Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, Folge ichhabeschonlangeaufgehörtzuzählen: „Solo: A Star Wars Story“

Mai 24, 2018

Nach der Pressevorführung nannte ich den Film „unterhaltsam“, was rückblickend etwas despektierlich klingt. Schließlich hat mir „Solo“ besser als „Rogue One“ und „Die letzten Jedi“ gefallen. Im Gegensatz zu diesen „Star Wars“-Filmen erzählt „Solo“ eine stringente Geschichte, in denen die Charaktere sich so verhalten, wie es ihrem Charakter entspricht und ihre Handlungen immer verständlich sind.

Solo: A Star Wars Story“ erzählt, wie Han Solo zu seinem Nachnamen kommt, wie er Chewbacca trifft, den Millenium Falken in seinen Besitz bringt und wie er seine Laserpistole erhält. Nur woher seine Kleider kommen, erfahren wir nicht. Nichts davon hat uns auch wirklich interessiert. Immerhin war der von Harrison Ford erstmals in „Krieg der Sterne“ (Star Wars, 1977) gespielte Weltraumbandit, Hasardeur und Glücksritter Han Solo schon bei seinem ersten Auftritt eine der mythischen Figuren, die keine Vergangenheit brauchen, um in der Gegenwart zu leben. Schon kurz nach dem Kinostart erschienen mehrere Romane mit Han Solo als Protagonisten, in denen er seiner Profession nachging. Insofern war es naheliegend, auch einen Film mit ihm als Protagonisten zu drehen und ihn eines der Abenteuer erleben zu lassen, die man mit ihm assoziiert.

Alden Ehrenreich übernahm für den Film die Rolle des jungen Han Solo. Einige haben ihn vielleicht in „Blue Jasmine“, „Hail, Caesar!“ oder „Regeln spielen keine Rolle“ bemerkt. Als Han Solo muss er jetzt vor allem immer optimistisch in die Kamera blicken und tödliche Gefahren mit einem Schulterzucken, Lächeln und flotten Spruch meistern. Das verlangt von einem Schauspieler vor allem Charisma. Bei Ehrenreich ist es noch ausbaufähig.

In „Solo“ will Han Solo mit einigen anderen Weltraumbanditen für den zwielichtigen Geschäftsmann Dryden Vos (Paul Bettany) einen besonders wertvollen und seltenen Rohstoff (halt der MacGuffin) stehlen.

Die Geschichte wird interessanter, weil Han Solos erste und große Liebe Qi’ra (Emilia Clarke) in die Geschichte verwickelt ist. Sie ist jetzt die, ähem, Gespielin und Vertraute von Dryden Vos. Außerdem ist Solo hier noch der Rookie im Outlaw-Team, das von Beckett (Woody Harrelson) angeführt wird. Aber das ist nicht weiter wichtig. Denn Han Solo ist schon in der ersten Szene, als er auf seinem Heimatplaneten in großen Schwierigkeiten steckt und mit Qi’ra flüchten will, der Han Solo den wir kennen. Er erlebt mehrere Abenteuer, in denen er einige Accessoires erhält und sich mit Chewbacca und Lando Calrissian befreundet. Er macht dabei keine Entwicklung durch. Er hat, wie auch die anderen Charaktere, keinen Character Arc. Sie sind am Ende immer noch die Personen, die sie am Anfang waren. Deshalb ist „Solo“ auch keine Origin Story, sondern ein unterhaltsames, von Ron Howard professionell inszeniertes Weltraumabenteuer, das zwischen Fan-Service und Auftragsarbeit genau so ist, wie man es erwartet.

Die Geschichte bewegt sich angemessen flott vorwärts. Man verliert nie den Überblick. Die Action sieht gut aus. Es gibt genug Momente für die Fans und ein Überraschungscameo, um sie zu befriedigen. Die Nicht-Fans und alle die nichts über die „Star Wars“-Welt wissen (falls das in dieser Galaxie überhaupt möglich ist) werden in diesem Weltraumwestern trotzdem alles verstehen. Und obwohl der Film in sich abgeschlossen ist, gibt es genug Anknüpfungspunkte für weitere Filme mit Han Solo. Die sollten dann – wenn sie kommen – eigenständiger als „Solo“ sein.

Ron Howard übernahm während der Dreharbeiten die Regie von Phil Lord und Chris Miller („Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, „21 Jump Street“, „The LEGO Movie“). Es heißt, das Arbeitstempo und der Stil des Regieduos hätten Produzentin Kathleen Kennedy nicht gefallen. Sie wacht über die ihr anvertraute „Star Wars“-Welt wie eine Helikoptermutter und veranlasste auch bei den anderen „Star Wars“-Filme in verschiedenen Stadien der Produktion Regiewechsel und Nachdrehs. Am Erfolg bei der Kritik (bei Rotten Tomatoes sind alle Filme weit im grünen Bereich) und an der Kinokasse änderte das Drama hinter den Kulissen nichts. Und vielleicht gibt es irgendwann eine große Reportage oder ein Buch, in dem wir alles darüber erfahren. Dann erfahren wir auch, ob Ron Howard wirklich, wie man hört, fast nichts von Lord und Miller übernahm.

Bis dahin gibt es den Film, der nichts wirklich falsch macht, vieles richtig macht, ohne dass man jemals wirklich begeistert und mitgerissen ist von der doch sehr vorhersehbaren Geschichte. Am Ende ist man dann doch etwas unbeeindruckt.

Solo: A Star Wars Story (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Jonathan Kasdan, Lawrence Kasdan (nach Charakteren von George Lucas)

mit Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Donald Glover, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Joonas Suotamo, Paul Bettany

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Solo“

Metacritic über „Solo“

Rotten Tomatoes über „Solo“

Wikipedia über „Solo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)


TV-Tipp für den 24. Mai: Wild Tales – Jeder dreht mal durch!

Mai 24, 2018

3sat, 22.25

Wild Tales – Jeder dreht mal durch! (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)

Regie: Damián Szifrón

Drehbuch: Damián Szifrón

Es gibt diese Tage, an denen man einfach genug hat und zurückschlägt. Damián Szifrón erzählt in seinem argentinischen Kinohit sechs solcher Geschichte, die alle überzeugen und nicht nachgeahmt werden sollten. „Wild Tales“ ist ein großer Spaß, der heute zum ersten Mal im Fernsehen läuft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ricardo Darin, Dario Grandinetti, Oscar Martinez, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg, Maria Marull, Mónica Villa, César Bordón, Walter Donado, Ricardo Darín, Nancy Dupláa, María Onetto, Alan Daicz, Osmar Núnez, German de Silva, Diego Gentile

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Wild Tales“
Moviepilot über „Wild Tales“
Metacritic über „Wild Tales“
Rotten Tomatoes über „Wild Tales“
Wikipedia über „Wild Tales“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damián Szifróns „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)


Endspiele: ein „Saurer Apfel“ für „Chew – Bulle mit Biss!“, kein „Bleib doch noch etwas“ für „Revival“

Mai 23, 2018

Jetzt enden fast zeitgleich zwei Comicserien, die beide einen vielversprechenden Start hatten und sich dann in vollkommen unterschiedliche Richtungen entwickelten. „Chew – Bulle mit Biss!“ wurde immer besser. Schnell war mir egal, wie Autor John Layman und Zeichner Rob Guillory ihre Geschichte zu Ende bringen. Dagegen sehnte ich bei der von Tim Seeley (Autor) und Mike Norton (Zeichner) erzählten Geschichte „Revival“ das Ende immer mehr herbei.

Oh, und beide Serien spielen in dystopischen Zukünften. In „Revival“ werden die Toten wieder lebendig. In „Chew – Bulle mit Biss!“ sterben durch einen durch Hühnerfleisch verursachten Nahrungsmittelskandal Millionen Menschen. Seitdem gibt es ein strikt eingehaltenes und gnadenlos verfolgtes Verbot von Hühnerfleisch. Gegen dieses Verbot war die Alkoholprohibition harmlos. Die FDA (Food and Drug Adminstration, Lebensmittelaufsicht) ist jetzt eine der mächtigsten Institution der Welt. Tony Chu ist einer ihrer besten Männer. Er ist ein Cibopath. D. h. wenn er etwas isst, kennt er die gesamte Geschichte des Gegessenen. Seine Fähigkeit ist bei Ermittlungen sehr nützlich. Finden jedenfalls seine Vorgesetzten, die bestimmte Dinge, die Chew schlucken muss, nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen würden.

Seit dem ersten „Chew“-Heft erfand John Layman unzählige weitere Spezialbegabungen, von oft zweifelhaftem Nutzen. Für die Menschheit und den Besitzer der, öhm, Begabung. So gibt es in „Saurer Apfel“ einen Cereduratus. Speiseeis, das er herstellt, führt zum tödlichen Erfrieren des menschlichen Hirns. Die Abenteuer, die Chew, seine Familie, seine Freunde und Feinde erlebten, wurden immer abstruser. Rob Guillorys Zeichnungen waren durchgehend satirisch überspitzt und die Abenteuer so witzig, dass es vollkommen egal war, was hinter Hähnchen-Pandemie und einer später am Himmel auftauchenden Feuerschrift steckte.

Mit dem zwölften Sammelband „Saurer Apfel“ liegen jetzt die letzten Hefte der von John Layman und Rob Guillory erfundenen Comicserie „Chew – Bulle mit Biss!“ vor. In insgesamt sechzig Heften versuchten Chu, sein Kollege John Colby und sein inzwischen verstorbener ärgster Feind Mason Savoy (Chu muss ihn wegen der Informationen, die Savoy hat, essen) herauszufinden, was es mit Hühnergrippe und Feuerschrift, die das Ende der Welt bedeutet, auf sich hat.

Das gelingt ihnen mehr oder weniger. Insgesamt ist „Saurer Apfel“ ein schönes, aber nicht besonders dringendes Finale. Es hat etwas von spaßverderbenden Aufräumarbeiten, während die Party noch läuft.

In der von Tim Seeley, dem Erfinder und Autor von „Hack/Slash“ (grandios!), geschriebenen und Mike Norton gezeichneten Comicserie „Revival“ kommen eines Tages in dem Wisconsin-Kaff Wausau die Toten zurück. Aber sie sind keine Gehirn mampfenden Zombies, sondern verträgliche Zeitgenossen, die sich nicht von den Lebenden unterscheiden. Außer dass sie kürzlich gestorben sind. Es wird eine Quarantänezone um das Gebiet, in dem die Untoten auftauchen, errichtet. Die Medien und Spinner jeglicher Couleur belagern die Gegend, während in dem abgesperrten Gebiet das Leben fast normal weitergeht. So will Officer Dana Cypress von der örtlichen Polizei den Mörder ihrer Schwester finden.

Nach diesem starken Auftakt verzettelte sich „Revival“ in immer mehr Subplots. Es wurde immer unklarer, wohin die Geschichte führen soll. Ganze Hefte der aus 47 Heften bestehenden, in acht Büchern gesammelten Serie, zogen sich hin, ohne dass irgendeine Entwicklung erkennbar war, während potentiell interessante Subplots nicht weiter verfolgt wurden.

Gegen Ende der Serie übernimmt das Militär die Kontrolle über Wasau. Zuerst verkörpert durch den lesbischen General Louise Cale (was sie natürlich interessanter macht), später durch ihren skrupelloseren Kollegen, General Hauser. Er soll das Problem endgültig lösen.

Währenddessen tauchen immer mehr Geister auf, die anscheinend irgendeine Verbindung zu den Untoten haben und die die Lebenden bedrohen. Die Situation in dem unter Quarantäne stehendem Gebiet wird immer unübersichtlicher.

Trotzdem enttäuscht das Finale, das die verschiedenen Handlungsstränge zu einer erstaunlich religiösen und damit auch konventionellen Erklärung zusammenfügt. Natürlich mit allem dazugehörigem Pipapo von Unwetter, atmosphärischen Störungen, Armageddongefühl und einem riesigen Kampfgetümmel, in dem alle munter mitmischen.

John Layman/Rob Guillory: Chew – Bulle mit Biss!: Saurer Apfel (Band 12)

(übersetzt von Annika Klapper)

Cross Cult, 2018

128 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Chew Vol. 12: Sour Grapes

Image Comics, 2017

Tim Seeley/Mike Norton: Revival 7: Vorwärts!

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2017

128 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 7: Forward

Image Comics, 2016

Tim Seeley/Mike Norton: Revival 8: Bleib doch noch etwas

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2018

128 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 8: Stay just a little bit longer

Image, 2017

Hinweise

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Reif für die Insel (Band 2)“ (Chew: International Flavor, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Eiskalt serviert (Band 3)“ (Chew Vol. 3: Just Desserts, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Flambiert (Band 4)“ (Chew, Vol. 4: Flambé, 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Erste Liga“ (Band 5) (Chew Vol. 5: Major Legue Chew, 2012)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Space Kekse (Band 6)“ (Chew Vol. 6: Space Cakes, 2013)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Die letzten Abendmahle (Band 11)“ (Chew Vol. 11: The last suppers, 2016)

Meine Besprechung von John Layman/Jason Fabok/Andy Clarkes „Batman Detective Comics: Der Herrscher von Gotham (Band 3)“ (Detective Comics 13 – 20, 2012/2013)

Homepage von Tim Seeley

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)“ (Hack/Slash: Me without you, 2010)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)“ (Hack/Slash: Torture Porn, 2011)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Tote Promis (Band 11)“ (Hack/Slash: Dead Celebrities, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Heiraten, f#cken, töten (Band 12)“ (Hack/Slash: Marry F#ck Kill, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Unter Freunden (Band 1)“ (Revival, Volume 1: You’re among friends, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Lebe dein Leben (Band 2)“ (Revival, Volume 2: Live like you mean it, 2013)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Ein ferner Ort (Band 3)“ (Revival, Volume 3: A faraway place, 2014)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Flucht nach Wisconsin (Band 4)“ (Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin, 2014)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Steigende Fluten (Band 5)“ (Revival, Volume 5: Gathering of Waters, 2015)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Deine treuen Söhne und Töchter (Band 6)“ (Revival, Volume 6: Thy loyal sons & daughters, 2016)


TV-Tipp für den 23. Mai: Son of Saul

Mai 23, 2018

Arte, 22.10

Son of Saul (Saul fia, Ungarn 2015)

Regie: László Nemes

Drehbuch: László Nemes, Clara Royer

Saul Ausländer ist 1944 einer der Juden im Sonderkommando im KZ Auschwitz-Birkenau. Als ein Junge zunächst die Gaskammer überlebt, möchte er ihn später nach jüdischem Ritus beerdigen.

Beeindruckendes, aufwühlendes Drama, das zahlreiche Preise erhielt: unter anderem den FIPRESCI und den Großen Preis der Jury in Cannes und den Bafta, Golden Globe und Oscar als bester ausländischer Film. „Son of Saul“ gelingt es das Grauen des KZ zu zeigen, ohne es zu zeigen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Géza Röhrig, Levente Molnár, Urs Rechn, Todd Charmont, Sándor Zsótér, Marcin Czarnik, Jerzy Walczak

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Son of Saul“
Metacritic über „Son of Saul“
Rotten Tomatoes über „Son of Saul“
Wikipedia über „Son of Saul“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von László Nemes‘ „Son of Saul“ (Saul fia, Ungarn 2015)


„Rogue One – Eine Star Wars Story“ – Der Roman zum Film

Mai 22, 2018

Von all den Büchern, die bei mir herumliegen, ist „Rogue One – Eine Star Wars Story“ sicher das unwichtigste. Ein Filmroman, der jetzt bei Blanvalet als Taschenbuch erschien. Nachdem das Buch als Paperback bereits vor einem Jahr bei Penhaligon erschien. Der Film lief schon Weihnachten 2016 im Kino und gefiel mir nicht.

Es gibt also keinen Grund, den Roman zu lesen; außer, natürlich, mein Wunsch, zu erfahren, ob Alexander Freed die Lücken im Film sinnvoll stopfen kann.Und dass ich ein altmodisches Weltraumabenteuer lesen will.

Außerdem mag ich Filmromane.

Das sind jetzt schon drei gute Gründe für die Lektüre.

Über die Geschichte von „Rogue One“ muss inzwischen wohl wenig gesagt werden. Film und Roman erzählen die Geschichte von Jyn Erso und einer kleinen Gruppe Rebellen, die auf dem Planeten Scarif die Pläne stehlen, die zur Vernichtung des Todessterns in „Krieg der Sterne“ (Star Wars, USA 1977) führen. Vor dem Film fabulierten die Macher, dass „Rogue One“ eine wichtige Frage, im „Star Wars“-Universum schließen werde. Nun, ja, das kann man so sehen, aber wirklich wichtig war die Antwort nicht. Oder wollen wir demnächst über Putzpläne auf irgendwelchen Raumstationen informiert werden?

Freed erzählt, wie es sich für einen Roman zum Film gehört, die Filmgeschichte mit all ihren Problemen nach. Dabei konzentriert er sich auf die wenig durchdachte Handlung. Er fügt einige Szenen hinzu, schildert einige Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und er macht die Motive der Personen, vor allem von Jyn, nachvollziehbarer. Es wird verständlicher, warum sie entschließt, die Pläne für die Vernichtung des Todessterns zu besorgen. Diese Waffe wurde federführend von ihrem Vater konstruiert. Er tat das auf Druck von Orson Krennic, dem Bösewicht der Geschichte. Jyn verbrachte ihre Jugend ohne ihren Vater. Sie hasst ihn. Nachdem sie erfährt, dass er sie nicht freiwillig verlassen hat, nimmt sie aber doch das Erbe ihres Vaters an. Er wollte, dass der Todesstern zerstört wird. Und die Pläne dafür sind im Zentralarchiv auf Scarif.

Jyn und eine kleine Rebellengruppe, die titelgebende und ohne einen Auftrag handelnde „Rogue One“ (das Imperium und die Rebellion sind beides schon ziemlich militärisch organisierte Vereinigungen) machen sich dann auf den Weg nach Scarif. Warum die Männer ihr, einer ungebundenen Abenteurerin, die sich bislang aus dem Krieg zwischen Imperium und Rebellion heraushielt, die über keine Führungserfahrung und nennenswerte Kampferfahrung verfügt, folgen, wird auch im Roman nicht viel nachvollziehbarer. Der Hinweis auf ein ‚Leuchten‘ (vulgo ihre für das menschliche Auge unsichtbare Aura) und ihre gottgegebenen, von den anderen sofort erkannten Führungsqualitäten müssen reichen.

Die Entscheidung des Imperiums, den gesamten Planeten Scarif zu zerstören und so den Diebstahl der Pläne zu verhindern, ist allerdings vollkommen gaga. Im Buch noch mehr als im Film. Denn im Buch erfahren wir mehr über das Archiv, in dem die vollständigen Pläne für den Todesstern lagern. Sie sind in einer gewaltigen Bibliothek, die unendlich viele Baupläne und sonstige Leistungen von Ingenieuren enthält. Sie enthält letztendlich die gesamte Kultur der Galaxis. Und es scheint keine weiteren Kopien zu geben. Jedenfalls drängt sich im Roman der Eindruck auf, dass es diese ganzen Baupläne nicht in unendlicher Zahl an unendlich vielen Orten gibt. Letztendlich steht auf Scarif eine gewaltige Zentralbibliothek, die das gesamte Wissen der Galaxie beinhaltet.

Mit der Vernichtung des Planeten wird gleichzeitig dieses Wissen zerstört. Das ist dann doch eine Überreaktion, die aus der Entstehungszeit der des ersten „Krieg der Sterne“-Films, Mitte der siebziger Jahre, erklärbar ist und heute zu einem gewaltigen Nachteil für das von George Lucas erfundene Universum wird.

Denn das Bild von Zentralbibliotheken und der Versuch, an bestimmten Orten das Wissen der Menschheit zu bündeln, ist heute, im Zeitalter von Cloud-Computing, zutiefst anachronistisch. Damals waren Computer riesige Geräte. Heute hat jedes Telefon mehr Rechnerleistung. Heute sind alle Geräte miteinander vernetzt. Das Internet ist so aufgebaut, dass es quasi unmöglich ist, eine Information zu zerstören oder auf ihrem Weg zum Empfänger aufzuhalten. Und selbstverständlich gibt es keinen Unterschied zwischen Original und Kopie. In „Rogue One“ ist genau das eines der Probleme, mit denen Jyn und ihre Rebellentruppe sich herumschlagen müssen, nachdem Jyn die Daten, die in einer Leitz-Ordner-großen Kassette sind, aus dem Archiv geklaut hat. Denn die Datenübertragung funktioniert nur von einem bestimmten Ort und nur über eine bestimmte Entfernung. Wenn die Entfernung zu groß wird, kommt das Signal nur noch verstümmelt an.

Auch die andere in „Rogue One“ benutzte Technik, ihre Möglichkeiten und Grenzen sind, aus heutiger Sicht, betont altmodisch. Es handelt sich um Technik, die vor vierzig Jahren unvorstellbar war. Heute sind die Probleme teilweise gelöst oder die Ideen wurden als Unfug verworfen.

Genau wie die Technik verharrt das Gesellschaftsbild des „Star Wars“-Kosmos in den siebziger Jahren und den noch älteren Inspirationen für „Krieg der Sterne“. Es handelt sich um eine Fantasy-Welt, die in den Filmen, die vor dem ersten „Krieg der Sterne“-Film spielen, auch nicht weiterentwickelt werden kann. Das gilt für die vergessenswerte Prequel-Trilogie, „Rogue One“ und „Solo“. In der aktuellen Trilogie („Das Erwachen der Macht“, „Die letzten Jedi“ und „Episode IX“) ist das immerhin prinzipiell möglich. Aber es wurde nicht getan. Ob es in den anderen, bis jetzt angekündigten „Star Wars“-Filmen gemacht wird, ist unklar. Die „Star Wars“-Welt ist eine statische Welt, die sich seit Jahrzehnten nicht veränderte. Sie kann, weil eine ganze Welt mit familiären Konflikten und einem politischen Kampf um die Macht im Universum entworfen wurde, auch nur begrenzt an die Gegenwart und aktuelle Diskurse, Entwicklungen und Probleme angepasst werden.

Alexander Freed: Rogue One – Eine Star Wars Story

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2018

448 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Penhaligon, 2017

Originalausgabe

Rogue One. A Star Wars Story

Del Rey, 2016

Die Vorlage

Rogue One: A Star Wars Story (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Regie: Gareth Edwards

Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy (nach einer Geschichte von John Knoll und Gary Whitta, basierend auf Charaktere von George Lucas)

mit Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed, Forest Whitaker, Jimmy Smits

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Außerdem in der weit, weit entfernten Galaxis

Der unterhaltsame Film „Solo: A Star Wars Story“ startet am 24. Mai in unseren Kinos. Meine Besprechung gibt es bald.

Panini hat für den 26. Juni den gleichnamigen Filmroman (es müsste sich um die Version für ein jugendliches Publikum handeln) angekündigt. Der Autor wird verschwiegen. Das Buch soll 15 Euro kosten.

Blanvalet hat das darauf basierende, ab 8 Jahren empfohlene Hörbuch für den 1. Oktober angekündigt. Es soll 9,99 Euro kosten. Ob es sich dabei um eine gekürzte oder ungekürzte Fassung handelt, ist unklar.

Jason Frys Romanfassung von „Die letzten Jedi“ soll jetzt am 20. August, bei Penhaligon als Paperback (für 15 Euro) erscheinen. Ursprünglich sollte der Roman im Mai erscheinen. Auch in den USA erschien der Filmroman erst vor wenigen Wochen und er enthält Szenen, die im Film nicht vorhanden sind.

Die von Michael Kogge geschriebene „Die letzten Jedi“-Romanfassung für Jugendliche erschien bei Panini für 13 Euro bereits Ende April.

Um sich nur auf den nächsten Spielfilm und die Filmromane zu konzentrieren.

Hinweise

Homepage von Alexander Freed

Deutsche Homepage zum Film

Der galaktische „Krieg der Sterne“-YouTube-Kanal

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Rogue One: A Star Wars Story“

Metacritic über „Rogue One: A Star Wars Story“

Rotten Tomatoes über „Rogue One: A Star Wars Story“

Wikipedia über „Rogue One: A Star Wars Story“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)


Cover der Woche

Mai 22, 2018


TV-Tipp für den 22. Mai: Mel Brooks‘ Spaceballs

Mai 22, 2018

Zur schnellen Vorbereitung auf „Solo: A Star Wars Story“

Disney Channel, 20.15

Spaceballs (SpaceballsUSA 1987)

Regie: Mel Brooks

Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham

Mel Brooks verarscht „Krieg der Sterne“ – und den ganzen Rest.

George Lucas las vor dem Dreh das Buch und er gab Mel Brooks sein Okay.

