DVD-Kritik: Über die Gillian-Flynn-Verfilmung „Dark Places“

April 27, 2016

Im Kino ging, nachdem die erste Gillian-Flynn-Verfilmung „Gone Girl“ ein Publikums- und Kritikerhit war, „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“, die prominent besetzte Verfilmung ihres zweiten Romans, unter. Dabei klingt die Story ähnlich vielversprechend.

1985 werden die Mutter und die beiden Schwestern von Libby Day ermordet. Die Achtjährige beschuldigt ihren Bruder Ben und dieser, damals ein bekennender Satanist, wird verurteilt.

Dreißig Jahre später hadert Libby (Charlize Theron) immer noch mit diesem Ereignis und sie lebt, auch und vor allem finanziell, davon. Von einem Club, in dem Privatleute ungeklärte Verbrechen nachermitteln, erhält sie das Angebot, dort über ihre Familiengeschichte zu reden. Weil sie das Geld braucht, nimmt sie das Angebot an.

Die Clubmitglieder präsentieren ihr ihre verschiedenen, mehr oder weniger abstrusen Theorien. Es gibt nämlich offensichtliche Widersprüche und sie sind überzeugt, dass der falsche Mann im Gefängnis sitzt.

Lbby erklärt sich – natürlich für Geld – bereit, dem Club zu helfen und dafür tief in ihrer Vergangenheit zu stöbern. Dabei entdeckt sie einiges.

Na, das klingt doch nicht schlecht.

Allerdings ist Gilles Pacquet-Brenner („Sarahs Schlüssel“) kein David Fincher und, nun, „Dark Places“ ist nicht „Gone Girl“. „Gone Girl“ erzählt aus, im Roman und im Film, zwei Perspektiven, die konsequent durchgehalten und klar getrennt sind, eine bitterböse Noir-Geschichte.

„Dark Places“ bedient sich einer ähnlichen Konstruktion. Im Film allerdings deutlich weniger gelungen. Er erzählt, vom Roman übernommen, die Geschichte auf zwei Ebenen. In der Gegenwart erzählt er eine ganz normale Detektivgeschichte, in der Libby Day einfach der Reihe nach die verschiedenen Beteiligten der damaligen Ereignisse befragt bis sie die ganze Wahrheit über die Mordnacht erfährt. Naja, fast. Denn wir als Zuschauer wissen mehr. In der Vergangenheit werden die damaligen Ereignisse nacherzählt. Diese Blicke in die Vergangenheit werden eher willkürlich über den Film gestreut. Sie erzählen chronologisch die Vorgeschichte das Mehrfachmordes und enthüllen dann am Ende die wahren Ereignisse der Tatnacht. Dieser Teil ist durchaus spannend, weil wir wissen wollen, wie es zu dem Mehrfachmord kam. Allerdings sind diese Rückblenden konsequent aus einer objektiven Perspektive erzählt. Das heißt, wir erfahren bis zum Ende Dinge, die weder Libby noch die von ihr Befragten wissen können. Und wenn doch, würden sie sie ihr niemals verraten. Aber irgendwann agiert Libby so, als wüsste sie diese Dinge auch. Obwohl sie sie, wie gesagt, nicht wissen kann und damit der ganzen Geschichte ein Glaubwürdigkeitsproblem beschert.

Dazu kommt, dass in den 1985 spielenden Teilen das Arme-Leute-Milieu und die jugendliche Satanistenclique, in der Ben ist, arg platt gezeichnet werden, dass in der Gegenwart aus dem „Kill Club“-Club kein erzählerisches Potential geschöpft wird, dass bei der Besetzung bei den Charakteren, die 1985 und 2015 auftreten, kein glückliches Händchen bewiesen wurde (die TV-Serie „Cold Case“ zeigt einfach, wie es besser geht) und dass die namhafte Besetzung größtenteils verschenkt ist in einer altbackenen Mörder-such-Geschichte mit einer angeklatschen Moral, die eine bessere Filmgeschichte verdient hätte.

Am Ende ist „Dark Places“ nur ein unnötig kompliziert erzählter, gut besetzter 08/15-Kriminalfilm.

Das Bonusmaterial besteht aus den Trailern und fünfundzwanzig Minuten Interviews mit Regisseur Gilles Paquet-Brenner, Autorin Gillian Flynn (das sind die interessanteren Interviews) Christina Hendricks und Nicholas Hoult.

Dark Places - Plakat 4

Dark Places – Gefährliche Erinnerung (Dark Places, USA/Frankreich 2015)

Regie: Gilles Paquet-Brenner

Drehbuch: Gilles Paquet-Brenner

LV: Gillian Flynn: Dark Places, 2009 (Finstere Orte, später Dark Places – Gefährliche Erinnerung)

mit Charlize Theron, Sterling Jerins, Nicholas Hoult, Christina Hendricks, Corey Stoll, Tye Sheridan, Andrea Roth, Chloë Grace Moretz, Sean Bridger

–

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1/ DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonus: Deutscher und Original Trailer, Interviews

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Die Vorlage

Flynn - Dark Places - TB - 4

Gillian Flynn: Dark Places – Gefährliche Erinnerung

(übersetzt von Christine Strüh)

Fischer Verlag, 2015

464 Seiten

9,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Finstere Orte

Fischer Verlag, 2010

–

Originalausgabe

Dark Places

Shaye Areheart Books, 2009

–

Hinweise

Moviepilot über „Dark Places“

Metacritic über „Dark Places“

Rotten Tomatoes über „Dark Places“

Wikipedia über „Dark Places“ (deutsch, englisch) und Gillian Flynn (deutsch, englisch)

Homepage von Gillian Flynn

Krimi-Couch über Gillian Flynn

Meine Besprechung der Gillian-Flynn-Verfilmung „Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014) (Buch- und Filmkritik)


TV-Tipp für den 27. April: Hostage – Entführt

April 27, 2016

Kabel 1, 22.10

Hostage – Entführt (USA 2005, Regie: Florent Emilio Siri)

Drehbuch: Doug Richardson

LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)

LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.

Okayer Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem Buch greifen.

Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.

Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper

Wiederholung: Donnerstag, 28. April, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Hostage”

Homepage von Robert Crais

Wikipedia über Robert Crais

Drehbuch „Hostage“ von Robert Crais (29. März 2002, early draft – Crais schrieb nach seinem Roman ein Drehbuch, das später von anderen Autoren umgearbeitet wurde.)

Robert Crais in der Kriminalakte

Bruce Willis in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. April: Die Bounty

April 26, 2016

Disney Channel, 20.15

Die Bounty (Großbritannien 1984, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Bolt

LV: Richard Hough: Captain Bligh and Mr. Christian, 1972 (Neuauflage zum Filmstart als „The Bounty“)

Die Geschichte der Meuterei auf der „Bounty“ 1789. Aber dieses Mal wird die wahre Geschichte erzählt und da kommt Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, nicht mehr so gut weg – und Captain Bligh erscheint nicht mehr so böse.

„Dass das Laben die besten Geschichten schreibe, ist zwar nur ein hartnäckig sich behauptendes Gerücht, aber die recht aufwendige ‚Bounty‘-Neufassung vereint tatsächlich Historie und Spannung recht gut – und widerlegt somit streckenweise ein weiteres hartnäckiges Gerücht, nämlich dass ein Remake immer schlechter sein müsse als das Original.“ (Fischer Film Almanach 1986)

An der Kinokasse hat es nicht geholfen. Auch nicht, dass die Besetzung ziemlich prominent war.

mit Mel Gibson, Anthony Hopkins, Laurence Olivier, Edward Fox, Daniel Day-Lewis, Philip Davis, Bernard Hill, Liam Neeson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Bounty“

Wikipedia über „Die Bounty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


TV-Tipp für den 25. April: Projekt: Peacemaker

April 25, 2016

Kabel 1, 20.15

Projekt: Peacemaker (USA 1997, Regie: Mimi Leder)

Drehbuch: Michael Schiffer

LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)

US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.

Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.

„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt “Projekt: Peacemaker” seine Geschichte.

Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev

Wiederholung: Dienstag, 26. April, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Projekt: Peacemaker”

Wikipedia über “Projekt: Peacemaker” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. April: Vertigo – Aus dem Reich der Toten

April 24, 2016

Arte, 20.15

Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor

LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)

Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.

Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.

Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey

Wiederholung: Freitag, 29. April,  13.45 Uhr (VPS 13.40 Uhr)

Hinweise

Wikipedia über “Vertigo” (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Vertigo”

Rotten Tomatoes über “Vertigo”

Sex in a Submarine (Drehbuchautor William C. Martell) über “Vertigo”

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


TV-Tipp für den 23. April: Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi

April 23, 2016

BR, 22.00
Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi (Deutschland 2014, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Sathyan Ramesh
Erster Arbeitstag für Polizeimeisteranwärterin Fink am Starnberger See und gleich gibt es eine Leiche, die aussieht wie der schon lange verstorbene König Ludwig II.
Heimatkrimi, Graf-Style. Das ist dann Meilenweit von den üblichen „Soko Kitzbühel“-Erzeugnissen entfernt.
mit Annina Hellenthal, Andreas Giebel, Florian Stetter, Hannes Jaenicke, Ulrike C. Tscharre, Alicia von Rittberg, Martin Feifel, Eisi Gulp, Beatrice Richter, Saski Vester
Hinweise

Filmportal über “Die reichen Leichen”

Die Zeit spricht mit Dominik Graf über “Die reichen Leichen” (17. Oktober 2014)

Critic über “Die reichen Leichen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. April: Shame

April 21, 2016

3sat, 22.35
Shame (Shame, Großbritannien 2011)
Regie: Steve McQueen
Drehbuch: Steve McQueen, Abi Morgan
Brandon ist sexsüchtig – und das ist kein Vergnügen.
Grandioses, etwas kühles Drama von Steve McQueen, der davor „Hunger“ und danach „12 Years a Slave“ inszenierte. Alles keine leichte Kost, aber in jedem Fall sehenswert.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit zwei ausführlichen Interviews mit Steve McQueen und Michael Fassbender).
mit Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Nicole Beharie
Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Shame“

Rotten Tomatoes über „Shame“

Wikipedia über „Shame“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens “12 Years a Slave” (12 Years a Slave, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ lebt – in den Siebzigern

April 21, 2016

Wie war das Leben damals in den Siebzigern in einer Kommune? Regisseur Thomas Vinterberg, der in einer solchen Wohngemeinschaft aufwuchs, fand diese Zeit zwischen seinem siebten und neunzehnten Lebensjahr ganz normal. Aber er wurde immer wieder danach gefragt. Also schrieb er zunächst ein Theaterstück und dann, zusammen mit Tobias Lindholm, dessen Drama „A War“ gerade im Kino läuft, ein Drehbuch, das er verfilmte und auf der Berlinale im Wettbewerb präsentierte. Trine Dyrholm wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mitten in den Siebzigern erbt der Architekt und Universitätsdozent Erik (Ulrich Thomsen) das im Kopenhagener Nobelviertel liegende elterliche Anwesen. Er möchte es sofort gewinnbringend verkaufen. Aber seine Frau Anna (Trine Dyrholm), eine TV-Nachrichtensprecherin, überzeugt ihn, dass sie mit ihrer vierzehnjährigen Tochter einziehen und, um die Kosten zu senken, ihre Freunde als Mitbewohner einladen sollen. Kurz gesagt: sie gründen mit ihren alten und einigen neuen Freunden eine Kommune, in der alles herrschaftsfrei ausdiskutiert und geteilt werden soll. Denn damals war eine Wohngemeinschaft kein Zweckbündnis, sondern ein politisches Statement und ein Gegenentwurf zur bürgerlichen Gesellschaft und zur ebenso bürgerlichen Familie mit ihrem repressiven Charakter. Eine Kommune war die Gegenwart gewordene Utopie einer anderen, besseren, egalitären Gesellschaft.

Das, was auch in Vinterbergs Film so paradiesisch beginnt, böte natürlich die Möglichkeit, mit den Ideen vom Zusammenleben in Kommunen, mehr oder weniger witzig, mehr oder weniger boshaft und mehr oder weniger analytisch, abzurechnen. Immerhin scheiterten die Experimente des herrschaftsfreien Zusammenlebens. Die egalitären und in jeder Beziehung neidfreien Idealvorstellungen erwiesen sich als nicht alltagstauglich. In den real existierenden Kommunen bildeten sich Herrschafts- und Machtstrukturen, die fast immer auch zu einem Ende der Kommune führten. Seltener wurden, beginnend bei Mietzahlungen und Putzplänen, Verfahren entwickelt. „Die Kommune“ könnte auch zur Metapher für das Zusammenleben im Allgemeinen und im Besonderen werden.

Aber für Vinterberg ist seine Jugend eine Zeit voller goldener Erinnerungen und absurder Momente, die – auch wenn der Film höchstens autobiographisch inspiriert ist – einen sehr liebevollen Blick auf die Zeit wirft. Die Filmgeschichte konzentriert sich dabei auf Erik und Anna und ihre Beziehung. Denn Erik verliebt sich in eine seiner Studentinnen. Eine gut aussehende Brigitte-Bardot-Kopie. Als ihre Tochter seine Affäre entdeckt, steht Anna vor der Frage, wie sie damit umgeht. Sie schlägt vor, dass Emma (Helene Reingaard Neumann) bei ihnen einzieht.

Spätestens ab diesem Moment ist offensichtlich, dass „Die Kommune“ kein Ensemblestück ist, in dem die einzelnen Mitglieder der Kommune zu komplexen Charakteren werden, sondern dass es ein Nicht-Ensemble-Ensemblefilm ist. Die anderen Hausbewohner liefern einen zeitgeschichtlichen Hintergrund. Sie sind zusätzliche Farben für ein doch eher banales Ehedrama. Denn selbstverständlich führt die Anwesenheit von Emma in der Kommune zu einigen Problemen und weitreichenden Entscheidungen.

Das gesagt ist „Die Kommune“ auch ein leicht sentimental-verklärender, anekdotischer Rückblick auf eine Zeit, als neue Formen des Zusammenlebens ausprobiert wurden

Die Kommune - Plakat

Die Kommune (Kollektivet, Dänemark 2016)

Regie: Thomas Vinterberg

Drehbuch: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm

mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene Reingaard Neumann, Martha Sofie Wallstrom Hansen, Lars Ranthe, Fares Fares, Magnus Millang, Julie Agnete Vang, Anne Gry Henningsen

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Kommune“

Rotten Tomatoes über „Die Kommune“

Wikipedia über „Die Kommune“ (englisch, dänisch)

Berlinale über „Die Kommune“

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Am grünen Rand der Welt“ (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Visions“ – sie sieht schlimme Dinge

April 21, 2016

Für was es nicht alles Preise gibt. Aber andererseits: warum nicht? „Visions“ war in der Kategorie „Location Team of the Year – Independent Feature Film“ 2014 für den California on Location Awards, kurz Cola, nominiert. Und, ja, die Locations gefallen. „Visions“ spielt in den kalifornischen Weinbergen, die Landschaft ist rural, die Sonnenuntergänge fotogen, die Leute, auch die mexikanischen Arbeiter, schön. Traditionsbewusst sind sie alle. Dient natürlich dem Verkauf des alkoholhaltigen Saftes.

„Visions“, eine der aktuellen Blumhouse-Productions-Filme (bei dem Output der Firma kann nicht wirklich von dem neuesten Film gesprochen werden), erzählt die Geschichte des jungen, aus der Großstadt kommenden Ehepaares Eveleigh (Isla Fisher) und David Maddox (Anson Mount), die sich gerade ein Weingut zugelegt haben. Er möchte damit endlich seine Träume verwirklichen. Sie ist schwanger. Die Nachbarn sind nett, auch wenn die schon etwas ältere Weinexpertin während ihres Begrüßungsempfangs wunderlich reagiert.

Alles könnte perfekt sein, wenn Eveleigh, die immer noch an den Nachwirkungen eines schweren Autounfalls leidet, nicht Dinge sehen würde, die außer ihr niemand sieht. Ob es sich dabei um Ereignisse aus der Vergangenheit oder Zukunft handelt, ist unklar. Oder ob es sich nur um ein ausgewachsenes Schwangerschaftstrauma handelt. Ich vermutete jedenfalls lange eine Lösung in Richtung „Rosemaries Baby“.

Regisseur Kevin Greutert („Saw VI“, „Saw 3D“, „Jessabelle – Die Vorhersehung“) wählte dann eine andere Lösung, die in ihrem Bemühen wirklich jede ihrer Visionen und jeden Punkt, der irgendwann im Film verbal oder visuell angesprochen wurde, miteinander zu verbinden so hoffnungslos überladen ist, dass die dann präsentierte Lösung, die wirklich alle Teile miteinander verbindet, absolut unglaubwürdig ist.

Bis dahin ist „Visions“ ein milder Grusler, professionell aufgenommen, ordentlich gespielt (Drehbuch und Schauspieler zahlen sich halt aus) und ohne hysterische Blutbäder, aber letztendlich auch ohne große Überraschungen.

Visions (Visions, USA 2015)

Regie: Kevin Greutert

Drehbuch: L.D. Goffigan, Lucas Sussman

mit Isla Fisher, Anson Mount, Gillian Jacobs, Joanna Cassidy, Eva Longoria, Jim Parsons, Michael Villar, Bryce Johnson, John de Lancie

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Visions“

Rotten Tomatoes über „Visions“

Wikipedia über „Visions“


Neu im Kino/Filmkritik: Melissa McCarthy ist „The Boss“

April 21, 2016

In den USA eroberte „The Boss“, der neue Film von und mit Melissa McCarthy, gleich den zweiten Platz der Kinocharts, in der zweiten Woche den dritten Platz und die Kosten dürften damit schon jetzt vollständig eingespielt sein. Dass sich die Begeisterung der Kritiker in Grenzen hielt, hat im Moment keinen Einfluss auf ihre Beliebtheit. Auch wenn sie einen auf den ersten Blick unsympathischen Charakter spielt, den sie vor fünfzehn Jahren bei der Impro-Theatergruppe „The Groundlings“ erfand. Sie ist Michelle Darnell, ein Waisenkind, das von jeder potentiellen Pflegefamilie verstoßen wurde und die sich dann ganz allein ganz nach oben arbeitete. Sie ist eine erfolgreiche, großkotzige, allein lebende Unternehmerin mit mehr Geld als Heu. Sie ist der personifizierte amerikanische Traum ohne den Hauch eines sozialen Gewissens oder Empathie für ihre Mitmenschen.

Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt wegen Insiderhandel in einem Luxusgefängnis steht sie vor dem Nichts. Also quartiert sie sich bei ihrer ehemaligen, allein lebenden Sekretärin Claire (Kristen Bell) und deren Tochter Rachel (Ella Anderson) ein.

Als sie zu einer Schulversammlung mitgeht, legt sie sich gleich mit einer anderen Mutter an. Aus einer geplanten wohltätigen Keksverkaufsaktion, in der den Schülerinnen in schönster Pfadfindertradition Gemeinschaftswerte beigebracht werden sollen, initiiert sie einen knallharten kapitalistischen Verkaufswettbewerb. Bei ihr erhalten die Schülerinnen keine Fleißpunkte, sondern für jeden verkauften Brownie eine Provision. Schnell baut sie mit den von Claire nach einem Spezialrezept gebackenen Brownies ein Unternehmen auf, das sich über die gesamten USA erstrecken soll. Ihr Ex-Freund und Intimfeind Renault (Peter Dinklage) will ihr Geschäft übernehmen.

„The Boss“ ist allerdings keine Wirtschaftssatire. McCarthy versucht das in ihrem Film noch nicht einmal. Denn außer den offensichtlichsten Wirtschaftsgags ignorieren sie und Regisseur Ben Falcone dieses humoristische Potential ihrer Geschichte vollkommen. Die besten Gags, wenn Melissa McCarthy nicht gerade verbal dem Affen Zucker gibt oder in waghalsigen Stunts Treppen herunterfällt, drehen sich dann folgerichtig um, ähem, Frauenbelange, wie einer exzessiven Bräunungsaktion in Claires Badezimmer oder einem langwierigen Bekleidungsratschlag von ihr. Denn Claire will für ein Date ihren ausgewaschenen Lieblingspullover und einen betont unerotischen, aber bequemen BH anziehen. Das sind dann Gags, die in jedem Umfeld funktionieren, aber die Filmgeschichte in keinster Weise voranbringen oder irgendetwas zum Thema des Films beitragen. Dafür verstärken sie das Gefühl, dass man gerade eine Episode aus einer Sitcom sieht. Allerdings eine mit nicht besonders glaubwürdigen Charakteren. Oder glaubt jemand wirklich ernsthaft, dass Claire in punkto Beziehungen Ratschläge von Michelle Darnelle nötig hat?

So wird vieles zwar angesprochen, aber nichts konsequent zu Ende erzählt. Entsprechend lieblos wird die Geschichte von der Läuterung des Ekels erzählt. Anstatt nämlich Michelle Darnells Lebensphilosophie, dass Geld ein Ersatz für Familie, Liebe und Geborgenheit ist, konsequent in jeder Szene zu prüfen und immer wieder die verschiedenen Werte von Familie, Gemeinschaft und Kapitalismus aufeinanderprallen zu lassen, schweifen die Macher immer wieder ab in letztendlich belanglose Episoden und einen ziemlich absurden dritten Akt, in dem dann Michelle, Claire und ihr Freund wie Dick & Doof in Renaults riesiges Bürohaus einbrechen.

Einen großen Teil an dieser so entstandenen ziemlich umfassenden Enttäuschung liegt dabei an Melissa McCarthy, die als Schauspielerin und Komikerin überzeugt, aber als Mit-Drehbuchautorin sich einfach zu sehr auf den Star und die Sketche verlässt, während sie die erzählerische Logik links liegen lässt. Insofern ist „The Boss“ nach „Tammy – Voll abgefahren“, wo sie ebenfalls Mit-Drehbuchautorin war, ein Schritt zurück in seichte Gewässer. In „Tammy“ versuchte sie in der zweiten Hälfte des Films aus dem Komödienfach mit festgelegter Rolle in das dramatische Fach aufzubrechen. In „The Boss“ ist von solchen Ambitionen nichts zu spüren. Genaugenommen ist noch nicht einmal von irgendwelchen Ambitionen etwas zu spüren. Dafür ist „The Boss“ einfach zu selbstgenügsam in der Präsentation von Melissa McCarthy als Fixstern in einem sich nur um sie drehendem Kosmos.

The Boss - Plakat

The Boss (The Boss, USA 2016)

Regie: Ben Falcone

Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone, Steve Mallory

mit Melissa McCarthy, Kristen Bell, Peter Dinklage, Ella Anderson, Tyler Labine, Kathy Bates, Cecily Strong, Mary Sohn,Tim Simons, Kristen Schaal, Ben Falcone

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Boss“

Metacritic über „The Boss“

Rotten Tomatoes über „The Boss“

Wikipedia über „The Boss“

Meine Besprechung von Ben Falcones „Tammy – Voll abgefahren“ (Tammy, USA 2014)


TV-Tipp für den 21. April: Das A-Team – Der Film

April 21, 2016

Vox, 20.15

Das A-Team (The A-Team, USA 2010)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Skip Wood, Brian Bloom

Eine Gruppe von unschuldig verurteilten Elite-Soldaten, das A-Team, will seine Unschuld beweisen und verursacht dabei beträchtliche Kollateralschäden.

Die kurzweilige Kinoversion der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie „Das A-Team“ ist natürlich in jeder Beziehung einige Nummern größer als das Original und passt sich den zeitgenössischen Sehgewohnheiten an.

Joe Carnahan, der zuvor den düsteren Cop-Thriller „Narc“ und das krachige Jungskino „Smokin’ Aces“ inszenierte, nahm den Job an, weil er mit seinen beiden anderen Projekten, dem Pablo-Escobar-Biopic „Killing Pablo“ und der James-Ellroy-Verfilmung „White Jazz“, nicht weiterkam. „Das A-Team“ richtet sich, wenig überraschend, vor allem an die „Smokin’ Aces“-Fans.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass „Das A-Team“ jahrelang in Hollywood entwickelt wurde und wahrscheinlich jeder bekannte Regisseur und Schauspieler irgendwann im Gespräch war.

Mit Liam Neeson arbeitete Joe Carnahan auch bei seinem nächsten Film “The Grey – Unter Wölfen” zusammen.

mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton ‘Rampage’ Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson, Gerald McRaney

Wiederholung: Freitag, 22. April, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das A-Team“

BR-Online: Interview mit Joe Carnahan (10. August 2010)

IndieLondon: Interview mit Joe Carnahan (kurz, nach der Premiere in London)

FilmSchoolRecects: Interview mit Joe Carnahan (11. Juni 2010)

UGO: Interview mit Joe Carnahan (kurz, 14. Juni 2010)

Cinematical: Interview mit Joe Carnahan (20. Januar 2010)

Meine Besprechung von Joe Carnahans “The Grey – Unter Wölfen” (The Grey, USA 2012)


TV-Tipp für den 20. April: Tatort: Laura, mein Engel

April 20, 2016

MDR, 22.05

TATORT: Laura, mein Engel (Deutschland 1994, Regie: Ottokar Runze)

Drehbuch: Richard Hey

Laura soll ihre in den Achtzigern in den Westen geflüchtete Mutter umgebracht haben. Als ihr Bild in der Zeitung auftaucht, weiß Ehrlicher, dass Laura nicht vor der Polizei, sondern vor dem wirklichen Täter flüchtet. Kann er Laura retten?

Einer des besten Ehrlicher-TATORTE, basierend auf einem komplexen Drehbuch von Richard Hey, der auch einige gute Kriminalromane schrieb.

Mit Peter Sodann, Bernd Michael Lade, Ivan Desny, Beathe Finckh

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Richard Hey

Wikipedia über Richard Hey

HR: Nachruf auf Richard Hey


TV-Tipp für den 19. April: Geliebte Aphrodite

April 19, 2016

ZDFkultur, 20.15
Geliebte Aphrodite (USA 1995, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Lenny Weinrib (Woody Allen) und seine Frau haben Max adoptiert. Als ihre Liebe erkaltet, sucht Lenny die leibliche Mutter von Max. Es ist Linda (Mira Sorvino). Ein Callgirl. Lenny will sie auf den Pfad der Tugend zurückführen. Und ein griechischer Chor kommentiert die Ereignisse.
Wunderschöne Komödie von Woody Allen. Er erhielt für sein Drehbuch eine Oscar-Nominierung, Mira Sorvino erhielt, unter anderem, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA als beste Nebendarstellerin.
„Woody Allen alt? Keine Spur. Bei ihm hören die besten Zeiten einfach nie auf.“ (Fischer Film Almanach 1997)
mit Woody Allen, Mira Sorvino, F. Murray Abraham, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Jack Warden, Paul Giamatti

Wiederholung: Mittwohc, 20. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geliebte Aphrodite“

Wikipedia über „Geliebte Aphrodite“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 18. April: Die fabelhaften Baker Boys

April 18, 2016

Arte, 20.15

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, Regie: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Die Brüder Jack und Frank Baker klimpern sich seit Jahrzehnten mit abnehmendem Erfolg durch Amerikas Hotelbars und Clubs. Jetzt wollen sie mit der Sängerin Susie Diamond ihre Auftritte aufregender gestalten. Allerdings wissen sie nicht, wie aufregend es mit ihr wird.

Sentimentales Musikerdrama mit geschmackvollem Jazz (Dave Grusin) und einer dazu passenden Kamera (Michael Ballhaus).

„Dem Regiedebütanten Steve Kloves gelang mit seiner atmosphärischen Komödie, romantische Arrangements mit Versatzstücken des Film noir auf eine Weise zu verbinden, die sehr vertraut erscheint und die doch immer wieder neu ist in der Modernität ihrer Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1991)

Damals dachten alle, dass Steve Kloves jetzt in Hollywood Regie-Karriere machen wird, aber in den Neunzigern folgte fast nichts und in den letzten zehn Jahren schrieb er die Drehbücher für die „Harry Potter“-Filme.

mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Elli Raab, Xander Berkeley, Gregory Itzin, Jennifer Tilly

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die fabelhaften Baker Boys“

Wikipedia über „Die fabelhaften Baker Boys“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Jeff Bridges (deutsch, englisch)

Homepage von Jeff Bridges


TV-Tipp für den 17. April: Der Mann, der zuviel wusste

April 17, 2016

Tele 5, 20.15

Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)

Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.

Hitchcocks Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.

Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar

Wiederholung: Montag, 18. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann, der zuviel wusste“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Der Mann, der zuviel wusste”

Turner Classic Movies über „Der Mann, der zuviel wusste“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. April: Bank Job

April 16, 2016

ZDFneo, 20.15

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Wiederholung: Sonntag, 17. April, 04.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


TV-Tipp für den 15. April: Chinatown

April 15, 2016

3sat, 22.35

Chinatown (USA 1974, Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Hinweise

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Chinatown“

Old School Reviews (John Nesbit) über „Chinatown“

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Thrilling Detective über Jake Gittes

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Maggie Smith ist „The Lady in the Van“

April 14, 2016

Als Alan Bennett 1970 in sein Haus in der Gloucester Crescent in Camden Town einzieht, ist sie bereits da. Miss Shepherd lebt in einem nicht mehr wirklich fahrtüchtigem Kleinbus und niemand weiß irgendetwas über sie, aber in Camden Town, einem eher noblen Londoner Stadtviertel, wird die Obdachlose toleriert, gegrüßt und auch ab und an mit Essen verwöhnt. Sie gehört halt einfach dazu.

Bennett, ein bekannter Theaterschriftsteller, gewöhnt sich ebenfalls schnell an den Kleinbus und seine Besitzerin. Er wird, während er, am Schreibtisch sitzend, mit seinem Alter Ego und seinen Stücken kämpft, zu einem Teil der Aussicht aus seinem Arbeitszimmer.

Einige Jahre später steht ihr Bus in der Einfahrt von Bennetts Haus. Er erlaubte es ihr, um schnell ein scheinbar kleines Problem zu umgehen und natürlich glaubt er, dass sie ihr Auto schnell weiterbewegt zum nächsten Anwesen.

Aber sie bleibt fünfzehn Jahre bis zu ihrem Tod 1989 und, auch wenn sie außer gelegentlichen Toilettenbesuchen keinen Kontakt zu Bennett hat, wird er zu so etwas wie ihrem Vertrauten, Leumund und Quasi-Bevollmächtigten. Jedenfalls wenden sich Staatsdiener immer vertrauensvoll an ihn, weil ja ihr Auto auf seinem Grundstück steht.

Nach ihrem Tod schreibt Alan Bennett für die London Review of Books diese im Oktober 1989 publizierte Erinnerung an die „Lady in the Van“ auf. Erst danach erfährt er über den Bruder von Miss Shepherd einiges über ihre Vergangenheit. 1999 macht er aus seinem Zusammenleben mit Miss Shepherd ein Theaterstück, in dem Maggie Smith die schrullige Dame spielte. Für den in Camden Town gedrehten, in der Gegenwart endenden Spielfilm schlüpfte sie wieder in die Rolle und sie ist grandios. Denn allzu leicht hätte man aus diesem Charakter eine in irgendeine Richtung übertriebene Parodie machen können. Für ihr Spiel erhielt sie eine Golden-Globe- und Bafta-Nominierung.

Alex Jennings spielt die Doppelrolle von Alan Bennett und seinem Alter Ego ähnlich feinfühlig. In dieser zweiten Geschichte geht es um das Leben und die Arbeit eines Schriftstellers, wie er sich von realen Ereignissen inspirieren lässt und wie er damit umgeht. Entsprechend vielschichtig ist dann im gesamten Film das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktion. Denn „The Lady in the Van“ erzählt keine „true story“, sondern eine „mostly true story“.

Die sich über zwei Jahrzehnte erstreckende Geschichte ist allerdings keine sich auch nur halbwegs dynamisch in irgendeine Richtung bewegende Geschichte, sondern eine vieles ansprechende Zustandsbeschreibung einer Nicht-Beziehung. Wegen der Schauspieler, den oft nebenbei angesprochenen Themen, den Humor und dem Setting sieht man sich „The Lady in the Van“ dann doch gerne an. Es ist aber auch eine typisch britische Geschichte. Oder glauben Sie, dass es auch in Deutschland diese höfliche Toleranz gegenüber einer Frau in einem Bus geben würde, die sich einfach in eine Hauseinfahrt stellt?

The Lady in the Van - Plakat

The Lady in the Van (The Lady in the Van, Großbritannien 2015)

Regie: Nicholas Hytner

Drehbuch: Alan Bennett (nach seinen Erinnerungen)

mit Maggie Smith, Alex Jennings, Jim Broadbent, Frances De La Tour, Roger Allam

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Lady in the Van“

Metacritic über „The Lady in the Van“

Rotten Tomatoes über „The Lady in the Van“

Wikipedia über „The Lady in the Van“

–

Die Pressekonferenz zum Film beim London Film Festival

Ein Gespräch mit den beiden Hauptdarstellern

und eines mit Alex Jennings und Alan Bennett


Neu im Kino/Filmkritik: „The Jungle Book“ – neue Version aus dem Haus Disney

April 14, 2016

Natürlich kennen wir „Das Dschungelbuch“. Wenn wir nicht die Geschichtensammlung von Rudyard Kipling (eigentlich sind es zwei Geschichtensammlungen) gelesen haben, dann haben wir die Disney-Verfilmung von 1967 gesehen. Der Zeichentrickfilm mit vielen Gassenhauern war damals ein langlebiger Kinohit und gehörte (gehört?) für jedes Kind zum festen, von den Eltern festgelegten Filmkanon. Die anderen Verfilmungen sind dagegen fast unbekannt.

Jetzt hat „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau sich für Disney an eine Neuverfilmung von Kiplings Buch gewagt und es gelingt ihm eine vollständig eigenständige Version des Dschungelbuches. Er stolpert in keine der verschiedenen Fallen, die wir aus den missglückten Neuinterpretationen bekannter Stoffe kennen, in denen vermeintliche Verbesserungen letztendlich Verschlimmbesserungen waren. Trotzdem verweist er immer wieder in einzelnen Szenen und Momenten auf das 1967er-Original, das, ich gestehe, ich mir jetzt nicht extra noch einmal angesehen habe. Letztendlich sind „Das Dschungelbuch“ (1967) und „The Jungle Book“ (2015) zwei vollkommen verschiedene Filme, die halt beide, der eine weniger, der andere mehr, auf dem gleichen Buch basieren.

Im Mittelpunkt des Films steht das Menschenkind Mogli (Neel Sethi), das von Wölfen groß gezogen wurde. Als Mogli älter wird, verlangt der furchterregende Tiger Shir Khan, dass das Gesetz des Dschungels beachtet werden muss. Mogli muss sterben.

Moglis Freunde schicken ihn daher auf die Reise zu den Menschen, von denen er bisher nur die Geschichten der Tiere kennt, die sie ihm erzählten. Und eigentlich will er bei seiner aus Wölfen bestehenden Familie bleiben.

Favreau erzählt kurzweilig die Reise von Mogli zu den Menschen und wir begegnen dem gemütlichen Bären Balu, der verführerischen Schlange Kaa und dem hinterlistigen Affen King Louie und seiner Horde, Elefanten, Wölfen und natürlich dem Panther Baghira, der vor Jahren das Baby Mogli vor dem Tod rettete, aber keinen Menschen.

Auch wenn „The Jungle Book“ jetzt als Realfilm oder Live-Action-Adaption beworben wird, ist er eigentlich ein Animationsfilm. Denn außer dem Mogli-Darsteller Neel Sethi spielen keine Menschen mit. Sets wurden kaum errichtet. Dafür wurden alle möglichen Computertechniken angewandt, die dazu führten, dass der Trickfilm in jeder Sekunde mit seinen fotorealistischen Aufnahmen beeindruckt. Obwohl alles künstlich ist, wirkt hier nichts künstlich. Es ist eine beeindruckende Technikschau, die immer im Dienst der Geschichte steht. Und das ist gut so.

„The Jungle Book“ ist ein sehr schöner, spannender, farbenprächtiger Abenteuerfilm für Kinder jedes Alters. Aber wer hätte bei Disney auch ernsthaft etwas anderes erwartet?

Inzwischen, also zwischen Kritikerlob und Kinostart, hat Disney schon eine Fortsetzung angekündigt. Vielleicht wieder mit Jon Favreau als Regisseur.

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The Jungle Book (The Jungel Book USA 2016)

Regie: Jon Favreau

Drehbuch: Justin Marks

LV: Rudyard Kipling: The Jungle Book, 1894 (Das Dschungelbuch)

mit Neel Sethi

(im Original den Stimmen von) Bill Murray, Ben Kingsley, Idris Elba, Lupita Nyong’o, Scarlett Johansson, Giancarlo Esposito, Christopher Walken

(in der deutschen Synchronisation den Stimmen von) Armin Rohde, Joachim Król, Ben Becker, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Justus von Dohnányi, Christian Berkel

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Jungle Book“

Metacritic über „The Jungle Book“

Rotten Tomatoes über „The Jungle Book“

Wikipedia über „The Jungle Book“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)

Meine Besprechung von Jon Favreaus “Kiss the Cook – So schmeckt das Leben” (Chef, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Hardcore“ – es gibt nur eine Perspektive

April 14, 2016

Ein Actionfilm aus der Ego-Shooter-Perspektive – wie kann das gehen? Immerhin lebt ein Actionfilm von, nun, der Action. Also Schlägereien, Gerenne, Verfolgungsjagden, Autocrashs. Stunts eben, bei denen der Stuntman sich auch verletzten kann. Und dann muss er das alles noch mit einer Kamera machen. Zum Glück – und deshalb konnte „Hardcore“ inszeniert werden – wurden die Filmkameras in den letzten Jahren immer kleiner und leistungsfähiger. Verschiedene YouTube-Videos zeigen das. Ebenso verschiedene Aufnahmen bei Sportübertragungen. Zum Beispiel bei Autorennen. Im Film wurden dann auch fast ausschließlich GoPro-Kameras verwandt, was auch zu einer eher nervige Fischaugenoptik und einer auf der großen Leinwand schlechten Bildqualität führt. Das ist dann näher an Found-Footage-Filmen als an einem wirklichen Kinoerlebnis.

Gleichzeitig ist die Idee, einen Film, wie einen Roman, aus der Ich-Perspektive zu erzählen, faszinierend. Bei Romane wird das ständig gemacht und es ist kein Problem. Bei Filmen sehr selten. Erst 1946 inszenierte Robert Montgomery mit der Raymond-Chandler-Verfilmung „Die Dame im See“ (The Lady in the Lake) erstmals einen Film ausschließlich mit subjektiver Kamera. Die damals zu bewältigenden technischen Schwierigkeiten waren enorm. Der Film selbst scheiterte letztendlich, weil das, was in einem Roman grandios funktioniert, in einem Film nicht funktioniert. Jedenfalls nicht über die Länge eines Spielfilms. Ilya Naishuller (oder der Ausstatter) kennt diesen Film. Denn während einer Verfolgungsjagd sehen wir in einem Zimmer ein Plakat von „The Lady in the Lake“. Aber er erzählt keinen dialoglastigen Kriminalfilm, sondern einen waschechten Action-Thriller.

In „Hardcore“ erwacht Henry in einem Labor. Ohne Gedächtnis, ohne Stimme und ohne einige Glieder. Gerade werden ihm von seiner Frau Estelle künstliche Ersatzglieder angeschraubt. Plötzlich bricht die Hölle los. Estelle wird von einem Gangsterboss entführt und Henry versucht, leicht desorientiert, sie in Moskau zu retten. Dabei hilft ihm, während sich die Leichen stapeln, der höchst seltsame Jimmy.

Gut, wegen der zunehmend abstrus werdenden Geschichte wird niemand in „Hardcore“ gehen. Trotzdem hätten die Macher sich eine stringentere und logischere Geschichte überlegen müssen. So ist es nur eine krude Anordnung von Actionstücken, die sogar einen Film aus der Luc-Besson-Fabrik wie ein Beispiel hochartifizieller Filmkunst erscheinen lassen. Interessant ist das nicht. Emotional involvierend auch nicht.

Die Action ist, zum Beispiel bei der Autoverfolgungsjagd (siehe Trailer), teilweise spektakulär in der Hinsicht, dass man sich fragt, wie sie genau inszeniert wurde und wie dabei die Sicherheit der Stuntmen garantiert wurde. Teils, wenn an Gebäuden herumgeklettert oder über Eisenträger gelaufen wird, solala, weil sie gefährlicher aussieht, als sie ist und man aufgrund der gewählten Ego-Shooter-Perspektive auch oft nicht genau weiß, wie gefährlich die Stunts waren. So kann der Eisenträger zehn Zentimeter oder drei Meter über dem Boden sein. Teils, wenn über Treppen und Straßen gelaufen wird, 08/15, aber sie gewinnt natürlich durch die Perspektive. Am Ende, wenn dann auf einem Hochhausdach der finale Kampf ist, kennen die Macher keine Grenzen mehr. So als wollten sie das Schlachtfest in der Kirche aus „Kingsman: The Secret Service“ überbieten. Es gelingt ihnen nicht. Allein schon aufgrund der schieren Menge an sterbenden Menschen langweilt die hemmungslos übertriebene Szene schnell.

Das größte Problem von „Hardcore“ ist allerdings die durchgängig gewählte Perspektive, die in einem Film nicht wirklich funktioniert. Wir sehen nur, was der Protagonist sieht. Wir erfahren allerdings nie, wie er darauf reagiert. Es ist, auch weil in „Hardcore“ der Protagonist stumm ist und es kein Voice-Over gibt, eine seltsam amputierte Perspektive, die dazu führt, dass man dem Protagonisten emotional nicht näher, sondern weiter weg ist.

So zeigt „Hardcore“, dass die Ego-Shooter-Perspektive im Film nicht funktioniert. Jedenfalls nicht über neunzig Minuten.

Hardcore - Plakat 4

Hardcore (Hardcore Henry, Russland/USA 2016)

Regie: Ilya Naishuller

Drehbuch: Ilya Naishuller

mit Sharlo Copley, Haley Bennett, Daniela Kozlovsky, Tim Roth (eigentlich nur ein Cameo)

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hardcore“

Metacritic über „Hardcore“

Rotten Tomatoes über „Hardcore“

Wikipedia über „Hardcore“ (deutsch, englisch)