Neu im Kino/Filmkritik: „The 355“ – Agentinnen auf Bösewichterjagd

Januar 6, 2022

Wirklich schlecht, also so SchleFaZ-Schlecht, ist „The 355“ nicht. Dafür sind die Schauspielerinnen – Jessica Chastain, Penélope Cruz, Bingbing Fan, Diane Kruger und Lupita Nyong’o – einfach zu gut. Auch die anderen Schauspieler – Édgar Ramirez, Sebastian Stan und für uns Deutsche Sylvester Groth – sind gut. Ebenso die Stuntmen, Kamera undsoweiter. Da ist immer ein bestimmtes Niveau vorhanden. Es wurde, wenigstens teilweise, vor Ort gedreht und dafür wurde einmal um die Welt geflogen. Trotzdem entstanden die meisten Szenen, unabhängig vom Handlungsort, an verschiedenen Orten in Großbritannien. Das Budget ist unbekannt. Aber es werden Zahlen zwischen 40 Millionen US-Dollar und über 75 Millionen US-Dollar genannt. 

Aber gut ist „The 355“ nicht. Es ist ein weiterer, angesichts des Talents, grotesk misslungener Versuch, eine Actionserie mit Frauen als den Heldinnen zu etablieren. Jessica Chastain hatte die Idee für eine Agentenserie im Stil von James Bond und Mission: Impossible. Sie präsentierte Simon Kinberg diese Idee während des Drehs für „X-Men: Dark Phoenix“. Dieser Film war Kinbergs ziemlich misslungenes Spielfilmdebüt. Ich nannte es ein Totaldesaster. Die meisten anderen Kritiken waren ähnlich vernichtend. Bekannter ist er als Produzent und diese Arbeiten sind wesentlich gelungener. Dazu gehören die TV-Serien „The Twilight Zone“ und „Designated Survivor“, die Kinofilme „Mord im Orientexpress“, „Der Marsianer“, „Elysium“, die „Deadpool“- und die „X-Men“-Filmen.

Zusammen mit Theresa Rebeck schrieb er jetzt das Drehbuch für „The 355“. Rebeck ist vor allem bekannt für ihre Bücher und Produzentätigkeit für die Top-TV-Serien „NYPD Blue“ und „Law & Order: Criminal Intent“.

Die von den beiden erfundene Geschichte bedient die gängigen Agentenserien-Versatzstücke und setzt sie erstaunlich konfus zusammen. Letztendlich ergibt die Geschichte keinerlei Sinn.

Es geht, knapp zusammengefasst, um eine aus fünf Frauen bestehende Truppe – vier Agentinnen, eine Psychologin, die eher zufällig in die Geschichte hineinschlittert –, die eine externe Festplatte finden müssen, bevor sie in die falschen Hände gerät. Auf der Festplatte ist ein Computerprogramm, das alle elektronischen Systeme zielgenau angreifen und das Internet, wie wir es kennen, vernichten kann. Bevor die fünf Frauen gemeinsam gegen die Bösewichter kämpfen, müssen sie sich erst einmal als Team finden. Initiiert wird die Zusammenarbeit, nachdem in Paris ein Versuch, an die Festplatte zu gelangen, schiefging, von der CIA-Agentin ‚Mace‘ Mason Browne (Jessica Chastain). Sie bittet ihre alte Freundin Khadijah Adiyeme (Lupita Nyong’o), Technikspezialistin, britische MI6-Agentin und nicht mehr im Außendienst, um Hilfe. Später stoßen die einzelgängerische deutsche BND-Agentin Marie Schmidt (Diane Kruger), die kolumbianische Psychologin Graciela Rivera (Penélope Cruz), keine wirkliche Agentin, aber wahrscheinlich sollte sie für den (nicht vorhandenen) komischen Teil zuständig sein, und die chinesische Agentin und Computerexpertin Lin Mi Sheng (Bingbing Fan) dazu. Sie alle sind natürlich auch erfahrene Nahkampfexpertinnen, Schützinnen und immer gutaussehnd; halt wie die männlichen Vorbilder. Nur dass sie auch ein Abendkleid anziehen können.

Die wilde Hatz geht dann von Paris weiter nach Marrakesch und Shanghai.

Auf dem Papier klingt das doch, wie gesagt, ganz gut: namhafte Besetzung, fotogene Drehorte und das Versprechen auf eine ordentliche Portion Action, zusammengehalten von einem sattsam bekannten und bewährten Plot. Daraus könnte eine feministische „Mission: Impossible“-Version entstehen. Und wenn das dann vergnüglich und flott erzählt wäre, gerne mit einem Schuss Selbstironie, könnte daraus ein zumindest unterhaltsames, eskapistisches Kinoabenteuer entstehen.

Aber Selbstironie geht diesem Film vollkommen ab. Und flott erzählt ist die hahnebüchene Geschichte auch nicht. Eher wird von Schauplatz zu Schauplatz gesprungen.

Das Drehbuch und die Inszenierung erheben sich nie über das Niveau eines banalen, vollkommen generischen B-Actionfilm, in dem Frauen die Rollen von Männern übernehmen. Sie sind sozusagen die „Expendables“, nur ohne die Filmographien der Hauptdarsteller als Ikonen des 80er-Jahre-Actionfilms und deren offensiv vorgetragene Selbstironie, die die Filme ansehbar machte. Ein Vergleich mit James Bond, Ethan Hunt oder Jason Bourne – alles Namen, die von den „The 355“-Machern als Inspiration für ihren Film genannt werden – verbietet sich. Zu groß und offensichtlich ist das Gefälle zwischen dem Einzelgänger Bourne und dieser Frauencombo.

In „The 355“ sind die Dialoge banal. Die Handlung ist absurd. Die Motive der Figuren sind meistens unklar. Entsprechend unterfordert ist das gesamte Ensemble. Und die Action bewegt sich nicht über dem Niveau, das wir aus TV-Serien wie „24“ kennen. Auch wenn die Kämpfe etwas länger sind.

Kinbergs Langweiler ist der neueste gescheiterte Versuch, eine Agentenserie mit einer Heldin zu etablieren. Dabei liegt das Problem, wieder einmal, nicht an den Schauspielerinnen, sondern an dem schlechten Drehbuch.

The 355 (The 355, USA/China 2022)

Regie: Simon Kinberg

Drehbuch: Theresa Rebeck, Simon Kinberg (nach einer Idee von Theresa Rebeck)

mit Jessica Chastain, Penélope Cruz, Bingbing Fan, Diane Kruger, Lupita Nyong’o, Édgar Ramirez, Sebastian Stan, Jason Flemying, Sylvester Groth, John Douglas Thompson

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The 355“

Metacritic über „The 355“

Rotten Tomatoes über „The 355“

Wikipedia über „The 355“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Kinbergs „X-Men: Dark Phoenix“ (Dark Phoenix, USA 2019)


TV-Tipp für den 6. Januar: Sturm auf das Kapitol – Der Angriff auf die US-Demokratie

Januar 5, 2022

ARD, 22.15

Sturm auf das Kapitol – Der Angriff auf die US-Demokratie (Four Hours at the Capitol, Großbritannien/USA/Deutschland 2021)

Regie: Jamie Roberts

Drehbuch: Jamie Roberts

TV-Premiere. Neunzigminütige, auf kommentierende Einordnungen verzichtende Doku mit teils unveröffentlichtem Material über den Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol, um dort die Verlesung und Bestätigung des Wahlergebnis zu verhindern.

Es war, und neuere Dokumente belegen das immer eindeutiger, ein versuchter Staatsstreich von Oben. Bis jetzt gibt es keine ernstzunehmende Distanzierung oder Auseinandersetzung der Republikaner damit. Stattdessen arbeiten sie weiter an der Aushöhlung der US-Demokratie mit Wahlrechtsänderungen (die ihnen als Minderheit die Mehrheit sichern sollen) und Lügen.

Jamie Roberts: „Mein Fazit, nachdem ich die vielen unterschiedlichen Filmaufnahmen gesehen und meine Interviews geführt hatte, ist die Erkenntnis, wie zerbrechlich die Demokratie doch ist. Der Film zeigt, wie an diesem Tag die Demokratie beinahe gekippt wurde. Dieser Tag hat gezeigt, dass die Demokratie geschützt werden muss. Es gibt auch unabhängig vom Sturm auf das Kapitol bei Donald Trump und in bestimmten Teilen der Republikanischen Partei Strategien, die antidemokratisch sind. Das ist wirklich besorgniserregend für jeden, der wirklich an die Demokratie glaubt und sie schätzt.“

Hinweise

Das Erste über die Doku (nach der Ausstrahlung in der Mediathek)

Wikipedia über den Sturm auf das Kapitol (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Der Berlinale-Gewinner „Bad Luck Banging or Loony Porn“

Januar 5, 2022

Der Anfang des letzten Berlinale-Gewinners „Bad Luck Banging or Loony Porn“ sorgte für Diskussionen und erwartbare Probleme beim Verkauf des Films in bestimmte Länder. So darf der Film in Russland wegen der „Verbreitung von Pornographie“ nicht aufgeführt werden. In den USA verlangte die MPAA für eine NC-17-Freigabe Schnitte. Wahrscheinlich wollten sie vor allem, dass die ersten Minuten entfernt werden. Diese Minuten dürften auch in anderen Ländern auf den nachvollziehbaren Widerstand die Sittenwächter gestoßen sein.

Über mehrere Minuten sehen wir ein explizites Amateurvideo, in dem ein Mann und eine Frau hemmungslosen Sex miteinander haben und das so auf irgendeiner dieser beliebten Pornowebseiten stehen könnte (die natürlich nie jemand anklickt, wie auch vor fünfzig Jahren sich niemand diese „Schulmädchenreport“-Filme im Kino ansah). Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände wurde das Video, das die Lehrerin Emilia ‚Emi‘ Colibiu und ihren Mann, der auch die Kamera bediente, auf einer Porno-Homepage veröffentlicht. Als Emi davon erfuhr, veranlasste sie die Löschung. Aber es ist schon zu spät. Das Video wurde weiter verbreitet und auch ihre Schülerinnen und deren Eltern erfuhren davon.

In einigen Stunden muss Emi, Lehrerin an einer renommierten Schule, sich bei einem Elternabend vor den aufgebrachten Eltern rechtfertigen. Einige Eltern wollen, dass sie wegen des unsittlichen Videos entlassen wird.

Radu Jude unterteilt den Film, den er bescheiden „Skizze für einen populären Film“ und „Skizze für einen Heimatfilm“ nennt, in drei Kapitel. Schon damit betont er die Offenheit seines Films. Es ist eine Skizze und kein in sich geschlossenes Werk. Es gibt lose Enden, Gedanken und, am Ende, mehrere mögliche Enden. Und „populär“ ist der Film, weil er ein Thema behandelt, über das viele Menschen, auch er und seine Freunde, immer wieder stritten.

Im ersten Teil geht Emi mit energischen Schritten durch Bukarest. Sie erledigt einige Dinge. Trifft einige Menschen. Aber meistens geht sie schnell, fast schon rennend, durch die Stadt. Dabei fallen immer wieder die auf der Straße sichtbare Werbung und bei Emis alltäglichen Begegnungen die oft sehr deutlichen und eindeutigen pornographischen Anspielungen auf. Dieser von einem ständigem sexuellem Hintergrundrauschen begleitete Marsch wurde im Sommer 2020 im Stil des Cinéma vérité gedreht. Oft sehen die Bilder so aus, als habe niemand die Kamera bemerkt oder als habe die Kamera Emi nur zufällig aufgenommen.

Den zweiten Teil überschreibt Jude mit „Ein kompaktes Lexikon mit Anekdoten, Zeichen und Wundern“ und er ist genau das. Es handelt sich um eine 25-minütige Abfolge kurzer Filme unterschiedlicher Herkunft mit mehr oder weniger erkenntnisreichen Erklärungen und Pointen.

Im dritten Teil muss Emi sich dann vor den aufgebrachten Eltern rechtfertigen. Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Treffen im griechisch-römisch wirkendem Innenhof der Schule statt. Ursprünglich, so Radu Jude im Bonusmaterial, wollt er diese Szene in einem Schulraum drehen. Aber die Pandemie zwang ihn dazu, die Konfrontation nach draußen zu verlegen und die Schauspieler mussten Masken tragen. Beide, durch die äußeren Umstände erzwungenen Veränderungen, verbessern die Szene. Sie wird vielschichtiger und der Innenhof sieht eindeutig besser als ein anonymes Klassenzimmer aus.

In diesem Teil treffen die unterschiedlichen Meinungen satirisch überspitzt aufeinander. Schnell wird aus der geplanten Abrechnung etlicher Eltern mit der Lehrerin eine fulminante Abrechnung mit einer bigotten Moral, die es für unerträglich hält, wenn eine Lehrerin nackt zu sehen ist. Dass es sich herbei um Bilder handelt, die niemals für irgendeine Öffentlichkeit bestimmt waren und die nicht von ihr oder ihrem Mann veröffentlicht wurden, ist egal. Sie muss dafür entlassen werden. Gleichzeitig sehen sie sich das Video aufmerksam an.

Diess Filmkapitel erinnert an satirische Gesellschaftskritiken aus den Siebzigern, die die bürgerliche Gesellschaft und ihre Doppelmoral kritisierten.

Das Bonusmaterial besteht aus einem 19-minütigem Interview mit Radu Jude, der sehr ausführlich, informativ und auch selbstironisch über sich und seinen Film spricht.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeala cu bucluc sau porno balamuc, Rumänien/Luxemburg/Tschechische Republik/Kroatien 2021)

Regie: Radu Jude

Drehbuch: Radu Jude

mit Katia Pascariu, Claudia Ieremia, Olimpia Malai, Nicodim Ungureanu, Alexandru Potocean, Andi Vasluianu, Oana Maria Zaharia, Gabriel Spahiu, Florin Petrescu, Stefan Steel

DVD

good!movies/Neue Visionen

Bild: 2,35:1 in 16:9

Ton: Deutsch, Rumänisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interview mit Radu Jude, Trailer

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Bad Luck Banging or Loony Porn“

Metacritic über „Bad Luck Banging or Loony Porn“

Rotten Tomatoes über „Bad Luck Banging or Loony Porn“

Wikipedia über „Bad Luck Banging or Loony Porn“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Bad Luck Banging or Loony Porn“


TV-Tipp für den 5. Januar: Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Januar 4, 2022

ARD, 22.45

Three Billboards outside Ebbing, Missouri (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Mildred Hayes (Frances McDormand, die für ihre Rolle ihren zweiten Oscar erhielt) ist stinkig. Ihre Tochter wurde vergewaltigt und ermordet. Aber die Polizei findet den Täter nicht. Also macht sie auf drei angemieteten Werbetafeln ihrem Ärger Luft – und setzt damit im Dorf einiges in Gang.

Bitterböse, scharfsinnige Schwarze Komödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Peter Dinklage, Abbie Cornish, John Hawkes, Zeljko Ivanek, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones, Sandy Dixon, Clarke Peters, Samara Weaving, Amanda Warren, Kerry Condon

Hinweise

Moviepilot über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Metacritic über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Rotten Tomatoes über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Wikipedia über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)


Cover der Woche

Januar 4, 2022

Wird wahrscheinlich nie übersetzt werden. Aber wer eines von Joe Gores (25. Dezember 1931, in Rochester, Minnesota – 10. Januar 2011, in Greenbrae, Kalifornien) anderen Büchern in einem Antiquariat findet, kann bedenkenlos zuschlagen.


TV-Tipp für den 4. Januar: Tatort: Zahn um Zahn

Januar 3, 2022

WDR, 22.15

Tatort: Zahn um Zahn (Deutschland 1985)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg

In einer vom Abriss bedrohten Duisburger Werkssiedlung findet Kommissar Schimanski die Leichen von seinem Schulfreund Krüger und seiner Familie. Während die Polizei den Fall als erweiterten Selbstmord zu den Akten legen will, glaubt Schimanski, dass Krüger umgebracht wurde. Er beginnt seinen Mörder zu jagen und muss dafür auch nach Marseille fahren.

„Zahn um Zahn“ ist der erste „Tatort“, der seine Premiere im Kino erlebte. Weil der Film so erfolgreich war, durfte Schimanski zwei Jahre später mit „Zabou“ wieder im Kino ermitteln. Im Gegensatz zu den meisten Kritikern gefiel mir „Zabou“ besser als „Zahn um Zahn“.

„Hajo Gies und seinem Autorenteam ist ein Actionfilm gelungen, der sich mit den Kinoerfolgen der neuen französischen und amerikanischen Polizeifilme messen will und messen kann. (…) In ‚Zahn um Zahn‘ hat Schimanski zwar seinen Rachefeldzug gewonnen, aber an Profil verloren.“ (Fischer Film Almanach 1986)

„Zahn um Zahn“ „war darüber hinaus ein für das deutsche Kino seltenes Produkt – ein Action-Film mit einem Polizisten ohne Schlips und Kragen, handwerklich professionell inszeniert, spannend und durchaus kinogerecht.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)

Tja, diese Einschätzung trifft heute immer noch zu. Ansehbare deutsche Genrefilme sind im Kino immer noch die berühmte Ausnahme.

mit Götz George, Renan Demirkan, Rufus, Eberhard Feik, Charles Brauer, Herbert Steinmetz, Ulrich Matschoss, Martin Lüttge

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über Horst Schimanski

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)


In der Box: die vier Berlin-Krimis von Pieke Biermann

Januar 3, 2022

Das ist ein Schatz der deutschen Krimi-Geschichte, den der Argument-Verlag hier gehoben hat. Denn so etwas wie kontinuierliche Klassikerpflege gibt es in der notorisch geschichtsvergessenen deutschen Krimi-Geschichte nicht. Wer kennt heute noch Hansjörg Martin, Friedhelm Werremeier und seine Trimmel-Romane (ja, „Taxi nach Leipzig“), den Sozio- und den Frauenkrimi?

Da ist Pieke Biermann mit ihren vier Berlin-Krimis eine wichtige Stimme. Wobei sie, wenn ich mir aktuell tätige Krimiautorinnen ansehe, letztendlich mehr Solitär und weniger Vorbild und Vorreiterin für andere Autorinnen ist.

Sie ist auch die einzige Frau, die Thomas Wörtche 2006 in seiner im Bücher Spezial veröffentlichten Liste der „10 deutschsprachige Classics von Glauser bis Steinfest“ aufgenommen hat. Er schreibt über Pieke Biermann: Sie „führte die Realität der Polizeiarbeit u. a. vermittels des Personals ihres Kommissariats in die deutschsprachige Kriminalliteratur ein und die exakten sozialen Realitäten von Berlin, einschließlich Huren als stolze Hauptfiguren. Sie mobilisierte virtuos sämtliche Verfahren der Moderne: Polyphonie, Rollenprosa, Montage, radikale Komisierung etc., Verzicht auf ‚Erklärungen‘ und epische Breite, öffnete damit die Feuilletons für deutsche Kriminalliteratur, machte sie international sichtbar und erreichte gleichzeitig ein breites Publikum.“

Uff, was kann gegen so viel überschwängliches Lob gesagt werden?

Vielleicht einige nüchterne Fakten.

Potsdamer Ableben“, „Violetta“, „Herzrasen“ und „Vier, fünf, sechs“ erschienen zwischen 1987 und 1997 im Rotbuch und, der vierte Roman, im Goldmann Verlag. Sie zeigen Berlin unmittelbar vor und nach dem Mauerfall. Es sind die Jahre, bevor Berlin wieder zum Regierungssitz wurde.

Damit sind die vier Krimis dann auch die Chronik eines heute vergangenen Westberlins, der damaligen Szenen, Befindlichkeiten und Klüngel.

Pieke Biermann war damals, also vor der Veröffentlichung von „Potsdamer Ableben“ als Aktivistin der Frauenbewegung und ‚Frontfrau‘ der Hurenbewegung bekannt. Heute ist sie auch als Journalistin und Übersetzerin bekannt. Sie übersetzte unter anderem Werke von Agatha Christie, Liza Cody, Dorothy Parker und Walter Mosley.

In ihrem Krimidebüt „Potsdamer Ableben“ stirbt bei der Präsentation der Band „Richard Röhm und die Kerle“ (das war noch vor Rammstein und der Neuen Deutschen Härte, aber die Krupps und Laibach traten schon auf) die großmäulige Radiomoderation Beatrice Bitterlich am Buffet. Kriminalhauptkommissarin Karin Lietze beginnt mit ihrem Team zu ermitteln. Oder besser gesagt ’stochert herum‘.

In „Violetta“ müssen Lietze und ihr Team im Sommer 1989 (und damit vor dem Fall der Mauer) in zwei Mordserien ermitteln. In der einen werden Prostituierte ermordet. Der Täter schreibt ihnen in Sütterlin den Anfangsbuchstaben ihrer Nationalität auf die Stirn. In der anderen werden junge Männer nach dem Geschlechtsverkehr getötet.

In „Herzrasen“ ist die Mauer gefallen und Berlin eine wiedervereinigte Stadt, die nach ihrer Identität sucht, während die Kommisare nach dem Mörder eines Kindes suchen.

In „Vier, fünf, sechs“, dem vierten und letzten Krimi mit Kommissarin Karin Lietze, geht es um die bombige Ermordung eines hochrangigen Polizisten im Flughafen Tempelhof während einer Anti-Terror-Übung.

Allerdings interessieren Pieke Biermann diese Fälle und die sich daraus ergebenden Ermittlungen nicht sonderlich. Sie sind Nebensache gegenüber einem wilden Ritt durch das Leben der irgendwie von den Taten betroffenen Menschen. Sie sind eine Polyphonie von Geräuschen, die durch den Fall einen Anfang und ein Ende bekommen.

Deshalb sind ihre Bücher für Fans traditioneller Kriminalromane ein Graus.

So ist in „Potsdamer Ableben“ bis kurz vor Schluss vollkommen unklar, woran die Radiojournalistin auf Seite 24 gestorben ist. Stattdessen stürzt Biermann sich in eine Abfolge von Szenen, die ein Porträt der Stadt und ihrer subkulturellen Milieus, Kämpfe und Aktionen ergeben.

Damit ähnelt sie -ky (aka Horst Bosetzky). Er beschreibt in seinen seit den frühen Siebzigern entstandenen, oft in Berlin spielenden Krimis ähnlich genau Milieus, Szenen und Lebenslagen. Seine Geschichten sind allerdings wesentlich traditioneller aufgebaut.

Wer also etwas über das Berlin vor einigen Jahrzehnten erfahren möchte, es literarisch avancierter mag, als Krimifan auch mal auf einen Krimiplot verzichten kann, der/die/das sollte zugreifen.

P. S.: Schöne Covers!

Pieke Biermann: Das Berlin-Quartett – Schuber mit 4 Bänden

Ariadne, 2021

1104 Seiten

50 Euro

Die Einzelromane

Pieke Biermann: Potsdamer Ableben

Ariadne, 2021

192 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Violetta

Ariadne, 2021

304 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Herzrasen

Ariadne, 2021

320 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Vier, fünf, sechs

Ariadne, 2021

288 Seiten

15 Euro

Die Karin-Lietze-Krimis

Potsdamer Ableben, 1987

Violetta, 1990 (Deutscher Krimipreis Platz 1)

Herzrasen, 1993 (Deutscher Krimipreis Platz 1)

Vier, fünf, sechs, 1997 (Deutscher Krimipreis Platz 2)

Hinweise

Ariadne über Pieke Biermann

Krimi-Couch über Pieke Biermann

Lexikon deutscher Krimi-Autoren über Pieke Biermann

Wikipedia über Pieke Biermann

Meine Besprechung von Pieke Biermanns „„Wir sind Frauen wie andere auch!“ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ (2014 deutlich erweiterte Neuauflage, Erstausgabe 1980)


Hit-Girl trifft „Kick-Ass: Frauenpower“

Januar 3, 2022

Kurz bevor der neue, mehrmals verschobene „Kingman“-Film endlich im Kino anläuft, lohnt es sich einen Blick auf eine andere von Mark Millar erfundene, hm, Welt zu werfen. Während „Kingsman“ beginnend mit dem Comic „The Secret Service“ zu einer erfolgreichen Kinoserie wurde, die mit zwei rotzfrechen James-Bond-Varianten (dem klassischen Bond, nicht dem Craig-Bond) begann und die mit dem neuen Film „The King’s Man: The Beginning“ die Anfänge dieses nicht-staatlichen geheimen Geheimdienstes erkundet, lebt „Kick-Ass“ nach zwei Kinofilmen und mehreren von Mark Millar geschriebenen Comics, im Moment nur als Comic fort. Auch wenn Matthew Vaughn, der Regisseur des ersten „Kick-Ass“-Films und der „Kingsman“-Filme, kürzlich sagte, dass an einem Reboot gearbeitet werde.

In der „Hit-Girl“-Comciserie lassen bekannte Autoren wie Jeff Lemire, Kevin Smith und Daniel Way und Zeichner wie Eduardo Risso, Rafael Albuquerque und Goran Parlov Hit-Girl um die Welt reisen und Verbrecher töten. Das sind immer kurze, mit kulturellen und popkulturellen Details zum Reiseziel gespickte Einzelstücke.

Für „Kick-Ass: Frauenpower“ hat Steve Niles („30 Days of Night“) zusammen mit Zeichner Marcelo Frusin („Hellblazer“, „Loveless“) einen anderen Ansatz gewählt. Bei ihm wurde aus dem ursprünglichen Kick-Ass, dem weichlichen Schüler Dave Lizewski, der erst durch die liebevolle Anleitung von dem jüngeren Mädchen Mindy McCready zu einem halbwegs anständigem Kämpfer wurde, die Ex-Soldatin Patience Lee. Sie versucht in Albuquerque, New Mexico, als alleinerziehende Mutter zu überleben. Sie besorgt sich ein „Kick-Ass“-Kostüm und geht auf Verbrecherjagd. Zuerst um ihre spärliche Soldatenpension und ihr Minigehalt in einem Diner aufzubessern. Schnell bemerkt sie, dass sie als Kick-Ass auch die Einwohner von Albuquerque vor Verbrechern schützen und die Stadt sicherer machen kann. Sie übernimmt die Führung der verschiedenen Verbrecherbanden, strukturiert sie um und legt sich mit der Russenmafia und mexikanischen Drogenkartellen an. Diese schließen sich gegen Kick-Ass zusammen.

Außerdem hat ihr krimineller Schwager herausbekommen, dass Patience Kick-Ass ist. Als er aus dem Koma erwacht, macht er ihr am Anfang des dritten „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelbandes ein Angebot, das sie am liebsten ablehnen würde.

Am Ende des dritten Bandes berichten Reporter in den TV-Nachrichten über Patiences Aktionen als Kick-Ass. Hit-Girl Mindy sieht das. Sofort macht sie sich auf den Weg nach Albuquerque, um den falschen Kick-Ass zu töten.

Auf den ersten Seiten des vierten „Kick-Ass: Frauenpower“-Bandes köpft und erschießt sie auf dem Highway auf dem Weg nach Albuquerque eine verbrecherische Biker-Gang. Danach wird munter weitergemordet.

Der jetzt erschienene vierte „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband enthält den Abschluss von Steve Niles‘ „Kick-Ass“-Geschichte und es ist ein feuriges und tödliches Abenteuer. Schließlich haben Hit-Girl, Kick-Ass und die Verbrecherbanden nichts gegen exzessive Gewalt. Auch wenn die Geschichte unabhängig von den vorherigen drei Bänden gelesen werden kann – dann hat man immerhin noch ein weiteres gelungenes „Hit-Girl“-Abenteuer -, sollte doch die gesamte Geschichte von Patience Lee gelesen werden. Niles‘ Geschichte ist, ausgehend von Mark Millars im ersten „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband formulierten Prämisse, eine überaus interessante und gelungene Neuinterpretation von Kick-Ass, die aus einem Comic-Nerd eine erwachsene, mit alltäglichen Problemen kämpfende Frau macht.

P. S.: Die Besprechung von „The King’s Man: the Beginning“ gibt es zum Kinostart. Der ist, nach etlichen Verschiebungen, am Donnerstag.

Steve Niles/Marcello Frusin: Kick-Ass: Frauenpower (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2021

132 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass vs Hit-Girl # 1 – 5

November 2020 – März 2021

Steve Niles/Marcello Frusin: Kick-Ass: Frauenpower (Band 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2020

148 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass (2018) # 13 – 18

April 2019 – Oktober 2019

Hinweise

Homepage von Steve Niles

Meine Besprechung von Steve Niles/Ben Templesmiths „30 Days of Night – Die Barrow-Trilogie“ (30 Days of Night, 2002; 30 Days of Night: Dark Days, 2004; 30 Days of Night: Return to Barrow, 2004)

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerques „Prodigy: Die böse Erde“ (Prodigy: The evil earth # 1 – 6, 2019)

Meine Besprechung von Mark Millar/Simone Bianchis „Sharkey the Bounty Hunter – Krawall im All“ (Sharkey the Bounty Hunter # 1 – 6, 2020)

Verfilmungen

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Golden Circle“ (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Andere Autoren in Millarworld

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“ (Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, 2018/2019)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Hollywood“ (Hit-Girl (2018) Season Two #1 – 4, Februar 2019 – Mai 2019)

Meine Besprechung von Steve Niles/Marcelo Frusins „Kick-Ass – Frauenpower (Band 2)“ (Kick-Ass (2018) # 7 – 12, September 2018 – Februar 2019)

Meine Besprechung von Rob Williams/Simon Frasers „Kingsman: Jagd auf Red Diamond“ (Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6, September 2017 – Februar 2018)


TV-Tipp für den 3. Januar: Laissez-passer

Januar 2, 2022

Arte, 20.15

Laissez-passer (Laissez-passer, Frankreich/Deutschland/Spanien 2002)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jean Cosmos, Bertrand Tavernier (nach den Memoiren von Jean Devaivre)

TV-Premiere. Bertrand Taverniers „Laissez-passer“ spielt 1942 im von den Nazis besetzten Paris. Er konzentriert sich auf den erfolgreichen Drehbuchautor Jean Aurenche, der nicht mit den Nazis zusammenarbeiten will, und auf Jean Devaivre. Er arbeitet, unter anderem bei „Die Teufelshand“, als Regieassistent bei der deutsch-französischen Filmfirma Continental.

Der von der Kritik überwiegend positiv beurteilte Film lief 2002 auf der Berlinale, erhielt dort zwei Preise (Bester Darsteller, beste Musik), wird manchmal unter dem deutschen Titel „Der Passierschein“ geführt, hatte keinen deutschen Kinostart (Pfui!) und ist anscheinend nur als Teil der Anfang Dezember 2021 bei Studiocanal erschienenen „Bertrand Tavernier Edition“ auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Anschließend, um 23.00 Uhr, zeigt Arte Maurice Tourneurs auch für „Laissez-passer“ wichtigen Horrorfilm „Die Teufelshand“.

mit Jacques Gamblin, Denis Podalydès, Charlotte Kady, Marie Desgranges, Ged Marlon, Philippe Morier-Genoud, Laurent Schilling, Maria Pitarresi, Christian Berkel

Hinweise

Filmportal über „Laissez-passer“

AlloCiné über „Laissez-passer“

Rotten Tomatoes über „Laissez-passer“

Wikipedia über „Laissez-passer“ (französisch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


TV-Tipp für den 2. Januar: Die glorreichen Sieben

Januar 1, 2022

RTL, 22.05

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.

Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Wiederholung: Montag, 3. Januar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)


TV-Tipp für den 1. Januar: Nur 48 Stunden

Dezember 31, 2021

ZDFneo, 23.30

Nur 48 Stunden (48 Hrs., USA 1982)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Roger Spottiswoode, Walter Hill, Larry Gross, Steven E. de Souza

Detective Jack Cates hat ’nur 48 Stunden‘ um den flüchtigen Schwerverbrecher Albert Ganz zu schnappen. Der Knacki Reggie Hammond soll ihm helfen.

Ein Klassiker. Hill verband das Buddy-Movie mit dem Actionfilm und landete einen Kassenhit. Nolte ist dabei der ewig schlecht gelaunte, Regeln brechende Cop und Murphy, in seinem ersten Filmauftritt, eine wahre Quasselstrippe.

„Hill erzählt diese im Grund sehr simple Geschichte ungeheuer direkt, kraftvoll und mit einer Wucht, dass die Gewalt beinahe physisch spürbar wird. Seine rasantes Schnittfolgen lassen keine Entspannung zu und treiben die Story und die gewitzten Dialoge mit Höchstdruck voran.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Danach, um 01.00 Uhr, zeigt ZDFneo die nicht so wahnsinnig überzeugende Fortsetzung „Und wieder nur 48 Stunden“

Mit Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O’Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nur 48 Stunden“

Wikipedia über „Nur 48 Stunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


Baru schickt uns auf die „Autoroute du soleil“

Dezember 30, 2021

Der 17-jährige Alexandre Barbieri bewundert Karim Kemal grenzenlos. Im Arbeiterviertel, in dem sie leben, hat der fünf Jahre ältere Karim allerdings einen schlechten Ruf. Er soll mit Kartenspielen Geld verdienen, illegale Drogen verkaufen und sich von reichen Frauen für Sex bezahlen lassen. In jedem Fall ist er ein Frauenliebling.

Seine neueste Eroberung sorgt allerdings für Ärger. Sie ist die Frau von Doktor Raoul Faurissier, dem Spitzenkandidaten der rechtsextremen Elan National. Kurz bevor Karim von Faurissiers Bodyguards entdeckt und zusammengeschlagen wird, kann er entkommen.

Zusammen mit Alexandre flüchtet er quer durch Frankreich. Denn Faurissiers Schläger sind ihnen auf den Fersen.

Baru ist das Pseudonym des 1947 in Lothringen geborenen Hervé Barulea. Zu seinen früheren, nur teilweise ins Deutsche übersetzten Werken gehören „Bleierne Hitze“ (nach einem Roman von Jean Vautrin), „Wut im Bauch“, „Wieder unterwegs“ und „Die Sputnik-Jahre“. 2010 erhielt er den „Grand Prix de la Ville d’Anglulême“. Seit 2013 ist er Ritter des „Ordre des Arts et des Lettres“.

Für „Autoroute du soleil“ erhielt er den Alph’art. Der über vierhundertseitige SW-Comic ist ein rasantes, oft absurd witziges Roadmovie, das mehr „Easy Rider“ als Thriller ist. Sicher, Alexandre und Karim werden gejagt und schweben fast ständig in Lebensgefahr. Schließlich gehen ihre Verfolger fast so brachial wie der „Terminator“ vor. Aber die Dynamik zwischen den beiden Jungs und ihre Begegnungen mit anderen Menschen stehen eindeutig im Zentrum dieser Noir-Geschichte. Für Alexandre ist sie auch eine Coming-of-Age-Geschichte. Außerdem entsteht bei ihrer Flucht ein Bild von Frankreich in den frühen neunziger Jahre abseits von Paris.

Baru: Autoroute du soleil

(übersetzt von David Basler)

Reprodukt, 2021

432 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

L’autoroute du soleil

Casterman 1995

Deutsche Erstausgabe

Carlsen, 2007

Hinweise

Reprodukt über Baru

Wikipedia über Baru (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2021

3sat, 05.45

Pop around the Clock

Zum 20. Mal präsentiert 3sat an Silvester 24 Stunden lang Rockkonzerte bekannter und sehr bekannter Bands und Musiker, die teilweise schon seit Jahrzehnten die großen Hallen mit begeisterten Fans füllen. Normalerweise handelt es sich bei den Mitschnitten um TV-Premieren, die nur einmal gezeigt werden. Dieses Jahr sind Joe Bonamassa (um 07.30 Uhr), Eric Clapton (um 08.30 Uhr, das brandneue „The Lady in the Balcony“-Konzert), die Rolling Stones (um 09.45 Uhr „Voodoo Lounge“,, um 21.30 Uhr „Havanna Moon“ [das Konzert von 2016 wurde schon einmal gezeigt]), Joan Armatrading (um 12.15 Uhr mit ihrem Konzert von 2021), Bruce Springsteen (um 13.00 Uhr, zwei Stunden Live in New York City), P!nk (um 20.00 Uhr), Coldplay (um 23.20 Uhr), LINDEMANN (von Rammstein, um 01.35 Uhr) und Impressionen vom 2021er Isle-of-Wight-Festival (um 03.00 Uhr).

Alle Konzerte können auch auf der 3sat-Homepage angesehen.


TV-Tipp für den 30. Dezember: Im Westen nichts Neues

Dezember 29, 2021

SW-Klassiker, leider unterbrochen von Werbung

Tele 5, 22.20

Im Westen nichts Neues (All quiet on the western front, USA 1930)

Regie: Lewis Milestone

Drehbuch: Del Andrews, Maxwell Anderson, George Abbott, Lewis Milestone

LV: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, 1928

Deutschland, 1915: Paul Bäumer und seine Mitschüler melden sich, angestiftet von einer Kampfrede ihres Lehrers, begeistert zum Fronteinsatz. Schon während der Ausbildung werden ihnen die Träume über das heldenhafte Soldatenleben ausgetrieben. Dann kommen sie an die Westfront – als Kanonenfutter.

Klassiker des Antikriegsfilm, der den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und der mich, als ich ihn als Teenager sah, wirklich beeindruckte. Denn er war (und ist) wirkungsvoller und brutaler als viele neuere Filme.

Ebenfalls beeindruckend ist die Zensurgeschichte. Denn schon kurz nach der Uraufführung wurde der Film beschnitten. In Deutschland wurde nur eine gekürzte Version gezeigt, die dennoch sofort das Hassobjekt der Nazis wurde. Die SA störte Aufführungen des antideutschen Films und schon wenige Tage nach seiner deutschen Premiere war er verboten. In „Skandalfilme“ zeichnet Stefan Volk diese Geschichte genau nach.

Mit Lew Ayres, Louis Wolheim, John Wray, ‚Slim‘ Summerville, Russell Gleason

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Westen nichts Neues“

Wikipedia über „Im Westen nichts Neues“ (deutsch, englisch)

 


Unsortierte Gedanken zur Neuübersetzung von Raymond Chandlers Philip-Marlowe-Geschichte „Die Lady im See“

Dezember 29, 2021

Aus mir unbekannten Gründen habe ich Hellmuth Karaseks alte Diogenes-Übersetzung jetzt nicht zur Hand. Dabei habe ich Raymond Chandlers vierten Philip-Marlowe-Krimi „The Lady in the Lake“ vor Ewigkeiten in seiner Übersetzung gelesen. Aber ohne das Buch in Griffnähe zu haben, kann ich die Übersetzungen nicht miteinander vergleichen.

Das gesagt, liest sich Robin Detjes neue Übersetzung sehr gut. Und zwar so gut, dass aus den wenigen Seiten, die ich Lesen wollte, um die Qualität der Übersetzung zu prüfen, eine erneute Lektüre des gesamten Romans wurde; – nun, es gibt schlechtere Methoden, um seine Zeit zu verbringen.

In „Die Lady im See“ soll Philip Marlowe im Auftrag von dem Unternehmer Derace Kingsley dessen seit einem Monat spurlos verschwundene Frau suchen. Zuletzt wurde Crystal Kingsley in dem kleinen Haus, das die Kingleys in den Bergen am Little Fawn Lake haben, gesehen.

Marlowe fährt dorthin und trifft Bill Chess, der dort als Hausmeister seine Invalidenrente aufbessert. Chess erzählt Marlowe, dass er Streit mit seiner Frau hatte. Das war vor einem Monat. Danach verschwanden die beiden Frauen gleichzeitig.

Als die beiden Männer zum See gehen, entdecken sie im See die titelgebende Frau im See. Chess hält die Wasserleiche für seine Frau.

Marlowe beginnt nun auch den Mörder der Wasserleiche zu suchen. Dabei stochert er in der Vergangenheit der beiden Frauen herum und stolpert über die Leiche von Crystal Kingsleys Liebhaber. Er wurde erschossen.

Bei der wiederholten Lektüre fällt auf, wie zeitlos und schnörkellos elegant Raymond Chandlers Sprache ist. Die Story selbst bewegt sich zügig voran und sie wirkt ebenfalls nicht veraltet. Sicher, heute müsste Marlowe keine Münzfernsprecher mit Geld füttern. Er würde mit einem Handy telefonieren. Aber immer noch müsste er mit vielen Verdächtigen, Zeugen und potentiellen Zeugen reden. Immer noch hätte er Ärger mit der Polizei. Er würde zusammengeschlagen werden und er würde auf gutaussehende Frauen treffen, die ihn mit einer Waffe in der Hand begrüßen.

Angenehm ist auch, dass sich der gesamte Roman auf Marlowes Auftrag und seine Jagd nach dem Mörder konzentriert. Über Marlowe selbst und sein Privatleben erfahren wir nichts. Und das ist gut so.

Schlecht ist allerdings die Lösung des Falles. Die zaubert Chandler ziemlich aus dem Hut in einer Mischung aus nicht mit dem Leser geteiltem Wissen und wilden Vermutungen. Echte Beweise hat Marlowe erst durch das anschließende Geständnis des Täters.

The Lady in the Lake“ ist Raymond Chandlers vierter Philip-Marlowe-Roman. Davor schrieb er „The big Sleep“ (1939, Der tiefe Schlaf/Der große Schlaf), „Farewell, my Lovely“ (1940, Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling) und „The high Window“ (1942, Das hohe Fenster). Danach „The little Sister“ (1949, Die kleine Schwester), „The long Good-Bye“ (1953, Der lange Abschied) und „Playback“ (1958, Spiel im Dunkel/Playback). Bis auf „Playback“ sind alle seine Marlowe-Romane Klassiker.

The Lady in the Lake“ wurde mehrmals ins Deutsche übersetzt und als „Einer weiß mehr“, „Die Tote im See“ und jetzt „Die Lady im See“ veröffentlicht.

Neben Dashiell Hammett definierte Raymond Chander das Privatdetektiv-Genre.

Ohne Chandler gäbe es Spenser nicht. 1989 durfte Spenser-Erfinder Robert B. Parker mit „Poodle Springs“ ein von Chandler geschriebenes Fragment fertig schreiben.

Chandlers Roman wurde 1947 von Robert Montgomery als „Die Dame im See“ (Lady in the Lake) verfilmt. Mit etlichen Freiheiten. So wurde die Handlung in die Vorweihnachtszeit verlegt und es gibt eine Rahmengeschichte, in der Marlowe Autor von Pulp-Romanen werden will. Gedreht wurde hauptsächlich in Innenräumen. Es wurde auch weitgehend auf Action verzichtet. Das lag nicht an der Unlust, vor Ort zu drehen, sondern an den technischen Herausforderungen des Films. Denn Montgomery erzählte die Geschichte als Ich-Erzählung. In einem Roman, vor allem in einem Privatdetektiv-Roman, der normalerweise immer in der ersten Person Singular geschrieben ist, funktioniert das problemlos. In einem Film nicht. So erfahren wir nicht, wie der Erzähler auf etwas reagiert. Immer wenn Marlowe sich bewegte, musste die damals noch sehr unhandliche Kamera bewegt werden. Es musste auch geguckt werden, wie man Marlowes Arme richtig im Bild positioniert. Und es gibt, neben den üblichen Gefahren, denen das Gesicht eines Privatdetektivs (hier die Kamera) bei seinen Abenteuern ausgesetzt ist, wie Schläge und Küsse, eine ziemlich spektakulär gefilmte Autoverfolgungsjagd. Denn als Marlowe auf einer einsamen Landstraße von einem anderen Auto verfolgt wird, muss er sich immer wieder umdrehen, damit wir genug mitbekommen, um die Verfolgungsjagd gespannt mitverfolgen zu können.

Insofern ist die Bewältigung der technischen Herausforderungen in „Die Dame im See“ beeindruckend. Ein guter Film ist so allerdings nicht entstanden.

Chandlers Hardboiled-Roman „Die Lady im See“ ist dagegen ein Klassiker, der jetzt in einer neuen Übersetzung wieder entdeckt werden kann.

Raymond Chandler: Die Lady im See

(mit einem Nachwort von Rainer Moritz)

(übersetzt von Robin Detje)

Diogenes, 2021

336 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

The Lady in the Lake

A. A. Knopf, 1943

Frühere deutsche Übersetzungen

Einer weiß mehr

(übersetzt von Mary Brand)

Nest 1949

Die Tote im See

(übersetzt von Hellmuth Karasek)

Diogenes, 1976

Die Verfilmung

Die Dame im See (Lady in the Lake, USA 1947)

Regie: Robert Montgomery

Drehbuch: Steve Fisher

mit Robert Montgomery, Lloyd Nolan, Audrey Totter, Tom Tully, Leon Ames, Jayne Meadows

Hinweise

Thrilling Detective über Philip Marlowe

Thrilling Detective über Raymond Chandler

Krimi-Couch über Raymond Chandler

Mordlust über Raymond Chandler

Rotten Tomatoes über „Die Dame im See“

Wikipedia über „Die Lady im See“ (Roman), „Die Dame im See“ (Film) (deutsch, englisch), Philip Marlowe (deutsch, englisch) und Raymond Chandler (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Verdacht

Dezember 28, 2021

Arte, 20.15

Verdacht (Suspicion, USA 1941)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb befürchtet sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‘Verdacht’ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Anschließend, um 21.50 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Mr. und Mrs. Hitchcock“ (Frankreich 2018). Und der RBB zeigt, teils parallel, zwei ebenfalls sehenswerte Hitchcock-Filme: um 22.15 Uhr „Das Fenster zum Hof“ (USA 1954) und um 00.05 Uhr „Der Mann, der zu viel wusste“ (USA 1956).

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verdacht“

Wikipedia über „Verdacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)


Cover der Woche

Dezember 28, 2021


TV-Tipp für den 28. Dezember: Chinatown

Dezember 27, 2021

One, 22.50

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)


Der Deutsche Krimipreis 2021

Dezember 27, 2021

Zum 38. Mal wurde der Deutscher Krimipreis (DKP) verkündet. Dieses Mal geht der undotierte Preis an folgende Romane:

National

1. Platz: Merle Kröger: Die Experten (Suhrkamp)

2. Platz: Johannes Groschupf: Berlin Heat (Suhrkamp)

3. Platz: Susanne Saygin: Crash (Heyne)

International

1. Platz: David Peace: Tokio, neue Stadt (Liebeskind). Deutsch von Peter Torberg

2. Platz: Colin Niel: Nur die Tiere (Lenos). Deutsch von Anne Thomas

3. Platz: Garry Disher: Moder (Pulp Master). Deutsch von Ango Laina und Angelika Müller

Einen herzlichen Glüchwunsch an die Gewinner*innen – und Garry Dishers „Moder“ wird hier auch noch besprochen. Großes Einbrecherehrenwort.


Neu im Kino/Filmkritik: Über Joel Coens „Macbeth“

Dezember 27, 2021

Die Geschichte von Macbeth, diesem Feldherren, dem drei Hexen die Königswürde prophezeien, und der sich danach, zusammen mit seiner Frau, zum König von Schottland morden will, dürfte bekannt sein. Auch ihr tödliches Ende. William Shakespeare erzählte sie in einem Theaterstück. Die autoritative Textfassung erschien, sieben Jahren nach seinem Tod, 1623. Setidem gehört das Drama zum festen Theaterrepertoire und wurde auch unzählige Male verfilmt. Die bislang letzte, äußerst bildgewaltig Kinoverfilmung ist von Justin Kurzel mit Michael Fassbender als Macbeth. Frühere, heute noch bekannte Verfilmungen sind von Roman Polanski, Akira Kurosawa (als „Das Schloss im Spinnwebwald“) und Orson Welles. Seine Verfilmung stand eindeutig Pate für Joel Coens neue „Macbeth“-Verfilmung, die auch gleichzeitig sein Solo-Regiedebüt ist. Alle seine anderen Filme inszenierte er mit seinem Bruder Ethan.

Joel Coen inszenierte seine extrem expressionistisch stilisierte „Macbeth“-Version, wie Orson Welles, in einem Studio in Schwarzweiß im 4:3-Bildformat. Die Dialoge kürzte er nur leicht. Seine Frau Frances McDormand übernahm die Rolle der Lady Macbeth. Sie spielte diese Rolle bereits 2016 in einer Produktion des Berkeley Repertory Theatre und sie schlug ihm das Projekt vor. Denzel Washington spielt Macbeth. Die Bildgestaltung übernahm Bruno Delbonnel („Inside Llewyn Davis“), das Szenenbild Stefan Dechant, die Kostüme sind von Mary Zophres und die Musik ist von Carter Burwell. Sie alle haben schon mit den Coen-Brüdern zusammen gearbeitet und sie trugen jetzt auch einen Teil zum Gelingen von „Macbeth“ bei.

Entstanden ist eine visuell brillante, sehr düstere, zum depressiven Wahnsinn neigende „Macbeth“-Version. Für Shakespeare-Fans ist das unbedingt sehenswert.

Andere Zuschauer sollten sich überlegen, wie groß ihre Toleranz für prächtig aussehende Theaterkulissen und Shakespeare-Dialoge ist. Das gilt auch für Fans der Coen-Brüder. Denn die typischen Stilelemente und der Humor der Coens fehlen hier fast vollständig. Obwohl „Macbeth“ eine ziemlich schwarzhumorige und bitterböse Geschichte ist, die für ihre Figuren immer wieder die schlimmstmögliche Wendung nimmt. Trotzdem wollte Joel Coen hier keinen typischen Coen-Film inszenieren. Er wollte das Shakespeare-Stück möglichst originalgetreu verfilmen und dabei die Beschränkungen eines von der Bühne abgefilmten Theaterstücks überwinden. Das ist ihm gelungen.

Macbeth (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen

LV: William Shakespeare: Macbeth, 1611/1623 (ursprünglich „The Tragedy of Macbeth“) (Macbeth)

mit Denzel Washington, Frances McDormand, Bertie Carvel, Alex Hassell, Corey Hawkins, Harry Melling, Brendan Gleeson, Kathryn Hunter, Moses Ingram

Länge: 105 Minuten

FSK: ? (dürfte aber mit Kulturbonus in Richtung FSK-12 gehen)

Jetzt in einigen Kinos und ab 14. Januar 2022 weltweit auf Apple TV+

Hinweise

Moviepilot über „Macbeth“

Metacritic über „Macbeth“

Rotten Tomatoes über „Macbeth“

Wikipedia über „Macbeth“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte