TV-Tipp für den 11. Januar: Der Pate II

Januar 11, 2014

ZDFneo, 23.15
Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Jack Taylor“, Trinker, Privatdetektiv, Galway

Januar 10, 2014

Als 2001 der erste Jack-Taylor-Roman „The Guards“ von Ken Bruen erschien, wurde er in der angloamerikanischen Krimigemeinde euphorisch aufgenommen. „The Guards“ und der Folgeband „The Killing of the Tinkers“ räumten die wichtigen Krimipreise ab. Unter anderem Edgar- und Anthony-Nominierungen, Shamus- und Macavity-Gewinner. Seinen zweiten Shamus erhielt er für „The Dramatist“.

Und obwohl es auch in Deutschland schon damals einige bekennende Ken-Bruen-Fans gab, erschien erst 2009 die Übersetzung von „The Guards“ als „Jack Taylor fliegt raus“. Übersetzt von Harry Rowohlt, einem der wenigen Übersetzer, dessen Name es auch auf den Buchumschlag schafft und der Käufer anlockt. Dummerweise ist er auch ein Übersetzer mit einem beträchtlichen Ego und entsprechend umstritten sind die Übersetzungen; – wobei die echten Ken-Bruen-Fans seine Noirs eh im Original lesen, weil seine lyrisch-knappe Sprache eben nur im Original (auch wenn man nicht jede Anspielung und jedes Wortspiel versteht) ihren wirklichen Reiz entfaltet. Die Geschichten sind nebensächlich. Denn in einem Jack-Taylor-Roman geht es immer um Jack Taylor, Ex-Polizist, Trinker, Privatdetektiv, der seine Fälle nicht löst, weil er gut ermittelt, sondern trotz seiner Ermittlungen. Er ist ein herumstreifendes Katastrophengebiet, das sich bevorzugt auf die heiligen Kühe von Galway stürzt: Schwäne, die Kirche (die späteren Taylor-Romanen sind undenkbar ohne die Religion; in „The Devil“ trifft er sogar den Leibhaftigen) und den Hass gegen die Tinker, dem herumfahrenden Volk, das dort ungefähr so beliebt ist, wie bei uns die Sinti und Roma (beziehungsweise früher Zigeuner). Seine Freunde sind letztendlich die lesbische Polizistin Ridge, der zum Zen-Meister halbwegs konvertierte Drogenhändler Stewart und Father Malachy, seine Nemesis, Fluch seines Lebens und enger Freund von Jack Taylors Mutter.

Für die Verfilmung durfte Jack Taylor erstaunlich viele Ecken und Kanten behalten. Trotzdem wurde einiges geändert. So hat Taylor in der TV-Serie zwar auch eine Freundin bei der Polizei. Aber seine Vertraute bei der Polizei, Kate Noonan, erscheint nicht besonders lesbisch, eher schon asexuell. Und Cody ist als Privatdetektiv-begeisterter Jüngling, der in der Serie immer dabei ist, der typische Sidekick des Helden, der vor allem die Laufarbeit erledigen darf und mehr schlecht als recht die Detektei von Jack Taylor am Laufen hält.

Außerdem wurden, was bei den Taylor-Fans von der Insel für Kritik sorgte, die Innenaufnahmen in Bremen im Studio gedreht, weil auch die deutsche Firma Molten Rock Media mitproduzierte und es einen Zuschuss von Nordmedia gab. Und mit den Dialekten scheint es auch zu hapern, aber das kann auf der jetzt veröffentlichten DVD-Box mit den ersten sechs Jack-Taylor-Filmen nicht überprüft werden, weil auf die englische Tonspur verzichtet wurde.

Aber der wichtigste Unterschied zwischen Bruens Romanen und den Verfilmungen ist, dass in den Romanen der Ich-Erzähler Jack Taylor der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist, die vor allem Charakterstudien sind und Taylor die Fälle normalerweise nicht aufgrund eigener Ermittlungen löst. Ken Bruen meinte mal: „He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.“

Für die Verfilmungen wurde das geändert. Die Geschichten sind geradliniger und konventioneller, aus verschiedenen Perspektiven erzählt (obwohl Ken Bruen in den späteren Jack-Taylor-Romanen mit verschiedenen Perspektiven experimentiert) und Taylor ist der Ermittler, der die Fälle löst. In den Filmen werden die Fälle wegen Jack Taylor gelöst.

Und natürlich fehlt, auch wenn es etwas Voice-Over gibt und Dialoge übernommen wurden, Ken Bruens knappe, schwarzhumorig-lakonische Sprache, die Zitate und die Leselisten der Leseratte Jack Taylor, die veritable Einkaufslisten sind.

In „Der Ex-Bulle“ soll er ein spurlos verschwundenes Mädchen suchen. Weil kurz vorher vier Mädchen, deren Leichen aus dem Wasser gezogen wurden, sich angeblich selbst umbrachten, befürchtet Taylor, dass bald eine fünfte Wasserleiche gefunden wird.

In „Auge um Auge“ gerät Jack Taylor an die Pikemen, eine Bürgerwehr, die Verbrecher, die vor Gericht nicht verurteilt wurden, final bestraft.

In „Gefallene Mädchen“ wühlt Jack Taylor in der Vergangenheit von Galway. Denn er soll eine Nonne finden, von der er nur ihren Spitznamen „Lucifer“ kennt, und die in einem Magdalenen-Heim, in dem „Gefallene Mädchen“ wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollten, ein besonders drakonisches Regime führte.

In „Königin der Schmerzen“ beauftragt ein sich merkwürdig verhaltender Literaturprofessor Jack Taylor den Tod einer Studentin aufzuklären. Am Ende gerät Taylors Freundin Kate Noonan in Lebensgefahr.

In „Tag der Vergeltung“ wird Father Royce, der lange in den USA war, ermordet. Father Malachy möchte, dass Taylor den Fall aufklärt. Denn Father Royce verging sich an Messdienern – und das könnte das Motiv sein.

In „Das schweigende Kind“ wird Jack Taylor von einem Tinker-Clan beauftragt, den Mörder von Rosies Mutter zu finden. Rosie, die den Mord beobachtete, schweigt und die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für diesen Streit unter Tinkern.

Letztendlich sind die Jack-Taylor-Filme ordentliche Privatdetektiv-Filme mit einem kantigen Helden und Fällen, die sich tief in die unschönen Seiten der irischen Geschichte begeben. Aber die Bücher sollte man trotzdem lesen. Denn sie sind etwas ganz anderes.

Die DVD-Ausgabe

Eigentlich ist die deutsche DVD-Ausgabe der ersten sechs Jack-Taylor-Filme ein Fall für die Mülltonne. Denn es gibt keine Untertitel und keinen Originalton. Beides gehört für mich zur Standardausstattung.

