Tim Seeley zwischen „Hack/Slash“ und „Revival“

April 28, 2014

Die eine Serie endet, die andere beginnt gerade. Mit „Hack/Slash“, Tim Seeleys Serie über Cassie Hack, eine junge Frau, die, seitdem ihre Mutter sich in einen Slasher verwandelte und sie töten wollte, Slasher jagt, geht mit dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband „Folterverliebt“ in die Endrunde. „Revival“, eine neue Serie über eine Polizistin, die sich in einer ländlichen Gemeinde mit weitgehend friedlichen Untoten und weniger friedlichen Dämonen auseinandersetzen muss, beginnt gerade und, auch wenn jetzt die Idee, dass eine Frau sich mit Untoten blutig und tödlich auseinandersetzen muss, auf den ersten Blick aus dem gleichen Universum stammt, könnten die Serien nicht verschiedener sein.

Seeley - Hack-Slash 9Seeley - Hack-Slash 10

In „Hack/Slash“ kämpfte Cassie Hack in den ersten Geschichten und den zahlreichen Crossover-Geschichten (die etwas außerhalb der regulären Reihenfolge stehen) gegen zahlreiche aus Horrorfilmen bekannte Slasher, Maniacs und Bösewichter. Tim Seeley erzählte dies mit viel Witz, Anspielungen, Sex und Gewalt. Später wurde das Spiel mit den hauptsächliche filmischen Vorbildern zugunsten einer größeren Geschichte vernachlässigt. Ab da kämpften Cassie Hack und ihren Freunden gegen „Die Vereinigung der schwarzen Laterne“, einem Orden mit – nun – seltsamen Ansichten und dem Plan, die Macht zu übernehmen.
Auch in „Folterverliebt“, dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband, spielen die beiden Geschichten und der kurze Epilog vor diesem Hintergrund, was es für Neueinsteiger vor allem in „Mordmessias“ zu einer vor allem verwirrenden Lektüre macht. Die zweite Geschichte „Am Scheideweg“ gehorcht dagegen Thrillerkonventionen, aber mit toten Slashern, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit, zurückkehren und Cassie, Vlad und ihren Freunden viele Probleme bereiten. Tim Seeley bereitet hier unüberschaubar, auf zwei Zeitebenen und vielen Charakteren, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein, das Finale vor.
Der neunte „Hack/Slash“-Sammelband „My First Maniac – Wie alles begann“ ist dagegen für Neueinsteiger wesentlich gewinnbringender zu lesen. Außerdem macht der Kampf gegen einzelne, erkennbare und auch irgendwie noch menschliche Slasher (also keine Mitglieder eines seit Jahrhunderten bestehenden Geheimbundes) mehr Spaß.
So gibt es hier auch einen Besuch im „Psycho“-Motel und in „Ich ohne dich“ erfahren wir, wo Cassies Freund Vlad herkommt und wie sie sich kennen lernten.

Seeley - Revival 1

„Revival“ ist eine neue Serie von Tim Seeley. Sie spielt im winterlichen Wisconsin, wo seit einiger Zeit die Toten zurückkehren. Aber die Erweckten, wie sie genannt werden, sind keine gehirnhungrigen, sabbernden Zombies, sondern Inkarnationen ihres früheren Ichs, die einfach wieder ihr vorheriges Leben aufnehmen, als sei nichts passiert.
Die Kleinstadt und das umliegende County werden abgesperrt. Dennoch wird es zu einem Tummelplatz für religiöse Spinner, Fanatiker, Heilsbringer, dubiose Geschäftemacher und die Medien.
Im Zentrum der Serie steht Police Officer Dana Cypress, alleinerziehende Mutter, jung, intelligent und genervt von ihrem Vater, der der Polizeichef ist und sie wie ein kleines, schutzbedürftiges Kind behandelt. Deshalb ernennt er sie auch zur Leiterin der „Schlichtungseinheit für erweckte Bürger“, was eine nette Beschreibung für „Job, bei dem nichts Schlimmes passieren kann“ ist.
Gleich bei ihrem ersten Einsatz als Leiterin der nur aus ihr bestehenden Einheit geht einiges schief. Ihre Schwester Martha stirbt und kehrt wieder zurück.
„Unter Freunden“, der erste „Revival“-Sammelband, ist eigentlich nur eine Einführung in die Geschichte. Wir lernen die Charaktere und ihre Welt kennen – und sind neugierig auf die nächsten Bände. Denn in „Revival“ arbeitet Tim Seeley mit einem erkennbar langen Atem. Das ist nichts, was nach einigen Heften oder ein, zwei Sammelbänden enden soll.
Neben Dana Cypress und ihrer Schwester Martha, gibt es auch einige Charaktere, die wohl noch für einige Überraschungen gut sind. Das sind bislang Ibrahaim Ramin von der Seuchenschutzbehörde der USA, ein Dämonologe mit unorthodoxen Methoden, die alte Arlene Dittman, die verwandelt von den Toten zurückkehrte, und einem oder mehreren Dämonen, die an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnern.
„Revival“ könnte eine wirklich spannende und interessante Serie werden. Der Auftakt ist jedenfalls wirklich vielversprechend.
–
Tim Seeley: Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2014
160 Seiten
19,80 Euro
–
Originalausgabe
Hack/Slash: Torture Porn
Imagine, 2011
–
enthält
Tim Seeley (Autor)/Jethro Morales (Zeichner): Mordmessias
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Am Scheideweg
James Lowder (Autor)/Jean-Paul Deshong (Zeichner): Nächtliche Totenwache in Eminence
–
Tim Seeley: Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
160 Seiten
19,80 Euro
–
Originalausgabe
Hack/Slash: Me without you
Image, 2010
–
enthält
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): My First Maniac – Wie alles begann
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Ich ohne dich (Me without you)
+ Kurzgeschichten aus „Trailers 2“:
Chris Burnham (Autor)/Stephen Molnar (Zeichner): Gesichtsgulasch (Butterface)
Dennis Hopeless (Autor)/Kyle Strahm (Zeichner): Zu süss (Too cute)
Kevin Mellon (Autor/Zeichner): Blut auf der Tanzfläche (Blood on the Dancefloor)
Mike Olivieri (Autor)/Sean K. Dove (Zeichner): In Leichen suhlen (Wallon in Death)
B. Clay Moore (Autor)/Daniel Liester (Zeichner): Schuss mit Aussicht (Womb with a View)
Mike Norton (Autor)/Brent Schoonover: Fummelkiste (Rape Van)
J. Torres (Autor)/Joe Song (Zeichner): Psyche (Psyche)
–
Tim Seeley (Autor)/Mike Norton (Zeichner): Revival: Unter Freunden (Band 1)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
128 Seiten
18 Euro
–
Originalausgabe
Revival, Volume 1: You’re among friends
Image, 2012
–
Hinweise
Homepage von Tim Seeley
Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)


