TV-Tipp für den 6. Februar: Nachtschicht: Reise in den Tod

Februar 6, 2020

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Reise in den Tod (Deutschland 2012)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Während einer Polizeikontrolle verliert ein Schleuser einen Teil seiner aus Afrika kommenden Fracht, eine aus Afrika kommende Hausangestellte beschwert sich bei der Polizei über ihre Arbeitgeber und das bewährte „Nachtschicht“-Team erlebt wieder eine unruhige Nacht, in der alles mit allem zusammen hängt.

Das Lexikon des internationalen Films meint: „Dicht inszenierter und gut gespielter (Fernseh-)Kriminalfilm.“ Besser hätte ich es auch nicht sagen können.

Ach ja: gewohnt gut besetzt.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Götz George, Jeanette Hain, Peter Kremer, Hadnet Tesfai, Dominique Siassia, Clemens Schick, Filip Peeters, Christian Redl, Jan-Gregor Kremp

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Zum Abschluss von „Batman: Damned“ und dem Batman-Jubiläum „Detective Comics 1000“

Februar 6, 2020

Lang, lang ist es hier, als ‚Batman‘ Bruce Wayne seinen ersten Auftritt hatte. Das war im März 1939 in US-Detective Comics # 27. Später wurde er der einzige Ermittler der Detectice Comics und im tausendsten Heft haben bekannte Autoren und Zeichner wie Scott Snyder, Kevin Smith, Warren Ellis, Christopher Priest, Brian Michael Bendis, Greg Capullo, Jim Lee und Becky Cloonan ein gutes Dutzend kurzer „Batman“-Geschichten geschrieben. Während einige der Geschichten auch ohne Vorwissen (oder nur dem Vorwissen aus einem beliebigen Batman-Film) verständlich sind, wird in anderen Geschichten tief in der Batman-Mythologie gegraben und manchmal geht es auch nur um einen Scherz. Insgesamt ist das über hundertseitige Batman-Special damit vor allem ein dickes Heft für den langjährigen „Batman“-Fan.

Das gilt so ähnlich auch für den dritten „Batman: Damned“-Band von Autor Brian Azzarello und Zeichner Lee Bermenjo. Es ist der Abschluss ihrer auf drei Comicalben angelegten Geschichte, die in der neuen DC-Reihe „Black Label“ erschien. In ihr werden, so der Verlag, eigenständige Geschichten für erwachsene Leser präsentiert.

In dieser Geschichte glaubt Bruce Wayne, dass er seinen Erzfeind, den Joker, getötet hat. Schwer verletzt konnte er im ersten „Damned“-Band aus einem Krankenwagen flüchten. Als er halbtot durch Gotham City taumelt, trifft er traf auf den Okkultisten John Constantine. Der entführt ihn in eine Welt, in der Dämonen, Geister und Zauberer existieren.

Die sich dann entspinnende Geschichte ist ein Alptraum, der bildgewaltig und textarm der Logik eines Fiebertraums folgt. Das ist wirklich nicht der Batman, den man aus anderen Batman-Geschichten kennt.

Batman Special: Detective Comics 1000

(übersetzt von Ralph Kruhm)

Panini Comics, 2019

108 Seiten

6,99 Euro

Originalausgabe

Detective Comics # 1000

DC Comics, 2019

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman: Damned – Band 3

(übersetzt von Josef Rother)

Panini Comics, 2019

60 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Batman: Damned 3

DC Black Label, 2019

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)


TV-Tipp für den 5. Februar: Zodiac – Die Spur des Killers

Februar 4, 2020

Kabel 1, 23.10

Zodiac – Die Spur des Killers (Zodiac, USA 2007)

Regie: David Fincher

Drehbuch: James Vanderbilt

LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)

Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer im ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.

Vanderbilts Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.

Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney, John Carroll Lynch, John Getz, Philip Baker Hall

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zodiac – Die Spur des Killers“

Wikipedia über „Zodiac“ (deutsch, englisch)

Zodiac Killer Facts (eine Gegenüberstellung von Film und Wirklichkeit; – keine Ahnung, wie genau die Auflistung ist)

Chasing the Frog prüft ebenfalls den Faktengehalt des Films

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


Cover der Woche

Februar 4, 2020


TV-Tipp für den 4. Februar: Two Lovers

Februar 3, 2020

Servus TV, 22.15

Two Lovers (Two Lovers, USA 2008)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.

Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

Wiederholung: Mittwoch, 5. Februar, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Two Lovers“

Wikipedia über “Two Lovers” (deutsch, englisch)

IFC: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Spout Blog: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Coming Soon: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Collider: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

IndieWire: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016)

Meine Besprechung von James Grays „Ad Astra: Zu den Sternen“ (Ad Astra, USA 2019)


Die Krimibestenliste Februar 2020

Februar 3, 2020

Alaaf und Helau! schallt es nicht aus der von der Frankfurter Allgemeinen und Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenliste. Statt karnevalesker Lustigkeit gibt es mörderische Sozialkritik. Also genau das richtige für trübe, verregnete Tage:

1. Sarah Schulman – Trüb (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument-Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

2. Attica Locke – Heaven My Home (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Susanna Mende.Polar, 322 Seiten, 22 Euro.