Mit Mel Brooks, John Candy, Rick Moranis, Bill Pullman, Daphne Zuniga, Dick Van Patten, Michael Winslow, John Hurt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spaceballs“

Wikipedia über „Spaceballs“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. Mai: Inside Llewyn Davis

Mai 20, 2018

Arte, 20.15

Inside Llewyn Davis (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Meisterwerk der Coen-Brüder über den erfolglosen Folkmusiker Llewyn Davis und die New Yorker Folkmusikszene der frühen Sechziger. Kurz bevor ein Mann in Greenwich Village auftauchte, der 2016 den Literaturnobelpreis erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung. Mit mehreren Interviews.

mit Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake, Adam Driver, Max Casella, F. Murray Abraham

Wiederholung: Mittwoch, 23. Mai, 14.10 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inside Llewyn Davis“

Moviepilot über „Inside Llewyn Davis“

Metacritic über „Inside Llewyn Davis“

Rotten Tomatoes über „Inside Llewyn Davis“

Wikipedia über „Inside Llewyn Davis“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans „Gambit – Der Masterplan“ (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung ces Coen-Films „Hail, Caesar! (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Mai: Geheimwaffe Jazz

Mai 19, 2018

Arte, 22.10

Geheimwaffe Jazz (The Jazz Ambassadors, USA 2018)

Regie: Hugo Berkely

Drehbuch: Hugo Berkely

Spielfilmlange Doku über die Jazz Ambassadors. Das war ein Mitte der fünfziger Jahre begonnenes Kulturprogramm, in dem die US-Regierung Jazzmusiker als Botschafter der USA und der Werte der USA in die Welt schickte. Die Musiker, darunter Größen wie Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Duke Ellington und Dave Brubeck standen dabei vor dem Dilemma, in der Welt das Bild einer multikulturellen Gesellschaft zu zeigen, während in den Südstaaten noch eine strikte Rassentrennung herrschte. Auf ihren Auslandsgastspielen sprachen sie auch darüber.

mit Quincy Jones, Darius Brubeck, Bill Crow, Charlie Persip, Leslie Odom Jr. (Erzähler, im Original)

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 18. Juni auch in der Mediathek)

PBS über die Doku

Rotten Tomatoes über „Geheimwaffe Jazz“

Wikipedie über die „Jazz Ambassadors“


TV-Tipp für den 19. Mai: Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones

Mai 19, 2018

ZDFneo, 22.20

Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (A Walk among the Tombstones, USA 2014)

Regie: Scott Frank

Drehbuch: Scott Frank

LV: Lawrence Block: A Walk among the Tombstones, 1992 (Endstation Friedhof, Ruhet in Frieden)

Matt Scudder, Ex-Polizist, Ex-Alkoholiker und Privatdetektiv ohne Lizenz, soll für den Dealer Kenne Kristo die Mörder seiner Frau suchen. Dass Kristo sie umbringen will, stört ihn nicht sonderlich.

Feine Verfilmung eines gewohnt feinen Matt-Scudder-Romans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook, Brian ‘Astro’ Bradley, Ólafur Darri Ólafson, David Harbour, Adam David Thompson

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ruhet in Frieden“
Moviepilot über „Ruhet in Frieden“
Metacritic über „Ruhet in Frieden“
Rotten Tomatoes über „Ruhet in Frieden“
Wikipedia über „Ruhet in Frieden“ (deutsch, englisch)
Kriminalakte über „Ruhet in Frieden“ und Scott Frank

Meine Besprechung von Scott Franks „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014) und DVD

Thrilling Detective über Matt Scudder


Neu im Kino/Filmkritik: „Nach einer wahren Geschichte“ ist keine wahre Geschichte

Mai 18, 2018

Delphine (Emmanuelle Seigner) ist eine erfolgreiche Autorin, die von dem Rummel um ihr neues Buch, in dem sie ihre Beziehung zu ihrer Mutter schildert, zunehmend geschlaucht ist. Während einer Signierstunde und einem anschließenden Empfang trifft sie auf Elle (Eva Green). Sie ist ebenfalls Autorin. Ghostwriterin. Und sie sieht schon bei ihrer ersten Begegnung wie Glenn Close im Finale von „Eine verhängnisvolle Affäre“ aus. Elle ist die schon auf den ersten Blick leicht durchgeknallte Person, zu der man im realen Leben einen wohltuenden Abstand hält. Nicht so Delphine. Sie freut sich, in ihrem größten Fan endlich eine verständnisvolle Gesprächspartnerin gefunden zu haben. Elle versteht sie besser, als sie sich selbst versteht. Elle will ihr auch bei ihrem neuem Buch, das nach Elles Ansicht noch persönlicher und radikaler als ihr letztes Buch werden sollte, helfen und sie sei bereit einen beratenden Blick auf das Manuskript zu werfen.

Schnell wird Elle für Delphine zu der Freundin, die auch die Aufgaben einer persönlichen Sekretärin und Beraterin übernimmt. Delphine verlässt sich immer mehr auf Elle, während wir Zuschauer das für einen gewaltigen Fehler halten. Denn Elle wirkt immer, als spiele sie nur die gute Freundin, während sie einen ganz anderen Plan verfolgt.

Roman Polanskis neuer Film „Nach einer wahren Geschichte“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Delphine de Vigan. Als das Buch vor drei Jahren in Frankreich erschien, wurde heftig darüber diskutiert, wie autobiographisch de Vigans Geschichte ist. Denn es gibt frappierende Parallelen zwischen ihrem Leben und dem Romangeschehen. Und der Buchtitel heizte die Spekulationen an. Sie selbst sagt dazu: „Es ist ein Buch, das sich liest, wie ein Buch nach wahren Begebenheiten, ein Roman, der sich an wirkliche Begebenheiten anlehnt, aber in dem doch fast alles ausgedacht ist.“

Es geht, wie im Film, um die Beziehung zwischen einer Erfolgsautorin und ihrer Freundin, die von einer Vertrauten zur Fanatikerin wird. Als Leser soll man auch an die Romanverfilmungen „Weiblich, ledig, jung sucht…“, „Shining“ und „Misery“ denken.

Im Film denkt man mehr an die Filme von Claude Chabrol und seine kalten Bestandsaufnahme der Bourgeoisie. Auch wenn „Nach einer wahren Geschichte“ weniger ein Psychothriller und mehr eine langsam erzählte Studie über eine ausgewachsene Schreibblockade und den Schaffensprozess des Künstlers ist. Im Presseheft sagt Polanski: „Ich leide sehr, wenn ich schreibe. Ich weiß aus Erfahrung, dass es nichts Schrecklicheres gibt als eine leere Seite. Man fühlt sich dann schon besser, wenn man irgendetwas zu Papier gebracht hat.“

Sein Co-Drehbuchautor Olivier Assayas beschäftigte sich in seinen letzten beiden Spielfilmen „Die Wolken von Sils Maria“ und „Personal Shopper“ mit der Arbeit einer Künstlerin und der für seine Protagonistinnen verschwimmenden Grenze zwischen Realität und, wertfrei und sehr breit verstanden, Fantasie und Wahn.

Und Delphines Geschichte ist, wie öfter bei Polanski, vor allem in „Ekel“ und „Der Mieter“, die Geschichte einer Reise in den Wahnsinn. Denn Delphine wird immer abhängiger von Elle. Die Ghostwriterin bestimmt immer mehr über das Leben der Schriftstellerin, die sogar Elles Geschichte erzählen will.

Das funktioniert als langsam erzähltes Kammerspiel ganz gut. Auch wenn die Beschränkung auf zwei Personen arg reduziert ist und eine verzweifelt auf einen leeren Bildschirm (vulgo „das leere Blatt“) starrende Schriftstellerin doch eher ein Arthaus-Publikum anspricht, das von langen statischen Bildern auf bewegungslose Menschen angesprochen wird.

Nach einer wahren Geschichte“ ist ein guter und, wenn man beginnt ihn zu analysieren, komplexer Film, der allerdings nie wirklich packt. Dafür ist die Geschichte etwas zu künstlich und Delphine verhält sich, für eine erfolgreiche Autorin, doch zu unvorsichtig und vertrauensselig.

Nach einer wahren Geschichte (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Olivier Assayas, Roman Polanski

LV: Delphine de Vigan: D’après une histoire vraie, 2015 (Nach einer wahren Geschichte)

mit Emmanuelle Seigner, Eva Green, Vincent Perez, Josée Dayan, Camille Chamoux, Brigitte Roüan, Dominique Pinon

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Nach einer wahren Geschichte“

Metacritic über „Nach einer wahren Geschichte“

Rotten Tomatoes über „Nach einer wahren Geschichte“

AlloCiné über „Nach einer wahren Geschichte“

Wikipedia über „Nach einer wahren Geschichte“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)


TV-Tipp für den 18. Mai: Der Spion, der aus der Kälte kam

Mai 18, 2018

3sat, 22.25

Der Spion, der aus der Kälte kam The Spy who came in from the Cold, Großbritannien 1965)

Regie: Martin Ritt

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Spion, der aus der Kälte kam“

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, Folge ichhabeschonlangeaufgehörtzuzählen: „Deadpool 2“

Mai 17, 2018

Vor zwei Jahren war „Deadpool“ ein Überraschungserfolg. Ein R-rated-Superheldenfilm, der Gewalt zelebriert, respektlos über alles herzieht und der einen sehr robusten Humor hat, das klang in der gepflegten Marvel-, X-Men-, Spider-Man- und Supermansuperheldenwelt nach dem Rezept für ein kommerzielles Desaster. An dieser kommerziellen Prognose änderte auch die Beliebtheit der quasi unverfilmbaren Deadpool-Comics nichts. Wer will auf der Leinwand schon einen Helden sehen, der ständig mit dem Publikum redet, kein Interesse an Weltrettung hat und dessen Zimmer wie eine Studentenbude aussieht?

Entsprechend lange musste Hauptdarsteller Ryan Reynolds nach seinem ersten, kurzen Auftritt als Deadpool in „X-Men Origins: Wolverine“ (2009) für den Film kämpfen. Letztendlich erhielt er ein überschaubares Budget, setzte alles auf eine Karte und gewann. Denn schon die ersten Minuten von „Deadpool“ zeigten: der Kampf hat sich gelohnt und der Comic-Deadpool wurde ohne große Veränderungen zum Film-Deadpool. Das weltweite Einspielergebnis von über 750 Millionen Dollar machte die Fortsetzung zu einen No Brainer. Und weil „Deadpool“ damit auch der R-rated-Film mit dem höchsten Einspiel war, wurde das Erfolgsrezept nicht geändert. Man liefert einfach das gleiche noch einmal ab. Nur eine Nummer größer.

Dieses Mal will Deadpool, nach dem gewaltsamen Tod seiner schwangeren Freundin, einen Teenager beschützen. Im Broadstone House, Essex School for the Young, wird ‚Firefist‘ Russell (Julian Dennison) von allen gemobbt. Vor allem der Direktor dieser Mutantenschule (Eddie Marsan!) malträtiert ihn. Er verfolgt auch ein gänzlich anderes Erziehungskonzept als Professor Xavier mit seiner noblen X-Men-Mutantenschule.

Als Russell ausflippt und Feuerkugeln durch die Luft schleudert, versucht Deadpool ihn zu beruhigen. Die eh schon chaotische Situation gerät vollkommen außer Kontrolle und Deadpool und Russell werden in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt. Dort besucht Cable, der Soldat aus der Zukunft (Josh Brolin), sie. Er will Russell töten – und schon sind wir mitten drin in einer wunderschönen Endlosklopperei, in der Deadpool auch ein Superheldenteam, die X-Force (weil X-Men ein so laaangweiliger Name ist), zusammenstellt. Dessen erster Einsatz verläuft dann auch wie der erste Einsatz der Avengers. Nur anders. Außer für Domino (Zazie Beetz), deren Superkraft „Glück“ ist.

‚Nur anders‘ bezeichnet ziemlich treffend, was „Deadpool 2“ von anderen Superheldenfilmen unterscheidet. Es ist zwar alles da, was man aus den Marvel-Filmen kennt, aber „John Wick“- und „Atomic Blonde“-Regisseur David Leitch und die Drehbuchautoren Rhett Reese, Paul Wernick und Ryan Reynolds bürsten alles hemmungslos gegen den Strich und runden es mit einem Pennälerwitz und einem Insider-Witz ab.

Das ist, wie die „Deadpool“-Comics, ein großer Spaß für Fans von Superheldengeschichten, die sich eine wohltuende Distanz und ein kindliches Gemüt bewahrt haben. Denn alle kriegen ihr Fett weg. Auch „Green Lantern“, der Film. Und es gibt, nach dem Tod von ‚Deadpool‘ Wade Wilson (Keine Panik. Deadpool ist unsterblich.) eine wunderschöne James-Bond-Titelsequenz, mit Deadpool als Objekt des Begehrens.

Bei dieser ununterbrochenen Abfolge von Gags und Action bemerkt man kaum, dass sogar eine ziemlich komplizierte Geschichte erzählt wird, die auch einige überraschende Wendungen hat. Und dass nebenbei einige sehr ernste Themen angesprochen werden. Nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern im Deadpool-Stil.

