Im zentralasiatischen Hochgebirge lebt der Schneeleopard und er gehört zu den gefährdeten Arten. Es ist also nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich einen Schneeleoparden zu sehen. Schließlich ist ihr Jagdrevir groß und sie laufen nicht in Massen durch die Berge.
Trotzdem, oder gerade deswegen, will der Tierfotograf Vincent Munier im Tibet einen solchen Leoparden fotografieren. Dafür verbringt er mehrere Monate in den Bergen, ohne einen Schneeleoparden zu sehen. Er sieht nur Spuren von ihm.
Dieses Mal möchte er seine Reise auch filmisch und schreibend dokumentieren. Darum begleiten ihn ein kleines Kamerateam und der Reiseschriftsteller Sylvain Tesson. Tessons Buch „Der Schneeleopard“ über diese Tibetreise ist schon seit einem Jahr auf Deutsch erhältlich. Der Film von Munier und Marie Amiguet läuft jetzt in den Kinos an.
Schon die ersten Bilder zeigen, wie wahnsinnig Muniers Vorhaben ist. Denn das Gebiet, in dem der Leopard sein soll, ist riesig, öd und menschenleer. Ein Mann allein kann nur zufällig (und mit dem Wissen der Einheimischen und der Fähigkeit, Fährten zu lesen) das Raubtier finden. Aber auf dem Weg dahin, kann Munier andere Tiere fotografieren.
Der aus der Reise entstandene Dokumentarfilm „Der Schneeleopard“ ist sehr ruhig, eigentlich schon medidativ mit seinen langen Aufnahmen von menschenleeren Landschaften und den wenigen Gesprächen zwischen Munier und Tesson. Sobald Munier stundenlang bewegungslos auf der Lauer liegt und darauf hofft, einen Schneeleoparden vor sein Kameraobjekt zu bekommen, schweigt er.
Die Musik ist von Nick Cave und Warren Ellis. Beide spielen schon seit Ewigkeiten in der Indie-Rockband „Nick Cave & The Bad Seeds“ zusammen, die einen Hang zum gepflegten Lärm hat. Ihre Filmmusiken sind anders. Auch für „Der Schneeleopard“ schrieben sie einen sehr reduzierten, minimalistischen und, der Landschaft entsprechenden, kargen Soundtrack.
Am Ende des Films ist man nicht unbedingt klüger, aber sehr entspannt. Und das ist doch auch etwas.
Bei den diesjährigen César- und Lumiere-Preisverleihungen wurde „Der Schneeleopard“ als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Der Schneeleopard (La Panthère des Neiges, Frankreich 2021)
Reige: Marie Amiguet, Vincent Munier
Drehbuch: Marie Amiguet, Vincent Munier
mit Vincent Munier, Sylvian Tesson, Schneeleopard, weitere Wildtiere und Einheimische
Für den am 6. Januar 2022 verstorbenen Peter Bogdanovich
ZDFneo, 20.15
Broadway Therapy(She’s funny that way, USA 2014)
Regie: Peter Bogdanovich
Drehbuch: Louise Stratten, Peter Bogdanovich
Ein verheirateter Theaterregisseur bietet einer Prostituierten nach einer Liebesnacht 30.000 Dollar, wenn sie ihren Beruf aufgibt und ihre Träume verfolgt. Etwas später bewirbt sie sich um eine Rolle in einem Stück des Regisseurs – und schon müssen sich alle mit all den Problemen, die wir aus alten Screwball-Komödien kennen, herumschlagen.
Wunderschöne, flotte, zitatreiche Liebeserklärung an die Screwball-Komödie, die im Kino etwas unterging.
mit Imogen Poots, Owen Wilson, Jennifer Aniston, Rhys Ifans, Cybill Shepherd, Will Forte, Kathryn Hahn, Tatum O’Neal, Michael Shannon, Quentin Tarantino
In seinem letzten Film „Leid und Herrlichkeit“ blickt ein älterer Regisseur auf sein Leben zurück und selbstverständlich lud diese Geschichte sofort zu wahrscheinlich vollkommen fehlgeleiteten autobiographischen Deutungen ein.
Diese Frage nach dem autobiographischen Anteil stellt sich bei Pedro Almodóvars neuem Film „Parallele Mütter“ so nicht. Dieses Mal geht es um Frauen, Mütter und Schwangerschaften. Eine dieser Frau wird von Penélope Cruz gespielt. Rossy de Palma und Julieta Serrano, die ebenfalls schon in vielen Almodóvar-Filmen mitspielten, sind in kleineren Rollen wieder dabei. Die zweite Hauptrolle wird von der Neuentdeckung Milena Smit gespielt.
Cruz spielt Janis. Bei einem Fotoshooting verliebt sich die allein lebende Fotografin in Arturo, einen verheirateten forensischen Anthropologen. Ihre Schwangerschaft ist nicht geplant. Arturo will seine kranke Frau nicht verlassen. Janis entschließt sich ohne zu zögern, Arturo nie wieder zu sehen (das ändert sich später) und ihr gemeinsames Kind allein groß zu ziehen.
Im Krankenhaus trifft sie die erheblich jüngere Ana (Milena Smit). Die Siebzehnjährige ist von der Schwangerschaft überfordert, unglücklich und verängstigt. Ihre Mutter ist ihr keine Hilfe. Außerdem muss sie, wie Janis, ihr Kind ebenfalls ohne den Vater großziehen. Janis spendet Mut und nimmt ihr gegenüber die Rolle der Mutter ein. Jedenfalls für die Zeit im Krankenhaus.
Als Janis mehrere Monate später durch einen DNA-Test erfährt, dass sie nicht die Mutter ihrer Tochter Cecilia ist, bricht sie den Kontakt zu Ana ab. In dem Moment vermuten wir, dass im Krankenhaus ihr und Anas Baby vertauscht wurden.
Wieder einige Monate später trifft Janis Ana in der sich vor ihrer Wohnung befindenden Bar. Ana arbeitet dort als Bedienung. Sie erzählt ihr, dass ihre Tochter Anita tot ist. Janis bietet ihr an, bei ihr als Mitbewohnerin einzuziehen. Und auch was jetzt passiert, können wir uns ungefähr denken.
Das ist aber kein Problem. Denn Almodóvar benutzt diesen Thriller-Plot nur, um feinfühlig über einen Zeitraum von drei Jahren aus dem Leben der beiden Frauen und ihrer auf echter Zuneigung, Lügen und Schweigen aufbauenden Freundschaft zu erzählen.
Almodóvar erzählt dies als ein komplexes dialoglastiges Zwei-Personen-Kammerspiel, das für meinen Geschmack immer zu sehr in Richtung TV- oder sogar Smartphone-Bildschirm hin geschrieben und inszeniert ist. In den Großaufnahmen verlangt nichts nach der großen Leinwand. Almodóvar erzählt dieses Melodrama erstaunlich unterkühlt.
In einem zweiten Erzählstrang, der eigentlich nur am Anfang und Ende des Films wichtig ist, geht es um den Umgang mit der Franco-Diktatur. Arturo, den Janis gegen Filmende wieder trifft, will ihr bei der Exhumierung von Opfern der Franco-Diktatur helfen. Um die dafür nötigen Genehmigungen zu erhalten sind langwierige Verfahren und Anträge nötig. Diese Frage der Vergangenheitsbewältigung ist wichtig, aber sie wirkt, als komme sie aus einem vollkommen anderen Film.
Parallele Mütter (Madres paralelas, Spanien 2021)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
mit Penélope Cruz, Milena Smit, Israel Elejalde, Aitana Sánchez-Gijón, Julieta Serrano, Rossy de Palma
Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.
Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)
Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman
LV: Robert Thomas: Huit Femmes, 1958/1962 (Theaterstück)
Weihnachten in einem verschneiten Landhaus: In der Nacht wird der Hausherr ermordet. Die Täterin ist eine der acht Frauen, die im Haus sind. Selbstverständlich hat jede von ihnen ein gutes Motiv das Ekel umzubringen. Und ein todsicheres Alibi.
Ein Cozy mit Gesang und einem Darstellerinnenensemble, das über jeden Zweifel erhaben ist und die Crème de la Crème des französischen Films versammelt.
Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (Deutschland 1922)
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Henrik Galeen
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Murnaus grandiose Verfilmung von Bram Stokers „Dracula“. Die Uraufführung war, laut dem Hanser-Murnau-Buch, am 4. März 1922 in Berlin im Primus-Palast. Nach dem Film gab es ein großes Kostumfest.
Arte zeigt die 2013 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung digitalisierte 96-minütige Fassung, die auf der 2005/2006er Restaurierung von Luciano Berriatúa basiert. Die neue Filmmusik von Olaf Lervik wurde vom Ensemble der/gelbe/klang eingespielt – und sie ist bis zum 1. Juni 2022 in der Mediathek verfügbar.
„‚Nosferatu‘, das ist vielleicht der Film im Zentrum von Murnaus Werk: Nicht weil er, wie durch ein Brennglas, dessen Motive und Themen versammelt und konzentriert, sondern als Mittelpunkt eines locker geflochtenen Gewebes, durch dessen Stränge er mit allen anderen Filmen zusammenhängt, ein leeres Zentrum.
Kein weiterer Murnaufilm ist so frei und offen wie ‚Nosferatu‘.“ (Fritz Göttler in Friedrich Wilhelm Murnau, 1990, Hanser Reihe Film Band 43)
„‚Nosferatu‘ ist nach wie vor die einzige Dracula-Adaption, die hauptsächlich auf den Schrecken abzielt. Max Schrecks rattenhafte, korsettierte Draculaversion besitzt keinen Zauber der Untoten, (…). Ebenso wie ‚Dracula‘ als Vorlage für den Horrorroman dienen kann, so dient ‚Nosferatu‘ (…) als Schablone für den Horrorfilm. Murnau fügte Stoker Nuancen hinzu, die überdauerten, vor allem, dass Vampire beim ersten Tageslicht vergehen.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie, 2006)
Kopfschmerzen und Kommunikationsmittel verhinderten die geplanten Artikel (u. a. viel Lob für Catwoman und Stalker).
Sixx, 20.15
Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn, Irland/Großbritannien/Kanada 2015)
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
LV: Colm Tóibín: Brooklyn, 2009 (Brooklyn)
Irland, frühe fünfziger Jahre: die junge, introvertierte Eilis Lacy (Saoirse Ronan, u. a. Oscar-, Golden-Globe- und Bafta-nominiert) wandert auf der Suche nach einem besseren Leben nach New York aus. In Brooklyn hat sie innerhalb der irischen Gemeinschaft zunächst Heimweh, lernt aber die neue Welt und einen Mann kennen.
Sehr schönes, genau beobachtetes Liebesdrama über eine Frau zwischen zwei Welten und Männern.
Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (Near Dark, USA 1987)
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Kathryn Bigelow, Eric Red
Das ist ein Kuss mit ungeahnten Folgen für Caleb. Denn die schöne Mae und ihre Clique sind Vampire, die durch das amerikanische Hinterland fahren. Nach dem Kuss könnte Caleb in diese Vampirfamiie aufgenommen werden.
Kathryn Bigelows Regiedebüt wurde nach einem schwachen Kinostart auf Video zu einem Kultfilm. Ihre nächsten Filme waren „Blue Steel“, „Point Break“ und „Strange Days“.
„Bigelows Regiedebüt kreuzt Besetzung (Henriksen, Paxton, Jenette Goldstein), Machogetue und den Gewehrfetischismus aus ‚Aliens‘ (1986) mit Wüstenpsychosen, halogenerleuchteten Straßen und lakonischen Nebenbemerkungen aus dem vornangegangenen ‚The Hitcher‘ des Koautors Eric Red zu einem fruchtbaren Vampirwestern. Die besten Momente entstammen (…) den feinen Darstellungen der Jagdmethoden und einer Handvoll explosiver Szenen.“ (James Marriott, Kim Newman: Horror, 2006)
Die Musik ist von Tangerine Dream.
Mit Adrian Pasdar, Jenny Wright, Lance Henriksen, Bill Paxton, Jenette Goldstein
Hinweise
Arte über „Near Dark“ (bis 11. März 2022 in der Mediathek; dort gibt es im Rahmen eines kleinen Schwerpunkts, weitere Vampirfilme.)
Du lebst noch 105 Minuten(Sorry, wrong number, USA 1948)
Regie: Anatole Litvak
Drehbuch: Lucille Fletcher (nach ihrem Hörspiel)
Die vermögende, bettlägerige Leona Stevenson hört zufällig ein Telefongespräch mit, in dem ein Mord verabredet wird. Sie versucht den Mord zu verhindern. Dabei ahnt sie nicht, dass sie das Opfer ist.
Spannender Noir-Thriller, der gerade wegen seiner genial einfachen Grundidee auch über siebzig Jahre nach der Premiere beim wiederholten Sehen immer wieder spannend ist.
Das Drehbuch war 1949 für den Edgar als bestes Drehbuch nominiert.
Mit Barbara Stanwyck, Burt Lancaster, Wendell Corey, Ed Begley
Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren (Deutschland 2010)
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Wim Wenders
Spielfilmlange poetisch-stimmungsvolle Liebeserklärung an die 2009 verstorbene Choreographin Pina Bausch. Im Zentrum stehen vier Inszenierungen der Künstlerin, die vom Wuppertaler Tanzensemble auch abseits der Theaterbühne präsentiert werden.
Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire.
Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.
Fans klassischer Stücke dürfen diese Woche den geliebten durchgesessenen Theaterstuhl mit dem bequemen Kinosessel tauschen und sich dort die neuesten sehenswerten Adaptionen von „Cyrano“ und „Coppelia“ ansehen. Beide Neuinterpretationen haben einen diversen Cast und die Macher änderten einiges an den Vorlagen. „Cyrano“ ist die Verfilmung einer Musicaladaption des bekannten Theaterstücks mit bekannten Schauspielern. „Coppelia“ ist eine modernisierte Fassung des bekannten Ballettstücks, die von sprachlosen Ballettstars und Tänzern des Niederländischen Nationalballetts ausdrucksstark getanzt wird.
„Cyrano“ erzählt die in der Mitte des 17. Jahrhunderts in Frankreich spielende Geschichte von Cyrano de Bergerac (Peter Dinklage), der unsterblich in Roxanne (Haley Bennett) verliebt ist. Sie ist eine Frau von überirdischer Schönheit. Er ist es nicht. Und er ist fest davon überzeugt, dass eine so schöne Frau keine Liebesbeziehung zu ihm haben will. Aber dafür kann der Hasardeur und Dichter ausgezeichnet mit Worten umgehen. Also schreibt er fortan Liebesoden, die von dem gut aussehendem, aber tumben Kadetten Christian Neuvillette (Kelvin Harrison Jr.) vorgetragen werden. Denn in ihn ist Roxanne verliebt und auf ihn soll er, so Roxannes Wunsch, im Militär aufpassen.
In der aktuellen Kinoversion dieser von Edmond Rostand in Versen geschriebenen und seitdem immer wieder adaptierten Geschichte, spielt Peter Dinklage Cyrano. Sein Handicap ist seine Körpergröße. Er ist ein Zwerg. Ältere Semester erinnern sich an Jean-Paul Rappenaus überwältigende Verfilmung des Theaterstücks von 1990 mit Gérard Depardieu als Cyrano de Bergerac. Sein Handicap war seine Nase.
Auch Joe Wright hat Cyranos Geschichte durch diesen Film kennen gelernt und auch er war begeistert. An eine eigene Verfilmung des klassischen Stoffes dachte er allerdings nicht. Ihr stand nämlich immer Cyranos imposante Nase im Weg. Erst als er Erica Schmidts 2018 aufgeführte Musicalversion sah, wusste er, wie er um die Nase herumkommen könnte. Denn Cyrano wurde von Peter Dinklage gespielt – und schon war das Problem mit der Nase gelöst. Roxanne wurde von Bennett gespielt. Beide nahmen für die Verfilmung ihre Rollen wieder auf.
Außerdem basiert Wrights Film auf dieser Musicalversion. Erica Schmidt, die auch das Drehbuch für Joe Wrights Verfilmung schrieb, veränderte alle Figuren etwas. So wird angedeutet, dass Roxanne das Spiel von Cyrano und Christian durchschaut, Christian ist nicht nur ein tumber Tor und auch bei den anderen Figuren wurden Kleinigkeiten geändert.
Das sind Nuancen, die zusammen mit Peter Dinklages Spiel zu einem Problem werden. Dinklage ist als lebenslustiger, allseits geachteter, raumgreifender, furchtloser, wort- und kampfstarker Offizier und Poet so überzeugend, dass es kaum glaubwürdig ist, dass ihn ausgerechnet gegenüber Roxanne der Mut verlässt und dass die sehr unabhängige Roxanne sich nicht in ihn verliebt und ihn sofort heiraten würde. Denn er ist der beste Mann in der Stadt.
Dadurch wird „Cyrano“ zu einem Stück, dessen zentraler Konflikt für mich nie glaubwürdig ist. Darüber können die farbenprächtigen Sets (gedreht wurde in Sizilien, vor allem in Noto), die spielfreudigen Schauspieler und die gelungene Musik von den „The National“-Mitgliedern Matt Berninger, Aaron und Bryce Dessner und Carin Besser, die für die Band Songs schreibt, nicht hinwegtäuschen. Sie machen viel Lärm um nichts.
„Coppelia“ geht einen ganz anderen Weg. Während Joe Wright in seinem „Cyrano“ mit bekannten Schauspielern und Schauwerten protzt, haben Jeff Tudor, Steven De Beul und Ben Tesseur unbekannte Schauspieler engagiert. Genaugenommen sind sie noch nicht einmal Schauspieler, sondern sie sind Stars der internationalen Ballettszene, wie Michaela DePrince, Daniel Camargo, Vito Mazzeo, Darcey Bussell und Irek Mukhamedov, und Mitglieder des Corps de Ballet des Niederländischen Nationalballetts, die hier ihr Filmdebüt geben. Das Ballettstück „Coppelia“ wurde bereits 1870 von Léo Delibes geschrieben. Es handelt sich dabei um eine Adaption von E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“. Der Film basiert auf einer 2008 von Ted Brandsen für das Niederländische Nationalballett erstellten Produktion, die die Geschichte aktualisierte.
Die temperamentvolle und fröhliche Swan lebt in einer mediterran-französischen Kleinstadt noch bei ihrer Mutter. Auf dem Dorfplatz betreibt sie eine Saftbar. Verliebt ist sie in Franz, der eine Fahrradwerkstatt hat. Alle Mädchen des Dorfes sind in ihn verliebt, aber er hat nur Augen für Swan. Es ist ein heiteres und unbeschwertes Leben, bis Doktor Coppelius auftaucht. Er errichtet eine Schönheitsklinik, die schon auf den ersten Blick wie das Schloss eines Bösewichts aussieht. Und das ist sie auch. Zusammen mit seiner Muse Coppelia, einer alle Schönheitsideale erfüllenden Roboterfrau, verführt er die Dorfbewohner. In seiner Klinik kann er sie von ihren Schönheitsmakeln befreien. Über den Preis schweigt er sich aus.
Nur Swan und ihre Freunde sind nicht begeistert. Als Coppelia Franz betäubt und in die Klinik führt, verfolgt Swan sie. Sie will ihren Freund retten.
Gut, die Geschichte gewinnt keinen Innovationspokal. Sie wurde so schon unzählige Male erzählt und die begrüßenswerte Moral der Geschichte – „Oberflächliche Schönheit ist nicht alles, die wahre Schönheit kommt von innen und Diversität ist etwas, das gefeiert werden sollte.“ (Tudor, De Beul, Tesseur) – ist auch vorhersehbar. Es sind die Tänzer und die Machart, die „Coppelia“ zu einem besonderen Film machen. Denn sie tanzen in einer durchgängig gezeichneten Welt. Ihre Gesichter werden, wenn sie sich in die Hände von Doktor Coppelius begeben, ebenfalls zu Animationen. Jeff Tudor, Steven De Beul und Ben Tesseur erzählen das ohne Worte. „Coppelia“ ist nämlich ein getanzter Stummfilm.
Eben diese Machart spricht für den Film. Und die kurze Laufzeit von achtzig Minuten.
„Coppelia“ ist ein herziges Märchen mit Humor, Musik und Tanz. Für alte und junge Menschen.
Cyrano (Cyrano, USA 2021)
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Erica Schmidt
LV: Edmond Rostand: Cyrano de Bergerac, 1897 (als Musical adaptiert von Erica Schmidt)
Sind wirklich schon zehn Jahre seit dem letzten „Batman“-Spielfilm „The Dark Knight rises“ vergangen? Das war der Abschluss der von Christopher Nolan mit Christian Bale als Batman inszenierten, hochgelobten und kommerziell erfolgreichen „The Dark Knight“-Trilogie. Danach gab es einige Versuche, Ben Affleck im ziemlich vermurksten DC Extended Universe als neuen Batman zu etablieren. Irgendwann verlor Affleck aus verschiedenen, auch persönlichen Gründen die Lust.
Jetzt spielt Robert Pattinson einen jüngeren Bruce Wayne. Der millionenschwere Firmenerbe – seine Eltern wurden vor zwanzig Jahren ermordert – lebt zurückgezogen. Er interessiert sich nicht für die Leitung der Firma und auch nicht für das gesellschaftliche und politische Leben von Gotham City. Jedenfalls ist das sein Image.
In Wirklichkeit verkloppt der Dreißigjähre seit zwei Jahren jede Nacht in Gotham City als Batman Bösewichter. Immer wieder wird er mit dem Bat-Signal (einer in den Himmel projezierten Fledermaus) von der Polizei um Hilfe gebeten. Gleichzeitig wird er als Vigilant angefeindet. Vor allem Streifenpolizisten des Gotham City Police Department reagieren mit unverhohlener Abneigung auf den maskierten Mann, der das Gesetz in die eigenen Hände nimmt.
Trotzdem bittet Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright), sein Freund bei der Polizei, ihn immer wieder um Hilfe. Zum Beispiel bei seinem neuesten Fall. Mitten im Wahlkampf wurde der Bürgermeister von dem Riddler ermordet. Der Mörder hat am Tatort eine Karte mit einem Rätsel hinterlassen. In ihm kündigt er weitere Taten an.
Batman will das verhindern. Dafür muss er die Rätsel des Riddlers entschlüsseln bevor er seinen nächsten Mord begeht und ihn finden. Bei seinen Ermittlungen trifft Batman auf viele aus den Batman-Comics (und auch früheren Batman-Filmen) bekannte Figuren, die hier von Matt Reeves im Rahmen ihrer bekannten Eigenschaften neu interpretiert werden. Es sind ‚Catwoman‘ Selina Kyle (Zoë Kravitz), der ‚Pinguin‘ Oswald Cobblepot (Colin Farrell, der unter der Maske nicht zu erkennen ist), der Gangsterboss Carmine Falcone (John Turturro) (ein ziemlich unbekannter Batman-Gegner, dessen Schnauzer und Brille das ungewöhnlichste an ihm sind) und ‚Riddler‘ Edward Nashton (Paul Dano), der während des gesamten Films unerkannt im Hintergrund agiert.
Diesen 08/15-Rätselplot erzählen Reeves und sein Co-Drehbuchautor Peter Craig dann wie eine vierteilige TV-Miniserie, in der jede Woche ein neuer Gegner, der in der nächsten Woche nicht wieder auftaucht, im Mittelpunkt steht. Auch andere wichtige Figuren verschwinden plötzlich aus der Filmgeschichte und tauchen noch nicht einmal im elend langen Epilog auf.
Ein großes Problem des Films ist die Laufzeit von drei Stunden. Damit ist „The Batman“ der mit Abstand längste Batman-Film und nur fünf Minuten kürzer als „Avengers: Endgame“, die längste Comicverfilmung, die kurzweilig viele Figuren und lose Fäden in einem epischen Finale zusammenführte. In „The Batman“ ist das anders. Um auf diese epische Länge zu kommen, erzählt Reeves unglaublich langsam. So dauert es eine gute halbe Stunde, bis wir zum ersten Mal das Gesicht von Bruce Wayne sehen. Davor lungert er in voller Montur am Tatort herum und hilft der Polizei beim Entschlüsseln der Spuren. Sherlock Holmes hätte das in einer halben Minute erledigt. In einer handelsüblichen TV-Serie hätte es höchstens drei Minuten gedauert. Mit einem strafferem und durchdachterem Drehbuch und einem schnellerem Erzähltempo hätte Reeves die Geschichte locker in der halben Zeit erzählen können.
Ein weiteres Problem ist die Zeichnung der Figur des dunklen Ritters, der gleichzeitig vor sich hin grübelt, kopflose Schlägereien mit Jugendgangs provoziert, der ein Selbstjustiz verübender Vigilant sein soll und, wenn er nicht gerade einen seiner seltenen Wutanfälle hat (bevorzugt bei Straßengangstern), peinlich darauf achtet, die Bösewichter nicht zu töten. Er verletzt sie, er fesselt sie und übergibt sie der Polizei. Das verleiht dem Finale, wenn er gegen eine Armee bewaffneter Bösewichter kämpft, dann eine fast schon humoreske Note.
Und damit kämen wir auch zu dem Konflikt des Films, der im Film angesprochen, aber niemals konsequent ausformuliert wird. Der Riddler bringt in seiner Mordserie Verbrecher um. Es sind korrupte Politiker und Polizisten, die sich Gotham City zur Beute gemacht haben. Letztendlich tut der Riddler genau das, was Batman sich nicht traut. Er nimmt das Gesetz in die eigenen Hände und er tötet die Verbrecher, weil in Gotham Polizei und Justiz korrupt sind. Inwiefern dieses Handeln gerechtfertigt ist, wird in zahlreichen Batman-Comics konsequenter durchbuchstabiert. Dann verschwimmt und verschwindet der Unterschied zwischen Batman und den von ihm bekämpften Verbrechern. Am Ende unterscheidet nur noch das Motiv sie.
In „The Batman“ ist das kein Thema. Da ist Batman ein Detektiv, der mit seinem Intellekt und seinen Fäusten ermittelt. Dass er gleichzeitig ein Milliardär und Nachfahre der Familie Wayne ist, die zu den Gründern der Stadt gehört und die auch ihre Leichen im Keller hat, ist für „The Batman“ nur soweit wichtig, dass der Riddler ihn als letzten Wayne umbringen will.
Auf den ersten Blick sieht „The Batman“ in seiner „Blade Runner“-Noir-Optik gut aus. Auf die Dauer stören allerdings die konsequent dunklen Bilder, die den Film zu einer Ode in Schwarz verkommen lassen, in der kein Spritzer Blut zu sehen ist. Eine nächtliche Autoverfolgungsjagd ist deshalb kaum nachvollziehbar. Die anderen Kampfszenen, die vor allem Faustkämpfe sind, sind deshalb oft aus größerer Entfernung, vor einem helleren Hintergrund und in wenigen Schnitten inszeniert. Aber es bleibt, mit viel Regen und Taschenlampen (auch in Innenräumen), ein ermüdend dunkles Schwarz in Schwarz.
„The Batman“ ist ein viel zu lang geratener Thriller, der eindeutig von einer kürzeren Laufzeit (so in Richtung deutlich unter zwei Stunden) und einem damit verbundenem strafferem, sorgfältiger durchkomponiertem Drehbuch profitiert hätte.
Dann wäre ich sicher von diesem Batman-Film begeisterter von diesem Batman, der die bekannte Figur für das Kino neu interpretiert und seinen Stil konsequent durchhält.
The Batman(The Batman, USA 2022)
Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Matt Reeves, Peter Craig
LV: Bill Finger, Bob Kane (Erfinder der DC-Figur Batman)
mit Robert Pattinson, Zoë Kravitz, Paul Dano, Jeffrey Wright, Andy Serkis, Colin Farrell, John Turturro, Peter Sarsgaard, Jayme Lawson, Rupert Penry-Jones, Barry Keoghan, Jayme Lawson, Alex Ferns
Edipo Re – Bett der Gewalt(Edipo Re, Italien 1967)
Regie: Pier Paolo Pasolini
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini (nach „Oedipus Rex“ und „Oedipus auf Kolonos“ von Sophokles)
Zum 100. Geburtstag von Pier Paolo Pasolini (der wäre am 5. März) zeigt der RBB, gut versteckt in der Nacht, zwei Pasolini-Klassiker: „Edipo Re“ und, um 01.35 Uhr die witzige Episodenkomödie „Große Vögel – kleine Vögel“ (Uccelacci e uccellini, Italien 1966).
„Edipo Re“ ist Pasolinis Version der Ödipus-Geschichte. Keine leichte Kost.
Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.
„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)
„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)
„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.
Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.
Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.
Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.
Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.
JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (From Russia with Love, Großbritannien 1963)
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood
LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)
James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.
Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten).
mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war), Pedro Armendariz, Bernhard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn
Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert über das neue Werk des Regisseurs von „Türkische Früchte“, „ RoboCop“, „Die totale Erinnerung – Total Recall“ (Dienstag wieder im Kino), „Basic Instinct“, „Showgirls“, „Starship Troopers“, „Black Book“ und „Elle“:
Nachdem die letzten Werke einiger seit Ewigkeiten hochgeachteter Regisseure, wie Ridley Scott, Clint Eastwood und Woody Allen, enttäuschten, ist Paul Verhoevens neuer Film das komplette Gegenteil. „Benedetta“ ist eine in einem Kloster spielende Geschichte, in der es um Glaube, Macht und Sex geht. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Benedetta Carlini (Virginie Efira), die im siebzehnten Jahrhundert als Nonne in einem Theatiner-Kloster in Pescia lebt. Sie ist tiefgläubig. Schon als Kind überzeugte sie mit Gottes Hilfe auf dem Weg zum Kloster eine Bande Strauchdiebe, sie und ihre Eltern mit all ihren Besitztümern unverletzt gehen zu lassen. Inzwischen lebt sie schon achtzehn Jahre im Kloster. Ihr Glaube ist immer noch stark. In der Hierarchie des Klosters könnte sie bis zur Äbtissin aufsteigen. Auf ihrem Körper tauchen immer wieder die Wundmale Jesus auf. Sie hat auch Visionen, in denen Jesus auftaucht.
Außerdem hat sie heimlich mit der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia), um die sich sich kümmern soll, Geschlechtsverkehr. Den zeigt Paul Verhoeven auch ausführlich, ohne dass sein Film in einen Porno im Kloster abdriftet. Zentral sind für ihn Fragen des Glaubens und der Macht; im Kloster, in der Kirche und außerhalb der Kirche. So ist immer unklar, wie sehr Benedetta von ihren Visionen selbst überzeugt ist oder sie nur benutzt, um im Kloster aufzusteigen. Die Wundmale fügt sie sich jedenfalls manchmal (?) selbst bei. Als die Pest im Land wütet, ergreift sie, mit der Hilfe einer Jesus-Vision, die geeigneten Maßnahmen, um die Bewohner der Stadt zu schützen. Sie lässt die Stadttore schließen. Auch dem Nuntius des Papstes, der herausfinden soll, was in dem Kloster geschieht, wird zunächst der Zutritt verwehrt.
Und es geht immer um die Struktur dieser Gesellschaft, Macht, Einfluss und Geld. Schon beim Gespräch über die Aufnahme von Benedetta ins Kloster zeigt Verhoeven, dass ein Kloster ein Wirtschaftsbetrieb ist, der sich rentieren muss. Für Benedettas Ausbildung zur Nonne muss ihr Vater daher viel Geld bezahlen. Später geht es auch immer wieder um Geld und Macht. Altruistisch handelt in dieser Welt niemand.
Verhoeven hält dabei in seinem präzise komponiertem Drama immer die Balance zwischen den verschiedenen Erklärungen. Deshalb habe ich vorher so oft „auch“ geschrieben. Als Zuschauer steht man ständig vor der Frage, wie sehr Benedetta wirklich eine überzeugte Gläubige oder eine eiskalte Manipulatorin und Karrieristin ist, die das Kloster nach ihren Vorstellungen formt. Auch die anderen Figuren sind in ihren Handlungen ännlich ambivalent angelegt.
Daher stört der Text am Filmende, in dem wir erfahren, was nach den im Film geschilderten Ereignissen mit Bendetta geschieht. Dieser Text präferiert eindeutig eine Erklärung für ihr Verhalten. Er vermittelt eine Gewissheit, die in den vorherigen zwei Stunden vermieden wurde.
Die Filmgeschichte beruht auf den umfangreichen Dokumenten des Prozesses gegen Benetta Carlini (1590 – 1661). Judith C. Brown entdeckte sie in einem Archiv in Florenz und verarbeitete sie zu ihrem Sachbuch „Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonnein in Italien zur Zeit der Renaissance“.
Verhoevens vorherigen Film „Elle“ nannte ich „Meisterwerk“. Das kann ich jetzt bei „Benedetta“ nicht nochmal schreiben. Was soll besser als ein Meisterwerk sein? Also muss ich wohl sagen: „Benedetta“ ist nicht schlechter als „Elle“. Und wieder steht, wie öfter bei Paul Verhoeven, eine Frau im Mittelpunkt, die nicht nach den Regeln spielt.
Jetzt ist „Benedetta“ in verschiedenen Ausgaben als DVD und Blu-ray erschienen – und wer den Film im Kino verpasst hat, sollte ihn sich jetzt unbedingt ansehen.
Benedetta(Benedetta, Frankreich 2021)
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez
Bevor Arte um 22.05 Uhr als TV-Premiere die Haruki-Murakami-Verfilmung „Burning“ zeigt, gibt es einen wundervollen Abenteuerfilm
Arte, 20.15
Die Abenteurer (Les Aventuriers, Frankreich 1967)
Regie: Robert Enrico
Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri
LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960
Roland (Lino Ventura) und Manu (Alain Delon) wollen zusammen mit ihrer Freundin Laetitia (Joanna Shimkus) vor der afrikanischen Küste einen Goldschatz heben. Aber sie sind nicht die einzigen Glücksjäger.
Inside Llewyn Davis (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Meisterwerk der Coen-Brüder über den erfolglosen Folkmusiker Llewyn Davis und die New Yorker Folkmusikszene der frühen Sechziger. Kurz bevor ein Mann in Greenwich Village auftauchte, der 2016 den Literaturnobelpreis erhielt.