Es gibt Interviews mit Hauptdarsteller Iain Glen, Noonan-Darstellerin Nora Jane Noone, Cody-Darsteller Killian Scott, Regisseur Stuart Orme, Produzent Ralph Christians, Drehbuchautor Marteinn Thorisson und Kameramann John Conroy, teils untertitelt, teils mit Voiceover, teilweise auch ohne Nennung des Interviewten.

Nein, einen besonders liebevollen Eindruck hinterlässt die „Jack Taylor“-Box nicht.

Dummerweise sieht die Situation in anderen Ländern nicht viel besser aus. In England gibt es nur die ersten drei Filme auf DVD.

Es gibt außerdem eine „Complete Collection One & Two“ mit den ersten fünf Fällen. Denn „Das schweigende Kind“ wurde bislang in Irland noch nicht gezeigt.

Jack Taylor - DVD-Cover - 4

Jack Taylor (Irland 2010/2011/2013)

mit Iain Glen (Jack Taylor), Nora Jane Noone (Kate Noonan), Killian Scott (Cody), Frank O’Sullivan (Superintendent Clancy), Paraic Breathnach (Father Malachy)

–

DVD

Edel

Bild: Pal 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern und Machern der Serie

Länge: 540 Minuten (6 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

–

Jack Taylors Ermittlungen

Der Ex-Bulle (The Guards, Irland 2010)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

–

Auge um Auge (The Pikemen, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

–

Gefallene Mädchen (The Magdalen Martyrs, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: The Magdalen Martyrs, 2002 (Jack Taylor fährt zur Hölle)

–

Königin der Schmerzen (The Dramatist, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marcus Fleming

LV: Ken Bruen: The Dramatist, 2004 (Ein Drama für Jack Taylor)

–

Tag der Vergeltung (Priest, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Priest, 2006 (Jack Taylor und der verlorene Sohn)

–

Das schweigende Kind (Cross; Shot Down, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Cross, 2007 (Jack Taylor auf dem Kreuzweg)

–

Die Jack-Taylor-Romane

1) Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)

2) Jack Taylor liegt falsch (The Killing Of The Tinkers, 2002)

3) Jack Taylor fährt zur Hölle (The Magdalen Martyrs, 2003)

4) Ein Drama für Jack Taylor (The Dramatist, 2004)

5) Jack Taylor und der verlorene Sohn (Priest, 2006)

6) Jack Taylor auf dem Kreuzweg (Cross, 2007)

7) Jack Taylor gegen Benedictus (Sanctuary, 2008)

8) Jack Taylor geht zum Teufel (The Devil, 2010)

9) Ein Grabstein für Jack Taylor (Headstone, 2011)

10) Purgatory, 2013

–

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Januar: Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter

Januar 10, 2014

RTL Nitro, 22.05

Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter (USA 2012, R.: Christopher Chulack, Michael Uppendahl)

Drehbuch: Hunt Baldwin, John Coveny, Sarah Nicole Jones

Erfinder: Hunt Baldwin, John Coveny

LV: Charakter von Craig Johnson

Wyoming, wo sich seit den Tagen des Wilden Westens wenige änderte: Sheriff Walt Longmire sorgt für Recht und Ordnung – und wir können eine in den USA hochgelobte Krimiserie genießen.

RTL Nitro zeigt die erste Staffel in Doppelfolgen.

In den USA wird dieses Jahr die dritte Staffel gezeigt.

Die Serie basiert auf Craig Johnsons Longmire-Romanen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Die Pilotfolge wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.

Die Serienerfinder Hunt Baldwin und John Coveny waren vorher bei „The Closer“ beschäftigt.

mit Robert Taylor, Katee Sackhoff, Lou Diamond Phillips, Bailey Chase, Cassidy Freeman, Adam Bartley, Louanne Stephens

Hinweise

A&E-Homepage zu „Longmire“

Wikipedia über „Longmire“

Fantastic Fiction über Craig Johnson

Homepage von Craig Johnson

Mysterious Musings: Interview mit Craig Johnson über Walt Longmire (2007)

Und noch ein längeres Gespräch mit Craig Johnson, in dem er über die Entstehung der TV-Serie spricht


Neu im Kino/Filmkritik: Über das grandiose Robert-Redford-Solo „All is lost“

Januar 9, 2014

 

Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.

J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.

Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.

Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.

All is lost - Plakat

All is lost (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

mit Robert Redford

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „All is lost“

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten Alex Ebert, der für seinen „All is lost“-Soundtrack eine Golden-Globe-Nominierung erhielt:


Die KrimiZeit-Bestenliste Januar 2014

Januar 9, 2014

 

Neues Jahr, neue KrimiZeit-Bestenliste, wegen Silvesterkater der Ersteller nicht am ersten Donnerstag des Monats, mit vielen alten Bekannten:

1 (3) John le Carré: Empfindliche Wahrheit

2 (1) Friedrich Ani: M

3 (7) Dennis Lehane: In der Nacht

4 (5) Martin Cruz Smith: Tatjana

5 (4) Garry Disher: Dirty Old Town

6 (2) Lee Child: 61 Stunden

7 (-) Ulrich Ritzel: Trotzkis Narr

8 (-) Zoë Beck: Brixton Hill

9 (-) Jesper Stein: Unruhe

10 (8) Jo Nesbø: Koma

–

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

–

Einige der gelisteten Romane habe ich schon gelesen. Einiges liegt immer noch auf meinem Zu-lesen-Stapel – und dann hab ich jetzt auch noch die Vorlage für Martin Scorseses „Der Wolf der Wall Street“, Jordan Belforts 640-seitige, eng bedruckte Biographie, bekommen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Zwei vom alten Schlag“ kloppen sich

Januar 9, 2014

 

Verkauft wurde „Zwei vom alten Schlag“ wahrscheinlich als „Rocky“ trifft „Wie ein wilder Stier“ Jake La Motta mit Sylvester Stallone und Robert De Niro in den Hauptrollen. Nach diesem Besetzungscoup ist die Sache dann ein Selbstläufer: andere bekannte Schauspieler machen gerne mit und bei der geballten Starpower winkt dann auch ein gutes Einspielergebnis. Diese Rechnung ging in den USA an der Kinokasse nicht auf; – was durchaus verständlich ist. Denn außer dem Besetzungscoup, der sich wie ein Gag in einer TV-Show liest, hat das Starvehikel nichts zu bieten.

