TV-Tipp für den 23. November: Mystic River

November 22, 2025

Arte, 20.15

Mystic River (Mystic River, USA 2003)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: Dennis Lehane: Mystic River, 2001 (Spur der Wölfe, Mystic River)

Jimmy Markum, Dave Boyle und Sean Devine waren Jugendfreunde. Jahrzehnte später treffen sie sich wieder. Jimmys Tochter wurde ermordet. Sean soll als Polizist den Fall aufklären und Dave gerät in Verdacht, der Mörder zu sein.

Clint Eastwoods Dennis-Lehane-Verfilmung „Mystic River“ ist ein ruhiges, im positiven Sinn altmodisch erzähltes, düsteres Drama ohne einfache Lösungen über Schuld, Sühne und der Frage nach Gerechtigkeit.

Mit seinen exzellenten Schauspielern, dem guten Drehbuch, der ruhigen Kameraarbeit (Tom Stern, seit „Honkytonk Man“ [1982] bei fast jedem Eastwood-Film dabei) und der stimmigen Musik (Clint Eastwood himself) ist der Film sogar dem etwas ausufernden Roman überlegen.

Neben zahlreichen Nominierungen und Preisen wurde Helgelands Buch auch für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

Anschließend, um 22.25 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Sean Penn – Amerikas Enfant terrible“ (Frankreich 2024)

Mit Sean Penn, Tim Robbins, Kevin Bacon, Laurence Fishburne, Marcia Gay Harden, Laura Linney

Wiederholung: Montag, 24. November, 23.10 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mystic River“

Wikipedia über „Mystic River“ (deutsch, englisch)

zu Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Juror #2“ (Juror #2, USA 2024)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

zu Brian Helgeland

Meine Besprechung von Brian Helgelands „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ (42, USA 2013)

Meine Besprechung von Brian Helgelands „Legend“ (Legend, Großbritannien/Frankreich 2015)

Brian Helgeland in der Kriminalakte

zu Dennis Lehane

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. November: The Game – Das Geschenk seines Lebens

November 18, 2025

Kabel 1, 20.15

The Game – Das Geschenk seines Lebens (The Game, USA 1997)

Regie: David Fincher

Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris

Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.

Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.

„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)

Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)

Wiederholung: Donnerstag, 20. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Game“

Wikipedia über „The Game“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris (19. Oktober 1995)

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris, überarbeitet von Larry Gross und Andrew Kevin Walker (8. Februar 1996 -Shooting Script)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Ein kluger Ratschlag von Paul Thomas Anderson: „One Battle after another“

September 25, 2025

Wenn ich nur einen Satz über „One Battle after another“ schreiben darf: Sobald ich im Dezember meine Jahresbestenliste erstelle, wird Paul Thomas Andersons neuer Film darauf stehen.

Und nun gibt es einige erklärende Sätze:

Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) gehört zur French 75. Die radikale linksrevolutionäre Gruppe verübt in den USA Anschläge, überfällt zwecks Revolutionsfinanzierung Banken und befreit im großen Stil ICE-Häftlinge. Bislang starb bei ihren Aktionen niemand. Die führenden Köpfe der diffus organisierten Gruppe sind schwarze Frauen. In eine von ihnen, Perfidai Beverly Hills (Teyana Taylor), ist Bob verliebt. Sie wird von ihm schwanger. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter erschießt sie während eines Banküberfalls einen Wachmann.

Danach tauchen alle Gruppenmitglieder an verschiedenen Orten unter. Die French 75 gibt es nur noch in Erzählungen.

Sechzehn Jahre später lebt Bob mit seiner Tochter Willa (Chase Infiniti) irgendwo in der Provinz in einer Hütte im Wald. Er ist ein paranoider Kiffer und liebevoller Vater, der alles für Willa tut. Willa ist eine beliebte Schülerin, die glaubt, ihre Mutter sei tot.

Da erfährt Bob, dass der ebenso fanatische wie verklemmte und überaus gefährliche Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) frühere Mitglieder der French 75 tötet. Jetzt stehen er und seine Tochter ganz oben auf Lockjaws Liste. Mit einem Riesenaufgebot an Gesetzeshütern und der Lizenz exzessiv Gewalt anzuwenden, begibt er sich zu dem Ort, an dem Bob lebt. Deandra (Regina Hall), ein Mitglied von French 75, kommt ebenfalls in die Kleinstadt. Sensei Sergio St. Carlos (Benicio del Toro) ist schon in Baktan Cross. Er ist nicht nur der Willas Karatelehrer, sondern auch der in sich ruhende, niemals den Überblick verlierende Kopf des örtlichen, Illegalen helfenden Untergrund-Netzwerk.

Als ob das noch nicht genug Probleme und sich bekämpfende Gruppen und Gruppierungen wären, ist Lockjaw ein glühender Rassist, der gerade darauf hofft, in den elitären, sehr geheimen, überaus rechten Christmas Adventures Club aufgenommen zu werden. Eine Todsünde, die eine Aufnahme in die politische Geheimgesellschaft hundertfünfzigprozentig verhindern würde, wäre, wenn er Sex mit einer Schwarzen gehabt hätte. Seit Jahren vermutet Lockjaw, dass er Willas Vater ist. Eine Vaterschaft wäre für die Rassenreinheit noch verwerflicher als einmaliger Sex mit einer Nichtweißen.

Und das ist nur das sich langsam entfaltende Set-Up des knapp dreistündigen, überaus kurzweiligen Abenteuers zwischen Action, Comedy und Satire über die heutigen Vereinigten Staaten von Amerika.

Paul Thomas Anderson sagt, sein in der Gegenwart spielender Film sei von Thomas Pynchons „Vineland“, einem 1990 erschienenem, 1984 spielendem Porträt über die Reagan-Ära, inspiriert. Das bezieht sich nicht auf die Handlung, sondern auf Pynchons Erzählhaltung, den postmodernen Umgang mit der Pop- und Kulturgeschichte, den ironischen Brechungen, den satirischen Übertreibungen, der unberechenbaren Abfolge absurder Ereignisse, die zu weiteren absurden Ereignissen führen, der liebevollen Respektlosigkeit (Ja, Leonardo DiCaprio spielt fast den ganzen Film mit der auf dem Plakat abgebildeten Bekleidung und Frisur) und der lakonischen Verwendung von Genre-Topoi.

Es geht auch um Terrorismus von Links, organisiert in vielen verschiedenen Gruppen und bemerkenswert gut organisiert, und um eine entfesselte Staatsmacht. Die schöne Verschwörungstheorie von Gruppen, die im Hintergrund die Geschicke der Welt lenken, taucht wieder auf. In Andersons Film nennen die rassistischen selbsternannten Herrenmenschen ihre Geheimgesellschaft Christmas Adventures Club. Innerhalb von Sekunden demaskiert Anderson sie und macht sie zum Gespött.

Mit bewundernswerter Leichtigkeit wechselt Anderson in seinem detailreich erzähltem Film zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und Stilen, ohne dass man jemals den Überblick über die ziemlich chaotische Abfolge absurder Ereignisse verliert. Jeder Schauspieler hat zahllose grandiose Auftritte. Der gesamte schwarzhumorige Film ist, auch wenn der in der Vergangenheit spielende Anfang etwas ziellos wirkt, eine Abfolge erinnerungswürdiger Szenen.

Bei diesem satirischen Porträt der US-Gesellschaft, inszeniert als furiose Polit-Thriller/Actionkomödie, vergehen die hundertsechzig Minuten wie im Flug.

Und alle, die von Andersons grandioser Thomas-Pynchon-Verfilmung „Inherent Vice“ begeistert waren, dürften auch von seinem zweiten Pynchon-Film begeistert sein.

One Battle after another (One Battle after another, USA 2025)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV (Inspiration): Thomas Pynchon: Vineland, 1990 (Vineland)

mit Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Benicio Del Toro, Regina Hall, Teyana Taylor, Chase Infiniti, Wood Harris, Alana Haim, Shayne McHayle, D. W. Moffett

Länge: 162 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „One Battle after another“

Metacritic über „One Battle after another“

Rotten Tomatoes über „One Battle after another“

Wikipedia über „One Battle after another“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)

Noch ein Plakat


TV-Tipp für den 7. August: Milk

August 6, 2025

ZDFneo, 21.35

Milk (Milk, USA 2008)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Dustin Lance Black

Überzeugendes Biopic über Harvey Milk, der in den siebziger Jahren in San Francisco politisch aktiv und bekannt wurde als erster offen homosexueller Stadtverordneter in den USA. Am 27. November 1978 wurde er in San Francisco von dem Ex-Cop und Ex-Stadtrat Dan White erschossen.

Für das Drehbuch und den Hauptdarsteller gab es einen Oscar. Um nur zwei Preise aus dem Feld der über sechzig gewonnenen Preise und gut hundertfünfzig Nominierungen zu nennen.

mit Sean Penn, James Franco, Diego Luna, Emile Hirsch, Josh Brolin, Lucas Grabeel, Victor Garber, Jeff Koons

Hinweise

Metacritic über „Milk“

Rotten Tomatoes über „Milk“

Wikipedia über „Milk“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018)


TV-Tipp für den 20. Juli: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Juli 19, 2025

RTL II, 20.15

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)

Regie: Ben Stiller

Drehbuch: Steven Conrad

LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)

Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.

Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.

mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez

Wiederholung: Montag, 21. Juli, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


TV-Tipp für den 4. Februar: Carlito’s Way

Februar 3, 2025

HR, 22.35

Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Koepp

LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart als Doppelband „Carlito’s Way“ bei Heyne erschienen)

Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.

Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm

mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“

Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Carlito’s Way

Dezember 6, 2024

One, 22.00

Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Koepp

LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart als Doppelband „Carlito’s Way“ bei Heyne erschienen)

Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.

Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm

mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen

Wiederholung: Montag, 9. Dezember, 23.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“

Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Taxifahren mit „Daddio“

Juni 27, 2024

Am späten Abend steigt eine junge Frau (Dakota Johnson), die in den Stabangaben nur „Girlie“ genannt wird, am John F. Kennedy Airport in das Taxi von Clark (Sean Penn). Er soll sie nach Manhattan zu ihrer Wohnung fahren. Während der Fahrt verwickelt er sie in ein Gespräch. Denn als langjähriger Taxifahrer weiß er alles über die Menschen. Er interpretiert jeden Blick auf ihr Smartphone, jedes Fingertippen und Stirnrunzeln. Er liest in ihr wie in einem offenem Buch und er gibt er schnell gute Ratschläge. Sie antwortet ihm und, wie das so geht, wenn zwei Fremde, die sich nie wieder begegnen werden, sich in einem Taxi, einem Zugabteil, einer Hotelbar begegnen, plaudern sie schnell auch sehr intime Details aus.

Daddio – Eine Nacht in New York“ ist das Regiedebüt von Christy Hall. Sie inszenierte ihr Drehbuch, das 2017 auf der prestigeträchtigen Blacklist stand. Auf dieser Liste stehen jedes Jahr die besten Drehbücher, die in Hollywood herumgereicht werden und noch nicht verfilmt wurden. Einige der später entstandenen Verfilmungen sind richtig gut. Andere, so auch „Daddio“, zeigen Potential, sind aber letztendlich enttäuschend. Es ist offensichtlich, warum das Drehbuch damals nicht verfilmt wurde. Es fehlen einfach noch ein, zwei Überarbeitungen.

So ist „Daddio“ ein verfilmtes Zwei-Personen-Theaterstück, in dem kein Satz echt klingt. Es sind immer Theaterdialoge, die pflichtschuldig die üblichen Themen zwischen Männern und Frauen und den Zustand von Beziehungen, mehr Prä-Weinstein als Post-Weinstein, in der erwartbaren Art und Weise abhandeln. Dabei zeigt Clark im Rahmen aktueller Diskurse über Geschlechterbeziehungen ein unangenehm übergriffiges Verhalten. Er gehört zu den Männern, die ungefragt ihre Meinung sagen und die ihre Weisheiten für die größten Weisheiten auf dem Planeten halten.

Da sehe ich mir lieber noch einmal Jim Jarmuschs äußerst witzigen Taxifilm „Night on Earth“ an.

Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio, USA 2023)

Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

mit Sean Penn, Dakota Johnson

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Daddio“

Metacritic über „Daddio“

Rotten Tomatoes über „Daddio“

Wikipedia über „Daddio“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. November: Fair Game – Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit

November 3, 2023

ServusTV, 20.15

Fair Game (Fair Game, USA 2010)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Jez Butterworth, John Henry Butterworth

LV: Joseph Wilson: The Politics of Truth: : A Diplomat’s Memoir – Inside the Lies That Led to War and Betrayed My Wife’s CIA Identity; Valerie Plame: Fair Game: My Life as a Spy, My Betrayal by the White House, 2007

Valerie Plame war CIA-Agentin. Ihr Mann, der Exbotschafter und Bill-Clinton-Berater Joseph Wilson, wurde von George W. Bush beauftragt, in Niger die Beweise für den Irak-Krieg zu liefern. Er fand keine. Die Regierung behauptete das Gegenteil. Wilson ging an die Öffentlichkeit – und die Regierung Bush startete eine Schmutzkampagne gegen Wilson und seine Frau, die dabei als CIA-Agentin enttarnt wurde.

Ein weiterer Polit-Thriller, der mit der Regierung Bush und dem „war on terror“ abrechnet. Doch während der unterschätzte „Green Zone“ (inszeniert von Paul Greengrass, der zwei „Bourne“-Film inszenierte), basierend auf einem Sachbuch, eine Geschichte erfand, nahm „Bourne“-Regisseur Liman als Grundlage für seinen international abgefeierten Film eine Interpretation der wahren Ereignisse, die auch „Plamegate“ (nach „Watergate“) genannt wurde . Die deutschen Kritiker sind dagegen negativer.

Jedenfalls ist es schön, dass der Polit-Thriller der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine so gelungene Renaissance erlebt.

mit Sean Penn, Naomi Watts, Sam Shepard, Noah Emmerich, Michael Kelly, Bruce McGill

Wiederholung: Sonntag, 5. November, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise+++++

Rotten Tomatoes über “Fair Game”

Wikipedia über „Fair Game“ (deutsch, englisch)

The Blurb: “Fair Game – The Story behind the Film”

I am rogue: Interview mit Doug Liman über “Fair Game” (4. November 2010)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)

Meine Besprechung von Doug Limans “Chaos Walking“ (Chaos Walking, USA 2021)

 


TV-Tipp für den 25. September: Dead Man Walking – Sein letzter Gang

September 24, 2023

Arte, 20.15

Dead Man Walking – Sein letzter Gang (Dead Man Walking, USA 1995)

Regie: Tim Robbins

Drehbuch: Tim Robbins

LV: Sister Helen Prejean: Dead Man Walking, 1993 (Dead Man Walking – Sein letzter Gang)

Die Nonne Helen Prejean lernt den Verbrecher Matthew Poncelet, der in der Todeszelle sitzt, kennen. Eine Freundschaft entwickelt sich, die mit seinem Tod endet.

Starkes, auf Tatsachen basierendes Drama über die Todesstrafe und das US-amerikanische Justizsystem. Susan Sarandan erhielt für ihre Darstellung einen Oscar.

„Der Regie und den Hauptdarstellern ist es gelungen, einen aufwühlenden Film über die Todesstrafe zu machen, ohne in ein Rührstück zu verfallen (…) ein in jeder Hinsicht anspruchs- und gehaltvolles Werk.“ (Fischer Film Almanach 1997)

mit Susan Sarandon, Sean Penn, Robert Prosky, Ramond J. Barry, R. Lee Ermey

Wiederholung: Donnerstag, 28. September, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dead Man Walking“

Wikipedia über „Dead Man Walking“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. März: Der schmale Grat

März 25, 2023

Arte, 21.55

Der scmale Grat (The Thin Red Line, USA 1998)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

LV: James Jones: The Thin Red Line, 1962 (Insel der Verdammten)

Als der Film seine Premiere hatte, waren die Kritiker begeistert und er erhielt auf der Berlinale den Goldenen Bären. Nach zwanzig Jahren präsentierte Terrence Malick seinen dritten Spielfilm: ein meditatives Drama über den Kampf um die Pazifikinsel Guadalcanal, das souverän alle Erfordernisse des Kriegsfilms und Starkinos unterläuft und wahrscheinlich genau deswegen ein äußerst präzises Bild vom Krieg liefert.

Es war auch, obwohl ich verstehen kann, wenn Menschen „Der schmale Grat“ nicht mögen (nachdem wir den Film im Unikino gezeigt hatten, meinten einige, das sei der schlechteste Film, den sie jemals gesehen hatten), Malicks letzter wirklich guter Film.