Nach all dem Werbeoverkill in den letzten Tagen und Wochen, wo Deadpool anscheinend überall war und auf YouTube ein „Deadpool 2“-Clip nach dem nächsten auftauchte, kann ich euch beruhigt versichern, dass „Deadpool 2“ den Hype aushält Es gibt immer noch etliche Gags und Plotwendungen, die man aus den Trailern und Clips nicht ahnt. Die Gags im Film sind besser als die aus den Clips und der Film ist in jeder Beziehung besser als die ganze Werbemaschinerie für das Franchise, dessen nächsten Filme schon, mehr oder weniger offiziell, angekündigt sind.

Deadpool: Gut gemacht, du XXXXX.

Deadpool 2 (Deadpool 2, USA 2018)

Regie: David Leitch

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds

LV: Charaktere von Rob Liefeld und Fabian Nicieza

mit Ryan Reynolds, Josh Brolin, Zazie Beetz, Julian Dennison, Morena Baccarin, Brianna Hildebrand, Shioli Kutsuna, Karan Soni, Leslie Uggams, Eddie Marsan, T. J. Miller, Andre Tricoteux, Jack Kesy, Terry Crews, Lewis Tan, Bill Skarsgård, Rob Delaney

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

 

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Deadpool 2“

Metacritic über „Deadpool 2“

Rotten Tomatoes über „Deadpool 2“

Wikipedia über „Deadpool 2“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Deadpool

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Ramon Rosanas „Night of the Living Deadpool“ (Night of the Living Deadpool # 1 – 4, März 2014 – Mai 2014)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Nik Virellas „Return of the Living Deadpool“ (Return of the Living Deadpool # 1 – 4, April 2015 – Juli 2015)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Mike Benson/Adam Glass/Laurence Campbells „Deadpool Pulp“ (Deadpool Pulp 1 – 4, 2010/2011)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Meine Besprechung von David Leitchs „Atomic Blond“ (Atomic Blonde,USA 2017)


TV-Tipp für den 17. Mai: Il Divo – Der Göttliche

Mai 17, 2018

3sat, 22.25

Il Divo – Der Göttliche (Il Divo, Italien/Frankreich 2008)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

Mit „Il Divo“ wurde der 1970 in Neapel geborene Paolo Sorrentino international bekannt. In diesem satirischen Mix aus Polit-Thriller und Biopic porträtiert er den „Democrazia Cristiana“-Politiker Giulio Andreotti (1919 – 2013). Er war zwischen 1947 und 1992 an 33 Regierungen beteiligt, davon sieben Mal als Ministerpräsident. 1992 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Er wurde immer wieder beschuldigt, Verbindungen zur Mafia zu haben.

In dem vor allem in den frühen Neunziger spielenden Film ist Andreotti bereits ein alter Mann, der keine Miene verzieht und der sich durch ein Panoptikum ebenso versteinerter Gestalten bewegt. Formal knüpft „Il Divo“ sehr gekonnt an die Tradition des italienischen Polit-Thrillers an. Vor allem den Filmen von Francesco Rosi. Beide scheuen sich nicht, den Zuschauer in jeder Beziehungen zu fordern und das italienische politische System bis in seine feinsten Verästelungen zu analysieren.

mit Toni Servillo, Anna Bonaiuto, Piera Degli Espositi, Paolo Graziosi, Giulio Bosetti, Flavio Bucci

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Il Divo“

Wikipedia über „Il Divo“ (deutsch, englisch, italienisch) und über Paolo Sorrentino (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“


DVD-Kritik: „Der Kurier – In den Fängen des Kartells“ beim letzten Flug

Mai 16, 2018

Für Sean Haggerty (Daniel Radcliffe) soll es der letzte Flug als Drogenkurier sein. Danach hat er das Geld zusammen, um die Operation seiner Frau zu bezahlen (Kleine Nebenbemerkung: mit einer ordentlichen Krankenversicherung wäre das nicht nötig.).

Während des Flugs muss Haggerty sich gleichzeitig um mehrere Probleme kümmern. Denn er ist nicht nur Drogenkurier, sondern auch Spitzel für die DEA und seine Frau ruft ihn ständig an. Sie hat nämlich herausgefunden, dass er sie über seine Arbeit und die damit verbundene Herkunft des Geldes belügt.

Daniel Radcliffe springt in seiner Post-Harry-Potter-Phase weiter munter hin und her zwischen Nebenrollen in hoch budgetierten Mainstreamfilmen, wie „Die Unfassbaren 2“, und Independent-Filmen, in denen er Dinge ausprobiert. Gerade bei diesen Filmen achtet er nicht sonderlich auf die kommerzielle Verwertbarkeit, sondern auf andere Dinge, wie die Wichtigkeit des Themas oder, wie in „Der Kurier – In den Fängen des Kartells“, die Herausforderung, während des gesamten Films an einen Ort gefesselt zu sein. Fast der gesamte Film spielt im Cockpit eines kleinen Flugzeugs. Der von Radcliffe gespielte Drogenpilot sitzt allein am Steuer des Flugzeugs und redet ständig mit seiner Frau und seinen Auftraggebern.

Solche Ein-Personen-Filme stehen und fallen mit dem Drehbuch, dem Hauptdarsteller und dem Regisseur, der das in Echtzeit spielende Ein-Personen-Ein-Ort-Stück so einfallsreich inszenieren muss, dass man diese Begrenzung auf einen Ort und eine Person nicht negativ wahrnimmt. Rodrigo Cortés‘ „Buried – Lebendig begraben“ (Spanien 2010) mit Ryan Reynolds in einem Sarg und Steven Knights „No turning back“ (Locke, USA/GB 2014) mit Tom Hardy in einem Auto fallen einem spontan als überzeugende Beispiele ein.

Der Kurier“ kommt noch nicht einmal in die Nähe dieser Filme. Das von Adam Hoelzel geschriebene Drehbuch ist für einen Spielfilm zu einfach gestrickt. Es ist überraschungs- und konfliktarm. Die Charaktere sind nicht mehr als sparsam skizzierte Pappkameraden. Daniel Radcliffe hat hier einfach zu wenig Material, um den von ihm gespielten Haggerty zu einem dreidimensionalen Charakter mit nachvollziehbaren Problemen zu machen. Er ist einfach nur ‚der Mann am Funkgerät‘.

Regisseur Jesper Ganslandt inszeniert die Geschichte ohne erkennbare Ambitionen als verfilmtes Hörspiel, bei dem die Kamera noch bewegungsloser als Radcliffes Mimik ist. Da helfen auch die wenigen atmosphärischen Gegenlicht-Bilder während des arg verwirrend inszenierten Showdowns nicht.

Als Bonusmaterial gibt es gut dreizehn Minuten Interviews mit Daniel Radcliffe, Robert Wisdom, Pablo Schreiber und Grace Gummer. Sie vermitteln interessante Informationen über die Charaktere und ihre Motive. Vielleicht sollt man sich in diesem Fall zuerst das Bonusmaterial ansehen.

Der Kurier – In den Fängen des Kartells (Beast of Burden, USA 2018)

Regie: Jesper Ganslandt

Drehbuch: Adam Hoelzel

mit Daniel Radcliffe, Grace Gummer, Pablo Schreiber, Robert Wisdom, Cesar Perez

Blu-ray

Ascot Elite Entertainment

Bild: 2.40:1 (1080p/24fps)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Trailer, Wendecover

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Kurier“

Metacritic über „Der Kurier“

Rotten Tomatoes über „Der Kurier“

Wikipedia über „Der Kurier“


TV-Tipp für den 16. Mai: Mustang

Mai 16, 2018

Arte, 20.15

Mustang (Mustang, Türkei/Frankreich/Katar/Deutschland 2015)

Regie: Deniz Gamze Ergüven

Drehbuch: Deniz Gamze Ergüven, Alice Winocour

Nachdem Lale und ihre vier Schwestern mit einigen Jungs am Meer herumtollen, gelten sie als unzüchtig und werden in das Haus des konservativen Onkels verbannt, der sie traditionell erziehen soll.

Von der Kritik abgefeiertes Drama und „Plädoyer für Freiheit und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, das über den engen regionalen Kontext der Handlung hinausweist. (Lexikon des internationalen Films) In der Türkei wurden auch die Anspielungen sofort verstanden.

Im Anschluss, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die gut einstündige Doku „Es war einmal…Mustang“ über die Entstehung und Hintergründe des Films.

mit Günes Sensoy, Doga Zeynep Doguslu, Elit Iscan, Tugba Sunguroglu, Ilayda Akdogan, Nihal G. Koldas

Hinweise

Moviepilot über „Mustang“

Metacritic über „Mustang“

Rotten Tomatoes über „Mustang“

Wikipedia über „Mustang“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Mai 15, 2018

R. i. P. Tom Wolfe (2. März 1931 – 14. Mai 2018)

Einer der Begründer des New Journalism.

 


TV-Tipp für den 15. Mai: Iran – Vom Gottesstaat zur Großmacht

Mai 15, 2018

Arte, 20.15

Iran – Vom Gottesstaat zur Großmacht (Frankreich 2017)

Regie: Vincent de Cointet

Drehbuch: Vincent de Cointet

Auftakt des sehr kurzen Arte-Themenabend „Iran – Gefährliche Großmacht?“, der jetzt natürlich brennend aktuell.

Über „Iran – Vom Gottesstaat zur Großmacht“ schreibt Arte: „Der Iran wurde in wenigen Jahren vom vermeintlichen Mitglied der von George W. Bush ausgerufenen „Achse des Bösen“ zu einem zentralen Akteur im Nahen Osten. Im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ ist das Land inzwischen unverzichtbar. Die Doku zeigt, wie und warum Teheran seine militärische und politische Stellung im Nahen Osten kontinuierlich ausgebaut hat.“

Anschließend, um 21.10 Uhr läuft die 45-minütige Doku „Dürre-Alarm: Wassernotstand im Iran“.

Die Doku ist bis zum 13. Juli in der Mediathek.


TV-Tipp für den 14. Mai: Blau ist eine warme Farbe

Mai 14, 2018

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte „Kirschblüten und rote Bohnen“ von Naomi Kawase. Danach, um 01.00 Uhr, „Heart of a Dog“ von Laurie Anderson. Das nennt man „cineastische Vollbedienung“.

Arte, 22.05

Blau ist eine warme Farbe (La vie d’Adèle, chapitres 1 & 2, Frankreich 2013)

Regie: Abdellatif Kechiche

Drehbuch: Abdellatif Kechiche, Ghalya Lacroix

LV: Julie Maroh: Le bleu est une couleur chaude, 2010 (Blau ist eine warme Farbe)

Abdellatif Kechiche erzählt die Geschichte der Liebe zwischen der 17-jährigen Adèle und der etwas älteren Emma, einer lesbischen Kunststudentin.

Ein wundervolles, dreistündiges Liebesdrama, das 2013 in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche, Mona Walravens, Jérémie Laheurte, Alma Jodorowsky

Hinweise

Französische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blau ist eine warme Farbe“

Moviepilot über „Blau ist eine warme Farbe“

Metacritic über „Blau ist eine warme Farbe“

Rotten Tomatoes über „Blau ist eine warme Farbe“

Wikipedia über „Blau ist eine warme Farbe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Abdellatif Kechiches „Blau ist eine warme Farbe“ (La vie d’Adèle, chapitres 1 & 2, Frankreich 2013)


TV-Tipp für den 13. Mai: Enthüllung

Mai 13, 2018

Sixx, 20.15

Enthüllung (Disclosure, USA 1994)

Regie: Barry Levinson

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Michael Crichton: Disclosure, 1993 (Enthüllung)

Mobbing andersrum: Ein glücklicher Familienvater wird von seiner Vorgesetzten sexuell belästigt.

Ziemlicher Langweiler, bei dem die Mobbing-Story noch der „intelligente“ Teil des Films ist. Der Teil ist allerdings ziemlich schnell abgehakt. Danach folgt eine grottige Intrige, fernab jeglicher Logik und Plausibilität. Als Seismograph gesellschaftlicher Stimmungen und männlicher Ängste ist „Enthüllung“ durchaus interessant.

Ein wesentlich besserer Film zum Thema Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist David Mamets fast zeitgleich entstandene Verfilmung seines Theaterstücks „Oleanna“ (mit dem immer vorzüglichen William H. Macy).

Damals, in den Neunzigern, standen die Bücher von „Jurassic Park“ Michael Crichton neben denen von John Grisham regelmäßig auf den Bestsellerlisten und die Verfilmungen ihrer Bücher waren Kassenknüller.

Mit Michael Douglas, Demi Moore, Donald Sutherland, Caroline Goodall, Dylan Baker

Wiederholung: Montag, 14. Mai, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Enthüllung“

Wikipedia über „Enthüllung“ (deutsch, englisch)

Homepage von Michael Crichton

Meine Besprechung von Barry Levinsons „The Bay – Nach Angst kommt Panik“ (The Bay, USA 2012)

Meine Besprechung von Barry Levinsons „Rock the Kasbah“ (Rock the Kasbah, USA 2015)