TV-Tipp für den 2. September: Duell

September 2, 2016

3sat, 22.35

Duell (USA 1971, Regie: Steven Spielberg)

Drehbuch: Richard Matheson

LV: Richard Matheson: Duel (Kurzgeschichte, Playboy, April 1971)

Auf einem Highway irgendwo im Nirgendwo überholt Handelsvertreter David Mann einen Truck. Der König der Landstraße beginnt Mann zu verfolgen.

Steven Spielbergs erster Kinofilm. Naja, fast. Denn „Duell“ war zuerst ein in zwei Wochen gedrehter ABC-TV-Film (es werden mal 12, mal 13, mal 16 Drehtage genannt, wobei anscheinend nur 10 Drehtage geplant waren), der für die Kinoauswertung um einige Szenen erweitert wurde.

„Duell“ ist ein kleiner, knackiger Highway-Thriller, bei dem die Geschichte auf das Gerüst reduziert wurde. Mit einer guten Idee und einem guten Drehbuch, beides von Richard Matheson.

„Offen gesagt ist der Film voll technischer Spielereien und logischer Brüche. Aber am Ende der neunzig Minuten scheint kaum Zeit vergangen.“ (Fob, Variety)

mit Dennis Weaver, Eddie Firestone, Charles Seel, Lucille Benson

Wiederholung: Sonntag, 4. September, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Duell“

Wikipedia über „Duell“ (deutsch, englisch)

Fanseite zum Film

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Kriminalakte: Ein episch langes Interview mit Richard Matheson

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung „Real Steel” (Real Steel, USA 2011)

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung “Tanz der Totenköpfe” (The Legend of Hell House, GB 1973)

Meine Besprechung der Comic-Version der Richard-Matheson-Kurzgeschichte “Duell”

Mein Nachruf auf Richard Matheson


Neu im Kino/Filmkritik: „Ben Hur“ – neue Version, selbstverständlich wieder mit einem Wagenrennen

September 1, 2016

Die Blaupause für jede neue Verfilmung von General Lew Wallaces Roman „Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi“ ist das gut vierstündige Epos von 1959 mit Charlton Heston als Judah Ben Hur. Aus heutiger Sicht ist der mit elf Oscars ausgezeichnete Film, unter anderem als Bester Film des Jahres, erstaunlich holprig und oft langatmig erzählt. Und mit so viel Pathos getränkt, dass wir den Film inzwischen nur noch durch die Brille von „Das Leben des Brian“ sehen können. Berühmt ist das heute wahrscheinlich kaum noch gesehene Epos wegen des entsprechend epischen Wagenrennens, das es schon in de Stummfilmverfilmung des Romans gab.

Das Wagenrennen gibt es auch in Timur Bekmanbetovs flüssiger erzähltem Remake. Er beginnt sogar damit – und springt dann gut zehn Jahre zurück in die Vergangenheit. Damals waren Judah Ben Hur (Jack Huston) und Messala Severus (Toby Kebbell) beste Freunde und Brüder. Messala verlässt Judäa, um als römischer Soldat zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

Nach Jahren kehrt er zurück nach Judäa, das er befrieden will. Also von den aufständischen Juden, die gegen die römische Besatzung kämpfen, bereinigen will. Ben Hur, der sich eigentlich aus der Politik heraushält, will seine jüdischen Brüder nicht verraten und in den Tod schicken. Damit beginnt der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala.

Als bei der Ankunft des neuen Statthalters in Jerusalem ein Aufständischer von Ben Hurs Anwesen einen Pfeil auf ihn abschießt (das ist eine der zahlreichen Änderungen zu William Wylers Film), verhaftet Messala Ben Hur und seine Familie. Ben Hur wird Galeerensklave. Die allesamt überaus ansehnlichen Frauen des Patrizierhauses Ben Hur wandern in den Kerker.

Nach Jahren, wenige Tage vor dem Tod von Jesus (der hier auch mehrmals auftritt) kehrt Ben Hur zurück. Er will sich an Messala rächen. Während eines Wagenrennens.

Timur Bekmanbetov, der die Geschichte in zwei Stunden erzählt, beschreitet in seiner Verfilmung bis zum Ende durchaus eigene Wege, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. So war es in Wylers Film ein herabfallender Ziegel, der Pontius Pilatus bei seinem Einzug in die Stadt verletzte. Es war ein Unfall. In Bekmanbetovs Film ist es ein von einem Aufständischen abgeschossener Pfeil. Es ist ein Attentat und Ben Hur deckt den Täter. Diese Änderung hätte die gesamte Geschichte auf jeder Ebene beeinflussen können. Aber sie bleibt letztendlich folgenlos.

Auch später gibt es immer wieder Unterschiede. So kommt Ben Hur in der aktuellen Version niemals nach Rom. Und das bei Wyler aus heutiger Sicht unerträgliche Pathos und der religiöse Kitsch sind bei Bekmanbetov nicht vorhanden. Es gibt bis auf einige kurze Auftritte von Jesus Christus und der Kreuzigung keine religiösen Symbolismen und wenig christliches Pathos. Daher erstaunt die in den USA gemachte Werbekampagne für die christlichen Filmbesucher, die aus kommerzieller Perspektive ein wichtiger Faktor sind und die eine, nun, sehr spezielle Art von Filmen lieben, in denen der rechte Glaube der einzige Qualitätsmaßstab ist.

Diese Änderungen verschieben dann Akzente in der Geschichte und den Motivationen der Charaktere und lassen Bekmanbetovs „Ben Hur“ zu einer durchaus eigenständigen Verfilmung werden. Allerdings keiner gelungen. So werden all die auf der Hand liegenden politischen Anspielungen nicht weiter ausgeführt. Der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala erscheint forciert. Dabei entzündet sich der Konflikt an dem fehlgeschlagenem Anschlag auf Pontius Pilatus. Ben Hur, der den Täter beschützt, nennt seinem Freund nicht den Namen. Damit paktiert er mit den Aufständischen, vulgo Terroristen. Aber die in diesem Moment angelegte Frage nach den Formen des Widerstandes gegen ein Regime, werden nicht weiter verfolgt. Auch das Thema der Freundschaft wird nicht weiter verfolgt. So bleiben die immer wieder eingestreuten politischen und gesellschaftlichen Anspielungen in der Luft hängen.

Die Nebenfiguren sind schön aussehende Staffage und Morgan Freeman ist Morgan Freeman; mit einer „Battefield Earth“-Gedächtnisfrisur. Und, ja, das ist eine wenig subtile Anspielung auf das Niveau dieses bierernsten Sandalenfilms, der höchstens in einigen Momenten einen unfreiwilligen Humor verströmt.

Zum Schluss kommen wir, wie der Film, wieder zum Wagenrennen, das auch in dieser „Ben Hur“-Verfilmung das große Action-Set-Piece ist. Es ist lang, es ist blutig, es ist langweilig, weil die Action zwischen Schnitten und CGI-Effekten so konfus ist, dass man kurz nach dem Start den Überblick verliert. Da ist man von Timur Bekmanbetov, dem Regisseur von „Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“ und „Wanted“, aber auch „Abraham Lincoln, Vampirjäger“, besseres gewohnt.

Er sagt dazu: „Wir haben die Actionszenen so gefilmt, wie man das heute mit seinen privaten Handy-Kameras machen würde.“

John Ridley, der für „12 Years a Slave“ einen Oscar erhielt, wird wohl nur aufgrund irgendwelcher vertraglicher Verpflichtungen als einer der Drehbuchautoren genannt. Ridley ist der Autor von „12 Years a Slave“, „Three Kings“ (nur Story-Credit), „U-Turn“ und einiger leider nicht übersetzter Romane und der Erfinder der hochgelobten TV-Serie „American Crime“. In seinen Werken setzte er sich immer kritisch mit der US-amerikanischen Geschichte und oft auch der Geschichte der Afroamerikaner auseinander. Dass er ein so unpolitisches und in jeder Hinsicht unentschlossenes Drehbuch abliefert, will ich nicht glauben.

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Ben Hur (Ben-Hur, USA 2016)

Regie: Timur Bekmanbetov

Drehbuch: Keith Clarke, John Ridley

LV: General Lew Wallace: Ben-Hur: A tale of the Christ, 1880 (Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi)

mit Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Morgan Freeman, Sofia Black D’Elia, Ayelet Zurer, Moises Arias, Pilou Asbaek

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ben Hur“

Metacritic über „Ben Hur“

Rotten Tomatoes über „Ben Hur“

Wikipedia über „Ben Hur“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Timur Bekmanbetovs „Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Ein sehr kurzes Featurette über den Dreh des Wagenrennens

Und hier Charlton Heston als Ben Hur in der Arena. Die beiden Ausschnitte vermitteln einen guten Eindruck von der Szene. Eine komplette Version habe ich nicht gefunden.

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Mike and Dave need Wedding Dates“ für die nächste Hochzeit

September 1, 2016

US-Zoten, nächste Runde. Dieses Mal nennt sich das Werk „Mike and Dave need Wedding Dates“.

Mike und Dave sind Brüder und dieses Mal möchte ihr Vater, dass sie die Hochzeit ihrer Schwester nicht in das übliche Chaos verwandeln. Sie sollen also Anstandsdamen mitbringen.

Mike und Dave wollen zuerst nicht, weil sie doch für gute Stimmung sorgen.

Ihre während des Gesprächs neben ihrem Vater sitzende Schwester sagt: „Bitte!“

Mike und Dave sagen: „Für dich tun wir alles. Wir wollen doch, dass du glücklich bist.“

Und damit könnte der Film nach fünf Minuten zu Ende sein. Denn in den folgenden neunzig Minuten wird eben dieses Gespräch mit viel Leerlauf und dem untauglichen Versuch, auch ernste Themen anzusprechen, auf Spielfilmlänge ausgewalzt.

Aus europäischer Sicht gibt es immerhin zwei bemerkenswerte Punkte.

Erstens wird dieses Mal auf den zu US-Vulgärhumorzoten gehörenden Gag mit den an verschiedenen peinlichen Orten aufgemalten Penissen, die oft panisch abgerubbelt werden, verzichtet. Das muss man wohl Fortschritt nennen.

Zweitens sehen wir nackte Frauen. Von hinten und von vorne. Ausgiebig können wir ihre Hintern und Brüste bewundern. Für eine US-Zote ist das ein gewaltiger Fortschritt.

Für uns Europäer ist es nichts, was uns irgendwie aufregt.

Mike and Dave need Wedding Dates - Plakat

Mike and Dave need Wedding Dates (Mike and Dave need Wedding Dates, USA 2016)

Regie: Jake Szymanski

Drehbuch: Andrew Jay Cohen, Brendan O’Brien

mit Zac Efron, Anna Kendrick, Adam Devine, Aubrey Plaza, Sugar Lyn Beard, Alice Wetterlund, Mary Holland, Stephanie Faracy, Stephen Root

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mike and Dave need Wedding Dates“

Metacritic über „Mike and Dave need Wedding Dates“

Rotten Tomatoes über „Mike and Dave need Wedding Dates“

Wikipedia über „Mike and Dave need Wedding Dates“


TV-Tipp für den 1. September: Winter’s Bone

September 1, 2016

3sat, 22.25 (VPS 22.24)

Winter’s Bone (Winter’s Bone, USA 2010)
Regie: Debra Granik
Drehbuch: Debra Granik, Anne Rosellini
LV: Daniel Woodrell: Winter’s Bone, 2007 (Winters Knochen)
Die Ozarks: die siebzehnjährige Ree Dolly sucht ihren verschwundenen Vater. Nicht etwa, weil sie ihn so sehr liebt, sondern weil sie ihr Haus verlieren, wenn er nicht vor Gericht auftaucht. Aber alle, die ihr helfen könnten, raten ihr, nicht weiter nach dem Verschwundenen zu suchen.
Debra Graniks grandioser, allseits abgefeierter und vielfach ausgezeichneter Film folgt Daniel Woodrells Roman bis in die Dialoge. Sie drehte vor Ort in Missouri mit vielen unverbrauchten Gesichtern, die erstmals vor der Kamera standen, und, sagen wir mal, ungeschminkten Hollywood-Schauspielern (die sich eher in Serien und Independent-Filmen tummeln; also nicht die ganz großen Namen sind, aber an deren Gesichter man sich erinnert). All das trägt zum dokumentarischen New-Hollywood-Feeling, wie wir es aus den siebziger Jahren kennen, bei.
Und hier zeigt sich der größte Unterschied zwischen Buch und Film. Während in Woodrells Roman die Armut immer noch ein poetisches Anlitz hat, sehen wir im Film eine deprimierend ärmliche Landschaft, die eher an ein Dritte-Welt-Land erinnert. Auf den Höfen und in den Wohnungen stapelt sich Müll, der vergessen wurde, endgültig zu entsorgen. Die Menschen verdienen ihr Geld mit kriminellen Aktivitäten. Heute Meth und andere Drogen; während der Prohibition als Schnapsbrenner. Sie halten immer noch den alten Frontier-Mythos hoch. Aber es zeigt sich, auch, wo die Cowboy-Ideologie des Wilden Westens endete. Insofern ist die gelungene Verfilmung eines fantastischen Buches düsterer und am Ende sogar hoffnungsloser als die noirische Vorlage.
mit Jennifer Lawrence, Isaiah Stone, Ashlee Thompson, Valerie Richards, Shelley Waggener, Garret Dillahunt, William White, Ramona Blair

Hinweise

Kaliber.38 über Daniel Woodrell

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Independent: John Williams über Daniel Woodrell (16. Juni 2006)

The Southeast Review interviewt Daniel Woodrell (1. April 2009)

River Cities’ Reader über Daniel Woodrell (8. April 2010)

The Wall Street Journal/Speakeasy (Steven Kurutz) unterhält sich mit Daniel Woodrell über “Winter’s Bone” (27. Februar 2011)

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Winter’s Bone“

Rotten Tomatoes über “Winter’s Bone”

Daniel Woodrell bei Mulholland Books

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Der Tod von Sweet Mister” (The Death of Sweet Mister, 2001)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Im Süden – Die Bayou-Trilogie” (The Bayou Trilogy, 2011)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “In Almas Augen” (The Maid’s Version, 2013)

Daniel Woodrell in der Kriminalakte

Die Vorlage (Lesebefehl!)

Woodrell - Winters Knochen

Daniel Woodrell: Winters Knochen

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2011

224 Seiten

18,90 Euro

Originalausgabe

Winter’s Bone

Little, Brown and Company, New York, 2006


TV-Tipp für den 31. August: Verlockende Falle

August 31, 2016

Kabel 1, 23.00
Verlockende Falle (USA 1999, Regie: Jon Amiel)
Drehbuch: Ronald Bass, Michael Hertzberg
Versicherungsdetektivin Virginia ‚Gin‘ Baker (Catherine Zeta-Jones) glaubt, dass der vermögende Kunstsammler MacDougal (Sean Connery) ein Dieb ist, der zuletzt ein Rembrandt-Gemälde stahl. MacDougal nimmt die Herausforderung an und das Katz-und-Maus-Spiel kann beginnen.
Einer der letzten Leinwandauftritte von Sean Connery und ein rundum ansehbarer, altmodischer, leichtgewichtiger, eskapstischer Gangsterkrimi mit einer Prise Humor und ohne Gewalt.
mit Sean Connery, Catherine Zeta-Jones, Ving Rhames, Will Patton, Maury Chaykin, Kevin McNally
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Verlockende Falle“
Wikipedia über „Verlockende Falle“ (deutsch, englisch)
Sean Connery in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Mekong Rush – Renn um dein Leben“, weil Gefängnis keine Option ist

August 30, 2016

Dr. John Lake (Rossif Sutherland; – ja, ein Sohn von Donald Sutherland) arbeitet ehrenamtlich als Arzt in Laos. Während eines kurzen Erholungsurlaubs auf einer Insel sieht er nach einem Barbesuch eine offensichtlich vergewaltigte junge Frau. Er will ihr helfen und gerät mit ihrem Vergewaltiger in eine Schlägerei. Am Ende ist der Vergewaltiger tot und Lake will nach Thailand flüchten, weil; – nun, weil wir Westler ja wissen, wie schlecht die Gefängnisse in Asien sind, wie korrupt und gewalttätig die Polizisten sind, dass gefoltert wird und dass Gerichtsverhandlungen Scheinprozesse sind. Und weil wir Westler das alles wissen, muss der Film es nicht mehr erwähnen.

Während seiner Flucht erfährt Lake, dass der Tote der Sohn eines australischen Senators ist, was den Jagdeifer der Polizei und, nachdem eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt wird, der laotischen Bevölkerung anstachelt.

Mekong Rush – Renn um dein Leben“, der Debütfilm von Jamie M. Dagg, erzählt eine klassische Fluchtgeschichte vor exotischer Kulisse und der Dreh vor Ort in Laos und Thailand trägt zur Qualität des Films bei. Auch das Erzähltempo ist angenehm straff und die Geschichte entwickelt sich mit einigen überraschenden Wendungen, die durchaus realistisch wirken, hin zum Ende.

Allerdings hat „Mekong Rush“ mit zunehmender Laufzeit auch ein Problem: es ist nicht nachvollziehbar, warum Lake flüchtet. Er macht sich damit zunehmend verdächtig. Außerdem hat der gute Samariter die Tat begangen. Juristisch würde sie wohl als irgendetwas zwischen Totschlag im Affekt und Notwehr mit verminderter Schuldfähigkeit behandelt werden. Schließlich war auch Lake betrunken. Mit einem guten Anwalt und etwas internationaler Öffentlichkeit könnte das für ihn ziemlich bis sehr glimpflich ausgehen. Er hätte sich also, auch weil die Polizisten, die im Film auftauchen, vernünftig wirken, gleich stellen können. Er flüchtet und sagt im Film immer nur, dass er nicht ins Gefängnis gehen könne. Warum das so ist, sagt er allerdings nicht. Entsprechend irrational wirkt sein Verhalten mit zunehmender Laufzeit, während wir uns fragen, warum wir für einen Mörder, der sich nicht für seine Tat verantworten möchte, also für einen Feigling, Sympathie empfinden sollen.

Das Bonusmaterial ist mit einer Sammlung Trailer enttäuschend. Dabei wäre gerade wegen der Dreharbeiten in Laos ein Hintergrundbericht sicher interessant gewesen.

Mekong Rush - DVD-Cover ohne FSK

Mekong Rush – Renn um dein Leben (River, Kanada/Laos 2015)

Regie: Jamie M. Dagg

Drehbuch: Jamie M. Dagg

mit Rossif Sutherland, Douangmany Soliphanh, Sara Botsford, Ted Atherton, David Soncin, Aidan Gillett

DVD

Ascot Elite

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mekong Rush“

Rotten Tomatoes über „Mekong Rush“

Wikipedia über „Mekong Rush“ (deutsch [derzeit umfangreicher], englisch)


TV-Tipp für den 30. August: Fear X

August 30, 2016

ZDFkultur, 20.15

Fear X (USA 2003, Regie: Nicolas Winding Refn)

Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.

Der introvertierte Sicherheitsbeamte Harry Caine sucht den Mörder seiner Frau. Er glaubt, dass er den Täter auf den Überwachungsbändern einer Shopping-Mall findet. Da entdeckt er in einen Nachbarhaus einen Hinweis und er macht sich auf den Weg nach Montana.

„Fear X“ ist ein zunehmend surrealer Thriller, der gerade wegen seiner Andersartigkeit gefällt.

Danach zeigt ZDFkultur um 22.00 Uhr „Walhalla Rising“ und um 23.30 Uhr „Bronson“,  zwei weitere Werke von Nicolas Winding Refn.

mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fear X“

Wikipedia über „Fear X“

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“ (The Neon Demon, USA/Frankreich/Dänemark 2016)

Nicolas Winding Refn in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 29. August: The Night Manager -Teil 1

August 29, 2016

ZDF, 22.15

The Night Manager – Teil 1 (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

Nachtmanager Jonathan Pine will im Auftrag des britischen Geheimdienstes den skrupellosen Waffenhändler Richard Onslow Roper überführen. Dazu muss er erst einmal dessen Vertrauen erlangen.

Gut sechstündige BBC-Verfilmung, die das ZDF als Dreiteiler zeigt. An der Qualität der überaus sehenswerten und gelungenen, inzwischen aber auch etwas überbewerteten John-le-Carré-Verfilmung ändert sich dadurch nichts.

Das ZDF zeigt den zweiten und dritten Teil an den kommenden Montagen.

Mehr dazu in meiner Besprechung der gesamten Miniserie.

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

Wiederholung: Mittwoch, 31. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Die DVD

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Concorde Home Entertainment

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Featurette: Die Premiere in Berlin

Länge: 338 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

Hinweise

ZDF über „The Night Manager“

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September erscheint „Der Taubentunnel“, die Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feiert

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


TV-Tipp für den 28. August: Mars Attacks!

August 28, 2016

Arte, 20.15

Mars Attacks (USA 1996, Regie: Tim Burton)

Drehbuch: Jonathan Gems, Tim Burton (ungenannt)

LV: Topps Company: 55-teilige Sammelkartenserie aus den Sechzigern (Neuauflage 1994)

Außerirdische besuchen die Erde. Der Präsident und einige Wissenschaftler glauben an ein friedliches Zusammenleben der Welten, aber die Marsmenschen wollen einfach nur alles kaputtmachen.

Schön schräge, respektlose Satire und Liebeserklärung an die S-F-Filme der Fünfziger. Burtons Werk wurde damals als Gegenentwurf zu dem patriotisch-ironiefreien Roland Emmerich-Werk „Independence Day“ gesehen. Einmal dürfen sie raten, welcher Film der bessere ist. Und einmal, welcher Film das bessere Einspielergebnis hat.

„Eine der kompromisslosesten Demontagen des Hollywood-Kinos.

Zuerst wären da die Schauspieler zu nennen, eine Crew voller Berühmtheiten, denen nacheinander Schreckliches passiert: Sie alle scheiden in kürzester Zeit dahin, sterben einen wenig ruhmreichen Tod. (…) Mars Attacks! Karikiert nicht nur die patriotische, militaristische Variante des Invasionsfilms, sondern auch die ‚liberale’ Spielart, die den Außerirdischen mit pazifistisch und neuerdings esoterisch motiviertem Wohlwollen begegnet.“ (Helmuth Merschmann: Tim Burton)

Mit Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones (als er selbst), Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Sylvia Sidney, Pam Grier, Joe Don Baker, Christina Applegate, Jerzy Skolimonkski (Regisseur, als Dr. Zeigler), Barbet Schroeder (Regisseur, als französischer Präsident),

Wiederholung: Dienstag, 30. August, 15.30 Uhr

Hinweise

Die Vorlage für den Film: die Sammelkarten der Topps Company 

Rotten Tomatoes über „Mars Attacks“

Wikipedia über „Mars Attacks“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Tim Burton in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Das milde kapitalismuskritische Märchen „El Olivo – Der Olivenbaum“

August 27, 2016

Ein wichtiges Thema, ein Autor, der schon öfter gelungen komplexe Themen behandelte, eine Regisseurin, die damit ebenfalls darin Erfahrung hat. Viel besser könnten die Umstände nicht sein für diese zwischen Spanien und Deutschland spielende Geschichte, die auch und vor allem ein Kommentar zur spanischen Wirtschaftskrise sein will. In, so die Regisseurin Icíar Bollain, der Form eines Märchens mit einem realen Bezugspunkt.

Das Drehbuch ist von ihrem Lebensgefährten Paul Laverty, der bereits für ihren mit mehreren Goyas ausgezeichneten Film „Und dann der Regen“ das Buch schrieb. Der Ken-Loach-Stammautor weiß, wie man eine scharfe Kritik aus linker Perspektive am Kapitalismus, an herrschenden Institutionen und Strukturen in eine unterhaltsame Geschichte verpackt, die Partei für die kleinen Leute, die Unterdrückten, ergreift und zur Empörung und zum Handeln gegen die herrschenden Verhältnisse auffordert. In „El Olivo“ ist die Gesellschaftskritik dann so unspezifisch, dass alles in einer sentimentalen Wohlfühl-Watte endet.

Im Mittelpunkt von „El Olivo – Der Olivenbaum“ steht die junge, etwas burschikose Spanierin Alma, die in einer Geflügelfarm einer schlecht bezahlten Arbeit nachgeht. Ihre Familie hatte einmal viele Olivenbäume. Für sie und ihren zunehmend dementen Großvater, den sie abgöttisch liebt, ist dabei vor allem ein uralter Olivenbaum besonders wichtig. Viele Erinnerungen und die halbe Familiengeschichte sind mit ihm verbunden. Aber ihre Eltern verkauften den Baum schon vor längerem und steckten das Geld in ein inzwischen bankrottes Restaurant.

Als Alma erfährt, dass der Baum nicht vernichtet wurde, sondern in Düsseldorf im Empfangsbereich eines Öko-Energiekonzerns steht, entschließt sie sich, den Baum zurückzuholen und so ihrem schweigsamen Großvater einen letzten Wunsch zu erfüllen.

Bis Alma mit ihrem Onkel Alcachofa und dem in sie verliebten Arbeitskollegen Rafa, die beide keine Ahnung von ihrem Plan haben, in einem LKW losfährt, vergeht allerdings viel Zeit, in der wir mit vielen Rückblenden zwar einiges über sie, ihr Umfeld und die Familiengeschichte erfahren, aber die ganze Zeit auf den Beginn der Geschichte, – den Aufbruch, die Fahrt nach Deutschland und die Befreiung des Baumes -, warten. Die Fahrt nach Deutschland ist dann nur die Anhäufung einiger eher belangloser Anekdoten und Streitigkeiten in der Fahrerkabine.

In Düsseldorf, das immer der austauschbare Handlungsort für irgendeine Großstadt bleibt, fällt der Film endgültig in sich zusammen. Zwischen Streitigkeiten und Versöhnungen untereinander und campieren vor der Bank, erhält Alma dann auch noch die Hilfe einiger flugs herbeigeeilter, Happening-süchtiger Freizeitkapitalismusgegner, die von einer Frauen-Wohngemeinschaft die nötigen Informationen für ihren Protest erhielten.

Diese studentische WG, die wie ein Befehl der Filmförderung wirkt, redet vorher arg didaktisch auf biederem TV-Niveau über die bösen Banken, den Kapitalismus, den Naturschutz und ob man überhaupt etwas tun solle. Sie initiieren dann doch eine „Free the Tree“-Bewegung, die Alma in Düsseldorf helfen soll, den Olivenbaum zu befreien. Den Anstoß dafür erhielten die WG-Damen durch einen Internet-Post von Almas Freundin und natürlich hätte man hier im Rahmen der Filmgeschichte etwas über die guten Seiten der sozialen Medien bei der Vernetzung und Gemeinschaftsbildung über Ländergrenzen erzählen können. So wie Jon Favreau es in seinem Road-Movie „Kiss the Cook“ in kulinarischem Zusammenhang tat. Bei „El Olivo“ wirkt dieser irgendwann lieblos fallengelassene Handlungsstrang allerdings durchgehend wie ein Fremdkörper, weil die Internetöffentlichkeit für die Baumrettungs-Kampagne nur am Ende, bei einer kindischen Protestaktion, eine realweltliche Entsprechung findet.

Dieser für die Haupthandlung letztendlich erschreckend unerhebliche Handlungsstrang ist wie der gesamte Film zwar gut gemeint, aber mehr als ein milde kapitalismuskritisches Feelgood-Movie mit unantastbar strahlender Heldin und, sicher auch wegen ihres idiotischen „ich gehe in die Bank und hole den Riesenbaum heraus“-Plans, unklarer Stoßrichtung der Kritik kommt dabei nicht heraus.

El Olivo - Plakat

El Olivo – Der Olivenbaum (El Olivo, Spanien/Deutschland 2016)

Regie: Icíar Bollaín

Drehbuch: Paul Laverty

mit Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, Manuel Cucala, Miguel Angel Aladren, Carme Pla, Ana Isabel Mena, María Romero

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „El Olivo“

Moviepilot über „El Olivo“

Rotten Tomatoes über „El Olivo“

Wikipedia über „El Olivo“ (englisch, spanisch)


TV-Tipp für den 27. August: Red Rock West

August 27, 2016

RBB, 23.45

Red Rock West (USA 1992, Regie: John Dahl)

Drehbuch: John Dahl, Rick Dahl

Vollkommen abgebrannt landet Michael Williams in dem Kaff Red Rock. Dort wird er für einen Profikiller gehalten und erhält auch gleich das Honorar für den Mordauftrag. Dummerweise trifft kurz darauf der wirkliche Killer ein.

‚Red Rock West‘ ist ein Film noir mit allen Qualitäten eines modernen Western, wie sie in den Romanen und Figuren von Jim Thompson zu finden sind. Es geht um Liebe, Mord und Verrat – schnörkellos, direkt und lakonisch inszeniert.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Besser hätte ich es auch nicht formulieren können.

Red Rock West“ ist ein Film aus einer Zeit, als man sich noch auf den nächsten Nicolas-Cage-Film freute.

mit Nicolas Cage, Dennis Hopper, Lara Flynn Boyle, J. T. Walsh

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Red Rock West“

Wikipedia über „Red Rock West“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ für Blake Lively

August 26, 2016

Nancy (Blake Lively) will in der einsam gelegenen, traumhaften Bucht nur etwas surfen. Aber dann wird sie von einem Hai angegriffen, kann auf ein Felsstück, das bei Ebbe aus dem Wasser ragt, flüchten und sie fragt sich, wie sie sich aus ihrer misslichen Lage befreien kann. Denn Hilfe ist nicht in Sicht und ihr Handy liegt am Strand, der nur wenige hundert Meter entfernt ist. Meter, in denen ein extrem schlecht gelaunter Weißer Hai schwimmt, der sie und alle weiteren Eindringlinge in sein Revier als Mahlzeit betrachtet.

Gut, die Prämisse wirkt auf den ersten Blick etwas weit hergeholt, aber da bei Überschwemmungen schon Menschen in ihrem Keller ertrinken, ist Nancys Malaise durchaus glaubwürdig und Regisseur Jaume Collet-Serra erzählt die Geschichte nach einem ruhigen Anfang, der wie ein Werbevideo für Traumurlaube an unberührten Stränden und Surfen wirkt, in knackigen achtzig Minuten (ohne den Abspann). Es ist ein Thriller mit einem klaren Konflikt, ohne Subplots und Umwege. Es geht nur um eine junge Frau, die um ihr Überleben kämpft.

Das erinnert in seiner konsequenten Reduktion an J. C. Chandors Seglerdrama „All is lost“, in dem Robert Redford mitten im Indischen Ozean gegen sein sinkendes Schiff kämpfte. Oder, auch wenn es dort kein Wasser gibt, an Alfonso Cuaróns „Gravity“, in dem Sandra Bullock im Weltraum um ihr Überleben kämpfte. Da folgte die Geschichte etwas zu starr dem Drehbuchratgeber, aber dafür beeindruckten im Kino auf der großen Leinwand die Bilder vom dunklen Weltraum und 3D wurde endlich einmal sinnvoll eingesetzt.

Und genau wie bei diesen Filmen waren die Dreharbeiten für „The Shallows“ schwierig. Gedreht wurde, auch wenn die Filmgeschichte aus was für Gründen auch immer in Mexiko spielt, auf der zu Australien gehörenden Lord-Howe-Insel, die Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist. Der Drehort war abgelegen. Die gesamte für den Dreh nötige Technik musste dorthin gebracht werden. Der im Film unberührte Strand musste, nachdem die Filmcrew durchmarschiert war, immer wieder in den unberührten Zustand versetzt werden. Die Möwe, mit der Nancy sich unterhält, musste trainiert werden. Immerhin musste der Hai nicht trainiert werde, weil er, beängstigend echt, aus dem Computer kommt. Allerdings mussten während dem Dreh die Bewegungen des Hai und das von ihm verdrängte Wasser erzeugt werden. Das sind dann Herausforderungen, die erklären, warum bestimmte Geschichten so selten verfilmt werden.

Für Jaume Collet-Serra war „The Shallows“ auch eine Auszeit von seinen Filmen mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Er inszenierte mit Neeson die durchweg sehenswerten Thriller „Unknown Identity“, „Non-Stop“ und „Run all night“. Derzeit dreht er mit ihm „The Commuter“. Der Thriller soll im November 2017 bei uns anlaufen.

Und Blake Lively, die wir aus der TV-Serie „Gossip Girl“, der Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ und der Romanze „Für immer Adaline“ kennen, zeigt, dass sie ganz allein einen Film tragen kann. Auch wenn sie bis zum Ende viel zu gut aussieht für die Strapazen, die sie erleiden muss.

Am Ende von „The Shallows“ erscheint ein rappelvoller Strand mit nervigen, oft viel zu knapp bekleideten Badegästen als eine gar nicht mehr so schlechte Option; wenn es da nicht die Sache mit „Der weiße Hai“ gäbe.

The Shallows - Plakat

The Shallows – Gefahr aus der Tiefe (The Shallows, USA 2016)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Anthony Jaswinski

mit Blake Lively – außerdem, nicht unwichtig, aber im Cameo-Bereich Óscar Jaenada, Angelo Jose, Lozano Corzo, Jose Manual, Trujillo Salas, Brett Cullen, Sedona Legge, Pablo Calva, Diego Espejel, Janelle Bailey, Ava Dean, Chelsea Moody, Sully ‚Steven‘ Seagall (Debüt!)

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Shallows“

Metacritic über „The Shallows“

Rotten Tomatoes über „The Shallows“

Wikipedia über „The Shallows“

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras “Non-Stop” (Non-Stop, USA 2013)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015)


TV-Tipp für den 26. August: Public Enemies

August 26, 2016

3sat, 22.35

Public Enemies (USA 2009: Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann

LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004

Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).

Die Version von Michael Mann.

Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).

„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Public Enemies“

Vanity Fair: Bryan Burrough beim Dreh von „Public Enemies“ (9. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough sieht Johnny Depp sterben (4. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über die geplante Verfilmung von „Public Enemies“ (7. März 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über den Drehstart von „Public Enemies“ (6. März 2008)

„Public Enemies“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Elliot, der Drache“ aus dem Haus Disney und garantiert kinderlieb

August 26, 2016

Robert Redford, der inzwischen achtzigjährige Kinostar der siebziger Jahre, der immer wieder jahrelang keinen Film drehte, hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Arbeitspensum vorgelegt und bei dem Ein-Personen-Seglerdrama „All is lost“ sogar einen ganzen Film mit einer auch körperlich anstrengenden Rolle gestemmt. Da ist die Rolle von Mr. Meacham, bei dem die größte Gefahr darin bestand, sich beim Holzschnitzen zu schneiden, einfach dagegen.

Mr. Meacham ist der bei den Kindern von Milhaven, einer Kleinstadt im Pazifischen Nordwesten, beliebte Märchenonkel. Denn er erzählt ihnen Geschichten von einem Drachen, der in den Wäldern lebt und den er vor langer, langer Zeit gesehen hat.

Seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard), die als Försterin arbeitet, hält das, wie alle vernünftigen Erwachsene, für ein Märchen. Denn Drachen gibt es nicht.

Zur gleichen Zeit lebt Pete (Oakes Fegley) seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern vor sechs Jahren im Wald. Beschützt, behütet und befreundet mit einem Drachen.

Als Graces Freund und Sägewerkbesitzer Jack (Wes Bentley), dessen jüngerer Bruder Gavin (Karl Urban) und deren Männer den Wald abholzen, wird Pete entdeckt. Grace nimmt das zehnjährige Findelkind auf und weil auch „Elliot, der Drache“, Pete folgt, ist das beschauliche Milhaven-Kleinstadtleben zwischen Unglauben („Drachen gibt es nicht!“) und Sensationsgier bald vorbei. Denn Gavin will den Drachen fangen und zu Geld machen.

Elliot, der Drache“ ist ein sehr loses Remake von „Elliot, das Schmunzelmonster“ (USA 1977), einem Disney-Musical mit einem gezeichneten Drachen und realen Menschen. Für den neuen Film erfanden Toby Halbrooks und David Lowery, der auch Regie führte, eine komplett neue Geschichte, die in einer zeitlich nicht näher spielenden Vergangenheit ohne Handys und Computer spielt und die bis auf die Beziehung zwischen Pete und Elliot nichts mit dem 1977er-Film zu tun hat. Deshalb bringt es auch nichts, die Filme miteinander zu vergleichen und den einen Film gegen den anderen auszuspielen. In dem Remake wurde außerdem auf das Singen verzichtet und Elliot ist ein CGI-Drache, der daher ziemlich echt aussieht, aber keine Angst einflößt, weil er Kinder liebt, selbst ziemlich kindisch ist und gerne quitschvergnügt durch die unendlichen nordamerikanischen Wälder pflügt und über sie hinwegfliegt.

Die nach Petes Entdeckung in Graces Familie und Umfeld entstehenden Konflikte, wie die Frage nach Bewahrung oder Nutzbarmachung der Natur und des Umgangs mit Elliot, werden etwas plakativ in ein simples Gut-Böse-Schema gepresst. Das ist dann für Erwachsene zu banal und auch etwas zu eindimensional. Aber für sie ist „Elliot, der Drache“ nicht gemacht. Obwohl auch sie sich, wie Pete und Elliot, mit der Frage, wo sie hingehören, beschäftigen können.

Elliot, der Drache“ ist, wie man es von Disney erwartet, ein gelungener, liebenswert-charmanter Kinderfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

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Elliot, der Drache (Pete’s Dragon, USA 2016)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery, Toby Halbrooks (basierend auf einem Drehbuch von Malcolm Marmorstein und einer Geschichte von Seton I. Miller und S.S. Field)

mit Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Robert Redford, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Moviepilot über „Elliot, der Drache“

Metacritic über „Elliot, der Drache“

Rotten Tomatoes über „Elliot, der Drache“

Wikipedia über „Elliot, der Drache“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Rückspiel

August 25, 2016

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis waren mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich geade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie ein Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

Die Unfassbaren 2 - Plakat

Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mechanic: Resurrection“ – eine Auferstehung, mit der keiner gerechnet hat

August 25, 2016

Nachdem Jason Statham sich, abgesehen von den „Fast & Furious“-Filmen, in den vergangenen Jahren von seinem unkaputtbaren „Transporter“/“Crank“-Image in Richtung anspruchsvollerer Action-Rollen, also so in Richtung düsterer Siebziger-Jahre-Actionfilm, entwickelte, spielt er jetzt wieder Arthur Bishop; einen Charakter den er bereits vor fünf Jahren in dem Action-Thriller „The Mechanic“ spielte.

Am Ende von „The Mechanic“ tauchte der Profikiller Arthur Bishop, der seine Morde als Unfälle tarnte, unter. Offiziell war er tot.

Jetzt lebt Bishop in Rio de Janeiro und, nach etwas Hin und Her und romantischen Sonnenuntergängen, wird in Phuket seine neue Freundin Gina (Jessica Alba) von Crains Männern entführt. Sein früherer Freund Riah Crain (Sam Hazeldine) erpresst ihn, innerhalb weniger Tage drei Morde zu begehen. Wenn ihm das nicht gelingt, wird Gina sterben.

Bishop geht, weil das Drehbuch es so will, auf die Erpressung ein – und es entwickelt sich eine wenig spektakuläre Geschichte, in der der Profikiller möglichst spektakulär seine Morde an den Köpfen des weltweiten Kinder- und Waffenhandels (also sehr, sehr bösen Menschen) wie Unfälle erscheinen lässt.

Als anspruchsloses B-Picture mit einer durchaus erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler, neben Statham sind Jessica Alba, Tommy Lee Jones und Michelle Yeoh dabei, und etlichen für die Actionszenen fotogen in Szene gesetzten Touristenlocations unterhält „Mechanic: Resurrection“ leidlich. Wenn man nicht, vor allem angesichts des Endes und der immer wieder dick aufgetragenen Botschaft, nach der Moral von der Geschichte fragt. Wenn man sich keine Gedanken über die Logik macht. Denn Bishop ist hier der Mann, der nicht schläft und schneller als die Zeit ist. Sonst könnte er die Auftragsmorde, die alle eine aufwendige Planung erfordern, unmöglich innerhalb der wenigen Stunden erledigen, die ihm Crain gewährt. Gleichzeitig versucht Bishop Gina zu befreien. Und wenn man sich mit der formelhaften Dramaturgie zufrieden gibt, nach der nacheinander einige Männer ermordet werden, bis es zu der finalen Konfrontation zwischen Bishop und Crain kommt.

Wenn man sich allerdings fragt, warum die Macher von „Mechanic: Resurrection“ die letztendlich logikfreie Geschichte mit so geringen Ambitionen herunterspulen und dabei niemals den Charakter Bishop ernst nehmen, dann verzweifelt man – und überlegt schon während des Films, was die Macher alles hätten besser machen können.

Denn eigentlich ist Bishop ein schlaues Kerlchen und die Drehbuchautoren hätten einen entsprechend intelligenten Plan von Bishop gegen Crain erfinden können. Bei den Auftragsmorden gelang es ihnen ja auch.

Dann hätte „Mechanic: Resurrection“ ein Film werden können, der sich als Actionfilm mit Hirn nahtlos in Stathams aktuelle Filme einreiht. Stattdessen wurde es ein Film, der sich in Stathams „Transporter“-Phase einreiht. Mit wenig Logik in der Geschichte und den Charakteren, vielen explodierenden Booten und einem Statham, der hier mehr als in all seinen anderen Filmen im Wasser ist.

Das erinnert Statham-Fans dann an seine Karriere als erfolgreicher Wasserspringer. Die war noch vor seiner Filmkarriere.

Mechanic Resurrection - Plakat

Mechanic: Resurrection (Mechanic 2 – Resurrection, Frankreich/USA 2016)

Regie: Dennis Gansel

Drehbuch: Philip Shelby, Tony Mosher

mit Jason Statham, Jessica Alba, Tommy Lee Jones, Michelle Yeoh, Sam Hazeldine, John Cenamtiempo, Toby Eddington, Femi Elufowoju jr.

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mechanic: Resurrection“

Metacritic über „Mechanic: Resurrection“

Rotten Tomatoes über „Mechanic: Resurrection“

Wikipedia über „Mechanic: Resurrection“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)


TV-Tipp für den 25. August: Die Träumer

August 25, 2016

Arte, 22.30

Die Träumer (Großbritannien/Italien/Frankreich 2002, Regie: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Hinweise

Film-Zeit über „Die Träumer“

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

The Oxonian Review: Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair


Blu-ray-Kritik: Auch in China brennen Hochhäuser – Der Katastrophenfilm „Out of Inferno“

August 24, 2016

Ein Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, ein heißer Tag, eine achtlos weggeworfene Zigarette und schneller als der Pizza-Service liefern kann, steht das Haus in Flammen. Diese Katastrophe gibt nun den Regisseuren Danny und Oxide Pang die Gelegenheit, tapfere Feuerwehrleute gegen das Feuer kämpfen zu lassen und dabei möglichst viele der vom Feuer bedrohten Menschen zu retten, während eine Explosion nach der nächsten, ein plötzlich auftauchender Brandherd nach dem nächsten und ein versperrter Fluchtweg nach dem nächsten die Rettung erschweren. Und diese vor den Flammen flüchtenden Menschen sind ein repräsentativer Querschnitt durch die Gesellschaft, die in der Not ihre Tapferkeit oder ihre Feigheit beweisen können. Im Mittelpunkt stehen ein Feuerwehrmann, dessen schwangere Frau in dem Gebäude ist und der den Einsatz leitet; sein Bruder, mit dem er seit vier Jahren nicht mehr gesprochen hat und der für den Brandschutz in dem Gebäude verantwortlich ist; ein Ehepaar mit einer kleinen Tochter; zwei Juwelendiebe, die die sich durch das Feuer bietende Chance genutzt haben, und ein Arzt, der kein Held sein will.

Nein, einen Innovationspokal wird es für den Katastrophenfilm „Out of Inferno“ der Pang-Brüder nicht geben. Logikfans werden, auch wenn sie nichts über die chinesischen Brandschutzvorschriften wissen, sicher mehr als einmal die Stirn runzeln. Und einige der Tricks sind auch, nach unzähligen CGI-gesättigten Action-Thrillern, sehr offensichtlich.

Trotzdem gefällt das Drama mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.

Als Bonusmaterial gibt es ein unspektakuläres 16-minütiges „Making of“, das auch zeigt, wie bei einigen Szenen getrickst wurde.

Danny Pang und sein Zwillingsbruder Oxide Pang (manchmal auch Oxide Chung Pang), die auch als „The Pang Brothers“ firmieren, inszenierten bereits „The Eye – Mit den Augen einer Toten“, „Bangkok Dangerous“ und das gleichnamige Hollywood-Remake mit Nicolas Cage.

Out of Inferno - Blu-ray-Cover - 4

Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)

Regie: Danny Pang, Oxide Pang

Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang

mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng

Blu-ray (DVD identisch)

Edel:Motion Film

Bild 1090i25 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Chinesisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch (nur beim Bonusmaterial)

Bonusmaterial: Making of

Bild 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Out of Inferno“

Wikipedia über „Out of Inferno“


TV-Tipp für den 24. August: Haus Tugendhat

August 23, 2016

ZDFkultur, 23.50

Haus Tugendhat (Deutschland 2013)

Regie: Dieter Reifarth

Drehbuch: Dieter Reifarth

Sehr sehenswerte und äußerst informative Dokumentation über das titelgebende Haus Tugendhat, eine von Mies von der Rohe gestaltete Villa, die im tschechischen Brünn steht und seit 2001 zum Weltkulturerbe gehört.

Dieter Reifarth erzählt die Geschichte des Bauhaus-Hauses von seiner Erbauung zwischen 1928 und 1930 bis zur Gegenwart anhand seiner Bewohner, der damit verbundenen vielfältigen Nutzungen und der Familie Tugendhat, die während der Nazi-Diktatur flüchten musste.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Daniela Hammer-Tugendhat, Ruth Guggenheim-Tugendhat, Ernst Tugendhat, Ivo Hammer, Lukas Hammer, Josef Guggenheim, Michael Guggenheim, Irene Kalkofen

Hinweise

Homepage zum Film (dort kann auch das sehr informative und schön gelayoutete Presseheft heruntergeladen werden)

Film-Zeit über „Haus Tugendhat“

Wikipedia über die Villa Tugendhat und Mies van der Rohe

Meine Besprechung von Dieter Reifarths „Haus Tugendhat“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 23. August: Hawaii Crime Story

August 23, 2016

Pro7 Maxx, 22.20

Hawaii Crime Story (USA 2003, Regie: George Armitage)

Drehbuch: Sebastian Gutierrez

LV: Elmore Leonard: The big bounce, 1969 (Ein schlechter Abgang)

Jack Ryan jobbt auf Hawaii in einem Strandmotel und genießt das Leben, bis Nancy ihn zu einem Diebstahl überredet.

George Armitage inszenierte vor der „Hawaii Crime Story“ (der Originaltitel ist „The big bounce“) die Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“ und „Ein Mann, ein Mord“ (Grosse Pointe Blank), zwei herrlich gemeine schwarze Komödien und entsprechend hoch waren die Erwartungen. Sebastian Gutierrez schrieb davor das Buch für den bestenfalls halbgaren Thriller „Gothika“ und danach „Snakes on a Plane“.

Elmore Leonards erster Kriminalroman „The big bounce“ (nach mehreren Western) wurde bereits in den späten Sechzigern verfilmt und Leonard mag beide Verfilmungen nicht.

Denn auch die zweite Verfilmung von „The big bounce“ ist, nun ja, eine Gaunerkomödie, „die nie recht in Gang kommt“ (Lexikon des internationalen Films)

„Trotz prominenter Vorlage und ebensolcher Besetzung bleibt diese gemütliche Krimikomödie ein wenig fade.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)

Extrem selten gezeigte Leonard-Verfilmung, die vor der Premiere heftig umgeschnitten wurde, in den USA floppte und bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde.

mit Owen Wilson, Morgan Freeman, Sara Foster, Charlie Sheen, Vinnie Jones, Gregory Sporleder, Butch Helemano, Willie Nelson, Gary Sinise, Harry Dean Stanton

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Hawaii Crime Story“

Wikipedia über „Hawaii Crime Story“ (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte