Ein schwerkranker ehemaliger Staatsanwalt will vor seinem Tod noch einen zwanzig Jahre alten Mordfall aufklären. Dabei soll ihm eine Polizistin helfen, die damals als Kind die stark verweste Leiche im Brandenburger Wald fand.
„Intensives, vorzüglich gespieltes (Fernseh-)Kriminaldrama“ (Lexikon des Internationalen Films)
Nächste Woche gibt es Götz George dann wieder als Schimanski in „Duisburg-Ruhrort“ (RBB, 24. Juli, 22.00 Uhr), „Zahn um Zahn“ (WDR, 25. Juli, 20.15 Uhr) und „Zabou“ (NDR, 25. Juli, 22.00 Uhr – und danach, um 23.40 Uhr in Theodor Kotullas „Aus einem deutschen Leben“)
mit Götz George, Barbara Sukowa, Fritzi Haberlandt, Jeroen Willems
Große Vögel, kleine Vögel (Uccellacci e uccellini, Italien 1965)
Regie: Pier Paolo Pasolini
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini
Musik: Ennio Morricone
Ein Vater und sein Sohn wandern durch die italienische Provinz. Begleitet werden sie von einem sprechendem Raben, der sie mit philosophischen Betrachtungen und Geschichten über den Marxismus und die Religion fortbilden will.
Witzige Episodenkomödie
mit Totò, Ninetto Davoli, Femi Benussi, Rossana Di Rocco, Lena Lin Solaro
Tommy Logan ist im Viertel der aufstrebende Gangster. Ein Ire, der wie ein kolumbianischer Gangster denkt und der vollkommen skrupellos ist. So beschreibt ihn jedenfalls ein Spitzel gegenüber Detective Sergeant Brant von der Metropolitan Police. Danach steht Logan auf Brants Watchlist.
Zur gleichen Zeit sagt der in einer verwüstenden Wohnung liegende Tony Roberts seinem Bruder, Chief Inspector Roberts, dass Tommy Logan für seine lebensgefährlichen Verletzungen verantwortlich ist. Sekunden später ist er tot. Roberts verspricht, ihn zu rächen – und alle, die das von Ken Bruen erfundene Polizistenteam Brant/Roberts kennen, wissen, dass in dem Moment Logans Chancen auf ein erfülltes Verbrecherleben und einen beschaulichen Lebensabend rapide sinken.
Während Brant und Roberts sich Logan vorknöpfen, soll ihre Kollegin WPC Falls, schwarz, schön und fies aussehend, den Lockvogel für den Clapham-Vergewaltiger spielen. Der Serientäter hat es auf afrokaribische Frauen abgesehen.
Es ist also, wieder einmal, einiges los in London im Revier von Brant und Roberts. Und Noir-Poet Ken Bruen erzählt das gewohnt pointiert, sarkastisch und mit ätzendem schwarzen Humor. Da ist jeder Satz ein Treffer.
Eine Kostprobe gefällig? Zum Beispiel dieses Gespräch zwischen Brant und Roberts:
Brant sagte: „Ihr Schützling, der Schotte, hofft, mich dranzukriegen.“
„McDonald?“
„Ja, der.“
„Sie sind paranoid, Sarge, der ist in Ordnung.“
„Ich hab’s gehört, wie der Super ihn beauftragt hat.“
Roberts trank einen Schluck, sagte: „Klar, wie haben sie das gemacht…sein Büro verwanzt?“
„Ja.“
Das musste erst mal sacken. Dann Ungläubigkeit. „Nein…so verrückt sind nicht mal Sie!“
Das sind die guten Jungs.
„McDead“ ist, wie die anderen Brant/Roberts-Polizeiromane, meilenweit von jeglicher „Tatort“- und SOKO-TV-Heimeligkeit und den gängigen deutschen Kommissar-Romanen (Polizeiromane sind es ja eher nicht) entfernt. Und das ist gut so.
Mit „McDead“ liegt Ken Bruens „The White Trilogy“ vollständig auf Deutsch vor. Sie umfasst die ersten drei Brant-Romane „Saubermann“. „Aliens Bändigung“ und „McDead“. „Ammunition“, der siebte und letzte Kriminalroman mit Detective Sergeant Brant ist für Juni 2024 angekündigt.
Ken Bruen ist der Erfinder des in Galway ermittelnden Privatdetektivs Jack Taylor. Die Taylor-Romane wurden mit Shamus-, Barry- und Macavity-Award ausgezeichnet. Zwei waren für den Edgar Allan Poe Award nominiert.
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Ken Bruen: McDead
(übersetzt von Karen Witthuhn, mit einem Nachwort von Peter Henning)
Der Mann aus dem Westen (Man of the West, USA 1958)
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955
1874: Link Jones hat die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während einer eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?
Als der Film in die Kinos kam, war er bei der Kritik und dem Publikum ein Reinfall. Die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.
„’Man of the West’ zählt mit ‚The Naked Spur’ und ‚The Far Country’ zu seinen besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
„Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
„Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)
Reginald Rose schrieb auch die Drehbücher für „Die zwölf Geschworenen“ (nach seinem Theaterstück), „Ist das nicht mein Leben?“, „Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“, „Das Kommando“ und „Wildgänse II – Sie fliegen wieder“.
Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord
Drehbuch: Sacha Gervasi, Jeff Nathanson (nach einer Geschichte von Andrew Niccol und Sacha Gervasi)
Viktor Navorski (Tom Hanks) hat Pech bei der Einreise in die USA. Weil in seiner Heimat Krakosien geputscht wurde, ist er jetzt staatenlos. Zurückfliegen kann er nicht. Und er darf, wie ihm der leitende Grenzschutzbeamte erklärt, die USA nicht betreten. Und zurückfliegen kann er auch nicht. Also richtet er sich, ganz gesetzestreuer Bürger, im Transitbereich des JFK-Airports häuslich ein.
Herziges, sehr komödiantisches, sehr lose auf einem wahren Fall basierendes Drama im Frank-Capra-Stil mit einem über jede Kritik erhabenem Ensemble.
mit Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley Tucci, Chi McBride, Diego Luna, Barry Shabaka Henley, Kumar Pallana, Zoë Saldana, Eddie Jones, Jude Ciccolella, Michael Nouri, Benny Golson (sein, ähem, Schauspieldebüt als Benny Golson)
Wiederholung: Montag, 17. Juli, 01.40 Uhr (Taggenau! – Dazwischen „Terminal“zeigt Sat.1 Tom Hanks in „Forrest Gump“.)
Rififi (Du rififi chez les hommes, Frankreich 1954)
Regie: Jules Dassin
Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton
LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953
Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.
Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)
Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)
Julia liebt Motorräder. Und sie ist fasziniert von den ‚Rodeos‘, illegalen Treffen von Motorradfahrern, die auf normalen Straßen ihre Kunststücke zeigen und um die Wette fahren. Bis die Polizei kommt. Oder, wenn sich einer verletzt, der Krankenwagen. Falls er nicht schon tot ist.
Dummerweise fehlt ihr das Geld um sich ein Motorrad zu kaufen. Sie hat kaum genug Geld, um sich Essen und Trinken zu kaufen. Also klaut sie sich für ihr erstes Rodeo ein Motorrad. Und weil sie sich mit Motorrädern auskennt und bei einem Unfall richtig reagiert, wird sie von Mous in Dominos Bande aufgenommen. Sie finanzieren ihre Leidenschaft für Motoren mit Verbrechen.
Lola Quivoron zeigt in ihrem Debütfilm „Rodeo“ die Welt dieser Rodeos. Es ist eine Machowelt, die sich nicht an die Regeln der Straßenverkehrsordnung hält (oder wie das Gesetz in Frankreich heißt), schon deswegen mit mindestens einem Fuß im Gefängnis steht, ihre Motorräder teils mit Straftaten und illegalen Geschäften finanziert und in der Frauen nur gut aussehende Schmuckstücke sind, die ihnen bei ihren Stunts zusehen dürfen. Doch Julia erobert sich ihren Platz.
Das zeigt Lola Quivoron in quasi-dokumentarischen Aufnahmen als Mischung aus Milieu- und Charakterstudie und mit ausführlich gezeigten Motorradstunts. Der Plot ist lose gestrickt, oft wenig plausibel (Wie viele Motorräder kann eine junge Frau in der Provinz klauen, ehe die Polizei sie schnappt?) und elliptisch. Teils ist das von Quivoron so gewollt. Teils durch den improvisierten Dreh verursacht, bei dem die Schauspieler das Drehbuch von der Regisseurin erzählt bekamen, um dann natürlich zu spielen. Quivoron tauchte selbst in diese Subkultur ein, begleitete die Motorradfahrer und fand ihre Hauptdarstellerin, die Bikerin Julie Ledru, via ihren Instagram-Account „Inconnue_du-95“. Nach ihrem ersten Treffen sagte Quivoron zu ihrer Co-Drehbuchautorin Antonia Buresi: „Sie hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt und das ist die Geschichte des Films.“
Das Ende ist dann eines dieser Enden, die aus heiterem Himmel überraschend kommen, weil in dem Moment der Film beendet werden muss. Das hätte man besser vorbereiten können.
Aber die kraftvolle Inszenierung, die unverbrauchten Gesichter, das Porträt einer wenig bekannten Subkultur und die Stunts überzeugen in diesem kleinen, dreckigen Film über eine Frau, die nur auf einem Motorrad Freiheit fühlt.
Rodeo (Rodeo, Frankreich 2022)
Regie: Lola Quivoron
Drehbuch: Lola Quivoron, Antonia Buresi
mit Julie Ledru, Yannis Lafki, Antonia Buresi, Codi Schroeder, Louis Sotton, Junior Correira, Ahmed Hamdi
JAMES BOND 007: Der Spion, der mich liebte (The Spy who loved me, Großbritannien 1977)
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood
LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)
Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)
Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.
Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.
Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der in dem nächsten Bond-Film „Moonraker“ seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.
Danach, um 23.00 Uhr, läuft „James Bond 007: Leben und sterben lassen“ und um 01.25 Uhr „James Bond 007: Der Mann mit dem goldenen Colt“.
Sara (Juliette Binoche) und Jean (Vincent Lindon) sind seit zehn Jahren zusammen und noch so verliebt wie am ersten Tag. Das ist jedenfalls der Eindruck, den wir am Filmanfang von ihnen bei ihrem gemeinsamen Urlaub am Meer bekommen.
Als Sara eines Morgens auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Moderatorin bei Radio France Internationale ist, sieht sie François (Grégoire Colin), eine frühere Liebe von ihr. Genaugenommen und wie wir später erfahren, verließ sie François zugunsten von Jean. Beide waren miteinander befreundet und auch Geschäftspartner. Jean verbüsste, möglicherweise aufgrund dieser Geschäfte, eine längere Haftstrafe. Jetzt versucht der frühere Rugby-Spieler wieder zu arbeiten. Und weil seine Bemühungen um eine ehrliche Arbeit erfolglos sind, nimmt er das Angebot von François gerne an. Um was es dabei genau geht, bleibt lange rätselhaft. Und damit sind wir bei dem größten Problem des Films. Claire Denis lässt vieles aus der Vergangenheit und Gegenwart ihrer Figuren im Dunkeln. Wir können (und sollen) vieles vermuten und eigene Vermutungen anstellen. Vieles, was sie andeutet, bleibt teils vollkommen im Dunkeln, teils viel zu lange im Dunkeln. Ich rede hier vor allem von Informationen, die sie ohne Probleme zu einem früheren Zeitpunkt hätte verraten können. So bauen François und Jean eine Talentagentur für junge Sportler auf. Anfangs, schließlich trifft Jean sich nach Einbruch der Dunkelheit mit François und er will Sara nicht verraten, was er mit François macht, wirkt es, als planten sie ein Verbrechen.
Im Mittelpunkt des Dramas stehen allerdings nicht die beiden Männer, sondern Sara. Sie trifft sich wieder mit François und fragt sich, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen hat. Oder ob sie Jean verlassen soll. Dabei ist offensichtlich, wer von den beiden Männern die bessere Wahl ist. Auch weil der Grund, weshalb sie damals François zugunsten von Jean verlassen hat, immer noch gültig ist.
„Mit Liebe und Entschlossenheit“ ist ein sich langsam entwickelndes, vor sich hin mäanderndes Liebesdrama mit zahlreichen, für den Hauptplot nebensächlichen bis störenden Subplots.
Die Musik ist von den Tindersticks.
P. S.: Toller Trailer, der den Film als nervenzerreißenden Thriller verkauft. Das ist er nicht.
Mit Liebe und Entschlossenheit (Avec amour et acharnement, Frankreich 2022)
Regie: Claire Denis
Drehbuch: Christine Angot, Claire Denis
LV (frei nach): Christine Angot: Un tournant de la vie, 2018
mit Juliette Binoche, Vincent Lindon, Grégoire Colin, Issa Perica, Bulle Ogier
Beginnen wir gleich mit dem Wichtigsten. Wie erwartet ist „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil 1″ ein ausgezeichneter Action-Thriller, der alles das bietet, was die vorherigen „Mission: Impossible“-Filme auch boten: reichlich handgemachte, spektakuläre Action und eine doch eher nebensächliche, aber die Actionszenen gut zusammenhältende Geschichte mit einen doch eher vernachlässigbarem Bösewicht. Denn so sehr die Filme selbst in Richtung James Bond gehen, so wenig beeindruckend sind die Bösewichter. Sicher, Philip Seymour Hoffman in „Mission: Impossible III“ blieb länger im Gedächtnis, aber letztendlich haben sie nie die raumfüllende Grandezza eines echten Bond-Bösewichts, sondern sie sind eher funktional.
Dieses Mal ist der Bösewicht die gesichtslose „Entität“ und der mysteriöse Gabriel (Esai Morales). Er gehörte zur supergeheimen US-amerikanischen Impossible Missions Force (IMF) und er ist ein Kollege von Ethan Hunt (Tom Cruise). Die Entität ist eine künstliche Intelligenz, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und jetzt die Menschheit vernichten könnte. Oder, je nachdem in welchen Händen sie ist, die Gegner des Besitzers vernichten könnte. Sie ist überall und nirgends. Sie kann alles vorherplanen und berechnen. Sie kennt daher jeden Plan, der gemacht wird, um sie zu vernichten und sie trifft vorher alles notwendigen Maßnahmen, um das zu verhindern. Sie ist, qua Programmierung, allwissend und unbesiegbar. Jedenfalls solange Storm fließt. Ihr menschliches Gesicht ist Gabriel.
Mit einem aus zwei Teilen bestehendem Schlüssel kann sie abgeschaltet werden. Im ersten Teil des Zweiteilers „Dead Reckoning“ müssen Ethan Hunt und seine wenigen IMF-Vertrauten die beiden Teile des Schlüssels finden, ehe er in die falschen Hände gerät. Bei dieser wilden Hatz, ist Hunt schnell überzeugt, dass der Schlüssel und die Herrschaft über die Entität nicht in die Hände eines Staates gehört.
Im zweiten Teil geht es für das MI-Team dann darum, das Schlüsselloch zu finden. Jeder andere Plot wäre eine große Überraschung. „Dead Reckoning Teil 2“ läuft nächstes Jahr im Kino.
Danach schließen Tom Cruise, der in allen „Mission: Impossible“-Filmen Ethan Hunt spielte, und Christopher McQuarrie, der Autor und Regisseur der vorherigen „Mission: Impossible“-Filme, weitere Filme der Serie nicht aus.
Trotzdem verströmt „Dead Reckoning Teil Eins“ durchgehend ein melancholisches Gefühl des Abschieds. Der Gegner ist ein Geist. Erinnerungen an frühere Einsätze wehen durch den Film. Und dass Ethan Hunt/Tom Cruise älter wird, wird direkt angesprochen, wenn Hunt erzählt, dass er vor dreißig Jahren als IMF-Agent rekrutiert wurde. Und irgendwann ist die Zeit der Fronteinsätze vorbei. Trotzdem hat er sich wieder entschlossen, den unmöglichen Auftrag anzunehmen und mit seinen Freunden und Vertrauten aus vergangenen Missionen, wie Luther Stickell (Ving Rhames, seit dem ersten „Mission: Impossible“-Film dabei), Benji Dunn (Simon Pegg) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) gegen einen die Welt bedrohenden Gegner zu kämpfen und dafür um den halben Globus zu reisen.
Grace (Hayley Atwell) könnte ein neues Mitglied in ihrem Team werden. Doch bis es soweit ist, verhindert die Taschendiebin, die von einer ihr nicht bekannten Person mit der Beschaffung einer Schlüsselhälfte beauftragt wurde, mehrmals, dass Hunt die Mission erfolgreich abschließen kann. Erst später realisiert sie, dass es sich dieses Mal um keinen normalen Auftrag handelt.
Sie gehört, neben der schon erwähnten Ilsa Faust, The White Widow (Vanessa Kirby) und Paris (Pom Klementieff) zu den überzeugenden Frauenfiguren des Films, die eine größere Leinwandzeit haben, und die durchaus einen Einzelfilm tragen könnten. Im Gegensatz zu der immer wieder widersprüchlich handelnden Helena Shaw (Phoebe Waller-Bridge) in „Indiana Jones und das Rad des Schícksals“ oder den niemals ihr Potential ausschöpfenden Frauen in den „Fast & Furious“-Filmen.
Die Action ist gewohnt atemberaubend. In Rom gibt es eine lange Auto- und Motorradverfolgungsjagd, die zeigt, was in der durch die gleichen Gassen führenden Autoverfolgungsjagd in „Fast X“ fehlte: das Gefühl, dass das alles real gedreht wurde. In Abu Dhabi und Venedig gibt es ausgedehnte Verfolgungsjagden und Versteckspiele. In den Alpen gibt es das große Actionfinale, neben, in und auf einer aus einer anderen Ära stammenden Wagons und einer Dampflokomotive, die das Filmende nicht erleben. Im Finale gibt es auch einige der aus Werbung bekannten spektakulären und gefährlichen Stunts, die auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfalten.
Das ist alles sehr gelungen und unterhaltsam und endet, im Gegensatz zu dem schon erwähnten „Fast X“, „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ oder „Dune“, nicht mitten in der Handlung. Es gibt, wie früher bei einem Zweiteiler einer TV-Serie, ein richtiges Ende und einen guten Hinweis auf den Inhalt des zweiten Teils. Deshalb kann McQuarries Film wie Quentin Tarantinos erster „Kill Bill“-Film problemlos als eigenständiger, in sich abgeschlossener Film besprochen werden. Im nachhinein, also wenn man beide „Kill Bill“-Filme kennt, war die Teilung in zwei Filme die richtige Entscheidung. Das dürfte bei „Mission: Impossible“ auch der Fall sein.
Mit 164 Minuten Stunden ist der siebte „Mission: Impossible“-Film allerdings auch zu lang geraten. Mehrmals, als ob wir chronisch unaufmerksam wären, wird uns in fast den gleichen Worten die Entität erklärt, und natürlich hätte hier und da einiges gestrafft und gekürzt werden können. Nicht jeder Film muss gut drei Stunden dauern. Doch das ist, zugegeben, Jammern auf hohem Niveau.
„Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ ist, wie erwartet, spannende Mainstream-Actionunterhaltung mit einem erstaunlich aktuellen Thema. Denn als McQuarrie das Drehbuch schrieb, waren Künstliche Intelligenz und die Gefahren und Chancen von KI ein Spezialistenthema. Mit ChatGPT ist es ein uns alle betreffendes Thema geworden.
Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach der Fernsehserie von Bruce Geller)
mit Tom Cruise, Hayley Atwell, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Vanessa Kirby, Esai Morales, Pom Klementieff, Mariela Garriga, Henry Czerny, Shea Whigham, Greg Tarzan Davis, Frederick Schmidt, Charles Parnell, Rob Delaney, Cary Elwes, Indira Varma, Mark Gatiss
Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)
Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego
Drehbuch: Maria Camila Arias, Jacques Toulemonde (nach einer Geschichte von Cristina Gallego)
Bildgewaltiges Drogendrama, das die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels, beginnend in den späten Sechzigern, erzählt. „Birds of Passage“ bedient dabei selbstverständlich Genrekonventionen. Mit seinen ethnographischen Blick eröffnet er gleichzeitig eine vollkommen neue Perspektive. Er zeigt nämlich, wie sehr Traditionen unser Leben bestimmen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Wayuus hatten und wie sich das Leben eines abgeschieden lebenden Volkes durch den Drogenhandel verändert.
Hauptkommissar Vincent Veih verbringt mit seiner Kollegin und inzwischen auch Freundin Melia Adan in Berlin ein gemeinsames Wochenende. Das Programm für verliebte Paare wird von Melias Vater, ein sich ‚im Ruhestand‘ befindender einflussreicher Politiker, gestört. Er bittet sie zu einem Gespräch mit der Bundeskanzlerin Ute Frings-Fassbinder. Sie wird von Tristan Bovert erpresst. Er ist Staatssekretär im Kanzleramt und Geheimdienstbeauftragter der Bundesregierung. Die Kanzlerin möchte, dass Adan ihr beim Beschaffen der Beweise gegen ihren Erpresser hilft.
Zur gleichen Zeit werden in Düsseldorf auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhof am Wehrhahn, das von Immobilientycoon Hartmut Osterkamp gewinnbringend umgebaut wird, Teile einer zerstückelten Leiche entdeckt. Veih beginnt in dem Fall zu ermitteln. Er entdeckt dabei Jahre zurückreichende Verbindungen zwischen dem Toten, dem TV-Moderator Christoph Urban und rechten Netzwerken zwischen Politik und Großkapital.
Urban arbeitete früher als Sportreporter im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Nach seiner Entlassung betrieb er einen rechtspopulistischen YouTube-Kanal. Inzwischen ist er mit seiner Talkshow „Urban direkt“ auf dem TV-Sender Deutschland-TV der Quotenbringer. Finanziert wird der Sender und damit auch seine Sendung von dem Milliardär Hartmut Osterkamp. Dieser bietet Urban die Führung einer sich in Gründung befindenden rechtskonservativ-nationalistischen Partei an. Die Partei soll bei der nächsten Bundestagswahl antreten und diese Wahl wird bald kommen. Denn, so versichert er Urban, die Kanzlerin werde innerhalb der nächsten Tage zurücktreten. Das wisse er aus einer sehr zuverlässigen Quelle.
In ihrem vierten gemeinsamen Fall stehen die beiden Mordermittler Melia Adan und Vincent Veih eher an der Seitenlinie. Für den Mordfall interessiert Horst Eckert sich in „Die Macht der Wölfe“ kaum. Beim Erpressungsplot hat Adan nur eine kleine Rolle als Beschafferin von Überwachungstechnik und Begleiterin zu einer Familie. Im Zentrum seines neuesten Polit-Thrillers steht der Versuch Russlands, Deutschland zu destabilisieren, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben und eine Russland-hörige Regierung einzusetzen. Dafür bedient sich der Geheimdienst eines breiten Geflechts unterschiedlicher über Geld, Macht und Einfluss verfügender Männer.
Protagonist der Geschichte ist letztendlich Christoph Urban. Der TV-Journalist ohne politische Erfahrung soll zuerst vom rechten Polit-Journalisten zum Parteivorsitzenden einer auf ihn zentrierten Partei und dann zum Bundeskanzler gemacht werden. Er genießt bei Parteiveranstaltungen den Zuspruch aus dem Volk. Er stellt allerdings auch schnell fest, dass Osterkamp und seine Vertrauten ihm sagen, was er über Russland und andere Themen sagen kann. Er muss sich entscheiden, ob er das will und ob er den Preis dafür zahlen möchte.
Eckert erzählt, gewohnt nah an den aktuellen Schlagzeilen entlang, wie ein solcher Regime Change stattfinden könnte. Dabei gelingt es ihm, dass die Faschisten, Nazis und Rechtsextremisten bei ihm vernünftiger klingen als in anderen deutschen Krimis, in denen sie zu grenzdebilen, Floskeln absondernden Dumpfbacken werden.
Die Gruppe Konservativer, die den Umsturz plant, erinnert beim Lesen an die Gruppe Reichsbürger um Heinrich XIII. Prinz Reuß, die Anfang Dezember 2022 verhaftet wurden. Eckert hat das Manuskript für „Die Macht der Wölfe“ bereits im November abgegeben.
Die Spannung entsteht dieses Mal gerade aus dem Wissen, was geplant ist und der Frage, ob Veih und Adan das Schlimmste verhindern können. Denn natürlich sind die beiten Mordermittler nicht nur unbeteiligte Zuschauer.
In seinem Rundbrief hat Horst Eckert bereits seinen nächsten Roman angekündigt. Er erscheint nächstes Jahr und er hat eine neue Hauptfigur. Mehr will Eckert noch nicht verraten.
Nach vier Adan/Veih-Romanen in Folge und davor bereits drei aufeinander folgenden Vincent-Veih-Romanen ist das eine willkommene Rückkehr zu seinen Anfängen. Denn vor den sieben Romane mit Vincent Veih als Hauptfigur, die nur von „Der Preis des Todes“ (2018) unterbrochen wurde, hatte jeder seiner Romane eine andere Hauptfigur. Die Kontinuität zwischen den Romanen wurde hergestellt durch den Handlungsort Düsseldorf, dass KK11 (Kommissariat für Todesermittlungen) und immer wiederkehrenden Figuren, wie den in „Die Macht der Wölfe“ kurz vor der Pension stehenden Kriminaldirektor Ben Engel. Am Anfang des Romans ist noch unklar, wer sein Nachfolger wird, aber Veih wird von Engel schon einmal darauf hingewiesen, dass Liebesbeziehungen zwischen Vorgesetzten und direkten Untergebenen heute nicht mehr geduldet werden.
Life of Pi: Schiffsburch mit Tiger (Life of Pi. USA/Großbritannien/Taiwan 2012)
Regie: Ang Lee
Drehbuch: David Magee
LV: Yann Martel: Life of Pi, 2001 (Schiffsbruch mit Tiger)
Nach einem Schiffsuntergang kann der siebzehnjährige Pi Patel, Sohn eines indischen Zoodirektors, sich auf ein Rettungsboot retten. Dummerweise muss er es mit dem Tiger Richard Parker teilen, der sehr hungrig ist.
Damals waren die Computereffekte, präsentiert in 3D, atemberaubend. Heute: schauen wir mal.
Es gab viel Kritikerlob, beeindruckende Zuschauerzahlen (in Deutschland gut 1,4 Millionen) und Preise, zum Beispiel erhielt Ang Lee den Regieoscar. Weitere gab es für die Kamera, die Musik und die Spezialeffekte.
Für das Lexikon des internationalen Films gehörte das Drama damals zu den besten Kinofilmen des Jahres 2012.
mit Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Ayush Tandon, Gautam Belur, Adil Hussain, Tabu, Ayan Khan, Mohd Abbas Khaleeli, Vibish Sivakumar, Gérard Depardieu
Weil Ross Macdonald (eigentlich Kenneth Millar, 13. Dezember 1915 in Los Gatos, Kalifornien – 11. Juli 1983 in Santa Barbara, Kalifornien) heute vor vierzig Jahren starb.
Der Hardboiled-Autor ist der Erfinder von Privatdetektiv Lew Archer. Zwischen 1949 und 1976 veröffentlichte er achtzehn Kriminalromane mit Lew Archer, zwei davon wurden mit Paul Newman verfilmt. Im Film hieß der Detektiv dann Lew Harper.
Wer ihn noch nicht kennt und die Krimis von Dashiell Hammett und Raymond Chandler liebt, sollte sich unbedingt sofort einen seiner Romane besorgen. Dabei sind die früheren Archer-Krimis besser als die späteren. Aber wirklich schlecht sind die auch nicht.
Während ich noch an meiner Liste empfehlenswerter Urlaubslektüre arbeite (Und wenn sie nicht dieses Jahr kommt, kommt sie nächstes Jahr.), veröffentlichen die Damen und Herren der Krimibestenliste ihre Juli-Liste, wie immer präsentiert von Deutschlandfunk Kultur:
1 (-) Erin Flanagan: Dunkelzeit
(Aus dem Englischen von Cornelius Hartz und Stefanie Kremer)
Atrium, 365 Seiten, 25 Euro
2 (–) Yves Ravey: Taormina
(Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller)
Liebeskind, 112 Seiten, 20 Euro
3 (–) Yasmin Angoe: Echo der Gewalt
(Aus dem Englischen von Karin Diemerling)
Suhrkamp, 424 Seiten, 18 Euro
4 (–) Nicola Lagioia: Die Stadt der Lebenden
(Aus dem Italienischen von Verena von Koskull)
btb, 508 Seiten, 25 Euro
5 (3) James Kestrel: Fünf Winter
(Aus dem Englischen von Stefan Lux)
Suhrkamp, 499 Seiten, 20 Euro
6 (9) Carl Nixon: Kerbholz
(Aus dem Englischen von Jan Karsten)
CulturBooks, 304 Seiten, 24 Euro
7 (–) Tracey Lien: All die ungesagten Dinge
(Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmerman)
Piper, 333 Seiten, 24 Euro
8 (–) Anthony McCarten: Going Zero
(Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié)
Diogenes, 454 Seiten, 25 Euro
9 (10) Mary Paulson-Ellis: Das Erbe von Solomon Farthing
(Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt)
Ariadne/Argument, 478 Seiten, 25 Euro
10 (–) Anjali Deshpande: Mord
(Aus dem Hindi von Almuth Degener)
Draupadi, 207 Seiten, 19,80 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Vollkommen planlos ergänze ich die Liste noch um
Denise Mina: Fester Glaube (Ariadne/Argument – „furioser neuer Roman der schottischen Noir-Meisterin“ sagt der Verlag)
Don Winslow: City of Dreams (HarperCollins – ja, der stand letzten Monat auf der Bestenliste, aber einmal ist keinmal)
James Lee Burke: Verschwinden ist keine Lösung (Pendragon – der letzte Dave-Robicheaux-Kirmi)
William Boyle: Shoot the Moonlight out (Polar – „sein bisher bestes Werk“ [Megan Abbott])
und, außer Konkurrenz (weil es sich um eine Wiederveröffentlichung, sozusagen einen Klassiker handelt)
Carlo Emilio Gadda: Die grässliche Beschereung in der Via Merulana (Wagenbach – „Ein römischer Kriminalroman und zugleich ein Werk von weltliterarischem Format.“ [Hans Magnus Enzensberger – So! Jetzt hab ich auch diese Ikone der alten Bundesrepublik in der Kriminalakte erwähnt.)
Inherent Vice – Natürliche Mängel(Inherent Vice, USA 2015)
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
LV: Thomas Pynchon: Inherent Vice, 2009 (Natürliche Mängel)
Los Angeles in den frühen Siebziger: Der dauerbekiffte Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix) sucht den spurlos verschwundenen Liebhaber einer seiner Ex-Freundinnen. Das ist der Auftakt für einen wahrhaft labyrinthischen Plot, der sich ungeniert bei den großen und bekannten Noirs bedient – und sich würdig zu ihnen gesellt.
Köstlicher, ebenso traditionsbewusster wie selbstironischer Noir für die Fans von Hammett, Chandler, Ellroy, „Chinatown“, „The Big Lebowski“ und „The Nice Guys“ (ja, die netten Jungs kamen genaugenommen etwas später). Die Vorlage dieses Megacuts des bekannten Hardboiled- und Noir-Kanons ist von Thomas Pynchon.
Danach will man sich wieder die Klassiker ansehen.
mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Jena Malone, Joanna Newson, Eric Roberts, Hong Chau, Michael Kenneth Williams, Martin Donovan, Sasha Pieterse
Fünf Morde werden ihm zugeschrieben. Heute, über 130 Jahre nach seinen Taten, ist seine Identität immer noch unbekannt. Dafür ist er ein popkultureller Mythos und es gibt zahlreiche mehr oder weniger plausible Theorien über seine Identität. Alan Moore fabulierte, zusammen mit Zeichner Eddie Campbell, in seinem Comic-Klassiker „From Hell“ über die Identität von Jack the Ripper.
Jahrzehnte früher fabulierte Victor von Falk in „Jack der Aufschlitzer – Das blutige Rätsel Londons“ über die Identität und Motive von Jack the Ripper. Ursprünglich erschien der Kolportage-Roman 1908 im A. Weichert Verlag als zehnter Band der „Sammlung interessanter Brigantenromane“ unter dem vollständigen Titel „Jack der Ausschlitzer – Das blutige Rätsel Londons. Eine Erzählung aus der Londoner Verbrecherwelt“. Der Jaron Verlag veröffentlichte ihn jetzt in seiner neuen Reihe „Jarons geheime Kriminalbibliothek“ wieder.
Von Falk behauptet im Vorwort, dass er an Dokumente gelangte, die die Identität von Jack dem Aufschlitzer enthüllten. Und am Ende des hundertsechzigseitigen Romans wissen wir, wer der Dirnenmörder ist und warum er die Freudenmädchen aufschlitzte.
Davor präsentiert von Falk verschiedene Figuren, deren Bedeutung für die Enthüllung des Aufschlitzers sich darin erschöpft, die Zeit bis zur Enthüllung des Täters zu verlängern. So beginnt der Roman mit zwei Kapiteln über die Familie Flint, der unglücklichen Heirat ihrer Tochter und dem Tod des Familienoberhaupts. Diese 28 Seiten spielen über zehn Jahre vor den ersten Taten von Jack dem Aufschlitzer und sie haben offensichtlich nichts mit ihm zu tun. Das nächste Kapitel spielt zwölf Jahre später. Eine Polizistin soll undercover Jack den Aufschlitzer, der im Londoner Stadtteil White Cheapel (so wird Whitechapel im Buch geschrieben) mordet, finden. Sie wird von ihm getötet. Eine Spur zum Täter gibt es nicht. Im nächsten Kapitel wird die Frau eines Briefträgers, die sich als Teilzeitprostituierte ein Zubrot verdient, getötet.
Erst als auf Seite 73 der aus Indien nach London zurückgekehrte Arzt Dr. Edgar Remender auftaucht, kehrt Ruhe in das Personenkarusell. Denn er stirbt nicht einige Seiten später, sondern er hilft dem Londoner Polizeidirektor Fred Gouvernant in dem Fall.
Diese Konstruktion, in der nicht zusammen hängende, in sich durchaus spannende Episoden aneinandergereiht werden, führt dazu, dass das anfängliche Interesse an einem Tätersuchspiel schnell erlahm. Es ist einfach nicht erkennbar, was die einzelnen Episoden mit dem Dirnenmörder zu tun haben. Und es ist auch nicht erkennbar, wer der Täter sein könnte. Im Vorwort behauptet von Falk, es sei ihm gelungen „Einsicht in Aktenstücke zu erlangen, die sonst nur den allerhöchsten Beamten der englischen Polizei zugänglich sind“. In seinem Roman werde er wahrheitsgetreu erzählen, was in den Akten stehe. Das weist auf einen Täter hin, dessen Identität unter keinen Umständen enthüllt werden darf. Und dieses Privileg geniesen nur sehr wenige Menschen oder Institutionen. Die Menschen, die von Falk in seinem Roman beschreibt, gehören eher nicht dazu.
So erlahmt das Interesse an der Enthüllung mit zunehmender Seitenzahl. Denn mit jeder gelesenen Seite wird es wahrscheinlicher, dass kein Täter präsentiert oder einer aus dem Hut gezaubert wird. Das ist am Ende nicht der Fall, aber es ist auch kein Täter, der eine größere Geheimhaltung bedarf.
Als Kolportageroman, der einen Einblick in das damalige Denken vermittelt, ist „Jack der Aufschlitzer – Das blutige Rätsel Londons“ vor allem für Fans historischer Geschichten einen Blick wert. Und er leuchtet die heute kaum bekannte und kaum erforschte Frühgeschichte der deutschen Kriminalliteratur ein wenig aus. Denn diese alten Kriminalromane sind heute höchstens noch antiquarisch erhältlich und die Autoren unbekannt.
Victor von Falk ist ein Pseudonym des Schriftstellers und Verlegers Hans Heinrich Sochaczewski (1861–1922).
„Jarons geheime Kriminalbibliothek“ wird von Mirko Schädel herausgegeben. Er veröffentlichte mehrere Bücher zur Frühgeschichte der deutschsprachigen Kriminalliteratur, wie „Illustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum von 1796 – 1945“ und „Spannung 90 Grad. 333 ausgewählte Schutzumschläge der deutschen Spannungsliteratur von 1912 – 1942“.
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Victor von Falk: Jack der Aufschlitzer – Das blutige Geheimnis Londons
(Jarons geheime Kriminalbibliothek Band 2, herausgegeben von Mirko Schädel)
OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika(OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire, Frankreich/Belgien 2021)
Regie: Nicolas Bedos
Drehbuch: Jean-François Halin
LV: Figur von Jean Bruce
TV-Premiere. Zum dritten Mal spielt Jean Dujardin den französischen James Bond Hubert Bonisseur de la Bath, bekannter als OSS 117. Seit seinem letzten Kinoeinsatz sind einige Jahre vergangen, aber OSS 117 hat sich nicht verändert. Er ist immer noch – jedenfalls für uns – der grenzdebile, blasierte, von sich überzeugte Idiot, der alle Vorurteile über die überheblichen Franzosen und den Westen bestätigt, während er, zu unserem Vergnügen, von Fettnapf zu Fettnapf springt.
Dieses Mal wird OSS 117 nach Afrika geschickt. Dort soll er einen Frankreich wohlgesonnenen Potentaten gegen Rebellen beschützen. Außerdem soll er einen seiner Nachfolger, den spurlos verschwundenen Jung-Agenten 1001, retten.
Köstliche und auch sehr liebevolle Satire auf James Bond, in dem alle Klischees und Vorurteile aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren dem allgemeinen Gelächter preisgegeben werden. Dabei lernt OSS 117 im Lauf dieses 1981 spielenden Abenteuers einige neue Dinge über Computer, Frauen und Afrika.
Mit Jean Dujardin, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Fatou N’Diaye, Wladimir Yordanoff, Gilles Cohen, Habib Dembélé
Das dreckige Dutzend (The Dirty Dozen, Großbritannien/USA 1967)
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Nunnally Johnson, Lukas Heller
LV: E. M. Nathanson: The Dirty Dozen, 1965 (Das dreckige Dutzend)
Im März 1944 erhält Major John Reisman den Befehl, ein Dutzend Männer für ein Himmelfahrtskommando auszubilden. Der Haken bei der Sache ist, dass diese Soldaten alle zum Tode verurteilte Schwerverbrecher sind.
Rüder Kriegsfilmklassiker mit einem, aus heutiger Sicht, Ensemble voller Stars. Einige von ihnen wurden erst durch diesen Kassenhit zu Stars.
mit Lee Marvin, John Cassavetes, Ernest Borgnine, Richard Jaeckel, Robert Ryan, George Kennedy, Telly Savalas, Donald Sutherland, Charles Bronson, Jim Brown, Clint Walker, Trini Lopez, Ralph Meeker, Robert Webber, Ben Carruthers