Weil die diesjährige Ausgabe von „Pop around the Clock“ bei 3sat ungewohnt schwach ausfällt (da hillft auch Metallica nicht)
Arte, 20.15
Moderne Zeiten (USA 1937, Regie: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
Tramp Charlie muss in einer Fabrik am Fließband arbeiten. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle landet er sogar im Gefängnis.
Chaplins grandioser Stummfilm-Kommentar zur Industriegesellschaft und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist ein immer wieder sehenswerter Klassiker der Komödie.
Danach, um 21.40 Uhr, zeigt Arte die Doku „Charlie Chaplin, wie alles begann“ (Frankreich 2013).
mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Chester Conklin
James Bond: Casino Royale (USA 2006, Regie: Martin Campbell)
Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)
James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.
Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.
Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.
Noch mehr James Bond: Bei Cross Cult erschien jetzt als 25. James-Bond-Buch „Der Mann von Barbarossa“. Eine deutsche Erstveröffentlichung. John Gardner hält den Thriller für seinen besten James-Bond-Roman. Dieses Mal muss James Bond zusammen mit einem internationalen Agententeam eine bis dato unbekannte Terroristengruppe aufzuhalten. Sie fordert die Verurteilung eines angeblichen Nazi-Kriegsverbrechers. Aber ist das alles, was die Bösewichter wollen?
Self/Less – Der Fremde in mir (Self/Less, USA 2015)
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Àlex Pastor, David Pastor
Der todkranke Immobilienmogul Damian Hale erhält ein Angebot, das er nicht ablehnen will: für eine unglaubliche Summe wird sein Geist in einen frischen Körper transferiert. Es funktioniert und er erwacht im Körper eines jungen Mannes. Dummerweise hat er nach einiger Zeit Flashbacks aus dem Leben eines anderen Menschen. Hale will herausfinden, was diese Flashbacks bedeuten. Außerdem ist er stinkig, dass ihm gebrauchte Ware verkauft wurde.
TV-Premiere: Letztendlich nur okayer actionlastiger Verschwörungsthrillers, der das Potential seiner Prämisse verschenkt.
Leila freut sich auf die Rückkehr ihres Bruders Mahmoud aus dem Jemen. Sie kann ihm ihren neuen Freund Armand vorstellen und erzählen, dass sie demnächst ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York absolvieren wird. Und er kann ihr von seinen Erlebnissen im Jemen erzählen.
Dummerweise kommt er mit einer massiven religiösen Klatsche zurück. Vor seiner Reise war Mahmoud ein normaler französischer Moslem, der nach dem Tod ihrer Eltern die Rolle des Familienoberhaupts für Leila und ihren jüngeren Bruder übernommen hat. Jetzt hat er nicht nur den Bart eines religiösen Fanatikers, sondern auch dessen Ansichten. Als erstes verbrennt er Leilas Reisepass. Danach verdonnert er sie zum Hausarrest und zu einem streng religiösen Leben.
Armand, Sohn intellektueller, vor der Revolution aus dem Iran geflüchteter und immer noch linkspolitisch hoch engagierter Eltern, ist verzweifelt. Aber einer der zahlreichen Flüchtlinge, die er und seine Mitkommilitonen in ihren Asylrechtsverfahren beraten, bringt ihn auf die Idee: als Frau verkleidet kann er seine Geliebte besuchen. Gesagt, getan: in einem Niqab besucht er Leila. Er behauptet, ihre Mitstudentin und beste Freundin Scheherazade zu sein.
Mahmoud, der alles für ein gottgefälliges Leben tut, verliebt sich sofort und unsterblich in die scheue Scheherazade, die all seine Avancen ablehnt.
„Voll verschleiert“ ist eine durchaus sympathische Komödie, in der Moslems und der Islam nicht als das Reich des Bösen erscheinen. Man lacht mit ihnen und nicht über sie. Es ist allerdings auch eine Komödie, die immer dann, wenn sie sich zwischen satirischer Zuspitzung und boulevardeskem Klamauk entscheiden muss, für das Boulevard entscheidet. Das ist dann so harmlos wie „Charleys Tante“, während man auf ein „Alles koscher“ (oder mehr) hofft.
Voll verschleiert (Cherchez la Femme, Frankreich 2016)
Regie: Sou Abadi
Drehbuch: Sou Abadi
mit Félix Moati, Camelia Jordana, William Lebghil, Anne Alvaro, Carl Malapa, Laurent Delbecque, Oscar Coop, Oussama Kheddam, Walid Ben Mabrouk, Miki Manojlovic
Den meisten Kritikern gefällt Yorgos Lanthimos‘ neuer Film „The Killing of a sacred Deer“ und auf einer intellektuellen Ebene kann ich das auch nachvollziehen. Jedenfalls teilweise.
Es geht, in einem Satz, um eine Arztfamilie, die von einem jungen Mann, der ihr Leben zerstören will, bedroht wird und wie sich die Familie dagegen wehrt. Wie es sich für einen Mystery-Thriller gehört, wird der Grund für das zunächst seltsame Verhalten des jungen Mannes erst spät enthüllt. Spätestens in dem Moment ist der Filmtitel für Menschen mit einer gesunden abendländischen Bildung mühelos verständlich.
Und ungefähr jetzt begeben wir uns notgedrungen auf das Terrain von Spoilern.
Denn der Filmtitel spielt auf den griechischen Mythos der Iphigenie an. Danach muss Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfern, weil er in einem heiligen Hain der Jagdgöttin Artemis einen Hirsch getötet hat und sich mit der Tat brüstete.
Im Film ist dann Doktor Steven Murphy Agamemnon. Vor Jahren starb bei einer Operation einer seiner Patienten. Vorher hatte der Patient einen Autounfall. Aber der ist für die Filmgeschichte egal. Irgendwie geplagt von Schuldgefühlen trifft er sich mit Martin, dem sechzehnjährigen Sohn des toten Patienten. Und dieser schleicht sich in Murphys Familie ein. Er will sogar Murphy mit seiner Mutter verkuppeln und so wohl wieder eine richtige Familie haben. Letztendlich ist Martin aber kein nach Liebe und Geborgenheit suchender Stalker, sondern der durchgeknallte Psycho von nebenan, den wir aus zahlreichen Filmen kennen und der stoisch seinen Racheplan verfolgt.
Denn er schleicht sich nicht nur in de Bilderbuchfamilie Murphy ein, sondern belegt sie mit einem Fluch. Plötzlich können Murphys beiden Kinder sich nicht mehr bewegen und Martin fordert Murphy auf, eines seiner Kinder zu opfern. Oder er werde die gesamte Familie töten.
Diesen eher wenig plausiblen Konflikt (Warum rächt er sich nicht an der Person, die den tödlichen Unfall verursachte? Warum will er nur Murphy und nicht auch das restliche Klinikpersonal bestrafen?) etablieren Lanthimos und seinem Stamm-Co-Autor Efthimis Filippou arg umständlich. Jedenfalls wenn man die gängigen Drehbuchregeln anlegt. Auch verglichen mit ihrem vorherigen, ungleich gelungeneren Film „The Lobster“ (ebenfalls mit Colin Farrell n der Hauptrolle) dauert es in „The Killing of a sacred Deer“ lange, bis der Konflikt etabliert ist und die damit zusammenhängende Geschichte beginnt. Dafür zeigen sie, in schönster David-Lynch-Manier inszeniert und mit Schauspielern, die konsequent unnatürlich spielen, in elegant gefilmten Szenen die bröselige Fassade des gut situierten Bürgertums. Diese Szenen bringen die Geschichte nicht vorwärts, aber sie etablieren eine herrlich ver-rückte, absurde Welt. Emotionslos werden Sätze vorgetragen. Man agiert eher neben- als miteinander und auch offensichtliche Lügen zerstören den schönen Schein nicht. Das führt zu wohltuenden Irritationen in einer durch und durch artifiziellen Welt, die mit der Realität oder einer realistischen Inszenierung der Realität nichts zu tun hat. Das ist eher die Welt von „Twin Peaks“. Ohne die Überhöhungen, Symbolismen und Andeutungen von großen Geheimnissen, die irgendwann gelöst werden.
In der zweiten Hälfte, wenn die Murphys Martin im Keller gefangenhalten (nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern im Freizeitzimmer) und die üblichen Psychospielchen beginnen, mutiert „The Killing of a sacred Deer“ schnell zu einer banalen und erschreckend eindimensionalen Rachegeschichte in der Martin sich rächen und Murphy seine Familie beschützen will. Wie in Sabus „Happiness“, der vor einigen Wochen bei uns anlief und der in der Mitte einen ähnlichen erzählerischen Bruch hat, zieht sich dieser Teil elendig lang hin, ohne dass wir etwas substantiell neues erfahren, die Geschichte irgendeine Entwicklung hat oder das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.
In „The Killing of a sacred deer“ wäre es natürlich die Frage, welches Opfer für eine schlimme Tat erbracht werden muss. Im alten Griechenland war es ein Menschenopfer. In dem Film verlangt das auch Martin. Immerhin ist, aus seiner Sicht, Murphy für den Tod seines Vaters verantwortlich.
Weil Lanthimos diese Frage nur innerhalb der von ihm selbst sehr eng gesteckten Regeln seines Spiel thematisiert, geht es nur darum, ob die Murphys Martin töten oder einer aus ihrer Familie (oder alle) sterben. Das hat einen Erkenntnisgewinn, der nicht über das alttestamentarische Auge um Auge, Zahn um Zahn hinausgeht, weil die Spielregeln genau so festgelegt wurden. Diese verkopfte Rache- oder, je nach Perspektive, Sühnegeschichte im Arthaus-Gewand ist damit sogar flacher als ein hundsgewöhnliches und strunzdummes Revenge-B-Movie.
The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)
Regie: Yorgos Lanthimos
Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou
mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp
Drehbuch: Deric Washburn, Harry Kleiner (nach einer Geschichte von John Milius und Fred Rexer)
Um persönliche Verfehlungen zu vertuschen, eskaliert ein hochrangiger CIA-Mann (Michael Ironside) mit seinen Männern in einem texanischen Grenzkaff den Kampf zwischen Texas-Ranger Jack Benton (Nick Nolte, seltsam unterkühlt spielend) und Bentons Schulfreund Cash Bailey (Powers Boothe) zu einer blutigen Schlacht. Denn Bailey ist inzwischen ein aus Mexiko operierender Rauschgifthändler, der mit dem CIA-Mann in schmutzige Geschäfte verwickelt ist.
„Eine ungewöhnliche Mischung aus Western, Agentenstory und Actionfilm, von Hill mit gewohnter Präzision und Effizienz inszeniert. Störend wirken die kompromisslose Gewalttätigkeit und Menschenverachtung, die die Geschichte prägen.“ (Fischer Film Almanach 1988)
Vor allem das bleihaltige Ende versucht, ziemlich erfolgreich, Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ zu toppen.Auch davor gibt es schon einige Peckinpah-Anspielungen.
mit Nick Nolte, Powers Poothe, Michael Ironside, Maria Conchita Alonso, Rip Torn, Clancy Brown
Wiederholung: Samstag, 30. Dezember, 00.00 Uhr (Taggenau!, anschließend „Doberman“)
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young
One, 23.20 M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen Hinweise
Knacki Rudi Duncan freut sich wie Bolle. Unter der Identität eines verstorbenen Knastkumpels will er sich an dessen Brieffreundin heranmachen. Die sieht nämlich unglaublich gut aus. Dummerweise hat sie einen Bruder, der möchte, dass Rudi ihm beim Überfall eines Casinos helfen soll. Ein Casino, in dem Rudi früher arbeitete.
John Frankenheimers letzter Kinofilm ist nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein vergnüglicher Neo-Noir mit viel Schnee, Weihnachtsmännern und vielen Dingen, die mit Weihnachten nichts zu tun haben.
„Mag das Drehbuch auch gelegentlich ein wenig überkonstruiert erscheinen, die Inszenierung von Regie-Veteran Frankenheimer erweist sich als absolut schnörkellos und handwerklich perfekt.“ (tip 25/2000)
Die US-Kritik war nicht so begeistert.
Frankenheimer inszenierte „Der Gefangene von Alcatraz“, „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ und „Ronin“.
mit Ben Affleck, Gary Sinise, Charlize Theron, Donal Logue, Danny Trejo, Clarence Williams III
Drehbuch: Ernest Lehman (nach dem Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein)
Gut dreistündiges Musical über die singende Familie Trapp, die 1938 vor den Nazis aus Österreich in die USA flüchtete und dort mit Heimatliedern bekannt wurde.
In den USA und eigentlich weltweit (bis auf Deutschland und Österreich) war das Musical ein Kassenhit, der auch mehrere Oscars (u. a. bester Film und beste Regie) erhielt.
In Deutschland lief der Film damals in einer um die Nazi-Elemente gekürzten Fassung. „Der deutsche Verleih kürzte den Film nach der Erstauswertung rigoros, um alle politischen Elemente zu eliminieren, so dass der Film ‚freundlicher‘ und konsumierbarer, in seiner Konzeption freilich zerstört wurde.“ (Lexikon des internationalen Films)
Aus einem 172-Minuten-Film wurde ein 127-Minuten-Film.
Arte zeigt natürlich die vollständige Fassung und so kann man heute einen in Deutschland unbekannten Klassiker entdecken.
mit Julie Andrews, Christopher Plummer, Eleanor Parker, Richard Haydn, Peggy Wood, Charmain Carr, Heather Menzies
auch (un)bekannt als „Meine Lieder – Meine Träume“
Als über Kansas ein Orkan tobt, wird die kleine Farmerstochter Dorothy ohnmächtig. Als sie wieder wach wird, ist sie in Oz, trifft neue, sehr seltsame Freunde, wie eine Vogelscheuche und einen Blechmann, und erlebt gefährliche Abenteuer auf ihrem Weg zu dem Zauberer von Oz, der sie wieder zurück nach Kansas bringen kann.
Ein zeitloser Musical-Klassiker
mit Judy Garland, Frank Morgan, Roy Bolger, Bert Lahr, Jack Haley, Billie Burke, Margaret Hamilton
SchleFaZ: Mister Dynamit – Morgen küsst euch der Tod (Deutschland/Spanien/Italien 1966)
Regie: Franz Josef Gottlieb
Drehbuch: Franz Josef Gottlieb
LV: H. C. Günther: Mister Dynamit: Morgen küsst euch der Tod
Ein Gangster erpresst die USA mit einer Atombombe. Da muss Bob Urban, der beste Mann des BND, ran und den Weltfrieden retten.
Der deutsche Versuch neben „Jerry Cotton“ und „Kommissar X“ eine weitere erfolgreiche, auf Heftromanen basierende Serie zu etablieren und an der damaligen Bond-Manie teilzuhaben. Damals ein Kinoflop, heute – nun, formulieren wir es mal so: die Ausgrabung eines seit Ewigkeiten verschollenen Films (jaja, inzwischen wurde das Werk auf DVD veröffentlicht), den jeder Trash-Fan als Teil der Geschichte des deutschen Kriminalfilms gerade deswegen mal sehen wollte.
Heute kann er es im Rahmen der „SchleFaZ“-Reihe tun. Wobei mir die Lästereien der Präsentatoren Oliver Kalkofe und Peter Rütten auf die Nerven gehen. Viel lieber hätte ich es, wenn sie, wie die Macher von „Trailers from Hell“ darüber reden würden, warum es sich trotz allem lohnt, den Film anzusehen.
„Zeitweise geschmackloser Agentenfilm zwischen Brutalität und alberner Komik.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Lex Barker, Maria Perschy, Amadeo Nazzari, Ralf Wolter, Brad Harris, José Suárez, Wolfgang Preiss, Eddi Arent, Siegfried Rauch, Dieter Eppler, Joachim Fuchsberger
„Jumanji: Willkommen im Dschungel“ zeigt fast schon exemplarisch, was ein gutes Remake von einem schlechten Remake unterscheidet. Ob es sich um einen guten Film handelt, ist damit noch nicht gesagt.
Ein Remake oder, mehr noch, ein Reboot sollte der alten Geschichte einen neuen Aspekt abgewinnen und eine Idee haben, warum es gedreht wurde. Denn der alte Film ist immer noch da und kann heute müheloser als jemals gesehen werden. Zur Not kauft man sich die DVD. Trotzdem gibt es unzählige Remakes, bei denen man sich fragt: „Warum?“. Zuletzt zeigte „Flatliners“, dass die Macher nicht wussten, warum sie den Film machten. Bei „Mord im Orientexpress“ sah es dann dank der hochkarätigen Besetzung und, in der ersten Hälfte, verspielten Inszenierung, etwas besser aus. Aber einen wirklichen Grund für das Remake lieferte Kenneth Branagh nicht. „Ghost in the Shell“ konzentrierte sich auf die Visuals. Das sah dann gut aus. Und war der einzige Grund, sich den Film im Kino anzusehen.
Bei „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ sieht die Sache anders aus. Jake Kasdans Film ist ein Remake von Joe Johnstons Kassenhit „Jumanji“ (USA 1995), in dem Robin Williams die Hauptrolle spielte. Als Jugendlicher beginnt er mit seiner Freundin das Brettspiel „Jumanji“. Er wird in das Spiel hineingezogen. 26 Jahre später spielen zwei Kinder das Spiel weiter und das Spiel bzw. Teile des Spiels brechen tsunamiartig über eine typische All-American-Vorstadt herein. Affen, Spinnen, Sturzbäche und eine Elefantenhorde stürmen durch das Haus und die Stadt. Das Chaos kann nur gebändigt werden, wenn sie das Spiel beenden.
Diese Idee, dass das Spiel über die Wirklichkeit hereinbricht (obwohl vorher ein Spieler in das Spiel hineingesaugt wurde), fand ich während des gesamten Films unglaubwürdig.
In „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ haben die Macher diese Prämisse und das Thema des Films grundlegend verändert. Letztendlich ist es ein in jeder Beziehung anderer Film, der mit dem ersten Film bis auf einige unwichtige Kleinigkeiten nichts mehr zu tun hat.
Jetzt finden vier Schüler, die Nachsitzen müssen, im Keller der Schule ein altes Computerspiel. Sie suchen sich Spielcharaktere aus, starten das Spiel und werden in es hineingesaugt. Im Spiel sind sie Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Dr. Shelly Oberon (Jack Black), Franklin ‚Moose‘ Finbar (Kevin Hart) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan) und sie müssen das Spiel spielen. Wie es sich für ein Computerspiel gehört, haben sie bestimmte Fähigkeiten, eine Aufgabe und verschiedene, zunehmend schwierigere Spiellevels, die sie erfolgreich durchspielen müssen, ehe sie zum nächsten Level gelangen. Oh, und sie haben jeweils drei Leben. Diese ebenso einfache, wie bewährte Konstruktion gibt die Struktur der Filmgeschichte vor, die von den Machern nur noch ausgefüllt werden muss.
Das tun sie, ohne spürbare Längen, mit einem sympathischen, spielfreudigen Cast, Humor und einer stringent erzählten Geschichte.
Ein großer Teil des Humors entsteht aus dem Umstand, dass die vier Spieler in der Realität anders als im Spiel sind (aber immer noch ihre reale Identität haben). Teilweise sind sie im Spiel das komplette Gegenteil von ihrem früheren Selbst. Sie haben andere körperliche und geistige Fähigkeiten. Sie haben teilweise auch ein anderes Geschlecht. Und während sie in der Schule nichts miteinander zu tun hatten, müssen sie jetzt sich jetzt aufeinander verlassen und zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam können sie die Aufgabe bewältigen. Diese Botschaft, die sich deutlich von der Botschaft des Ur-“Jumanji“ unterscheidet, ist im gesamten Film präsent. Sie ist die Grundlage für jede Szene, jeden Dialog und jede Handlung.
„Jumanji: Willkommen im Dschungel“ ist ein rundum gelungenes, grundsympathisches Fantasyabenteuer mit viel Action und Humor für die gesamte Familie. Wobei das Zielpublikum, trotz der für mein Empfinden erstaunlich hohen FSK-12-Freigabe, bei älteren Kindern und jüngeren Jugendlichen liegt.
Jumanji: Willkommen im Dschungel (Jumanji: Welcome to the Jungle, USA 2017)
Regie: Jake Kasdan
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Jake Kasdan, Scott Rosenberg, Jeff Pinkner
LV: Chris Van Allsburg: Jumanji, 1981 (Kinderbuch)
mit Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas, Bobby Cannavale
Im Jahr des Drachen (Year of the Dragon, USA 1985)
Regie: Michael Cimino
Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino
LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)
Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.
Mit Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Leonard Termo, Ray Barry, Caroline Kava, Eddie Jones
Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“
The Tree of Life (USA 2011, Regie: Terrence Malick)
Drehbuch: Terrence Malick
„‘The Tree of Life’ ist Malicks bisher erstaunlichster und buchstäblich radikalster Film. (…) ‘The Tree of Life’ erzählt keine Geschichte mithilfe von Bildern, sondern überführt Gedanken, Stimmungen, Gefühle und Erinnerungen in Bilder. Natürlich ist ‘The Tree of Life’ ein Spielfilm – der sogar mit drei Schauspielstars aufwarten kann (Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain) und bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 mit der Goldenen Palme bedacht wurde -, aber noch vehementer als Malicks frühere Arbeiten geht er an die Grenzen der Erzählbarkeit.“ (Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick)
Irgendwie geht in Malicks Meditation um eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, die Entstehung der Welt, das Universum und den ganzen Rest, garniert mit einer christlich-ländlichen Mythologie, die einen entweder wie das Wort Gottes intuitiv hemmungslos begeistert oder – wie mich im Kino – tödlich langweilt; – wobei ich zur Minderheit gehöre. Die meisten Kritiker waren begeistert, der Film war für drei Oscars nominiert (als bester Film, beste Regie und beste Kamera) und erhielt, laut IMDB, 98 Preise, unter anderem in Cannes die Goldene Palme.
Seitdem ist Malick von einem wahren Schaffensrausch gepackt. Seine wenigen eingeschworenen Fans sind begeistert. Der Rest der Welt deutlich weniger.
mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler
Der Traum von Olympia – Die Nazi-Spiele von 1936 (Deutschland 2016, Regie: Mira Thiel, Florian Huber)
Drehbuch: Florian Huber
TV-Dokudrama über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, erzählt aus der Perspektive des Wehrmachtsoffiziers Wolfgang Fürstner, der das Olympische Dorf erbauen und für den ordnungsgemäßen Ablauf der Spiele verantwortlich ist, und der deutschen Jüdin Gretel Bergmann, die unbedingt als Hochspringerin bei den Spielen teilnehmen möchte.
Mira Thiel und Florian Huber benutzen diese beiden Personen, deren Erlebnisse sie mit vielen Archivaufnahmen anreichern, um sich so aus unterschiedlichen Perspektiven den Spielen anzunähern. Dabei entsteht ein Paradebeispiel für schlechte Doku-Fiction. Gerade die inszenierten Teile sind erschreckend prätentiös (was auch an der Idee liegt, Fürstner immer wieder, während andere Personen anwesend sind, direkt in die Kamera sagen zu lassen, was in der oder einer anderen Szene eigentlich gezeigt werden sollte). Die Dialoge sind erschreckend schlecht geschrieben auf dem Niveau einer schlechten Vorabendserie. Dito die vielen Voice-Over-Texte, in denen beide Erzähler reichlich naiv erscheinen. Vor allem wenn Gretel Bergmann über ihre Enttäuschungen und ihre Backfisch-Liebe zu Jesse Owens redet. Dramatisch wird es nie; was angesichts der Geschichte eine Meisterleistung ist. Oberflächlich bleibt es immer.
Eine, abgesehen von den Archivaufnahmen, verschenkte Chance.
Wie es besser geht zeigte Stephen Hopkins letztes Jahr mit seinem Jesse-Owens-Biopic „Zeit für Legenden“.
mit Simon Schwarz, Sandra von Ruffin, Gotthard Lange, Christian Hockenbrink, Annina Hellenthal
LV: Mary Orr: The Wisdom of Eve (1946, Kurzgeschichte)
Klassiker über überbordendes Fantum: Der Theaterstar Margo Channing (Bette Davis) nimmt Eve Harrington (Anne Baxter), die behauptet, ihr größter Fan zu sein, in Obhut. Schnell wird Eve zu einer Gefahr für ihrer Karriere.
„‚All about Eve‘ zählt zu den bedeutendsten Filmen, die je gedreht worden sind.“ (Michael Conway/Mark Ricci: Marilyn Monroe und ihre Filme, 1980)
Gute Schauspieler, gute Dialoge und Marilyn Monroe, am Beginn ihrer Karriere, in einer kleinen Rolle. Und alles zu einer guten Uhrzeit. Was will man mehr?
Im Anschluss, um 22.30 Uhr, zeigt Arte die fünfzigminütige Doku „Bette Davis – Der dunkle Blick“ (Deutschland 2016)
mit Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Hugh Marlowe, Thelma Ritter, Marilyn Monroe
Mord im Orient-Express (GB 1974, Regie: Sidney Lumet)
Drehbuch: Paul Dehn
LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress)
Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.
Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)
RIC, 20.15 Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)
Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Drehbuch: Gérald Hustache-Mathieu, Juliette Sales (Mitarbeit)
Jura: Der Krimi-Autor David Rousseau will herausfinden wer die Dorfschönheit und Wetterfee Candice Lecoeur ermordete.
Und weil Candice eine große Bewunderin von Marilyn Monroe war, gibt es in dieser gelungenen Krimikomödie auch zahlreiche Anspielungen auf MMs Leben. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot, Arsinée Khanjian, Eric Ruf
3. September 2010: in der Nähe von Grefrath (Nordrhein-Westfalen) verschwindet der zehnjährige Mirco spurlos. Die Polizei beginnt mit der Suche, die nicht Tage oder Wochen, sondern Monate dauert.
Der Krimi basiert auf einem wahren Fall. Das Drehbuch ist von Katja Röder und Fred Breinersdorfer, der schon öfter wahre Kriminalfälle zu packenden Krimis verarbeitete. Und das steigert die Erwartungen.
Mit Heino Ferch, Silke Bodenbender, Johann von Bülow, Felix Kramer