Neu im Kino/Filmkritik: Bruno Manser hört „Die Stimme des Regenwaldes“

Oktober 22, 2020

Als Bruno Manser 1984 im malaysischen Teil von Borneo den Regenwald betritt, will er nur die Penan, ein zurückgezogen im Wald lebender Indianerstamm, finden. Er sucht ein Leben abseits der Zivilisation mit ihrem Konsumzwang. Bei den Penan hofft er ein noch nicht entfremdetes, ursprüngliches Leben zu finden, das im Einklang mit der Natur ist. Er ist ein Aussteiger. Auch wenn er weiß, dass er nicht bis an sein Lebensende im Dschungel bleiben wird. Er ist ein Gast.

Als Bruno Manser Jahre später den Urwald wieder verlässt, ist er ein von der Regierung verfolgter Staatsfeind, auf den ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist.

Zurück in der Schweiz versucht er, aufbauend auf seinen Aktionen in Malaysia und der dortigen Medienresonanz, die Öffentlichkeit und die Politik zu überzeugen, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen und die Penan und ihren nomadischen Lebensstil zu schützen.

In seinem bildgewaltigen Epos „Die Stimme des Regenwaldes“ erzählt Niklaus Hilber chronologisch Mansers Geschichte und wie es ihm gelang, den Penan eine Stimme zu geben. Einerseits in ihrer Heimat, andererseits auf der europäischen und globalen Ebene.

In den Neunzigern, nach seiner Rückkehr aus dem Urwald in die Schweiz, gründete Manser mit Gleichgesinnten in Basel den „Bruno Manser Fonds“ (BMF). Das Ziel des angesehenen Vereins ist, sich für die Penan und gegen die Abholzung des Regenwaldes einzusetzen. Mit seinem Engagement für einen Importstopp von Tropenholz nach Europa wurde Manser in den Neunzigern eine der bekannten Stimmen in der globalen Bewegung zum Schutz des tropischen Waldes.

Diese Jahre in Basel nehmen in „Die Stimme des Regenwaldes“ nur einen kleinen Teil der Filmzeit ein. Die meiste Zeit zeigt Hilber Manser im Regenwald und bei den Penan. Für seinen Film engagierte Hilbert Penan, die andere Penan spielen und sich in ihrer Sprache unterhalten. Einige der von ihm engagierten Laienschauspieler kannten Bruno Manser, der vor zwanzig Jahren spurlos im Dschungel verschwand und 2005 für verschollen erklärt wurde, noch. Weil die malaysische Regierung einen Film über Manser, die Penan und die Rettung des Urwalds niemals genehmigt hätte, wurde im indonesischen Kalimantan gedreht. Hilbert zeigt auch riesige Felder abgeholzter Tropenholzwälder und die Anfänge des Kampfes der Penan um ihren Wald mit Straßenblockaden, die den Holztransport behinderten, und die Eskalation der Regierung, für die das Holz der Weg zum ökonomischen Aufschwung ist. Da stören einige renitente Waldbewohner den Aufschwung nur. Er zeigt auch, wie sich das Leben der Penan in den vergangenen Jahrzehnten veränderte.

Das sind visuell eindrucksvolle Bilder, die eindeutig für die große Kinoleinwand komponiert wurden.

Die Stimme des Regenwaldes“ ist ein ruhig, manchmal fast schon meditativ erzählter Aufruf zum Schutz der Natur, des Waldes und der dort seit Ewigkeiten lebenden Menschen. Damals und heute.

Die Stimme des Regenwaldes (Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes, Schweiz 2019)

Regie: Niklaus Hilber

Drehbuch: Niklaus Hilber, Patrick Tönz, David Clemens

mit Sven Schelker, Nick Kelesau, Elizabeth Ballang, Matthew Crowley, David Ka Shing Tse, Benjamin Mathis, Daniel Ludwig

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Stimme des Regenwaldes“

Rotten Tomaoes über „Die Stimme des Regenwaldes“

Wikipedia über „Die Stimme des Regenwaldes“


Neu im Kino/Filmkritik: „Greenland“, ein Komet und Gerard Butler, der seine Familie retten will

Oktober 22, 2020

Der Komet Clarke ist auf dem Kurs Richtung Erde und er ist ein echter Planetenkiller. Schon die ersten Einschläge von Clarke-Brocken haben verheerende Folgen. Und es wird noch schlimmer kommen. Wenn Clarke mit der Erde fertig ist, wird es auf der Erde kein Leben mehr geben.

Bereits vor dem ersten Einschlag werden daher ausgewählte Menschen vom US-Präsidenten angerufen. Sie sollen sich zu einem Militärstützpunkt begeben.

