bewegt und immer wieder eindrückliche Bilder für die damals alltägliche Diskriminierung von Schwarzen findet. Die Inszenierung ist punktgenau. Die Schauspieler überzeugen. Viggo Mortensen und Mahershala Ali wurden für zahlreiche Preise, aktuell die Oscars, nominiert und sie erhielten auch schon etliche Preise. Wobei Mahershala Ali als Dr. Don Shirley und als Vector in dem am 14. Februar startendem Science-Fiction-Film „Alita: Battle Angel“ etwas zu sehr die Rolle des leicht hochnäsigen, extrem beherrschten Schwarzen kultiviert.
Seit seiner Premiere beim Toronto International Film Festival erhielt „Green Book“, neben Kritikerlob, zahlreiche Preise und Nominierungen. Zuletzt die Golden Globes als Bester Film (in der Kategorie „Comedy/Musical“ [beides ist der Film nicht – und „Bohemian Rhapsody“ erhielt den Golden Globe als Bester Film]), Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali) und Bestes Drehbuch. Er ist für fünf Oscar nominiert. Nämlich in den Kategorien Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Viggo Mortensen), Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali), Bestes Filmdrehbuch (Nick Vallelonga, Brian Currie, Peter Farrelly) und Bester Schnitt (Patrick J. Don Vito).
Green Book – Eine besondere Freundschaft (Green Book, USA 2018
Regie: Peter Farrelly
Drehbuch: Peter Farrelly, Nick Vallelonga, Brian Currie
mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P. J. Byrne
Der amerikanische Traum war schon immer mit Geld und dem Zeigen des Reichtums verbunden. Es war auch schon immer eine Kultur, die den Exzess beförderte. In den vergangenen Jahrzehnten immer mehr, immer unverhohlener und auch immer geschmackloser.
In ihrem neuen Film „Generation Wealth“ will „The Queen of Versailles“-Regisseurin und Fotografin Lauren Greenfield diesen Exzess des amerikanischen Traums genauer untersuchen. Denn ein solcher Exzess ist auch immer das Zeichen einer dekadenten Gesellschaft. Einer Gesellschaft auf dem absteigenden Ast.
„Im Grunde hat meine Nation, und damit der Rest des Westens – wenn nicht die ganze Welt, ihren moralischen Kompass verloren. Unser Verlangen zu konsumieren zehrt an uns. Wir haben immer das Gefühl, dass wir so wie wir sind, nicht richtig sind, dass wir mehr brauchen, dass wir mehr kaufen müssen, dass die anderen glücklicher sind. Angetrieben von der suchterzeugenden Natur der Populärkultur vergleichen wir uns mit Prominenten, mit denen wir mehr Zeit verbringen, als mit unseren eigentlichen Nachbarn. ‚Generation Wealth‘ ist das Endergebnis von drei Jahrzehnten Arbeit und die Erkenntnis, dass keiner von uns immun ist gegen die süchtig machende Natur unserer Konsumkultur – mich eingeschlossen. Meine eigene Arbeitsmoral war obsessiv geworden. Je mehr ich hatte, desto mehr wollte ich, und je mehr ich dachte, dass ich es brauchte, ging dies oft auf Kosten meines wertvollen Familienlebens“, sagt Greenfield über ihren Dokumentarfilm.
„Generation Wealth“ Film beginnt mit einem Rückblick auf ihre erste große Arbeit „Fast Forward: Growing Up in the Shadow of Hollywood“ und damit einem Rückblick auf die Jugendkultur in Los Angeles in den Neunzigern. Es war eine auf den eigenen Körper, Drogenkonsum und, nun, exzessiven Konsum und das Ausstellen dieses Konsums fixierte oberflächliche Kultur der Kinder der Superreichen und ihrer Mitschüler, die Teil dieser auf den schönen Schein fixierten Kultur sein wollten. Für ihren Film besuchte Greenfield einige der Jugendlichen, die sie damals fotografierte, wieder. Sie leben inzwischen fast alle ein ziemlich normal bürgerliches Leben. Andere Interviewpartner von ihr, wie der bekannte Hedgefonds-Manager Florian Homm (ein Deutscher, der aufgrund eines FBI-Haftbefehls Deutschland nicht verlassen kann), das Ehepaar Siegel, das das größte Haus in den USA errichten wollte (ihr Versailles ist jetzt eine leerstehende, zwangsversteigerte Ruine), eine sehr beschäftigte Managerin, die unbedingt ein Kind haben will, ein auf kleinen Bühnen auftretender, von ihrer Mutter bedingungslos auf Erfolg getrimmter Kinderstar (so eine „Little Miss Sunshine“, nur ohne deren kindlichen Unschuld), und eine Porno-Schauspielerin, passen da im ersten Moment schon eher in das Schema von der Gier nach Schönheit, Reichtum und Statussymbolen.
Weil Greenfield viele ihre Interviewpartner über eine längere Zeit begleitet, bröckelt dann die Fassade. Denn die Pläne, die sie in den ersten Gesprächen hatten, kollidierten mit der Wirklichkeit oder es handelte sich nur um biographische Stationen. Gleichzeitig rückt sie ihre eigene Biographie immer mehr ins Zentrum. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter, einer Psychologieprofessorin, und ihrem Sohn, der seine Mutter für arbeitssüchtig hält, werden thematisiert.
Damit wird „Generation Wealth“ zunehmend zu einer Ansammlung beliebiger Episoden, die dann erschreckend wenig verraten. Das liegt auch daran, dass Greenfields Film keinen analytischen Fokus hat.
Und so geht es dann mal um materiellen Reichtum, mal um die Sucht nach Ruhm, mal um exzessive Arbeitssucht, illustriert mit Personen, die auch in der nächsten Reality Show einen guten Platz fänden. Über die USA und den Kapitalismus, immerhin besucht sie auch einige andere Länder, verrät „Generation Wealth“ dann sehr wenig. Das im Titel angedeutete Generationenporträt entsteht so auch nicht.
Generation Wealth (Generation Wealth, USA 2018)
Regie: Lauren Greenfield
Drehbuch: Lauren Greenfield
mit Limbo Bob, Chris Hedges, Florian Homm, Tiffany Masters, Kacey Jordan, Jaqueline Siegel, Eden Wood, Mickie Wood, Bobby Strauser, Robert Strauser