R. i. P. Richard Matheson

Juni 26, 2013

R. i. P. Richard Matheson (2. Februar 1926, Allendale, New Jersey/USA – 23. Juni 2013, Calabasas, Kalifornien/ USA)

Richard Matheson war ein Pulp-Autor (Horror, Krimi und Science-Fiction), der auch in Hollywood als Lieferant von Geschichten – Romane und Kurzgeschichten – und Drehbuchautor seine Spuren hinterließ. Sein bekanntestes Werk ist der Science-Fiction-Roman „I am Legend“ (1954, einmal verfilmt mit Vincent Price, einmal mit Charlton Heston, einmal mit Will Smith). Ähnlich bekannt ist der ebenfalls verfilmte „The Shrinking Man“ (1956). Aber auch bei Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmung „Der grauenvolle Mr. X“, Steven Spielbergs „Duell“, Terence Youngs „Kalter Schweiß“ und zahlreichen Episoden der „Unglaubliche Geschichten“ (The Twilight Zone) steht sein Name im Vorspann.

Zuletzt wurde 2011 seine Kurzgeschichte „Steel“ als „Real Steel“ verfilmt.

Dieses Jahr verlieh die Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films ihm den Lifetime Achievement Award. Bereits 1991 verlieh ihm die Horror Writers Association den Bram Stoker Award für sein Lebenswerk. Seit 2011 ist er in der Fangoria Hall of Fame.

Stephen King sagte über ihn: „The author who influenced me the most as a writer was Richard Matheson.“

Ray Bradbury sagte: „One of those who have moved imaginative fiction from the sidelines into the literary mainstream.“

Nachrufe gibt es in der FAZ (Dietmar Dath), Süddeutsche Zeitung, NPR (mit Videos), The Telegraph,  The Guardian (Kurzmeldung), The Guardian (Nachruf), Tor, Hollywood Reporter, Variety, Shock till you drop, L. A. Times, Huffington Post und New York Daily News.

Weitere Informationen über Richard Matheson gibt es bei Wikipedia (deutsch, englisch) und hier sind alle Kriminalakte-Matheson-Texte versammelt.

Und für sein Drehbuch für „The Night Stalker“ erhielt er den Edgar. Den Film könnt ihr euch hier ansehen (weitere Infos zum Film)

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Hinweise auf besondere Matheson-Texte in der Kriminalakte

Kriminalakte: Ein episch langes Interview mit Richard Matheson

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung „Real Steel” (Real Steel, USA 2011)

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung “Tanz der Totenköpfe” (The Legend of Hell House, GB 1973)

Meine Besprechung der Comic-Version der Richard-Matheson-Kurzgeschichte „Duell“


TV-Tipp für den 26. Juni: Pina

Juni 26, 2013

 

Arte, 20.15

Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren (D 2010, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

Spielfilmlange poetisch-stimmungsvolle Liebeserklärung an die 2009 verstorbene Choreographin Pina Bausch. Im Zentrum stehen vier Inszenierungen der Künstlerin, die vom Wuppertaler Tanzensemble auch abseits der Theaterbühne präsentiert werden.

Im Anschluss, um 21.55 Uhr, läuft das Tanzstück „Pina Bausch: Vollmond“.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pina“

Wikipedia über „Pina“ und Pina Bausch

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Wim Wenders in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juni 25, 2013

Queen - Vom Teufel gehetzte


TV-Tipp für den 25. Juni: Neues aus der Anstalt

Juni 24, 2013

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Letzter Anstaltsbesuch vor der Sommerpause.

Alle weiteren Infos in der Krankenakte. 


Leistungsschutzrecht….

Juni 24, 2013

Wir wissen zwar immer noch nicht, wie viel Geld die Verlage gerne für nach dem Leistungsschutzrecht (siehe auch hier) vergebene Lizenzen hätten, aber ich könnte da ja auch einfach einmal eine Rundmail an die Verlage schicken.

Aber wir wissen seit Freitag was Google bereit ist, den Verlagen für die Snippets (das sind diese kleinen Textauszüge die vielleicht, vielleicht auch nicht vom Leistungsschutzrecht erfasst sind) zu bezahlen. Nämlich nix. Oder exakt 00,00 Euro.

Ich denke mal, dass die anderen Suchmaschinen, wie Bing, mit einem ähnlichen Angebot nachziehen werden.

Ob das Leistungsschutzrecht auch für die normale Suche in einer Suchmaschine gilt, ist unklar. Ich denke: nein. Google ebenfalls. Denn in der normalen Suche werden weiterhin kurze Textausschnitte gezeigt; außer es gibt einen robots.txt-Befehl, der eben diese Anzeige unterdrückt. Das ist nicht neu. Das gab es schon immer, aber die Verlage fanden das doof.

Die Verlegerverbände BDZV und VDZ meinen, dass das Leistungsschutzrecht weiter gehe.

Keine Ahnung, was die damit genau meinen, aber wahrscheinlich wollen sie, dass Google und die anderen Suchmaschinen ihnen, aufgrund des Leistungsschutzrechtes, Geld dafür bezahlen, dass auch in der Suche Snippets von Zeitungsartikeln anzeigt werden. Könnte zwar Probleme mit dem Zitatrecht geben. Könnte auch dazu führen, dass dann Google das Angebot, das jetzt nur für „Google News“ gilt, auch auf die normale Suche ausdehnt.

Während einige Zeitungen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (die vorher – besonders unangenehm waren die Beiträge von Heribert Prantl – nicht müde wurde, das Leistungsschutzrecht als genial und notwendig abzufeiern) jetzt doch mitmachen wollen, wird bei „Focus“ schon einmal schöngesoffen von Ole Jani (ein langjähriger Referent der FDP-Bundestagsfraktion):

Das Leistungsschutzrecht verändert den rechtlichen Rahmen für die Nutzung von journalistischen Inhalten im Internet zugunsten der Verlage. Dass Google diese Veränderung mit seiner heutigen Erklärung anerkannt hat, noch bevor das Leistungsschutzrecht am 1. August in Kraft tritt, ist bemerkenswert. Und für den Gesetzgeber und für die Verlage ist dies eine Bestätigung, dass das Leistungsschutzrecht richtig ist.

Okay.

Zum ersten Satz: „zugunsten der Verlage“ – Nicht zugunsten der Autoren oder Presseagenturen, die ja die Artikel schreiben. Ob die Journaliste von dieser Veränderung irgendetwas abbekommen ist unklar, aber – bis zum Beweis des Gegenteils – ungefähr so wahrscheinlich wie ein Mittagessen mit Superman.

Zum zweiten Satz: Dass ein Unternehmen, wenige Wochen bevor ein Gesetz in Kraft tritt, den möglichen Vertragspartnern sagt, wie es mit dem Gesetz umgehen will, ist fair und sicher besser als wenn am 1. August einfach kommentarlos alle deutschen Presseerzeugnisse aus „Google News“ herausgeworfen würden.

Umgekehrt finde ich es bemerkenswert, dass die Verlage, die ja Geld wollen, sechs Wochen vor dem Inkrafttreten des von ihnen so sehnsüchtig herbeigesehnten Leistungsschutzrechtes immer noch nicht Verhandlungen mit ihren potentiellen Kunden über die Lizenzgebühren begonnen haben. Aber wahrscheinlich wollten sie es wie die Gema mit YouTube machen…

Zum dritten Satz: Yeah, klar. Ich als Verlag will etwas verkaufen. Der Kunde sagt mir, dass er für das Produkt nicht bezahlen will. Ich als Verlag weiß jetzt, dass ich ein tolles Produkt habe – und dabei habe ich noch nicht einmal einen Preis für das Produkt genannt.

Fällt so etwas unter Realsatire?

Und jetzt müssen wir nur noch abwarten, wie die Verlage (ist euch schon aufgefallen, dass „Focus“ unglaublich oft bei „Google News“ gelistet wird?) der Reihe nach auf das vorher von ihnen als überlebensnotwendig (hach, in der Rohfassung stand hier noch „überlebensnotwenig“) postulierte Recht freiwillig verzichten.

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Ach ja; noch ein Wort zu den Paywalls. Liebe Verlage, warum soll ich für einen fast zehn Jahre alten Artikel des „Hamburger Abendblatt“, der wahrscheinlich die Länge einer Kurzmeldung hat, 7,95 Euro bezahlen (Monatsabo; billiger geht’s nicht)?

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Oder in der „Morgenpost“ 5,95 Euro bezahlen (ebenfalls Monatsabo, weil es billiger nicht geht)? Vor allem, wenn die Infos aus der Antwort einer parlamentarischen Anfrage zu Körperverletzungen von Polizisten und ihrer Verfolgung stammen?

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Oder ist das eine geniale Maßnahme, mich zu einem Gang in die nächste Bibliothek zu bewegen?

 


Kurzkritik: die Comicversion von Jerome Charyns „Marilyn the Wild“

Juni 24, 2013

Charyn - Rebena - Marilyn the WildCharyn - Das Isaac-Quartett

Als ich vor vielen Jahren „Marilyn the Wild“, den zweiten Isaac-Sidel-Roman von Jerome Charyn, gelesen habe, fand ich die Geschichte eher chaotisch und kryptisch als wirklich befriedigend oder auch spannend. Dabei wusste ich nicht, ob dieses Chaos eine bewusste Entscheidung des Autors war, weil er eine chaotische, irrationale, vom Zufall bestimmte Welt in seinem Roman reflektieren wollte oder mir einfach viele Informationen aus seinem ersten Isaac-Sidel-Roman „Blue Eyes“ fehlten und ich die Dummheit begangen hatte, einfach Mitten in eine Geschichte einzusteigen.

Jetzt, mit der Graphic Novel „Marilyn the Wild“, gezeichnet von Frederic Rebena nach einem Szenario von Jerome Charyn, konnte ich mein damaliges Urteil überprüfen – und kann es teilweise revidieren. Denn auch in dem Comic gibt es eigentlich keine wirklich nacherzählbare Geschichte, sondern nur Schlaglichter aus dem Leben von Deputy Chief Isaac Sidel, dem Herrscher der Lower East Side, der sich mit seiner liebestollen Tochter Marilyn, die im Moment eine von ihm abgelehnte Affäre mit seinem Untergebenen Manfred „Blue Eyes“ Coen hat, Kleingangstern und rivalisierenden Gangs in einem gewalttätig-chaotischem Stadtteil in einer korrupten Gesellschaft auseinandersetzen muss. Und alle Charaktere sind in verschiedenen Schattierungen Arschlöcher.

Als Vision einer Gesellschaft hat das was. Als Comic ist das auch gelungen. Als Roman – nun, da müsste ich mich vielleicht mal einige Stunde mit dem Sammelband „Das Isaac-Quartett“, der die vier ersten Sidel-Romane enthält, auf die Couch legen. Charyn schrieb nach einer zwölfjährigen Pause in den Neunzigern sechs weitere Sidel-Romane und, wieder nach einer, diesmal über zwölfjährigen Pause 2012 „Under the Eye of God“ einen weiteren Sidel-Roman, der im September bei Diaphanes als „Unter dem Auge Gottes“ angekündigt ist.

Auch ja, und dieses Chaos ist von Charyn gewollt, wie er im Vorwort zu „Das Isaac-Quartett“ schreibt: „Meine Texte waren unausgegoren und geheimniskrämerisch wie eine Schlange. (…) Für mich bestehen die vier Bücher aus einem gewaltigen Durcheinander von Vätern und Söhnen.“

Oder in den Worten von Tobias Gohlis in seinem Nachwort zu „Das Isaac-Quartett“: „Charyns Zyklus ist kein Entwicklungsroman. Sidel bleibt immer derselbe Straßenjunge aus der Bronx. In beinahe jedem Roman durchleidet er das gleiche Schicksal: Er verwickelt sich in einen (meist privaten) wahnhaften Feldzug, stürzt, wird erniedrigt und taucht unter, um am Ende umso strahlender rehabilitiert zu werden – doch ist er einsamer denn je.“

Kein Wunder, dass ich mich damals etwas verloren fühlte.

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Jerome Charyn (Szenario)/Frederic Rebena (Zeichnungen): Marilyn the Wild

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber & Leser, 2013

80 Seiten

18,80 Euro

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Originalausgabe

Marilyn la dingue

Editions Denoel, 2009

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Die Vorlage

Jerome Charyn: Das Isaac-Quartett

Rotbuch, 2010

16,95 Euro

(nur noch antiquarisch erhältlich)

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enthält

Blue Eyes, 1974 (Ping Pong Päng; Blue Eyes)

Marilyn the Wild, 1976 (Die wilde Marilyn; Marilyn the Wild)

The Education of Patrick Silver, 1976 (Die Erziehung des Patrick Silver; Patrick Silver)

Secret Isaac, 1978 (Secret Isaac)

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Hinweise

Homepage von Jerome Charyn

Krimi-Couch über Jerome Charyn

Wikipedia über Jerome Charyn (deutsch, englisch)

Jerome Charyn in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Juni: Bank Job

Juni 24, 2013

Und noch ein Millionenraub

ZDF, 22.15

Bank Job (GB 2008, R.: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Wiederholung: Mittwoch, 26. Juni, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über „Bank Job“

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”


TV-Tipp für den 23. Juni: Der Millionenraub

Juni 23, 2013

BR, 22.30

Der Millionenraub (USA 1971, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Hamburg: Einbruchsspezialist Joe Collins will die Bank ausrauben, die ein von ihm konstruiertes todsicheres Sicherheitssystem hat.

