TV-Tipp für den 15. April: Im Rausch der Tiefe

April 14, 2025

HR, 22.40

Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland

Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.

Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.

mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Tiefe“

Wikipedia über „Im Rausch der Tiefe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Projekt: Peacemaker

April 13, 2025

Agentengedöns nach dem Kalten Krieg

Kabel 1, 20.15

Projekt: Peacemaker (The Peacemaker, USA 1997)

Regie: Mimi Leder

Drehbuch: Michael Schiffer

LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)

US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.

Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.

„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt “Projekt: Peacemaker” seine Geschichte.

Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Projekt: Peacemaker”

Wikipedia über “Projekt: Peacemaker” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mimi Leders „Die Berufung“ (On the Basis of Sex, USA 2018)


TV-Tipp für den 13. April: The Ipcress File

April 12, 2025

Arte, 20.15

Ipcress – Streng geheim (The Ipcress File, Großbritannien 1965)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Bill Canaway, James Doran

LV: Len Deighton: The IPCRESS File, 1962 (Ipress – Streng geheim)

Der britische Geheimagent Harry Palmer soll herausfinden, warum Top-Forscher plötzlich Gedächtnislücken haben. Stecken die Russen dahinter?

Mit dem ersten von drei Harry Palmer-Filmen legte Bond-Produzent Harry Saltzman einen erfolgreichen Gegenentwurf zu James Bond vor. Denn Harry Palmer – in Deightons Romanen hat er noch nicht einmal einen Namen – ist ein ganz gewöhnlicher Beamter mit einem Kassengestell und billigen Anzügen. Er ist eher ein Privatdetektiv, der hartnäckig eine Spur verfolgt und sich nicht auf die schützende Hand seiner Regierung verlassen kann.

Das Drehbuch des spannenden Agententhrillers erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Für Michel Caine ist Harry Palmer eine seiner klassischen Rollen. Insgesamt spielte er dreimal den Geheimagenten. Nach „Ipcress – Streng geheim“ gab es das „Finale in Berlin“ (Funeral in Berlin, 1966, Regie: Guy Hamilton) und „Das Milliarden-Dollar-Gehirn (Billion Dollar Brain, 1967, Regie: Ken Russell). 1995 und 1996 spielte Caine wieder Harry Palmer in den zu Recht vergessenen TV-Filmen „Peking Express“ (Bullet to Beijing) und in „Herren der Apocalypse“ (Midnight in Saint Petersburg), die nicht auf Romanen von Len Deighton basieren und auch sonst nichts mit Deighton zu tun haben.

Mit Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ipcress – Streng geheim“

Wikipedia über „Ipcress – Streng geheim“ (deutsch, englisch) und Len Deighton (deutsch, englisch)

The Deighton Dossier

Krimi-Couch über Len Deighton

Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)


TV-Tipp für den 12. April: Der Schneider von Panama

April 11, 2025

ZDFneo, 20.15

Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama, USA/Irland/Großbritannien 2001)

Regie: John Boorman

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Der damalige James-Bond-Darsteller Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Brendan Gleeson, Martin Ferrero, Mark Margolis, Dylan Baker, Daniel Radcliffe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schneider von Panama“

Wikipedia über „Der Schneider von Panama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

Homepage von John le Carré

seine Romane

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung von John le Carrés „Silverview“ (Silverview, 2021)

neuere le-Carré-Verfilmungen

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik (kurz): Über Paolo Sorrentinos „Parthenope“

April 10, 2025

Parthenope ist in Homers Odyssee der Name einer der Meerjungfrauen, die mit ihrer verführerischen Stimme Seeleute und Reisende ins Verderben lockt.

Parthenope ist auch eine Bezeichnung der Neapolitaner für ihre Stadt Neapel.

Parthenope ist in Paolo Sorrentinos neuem Film „Parthenope“ der Name einer Neapolitanerin. In seinem Film erzählt er ihr Leben von ihrer Geburt 1950 bis in die Gegenwart. Er konzentriert sich dabei auf die Jahre zwischen 1968 und 1974, als sie als junge Schönheit reihenweise Männern den Kopf verdreht und an der Universität Anthropologie studiert. Sie ist immer gelangweilt und die schönste und klügste Person im Raum.

Paolo Sorrentino illustriert dieses sorgenfreie Leben am sommerlich-sonnigen Mittelmeer in einer Abfolge exquisit aussehender Stillleben und kluger Kalendersprüche.

Das sieht in jeder Sekunde gut aus. Aber es bleibt leblos. Parthenope entwickelt nie mehr Persönlichkeit als ein Playboy-Model. Sorrentinos Blick auf sie und die sie umgebenden halbnackten, ebenfalls gut aussehenden Männer ist voyeuristisch. Es fehlt die in seinem früheren Film „Ewige Jugend“ vorhandene Brechung. Dort sinnierten zwei alte Männer beim Anblick einer jungen Schönheit über ihr Alter und die Vergänglichkeit. In „Parthenope“ gibt es nur noch Bilder von schönen Menschen in einer schönen Landschaft.

Es gibt viele Anspielungen auf die Geschichte Neapels und Italiens, die Kirche und, sich in Prüfungen und Begegnungen mit ihrem Professor erschöpfend, die Wissenschaft. Die meisten Anspielungen können wahrscheinlich nur Einheimische dechiffrieren.

Gary Oldman darf als der von Parthenope bewunderte Schriftsteller John Cheever einige Minuten betrunken im Bild herumhängen und kluge Sätze sagen.

Als großformatiger Bildband mit einigen Sätzen aus dem Drehbuch funktioniert diese Liebeserklärung an die Schönheit der jungen Frau, Neapels und des untergegangenen „La dolce vita“-Italien der sechziger und frühen siebziger Jahre sicher prächtig. Im Kino nicht.

Parthenope (Parthenope, Italien/Frankreich 2024)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Celeste Dalla Porta, Stefania Sandrelli, Gary Oldman, Silvio Orlando, Luisa Ranieri, Peppe Lanzetta, Isabella Ferrari, Silvia Degrandi

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Parthenope“

Metacritic über „Parthenope“

Rotten Tomatoes über „Parthenope“

Wikipedia über „Parthenope“ (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 11. April: Serpico

April 10, 2025

3sat, 22.25

Serpico (Serpico, USA 1973)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik Über die Robert-Littell-Verfilmung „The Amateur“

April 10, 2025

Charlie Heller (Rami Malek) arbeitet bei der CIA und er ist das komplette Gegenteil von so taffen Agenten wie James Bond (okay, Brite), Jason Bourne (okay, entlassen) und Ethan Hunt (hm, nie so richtig beim CIA angestellt), sondern ein Dechiffrierexperte. Er sitzt in der CIA-Zentrale im Keller, starrt Computerbildschirme an, entschlüsselt Dokumente und versucht aus Informationskrümeln ein Bild zu erstellen, das dann die Grundlage für die Einsätze von den im Feld arbeitenden Agenten ist. Privat ist er ein introvertierter Tüftler, der auch beim Zusammenschrauben eines alten Flugzeugs eine Krawatte trägt, die er nicht beschmutzt. Er ist glücklich verheiratet. Sarah ist die Liebe seines Lebens.

Als sie in London während einer Tagung bei einem Attentat erschossen wird und seine Vorgesetzten ihn mit höflichen Floskeln abspeisen, beginnt er die Mörder seiner Frau auf eigene Faust zu verfolgen. Dabei verfügt er, wie ein kurzzeitiger Ausbildungsversuch bei dem CIA-Ausbilder Henderson (Laurence Fishburne) zeigt, über keinerlei Fähigkeiten, die ein Spezialagent benötigt. So trifft er mit einer Pistole sein Ziel, wenn er unmittelbar vor ihm steht. Halbwegs.

Aber Heller ist schlau. Er ist nicht der Jäger, der seiner Beute hinterherläuft, sondern er stellt ihr Fallen und lässt sie in diese hineinlaufen.

The Amateur“ ist die zweite Verfilmung von Robert Littells im Original 1981 erschienenem Agententhriller. Die erste Verfilmung war 1981 von Charles Jarrott mit John Savage als Charlie Heller. Sie ist inzwischen weitgehend vergessen.

Eine zweite Verfilmung war in Hollywood seit Jahren im Gespräch. Schließlich ist die Geschichte von dem schlauen Normalbürger auf Rachemission ein guter Filmstoff. 2006 sollte Hugh Jackman die Hauptrolle übernehmen. Jetzt spielt Rami Malek die Hauptrolle.

James Hawes übernahm die Regie. Zu seinen früheren Arbeiten gehören die Pilotfolge von „DCI Banks“ und Episoden für „Black Mirror“, „Snowpiercer“ und „Slow Horses“.

Das Drehbuch ist von Ken Nolan und Gary Spinelli und etlichen weiteren nicht genannten Autoren, wie Evan Katz (er war 2006 mit dem Schreiben des Drehbuchs beauftragt), Scott Z. Burns, Scott Frank, Robert Littell und Patrick Ness. Wie groß ihr Einfluss auf das jetzt verfilmte Drehbuch ist, ist unklar, aber klar ist, dass „The Amateur“ lange in der Entwicklungshölle feststeckte.

Nolan, der auch das Drehbuch für die auf Robert Littells gleichnamigem Roman basierende TV-Miniserie „The Company“ (über die CIA während des Kalten Krieges) schrieb und der aktuell an mindestens einer weiteren Robert-Littell-Verfilmung arbeitet, und Spinelli (u. a. „Barry Seal – Only in America“) verlegten die im Kalten Krieg spielende Rachegeschichte in die Gegenwart. Hawes verfilmte sie als durch Europa globetrottenden, angenehm altmodischen Agenten- und Rachethriller mit arg vorhersehbarer Geschichte. Letztendlich arbeitet Heller einfach die Liste der Täter ab.

Die Terroristen, die für den Tod von Hellers Frau verantwortlich sind, sind keine ideologisch überzeugten Täter, sondern von einem unbekanntem und unbekannt bleibendem Auftraggeber angeheuerte skrupellose Söldner, die ihre Dienste meistbietend verkaufen. Während ihr Motiv Geld ist, sind die Motive der Auftraggeber unklar. Entsprechend politikfrei ist der gesamte Film.

Nach Sarahs Tod geht es um Trauer, Rache und, vor allem, wie ein schlauer Mann Bösewichter tötet. Nach seiner ersten Tat wollen sie ihn töten. Das macht für ihn in der Theorie die Jagd gefährlicher. Seine Vorgesetzten wollen ihn von weiteren Morden abhalten. Während die Bösewichter nur dazu da sind, von Heller umgebracht zu werden, sind seine Vorgesetzten, weil wir mehr über ihre Motive erfahren, etwas weniger eindimensional.

Action gibt es wenig. Schließlich ist Heller kein Nahkämpfer. Der Anti-James-Bond lockt seine Gegner in Fallen und bringt sie anderweitig um. Teils spektakulär und mit hohem Sachschaden, aber ohne Unschuldige zu verletzen.

Das ist dann, wie die Romanvorlage, näher an John le Carré als an Ian Fleming.

The Amateur (The Amateur, USA 2025)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Ken Nolan, Gary Spinelli

LV: Robert Littell: The Amateur, 1981 (Sein oder Nichtsein…)

mit Rami Malek, Laurence Fishburne, Rachel Brosnahan, Caitríona Balfe, Jon Bernthal, Michael Stuhlbarg, Holt McCallany, Julianne Nicholson, Adrian Martinez, Danny Sapani

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Amateur“

Metacritic über „The Amateur“

Rotten Tomatoes über „The Amateur“

Wikipedia über „The Amateur“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel`“ (DCI Banks, Großbritannien 2010/2011)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House“ (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder at Road Hill House, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von James Hawes‘ „One Life – Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (One Life, Großbritannien 2023)

Meine Besprechung von Robert Littels „Zufallscode“/“Der Gastprofessor“ (The Visiting Professor, 1993)

Meine Besprechung von Robert Littells „ Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ (Philby: Portrait de l’espion en jeune homme, 2011)


TV-Tipp für den 10. April: Runaway Train – Express in die Hölle

April 9, 2025

Tele 5, 20. 15

Runaway Train – Express in die Hölle (Runaway Train, USA 1985)

Regie: Andrei Konchalovsky

Drehbuch: Djordje Milicevic, Paul Zindel, Edward Bunker (nach einem Drehbuch von Akira Kurosawa)

Alaska: zwei Knackis brechen aus und hoffen als blinde Passagiere auf einem Güterzug in die Freiheit fahren zu können. Doch der Lokführer stirbt, ein dritter blinder Passagier ist ebenfalls an Bord und der Zug kann nicht gebremst werden.

Harter, spannender, heute fast unbekannter Thriller mit guten Schauspielerleistungen. Voight und Roberts waren für je einen Oscar nominiert; Voight erhielt einen Golden Globe, Roberts war nominiert. Außerdem war der Film als bester Film für einen Golden Globe nominiert. Die Schmonzette „Out of Africa“ erhielt ihn.

Mit Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca DeMornay, Edward Bunker, Danny Trejo (Debüt)

Wiederholung: Samstag, 12. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Express in die Hölle“

Wikipedia über „Express in die Hölle“ (deutsch, englisch)

BBC: Nachruf auf Edward Bunker (Juli 2005)

New York Times: Nachruf auf Edward Bunker (AP)

Meine Besprechung von Edward Bunkers „Lockruf der Nacht“ (Stark, 2007)

Meine Besprechung von Andrei Konchalovskys „Paradies“ (Ray, Russland/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 9. April: Prüdes Hollywood – Laster, Lust und Leidenschaft im Film

April 8, 2025

Arte, 22.25

Prüdes Hollywood – Laster, Lust und Leidenschaft im Film (Deutschland 2024)

Regie: Viola Löffler

TV-Premiere. 55-minütige Doku über die nicht mehr vorhandenen nackten Tatsachen im Hollywood-Kino. Während es zu Zeiten von „Basic Instinct“ in vielen Mainstream-Filmen heiße Sexszenen gab, gibt es in aktuellen Blockbustern höchstens noch peinlich-prüden Pseudo-Sex im BH.

In Arthouse-Filmen und in europäischen Filmen ist der Umgang mit Nacktheit und Sex deutlich unverkrampfter.

Viola Löffler will herausfinden, was sich in den vergangenen dreißig Jahren veränderte.

mit Joe Eszterhas, Catherine Breillat, Ita O’Brien

Hinweis

Arte über die Doku


TV-Tipp für den 8. April: RoboCop

April 7, 2025

Nitro, 23.50

Robocop (Robocop, USA 2014)

Regie: José Padilha

Drehbuch: Joshua Zetumer

Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.

Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier

Hinweise

Moviepilot über „Robocop“

Metacritic über „Robocop“

Rotten Tomatoes über „Robocop“

Wikipedia über „Robocop“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von José Padilhas „Tropa de Elite“ (Tropa de Elite, Brasilien/USA 2007)

Meine Besprechung von José Padilhas „Robocop“ (Robocop, USA 2014)

Meine Besprechung von José Padilhas „Narcos – Die komplette erste Staffel“ (Narcos, USA 2015)

Meine Besprechung von José Padilhas „7 Tage in Entebbe“ (7 Days in Entebbe, USA/Großbritannien 2018)

 


TV-Tipp für den 7. April: Die Mörder sind unter uns

April 6, 2025

Arte, 20.15

Die Mörder sind unter uns (Deutschland 1946)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Wolfgang Staudte

„Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.

Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.

Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.

Ein historisches Dokument ist er sowieso.

„Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)

Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch

Hinweise

Filmportal über „Die Mörder sind unter uns“

Moviepilot über „Die Mörder sind unter uns“

Rotten Tomatoes über „Die Mörder sind unter uns“

Wikipedia über „Die Mörder sind unter uns“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 6. April: Clint Eastwood – Der Letzte seiner Art

April 5, 2025

Arte, 22.00

Clint Eastwood – Der letzte seiner Art (La dernière légende, Frankreich 2022)

Regie: Clélia Cohen

Drehbuch: Clélia Cohen

Ziemlich neue siebzigminütige Doku über Clint Eastwood, der „Fremde ohne Name“, der später „Erbarmungslos“ zu „Dirty Harry“ wurde.

„knappen, aber profunden Analyse“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte „Der Mann, der niemals aufgibt“. Von und mit Clint Eastwood, als Polizist, der eine Zeugin zu einer Gerichtsverhandlung bringen soll.

Danach, um 23.20 Uhr, zeigt Arte „Eastwood Symphonic: Vater und Sohn“ und die Musik einiger Eastwood-Filme

Hinweise

Arte über die Doku

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Juror #2“ (Juror #2, USA 2024)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. April: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

April 4, 2025

3sat, 20.15

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Deutschland 2018)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.

Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Moviepilot über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Wikipedia über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Führer und Verführer“ (Deutschland 2024)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Cranko“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 4. April: Verleihung des 61. Grimme-Preises

April 3, 2025

3sat, 22.25

Verleihung des 61. Grimme-Preises

Live und in Farbe: die Verleihung des wichtigsten Preises für die besten Leistungen der TV-Macher:innen in Deutschland.

Hinweise

Homepage des Grimme-Preis

Wikipedia über den Grimme-Preis


Neu im Kino/Filmkritik: Paradies gesucht, „Eden“ gefunden

April 3, 2025

1932 machen sich der 42-jährige Weltkriegsveteran und Staatsangestellte Heinz Wittmer (Daniel Brühl) mit seiner schwangeren jüngeren Ehefrau Margret (Sydney Sweeney) und seinem Sohn Harry auf den Weg zur im Galápaos-Archipel liegenden Insel Floreana.

Dort leben seit 1929 als erste Bewohne der Insel der Berliner Arzt und Schmalspurphilosoph Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an Multiple Sklerose erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch (Vanessa Kirby). Sie sind Aussteiger, die mit der Welt nichts zu tun haben wollen. Er schreibt auch an einem philosophischen Manifest. In Deutschland wurde Ritter durch seine Briefe als Aussteiger bekannt. Sein Leben abseits der Zivilisation auf einer Südseeinsel wurde zeittypisch verklärt.

Ritter und Strauch lehnen die ihre Idylle störenden Neuankömmlinge schon vor der ersten Begegnung ab. Sie weisen ihnen ein unfruchtbares Stück Land an einer Höhle zu und hoffen, dass die naiven Städter schnell aufgeben und in einigen Wochen das nächste oder übernächste regelmäßig vorbeifahrende Schiff besteigen werden. Aber die Wittmers meistern die Herausforderungen.

Als wenige Monate später die Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) mit ihrer Entourage auftaucht, verbünden sie sich – mehr oder weniger – gegen die Neuankömmlinge. Der Plan der Baronin, auf der Insel ein Luxushotel zu errichten, ist dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Zwischen März und November 1934 führen die Intrigen und Feindschaften zwischen ihnen zu einer Kette niemals vollständig geklärter Ereignisse, die mit dem Tod von drei Menschen und dem spurlosen Verschwinden von drei weiteren Menschen enden.

In seinem neuen Film „Eden“ erzählt Ron Howard diese wahre Geschichte, die in den frühen dreißiger Jahren für Schlagzeilen sorgte und seitdem mehrmals in Büchern und Filmen behandelt wurde. Es ist eine faszinierende Geschichte von Aussteigertum, Idealismus und wie deren Träume an der schnöden Realität, Dummheit und Egoismus scheitern. Ritters Utopie endet mit drei Toten und drei spurlos Verschwundenen. Die Überlebenden, die teils auf der Insel blieben, erzählten anschließend verschiedene Versionen der damaligen Ereignisse.

Ron Howard, der anfangs den Eindruck erweckt, eine möglichst nah an den historischen Fakten entlang erzählte Geschichte zu erzählen, erzählt letztendlich die damaligen Ereignisse aus der Sicht von Margret Wittmer. Sie überlebte die anderen Floreana-Aussteiger um mehrere Jahrzehnte und starb mit 95 Jahren am 21. März 2000.

Das ist jetzt nicht wirklich ein Problem des Dramas. Eher schon, dass es sich bis zum Ende nicht auf eine Erzählperspektive und Erzählhaltung festlegen will. So mäandert der Film zwischen Genres und Stilen, immer wieder mit den Frauen als treibende Kräfte, zu seinem mörderischen Ende.

Eden (Eden, USA 2025)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Noah Pink, Ron Howard

mit Jude Law, Daniel Brühl, Ana de Armas, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby, Felix Kammerer, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Paul Gleeson

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Eden“

Metacritic über „Eden“

Rotten Tomatoes über „Eden“

Wikipedia über „Eden“ (deutsch, englisch) und die wahre Geschichte (jaja, Spoiler)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Dystopie-Satire „The Assessment“

April 3, 2025

In der nahen Zukunft müssen Eltern, wenn sie ein Kind bekommen wollen, sich einer mehrtägigen Prüfung unterziehen. So soll in dieser perfekten Welt herausgefunden werden, ob sie gute Eltern wären. Für ein solches Bewertungsverfahren haben sich Mia (Elizabeth Olsen) und ihr Mann Aaryan (Himesh Patel) beworben. In den kommenden sieben Tagen soll Virginia (Alicia Vikander) sie prüfen.

Virginias Prüfungen in dem einsam gelegenem Anwesen von Mia und Aaryan bestehen nicht aus Fragebögen und langen Interviews, sondern aus Beobachtungen und mehr oder weniger absurd anmutenden Aufgaben. Virginia setzt sich beim Intimverkehr neben sie. Mit Psychospielen strapaziert sie ihre Nerven. Sie bringt sie sogar in Lebensgefahr. Im Lauf der Prüfungstage wird immer unklarer, ob diese Prüfungen zu der von der Regierung geforderten Prüfung gehören oder ob Virginia die Anwärter für eine Elternschaft einfach nur solange quälen will, bis sie etwas tun, was sie disqualifiziert.

Nach mehreren Kurzfilmen und Musikvideos ist „The Assessment“ Fleur Fortunés Spielfilmdebüt. Die Prämisse der top besetzten Filmgeschichte ist gut, aber sie nutzt das Potential der Geschichte nur halb. Auf der Plusseite ihrer SF-Satire stehen eindeutig die Idee, ihre grundsätzliche Ausführung, die drei Hauptdarsteller, die Konzentration auf einen Schauplatz und die Inszenierung.

Aber mit fast zwei Stunden Laufzeit gehört „The Assessment“ zu den Filmen, die zu lang sind. Aus der Idee hätte eine gallige neunzigminütige Satire werden können. Stattdessen wurde aus ihr ein sich im zweiten Akt bei den Prüfungen teilweise zäh hinziehendes Werk mit einem ärgerlichem Ende. Anstatt innerhalb weniger Sekunden seine Pointe zu setzten, gibt es mehrere Szenen und damit verbundene unglaubwürdige Entwicklungen und länglich-überflüssige Erklärungen. Das ist dann erschreckend mutlos.

The Assessment (The Assessment, Großbritannien/Deutschland/USA 2024)

Regie: Fleur Fortuné

Drehbuch: Mrs. & Mr. Thomas, John Donelly

mit Alicia Vikander, Elizabeth Olsen, Himesh Patel

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „The Assessment“

Moviepilot über „The Assessment“

Metacritic über „The Assessment“

Rotten Tomatoes über „The Assessment“

Wikipedia über „The Assessment“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Stiefmutter „Victoria muss weg“, mit allen Mitteln

April 3, 2025

Während Hendrik und Hedvig noch ihrer unlängst verstorbenen Mutter hinterhertrauern, hat ihr Vater schon eine neue Ehefrau gefunden. Victoria heißt sie. Sie ist eine alles mit ihrem Smartphone fotografierende Influencerin. Und sie nervt mit ihren pompösen Plänen für eine Hochzeitsfeier im Sommerhaus am See, neuen Tischsitten und Vorschriften. Ihr Vater ist inzwischen vollständig ins Lager Victoria gewechselt.

Als Victoria die beiden halbwüchsigen Geschwister auf Handy-Entzug setzt, finden sie in einem alten Comic die Lösung für ihr Victoria-Problem: Ein Auftragskiller bringt ihre neue Stiefmutter um. Dummerweise ist Carl, den sie wegen seiner Herkunft für einen erfahrenen Killer halten, kein Killer.

Trotzdem lassen die beiden verwöhnten Reichenkinder nicht ab von ihrem Plan.

Nach einem von ihnen durchgeführtem Mordanschlag, der mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt ihre geliebten Großmutter endet, beichten sie ihr ihre Pläne. Die Großmutter ist nicht empört darüber, sondern, ohne auch nur eine Anstandssekunde zu zögern, erklärt sie sich bereit, Hedvig und Hendrik bei ihrem Mordplan tatkräftig zu helfen.

So könnte eine Zusammenarbeit von Ingmar Bergman und einem Nordic-Noir-TV-Regisseur aussehen. Gunnbjörg Gunnarsdóttirs „Victoria muss weg“ ist eine herrlich respektlose, präzise und sehr stilbewusst inszenierte Schwarze Komödie, die ihre weitgehend vollkommen amoralische und unter der harmlosen Oberfläche äußerst gemeine Geschichte so harmlos zwischen skandinavischer Bullerbü-Gemütlichkeit, Spitzen gegen das vermögende Großbürgertum – vor allem die beiden Kinder Hedvig und Hendrik sind ein Ausbund von moralbefreitem „Mir stehen alle Privilegien zu“-Klassenbewusstsein – und dem gelungenem Spiel mit Klischees und Vorurteilen erzählt, dass die Komödie als Kinderfilm beworben wird. Sie lief auf mehreren Kinderfilmfestivals, wie dem SCHLINGEL-Festival, und gewann dort Preise. Beim Kristiansand International Children’s Film Festival erhielt sie den Publikumspreis. Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck gab es eine Lobende Erwähnung der Kinderjury.

Dabei ist „Victoria muss weg“, wenn man etwas genauer hinsieht, keine harmlose, kindgerechte Komödie, sondern eine auf exzessiv präsentierte Gewalt verzichtende, sich harmlos-bieder gebende Abrechnung mit der norwegischen Gesellschaft, der Klassengesellschaft und wie Menschen sich fröhlich und höflich gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Victoria muss weg (Victoria må dø, Norwegen 2024)

Regie: Gunnbjörg Gunnarsdóttir

Drehbuch: Gunnbjörg Gunnarsdóttir, Rolf-Magne G. Andersen

mit EIne Marie Wilmann, Leo Ajkic, Morten Svartveit, Agnete Haaland, Mille Sofie Rist Dalhaug, Sverre Thornam

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (vom Verleih ab 8 Jahe empfohlen)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Victoria muss weg“

Rotten Tomatoes über „Victoria muss weg“

Wikipedia über „Victoria muss weg“


TV-Tipp für den 3. April: Nur 48 Stunden

April 2, 2025

Tele 5, 20.15 (wahrscheinlich gekürzte Fassung)

Nur 48 Stunden (48 Hrs., USA 1982)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Roger Spottiswoode, Walter Hill, Larry Gross, Steven E. de Souza

Detective Jack Cates hat ’nur 48 Stunden‘ um den flüchtigen Schwerverbrecher Albert Ganz zu schnappen. Der Knacki Reggie Hammond soll ihm helfen.

Ein Klassiker. Hill verbindet das Buddy-Movie mit dem Actionfilm und landet einen Kassenhit. Nolte ist dabei der ewig schlecht gelaunte, Regeln brechende Cop und Murphy, in seinem ersten Filmauftritt, eine wahre Quasselstrippe.

„Hill erzählt diese im Grund sehr simple Geschichte ungeheuer direkt, kraftvoll und mit einer Wucht, dass die Gewalt beinahe physisch spürbar wird. Seine rasantes Schnittfolgen lassen keine Entspannung zu und treiben die Story und die gewitzten Dialoge mit Höchstdruck voran.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Danach, um 22.10 Uhr, zeigt Tele 5 die nicht so wahnsinnig überzeugende Fortsetzung „Und wieder nur 48 Stunden“ (USA 1990).

mit Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O’Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham

Wiederholung: Freitag, 4. April, 23.50 Uhr (dann könnte die ungekürzte Kinofassung laufen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nur 48 Stunden“

Wikipedia über „Nur 48 Stunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. April: James Bond 007: Casino Royale

April 1, 2025

Nitro, 20.15

James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale, USA 2006)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Die Vorlage (in der aktuell erhältlichen Ausgabe)

Ian Fleming: Casino Royale

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

240 Seiten

11,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Campbells „The Foreigner“ (The Foreigner, Großbritannien/China 2017) (mit Jackie Chan und Pierce Brosnan)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond: Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: GoldenEye“ (GoldenEye, 1995)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: KALT“ (COLD, 1996)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022) (ein Spionageroman aus der Welt von James Bond)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

Meine Besprechung von Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. April: Tatort: Der Tausch

März 31, 2025

WDR, 22.15

Tatort: Der Tausch (Deutschland 1986)

Regie: Ilse Hofmann

Drehbuch: Chiem van Houweninge, Hartmut Grund

Der erste, von aus dem arabischen Raum kommenden Terroristen durchgeführte Befreiungsversuch geht schief. Am Ende sind zwei Menschen tot und der in U-Haft sitzende Professor, den sie befreien wollten, sitzt immer noch in U-Haft. Für ihren nächsten Versuch entführen sie den Sohn von Schimanskis Freundin und erpressen den Kommissar. Ob sie jetzt erfolgreicher sind?

Ein Schimanski-Tatort.

Anschließend, um 23.40 Uhr, zeigt der WDR den Schimanski-Tatort „Unter Brüdern“ (Deutschland 1990).

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Yolande Gilot, Nicole Ansari, Rainer Matschurat, Gerhard Garbers, Dieter Eppler, Heiner Lauterbach

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über Horst Schimanski und über „Tatort: Der Tausch“

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)