Neu im Kino/Filmkritik: „King Arthur: Legend of the Sword“, mal wieder neu interpretiert

Mai 11, 2017

Bislang tobte Guy Ritchie sich in der Gegenwart aus. Eigentlich immer im Gangstermilieu. Auch seine beiden Sherlock-Holmes-Filme waren mehr gegenwärtig als viktorianisch.

In seinem neuesten Film „King Arthur: Legend of the Sword“ springt er ganz weit in die Vergangenheit und erzählt die Geschichte von König Arthur, dem Schwert Excalibur, das er aus einem Stein herauszieht, der Festung Camelot und den Rittern der Tafelrunde neu. Selbstverständlich in 3D und, wie es sich für eine Big-Budget-Produktion gehört, mit namhafter Besetzung. Auch wenn die wirklich großen Namen fehlen. „Sons of Anarchy“ Charlie Hunnam, Jude Law (der in Ritchies Sherlock-Holmes-Filmen Dr. Watson ist), Djimon Hounsou, Aidan Gillen, Mikael Persbrandt und Eric Bana (der sich mit wenigen Drehtagen aus der Affäre zog) sind alle schauspielerisch erschreckend unterfordert in diesem Fantasy-Mischmasch, der mehr an den Katalog eines Fantasy-Shops als an einen auch nur halbwegs durchdachten Film erinnert.

Die Filmgeschichte beginnt damit, dass Vortigern (Jude Law) seinen Bruder, den rechtmäßigen, allseits beliebten und tapferen König Uther Pendragon (Eric Bana), und dessen Frau feige ermordet.

Pendragons kleiner Sohn kann, wie Moses, auf einem kleinen Boot entkommen. In London, oder Londinium wie es im Film heißt, wird er aufgenommen und wächst zu einem properen Mannsbild heran, das dann wie Charlie Hunnam aussieht. Er ist ein guter Kämpfer und verdient sein Geld als Beschützer eines Etablissements, in dem eine verdächtig hohe Zahl leicht bekleideter, junger Damen arbeitet. Für die weitere Filmgeschichte sind sie unwichtig. Wie es in dem gesamten Film keine einzige auch nur halbwegs interessante oder erinnerungswürdige Frauenfigur gibt. Es gibt daher selbstverständlich auch keine Liebesgeschichte.

Jedenfalls wird Arthur von den Schergen des Königs verhaftet, wie alle jungen Männer nach Camelot gebracht und, potzblitz, er zieht mühelos und erstaunlich lustlos, so als wolle er nur wieder möglichst schnell zurück in sein Bordell, das berühmte, mit magischen Kräften versehene Schwert Excalibur aus dem Stein. Jetzt wissen alle, dass er der rechtmäßige König ist.

Aber der böse König ist noch lange nicht besiegt.

Arthur wird jetzt von Kämpfern des Widerstands gegen Vortigern förmlich in den Kampf gedrängt. Und das ist eine weitere Neuerung: Ritchies König Arthur hat überhaupt keine Lust auf den Thron und er will auch nicht seine Eltern rächen. Das führt dazu, dass Arthur wie ein nasses Hemd im Film herumhängt und nur bei den Actionszenen lebendig wird. Weil: kämpfen kann er. Ohne dass seine weiße Weste einen Blut- oder Dreckspritzer abbekommt.

King Arthur: Legend of the Sword“ will als Neuinterpretation der Artuslegende in keiner Sekunde ein weiterer Ritterfilm sein, der seine Geschichte entlang der bekannten, bewährten und funktionierenden Konventionen einfach noch einmal erzählt. Allerdings hat Guy Ritchie keine Ahnung davon, was er stattdessen erzählen will. Er lässt die Liebesgeschichte weg. Er lässt den Comic-Charakter, den Witzbold, weg, der in anderen Ritterfilmen für die Lacher sorgte. Ritchie lässt dieses Mal sogar den Humor weg. Außer man hält abgeschlagene Gliedmaße für witzig.

Er nahm dem Protagonisten, King Arthur, jegliche Ambitionen. Ritchies King Arthur ist der wohl unambitionierteste Thronanwärter der Filmgeschichte. Er zieht nonchalant das Schwert aus dem Stein, als ob er gerade eine lästige Fliege totschlagen würde und sich nicht in dem Moment als der legitime Thronfolger zu erkennen gäbe. Er scheint es – im Gegensatz zu uns – auch nicht zu wissen und wenn er es doch weiß, ist ihm egal, dass er mit dieser Tat sein eigenes Todesurteil schreibt. Denn Vortigern will unter allen Umständen an der Macht bleiben. Während des gesamten Films stolpert Arthur in Kämpfe, weil sie so im Drehbuch stehen. Aber nicht, weil sie Prüfungen auf dem Weg zu seinem Ziel sind, weil (siehe oben) er kein Ziel hat.

Ritchie inszenierte den gesamten Film, abgesehen von wenigen Landschaftsaufnahmen (gedreht wurde in Schottland und Wales), in dunklen bis sehr dunklen Bildern. Blut, Matsch, Schlamm, Modder und Scheiße sind eine monochrome braune Soße, die erfolgreich eine Freigabe „ab 12 Jahre“ (bzw. PG-13) anpeilte. Denn so brutal die Morde auch sind, so wenig sieht man von ihnen. Dass die dunklen Bilder für die Düsternis der Geschichte stehen sollen; – geschenkt. Das haben wir schon tausendmal gehört und es ist immer noch Quatsch. Ein Film wird durch seine Geschichte düster. Nicht durch seine dunklen Bilder.

Am Ende des Fantasy-Films gibt es eine Szene, die eine tagespolitische Lesart des gesamten Films geradezu herausfordert: ein stolzer Wikingerführer erkennt klag- und kampflos die Führerschaft von König Arthur an, weil Arthur jetzt der König und der Herrscher über die Welt und damit auch über die Wikinger ist. Das sieht dann – immerhin ist die Artus-Legende ein seit Ewigkeiten gepflegter Nationalmythos – wie die Visualisierung der chauvinistischen Brexit-Fantasien aus, nach denen Großbritannien nach dem Brexit wieder eine strahlende Großmacht ist, die anderen gnädig Schutz gegen bedingungslose Folgsamkeit gewährt. Ritchie inszenierte auch diese Szene ohne eine ironische Distanz.

Bis zu diesem Moment zeigt der Film einen beeindruckende Diskrepanz zwischen dem Anspruch, eine mitreisende Fantasy-Neuinterpretation der Artus-Legende zu präsentieren, und dem Endergebnis, das genau das nicht ist. „King Arthur: Legend of the Sword“ ist ein lustlos-pompöser, vor Selbstüberschätzung triefender Ritterfilm, der einen wehmütig an ältere und bessere Interpretationen der alten Geschichte denken lässt. Genau wie die Versprechen der Brexit-Befürworter von einem souveränen, grandiosen Großbritannien außerhalb der EU nichts mit der sich schon jetzt abzeichnenden Realität zu tun haben.

Das gilt, um wieder zum Film zurückzukommen, auch für die Pläne, nach denen „King Arthur: Legend of the Sword“ der Auftakt einer aus sechs (!) Filmen bestehenden Serie sein soll. Diese Pläne kann man, angesichts der Qualitäten des Films, schon beim Abspann in das Reich der Legenden verweisen. Erste Box-Office Prognosen gehen in die gleiche Richtung. Aktuell schätzt „The Hollywood Reporter“ den Film, wenn die Einnahmen außerhalb der USA nicht sehr hoch sind, als ersten Kassenflop des Jahres ein.

P. S.: Eine beruhigende Erkenntnis hat der Film: auch damals wurden die Bauarbeiter nicht fertig. Überall stehen halbfertige Häuser, Brücken und Tore herum. Etliche sind schon am verfallen; – – – – was auch eine Metapher für das Vereinigte Königreich sein könnte.

King Arthur: Legend of the Sword (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Joby Harold, Guy Ritchie, Lionel Wigram (nach einer Geschichte von David Dobkin und Joby Harold)

mit Charlie Hunnam, Jude Law, Àstrid Bergès-Frisbey, Djimon Hounsou, Aidan Gillen, Mikael Persbrandt, Eric Bana, David Beckham

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „King Arthur: Legend of the Sword“

Metacritic über „King Arthur: Legend of the Sword“

Rotten Tomatoes über „King Arthur: Legend of the Sword“

Wikipedia über „King Arthur: Legend of the Sword“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)


TV-Tipp für den 11. Mai: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten

Mai 11, 2017

Weil heute sein neuer, nicht sonderlich gelungener Film „King Arthur: Legend of the Sword“ anläuft:

Vox, 20.15

Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Michele Mulroney, Kieran Mulroney

LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle

1891: Professor James Moriarty will mit Anschlägen in Europa einen Krieg entfesseln. Sherlock Holmes und Dr. Watson wollen das verhindern.

In seinem zweiten Sherlock-Holmes-Film liefert Guy Ritchie Remmidemmi um die Jahrhundertwende.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Die Gerüchte über einen dritten Sherlock-Holmes-Film von Guy Ritchie mit Robert Downey jr. als Sherlock Holmes und Jude Law als Dr. Watson halten sich hartnäckig.

mit Robert Downey jr., Jude Law, Jared Harris, Noomi Rapace, Stephen Fry, Eddie Marsan, Rachel McAdams, Kelly Reilly, Geraldine James, Paul Anderson, Thierry Neuvic

Wiederholung: Freitag, 12. Mai, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“

Rotten Tomatoes über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“

Wikipedia über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


„Revival“ trifft „Deine treuen Söhne und Töchter“

Mai 10, 2017

In Wasau, Wisconsin, erwachten die Toten zum Leben. Im Gegensatz zu den aus Filmen, Comics und Romanen bekannten hirnlos-mordgierigen Zombies sind diese Tote ganz verträgliche Zeitgenossen, die nicht weiter auffallen. Trotzdem wird die Gegend um die Gemeinde unter Quarantäne gestellt, bis man herausgefunden hat, warum es die Erweckten gibt und ob sie ungefährlich sind. Verschwörungstheoretiker und religiöse Spinner, die für die weitere Geschichte unwichtig sind, versammeln sich in und um Wasau.

Wichtig ist dagegen als Protagonistin Dana Cypress. Sie ist eine Polizistin, die vor ihrem Vater, dem Polizeichef Wayne Cypress, verbergen will, dass ihre Schwester Martha zu den Erweckten gehört.

In dem sechsten Sammelband der von Autor Tim Seeley („Hack/Slash“) und Zeichner Mike Norton erfundenen Comicserie „Revival“ sind die Hefte 30 bis 35 enthalten. Wie in den vorherigen Heften bewegt sich die Haupthandlung nur minimal vorwärts. Falls überhaupt. Beim Lesen von „Deine treuen Söhne und Töchter“ hatte ich den Eindruck dass Tim Seeley nicht wusste, wie er die Geschichte von „Revival“ weiter erzählen sollte.

Die Bedeutung der zahlreichen Nebenhandlungen für die Haupthandlung ist unklar. Sie lesen sich inzwischen eher so, als würde Tim Seeley die Geschichte strecken, dehnen und mit weiteren Fragen und Rätseln erweitern, ohne dass irgendwo erkennbar wird, auf welches Ende „Revival“ zusteuert. So hat jetzt die Farm eine wichtige Rolle. In dem Auffanglager für kürzlich erweckte Bürger experimentiert das Militär mit ihnen. Nachdem durch einige unglückliche Umstände Wayne Cypress herausgefunden hat, dass seine Tochter Martha eine Erweckte ist, kommt sie ebenfalls in das Lager.

Die militärische Leiterin der Farm, General Louise Cale, ist eine Lesbe. Wie sie oder ihre sexuelle Orientierung die Hauptgeschichte voran bringen kann, ist unklar. Da helfen auch nicht die vielen Seiten, die in dem neuesten „Revival“-Sammelband „Deine treuen Söhne und Töchter“ über sie geschrieben und gezeichnet werden.

Die Haupthandlung scheint sich jetzt auf die Frage konzentrieren zu wollen, wer Martha ermordete. Ihre Schwester Dana will das jetzt unbedingt herausfinden. Auch hier stellt sich die Frage, warum das jetzt die wichtigste Frage sein soll. Denn es gibt noch etliche andere offenen Fragen und Konflikte aus den vorherigen „Revival“-Büchern, die teils nicht weiter verfolgt werden. Wie der auf der ersten Seite des Sammelbandes erwähnte terroristische Anschlag, bei dem zahlreiche Bürger von Wasau starben.

Erst spät im Sammelband gibt es zwei Entwicklungen, die ein mögliches Ende andeuten. Das erfolgte in den USA im Februar 2017 mit Heft 47 – und angesichts des baldigen Ende werde ich weiter lesen. Ohne die Begeisterung der ersten Hefte. Aber in der Hoffnung auf eine gute Erklärung für die Ereignisse.

Der siebte „Revival“-Band „Vorwärts!“ ist für Mitte August angekündigt.

Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Deine treuen Söhne und Töchter (Band 6)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2016

128 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 6: Thy loyal sons & daughters

Image, 2016

Hinweise

Homepage von Tim Seeley

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)“ (Hack/Slash: Me without you, 2010)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)“ (Hack/Slash: Torture Porn, 2011)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Tote Promis (Band 11)“ (Hack/Slash: Dead Celebrities, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Heiraten, f#cken, töten (Band 12)“ (Hack/Slash: Marry F#ck Kill, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Unter Freunden (Band 1)“ (Revival, Volume 1: You’re among friends, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Lebe dein Leben (Band 2)“ (Revival, Volume 2: Live like you mean it, 2013)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Ein ferner Ort (Band 3)“ (Revival, Volume 3: A faraway place, 2014)

Meine Besprechung Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Flucht nach Wisconsin (Band 4)“ (Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin, 2014)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Steigende Fluten (Band 5)“ (Revival, Volume 5: Gathering of Waters, 2015)


TV-Tipp für den 10. Mai: Only Lovers left alive

Mai 10, 2017

BR, 23.30

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


Cover der Woche

Mai 9, 2017


TV-Tipp für den 9. Mai: Konzerne als Retter?

Mai 8, 2017

Arte, 20.15

Konzerne als Retter? (Deutschland 2017)

Regie: Valentin Thurn, Caroline Nokel

Drehbuch: Valentin Thurn, Caroline Nokel

Spielfilmlange Doku über die Verbindung von Entwicklungshilfe und ökonomischen Interessen. Und das zur besten Sendezeit!

„Konzerne als Retter?“ nimmt den Zuschauer mit nach Kenia, Sambia und Tansania, fragt, wie öffentlich-private Partnerschaften funktionieren und ob die Ärmsten der Armen von ihnen profitieren. (…)

Die Dokumentation analysiert die politischen Hintergründe öffentlich-privater Partnerschaften in der Entwicklungshilfe. Sie beleuchtet sieben unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit im Ernährungs- und Landwirtschaftssektor in Kenia, Sambia und Tansania: vom Versuch deutscher Unternehmen, die Produktivität kenianischer Kartoffelbauern zu steigern, bis hin zum Investmentfonds, der Entwicklungsgelder nutzt, um mit gigantischen Soja- und Maisplantagen Rendite für Anleger in Deutschland zu erzielen. Der aufwendig recherchierte Film zeigt den Missbrauch staatlicher Entwicklungsgelder durch die Industrie auf und macht den Grundkonflikt zwischen industrieller und kleinbäuerlicher Landwirtschaft deutlich. Ist die Zusammenarbeit von privat und Staat in der Entwicklungszusammenarbeit möglich, so dass die lokale Bevölkerung auch wirklich von ihr profitiert?“ (Arte)

Die Doku ist bis zum 7. August in der Mediathek verfügbar.


Die KrimiBestenliste Mai 2017

Mai 8, 2017

Der sonnige Sonntag ist rum, der Wonnemonat Mai meldet sich wieder mit Pfui-Bäh-Temperaturen zurück und die F.A.S. und der Deutschlandfunk Kultur präsentieren ihre monatliche Bestenliste:

1. Gary Victor – Suff und Sühne (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Peter Trier. Litradukt, 160 Seiten, 11,90 Euro.

2. Jérôme Leroy – Der Block (Platzierung im Vormonat: 1)

Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Edition Nautilus, 320 Seiten, 19,90 Euro.

3. Candice Fox – Fall (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger. Suhrkamp, 470 Seiten, 15,95 Euro.

4. Wallace Stroby – Geld ist nicht genug (Platzierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Alf Mayer. Pendragon, 352 Seiten, 17 Euro.

5. James Rayburn – Sie werden dich finden (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Klett-Cotta, 400 Seiten, 14,95 Euro.

6. Carol O´Connell – Es geschah im Dunklen (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Judith Schwaab. btb, 480 Seiten, 9,99 Euro.

7. Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden (Platzierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Guntrud Argo u. a. Heyne, 864 Seiten, 27,99 Euro.

8. Marina Heib – Drei Meter unter Null (Platzierung im Vormonat: /)

Heyne Encore, 256 Seiten, 19,99 Euro.

9. Denis Johnson – Die lachenden Ungeheuer (Platzierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell. Rowohlt, 271 Seiten, 22,95 Euro.

10. Reginald Hill – Die letzte Stunde naht (Platzierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet. Droemer, 448 Seiten, 22,99 Euro.

 


TV-Tipp für den 8. Mai: Boudu – Aus den Wassern gerettet

Mai 8, 2017

Arte, 21.55

Boudu – Aus den Wassern gerettet (Boudu – Sauvé des eaux, Frankreich 1932)

Regie: Jean Renoir

Drehbuch: Jean Renoir, Robert Valentin (nach einer Komödie von René Fauchois)

Ein Buchhändler versucht einen lebensmüden Clochard in die bürgerliche Welt zu integrieren.

Mit einem sehr selten gezeigten Komödienklassiker beginnt Arte seine „Hommage an einen großen Realisten“. Um 00.15 zeigt Arte Renoirs „Die Hündin“ (Frankreich 1931).

mit Michael Simon, Charles Granval, Marcelle Haina, Sévérin Lerczinska, Jean Dasté, Max Dalban

Hinweise

Arte über den Film

Rotten Tomatoes über „Boudu – Aus den Wassern gerettet“

Wikipedia über „Boudu – Aus den Wassern gerettet“ (englisch, französisch)


Die Glauser-Preisträger 2017

Mai 6, 2017

Das Syndikat hat die diesjährigen Glauser-Preise vergeben:

Gewinner in der Sparte „Kriminalroman“

Bernhard Aichner mit Interview mit einem Mörder, Haymon

nominiert

Simone Buchholz: Blaue Nacht, Suhrkamp Nova

Christian v. Ditfurth: Zwei Sekunden, carl’s books

Sunil Mann: Schattenschnitt, Grafit

Sven Stricker: Sörensen hat Angst, rororo

Gewinner in der Sparte „Debüt-Kriminalroman“

Frank Schlößer mit Der letzte Pfeil, Emons

nominiert

Peter Gallert und Jörg Reiter: Kopfjagd, Emons

Ule Hansen: Neuntöter, Heyne

Gerhard Jäger: Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod, Blessing Verlag

Sofie Rathjens: Aschenkind, Aufbau Verlag

Gewinner in der Sparte „Kurzkrimi“

Thomas Kastura mit Genug ist genug, in: Plätzchen, Punsch und Psychokiller, Knaur

nominiert

Raoul Biltgen: Helden – ein Wiener Mosaik, in: Tatort Hofburg, Falter Verlag

Peter Godazgar: Sicherheit ist planbar, in: Handwerk hat blutigen Boden, KBV

Petra Ivanov: Das Geständnis, in: Mord in Switzerland, Band 2, Appenzeller Verlag

Ella Theiss: Sehnsucht, in: Suche Trödel, finde Leiche, KBV

Gewinner des Hansjörg-Martin-Preises

Alexandra Fischer-Hunold mit Lord Gordon – Ein Mops in königlicher Mission, Ravensburger

nominiert

Anja von Kampen: Knietzsche und das Hosentaschen-Orakel, Mixtvision

Manuela Martini: Kristallträne, Arena

Ursula Poznanski: Elanus, Loewe

Susanne Schmidt: Merjem, Jacoby Stuart

Ehrenglauser

Sigrun Krauß

Herbert Knorr

(via der ehrenwerten Gesellschaft)


TV-Tipp für den 7. Mai: Snowpiercer

Mai 6, 2017

Pro7, 22.50

Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson

LV: Jacques Lob/Benjamin Legrand/Jean-Marc Rochette: Le Transperceneige, 1984 (Schneekreuzer)

Nach der Klimakatastrophe ist die Erde ein Eisplanet. Ein Zug fährt ohne Unterbrechung um die Erde, versorgt sich autark und die Zugbewohner leben in einer radikalen Klassengesellschaft. Da entschließen sich die Unterdrückten, die in den hinteren Zugabteilen vegetieren, zum Aufstand. Ihr Ziel: der erste Wagon.

Satirischer Science-Fiction-Actionthriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris, Tilda Swinton, Song Kang-ho, Ko Asung, Octavia Spencer, Ewan Bremner, Tómas Lemarquis

Wiederholung: Montag, 8. Mai, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Snowpiercer“
Moviepilot über „Snowpiercer“
Metacritic über „Snowpiercer“
Rotten Tomatoes über „Snowpiercer“
Wikipedia über „Snowpiercer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon-hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)


DVD-Kritik: „Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“ will ein Vater Gerechtigkeit

Mai 6, 2017

Vor einigen Jahren ging der Fall durch die Medien. Ein Vater hatte den Mörder seiner Tochter entführen gelassen und den zuständigen Behörden überstellt.

Das war 2009 im deutsch-französischen Grenzgebiet und der Entführung gingen jahrzehntelange Versuche des Vaters André Bamberski (Daniel Auteuil, der in einigen Szenen als Lino-Ventura-Doppelgänger durchgehen könnte) voraus, das Gerichtsurteil gegenüber Dieter Krombach (Sebastian Koch), dem Mörder seiner Tochter, vollstrecken zu lassen.

Bamberskis vierzehnjährige Tochter Kalinka starb am 10. Juli 1982. Mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Pierre verbrachte sie die Ferien in Lindau bei ihrer Mutter. Sie lebte damals mit dem Arzt Dieter Krombach zusammen. Sie hatten sich einige Jahre früher, als sie noch mit Bamberski verheiratet war, kennen gelernt.

Nach der ersten Obduktion war Kalinkas Tod ein bedauerlicher Unfall. Eine Verkettung unglücklicher Umstände. Weil Bamberski erfährt, dass bei der Leichenschau einiges seltsam war, veranlasst er eine zweite Obduktion. Dieses Mal allerdings in Frankreich. Danach spricht vieles dafür, dass Kalinka getötet wurde.

Bamberski hält Krombach für den Täter. Er strengt ein Gerichtsverfahren an.

1995 wird Krombach in Abwesenheit vom Pariser Schwurgericht zu 15 Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Weil Krombach in Deutschland ist, wird das Urteil nicht vollstreckt. Auch der internationale Haftbefehl, nach dem Deutschland Krombach nach Frankreich ausliefern müsste, wird nicht vollstreckt.

Bamberski versucht in den folgenden Jahres alles, was mit legalen Mitteln möglich ist, um das Urteil vollstrecken zu lassen, während Deutschland blockiert und auch Frankreich kein besonders großes Interesse an einer Vollstreckung des Urteils hat.

Das Blatt scheint sich 1997 zu wenden, als Krombach in Kempten angeklagt wird, eine sechzehnjährige Patientin betäubt und vergewaltigt zu haben. Bamberski erinnert der Tathergang an den Tod seiner Tochter. Während der Verhandlung erfährt er von weiteren Teenagern, die von Krombach vergewaltigt wurden.

Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“ erzählt den bekannten Fall als Spielfilm, der sich auf André Bamberski konzentriert und die Geschichte akribisch nacherzählt. Dabei verzichtet Vincent Garenq („Haftbefehl“, „The Clearstream Affair“) auf mögliche Dramatisierungen. Er verknappt die Geschichte auf die wichtigsten Momente. Das führt dazu, dass „Der Fall Kalinka“ mehr wie ein Dokumentarfilm wirkt, der die Geschichte mit einigen nachgestellten Szenen aus der Perspektive des Vaters erzählt, der Gerechtigkeit will und beharrlich dafür kämpft. Das hat unbestritten, auch wegen der grandiosen Schauspieler, seine emotionale Wucht. Es bleiben allerdings auch Fragen offen. So erfahren wir nicht, warum Deutschland sich so beharrlich gegen die Auslieferung wehrt, warum Krombach so lange junge Frauen sexuell missbrauchen kann und warum Bamberskis Ex-Frau so lange bei dem Mörder ihrer Tochter bleibt.

Aufgrund der gewählten, sich konsequent objektiv gebenden dokumentarischen Erzählweise verzichten Garenq und sein Co-Drehbuchautor Julien Rappeneau („36 – Tödliche Rivalen“, „Largo Winch II“, „Zulu“) auf mögliche Psychologisierungen. Sie verzichten auch, obwohl „Der Fall Kalinka“ erkennbar in der Tradition der französischen Polit-Thriller steht, auf eine Anklage gegen bestimmte Missstände oder das System. Das nimmt dem Film einiges von seiner potentiellen emotionalen Wirkung. Sehenswert ist er trotzdem.

Das Bonusmaterial besteht aus kurzen Interviews mit Regisseur Vincent Garenq (deutsch untertitelt) und Sebastian Koch.

Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter (Au nom de ma fille, Frankreich 2016)

Regie: Vincent Garenq

Drehbuch: Julien Rappeneau, Vincent Garenq

mit Daniel Auteuil, Sebastian Koch, Marie-Josée Croze, Christelle Cornil, Lilas-Rose Gilberti, Emma Besson, Christian Kmiotek, Serge Feuillard, Fred Personne, Thérèse Roussel, Tom Hudson

Kinotitel war „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“

DVD

Koch Media

Bild: 2,.35:1

Ton: Deutsch, Deutsch mit Audiodeskription, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Deutscher Trailer, Deutscher Teaser, Bildergalerie

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“

AlloCiné über „Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“

Rotten Tomatoes über „Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“

Wikipedia über „Der Fall Kalinka – Im Namen meiner Tochter“ (deutsch, englisch, französisch)

Das Kinoplakat

 


TV-Tipp für den 6. Mai: Herr Ober!

Mai 5, 2017

Morgen wird Gerhard Polt 75. Für den Bayerischen Rundfunk ist das der Anlass für einen Gerhard-Polt-Themenabend. Beginnend mit

BR, 20.15

Herr Ober! (Deutschland 1992, Regie: Gerhard Polt, Fred Unger)

Drehbuch: Gerhard Polt

Gerhard Polt spielt Ernst Held, einen verkannten bayerischen Heimatdichter, der von seiner Frau, einer wohlhabenden Hotelbesitzerin, nach einem platonischem Seitensprung achtkantig rausgeworfen wird. Held beginnt sich als Kellner eher erfolglos durchzuschlagen, bis sein Werk im Fernsehen abgefeiert wird.

Gerhard Polts letzter Film „…und Äktschn!“ ist ein veritables Desaster ist, das sein Frühwerk noch heller strahlen lässt. Auch wenn sein Regiedebüt „Herr Ober!“ nicht so gut wie „Kehraus“ und „Man spricht deutsch“ ist.

„Diese bierernste Nostalgie dominiert die bisweilen etwas einfallslos aneinandergereihten Elemente zeitgenössischer Gesellschaftssatire, bleibt dabei jedoch merkwürdig gegenstandslos. So ist Polts Regiedebüt weniger Komödie als vielmehr ein Heimatfilm ohne Heimat, dessen Ästhetik trotz aller Hiebe aufs Fernsehen von ebendiesem geprägt ist.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Bedächtig-behäbig inszenierte Komödie um einen liebenswert-aufrechten Toren, mit satirischen Spitzen gegen das Fernsehen und die Kultur-Schickeria.“ (Zoom)

Die Musik ist von den Biermösl Blosn.

mit Gerhard Polt, Christiane Hörbiger, Ulrike Kriener, Robert Meyer, Natalia Lapina, Eisi Gulp

Hinweise

Wikipedia über „Herr Ober!“

Filmportal über „Herr Ober!“

Meine Besprechung von Frederick Bakers „…und Äktschn!“ (Österreich/Deutschland 2013 – mit Gerhard Polt in der Hauptrolle)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kommt das Monster

Mai 5, 2017

Geschichten sind das Gefährlichste von der Welt. Geschichten jagen, beißen und verfolgen dich.

Geschichten sind wichtig. Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.

(Das Monster bzw. Patrick Ness)

Der dreizehnjährige Conor O’Malley hat schon mehr Probleme als nötig. Seine von ihm über alles geliebte Mutter Lizzie ist todkrank. Krebs. Sein Vater lebt am anderen Ende der Welt in den USA. Seine Großmutter hasst er. Sie ist ihm viel zu streng. In der Schule ist er der Outsider. Er hat einen immer wiederkehrenden Albtraum.

Und dann wird er neuerdings noch jede Nacht um sieben Minuten nach Mitternacht von einem Monster geweckt.

Bei ihrer ersten Begegnung sagt Conor ihm, dass er keine Angst vor ihm habe. Außerdem ist er alt genug, um zu wissen, dass es keine Monster gibt.

Das Monster, das aussieht wie die vor dem O’Malley-Haus auf dem Hügel stehende Eibe und behauptet von Conor gerufen worden zu sein, nimmt die Herausforderung an. Er wird dem störrischen Conor Angst einjagen. Es will dem Jungen drei Geschichten erzählen und dann soll ihm Conor eine Geschichte erzählen, die die Wahrheit über Conor O’Malley und seine Ängste verrät.

Mit dieser Begegnung beginnt einer der schönsten, vielschichtigsten und überraschendsten „Monsterfilme“ der letzten Zeit.

Schon die erste Geschichte, die das Monster erzählt, widerspricht Conors Erwartungen. Es ist kein Märchen mit einer eindeutigen, von Anfang an offensichtlichen Moral. Es ist eine Geschichte, die Conors Ansicht von Gut und Böse fundamental widerspricht, weil der gute Prinz seine Geliebte ermordet und das Monster die böse Königin rettet.

Conor ist ziemlich verärgert über das Ende dieser Geschichte. Das sagt er dem Monster auch unverblümt.

Aber das Monster hat noch zwei weitere Geschichten, die den respektlosen Conor das Fürchten lehren sollen. Außerdem spiegeln die von ihm erzählten Geschichten Conors aktuelle Situation. Sie sollen ihn zum Nachdenken, zum Überprüfen seiner Ansichten und Meinungen, anregen.

J. A. Bayonas düsterer Fantasy-Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ basiert auf Patrick Ness‘ Jugendbuch, das mit mehreren Preisen, wie dem Deutschen Jugendliteraturpreis, ausgezeichnet und in fast vierzig Sprachen übersetzt wurde. Für den Film schrieb er das Drehbuch und visuell wurde sich, vor allem bei dem Monster, an den SW-Buchillustrationen von Jim Kay orientiert.

Schon in dem Roman wird die Idee, dass fiktionale Geschichten immer mehr oder weniger verfremdete Metaphern für reale Probleme des Erzählers sind, offen angesprochen; wobei Ness diesen Gedanken lässig auf die Metaebene hebt. Ohne dass dadurch die Geschichte zu einer verkopften und unverständlichen Abhandlung gerät. Außerdem unterläuft er immer wieder die Erwartungen des Publikums. Das beginnt schon mit dem Monster, das lieber Geschichten erzählt als handgreiflich Angst und Schrecken zu verbreiten.

Die Geschichten des Monsters und Conors Lebensumstände – die sich rapide verschlechternde Gesundheit seiner Mutter, der aus den USA nur zu einem kurzen Besuch kommende Vater, die verhasste Großmutter, die ihn aufnehmen will – werden von Ness und Bayona zu einer dichten Entwicklungsgeschichte miteinander verflochten, die sie konsequent aus Conors Perspektive erzählen. Bayona gestaltet sie mit etlichen Tricks und animierten Sequenzen visuell so reichhaltig, dass die Romanvorlage wie das Drehbuch zum Film wirkt.

Bayona inszenierte vorher „Das Waisenhaus“ und „The Impossible“. Sein nächster Film ist die Fortsetzung von „Jurassic World“. Sie soll im Juni 2018 in den Kinos starten.

Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster calls, USA/Spanien 2016)

Regie: J. A. Bayona (bzw. Juan Antonio Bayona)

Drehbuch: Patrick Ness

LV: Patrick Ness: A Monster calls, 2011 (Sieben Minuten nach Mitternacht)

mit Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver, Toby Kebbell, Ben Moor, James Melville, Oliver Steer, Geraldine Chaplin, Liam Neeson (als das Monster, was einerseits eine Hauptrolle, aber andererseits eine Trickfigur ist)

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (zum Filmstart in einer Filmausgabe mit Filmfotos)

Patrick Ness: Sieben Minuten nach Mitternacht

(nach einer Idee von Siobhan Dowd, mit Illustrationen von Jim Kay)

(übersetzt von Bettina Aberbanell)

cbj, 2017

224 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

cbj, 2011

Originalausgabe

A Monster calls

Walker Books Ltd., London, 2011

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Metacritic über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Rotten Tomatoes über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Wikipedia über „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

cbj-Seite zum Buch und zur Verfilmung


Neu im Kino/Filmkritik: „Regeln spielen keine Rolle“ glaubt Warren Beatty

Mai 5, 2017

Howard Hughes (1905 – 1976) ist eine Legende. Vor dreizehn Jahren inszenierte Martin Scorsese das Biopic „The Aviator“ über ihn und die Kenntnis des Films, wenn man nicht ein halbes Dutzend Howard-Hughes-Biographien gelesen hat, hilft beim Verständnis von „Regeln spielen keine Rolle“. Dem neuen Film von Warren Beatty, der vor einem halben Jahrhundert mit „Bonnie & Clyde“ so viel Geld verdiente, dass er sich seitdem seine Rollen und Projekte aussuchen kann.

Das sind Projekte wie seine Spielfilme „Reds“ (1981), ein Biopic über den sozialistischen US-Journalisten John Reed und die Oktoberrevolution von 1917 (und damals in den USA der Film gegen den konservativen Zeitgeist), die Comicverfilmung „Dick Tracy“ (1990), die damals verrissen wurde und floppte und inzwischen wesentlich milder beurteilt wird, und die knallige Polit-Satire „Bulworth“ (1998), die man sich unbedingt ansehen sollte. Wenn sie mal im Fernsehen läuft. Oder den Polit-Thriller-Klassiker „Zeuge einer Verschwörung“ (1974) oder das Gangster-Biopic „Bugsy“ (1991) über Bugsy Siegel. Dazwischen spielte er in einigen Komödien und Satiren mit. Oft, auch auf dem Höhepunkt seines Ruhms, zog er sich immer wieder für längere Zeit zurück und festigte seinen Ruf als Frauenschwarm. Zuletzt spielte er 2001 in dem Totalflop „Stadt, Land, Kuss“ (Town & Country) mit. Danach erzog der heute Achtzigjährige seine Kinder.

Jetzt kehrt er als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und, uhm, Hauptdarsteller (oder wichtigster Nebendarsteller) zurück ins Kino. Er spielt Howard Hughes, der 1958 schon ein sehr zurückgezogen lebender, unglaublich reicher Exzentriker war, der damals immer noch seinen nächsten Film plante. Immerhin hatte er mit „Hell’s Angels“, „Scarface“ und „Geächtet“ (The Outlaw, auch Regie) einige legendäre Hits gelandet.

Jetzt beschäftigt er eine Hundertschaft von Fahrern, die ebenso viele junge Schauspielerinnen, die alle exclusiv bei ihm unter Vertrag stehen. Sie wollen in einem Hughes-Film ihre Filmkarriere starten. Er lässt sie zu endlosen Screentest in sein Studio fahren.

Einer der Fahrer ist Frank Forbes (Alden Ehrenreich), ein Methodist, der seine Schulfreundin heiraten will und der in Hughes‘ Imperium nach Höherem strebt. Den Job als Chauffeur sieht er nur als den Einstieg. Er fährt Marla Mabrey (Lily Collins), eine jungfräuliche Baptistin, zu den Screentests. Sie wird begleitet von ihrer ebenfalls gläubigen, sittenstrengen Mutter. Gemeinsam leben sie in einem Hughes gehörendem Haus in den Hollywood Hills. Die Screentest verlaufen, weil Hughes sich für keine Schauspielerin und kein Filmprojekt entscheiden kann, auch bei Mabrey ergebnislos. Mabreys Mutter wird schon unruhig, weil ihre Tochter als eines von Hughes‘ Mädchen ihre Zeit und ihre potentielle Filmkarriere vertrödelt.

Während der zahlreichen Autofahrten lernen sich Forbes und Mabrey besser kennen. Sie verlieben sich auch ineinander. Dummerweise besagt eine von Howard Hughes zahlreichen Regeln, dass es keine Intimitäten zwischen seinen Angestellten geben darf.

In dem Moment ist die Saat für eine Romantic Comedy gelegt. Allerdings ist „Regeln spielen keine Rolle“ keine Romantic Comedy, sondern die Antithese dazu. Die zwischen 1958 und 1964 spielende, vor sich hin plätschernde Liebesgeschichte bleibt immer nebensächlich und konfliktfrei. Sie hat keine dramatische Fallhöhe. Warren Beatty erzählt eher eine Anti-Liebesgeschichte.

Denn er interessiert sich viel mehr für den erratischen, launenhaften und furchteinflößenden Tycoon, der jeden seiner Spleens ungehemmt ausleben kann. Hughes ist auch ein viel interessanterer Charakter als Forbes und Mabrey. „Regeln spielen keine Rolle“ ist allerdings auch kein Biopic, sonder die Antithese dazu. Denn Beatty zeigt nur einige Schlaglichter und Anekdoten aus dem Leben von Hughes, ohne sie in eine größeren Zusammenhang, der für ein Biopic nötig wäre, zu stellen. Die Szenen aus dem Leben von Hughes sind ohne auch nur ein minimales Wissen über das Leben von Hughes ziemlich unverständlich. Entsprechend kryptisch, nichtssagend (wenn man die Anspielungen nicht versteht) und oft vollkommen unklar zwischen Legende, Fantasie und Realität oszillierend ist das Porträt von Howard Hughes.

Beide Handlungsstränge entwickeln sich vor dem Hintergrund des Puritanismus, den damaligen gesellschaftlichen Veränderungen und dem Ende des Hollywood-Studiosystems, das Warren Beatty als junger Mann in Hollywood selbst miterlebte. Insofern ist der Film auch autobiographisch.

Am Ende ist „Regeln spielen keine Rolle“ ein betont altmodisch inszenierter Film, der besser darüber beschrieben wird, was er nicht ist und was er hätte sein können, als das was er auf den ersten Blick ist. Er ist kein Biopic. Er ist keine Romantic Comedy. Er ist kein Drama. Er umschifft die Konflikte, stolpert zwischen den Genres und Stilen hin und her, ohne jemals seine Melodie oder Geschichte zu finden. Er ist eine Sammlung oft schöner und gelungener Szenen und Momente, die sich nie zu seinem einheitlichen Ganzen zusammenfügen und dem die Leichtigkeit von, beispielsweise, Woody Allens „Café Society“ fehlt.

Regeln spielen keine Rolle (Rules don’t apply, USA 2016)

Regie: Warren Beatty

Drehbuch: Warren Beatty (nach einer Geschichte von Warren Beatty und Bo Goldman)

mit Lily Collins, Alden Ehrenreich, Warren Beatty, Alec Baldwin, Annette Bening, Haley Bennett, Candice Bergen, Matthew Broderick, Dabney Coleman, Steve Coogan, Taissa Farmiga, Ed Harris, Megan Hilty, Oliver Platt, Martin Sheen

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Regeln spielen keine Rolle“

Metacritic über „Regeln spielen keine Rolle“

Rotten Tomatoes über „Regeln spielen keine Rolle“

Wikipedia über „Regeln spielen keine Rolle“


TV-Tipp für den 5. Mai: Sin City

Mai 5, 2017

RTL II, 23.00

Sin City (USA 2005, Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Die Fortsetzung „Sin City: A Dame to kill for“, neun Jahre später, war dann eine ziemlich reizlose Angelegenheit. RTL II zeigt sie, als TV-Premiere, am kommenden Freitag, den 12. Mai, um 23.30 Uhr.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Montag, 8. Mai, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Sin City“

Metacritic über „Sin City“

Rotten Tomatoes über „Sin City“

Wikipedia über „Sin City“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons‘ „Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)“ (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams‘ „All-Star Batman“ (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers „Holy Terror“ (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Machete Kills“ (Machete Kills, USA 2013)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Kluger Ratschlag für Besuche bei künftigen Schwiegereltern: „Get out“

Mai 4, 2017

Viele Blumhouse-Filme sind Mist. Billig produzierte Found-Footage-Horrorfilme, die finanziell einträglich sind. Aber dann gibt es – und deshalb lohnt sich immer ein Blick auf eine Blumhouse-Produktion – diese Perlen, in denen das geringe Budget die Chance für Experimente ist. In diesem Fall auch für eine ätzende Gesellschaftskritik, die keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten und kommerziellen Erwägungen machen muss. Bei den „The Purge“-Filmen gelang das. Und jetzt bei „Get out“, dem Debütfilm von Jordan Peele. In den USA ist er vor allem als Komiker bekannt.

Chris Washington (Daniel Kaluuya), ein aufstrebender New Yorker Fotograf, fährt mit seiner neuen Freundin Rose Armitage (Allison Williams), einer Krankenschwester, für ein Wochenende zu ihren Eltern. Sie leben im Wald in einem einsam gelegenem, noblen Familiensitz im Norden des Staates New York.

Auf dem Weg zu ihren Eltern betont Rose, eine Weiße, die Liberalität ihrer Eltern. Er ist ein Schwarzer – und schon von der ersten Minute an zeichnet der Afroamerikaner Jordan Peele ein düsteres Bild der Vereinigten Staaten von Amerika als eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zwischen mehr oder weniger offen unterdrückten Schwarzen und Weißen, die sich als Herrenmenschen sehen und auch so agieren. Andere Ethnien gibt es in „Get Out“ nicht; was natürlich zur bedrückenden Atmosphäre und der klaren Zeichnung des Konflikts beiträgt.

Auf dem abgelegenem Wohnsitz der Armitages wird Chris freundlich von Roses Eltern empfangen. Aber sie sind eine Spur zu freundlich. Ihre beiden Hausangestellten, natürlich Schwarze, verhalten sich auch seltsam. So als stünden sie immer etwas neben sich und als ob sie noch – mental – in der Zeit vor dem Bürgerkrieg lebten.

Und mehr soll nicht verraten werden. Außer dass Chris besser spätestens nach dem ersten Gespräch mit dem ach so liberalen, pensionierten Chirurgen Dean Armitage (Bradley Whitford) und seiner ebenso liberalen Frau Missy (Catherine Keener), einer Psychiaterin, abgereist wäre. Denn ihre Liberalität, Weltgewandtheit und Freundlichkeit ist keine gewöhnliche Bigotterie, sondern die Fassade für etwas viel schlimmeres.

Peele verpackt seine ätzende Analyse der gegenwärtigen USA und ihrer Rassenverhältnisse in einen packenden Horrorthriller voller überraschender Wendungen und zunächst verborgener Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten. Dabei bleibt er immer erkennbar nah an der Wirklichkeit und er behandelt sein Thema Rassismus äußerst facettenreich.

In den USA wird „Get out“ seit seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival von der Kritik nahezu einhellig abgefeiert und an der Kinokasse ist er ebenfalls ein Hit.

Daher: Reingehen in „Get out“.

Und jetzt der Trailer, der – jedenfalls wenn man den Film kennt – viel von dem Film verrät. Daher: ansehen auf eigene Gefahr:

Get out (Get out, USA 2017)

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

mit Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Marcus Henderson, Betty Gabriel, Lakeith Stanfield, Stephen Root, Lil Rel Howery

Ashley LeConte Campbell

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Get out“

Metacritic über „Get out“

Rotten Tomatoes über „Get out“

Wikipedia über „Get out“ (deutsch, englisch)

Auch hier: ansehen auf eigene Gefahr

das Q & A beim Sundance Film Festival

ein Gespräch über den Film mit Jordan Peele, Allison Williams und Daniel Kaluuya im AOL Gebäude

 

 


DVD-Kritik: Dolph Lundgren ist „The Demon Hunter“

Mai 4, 2017

In einer Mississippi-Kleinstadt sterben innerhalb weniger Stunden neun Menschen. Sie waren von einem Dämon besessen, der immer von der Person, die seinen Wirtskörper tötet, Besitz ergreift.

Der professionelle Dämonenjäger Jebediah Woodley (Dolph Lundgren), immer absolut unmodisch im Großwildjäger-Outfit gekleidet, macht sich auf den Weg in das Kaff. Denn er kennt den Dämon von früher.

Dort trifft er auf die junge FBI-Agentin Evelyn Pierce (Kristina Kiebe), die anscheinend ebenfalls eine Verbindung zur Geisterwelt hat. Gemeinsam jagen sie den Dämon, während um sie herum die Menschen sterben. In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen und Waffen – benutzt werden Hieb- und Stichwaffen, Schusswaffen und auch mal eine Axt – entfaltet das Treiben des Dämons eine ungeahnte Dynamik.

The Demon Hunter“, im Original „Don’t Kill It“, ist der neue Film von „Big Ass Spider“-Regisseur Mike Mendez und es ist ein wirklich blutiger, haarsträubender Funsplatter, der Genrefans genau das liefert, was sie erhoffen: viel Blut, zusammengehalten von einer zweckdienlichen Geschichte, die mehr bekannt als innovativ ist, und einer gehörigen Portion Selbstironie, die einen problemlos über die Mängel und das begrenzte Budget hinwegsehen lässt.

Als Bonus gibt es das zwanzigminütige, untertitelte Publikumsgespräch vom 2016er Fantasy-Filmfest in Berlin mit Mike Mendez und Kristina Kiebe.

The Demon Hunter (Don’t Kill It, USA 2016)

Regie: Mike Mendez

Drehbuch: Dan Berk, Robert Olsen

mit Dolph Lundgren, Kristina Kiebe, Billy Slaughter, James Chalke

DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Q & A mit Mike Mendez und Kristina Kiebe, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Demon Hunter“

Metacritic über „The Demon Hunter“

Rotten Tomatoes über „The Demon Hunter“

Wikipedia über „The Demon Hunter


TV-Tipp für den 4. Mai: Der Schakal

Mai 4, 2017

3sat, 22.25

Der Schakal (Großbritannien/Frankreich 1973, Regie: Fred Zinnemann)

Drehbuch: Kenneth Ross

LV: Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)

Der Schakal (Edward Fox) plant einen Anschlag auf Charles de Gaulle. Ein braver Polizist verfolgt ihn.

Auch wenn der Film inzwischen als Klassiker gelabelt wird, ist er eine ziemlich langweilige Angelegenheit – obwohl das vermurkste Remake von 1997 mit Bruce Willis noch langweiliger ist.

Frederick Forsyths weltweit erfolgreiches Debüt wurde mit dem Edgar als bester Roman des Jahres ausgezeichnet und ermöglichte ihm den Berufswechsel vom Journalisten zum Schriftsteller.

Mit Edward Fox, Terence Alexander, Michel Auclair, Alan Badel, Tony Britton, Denis Carey, Adrien Cayla-Legrand, Cyril Cusack

Wiederholung: Samstag, 6. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schakal“

Wikipedia über „Der Schakal“ (deutsch, englisch)


Zur Neuauflage von Robert A. Heinleins „Die Invasion“ der Schleimwesen

Mai 3, 2017

Seien wir ehrlich: Der Science-Fiction-Roman „Die Invasion“ von Robert A. Heinlein ist ein klassischer Pulp-Roman, der aus der heutigen Perspektive eher interessant als wirklich gelungen ist. Im Original erschien „Die Invasion“ 1951, mitten in den ersten Jahren des Kalten Krieges und lange vor der Eroberung des Weltraums.

In dem Roman erlebt die Erde eine Invasion von quallenartigen außerirdischen Wesen, die sich auf dem Rücken von Menschen festsetzen und sie zu willenlosen Werkzeugen der Außerirdischen machen. Sam Cavanaugh, eine James-Bond-Kopie (auch wenn James Bond seinen ersten Auftritt 1953 hatte), die gutaussehende, taffe Agentin Mary, die er später heiratet, und ihr Vorgesetzter, der väterliche Chef einer ultrageheimen, offiziell nicht existierenden Behörde, beginnen den Kampf gegen die Invasoren.

Die Geschichte bewegt sich flott voran und ich hatte den Eindruck, dass Robert A. Heinlein sie erfand, während er sie schrieb und er immer wieder neue Wendungen einbaute, um auf die nötige Länge zu kommen. Wobei, das muss der Ehrlichkeit halber erwähnt werden, er am Ende so viel geschrieben hatte, dass der Roman wieder gekürzt werden musste. Unter anderem um einige Stellen die damals – wir reden von 1951! – viel zu gewagt waren. So begegnen wir Cavanaugh erstmals, als er mit einer ihm fremden Frau im Bett liegt. Er will ihren Namen nicht wissen. Er will sowieso nichts über sie wissen und er ist dankbar, dass er ihr nichts schuldet.

Auch die Methoden, die Cavanaugh und seine Verbündete gegen die Invasoren anwenden, beflügeln mühelos die Fantasie von Teenagern und „Men’s Adventure“-Lesern. Außerdem machten und machen sie eine wirklich werkgetreue Verfilmung unmöglich. Weil die schleimigen Invasoren sich auf dem Rücken der Menschen festsetzen, müssen alle Menschen oben herum nackt herumlaufen. Frauen, das gesteht Heinlein ihnen zu, dürfen einen BH tragen. Als die Parasiten sich weiterentwickeln und sie sich nur noch irgendwo am menschlichen Körper festsetzen müssen, werden alle Menschen aufgefordert, vollkommen nackt herumzulaufen.

Die von Heinlein entworfene Zukunftswelt ist, aus heutiger Sicht, reinste Retro-SF, die mehr über die frühen Fünfziger als über die Zukunft verrät. Nach einem dritten Weltkrieg, der anscheinend nicht mehr Schäden als die beiden vorherigen Weltkriege hinterließ, ist die Welt immer noch in den Kalten Krieg bestimmenden zwei Blöcke geteilt. Es gibt Mobil- und Ohrtelefone, fliegende Autos, Kolonien im Weltraum und Holofernsehen, das allerdings nur von Horizont zu Horizont übertragen und weitergeleitet werden kann.

Und in der einsam gelegenen Waldhütte von Cavanaugh gibt es eine hypermoderne Küche, aber, wie er extra und entschuldigend betont, keine Badewanne, weil seine Hütte eine einfache Hütte sei, in die er keine Frauen mitnehme. Immerhin hat sie eine Dusche, die groß genug für zwei Personen und erotische Nahkämpfe ist.

Sowieso sind die Geschlechterverhältnisse rührend altmodisch. Die Hochzeit von Cavanaugh und Mary und das Gespräch mit dem Standesbeamten ist dann als Vertragsverhandlung reinste Comedy.

Eben dieses ständige Abgleichen zwischen damaliger Gegenwart, technologischen Utopien, gesellschaftlichen Konventionen und Vorstellungen und der heutigen Gegenwart, in der einiges sich bewahrheitet hat, einiges obsolet ist und vieles sich als Unfug herausgestellt hat, macht aus dem Retro-SV-Invasionsroman eine immer wieder interessante und auch erheiternde Lektüre, während der Plot, bei all seinen überraschenden Drehungen und Wendungen, die oft kaum bis überhaupt nicht vorbereitet sind, doch eher konventionell ist und die Invasoren nicht mehr Persönlichkeit als eine Küchenschabe haben. Da merkt man, dass Heinlein seine Leser einfach nur einige Stunden in fremde Welten entführen wollte. Dass „Die Invasion“ so etwas wie die Blaupause für zahlreiche Invasionsgeschichten werden sollte, konnte er damals nicht ahnen.

P. S.: Leider verzichtete der Heyne-Verlag auf ein Nachwort, das die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen und die Bedeutung des Romans erklärt. Immerhin bewirbt Heyne „Die Invasion“ auf dem Cover mit den Worten „Robert A. Heinleins legendäres Science-Fiction Meisterwerk“ und „Einer der prägendsten Science-Fiction-Romane aller Zeiten“.

Robert A. Heinlein: Die Invasion

(vollständige Neuausgabe; übersetzt von Margaret Auer, überarbeitet und ergänzt von Elisabeth Bösl)

Heyne, 2017

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Puppet Masters

World Editions, Inc., 1951

Ungekürzte Neuausgabe 1990

Frühere deutsche Übersetzungen

Weltraum-Mollusken erobern die Erde (Gebrüder Weiß, 1958)

Weltraum-Mollusken erobern die Erde (Heyne, 1965)

Die Marionettenspieler (Bastei-Lübbe, 1994)

Verfilmung

Puppet Masters (The Puppet Masters, USA 1994)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rosso, David S. Goyer

mit Donald Sutherland, Eric Thal, Julie Warner, Keith David, Will Patton, Richard Belzer, Yaphet Kotto

Hinweise

The Heinlein Society

Phantastik-Couch über Robert A. Heinlein

Wikipedia über Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Mai: Victoria

Mai 3, 2017

Arte, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)