Die banale Filmgeschichte wird überraschungsfrei und ziemlich nachlässig bis zum abschließenden Boxkampf erzählt: Henry ‚Razor‘ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy ‚The Kid‘ McDonnen (Robert De Niro) sind zwei Boxer aus Pittsburgh. In den frühen Achtzigern kämpften sie zweimal gegeneinander. Weil jeder einen Kampf gewann, sollte ein dritter Kampf endgültig zeigen, wer der bessere Boxer ist. Aber noch vor dem Kampf zog sich Razor zurück und wurde zu einem Stahlschweißer in einer Fabrik. Kid ging es finanziell besser, aber wirklich glücklich ist er als Unternehmer und Kneipier mit seiner unwitzigen Stand-Up-Comedy-Show auch nicht.

Dreißig Jahre später soll jetzt dieser Kampf ausgetragen werden. Vor dem Kampf muss dann noch etwas Ballast aus dem Weg geräumt werden: einerseits Gewichtsballast, weil beide nicht mehr sonderlich fit sind, andererseits emotionaler Ballast, weil natürlich eine Frau der Grund für Razors Rückzug war. Sally (Kim Basinger, anscheinend seit „9 1/2 Wochen“ nicht gealtert) war Razors Freundin, sprang aber auch einmal mit Kid ins Bett und aus diesem One-Night-Stand entstand ein Sohn (Jon Bernthal, gewohnt zuverlässig), der sich jetzt bei Kid meldet und dann sein Trainer wird.

Und beide Boxer sind spinnefeind, was dazu führt, dass jede ihrer Begegnungen schnell von einem Wortgefecht zu einer Schlägerei führt.

Alle drei Geschichten plätschern, garniert mit einigen halbgaren Witzen, meist zwischen Kalauer und Zote, lustlos die Plot-Points abhakend, bis zu ihrem absehbaren Ende vor sich hin. Dass, zum Beispiel, der verantwortungslose Single Kid, wenn er auf seinen Enkelsohn aufpassen soll, dann nicht mit ihm ins Kino geht, sondern sich in seiner Kneipe hoffnungslos betrinkt und mit der erstbesten Schönheit ins Bett springt (auch wenn das Bett die Rückbank von seinem Auto ist), dürfte nur die überraschen, die noch nie eine Familienkomödie gesehen haben. Dass Razor und Sally wieder zusammenkommen, dass Kid und sein Sohn, den er noch nie gesehen hat, zusammenkommen, ist ebenso vorhersehbar.

Eigentlich gibt es nur eine Überraschung in dem Film: während des finalen Boxkampfes zwischen Razor und Kid, die beide für ihr Alter in überraschend guter Form sind, kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die vielleicht Harmoniegefühle befriedigt, aber vollkommen out of character ist.

Sowieso vermeidet der Film konsequent jeden Konflikt und jeden Anschein von Realismus. So ist die romantisierte Blue-Collar-Arbeiterwelt mit dampfenden „Flashdance“-Stahlwerken, die in Bruce-Springsteen-Songs besungen wird, inzwischen hemmungslos anachronistisch. Nach der Stahlkrise der siebziger Jahre und dem auch in Pittsburgh seitdem stattgefundenem Strukturwandel wird dort in anderen Branchen Geld verdient. Aber ein echter Razor hält die Zeit einfach bei 1983 an.

„Zwei vom alten Schlag“ überzeugt weder als Drama, noch als Komödie. Es ist das filmische Äquivalent zum Junk TV, das als anspruchsloser Zeitvertreib spätestens mit dem Verlassen des Kinosaals vergessen ist.

Zwei vom alten Schlag - Plakat

Zwei vom alten Schlag (Grudge Match, USA 2013)

Regie: Peter Segal

Drehbuch: Tim Kelleher, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Tim Kelleher)

mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Allan Arkin, Jon Bernthal, Kim Basinger, Camden Gray, LL Cool J, Barry Primus

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zwei vom alten Schlag“

Moviepilot über „Zwei vom alten Schlag“

Metacritic über „Zwei vom alten Schlag“

Rotten Tomatoes über „Zwei vom alten Schlag“

Wikipedia über „Zwei vom alten Schlag“ (deutsch, englisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Prinzessin „Diana“ ist verliebt

Januar 9, 2014

 

Nach der Trennung von Prinz Charles langweilt Prinzessin Diana sich im Kensington Palast, wartet auf die Scheidung und wird von Fotografen verfolgt. Da begegnet sie im Krankenhaus Hasnat Khan, einem jungen pakistanischen Herzchirurgen, der sie nicht als Berühmtheit, sondern als ganz normale Frau behandelt. Sie verliebt sich in ihn, er in sie und Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) konzentriert sich in seinem Biopic „Diana“ auf diese Liebesgeschichte, die er mit ihrem Unfalltod zu einer Geschichte über ihre letzten beiden Jahre aufplustert und ihr so wohl eine größere Bedeutung verleihen will.

Dennoch bleibt der Film reinstes, strunzdoofes Kitschkino: Das von allen verfolgte It-Girl, das in den starken Armen eines aus dem fernen Orient kommenden Arztes ihr Glück findet. Das ist der Stoff, aus dem eindimensionale Soaps gestrickt sind und genau das ist „Diana“.

Dabei hätte es durchaus viele Aspekte im Leben von Lady Di gegeben, die man in einem Biopic hätte ansprechen können. Aber das Königshaus kommt überhaupt nicht vor. Die Rolle der Medien, die Einsamkeit einer von allen verfolgten Person, die Suche nach einem Lebensinhalt, ihr Engagement gegen Landminen, ihr Verhältnis zu Männern – das alles kommt in dem Kitschfest nur in Nebensätzen vor, um noch einmal, allerdings nie den richtigen Ton treffend, die Geschichte von der Prinzessin und dem Bürgerlichen zu erzählen, während die Macher alle auch nur halbwegs interessanten Aspekte im Leben von Diana weiträumig umschiffen.

Aber dafür hätten sie auch eine Haltung zu dem Leben von Prinzessin Diana finden müssen. Sie hätten sich darüber verständigen müssen, was sie an ihrem Leben besonders fasziniert, warum sie gerade diese Geschichte erzählen wollen und was wir daraus lernen können. Kurz: wir müssten irgendetwas Neues aus dem Leben von Prinzessin Diana erfahren. Eine austauschbare Liebesgeschichte, die schon vor einem halben Jahrhundert mehr als abgenudelt war, kann es nicht sein.

