Die KrimiZeit-Bestenliste Juli 2013

Juli 5, 2013

 

Nach Ansicht der KrimiZeit-Kritiker verdienen diese Kriminalromane eine besondere Beachtung:

1 (1) Patrícia Melo: Leichendieb

2 (-) Warren Ellis: Gun Machine

3 (2) Robert Hültner: Am Ende des Tages

4 (-) Arne Dahl: Bußestunde

5 (-) Lavie Tidhar: Osama

6 (3) Olen Steinhauer: Die Spinne

7 (8) Matthias Wittekindt: Marmormänner

8 (5) Sara Gran: Das Ende der Welt

9 (-) Stephen Dobyns: Das Fest der Schlangen

10 (9) Mark Peterson: Flesh & Blood

–

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

–

Ziemlich viel (Melo, Ellis, Steinhauer, Wittekindt, Dobyns, Peterson) liegt auch auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Neben dem neuen Roman „Schwarzes Licht“ von Horst Eckert, der Ende September erscheint, Roger Hobbs „Ghostman“ (erscheint am 22. Juli und die Verfilmung ist auf einem guten Weg), Dominique Manottis „Zügellos“ und Dan Simmons und Gordon Ferris will ich auch noch unbedingt lesen. Um nur einige Bücher zu nennen.


TV-Tipp für den 5. Juli: Training Day

Juli 5, 2013

RTL II, 22.45

Training Day (USA 2001, R.: Antoine Fuqua)

Drehbuch: David Ayer

Düsterer Cop-Krimi über Gangkriminalität und ihre Bekämpfung in Los Angeles: Alonzo Harris zeigt Jake Hoyt am ersten Arbeitstag wie die Arbeit eines Undercover-Cop gegen Drogen- und Gangkriminalität abläuft. Dummerweise ist Harris selbst ein Gangster mit Dienstmarke, der nach dem Motto „Nur wenn du selbst wie ein Wolf bist, kannst du einen Wolf fangen“ arbeitet.

„Ein rasant und konsequent inszenierter Film voll Gewalt und Brutalität. Konsumierbar einerseits als zynisches Actionspektakel, das bloß altbekannte Genretypen weiterentwickelt, aber auch verstehbar als Spiegelung und Reflexion aktueller Debatten über Polizeimethoden, moralische Dilemmata und die Durchsetzbarkeit demokratischer Spielregeln gegenüber Clannormen, die sich freilich potenziellen Missverständnissen aussetzt.“ (Multimedia, 13. Dezember 2001)

Denzel Washington erhielt für seine Rolle als Cop Harris den Oscar für die beste Hauptrolle und einige weitere Preise. David Ayer schrieb danach den ähnlich gelagerten Cop-Thriller „Dark Blue“.

Die in „Training Day“ und „Dark Blue“ angesprochenen Themen werden in der grandiosen Cop-Serie „The Shield“ noch konsequenter und pessimistischer durchbuchstabiert.

Mit Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Tom Berenger, Eva Mendes, Macy Gray

Wiederholung: Samstag, 6. Juli, 02.35 (Taggenau!)

Hinweise:

David Ayer: Training Day (Drehbuchfassung vom 18. August 1999)

David Ayer: Training Day (Drehbuchfassung vom April 2001)

IGN: Zehn Fragen an David Ayer

ScreenwritersUtopia: Kurzbio David Ayer (2003)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Olympus has fallen“ (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Viele „Fliegende Liebende“ in Pedro Almodóvars neuer Komödie

Juli 4, 2013

 

Nach „Die Haut, in der ich wohne“, „Zerrissene Umarmungen“, „Volver – Zurückkehren“, „La Mala Educación – Schlechte Erziehung“ und „Sprich mit ihr“ ist Pedro Almodóvars neuester Film „Fliegende Liebende“ keine künstlerische Weiterentwicklung, kein neues Meisterwerk, sondern eine leichte Sommerkomödie, eine Rückkehr zu seinen überdrehten ersten Filmen, allerdings mit der lässigen Professionalität eines Altmeisters inszeniert. Denn bei seiner Version von „Airport“ (USA 1970) und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (Airplane!, USA 1980), der bekannten Parodie auf „Airport“ und die zahlreichen danach in den Siebzigern entstandenen Katastrophenfilme, sind in Almodóvars Flugzeug, das nach einem dummen Fehler des Bodenpersonals (gespielt von Antonio Banderas und Penélope Cruz als heftig ineinander verliebtes Paar), nicht mehr landen kann, das typische Alomodovar-Personal aus Homosexuellen, Lesben, Transen, komplexbeladenen Personen und sonstigen gesellschaftlichen Außenseitern versammelt. Sogar die auf den ersten Blick scheinbar normalen sind gar nicht so normal und in dem Cockpit und der Passagierkabine geht es rund mit übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum, sexuellen Gelüsten und intimen Geständnissen. Denn wenn man sowieso bald stirbt, kann man ja noch einmal all die Dinge tun, für die man bislang noch nie getan hat.

Das ergibt neunzig vergnügliche Minuten, die von Pedro Almodóvar vielleicht nicht als Theaterstück geschrieben wurden, aber in jedem Fall kann das Drehbuch einfach als Theaterstück adaptiert werden und, davon bin ich überzeugt, wird es in den nächsten Jahren auch.

Mit „Fliegende Liebende“ wollte Almodóvar einfach, nach all den künstlerisch anstrengenden Filmen, seinen Spaß haben. Die leichtgewichtige Komödie ist ein Nebenwerk, ein kleiner Spaß, ein Sommer-Intermezzo, das gar nicht mehr sein will, als neunzig Minuten kurzweilig zu unterhalten. Und das gelingt Almodóvar in einem Film für die ganze Familie.

Darauf einen Cocktail.

Fliegende Liebende - Plakat

Fliegende Liebende (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

mit Antonio de la Torre, Hugo Silva, Miguel Ángel Silvestre, Laya Marti, Javier Cámara, Carlos Areces, Raúl Arévale, José Maria Yazpik, Guillermo Toledo, José Louis Torrijo, Lola Duenas, Cecilia Roth, Blanca Suárez, Antonio Banderas, Penélope Cruz

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Spanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Fliegende Liebende“

Metacritic über „Fliegende Liebende“

Rotten Tomatoes über „Fliegende Liebende“

Wikipedia über „Fliegende Liebende“ (deutsch, englisch, spanisch)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Taffe Mädels“ räumen auf

Juli 4, 2013

 

Die Buddy-Cop-Komödie erfindet „Taffe Mädels“ von Paul Feig nicht neu und auch wenn im Presseheft steht, der Film stehe in der Tradition von „Nur 48 Stunden“, „Red Heat“, beide von Walter Hill, und „21 Jump Street“ (Ähem?), dann ist das doch mehr als nur etwas hoch gegriffen. Denn eine Walter-Hill-typische Actionszene fehlt. Und der Rest der Walter-Hill-Mythologie wird noch nicht einmal angekratzt.

Drehbuchautorin Katie Dippold nennt dann „Diese zwei sind nicht zu fassen“ (Running Scared, USA 1986, Regie: Peter Hyams) mit den Plappermäulern Billy Crystal und Gregory Hines als ihr Lieblings-Buddy-Cop-Movie und das ist eine durchaus treffender Vergleich. Auch wenn es, wie gesagt, in „Taffe Mädels“ mit der Action hapert.

Dafür sind die Sprüche von Sandra Bullock und Melissa McCarthy, die eigentlich alle guten Sprüche hat und noch lustvoller als Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“, teils in ebenfalls improvisierten Schimpftiraden, gegen alle Regeln, Dienstvorschriften und Etikette verstößt. McCarthy spielt Shannon Mullins, einen harten Boston-Straßencop, der jeden Grashalm in ihrem Revier kennt, flüchtige Straßendealer mit einer Wassermelone erledigt, ein Verhör mit einem Telefonbuch beginnt und einem geladenem Revolver in den Weichteilen des Verdächtigen beendet. Dirty Harry würde die Dame, die prinzipiell ohne Partner ermittelt, gefallen.

Für die FBI-Agentin Sarah Ashburn (Sandra Bullock) ist sie der fleischgewordene Alptraum. Denn Ashburn ist eine wandelnde Dienstvorschrift in hässlichen, asexuellen, schlecht sitzenden, grauen Anzügen, ohne soziale Kompetenzen, aber mit einer bestechenden Aufklärungsrate. Sie ist der Klassenstreber, der niemand abschreiben lässt, andere verpetzt und sich dann wundert, dass ihre Klassenkameradinnen sie nicht mögen. Jetzt soll sie in Boston einen großen Drogenhändler, dessen wahre Identität niemand kennt, schnappen – und muss dafür mit Mullins zusammenarbeiten.

Und wir können uns an einer weiteren Buddy-Cop-Variante erfreuen, der musikalisch mit Funk’n’Soul in Richtung siebziger Jahre schielt und storytechnisch irgendwo zwischen den Siebzigern und den Achtzigern landet. Die Verbrecherjagd ist, wie schon in den bekannt-beliebten Achtziger-Jahre-Buddy-Cop-Filmen, die notdürftige Klammer für die Comedy und sollte nicht auf Logik überprüft werden. Schließlich haben sich die Macher auch nicht darum gekümmert. Stattdessen haben sie hemmungslos improvisiert und das Duo McCarthy/Bullock gefällt.

Dieses Duo ist auch die einzige Neuerung im Buddy-Cop-Movie-Genre: anstatt Jungs heizen hier Mädels den Bösewichtern mit einer Mischung aus unorthodoxen Ermittlungsmethoden, blöden Sprüchen und hemmungslosem Waffengebrauch kräftig ein.

„Taffe Mädels“ ist kein grandioser Film. Auch kein Film, den man sehen muss. Aber für Fans des Genres ein entspannender Abend, der tausendmal besser als das komplett vergurkte Buddy-Movie „Cop Out – Geladen und entsichert“ (USA 2010) mit Bruce Willis und Tracy Morgan und auch deutlich unterhaltsamer als „Hollywood Cops“ (USA 2003) mit Harrison Ford und Josh Hartnett ist. Denn die Chemie zwischen McCarthy und Bullock und den anderen Schauspielern stimmt und das ist schon mehr als die halbe Miete in einem Buddy-Movie, das nie vorgibt mehr zu sein als es ist: zwei Stunden harmloser Spaß, der sich mit ziemlich wenig zufriedengibt.

Taffe Mädels - Plakat

Taffe Mädels (The Heat, USA 2013)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Katie Dippold

mit Sandra Bullock, Melissa McCarthy, Demian Bichir, Marlon Wayans, Michael Rapaport, Spoken Reasons, Bill Burr, Nathan Corddry

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Taffe Mädels“

Metacritic über „Taffe Mädels“

Rotten Tomatoes über „Taffe Mädels“

Wikipedia über „Taffe Mädels“ (englisch)

–

Und noch einige Filmausschnitte, wobei ich andere Ausschnitte gewählt oder die ganze Szene gezeigt hätte

 

 


TV-Tipp für den 4. Juli: John Carpenter’s Ghosts of Mars

Juli 4, 2013

 

Kabel 1, 23.00

John Carpenter’s Ghosts of Mars (USA 2001, R.: John Carpenter)

Drehbuch: Larry Sulkis, John Carpenter

Mars, 2176: Commander Braddock muss mit ihren Männern und einigen Verbrechern gegen die wieder auferstandenen, ziemlich bösen Marsgeister kämpfen.

Ziemlich laut, ziemlich gaga, aber auch irgendwie ziemlich unterhaltsam und deutlich besser als Carpenters „Die Klapperschlange“-Fortsetzung „Flucht aus L. A.“. Außerdem war die Besetzung damals ziemlich gut.

Und, ja, eigentlich ist „Ghosts of Mars“ nur ein in die Zukunft gebeamter Western mit der Musik von John Carpenter und Anthrax.

Wahrscheinlich wird eine gekürzte Fassung gezeigt (siehe Schnittbericht).

mit Natasha Henstridge, Ice Cube, Jason Statham, Clea DuVall, Pam Grier, Joanna Cassidy, Richard Cetrone, Rosemary Forsyth

Wiederholung: Freitag, 5. Juli, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

John Carpenter über „Ghosts of Mars“

Rotten Tomatoes über „John Carpenter’s Ghosts of Mars“

Wikipedia über „John Carpenter’s Ghosts of Mars“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte

 

 


TV-Tipp für den 3. Juli: Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

Juli 3, 2013

BR, 23.05

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot (Fr 2009, R.: Serge Bromberg, Rucandra Medrea)

Drehbuch: Serge Bromberg

Spielfilmlange Doku über den Spielfilm „Die Hölle“ von Henri-Georges Clouzot („Lohn der Angst“, „Die Teuflischen“) mit Romy Schneider und Serge Reggiani. Der Dreh wurde nach wenigen Wochen abgebrochen und die wenigen Aufnahmen verschwanden im Archiv.

1994 verfilmte Claude Chabrol Clouzots Drehbuch.

„Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“ gewann den César als beste Dokumentation.

mit Romy Schneider, Serge Reggiani, Henri-Georges Clouzot

Hinweise

Wikipedia über „Die Hölle“ (deutsch, englisch, französisch)

BR über „Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“

Schnitt über “Die Hölle von Henri-Georges Clouzot”


Cover der Woche

Juli 2, 2013

McBain - Blutsschwestern


TV-Tipp für den 2. Juli: 13 Assassins

Juli 2, 2013

Tele 5, 22.00

13 Assassins (Japan 2010, R.: Takashi Miike)

Drehbuch: Daisuke Tengan (nach einem Drehbuch von Kaneo Ikegami)

Takashi Miikes Version von „Die sieben Samurai“. Classic!

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki, Masachika Ichimura, Mikijiro Hira, Hiroki Matsukata, Ikki Sawamura, Arata Furuta, Tsuyoshi Ihara

Wiederholung: Donnerstag, 4. Juli, 00.15 Uhr

Hinweise

Japanische Homepage zum Film (englische Version)

Amerikanische Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Wikipedia über „13 Assassins“

Schnittberichte: Vergleich Internationale – Japanische Fassung

Meine Besprechung von Takashi Miikes „13 Assassins“ (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)


„Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ – Ehrlich?

Juli 1, 2013

Goettges - Häusler - Du sollst den Wähler für dumm verkaufen - 2

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des vielversprechenden Plakats ansahen?

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des grandiosen Trailers ansahen – und dann enttäuscht waren, weil all die atemberaubenden Szenen aus dem Trailer im Film gar nicht mehr so atemberaubend waren?

Nun, so ähnlich erging es mir mit „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ von Ulf C. Goettges und Martin Häusler. Guter Titel, der nach einer ordentlichen Portion Politiker-Bashing klingt.

Auch die „10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ stoßen in das gleiche Horn:

  1. Du sollst deine Macht verteidigen – der Parteifreund ist dein bester Feind

  2. Du sollst dir einen Clan suchen – ohne Seilschaft stürzt du ab!

  3. Du sollst nichts können – Minister kann jeder

  4. Du sollst hilfsbereit sein – wer sagt schon gern ‚korrupt‘?

  5. Du sollst Schauspieler sein – allein als Politiker packst du es nicht

  6. Du sollst Journalisten zensieren – Pressefreiheit ist gefährlich

  7. Du sollst nicht denken – die Partei regelt dein Leben schon

  8. Du sollst Steuern verschwenden – es ist ja nicht dein Geld

  9. Du sollst dich dumm stellen – der U-Ausschuss ist nur Theater

  10. Du sollst die Verfassung nicht so ernst nehmen – benutze sie, wie du sie brauchst

Na, das klingt doch nach einer ordentlichen Generalabrechnung mit den Idioten aus dem Bundestag. Aber dann singen das Autorenduo fast schon unverhohlen das Loblied auf den tapferen Abgeordneten, erzählen von den Arbeitsbelastungen eines Politikers, den Anfeindungen, wie der parlamentarische Betrieb funktioniert, wie wichtig Ausschüsse sind, welche Fähigkeiten man für ein Ministeramt benötigt und auch dem Desinteresse des Wählers. So bietet der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt in seinem Wahlkreis in Solingen einen Diskussionsabend zur damals heftig umstrittenen Griechenlandhilfe an und niemand kommt. So wird in den TV-Talkshows, wie „Günther Jauch“, „Anne Will“ und all den anderen Nachfolgern von „Sabine Christiansen“ durch die Inszenierung das Desinteresse an der Politik befördert. Dummerweise sind, auch durch die Sendezeiten und Ausstrahlungsorte, die Einschaltquoten bei diesen Inszenierungen besser als bei den gehaltvolleren Gesprächen, die zum Beispiel auf Phoenix (haben Sie den Sender schon auf ihrer Fernbedienung entdeckt?) laufen.

Dass das Buch von Ulf C. Goettges und Martin Häusler so differenziert wurde, liegt sicher auch an den zahlreichen von ihnen geführten Interviews, aus denen sie ausführlich zitieren. Auch wenn Gregor Gysi (Linkspartei) und Wolfgang Bosbach (CDU) öfter zitiert werden, haben sie sich mit Politikern aus allen Parteien, gefühlt mit einem leichten Grünen-Bias (viele Gesprächspartner, die aber oft nur ein-, zweimal vorkommen), wenigen FDPlern und Sozialdemokraten, teils aktiv, teils mehr oder weniger freiwillig aus der Politik ausgeschieden, fast immer Bundespolitiker, unterhalten. Dazu kamen noch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, wie Lobbycontrol und dem Bund der Steuerzahler, und die Wissenschaftler Karl-Rudolf Korte und Arnulf Baring, die man als Allzweckwaffen ja aus diversen TV-Auftritten kennt.

Auch sind viele der Gebote und die von Goettges und Häusler gewählten Beispiele für sich selbst bedienende und die Wähler für dumm verkaufende Politiker auf andere Berufe übertragbar; wobei – und das sagen sie auch – man als Politiker bestimmte Fähigkeiten braucht, die man als Unternehmer nicht benötigt: Verhandlungsgeschick (mit vielen mehr oder weniger gleichberechtigten Akteuren. Denn eine Fraktion ist eine Ansammlung von Profilneurotikern.), Einsatzbereitschaft (auch und vor allem Abends und an Wochenenden) und Leidensfähigkeit. Immerhin müssen Politiker sich von anderen Parlamentariern und den Wählern beleidigen lassen, ohne danach gleich eine Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede zu stellen. Sie können, wenn sie ein Amt haben, jederzeit, teils aus nichtigen und sachfremden Gründen, entlassen werden. Und eine Wiederwahl ist nicht wirklich garantiert. Da ist dann die Entlohnung gar nicht mehr so hoch, wie es zunächst scheint.

Das macht dann „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ als aufklärerische Form des Etikettenschwindels richtig sympathisch.

Allerdings bleibt „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ im anekdotischen Stecken. Denn es fehlt ein theoretischer Rahmen, der eben die „Gebote“ in eine größere Perspektive einordnet und auch zeigt, wo die neue Qualität (sofern es sie gibt) ist. Colin Crouchs Theorie der „Postdemokratie“ wäre ein möglicher Startpunkt, der dann auch das System Parlament und Parlamentspolitik in einem größeren Kontext verorten würde. So stehen die von Goettges und Häusler formulierten Gebote, obwohl sie sich auf aktuelle Beispiele konzentrieren, als mehr oder weniger ewig gültige Spielregeln der Politik etwas abgehoben im politischen Raum, der nach Ansicht der beiden Autoren höheren moralischen Maßstäben folgen sollte, weil Politiker Vorbilder für die restliche Gesellschaft seien. Darüber könnte treffend diskutiert werden und gerade der derzeitige Trend, dass Politiker sagen, dass sie gegen keine Gesetze verstoßen hätten, hätte auch Goettges und Häusler die Möglichkeit eröffnet, genauer über die Grenze von Legalität und Legimität zu reflektieren. Denn, im Kapitel über Korruption wird es ja explizit angesprochen, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Aber das ist ein anderes Buch.

–

Ulf C. Goettges/Martin Häusler: Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik

Bastei-Lübbe 2013

240 Seiten

9,99 Euro

–

Hinweise

Homepage zum Buch

Homepage von Ulf C. Goettges und Martin Häusler

Homepage von Martin Häusler


TV-Tipp für den 1. Juli: Tagebuch einer Kammerzofe/Der diskrete Charme des Luis Buñuel/Viridiana

Juli 1, 2013

 

Einen richtig fetten Luis-Buñuel-Themenabend gibt es heute.

Luis Buñuel Portolés (* 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien; † 29. Juli 1983 in Mexiko-Stadt, Mexiko) war war ein spanisch-mexikanischer Filmemacher, der in der Frühzeit des Films als surrealistischer Regisseur bekannt wurde. Er zählt zu den wichtigsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts.

Da widerspreche ich Wikipedia bestimmt nicht.

Arte zeigt um

20.15 Uhr

Tagebuch einer Kammerzofe (Frankreich/Italien 1964, R.: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Octave Mirabeau: Le Journal d’une femme de chambre, 1900 (Tagebuch einer Kammerzofe)

Buñuel verlegte die Geschichte in die späten zwanziger Jahre und lässt die Kammerzofe einen Blick auf die verkommene feine Gesellschaft mit ihren sexuellen Perversionen werfen.

Bösartige Satire

mit Jeanne Moreau, Michel Piccoli, Georges Gèret, Francois Lugagne

–

21.50 Uhr

Der diskrete Charme des Luis Buñuel (Frankreich 2013, R.: François Lévy-Kuentz)

Doku über den Regisseur.

–

22.45 Uhr (VPS 22.40)

Viridiana (Mexiko/Spanien 1961,: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Julio Alejandro

Der Film wurde in Spanien sofort verboten, erhielt in Cannes die Goldene Palme, war auch in anderen Ländern ein Skandalfilm und heute zählt diese Abrechnung mit dem Bürgertum und der Kirche zu den wichtigsten und besten Filmen von Luis Buñuel.

mit Silvia Pinal, Fernando Rey, Francisco Rabal

Hinweise

Arte über Luis Buñuel (eigentlich nur eine lieblose Ankündigung der Buñuel-Reihe)

Wikipedia über Luis Buñuel

 


TV-Tipp für den 30. Juni: Boiling Point – Die Bombe tickt

Juni 30, 2013

RBB, 23.45 Uhr

Boiling Point (USA 1993, R.: James B. Harris)

Drehbuch: James B. Harris

LV: Gerald Petievich: Money men, 1981 (Sumpfblüten, Boiling Point)

Innerhalb einer klassischen Genre-Geschichte (ein Cop jagt den Mörder seines Partners) präsentiert Harris eine melancholische und desillusionierte Charakterstudie über Männer, deren gescheiterte Beziehungen und großspurigen Pläne. Dabei laufen die Geschichten weitgehend unverbunden nebeneinander. Kein Klassiker, aber ein unterschätzter Film, der im Trailer zu Unrecht als Action-Film verkauft wird und viel zu wenig von Dennis Hopper zeigt. Aber Wesley Snipes war damals mit den erfolgreichen Filmen „New Jack City“, „Weiße Jungs bringen’s nicht“ und „Passagier 57“ der aufstrebende Star. „Demolition Man“ und „Die Wiege der Sonne“ starteten kurz darauf und festigten seinen Status; – auch wenn das angesichts der letzten Filme von Wesley Snipes heute schwer vorstellbar ist.

James B. Harris produzierte die frühen Kubrick-Filme, wie “Die Rechnung ging nicht auf” und “Lolita”.

Mit Wesley Snipes, Dennis Hopper, Viggo Mortensen, Lolita Davidovich, Seymour Cassel, Tony Lo Bianco, Tobin Bell, Dan Hedaya, Paul Gleason

Hinweise

Homepage von Gerald Petievich

Rotten Tomatoes über „Boiling Point“

Wikipedia über „Boiling Point“


TV-Tipp für den 29. Juni: Duell

Juni 29, 2013

Wegen Richard Matheson

ZDF 00.05

 

Duell (USA 1971, R.: Steven Spielberg)

 

Drehbuch: Richard Matheson

 

LV: Richard Matheson: Duel (Kurzgeschichte, Playboy, April 1971)

 

Auf einem Highway irgendwo im Nirgendwo überholt Handelsvertreter David Mann einen Truck. Der König der Landstraße beginnt Mann zu verfolgen.

 

Steven Spielbergs erster Kinofilm. Naja, fast. Denn „Duell“ war zuerst ein in zwei Wochen gedrehter ABC-TV-Film (es werden mal 12, mal 13, mal 16 Drehtage genannt, wobei anscheinend nur 10 Drehtage geplant waren), der für die Kinoauswertung um einige Szenen erweitert wurde.

 

„Duell“ ist ein kleiner, knackiger Highway-Thriller, bei dem die Geschichte auf das Gerüst reduziert wurde. Mit einer guten Idee und einem guten Drehbuch, beides von Richard Matheson.

 

„Offen gesagt ist der Film voll technischer Spielereien und logischer Brüche. Aber am Ende der neunzig Minuten scheint kaum Zeit vergangen.“ (Fob, Variety)

 

mit Dennis Weaver, Eddie Firestone, Charles Seel, Lucille Benson

Hinweise

 

Arte über „Duell“

 

Wikipedia über „Duell“ (deutsch, englisch)

 

Fanseite zum Film

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

 

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

 

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

 

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Kriminalakte: Ein episch langes Interview mit Richard Matheson

 

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung „Real Steel” (Real Steel, USA 2011)

 

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung “Tanz der Totenköpfe” (The Legend of Hell House, GB 1973)

 

Meine Besprechung der Comic-Version der Richard-Matheson-Kurzgeschichte “Duell”


Neu im Kino/Filmkritik: „Laurence Anyways“ ist maßlos

Juni 28, 2013

Mein Film ist eine Hommage an die ultimative Liebesgeschichte: voller Ambitionen, unmöglich, eine Liebe, die spektakulär und grenzenlos sein soll. Die Liebe, von der wir nicht zu träumen wagen, die Liebe, die nur im Kino, in Büchern und in der Kunst vorkommt.

„Laurence Anyways“ ist eine Hommage an die Zeit in meinem Leben, bevor ich Regisseur wurde, als ich ein Mann werden musste.

Xavier Dolan

Während andere gerade ihren ersten Film drehen, dreht der 1989 geborene Kanadier Xavier Dolan nach „I killed my Mother“ (2009) und „Herzensbrecher“ (2010) bereits seinen dritten Spielfilm „Laurence Anyways“, der, wie seine vorherigen Filme, in Cannes Preise gewann wurde und für den César als bester ausländischer Film nominiert war. Und während Gleichaltrige laue, in der Provinz spielende, autobiographische Coming-of-Age-Dramen abliefern, dreht Dolan einen Film über die Liebe, der zutiefst persönlich, aber nicht autobiographisch ist.

Denn Xavier Dolan ist nicht transsexuell.

Aber im Mittelpunkt seiner sich über ein Jahrzehnt erstreckenden Liebesgeschichte steht Laurence Alia (Melvil Poupaud), ein eloquenter, lebensbejahender, beliebter Frauenschwarm, Dichter und Schullehrer, der mit 35 Jahren feststellt, dass er eigentlich eine Frau sein möchte. Das sagt er seiner Freundin Fred (Suzanne Clément), mit der er seit zwei Jahren zusammen ist. Sie fragt sich, ob sie Laurence auch noch liebt, wenn er eine Frau ist. Denn sie ist nicht lesbisch und auch nicht bisexuell. Aber sie unterstützt den Menschen, den sie liebt. Ebenso seine Mutter (Nathalie Baye in einer kleinen, aber prägnanten Rolle), die ihr Kind als ihr Kind liebt.

Laurence stürzt sich voller Hoffnungen in das Abenteuer der Geschlechtsumwandlung und ausgehend von Laurences Geständnis entfaltet Dolan einen knapp dreistündigen Film, der wegen seiner Maßlosigkeit für sich einnimmt und auch deswegen verärgert. Denn „Laurence Anyways“ ist mit 159 Minuten einfach zu lang geraten. In dem ersten und längsten Teil erzählt Dolan, wie Laurence und seine Freunde mit seinem Geständnis umgehen. Da ist der Film eine mitreißende und für sich einnehmende Eloge an die Freundschaft, die Liebe und die Lebensfreude, unterlegt mit einer fetzigen Mischung aus damals aktuellen Popsongs und klassischer Musik.

Aber nach diesem grandiosen ersten Teil, in dem Xavier Dolan fast schon traumwandlerisch immer den richtigen Ton trifft, entgleitet ihm in den wesentlich kürzeren, 1995 und 1998 spielenden Teilen die Geschichte. Sie verliert ihren Schwung. Denn jetzt geht es um das Ende der Beziehung von Laurence und Fred. Sie verließ ihn in den frühen Neunzigern. Aber er verfolgt sie, die für ihn die große Liebe ist, mit teils behutsamer, teils penetranter Hartnäckigkeit. Gleichzeitig sind nicht alle seine Wünsche in Erfüllung gegangen. Diesen traurigen Teil, der auch radikal mit der vorherigen Stimmung bricht, will man nicht unbedingt sehen. Auch weil die Geschichte jetzt episodisch wirkt und zerfasert. So als ob Dolan nicht wüsste, wie er den Film beenden soll.

„Laurence Anyways“ ist, wie alle großen Liebesfilme, letztendlich ein Film über die Unmöglichkeit der großen Liebe, bei dem die ordnende Hand eines Regisseurs fehlt, der beherzt Szenen aus dem Film entfernt, den Film auf verträgliche zwei Stunden gekürzt und die Vision klarer herausgearbeitet hätte.

Laurence Anyways - Plakat

Laurence Anyways (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)

Regie: Xavier Dolan

Drehbuch: Xavier Dolan

mit Melvil Poupaud, Suzanne Clément, Nathalie Baye, Monia Chokri, Susie Almgren, Yves Jacques

Länge: 159 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (erstaunlich)

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Laurence Anyways“

Metacritic über „Laurence Anyways“

Rotten Tomatoes über „Laurence Anyways“

Wikipedia über „Laurence Anyways“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Juni: Jackie Brown

Juni 28, 2013

3sat, 22.35

Jackie Brown (USA 1997, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)

Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.

Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)

Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.

Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“

Wiederholung: Samstag, 29. Juni, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Jackie Brown“

Rotten Tomatoes über „Jackie Brown“

Wikipedia über „Jackie Brown“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Wong Kar-Wais Kung-Fu-Film „The Grandmaster“ über den Bruce-Lee-Lehrer Ip Man

Juni 27, 2013

 

In China ist „The Grandmaster“ der erste Kassenhit von Wong Kar-Wai, dem Regisseur von so Perlen wie „Chungking Express“, „Fallen Angels“, „In the Mood for Love“, „2046“ und der Schwertkämpfer-Saga „Ashes of Time“. Und, auch wenn es für unser Hollywood-verwöhntes CGI-Auge nicht so aussieht, ist „The Grandmaster“ ein Blockbuster. Die Produktion dauerte drei Jahre. Für die Kung-Fu-Szenen trainierten die Schauspieler lange und echte Kung-Fu-Kämpfer berieten die Filmemacher bei den furiosen Kämpfen, in denen es immer wieder Kompromisse zwischen der Kampfkunst und den Anforderungen an einen Film gab. Denn in der Wirklichkeit wären einige Kämpfe, nach einem Schlag, einfach zu schnell vorbei. Der beeindruckende Kung-Fu-Kampf am Filmanfang wurde in dreißig (!) aufeinanderfolgenden Nächten im Regen, im Matsch, im Oktober und November gedreht.

„Ein oder zwei Jahre drehten wir nur Kämpfe, keine von den anderen Szenen. Ich wusste nicht mal, warum es in der Story ging. Erst in den letzten sechs Monaten der Filmaufnahmen drehte ich die Drama-Szenen“, erzählt Hauptdarsteller Tony Leung, der bereits mehrfach mit Wong Kar-Wai zusammen arbeitete. Neben dem Kampftraining beschäftigte Leung sich auch viel mit Bruce Lee, dem heute immer noch bekannten Schüler von Ip Man (1893 – 1972), dessen Leben in „The Grandmaster“ erzählt wird, wobei er in dem Film eine Mischung aus Ip Man und Bruce Lee ist und nicht alle Szenen auf wahren Ereignissen beruhen.

Der Film beginnt 1936 in der südchinesischen Stadt Foshan. Dort gibt es einen Wettbewerb zwischen Vertretern der verschiedenen Kampfschulen, den Ip Man gewinnt und er eine Beziehung zu Gong Er, der ebenfalls kampfeskundigen Tochter seines Gegners, beginnt. 1938 marschieren die Japaner in Foshan ein. Ip Man verliert seinen gesamten Besitz. Er geht nach Hongkong.

Währenddessen wird Gong Ers Vaters von seinem Meisterschüler Ma San, der mit den Japanern kollaboriert, getötet. Sie schwört Rache. Auf einem Bahnsteig kommt es vor einem abfahrendem Zug (der gefühlt mindestens einen Kilometer lang ist) zu einem Kampf zwischen den Beiden.

1952 treffen Ip Man und Gong Er sich wieder in der britischen Kronkolonie Hongkong. Sie ist inzwischen Ärztin. Er leitet eine Kung-Fu-Schule. Einer seiner Schüler ist Bruce Lee.

Wong Kar-Wai erzählt diese Geschichte in erlesenen Bildern, sich immer wieder in Nebensträngen verlierend, elliptisch und auch arg fragmentarisch. Immerhin ist Ip Man in Hongkong eine bekannte Person und auch sein Leben und die politischen Hintergründe, wie der Krieg zwischen China und Japan, sind bekannt. Bei uns ist er dagegen, wie die damaligen politischen Wirren, ziemlich unbekannt und daher fallen die Probleme in der Filmgeschichte noch mehr auf.

Davon abgesehen wirkt „The Grandmaster“ wie ein edles Stück Dekor, bei dem alles liebevoll von Meisterhand gefertigt wurde, aber letztendlich bewundert man die dunklen, oft ins bräunliche tendierenden Bilder, wie Ausstellungsstücke, nur. Nie entsteht eine emotionale Bindung. Dafür bleiben die Charaktere zu rätselhaft. Gerade in den dramatischen Szenen bleiben die Schauspieler zu sehr in sich gekehrt und so bewegungslos, dass man glaubt, eine Fotografie zu betrachten. Entsprechend blass und behauptet bleibt die Liebesgeschichte zwischen Ip Man und Gong Er, die eine Erfindung der Filmemacher ist. Auch der soziale Abstieg von Ip Man von einem wohlhabenden chinesischen Landbesitzersohn, der als Vierzigjähriger alles, auch seine Familie, verliert und in Hongkong vollkommen verarmt als Bettler ankommt, ist eher behauptet. Denn Ip Man erträgt diesen Abstieg stoisch ohne eine Miene zu verziehen. Und weil er sich auch in seiner Heimatstadt Foshan meistens in einem kargen Trainingsraum oder im „Gold Pavillon“, einem Freudenhaus, in dem das gesellschaftliche Leben und die Kämpfe stattfinden, aufhält, fällt nicht auf, dass er plötzlich auf seinen Besitz verzichten muss.

Die Kamera verstärkt diese Distanz weiter. Denn Zeitlupe und Zeitraffer sind die bestimmenden Stilmittel, die gefühlt während des gesamten Films angewandt werden und so ihre eigentliche Wirkung verfehlen. Denn anstatt stärker in den Film involviert zu werden, fühlt man sich außen vor.

Die Kämpfe sind zwar einerseits spektakulär, weil man schon mehr ahnt als sieht, dass hier wirkliche Könner am Werk sind. Aber andererseits auch enttäuschend, weil sie eben so zerschnipselt sind, dass man ihnen kaum folgen kann und am Ende, nach den vielen Gesprächen über die verschiedenen Kampfstile, die ungefähr so interessant wie eine „Raumschiff Enterprise“-Fan-Diskussion sind, hat man den Eindruck, dass Kung Fu der Kampf ist, in dem Menschen in Zeitlupe rückwärts durch Fensterscheiben fliegen.

So ist „The Grandmaster“ letztendlich eine artifizielle und auch museale Liebeserklärung an den Kung-Fu-Film und das Kino der dreißiger Jahre, als die Kamera unbeweglicher war und seltener geschnitten wurde. Beim Sehen hat man immer das Gefühl, durch einen erlesenen Fotobildband zu blättern. Und als Bildband oder auch Comic würde „The Grandmaster“ mir sicher besser gefallen.

The Grandmaster - Plakat

The Grandmaster (Yi Dai Zong Shi, Hongkong/China 2013)

Regie: Wong Kar-Wai

Drehbuch: Zou Jing-Zhi, Xu Hao-Feng, Wong Kar-Wai

mit Tony Leung, Zhang Zi-Yi, Chang Chen, Song Hye-Kyo, Wang Qing-Xiang, Zhao Beh-Shan, Zhang Jin, Shang Tie-Long

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Grandmaster“

Metacritic über „The Grandmaster“

Rotten Tomatoes über „The Grandmaster“

Wikipedia über „The Grandmaster“ (deutsch, englisch)

Berlinale: „The Grandmaster“-Pressekonferenz

Wong-Kar-Wai-Fanseite

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Mit Brad Pitt einmal um den Globus im „World War Z“

Juni 27, 2013

 

Wahrscheinlich gibt es in Hollywood irgendwo eine Abteilung, die einfach die Filmrechte an den neuesten Bestsellern kauft. Immerhin wurde auch Mark Kermodes Bestseller „The Good, the Bad and the Multiplex – What’s wrong with modern movies?“ optioniert und sogar Kermode gibt zu, dass er keine Ahnung hat, warum und wie Hollywood sein Buch verfilmen will.

Max Brooks hat sich das sicher auch gefragt, als Hollywood noch vor der Veröffentlichung von „World War Z“ die Filmrechte kaufte. Denn er erzählt, anhand von Gesprächen mit Überlebenden des Krieges gegen Zombies den weltweiten Krieg gegen die Untoten von den Anfängen in China bei dem Staudamm der drei Schluchten über die Ausbreitung bis zum Ende. Das ist eine faszinierende Lektüre, die allerdings nichts hat, was sie für eine Verfilmung prädestiniert. Außer man möchte eine Ansammlung von Kurzfilmen mit ständig wechselnden Charakteren sehen. Sogar Steven Soderberghs Seuchenthriller „Contagion“ begleitete seine Charaktere (sofern sie nicht starben) durch die gesamte Pandemie. Entsprechend entspannt sah Max Brooks, der Sohn der Hollywood-Legenden Mel Brooks und Anne Bancroft, der Verfilmung entgegen. Er wusste, dass die Verfilmung sich stark von seinem Buch unterscheiden wird und er hatte recht. Die Verfilmung hat mit dem Buch, außer Zombies (mit einigen entscheidenden Änderungen), dem globalen Fokus und einigen Details nichts mit dem Buch gemein. Das ist, wie gesagt, wenig überraschend, aber als Fan sollte man keine Verfilmung des Buchs erwarten.

In dem Film soll Gerry Lane (Brad Pitt), ein supertaffer Ex-UN-Ermittler, der jetzt auf glücklicher Familienvater macht, den Patient Null finden. Die US-Regierung (jedenfalls die wenigen Personen, die noch menschlich sind) hofft, dort die Erklärung für die Seuche und ein Gegenmittel zu finden. Lane macht sich auf den Weg um den halben Globus. Nach Korea. Nach Israel. Nach Wales. Und wieder zurück in die USA. Genaugenommen Nova Scotia im benachbarten Kanada. Dabei muss er immer wieder vor Zombies flüchten, weil in dem Film Menschen sich nach einem Biss in Sekundenbruchteilen in einen Zombie verwandeln, der wie irre hinter anderen Menschen herrennt. Das erinnert dann doch eher an den Rage-Virus, den wir aus „28 Days later“ und der Fortsetzung „28 Weeks later“ kennen.

In dem Buch verwandeln sich die Menschen nur langsam in Zombies. Manchmal dauert es Tage oder sogar Wochen. Außerdem sind die Zombies, wie bei Zombie-Guru George A. Romero, eine träge schlurfende Masse, die gerade deshalb so furchterregend ist. In dem Film, wenn die Zombies in Israel über eine hochhaushohe Mauer stürmen, oder sich, wie die Wassermassen eines gebrochenen Staudamms, über umstürzende Busse und die engen Gassen einer Stadt ergießen, oder sie in einem Flugzeug die Passagiere flugs in Zombies verwandeln, dann ist das zwar optisch beeindruckend, aber ohne viel Suspense. Die gibt es dann im letzten Drittel des Films, wenn Lane sich in einem WHO-Forschungslabor an einigen Zombies vorbeischleichen muss, um an ein Serum zu gelangen und jedes Geräusch die in den Gängen sinnlos herumstolpernden Zombies zu menschenfressenden Bestien machen kann.

Die rudimentäre Filmgeschichte dient natürlich vor allem dazu, den Helden um die halbe Welt zu schicken und die Auswirkungen der Katastrophe zu betrachten. Auch wenn es arg unglaubwürdig ist, dass ausgerechnet er und nur er den Ursprung der Seuche und ein Gegenmittel finden kann – und um ihn zu schützen, Dutzende Elitesoldaten brav in den Tod gehen und Passagierflugzeuge, wenn gerade eine Horde Zombies über das Rollfeld stürmt, abwarten, bis Mr. Lane eingestiegen ist.

Aber im Gegensatz zu seinem komplett vergurkten James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ gelingt Marc Forster („Monster’s Ball“, „Schräger als Fiktion“, „Drachenläufer“) es in „World War Z“ die Actionszenen mit den intimen Momenten zu verbinden. Die Massenszenen sind schick choreographiert. Die Telefonate von Gerry Lane mit seiner Frau sind nicht allzu schwülstig geraten. Und die Action geht nicht in einem Schnittgewitter unter.

„World War Z“ ist ein absolut okayer Zombiefilm, der – erwartungsgemäß – kaum etwas mit der Buchvorlage gemein hat.

Vom Buch wurde, wie gesagt, wenig übernommen. Eigentlich nur die abgeänderte Geschichte vom ersten Auftauchen eines Zombies in Asien, die Flucht auf Schiffe, die Eingangskontrolle nach Israel und, in dem Passagierflugzeug, der Hund, der die Zombies riechen kann. Wobei diese beiden Elemente im Film keinen richtigen Sinn mehr ergeben, weil die Macher sich dazu entschlossen, – und das ist die schwerwiegendste Änderung -, die Zombies rennen zu lassen. Es sind nicht mehr die Romero-artig schlurfenden Zombies. Ebenso wurde auf den multiperspektivischen Ansatz der Vorlage, der besser in einer TV-Serie oder einem Ensemblefilm, wie „Traffic“, „Syriana“ oder „Contagion“ (um einige neuere Beispiele zu nennen), funktioniert, aber auch kommerziell schwierig ist, verzichtet.

Übernommen wurde allerdings die Idee aus der Buchvorlage, dass in diesem Zombiefilm der weltweite Krieg der Menschen gegen die Zombies gezeigt wird. Aber die Macher entschieden sich, kommerziell sicher eine richtige Entscheidung, für einen Protagonisten und erzählen ganz traditionell dessen Geschichte als kurzweiliges Blockbuster-Kino.

World War Z - Plakat

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

LV: Max Brooks: World War Z, 2006 (Operation Zombie, World War Z)

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Die Vorlage

Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

–

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „World War Z“

Metacritic über „World War Z“

Rotten Tomatoes über „World War Z“

Wikipedia über „World War Z“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ (Roman) und Max Brooks (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Max Brooks‘ „World War Z“ (World War Z, 2006)

 

 


Die Shamus-Nominierungen 2013

Juni 27, 2013

 

Die Private Eye Writers of America (PWA) haben die Finalisten für den diesjährigen Shamus Award bekannt gegeben:

Best Hardcover P.I. Novel

• Robert B. Parker’s Lullaby, von Ace Atkins (Putnam)

• Taken, von Robert Crais (Putnam)

• Hunting Sweetie Rose, von Jack Fredrickson (Minotaur)

• Blues in the Night, von Dick Lochte (Severn House)

• The Other Woman, von Hank Phillippi Ryan (Forge)

–

Best First P.I. Novel

• Hush Money, von Chuck Greaves (Minotaur)

• Murder Unscripted, von Clive Rosengren (Perfect Crime)

• Black Fridays, von Michael Sears (Putnam)

• Racing the Devil, von Jaden Terrell (Permanent Press)

• The Twenty-Year Death, von Ariel S. Winter (Hard Case Crime)

–

Best Original Paperback P.I. Novel

• Death Warmed Over, von Kevin J. Anderson (Kensington)

• And She Was, von Alison Gaylin (Harper)

• Archie Meets Nero Wolfe, von Robert Goldsborough (The Mysterious Press/Open Road)

• False Negative, von Joseph Koenig (Hard Case Crime)

• Pulse, von John Lutz (Kensington)

–

Best P.I. Short Story

• “The Sequel,” von Jeffery Deaver (The Strand Magazine, November-Februar 2012-2013)

• “After Cana,” von Terence Faherty (Ellery Queen Mystery Magazine, September/Oktober, 2012)

• “O’Nelligan and the Lost Fates,” von Michael Nethercott (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], März 2012)

• “Illegitimati Non Carborundum,” von Stephen D. Rogers (Crimespree Magazine, Mai/Juni 2012)

• “Ghost Negligence,” von John Shepphird (AHMM, Juli/August 2012)

–

Best Indie P.I. Novel

• Stranger in Town, von Cheryl Bradshaw (CreateSpace)

• Enamored, von O’Neil De Noux (CreateSpace)

• One-Eyed Jack, von Christopher J. Lynch (CreateSpace)

• White Heat, von Paul D. Marks (Timeless Skies)

• Devil May Care, von James Mullaney (James\Mullaney#Books)

–

Die Preisverleihung ist am Freitag, den 20. September auf der Bouchercon in Albany, New York.

So liebe Verlage: jetzt übersetzt bitte einige der Bücher.

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 27. Juni: Minnie und Moskowitz

Juni 27, 2013

 

3sat, 22.25

Minnie und Moskowitz (USA 1971, R.: John Cassavetes)

Drehbuch: John Cassavetes

Parkplatzhelfer Moskowitz verliebt sich in die kunstsinnige Museumsangestellte Minnie – und wir erleben die Cassavetes-Version von „Gegensätze ziehen sich an“: eine improvisierte Screwball-Comedy ohne RomCom-Schwülstigkeiten.

Indie-Klassiker, der nie in Deutschland verliehen wurde und der so selten im TV läuft, dass er noch nicht einmal unter „selten gezeigt“ abgelegt werden kann. Also: Anseh- und Aufnahmebefehl.

mit Gena Rowlands, Seymour Cassel, Val Avery, Tim Carey, Katherine Cassavetes, John Cassavetes

Wiederholung: Freitag, 28. Juni, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Minnie und Moskowitz“

Wikipedia über „Minnie und Moskowitz“

John Cassavetes in der Kriminalakte

 

 


Bill Frisell spielt John Lennon live

Juni 27, 2013

Ein wunderschönes Konzert mit kaum erkennbaren John-Lennon-Songs gab Gitarrist Bill Frisell, begleitet von seinen langjährigen Co-Musikern Greg Leisz (Pedal Steel), Tony Scherr (Bass) und Kenny Wollesen (Drums), 2012 beim La Vilette Jazz Festival.


DVD-Kritik: David McCallum ist „Der Unsichtbare“

Juni 26, 2013

 

Zwischen den TV-Serien „Solo für O.N.K.E.L.“ (The Man from U.N.C.L.E., 1964 – 1968), mit der David McCallum als russischer Agent Illya Kuryakin zum Weltstar aufstieg, und „Navy CIS“, in der er seit zehn Jahren den Gerichtsmediziner Dr. Donald Mallard spielt, war er unter anderem Dr. Daniel Westin in der kurzlebigen Science-Fiction-Serie „Der Unsichtbare – The Invisible Man“, die jetzt komplett, inclusive der damals in Deutschland nur gekürzt ausgestrahlten Pilotfolge in voller Länge und den zwei bei uns nicht ausgestrahlten Folgen, auf DVD vorliegt.

Die von Steven Bochco („Polizeirevier Hill Street“, „NYPD Blue“) und Produzent Harve Bennett („Der sechs Millionen Dollar Mann“, die „Star Trek“-Filme II, III, IV, V) erfundene Serie basiert auf H. G. Wells‘ Roman „The Invisible Man“, übernahm von ihm allerdings nur die Prämisse, nämlich dass ein Wissenschaftler bei einem Experiment unsichtbar wird und jetzt verzweifelt nach einem Gegenmittel sucht. Bei Wells diente diese Unsichtbarkeit auch dazu, moralische Fragen zu stellen: vor allem, ob wir uns auch dann an Gesetze halten, wenn wir für eine Übertretung nicht bestraft werden und welche Folgen Unsichtbarkeit auf unsere Psyche hat.

Das ist Bochco und Bennett, auch wenn es im Pilotfilm in Schwundstufen angedacht wird, herzlich egal. Bei ihnen ist der Unsichtbare ein ausgeglichener, glücklich verheirateter Mann, der vor allem als Quasi-Geheimagent unterwegs ist; dies aber eigentlich nur im sonnigen Kalifornien tun kann, weil die Unsichtbarkeit sich nur auf seinen Körper erstreckt. Das heißt: unser Held muss ständig nackt durch die Landschaft laufen.

Und das muss er ziemlich oft tun für die Klae Resource, einem klandestinen Teil der Klae Corporation, einem – hm – Teil des militärisch-industriellen Komplexes, der gleichzeitig so eine Art Mini-CIA ist und auch in schmutzige Geschäfte verwickelt ist. Jedenfalls wird das im Pilotfilm angedeutet. Denn Westin, der mit seiner Frau für sie forscht, und der sich bei seinem Unsichtbarkeitsforschungen permanent unsichtbar machte, will zunächst nicht weiterforschen, weil er befürchtet, dass seine Erkenntnisse für militärische Zwecke verwandt werden. Laborleiter Walter Carlson kann ihn allerdings überzeugen, für die Klae Resource gelegentlich spezielle Aufgaben, bei denen seine Unsichtbarkeit vorteilhaft ist, zu übernehmen. Dafür kann er an einem Mittel gegen seine Unsichtbarkeit forschen. In einigen der späteren Folgen steht Dr. Westin dann auch forschend in seinem Labor.

Meistens läuft er allerdings nackt und unsichtbar durch die Gegend und holt für die Klae Resource die Kastanien aus dem Feuer. Dabei sind die Fälle eher für einen durchtrainierten Geheimagenten als für einen Forscher geeignet. Er muss herausfinden, wie in Washington eine hochrangige Mitarbeiterin Geheimunterlagen aus dem Parlament schmuggelt. Er muss Überläufern helfen. Er muss herausfinden, wie und warum ein Geisterbeschwörer einen wichtigen Abgeordneten beeinflusst. Er soll herausfinden, ob ein Diplomat Gemälde aus dem Weißen Haus geklaut hat. Er sucht die Entführer der Firmenchefin. Er entlarvt eine korrupte Kleinstadtspitze, die ihn, wie viele andere Menschen, wegen des Vorbeifahrens an einem Schulbus, der als Dummenfalle aufgestellt wurde, zu einer hohen Strafe verurteilt. Er hilft einer Klae-Putzfrau, die sich Sorgen um ihren in Texas in einem Gefängnis sitzenden Sohn macht, diesen zu befreien und die korrupte Gefängnisleitung hinter Gitter zu bringen. Und in „Klimpergeld“ hilft er Carlsons Tante, die sich bei Kartenspielen hoch verschuldete und Geld aus ihrer Bank entwendete. Um ihr zu helfen, inszeniert Westin einen Banküberfall und gerät in einen weiteren Banküberfall. In dieser Folge wird am stärksten mit surrealen Comedy-Elementen gespielt, wenn die Westins die Tante besuchen und überall Geldscheine herumflattern und liegen und alle die Scheine ignorieren oder wenn bei dem Banküberfall alle in ikonischen Frankensteins-Monstermasken (die Boris-Karloff-Ausgabe) herumlaufen.

Das alles ist, auch für den Siebziger-Jahre-Standard, ziemlich träge geschrieben, lahm inszeniert, reichlich unlogisch und weitgehend humorfrei gespielt. Da helfen auch nicht die netten Unsichtbarkeitstricks weiter.

Immerhin bleibt so reichlich Zeit, darüber nachzudenken, warum die Macher nicht einen Geheimagenten unsichtbar machten, warum niemand den Unsichtbaren neben sich spürt und warum eine so alltagsuntaugliche Form der Unsichtbarkeit entdeckt wurde. Ich meine: wer will schon nackt und barfuss durch die Gegend laufen?

Der Unsichtbare - DVD

Der Unsichtbare – The Invisible Man (The Invisible Man, USA 1975/1976)

Erfinder: Harve Bennett, Steven Bochco

LV: H. G. Wells: The Invisible Man, 1897 (Der Unsichtbare)

Musik: Henry Mancini, Pete Rugolo

mit David McCallum (Dr. Daniel Westin), Melinda O. Fee (Dr. Kate Westin), Craig Stevens (Walter Carlson)

Gaststars: John Vernon, Farley Granger, Monte Markham, Oskar Homolka

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DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,33:1/4:3

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Pilotfolge in der Langfassung (teilweise Originalton mit festen Untertiteln)

Länge: 657 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

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„Der Unsichtbare“ Dr. Daniel Westin in Action

Experiment mit Folgen (The Invisible Man)

Regie: Robert Michael Lewis

Drehbuch: Steven Bochco (nach einer Geschichte von Harve Bennett und Steven Bochco)

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Armer, reicher Mann (The Klae Resource)

Regie: Robert Michael Lewis

Drehbuch: Steven Bochco

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Ein seltener Vertreter seines Fachs (The Fine Art of Diplomacy)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: James D. Parriott

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Hokuspokus im Senat (Man of Influence)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Seeleg Lester, Rick Blaine (nach einer Geschichte von Rick Blaine)

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Sie macht’s nur mit den Augen (Eyes Only)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Leslie Stevens

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Barnard will raus (Barnard wants out)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: James D. Parriott

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Blinde sehen mehr (Sight Unseen)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Brian Rehak (nach einer Geschichte von Brian Rehak und Kandy Rehak)

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Im Kittchen ist ’ne Zelle frei (Go directly to Jail)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Steven Bochco

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Rotes Licht wird teuer (Stop when Red Lights flash)

Regie: Gene Nelson

Drehbuch: Seeleg Lester

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Klimpergeld (Pin Money)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: James D. Parriott

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Familienkrieg (The Klae Dynasty)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Philip DeGuere

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Power Play (Power Play)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Leslie Stevens

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Auf der Suche nach dem verlorenen Gesicht (An Attempt to Save Face)

Regie: Don Henderson

Drehbuch: James D. Parriott, Leslie Stevens (nach einer Geschichte von Leslie Stevens)

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Hinweise

Fernsehserien über „Der Unsichtbare“

TV.com über „Der Unsichtbare“

Wikipedia über „Der Unsichtbare“ (deutsch, englisch)