Unterhaltsames Caper-Movie, das nicht mit den Klassikern mithalten kann, aber Hamburg, eine gute Besetzung und die Musik von Quincy Jones auf der Habenseite hat.

Für die Planung des Einbruchs setzte Richard Brooks sich mit einem Ingenieur, der für eine Panzerschrankfirma arbeitete zusammen, ließ ihn eine uneinnehmbare Bank entwerfen und gemeinsam überlegten sie, wie sie diese Bank ausrauben könnten.

mit Warren Beatty, Goldie Hawn, Gert Fröbe, Robert Webber, Scott Brady, Artur Brauss, Wolfgang Kieling

Hinweise

Wikipedia über „Der Millionenraub“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Der Millionenraub“

Richard Brooks in der Kriminalakte


„Die langbeinige Fliege“ ist jetzt „Stiller Zorn“

Juni 22, 2013

Sallis - Stiller Zorn

Langjährige James-Sallis-Leser können sich beruhigt zurücklehnen. „Stiller Zorn“ ist kein neuer Roman von James Sallis. Es ist auch keine neue Übersetzung eines älteren Romans von ihm, sondern eine Neuveröffentlichung von „Die langbeinige Fliege“, dem ersten Roman mit Privatdetektiv Lew Griffin, der 1999 in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und bei einigen Menschen ein wahres James-Sallis-Fantum auslöste. 2000 erschien „Nachtfalter“, der zweite Lew-Griffin-Roman, der im Februar 2014 neu aufgelegt wird. Die vier weiteren Griffin-Romane wurden nicht übersetzt. Aber vielleicht, – immerhin stirbt die Hoffnung zuletzt -, bedeutet die Neuauflage, dass das jetzt geschieht und wir auf Deutsch alle Abenteuer des afroamerikanischen, zynischen Privatdetektiv Lew Griffin lesen. Er ist auch ein Professor, Poet, Autor, Blues-Liebhaber und Alkoholiker (irgendwann auch abstinent), der oft vermisste Personen im Vergnügungsviertel French Quarter sucht.

In „Stiller Zorn“ sucht er vier Mal nach vermissten Personen. 1964 sucht er die bekannte Schwarzenführerin Corene Davis, 1970 die sechzehnjährige Ausreiserin Cordelia Clayson, 1984 Cherie, die Schwester von Jimmi Smith, einem pädophilen Ex-Lehrer, und 1990 seinen Sohn David, den er selten sieht und der irgendwo in Europa verschwunden ist.

Aber wichtiger als die Fälle ist für James Sallis der Charakter Lew Griffin und die Stadt New Orleans, lange vor den Verwüstungen des Hurrikans Katrina.

Das ist, wie immer bei James Sallis, der auch Dichter und Musiker ist, poetisch geschrieben, erinnert von seiner Konstruktion und Erzählweise eher an ein Musikstück mit musikalischen Verweisen, Call-and-Response-Strukturen und refrainartig wiederauftauchenden Themen, als an einen traditionellen Privatdetektivroman, in dem der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt.

Wie sagt man so schön: Lesebefehl!

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James Sallis: Stiller Zorn

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2013

192 Seiten

8,99 Euro

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Sallis - Die langbeinige Fliege - 2

Deutsche Erstausgabe

Die langbeinige Fliege

DuMont, 1999

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Originalausgabe

The Long-Legged Fly

Avon Books, 1992

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Die Lew-Griffin-Romane

Stiller Zorn/Die langbeinige Fliege (The Long-Legged Fly, 1992)

Nachtfalter (Moth, 1993)

Black Hornet (1994)

Eye of the Cricket (1997)

Blue Bottle (1998)

Ghost of a Flea (2001)

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Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin


TV-Tipp für den 22. Juni: Der Kommissar und sein Lockvogel

Juni 22, 2013

MDR; 23.25

Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.

Ein selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Hinweise

Arte über „Der Kommissar und sein Lockvogel“ und über Lino Ventura

Schnitt über „Der Kommissar und sein Lockvogel“

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, französich)

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über José Giovanni und Lino Ventura


R. i. P.: James Gandolfini, Vince Flynn

Juni 21, 2013

 

Was für ein trauriger Tag

R. i. P. James Gandolfini (18. September 1961, Westwood, New Jersey/USA – 19. Juni 2013, Rom, Italien)

Als ich in der Nacht bei Collider die Todesnachricht las, war ich erstaunt: James Gandolfini war erst 51 Jahre alt, als er am 19. Juni in Rom an einem Herzinfarkt starb. Bekannt wurde er als Mafiosi Tony Soprano in der TV-Serie „The Sopranos“ (in den USA ein Erfolg, hier im Free-TV ein Flop). Einer seiner letzten Filmauftritte war als seelisch gebrochener Killer in der George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them softly“. Grandios – und einer der Gründe, sich den Noir anzusehen.

Nachrufe gibt es ziemlich überall: Süddeutsche Zeitung, Faz, SpiegelOnline, Die Zeit, taz, Rolling Stone (deutsch), NZZ, Variety, New York Daily News und New York Times

Weitere Informationen über ihn bei Wikipedia (deutsch, englisch)

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R. i. P. Vince Flynn (6. April 1966, St. Paul, Minnesota/USA – 19. Juni 2013, St. Paul, Minnesota/USA)

Wie bei dem kürzlich verstorbenen Iain Banks kam der Tod von Vince Flynn nicht wirklich überraschend. Bereits vor zwei Jahren sagte er, dass er Prostatakrebs habe. Am 19. Juni ist er mit 47 Jahren gestorben.

Bekannt ist er in der Krimiszene für seine Polit-Thriller mit CIA-Agent Mitch Rapp.

Eine Hollywood-Verfilmung ist schon seit längerem geplant. Zuletzt mit Bruce Willis als Mitch Rapp.

Nachrufe gibt es auf englischsprachigen Seiten, wie The Rap Sheet, Huffington Post, Variety, Washington Times, Washington Post und Publisher’s Weekly.

Mehr Informationen auf seiner Homepage, auf seinem YouTube-Kanal und bei Wikipedia (deutsch, englisch). Die deutschen Ausgaben seiner Romane erscheinen bei Heyne.


TV-Tipp für den 21. Juni: Ruhe sanft GmbH

Juni 21, 2013

Das Vierte, 20.15

Ruhe sanft GmbH (USA 1963, R.: Jacques Tourneur)

Drehbuch: Richard Matheson

Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.

Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone

Wiederholung: Samstag, 22. Juni, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Richard Matheson (deutsch, englisch)

Phantastik-Couch über Richard Matheson

Times: Stephen King über Richard Matheson (22. Juli 2006)

Mystery File: Ed Gorman unterhält sich mit Richard Matheson (2006)

Archive of American Television: Interview mit Richard Matheson

Rod Serling Memorial Foundation: William Simmons interviewt Richard Matheson


Neu im Kino/Filmkritik: „Gambit – Der Masterplan“ funktioniert nicht

Juni 20, 2013

Harry Deane (Colin Firth), ein kleiner, biederer und in jeder Beziehung ziemlich gehemmter Kurator für den vermögenden Kunstmäzen Lord Lionel Shahbandar (Alan Rickman), hat genug. Er will sich von dem arroganten Medienmogul Shahbandar nicht länger demütigen und ausnutzen lassen. Daher ersinnt er einen perfekten Plan, der rabiat mit der Wirklichkeit kollidiert und die Gegensätze, vor allem zwischen britischem Snobismus und amerikanischer Haudrauf-Mentalität, verkörpert durch das Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz), aufeinanderprallen.

„Gambit – Der Masterplan“ hätte eine witzige Gaunerkomödie werden können, wenn nicht irgendwo in der Entwicklung etwas vollkommen schiefgelaufen wäre. Und dabei sind die größten Probleme des Films nicht, dass er jahrelang in der Entwicklungshölle war, oder dass er ein Remake ist. Denn Joel und Ethan Coen, die das Drehbuch schrieben, übernahmen erstaunlich wenig vom Original „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (Gambit, USA 1966). Ronald Neame inszenierte die eher unbekannte Komödie mit Michael Caine als Harry Deane, Shirley MacLaine als Nicole Chang und Herbert Lom als Scheich Shahbandar, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert und eine wertvolle Büste hat, die Harry Deane klauen will. Damit Deane seinen Diebstahl durchziehen kann, soll Chang, die der Toten wie ein Zwilling ähnelt, Shahbandar ablenken. Aber der sehr weltliche Araber hat das Gaunerpärchen durchschaut.

Außer den Namen, dem Zusammenprall unterschiedlicher Mentalitäten und Bildungsniveaus (damals Prostituierte – Scheich, heute Cowgirl – Medienmogul), dem Tausch von Original und Fälschungen (wobei es in der Auflösung zwischen Original und Remake einige Unterschiede gibt) und der Idee, dass wir am Anfang, in einer Fantasie von Harry Deane sehen, wie der Coup ablaufen soll, und dann sehen, dass eigentlich nichts von seinem Plan funktioniert, haben die Coens herzlich wenig vom „Mädchen aus der Cherry-Bar“ übernommen.

Dafür haben sie ihre Version, wie schon ihre fast zeitgleich entstandene unlustige Screwball-Komödie „Ein (un)möglicher Härtefall“ (Intolerably Cruelty, USA 2003) und ihre ebenfalls unlustige „Ladykillers“-Version „Ladykillers“ (USA 2004), mit viel veraltetem Sechziger-Jahr-Humor angereichert. Es gibt einen hübsch animierten Vorspann, wie wir es aus den „Der rosarote Panther“-Filmen kennen. Es gibt snobistisches Hotelpersonal. Es gibt eine lange Sequenz, in der Harry Deane aus reiner Geldnot aus einem Nobelhotel eine wertvolle Vase stehlen will, dabei zum Fassadenkletterer wird, sich in verschiedene Hotelzimmer verirrt, den Verdacht amouröser Abenteuer provoziert und seine Hose verliert. Es gibt Klassengegensätze, wie wir sie aus Komödien der fünfziger und sechziger Jahre kennen, als die britischen Briten abschätzig auf die ungebildeten Amerikaner herab blickten. Es gibt Witze, die damals vielleicht witzig waren, aber heute ungefähr so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind.

Da kann die hochkarätige Besetzung nichts mehr retten. Colin Firth hat es dabei am Schlechtesten erwischt. Denn nachdem ich wusste, dass Michael Caine im Original (das ich damals noch nicht kannte) die Rolle gespielt hatte, fragte ich mich während des Films ständig, wie Michael Caine die Rolle gespielt hätte – und diese Fantasie gefiel mir besser als Colin Firth in einer witzlosen Komödie.

Nachdem ich jetzt auch das Original gesehen habe, weiß ich, dass Caine die Rolle besser spielte – und dass ein Remake von einer weitgehend unlustig-zähen Gaunerkomödie nicht unbedingt zu einem besseren Film führt.

„Gambit – Der Masterplan“ ist eine unwitzige Retro-Komödie.

Gambit - Plakat

Gambit – Der Masterplan (Gambit, USA 2012)

Regie: Michael Hoffman

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

mit Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci, Cloris Leachman

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gambit – Der Masterplan“

Rotten Tomatoes über „Gambit – Der Masterplan“

Wikipedia über „Gambit – Der Masterplan“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. Juni: Amateur

Juni 20, 2013

3Sat, 22.25

Amateur (Frankreich/USA 1993, R.: Hal Hartley)

Drehbuch: Hal Hartley

Auf dem Papier klingt das ziemlich Gaga (eine Nonne, die in New York Pornoschriftstellerin ist, hilft einem international gesuchtem Gangster mit Gedächtnisverlust; während sie von den Killern eines Syndikats verfolgt werden, treffen sie unter anderem einen frustrierten Pornostar und einen linkisch-psychopathischen Steuerberater), aber auf der Leinwand ist „Amateur“ ein wunderschöner Independent-Film von dem damals sehr populärem Hal Hartley, der in den letzten zehn Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwand.

„‘Amateur’ ist kein eindeutiges Genrekino, sondern ein übergreifendes, in dem die Charaktere scheinbar willkürlich modelliert, demontiert oder deformiert werden. Viele Zitate verweisen auf filmgeschichtliche Zusammenhänge, aber Hartleys Versuchsanordnung ist mehr als nur eine Anspielung, da er ein Handlungskaleidoskop anbietet, in dem bewusst nicht die Logik, sondern der Zufall bestimmt.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Isabelle Huppert, Martin Donovan, Elina Lowensohn, Damian Young, Chuck Montgomery

Hinweise

Homepage von Hal Hartley

Rotten Tomatoes über „Amateur“

Wikipedia über „Amateur“ (deutsch, englisch)

Filmmaker Magazine: Peter Bowen über “Amateur” (Frühling 1995)


Kurzkritik: Guido Rohm: Untat

Juni 19, 2013

Rohm - Untat - 2

Zwei Journalisten wollen einen Kidnapper bei der Arbeit beobachten und eine Reportage darüber schreiben. Aber, wie wir spätestens seit „Mann beißt Hund“ wissen, ist die teilnehmende Beobachtung eines Verbrechers gar nicht so einfach. Zuerst muss natürlich ein Verbrecher gefunden werden, der sich bei seinen Verbrechen beobachten und einen Bericht darüber schreiben lässt. Dann muss man als Journalist natürlich die professionelle Distanz wahren – und damit haben die beiden Journalisten in Guido Rohms Noir „Untat“ ihre Probleme. Denn schnell lassen sie sich auf den Lebensstil von Oscar, so nennt sich der Entführer, ein. Sie trinken – entgegen ihren Gewohnheiten – Bier, essen Junkfood, rauchen, sehen sich Pornos und dumme Actionfilme an und, was allerdings an den mangelnden sanitären Anlagen in ihrem Versteck, einem einsam gelegenen Bauernhof, liegt, waschen sich nicht mehr.

Aber bald bemerkt man, dass der Ich-Erzähler immer „wir“ sagt, aber niemals seinen Partner zu Wort kommen lässt oder seinen Namen verrät und wir fragen uns, ob dieser Partner überhaupt existiert. Auch weil der Erzähler immer weniger Fantasien, Filmrealität und Realität voneinander unterscheiden kann.

Und so wird aus einem kleinen Roman von 130 Seiten über eine Kindesentführung schnell eine Reflektion über Realität und Fantasie – und wie das eine das andere beeinflusst.

Guido Rohm erzählt diese irgendwo in Deutschland spielende Geschichte flott, mit viel schwarzem Humor und einem bitterbösem Ende, das „Untat“ zu einem wirklich gelungenem Noir aus Deutschland macht.

Ein Wort noch zum Cover: Auf den ersten Blick hielt ich es für ein harmlos-austauschbares Verlegenheitscover. Aber nach der Lektüre muss ich sagen, dass es – versteckt – einige Hinweise auf die Handlung gibt und es, ebenso wie die ersten Seiten, herrlich bieder einlullt. Chapeau!

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Guido Rohm: Untat

Conte, 2013

140 Seiten

10,90 Euro

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Hinweise

Homepage von Guido Rohm

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Guido Rohm

 

Wikipedia über Guido Rohm 

Krimikulturarchiv interviewt Guido Rohm (Januar 2013)


TV-Tipp für den 19. Juni: Snatch – Schweine und Diamanten

Juni 19, 2013

Kabel 1, 22.35

Snatch – Schweine und Diamanten (GB/USA 2000, R.: Guy Ritchie)

Drehbuch: Guy Ritchie

Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.

Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.

Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie

Wiederholung: Donnerstag, 20. Juni, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Snatch – Schweine und Diamanten“

Wikipedia über „Snatch – Schweine und Diamanten“

IGN: Interview mit Guy Ritchie und Vinnie Jones zu “Snatch”

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Guy Ritchie in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juni 18, 2013

Grubb - The night of the hunter


TV-Tipp für den 18. Juni: Endstation Bad Kleinen

Juni 18, 2013

Arte, 22.05

Endstation Bad Kleinen – Vom Versagen deutscher Sicherheitsorgane (D 2013, R.: Anne Kauth)

Drehbuch: Anne Kauth

Gut einstündige Doku über den missglückten, chaotischen und nie vollständig aufgeklärten Polizeieinsatz in Bad Kleinen am 27. Juni 1993 bei dem der gesuchte RAF-Terrorist Wolfgang Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella im Kugelhagel starben – und die Sicherheitsbehörden mit ihrer ebenso chaotischen Pressearbeit Öl ins Feuer der Verschwörungstheorien gossen.

Innenminister Rudolf Seiters (CDU) übernahm die politische Verantwortung für den desaströsen Einsatz und trat zurück. Daran sollten sich einige Politiker, die fester als Patex an ihrem Stuhl kleben, ein Beispiel nehmen.

Kauth unterhielt sich für ihre Rekonstruktion der Ereignisse mit den damals Verantwortlichen.

Wiederholungen

WDR, Freitag, 21. Juni, 23.15 Uhr

NDR, Sonntag, 23. Juni, 22.30 Uhr

Hinweise

Arte über die Doku

NDR über die Doku

Wikipedia über den GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen


Verfilmte Bücher: Aus „Operation Zombie“ wird „World War Z“

Juni 17, 2013

 

Brooks - Operation Zombie - 2Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Nach dem großen Zombiekrieg, auch bekannt als „Die Krise“, „Die dunklen Jahre“, Die wandelnde Pest“, „Z-Weltkrieg“ und „Erster Z-Weltkrieg“, machte Max Brooks, für den der Krieg einfach immer der „Zombie-Krieg“ bleiben wird, sich im Auftrag der Vereinten Nationen auf den Weg. Wie Studs Terkel, der für sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Buch „Der gute Krieg: Amerika im Zweiten Weltkrieg – Zeitzeugen sprechen“ (The Good War, 1984) Teilnehmer des zweiten Weltkriegs interviewte und deren Aussagen unkommentiert publizierte, unterhielt Max Brooks sich für sein Oral-History-Buch mit Menschen, die während des Zombiekriegs gegen die Zombies kämpften. Dafür reiste er um die Welt und es entstand ein vielschichtiges Panorama des Krieges von seinen Anfängen, die wahrscheinlich in China waren, über seine weltweite Ausbreitung mit Millionen Toten, bis zu seinem Ende.

Das ist für ein Sachbuch flott zu lesen, wurde ein Bestseller und Hollywood kaufte noch vor der Publikation die Rechte an diesem eigentlich unverfilmbarem Buch. Denn es hat keinen Helden, keine Geschichte, sondern viele Geschichten von Menschen, die meistens nur einen kleinen Ausschnitt des Kampfes mitbekamen. Es sind vor allem Geschichten von kleinen Leuten, wie einer Pilotin, die sich nach einem Absturz durch die USA kämpfte, Astronauten, die die Kommunikation aufrecht erhielten, Familien, die ihr Hab und Gut auf der Flucht nach Kanada oder auf das Meer zurücklassen mussten und Geheimdienstler und Soldaten, die an verschiedenen Fronten kämpften. Die großen Forscher, Wissenschaftler und Staatsoberhäupter wurden von Max Brooks nicht befragt. Denn ihre Geschichten kennen wir ja. Insofern erzählt Brooks die eher unbekannte Seite des Zombie-Krieges, in der er nicht auf den Ursprung der Zombie-Plage eingeht und die Zombies sich, wie es schon George Romero in seinem Film „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead) zeigte, langsam vorwärtsbewegen, nur noch von der Gier nach Menschenfleisch angetrieben werden, blind einem Geräusch oder einem anderen Zombie folgen, und nur durch einen Kopfschuss (oder halt einer anderen Methode, die endgültig den Kopf vom Restkörper entfernt) besiegbar sind.

„Operation Zombie“, oder „World War Z“, wie Max Brooks‘ Buch jetzt wegen der Verfilmung auch in Deutschland heißt, ruft diesen Kampf, und was er für die kleinen Leute bedeutete, wieder zurück in unser Gedächtnis.

Die Verfilmung ist natürlich wieder einmal die typische Hollywood-Heldengeschichte, die das Buch nur als Inspiration für eine ziemlich erfundene Geschichte nimmt. Denn im Buch reist kein Gerry Lane um die halbe Welt und sucht ein Heilmittel gegen die Zombies. Trotzdem macht die Verfilmung, die am 27. Juni startet, Spaß.

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Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

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Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

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Verfilmung

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof, (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 27. Juni 2013

Zum Filmstart gibt es dann die Filmkritik.

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Hinweise

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ und Max Brooks (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

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Und hier das ganze Gespräch von Dennis Miller (Mansfield University Public Relations Director) mit Max Brooks, aus dem der obige Ausschnitt zur Verfilmung ist

 

 


TV-Tipp für den 17. Juni: Topas/Der zerrissene Vorhang

Juni 17, 2013

Heute gibt es ein Hitchcock-Double-Feature und, um 00.25 Uhr, den Essayfilm „Double Take“ von Johan Grimonprez über Alfred Hitchcock

Arte, 20.15

Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret, John Vernon, Roscoe Lee Browne, John Forsythe

Wiederholung: Donnerstag, 20. Juni, 14.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Topas“ (deutsch, englisch)

Cinematic: Plakate und Aushangfotos zu “Topas”

Parallax View: Richard T. Jameson über “Topas”

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Arte, 22.15

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Wiederholung: Sonntag, 23. Juni, 01.20 Uhr (Taggenau! – Davor läuft, ab 00.00 Uhr, Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“)

Hinweise

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über “Der zerrissene Vorhang”

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)