Diana - Plakat

Diana (Diana, GB/USA 2013)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Stephen Jeffreys

mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James, Charles Edwards, Cas Anvar, Juliet Stevenson

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Diana“

Moviepilot über „Diana“

Metacritic über „Diana“

Rotten Tomatoes über „Diana“

Wikipedia über „Diana“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, Großbritannien 2009)

 

 


TV-Tipp für den 9. Januar: Young Adam – Dunkle Leidenschaft

Januar 9, 2014

3sat, 22.25

Young Adam – Dunkle Leidenschaft (F/GB 2003, R.: David Mackenzie)

Drehbuch: David Mackenzie

LV: Alexander Trocchi: Young Adam, 1954/1957 (Wasserläufe)

Glasgow, um 1950: Der gescheiterte Schriftsteller Joe heuert auf Les Lastkahn an. Schnell beginnt er ein Verhältnis mit dessen Frau. Als Joe und Les eine tote Frau im Wasser entdecken, verschweigt Joe, dass er die Tote kennt.

David Mackenzie beschreibt „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ als eine unmoralische Parabel über die Moral. Über den innerlich zerrissenen Helden Joe sagt er: “Von reiner Unschuld ist er so weit entfernt wie man nur sein kann, und doch trifft ihn andererseits keine Schuld.”

Düstere Erotiktragödie, bei der die Sexszenen in den USA für den erwarteten Skandal sorgten, während auf dem Kontinent das Interesse mehr der Geschichte galt.

„Der Film lebt von seiner atmosphärischen Dichte und einem erstklassigen Ensemble, das dem unnachgiebigen Blick der Kamera standhält.“ (Martin Schwickert, AZ, 9. Dezember 2004) oder “Ein wunderschöner, trauriger, lyrischer Film, ein kleines Meisterstück.” (film-dienst)

Die Musik schrieb David Byrne.

Mit Evan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley

Wiederholung: Samstag, 11. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Alexander Trocchi

Homepage zum Film

Film-Zeit über “Young Adam”

Moviepilot über „Young Adam“

Metacritic über „Young Adam“

Rotten Tomatoes über „Young Adam“


DVD-Kritik: Ein Blick auf sechs Filme von Jess Franco

Januar 8, 2014

 

Ob sich das heutige Jugendliche noch vorstellen können? Immerhin können sie auf solche Seiten klicken.

Aber damals in den siebziger Jahren gab es noch kein Internet. Es gab aber eine Explosion von, hm, Freizügigkeit, die in Deutschland zu den Aufklärungsfilmen, wie dem „Schulmädchenreport“ führte. Natürlich war die postulierte Aufklärung nur der verlogene pädagogische Mantel für das Ansehen von höchstens spärlich bekleideten jungen Frauen, deren Dialoge eine Mischung aus Stöhnen („Ah! Aah! Aaaah!“) und wenigen Worten („Ja! Jaa! Jaaa! Mehr! Du bist so gut!“) war. Und die billig produzierten Filme waren an der Kinokasse – auch wenn sie jetzt keiner gesehen haben will – erfolgreich.

Irgendwann ließ man auch das Aufklärungsmäntelchen weg und die meisten dieser pornographischen Filme waren billig produzierter Mist, der sich erfolgreich jeder Kritik entzog und im Bahnhofskino die Bedürfnisse der jüngeren Zuschauer befriedigen sollte, während die noch Jüngeren sich überlegten, wie sie in diese Erwachsenenfilme kommen konnten. Immerhin sahen die Plakate (Titten!), die Aushangbilder (Titten!) und die Trailer (Titten! Stöhnen! Gern auch etwas Gewalt.) vielversprechend aus.

Einer, vielleicht sogar der Meister des Euro-Trashs war der Spanier Jess Franco, der für ein Taschengeld in atemberaubender Geschwindigkeit und ohne jeden Kunstanspruch Filme herunterdrehte, die so eindeutige Titel wie „Voodoo Passion“, „Das Haus der mannstollen Frauen“, „Ilsa, the Mad Butcher“ und „Frauen für Zellenblock 9“ (das war dann Sex und Gewalt im Gefängnis) hatten.

Jetzt veröffentlicht Ascot-Elite in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ die Filme, die Jess Franco für Erwin C. Dietrich (ein Meister des billig produzierten Schund) drehte, mit originalgetreuen Covers in den ungekürzten Fassungen wieder auf DVD und erstmals auf Blu-ray und man kann überprüfen, ob die damaligen Urteile noch stimmen. Immerhin hat Jess Franco inzwischen eine Schar von Jüngern und er gehört zu den wenigen Regisseuren, dessen Filme heute noch bekannt sind, währen die „Schulmädchen-Report“-, „St.-Pauli-Report“- und Dirndl-und-Jodel-Filme heute ziemlich erfolgreich aus dem öffentlichem Bewusstsein verschwunden sind.

Damals verrissen Kritiker unisono die Filme, wie auch ein Blick in das „Lexikon des internationalen Films“ zeigt:

„Ein Hintertreppen-Produkt, teils läppischer Krimi, teils Sexfilm.“ (Down Town – Die nackten Puppen der Unterwelt)

„Der politische Hintergrund dient lediglich als Vorwand für eine Mischung aus Sadismus, Sex und KZ-Mentalität.“ (Greta – Haus ohne Männer)

„Sexfilm mit lustlos abgefilmten Stellungsnummern am Strand, im Auto, im Bett, zu zweit oder als Trio, verpackt in eine schwachbrüstige Handlung. (…) Ein in jeder Hinsicht klägliches Machwerk. – Wir raten ab.“ (Die teuflischen Schwestern)

„Alberne Mischung aus Erotik und Voodoo-Hokuspokus, blutrünstig und voyeuristisch.“ (Ruf der blonden Göttin)

„Schundprodukt.“ (Frauen ohne Unschuld)

„Eine Sadistin und ihr Berater, ein Arzt, foltern in einem Lager drei junge Frauen – was der Film mit unverhohlenem Genuss ausspielt. – Wir raten ab.“ (Frauen für Zellenblock 9)

Aber damals fanden auch einige Filme und Regisseure keine Gnade bei den Kritikern, die heute einen deutlich besseren Ruf genießen. Ich sage nur Russ Mayer.

Sehen wir uns, ordentlich vorgewarnt, in einer verwegenen Mischung aus Tapferkeit und Lüsternheit, die bis jetzt erschienenen sechs Veröffentlichungen der „Jess Franco Golden Goya“-Collection an.

In „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (1975) soll der Privatdetektiv Al Perreira die bildschöne Frau eines Politikers in einer kompromittierenden Situation fotografieren und gerät in ein Intrigenspiel, das sicher von „Chinatown“ (1974) und ungefähr jedem zweiten Privatdetektiv-Krimi, einem damals ungeheuer populärem Genre, inspiriert ist, aber – wie auch die fünf anderen Filme der „Jess Franco Golden Goya Collection“, die hier besprochen werden – die Story nur als vernachlässigbare Klammer für lange Sexszenen ignoriert.

In „Wicked Woman – Das Haus der mannstollen Frauen“ (1977) werden in einer Villa am Lago Maggiore die nackten Leichen eines jungen Ehepaars (dekorativ mit Blut besudelt) gefunden. Die einzige Zeugin der Tat, die junge Margeritta, ist von der Tat so schockiert, dass sie verstummt. Sie wird in die Psychiatrie eingeliefert – und dort beobachtet Margeritta weitere Morde. Oder ist sie inzwischen komplett durchgedreht? Naja, egal. Denn die meiste Zeit beobachtet Jess Franco die spärlich bekleideten Insassinnen, die sich endlos befummeln und stöhnen.

In „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (1977) erzählt Jess Franco wieder eine Kriminalgeschichte. Denn die eine der titelgebenden Schwestern will die andere wegen des Geldes in den Wahnsinn treiben und diese leidet – immerhin sind wir in einem Jess-Franco-Film – an einer unbezähmbaren Sexsucht, deren Befriedigung – nackte Leiber und Gestöhne – uns ausführlich gezeigt wird. Genrejunkies können jetzt, wie bei „Downtown“, die wesentlich gelungeneren Vorbilder heraussuchen.

In „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (1977) geht es nach Haiti, wo die frisch vermählte Susan (jung und Franco-knackig) in den Bann des Voodoo gerät, der sich hauptsächlich in ekstatischen Blicken und wild nach dem Klang der Trommeln bewegenden nackten Leibern manifestiert. Am Ende erfahren wir, dass es bei dem ganzen Gestöhne auch eine Kriminalgeschichte gab, die wahrscheinlich von Jess Franco am Ende schnell als Erklärung für den ganzen Mist (jedenfalls wenn man von einem Film mehr als hüpfende Titten und wackelnde Popos erwartet) herhalten muss. Denn auch beim zweiten Sehen sind die Hinweise auf das Komplott so versteckt, dass man sie unmöglich finden kann.

In „Frauen für Zellenblock 9“ (1977) geht es dann – entsprechend des Titel – ins „Women in Prison“-Subgenre, das uns eine Gefängniswelt aus Sadismus, Sex und Gewalt unter und gegen weibliche Gefangene zeigt. Garniert wird es hier, weil der Film irgendwo in Südamerika spielt, mit etwas Revolutionsromantik und einem komplett gehirnentkernten Plot, der wahrscheinlich aus übriggebliebenen Filmschnipseln von einem anderen Film und einigen Restdrehtagen zusammengeschustert wurde. Immerhin hält der Unglaube das Interesse wach: so flüchten einige der jungen, spärlich bekleideten Gefangenen aus dem besonders gruseligem Zellenblock 9 und anstatt möglichst schnell möglichst weit abzuhauen, nehmen sie zuerst ein Bad in einem Gewässer und vergnügen sich dann miteinander. Naja: Sex geht immer.

„Ilsa, the Mad Butcher“ (1977) ist dann der beste und auch der geschmackloseste Film in diesem Sextett. Mit Dyanne Thorne hatte Franco sogar einen echten Hollywood-Star, Unterkategorie Trash an Bord. Für sie sprechen eine beeindruckende Oberweite und, dass sie vorher „Ilsa: She Wolf of the SS“, „Ilsa – Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ war.

In „Ilsa, the Mad Butcher“ leitet sie in Südamerika eine Irrenanstalt, in der die Insassinnen, wegen der tropischen Temperaturen höchst spärlich bekleidet, sich die meiste Zeit selbst befriedigen (Klingt bekannt?). Daneben werden sie von der Leiterin Ilsa gequält – und Jess Franco verziert das mit einer Geschichte, die schamlos die Umtriebe von damaligen Folterregimes ausbeutet.

Bei diesem und auch den meisten der hier besprochenen Filme geht die Geschichte für die Protagonistin oder den Protagonisten schlecht aus; was uns dann wieder einiges über die damalige Zeit, als Anti-Helden und ein negatives Ende trendy waren, sagt.

Davon abgesehen entsprechen die schauspielerischen Qualitäten der Schauspieler normalerweise der unterirdischen Qualität der Drehbücher. Vor allem die jungen Damen sind doch allesamt von ihrem Aussehen nicht Playmate-tauglich, aber was macht man nicht alles für einen Südsee-Urlaub.

Irgendwie fühlt man sich nach den Jess-Franco-Filmen schmutzig. Als hätte man etwas verbotenes getan; – naja, wie früher, als man sich in die Filme schlich.

Und nun zum Positiven: Walter Baumgartner schrieb für alle Filme die Musik, die ein herrlich durchgeknallter, angenehm respektloser Mix aller möglichen Stile, oft mit einem starken Jazz- und Easy-Listening-Touch, ist. Da würde sich eine ordentliche CD-Veröffentlichung lohnen.

Downtown - DVD-CoverVoodoo Passion - DVD-Cover

Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt (Schweiz 1975)

Regie: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

Drehbuch: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

mit Lina Romay,Paul Müller, Martine Stedil

auch bekannt als „Miezen der Unterwelt“

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Ada Tauler, Jack Taylor, Karine Bambier, Rita Morena

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Frauen für Zellenblock 9 - DVD-CoverIlsa - The Mad Butcher - DVD-Cover

Frauen für Zellenblock 9 (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Jess Franco

mit Karine Gambier, Howard Vernon, Susan Hemingway, Aida Gouveia

auch bekannt als „Flucht von der Todesinsel“ (Wo war da eine Insel?) und „Tropical Inferno“

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Italienisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Ilsa – The Mad Butcher (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor (Pseudonym von Erwin C. Dietrich), Jess Franco

mit Dyanne Thorne, Lina Romay, Eric Falk, Tania Busselier, Esther Studer, Jess Franco

auch bekannt als „Greta – Haus ohne Männer“ und „Ilsa, the wicked Warden“

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Italienisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch, Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Interview, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Die teuflischen Schwestern - DVD-CoverWicked Women - DVD-Cover

Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Karine Gambier, Pamela Stanford, Jack Taylor, Eric Falk

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Jess Franco

mit Lina Romay, Monica Swin, Nanda van Bergen

auch bekannt als „Frauen ohne Unschuld“

–

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch, Niederländisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

 

 


TV-Tipp für den 8. Januar: Shine a Light

Januar 8, 2014

ZDFkultur, 20.15

Shine a Light (USA/GB 2008, R.: Martin Scorsese)

In seinen Filmen hat Martin Scorsese bereits öfter Songs der Rolling Stones verwandt. Bei „Shine a Light“ drehte er einen Film mit ihnen. Einen Konzertfilm, der ihre beiden 2006er-Konzert im New Yorker Beacon Theater dokumentiert.

