LV: Stephen Rebello: Alfred Hitchcock and The Making of Psycho, 1990 (Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“)
Biopic über die Dreharbeiten zu „Psycho“ und die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und seiner Frau Alma Reville.
Die Dialoge sind pointiert, der Humor hitchcockian, die Schauspieler grandios, das Zeitkolorit treffend, die Faktentreue – naja, warum soll man bibeltreu bei den Fakten bleiben, wenn sie einer gelungenen Pointe im Weg stehen. Entstanden ist eine Geschichte, die in dieser Version, so meine Vermutung, Alfred Hitchcock gefallen hätte.
Der Sendetermin dieser schon lange überfälligen TV-Premiere ist eine Frechheit, für die es keine Entschuldigung gibt.
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
„Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist ein Filmtitel wie eine Produktbeschreibung, die später durch einen richtigen Filmtitel ersetzt werden soll. Aber dann lässt man es, wie bei den anderen Titeln des Franchise, bleiben, weil der Titel „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ die wichtigsten Informationen in der knappsten möglichen Form übermittelt. Das ist ein Film aus dem bekannten, beliebten und sehr erfolgreichen „Fast & Furious“-Actionfranchise. Dieses Mal stehen die Muskelpakete Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckard Shaw (Jason Statham) im Mittelpunkt. Johnson und Statham kloppten sich schon durch einige „Fast & Furious“-Filme. Dabei waren ihre Hahnenkämpfe und gegenseitigen Beleidigungen so übertrieben, dass jeder wusste: die beiden verstehen sich bombig.
Jetzt haben sie im Rahmen des „Fast & Furious“-Franchise einen eigenen Film bekommen, der sich wohltuend von den „Fast & Furious“-Filmen unterscheidet und den man auch sehen und verstehen kann, ohne einen der anderen Filme gesehen zu haben. Die Action kann gerade noch so und mit zugedrückten Augen und Hühneraugen als halbwegs realistisch bezeichnet werden. In den „Fast & Furious“-Filmen wurde sie zuletzt immer übertriebener. Die von Chris Morgan, der seit „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ (2006, nicht der beste Film der Serie) dabei ist, und Drew Pearce („Mission Impossible – Rogue Nation“, „Hotel Artemis“) erfundene Story für „Hobbs & Shaw“ geht dann in Richtung „Buddy-Movie meets James Bond“.
Um zu verhindern, dass ein Virus, der die Menschheit innerhalb weniger Stunden vernichten kann, in die falschen Hände gerät, injiziert die MI6-Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby) sich den Krankheitserreger. Den Bösewichtern, der internationalen Organisation Eteon und ihrem genetisch optimierten und quasi unbesiegbarem Soldaten Brixton Lorr (Idris Elba), gelingt es, die Situation für den MI6 so darzustellen, dass Hattie Shaw ihre Kollegen ermordete und mit dem „Schneeflocke“ genannten Virus flüchtete.
Der amerikanische und der britische Geheimdienst setzen Hobbs und Shaw auf die flüchtige Hattie an. Schnell finden die beiden miteinander verfeindeten Männer heraus, wer der wirkliche Übeltäter ist und dass der Erreger innerhalb weniger Tage aus Hatties Körper extrahiert werden muss. Sonst stirbt sie und „Schneeflocke“ wird freigesetzt.
Weil Deckard Shaw nicht zulassen kann, dass seine Schwester stirbt, beginnen er, Hattie und Hobbs nach dem Erfinder von „Schneeflocke“ zu suchen. Die Jagd beginnt in London und führt sie immer weiter Richtung Osten.
David Leitch, der vorher bei „John Wick“ ungenannter Co-Regisseur war und danach „Atomic Blonde“ und „Deadpool 2“ inszenierte, übernahm die Regie. Sein Film ist ein sich nie sonderlich ernst nehmender Comic, der näher bei „Deadpool“ als bei „Atomic Blonde“ ist. Die meist am helllichten Tag spielende Action ist over the top. Oft ist auch erkennbar, wie viel CGI eingesetzt wurde. Das liegt nicht daran, dass die Spezialeffekt schlecht sind, sondern dass die Szenen anders nicht hätten gedreht werden können. So fährt Brixton Lorr einmal wie ein Terminator durch einen Bus. Danach ist der Bus Schrott. Brixton hat keinen Kratzer abbekommen. Oder Brixton, Hobbs und Shaw kloppen sich auf der Ladefläche eines durch unwegsames Gelände rasenden Lasters. Da hätte der Actionfan gerne etwas mehr handgemachte „John Wick“/„Atomic Blonde“-Action gehabt.
Zwischen den um den Welt verteilten Action-Set-Pieces überziehen die Alphamänner Hobbs und Shaw sich mit Beleidigungen. Dass Dwayne Johnson und Jason Statham diese teils improvisierten Wortgefechte genossen, ist in jeder Sekunde spürbar. Ihre Verbündeten versuchen den Streit zu schlichten. Manchmal mütterlich, manchmal schwesterlich und manchmal im „Deadpool“-Stil. Auch Idris Elba genießt seine Rolle als unbesiegbarer Oberbösewicht sichtbar (Kurze Randnotiz: Ich will sein Motorrad haben!).
Für die Cineasten gibt es einige Anspielungen und mehr oder weniger ausführliche Filmzitate.
Das in den „Fast & Furious“-Filmen von Dom Toretto (Vin Diesel) bis zum Erbrechen wiederholte Mantra von „Wir sind eine Familie“ wird hier anders und weniger penetrant behandelt. Torettos Familie ist eine Wahlfamilie, die bei aller Inklusivität von Ethnien und Geschlechtern, letztendlich utilitaristisch und auch diktatorisch ist. Bei Hobbs und Shaw ist Familie dann wieder durch Blutsbande und eine starke Rolle der Mütter (Lori Tuisano und Helen Mirren) definiert. Es ist, in beiden Fällen, eine Familie, in der die einzelnen Familienmitgliedern letztendlich den anderen Familienmitgliedern uneigennützig helfen und beide Familien sind inklusiv. So werden die Shaw-Geschwister auf Samoa, wo das Finale des Films spielt, ohne große Diskussion in die Hobbs-Familie aufgenommen und gemeinsam kämpfen sie gegen Brixton und seine Eteon-Armee. Es ist ein Kampf von Low Tech gegen High Tech.
„Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist genau das Actionfeuerwerk, das man bei den beiden Hauptdarstellern in diesem Franchise erwarten konnte.
P. S.: Weil „Hobbs & Shaw“ einen auf Marvel machen, lohnt es sich, beim Abspann sitzen zu bleiben.
Fast & Furious: Hobbs & Shaw (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)
Regie: David Leitch
Drehbuch: Chris Morgan, Drew Pearce
mit Dwayne Johnson, Jason Statham, Vanessa Kirby, Idris Elba, Helen Mirren, Eiza González, Eddie Marsan, Cliff Curtis, Eliana Sua, Kevin Hart, Ryan Reynolds, Lori Tuisano
Im Gegensatz zu den diese Woche ebenfalls startenden Filmen „Der König der Löwen“ und „Child’s Play“ ist „Anna“ kein Remake und auch kein Reboot. Trotzdem ist Luc Bessons neuester Film ein ziemlich liebloses und konfuses Aufwärmen seiner größten Hits.
Im Mittelpunkt des an Action erstaunlich armen Action-Thrillers steht Anna Poliatova (Sasha Luss). Nach Frankreich kommt sie 1990 als Fotomodell. In Wirklichkeit ist sie eine vom KGB ausgebildete und für fünf Jahre verpflichtete Killerin. Während sie emotionslos ihre Aufträge erledigt und eine Affäre mit ihrem Ausbilder Alex Tchenkov (Luke Evans) hat, wird der CIA-Agent Lenny Miller (Cillian Murphy) auf sie aufmerksam. Er versucht sie auf seine Seite zu ziehen.
Und Anna möchte so schnell wie möglich aussteigen. Denn je länger sie als Killerin in chaotische Situationen stolpert – ihr Abschlussprüfung besteht aus dem Mord an einem Oligarchen in einem gut besuchten Nobelrestaurant, das danach eine umfassende Grundsanierung benötigt -, umso mehr schwinden ihre Überlebenschancen.
Man muss wirklich kein Cineast sein, um „Anna“ als inoffizielles Remake von Luc Bessons Klassiker „Nikita“ (1990) zu erkennen. Bei seinen Filmen „Leon – Der Profi“ (1994) und „Lucy“ (2014), das man als Re-Imagination von „Nikita“ sehen kann, bediente er sich ebenfalls. Um nur die Selbstzitate zu erwähnen. Aus diesen Versatzstücken macht Luc Besson allerdings kein visionäres oder aufregendes Kino.
„Anna“ ist ein aufgewärmter Agententhriller, der aus keinem ersichtlichen Grund 1990 spielt. Die damaligen weltpolitischen Umbrüche haben für die Filmgeschichte keine Bedeutung.
Die Ausstattung ist beeindruckend anachronistisch. Ständig sind Laptops, Handys, Überwachungskameras, samt dazugehöriger Technik, ein Rollkoffer und ein USB-Stick im Bild. Dass es diese Gegenstände damals nicht oder nicht in der Menge gab, kümmert die Macher nicht. Sie sollen nur ein diffuses Retro-Gefühl heraufbeschwören. Und sie zeigen in jeder Minute, wie wenig Besson sich dieses Mal um Details kümmerte und eine in sich schlüssige und stimmige Welt beschreiben wollte.
Während Besson seine anderen Filme chronologisch erzählte, gibt es in „Anna“ alle paar Minuten eine erklärende Rückblende. So erfahren wir erst nach Annas erstem Mord im Westen, dass sie kein naives Fotomodell, sondern eine eiskalte Killerin ist. Anschließend gibt es eine Rückblende, in der wir erfahren, wie Anna von Alex nach einem fehlgeschlagenen Raub für das KGB-Killerprogramm rekrutiert wird. Die nächste Rückblende gibt es kurz darauf. Dieses Stilmittel kann, sparsam benutzt, für eine überraschende Enthüllung sorgen. Wenn es zu oft angewandt wird, ist es in einem Mainstream-Film schnell nur noch eine nervige, die Handlung bremsende Marotte.
Auf Action verzichtet Besson fast vollkommen. Es gibt nur wenige Actionszenen und diese sind ziemlich lahm. Egal ob man den aktuellen „John Wick“/“Atomic Blonde“-Standard anlegt oder Bessons frühere Filme heranzieht.
Die Hauptrolle besetzte Besson mit Sasha Luss. Er lernte das Model bei seinen Dreharbeiten für sein überflüssiges, sehr teures und an der Kasse geflopptes „Das fünfte Element“-Remake „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ kennen. Da fiel sie in dem bunten Stil-über-Substanz-Kindergeburtstag nicht weiter auf. Als Hauptdarstellerin ist sie eine Fehlbesetzung, die außer ihrem Aussehen nichts zum Film beitragen kann.
Luke Evans, Cillian Murphy und Helen Mirren, die ihre trutschige Rolle als böse Ausbilderin von Anna sichtlich genießt, holen dagegen aus ihren Klischeerollen das meiste heraus. Im Rahmen des gesamten Films ist das ein aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen.
Anna(Anna, Frankreich 2019)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
mit Sasha Luss, Helen Mirren, Luke Evans, Cillian Murphy, Lera Abova, Alexander Petrov, Nikita Pavlenko
State of Play – Der Stand der Dinge (State of Play, USA/Großbritannien 2009)
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief (und mal wiederholte werden könnte), ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend konnte Hollywood sich 2009 einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis
Wiederholung: Sonntag, 12. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)
Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Steven Knight
LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)
Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.
Dr. Eric Price (Jason Clarke) ist 1906 in San Francisco ein Arzt, dem man ohne Not keine Operation und auch keine andere Aufgabe anvertrauen würde. Gerade das prädestiniert ihn aus offensichtlichen und weniger offensichtlichen Gründen für diese Aufgabe. Im Auftrag des Unternehmensvorstandes soll er Sarah Winchester (Helen Mirren) begutachten.
Seit dem Tod ihres Mannes William Winchester 1880 gehört der Witwe die Hälfte der Winchester Repeating Arms Company. Die Firma ist auch heute noch vor allem für das Winchester-Gewehr bekannt. Sie lebt in einem riesigen Haus, das sie seit Jahren Tag und Nacht immer wieder umbauen lässt und das inzwischen so verschachtelt ist, dass niemand mehr weiß, wo die verschiedenen Gänge hinführen. Das gleiche gilt für die Zimmer, die man teilweise nicht betreten kann. Das Haus ist ein einziges Escher-Labyrinth. Ihre exorbitant teueren Bauarbeiten rechtfertigt die Spritistin mit den Geistern der von Winchester-Waffen erschossenen Menschen, die hier von ihr mehr oder weniger lange eingesperrt werden. Das könnte man als den Spleen einer reichen Frau abtun, wenn sie nicht auch noch für die Finanzen des Unternehmens zuständig wäre. Die Firmenleitung würde die inzwischen ungefähr 75-jährige Spinnerin gerne von ihren Pflichten entbinden. Price soll mit seiner Begutachtung die dafür nötige Grundlage schaffen.
Ausgewählt wurde er allerdings nicht von seinem Auftraggeber, sondern von Sarah Winchester.
Kurz nachdem Price das malerisch gelengene Winchester-Anwesen betreten hat, gibt es seltsame Vorfälle und Erscheinen, bei denen unklar ist, ob Price, der gerade einen von Sarah Winchester verordneten kalten Drogenentzug durchmachen muss (sie duldet keine Drogen in ihrem Haus), halluziniert oder ob es wirklich die Geister der Ermordeten sind, die sich an ihrem Mörder, also in diesem Fall der Firma, die die Waffe für ihren Tod herstellte, rächen wollen.
„Winchester – Das Haus der Verdammten“ ist von dem realen Winchester-Anwesen inspiriert. Es liegt in San José, Kalifornien, und Sarah Winchester ließ es endlos umbauen. Die sich daraus entwickelnde Geschichte ist dann ein altmodischer Grusler, der überraschungsfrei und unblutig, mit den üblichen Schockmomenten, den vertrauten Pfaden folgt. „Winchester“ zeigt nichts, was nicht so auch schon vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren erzählt wurde.
Das ist, nachdem die Brüdern Michael und Peter Spierig mit „Daybreakers“ und „Predestination“ spannende und eigenständige Genrefilme inszenierten, dann doch zu wenig, um wirklich zu begeistern.
Das Winchester House, bzw. Winchester Mystery House, das während des San-Francisco-Erdbebens 1906 (der Film spielt in den Tagen vor dem Erdebeben) teilweise zerstört und teilweise wieder aufgebaut wurde, kann besichtigt werden. Wenn man wieder Urlaub in den USA macht.
Der Film wurde, abgesehen von drei Drehtagen im Originalhaus, in einem Studio in Melbourne gedreht.
Winchester – Das Haus der Verdammten (Winchester, USA 2018)
Regie: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)
Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig, Tom Vaughan
mit Helen Mirren, Jason Clarke, Sarah Snook, Finn Scicluna-O’Prey, Eamon Farren, Angus Sampson, Tyler Coppin, Laura Brent
State of Play – Der Stand der Dinge (USA/Großbritannien 2009, Regie: Kevin Macdonald)
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief (und mal wiederholte werden könnte), ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend konnte Hollywood sich 2009 einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis
Auch wenn die Kinobesucher in den letzten Jahren im Durchschnitt immer älter wurden, sind immer noch fast vierzig Prozent der Kinobesucher unter dreißig Jahre. Immer noch kann bei ihnen das große Geld verdient werden und die Älteren, die Dreißig- bis Fünfzigjährigen (wieder gut vierzig Prozent) gehen dann auch in die Filme. Vielleicht weil ein, zwei Schauspieler dabei sind, die man seit frühester Jugend bewundert. Beispiele finden sich in jedem Superheldenfilm. Vielleicht weil es ein Kinderfilm ist, den man sich mit seinen Kindern ansieht.
Trotzdem gibt es immer mehr Filme, die sich explizit an ein älteres Publikum richten. Und damit meine ich nicht Vierzig- oder Fünfzig-Plus, sondern Sechzig- oder, wenn man dann noch rüstig ist, Siebzig-Plus. In den Filmen steht das Leben rüstiger und nicht mehr so rüstiger Rentner im Mittelpunkt. Mit Schauspielern, deren Sturm- und Drangjahre schon einige Jahre zurückliegen.
Diese Woche starten gleich drei sehenswerte Filme in unseren Kinos, die abgesehen von ihren, ähem, älteren Protagonisten kaum unterschiedlicher sein könnten. „Die Spur“ ist ein Kriminalfilm aus Osteuropa. „Das Leuchten der Erinnerung“ ein US-Roadmovie mit Starbesetzung. Und „Alte Jungs“ eine Komödie aus Luxemburg.
In „Alte Jungs“ beschließen vier Männer zwischen 65 und 84 Jahren, nachdem sie es sich endgültig im Altersheim verscherzt haben, ein Haus zu mieten und dort ein richtig progressives Altersheim für sich und alle anderen Alt-68er einzurichten. Ein Haus, das ihnen die gewohnten Freiheiten gibt, in dem sie nicht bevormundet werden und aus dem sie nicht herausgeworfen werden können.
Das ist der mit viel Schnaps entstandene Plan, für den sie Mitstreiter suchen, ein Anwesen finden und Geld beschaffen müssen. Auch im benachbarten Luxemburg ist das ein Plan, der leichter gedacht, als ausgeführt ist. Vor allem weil die finanziellen Möglichkeiten der alten Jungs begrenzt sind, die Kinder (sofern vorhanden) keine große Hilfe sind und sie nicht den Weg von Lina Braake gehen wollen
Mit seinen ersten Spielfilmen „Troublemaker“ und „A Wopbobaloobop a Lopbamboom“ wurde der luxemburger Regisseur Andy Bausch, der Filme über seine Heimat drehte, auch bei uns bekannt. Danach drehte er Krimis für das deutsche Fernsehen (u. a. „Die Männer vom K3“, „Doppelter Einsatz“, „Balko“), Dokumentarfilme und jetzt „Alte Jungs“.
Es ist eine, dem Alter der Protagonisten entsprechend, ziemlich gemütlich erzählte, sympathische Komödie, in der die meisten Charaktere eine gesunde Abneigung gegen Gesetze und Regeln haben.
Am Ende verwirklichen sich ihre Pläne für ihren letzten Aufenthaltsort (also den vor der letzten Ruhestätte) anders, als sie es planen.
„Das Leuchten der Erinnerung“ ist dann Starkino. Immerhin wurden die Hauptrollen mit Helen Mirren und Donald Sutherland mehr als prominent besetzt. Er spielt einen zunehmend dementen, pensionierten Literaturprofessor. Sie seine patente, unheilbar an Krebs erkrankte Frau. Als letzte große Reise plant sie eine Fahrt quer durch die USA zu den Orten, an denen sie früher waren oder schon immer hin wollten. Das Ziel ihrer Reise ist das Haus von Ernest Hemingway in Key West, Florida.
Eines Tages setzt sie ihn, ohne ihren Kindern etwas zu sagen, in Wellesley, Massachusetts, in den (im Original) titelgebenden „Leisure Seeker“ hinter das Steuer. Denn sie kann nicht fahren, aber die Landkarte lesen und sie behält bei dieser Reise in den Süden immer den Überblick. Sie kennt auch jede seiner Marotten und hilft ihm immer wieder, wenn er sich nicht erinnern kann oder vom richtigen Weg abkommt.
Paolo Virzi („Die süße Gier“, „Die Überglücklichen“) inszenierte ein herziges Roadmovie, sozusagen ein „Easy Rider“ für die Silver Ager, das uns einmal quer durch die USA führt, garniert mit Humor, etwas Drama, Sentiment und Erinnerungen. Da kommt alles so herzig zusammen, dass man auch die eine Szene verzeiht, in der der von Sutherland gespielte links-liberale, immer die Demokraten wählende Lehrer, bei einer Wahlkampfveranstaltung, plötzlich zum Trump-Fan mutiert.
Eine andere Art von Schauspielerkino präsentiert Agnieszka Holland in ihrem neuen Spielfilm „Die Spur“, den sie mit ihrer Tochter Kasia Adamik als Co-Regisseurin drehte.
Holland arbeitete zuletzt viel in den USA, wo sie Folgen für TV-Serien wie „House of Cards“, „The Killing“, „Treme“, „The Wire“ und „Cold Case“ und die Miniserie „Rosemary’s Baby“ inszenierte. Cineasten mit einem funktionierendem Langzeitgedächtnis erinnern sich an ihre frühen Spielfilme wie „Eine alleinstehende Frau“, „Bittere Ernte“ (Oscar-nominiert), „Hitlerjunge Salomon“ (Oscar- und Bafta-nominiert, Golden-Globe-Gewinner) und „Der geheime Garten“. Davor war die Polin Regieassistentin von Krzysztof Zanussi und Andrzej Wajda. Und sie schrieb, oft mit Co-Autoren, Drehbücher. Für Wajda schrieb sie unter anderem „Eine Liebe für Deutschland“, „Danton“ und „Korczak“. Für Krzysztof Kieślowskis „Drei Farben: Blau“ und „Drei Farben: Weiß“. Da lohnt sich ein tiefes Eintauchen in die Filmarchive oder Arte präsentiert einmal eine Agnieszka-Holland-Reihe.
Bis dahin kann man sich ihren neuen Film „Die Spur“ ansehen. Er spielt in einem Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze. Janina Duszejko (Agnieszka Mandat) ist eine pensionierte Bauingenieurin, die allein mit ihren Hunden in einem einsam gelegenem Haus lebt, zum Zeitvertreib Kindern in der Dorfschule Englischunterricht gibt und sich mit Gott und der Welt anlegt. Denn für sie sind Tiere gleichberechtigte Lebewesen. Die Jagd, vor allem wenn die Jäger außerhalb der Jagdsaison Wild schießen, lehnt sie vehement ab. Ihre zahlreichen, erfolglosen Anzeigen bei der Polizei belegen das. Denn die Polizei, der Bürgermeister und auch der Pfarrer halten die Jagd für ein Teil der polnischen Kultur und natürlichen Ordnung.
Als mehrere Jäger bei Jagdunfällen sterben, stellt sich die Frage, ob es Unfälle oder Morde waren. Oder, immerhin inszeniert Holland die polnischen Wälder als traumverlorene, dunkle Landschaft voller Schatten. In der Dämmerung (vulgo: Jagdzeit) verblassen die Farben, die Konturen und damit die Gewissheiten des helllichten Tages. In dieser düster-romantischen Atmosphäre erscheint es auch möglich, dass die Tiere sich an den Jägern rächen.
Auf den ersten Blick ist „Die Spur“ mit seiner Suche nach dem Mörder ein Kriminalfilm. Aber Holland vernachlässigt immer wieder die Mördersuche zugunsten eines eindrucksvollen Porträts ihrer Protagonistin Janina Duszejko und der immer noch archaischen Welt, in der sie lebt. Sie ist die von Kindern geliebte Kräuterhexe und Rebellin gegen die mächtigen Erwachsenen. Die Erwachsenen fürchten und ignorieren sie wegen ihres moralischen Rigorismus. Sie ist die Schreckschraube, die sich von niemandem etwas sagen lässt und keine Probleme damit hat, die halbe Ortschaft, die sehr gut mit, für und durch die Jagd lebt, zum Feind zu haben.
Für Holland ist „Die Spur“ „ein anarchistisch feministischer Ökothriller mit Elementen einer schwarzen Komödie.“
2017 erhielt die starke Charakter- und Milieustudie auf der Berlinale den Alfred-Bauer-Preis. Inzwischen reichte Polen „Die Spur“ als Polens Kandidat für den Oscar als bester fremdsprachiger Film ein. Ihr vorheriger Film „In Darkness“ (2011) war 2012 in der entsprechenden Kategorie für den Oscar nominiert.
Alte Jungs (Rusty Boys, Luxemburg 2017)
Regie: Andy Bausch
Drehbuch: Andy Bausch, Frank Feitler
mit André Jung, Marco Lorenzini, Pol Greisch, Fernand Fox, Josiane Peiffer, Monique Reuter, Myriam Muller, Pitt Simon, Marie Jung
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Gosford Park (Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Tolle Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Steven Knight
LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)
Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.
State of Play – Der Stand der Dinge (USA/Großbritannien 2009, Regie: Kevin Macdonald)
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis
Die Ein-Satz-Besprechung für das Publikum mit Twitter-Aufmerksamkeitsspanne: Wenn dir die vorherigen zwei, drei „Fast & Furious“-Filme gefallen haben, wird dir „Fast & Furious 8“ gefallen.
Alles ist halt noch eine Nummer größer und es gibt einige neue Familienmitglieder.
Und ab jetzt geht es mit ein, zwei Spoilern weiter, die beim Ansehen des Films dann doch nicht so überraschend sind. Das Plakat verrät auch einiges.
Aber Hey!, die Filme dieser an der Kinokasse unglaublich erfolgreichen Actionserie haben sich nie für den David-Mamet-Preis beworben.
In „Fast & Furious 8“ trifft Dom Toretto (Vin Diesel) auf Kuba (Fun Fact: erster Dreh einer US-Produktion auf Kuba) Cipher (Charlize Theron). Sie erpresst ihn, seine Freunde zu betrügen. Er tut es und stiehlt von ihnen eine äußerst gefährliche Waffe, die sie im Auftrag der US-Regierung kurz vorher von irgendwelchen gesichtslosen Bösewichter geklaut haben.
Seine langjährigen Freunde sind fassungslos über Doms Verrat. Denn für ihn ist, wie wir aus den vorherigen Filmen wissen, Familie alles und seine Freunde sind seine ständig wachsende Familie, die er niemals betrügen oder verraten würde. Er würde für sie durch die Hölle gehen.
Sie, also Doms Freundin Letty (Michelle Rodriguez), Hobbs (Dwayne Johnson), der Rest der Gang – Roman Pierce (Tyrese Gibson), Tej (Chris ‚Ludacris‘ Bridges) und Ramsey (Nathalie Emmanuel) -, unterstützt von Mr. Nobody (Kurt Russell), seinem paragraphenreitendem Lehrling (Scott Eastwood), der vor allem als willkommener Punchingball für Gags benutzt wird, und ihrem früheren Gegner und jetzigen Mr.-Nobody-Zwangsverpflichtung Deckard Shaw (Jason Statham), beginnen Cipher und Dom zu jagen, während Dom weitere Verbrechen begeht, die Cipher mit all den Dingen ausrüstet, die sie braucht, um einen Weltkrieg zu entfesseln. Denn Cipher ist nicht nur eine begnadete Hackerin, die überall und nirgends ist (weshalb ihre Zentrale in einem Flugzeug ist), sondern auch ein waschechter James-Bond-Bösewicht.
Ihre Aktionen gehorchen dabei dem Prinzip „mehr ist besser“; was spannungstechnisch keine gute Idee ist. In Manhattan muss Dom den Koffer mit den Nuklearcodes von dem russischen Verteidigungsminister klauen. Cipher unterstützt ihn dabei, indem sie alle Autos im Umkreis von mehreren Wohnblocks fernsteuert. Dann rasen ganze Armeen von Zombieautos durch die engen Häuserschluchten, verursachen Massenkarambolagen und hunderte Autos nehmen aus einem Parkhaus die Abkürzung. Sie stürzen vom Himmel und begraben die Reste des russischen Autokonvois unter sich.
Im Writers‘ Room mag das wie eine gute Idee geklungen haben. Auf der Leinwand ist es ein unglaubwürdiger Overkill. Es sind einfach zu viele Autos. Sie sehen einfach zu sehr nach Computertricks aus.
Immerhin gibt es in New York dann noch eine konventionelle „Fast & Furious“-Autoverfolgungsjagd, die sogar tagsüber spielt. Deshalb kann man halbwegs sehen, was passiert. Denn F. Gary Gray schneidet hier, wie in allen Action-Szenen, mehr als nötig. Gray inszenierte auch „Verhandlungssache“, „The Italian Job – Jagd auf Millionen“ und, zuletzt, „Straight Outta Compton“. Bei „Fast & Furious 8“ fungiert er, ohne eine erkennbare persönliche Note, als williger Erfüllungsgehilfe eines erfolgreichen Franchise.
Das große Action-Set-Piece ist am Filmende nimmt mindestens ein Drittel des Films, eher sogar eine gute Stunde, ein. Und das ist gut so. In einer geheimen U-Boot-Station an der Barentssee soll Dom für Cipher eine Atomrakete in, uh, Besitz bringen (Frag nicht nach der einfachen Lösung, wenn es auch mit viel Rumms geht).
Nachdem im vorherigen „Fast & Furious“-Film eine Startbahn ewig lang war, liefern sie sich jetzt auf dem Eis, unter Wasser und in der Luft ein Wettrennen mit einem U-Boot, das durch eine Schleuse ins freie Meer fahren könnte. Während das U-Boot sich unter dem Eis seinem Ziel nähert, rasen Dom und seine Gang, verfolgt und beschossen von allerlei meist anonymen Bösewichtern, auf dem Eis in Richtung Schleuse. Und sie scheinen mit ihren Flitzern nicht wesentlich schneller als ein U-Boot voranzukommen. Dabei – schnelle Internetrecherche – fährt das modernste russische Atom-U-Boot höchstens 31 Knoten, also 57 Stundenkilometer.
Während des gesamten Films werden viele Szenen nur für die Lacher gespielt. Dazu gehört, am Filmanfang, Hobbs Minuten dauernde große, zum verlustreichen Kampf anstachelnde Ansprache direkt in die Kamera (wir können uns die Pointe denken, die immerhin direkt danach eine schöne Fortsetzung findet), die Neckereien von Hobbs und Deckard Shaw im Hochsicherheitsgefängnis (die deutlich länger als notwendig ausgespielt werden) oder Shaws liebevolle Betreuung eines Babys, das er befreien muss. Während er sich liebevoll um das Baby kümmert, tötet er nebenbei Dutzende Bösewichter.
Die Story selbst, wieder geschrieben von Chris Morgan, fügt wenig innovativ oder überraschend, aber zweckdienlich die einzelnen Actionszenen zusammen. Dass Dom dabei, wie wir gegen Ende erfahren, nur zum Schein auf Ciphers Erpressung einging, können wir uns von der ersten Minute an Denken. Warum er allerdings nicht gleich mit seiner Familie über die Erpressung redet, erfahren wir nie.
Doms Familie wird, auch wenn ab und an Familienmitglieder sterben, immer größer und damit wird der Film auch etwas behäbig. Schließlich muss jedes Familienmitglied seinen Auftritt haben – und dann kommen noch die mehr oder weniger bösen Neuzugänge hinzu. Das sind dieses Mal Charlize Theron als Bösewicht (Resozialisierung ist im Dom-Universum möglich) und Helen Mirren als – das soll eine Überraschung bleiben.
An einigen Stellen bezieht sich „Fast & Furious 8“, der von Universal Pictures als Auftakt der finalen Trilogie gelabelt wird, auf die vorherigen Filme. Aber das sind nur Nebensätze, die das Herz des langjährigen Fans erfreuen. Zum Verständnis des aktuellen Films sind sie nicht nötig.
Mit dem achten Film des Franchise sind Dom und seine Familie, nachdem sie am Anfang Verbrecher waren, endgültig zu den Guten geworden, die jetzt für einen geheimen US-Geheimdienst die Welt retten. Mit, wie James Bond, einem Spesenkonto ohne Limit und gigantischen Kollateralschäden, die locker zwei große Versicherungen ruinieren könnten.
Insofern schließt „Fast & Furious 8“, der genau das liefert, was die Fans erwarten, nahtlos an die vorherigen Filme an. Ohne die Qualität von „Fast & Furious Five“ (das ist der Teil mit dem ersten Auftritt von Dwayne Johnson und dem unkonventionellen Transport eines riesigen Safes durch Rio de Janeiro) zu erreichen.
P. S.: Der Film läuft auch im IMAX.
Fast & Furious 8 (The Fate of the Furious, USA 2017)
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Charlize Theron, Dwayne Johnson, Jason Statham, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Helen Mirren, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Scott Eastwood, Kurt Russell, Kristofer Hivju, Luke Evans
Seit dem Tod seiner sechsjährigen Tochter durch eine unheilbare Krankheit beschäftigt sich Howard (Will Smith), der Chef einer großen New Yorker Werbefirma, nur noch mit dem Aufbau riesiger Gebilde aus Dominosteinen, die er dann zum Einsturz bringt. Gespräche verweigert er. Einbahnstraßen benutzt er mit seinem Fahrrad in die falsche Richtung. Und dass die Firma durch sein erratisches Verhalten kurz vor dem Konkurs steht, kümmert ihn nicht. Aber seine Kollegen Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña), die alle auch eigene Probleme haben, schon seit Jahren mit Howard zusammen arbeiten und auch mit ihm befreundet sind, wollen ihm helfen. Wenn sie Howard nicht aus seiner Trauer reißen können, wollen sie wenigstens die Firma retten. Dafür müssten sie ihn für unzurechnungsfähig erklären.
Nachdem sie einige Briefe von Howard abgefangen haben, die er, mangels Glauben an einen Gott, an die Liebe, die Zeit und den Tod geschrieben hat, verfallen Whit, Claire und Simon auf einen gewagten Plan. Sie engagieren, wenige Tage vor Weihnachten, eine Gruppe abgebrannter Schauspieler, die gerade ein Stück an einem Off-Theater (eigentlich Off-Off-Theater mit bedeutungsschwangerem Namen) proben. Brigitte (Helen Mirren), die den Tod spielen soll, Amy (Keira Knightley), die die Liebe spielen soll, und Raffi (Jacob Latimore), der den Tod spielen soll, sind nach einem kurzen Zögern einverstanden. Sie konfrontieren Howard auf offener Straße mit den in seinen Briefen erhobenen Anklagen. Sie sollen ihn aus seiner Lethargie reißen.
Die hochkarätige Besetzung – Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Keira Knightley, Michael Peña, Helen Mirren (die einige bizarre Akzente setzen kann) und Naomie Harris – kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Verborgene Schönheit“ zu den vorweihnachtlichen Erbauungsfilmen gehört, die die Qualität einer schlechten Heiligabendpredigt haben. Entsprechend einfach ist die Moral, entsprechend deutlich sind die während des gesamten Films eingestreuten Anspielungen und Zeichen und entsprechend sauber geht am Ende alles auf. Da gibt es keinen losen Faden mehr und alles wird harmonisch miteinander verknüpft. Ob das dann nicht etwas zu viel des Guten ist, ob damit nicht der gesamte vorherige Film desavouiert wird, ist den Machern egal. Immerhin muss in „Verborgene Schönheit“ mit vielen pseudotiefsinnigen Ratschlägen etwas bewiesen werden. Unter dem Einsatz vieler Taschentücher.
Das wissen auch alle. Die Zuschauer, die sich genau für diesen Film eine Kinokarte kaufen (obwohl sie Zeit und Geld besser in „Manchester by the Sea“ investieren sollten). Die Macher und die erstaunlich engagiert spielenden Schauspieler ebenso. Wobei die Ansammlung von Stars bei diesem Schmalzfilm, der keine Preise gewinnen wird, schon überrascht.
Sie machen das banale Kitschfest ansehbar. Mehr aber auch nicht.
Verborgene Schönheit (Collateral Beauty, USA 2016)
Regie: David Frankel
Drehbuch: Allan Loeb
mit Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Keira Knightley, Michael Peña, Helen Mirren, Naomie Harris, Jacob Latimore, Ann Dowd
Er schrieb die Drehbücher für einige heute immer noch gern gesehene Filmklassiker, wie „Ein Herz und eine Krone“, „Spartacus“ und „Papillon“. Er schrieb auch die Drehbücher für „Gefährliche Leidenschaft“ (Gun Crazy), „Exodus“, „El Perdido“. „Einsam sind die Tapferen“, „Ein Mann wie Hiob“ und, seine einzige Regiearbeit, „Johnny zieht in den Krieg“, die seltener im Fernsehen gezeigt werden.
Für „Ein Herz und eine Krone“ und „Roter Staub“ (The brave one) erhielt er den Drehbuchoscar, aber weil er damals auf der Schwarzen Liste stand und deshalb weder unter seinem Namen noch unter Pseudonym arbeiten durfte, schrieb er die Bücher für deutlich weniger Geld als er es gewohnt war, nannte einen Strohmann als Autor und war bei der Preisverleihung nicht dabei. Denn Dalton Trumbo (9. Dezember 1905 – 10. September 1976) war eines der prominentesten Opfer von Senator McCarthy, der damals alle jagte, die er für Kommunisten hielt. Kommunismus war nach dem Zweiten Weltkrieg unamerikanisch und, um eine Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft zu verhindern, mussten alle, die auch nur verdächtig waren, Kommunisten zu sein, verfolgt werden. McCarthy war mit seiner Paranoia für eine in den USA ziemlich einmalige Hexenjagd verantwortlich, die auch in dem ebenfalls sehenswertem SW-Film „Good Night, and Good Luck“ (USA 2005) thematisiert wird (oder lest den Wikipedia-Artikel).
Dalton Trumbo war, im Gegensatz zu anderen McCarthy-Opfern, sogar seit 1943 Mitglied der Kommunistischen Partei, was damals vor allem bedeutete, dass er sich für Arbeiter- und Bürgerrechte engagiert und den intellektuellen Schlagabtausch genoss. Seine Tochter Niki Trumbo sagt im Presseheft: „Trumbo ist immer noch als Kommunist bekannt, aber den Menschen ist wohl nicht so richtig klar, dass er vor allem ein Patriot war. In den späten Dreißiger- und frühen Vierzigerjahren war er ein Kommunist, als das noch bedeutete, dass man für die Arbeiter eintrat und sich gegen die Jim-Crow-Mentalität stellte, dass man sich für die Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung einsetzte. Es hatte nichts mit Russland zu tun, dafür aber mit der Überzeugung, wie man ein bereits großartiges Land noch besser machen könnte.“
In seinem Film „Trumbo“ setzt Jay Roach diesem Mann ein filmisches Denkmal, das man so nicht erwartet hätte. Immerhin ist Jay Roach bei uns vor allem für die „Austin Powers“-Filme und die Komödien „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und die Fortsetzung „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ bekannt. Er inszenierte aber auch den mit drei Golden Globes ausgezeichneten, hochkarätig besetzten HBO-Film „Game Change – Der Sarah-Palin-Effekt“. „Trumbo“-Drehbuchautor John McNamara schrieb bislang nur fürs Fernsehen; für Serien wie „Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark“, „In Plain Sight“ und, aktuell, „The Magicians“ und „Aquarius“. Auch „Trumbo“ hat einen leichten, nicht unangenehmen TV-Touch mit seinen vielen Innenaufnahmen, seinen wenigen Schauplätzen, der Betonung des Dialogs und der straffen Erzählweise, die nah am klassischen Hollywood-Kino ist, als die Geschichte im Vordergrund stand und die Kamera meist unauffällig im Hintergrund blieb. Diese Erzählweise ergänzt angenehm die zwischen 1947 und 1970 spielende Filmgeschichte. Wobei sich der Film auf die Tage und Wochen vor Trumbos Berufsverbot nach seiner Anhörung vor dem HUAC (Komitee für unamerikanische Umtriebe), seinen Versuchen, die Familie in den Fünfzigern zu ernähren und er dabei mit dem B-Movie-Produzenten Frank King als Auftraggeber ein kleines, subversives Imperium von Autoren errichtete, die unter Pseudonymen, trotz des Verbots Drehbücher im Akkord schrieben, und seiner Rehabilitierung mit den Drehbüchern zu Stanley Kubricks „Spartacus“ (wobei Hauptdarsteller Kirk Douglas die treibende Kraft war) und Otto Premingers „Exodus“, die beide zeitgleich entstanden und 1960 in den Kinos anliefen. Mit „Spartacus“ endete die Ära der Schwarzen Liste.
„Trumbo“ überzeugt als historisch gesättigtes, hochkarätig besetztes Schauspielerkino, garniert mit einigen zeitgenössischen Aufnahmen und mit einer klaren, auch heute noch gültigen Botschaft. Es ist auch das ernste Gegenstück zur quietschbunten Hollywood-Nummernrevue „Hail, Caesar!“ der Coen-Brüder, die ebenfalls in den fünfziger Jahren in Hollywood spielt.
Jay Roach meint zu seinem Film: „Dalton Trumbo war ein amerikanischer Patriot, aber seine Verteidigung der Redefreiheit machte ihn in den Augen mancher Leute zum Verräter. Mein Film stellt eine entscheidende Frage: Wie sind wir als Land an einen Punkt gekommen, an dem es richtig erschien, jemanden wie Trumbo ins Gefängnis zu stecken und daran zu hindern, seinen Beruf als Autor auszuüben? Diese Frage ist wichtig in einer Zeit, in der unser Land stärker gespalten ist, als ich es in meinem Leben jemals erlebt habe. Es geht um fundamentale Dinge und wir stellen die Frage, wie wir als Land weitermachen wollen. Redefreiheit ist leicht verteidigt, wenn wir Dinge aussprechen, die nicht anecken. Aber die Bill of Rights wurde entworfen, um Menschen zu beschützen, die Dinge sagen, die unbequem sind. Trumbo hat es immer und immer wieder gesagt. Es ist die Essenz des demokratischen Experiments.“
Trumbo (Trumbo, USA 2015)
Regie: Jay Roach
Drehbuch: John McNamara
LV: Bruce Cook: Trumbo, 1977
mit Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Louis C. K., David James Elliott, Elle Fanning, John Goodman, Michael Stuhlbarg, Alan Tudyk, Dan Bakkedahl, Roger Bart, Christian Berkel
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
– Hinweise
Deutsche Homepage zum Film Englische Homepage zum Film Moviepilot über „Trumbo“ Metacritic über „Trumbo“ Rotten Tomatoes über „Trumbo“
Wikipedia über „Trumbo“ (deutsch, englisch) und über Dalton Trumbo (deutsch, englisch)
Wem gehört das Bild „Adele Bloch-Bauer I“ (auch „Goldene Adele“) von Gustav Klimt? Viele Jahre war es in Wien in der Österreichischen Galerie Belvedere ausgestellt. 1998 behauptete eine alte, in Kalifornien lebende Dame, die rechtmäßige Besitzerin des Gemäldes zu sein. Die 1916 geborene Maria Altmann war während der Nazi-Diktatur mit ihrem Mann Fritz Altmann, einem Opernsänger, aus Wien in die USA geflüchtet.
Als ihre Schwester stirbt, findet sie in ihren Briefen Hinweise, dass ihr, neben weiteren Klimt-Werken, das Bild, ein Porträt ihrer über alles geliebten Tante Adele, gehört.
Zusammen mit dem jungen Anwalt Randy Schoenberg (ein Enkel von Arnold Schönberg) nimmt sie den Kampf auf. Dabei will er, weil er gerade am Anfang einer Karriere als Anwalt in einer großen Kanzlei steht, mit dieser alten und auf den ersten Blick hoffnungslosen Geschichte nichts zu tun haben. Dennoch verbeißt er sich zunehmend in den Fall; ohne zu ahnen, dass er über mehrere Jahre und durch alle Instanzen und mit allen juristischen Finessen um die Rückgabe der Kunstwerke an ihre rechtmäßige Besitzerin kämpfen muss. Denn der österreichische Staat spekuliert in einer perfiden Hinhaltetaktik auf den Tod der betagten Klägerin. Immerhin geht es für Österreich nicht nur um ein wichtiges Werk von Klimt, sondern auch um eine Ikone der österreichischen Identität und die gibt man nicht so einfach weg in die Hände einer im Ausland lebenden Privatperson.
Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ erzählt diese wahre Geschichte als David-gegen-Goliath-Kampf, in dem die Rollen entsprechend klar verteilt sind. Mit den elegant in die Erzählung eingefügten Rückblenden verleiht er der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension. So erfahren wir, welche Erinnerungen Maria Altmann an dieses Bild hat, wie wohlhabend sie als Tochter einer kunstinteressierten Großbürgertumfamilie war und wie begeistert die Österreicher sich Hitler-Deutschland anschlossen und bei der Unterdrückung und Verfolgung der Juden mitmachten.
Vor diesem historischen Hintergrund wird die Politik Östereichs, die in der Öffentlichkeit vollmundig behauptete, Raubkunst ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, noch unmoralischer. Denn Österreich will aus rein egoistischen Motiven so ein wertvolles und identitätsstiftendes Gemälde keinesfalls ihrer Besitzerin zurückgeben, von der ein sehr altruistisches Bild gezeichnet wird.
Getragen wird der Film von den vielen guten, teilweise nur in kleinen Rollen auftretenden Schauspielern. Im Zentrum stehen dabei die beidne Hauptdarsteller: Ryan Reynolds als junger, pausbäckiger Anwalt und Helen Mirren als resolute alte Dame, die ihn zurecht weist und ihm auch schon einmal ungefragt die Brille putzt, wenn sie nach ihrer Ansicht schmutzig ist.
Das ist gutes, gefällig inszeniertes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen. Allerdings ist „Die Frau in Gold“ auch, in bester Hollywood-Tradition, immer einen Tick zu eindeutig und damit ist die Geschichte zu fein säuberlich in Gut und Böse getrennt.
P. S.: Ich empfehle die Originalfassung. In ihr wird deutsch (bei den in der Vergangenheit in Wien spielenden Teilen) und englisch (fast durchgängig bei den in der Gegenwart spielenden Teilen) gesprochen. Diese Zweisprachigkeit macht die Geschichte authentischer.
P. P. S.: Ja, es wurden einige Details geändert. „Die Frau in Gold“ ist ein Spielfilm, der von der BBC-Dokumentation „Stealing Klimt“ inspiriert ist.
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart