Jazz ist in einem guten Noir nichts wirklich ungewöhnliches. Jedenfalls wenn eine LP aufgelegt wird. Auch in Hardboiled-Krimis hört der Protagonist oft Jazz. Aber erst mit den Evan-Horne-Privatdetektivromanen gab es mehrere Romane, in denen Jazz und Krimi untrennbar miteinander verbunden waren und Autor Bill Moody, selbst ein gestandener Jazz-Schlagzeuger, locker sein musikalisches Wissen (Theorie und Praxis) mit spannenden Krimiplots verband ohne in peinliches Namedropping oder Klugscheißereien über den einzig wahren Jazz zu verfallen. Vier dieser Evan-Horne-Romane erschienen im Unionsverlag. Sie wurden breit abgefeiert, gefielen auch mir und sind inzwischen vor allem antiquarisch erhältlich. Drei sind noch nicht übersetzt.
In seinem bei uns neuesten Roman „Der Spion, der Jazz spielte“, der eigentlich Moodys erster Roman war, der dann durch fast schon abenteuerliche Umstände (die Alf Mayer im Nachwort schildert) erst 2012 veröffentlicht wurde, spielt der Jazz, trotz des Titels, eher eine Nebenrolle.
Gene Williams ist ein US-amerikanischer Jazz-Drummer, der im August 1968 eine Einladung von Jan Pavel erhält, ihn in dessen Band auf dem Prague Jazz Festival zu begleiten. Aber Gene kommt in Prag kaum zum Spielen, weil die CIA ihn vorher in London rekrutierte. Denn der langjährige und extrem vertrauenswürdige Informant Josef Bláha will seinem CIA-Führungsoffizier Allan Curtis brisante Informationen nur geben, wenn er sie an eine den osteuropäischen Geheimdiensten vollkommen unbekannte Person geben kann. Bláha fühlt sich verfolgt. Und Curtis hält Williams für den perfekten Mann: er ist als Jazzer vollkommen unverdächtig; er hat ein Visum, eine bombenfeste Tarnung (nämlich die Wahrheit) und einen guten Grund, um Bláha zu kontaktieren. Denn Bláha ist ein Notenkopist (Uh, gibt es den Beruf heute noch?).
Natürlich geht die geplante einfache Übergabe schief. Bláha wird ermordet. Williams wird von Geheimdienstlern entführt und Bláhas Enkelin Lena will ihm die wichtigen Informationen überreichen, die Bláha ihm geben wollte. Dummerweise wissen beide nicht, was ihnen Bláha geben wollte und wo sie versteckt sind. Also tut Williams das, was Jazzer immer tun und prinzipientreue Geheimdienstler genau deshalb fürchten: er improvisiert.
All das geschieht vor dem Hintergrund der Präsidentschaft von Alexander Dubček, der in der Tschechoslowakei einen „Sozialismus mit menschlichem Anlitz“ verwirklichen wollte, und alle überlegten, wann die Sowjets dieses Experiment, den Prager Frühling, mit militärischer Gewalt beenden. Am 21. August 1968 marschierte das Militär ein.
Vor diesem ausführlich geschildertem Hintergrund entwickelt sich ein flottes Agentenabenteuer, in dem Gene Williams als Geheimagent wider Willen heftig improvisieren muss. „Der Spion, der Jazz spielte“ ist noch nicht so elegant, wie Bill Moodys Evan-Horne-Privatdetektivromane. Es ist, trotz mehrerer Überarbeitungen, ein Erstlingswerk. Es ist auch ein Blick zurück in die Welt des Kalten Krieges, in der die Fronten klar waren und es eine blühende Kultur pulpiger Agententhriller gab. Und weil Bill Moody damals auf musikalischer Mission in Prag war, liest sich seine Geschichte auch authentischer als die Werke all der anderen Autoren, die über den Ostblock nur aus zweiter und dritter Hand schreiben konnten; – falls sie (und wir als Leser) überhaupt ein Interesse an Authentizität hatten.
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Bill Moody: Der Spion, der Jazz spielte
(übersetzt von Ulrike Becker; mit einem Vorwort von Bill Moody und einem Nachwort von Alf Mayer)
polar Verlag, 2015
280 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Czechmate: The Spy who played Jazz
Down and Out Books, 2012
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Hinweise
Homepage von Bill Moody
polar über Bill Moody
Unionsverlag über Bill Moody (umfangreich)
Wikipedia über Bill Moody (deutsch)
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Die Romane von Bill Moody
Die Evan-Horne-Privatdetektivromane
1. Solo Hand (Solo Hand, 1994)
2. Moulin Rouge, Las Vegas (Death of a Tenor Man, 1995)
3. The Sound of the Trumpet (1997)
4. Bird Lives! (Bird Lives!, 1998)
5. Auf der Suche nach Chet Baker (Looking for Chet Baker, 2002)
6. Shades of Blue (2008)
7. Fade to Blue (2011)
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Einzelwerke
Der Spion, der Jazz spielte (Czechmate: The Spy Who Played Jazz, 2012)
The Man in Red Square (2013)
Bill Moody ist nicht „Der Spion, der Jazz spielte“
Dezember 9, 2015TV-Tipp für den 8. Dezember: Jackie Brown
Dezember 8, 2015RTL nitro, 20..15
Jackie Brown (USA 1997, Regie: Quentin Tarantino)
Drehbuch: Quentin Tarantino
LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)
Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.
Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)
Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.
Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“
Wiederholung: Mittwoch, 9. Dezember, 02.05 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Metacritic über “Jackie Brown”
Rotten Tomatoes über “Jackie Brown”
Wikipedia über “Jackie Brown” (deutsch, englisch)
The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)
Everthing Tarantino (dito)
Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)
Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)
Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)
Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)
Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)
Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“
Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)
Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)
R. i. P. William McIlvanney
Dezember 7, 2015https://www.youtube.com/watch?v=ah7wjP3aulg
R. i. P. William McIlvanney (25. November 1936 – 5. Dezember 2015)
Eben via Mail vom Kunstmann Verlag (seinem deutschen Verlag) erfahren: William McIlvanney starb in seinem Haus am Samstag nach einer kurzen Krankheit.
Er schrieb die hochgelobte Laidlaw-Trilogie („Laidlaw“ [1977], „Die Suche nach Tony Veitch“ [1983], „Fremde Treue“ [1991]). Mit diesen Kriminalromanen war der nicht sonderlich produktive Autor (gemessen an seinen wenigen, aber glänzend geschriebenen Romane) der Erfinder des Tartan Noir (so der Pressesprech). Jedenfalls war er für etliche Autoren ein Vorbild. Ian Rankin machte nie ein Geheimnis aus seiner Bewunderung für McIlvanney.
In einem ausführlichen Nachruf des „Guardian“ werden auch einige Schriftstellerkollegen von McIlvanney zitiert. Neben dem schon erwähnten Ian Rankin schrieb Val McDermid: „I’ve just heard the heartbreaking news that Willie McIlvanney has died. He showed so many of us Scottish writers what was possible.”
Weitere ausführliche Nachrufe gibt es im Guardian (ausführlicher Nachruf; Kevin McKenna über McIlvanney), BBC, Telegraph, The Herald (Scotland), Daily Mail, The Scotsman, The Bookseller, The Spectator, Stuttgarter Zeitung, Detectives beyond Borders und The Rap Sheet.
Die KrimiZeit-Bestenliste Dezember 2015
Dezember 7, 2015Etwas später als gewohnt: die KrimiZeit-Bestenliste für den Dezember:
1) (1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
2) (-) Richard Price: Die Unantastbaren
3) (7) Oliver Bottini: Im weißen Kreis
4) (3) Antonio Ortuno: Die Verbrannten
5) (-) Fuminori Nakamura: Der Dieb
6) (6) Seamus Smyth: Spielarten der Rache
7) (-) Adrian McKinty: Gun Street Girl
8) (-) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
9) (-) Deon Meyer: Icarus
10) (8) Dennis Lehane: Am Ende der Welt
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Irgendwie interessiert mich, außer den üblichen Verdächtigen (die Herren Lehane und McKinty), vieles auf der Empfehlungsliste nicht sonderlich.
TV-Tipp für den 7. Dezember: Immer Ärger mit Harry
Dezember 7, 2015Arte, 20.15
Immer Ärger mit Harry (USA 1955, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes
LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949
Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.
Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt
Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers
Wiederholung: Dienstag, 8. Dezember, 13.45 Uhr
Hinweise
Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)
Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2
Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)
Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”
Alfred Hitchcock in der Kriminalakte
Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)
TV-Tipp für den 6. Dezember: The Purple Rose of Cairo
Dezember 6, 2015Tele 5, 18.35
The Purple Rose of Cairo (USA 1985, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Cecilia findet im Amerika der Depression nur im Kino Zuflucht. Täglich versinkt sie in die heile Welt der Boulevardkomödie “The Purple Rose of Cairo”. Bei einer Vorstellung fällt der von ihr bewunderte Held Tom Baxter aus der Rolle und steigt von der Leinwand herab zu ihr in den Kinosaal. Das führt zu einigen Problemen.
„The Purple Rose of Cairo“ ist ein, dank fehlender TV-Ausstrahlungen, inzwischen wohl ziemlich unbekannter Allen-Klassiker. Die wunderschöne Komödie ist einer der wenigen Filme bei denen Allen nur hinter der Kamera stand. Sie wurde von der Kritik gelobt und erhielt zahlreiche Preise. Denn Allen hat „eine virtuose Filmkomödie über das Kino gemacht. Eine Hommage, wie es sie noch nicht gegeben hat und die Maßstäbe setzt. Die Desillusionierung der Traumwelt gerät Allen derart faszinierend perfekt, dass am Ende das Kino doch wieder über den Zuschauer triumphiert: Ähnlich wie Cecilia kann man ‚The Purple Rose of Cairo’ gar nicht oft genug sehen.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Davor, um 15.05 Uhr, gibt es „Woody Allen: A Documentary (Director’s Cut)“ (USA 2011); die TV-Premiere der TV-Fassung der sehenswerten Doku über Woody Allen, die im Kino in einer kürzeren Fassung lief.
Danach, um 20.15 Uhr und 01.35 Uhr, gibt es mit „Scoop – Der Knüller“ einen weiteren Film von und mit Woody Allen. Scarlett Johansson ist auch dabei.
Mit Mia Farrow, Jeff Daniels, Danny Aiello, Stephanie Farrow, Dianne Wiest, Van Johnson
Wiederholung: Montag, 7. Dezember, 03.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Purple Rose of Cairo“
Wikipedia über „The Purple Rose of Cairo“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)
Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)
Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)
Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)
Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)
TV-Tipp für den 5. Dezember: Tödliche Versprechen – Eastern Promises
Dezember 5, 2015Bevor Steven Knight „Im Rausch der Sterne“ war, gab er
Eins Festival, 22.00
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (Großbritannien/USA/Kanada 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Wiederholung: Donnerstag, 9. Dezember, Eins Plus, 22.15 Uhr
Hinweise
Steven Knight: Eastern Promises (Drehbuch)
Englische Homepage zum Film (umfangreich; mit Hintergrundtexten und Filmausschnitten)
Deutsche Homepage zum Film (die Readers Digest-Version; dafür mit einem Cronenberg-Interview)
Die „taz“ redet mit David Cronenberg über „Tödliche Versprechen“
Wikipedia über „Tödliche Versprechen“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)
Neu im Kino/Filmkritik: Bradley Cooper ist „Im Rausch der Sterne“
Dezember 4, 2015Seitdem es immer mehr Fertiggerichte gibt, die immer mehr gekauft werden und wir immer weniger Zeit in der Küche und beim Essen verbringen, gibt es im Fernsehen immer mehr Kochsendungen und im Kino Kochfilme, in denen Essen hungrig machend präsentiert wird. Es gibt auch einen Kult um die Ein-, Zwei- und Drei-Sterne-Michelin-Küche, die auch in Berlin (wo die Sterne-Küche sehr günstig sein soll) eigentlich erst im dreistelligen Euro-Bereich beginnt. Ohne Getränke.
Auch in „Im Rausch der Sterne“, der neue Film von John Wells („Im August in Osage County“), nach einem Drehbuch von Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „Peaky Blinders“), der schon in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ zeigte, dass er die geschriebene Vorlage für einen kulinarischen Film liefern kann, dreht sich alles um das richtige Zubereiten von teuren Gerichten.
Adam Jones (Bradley Cooper) war in Paris ein Starkoch, bis einige Dinge geschahen, die für uns niemals vollständig aufgeklärt werden, die aber etwas mit Frauen, Drogen, Schulden und Kontakten zur Mafia zu tun haben und die seine Karriere ruinierten. Nachdem er in Louisiana eine selbst auferlegte Bußzeit absolvierte und dem Frauen- und Drogenkonsum abschwor, kehrt er mit seinem gewohnt großen Ego zurück in die Welt der Spitzenköche. In London will er im Nobelhotel Langham, das von Tony (Daniel Brühl, gewohnt überzeugend) geführt wird, wieder als Koch arbeiten und möglichst schnell seinen dritten Stern bekommen.
Also versammelt er eine Mannschaft begnadeter Köche, die er teils von früher kennt, um sich herum, es gibt etwas Liebestrouble mit der Köchin Helene (Sienna Miller als alleinerziehende Mutter) und es wird viel gekocht. Weshalb John Wells immer wieder hübsch drapierte kleine Portionen auf großen Tellern zeigt und die Schauspieler fluchend Essen durch den Raum werfen lässt. Sowieso herrscht ein rechter Kasernenhofton in der Nobelküche.
„Im Rausch der Sterne“ erfindet das Genre des Kochfilms nicht neu und ohne die durchgehend liebenswerten Schauspieler, die öfter nur kleinste Auftritte haben, wäre Wells‘ Film eine arg beliebige und unkritische Geschichte über das Leben eines ehrgeizigen und arroganten Sternekochs und seiner Sucht nach dem nächsten Michelin-Stern, den er vor allem deshalb verdient hat, weil er glaubt, dass er ihm zusteht. Wobei Bradley Cooper, der den Koch spielt, immer sympathisch ist. Deshalb wirkt der von ihm gespielte Adam Jones auch sympathischer als er ist. Trotz Kuchen-Backen für Helenes kleine Tochter, die gerade Geburtstag hat und diesen notgedrungen in dem Nobelrestaurant verbringen muss. Jones ist nämlich ein egozentrischer Stinkstiefel, der Brüllen mit Autorität verwechselt.
Da waren zuletzt „Madame Mallory und der Duft von Curry“ und „Kiss the Cook“ schon weiter, weil sie auch ernste Themen behandelten und in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ das Kochen auch verschiedene Lebensphilosophien präsentierte.
Im Rausch der Sterne (Burnt, USA 2015)
Regie: John Wells
Drehbuch: Steven Knight
mit Bradley Cooper, Sienna Miller, Daniel Brühl, Emma Thompson, Omar Sy, Matthew Rhys, Uma Thurman, Alicia Vikander, Lily James, Sarah Greene, Sam Keeley, Riccardo Scamarcio, Henry Goodman
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Im Rausch der Sterne“
Moviepilot über „Im Rausch der Sterne“
Metacritic über „Im Rausch der Sterne“
Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Sterne“
Wikipedia über „Im Rausch der Sterne“ (deutsch, englisch)
Neu im Kino/Filmkritik: „Krampus“ ist da
Dezember 4, 2015Neben den Heile-Welt-Weihnachtsfilmen gibt es auch die anderen Weihnachtsfilme und dass „Krampus“, benannt nach einer heute vor allem in Österreich und den umliegenden Gebieten bekannten Schreckgestalt, die als böser Nikolaus unartige Kinder bestraft, in die zweite Kategorie fällt, dürfte niemand überraschen.
Nachdem der junge Max wutentbrannt, nach einem Streit mit der blöden bis grenzdebilen Verwandtschaft, die jedes Jahr über die Weihnachtstage zu Besuch kommt, seinen Wunschzettel an den Nikolaus zerreißt und aus dem Fenster wirft, hält Krampus das für eine Aufforderung Max, dessen Familie und die ganze Kleinstadt zu besuchen. Denn, so die Filmsage, Krampus bestraft all jene, die nicht mehr an das Fest der Liebe und den Geist der Weihnacht glauben. Dass Krampus nach dieser Auftragsbeschreibung viel zu tun hat, muss uns nicht stören. Der Nikolaus und das Christkind kriegen das mit dem Geschenke-Verteilen ja auch hin. Und dann gibt es noch die aus Österreich kommende Oma, die das Kaminfeuer hütet und so einen Besuch von Krampus verhindern will. Sie erzählt eine weitere leicht abweichende Krampus-Geschichte.
In dem Film geschieht dann das, was wir aus unzähligen Alien-Invasionsfilmen kennen. Menschen flüchten. Sie schreien. Sie sterben. Und am Ende kämpfen einige der Überlebenden erfolgreich gegen die alptraumhaft aussehenden Aliens, die hier als kreischend-mordlüsterne Lebkuchenmänner (Nein, keine Gremlins!) kommen, Hörner und maskenhafte Gesichter (was dann an, nun, Männer mit Masken erinnert) haben und auch mal einige Familienmitglieder im Boden verschwinden lassen. Das sorgt für durchaus kurzweiliges Vergnügen, bei dem die Motivation der Bösewichter für ihr Schlachtfest nebensächlich ist.
Letztendlich ist „Krampus“, sparsam garniert mit einigen wenigen Witzen, nur ein weiterer Alien-Invasionsfilm. Denn der weihnachtliche Hintergrund, der das Potential für satirische Spitzen hätte, wird komplett verschenkt. Das Ende hat dann seine eigenen Probleme, die vor allem darin liegen, dass die Macher mit einer uralten, sehr einfallslosen und entsprechend mutlosen Pointe enden.
Als halbstündige „The Twilight Zone“-Episode hätte „Krampus“ sicher besser funktioniert.
Krampus (Krampus, USA 2015)
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty, Zach Shields, Todd Casey
mit Adam Scott, Toni Collette, Alllison Tolman, David Koechner, Emjay Anthony, Lolo Owen, Stefania Owen, Krista Stadler, Conchata Ferrell, Queenie Samuel
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Krampus“
Moviepilot über „Krampus“
Metacritic über „Krampus“
Rotten Tomatoes über „Krampus“
Wikipedia über „Krampus“ (deutsch, englisch)
TV-Tipp für den 4. Dezember: Ein (un)möglicher Härtefall
Dezember 4, 2015ZDFneo, 20.15
Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)
Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.
Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.
Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Ein (un)möglicher Härtefall“
Wikipedia über „Ein (un)möglicher Härtefall“ (deutsch, englisch) und die Coen-Brüder (deutsch, englisch)
Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)
Die Coen-Brüder in der Kriminalakte
Neu im Kino/Filmkritik: „Im Herzen der See“, wo die großen Wale Schiffe versenken
Dezember 3, 2015Wahrscheinlich dachten die Macher, sie seien furchtbar clever, als sie für „Im Herzen der See“ eine Rahmengeschichte erfanden, die ihren Film zum Making-of von „Moby Dick“ macht. Nicht dem Film von John Huston, sondern dem Roman von Herman Melville. 1850 trifft Herman Melville (Ben Whishaw) den Ex-Matrosen Tom Nickerson (Brendan Gleeson – und allein schon diese Besetzung verrät, dass er mehr als zwei Minuten Leinwandpräsenz am Anfang und Ende des Films bekommen wird), einen Kneipier und Trinker, der mit niemandem über seine Erlebnisse während der letzten Fahrt mit der Essex reden will. Aber seine taffe Frau und finanzielle Nöte lassen ihn dann doch seine Geschichte erzählen.
Vor über dreißig Jahren, im August 1819, heuerte er als 14-jähriger auf dem Walfangschiff Essex als Schiffsjunge an. Kapitän war der unerfahrene George Pollard (Benjamin Walker), der allerdings über das richtige Blut verfügte. Erster Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth), ein waschechter und erfahrener Seeman, der eigentlich Kapitän werden sollte, aber den falschen Stammbaum hat. Er ist glücklich verheiratet mit einer hochschwangeren Frau. Die beiden Männer verbindet gleich eine tiefe Abneigung und ein gemeinsames Ziel: möglichst schnell mit möglichst viel Walöl zurückzukommen. Da hören sie von einer großen Herde Wale viele Seemeilen vor der südamerikanischen Küste. Unter diesen Walen soll sich auch ein besonders großer Wal, eben jener Moby Dick, befinden.
Melville ließ sich für seinen Roman „Moby Dick“, der zu seinen Lebzeiten kein Erfolg war, von der Katastrophe der Essex, anderen katastrophalen Begegnungen von Walfängern mit Walen und eigenen Erlebnissen inspirieren.
Die Fahrt der Essex ist daher nicht die Fahrt von Kapitän Ahab und seiner besessenen Jagd nach dem Riesenwal; was eines der Probleme des Films ist. Denn natürlich erwartet man durch die Rahmenhandlung eine Geschichte, die möglichst nah an der bekannten „Moby Dick“-Geschichte ist. Aber die wahre Geschichte der Essex verlief anders und sie hat mühelos das Potential für einen vollkommen eigenständigen Film. „Im Herzen der See“ ist nicht dieser Film. Es ist, auf der Story-Ebene, immer der Film, der gerne „Moby Dick“ wäre, es aber nicht ist.
Auch ohne diese unglückliche gewählte und vollkommen überflüssige Rahmenhandlung (die immer wieder die in der Vergangenheit spielende Haupthandlung unterbricht), hat „Im Herzen der See“ einige Probleme.
Das eine sind die kaum entwickelten Charaktere. Das fällt vor allem auf, nachdem der große Wal die Essex zu Kleinholz zerlegt hat. Die überlebenden Besatzungsmitglieder flüchten auf die Ruderboote und kämpfen auf hoher See viele Wochen und Monate um ihr Überleben. Bis dahin verbrachten wir zwar schon einige Zeit mit der Essex-Besatzung, aber letztendlich lernten wir bis dahin kein Besatzungsmitglied näher kennen. Deshalb berühren ihre Leiden und damit auch ihr Sterben oder Überleben uns nicht. Für kein Besatzungsmiglied empfinden wir irgendetwas, weil wir, bis auf Chase, nichts über sie wissen.
Der Konflikt zwischen Chase und Pollard ist so schlecht entwickelt, dass er immer nur behauptet bleibt, während wir mühelos die Lücken mit Szenen aus besseren Filmen ausfüllen. Immerhin haben wir schon genug Seefahrerfilme mit schwachen Kapitänen und entscheidungsstarken, klugen, erfahrenen, von der Mannschaft respektierten Ersten Offizieren gesehen. Auch wenn es auf der Essex keine Meuterei auf der Bounty gibt.
Das andere große Problem ist die Sucht nach vermeintlich spektakulären Bildern, die allerdings zunehmend langweilen, weil sie erkennbar aus dem Computer stammen. Während früher die Seefahrerfilme im Schwimmbassin gedreht wurden, werden sie jetzt vor dem Blue Screen gedreht und zu einem 3-D-Spektakel aufgeblasen, das von der ersten bis zur letzten Minute künstlich wirkt. Die vermeintlich beeindruckenden Szenen auf hoher See und bei der Waljagd (eine damals ziemlich gefährliche Angelegenheit für die Menschen in ihren kleinen Ruderbooten) wirken sogar noch künstlicher als die Studioaufnahmen aus älteren Filmen. Während man schon im Trailer zu John Hustons „Moby Dick“ das Salzwasser auf den Lippen spürt, entdeckt man bei „Im Herzen der See“ nur Pixel. Das gleiche gilt für die schönen Panorama-Aufnahmen von Nantucket im frühen 19. Jahrhundert. Früher wurde gezeichnet. Heute erledigt ein Programmierer das, ohne dass die Panorama-Aufnahmen auch nur einen Deut realistischer wirken.
„Im Herzen der See“ ist, nachdem Ron Howard zuletzt mit dem grandiosen Rennfahrerfilm „Rush – Alles für den Sieg“ (ebenfalls mit Chris Hemsworth) sogar Formel-1-Verächter begeistern konnte, eine ziemliche Enttäuschung, die mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seefahrergarn ist.
Im Herzen der See (In the Heart of the Sea, USA 2015)
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Charles Leavitt (nach einer Geschichte von Charles Leavitt, Rick Jaffa und Amanda Silver)
LV: Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex, 2000 (Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex)
mit Chris Hemsworth, Benjamin Walker, Cillian Murphy, Ben Whishaw, Tom Holland, Brendan Gleeson, Charlotte Riley
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Im Herzen der See“
Moviepilot über „Im Herzen der See“
Metacritic über „Im Herzen der See“
Rotten Tomatoes über „Im Herzen der See“
Wikipedia über „Im Herzen der See“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)
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Ach ja: „Moby Dick“
Neu im Kino/Filmkritik: „The Perfect Guy“ ist nicht der Traumprinz
Dezember 3, 2015Nach einem Streit mit ihrem Freund trifft Leah Vaughn (Sanaa Lathan) in der Schlange eines Cafés auf Carter Duncan (Michael Ealy), einen höflichen und sehr aufmerksamen Mann. Als sie sich kurz darauf von Dave (Morris Chestnut) trennt, weil er sie noch nicht heiraten will, trifft sie wieder, wieder scheinbar zufällig, Carter. Sie verabreden sich zum Essen und eins kommt zum anderen. Carter ist wirklich der titelgebende „Perfect Guy“, der sogar von Leahs knurrigem Vater schnell akzeptiert wird.
Dummerweise, und das ist jetzt keine große Überraschung, hat Carter auch eine dunkle Seite. An einer Tankstelle verprügelt er einen Mann, der sich mit Leah unterhält und als sie sich danach, schockiert von der für sie ungewohnten Gewaltätigkeit, von Carter trennt, beginnt der verschmähte Liebhaber sie zu verfolgen. Denn ein „Nein“ akzeptiert der Stalker nicht.
Wer auch nur einen dieser zahlreichen Thriller gesehen hat, in denen ein Mensch eine verhängnisvolle Affäre hat, kann sich schnell die Geschichte von „The Perfect Guy“ bis zur letzten Minute ausmalen. Auf dieser Ebene gibt es in David M. Rosenthals ansprechend inszeniertem Film keine einzige Überraschung. Auch das Ende, wenn Leah, nach einem Gespräch mit einem verständnisvollem Polizisten, sich eine Schrotflinte besorgt hat, und alles auf die finale und tödliche Konfrontation hinausläuft, ist vorhersehbar. Was schade ist. Denn Leah ist als gut bezahlte Lobbyistin eigentlich eine intelligente Frau, die, wenn sie nur zwei Sekunden nachgedacht hätte, sicher eine viel smartere Lösung gefunden hätte, um Carter zu besiegen. Das hätte dem Thriller dann auch eine interessante Note verpasst.
Überraschend bei dem Film ist allerdings die, bis auf den Polizisten und wenige Nebenfiguren, ausschließlich afroamerikanische Besetzung, die hier alle typische gut gekleidete, gut aussehende, sich gut benehmende, in schönen Häusern lebende WASP-Charaktere verkörpern. Das ist bei Hollywood-Filmen immer noch ziemlich selten.
The Perfect Guy (The Perfect Guy, USA 2015)
Regie: David M. Rosenthal
Drehbuch: Tyger Williams (nach einer Geschichte von Alan McElroy und Tyger Williams)
mit Sanaa Lathan, Michael Ealy, Morris Chestnut, Charles S. Dutton, Tess Harper, Kathryn Morris, Rutina Wesley, Holt McCallany
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Perfect Guy“
Moviepilot über „The Perfect Guy“
Metacritic über „The Perfect Guy“
Rotten Tomatoes über „The Perfect Guy“
Wikipedia über „The Perfect Guy“
TV-Tipp für den 3. Dezember: Geliebte Aphrodite
Dezember 3, 2015https://www.youtube.com/watch?v=-qz_zB2Pc2g
3sat, 22.25
Geliebte Aphrodite (USA 1995, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Lenny Weinrib (Woody Allen) und seine Frau haben Max adoptiert. Als ihre Liebe erkaltet, sucht Lenny die leibliche Mutter von Max. Es ist Linda (Mira Sorvino). Ein Callgirl. Lenny will sie auf den Pfad der Tugend zurückführen. Und ein griechischer Chor kommentiert die Ereignisse.
Wunderschöne Komödie von Woody Allen. Er erhielt für sein Drehbuch eine Oscar-Nominierung, Mira Sorvino erhielt, unter anderem, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA als beste Nebendarstellerin.
„Woody Allen alt? Keine Spur. Bei ihm hören die besten Zeiten einfach nie auf.“ (Fischer Film Almanach 1997)
mit Woody Allen, Mira Sorvino, F. Murray Abraham, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Jack Warden, Paul Giamatti
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Geliebte Aphrodite“
Wikipedia über „Geliebte Aphrodite“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)
Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)
Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)
Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)
Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)
„Das Science Fiction Jahr 2015“ auf dem „Weg zum Mars“
Dezember 2, 2015Dass Science-Fiction oft mehr mit Fiction als mit Science zu tun hat, wissen Science-Fiction-Fans natürlich auch ohne den äußerst beliebten Krieg der Sterne. Dennoch interessiert sie immer auch der wissenschaftliche Teil und zwischen Erfindungen aus Science-Fiction-Welten (wie der grandiosen „Raumschiff Enterprise“-Idee mit dem Beamen) und den wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen besteht, wie bei kommunizierenden Röhren, ein Zusammenhang. So tummelten sich früher auf dem Mars viele Lebewesen und es gab sogar Invasionen vom Mars, während wir heute wissen, dass der Mars ein ziemlich toter Planet ist. Dennoch übt er spätestens seit Ridley Scotts erfolgreicher, vor wenigen Wochen in unseren Kinos gestarteter Verfilmung von Andy Weirs Roman „Der Marsianer“, der ebenfalls ein Bestseller ist, eine große Faszination aus, die sich dieses Jahr auch im seit 1986 erscheinendem Jahrbuch „Das Science Fiction Jahr“ und dem populärwissenschaftlichem Sachbuch „Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt“ niederschlägt.
Dieses Jahr erschien „Das Science Fiction Jahr“ erstmals nicht mehr bei Heyne, sondern bei Golkonda. Aber die Macher, die Herausgeber (jetzt Hannes Riffel und Sascha Mamczak) und die Autoren, veränderten sich kaum und die bewährte Struktur wurde auch in der dreißigsten Ausgabe beibehalten, außer dass dieses Mal die Essays zwischen den Blöcke mit den Rezensionen von Bücher (unter anderem Weirs „Der Marsianer“), Comics, Games, Filmen und Hörspielen sind und dass es in den Rezensionsblöcken neben den Einzelrezensionen auch Sammelbesprechungen gibt. Bei den Essays gibt es den gewohnten Mix aus wissenschaftlichen Artikeln (über die Zukunft des 3-D-Drucks), Essays (unter anderem Kameron Hurleys mit dem Hugo Award ausgezeichnetes Essay über Frauen in SF-Geschichten oder John Clutes Essay über Ruinen und Zukünftigkeit), Hintergrundberichten (unter anderem zu den „Guardians of the Galaxy“, den Anfängen der Space Opera und die Behandlung des Ersten Weltkriegs in SF-Geschichten), längeren Analysen (zu Christopher Nolans „Interstellar“, der hier nicht gut wegkommt) und es gibt ein sehr lesenswertes Interview mit Andy Weir.
Dennoch markiert das diesjährige Jahrbuch den vielleicht größten Einschnitt in der Geschichte des Jahrbuchs. Denn der langjährige Herausgeber und Gründer des Jahrbuchs, Wolfgang Jeschke, starb am 10. Juni 2015. Deshalb entstand der neue Schwerpunkt „In Erinnerung an Wolfgang Jeschke“ mit zahlreichen Nachrufen, die noch einmal eindrücklich seine Bedeutung für die deutsche Science-Fiction-Szene aufzeigen.
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Vor einigen Jahren hätte es passieren können, dass der von Sascha Mamczak und Sebastian Pirling (yep, beide sind bekannt als Mit-Herausgeber vom „Science Fiction Jahr“) herausgegebene „Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt“ in leicht geänderter Form im „Das Science-Fiction-Jahr“ gelandet wäre.
In dem Sachbuch wird anhand einer fiktiven Mars-Mission geschildert, wie eine solche Mission abläufen könnte. Welche Herausforderungen und Probleme es gibt.
In drei Teilen schildern Elisabeth Bösl („Vor dem Start“), Sebastian Pirling („Der Flug“) und Uwe Neuhold („Auf dem Mars“) die einzelnen Abschnitte einer solchen Mission. Dabei ist Bösls Teil, die die Informationen in eine fiktive Pressekonferenz packt, der langweiligste Teil. Bei den beiden anderen Teilen gelingt das Vermitteln von Informationen anhand einer rudimentären Rahmenerzählung deutlich besser. Pirling und Neuhold greifen dabei auch auf Informationen und Erfahrungen von schon stattgefundenen Raumflügen und längeren Isolationsstudien in abgeschlossenen Laboren zurück. Und, auch das lernen wir, bei so einem Flug sind Körpergerüche und die Ausscheidungen ein großes Thema.
Im Anhang finden sich zusätzliche Informationen zum Wahrheitsgehalt von Andy Weirs „Der Marsianer“ (sehr hoch), den zehn besten Mars-Romanen und weiterführenden Informationen.
Insgesamt ist „Der Weg zum Mars“ eine lohnende Lektüre für alle, die nach dem Buch und dem Film noch etwas Marsluft schnuppern wollen. „Das Science Fiction Jahr 2015“ ist, wie die vorherigen Bände, sowieso ein Pflichtkauf für den Science-Fiction-Fan.
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Hannes Riffel/Sascha Mamczak (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2015
Golkonda, 2015
648 Seiten
29,90 Euro
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Sascha Mamczak/Sebastian Pirling (Hrsg.): Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt
Heyne, 2015
304 Seiten
9,99 Euro
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Hinweise
Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″
Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“
Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“
TV-Tipp für den 2. Dezember: M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Dezember 2, 2015https://www.youtube.com/watch?v=_O_ldOK3dDE
Arte, 20.15
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte den extrem selten gezeigten Agenten-Thriller „Ministerium der Angst“, der ebenfalls von Fritz Lang ist.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Wiederholung: Freitag, 4. Dezember, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)
Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang
MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang
Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)
Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)
Wieder aufgelegt: Dennis Lehane: Shutter Island
Dezember 1, 2015Die Geschichte und auch die Pointe von Dennis Lehanes „Shutter Island“ dürften inzwischen ja bekannt sein. Immerhin verfilmte Martin Scorsese 2009 die Geschichte mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. DiCaprio spielt US-Marshal Teddy Daniels, der im September 1954 auf der vor der Küste Bostons liegenden Insel Shutter Island im Ashecliffe Hospital eine spurlos verschwundene Patientin, die Kindermörderin Rachel Solando, suchen soll.
Auf der Insel sind nur das Klinikpersonal und die Insassen, eine Gruppe psychisch schwer kranker Verbrecher, die nach modernsten Methoden therapiert werden sollen. Daniels und sein neuer Kollege Chuck Aule sollen die Verschwunden, die sich noch auf der Insel aufhalten muss, finden. Aber Daniels verfolgt auch eine eigene Agende. Denn er glaubt, dass hinter der Klinikfassade noch ganz andere Dinge geschehen.
Wegen eines Sturms müssen die beiden Polizisten länger als geplant auf der Insel bleiben. Bei ihrer Suche können sie weder dem Personal, noch den Insassen vertrauen.
Und Daniels muss sich auch fragen, wie sehr er seiner Wahrnehmung vertrauen kann.
So weit die Prämisse von Dennis Lehanes nicht zufällig in den Fünfzigern spielendem Thriller mit Grusel- und B-Movie-Touch, fein platzierten Verschwörungstheorien und Fünfziger-Jahre-Paranoia, der sich auch lohnt, wenn man die Geschichte bereits kennt. Denn Lehanes Roman ist gelungener als Scorseses knallige Verfilmung, die in Teilen auch unlogisch ist und die mir zu sehr auf den im Film vorhersehbaren Schlusstwist spekuliert. Da ist Lehane in seinem nur an der Oberfläche pulpigem Roman geschickter, wenn er die verschiedenen Elemente kunstvoll zusammenfügt.
Mehr will ich nicht verraten, um nicht den Menschen, die die Geschichte noch nicht kennen, die Überraschungen zu verderben.
Nachdem der Roman bei Ullstein bereits 2004 in einer Übersetzung von Andrea Fischer erschien und diese Fassung nicht mehr erhältlich ist, hat jetzt Steffen Jacobs den Roman für Diogenes neu übersetzt. Ich denke der profane Grund dafür liegt nicht in der Qualität von Fischers Übersetzung, sondern in irgendwelchen Verträgen zwischen Autoren, Verlagen und Übersetzern.
Jedenfalls ist der Roman jetzt bei Lehanes neuem Verlag erhältlich und Diogenes will nächstes Jahr auch Lehanes grandioses Debüt, seinen ersten Patrick Kenzie/Angela Gennaro-Privatdetektivroman „Streng vertraulich“, ebenfalls neu übersetzt von Steffen Jacobs, veröffentlichen.
Das ist, weil Lehanes ältere Romane, die selbstverständlich ebenfalls lesenswert sind und derzeit (außerhalb vertrauenswürdiger Antiquariate) fast alle nicht mehr erhältlich sind, eine sehr erfreuliche Meldung.
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Dennis Lehane: Shutter Island
(übersetzt von Steffen Jacobs)
Diogenes, 2015
432 Seiten
12 Euro
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Originalausgabe
Shutter Island
William Morrow, 2003
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Die Verfilmung
https://www.youtube.com/watch?v=7IJaLW6tu-I
Shutter Island (Shutter Island, USA 2009)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
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Hinweise
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)
Dennis Lehane in der Kriminalakte
TV-Tipp für den 1. Dezember: Manhattan
Dezember 1, 20153sat, 22.15
Manhattan (USA 1979, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Während TV-Autor Isaac Davis sich noch mit seiner lesbischen Ex (die ihre gescheiterte Ehe vermarktet) kabbelt, hat er bereits eine neue Freundin und schon ein Auge auf seine Zukünftige geworfen. Und er will ein Buch schreiben.
Einer von Woody Allens schönsten Filmen. In SW und damit stilbildend für unser Bild von, nun, Manhattan als Sehnsuchtsort.
Um 20.15 Uhr und um 00.45 Uhr zeigt 3sat „Midnight in Paris“. Das Erste zeigt um 00.20 Uhr „Ich sehe den Mann deiner Träume“ und um 01.55 Uhr „Whatever works – Liebe sich wer kann“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Michael Murphy, Mariel Hemingway, Meryl Streep, Anne Byrne, Karen Ludwig, Michael O’Donoghue, David Rasche
Wiederholung: Mittwoch, 2. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Manhattan“
Wikipedia über „Manhattan“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)
Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)
Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)
Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)
Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Veröffentlicht von AxelB 