Als Gäste waren Buddy Guy, Christina Aguilera und Jack White auf der Bühne dabei. Im Publikum kann man auch einige bekannte Gesichter sehen.

„Shine a Light“ ist natürlich mehr ein „Rolling Stones“-Konzertfilm als ein Martin-Scorsese-Film, obwohl Scorses mit „The Last Waltz“ bereits einen legendären, im TV schon lange nicht mehr gezeigten Konzertfilm über das letzte Konzert der Rockband „The Band“ drehte.

Wiederholung: Donnerstag, 9. Januar, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shine a Light“

Berlinale 2008: Pressekonferenz zum Film mit Martin Scorsese und den Rolling Stones

Wikipedia über „Shine a Light“ (deutsch, englisch)

Homepage der Rolling Stones

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

–

Ihr dürft euch auf diesen Film freuen:

Kinostart ist der 16. Januar.


Cover der Woche

Januar 7, 2014

Fleming - Casino Royale


TV-Tipp für den 7. Januar: James Bond: Casino Royale

Januar 6, 2014

ZDF, 20.15

James Bond: Casino Royale (USA 2006, R.: Martin Campbell)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Wiederholung: Mittwoch, 8. Januar, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Orson Scott Cards „Ender’s Game“: der Comic und der Roman

Januar 6, 2014

Inzwischen liegt der zweite und abschließende Band der Comicversion von Orson Scott Cards mit dem Hugo- und Nebula-Preis ausgezeichnetem Science-Fiction-Klassiker „Ender’s Game“ vor, die Verfilmung ist auch schon angelaufen – und ich kann jetzt, immerhin ist der Roman bei uns wesentlich unbekannter als in den USA, unbefangener das Ende der Geschichte von Ender Wiggin diskutieren, ohne dass über Spoiler rumgemault wird.

Wir erinnern uns: Nach einer Invasion der Krabbler (aka Formics), die verhindert werden konnte, rüstet die Menschheit seit Jahrzehnten gegen einen neuen Angriff der Krabbler auf. In einer Kampfschule werden Kinder zu Soldaten ausgebildet. Der beste Soldat ist der am Anfang der Geschichte sechsjährige Ender Wiggin, der durch sein strategisches Talent beeindruckt und in wenigen Jahren zum Anführer der Menschheit gegen die außerirdischen Invasoren werden soll.

Im ersten Teil des Comics „Ender’s Game – Das große Spiel“ wurde der Anfang von Enders Ausbildung gezeigt und auch angesprochen, dass sein Training manipuliert wird, um seine Fähigkeiten voll zu entfalten. Am Ende wurde ihm gesagt, dass er sich für die nächste Stufe seiner Ausbildung, die Kommandantenschule, qualifiziert habe.

Im zweiten Teil wird die weitere Ausbildung des nun neunjährigen Jungen gezeigt. Gegen Ende (genaugenommen am Ende des vierten von fünf Heften) übernimmt der legendäre Mazer Rackham, der im vorherigen Krieg die Krabbler besiegte, seine weitere Ausbildung und im titelgebenden „großen Spiel“, das der Abschluss von Enders Ausbildung sein wird, besiegt er als Kommandant eine riesige Flotte von Angreifern.

Danach erfährt er, dass dieses und die vorherigen Spiele keine Spiele waren, sondern er der Befehlshaber über die gesamte Truppen der Menschheit war und er in seinem letzten Spiel die gesamte Rasse der Krabbler vernichtete.

Im Comic, der sich auf die verschiedenen Übungskämpfe von Ender konzentriert, spielt dieses Dilemma, dass er eine ganze Spezies vernichtete, keine Rolle.

Im Film wird es deutlicher angesprochen. Denn Ender kann nur, wie mehrmals betont wird, seinen Gegner vernichten, wenn er ihn vollkommen versteht – und dann auch liebt. Weil die Krabbler mit ihm über ein Computerspiel bereits – ohne dass er es wusste – Kontakt aufgenommen haben, findet er aber noch das befruchtete Ei einer Krabblerkönigin, mit dem er, wenn er einen neuen Planeten für es findet, seine Schuld etwas ausgleichen kann.

Im Buch, das der Auftakt zu weiteren Geschichten mit Ender ist, wird es noch deutlicher.

Denn Orson Scott Card zeigt in seinem Debütroman „Enders Spiel“ und der Jahre später entstandenen Parallelgeschichte „Enders Schatten“, in dem er Enders Ausbildung und die große Schlacht aus der Sicht von Bean, einem außergewöhnlich intelligentem Untergebenen von Ender, erzählt, viel deutlicher die menschenverachtende Ausbildung von Ender, die nur möglich wird, weil das Militär die Macht übernehmen konnte und die Angst vor einem unbekannten Feind herrscht. „Enders Spiel“ ist hier nur verständlich vor der Folie des Kalten Krieges, der als nie direkt angesprochener Subtext den gesamten Roman durchzieht. In dem 1999 entstandenem „Enders Schatten“ fehlt dieser Subtext, was zu interessanten Verschiebungen führt. Immerhin wurde damals in der internationalen Politik von einer immer stärkeren Verflechtung der Staaten, der zunehmenden Rolle von friedensstiftenden internationalen Kooperationen (im Fachjargon „Regime“) und sogar einem Ende von Kriegen gesprochen.

In beiden Romanen durchzieht die Darstellung der Manipulation der gesamten Ausbildung der Soldaten durch ihre Vorgesetzten die gesamte Geschichte. Es ist immer deutlich, dass die Auszubildenden nur Bauern in einem Spiel sind, was durch die Idee, dass hier Kinder für die Zwecke des Militärs benutzt werden, noch menschenverachtender wird.

In einem Subplot, der im Film und im Comic fehlt, spricht Orson Scott Card die Politik und die Rolle der Medien an. Denn in „Enders Spiel“ beginnen die beiden etwas älteren Geschwister von Ender eine Karriere als politische Kommentatoren – und er beschreibt in diesem Erzählstrang erstaunlich präzise, wie das heutige Internet funktioniert. Die beiden Geschwister schreiben ihre Kommentare unter zwei Tarnidentitäten (die eine ist kriegstreibend, die andere friedliebend) zuerst in politischen Diskussionsforen und, nachdem sie genügend Follower haben, auch in den Leitmedien. Dabei ahnt niemand, dass sogar die politische Elite auf Kinder hört.

Aber der größte Clou von „Enders Spiel“ ist das Ende. Denn nachdem Orson Scott Card vorher die Ausbildung in der Kampfschule so genau beschrieb, dass sogar das US-Militär den Roman auf seine Leseliste für Offiziersanwärter gesetzt hat, gibt es jetzt eine Wendung. Nach dem vorherigem Angriff, bei dem die Krabbler vernichtend geschlagen wurden, haben sie sich auf ihre Welt zurückgezogen und alle Invasionspläne fallen gelassen. Ender hat also einen Gegner besiegt, der überhaupt nicht mehr kämpfen wollte.

Gleichzeitig erkennen wir, dass die gesamte Kriegsparanoia nur funktionierte, weil die Militärs (und die Politik) niemals auf Verständigung, sondern immer nur mit Angst und Aggression operierte. In dem Moment wird der Roman, der sich vorher teilweise wie eine konservative Kampfschrift las (und Orson Scott Card ist vor solchen Anwandlungen nicht gefeit), zu einem Aufruf zur Verständigung. Zum Dialog.

Card - Ender s Game - 2

Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferry (Zeichnungen): Ender’s Game – Das große Spiel (Band 2)

(übersetzt von Bluna Williams)

Panini, 2013

132 Seiten

14,95 Euro

–

Originalausgabe

Ender’s Game: Command School 1 – 5

Marvel 2010

–

Die Vorlage

Card - Enders Spiel - 2Card - Enders Schatten - 2

Orson Scott Card: Enders Spiel

(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)

Heyne, 2012

464 Seiten

8,99 Euro

–

Originalausgabe

Ender’s Game

Tor, 1985

(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)

–

Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.

–

Orson Scott Card: Enders Schatten

(übersetzt von Regina Winter)

Heyne, 2013

592 Seiten

8,99 Euro

–

Originalausgabe

Ender’s Shadow

Tor, 1999

–

Die Verfilmung

Ender s Game - Plakat

Ender’s Game – Das große Spiel (Ender’s Game, USA 2013)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gavin Hood

LV: Orson Scott Card: Ender’s Game

mit Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Viola Davis, Nonso Anozie, Aramis Knight, Jessica Harthcock

Länge: 114 Minuten

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Moviepilot über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Metacritic über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Rotten Tomatoes über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Wikipedia über „Ender’s Game – Das große Spiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Orson Scott Card

Phantastik-Couch über Orson Scott Card

Wikipedia über Orson Scott Card (deutsch, englisch)

Epilog: Interview mit Orson Scott Card (2004)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferrys (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 1)“ (Ender’s Game: Battle School 1 – 5, 2009)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)


TV-Tipp für den 6. Januar: Rashomon – Das Lustwäldchen

Januar 6, 2014

Arte, 22.05

Rashomon – Das Lustwäldchen (Japan 1950, R.: Akira Kurosawa)

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa

LV: Ryunosuke Akutagawa: Rashomon; Yabu no naka, 1915 (Rashomon)

Vier Menschen erzählen in Rückblenden, ihre Version eines Mordes.

Grandioser, immer wieder sehenswerter Klassiker, der Kurosawa auch bei uns bekannt machte. Zu seinen späteren Filmen gehören „Die sieben Samurai“, „Das Schloss im Spinnwebwald“, „Yojimbo, der Leibwächter“, „Zwischen Himmel und Hölle“ (eine Ed-McBain-Verfilmung), „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ und Ran“.

mit Toshiro Mifune, Masayuki Mori, Takashi Shimura, Machiko Kyo, Minori Chiaki

Wiederholung: Samstag, 11. Januar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rashomon“

Turner Classic Movies über „Rashomon“

Wikipedia über „Rashomon“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Januar (und 6. Januar): Blue Valentine

Januar 5, 2014

 

ARD, 23.30

Blue Valentine (USA 2010, R.: Derek Cianfrance)

Drehbuch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis

Die Liebesgeschichte von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams, Oscar-nominiert).

Feines Independent-Kino, das heute zu nachtschlafender Zeit seine TV-Premiere erlebt und einige Stunden später zu einer ordentlichen Uhrzeit gezeigt wird.

mit Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel

Wiederholung: Eins Festival, Montag, 6. Januar, 20.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Blue Valentine“

Moviepilot über „Blue Valentine“

Metacritic über „Blue Valentine“

Rotten Tomatoes über „Blue Valentine“

Wikipedia über „Blue Valentine“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond the Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)

 

 


TV-Tipp für den 4. Januar: Der Pate

Januar 4, 2014

ZDFneo, 22.35
Der Pate (USA 1972, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
LV: Mario Puzo: The godfather, 1969 (Der Pate)
Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.
Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pate“

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Richard Castle lässt Derrick Storm in die „Storm Front – Sturmfront“ ziehen

Januar 3, 2014

Nachdem Bestsellerautor Richard Castle in den vergangenen Jahren sich auf seine Serie mit der NYPD-Polizistin Nicki Heat als Heldin (inspiriert von der NYPD-Polizistin Kate Beckett, die er bei der Arbeit beobachtete und mit der er inzwischen zusammen lebt), konzentrierte, kehrte er mit „Storm Front – Sturmfront“ zu seinem vorherigen Seriencharakter Derrick Storm zurück. Storm ist ein Privatdetektiv, der auch und vor allem als Geheimagent für eine supergeheime CIA-Unterabteilung arbeitet und er ist salopp gesagt eine gelungene Mischung aus James Bond und McGyver.

Deshalb muss er auch den Tod von mehreren hochrangigen Bankern, die auf verschiedenen Kontinenten bestialisch ermordet wurden, untersuchen. Sie wurden von Gregor Volkov ermordet, einem Folterknecht, den Storm vor Jahren – so hat er geglaubt – tötete. Volkov will von seinen Opfern ihren Code für den Computer MonEx 4000 haben, mit dem man unglaublich große Verkäufe an der Börse tätigen kann, haben.

Wie Storm mit der gutaussehenden chinesischen Agentin Ling Xi Bang herausfindet, besagt eine Theorie, dass man mit sechs rund um den Globus verteilten Großverkäufern den Wert der US-Währung ins Bodenlose fallen lassen kann.

Aber wer sind die letzten beiden Opfer von Volkov und wer ist Volkovs größenwahnsinniger Auftraggeber, der die Welt in ein ökonomisches Chaos stürzen will?

„Storm Front – Sturmfront“ ist ein flotter Agententhriller, bei dem fast die gesamte zweite Hälfte ein einziges atemberaubendes Action-Finale ist, mit allem, was das Herz des Action-Fans begehrt. Gleichzeitig werden die vorher gelegten Spuren, Informationen und Charaktere (kleiner Hinweis: kein Charakter ist unwichtig) fein zusammengefügt. Da zeigt sich die gute alte Autorenschule, dass ein Gewehr, das am Anfang unter dem Bett versteckt wird, später wichtig wird. Und es gibt einige köstliche Szenen, zum Beispiel wenn Derrick Storm in New York an einem Tatort Nicki Heat und Jameson Rook trifft und Rook nach einem Blick auf Storm meint: „Er sieht zu gut aus für einen Verdächtigen.“.

Das ist gut gemachte, effiziente Flughafenlektüre oder Sommerlektüre, die einen auch im Winter zuverlässig eine Stunden aus der tristen Wirklichkeit entführt, ohne dass man sich im nachhinein dafür schämen muss. „Storm Front“ steht halt in der Stephen-J.Cannell-Schule, in der Entertainment mit ernsten Grundierungen und einer ordentlichen Portion Humor an erster Stelle steht; siehe unter anderem „Detektiv Rockford – Anruf genügt“, „Trio mit vier Fäusten“, „The A-Team“ und „Kampf gegen die Mafia“. Naja, der zu früh verstorbene Cannell war ja auch ein Pokerpartner von Richard Castle.

Und als Nachfolger von James Bond schlägt Derrick Storm sich ausgezeichnet, wie ein Blick auf die Bond-Checkliste zeigt: größenwahnsinniger Schurke (vorhanden), schöne Frauen (vorhanden), Opfertod (vorhanden), Jet-Set-Leben (vorhanden), Gadgets (vorhanden), Action (vorhanden).

Vielleicht sollten die Ian-Fleming-Nachlassverwalter mal Richard Castle fragen, ob er einige James-Bond-Romane schreiben will.

Castle - Storm Front

Richard Castle: Storm Front – Sturmfront

(übersetzt von Sabine Elbers)

Cross Cult, 2013

384 Seiten

12,80 Euro

–

Originalausgabe

Storm Front

Hyperion, 2013

–

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)


TV-Tipp für den 3. Januar: Castle: Für Höheres bestimmt/Walküre

Januar 3, 2014

 

Kabel 1, 20.15/21.15

Castle: Für Höheres bestimmt/Walküre (USA 2013, R.: John Terlesky)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe, Rob Hanning

Erfinder: Andrew W. Marlowe

Nach einer Pause zeigt Kabel 1 heute als TV-Premiere den Abschluss der fünften Staffel und den Auftakt der sechsten Staffel. Um 22.15 gibt es dann noch „Helden und Bösewichter“ aus der vierten Staffel. An den kommenden Freitagen gibt es dann um 20.15 Uhr weitere neue Folgen und danach Doppelfolgen aus der vierten Staffel.

In „Für Höheres bestimmt“ löst NYPD-Cop Kate Beckett, mit der Hilfe von easy going Thrillerautor Richard Castle, den Mord an einer Haward-Studentin, die anscheinend als Prostituierte arbeitete und sich in den Computer einer Kanzlei hackte. Außerdem erhält Beckett ein Jobangebot vom FBI in Washington, D. C.

Dieses Angebot hat sie in „Walküre“ angenommen – und Castle besucht sie an ihrer neuen Wirkungsstätte und mischt sich – Überraschung! – gleich in ihren Fall ein.

Überflüssig zu sagen, dass ihr Gastspiel in der Hauptstadt nur kurz ist und die Fälle der sechsten Staffel (nachdem die fünfte Staffel ja etwas schwächelte) bislang sehr gelungen sind.

mit Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Jon Huertas , Seamus Dever, Molly Quinn, Penny Johnson Jerald, Lisa Edelstein

Wiederholung: Samstag, 4. Januar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)


Wyatt ist zurück im „Dirty Old Town“

Januar 2, 2014

Disher - Dirty Old Town

Wyatt, der eiskalte Profi-Gangster ist zurück und in den gut fünfzehn Jahren seiner literarischen Abwesenheit veränderte er sich überhaupt nicht. Gleich auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ begeht er einen Überfall, der schiefgeht. Er flüchtet indem er in der Menge untertaucht, dabei seine .32er entsorgt, seine Kleider wechselt und ein Auto klaut. Danach plant er den nächsten Coup.

Der Hehler Eddie Oberin nennt ihm einen Juwelier, der mit gestohlenen Waren aus Europa Geld verdient und jetzt wieder eine größere Lieferung bekommt. Oberin will dabei sein. Ebenso seine Ex-Frau Lydia Stark, von der der Tipp stammt.

Wyatt ist skeptisch. Denn als Profi arbeitet er lieber allein. Aber er braucht das Geld und ist einverstanden. Allerdings weiß er nicht, dass der aus Europa kommende Kurier Alain Le Page ein veritabler und skrupelloser Gegner ist, er keinen Schmuck, sondern Wertpapiere (die sehr wertvoll sind) schmuggelt und Oberin eine ziemlich durchgeknallte Freundin hat.

Oh, und dann ist da noch Tyler, der Neffe von Ma Gadd (einer Blumenhändlerin und Waffenverkäuferin), der Wyatt bewundert und eine Karriere als Verbrecher anstrebt.

Natürlich ist Wyatt die australische Ausgabe von Richard Starks Parker und Garry Disher will das auch überhaupt nicht verleugnen. Im Gegenteil. Wenn er auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ Wyatt und sein Berufsethos vorstellt, könnte dort genausogut „Parker“ stehen. Und das ist gut so. Denn es gibt inzwischen einfach zu wenige geradlinige Gangsterkrimis.

„Dirty Old Town“ erhielt, verdient, den Ned-Kelly-Preis als bester Kriminalroman des Jahres.

–

Garry Disher: Dirty Old Town

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

Pulp Master, 2013

336 Seiten

13,80 Euro

–

Originalausgabe

Wyatt

2010

(Disher wollte den Roman, so meine Erinnerung, ursprünglich „Dirty Old Town“ nennen)

–

Wyatts frühere, sehr empfehlenswerte Raubzüge

1. Gier (Kickback, 1991)

2. Dreck (Paydirt, 1993)

3. Hinterhalt (Deathdeal, 1993)

4. Willkür (Crosskill, 1994)

5. Port Vila Blues/Vergeltung (Port Vila Blues, 1995)

6. Niederschlag (The Fallout, 1997)

7. Dirty Old Town (Dirty Old Town, Wyatt, 2010)

–

Hinweise

Homepage von Garry Disher

Wikipedia über Garry Disher (deutsch, englisch)

Garry Disher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Januar: 700 Meilen westwärts

Januar 2, 2014

 

SWR, 23.00

700 Meilen westwärts (USA 1975, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.

„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks‘ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‚Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt‘, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)

mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „700 Meilen westwärts“

Turner Classic Movies über „700 Meilen westwärts“

Wikipedia über „700 Meilen westwärts“ (deutsch, englisch)

Richard Brooks in der Kriminalakte