TV-Tipp für den 28. April: Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne

April 28, 2014

ZDFneo, 20.15/21.00
Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne (Großbritannien 2013, Regie: Ian Barber)
Drehbuch: Tahsin Guner (Episode 1), Rachel Flowerday (Episode 2)
Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday
LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton
Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb verglich ich beim Ansehen der ersten beiden Folgen der neuen BBC-Serie „Father Brown“ Mark Williams, der den Geistlichen in der Serie spielt, auch immer mit Heinz Rühmann. Außerdem spielt die Serie in den Fünfzigern.
Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alex Guiness als Priester und die TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast bis vollkommen unbekannt.
Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalten den Geschichten zum Klassikerstaut. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten anhören musste.
Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.
In der ersten „Father Brown“-Episode, „Der Hammer Gottes“, wird während der Einweihungsfeier der neuen Glocken der Dorfkirche der allgemein unbeliebte Bruder von Pastor Wilfred mit einem Hammer erschlagen. Bevor die Polizei die Verdächtigen auseinandersortieren kann, gesteht Elizabeth Barnes, die Frau des Schmiedes, die von Norman Bohun zum Sex erpresst wurde, die Tat. Aber Father Brown zweifelt.
In „Die fliegenden Sterne“ stirbt Anne-Marie Adams. Father Brown hält einen Unfall für unwahrscheinlich, aber wer aus Anne-Maries Famile hat die Alkoholikerin getötet? Denn ihr nach langer Abwesenheit aus Nairobi gekommener Bruder, dem Father Brown am ehesten die Tat zutrauen würde, hat ein wasserdichtes Alibi.
Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet.
Zwanzig Fälle wurden in England bereits gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit. ZDFneo zeigt jetzt, immer in Doppelfolgen, die erste, aus zehn Episoden bestehende Staffel.
Am 30. Mai veröffentlicht Polyband die erste Staffel auf DVD.
Früher hätte das ZDF die Serie im Vorabendprogramm gezeigt. Aber da ermitteln inzwischen ja die verschiedenen Sokos.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine)
Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover
Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


TV-Tipp für den 27. April: Unknown Identity

April 26, 2014

RTL, 20.15/23.15

Unknown Identity (Japan/Kanada/USA/Deutschland 2010, Regie: Jaume Collet-Serra)

Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell

LV: Didier van Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)

Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.

Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.

mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Unknown Identity“

Rotten Tomatoes über “Unknown Identity”

Wikipedia über “Unknown Identity” (deutsch, englisch)

Homepage von Didier van Cauwelaert

Meine Besprechung von Didier van Cauwelaerts Roman “Unknown Identity”

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)


TV-Tipp für den 26. April: Kiss Kiss, Bang Bang

April 26, 2014

Eins Festival, 21.45

Kiss Kiss, Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Sonntag, 27. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel
–
DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand


TV-Tipp für den 25. April: Ein Köder für die Bestie

April 25, 2014

ZDFneo, 03.15

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


Neu im Kino/Filmkritik: Charles Dickens und „The Invisible Woman“

April 24, 2014

Erst wenn man die historischen Daten studiert, fällt auf, wie sehr Regisseur Ralph Fiennes sich in seinem zweiten Spielfilm „The Invisible Woman“ um eine genaue Datierung der Ereignisse herummogelt oder sie als so bekannt voraussetzt, dass er sie nicht explizit erwähnen muss. Jedenfalls erweckt er bei einem unbedarftem Publikum den Eindruck, dass die Geschichte der titelgebenden unsichtbaren Frau sich innerhalb eines ziemlich kurzen Zeitraums abspielt.
Der Film beginnt 1885 am Strand der englischen Küstenstadt Margate. Eine Frau läuft, gehetzt von unsichtbaren Dämonen, am Strand entlang. Es ist Mrs. George Wharton Robinson, gebürtige Ellen ‚Nelly‘ Ternan (Felicity Jones), die mit Jugendlichen das von Charles Dickens und Wilkie Collins geschriebene Theaterstück „No Thoroughfare“ inszeniert. Die respektierte Gelehrtengattin, die mit ihrem Mann eine Jungenschule leitet, ist eine große Dickens-Bewunderin, die den Dichter sogar persönlich kannte. Als Kind behauptet sie.
Eine Rückblende in das Jahr 1857 zeigt sie als achtzehnjährige Schauspielerin, die in Manchester in dem Collins/Dickens-Theaterstück „The Frozen Deep“ mitspielen soll. Inszeniert wird die Aufführung von Charles Dickens (Ralph Fiennes) höchstpersönlich, der auch die Hauptrolle übernimmt. Der verheiratete 45-jähriger Mann verliebt sich in die Schauspielerin.
In den folgenden dreizehn Jahren, bis zu Dickens Tod 1870, sind sie ein Liebespaar, bei dem Nelly die titelgebende unsichtbare Frau ist. Denn in der Öffentlichkeit gehen sie getrennte Wege und Dickens versucht alles, damit niemand von der Beziehung erfährt.
Und genauso diskret, wie Dickens und Ternan vorgingen, erzählt Ralph Fiennes, nach einem Drehbuch von Abi Morgan („Shame“, „Die eiserne Lady“), diese auf Fakten basierende Geschichte. Denn anstatt die Konflikte direkt anzusprechen, umkreist er sie und deutet sie in Halbsätzen und Gesten an. Und die lange Zeit, die vergeht, ignoriert er, weil die Schauspieler immer ungefähr gleich alt aussehen.
Außerdem werden die Konflikte zugunsten einer gediegenen Inszenierung vernachlässigt. Letztendlich ist „The Invisible Woman“ ein Kostümdrama für das gebildete, schon etwas ältere Publikum, das sich an einer ästhetischen, das Nervenkostüm schonenden Inszenierung ergötzt, während das Denkmal von Charles Dickens kaum angekratzt wird und seine Liebe zu der jungen Schauspielerin fast wie allseit akzeptierte eine Zweckehe wirkt.
Die starren gesellschaftlichen Konventionen und auch die Belastungen und Nachteile, die Nelly Ternan aufgrund ihrer Liebe zu einem älteren, verheirateten, von der Öffentlichkeit vergötterten, sich absolut egoistisch verhaltenden Mann, hatte, werden kaum angesprochen. Denn es war auch eine Liebe, für die sie als Konkubine ihr Leben aufgab und über die sie schweigen musste. Auch nach ihrem Tod wurde von Dickens‘ Nachkommen diese Beziehung soweit möglich verschwiegen.
So bleibt der Film hinter den Möglichkeiten zurück, die die wahren Geschichte von Nelly Ternan geboten hätte.

The Invisible Woman - Plakat

The Invisible Woman (The Invisible Woman, Großbritannien 2013)
Regie: Ralph Fiennes
Drehbuch: Abi Morgan
LV: Claire Tomalin: The Invisible Woman: The Story of Nelly Ternan and Charles Dickens, 1991
mit Ralph Fiennes, Felicity Jones, Kristin Scott Thomas, Tom Hollander, Joanna Scanlan, Perdita Weeks, Amanda Hale, Tom Burke, John Kavanagh
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Invisible Woman“
Moviepilot über „The Invisible Woman“
Metacritic über „The Invisible Woman“
Rotten Tomatoes über „The Invisible Woman“
Wikipedia über „The Invisible Woman“

–

Die TIFF-Pressekonferenz

Die NYFF-Pressekonferenz

Die Screen-Actors-Guild-Conversation


Neu im Kino/Filmkritik: „Ride along“ in einer witzlosen Buddy-Cop-Komödie

April 24, 2014

Etwas Action, einige blöde Sprüche und fertig ist der Film. Dass das nicht so einfach ist, zeigt „Ride along“ in jeder Minute seiner knapp hundert Minuten Laufzeit. Für diesen Buddy-Film, der sich Komödie nennt, aber keine ist, nimmt der harte Cop James (Ice Cube) den Freund seiner Schwester mit auf einen Training Day. Einen Tag lang darf Ben Barber (Kevin Hart), ein überforderter Schulwachmann, Videospiel-Junkie, Schwätzer und Feigling, den ultraharten und supercoolen James begleiten. James sucht auch seit Ewigkeiten Omar (Laurence Fishburne), der als Gangsterboss die Stadt beherrscht und den noch niemand gesehen hat.
Während des Training Day will der Supercop allerdings vor allem Ben beweisen, dass er nicht zum Polizisten taugt und er auch seine bildschöne und kluge Schwester in Ruhe lassen soll.
Das gibt dann am Anfang einige witzig gemeinte Szenen, in denen Ben als überforderter Depp da steht und mündet später in eine gemeinsame Jagd nach Omar, der sich dummer als ein Schulhofgangster verhält. Garniert wird das mit einem Endlos-Geplapper, das bei Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“ noch witzig war, aber inzwischen im ungenießbaren Klischee erstickt ist. Vor allem wenn einfach nur vor sich hin geblödelt wird.
Immerhin erscheint nach „Ride along“ die witzlosen, einen Tiefpunkt des Genres markierende Buddy-Cop-Comedy „Cop Out“ mit einem engagiert gegen das vorhersehbare Drehbuch aufspielendem Tracy Morgan und einem erkennbar gelangweilten Bruce Willis als besserer Film.

Ride Along - Plakat

Ride along (Ride along, USA 2013)
Regie: Tim Story
Drehbuch: Greg Coolidge, Jason Mantzoukas, Phil Hay, Matt Manfredi (nach einer Geschichte von Greg Coolidge)
mit Ice Cube, Kevin Hart, John Leguizamo, Bruce McGill, Tika Sumpter, Laurence Fishburne
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ride along“
Moviepilot über „Ride along“
Metacritic über „Ride along“
Rotten Tomatoes über „Ride along“
Wikipedia über „Ride along“

–

Mehr aus dem Film und einige Worte der Macher


Neu im Kino/Filmkritik: „Irre sind männlich“ und Frauen sind bekloppt

April 24, 2014

Beginnen wir mit dem Positiven. Das Apartment von Daniel sieht wirklich wie eine Wohnung aus, in der jemand lebt.
Aber der Rest ist mit „eine deutsche Komödie“ nur unzureichend beschrieben. Denn „Irre sind männlich“ ist ein unwitziger Kladderadatsch, der sich auch irgendwie an Wochenendpsychotherapien abarbeiten will, aber nur sattsam bekannte Klischees ohne weiteren Erkenntniswert reproduziert, als hätte es nie Edward Nortons Gang durch die Selbsthilfegruppen in David Finchers grandioser Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Fight Club“ gegeben.
Aber Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“, „Wo ist Fred?“) und die Drehbuchautoren Philip Voges und Ilja Haller wollten mit „Irre sind männlich“ keine bitterböse Satire, sondern eine deutsche RomCom abliefern.
Denn eigentlich ist Daniel Lukas (Fahri Yardim) ein Traummann, wenn er nicht so furchtbar anhänglich wäre. Deshalb verlässt ihn seine Freundin Mia (Josefine Preuß). Sein Freund Thomas Vierzig (Milan Peschel), gleichzeitig Geschäftspartner in ihrer Computerspielefirma, überredet ihn, mit ihm während verschiedener Wochenendtherapien möglichst viele Frauen flach zu legen. Dafür melden sie sich mit falschen Namen und erfundenen Lebensläufen bei den Therapien an.
Bei einem Therapiewochenende trifft Thomas wieder auf Sylvie (Marie Bäumer), die er bei einem früheren Therapiewochenende versetzte, weil die gleichaltrige Wuchtbrumme nach seiner Berechnung viel zu alt für ihn ist. Sie, die die Wochenenden ebenfalls für folgenlose Bettgeschichten benutzt, will sich jetzt an Thomas rächen und erpresst ihn zum Geschlechtsverkehr.
Gleichzeitig trifft Daniel wieder auf Bernadette (Peri Baumeister), eine bekannte Schauspielerin – und die beiden Kontrollfreaks verlieben sich ineinander.
Uups, habe ich jetzt etwas verraten?
Die interessantere Liebesgeschichte in dem Film ist die zwischen Thomas und Sylvie, zwei vergnügungssüchtigen Menschen, die Bindungen wie der Teufel das Weihwasser fürchten.
Aber im Rahmen einer erfolgreichen Konfliktvermeidungsstrategie wird sich auf das langweilige Paar konzentriert, es gibt einige Witzeleien über die Psychotherapie und etwas RomCom-Sauce, wobei die Konflikte, die von Anno Saul, Philip Voges und Ilja Haller aufgebaut werden, noch nicht einmal als Scheinkonflikte taugen.
„Irre sind männlich“ ist ein deprimierender, in einem Paralleluniversum spielender Film, in dem schon andere furchtbare deutsche Filme entstanden, die heute niemand gesehen haben will.

Irre sind männlich - Plakat

Irre sind männlich (Deutschland 2014)
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Philip Voges, Ilja Haller
mit Fahri Yardim, Milan Peschel, Marie Bäumer, Peri Baumeister, Josefine Preuß, Tom Beck, Carolin Kebekus, Herbert Knaup, Gitta Schweighöfer
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Irre sind männlich“
Moviepilot über „Irre sind männlich“


Neu im Kino/Filmkritik: „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Kameramann Wally Pfister

April 24, 2014

Science-Fiction kann Fragen stellen, kann Entwicklungen aufzeigen, eine positive oder eine negative Utopie entwerfen und zum Nachdenken anregen. „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Stammkameramann Wally Pfister (nach Lehrjahren in der Roger-Corman-Filmschule), will das, aber weil er sich nicht entscheiden kann, ob er eine Dystopie oder eine Utopie inszeniert und der Film vollkommen antidramatisch, aber sehr trendy in der Gegenwart beginnt und dann zurück in die Vergangenheit springt, wissen wir von der ersten Minute an, wie die Geschichte endet.
Nur der Weg zum Ende ist unklar und auf dem Weg dahin gibt es einige interessante dramaturgische Entscheidungen, die „Transcendence“ vor einer absoluten Vorhersehbarkeit bewahren, aber die Geschichte nicht kraftvoller machen. Im Gegenteil: sie zerfasert immer weiter, bis am Ende dann doch alles mit viel Waffengewalt gelöst werden soll. Und über die im Film gestellten Fragen und Antworten sollte man auch nicht zu genau nachdenken.
Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Künstlichen Intelligenz und – auch – was einen Menschen ausmacht.
Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist ein Vordenker, der mit einem neuen Computersystem im Feld der Künstlichen Intelligenz forscht und kurz davor steht, einen Computer zu programmieren, der lernfähig und emotional begabt wie ein Mensch ist. Gleichzeitig möchte er damit die Welt zu einem besseren Ort machen, Krankheiten besiegen und die Armut überwinden. Trotzdem sind nicht alle Menschen von den Visionen des Menschenfreundes überzeugt. Die Terrorgruppe „R. I. F. T.“ (Revolutionary Independence From Technology), die ein zurück zur Natur propagiert, verübt einen gut orchestrierten und erfolgreichen Anschlag auf mehrere KI-Forscher.
Caster überlebt das Attentat, aber weil die Kugel präpariert war, wird er innerhalb weniger Wochen sterben. Casters Frau Evelyn (Rebecca Hall) entschließt sich, Wills Gedächtnis in den von ihm erfundenen Computer zu kopieren.
Das Experiment gelingt und Will, der schnell Zugriff auf alle Computer erhält, wird zu einem gottähnlichen Wesen, das sich in einem verlassenen Wüstenkaff sein weitgehend unterirdisches Reich aufbaut.
Science-Fiction-Fans werden jetzt schon mit der Checkliste begonnen haben und die Filmemacher bemühen sich erfolgreich, wirklich jedes Thema anzusprechen. Bis jetzt haben wir unter anderem „das Verhältnis von Mensch und Maschine“, „Künstliche Intelligenz“ (bzw. durchgeknallte Computer), „verrückte Wissenschaftler“, „Allmachtsphantasien“, die später genauer ausformuliert werden, Fortschrittsglaube und Fortschrittsangst. Zuerst auf rein technischer Ebene. Später mit einem religiösen Touch. Denn Will Caster kann, wie Jesus, Kraft seiner Gedanken in der Wüste Menschen heilen.
Science-Fiction-Fans werden auch eifrig das „Welcher Film wird hier zitiert?“-Trivial-Pursuit spielen und sich ärgern, dass in „Transcendence“ letztendlich so wenig aus der vielversprechenden Prämisse gemacht wurde. „Transcendence“ will zum Nachdenken anregen, spricht wichtige Themen an, aber die Macher haben selbst zu wenig nachgedacht. Denn zwischen all den Zitaten, gepaart mit einem tiefen Griff in die Science-Fiction-Themenkiste, verirrt Wally Pfister sich hoffnungslos zwischen Technikeuphorie, Technikphobie und neureligiösem Sektentum, ohne dass jemals wirklich eine eigene Haltung zur todernst und pathetisch erzählten Filmgeschichte sichtbar wird.
Dabei ist der gesamte Film optisch angenehm zurückhaltend inszeniert. So als habe ein kluger Kameramann erfolgreich mit einem begrenzten Budget und vorhandenen Orten gearbeitet. Dennoch soll der Film 100 Millionen Dollar gekostet haben.
Auch die wenigen offensichtlichen Spezialeffekte passen sich gut in den Film ein, der sich stilistisch am New Hollywood der siebziger Jahre und damals wichtiger sozialkritischer Science-Fiction-Filme orientiert. Pfister selbst nennt als Einflüsse unter anderem „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain), „Jahr 2022…die überleben wollen“ (Soylent Green), „Der Omega-Mann“ (The Omega Man), „Westworld“ (Westworld), „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth), „2001: Odyssee im Weltraum“ (2001: A Space Odyssey) und „Uhrwerk Organge“ (A Clockwork Orange).
In dieser Liga spielt „Transcendence“ nicht. Denn letztendlich ist Pfister mit seinem gut gemeinten, überfrachteten und unentschlossenen Debütfilm, der zu viel Nolan und zu wenig Corman enthält, gescheitert.
Trotzdem ist die derzeitige Rotten-Tomatoes-Bewertung von neunzehn Prozent im Vergleich zu wirklichen Gurken, wie „Seelen“, „Battleship“, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ride along“, oder dem Werk von Michael Bay zu schlecht. Denn im Gegensatz zu den gängigen Blockbuster-Science-Fiction-Krawallfilmen will Pfister immerhin zum Nachdenken anregen