Einer dieser Auserwählten ist John Garrity. Ein stinknormaler verheirateter Bauingenieur mit einem kleinen Sohn, der Diabetiker ist.

Sie machen sich auf den Weg. Auf der Basis werden sie getrennt. Als die Soldaten bemerken, dass Nathan Diabetiker ist, wird der Flug für ihn und seine Eltern gestrichen. Denn chronisch Kranke gehören nicht zu den geplant zufällig ausgewählten Personen, die evakuiert werden dürfen.

Vor der Basis machen die Garritys sich auf getrennten Wegen zu Allisons Vater. Auf dem Weg dorthin erfährt John, dass die Auserwählten in ehemalige Atombunker in Grönland gebracht werden sollen und dass aus Kanada Flugzeuge, die jeden mitnehmen, dorthin fliegen.

Ric Roman Waughs Katastrophenfilm „Greenland“ konzentriert sich auf die Familie Garrity, die auf dem Weg nach Grönland, bei dem sie mal getrennt, mal zusammen sind, gleichzeitig ihre Eheprobleme löst. Das unterscheidet sein Drama schon auf der Story-Ebene von anderen Katastrophenfilmen, in denen mit Hilfe einer Gruppe höchst unterschiedlicher Charaktere, ein umfassendes Bild der Katastrophe und menschlicher Eigenschaften, immer nah am Klischee, gezeichnet wird. In „Greenland“ wird auch auf die großen Schauwerte und die große Pathoskeule verzichtet.

Dafür ist Roland Emmerich zuständig.

Greenland“ ist ein ordentlicher, sehr bodenständiger Katastrophenfilm, der dem Publikum ziemlich genau das liefert, was er verspricht. Mit gedämpftem Katastrophen-Eskapismus, einem Multi-Kulti-Cast netter und sehr netter Menschen und einigen wenigen weißen Bösewichtern. Es gibt auch einige sehr gelungene Szenen. Zum Beispiel wenn Garrity und seine Familie, beobachtet von den Nachbarn, ihr Haus verlassen. Beklemmend wird diese in einem typischen US-Suburb spielende Szene, weil die Nachbarn wissen, dass die Garritys auserwählt wurden, während sie wahrscheinlich bald sterben werden.

Es gibt immer wieder Szenen die vollkommen lächerlich sind, ohne dass die Filmemacher das begreifen. Dazu gehört die Mitteilung an Garrity, dass er auserwählt wurde. Das geschieht über einen Anruf auf sein Handy. Eine altmodische Tonbandstimme sagt ihm, dass das eine Nachricht des Präsidenten sei und er sich mit seiner Familie an einen bestimmten Ort begeben solle. Zur gleichen Zeit erscheint diese Nachricht als Videotexteinblendung in seinem Fernseher. In einer TV-Show aus den fünfziger Jahren wäre diese Form der Information noch akzeptabel gewesen. Heute wirkt sie vollkommen anachronistisch. Auch weil in keinster Weise gewährleistet ist, dass die Botschaft ihren Empfänger erreicht und von ihm richtig verstanden wird. Garrity beendet im Supermarkt das Telefonat etwas irritiert. Wie jeder vernünftige Mensch, denkt er nicht daran, den Anweisungen der Tonbandstimme zu folgen.

Es gibt immer wieder Szenen, die einfach idiotisch sind und damit die Glaubwürdigkeit des gesamten Films gefährden. So verlässt Garrity am Anfang, wenige Minuten vor dem Abflug seines Flugzeugs, den rettenden Militärstützpunkt, um sich durch den vor dem Stützpunkt tobenden Mob zu seinem in einer endlosen Schlange stehendem Auto durchzuschlagen, um die dort vergessene Insulinpackung zu holen. Als gäbe es nicht in der Militärstation und ihrem in dem Moment noch unbekannten Fluchtort eine Arztstation und Insulin.

Später wird Allison von Ralph Vento, der sie mitgenommen hat, aus dem Auto gezerrt. Er hat bei ihr und ihrem Sohn Nathan die Armbänder entdeckt, die ihnen den Zutritt zu den rettenden Militärstützpunkten gewähren. Er will jetzt das Armband für seine Frau haben und mit ihr und Nathan zu dem nächsten Stützpunkt fahren. Allison wehrt sich, aber weder seine Frau, noch Nathan greifen in das längere Handgemenge ein. Stattdessen bleiben sie im Auto sitzen und beobachten die Schlägerei.

Aber Logik und ein durchdachtes Drehbuch sind normalerweise die ersten Opfer bei einem Katastrophenfilm. Diese gut gepflegte Tradition will „Greenland“ nicht durchbrechen, wenn er Gerard Butler durch die USA schickt, um seine Ehe zu retten und dabei auch einige andere ganz normale Menschen zu retten. Das gelingt ihm ganz gut.

Greenland (Greenland, USA 2020)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Chris Sparling

mit Gerard Butler, Morena Baccarin, David Denman, Hope Davis, Roger Dale Floyd, Holt McCallany, Scott Glenn

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Greenland“

Metacritic über „Greenland“

Rotten Tomatoes über „Greenland“ (aktuell mit 100 % hoffnungslos überbewertet)

Wikipedia über „Greenland“

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)


TV-Tipp für den 22. Oktober: James Bond 007 – Skyfall

Oktober 21, 2020

ZDF, 20.15

James Bond 007 – Skyfall (Skyfall, Großbritannien/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

James Bond jagt Raoul Silva, der zuerst die Datei mit den Identitäten von allen Geheimagenten, die undercover in Terroristennetzwerken arbeiten, entwendet und dann den gesamten britischen Geheimdienst ins Nirvana schicken will, weil M(ama) nicht nett zu ihm war.

Insgesamt ein sehr erfreulicher James-Bond-Film, in dem wir letztendlich mehr über Bond erfahren, als wir jemals wissen wollten – und den ich zum Kinostart ausführlich besprochen habe.

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney, Rory Kinnear, Ola Rapace

Wiederholung: Freitag, 23. Oktober, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Oktober: Moonrise Kingdom

Oktober 20, 2020

Arte, 20.15

Moonrise Kingdom (Moonrise Kingdom, USA 2012)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Roman Coppola

1965, auf einer kleinen Insel vor der Küste Neuenglands: ein zwölfjähriger Pfadfinder verlässt ohne Erlaubnis das Lager der Pfadfinder, seine gleichaltrige Freundin die elterliche Wohnung. Während sie in einer Bucht glückliche Stunden verbringen, werden sie von den Erwachsenen, die ihre eigenen Probleme haben, gesucht.

Wes Anderson!!! Wie gewohnt locker die Genres vermischend mit skurrilen Figuren, zahlreichen Anspielungen, lakonischen Dialogen und vielen bekannten Schauspielern.

mit Bruce Willis, Edward Norton,Bill Murray, Frances McDormand, Tilda Swinton, Jared Gilman, Kara Hayward, Jason Schwartzman, Bob Balaban, Harvey Keitel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Moonrise Kingdom“

Wikipedia über „Moonrise Kingdom“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“ (Isle of Dogs, USA 2018)

Zur schnellen Einführung in das Werk von Wes Anderson


TV-Tipp für den 20. Oktober: Die bleierne Zeit

Oktober 19, 2020

Hessen, 23.55

Die bleierne Zeit (Deutschland 1981)

Regie: Margarethe von Trotta

Drehbuch: Margarethe von Trotta

In ihrem dritten Spielfilm setzt sich Margarethe von Trotta mit der deutschen Nachkriegsgeschichte anhand der Biographie zweier im Zweiten Weltkrieg geborener Schwestern auseinander. Die Inspiration dafür waren Christiane und Gudrun Ensslin. Christiane Ensslin gehört zu den Mitbegründerinnen der Frauenzeitschrift „Emma“; Gudrun Ensslin wurde Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Und damit ist die Frage des Films doch offensichtlich.

„Die bleierne Zeit“ ist ein Frühwerk von Margarethe von Trotta, die damals für ihren Film als erste Frau in Venedig den Goldenen Löwen erhielt. Neben einigen weiteren Preisen. Erwähnenswert ist, im Rahmen des Deutschen Filmpreises von 1989, der Sonderfilmpreis „40 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ (gemeinsam mit „Abschied von gestern“, „Die Brücke“ und „Die Ehe der Maria Braun“).

„In einer sehr differenziert angelegten Rekonstruktion wird – auch durch dokumentarische Einschübe, historische Filmausschnitte und durch Zitate – deutsche Geschichte und Zeitgeschichte, die uns hierzulande angeht, für ein Szenarium adaptiert, das sich konkret auf soziale und politische Realitäten bezieht. (…) Trotz der nicht völlig ’schlackenfreien‘ Realisation eines so komplexen, von rechts und links gleichermaßen beargwöhnten Unternehmens zählt ‚Die bleierne Zeit‘ zu den wenigen und wichtigen bundesdeutschen Filmen, die versuchen, einen Beitrag zur Aufarbeitung jüngster deutscher Vergangenheit zu leisten. (…) Dass der Film auch liberal-demokratische Positionen vertritt, ist der Trotta hier und da angelastet worden. Dass er keinen lupenreinen Klassenstandpunkt bezieht, wen sollte das wundern? Dennoch gehört er in unserer bundesdeutschen Filmlandschaft zu den beeindruckendsten, ehrlichsten und in manchen Sequenzen ungemein beklemmenden Zeitfilmen dieses Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1982)

mit Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler, Verenice Rudolph, Luc Bondy, Doris Schade, Franz Rudnick

Hinweise

Filmportal über „Die bleierne Zeit“

Rotten Tomatoes über „Die bleierne Zeit“

Wikipedia über „Die bleierne Zeit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas „Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 19. Oktober: Die Braut trug schwarz

Oktober 18, 2020

Arte, 20.15

Die Braut trug Schwarz (La Mariée était en noir, Frankreich/Italien 1967)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: William Irish (Pseudonym von Cornell Woolrich): The Bride wore black, 1940 (Die Braut trägt Schwarz)

Wenige Sekunden vor der Hochzeit wird der Mann von Julie Kohler erschossen. Sie beschließt, seine Mörder umzubringen.

François Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock und eine fast schon chabrolhafte Abrechnung mit der Bourgeoisie.

„Truffaut auf einem ersten Höhepunkt seines Könnens“ schreibt Willi Winkler in „Die Filme von Francois Truffaut“ über „Die Braut trug Schwarz“. Davor drehte Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“, „Schießen Sie auf den Pianisten“, „Jules und Jim“, „Die süße Haut“ und „Fahrenheit 451“.

Heute wird „Die Braut trug Schwarz“, wegen einiger Plot-Ähnlichkeiten, oft als Vorbild für „Kill Bill“ genannt. Quentin Tarantino sagt zwar, dass er Truffauts Film nie gesehen habe, was angesichts seines Filmkonsums unwahrscheinlich erscheint. Wahrscheinlich hat er nur vergessen, dass er den Film vor langer, langer Zeit einmal gesehen hat.

Anschließend, um 22.00 Uhr zeigt mit „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969)  einen weiteren Truffaut-Film.

Mit Jeanne Moreau, Claude Rich, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Michel Lonsdale, Charles Denner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Braut trug Schwarz“

Wikipedia über „Die Braut trug schwarz“ (deutsch, englisch, französisch), Cornell Woolrich (deutsch, englisch) und François Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Oktober: Das Millionenspiel

Oktober 17, 2020

Tagesschau 24, 20.15

Das Millionenspiel (Deutschland 1970)

Regie: Tom Toelle

Drehbuch: Wolfgang Menge

LV: Robert Sheckley: The Prize of Peril, in „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“, Mai 1958 (Der Tod spielt mit, Kurzgeschichte)

Bernhard Lotz macht bei dem Millionenspiel mit. Die Spielregeln sind ganz einfach: wenn er, gejagt von drei Killern und immer beobachtet von Kameras, eine Woche in Deutschland überlebt und es in das Fernsehstudio schafft, dann erhält er eine Million DM.

Die brilliante, schwarze Satire war wegen eines Rechtsstreits (Menge verwandte Sheckleys Kurzgeschichte ohne Genehmigung) über dreißig Jahre im Giftschrank. Ein TV-Klassiker, der etliche aktuelle Produktionen alt aussehen lässt.

Die Idee einer Menschenjagd vor laufender Kamera wurde auch – ebenfalls auf Sheckleys Kurzgeschichte basierend – in „Kopfjagd – Preis der Angst“ (F 1982, Regie: Yves Boisset, mit Gérard Lanvin, Michel Piccoli) verwandt. Stephen King (aka Richard Bachman) schrieb mit „Menschenjagd“ seine Version. Sie war die Vorlage für den Arnie-Action-Kracher „Running Man“ (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser). Oh, und Sheckley selbst wandelte die Idee für den italienischen Pop-Art-Science-Film-Film „Das zehnte Opfer“ (I/F 1965, Regie: Elio Petri) etwas ab.

Mit Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Dieter Hallervorden, Peter Schulze-Rohr, Elisabeth Wiedemann, Heribert Fassbender, Ralf Gregan

Wiederholung: Montag, 19. Oktober, 01.02 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Offizielle Robert Sheckley-Seite

Wikipedia über „Das Millionenspiel“ (deutsch, englisch) und Robert Sheckley (deutsch, englisch)

Phantastik-Couch über Robert Sheckley


TV-Tipp für den 17. Oktober (+ Buchtipp): L. A. Confidential

Oktober 16, 2020

ZDFneo, 22.25

L.A. Confidential (L. A. Confidential, USA 1997)

Regie: Curtis Hanson

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe. Den Edgar gab es natürlich ebenfalls.

mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, Kim Basinger, Danny DeVito, David Strathairn, Ron Rifkin, Paul Guilfoyle, Simon Baker

Wiederholung: Montag, 19. Oktober, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Lesetipp

„Jener Sturm“ (This Storm, 2019), der zweite Band von James Ellroys zweitem L.A.-Quartett, ist seit einigen Tagen erhältlich.

Die 1942 in Los Angeles spielende, Wahrheit und Fiktion vermischende Story schließt an „Perfidia“, den ersten Band an. „Der Schock von Pearl Harbour sitzt tief. Ansässige Japaner werden zusammengetrieben und interniert. Es gibt ein mörderisches Feuer und einen Goldraub. Es gibt einen Verrat subversiver Kräfte auf amerikanischem Boden. Es gibt einheimische Nazis, Kommunisten und Betrüger. Es ist der Aszendent des Populismus. Es gibt zwei tote Polizisten in einer Spelunke auf dem Jazz-Club-Strip. Und drei Männer und eine Frau haben ein heißes Date mit der Geschichte.“ (so der Verlag vielversprechend über das Buch).

Im Moment steht der Schmöker (gut tausend Seiten!) auf dem siebten Platz der Krimibestenliste.

James Ellroy: Jener Sturm (Das zweite L.A.-Quartett 2)

(aus dem Amerikanischen übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2020

976 Seiten

35 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „L. A. Confidential“

Wikipedia über „L. A. Confidential“ (deutsch, englisch)

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „I am Greta“, Schulschwänzerin und Klimaretterin

Oktober 16, 2020

Es war einmal – – – ein Mädchen, das anstatt die Schule zu besuchen, sich vor das schwedische Parlament setzte und protestierte. ‚Klimastreik‘ nannte sie ihre Aktion, mit der sie vor den Wahlen auf die schlimmen Folgen der Erderwärmung für ihre Generation hinwies. Und durch Gründe, die in der Doku „I am Greta“ nicht erklärt werden, wurde aus diesem Sitzen vor dem Parlament und ihrer gar nicht so revolutionären Forderung an die Politiker, die Klimakatastrophe ernst zu nehmen, das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 umzusetzen und so die Lebenschancen für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, eine weltweite Bewegung. Überall schlossen Schüler sich in der Bewegung „Fridays of Future“ zusammen. Freitags boykottierten und boykottieren sie den Schulunterricht (gut, in Zeiten von Home-Schooling ist das jetzt etwas anders) und gehen auf die Straße, um für das Klima zu protestieren.

Greta Thunberg, die bei ihren ersten Protesten im August 2018 fünfzehn Jahre alt war, wurde zu einem weltweit gefeierten Idol. Sie wurde auf internationale Konferenzen eingeladen, trat bei Demonstrationen auf und traf sich mit Staatschefs. Denen erklärte sie, dass sie jetzt etwas tun müssen, um das Klima und damit die Lebenschancen künftiger Generationen zu bewahren. Diese nickten meist verständnisvoll.

In seinem chronologisch erzähltem Dokumentarfilm „I am Greta“ verfolgt Regisseur Nathan Grossman Greta Thunberg auf ihrem Weg von Stockholm nach New York zur UN-Klimakonferenz. Er bleibt immer nah an ihr. Neben Greta sind alle anderen Menschen Statisten. Nur ihr Vater ist neben ihr öfter im Bild und redet ausführlicher mit ihr. Das führt zu einigen intimen Momenten, aber die meiste Zeit ist „I am Greta“ das filmische Äquivalent zu einem Starschnitt.

Damit ähnelt „I am Greta“ auf den ersten Blick der Al-Gore-Show „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“ (An Inconvenient Sequel: Truth to Power, USA 2017). Auch Al Gore reiste für den Film um die Welt, besucht die Orte, an denen die Folgen der Erderwärmung schon gesehen werden, lässt sich von Experten das Gesehen erklären, redet vor Interessierten und seinen ‚Climate Leaders‘. In diesen Momenten gibt es auch Informationen über die Erderwärmung und Hinweise auf Hoffnung machende Projekte. Das fehlt „I am Greta“. Hier geht es nur um sie. Die Ausschnitte aus ihren öffentlichen Auftritten enden normalerweise nach ihren Eingangsworten, in denen sie ihren Namen und ihr Alter nennt. Ihre Forderungen bleiben diffus. Außer dass das Pariser Abkommen umgesetzt werden soll.

Es wird auch noch nicht einmal versucht zu erklären, warum Greta Thunberg ein weltweites Phänomen werden konnte. Das um sie herum entstandene Netzwerk an Freunden und Unterstützern wird ignoriert. „Fridays for Future“ existiert nur als Plattform für ihre Auftritte. Statements von ihren Eltern, Bekannten, Verwandten, Freunden, Unterstützern und Fachleuten fehlen. Es wird auch jeder Anschein einer Analyse vermieden. Stattdessen gibt es unkommentierte Szenen mit Greta Thunberg im Mittelpunkt: mal auf verschiedenen Bühnen, mal privat im Elternhaus oder im Hotelzimmer und auf dem Segelschiff, in dem sie von Plymouth nach New York zum im September 2019 stattfindendem UN-Klimagipfel fuhr.

Dieser Fokus auf Greta Thunberg und ihre öffentlichen Auftritte ignoriert dann auch die weltweite Klimaschutzbewegung in der Vergangenheit und Gegenwart. Es ist ja nicht so, dass es vor Greta Thunberg keine Umweltschützer gab. In „I am Greta“ sind sie, sofern sie überhaupt auftauchen, Staffage.

Deutlich gelungener in dieser Hinsicht ist Jim Raketes Debütfilm „Now“, in dem er mehrere Klimaaktivisten porträtiert. Der Film startet am 12. November 2020. Jim Rakete ist als Fotograf von Rockmusikern bekannt und die Musik im Film ist auch ziemlich gut.

I am Greta“ ist dagegen eine einzige Enttäuschung. Jedenfalls wenn man mehr als eine unkritische Ikonenverehrung möchte.

I am Greta (I am Greta, Schweden/Deutschland/USA/Großbritannien 2020)

Regie: Nathan Grossman

Drehbuch: Peter Modestij (Idee und Konzept)

mit Greta Thunberg, Svante Thunberg, Emmanuel Macron, Justin Trudeau, Luisa Neubauer, Anuna De Wever

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „I am Greta“

Moviepilot über „I am Greta“

Metacritic über „I am Greta“

Rotten Tomatoes über „I am Greta“

Wikipedia über „I am Greta“ und Greta Thunberg (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Deepwater Horizon

Oktober 15, 2020

Pro7, 20.15

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die danach folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Wiederholung: Samstag, 17. Oktober, 22.25 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Peter Bergs „Mile 22“ (Mile 22, USA 2018)


TV-Tipp für den 15. Oktober: Oblivion

Oktober 14, 2020

Vox, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Samstag, 17. Oktober, 22.10 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)


TV-Tipp für den 14. Oktober: Enemy

Oktober 13, 2020

Arte, 20.15

Enemy (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Javier Gullón

LV: José Saramago: O Homen Duplicado, 2002 (Der Doppelgänger)

Uniprofessor Adam Bell entdeckt in einem Spielfilm einen Statisten, der sein Doppelgänger sein könnte. Er beginnt ihn zu suchen, trifft ihn – und es wird immer undeutlicher, was real ist, was nicht und was das alles miteinander zu tun hat.

Herrlicher Mindfuck von Denis Villeneuve, der gerade mit „Dune – Der Wüstenplanet“ beschäftigt ist. Seine hochkarätig besetzte Frank-Herbert-Verfilmung soll, nach aktueller Planung, irgendwann Ende 2021 (und damit ungefähr ein Jahr später als ursprünglich geplant) in unsere Kinos kommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sara Gadon, Isabella Rossellini, Josh Peace

Hinweise
Moviepilot über „Enemy“
Metacritic über „Enemy“
Rotten Tomatoes über „Enemy“
Wikipedia über „Enemy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)


TV-Tipp für den 13. Oktober: Das schweigende Klassenzimmer

Oktober 12, 2020

ZDF, 20.15

Das schweigende Klassenzimmer (Deutschland 2018)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Lars Kraume

LV: Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer, 2006

Eisenhüttenstadt, DDR, 1956: eine Abiturklasse steht spontan für eine Schweigeminute für die Opfer des ungarischen Volksaufstands auf. Der Regierung gefällt das überhaupt nicht. Sie will unbedingt den oder die Rädelsführer dieser subversiven, staatsgefährdenden Tat finden.

TV-Premiere der äußerst gelungenen politischen Version von „Der Club der toten Dichter“. Kraumes Drama ist ein überzeugendes, auf einer wahren Geschichte basierendes Plädoyer für Zivilcourage.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel, Florian Lukas, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek

Die lesenswerte Vorlage (hier die Ausgabe zum Filmstart)

Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer

Ullstein, 2018

256 Seiten (plus 16-seitiger Bildteil)

12 Euro

Hinweise

Filmportal über „Das schweigende Klassenzimmer“

Moviepilot über „Das schweigende Klassenzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das schweigende Klassenzimmer“

Wikipedia über „Das schweigende Klassenzimmer“

Berlinale über „Das schweigende Klassenzimmer“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 12. Oktober: Eine reine Formalität

Oktober 11, 2020

Arte, 21.50

Eine reine Formalität (Una pura formalità, Italien/Frankreich 1993)

Regie: Giuseppe Tornatore

Drehbuch: Giuseppe Tornatore, Pascal Quignard (Dialoge)

Ein Inspector (Roman Polanski) verhört den bekannten Schriftsteller Onoff (Gérard Depardieu). Er glaubt, Onoff habe einen Mord begangen.

In CinemaScope gedrehtes Kammerspiel, das bei uns seine Premiere im Fernsehen hatte.

Brillanter mysteriöser Psychothriller, der durch die kafkaeske Atmosphäre und die vielen ungelösten Fragen einen intensiven Grad der Verstörung erreicht.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Zu Giuseppe Tornatores anderen Filmen, zu denen er auch normalerweise das Drehbuch schrieb, gehören „Cinema Paradiso“ (Nuovo Cinema Paradiso, 1989), „Allen geht’s gut“ (Stanno tutti bene, 1990), „Die Legende vom Ozeanpianisten“ (Novecento – La leggenda del pianista sull’oceano, 1998) und „Der Zauber von Malèna“ (Malèna, 2000).

mit Gérard Depardieu, Roman Polanski, Sergio Rubini, Nicola Di Pinto, Tano Cimarosa, Paolo Lombardi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eine reine Formalität“

Wikipedia über „Eine reine Formalität“ (englisch, italienisch)


TV-Tipp für den 11. Oktober: Das Geheimnis der falschen Braut

Oktober 10, 2020

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange Doku „Belmondo, der Unwiderstehliche“ (Frankreich 2017)

Am Montag, den 19. Oktober, präsentiert Arte einen François-Truffaut-Abend mit „Die Braut trug schwarz“ (Frankreich/Italien 1968; ebenfalls nach einem Roman von Cornell Woolrich) (um 20.15 Uhr) und „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969) (um 22.00 Uhr).

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert

Wiederholung: Freitag, 16. Oktober, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Geheimnis der falschen Braut“

Wikipedia über „Das Geheimnis der falschen Braut“ (deutsch, englisch, französisch) und Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 10. Oktober: Silence

Oktober 9, 2020

Servus TV, 20.15

Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

1648: Zwei Jesuitenpater reisen in das gottlose Japan. Dort soll ihr Mentor Gott abgeschworen haben.

Alle paar Jahre dreht Martin Scorsese einen seiner religiösen Filme. „Silence“ ist, trotz beeindruckender Bilder, sein schwächster dieser Filme. Das Drama ist ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Wiederholung: Sonntag, 11. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Shusaku Endos „Schweigen“ (Chinmoku, 1966)


Neu im Kino/Filmkritik: „Vergiftete Wahrheit“ – ein Thriller über einen biederen Anwalt, der für DuPont zum Alptraum wurde

Oktober 9, 2020

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 9. Oktober: Don’t Breathe

Oktober 8, 2020

RTL II, 22.30

Don’t Breathe (Don’t Breathe, USA 2016)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Schnell mal einen Einbruch begehen und mit der Kohle abhauen wollen die drei jugendlichen Kleinkriminellen. Dummerweise kehrt der Hausbesitzer zurück. Zum Glück ist er blind. Dummerweise hört er sehr gut und er ist extrem stinkig.

Fieser kleiner Spannungsthriller, der genau das hält, was er verspricht.

Danach drehte Fede Alvarez den Elisabeth-Salander-Thriller „Verschwörung“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik

Wiederholung: Samstag, 10. Oktober, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Don’t Breathe“

Metacritic über „Don’t Breathe“

Rotten Tomatoes über „Don’t Breathe“

Wikipedia über „Don’t Breathe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Isabelle Huppert ist „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Oktober 8, 2020

Auf diesen Film freue ich mich seit einigen Monaten. Als ich für meine Besprechung von Hannelore Cayres Krimi „Die Alte“ Hintergrundmaterial sammelte, erfuhr ich, dass Cayres Noir von Jean-Paul Salomé mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle verfilmt wird.

Über Isabelle Huppert muss wohl nichts mehr gesagt werden.

Jean-Paul Salomé ist deutlich unbekannter. Einige dürften immerhin seine ab und zu im Fernsehen laufenden, vor historischer Kulisse spielenden Abenteuerfilme/Thriller „Arsène Lupin“ und „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ kennen.

In Salomés neuem Film spielt Huppert Patience Portefeux, die titelgebende ‚Frau mit berauschenden Talenten‘. Auch wenn Madame Portefeux auf den ersten Blick wie eine taffe Mittfünfzigerin, die nichts erschüttern kann, wirkt, ist ihr Leben gar nicht so rosig. Die Pariserin lebt allein – ihr Mann starb vor zwanzig Jahren und sie hat erst jetzt seine Schulden abbezahlt -, die beiden erwachsenen Töchter leben ihr Leben und ihre Mutter liegt in einem Pflegeheim, das sie jeden Monat 3200 Euro kostet. Eine Menge Geld.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Übersetzerin. Freiberuflich und ohne Altersvorsorge. Für das Drogendezernat belauscht und übersetzt sie die auf arabisch geführten Gespräche der Drogenhändler und ihrer Familien.

Als ihre Mutter wegen unbezahlter Rechnungen in ein anderes Heim verlegt werden soll und sie aus einem abgehörtem Telefonat erfährt, dass der junge Drogenhändler, der verhaftet werden soll, der Sohn von Khadidja, einer Pflegerin ihrer Mutter, ist, greift sie spontan in die geplante Verhaftung ein. Sie informiert Khadidja. Die informiert ihren Sohn. Der kann vor seiner Verhaftung die Drogen verstecken.

Patience ergreift die sich ihr bietende Chance. Wenn sie die Drogen vor der Polizei und den Cherkaoui-Brüdern, die auf ihre Lieferung warten, findet, kann sie sich finanziell sanieren. Mit Geduld, detektivischem Gespür und dem pensionierten Drogenhund DNA findet sie vor allen anderen die Drogen. Sie versteckt sie im Keller des Mietshaus, in dem sie wohnt und beginnt sie an arabische Drogenhändler zu verkaufen. Immerhin kennt sie von ihrer Arbeit als Übersetzerin die potentiellen Großeinkäufer, ihre Nöte und die aktuellen Preise.

Und weil die Polizei schnell versucht, die neu in der Szene aufgetauchte geheimnisvolle Drogenhändlerin zu verhaften, muss sie weiter die Ermittlungen der Polizisten, mit denen sie seit längerem vertrauensvoll zusammenarbeitet, sabotieren. Ihr aktueller Freund Philippe ist sogar der Leiter der Drogenfahnder und er ist grundehrlich.

Jean-Paul Salomé macht aus Hannelore Cayres schwarzhumoriger Romanvorlage einen ebenso schwarzhumorigen, niemals moralisierenden, angenehm respektlosen Film, der genau deshalb Claude Chabrol in jeder Beziehung gefallen hätte. Auch dass die Frauen gegenüber den doch meist arg tumben Männern ein besseres Bild abgeben, hätte ihm gefallen. Sie wissen, wie Probleme ohne Gewalt gelöst werden können. Beispielsweise mit einem kleinen Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. So versteht Patiences Hausverwalterin sofort Patiences Vorschlag für ein Geschäft. Denn irgendwie muss das Drogengeld gewaschen werden. Davor und danach bringt die kleine Patience den deutlich größeren und ihr körperlich überlegenen arabischstämmigen Macho-Drogenhändlern Manieren und Disziplin bei.

Salomé schrieb das Drehbuch zusammen mit Cayre. Gemeinsam machten sie die Romangeschichte filmischer und verzichteten auf einige Hintergrundinformationen zu Patiences Familiengeschichte.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)


TV-Tipp für den 8. Oktober: Streik

Oktober 7, 2020

WDR, 23.30

Streik (En guerre, Frankreich 2018)

Regie: Stéphane Brizé

Drehbuch: Stéphane Brizé, Olivier Gorce

im strukturschwachen Agen soll eine Fabrik geschlossen werden. Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) führt seine Kollegen in einen harten Kampf um ihre Arbeitsplätze.

TV-Premiere. Starkes Drama. „Das niederdrückend realistische, fast dokumentarische Drama bemüht sich um eine sorgfältige Darstellung des Arbeitskampfes und der beteiligten Prozesse.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Isabelle Rufin, Olivier Lemaire

Hinweise

AlloCiné über „Streik“

Metacritic über „Streik“

Rotten Tomatoes über „Streik“

Wikipedia über „Streik“ (englisch, französisch)