Nachdem er in dreißig Jahren drei Klassiker drehte – „Badlands – Zerschossene Träume“ (Badlands, 1973), „In der Glut des Südens“ (Days of Heaven, 1978) und „Der schmale Grat“ (The Thin Red Line, 1998) -, ruinierte er in wenigen Jahren seinen legendären Ruf gründlich. „The New World“ (USA 2005) hatte noch etwas, aber mit „The Tree of Life“ (USA 2011) und „To the Wonder“ (USA 2012) verabschiedete er sich endgültig von jeder erzählerischen Fessel zugunsten eines freien Assoziieren für eine überzeugte Gemeinschaft. Die Folgewerke „Knight of Cups“ (2015) und „Song to Song“ (2017) waren nur für seine Fanboys erträglich. Erst mit seinem bislang letztem Film „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, 2019) kehrte er ansatzweise zum Erzählkino zurück.

mit Sean Penn, Adrien Brody, Jim Caviezel, Ben Chaplin, George Clooney, John Cusack, Woody Harrelson, Elias Koteas, Jared Leto, Nick Nolte, John Savage, John Travolta, Nick Stahl, Miranda Otto

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der schmale Grat“

Wikipedia über „Der schmale Grat“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers „Terrence Malick“ (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. April: Mystic River

April 2, 2022

Arte, 20.15

Mystic River (Mystic River, USA 2003)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: Dennis Lehane: Mystic River, 2001 (Spur der Wölfe, Mystic River)

Jimmy Markum, Dave Boyle und Sean Devine waren Jugendfreunde. Jahrzehnte später treffen sie sich wieder. Jimmys Tochter wurde ermordet. Sean soll als Polizist den Fall aufklären und Dave gerät in Verdacht, der Mörder zu sein.

Clint Eastwoods Dennis-Lehane-Verfilmung „Mystic River“ ist ein ruhiges, im positiven Sinn altmodisch erzähltes, düsteres Drama ohne einfache Lösungen über Schuld, Sühne und der Frage nach Gerechtigkeit.

Mit seinen exzellenten Schauspielern, dem guten Drehbuch, der ruhigen Kameraarbeit (Tom Stern, seit „Honkytonk Man“ [1982] bei fast jedem Eastwood-Film dabei) und der stimmigen Musik (Clint Eastwood himself) ist der Film sogar dem etwas ausufernden Roman überlegen.

Neben zahlreichen Nominierungen und Preisen wurde Helgelands Buch auch für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

Mit Sean Penn, Tim Robbins, Kevin Bacon, Laurence Fishburne, Marcia Gay Harden, Laura Linney

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mystic River“

Wikipedia über „Mystic River“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brian Helgelands „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ (42, USA 2013)

Meine Besprechung von Brian Helgelands „Legend“ (Legend, Großbritannien/Frankreich 2015)

Brian Helgeland in der Kriminalakte

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Licorice Pizza“ – ansehen erlaubt

Januar 27, 2022

San Fernando Valley, Sommer 1973: Auf dem Schulhof lernt der Teenager Gary Valentine (Cooper Hoffman) die zehn Jahre ältere Alana Kane (die Musikerin Alana Haim) kennen. Sie ist die Assistentin für den Fotografen, der an diesem Fototag Bilder von den Schülern und den Klassen macht. Sie hängt eher gelangweilt herum. Da ist Garys gleichzeitig unverschämt offensives, großkotziges und pubertäres Werben um sie eine willkommene Abwechslung. Sie lässt sich von ihm sogar zu einem Date überreden.

Und das ist der Auftakt für eine deutlich über zweistündige Abfolge von Anekdoten aus diesem Sommer. Gary ist neben der Schule auch ein Schauspieler (zwar noch ganz am Anfang seiner Karriere, aber sehr ambitioniert) und ein Unternehmer. Auch hier steht er noch vor dem großen Durchbruch, aber er ist sehr ambitioniert und von jeder seiner Geschäftsideen hundertfünfzigprozentig überzeugt. Zum Beispiel mit dem Verkauf von Wasserbetten oder, nachdem er erfährt, dass Flippern in Kalifornien legalisiert werden soll, eröffnet er eine Halle mit Flipperautomaten.

Alana ist in diesen Tagen seine Fahrerin und Freundin. Wobei unklar ist, ob sie seine ‚Freundin‘ werden soll oder sein ‚Freund‘ ist. Jedenfalls sind sie, trotz des Altersunterschieds, ziemlich unzertrennlich. Und Paul Thomas Anderson zeigt diesen schüchterne und auch unbeholfene, von großer Unsicherheit gekennzeichnete Umwerben äußerst feinfühlig.