3. Nicci French – Was sie nicht wusste (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller. C. Bertelsmann, 446 Seiten, 16 Euro.

4. Ahmed Saadawi – Frankenstein in Bagdad (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Assoziation A, 296 Seiten, 22 Euro.

5. Melba Escobar – Die Kosmetikerin (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Spanischen von Sybille Martin. Heyne, 320 Seiten, 9,99 Euro.

6. Robert E. Dunn – Dead Man’s Badge (Plazierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer, 356 Seiten, 14,95 Euro.

7. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

8. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Französischen von Iris Konopik.Ariadne im Argument-Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

9. Regina Nössler: Die Putzhilfe (Plazierung im Vormonat: 4)

Konkursbuch, 402 Seiten, 12,90 Euro.

10. Liz Moore – Long Bright River (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. C.H. Beck, 414 Seiten, 24 Euro.

 


TV-Tipp für den 3. Februar: Generation Wealth

Februar 3, 2020

3sat, 22.30

Generation Wealth (Generation Wealth, USA 2018)

Regie: Lauren Greenfield

Drehbuch: Lauren Greenfield

TV-Premiere. Insgesamt eher beliebige Doku über den amerikanische Traum und die damit verbundene Kultur des hemmungslosen Zeigens von Reichtum, die in den vergangenen Jahren immer exzessiver und geschmackloser zelebriert wurde. Weil Lauren Greenfield („The Queen of Versailles“) einige ihrer Interviewpartner über einen längeren Zeitraum begleitet, kann sie einen Blick hinter die schöne Fassade werfen und zeigen, wie einige Träume an der Wirklichkeit scheitern.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Limbo Bob, Chris Hedges, Florian Homm, Tiffany Masters, Kacey Jordan, Jaqueline Siegel, Eden Wood, Mickie Wood, Bobby Strauser, Robert Strauser

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Flm

Moviepilot über „Generation Wealth“

Metacritic über „Generation Wealth“

Rotten Tomatoes über „Generation Wealth“

Wikipedia über „Generation Wealth“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lauren Greenfields „Generation Wealth“ (Generation Wealth, USA 2018)


TV-Tipp für den 2. Februar: Das Fenster zum Hof

Februar 2, 2020

Arte, 20.15

Das Fenster zum Hof (Rear Window, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Anschließend, um 22.05 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Mr. und Mrs. Hitchcock“.

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fenster zum Hof“

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Februar: Eine offene Rechnung

Februar 1, 2020

RB, 23.30

Eine offene Rechnung (The Debt, USA 2010)

Regie: John Madden

Drehbuch: Matthew Vaughn, Jane Goldman, Peter Straughan (nach dem Drehbuch des Films „Ha-Hov“ von Assaf Bernstein und Ido Rosenblum)

1997 ist Rachel Singer eine Legende. Vor über dreißig Jahren wurde sie mit zwei weiteren Mossad-Agenten nach Berlin geschickt. In ihrem erste Einsatz sollten die drei Agenten den grausamen KZ-Arzt Dieter Vogel identifizieren und nach Israel entführen. Der Einsatz ging teilweise schief. Trotzdem schlossen sie ihn so erfolgreich ab, dass er zum Nationalmythos wurde. Jetzt könnte die Wahrheit über die damaligen Ereignisse herauskommen.

Spannender, hochkarätig besetzter, zum Nachdenken über Schuld und Sühne anregender, auf zwei Zeitebenen spielender Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Tom Wilkinson, Ciarán Hinds, Jessica Chastain, Marton Csokas, Sam Worthington, Jesper Christensen, Brigitte Kren

Hinweise

Moviepilot über „Eine offene Rechnung“

Metacritic über „Eine offene Rechnung“

Rotten Tomatoes über „Eine offene Rechnung“

Wikipedia über „Eine offene Rechnung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von John Maddens „Eine offene Rechnung“ (The Debt, USA 2010)

Meine Besprechung von John Maddens „Die Erfindung der Wahrheit“ (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Greta Gerwigs wunderbar gegenwärtige Interpretation des Klassikers „Little Women“

Februar 1, 2020

Für sechs Oscars ist „Little Women“ nominiert. Unter anderem in den Kategorien „Bester Film“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Zugegeben: das sind wichtige Kategorien. Aber sie ignorieren Greta Gerwigs Leistung als Regisseurin. Denn wie es ihr gelingt, ihr Ensemble so unverkrampft natürlich zusammen spielen zu lassen und wie sie aus einem historischen Stoff einen in jeder Sekunde zeitgenössischen Stoff macht, ist phantastisch. Ihr Film spielt zwischen 1861 und 1868, aber er versprüht nie den Muff eines Kostümdramas. Sie ergeht sich auch nicht in trendigen Modernismen. Sie lässt die Zeit und das Leben der titelgebenden vier kleinen Frauen vor unseren Augen wieder auferstehen. Gerade wenn die Schwestern, die mit ihrer Mutter in einer kleinen Hütte zusammen leben, in einem Raum zusammen sind, sich unterhalten, amüsieren und leiden, fühlt man sich wie ein heimlicher Beobachter.

Die Filmgeschichte selbst ist, wie Louisa May Alcotts 1868 und 1869 in zwei Bänden als „Little Women“ und „Good Wives“ erschienene Romanvorlage, eine Ansammlung von Beobachtungen, Erzählungen und Ereignissen aus dem Leben der March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) an der Schwelle zum Erwachsenwerden in Neuengland. Es geht um ihren Alltag. Es geht um die Träume, die sie als Jugendliche haben und wie sie sie als Erwachsene umsetzen wollen. Es geht um ihre Beziehung zu dem deutlich vermögenderen und in einem Anwesen lebenden Nachbarn, ihre Freundschaften, die zu Liebschaften werden können (Wer ist nicht in Timothée Chalamet verliebt?) und einen fast tödlichen Unfall auf dem Eis. Damals gab es noch richtige Winter, in denen Seen zufroren, Schnee meterhoch lag und es an den Fenstern von kalten Zimmern Eisblumen gab.

Gerwig bearbeitete Alcotts umfangreiche, schon mehrmals verfilmte Vorlage frei. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen (1861 und 1868), zwischen denen sie flüssig und assoziativ wechselt. 1868 hat Jo, die schon immer eine Schriftstellerin werden wollte, ihre Erinnerungen an ihre Jugend aufgeschrieben und bietet sie einem Verleger an. Der wäre bereit, das Buch mit einigen kleinen Veränderungen zu drucken.

Durch diesen doppelt gebrochenen Blick zurück in die Jugend der March-Schwestern wird auch der Blick auf die damals gültigen gesellschaftlichen Konventionen und die Rolle der Frau geschärft. Denn egal welche Wünsche Jo, Meg, Amy und Beth haben und egal welche Ideen für ihr Leben sie in ihrer kleinen, herrschaftsfreien Kommune entwerfen, die Gesellschaft sieht keine davon als eine realistische Möglichkeit vor. Da ist letztendlich nur eine aus wirtschaftlichen Erwägungen erfolgte Heirat, in der sie von ihrem Mann abhängig ist, vorgesehen. Denn bei einer Heirat geht ihr Vermögen in das des Mannes über. Kein Wunder, dass die auf ihre Unabhängigkeit bedachte Jo nichts von einer Heirat hält.

Letztendlich ist „Little Women“, auch durch seine Struktur, eine austauschbare Ansammlung von Episoden. Daher erinnert man sich nach dem Film nicht an seine Geschichte, sondern an die Stimmung und das Zusammenspiel der Schauspielerinnen. Gerwigs zweiter Spielfiilm ist wie ein Abend mit guten Freunden. Auch wenn man am Ende nicht mehr genau sagen kann, worüber gesprochen wurde und warum die Zeit so schnell verging, weiß man, dass es gute Gespräche in guter Stimmung waren.

Little Women (Little Women, USA 2019)

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig

LV: Louisa May Alcott: Little Women, 1868/1869 (ursprünglich veröffentlicht in zwei Teilen als „Little Women“ und „Good Wives“) (Kleine Frauen)

mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Timothée Chalamet, Laura Dern, Meryl Streep, Tracy Letts, Bob Odenkirk, James Norton, Louis Garrel, Chris Cooper

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Little Women“

Metacritic über „Little Women“

Rotten Tomatoes über „Little Women“

Wikipedia über „Little Women“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Lady Bird“ (Lady Bird, USA 2017)

Ein kurzer Blick hinter die Kulisssen

Ein längerer Vergleich der verschiedenen Verfilmungen und was sie über ihre Entstehungszeit verraten


Neu im Kino/Filmkritik: „Sorry we missed you“, Ken Loach

Januar 31, 2020

Das dürfte jetzt Ken Loachs dritter letzter Film sein. Jedenfalls dachte man schon bei seinen beiden vorherigen Filmen „Jimmy’s Hall“ und „Ich, Daniel Blake“, dass es der letzte Film des 1936 geborenen Ken Loach sei. Er dachte das auch. Aber es gibt immer noch Ungerechtigkeiten, gegen die er anfilmen muss. Dieses Mal geht es um die Zustände im vollkommen deregulierten Paketzustellergewerbe, die einen netten „Sorry we missed you“-Zettel an den Briefkasten kleben, wenn der Paketempfänger nicht da ist.

Ricky Turner ist ein typischer Mann aus der Arbeiterklasse, der stolz darauf ist, immer gearbeitet zu haben. Er ist mit der Altenpflegerin Abby verheiratet. Ihr pubertierender Sohn steht kurz vor dem Schulabschluss. Dass er inzwischen ein notorischer Schulschwänzer ist, wissen seine Eltern noch nicht. Ihre jüngere Tochter ist noch ein Kind, das ihren Vater bewundert. Viel Geld hatten sie nie. Dafür stimmt der Zusammenhalt unter ihnen. Letztendlich sind sie sind eine glückliche Familie aus der Arbeiterklasse.

Nur dass es diese Arbeiterklasse heute nicht mehr gibt. Und das gesellschaftliche Versprechen nach einem eigenen kleinen Haus, dem sichtbaren Symbol ihres Aufstiegs, ist seit der Finanzkrise für sie unerreichbar. Stattdessen hangelt Ricky sich von Job zu Job. Er sucht schon länger erfolglos eine Arbeit, mit der er seine Familie ernähren kann. Seine Frau arbeitet währenddessen zwölf Stunden, von denen sie nur für die Hälfte bezahlt bekommt. So kommen sie finanziell halbwegs über die Runden.

Da schlägt ihm ein Freund vor, als Paketzusteller zu arbeiten. Ricky wird genommen. Und damit betritt er einen von Loach und seinem langjährigem Drehbuchautor Paul Laverty mit bitterer Konsequenz nachgezeichneten Teufelskreislauf, der die Familie Turner zerstört. Denn Ricky ist kein Angestellter der Firma, sondern ein selbstständiger Unternehmer, der für die Firma arbeitet. Hoffnungsvoll steigt Ricky groß ein. Mit ihrem letzten Geld und dem Verkauf von Abbys Autos kauft er einen Lieferwagen. Theoretisch kann er so mehr verdienen.

Schnell stellt Ricky fest, dass dem nicht so ist. Je mehr er ackert, umso mehr verschuldet er sich. Denn jede echte und vermeintliche Pflichtverletzung wird bestraft. Wenn er seiner Tochter einen Tag lang seine Arbeit zeigt, gibt es eine Abmahnung. Jedes unternehmerische Risiko wird von der Firma auf den Paketboten abgewälzt. Deshalb muss er die Strafzettel bezahlen, die er erhält, wenn er bei der Paketzustellung falsch parkt. Die Zeit für die Zustellung der einzelnen Pakete ist zu knapp bemessen. Freie Tage gibt es nicht. Kranksein auch nicht. Und er wird als Paketzusteller stärker als jeder Angestellte überwacht. Gleichzeitig hat er weniger Rechte.

Es ist ein Teufelskreislauf, in den schnell seine Familie hineingezogen wird. Ricky hat zunehmend nur noch ein Ziel, das er immer weniger erreichen kann, während er seine Familie zerstört. Die Konsequenz mit der Loach das, immer nah an der Realität, erzählt, ist atemberaubend.

Loach und Laverty kamen auf die Idee für ihren neuen Film „Sorry we missed you“ während sie für ihren vorherigen Film „Ich, Daniel Blake“ recherchierten. An Essensausgaben trafen sie viele Menschen, die arbeiteten und trotzdem nicht genug zum Leben hatten. Während der intensiven Recherchen schälte sich dann die Geschichte von Ricky und seiner Familie heraus. Der Film wurde dann, wie „Ich, Daniel Blake“ in Newcastle gedreht, mit Kurierfahrern, die sich selbst spielen.

Loach und Laverty zeigen in ihrer klinisch präzisen Fallstudie die Auswirkungen des globalisierten, von allen Zwängen befreiten Kapitalismus auf den Einzelnen. Ricky, seine Frau, seine Kollegen und auch sein Chef sind da nur kleine Rädchen im Getriebe, die ausgebeutet und ausgespuckt werden. Dieser deregulierte Kapitalismus ist ein anonymer Gegner, der ein Proletariat vereinsamter Arbeiter geschaffen hat.

Sorry we missed you“ ist ein wütender Film, der zum Handeln auffordert. Gerade wegen seines bitteren Endes. Ricky sieht vielleicht keinen Ausweg. Aber die Zuschauer – und die Gesellschaft – sollten das Ende als einen Aufruf zur Veränderung ansehen. Denn die vulgärneoliberale, entsolidarisierte Hölle, in der Ricky als Lohnsklave lebt, kann nicht die Welt sein, in der wir leben wollen.

Sorry we missed you (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

mit Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster, Charlie Richmond, Julian Ions

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sorry we missed you“

Metacritic über „Sorry we missed you“

Rotten Tomatoes über „Sorry we missed you“

Wikipedia über „Sorry we missed you“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Jimmy’s Hall“ (Jimmy’s Hall, Großbritannien/Irland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Ich, Daniel Blake“ (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Paul Laverty in Cannes über den Film

Die Cannes-Pressekonferenz


TV-tipp für den 31. Januar: Flucht von Alcatraz

Januar 31, 2020

BR, 22.45

Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz, USA 1979)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Richard Tuggle

LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963

Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Am 11. Juni 1962 gelingt dem Sträfling die Flucht; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.

„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.

Danny Glover gibt hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.

Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“

Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)

Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Neu im Kino/Filmkritik: Terrence Malick erzählt „Ein verborgenes Leben“

Januar 30, 2020

Nachdem die letzten Filme von Terrence Malick immer esoterisch-religiös verschwurbelter wurden und sie nur noch für einen immer kleineren Kreis restlos Überzeugter genießbar sind, waren meine Erwartungen an seinen neuen Film denkbar gering. Auch wenn es hieß, dass „Ein verborgenes Leben“ wieder traditioneller erzählt sei. Malick erzählt die wahre Geschichte von Franz Jägerstätter, einem österreichischen Bauern, der 2007 von der römisch-katholischen Kirche zum Seligen ernannt wurde. Er verweigerte den Kriegsdienst. Dafür wurde er wegen Wehrkraftzersetzung am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Das klingt, angesichts von Malicks vorherigen Filmen „The Tree of Life“, „To the Wonder“, „Knight of Cups“ und „Song to Song“, schon auf dem Papier nach einem denkbar ungenießbarem religiösen Traktat. Und das war wahrscheinlich auch genau das, was Terrence Malick vor und während der Dreharbeiten, die im Sommer 2016 waren, plante. Aber irgendwann während des Schnitts scheint sich seine Einstellung zum Glauben zu einer wesentlich distanzierteren, möglicherweise sogar atheistischen Position verändert zu haben.

So ist „Ein verborgenes Leben“ jetzt ein Film über einen zutiefst religiösen Menschen, der sich weigert, die Geschichte eines zutiefst religiösen Menschen zu erzählen. Immer dann, wenn Malick Jägerstätters Glauben thematisieren könnte, immer dann, wenn er Jägerstätters Motive aus seinem Glauben erklären könnte, immer dann, wenn er aus diesem Glauben heraus ein kraftvolles Argument für die Ablehnung des Krieges machen könnte, schreckt er zurück. Sicher. Sein Glaube und die Gründe für seine Kriegsdienstverweigerung werden angesprochen. Es wird auch gebetet und einige Geistliche reden mit Jägerstätter über seine Handlungen. Aber es sind keine tiefgründigen Dialoge. Es sind eher lästige Pflichterfüllungen, die ein überwältigendes Desinteresse am Leben und den Ansichten des Porträtierten zeigen. Weil Malick Jägerstätter zu einem großen Schweiger werden lässt, wird auch kaum deutlich, warum er als Vorbild dienen könnte und warum er Jahrzehnte nach seinem Tod, nachdem sein Schicksal bekannter wurde, andere Menschen inspirierte.

Das spricht jetzt nicht gegen den Film. Im Gegenteil! Schließlich umgeht Malick so die inhaltlichen Fallen eines naiven Faith-based-Films. Optisch spielt Malick sowieso in einer ganz anderen Liga.

Weil Malick dieses Mal seine Geschichte weitgehend chronologisch erzählt, ist der Film deutlich zugänglicher als seine vorherigen Filme. Diese wurden seit „The new World“ immer assoziativer und damit auch offen für jede Interpretation. Das beliebige Potpourri aus Bildern und Tönen war immer schön anzusehen, aber auch todsterbenslangweilig. Das kann über „Ein verborgenes Leben“ nicht gesagt werden.

Trotzdem ist „Ein verborgenes Leben“ meilenweit von einem konventionellem Hollywood-Biopic entfernt. Malick bricht die Chronologie immer wieder auf. Er schweift ab. Immer wieder scheint die Geschichte in einer Wiederholungsschleife gefangen zu sein. Das trifft besonders auf die Szenen im Gefängnis zu, wenn Jägerstätter der Monotonie des Gefängnisalltags ausgesetzt ist. Malick nimmt sich Zeit, Jägerstätter, seine Frau und seine Kinder lange Zeit zu beobachten, wenn sie ihrer alltäglichen Arbeit auf ihrem abgelegenem Hof in St. Radegund, Oberösterreich, nachgehen oder mit ihren drei Töchtern Blinde Kuh spielen. Kameramann Jörg Widmer verfolgt dabei die Schauspieler so schwebend, wie man es aus Malicks vorherigen Filmen „The new World“, „The Tree of Life“, „To the Wonder“, „Knight of Cups“ und „Song to Song“ kennt. Für die war Emmanuel Lubezki der stilbildende Kameramann. Widmer war der Steadicam-Operator. Entsprechend vertraut ist er mit diesem sehr leicht wieder zu erkennendem Stil des Teams Lubezki/Malick.

Es gibt, selbstverständlich, viel Voice-Over und in der Originalfassung wird immer wieder willkürlich zwischen Deutsch und Englisch gewechselt. Im Gegensatz zu anderen Filmen, wo mich das wahnsinnig störte, störte es mich hier nicht. Es passt zu der medidativen Malick-Stimmung.

Ein verborgenes Leben“ ist Malicks zugänglichster und auch bester Film seit „Der schmale Grat“ (The thin red Line).

Ein verborgenes Leben (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

mit August Diehl, Valerie Pachner, Maria Simon, Karin Neuhäuser, Tobias Moretti, Ulrich Matthes, Matthias Schoenaerts, Franz Rogowski, Karl Markovics, Bruno Ganz, Michael Nyqvist, Martin Wuttke, Sophie Rois, Alexander Fehling, Joel Basman, Jürgen Prochnow

Länge: 174 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Ein verborgenes Leben“

Moviepilot über „Ein verborgenes Leben“

Metacritic über „Ein verborgenes Leben“

Rotten Tomatoes über „Ein verborgenes Leben“

Wikipedia über „Ein verborgenes Leben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Januar: Tagebuch eines Skandals

Januar 30, 2020

3sat, 22.25

Tagebuch eines Skandals (Notes on a Scandal, USA/Großbritannien 2006)

Regie: Richard Eyre

Drehbuch: Patrick Marber

LV: Zoe Heller: What was she thinking: Notes on a Scandal, 2003 (später auch „Notes on a Scandal“, deutsch: Tagebuch einer Verführung; Tagebuch eines Skandals)

Musik: Philip Glass

Als an einer Londoner Schule die junge Kunstlehrerin Sheba Hart eine Beziehung mit einem Schüler beginnt, wird sie von einer älteren Kollegin erpresst. Denn diese möchte nur von Sheba geliebt werden.

Tolles Schauspielerinnendrama, das für etliche wichtige Preise nominiert war. Der Roman war für den Booker-Preis nominiert. Blanchett und Dench unter anderem für den Oscar, Golden Globe und den Preis der Screen Actors Guild. Das Drehbuch ebenfalls für den Oscar, Golden Globe, BAFTA, British Independent Film Award und, der für uns Krimifans einzige relevante Preis, für den Edgar.

Mit Cate Blanchett, Judi Dench, Andrew Simpson, Bill Nighy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tagebuch eines Skandals“

Wikipedia über „Tagebuch eines Skandals“ (deutsch, englisch)

taz: Interview mit Patrick Marber zum Drehbuch (24. Februar 2007)

Meine Besprechung von Richard Eyres Ian-McEwan-Verfilmung „Kindeswohl“ (The Children Act,Großbritannien 2017)

 


Attica Locke entdeckt „Heaven, my home“

Januar 30, 2020

Der schwarze Texas Ranger Darren Mathews muss wieder ran. In Marion County in Osttexas ist der neunjährige Levi King verschwunden. Er ist der Sohn eines inhaftierten führenden Mitglied der Arischen Bruderschaft, das so besorgt um das Wohlergehen seines Sohnes ist, dass er bereit ist, mit den Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren. Für sie ist das eine gute Gelegenheit, der Arischen Bruderschaft einen empfindlichen Schlag zu verpassen. Wenn sie seinen Sohn Levi finden.

Zuletzt wurde Levi von Leroy Page gesehen. Er ist ein Schwarzer, der Ärger mit dem Jungen hatte und auch der Besitzer des Grundstücks ist, auf dem die Kings in einer White-Trash-Trailersiedlung leben.

Dieser Kriminalfall, in dem ein Ermittler in einer Kleinstadt ermittelt und allerhand schmutzige Wäsche entdeckt, würde bei einem anderen Autor locker für einen spannenden Krimi ausreichen. In Attica Lockes „Heaven, my home“ ist er allerdings ziemlich unwichtig und auch leicht durchschaubar. Wichtiger ist ihr Mathews‘ Privatleben, seine Gefühle für zwei verschiedene Frauen (mit einer ist er verheiratet), seine äußerst angespannte Beziehung zu seiner Mutter und die Folgen des Todes von Ronnie Malvo. Sein Tod war in Lockes erstem, mit dem Edgar Award und dem Ian Fleming Steel Dagger ausgezeichneten Darren-Mathews-Krimi „Bluebird, Bluebird“ eine Nebengeschichte. Damals half Mathews seinem alten Bekannten Rutherford ‚Mack‘ McMillan. Mack war angeklagt, den weißen Rassisten Ronnie Malvo erschossen zu haben. Die Tatwaffe, ein 38er, ist verschwunden. Später findet Mathews‘ Mutter sie und sie beginnt ihren Sohn damit zu erpressen.

In „Heaven, my home“ ist diese Geschichte fast schon die Hauptgeschichte. Weil Locke in ihrem neuen Roman die damaligen Ereignisse als bekannt voraussetzt, kümmert sie sich nicht um die Leser, die „Bluebird, Bluebird“ nicht gelesen oder die damaligen Ereignisse wieder vergessen haben. In „Heaven, my home“ erfahren wir mehr von den Ereignisse dieser Nacht, die dann wahrscheinlich im nächsten Mathews-Roman zu neuen Erkenntnissen und Entwicklungen führen.

Für Neueinsteiger sind das alles sich über Seiten hinziehende längliche Ablenkungen von dem ebenfalls nicht besonders spannenden Hauptfall.

Alles spielt sich vor dem eindrücklich beschriebenem Hintergrund des alltäglichen Rassismus in Texas ab. Deshalb hat Mathews, vor allem bei Gesprächen mit Weißen, seine Dienstwaffe immer in Reichweite. Der Roman spielt wenige Tage nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Attica Locke zeigt allerdings auf fast jeder Seite, dass die Rassisten diese Ermutigung überhaupt nicht gebraucht haben.

Attica Locke: Heaven, my home

(übersetzt von Susanna Mende, mit einem Nachwort von Sonja Hartl)

Polar, 2020

328 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Heaven, my home

Mulholland Books/Little, Brown and Company, 2019

Hinweise

Homepage von Attica Locke

Polar über Attica Locke

Wikipedia über Attica Locke (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Attica Lockes „Bluebird, Bluebird“ (Bluebird, Bluebird, 2017)

Attica Locke spricht über „Bluebird, Bluebird“ (14. September 2017)


TV-Tipp für den 29. Januar: Nur eine Frau

Januar 28, 2020

ARD, 20.15

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

Wenige Monate nach dem Kinostart und wenige Wochen nach dem DVD-Start läuft im Fernsehen das beeindruckende Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

Wiederholung: Donnerstag, 30. Januar, 00.20 Uhr (Taggenau! – und wahrscheinlich auch in der ARD-Mediathek)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur eine Frau“

Moviepilot über „Nur eine Frau“

Wikipedia über „Nur eine Frau“

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „Nur eine Frau“ (Deutschland 2019)


Cover der Woche

Januar 28, 2020

Der erste James-Bond-Roman von Ian Fleming, hier in der 2012 erschienenen, neu übersetzten Ausgabe von Cross-Cult.


Der neue James-Bond-Roman „Ewig und ein Tag“ – und Hinweise auf weitere Kriminalromane von Anthony Horowitz

Januar 28, 2020

James Bond wird nach Südfrankreich geschickt. Dort wurde sein Vorgänger, der ebenfalls die Codenummer 007 hatte, erschossen. Er sollte herausfinden, warum korsische Verbrecherbanden seit Monaten auf die lukrative Herstellung und den Verkauf von Rauschgift verzichten.

Bond, ein junger Weltkrieg-II-Veteran, reist an die Côte d’Azur. Dort trifft er, selbstverständlich unter seinem wahren Namen agierend, auf den korsischen Verbrecher Jean-Paul Scipio, ein Sadist, der wie die menschliche Inkarnation von Jabba the Hutt aussieht (und sich damit sofort als Bond-Bösewicht qualifiziert), die schöne Sixtine (aka Joanne Brochet aka Madame 16), die mit dem Handel von Informationen Geld verdient, beim Kartenspiel betrügt, zehn Jahre älter als Bond ist und damit für ihn mindestens fünfzehn Jahre zu alt ist (ja, die seligen fünfziger Jahre, als Bond nur jüngere Gespielinnen hatte) (oh, und, ja, die beiden landen im Bett) und den über siebzigjährigen US-Multimillionär Irwin Wolfe, der Sixtine heiraten will und der James Bond stolz durch sein über zweihundert Meter langes Luxuskreuzfahrtschiff ‚Mirabelle‘ führt, das fünfhundertfünfzig Kabinen und die neueste Technik hat. Auch wenn James Bond es in diesem Moment noch nicht ahnt – immerhin ist es seine erste Mission als 007 -, qualifiziert sich das Schiff allein schon durch seine Größe und Protzigkeit für eine Zerstörung am Ende der Geschichte. Nichts davon überrascht den James-Bond-Fan. Immerhin sind die Grundelemente einer James-Bond-Geschichte seit Jahrzehnten bekannt.

Anthony Horowitz richtet sie nur neu an. In seinem zweiten Bond-Roman „Ewig und ein Tag“ gelingt ihm das, nach „Trigger Mortis“, wieder einmal ausgezeichnet. Alle bekannten Bond-Elemente sind vorhanden. Die Geschichte, die vor Ian Flemings erstem James-Bond-Roman „Casino Royale“ (1953) spielt, liest sich wie ein Roman aus den Fünfzigern, inklusive dem damaligen Frauenbild, den Vorurteilen gegenüber anderen Rassen und dem Verhalten der Männer. So ist James Bond ein ziemlicher Snob mit einem arg altmodischem Frauenbild und einem ausgeprägtem Statusdenken. Gleichzeitig gibt es einige kleine Neuerungen, wie das Alter der Bondine. Auch das Motiv des Bösewichts ist, obwohl historisch und gewohnt gaga, heute immer noch aktuell.

Und es gibt viel Zeitkolorit. Immer wieder zeigt Horowitz, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. So verlangt Bond, nachdem er zum ersten Mal sein neues Büro betritt, einem Aschenbecher auf seinem Schreibtisch. Der heute undenkbare Wunsch wird ihm von seiner Sekretärin widerspruchslos erfüllt. Ein anderes Mal trinkt Bond vor einem Einsatz nur eine halbe Flasche Wein. Er will den darauf folgenden Mord nicht betrunken ausführen. Oder Bonds stolzer Hinweis, dass sein neues Auto, ein Jaguar XK 120, mit 120 Meilen pro Stunde der schnellste in Serie hergestellte Flitzer sei. Heute ist das keine atemberaubende Geschwindigkeit mehr. Und in Frankreich gibt es noch Esel auf der Straße.

Für den Bond- und Ian-Fleming-Fan hat Horowitz außerdem etliche Hinweise auf andere Bond-Geschichten und Ian Fleming versteckt.Auf einigen Seiten hat er auch Originalmaterial von Ian Fleming benutzt.

Damit schrieb Horowitz wieder einen Bond-Roman, der alles hat, was man von einer Bond-Geschichte erwartet. Und wenn sich am Ende alle Puzzleteile zusammenfügen, zieht man innerlich den Hut vor Horowitz großartiger Konstruktion der Geschichte. Während James Bond sich durch Südfrankreich kämpft, platziert Horowtiz unauffällig und nebenbei alle Hinweise für die Lösung. Ich meine damit nicht, dass Irwin Wolfe und Jean-Paul Scipio die Bösewichter sind, sondern was sie planen, wer wann wem etwas verraten hat und warum Bonds Vorgänger nicht vor seinem Mörder flüchtete.

Nach dem letzten Satz von „Ewig und ein Tag“ hat Horowitz sich die Lizenz zum dritten Bond-Roman erworben. 

Anthony Horowitz: James Bond – Ewig und ein Tag

(übersetzt von Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2019

336 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

James Bond – Forever and a day

Jonathan Cape, 2018

Zuletzt und demnächst von Anthony Horowitz im Insel-Verlag

Letztes Jahr erschien die Taschenbuchausgabe von „Die Morde von Pye Hall“ (Magpie Murders, 2016), einem Standalone in dem eine Lektorin zur Ermittlerin wird. Denn Bestsellerautor Alan Conway hat seinen letzten Kriminalroman nicht zu Ende geschrieben und er ist verschwunden. Ein merkwürdiger Brief legt nahe, dass Conway sich das Leben genommen hat. Oder wurde es ihm genommen? Susan Ryeland macht einen auf Miss Marple.

Für den 20. Juli ist die Taschenbuchausgabe von „Ein perfider Plan“ (The Word is Murder, 2017) angekündigt. Es handelt sich um den ersten Fall des Duos Hawthorne und Horowitz. Hawthorne ist ein Ex-Polizist, der inzwischen als Privatdetektiv arbeitet. Jetzt soll er herausfinden, wer die wohlhabende, alleinstehende Diana Cowper erdrosselte. Seltsam an dem Fall ist, dass sie wenige Stunden vorher ihre eigene Beerdigung arrangiert hat. Weil der Fall auch die Vorlage für ein Buch sein soll, begleitet Bestsellerautor Anthony Horowitz den brillanten Denker Hawthorne als seinen Dr. Watson.

Für Horowitz ist „Ein perfider Plan“ der Start einer längeren Serie. In einem Interview sagte er, dass er zehn Hawthorne-Bücher schreiben will.

Anthony Horowitz: Die Morde von Pye Hall

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2019 (Taschenbuch-Ausgabe; die gebundene Ausgabe erschien 2018)

608 Seiten

12 Euro

Anthony Horowitz: Ein perfider Plan – Hawthorne ermittelt

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2020

368 Seiten

11 Euro

(angekündigt für 20. Juli 2020, gebundene Ausgabe seit März 2019 für 22 Euro erhältlich)

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes“ (James Bond: Trigger Mortis, 2015)


TV-Tipp für den 28. Januar: Das Tagebuch der Anne Frank

Januar 28, 2020

3sat, 20.15

Das Tagebuch der Anne Frank (Deutschland 2016)

Regie: Hans Steinbichler

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Die Geschichte von Anne Frank, die sich mit ihrer Familie von 6. Juli 1942 bis 4. August 1944 in Amsterdam in einem Hinterhaus vor den Nazis versteckte. Bis zu ihrer Entdeckung schrieb sie ein Tagebuch, das, neben weiteren Schriftstücken aus dem Archiv des Anne Frank Fonds, die Grundlage für das berührende Drama bildete.

Nach ihrer Entdeckung werden sie nach Auschwitz gebracht. Bis auf Anne Franks Vater Otto sterben sie in verschiedenen KZs. Anne Frank stirbt an Typhus Ende Februar/Anfang März 1945 im Lager Bergen-Belsen.

Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist, nach einem Drehbuch von Fred Breinersdorfer, der erste deutsche Kinofilm, der die Geschichte von Anne Frank erzählt. Es ist ein sehr sehenswerter Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat, André Jung, Margarita Broich, Leonard Carow, Arthur Klemt, Gerti Drassl, Stefan Merki

Die Vorlage

Anne Frank - Gesamtausgabe TB - 4

Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.

Anne Frank: Gesamtausgabe
(herausgegeben vom Anne Frank Fonds)
(übersetzt von Mirjam Pressler)
Fischer, 2015
816 Seiten
12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Moviepilot über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Wikipedia über „Das Tagebuch der Anne Frank“ (deutsch, englisch) und Anne Frank (deutsch, englisch)
Der Anne Frank Fonds

Anne-Frank-Seite des Fischer Verlags

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 27. Januar: Blitz

Januar 27, 2020

Kabel 1, 22.25

Blitz (Blitz, Großbritannien 2011)

Regie: Elliott Lester

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002 (Brant)

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Von seinen sieben „Inspector Brant“-Romane sind inzwischen (wenn ich mich nicht verzähle) drei Romane auf Deutsch veröffentlicht.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Mittwoch, 29. Januar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte