TV-Tipp für den 5. Juni: Eine Leiche zum Dessert

Juni 4, 2022

Kabel 1, 22.10

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death, USA 1976)

Regie: Robert Moore

Drehbuch: Neil Simon

Ein Millionär lädt die berühmtesten Detektive der Welt ein. Er behauptet, sie könnten einen Mord nicht aufklären, der um Mitternacht stattfinden wird. Die Detektive sehen das anders.

Neil Simon zieht in seiner Krimikomödie die Images der bekanntesten, literarischen Detektive der Welt (hier: Miss Marple, Hercule Poirot, Sam Spade, Nick Charles aka Der dünne Mann mit Gattin Nora, Charlie Chan) und die Prinzipien des Whodunits durch den Kakao. Ein köstlicher Spaß – nicht nur für Genre-Fans.

Verkörpert werden die Meisterdetektive und Tatverdächtige u. a. von Truman Capote, Peter Falk, Alec Guiness, David Niven, Peter Sellers, Maggie Smith, Eileen Brennan, James Cromwell

Wiederholung: Montag, 6. Juni, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Thrilling Detective über „Murder by Death“ (Eine Leiche zum Dessert)

Rotten Tomatoes über “Eine Leiche zum Dessert”

Wikipedia über „Eine Leiche zum Dessert“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“, auf den Feind wartend

Juni 4, 2022

In Japan ist die Geschichte von Onoda Hiroo allgemein bekannt. Bei uns dürfte er unlängst durch Werner Herzogs Roman „Das Dämmern der Welt“ eine gewisse, eingeschränkte Bekanntheit erreicht haben. Denn Onoda ist eine archetypische Werner-Herzog-Figur.

Ende Dezember 1944 erhält der 1922 geborene Nachrichtenoffizier Onoda, zusammen mit anderen Soldaten, den Befehl auf der philippinischen Insel Lubang die Stellung gegen die angreifenden US-Truppen zu halten. Wie wir wissen, kapitulierte Japan am 15. August 1945. Das wäre auch der Moment gewesen, an dem Onoda und seine Truppe ihre Waffen hätten übergeben müssen. Aber sie halten die Meldungen dazu für Propaganda des Feindes. Sie ziehen sich in den Dschungel zurück. Mit der Zeit verlassen immer mehr Soldaten diese Einheit. Teils sterben sie, teils ergeben sie sich. Am Ende hält nur noch Onoda die Stellung. Erst 1974 konnte der junge Rucksacktouristen Suzuki Norio ihn überzeugen, dass der Krieg seit bereits fast dreißig Jahren zu Ende ist.

Arthur Harari („Dark Inclusion“) nahm sich jetzt ebenfalls die Geschichte von Onoda Hiroo vor. In seinem gut dreistündigem Film „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ konzentriert er sich in langen, ruhigen Einstellungen auf Onoda und wie er im Dschungel überlebte. Onoda wird mit der Zeit zu einem wahren Naturburschen, der mit seiner Umwelt verschmilzt und sich nur von dem ernährt, was er im Dschungel vorfindet.

Mit der Zeit stellt sich allerdings auch zunehmend die Frage, weshalb Onoda an seiner Mission festhält. Er hat keinen Kontakt mehr zu seinen Befehlshabern. Die Versuche, ihn zur Kapitulation zu bewegen, hält er für Propaganda des Feindes. Er hat auch keine Begegnung mit dem Feind, der doch eigentlich in Kompaniestärke die Insel besetzen sollte. Die Begegnungen mit den Einheimischen werden im Film nur am Rand gestreift. Trotzdem glaubt Onoda, dass es in Kürze zu dem entscheidenden Angriff der US-Truppen kommen wird und dass er diesen Angriff abwehren kann. Daran hält er über Jahre und Jahrzehnte fest.

Harari deutet als Erklärungen für dieses, zugegeben, nicht wirklich erklärbare Handeln, Onodas Persönlichkeit, seine militärische Ausbildung und die japanische Kultur an. So gab es während des Zweiten Weltkriegs nur in Japan Kamikaze-Missionen, bei denen Piloten sich in das Feuer von US-Kriegsschiffen in den sicheren Tod stürzten.

Absolut kein Interesse hat Harari an Onodas problematischen Seiten. So werden die Morde, die Onoda und seine Männer auf Lubang verübten nicht thematisiert; es sieht sogar so aus, als ob die Aggression vollkommen grundlos von den Einheimischen ausgeht und sie sie aus dem Hinterhalt ermorden. Harari interessiert sich auch nicht für die mediale Aufmerksamkeit, die Onoda nach seiner Rückkehr erhielt und wie sein Handeln ideologisch interpretiert wurde. Als Onoda 2014 stirbt und seitdem ist er „eher ein Symbol, das von nationalistischen Konservativen und von der japanischen Nation bewundert wird, die ihre koloniale und kriegerische Vergangenheit nicht bereuen“ (Naoko Seriu, Dozentin für Neuere Geschichte, Tokio Universität für Auslandsstudien).

Das sind Fragen, die sich beim Betrachten des Films stellen. Die Antworten würden selbstverständlich zu einem Filmen führen, den Harari nicht drehen wollte. Er wandelt hier eher in den Pfaden von Werner Herzog; wenn er Slow Cinema machen würde. Im Mittelpunkt seines Films steht Onoda und wie er im Dschungel überlebt.

Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ erhielt einen César für das beste Drehbuch und war auch als bester Film nominiert.

Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel (Onoda, 10 000 nuits dans la jungle, Frankreich/Japan/Deutschland/Belgien/Italien/Kambodscha 2021)

Regie: Arthur Harari

Drehbuch: Arthur Harari, Vincent Poymiro, Bernard Cendron (in Zusammenarbeit mit)

mit Endô Yûya, Tsuda Kanji, Matsuura Yûya, Chiba Tetsuya, Katô Shinsuke, Inowaki Kai, Issey Ogata, Nakano Taïga, Suwa Nobuhiro, Yoshioka Mutsuo

Länge: 169 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“

Moviepilot über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“

AlloCiné über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“

Metacritic über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“

Rotten Tomatoes über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“

Wikipedia über „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 4. Juni: Jurassic Park

Juni 3, 2022

Als Vorbereitung für „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“gibt es heute die ersten drei „Jurassic Park“-Filme. „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ startet am Donnerstag. Dann gibt es meine Besprechung des Finales der aktuellen Trilogie, die auch an die erste Trilogie anknüpft und einige aus dem ersten „Jurassic Park“-Film bekannte Figuren mitspielen lässt.

Der heutige Dino-Abend beginnt mit

ZDFneo, 20.15

Jurassic Park (Jurassic Park, USA 1993)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Michael Crichton, David Koepp

LV: Michael Crichton: Jurassic Park, 1990 (DinoPark, Jurassic Park)

Milliardär John Hammond will einigen Wissenschaftlern vor der großen Eröffnung seinen neuen Vergnügungspark präsentieren. Auf einer Tropeninsel hat er ein Disneyworld mit echten Dinosauriern erschaffen. Dummerweise geht bei der Präsentation etwas schief und die Dinos beginnen die Menschen über die Insel zu jagen.

Unglaublich erfolgreiche Bestsellerverfilmung mit mehreren direkten Fortsetzungen. Sensationell waren damals die am Computer entstandenen Dinosaurier; wobei Spielberg sich auch auf bewährtes Trickhandwerk verließ.

Um 22.10 Uhr zeigt ZDFneo „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (USA 1997) und um 00.05 Uhr „Jurassic Park 3“ (USA 2001).

mit Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough, Bob Peck, Martin Ferrero, B. D. Wong, Samuel L. Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jurassic Park“

Wikipedia über „Jurassic Park“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Definiere „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“

Juni 3, 2022

Das erste Mal begegnen Louis (Bernard Campan) und Igor (Alexandre Jollien) sich auf einer Landstraße, als Louis kurz abgelenkt ist und den Radfahrer anfährt. Beide kommen mit dem Schrecken davon.

Das zweite Mal begegnet Louis ihm, als er ihn in seiner Bestattungsfirma besucht und sich die Särge und alles andere zeigen lässt. Der kindlich-naive, körperlich behinderte Hobbyphilosoph interessiert sich nämlich für Louis‘ Arbeit und den damit verbundenen philosophischen Fragen. Louis, dem das Unternehmen gehört, sind solche Fragen egal. Trotzdem zeigt er Igor mit genervter Höflichkeit alles. Und hofft, Igor danach nie wieder zu sehen.

Bei ihrer dritten Begegnung ist der immer gutgelaunte Igor ein blinder Passagier in Louis‘ Leichenwagen. Louis muss eine Leiche pünktlich von Lausanne nach Frankreich bringen. Deshalb kann er nicht umkehren und er möchte den behinderten Igor (der gut auf sich alleine aufpassen kann) auch nicht allein in einem Zug zurückschicken.

Also fahren die, wie es sich für ein Buddy-Movie gehört, unterschiedlichen Männer gemeinsam zum Ziel und werden dabei ziemlich beste Freunde.

So weit, so vorhersehbar und auch gelungen. Schließlich will „Glück auf eine Skala von 1 bis 10“ nur ein nettes Feelgood-Road-Movie sein.

Das besondere an dieser Komödie ist der Hauptdarsteller Alexandre Jollien. Er wurde mit zerebraler Kinderlähmung geboren. Diese Lähmung führt zu Haltungs- und Bewegungsstörungen. Seine Kindheit verbrachte er in einem Heim. Er studierte und promovierte. Er veröffentlichte mehrere Bücher, von denen „Lob der Schwachheit“, „Die Kunst, Mensch zu sein“ und „Liebe Philosophie, kannst du mir helfen?“ ins Deutsche übersetzt wurden. In der Philosophie hat er sich auf spirituelle Übungen und die Therapie der Seele spezialisiert.

Die Filmgeschichte entwickelte er über mehrere Jahre mit Bernard Campan. Sie kennen sich bereits seit fast zwanzig Jahren. Sie führten auch gemeinsam die Regie und übernahmen die Hauptrollen. In die Filmgeschichte floß vor allem Jolliens Sicht auf das Leben ein. Ohne große geistige Verrenkungen kann „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“ als die Spielfilmfortsetzung seiner Philosophie gesehen werden.

Das führt dazu, dass Igor ungefähr jede Szene mit einem Philosophenzitat oder einer philosophischen Bemerkung garniert. Es sind in dem Rahmen allerdings nur beliebig eingesetzte Kalendersprüche und Allgemeinplätze. Nie klingen sie, als habe Igor sich intensiver mit den Philosophen auseinandergesetzt. Stattdessen zitiert er sie wie ein altkluges Kind, das seine Belesenheit demonstrieren will.

Glück auf einer Skala von 1 bis 10“ ist eine sympathische, aber auch arg banale französische Wohlfühlkomödie, die mehr sein möchte, aber weniger ist. Das passiert halt, wenn Philosophie auf Kalenderweisheiten reduziert wird.

Glück auf einer Skala von 1 bis 10 (Presque, Schweiz/Frankreich 2021)

Regie: Alexandre Jollien, Bernard Campan

Drehbuch: Helene Gremillon, Alexandre Jollien, Bernard Campan

mit Bernard Campan, Alexandre Jollien, Tiphaine Daviot, Julie-Anne Roth, La Castou, Marilyne Canto, Anne-Valérie Payet

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“

Moviepilot über „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“

Wikipedia über „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“


Neu im Kino/Filmkritik: „Erwartung – Der Marco-Effekt“ beschäftigt das Sonderdezernat Q

Juni 3, 2022

An der Grenze nach Dänemark wird der vierzehnjährige Marco in einem Zug festgenommen. Für Carl Mørck und seinen Kollegen Assad vom Sonderdezernat Q, das sich um alte, nicht aufgeklärte Fälle kümmert, ist das eine Festnahme, die sie interessiert. Denn der Roma-Junge hat eine Seite aus dem Reisepass des vor vier Jahren spurlos verschwundenen William Stark bei sich. Stark arbeitete im Entwicklungsministerium und Nordic-Noir-Fans können sich jetzt den Rest der Geschichte schon denken. Denn natürlich wurde Stark ermordet, um eine große Schandtat zu vertuschen, angesehene Mitglieder der Gesellschaft sind involviert und Marco weiß mehr als er wissen sollte.

Erwartung – Der Marco-Effekt“ ist die fünfte Verfilmung eines Romans aus Jussi-Adler-Olsens unglaublich erfolgreicher Sonderdezernat-Q-Serie. Es ist auch gleichzeitig die Verfilmung des fünften Romans der auf zehn Bände angelegten Serie. Bis jetzt sind neun Romane erschienen. In den ersten Filmen spielte Nikolaj Lie Kaas Carl Mørck und Fares Fares seinen Kollegen Assad. Mørck wurde in Kopenhagen in das für ihn gegründete Sonderdezernat Q, das sich um Cold Cases kümmern soll, abgeschoben. Irgendeine Stelle muss der Miesepeter, der mit Menschen nicht umgehen kann, halt haben. Er ist ein wahrer Stinkstiefel und ein begnadeter Ermittler. Jedenfalls wird das uns in den Büchern und Filmen immer wieder gesagt. Tatsächlich verhält er sich normalerweise vollkommen unprofessionell, geht intuitiv vor und verärgert grundlos alle möglichen Leute. Der echte Ermittler ist Assad.

Nach vier Filmen, von denen der letzte Krimi „Verachtung“ (Journal 64, Dänemark/Deutschland 2018) überraschend gelungen war, ist jetzt ein umfassender Neustart geplant. Es gibt neue Drehbuchautoren, einen neuen Regisseur und auch die Hauptrollen wurden von anderen Schauspielern übernommen. Carl Mørck wird von Ulrich Thomsen, Assad von Zaki Youssef gespielt. Damit standen alle Zeichen auf Veränderung in einer bislang durchwachsenen, eher wenig überzeugenden Nordic-Noir-Krimireihe.

Erfreulich ist, dass der grundsätzlich depressive Carl Mørck hier endlich einmal etwas professioneller ermittelt und sich etwas normaler verhält. Die Betonung liegt auf ‚etwas‘. Die zielgerichtete Ermittlungsarbeit erledigt immer noch Assad. Verhöre und eigentlich alle Gespräche mit anderen Menschen sollten grundsätzlich von ihm geführt werden. Mørck behindert ihn dabei eher.

Erfreulich ist auch, dass das Privatleben der Ermittler hier nicht vorkommt. Es ist meisten für den Fall vollkommen uninteressant und lenkt daher nur von dem Fall ab.

Und das war es auch schon mit den erfreulichen Meldungen. Die Romangeschichte wurde, wie bisher, für die Verfilmung umfassend bearbeitet und damit verbessert. Das ändert nichts daran, dass die Geschichte absolut vorhersehbar ist. Die Inszenierung mit der Handkamera und den Nahaufnahmen ist ebenfalls anders als bei den vorherigen Filmen. Sie zielt eindeutig auf den TV-Bildschirm und genauso wirkt dann auch der ganze Film.

Insgesamt ist „Erwartung – Der Marco-Effekt“ ein überflüssiger Thriller; – sagt ein bekennender Nicht-Jussi-Adler-Olsen-Fan.

Erwartung – Der Marco-Effekt (Marco Effekten, Deutschland/Dänemark/Tschechien 2021)

Regie: Martin Zandvliet

Drehbuch: Anders Frithiof August, Thomas Porsager (Co-Autor), Martin Zandvliet (Co-Autor)

LV: Jussi Adler-Olsen: Marco Effekten, 2012 (Erwartung)

mit Ulrich Thomsen, Zaki Youssef, Sofie Torp, Henrik Noèl Olesen, Anders Matthesen, Lisa Carlehed, Caspar Phillipson

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage, zum Filmstart mit neuem Cover

Jussi-Adler-Olsen: Erwartung

(aus dem Dänischen von Hannes Thiess)

dtv, 2022

576 Seiten

11,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

dtv, 2013

Originalausgabe

Marco Effekten

Politikens Forlag, 2012

Hinweise

Filmportal über „Erwartung – Der Marco-Effekt“

Moviepilot über „Erwartung – Der Marco-Effekt“

Wikipedia über „Erwartung – Der Marco-Effekt“ und über Jussi Adler-Olsen

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards Jussi Adler-Olsen-Verfilmung „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)und der DVD

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“ (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014) (Film- und Buchbesprechung) und der DVD

Meine Besprechung von Hans Petter Molands Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Erlösung“ (Flaskepost fra P, Dänemark/Deutschland/Schweden/Norwegen 2016)

Meine Besprechung von Christoffer Boes Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Verachtung“ (Journal 64, Dänemark/Deutschland 2018) (Film- und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Martin Zandvliets „Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit“ (Under sandet, Deutschland/Dänemark 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der kleine Nick auf Schatzsuche“ in der Nachbarschaft

Juni 3, 2022

Die bisherigen beiden Spielfilme mit dem kleinen Nick gefielen mir sehr gut. Deshalb und wegen des Regisseurs Julien Rappeneau, von dem die Drehbücher für die beidenLargo Winch“-Actionfilme und den Polit-Thriller „Zulu“ sind, die mir ebenfalls gefielen, interessierte mich der neueste „Der kleine Nick“-Film. Für diesen Kinderfilm waren ein anderer Regisseur und Drehbuchautor verantwortlich. Eben der schon erwähnte Julien Rappeneau. Und Nick wird selbstverständlich von einem anderen Jungen gespielt. Immerhin sind seit dem letzten Film acht Jahre vergangen und in der Zeit wird aus einem ungefähr neunjährigem Kind ein Mann. Auch Nicks Eltern werden von anderen Schauspielern gespielt. Spielen tut die Geschichte wieder in einem zeitlosen, schrulligen Früh-Sechziger-Jahre-Paris, das auch aus einem Jacques-Tati-Film stammen könnte.

Dieses Mal erfährt der kleine Nick, dass sein Vater in Südfrankreich in dem Ort Aubagne Geschäftsführer werden soll. Während sein Vater begeistert über die Beförderung ist und seine Mutter den Umzug plant, will der neunjährige Nick nur bei seinen Freunden bleiben. Also muss ein Plan her, wie er seine Eltern von dem Ortswechsel abhalten kann. Bei einem Museumsbesuch erfahren er und seine Schulkameraden von Schätzen, die es in ihrem Viertel geben soll.

Nick kommt so auf die Idee, dass er und seine Freunde den legendären Schatz des Wikingers Ole Einauge finden. Dann hätte er genug Geld hat, um seinen Vater zu überzeugen, die neue Stelle nicht anzunehmen und er könnte weiter mit seinen Freunden durch die Gegend stromern, Fußball spielen und die Lehrer ärgern.

Diese titelgebende Schatzsuche ist allerdings nur ein Plot in der Komödie „Der kleine Nick auf Schatzsuche“. Es geht auch um andere Versuche von ihm, den Umzug zu verhindern. Ein Comicheft spielt dabei eine wichtige Rolle. Und es geht um die Abenteuer, die er zusammen mit seinen Freunden erlebt. Und wir sehen, was Nicks Eltern tun. Seine Mutter im Haushalt; sein Vater bei der Arbeit im Pariser Minigroßraumbüro und bei der Besichtigung der Firma in Aubagne.

Diesen Wust von Subplots und Anekdoten erzählt Julien Rappeneau durchaus nett mit viel Sympathie für seine Figuren und die von den „Der kleine Nick“-Erfindern René Goscinny und Jean-Jacques Sempé erschaffene Welt. Der Epilog von „Der kleine Nick auf Schatzsuche“ ist vielleicht gut gemeint, aber vollkommen unpassend. Und er sagt auch nur das, was der vorherige Film schon besser gesagt hat.

Rappeneaus Kinderfilm ist letztendlich nie so charmant und anspielungsreich wie Laurent Tirards Filme „Der kleine Nick“ (2009) und „Der kleine Nick macht Ferien“ (2014).

Der kleine Nick auf Schatzsuche (Le Trésor du Petit Nicolas, Frankreich 2021)

Regie: Julien Rappeneau

Drehbuch: Julien Rappeneau, Mathias Gavarry (basierend auf der Figur „Der kleine Nick“ von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé)

mit Ilan Debrabant, Jean-Paul Rouve, Audrey Lamy, Anton Alluin, Oscar Boissière, Léandre Castellano-Lemoine, Malo Chanson-Demange, Simon Faliu, Malick Laugier, Pierre Arditi, Grégory Gadebois, Jean-Pierre Darroussin, Adeline d’Hermy, Noémie Lvovsky

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Der kleine Nick auf Schatzsuche“

Moviepilot über „Der kleine Nick auf Schatzsuche“

Wikipedia über „Der kleine Nick auf Schatzsuche“

Meine Besprechung von Laurent Tirards „Der kleine Nick macht Ferien“ (Les Vacances du petit Nicolas, Frankreich 2014)


Die Shamus-Nominierungen 2022

Juni 3, 2022

Vor wenigen Stunden veröffentlichte die Vereinigung Private Eye Writers of America (PWA) die Nominierungen für ihre diesjährigen Shamus Awards. Erhalten können ihn Kriminalromane, in denen ein Privatdetektiv ermittelt.

Nominiert sind:

Best P.I. Hardcover:

Runner, von Tracy Clark (Kensington)

Last Redemption, von Matt Coyle (Oceanview)

Pay or Play, von Howard Michael Gould (Severn House)

Family Business, von S.J. Rozan (Pegasus)

Head Case, von Michael Wiley (Severn House)

Best Original P.I. Paperback:

Every City Is Every Other City, von John McFetridge (ECW Press)

The Burden of Innocence, von John Nardizzi (Weathertop Media)

Angels in the Wind, von Manuel Ramos (Arte Público Press)

Frog in a Bucket, von Clive Rosengren (Coffeetown Press)

An Empty Grave, von Andrew Welsh-Huggins (Swallow Press)

Best First P.I. Novel:

Porno Valley, von Philip Elliot (Into the Void)

Dead Man’s Eyes, von Lori Duffy Foster (Level Best)

Suburban Dicks, von Fabian Nicieza (Putnam)

The Arrangement, von M. Ravenel (Chikara Press)

Lost Little Girl, von Gregory Stout (Level Best)

Best P.I. Short Story:

Disposable Women, von Michael Bracken (Tough)

Sixteen Lies, von Matt Goldman (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], September/October)

Sweeps Week, von Richard Helms (EQMM, July/August)

Oro de Tontos (Fool’s Gold), von Tom Larsen (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, November/December)

The Hidden Places, von Linda Stansberry (EQMM, May/June)

(via The Rap Sheet).


TV-Tipp für den 3. Juni: Ringo

Juni 2, 2022

BR, 22.50

Ringo (Stagecoach, USA 1939)

Regie: John Ford

Drehbuch: Dudley Nichols, Ben Hecht (ungenannt)

LV: Ernest Haycox: Stage to Lordsburg, 1937 (Postkutsche nach Lordsburg, Erzählung)

1880: Einige Menschen, unter anderem eine Schwangere, eine Prostituierte, ein betrügerischer Banker, ein Spieler, ein Säufer, ein ängstlicher Whiskyvertreter und der Sheriff müssen die durch das Apachengebiet fahrende Postkutsche nach Lordsburg nehmen. Unterwegs nehmen sie als weiteren Passagier den aus dem Knast geflüchteten John Ringo (John Wayne) auf. Dieser will in Lordsburg eine Rechnung mit den Plummer-Brüdern begleichen.

Weil die Apachen auf dem Kriegspfad sind und die Reisenden untereinander zerstritten sind, ist ungewiss, ob sie überhaupt ihr Ziel erreichen.

„Stagecoach“ ist ein zeitloser Western-Klassiker, der damals John Wayne zum Star machte, den Western nach einer jahrelangen Dürrezeit rundum erneuerte und zahllose Western beeinflusste.

Auch heute (ich konnte ihn vor einigen Jahren in einem Studentenkino sehen) wirkt er immer noch frisch: wenn John Wayne das erste Mal auftaucht, die Konflikte in der Reisegruppe, der Kampf gegen die Indianer am Ende des Films, die präzise komponierten Bilder und das pointierte Drehbuch mit so gemeinen Sätzen: „Was für die Banken gut ist, ist auch für die Nation gut!“

mit John Wayne, Claire Trevor, John Carradine, Thomas Mitchell, Andy Devine, Donald Meek, George Bancroft

auch bekannt als „Höllenfahrt nach Santa Fe“ (Yep, hat mit dem Film nichts zu tun.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ringo“

Wikipedia über „Ringo“ (deutsch, englisch)

Bundeszentrale für politische Bildung: Hans Helmut Prinzler über „Ringo“ (12. April 2010)

Kurzgeschichte „Stage to Lordsburg“ von Ernest Haycox

Meine Besprechung von Österreichisches Filmmuseum/Viennale(herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch) „John Ford“ (2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Outfit – Verbrechen nach Maß“ ist Noir-Maßarbeit

Juni 2, 2022

Das ist ein Film für die Freunde eines gut gemachten Noirs, die einfach Vertrautes in einer durchaus vertrauten Umgebung mit ein, zwei kleinen Variationen wieder sehen wollen. Damit ähnelt er Steven Soderberghs „No sudden Move“ – und ist doch vollkommen anders.

Die von Graham Moore („The Imitation Game“) zusammen mit Johnathan McLean geschriebene und von Moore verfilmte Geschichte spielt, nach einer kurzen Einführung der Hauptfigur, 1956 in Chicago in einer Winternacht in einer kleinen Herrenschneiderei im Ladengeschäft, wo die Anzüge verkauft werden, und im Hinterzimmer, wo Leonard Burling (Sir Mark Rylance) die Anzüge schneidert. Der Engländer ist ein Meister, der mühelos in der Londoner Savile Row als Maßschneider für die oberen Zehntausend arbeiten könnte. Stattdessen lebt der ruhige, introvertierte ältere Mann, der anscheinend nur Augen für seine Arbeit hat, unauffällig in Chicago. Sein Geschäft ist ein kleiner, unauffälliger Eckladen in einer der schlechteren Gegenden der Stadt.

Auffällig ist hier nur die Kundschaft, die erkennbar zum Organisierten Verbrechen (oder, wie es damals auch hieß, der ‚Mafia‘, dem ‚Mob‘ oder dem ‚Outfit‘) gehört. Diese Verbrecher sind alle Kunden von Leonard. Und sie benutzen einen Briefkasten in Leonards Arbeitszimmer, in den sie täglich Briefe stecken, deren Inhalt die Polizei und das FBI sehr interessieren würde. In letzter Zeit gibt es in dem Briefkasten vermehrt Briefe mit einer besonderen Kennzeichnung auf dem Umschlag.

In einer Nacht gerät dann Leonards geordnetes Leben aus den Fugen. Richie Boyle wurde von Mitgliedern der konkurrienden LaFontaine-Verbrecherfamilie angeschossen. Er kann aus den üblichen Verbrechergründen nicht in ein Krankenhaus gebracht werden. Sein Vater Roy Boyle leitet die Boyle-Verbrecherfamilie. Boyles rechte Hand Francis hofft, irgendwann das Syndikat (noch ein Name für das Organisierte Verbrechen) zu übernehmen. Bis dahin ist er ein Handlanger, der Richie begleitet und beschützen soll. Deshalb bringt er Richie jetzt in Leonards Schneiderei. Leonard soll den von der Polizei verfolgten Richie die nächsten Stunden verstecken und die Wunde versorgen. Denn wer einen Anzug schneidern kann, kann auch eine Wunde nähen. Außerdem soll Leonard auf einen Koffer und ein Tonband aufpassen.

Gleichzeitig sucht Francis den Verräter in den eigenen Reihen; – während die beiden Verbrecherfamilien sich weiter bekriegen und die Polizei sie sucht.

Moore lässt die gesamte Geschichte in einem Geschäft in zwei Räumen spielen und, wie es sich für einen guten Krimi gehört, ist der gesuchte Verräter eine Person, die zu irgendeinem Zeitpunkt des Films, in der Schneiderei ist. Außerdem, auch das gehört zu einem guten Krimi dazu, hat hier jeder seine Geheimnisse und ist nicht ganz ehrlich. Bei den Chicagoer Gangstern gehört das zur Berufsbeschreibung, bei einem Schneider und seiner Assistentin nicht unbedingt.

Diese Geschichte der unruhigen Nacht in Leonards Geschäft bedient, wie gesagt, vertraute Genrekonventionen von tödlichem Mißtrauen, Verrat und Gegenverrat, die leicht variiert werden. Schließlich kennen wir die Verbrecher und ihre Probleme aus zahlreichen anderen Filmen und Bücher, mal mehr, mal weniger fiktional. Auch die junge, gutaussehende Assistentin, die Leonards Mädchen für alles ist und am Eingang die Stellung hält und die Kunden bedient, ist aus anderen Filmen als Nebenfigur bekannt. Gänzlich unbekannt ist dagegen die von Mark Rylance gewohnt überzeugend gespielte Figur des noblen Herrenschneiders. Er ist ein Beobachter, der sich aus allem heraushalten will und Schneider gehören zu den in Filmen höchst selten porträtierten Figuren. Wahrscheinlich deshalb zeigt Moore auch ausführlich, wie ein Anzug entsteht.

Die große Überraschung am Filmende dürfte niemand überraschen und die Filmgeschichte wird dadurch im Nachhinein sogar ziemlich unlogisch. Bis dahin gibt es eine hübsch vertrackte Verrätersuche in einem Hinterzimmer/Arbeitszimmer und einen heraufziehenden Gangsterkrieg.

Das erzählt Moore in seinem Spielfilmdebüt betont altmodisch und damit ohne Zeitgeist-Spielereien, ohne Tarantino-Gewaltexzesse (obwohl diese Zeit, als jeder Gangsterfilm Tarantino kopierte, auch schon wieder über zwanzig Jahre her ist) oder andere Gewaltexzesse, die in den letzten Jahren auch blutige CGI-Exzesse wurden, und ohne ironische Spielereien mit Metaebenen und der Form, die durchaus vergnüglich sind, aber auch zeigen, dass der Film neueren Datums ist und eine Revision der altbekannten Regeln sein will. „The Outfit“ will alles das nicht sein.

The Outfit“ ist feines Schauspielerkino, präzise und elegant inszeniert und äußerst traditionsbewußt. Er sieht wie ein zu Unrecht vergessener Noir aus den fünfziger Jahren aus. Allein das sollte schon ausreichen, um Noir-Fans ins Kino zu locken. Außerdem kann man auf der großen Kinoleinwand die kleinen Gesten und Blicke der grandiosen Schauspieler und den gelungenen Bildaufbau und Schnitt dieses Kammerspiels, das ganz großes Kino ist, wirklich genießen.

P. S.: Schönes Retro-Plakat.

The Outfit – Verbrechen nach Maß (The Outfit, USA 2021)

Regie: Graham Moore

Drehbuch: Graham Moore, Johnathan McClain

mit Mark Rylance, Dylan O’Brien, Johnny Flynn, Zoe Deutch, Simon Russell Beale, Alan Mehdizadeh, Nikki Amuka-Bird

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Outfit“

Metacritic über „The Outfit“

Rotten Tomatoes über „The Outfit“

Wikipedia über „The Outfit“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Juni: Leverage 2.0: Das Wiedersehen

Juni 1, 2022

Nitro, 20.15

Leverage 2.0: Das Wiedersehen (Leverage: Redemption: The Too Many Rembrandts Job, USA 2021)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: John Rogers, Chris Downey (nach einer Geschichte von Dean Devlin, John Rogers und Chris Downey, erfunden von John Rogers und Chris Downey)

Neun Jahre nach dem Ende der rundum vergnüglichen Krimiserie „Leverage“ kam, bis auf Nathan Ford (Timothy Hutton), das alte „Leverage“-Team – die Schwindlerin und Kunstexpertin Sophie Devereaux (Gina Bellman), die Einbrecherin und Fassadenkletterin Parker (Beth Riesgraf – allen schon der Name hat mein Stark-Herz gewonnen), der Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) und der Nahkampfexperte Eliot Spencer (Christian Kane) – wieder zusammen und die Gauner machen, mit einigen neuen Teammitgliedern, da weiter, wo sie 2012 aufhörten. Wieder bekämpfen sie trickreich und nicht immer nur mit legalen Mitteln Bösewichter, die bislang für ihre Tagen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. In der Auftaktfolge ist das ein Milliardär, der von der Opioid-Pandemie profitiert.

Wie man hört, knüpft auch die Serie in jeder Beziehung gelungen an die Originalserie an. Und das ist eine gute Nachricht.

Die auf IMDb TV ausgestrahlte aus sechzehn Episoden bestehende erste Staffel war so erfolgreich, dass eine zweite Staffel bereits bestellt ist.

Nitro zeigt heute und an den kommenden Donnerstagen jeweils drei Folgen der ersten Staffel hintereinander (und am letzten Abend wird es dann vier Folgen geben).

mit Gina Bellman, Christian Kane, Beth Riesgraf, Noah Wyle, Aldis Hodge, Reed Diamond, Lucy Taylor, Turner Crumbley

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leverage 2.0“

Wikipedia über „Leverage 2.0“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel II” (Leverage – Season II, USA 2009/2010)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel III” (Leverage – Season III, USA 2011)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel IV” (Leverage – Season IV, USA 2011/2012)

Meine Besprechung von „Leverge – Staffel V“ (Leverage – Season V, USA 2012)

Meine Besprechung von „Leverage – Die komplette Serie: Staffel I – V“ (USA 2008 – 2012)


TV-Tipp für den 1. Juni: Das Urteil

Mai 31, 2022

Bleiben wir im Gerichrtssaal

Nitro, 20.15

Dar Urteil – Jeder ist käuflich (The runaway jury, USA 2003)

Regie: Gary Fleder

Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien, Rick Cleveland, Matthew Chapman

LV: John Grisham: The runaway jury, 1996 (Das Urteil)

Die Witwe eines bei einem Amoklauf erschossenen Geschäftsmannes verklagt die Waffenhersteller. Die Angeklagten engagieren Rankin Fitch, ihnen die passenden Geschworenen herauszusuchen. Aber der Geschworene Nick Easter spielt sein eigenes Spiel.

Der erste gemeinsame Film der seit Jahrzehnten befreundeten Stars Gene Hackman (in seinem vorletztem Film vor seinem selbstgewählten Ruhestand) und Dustin Hoffman ist ein spannender Verschwörungsthriller über die Käuflichkeit des us-amerikanischen Justizsystems. Während des Drehs bemerkten die Macher, dass sie zwar einen Hackman/Hoffman-Film drehten, aber keine Hackman/Hoffman-Szene hatten. Also wurde die Toiletten-Szene geschrieben.

Das Drehbuch zu dieser gelungenen Grisham-Verfilmung war 2004 für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

„Das Urteil“ ist die bislang letzte John-Grisham-Verfilmung für’s Kino. Nachschub gäbe es genug. Grisham veröffentlicht jedes Jahr mindestens einen Roman.

Anschließend, um 22.40 Uhr, zeigt Nitro mit „Die Jury“ eine weitere John-Grisham-Verfilmung.

Mit John Cusack, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Rachel Weisz, Bruce Davison, Jennifer Beals

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Urteil”

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch) und “Das Urteil” (deutsch, englisch)

Homepage von John Grisham

Krimi-Couch über John Grisham

John Grisham in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gary Fleders “Homefront” (Homefront, USA 2013)


Cover der Woche

Mai 31, 2022

Alfred Hitchcocks Verfilmung könnte mal wieder gezeigt werden. Und ich mache mich ans Schreiben von John Buchans „Der Übermensch“ (The Power-House, 1913/1916). Der ist jetzt nämlich wieder bei Elsinor erschienen; mit einem Nachwort von Martin Compart.


TV-Tipp für den 31. Mai: Der Mandant

Mai 30, 2022

Nitro, 23.05

Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Regie: Brad Furman

Drehbuch: John Romano

LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)

Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.

Rundum geglückte Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere einen gewaltigen Schub in Richtung interessanter Projekte gab.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.

mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mandant“

Wikipedia über „Der Mandant“ (deutsch, englisch)

Michael Connelly unterhält sich mit Matthew McConaughey über den Film

Meine Besprechung der Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)

Meine Besprechung von Brad Furmans „The Infiltrator“ (The Infiltrator, Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 30. Mai: Once upon a Time in…Hollywood

Mai 29, 2022

ZDF, 22.15

Once upon a Time in…Hollywood (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

TV-Premiere von Quentin Tarantions 9. Film. Einige richtige Story hat „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Eigentlich geht es nur um ein entspanntes Abhängen mit TV-Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die glorios in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Daltons großer Hit, die TV-Westernserie „Bounty Law“, ist schon einige Jahre her, die neuen Rollen sind klein und schlecht und der Vorschlag seines Agenten, in einem Italowestern mitzuspielen, begeistert ih nicht. Das alles spielt 1969 in Hollywood an zwei Tagen im Februar und in einer Nacht im August 1969.

Once upon a Time in…Hollywood“ ist übervoll mit Anspielungen auf die Hollywood-Geschichte und die damalige Zeit, prächtig ausgestattetet, top besetzt und gespielt, sehr unterhaltsam, aber auch problematisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit weiteren Clips und der Cannes-Pressekonferenz).

mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar

Wiederholung: Mittwoch, 1. Juni, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Once upon a Time in…Hollywood“

Metacritic über „Once upon a Time in…Hollywood“

Rotten Tomatoes über „Once upon a Time in…Hollywood“

Wikipedia über „Once upon a Time in…Hollywood“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einige Anspielungen

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Mai: The Crime

Mai 28, 2022

3sat, 23.15

The Crime (The Sweeney, Großbritannien 2012)

Regie: Nick Love

Drehbuch: Nick Love, John Hodge

Jack Regan (Ray Winstone) ist der Anführer einer kleinen Spezialeinheit der Londoner Polizei, die Verbrecher mit archaischen Methoden jagt und Bürgerrechte wahrscheinlich noch nicht einmal buchstabieren kann. Aber jetzt laufen interne Ermittlungen gegen sie und eine Verbrecherbande, angeführt von einem vermögendem Safeknacker, plant einige Überfälle.

In England hieß der Film, weil er auf einer dort kultigen, hier fast unbekannten TV-Serie basiert, „The Sweeney“. Bei uns hieß Nick Loves brachialer Polizeithriller dann „The Crime“, weil das so ein richtig deutscher Titel ist, der alles und nichts sagt. Im Fernsehen heißt er jetzt manchmal „Krieg in London – The Crime“, was genausoviel über den Film verrät, der ein herrlich altmodischer Actionthriller und ein Abgesang an „die gute alte Zeit der Verbrechensbekämpfung“ ist, als der Unterschied zwischen Verbrechern und Polizisten die Dienstmarke war.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ray Winstone, Ben Drew, Hayley Atwell, Steven Mackintosh, Paul Anderson, Alan Ford, Damian Lewis

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Metacritic über „The Crime“

Rotten Tomatoes über „The Crime“

Wikipedia über „The Crime“

Meine Besprechung von Nick Loves „The Crime“ (The Sweeney, Großbritannien 2012)


TV-Tipp für den 28. Mai: Gefühlt Mitte Zwanzig

Mai 27, 2022

3sat, 23.25

Gefühlt Mitte Zwanzig (While we’re young, USA 2014)

Regie: Noah Baumbach

Drehbuch: Noah Baumbach

Dokumentarfilmer Josh doktert seit zehn Jahren an seinem neuen Dokumentarfilm herum. Als er und seine Frau ein zwanzig Jahre jüngeres Hipster-Paar kennen lernen, verändert sich ihr Leben. Zunächst entdecken sie ihre Jugend wieder.

Sehr lebensweise, traurige und gleichzeitig vergnügliche Midlife-Crisis-Komödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried, Charles Grodin, Adam Horovitz, Maria Dizzi, Peter Yarrow, Peter Bogdanovich (Cameo)

Hinweise

Moviepilot über „Gefühlt Mitte Zwanzig“

Metacritic über „Gefühlt Mitte Zwanzig“

Rotten Tomatoes über „Gefühlt Mitte Zwanzig“

Wikipedia über „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Frances Ha“ (Frances Ha, USA 2012)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (While we’re young, USA 2014)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Mistress America“ (Mistress America, USA 2015)


Impressionen aus Berlin: Don Winslow in Berlin

Mai 27, 2022

Don Winslow im Maschinenhaus der Kulturbrauerei, Berlin, 26. Mai 2022 (Foto: Axel Bussmer)

Donnerstagabend in Berlin: Thrillerautor Don Winslow liest im gut gefüllten Maschinenhaus der Kulturbrauerei aus seinem neuen Roman „City on Fire“ und spricht über das Buch und seine Entstehung. Eine schöne, kurzweilige und informative Lesung, bei der Dietmar Wunder sehr gelungen den deutschen Teil der Lesung bestritt.

Danach durfte ich ihn fotografieren. (Es gibt noch weitere Fotobeweise.)

Die Lesereise führt Don Winslow in den kommenden Tagen nach Leipzig, München, Wien, Stuttgart und Unna.

Don Winslow: City on Fire

(übersetzt von Conny Lösch)

HarperCollins, 2022

400 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

City on Fire

William Morrow, New York, 2022

Hinweise

Homepage von Don Winslow

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Don Winslow in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Operation Mincemeat, „Die Täuschung“

Mai 27, 2022

Es war, so heißt es, eine Geheimoperation, die den Verlauf des Zweiten Weltkriegs entscheidend beeinflusste.

1943 wollten, wie wir aus den Geschichstbüchern wissen, die Alliierten über Sizilien einen Angriff auf das deutsche Militär starten. Damit dieser Angriff nicht mit einem Abschlachten der eigenen Leute am Strand endet, wurde überlegt, wie der Angriff mit möglichst wenigen Verlusten gelingen könnte. Das könnte mit einem Ablenkungsmanöver gelingen, das dazu führt, dass die deutschen Truppen zu einem anderem Ort abgezogen werden.

Eine Idee kam anscheinend von Ian Fleming, der später James Bond erfand. Damals war er im Geheimdienst der Marine Assistent von Admiral James Godfrey. Heute wird davon ausgegangen, dass Fleming die Idee hatte (geklaut aus einem Roman) und sie mit weiteren Ideen in einem Memo zusammenfasste. Admiral Godrey unterschrieb dann das Trout Memo, das bereits 1939 erstellt wurde und 54 mögliche Täuschungsoperationen auflistete,

Die Idee war, den Deutschen eine Leiche mit geheimen Dokumenten zuzuspielen. Die Deutschen sollten Glauben, dass sie streng geheime Informationen über künftige Truppenbewegungen erhalten hatten. In Wirklichkeit waren es Falschinformationen, die die Deutschen dazu bringen sollten, ihre Soldaten an bestimmten Orten abzuziehen. In diesem Fall sollten die Deutschen glauben, dass der Angriff der Alliierten nicht über Sizilien, sondern über Griechenland erfolgen würde.

Der Plan wurde akzeptiert. Eine kleine Gruppe, geleitet von den Geheimdienstler Ewen Montagu (Colin Firth) und Charles Cholmondeley (Matthew Macfadyen), machte sich an die Umsetzung.

John Madden erzählt jetzt in „Die Täuschung“ die Geschichte dieser Operation. Gut inszeniert, top besetzt, historisch akkurat und auch etwas gediegen. Sein Film ist altmodisches Schauspielerkino, das so auch schon vor Jahrzehnten hätte entstehen können. Madden erzählt, wie Montagu und Cholmondeley die richtige Leiche suchen, wie sie Dokumente fälschen und alles, aber auch wirklich alles und das allerletzte und allerkleinste Detail bedenken, damit ihr Plan aufgeht. Es geht also auch um Liebesbriefe, Fotos, Theaterkarten undsoweiter. Das alles soll dem Leichnam eine glaubwürdige falsche Identität verschaffen.

Dabei muss verhindert werden, dass die Deutschen von ihrem Plan erfahren; – wobei, und das ist das Problem der Filmgeschichte – das für die im Film porträtierten Geheimdienstler keine dramatischen Folgen gehabt hätte. Sie hätten dann einfach die Operation zu den Akten gelegt und sich dem nächsten Projekt zugewandt. Schließlich war in dem Moment sowieso unklar, ob ihr Plan Erfolg gehabt hätte oder an irgendeinem Punkt, den sie nicht hätten beeinflussen können, gescheitert wäre. Zum Beispiel wenn die Leiche nicht gefunden worden wäre, wenn die Dokumente nicht an die richtigen Personen übergeben worden wären oder wenn die deutschen Offiziere und Adolf Hitler die Pläne einfach nicht geglaubt hätten.

Im Film wird die Bedrohung durch eine vorzeitige Entdeckung des Plans durch feindliche Agenten stärker betont als es wohl der Realität der Fall war. Das gleiche gilt für private Probleme und eine angedeutete Liebesgeschichte zwischen den Hauptpersonen. Vor allem die Liebesgeschichte, die auch ohne Kenntnis der Fakten immer wie eine Konzession an Hollywood-Sehgewohnheiten wirkt, wirkt eher störend auf den Fortgang der Haupthandlung.

Diese Dramatisierungen zeigen auch, dass die Geschichte der Operation Mincemeat eine Geschichte ist, die sich besser für ein spannendes Sachbuch über die größten Geheimoperationen der vergangenen Jahrhunderte eignet. Ben Macintyre, der Autor der nicht ins Deutsche übersetzten Sachbuch-Vorlage für den Film, hält die Operation Mincemeat für „probably the most successful military deception operation ever carried out“. Oder, wenn es denn ein Film sein soll, für einen Dokumentarfilm, einen kleinen Subplot in einem Film (Wollen wir wirklich wissen, wer wie die Dossiers für James Bond zusammenstellt?) oder für eine locker-flockig mit den Fakten spielende TV-Miniserie wie „Fleming: Der Mann, der Bond wurde“. In der zweiten Hälfte der dritten 45-minütigen Episode geht es ebenfalls um die Operation Mincemeat. Denn, seien wir ehrlich, einige brave Beamte, die am Schreibtisch detaillierte Pläne entwerfen, sind nicht so wahnsinnig aufregend. Auch wenn es um Pläne geht, die unser Leben entscheidend beeinflussen.

Ian Fleming sah es ähnlich. Sein James Bond arbeitet nicht an einem Schreibtisch, sondern reist um die Welt.

Die Täuschung (Operation Mincemeat, Großbritannien 2021)

Regie: John Madden

Drehbuch: Michelle Ashford

LV: Ben Macintyre: Operation Mincemeat, 2010

mit Colin Firth, Matthew Macfadyen, Kelly Macdonald, Penelope Wilton, Johnny Flynn, Jason Isaacs, Mark Gatiss, Hattie Morahan, Mark Bonnar

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die Täuschung“

Metacritic über „Die Täuschung“

Rotten Tomatoes über „Die Täuschung“

Wikipedia über „Die Täuschung“ (deutsch, englisch) und die Operation Mincemeat (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood sieht einen Punktsieg für die geheimdienstliche Faktentreue

Meine Besprechung von John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von John Maddens „Eine offene Rechnung“ (The Debt, USA 2010)

Meine Besprechung von John Maddens „Die Erfindung der Wahrheit“ (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)


TV-Tipp für den 27. Mai: Diplomatie

Mai 26, 2022

Arte, 20.15

Diplomatie (Diplomatie, Frankreich/Deutschland 2014)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Cyril Gély, Volker Schlöndorff

LV: Cyril Gély: Diplomatie, 2011 (Bühnenstück)

24. August 1944, die Nacht bevor Paris zerstört werden soll: der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling (André Dussollier) versucht den deutschen Kommandanten von Paris, General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup), zu überzeugen, die in der Stadt verteilten Sprengladungen nicht detonieren zu lassen.

Lose auf historischen Tatsachen basierendes Theaterstück, das die Vorlage für ein grandioses Schauspielerkino ist. Denn das nächtliche Gespräch zwischen Nordling und von Choltitz ist nicht verbürgt und hat so wahrscheinlich auch niemals stattgefunden.

mit André Dussollier, Niels Arestrup, Burghart Klaußner, Robert Stadlober, Charlie Nelson

Wiederholung: Donnerstag, 2. Juni, 14.15 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Diplomatie“

Rotten Tomatoes über „Diplomatie“

Wikipedia über „Diplomatie“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Top Gun: Maverick“ ist zurück im Cockpit

Mai 25, 2022

Ein Blick in alte Tabellen kann erhellend, vergnüglich und, weil es in ihnen so viel zu entdecken gibt, auch zeitraubend sein. So war „Top Gun“ in Deutschland gar nicht so erfolgreich. In einer Liste der Kassenhits der achtziger Jahre in Deutschland steht der Film mit 4.265.434 Besuchern auf dem 23. Platz. Hinter „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, aber noch vor „Rambo II“, „Beverly Hills Cop“ und „Ghostbusters“. In seinem Startjahr 1986 landete er hinter „Im Namen der Rose“ und „Jenseits von Afrika“ auf dem dritten Platz,

Aber in den USA war „Top Gun“ der erfolgreichste Film des Kinojahres. Er war auch weltweit unglaublich erfolgreich. Er spielte, bei einem Budget von 15 Millionen US-Dollar (damals war das noch mehr Geld als heute), über 350 Millionen US-Dollar ein. Die Songs liefen überall. Und selbstverständlich war der von Tony Scott inszenierte Film stilbildend. Einige Karrieren erhielten den entscheidenden Schub. Vor allem die von Tom Cruise. Seitdem hat er ein Abo auf Kassenhits, die auch immer gutes und gutgemachtes Unterhaltungskino für das breite Publikum sind.

Top Gun“ selbst war und ist patriotisches Erbauungskino, in denen die Bilder und die Musik wichtiger als die bestenfalls banale Story sind. Es ist ein Werbefilm für’s Militär, der damals 150-prozentig den Zeitgeist der Reagan-Ära traf.

Ein kritikloses Hohelied auf das Militär ist jetzt auch „Top Gun: Maverick“ – und trotzdem macht der Film Spaß. Das liegt vor allem an Tom Cruise, der sich erkennbar freut, mit dem Motorrad zu fahren und die verschiedenen Flugzeuge auszuprobieren. Er ist wie ein Kind im Spielzeugladen, das alles, aber wirklich alles, ausprobieren darf. Und seine „Ich habe die beste Zeit meines Lebens“-Energie überträgt sich bruchlos in den Kinosaal und trägt über all die Schwächen des Drehbuchs hinweg.

Die funktionale Story wiederholt einfach die Geschichte von „Top Gun“. Nur dass dieses Mal nicht die jungen Piloten, sondern Tom Cruise als Pete „Maverick“ Mitchell im Mittelpunkt steht. Er soll aus einer Gruppe junger, sehr talentierter Piloten die Piloten auswählen, die sich im Training für eine gefährliche und eigentliche unmögliche Mission qualifizieren. Es ist eine klassische Selbstmordmission. Einer der Piloten ist Bradley „Rooster“ Bradshaw (Miles Teller), der Sohn von Mavericks ehemaligen Kameraden Nick „Goose“ Bradshaw.

Maverick, der viel lieber fliegen als unterrichten würde, sieht es als seine Aufgabe an, die jungen Piloten so gut zu trainieren, dass sie die Mission überleben werden. Die im Film nur höchst rudimentär skizzierte Mission besteht darin, an einem abgelegenem Ort eine gut geschützte, in den Bergen liegende, geheime, unterirdische Anlage durch Gebirgsschluchten anzufliegen und eine Bombe in einen kleinen Schacht zu werfen. Die Bombe würde dann die Anlage, die demnächst waffenfähiges Uran herstellen kann, zerstören. Es ist ein Flugzeugangriff, der dem Angriff auf den Todesstern in „Krieg der Sterne“ ähnelt. Und der abseits jeder Logik ist. Denn warum sollte es nicht möglich sein, eine Rakete oder Drohne zur Anlage zu lenken oder die Anlage mit Agenten zu infiltrieren oder mit einem Computervirus lahmzulegen? Gut; jede dieser Lösungen würde den Film sofort beenden. Und das würde uns um einige atemberaubende Flugaufnahmen, Motorradfahren, Sonnenuntergänge (auch in „Top Gun: Maverick“ ist die Welt wie in „Top Gun“ ein einziger golddurchfluteter Sonnenuntergang) und mehrere gutaussehende junge Männer und Tom Cruise beim Volleyballspielen am Strand bringen.

Inszeniert wurde der Actionfilm von Joseph Kosinski. Bekannt wurde er mit „Tron: Legacy“. Danach inszenierte er mit Tom Cruise den Science-Fiction-Film „Oblivion“. In „Top Gun: Maverick“ bedient er sich optisch bei dem Original-“Top Gun“-Film. Das beginnt mit der an die achtziger Jahre erinnernden Schrift, die uns das Top-Gun-Programm erklärt. Danach werden wie damals die Namen der Hauptdarsteller, des Kameramanns, des Komponisten (neben Hans Zimmer ist Originalkomponist Harold Faltermeyer dabei), der Drehbuchautoren, des Regisseurs und der Produzenten (Jerry Bruckheimer ist wieder dabei) eingeblendet. Dazu singt Kenny Loggins wieder von der „Danger Zone“ (Menschen, die ein bestimmtes Alter haben, können mitsummen) und es gibt ein im Gegenlicht choreographiertes Bilderballett von auf einem Flugzeugträger startenden und landenden Jets, winkenden Piloten und Soldaten, die sie einweisen. Und so geht es weiter. Die Bilder erinnern durchgehend an „Top Gun“. Die Musik ist ein Übermaß an 80er-Jahre-Rock- und Popmusik. Die Story bedient gelungen die Erinnerungen an „Top Gun“. Nur dass dieses Mal, wie schon der Titel verrät, eindeutig Maverick im Mittelpunkt steht. Alle anderen Schauspieler bleiben Staffage, die man nur anhand ihrer Gesichter unterscheiden kann. Mehr erfahren wir nicht über sie. Und Maverick ist immer noch der Mann, der er vor fast vierzig Jahren war. Auch heute will er einfach nur Flugzeuge fliegen und Motorrad fahren. Er ist nicht verheiratet. Er lebt allein. Er hat keine Kinder. Er ist immer noch der Zwanzigjährige, der für niemanden Verantwortung hat und der zu Frauen nur flüchtige Beziehungen hat. Im Gegensatz zu seinem Freund Tom „Iceman“ Kazansky, der inzwischen ein verheirateter Vier-Sterne-General ist. Val Kilmer hat hier einen kurzen Auftritt.

Doch wegen der Story geht wahrscheinlich niemand in diesen Film. Es sind die Actionszenen, die überaus gelungen sind. Atemberaubend sind die Bilder der Jets beim Training in der Wüste und beim Einsatz in den verschneiten Bergen, wenn sie durch die engen Schluchten rasen und gegeneinander kämpfen. Die Schauspieler absolvierten diese Aufnahmen in fliegenden Jets und wir sehen, welchen Belastungen sie beim Dreh ausgesetzt waren. Das ist der Realismus, der in den CGI-geschwängerten Bombastschlachten der aktuellen Superheldenfilme fehlt.

Genau diese Bilder sind der Grund, sich den Film im Kino auf einer großen Leinwand anzusehen. „Top Gun: Maverick“ ist feinstes Blockbuster-Kino – und ein vom Militär unterstützter Propagandafilm für die Luftwaffe, die niemals auch nur ansatzweise kritisch betrachtet wird.

Top Gun: Maverick (Top Gun: Maverick, USA 2022)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Ehren Kruger, Eric Warren Singer, Christopher McQuarrie (nach einer Geschichte von Peter Craig und Justin Marks, basierend auf Figuren von Jim Cash und Jack Epps, Jr.)

mit Tom Cruise, Miles Teller, Jennifer Connelly, Jon Hamm, Glen Powell, Lewis Pullman, Charles Parnell, Bashir Salahuddin, Monica Barbaro, Jay Ellis, Danny Ramirez, Greg Tarzan Davis, Ed Harris, Val Kilmer

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Top Gun: Maverick“

Metacritic über „Top Gun: Maverick“

Rotten Tomatoes über „Top Gun: Maverick“

Wikipedia über „Top Gun: Maverick“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)