Transcendence - Plakat

Transcendence (Transcendence, USA 2014)
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Transcendence“
Moviepilot über „Transcendence“
Metacritic über „Transcendence“
Rotten Tomatoes über „Transcendence“
Wikipedia über „Transcendence“ (deutsch, englisch)

–

Einige weitere Bilder aus dem Film

–

Einige Worte von Regisseur Wally Pfister zum Film

–

Etwas älter: DP/30 unterhält sich mit Wally Pfister über sein Leben und „Inception“

 


TV-Tipp für den 24. April: Ihr werdet euch noch wundern

April 24, 2014

WDR, 23.15
Ihr werdet euch noch wundern (Frankreich/Deutschland 2012, Regie: Alain Resnais)
Drehbuch: Alain Resnais (als Alex Reval), Laurent Herbiet
LV: Jean Anouilh: Eurydice, Cher Antoine ou l’amour raté
Nach seinem Tod treffen sich die Darsteller eine Eurydike-Inszenierung im Haus des verstorbenen Theaterregisseurs. Der bittet sie per Videobotschaft, anhand eines Probenmitschnitts über die Aufführung eines Theaterstückes zu entscheiden. Als die Schauspieler bemerken, dass es sich um den Mitschnitt einer ihrer Proben handelt, schlüpfen sie in ihre Rollen – und Alain Resnais liefert in seinem vorletzten Film eine Liebeserklärung an das Theater.
Alain Resnais („Hiroshima, mon amour“, „Letztes Jahr in Marienbad“, „Das Leben ist ein Chanson“) starb am 1. März 2014. Er wurde 91 Jahre alt . Sein letzter Film „Aimer, boire et chanter“ lief auf der diesjährigen Berlinale.
mit Mathieu Amalric, Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean-Noël Brouté, Anne Consigny, Anny Duperey, Hippolyte Girardot, Gérard Lartigau, Michel Piccoli, Denis Podalydès, Lambert Wilson
Hinweise
Film-Zeit über „Ihr werdet euch noch wundern“
Moviepilot über „Ihr werdet euch noch wundern“
Rotten Tomatoes über „Ihr werdet euch noch wundern“
Wikipedia über Alain Resnais und „Ihr werdet euch noch wundern“ (englisch, französisch)


„Killmousky“ – Frau Lewitscharoff schreibt einen „Kriminalroman“

April 23, 2014

So ein Krimi ist eine einfache Sache. Das dachte sich Sibylle Lewitscharoff wohl, als sie „Killmousky“ schrieb. Denn anstatt hoher Literatur, sollte es ein Kriminalroman werden.
Nun, es ist ein Monument des Scheiterns. Es ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie man einen Kriminalroman nicht schreiben soll. Aber wahrscheinlich kommt das heraus, wenn man das Genre verachtet und sich sein Wissen über das Genre aus Jugenderinnerungen irgendwo zwischen „Fünf Freunde“, Agatha Christie und Edgar Wallace, „Tatort“ und falsch verstandenem „Inspector Barnaby“ zusammenklaubt. Diese Krimiserie wird am Anfang des Werkes explizit erwähnt und sie markiert hier eine beachtliche Fallhöhe. Denn auch die schlechteste „Inspector Barnaby“-Episode ist besser als „Killmousky“.
Aber vergleichen wir nicht Äpfel (Film) mit Birnen (Buch). Allein schon die Lektüre und das Verstehen von einer Handvoll KrimiZeit-Bestenliste-Bücher hätte vieles verhindern können.
Das beginnt mit der Sprache. Denn „Killmousky“ ist erschreckend schlecht geschrieben, ungefähr auf dem Niveau einer vor sich hin babbelnden Hausfrau. Es sind Sätze, wie „Der Toast war inzwischen in ihm verschwunden. Die erste Tasse Kaffee getrunken. Er zündete sich eine Zigarette an. Vor der zweiten Tasse rauchte er immer eine Zigarette. Das würde er wahrscheinlich die nächsten Jahre beibehalten. Aber vielleicht änderten sich seine Gewohnheiten ab jetzt radikal. Er war ja nun gezwungen, ein ganz anderes Leben zu führen.“ (Seite 16)
Oder „In der Holzklasse gab es keine freien Plätze mehr. Die Maschine war ausgebucht.“ Auf den ersten Blick haben beide Sätze die gleiche Aussage. Weil Ellwanger dann in der ersten Klasse einen Platz erhält, ist der zweite Satz sogar falsch, aber genauso sinnfrei plappernd geht es wenige Zeilen später weiter: „Alsbald saß er da vergnügt als Hahn im Korb und ließ sich verwöhnen. So vorzüglich war er noch nie gereist. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers eben.“ (Seite 28)
Auf der nächsten Seite – keine Panik, ich höre gleich auf – geht es ähnlich verquast weiter: „Die Schlangen vor den Beamten, die die Dokumente überprüften, waren lang, aber es ging schneller als gedacht.“
„Kalt war’s. Die Passanten steckten in dicken Mänteln und trugen die Köpfe von Wollmützen bedeckt, die Hälse in Schals gemummelt. Zusammengescharrte Schneeberge am Straßenrand.“
Herrje, gibt es denn keine Schreibratgeber?
Denn das sind Sätze, die es noch nicht einmal in den ersten Entwurf eines gestandenen Krimiautoren geschafft hätten. Dass Lewitscharoff in ihren anderen Romanen mit ihrer Sprachgewalt beeindrucken soll, erscheint im Angesicht dieser Sätze wie eine böswillige Verleumdung. Gewaltig ist in „Killmousky“ höchstens die Unfähigkeit, sich präzise auszudrücken und mit Sprache eine Welt zu erschaffen, die mehr als die Kulisse eines letztrangigen Fünfziger-Jahre-Kolportage-Krimis ist.
Wahrscheinlich deshalb vermeidet die „Sprachvirtuosin“ auch die wörtliche Rede wie der Teufel das Weihwasser. Fast alle Gespräche reportiert sie brav in der indirekten Rede, was ungefähr so prickelnd zu lesen ist, wie ein Verhörprotokoll.
Die Geschichte ist ein erbärmlicher Wust, den höchstens Verächter „Kriminalroman“ nennen. Denn sogar ein blutiger Amateur würde zielgerichteter als Kommissar a. D. Richard Ellwanger ermitteln.
Also: Ellwanger soll herausfinden, ob Paul Larson seine Frau Victoria ermordete. Die New Yorker Polizei geht von Suizid aus, aber ihr stinkreicher, im Rollstuhl sitzender Vater Howard Clayton Trevillyan glaubt an Mord. Es besteht auch der Verdacht, dass Larson ein Schwindler ist, der aus Gerabronn kommt und Heiner Blaschke heißt. Nach einigen ziellosen Ermittlungen auf Long Island, inclusive einem Sprung ins Bett mit Victorias Schwester Catherine, reist Ellwanger zurück nach Deutschland, ermittelt hier ähnlich ziellos weiter, gibt sich ständig als Polizist aus, reist wieder zurück und – Hallelujah! – der Täter schnappt ihn und, bevor er Ellwanger ermordet, gesteht er ihm schnell noch alles.
Aber zum Glück taucht eine Frau mit Revolver und Schalldämpfer auf.
Wahrscheinlich ist eine Pistole gemeint. Denn Revolver (das sind die Dinger, die von den Cowboys in den Western benutzt werden) und Schalldämpfer sind eine sehr ungebräuchliche und auch nicht sonderlich sinnvolle Kombination. Aber in dem Moment ist eh alles egal.
Der Bösewicht Larson ist dabei ganz klar eine literarische Bearbeitung von Christian Gerhartsreiter, der als falscher Rockefeller in den USA reich heiratete und 2013 als Mörder verurteilt wurde. Der Hochstapler kam aus Siegsdorf, einem Dorf im Landkreis Traunstein in Bayern. Lewitscharoffs Hochstapler kommt aus einem anderen süddeutschen Dorf.
Die titelgebende Katze Killmousky ist das Haustier von Ellwanger und für die Geschichte vollkommen unwichtig, geht aber wohl als Selbstzitat durch. Siehe „Blumenberg“.
Und dann gibt es noch zwei Passagen, die Ellwanger zu einem rechtspopulistischem Law-and-Order-Befürworter und Saloon-Rassisten machen.
Denn das „Verhör-As“, „mit der höchsten Aufklärungsquote bei Schwerverbrechern in ganz Bayern, weit über Bayern hinaus“ (Seite 16) wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er einen Verdächtigen bedrohte. Das reale Vorbild dafür ist natürlich der Fall Daschner. Auch bei Lewitscharoff ist der Verdächtige, ein arroganter Philosophie-Student, der Täter, Ellwanger drohte nur und die beiden Entführungsopfer konnten nicht gerettet werden. Die überhaupt nicht versteckte Botschaft ist: „Ja hätte der Bursche doch schon früher zugeschlagen, dann hätte er die Opfer retten können.“
Und auf Seite 157 wird Ellwanger flugs zum Rassisten: „Der Abend wurde noch munter. Sie zogen über dämliche Kollegen her, über dämliche Ehefrauen und die erzdämliche bayerische Bürokratie, auch über vollverschleierte Saudifrauen, Schlitzguckerinnen, die umgeben von einem Pulk Männer die Läden in der Maximilianstraße leer kauften. Ellwanger wurde richtig heiter und redete beschwingter als sonst.“
Beides ist für die Geschichte so überflüssig wie ein Kropf und die Sätze stehen nur deshalb im Roman, weil Lewitscharoff hier noch schnell eine ihr wichtige Botschaft unterbringen wollte. Vollkommen distanzlos und unreflektiert sagt sie, dass Folter und Rassismus okay sind. Georg Büchner und Heinrich von Kleist würden sich im Grab umdrehen.
„Killmousky“ ist eine Beleidigung für Genre-Liebhaber – und wahrscheinlich der schlechteste Roman, den ich dieses Jahr lesen werde.