Sie hilft Gary bei seinen Geschäften und fährt auch einmal einen Laster rückwärts die Berge hinunter, weil erstens ihr Kunde, der extrem cholerische Filmproduzent und Barbara-Streisand-Freund Jon Peters (Bradley Cooper), mit dem Aufbau des Wasserbettes unzufrieden ist, und zweitens, während der Ölkrise, der Tank des Wagens leer ist. Aber bergab braucht man kein Benzin, sondern gute Bremsen.

Sie will auch Schauspielerin werden. Gary vermittelt ihr einen Vorsprechtermin. Dabei lernt sie Jack Holden (Sean Penn; Vorbild war William Holden) kennen. Zusammen mit ihm und Rex Blau (Tom Waits; Vorbild war Regisseur Mark Robson [„Erdbeben“]) verbringen sie einen Abend voller Alkohol und männlicher Angeberei. Schließlich beweist Holden sich sturzbetrunken als Motorradfahrer.

Sie wird Freiwillige im Wahlkampfteam des jungen, charismatischen Politiker Joel Wachs (Benny Safdie). Er kandidiert für das Bürgermeisteramt von Los Angeles. Auch er ist eine reale Figur, die unter ihrem echten Namen auftritt. Das Vorbild für Gary Valentine war der mit Paul Thomas Anderson befreundete Gary Goetzman. Er erzählte ihm Geschichten von seiner Jugend. Heute produziert Goetzman, oft mit Tom Hanks in der Hauptrolle, Filme wie „My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf griechisch“, „Mamma Mia!“, „Larry Crowne“ und „Ein Hologramm für den König“.

Paul Thomas Anderson taucht in seinem neuen Film „Licorice Pizza“ tief in frühen Siebziger in Kalifornien ein. Eigentlich sieht das Episodendrama wie ein gut fünfzig Jahre alter Dokumentarfilm aus. Die Hauptrollen werden von den Spielfilmdebütanten Cooper Hoffman, Sohn von Philip Seymour Hoffman, und Alana Haim gespielt. Das restliche Ensemble besteht, manchmal in Personalunion, aus Freunden von Anderson, bekannten Schauspielern und der Familie von Alana Haim, die die Familie von Alana Kane spielen.

Die Abfolge der von Anderson erzählten Anekdoten folgt dabei keiner strikten Chronologie oder erzählerischen Notwendigkeit. Deshalb könnte „Licorice Pizza“ problemlos eine halbe Stunde länger oder kürzer sein.

Wenn man auf diese Art von weitgehend plotlosen Erinnerungsfilmen voller warmherziger Nostalgie und in diesem Fall cineastischer Anspielungen steht, dann wird man von „Licorice Pizza“ begeistert sein. Die meisten Kritiker sind es.

Ich halte das Drama für überbewertet; das liegt allerdings daran, dass ich diese Art von Filmen, in denen tagebuchhaft einfach Episoden und Anekdoten aneinandergereiht werden, für schwierig halte und ich vor allem Gary reichlich unsympathisch fand. Er ist in erster Linie kein Teenager, der sich zum ersten Mal verliebt, sondern ein Schüler, der ständig das nächste große Geschäft wittert und umsetzt. Seine ganze Existenz dreht sich um das Angeben mit seinen Taten und um das Geld verdienen. Er ist ein archetypischer Kapitalist, für den der ständig getragene Anzug die stolz getragene Arbeitskleidung ist. Dabei darf er noch nicht einmal Auto fahren oder Bier trinken. Dieser Gary, der Protagonist, mit dem wir mitfühlen sollen, wirkt die meiste Zeit wie ein schmieriger, ichbezogen-egomanischer Verkäufer. Vor solchen Menschen haben uns unsere Eltern immer gewarnt.

„Licorice Pizza“ ist nicht schlecht. Er hat sogar viele gute Szenen, aber die anderen Filme von Paul Thomas Anderson, zum Bespiel sein ebenfalls in den frühen Siebzigern spielender Privatdetektivkrimi „Inherent Vice – Natürliche Mängel“, sind besser.

Licorice Pizza (Licorice Pizza, USA 2021)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Bradley Cooper, Benny Safdie, Tom Waits, Sean Penn, Nate Mann, Will Angarola, Joseph Cross, Maya Rudolph

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Licorice Pizza“

Metacritic über „Licorice Pizza“

Rotten Tomatoes über „Licorice Pizza“

Wikipedia über „Licorice Pizza“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Die Dolmetscherin

Dezember 6, 2021

Nitro, 22.30

Die Dolmetscherin (The Interpreter, Großbritannien/Frankreich/USA 2005)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Charles Randolph, Scott Frank, Steven Zaillian (nach einer Geschichte von Martin Stellman und Brian Ward)

UN-Dolmetscherin Silvia Broome behauptet, dass sie ein Gespräch belauschte, in dem im Landesdialekt über ein Mordkomplott gegen den verhassten Diktator ihres Heimatlandes gesprochen wurde. Er soll in New York ermordet werden. Agent Tobin Keller soll die wichtige Zeugin beschützen. Gleichzeitig fragt er sich, ob die schöne Frau mit rätselhafter Vergangenheit, die Wahrheit sagt.

Der spannende Polit-Thriller ist der letzte Spielfilm von Sydney Pollack. Davor inszenierte er unter anderem “Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß” (They shoot horses, don’t they?), “Jeremiah Johnson”, “Yakuza” (The Yakuza), “Die drei Tage des Condors” (Three days of the Condor), “Tootsie”, “Jenseits von Afrika” (Out of Africa) und “Die Firma” (The Firm).

mit Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener, Jesper Christensen, Yvan Attal

Hinweise

Moviepilot über „Die Dolmetscherin“

Metacritic über „Die Dolmetscherin“

Rotten Tomatoes über „Die Dolmetscherin“

Wikipedia über „Die Dolmetscherin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Elliottt/Sydney Pollacks „Aretha Franklin: Amazing Grace“ (Amazing Grace, USA 2018)

Mein Nachruf auf Sydney Pollack


TV-Tipp für den 1. August: Homo Faber/Das Versprechen

Juli 31, 2021

Im Rahmen des Thementag „Erlesene Schweiz“ zeigt 3sat heute nur Filme aus der Schweiz oder mit einem sehr starken Bezug zur Schweiz, wie diese Filme, zu denen zwei ihrer Nationaldichter die Vorlagen lieferten

3sat, 20.15

Homo Faber (Deutschland/Frankreich/Griechenland 1991)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Rudy Wurlitzer

LV: Max Frisch: Homo Faber, 1957

Der Ingenieur Faber, der nur an Zahlen und Statistiken, aber nicht an den Zufall glaubt, begegnet der zwanzigjährigen Sabeth und er verliebt sich in die junge Frau, die ihn an seine Ex Hanna erinnert.

„‘Homo Faber’ ist einer der leisesten und subtilsten Filme Volker Schlöndorffs. Ganz ohne Zweifel ist es sein persönlichster, womöglich gar der einzige, in dem er der Emotionalität des Personals und deren Geschichte kompromisslos nachgeht, ohne Wenn und Aber.“ (Thilo Wydra: Volker Schlöndorff und seine Filme, 1998)

In Deutschland sahen 1,5 Millionen Menschen den Film im Kino.

Eine echte Begeisterung für den kühlen Zahlenmenschen und seine Probleme kam bei mir damals im Kino nicht auf.

mit Sam Shepard, Julie Delpy, Barbara Sukowa, Dieter Kirchlechner, Tracy Lind, Deborah-Lee Furness, August Zirner, Thomas Heinze

Hinweise

Homepage von Volker Schlöndorff

Rotten Tomatoes über „Homo Faber“

Wikipedia über „Homo Faber“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)

3sat, 22.00

Das Versprechen (The Pledge, USA 2000)

Regie: Sean Penn

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch) und über Friedrich Dürrenmatt

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


TV-Tipp für den 8. Juli: U-Turn – Kein Weg zurück

Juli 7, 2020

3sat, 23.10

U-Turn – Kein Weg zurück (U-Turn, USA 1997)

Regie: Oliver Stone

Drehbuch: John Ridley

LV: John Ridley: Stray Dogs, 1997 (später dann als „U-Turn“ publiziert)

Auf der Flucht vor Gläubigern bleibt Bobby Coopers 64er Mustang mitten in der Wüste liegen. Während in einer Werkstatt sein Auto repariert wird, trifft er die verheiratete Grace und seine wirklichen Probleme beginnen erst jetzt. Denn Grace will ihrem Mann Jake umbringen, Jake will Grace umbringen und beide wollen sich – gegen Bares – von Bobby helfen lassen.

Grandioses Romandebüt für die Noir-Gemeinschaft, fast grandioser Film. Denn Stones „Natural Born Killers“-Stil nervt.

Ennio Morricone schrieb die Musik.

Mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Powers Boothe, Billy Bob Thornton, Jon Voight, Claire Danes, Liv Tyler, Bo Hopkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „U-Turn“

Wikipedia über „U-Turn“ (deutsch, englisch)

Evolver (Martin Compart) über John Ridley (2004)

Spike Magazin: Interview mit John Ridley

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Meine Besprechung von Oliver Stones „Snowden“ (Snowden, USA/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 6. Juni: Das Versprechen

Juni 5, 2020

ZDFneo, 20.15

Das Versprechen (The Pledge, USA 2000)

Regie: Sean Penn

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Wiederholung: Sonntag, 7. Juni, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch) und über Friedrich Dürrenmatt

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


TV-Tipp für den 3. März: Dead Man Walking – Sein letzter Gang

März 2, 2020

Nitro, 00.35

Dead Man Walking – Sein letzter Gang (Dead Man Walking, USA 1995)

Regie: Tim Robbins

Drehbuch: Tim Robbins

LV: Sister Helen Prejean: Dead Man Walking, 1993 (Dead Man Walking – Sein letzter Gang)

Die Nonne Helen Prejean lernt den Verbrecher Matthew Poncelet, der in der Todeszelle sitzt, kennen. Eine Freundschaft entwickelt sich, die mit seinem Tod endet.

Starkes, auf Tatsachen basierendes Drama über die Todesstrafe und das US-amerikanische Justizsystem. Susan Sarandan erhielt für ihre Darstellung einen Oscar.

„Der Regie und den Hauptdarstellern ist es gelungen, einen aufwühlenden Film über die Todesstrafe zu machen, ohne in ein Rührstück zu verfallen (…) ein in jeder Hinsicht anspruchs- und gehaltvolles Werk.“ (Fischer Film Almanach 1997)

mit Susan Sarandon, Sean Penn, Robert Prosky, Ramond J. Barry, R. Lee Ermey

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dead Man Walking“

Wikipedia über „Dead Man Walking“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. Januar: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Januar 31, 2018

Sat.1, 20.15
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.
mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez
Wiederholung: Donnerstag, 1. Februar, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


TV-Tipp für den 20. Dezember: The Tree of Life

Dezember 20, 2017

3sat, 22.25

The Tree of Life (USA 2011, Regie: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

„‘The Tree of Life’ ist Malicks bisher erstaunlichster und buchstäblich radikalster Film. (…) ‘The Tree of Life’ erzählt keine Geschichte mithilfe von Bildern, sondern überführt Gedanken, Stimmungen, Gefühle und Erinnerungen in Bilder. Natürlich ist ‘The Tree of Life’ ein Spielfilm – der sogar mit drei Schauspielstars aufwarten kann (Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain) und bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 mit der Goldenen Palme bedacht wurde -, aber noch vehementer als Malicks frühere Arbeiten geht er an die Grenzen der Erzählbarkeit.“ (Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick)

Irgendwie geht in Malicks Meditation um eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, die Entstehung der Welt, das Universum und den ganzen Rest, garniert mit einer christlich-ländlichen Mythologie, die einen entweder wie das Wort Gottes intuitiv hemmungslos begeistert oder – wie mich im Kino – tödlich langweilt; – wobei ich zur Minderheit gehöre. Die meisten Kritiker waren begeistert, der Film war für drei Oscars nominiert (als bester Film, beste Regie und beste Kamera) und erhielt, laut IMDB, 98 Preise, unter anderem in Cannes die Goldene Palme.

Seitdem ist Malick von einem wahren Schaffensrausch gepackt. Seine wenigen eingeschworenen Fans sind begeistert. Der Rest der Welt deutlich weniger.

mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler

Hinweise

Film-Zeit über „The Tree of Life“

Moviepilot über „The Tree of Life“

Metacritic über „The Tree of Life“

Rotten Tomatoes über „The Tree of Life“

Wikipedia über „The Tree of Life“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte