TV-Tipp für den 29. September: Die Verachtung

September 28, 2022

Anlässlich des Todes von Jean-Luc Godard

RBB, 00.25

Die Verachtung (Le Mépris, Frankreich/Italien 1963)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben Paul, seine wunderschöne Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verachtung“

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Meine Besprechung von Bert Rebhandls „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ (2020)

Mein Nachruf auf Jean-Luc Godard

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Die Musikdoku „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“

September 28, 2022

Türkische Musik dürften die meisten Deutschen nur vom Besuch beim nächsten Döner kennen. Da läuft manchmal im Fernsehen türkische Musik, die sich meistens wie billigste Schlagermusik anhört. Das ist nichts, was das gesteigerte Interesse des Musikliebhabers weckt. Auch in den Charts taucht türkische Musik kaum auf.

Trotzdem gibt es in Deutschland eine türkische Musikszene, die sich in den vergangenen sechzig Jahren, seit der Ankunft der ersten türkischen Gastarbeiter aus der Türkei, parallel und abseits vom Mainstream entwickelte. Zunächst weil die Gastarbeiter einige Jahre hier arbeiten und dann wieder zurück in ihre Heimat zu ihren Familien wollten. Ihre Arbeitgeber sahen das ähnlich. Später spielten sie primär für ein türkisches Publikum. Erst seit den Neunzigern veränderte sich das.

In seiner Doku „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ porträtiert Cem Kaya („Remake, Remix, Rip-Off“) mit oft bislang unbekannten Originalaufnahmen, Aufnahmen aus den TV-Archiven und aktuellen Interviews die in Deutschland existierende türkische Musikszene und wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. Das geschieht in drei Erzählblöcken. Im ersten Block geht es um die Anfänge. Damals spielten Gastarbeiter für andere Gastarbeiter. Zunächst spielten die Musiker Volkslieder; später auch Eigenkompositionen, die sich mit ihrem Leben in Deutschland beschäftigten. Viele ihrer Stücke erschienen auf dem zunächst in Köln ansässigem Label „Türküola“, das türksiche Musik für in Deutschland lebende Türken produzierte und an den Orten verkaufte, an denen Türken einkaufen gingen. In Schallplattenläden waren sie normalerweise nicht zu finden.

Cem Karaca und die Kanaken“ war einer der wenigen Musiker, der 1984 auch eine LP mit auf Deutsch gesungenen Rocksongs aufnahm. Damals war er ein in der Türkei und Deutschland erfolgreicher Musiker, der Probleme mit der türkischen Regierung hatte und seit 1979 in Deutschland im Exil lebte. Nach seiner Rückkehr in die Türkei, setzte hier niemand sein Werk fort.

Vor allem in den Achtzigern spielten türkische Bands auf Hochzeiten. Dort verdienten sie viel Geld. Und, wie schon die erste Generation türkischer Musiker, interessierten sie sich nicht für ein deutschsprachiges Publikum; – falls dieses überhaupt türkische Musik gekauft hätte.

Im dritten und letzten Erzählblock beschäftigt Kaya sich mit den Entwicklungen ab den Neunzigern. Türkischstämmige, in Deutschland geborene Jugendliche rappten über ihr Leben in Deutschland. Im Gegensatz zu ihren Eltern und Großeltern begriffen sie sich als Teil der deutschen Gesellschaft. Die 1992 Debütsingle „Fremd im eigenen Land“ von Advanced Chemistry brachte das Gefühl auf den Punkt.

Das alles erzählt Kaya in straffen hundert Minuten. Da wird vieles nur kurz angesprochen oder fehlt ganz. Aber das ist nicht schlimm. In künftigen Filmen können dann einzelne Aspekte, über die man nach dem Film mehr wissen möchte, vertieft und Lücken geschlossen werden. Diese Doku war niemals als ein alles umfassender und abschließend erklärender Film geplant. Sie ist ein erster Aufschlag. In dem Film arbeitet Kaya gelungen wichtige Entwicklungen heraus und verknüpft sie überzeugend mit der Geschichte der türkischen Gastarbeiter, die ungeplant zu Einwanderern wurden.

Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ ist ein fulminanter Überblick über sechzig Jahre Musik- und Integrationsgeschichte, die fast nie von der deutschsprachigen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Das dürfte sich jetzt ändern.

Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod (Deutschland 2022)

Regie: Cem Kaya

Drehbuch: Cem Kaya, Mehmet Akif Büyükatalay

mit İsmet Topçu, Ömer Boral, Yüksel Ergin, İhsan Ergin, Metin Türköz, Adnan Türköz, Yüksel Özkasap, Cevdet Yıldırım, Ercan Demirel, Cavidan Ünal, Ata Canani, Betin Güneş, Aykut Şahin, Fehiman Uğurdemir, Cengiz Öztunç, Dede Deli, Mustafa Çetinol, Erdal Karayağız, İzzet Nihat Yarsaloğlu, Hatay Engin, Yasin Kıran, Aytaç Kıran, Serdar Saydan, Serkan Kaynarcalı, Rüştü Elmas, Mustafa Deniz, Oktay Vural, Orhan Amuroğlu, Ümit Gücüyener, Sultan Korkmaz, Bekir Karaoğlan, Ümit Çağlar, Ali Ekber Aydoğan, Killa Hakan, Kabus Kerim, Derya Yıldırım, Tümay Koyuncuoğlu, Rossi Pennino, Kutlu Yurtseven, Erci Ergün aka Erci E., Alper Ağa, Boe B., Tahir Çevik aka Tachi, Volkan Türeli, Nellie, Muhabbet, Aziza A., İmran Ayata, Bülent Kullukcu, Ibrahim Ertalay, Ilkay Kökel, Mehmet Yozgut

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“

Moviepilot über „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“

Wikipedia über „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“

Berlinale über „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“

Cem Kaya auf der Berlinale

Cem Kaya bei einem Filmgespräch in Nürnberg


TV-Tipp für den 28. September: Kleine Germanen

September 27, 2022

Arte, 20.15

Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene (Deutschland 2019)

Regie: Frank Geiger, Mohammad Farokhmanesh

Drehbuch: Frank Geiger, Mohammad Farokhmanesh, Armin Hofmann

Sehenswerter, zum Nachdenken anregender Dokumentarfilm über Kindheiten in der rechten Szene mit Trickszenen (die eine wahre Geschichte nacherzählen), Expertenstatements (u. a. von Bernd Wagner, Gudrun Heinrich und Michaela Köttig) und Gesprächen mit Rechten, wie Sigrid Schüßler und Götz Kubitschek, die darüber reden, wie ihre Kindheit war und wie sie ihre Kinder erziehen.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kleine Germanen“

Moviepilot über „Kleine Germanen“

Wikipedia über „Kleine Germanen“


DVD-Kritik: Die Herren Mark Neveldine, Cole Hauser und Mel Gibson besuchen „Panama“

September 27, 2022

Auf dem Papier sieht das vielversprechend aus: Mel Gibson und Cole Hauser (u. a. die TV-Serien „Rogue“ und „Yellowstone“) in den Hauptrollen. Mark Neveldine als Regisseur.

Auch die Story könnte in einer Mischung aus Polit-Thriller und Actionthriller für einen gelungenen Film sorgen.

1989, wenige Tage vor der US-Invasion, die zum Sturz von Diktator Manuel Noriega führte, wird Ex-Marine James Becker (Cole Hauser) nach Panama geschickt. Der CIA-Mann Stark (Mel Gibson) will, dass Becker unter falscher Identität Noriega einen sowjetischen Kampfhubschrauber abkauft und an die Contras verkauft. Der Hubschrauber soll dann in einem Attentat auf Noriega eine entscheidende Rolle spielen

Schnell gerät Becker zwischen alle Fronten.

Panama“ ist ein ziemliches Desaster, das in vierzehn Tagen in Puerto Rico gedreht wurde. Mel Gibson wurde nur engagiert, damit sein Name groß auf das Plakat geschrieben werden kann. Im Film ist er ist nur wenige Minuten zu sehen. Die meiste Zeit sitzt er allein telefonierend an einem Tisch. Trotzdem ist sein Charisma immer noch spürbar.

Neveldine, der zusammen mit Brian Taylor „Crank“, „Crank 2: High Voltage“, „Gamer“ und „Ghost Rider: Spirit of Vengeance“ inszenierte, schließt an sein Solo-Regiedebüt, den vergessenswerten Exorzismusfilm „The Vatican Tapes“, an. Dieses Mal mit einem in billigster Videooptik gedrehtem Werk, bei dem die blassen Farben und merkwürdigen Bildausschnitte kaum von den lahmen Dialogen ablenken. Die Story selbst ist in der Tradition billiger Actionfilme aus den Siebzigern und Achtzigern zusammengeklaubt. Für die historischen Hintergründe, die kurz angedeutet werden, interessierten die Macher sich nicht.

Panama – The Revolution is heating up (Panama, USA/Großbritannien 2022)

Regie: Mark Neveldine

Drehbuch: William Barber, Daniel Adams (nach einer Geschichte von William Barber)

mit Cole Hauser, Mel Gibson, Mauricio Henao, Kiara Liz, Charlie Weber, Kate Katzman

Blu-ray

EuroVideo

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Panama“

Metacritic über „Panama“

Rotten Tomatoes über „Panama“

Wikipedia über „Panama“

Meine Besprechung von Mark Neveldines „The Vatican Tapes“ (The Vatican Tapes, USA 2015)


TV-Tipp für den 27. September: Tatort: Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer

September 26, 2022

WDR, 23.45

Tatort: Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer (Deutschland 1972)

Regie: Michael Verhoeven

Drehbuch: Wolfgang Menge

Zollfahnder Kressin sucht einen verschwundenen gelben Koffer, in dem Unterlagen über schmutzige Waffendeals sind. Für den Koffer interessiert sich auch der Gentleman-Gangster Sievers, ein alter Bekannter von Kressin.

Damals war Zollfahnder Kressin so etwas wie die deutsche TV-Ausgabe von James Bond. Heute sind die Abenteuer des Jungen mit der lockeren Dienstauffassung immer noch vergnüglich.

Kressin durfte zwischen 1971 und 1973 sieben Mal ermitteln. Vier der Drehbücher sind von Wolfgang Menge. Er schrieb die besten Kressin-Tatorte. Und dann gibt es noch, vollkommen außer Konkurrenz, Sam Fullers durchgeknallten Kressin-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“, in dem Fuller den Zollfahnder schnell aus der Handlung verabschiedet und einen aus den USA kommenden Privatdetektiv ermitteln lässt.

mit Sieghardt Rupp, Ivan Desny, Paul Verhoeven, Günther Stoll, Friedrich von Thun, Friedrich Nowottny, Ernst Dieter Lueg, Fritz Eckhardt

Hinweise

Tatort-Fundus über Zollfahnder Kressin

Wikipedia über Zollfahnder Kressin und diesen Fall


TV-Tipp für den 26. September: Supermarkt

September 25, 2022

NDR, 23.25

Supermarkt (Deutschland 1974)

Regie: Roland Klick

Drehbuch: Roland Klick, Georg Althammer (Mitarbeit), Jane Sperr (Mitarbeit)

Der 18-jährige Willi driftet durch Hamburg. Um die Hure Monika zu retten, will er den Geldtransporter eines Supermarkts zu überfallen.

Ein deutscher Gangsterfilm, der damals von der Kritik gelobt und vom Publikum ignoriert wurde. Heute ein Kultfilm und Klassiker des deutschen Film.

„Fest steht dass Klick hier unbewusst einige wichtige Komponenten des Neuen Deutschen Films vorweggenommen hat: Jugendkriminalität, die Großstadt als Dschungel und die Entstehung von Gewalt im thematischen Bereich, glaubhafter Realismus und geradliniges Erzählkino im formalen.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 – 1980, 1981)

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich begeistert, denn „Supermarkt“ war originäres Kino, das bis auf die Drehorte nichts mit anderen deutschen Filmen gemein hatte.

Der Titelsong „Celebration“ wird von Marius Müller-Westernhagen als Marius West gesungen; die Musik ist von Udo Lindenberg. Und Jost Vacano (Das Boot, Robocop, Total Recall) war der Kameramann.

mit Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Witta Pohl, Alfred Edel

Hinweise

Homepage von Roland Klick

Wikipedia über Roland Klick und „Supermarkt“

Filmzentrale: Andreas Thomas über „Supermarkt“

 


TV-Tipp für den 25. September: Jean Seberg – Against all Enemies

September 24, 2022

Servus TV, 20.15

Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, USA 2019)

Regie: Benedict Andrews

Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse

1968 trifft die Schauspielerin Jean Seberg („Außer Atem“) den Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal. Sie verlieben sich. Sie werden vom FBI beobachtet, das eine Rufmordkampagne gegen sie startet.

TV-Premiere. Biopic mit einer gewohnt überzeugenden Kristen Stewart in der Hauptrolle, das ziemlich schnell zu einem mutlosen Film über die Gewissenskonflikte eines fiktiven FBI-Agenten wird. Da wäre mehr möglich gewesen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Anthony Mackie, Vince Vaughn

Wiederholung: Montag, 26. September, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Metacritic über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Rotten Tomatoes über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Wikipedia über „Jean Seberg – Against all Enemies“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Benedict Andrews‘ „Jean Seberg – Against all Enemies“ (Seberg, USA 2019)


TV-Tipp für den 24. September: Aus der Mitte entspringt ein Fluss

September 23, 2022

Servus TV, 20.15

Aus der Mitte entspringt ein Fluss (A River runs through it, USA 1992)

Regie: Robert Redford

Drehbuch: Richard Friedenberg

LV: Norman MacLean: A River runs through it, 1976 (Aus der Mitte entspringt ein Fluss)

In poetischen Bildern (Philippe Rousselot erhielt dafür einen Oscar) erzählt Robert Redford in seiner dritten Regiearbeit die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die in Montana vor ungefähr hundert Jahren aufwachsen und von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, zu passionierten Fliegenfischen erzogen werden. Dabei steht das Fliegenfischen für eine bestimmte Geisteshaltung.

„Ein Plädoyer für eine natürliche Ordnung und eine Abkehr von materieller Raffgier. Ein schöner Gegenentwurf zur inhaltsleeren Konsumware Hollywoods.“ (Fischer Film Almanach 1994). Inszeniert von einem Hollywood-Star, mit einem Hollywood-Star am Anfang seiner Karriere in der Hauptrolle.

mit Brad Pitt, Craig Sheffer, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd

Wiederholung: Sonntag, 25. September, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“

Wikpedia über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: François Ozon interpretiert Rainer Werner Fassbinder in „Peter von Kant“

September 23, 2022

Dass François Ozon ein großer Bewunderer von Rainer Werner Fassbinder ist, dürfte bekannt sein. Bereits 2000 verfilmte er „Tropfen auf heiße Steine“, ein erst posthum aufgeführtes Theaterstück von Fassbinder. Jetzt nahm Ozon sich ein anderes Stück von Fassbinder vor, nämlich „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Das Theaterstück wurde 1971 von Peer Raben für die vierte Experimenta inszeniert. Ein Jahr später verfilmte Fassbinder in zehn Drehtagen sein Stück. Es spielt in der wie eine Theaterbühne wirkenden Wohnung von Petra von Kant (Margit Carstensen). Sie ist eine Modeschöpferin, die den Zenit ihrer Karriere hinter sich hat. Vorne und hinten lässt sie sich von Marlene (Irm Hermann) bedienen.

Als Petra von Kant Karin Thimm (Hanna Schygulla) kennen lernt, verliebt sie sich in sie.

In seiner Verfilmung betont Fassbinder das Theaterhafte. Er erzählt eine deprimierende Geschichte von toxischen Beziehungen unter Frauen. Der Film ist, aus heutiger Sicht, eines von Fassbinders Schlüsselwerken und damit einer der Filme, die zuverlässig in jeder Liste der wichtigsten Werke von Fassbinder auftauchen.

Zum fünfzigsten Geburtstag des Films interpretiert Ozon das Stück neu, und wie der Titel „Peter von Kant“ und der auf dem Plakat prominent platzierte Hinweis „frei nach“ verraten, veränderte er einiges. Zum Beispiel die Geschlechter der Figuren. Außerdem kürzte er das Stück. Fassbinders Film dauert über zwei Stunden. Ozons Neuinterpretation keine neunzig Minuten. Und es gibt zahlreiche Anspielungen auf Rainer Werner Fassbinder, seine Person, sein Umfeld und sein Werk.

Dabei hat Ozon kein Enthüllungswerk gedreht.

Schon für Fassbinders Zeitgenossen dürfte offensichtlich gewesen sein, dass das Stück und die dort gezeigten Beziehungen autobiographisch sind. Nur dass Fassbinder aus einer männlichen Diva eine weibliche Diva machte. Ozon macht das wieder rückgängig. Schockierend ist das nicht. Schließlich hat sich Gesellschaft in den vergangenen fünfzig Jahren gewandelt. Da ist eine Liebesgeschichte unter Männern nicht mehr schockierend oder irgendwie Aufsehen erregend. Gleichzeitig wissen wir heute, auch weil alle, die damals mit Fassbinder zusammen arbeiteten, öffentlich über die Arbeit sprachen, viel mehr über das Leben und die Strukturen in der Fassbinder-Familie.

Insofern zeigt Ozon nur, was schon im Original deutlich erkennbar war.

Und natürlich kann durch den Geschlechtertausch viel gefassbindert werden. Mal mehr, mal weniger offensichtlich.

Denis Ménochet, der Peter von Kant spielt, versinkt förmlich in der Rolle der aus dem Leim geratenen, sich selbst gefallenden und bemitleidenden männlichen Diva. In der einen Sekunde ist er ein großspurig auftretender Regisseur, der mit dem Telefon die Welt regiert, im nächsten Moment ein im Selbstmitgleid ertrinkender Tropf und, wenige Sekunden später ein hoffnungslos in einen anderen Mann verliebter Mann. Er zeigt seine Gefühle mit fast schon boulevardesker Offenheit. Er steht im Mittelpunkt, genießt es und will doch ständig bestätigt und umhütet werden. Ménochet spielt diesen Peter von Kant in jeder Sekunde glaubhaft und so, dass wir immer den Menschen hinter all seinen Posen und Manipulationen erkennen.

Neben ihm steht Stefan Crépon zunehmend im Zentrum der Aufmerksamkeit des Zuschauers. Er spielt Karl, den Diener von Peter von Kant. Schweigend erfüllt er die Wünsche seines Chefs und erträgt stoisch seine Launen und ständigen Stimmungsumschwünge. Er sagt kein Wort. Er ist immer im Hintergrund da und er kommentiert stumm das Geschehen.

Khalil Gharbia spielt Amir Ben Salem, das Objekt der Begierde. Isabelle Adjani Peter von Kants vermögende Freundin und ehemalige Muse, den Filmstar Sidonie von Gassenab. Sie stellt ihm Amir vor. Und Hanna Schygulla ist als Peter von Kants Mutter dabei.

Ozon inszeniert seine Version der „bitteren Tränen der Petra von Kant“, wie schon Fassbinder, betont theaterhaft, mit vielen Fassbinder-Anspielungen und zum Lachen reizenden Stellen.

Peter von Kant (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon

LV: Rainer Werner Fassbinder: Die bitteren Tränen der Petra von Kant, 1971

mit Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Khalil Gharbia, Hanna Schygulla, Stefan Crépon, Aminthe Audiard

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Peter von Kant“

AlloCiné über „Peter von Kant“

Metacritic über „Peter von Kant“

Rotten Tomatoes über „Peter von Kant“

Wikipedia über „Peter von Kant“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über die Dörte-Hansen-Verfilmung „Mittagsstunde“

September 23, 2022

Ingwer Feddersen kehrt zurück in sein Heimatdorf Brinkebüll. An der Universität hat ‚de Jung‘ sich ein Freisemester genommen. In den nächsten Monaten will der seit Ewigkeiten in Kiel in einer Dreier-WG lebende Professor für Ur- und Frühgeschichte sich um seine Eltern kümmern. Sie brauchen zunehmend Hilfe. Auch wenn Ingwers über neunzigjähriger Vater, Sönke, das nicht akzeptieren will. Er kehrte erst nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurück und führt seitdem den Dorfgasthof. Ingwers Mutter, Ella, ist dagegen schon so dement, dass sie davon fast nichts mehr mitbekommt. Sie lebt schon zu einem großen Teil in der Vergangenheit – und auch für den fünfzigjährigen Ingwer werden die Monate, die er mit seinen Eltern verbringt, zu einer Lebensbilanz und Erinnerung an seine Jugend und die Nachkriegsgeschichte des Dorfes.

Dörte Hansen erzählt in ihrem von der Kritik hochgelobtem Bestseller „Mittagsstunde“ diese Geschichte, indem sie ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt. Das liest sich gut, ist aber kaum verfilmbar.

Regisseur Lars Jessen und Drehbuchautorin Catharina Junk unternahmen das Wagnis – mit einem zwiespältigem Ergebnis. Auch sie wechseln bruchlos zwischen den Jahrzehnten. Langsam entsteht so eine Geschichte der Familie Feddersen, des fiktiven und daher archetypischen nordfriesischen Dorfes Brinkebüll und den Veränderungen des Landlebens zwischen den Sechzigern und der Gegenwart. Dabei, und hier kommen wir zu einem der großen Probleme des Films, ist die Orientierung zwischen den verschiedenen Zeitebenen schwierig. Jessen blendet nur in den ersten Minuten die Jahrezahlen ein. Danach nicht mehr. Weil sich in einem Dorf aber alles nur langsam verändert und es eine durchaus wohltuende Ignoranz gegenüber schnelllebigen großstädtischen Modeerscheinungen gibt, ist der Unterschied zwischen den Sechzigern, den Siebzigern, den Achtzigern und sogar der Gegenwart kaum erkennbar. Die Inneneinrichtung der Wirtschaft verändert sich kaum. Das Haus der Feddersens noch weniger. Die Kleidung der Dorfbewohner ist vor allem funktional. Und auch Autos geben nur eine grobe Orientierung.

Das zweite Problem ist, dass wir die Figuren als junge, mittelalte und alte Menschen kennen lernen. Aber es ist oft kaum ersichtlich, wer wer ist. Während im Buch immer Ingwer steht und er mal Fünf, mal Fünfzig ist, wird er im Film von einem Kind und einem vollkommen anders aussehendem Erwachsenem gespielt.

Bei jedem Zeitsprung muss daher überlegt werden, wann die Szene spielt und wer zu sehen ist. Entsprechend schwierig ist es, eine emotionale Verbindung zu den verschiedenen Figuren aufzubauen.

Das alles erschwert die Orientierung in dem konventionell erzähltem Film, der – so mein Eindruck vor der Lektüre des Romans – seiner Vorlage zu sklavisch folgt. Nach der Lektüre des Romans weiß ich, dass Junk und Jessen viel veränderten. Aber nicht genug. Ein Voice-Over, und damit auch die Entscheidung für eine Erzählperspektive, hätte sicher einige Probleme beseitigt. Und den Heimatroman von einem sich über mehrere Generationen und Figuren erstreckenden Dorfchronik zur Geschichte einer Figur und der Jahre, die er bewusst erlebte, gemacht. Eine andere Möglichkeit wäre eine experimentellere Gestaltung gewesen mit Texteinblendungen, Freeze Frames, Voice-Over oder auch dass die erwachsenen Schauspieler in ihren Erinnerungen sich selbst spielen oder in der Szene die Szene kommentieren. Auch darauf wurde zugunsten einer konventionellen, für ein breites Publikum einfach goutierbaren Erzählung verzichtet.

So ist „Mittagsstunde“ eine biedere Literaturverfilmung. Weil Jessen – und auch schon Hansen in ihrem Roman – die Geschichte der Familie Feddersen und des Dorfes nordisch unterkühlt erzählen, bleibt es angenehm frei von verlogenen „Früher war alles besser“-Sentimentalitäten.

Mittagsstunde (Deutschland 2022)

Regie: Lars Jessen

Drehbuch: Catharina Junk

LV: Dörte Hansen: Mittagsstunde, 2018

mit Charly Hübner, Lennard Conrad, Peter Franke, Rainer Bock, Hildegard Schmahl, Gabriela Maria Schmeide, Gro Swantje Kohlhof, Julika Jenkins, Nicki von Tempelhoff, Jan Georg Schütte

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Jessen drehte den Film parallel in einer plattdeutschen und einer hochdeutschen Fassung. Ich habe die plattdeutsche Fassung gesehen und, auch ohne die andere Fassung zu kennen, ist das die Fassung, in der der Film gesehen werden sollte.

Die Vorlage

Mittagsstunde von Doerte Hansen

Dörte Hansen: Mittagsstunde

Penguin Verlag, 2021

336 Seiten

12 Euro

Erstausgabe (Hardcover)

Penguin Verlag, 2018

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mittagsstunde“

Moviepilot über „Mittagsstunde“

Wikipedia über Dörte Hansen

Perlentaucher über „Mittagsstunde“


TV-Tipp für den 23. September: Easy Rider

September 22, 2022

ZDFneo, 22.00

Easy Rider (Easy Rider, USA 1969)

Regie: Dennis Hopper

Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern

Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New-Hollywood-Kino. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:

„Ich habe den Film noch nie gesehen.“

„Wirklich?“

„Nüchtern.“

Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.

Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.

„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.

Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)

mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Easy Rider“

Wikipedia über „Easy Rider“ (deutsch, englisch)

Filmsite (Tim Dirks) über „Easy Rider“

Meine Besprechung von Dennis Hoppers „The last Movie“ (The last Movie, USA 1971)

Kriminalakte: Nachruf auf Dennis Hopper


TV-Tipp für den 22. September: Sin City

September 21, 2022

Tele 5, 22.15

Sin City (Sin City, USA 2005)

Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino (special guest director)

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt. Ein Fest für Noir- und Comicfans.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Samstag, 24. September, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Sin City“

Rotten Tomatoes über „Sin City“

Wikipedia über „Sin City“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Alita: Battle Angel“ (Alita: Battle Angel, USA 2019)

Blog/Homepage von Frank Miller

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers “Holy Terror” (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/David Mazzucchelli/Richmond Lewis‘ „Batman – Das erste Jahr“ (Batman # 404 – 407, 1987)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018)


TV-Tipp für den 21. September: Million Dollar Baby

September 20, 2022

Kabel 1, 20.15

Million Dollar Baby (Million Dollar Baby, USA 2004)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Paul Haggis

LV: F. X. Toole: Million Dollar Baby (Kurzgeschichte, erschienen in „Rope Burns“, 2000, Neuauflage zum Filmstart unter „Million Dollar Baby – Stories from the Corner“)

Jetzt ist es endlich soweit. Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ ist der TV-Tagestipp. Denn aus vollkommen schleierhaften Gründen gelang es mir in den vergangenen Jahren immer wieder, wenn dieser Film lief, einen anderen Film zum Tagestipp zu machen.

Sie ist zu alt für eine Boxkarriere und eine Frau. Das sind für den erfahrenen Boxcoach Frankie Dunn (Clint Eastwood) zwei gute Gründe, Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) nicht zu trainieren. Aber die Kellnerin ist hartnäckig. Frankie traniert sie dann doch. Sie siegt. Bis ein Schlag im Boxring alles verändert.

Einer von Clint Eastwoods besten Filmen.

Mit Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman, Jay Baruchel, Mike Colter, Lucia Rijker, Anthony Mackie, Michael Peña

Wiederholung: Donnerstag, 22. September, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Million Dollar Baby“

Wikipedia über „Million Dollar Baby“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. September: Zwei rechnen ab

September 19, 2022

Servus TV, 22.15

Zwei rechnen ab (Gunfight at the O. K. Corral, USA 1957)

Regie: John Sturges

Drehbuch: Leon Uris (nach dem Zeitschriftenartikel von George Scullin)

Immer wieder gern gesehener Westernklassiker über US-Marshal Wyatt Earp (Burt Lancaster), Doc Holliday (Kirk Douglas) und die legendäre Schießerei am O. K. Corral.

mit Burt Lancaster, Kirk Douglas, Rhonda Fleming, Jo Van Fleet, John Ireland, Frank Faylen, George Matthews, Earl Holliman, Dennis Hopper, DeForest Kelley, Lee Van Cleef

Wiederholung: Mittwoch, 21. September, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zwei rechnen ab“

Wikipedia über „Zwei rechnen ab“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Sturges‘ „Die 5 Geächteten“ (Hour of the Gun, USA 1967)

John Sturges in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. September: Bis dann, mein Sohn

September 18, 2022

Arte, 21.45

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang, Volksrepublik China 2019)

Regie: Wang Xiaoshuai

Drehbuch: A Mei, Wang Xiaoshuai

TV-Premiere. Dreistündiges, drei Jahrzehnte umspannendes, nicht chronologisch erzähltes Epos, das von zwei normalen Familien und ihrem Leben in einem sich ab den frühen Achtzigernrapide wandelndem China erzählt.

Wang Xiaoshuai („Beijing Bicycle“) erzählt das mit großem Atem und mit vielen Andeutungen, die wahrscheinlich nur für Chinesen verständlich sind. Ich empfand am Ende des Films jedenfalls mehr Bewunderung für alle möglichen Aspekte das Films als Begeisterung für das gesamte Werk.

Auf der Berlinale erhielten Yong Mei als beste Darstellerin und Wang Jingchun als bester Darsteller einen Silbernen Bären.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Wang Jingchun, Yong Mei, Qi Xi, Wang Yuan, Du Jiang, Ai Liya, Xu Cheng, Li Jingjing, Zhao Yanguozhang

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Bis dann, mein Sohn“

Metacritic über „Bis dann, mein Sohn“

Rotten Tomatoes über „Bis dann, mein Sohn“

Wikipedia über „Bis dann, mein Sohn“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Bis dann, mein Sohn“

Mein Besprechung von Wang Xiaoshuais „Bis dann, mein Sohn“ (Di jiu tian chang, Volksrepublik China 2019)


TV-Tipp für den 18. September: Wir

September 17, 2022

RTL II, 22.30

Wir (Us, USA 2019)

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

Als die Wilsons einige bedrohlich wirkende Menschen in der Einfahrt zu ihrem Haus stehen sehen, wird ihr Urlaub zu einem Horrortrip. Denn diese sich seltsam bewegenden Wesen in roten Overalls sind ihre Ebenbilder – und sie wollen sie umbringen.

TV-Premiere. „Get out“ Jordan Peeles zweiter Film: nicht so gut wie sein grandioses Debüt. Starke Bilder, starke Szenen, aber mit massiven Schwächen in der Geschichte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lupita Nyong’o, Winston Duke, Shahidi Wright Joseph, Evan Alex, Elisabeth Moss, Tim Heidecker

Hinweise

Moviepilot über „Wir“

Metacritic über „Wir“

Rotten Tomatoes über „Wir“

Wikipedia über „Wir“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jorda Peeles „Get out“ (Get out, USA 2017)

Meine Besprechung von Jordan Peeles „Wir“ (Us, USA 2019)

Meine Besprechung von Jordan Peeles „Nope“ (Nope, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Küchenbrigade“ im Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

September 17, 2022

Cathy Marie (Audrey Lamy) hat genug von ihrer Chefin. Die betreibt ein nobles Sterne-Restaurant, hat im Fernsehen eine erfolgreiche Kochshow und einen Kontrollfetisch. In ihrem Restaurant werden nur ihre Kreationen in der von ihr gewünschten Zubereitung hergestellt. Cathy bereitet es anders zu und wird dafür von ihrer Chefin heruntergeputzt. Verärgert kündigt sie. Die Vierzigjährige denkt sich, dass sie mit ihrem Lebenslauf schnell in einem anderen Nobelrestaurant angestellt wird.

Dem ist nicht so. Fast schon verzweifelt bewirbt sie sich auf eine Anzeige, die, wie sie schon beim ersten Blick auf das heruntergekommene, abseits gelegene Gebäude feststellt, etwas blumig formuliert wurde. Die angekündigte Küche ist nicht etwas, sondern weit unter ihrem Niveau. Angesichts ihrer hoffnungslosen Lage nimmt sie die Stelle als Kantinenköchin in einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge trotzdem an.

Schockiert bemerkt sie an ihrem ersten Tag, dass die Zubereitung des Essens hier aus dem Erhitzen von vorgefertigten Zutaten besteht. Das wird sie ändern. Auch wenn ihr der Leiter des Hauses erklärt, für ein besseres Essen reiche das Geld nicht und die Jugendlichen seien zufrieden mit der Dosenravioli, solange sie warm ist und pünktlich auf dem Tisch steht.

Die Küchenbrigade“ ist der neue Film von Louis-Julien Petit. Sein letzter Film war das warmherzige, äußerst gelungene Drama „Der Glanz der Unsichtbaren“ über eine von der Schließung bedrohte Tagesstätte für obdachlose Frauen.

Dieses Mal stehen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Mittelpunkt des Films. Wenn sie nicht vor ihrem 18. Geburtstag eine Ausbildung beginnen, werden sie abgeschoben. Diese Flüchtlinge werden, wie die Frauen im „Glanz der Unsichtbaren“, von Laien gespielt, die sich letztendliche selbst spielen.

Trotz all der Probleme, die die Figuren in dem Film haben, und die auch angesprochen werden, erzählt Petit die Geschichte als Feelgood-Movie mit einer begrüßenswerten Botschaft.

Das Problem des Films ist nur, wie sie hier präsentiert wird. Deshalb ist „Die Küchenbrigade“ eine Sozialkomödie, die nicht so gelungen wie sein vorheriger Film ist.

Natürlich muss in einem Film einiges verdichtet und zugespitzt werden. So ist das Essen in dem Heim überirdisch schlecht. Es gibt sehr wenig, eigentlich überhaupt kein Personal. Das Haus ist riesig, aber nur wenige Zimmer werden bewohnt. Das alles muss man im Rahmen der Konventionen eines humoristischen Feelgood-Dramas hinnehmen. Ebenso dass alle sehr schnell bei der im zwischenmenschlichen Umgang schwierigen Cathy Kochen auf höchstem Niveau lernen wollen.

Ärgerlich wird es am Ende des Film. Sobald Cathy sich um einen Auftritt in der Kochshow ihrer früheren Chefin bewirt, wird die Geschichte unglaubwürdig. Das live ausgestrahlte Finale der Kochshow, in der Cathy zu den Finalisten gehört, ist eine einzige Abfolge unplausibler und nur scheinbar überraschender Wendungen. Dieser Teil wirkt, als habe das Team einer Daily-Soap die Macht am Set übernommen.

Die Küchenbrigade“ gehört, mit Lamby und Cluzet in den Hauptrollen, zum sozial bewusstem französischem Starkino. Öfter wirkt es so, als würde das Schicksal der Flüchtlinge für den Film ausgebeutet. Sie dürfen irgendwann im Film kurz aus ihrem Leben erzählen, aber im Mittelpunkt steht die biestige Cathy mit ihren Problemen. Und das Finale folgt der sich nicht um Realismus kümmernden Dramaturgie schlechter US-amerikanischer Feelgood-Movies.

Die Küchenbrigade (La brigade, Frankreich 2022)

Regie: Louis-Julien Petit

Drehbuch: Louis-Julien Petit, Liza Benguigui-Duquesne, Sophie Bensadoun, Thomas Pujol (in Zusammenarbeit mit) (nach einer Idee von Sophie Bensadoun)

mit Audrey Lamy, François Cluzet, Chantal Neuwirth, Fatou Kaba, Yannick Kalombo

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Küchenbrigade“

AlloCiné über „Die Küchenbrigade“

Rotten Tomatoes über „Die Küchenbrigade“

Wikipedia über „Die Küchenbrigade“ (deutschfranzösisch)

Meine Besprechung von Louis-Julien Petits „Der Glanz der Unsichtbaren“ (Les Invisibles, Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 17. September: High-Rise

September 16, 2022

3sat, 23.45

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

Der Neurophysiologe Dr. Robert Laing zieht in ein am Stadtrand von London liegendes modernes Hochhaus. Als er seine Mitbewohner kennenlernt, bemerkt er die Klassengesellschaft im Haus, die Konflikte zwischen den Stockwerken und ihre dekadente Vergnügungssucht.

Sehr düstere Satire auf die Gesellschaft und den Kapitalismus, toll besetzt, glänzend und sehr stilbewusst inszeniert von Ben Wheatley.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage, die in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis stehen.

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

Hinweise

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Dokumentarfilm „Europa Passage“

September 16, 2022

Wer sind die Bettler, die in Großstädten in Unterführungen und Eingängen von Einkaufspassagen sitzen und an denen wir meistens vorbeigehen?

Andrei Schwartz hat einige dieser Bettler über mehrere Jahre beobachtet und auch in ihr Heimatdorf Namaiesti in Rumänien begleitet. Es ist ein Dorf, in dem die Moderne noch lange nicht angekommen ist und in dem, so scheint es im Film „Europa Passage“, alle von minimalen staatlichen Leistungen und dem Betteln leben. Die Dorfbewohner können nicht lesen und schreiben. Sie können deshalb nur schlecht bezahlte Hilfsarbeiten annehmen, für die man nicht lesen und nichts aufschreiben muss. Stehlen wollen sie nicht. Also bleibt nur noch das Betteln. Sie tun es in Hamburg. Immer einige Wochen oder Monate. Dann kehren sie zurück nach Namaiesti. Und eine Monate später reisen wie wieder nach Hamburg.

Es ist ein Kreislauf, der gegen Ende von Schwartz‘ Hauptprotagonisten Mariana und Ion Luca durchbrochen wird. Er hat eine Arbeit gefunden, die er länger ausüben will. Sie bettelt weiter, weil sie sonst nichts zu tun hat. Sie holen ihre Enkelin nach Hamburg. Sie soll zur Schule gehen

Schwartz wurde 1955 in Bukarest geboren. Seit 1973 lebt der Rumäne in Deutschland. In seinen mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Dokumentarfilmen beschäftigt er sich immer wieder mit Rumänien, dem Leben in Rumänien und dem Leben von Rumänen in Deutschland.

Für seinen neuen Film begleitete er die aus Namaiesti kommenden Roma über fünf Jahre. Aus dem Material montierte er einen chronologisch erzählten, weitgehend ruhig beobachtenden Dokumentarfilm. Es gibt nämlich auch längere Gespräche mit ihnen, in denen sie über sich, ihr Leben und ihre Hoffnungen reden. Er lässt sie zu Wort kommen, verleiht ihnen eine Stimme und hört ihnen geduldig zu.

Mit zunehmender Laufzeit ist dieser klare und unkommentierte Fokus auf diese Romafamilien eine störende Limitierung. Wir erfahren nämlich nicht, warum das Dorf so arm ist, warum der Staat nichts gegen die Armut unternimmt und warum die Bewohner dort bleiben, auch wenn sie wissen, dass ihre Kinder dort keine Zukunft haben.

Wir erfahren, außer wenn sie es selbst in einem Gespräch sagen, auch nichts über die Hilfsangebote in Hamburg und den Umgang der Stadt mit ihnen. So wurden sie immer wieder aus dem Winternotprogramm für Obdachlose ausgeschlossen.

Und es ist schon etwas auffallend, dass alle Roma, die er zeigt, ehrliche Bettler sind.

In jedem Fall wird man nach dem Dokumentarfilm „Europa Passage“ die Bettler mit anderen Augen betrachten. Falls man sie vorher überhaupt wahrgenommen hat.

Europa Passage (Deutschland 2022)

Regie: Andrei Schwartz

Drehbuch: Andrei Schwartz

mit Mariana Luca, Ion Luca, Ioana Lavinia Brumaru

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Europa Passage“

Moviepilot über „Europa Passage“


TV-Tipp für den 16. September: Mad Max: Fury Road

September 15, 2022

Pro7, 22.20

Mad Max: Fury Road (Mad Max: Fury Road, Australien/USA 2015)

Regie: George Miller

Drehbuch: George Miller, Brendan McCarthy, Nico Lathouris

Mad Max (Tom Hardy) flüchtet mit Imperator Furiosa (Charlize Theron) und einigen Frauen vor Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) durch die Wüste.

Action satt in einer zweistündigen Leistungsschau der Stuntmänner, der Kameraleute und der CGI-Leute. Im Gegensatz zu den meisten Kritikern war ich nicht so wahnsinnig begeistert von diesem vierten „Mad Max“-Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne, Josh Helman, Nathan Jones, Zoe Kravitz, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough, Abby Lee, Courtney Eaton

Wiederholung: Samstag, 17. September, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Mad Max: Fury Road“

Metacritic über „Mad Max: Fury Road“

Rotten Tomatoes über „Mad Max: Fury Road“

Wikipedia über „Mad Max: Fury Road“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Millers „Mad Max: Fury Road“ (Mad Max: Fury Road, Australien/USA 2015)

Meine Besprechung von George Millers „Three Thousand Years of Longing“ (Three Thousand Years of Longing, USA/Australien 2022)

Meine Besprechung von George Miller/Mark Sexton/Nico Lathaoris/Tristan Jones/Riccardo Burchiellis „Mad Max: Fury Road“ (Mad Max: Fury Road – Max 1 – 2; Mad Max: Fury Road – Furiosa 1; Mad Max: Fury Road – Nux & Immortan Joe 1, 2015) (Comic-Vorgeschichte zum Film)