Lewitscharoff - Killmousky

Sibylle Lewitscharoff: Killmousky
Suhrkamp, 2014
224 Seiten
19,95 Euro
–
Hinweise
Perlentaucher über „Killmousky“
Suhrkamp über Sibylle Lewitscharoff
Wikipedia über Sibylle Lewitscharoff

 

 


TV-Tipp für den 23. April: Das Schweigen der Lämmer

April 22, 2014

Kabel 1, 23.15

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine

Wiederholung: Donnerstag, 24. April, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “The Silence of the Lambs”

Rotten Tomatoes über “The Silence of the Lambs”

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally (2nd draft script, 28. Juli 1989)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (final draft script)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (undated, unspecified draft script)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Wikipedia über Thomas Harris (deutsch, englisch)


Cover der Woche

April 22, 2014

Forsyth - The Fourth Protocol - 4


TV-Tipp für den 22. April: No Way Out – Es gibt kein Zurück

April 21, 2014

Bayern, 22.00

No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Garland

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946

Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.

Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.

Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton

Hinweise

Rotten Tomatoes über “No Way Out”

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der früheren Verfilmung “Spiel mit dem Tode” (The Big Clock, USA 1947)


TV-Tipp für den 21. April: Strafsache Jesus

April 21, 2014

ZDF, 19.30
Strafsache Jesus – Faktencheck mit Petra Gerster (Deutschland 2014, Regie: Daniel Sich, u. a.)
Drehbuch: Daniel Sich
45-minütige Doku, die die aus der Bibel bekannte Geschichte über den Tod von Jesus nacherzählt als seien es Gerichtsakten (was sie nicht sind), sie um einige Expertenaussagen ergänzt (davon hätte es mehr geben können) und Petra Gerster durch historische Gemäuer schlendern lässt (davon hätte es weniger geben können). Insgesamt ist der Informationsgehalt eher spärlich. Aber als wenig Aufmerksamkeit beanspruchende Auffrischung okay.
Hinweis
ZDF über „Strafsache Jesus“


TV-Tipp für den 20. April: Goldrausch

April 20, 2014

3Sat, 21.00
Goldrausch (USA 1925, Regie: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
1898 macht der Tramp Charlie sich auf den Weg nach Alaska. Denn dort wurde Gold gefunden.
Grandiose Stummfilmkomödie, über die Chaplin sagte: „Das ist der Film, mit dem ich meinen Namen für immer verknüpft sehen möchte.“
3Sat zeigt die von Chaplin 1942 hergestellte Version, deutsch synchronisiert.
mit Charlie Chaplin, Georgia Hale, Mack Swain, Tom Murray

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch) und „Goldrausch“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movie über „Goldrausch“

AMC Filmsite über „Goldrausch“

Rotten Tomatoes über „Goldrausch“


Neu im Kino/Filmkritik: „Circles“ – die Nachwirkungen einer Auseinandersetzung

April 19, 2014

Mut, Schuld, Sühne, Rache, Vergebung. Große Themen, die Srdan Golubovic in seinem neuen Film „Circles“ (Krugovi) vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges behandelt.
Der Film beginnt an einem sonnigen Tag während des Bosnienkrieges, als ein serbischer Offizier und drei weitere Soldaten auf dem Marktplatz in Trebinje einen muslimischen Kioksbesitzer bedrohen und attackieren. Ein junger serbischer Soldat greift deeskalierend ein und bevor wir erfahren, wie der Streit endet, springt der Film zwölf Jahre in die Zukunft und Golubovic verfolgt das Leben von einigen Männern, die etwas mit dem damaligen Ereignis zu tun haben.
Ranko, ein älterer Mann, will eine Kirche wieder aufbauen. Dabei will ihm ein Jugendlicher helfen. Aber Ranko lehnt diese Hilfe – zunächst – wegen des früheren Ereignisses ab.
Haris lebt inzwischen als Arbeiter und glücklich verheirateter Vater in Deutschland. Er will einer Frau helfen, die vor ihrem gewalttätigen Mann aus Serbien flüchtete.
Nebojsa ist inzwischen Arzt. Er soll Todor operieren, aber aufgrund des Ereignisses fragt er sich, ob er die Operation machen soll.
Das klingt jetzt alles etwas nebulös, aber im Gegensatz zum Presseheft, das die Hintergründe und Motive verrät, enthüllt der Film nur langsam die moralischen Dilemma der Charaktere und erst ganz am Ende des Films erfahren wir, was damals geschah. Wir können es uns zwar denken, aber weil wir es nicht wissen, bleiben bis zu den letzten Minuten unklar, warum die Männer sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Wir wissen nicht, warum Ranko gegenüber dem Jungen so ablehnend reagiert. Wir wissen nicht, warum Nebojsa sich fragt, ob er die Operation leiten soll. Wir wissen nicht, warum Haris der Frau hilft. Wir wissen nur, dass es etwas ist, worüber sie nicht sprechen wollen.
Deshalb und weil die Männer weitgehend schweigsam mit ihrem Schicksal hadern, betrachtet man sie auch immer sehr distanziert. Denn es geht um etwas Wichtiges, aber es ist nicht wirklich greifbar, weil Golubovic die Hintergründe erst viel zu spät enthüllt. Jedenfalls für ein Publikum, das nicht im ehemaligen Jugoslawien lebt und von dem Bürgerkrieg betroffen ist.
Das ist schade, denn davon abgesehen findet Golubovic, der auch „Klopka – Die Falle“ inszenierte, einprägsame Bilder aus dem heutigen Serbien, Bosnien und Herzegowina und einem anonymen Deutschland. Gedreht wurde in Halle. Die Schauspieler sind gut. Aber alles in „Circles“ bleibt zu abstrakt und thesenhaft. Es ist ein spröder Film, der grundlos zu viel von seinem Potential verschenkt; – jedenfalls beim ersten Ansehen.
Wenn man allerdings weiß, was damals auf dem Dorfplatz geschah, man die Motive und Gefühle der Charaktere kennt und weiß, wie ihre Beziehungen zueinander sind, dann ist „Circles“ eine sehr interessante Meditation über Schuld, Sühne, Rache und Vergebung, die auf der Berlinale den Preis der Ökomenischen Jury erhielt und der Vorschlag Serbiens für den Oscar als bester fremdsprachiger Film war.
Nur: wer sieht sich einen Film zweimal an?

Circles - Plakat

Circles (Krugovi, Serbien/Slowenien/Kroatien/Frankreich/Deutschland 2012)
Regie: Srdan Golubovic
Drehbuch: Melina Pota Koljevic
mit Aleksander Bercek, Leon Lucev, Nebojsa Glogovac, Nikola Rakocevic, Hristina Popovic, Boris Isakovic, Vuk Kostic
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Circles“
Moviepilot über „Circles“
Rotten Tomatoes über „Circles“
Wikipedia über „Circles“


TV-Tipp für den 19. April: Der große Diktator

April 19, 2014

3Sat, 20.15

Der große Diktator (USA 1940, R.: Charlie Chaplin)

Drehbuch: Charlie Chaplin

Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Wer den Film noch nicht gesehen hat,…

Morgen zeigt 3Sat um 21.00 Uhr „Goldrausch“.

Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie

Wiederholung: Samstag, 20. April, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Yves Saint Laurent“ und sein Freund Pierre Bergé

April 18, 2014

Alles das, was Ron Howard in „Rush“ über den erbitterten Kampf um den Weltmeistertitel zwischen den Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt oder Brian Helgeland in „42“ über Jackie Robinson, der als erster Afroamerikaner, trotz massiver Vorurteile, in der Major League Baseball spielte oder Margarethe von Trotta in „Hannah Arendt“ über die Philosophin und ihr Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ richtig machten und auch noch Justin Chadwick in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ über den südafrikanischen Freiheitskämpfer mit Einschränkungen gelang, macht Jalil Lespert in seinen Biopic „Yves Saint Laurent“ falsch. Denn bei ihm wird nie deutlich, warum wir uns für den Modeschöpfer interessieren sollten, was wir aus seinem Leben lernen könnten oder auch nur gegen welche Widerstände er kämpfte.
Im Film wirkt Yves Saint Laurent wie das geborene Glückskind. Er ist modebegeistert. Als 21-jähriger übernimmt er 1957, nach dem plötzlichen Tod von Christian Dior, das Haute-Couture-Haus. Er trifft Pierre Bergé, der sein Freund, Geliebter und Geschäftspartner wird. Bergé, der auch der Erzähler des Films ist, ist die Frau im Hintergrund. Als sie 1961 das Modelabel „Yves Saint Laurent“ gründen, lässt er Yves Saint Laurent in der Öffentlichkeit und hält ihm die alltäglichen Geschäftsprobleme vom Hals. Laurents Kollektionen werden begeistert aufgenommen. Sie sind glücklich und genießen ihren Reichtum, ohne mit ihm zu protzen. In dieser rosaroten Modewelt ist alles perfekt und alle haben sich lieb.
Dass die Wirklichkeit nicht so rosig war, erfährt man im Film nicht. Im Film hat Yves Saint Laurent keine Probleme und er muss auch gegen keine Widerstände kämpfen. Im Film hatte er ein vollkommen langweiliges Leben. Das ist dann für einen Film, vor allem wenn man über Yves Saint Laurent nur weiß, dass er ein bedeutender Modeschöpfer war, einfach nur todlangweilig. Denn man erfährt im Film nicht, warum die gezeigten Kollektionen so wichtig sind. Man erfährt auch nicht, warum Laurent sich als Künstler sah, er die Mode als eine Kunst ansah und seine Kollektionen so revolutionär waren.
Und die im Zentrum des Films stehende Liebesgeschichte ist für einen Film ziemlich uninteressant. Denn für einen Film ist „Konflikt“ der notwendige Treibstoff. In Konflikten und wie sie damit umgehen, zeigt sich der Charakter der verschiedenen Personen. Die perfekte Liebe, die man natürlich jedem gönnt, ist dagegen die vollkommene Abwesenheit von Konflikt.
Für ein Biopic ist das dann aber nicht besonders lehrreich. Denn, wie gesagt, bei einem Biopic wollen die Macher uns Zuschauern erzählen, warum dieses Leben so ungewöhnlich war und was wir aus diesem Leben lernen können. Auch was wir anders machen würden oder wo der Porträtierte das vollkommen falsche getan hat. Am Ende des Films sollten wir mehr über den Protagonisten wissen, seine Handlungen verstehen und auch wissen, warum er eine so ungewöhnliche Person ist.
„Yves Saint Laurent“ versagt hier leider komplett.
Das verklärende Biopic ist nur ein vollkommen unkritischer Werbefilm. Aber wer will zwei Stunden Werbung sehen, wenn er im Fernsehen schon nach zwei Minuten den TV-Kanal wechseln würde?

Yves Saint Laurent - Plakat

Yves Saint Laurent (Yves Saint Laurent, Frankreich 2013)
Regie: Jalil Lespert
Drehbuch: Jacques Fieschi, Marie-Pierre Huster, Jalil Lespert, Jérémie Guez (Mitarbeit)
LV: Laurence Benaïm: Yves Saint Laurent
mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie de Villepin, Nikolai Kinski
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Yves Saint Laurent“
Moviepilot über „Yves Saint Laurent“
Metacritic über „Yves Saint Laurent“
Rotten Tomatoes über „Yves Saint Laurent“
Wikipedia über „Yves Saint Laurent“ (deutsch, englisch, französisch)