Neu im Kino/Filmkritik: „Cry Macho“, Clint Eastwood

Oktober 21, 2021

Clint Eastwood hat es wieder getan: einen Film mit sich als Hauptdarsteller inszeniert. Und wie sein letzter Film mit ihm in der Hauptrolle, „The Mule“, spielt er im Süden der USA. Dieses Mal, bis auf die ersten Minuten, südlich der Grenze in Mexiko. Gedreht wurde beide Male in New-Mexiko.

Ranchbesitzer Howard Polk (Dwight Yoakam) bittet 1980 seinen früheren Angestellten Mike Milo (Clint Eastwood), einen legendären Rodeoreiter, der für ihn über viele Jahre Pferde zuritt und zuletzt von ihm wegen allgemeiner Unzuverlässigkeit entlassen wurde, um einen Gefallen. Milo seinen Sohn Rafo (Eduardo Minett) aus Mexiko City in die USA bringen. Polk hat ihn noch nie gesehen. Er hat nur ein schon sieben Jahre altes Foto von dem inzwischen dreizehnjährigem Rafo, der in irgendwelchen Schwierigkeiten stecken soll. Über seine Mutter sagt er nur, dass sie keine richtige Mutter sei.

In Mexico City lebt Rafo in einem riesigen Anwesen. Seine überaus gutaussehende und sexgierige Mutter wirkt bei einem Gespräch mit Milo, als sei sie mindestens am Rand in illegale Geschäfte verwickelt. Woher sie ihr Vermögen hat, wird nie genau gesagt, aber sie verfügt über gute Verbindungen zur Polizei und sie kann einige Schläger bezahlen, die beide später Milo, Rafo und Rafos Hahn Macho durch Mexiko jagen werden.

Er hat Rafo, aufgrund eines Tipps seiner Mutter, bei einem illegalem Hahnenkampf entdeckt. Gemeinsam fahren sie dann Richtung Texas. Weil sie sich vor ihren Verfolgern verstecken müssen und ihr Auto beschädigt ist, stranden sie in einem Dorf. Dort treffen sie die überaus feinfühlige und warmherzige Cantina-Besitzerin Marta (Natalia Traven) und Milo kann Rafo das Reiten beibringen.

„Cry Macho“ ist ein seltsam aus der Zeit gefallener Film. Das liegt nicht daran, dass er 1980 spielt, sondern an seiner Entstehungsgeschichte und an Clint Eastwood; oder genauer gesagt dem Mythos Clint Eastwood.

Beginnen wir mit der Entstehungsgeschichte. N. Richard Nash (1913 – 2000) ist vor allem bekannt als Theater- und Drehbuchautor. Zu seinen Werken gehören sein auch verfilmtes Theaterstück „The Rainmaker“ und das Drehbuch für die George-Gershwin-Oper „Porgy and Bess“. In den Siebzigern schrieb er ein Drehbuch, das niemand wollte. Das schrieb er zu einem Roman um, der 1975 erschien. „Cry Macho“ war so erfolgreich, dass Hollywood Interesse an einer Verfilmung hatte. Nash gab wieder sein Drehbuch ab und in den folgenden Jahren gab es immer wieder Versuche, das Buch zu verfilmen. 1988 sollte es schon einmal ein Clint-Eastwood-Film werden. Eastwood wollte den Film allerdings nur inszenieren. Er schlug Robert Mitchum für die Hauptrolle vor. Zu verschiedenen Zeiten waren auch Roy Scheider (Yep, der mit dem Weißen Hai), Burt Lancaster und Arnold Schwarzenegger im Gespräch.

Jetzt nahm Eastwood sich das Buch wieder vor. Nick Schenk, der bereits die Bücher für die Clint-Eastwood-Filme „Gran Torino“ und „The Mule“ schrieb, überarbeitete Nashs Drehbuch. Allerdings scheint sich seine Überarbeitung in Grenzen gehalten zu haben. Zur Geschichte kommen wir später. Jedenfalls wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus dem zeitgenössischem Stoff ein historischer Stoff.

Für Eastwood ist die Rolle von Mike Milo natürlich eine dankbare Rolle, die ihm wie ein handgefertigter Schuh passt. Außerdem ist es eine positive Figur mit einigen kleinen Marotten. In seinem vorherigen Leinwandauftritt „The Mule“ spielte er einen Drogenkurier, der ohne Gewissensbisse Tonnen Rauschgift in die USA schmuggelt und sich so finanziell saniert. Da ist der grummelige Macho-Cowboy, der zum liebevollen Ersatz-Daddy und dem guten Onkel in einem mexikanischem Dorf wird, ein richtiggehend positiver Held, der auch das gesamte Machotum seiner Jugend in Frage stellt. Es ist auch eine Rolle, die Eastwood in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon mehrere Male spielte. Eigentlich kann sein gesamtes Spätwerk, das ungefähr mit seinem letzten „Dirty Harry“-Film „Das Todesspiel“ (The Dead Pool, 1988) begann, als eine konsequente Demystifizierung seiner früheren Heldenfiguren gesehen werden. Und auch einige seiner früheren Filme, wie „Der Texaner“ (The Outlaw Josey Wales, 1976) oder „Honkytonk Man“ (1982), hinterfragten dieses Heldentum. Diesen Filmen fügt er mit „Cry Macho“ nichts Wesentliches bei.

Und damit kommen wir zur Geschichte, die vor vierzig, fünfundvierzig Jahren ein aktueller Kommentar zum Mannsein gewesen wäre und heute seltsam antiquiert wirkt. Nicht weil heute keine Ersatzvater/Sohn-Geschichten mehr erzählt werden können – Liam Neeson tat dies vor wenigen Wochen in der Clint-Eastwood-Pastiche „The Marksman – Der Scharfschütze“ -, sondern weil „Cry Macho“ immer wirkt, als habe man das alte Drehbuch einfach aus dem Regal genommen, abgestaubt und fünfundvierzig Jahre zu spät verfilmt. Da fallen die, höflich formuliert, seltsame Figurenpsychologie, die gestelzt-altmodischen Dialoge und die Drehbuchlöcher epischen Ausmaßes (aus vollkommen rätselhaften Gründen sind die Bösewichter mal da, mal nicht) negativ auf.

Es wird auch nicht versucht, die Filmgeschichte als einen Vorlauf für die Gegenwart zu sehen. Denn die heutige Gegenwart ist eine Zukunft, die N. Richard Nash nicht kannte und die Nick Schenk jetzt nicht in das Drehbuch hineinschrieb. Daher erfolgt keine Neubetrachtung damaliger Bilder von Männlichkeit. Stattdessen werden uns Gedanken aus den siebziger Jahren über männliche Rollenbilder als neu verkauft. Und so bleibt „Cry Macho“ ein Kommentar zu den Siebzigern aus der Perspektive der Siebziger.

Um nicht falsch verstanden zu werden: „Cry Macho“ ist kein wirklich schlechter Film. Er ist sogar, wenn man über die aus heutiger Sicht idiotische Prämisse, die hölzernen Dialoge und die doch etwas unglaubwürdige Liebesgeschichte hinwegsieht, ein ganz vergnüglicher und sehr versöhnlicher Neo-Western. Clint Eastwood inszenierte ihn gewohnt souverän als weiteres Alterswerk. Dieses Mal mit epischen Bildern des Wilden Westens und gefälliger Countrymusik.

Cry Macho (Cry Macho, USA 2021)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk, N. Richard Nash

LV: N. Richard Nash: Cry Macho, 1975

mit Clint Eastwood, Eduardo Minett, Natalia Traven, Dwight Yoakam, Fernanda Urrejola, Horacio Garcia Rojas

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Cry Macho“

Metacritic über „Cry Macho“

Rotten Tomatoes über „Cry Macho“

Wikipedia über „Cry Macho“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Halloween Kills“, aber nicht Laurie Strode und Michael Myers

Oktober 21, 2021

Nein, das ist kein Spoiler: Michael Myers überlebt diesen Film und er darf nächstes Jahr zurückkehren in „Halloween Ends“, dem Abschluss einer Trilogie, die David Gordon Green 2018 mit „Halloween“ begann. Mit dem Horrorfilm knüpfte er an John Carpenters „Halloween“ von 1978 an und ignorierte alle weiteren „Halloween“-Filme, die es seitdem gab.

Inzwischen ist Carpenters Film ein Horrorfilmklassiker, ein stilbildender Film und der Beginn eines äußerst langlebigen Franchises. John Carpenter beteiligte sich daran nur noch höchst peripher; Scream-Queen Jamie Lee Curtis, die im ersten „Halloween“-Film erfolgreich gegen den maskierten Mörder kämpfte, war mal dabei, mal nicht. Jetzt ist sie wieder dabei und jetzt ist die von ihr gespielte Laurie Strode eine von der damaligen Mordnacht, in der der Mörder Michael Myers aus Smith’s Grove Sanitarium ausbrechen und in Haddonfield mehrere Menschen ermordete, zutiefst traumatisierte Frau, deren Trauma niemals auch nur im Ansatz behandelt wurde. Stattdessen bereitete sie sich auf die Rückkehr des maskierten Mörders vor und nervte die Nachbarschaft mit Warnungen vor seiner Rückkehr. Die war dann 2018. Kritiker und Fans waren begeistert. Auch mir gefiel der Horrorfilm.

„Halloween Kills“ schließt nahtlos an „Halloween“ an und schlägt in Rückblenden einen Bogen zum ersten Film, der damit endete, dass die Strode-Familie Myers in ihr Haus lockt, ihm eine Falle stellt und in den Keller des brennenden Hauses einsperrt. Die im Kampf schwer verletzte Laurie Strode wird von ihrer Tochter und Enkeltochter zum städtischen Krankenhaus gefahren.

Zu Beginn von „Halloween Kills“ wird Laurie Strode schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Michael Myers ist immer noch im Keller von Strodes brennendem Haus gefangen. Eigentlich sollte er in den nächsten Minuten verbrennen. Aber die Feuerwehr rückt an. Während sie das Haus löscht, kann er aus seinem Kellergefängnis entkommen und alle anwesenden Feuerwehrleute umbringen. Das ist der Auftakt von einem neunzigminütigem Schlachtfest in dem wahrscheinlich mehr Menschen getötet werden als in allen bisherigen „Halloween“-Filmen zusammen.

Nach dem grandiosen „Halloween“ (2018) ist „Halloween Kills“ eine ziemliche Enttäuschung, die erkennbar als Mittelteil einer Trilogie konzipiert ist. Die Hauptfiguren dürfen nicht sterben. Also werden einige uninteressante Figuren, die teilweise bereits Myers‘ 1978er Mordnacht erlebten, eingeführt und schnell abgeschlachtet. Dazwischen gibt Jamie Lee Curtis als Laurie Strode den Jack Bauer. Kaum sind ihre Wunden versorgt und eigentlich sollte sie jetzt die nächsten Wochen, mit Tonnen Schmerzmittel, das Bett hüten, steht sie mit einem Ich-verstehe-keinen-Spaß-und-bin-sehr-verärgert-Gesichtsausdruck auf und zieht in ihre nächste Schlacht gegen Myers.

Dieser wird, davon ist sie überzeugt, zu ihr in Krankenhaus kommen.

In dem Krankenhaus hat sich inzwischen auch halb Haddonfield versammelt. Die einen, weil sie verletzt sind, Die anderen, weil sie Angehörige der Verletzten sind.

Die anderen Bewohner von Haddonfield beginnen mit einer von Panik getriebene Menschenjagd auf Myers. Denn diese Nacht soll der Bösewicht sterben.

Als dieser dann im Krankenhaus vermutet wird, liefert Green, wenn der Mob die Beute durch die Krankenhausgänge jagt, Bilder von panischen Menschenmassen, die an George A. Romeros „Zombie“ (Dawn of the Dead, 1978) erinnern.

Aber während bei Romero immer auch satirische und kapitalismuskritische Töne erkennbar sind, gibt es in „Halloween Kills“ nur eine platte Das-Monster-macht-uns zu Monstern-Botschaft. Im Wesentlichen wird sich in „Halloween Kills“ einfach die Zeit bis zum Abschluss der Trilogie mit sinnlosem Mord & Totschlag vertrieben. Denn Michael Myers bringt einfach jeden um, den er trifft (und er trifft viele Menschen). Dabei wird er zunehmend unbesiegbarer.

„Halloween Kills“ ist eine ziemlich stupide und damit auch langweilige Angelegenheit.

Halloween Kills (Halloween Kills, USA 2021)

Regie: David Gordon Green

Drehbuch: Scott Teems, Danny McBride, David Gordon Green (basierend auf Figuren von John Carpenter und Debra Hill)

mit Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, Will Patton, Thomas Mann, Anthony Michael Hall, Robert Longstreet, Dylan Arnold, Nancy Stephens, Kyle Richards

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Halloween Kills“

Metacritic über „Halloween Kills“

Rotten Tomatoes über „Halloween Kills“

Wikipedia über „Halloween Kills“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Gordon Greens „Die Wahlkämpferin“ (Our Brand is Crisis, USA 2015)

Meine Besprechung von David Gordon Greens „Halloween“ (Halloween, USA 2018)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Venom: Let there be Carnage“, Mord, Totschlag und demolierte Wohnungen

Oktober 21, 2021

Nach dem ersten „Venom“-Film, in dem Eddie Brock (Tom Hardy) und Venom, der außerirdische Symbiont, sich aneinander gewöhnten, leben sie inzwischen zusammen. Oder genauer gesagt: Venom lebt in seinem Wirtskörper Eddie Brock und bereitet ihm Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Manchmal streckt er seinen Kopf und seine Arme aus Brock raus. Aber die meiste Zeit ist er nicht zu sehen. Denn der Anblick könnte einige Menschen verunsichern.

Die aus ihrer Wohnung kommenden Geräusche ebenso. Das beginnt mit der geräuschvollen Zubereitung des Frühstücks, das zu einem guten Teil auf dem Boden landet. Und wenn die beiden sich streiten, endet das schon eimmal in einer „Fight Club 2.0“-Schlägerei, bei der sich Brock eine blutige Nase holt, die Einrichtung, Decken und Wände zerstört werden und der neue Fernseher (Brocks ganzer Stolz) aus dem Fenster fliegt. Danach dürfte jeder von den Annehmlichkeiten des Single-Lebens überzeugt sein.

Die Essensgewohnheiten von Venom sind dagegen, jedenfalls für uns Zuschauer, schon etwas vergnügllicher. Denn Venom möchte am liebsten ständig Gehirne, bevorzugt Menschengehirne, essen. Brock versucht ihn davon abzuhalten.

Damit dürfte die Rollenverteilung zwischen Brock und Venom klar sein. Venom ist der böse Geist, der zerstörungswütige Anarchist, das triebgesteuerte Kleinkind, während Brock die Ratio verkörpert – und ständig aussieht, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen. Wobei er wahrscheinlich viel länger nicht mehr richtig geschlafen hat.

Venom ist eine Marvel-Figur, die 2018 erstmals von Tom Hardy gespielt wurde. Der von „Zombieland“-Regisseur Ruben Fleischer inszenierte Film war kein guter Film, aber er war an der Kinokasse überaus sehr erfolgreich. Für die Fortsetzung konzentrierten die Macher sich dann auf die Stärke der Figur Venom, die ein sarkastisches, moralbefreites Monster ist. Damit sind seine Kommentare über die Menschen und seine Lösungsvorschläge immer gut für einen Lacher.

Für den zweiten Film, der mit neunzig Minuten (ohne Abspann) erfrischend kurz ist, erfanden die Macher eine Geschichte, die einfach nur eine weitere, für sich selbst stehende und damit eigenständige „Venom“-Geschichte ist und außerhalb der anderen Marvel-Filme steht; jedenfalls noch. Denn die Abspannsequenz deutet ein Crossover an.

Es geht um Cletus Kasady (Woody Harrelson). Der zum Tod verurteilte Serienkiller sitzt im San Quentin State Prison und ist bereit, mit dem Journalisten Eddie Brock über seine Taten zu reden. Brock ist als Reporter immer hungrig nach einer Schlagzeile und selbstverständlich einverstanden.

Bei einem seiner Besuche wird er von Kasady in den Finger gebissen. Diese Blutübertragung führt dazu, dass sich in Kasadys Körper ein Wesen entwickelt, das Venom sehr ähnelt und Carnage heißt. Zusammen mit Carnage kann Kasady ausbrechen und eine von ihm genussvoll zelebrierte blutige Spur der Verwüstung hinterlassen. Er will zu seiner großen Liebe aus Kindertagen. Frances Barrison (Naomie Harris), die mit ihrer Stimme töten kann, sitzt noch im Hochsicherheitstrakt des Ravencroft Institute.

Brock und Venom, die sich auch gerade massiv zerstritten haben, wollen das Schlimmste verhindern. Dafür müssen sie Kasady und Carnage töten.

Mehr Plot braucht Andy Serkis im zweiten „Venom“-Film nicht. Es ist eine einfache Geschichte, die auf Nebengeschichten verzichtet und unabhängig von dem ersten „Venom“-Film genossen werden kann. Die Figuren sind reichlich eindimensional, aber die Schauspieler haben ihren Spaß mit ihnen und erfüllen sie so mit Comic-Leben. Ihre Ziele sind klar herausgearbeitet. Der daraus entstehende Konflikt zwischen Brock/Venom und Kasady/Carnage ebenso.

Und so ist „Venom: Let there be Carnage“ einfach ein schönes kleines Schlachtfest.

Venom: Let there be Carnage (Venom: Let there be Carnage, USA 2021)

Regie: Andy Serkis

Drehbuch: Kelly Marcel (nach einer Geschichte von Tom Hardy und Kelly Marcel) (basierend auf der von Todd McFarlane und David Michelinie erfundenen Marvel-Figur Venom)

mit Tom Hardy, Woody Harrelson, Michelle Williams, Naomie Harris, Reid Scott, Stephen Graham, Peggy Lu, Sian Webber

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (eine erstaunliche Entscheidung. Ich hätte zu FSK-16 tendiert.)

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Venom: Let there be Carnage“

Metacritic über „Venom: Let there be Carnage“

Rotten Tomatoes über „Venom: Let there be Carnage“

Wikipedia über „Venom: Let there be Carnage“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)


TV-Tipp für den 21. Oktober: Die Taschendiebin

Oktober 20, 2021

Servus TV, 22.20

Die Taschendiebin (The Handmaiden, Südkorea 2016)

Regie: Park Chan-wook

Drehbuch: Seo-kyeong Jeong, Park Chan-wook

LV: Sarah Waters: Fingersmith, 2002 (Solange du lügst)

In dem ruhig erzählten Krimidrama „Die Taschendiebin“ mit einige erzählerischen Finessen erzählt Park Chan-wook in wunderschönen Bildern die Geschichte von dem jungen und naiven Dienstmädchen Sookee, das im Korea der dreißiger Jahre auf einem einsam gelegenem Anwesen Lady Hideko dienen soll. Sie lebt dort mit ihrem Onkel, der über eine große Bibliothek erotischer Bücher verfügt, die er in besonderen Lesungen meistbietend verkauft.

Sookee ist allerdings kein normales Dienstmädchen, sondern eine Betrügerin die alles für Graf Fujiwara vorbereiten soll. Der Graf will Lady Hideko verführen, heiraten und um ihr Vermögen bringen. Aber auch Sookee verliebt sich in die Hausherrin.

mit Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong, Kim Hae-sook, Moon So-ri

Hinweise

Moviepilot über „Die Taschendiebin“

Metacritic über „Die Taschendiebin“

Rotten Tomatoes über „Die Taschendiebin“

Wikipedia über „Die Taschendiebin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks “Stoker” (Stoker, USA 2012)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ (The Handmaiden, Südkorea 2016)


TV-Tipp für den 20. Oktober: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Oktober 19, 2021

Arte, 20.15

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder, gewohnt produktiv, im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Hinweise

Moviepilot über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Honest Trailers über die Sean-Connery-James-Bond-Filme

Oktober 19, 2021

Honest Trailers hat sich die James-Bond-Filme mit Sean Connery vorgenommen:

Wenn ich den Trailer richtig interpretiere, werden ehrliche Trailer über die anderen Bond-Darsteller folgen.

Bis dahin gibt es noch einen Kommentar zum Trailer, der viel länger als der Trailer ist. Also eher ein Gespräch über den Trailer:


Cover der Woche

Oktober 19, 2021


TV-Tipp für den 19. Oktober: Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße

Oktober 18, 2021

WDR, 23.40

Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße (Deutschland 1973)

Regie: Samuel Fuller

Drehbuch: Samuel Fuller

In Bonn entdeckt Zollfahnder Kressin in der Beethovenstraße die Leiche eines New Yorker Privatdetektivs. Nachdem Kressin schwer verletzt im Krankenhaus landet, macht sich Sandy, der Partner des Toten, auf die Mörderjagd.

Herrlich abgedrehter „Tatort“, der in den USA im Kino lief. Mit einem gewöhnlichen „Tatort“ hat diese tote Taube nichts zu tun.

Die Musik ist von der legendären Krautrock-Band Can.

mit Sieghardt Rupp, Glenn Corbett, Christa Lang, Anton Diffring, Eric P. Caspar, Hans C. Blumenberg, Anthony Chin, Alex d’Arcy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße“

Wikipedia über „Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Samuel Fullers „Der nackte Kuss“ (The naked kiss, USA 1964)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Wer werden nicht zusammen alt

Oktober 17, 2021

Arte, 20.15

Wir werden nicht zusammen alt (Nous ne villirons pas ensemble, Frankreich/Italien 1972)

Regie: Maurice Pialat

Drehbuch: Maurice Pialat (nach seinem Roman)

Selten gezeigtes Drama von Maurice Pialat über eine jahrelange, schwierige Beziehung zwischen einer jungen Frau und einem verheirateten, gewalttätigem Regisseur.

Jean Yanne erhielt für sein Spiel in Cannes den Preis als bester Darsteller.

„Ein nüchterner, überzeugender Bericht, der psychologische Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen beleuchtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Zu Pialats späteren und bekannteren Werken gehören „Der Loulou“ (Loulou, 1980), „Der Bulle von Paris“ (Police, 1985), „Die Sonne Satans“ (Sous le soleil de Satan, 1987) und „Van Gogh“ (1991).

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte die brandneue knapp einstündige Doku „Maurice Pialat – Außenseiter der französischen Filmwelt“.

Mit Marlène Jobert, Jean Yanne, Macha Méril

Hinweise

AlloCiné über „Wir werden nicht zusammen alt“

Rotten Tomatoes über „Wir werden nicht zusammen alt“

Wikipedia über „Wir werden nicht zusammen alt“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 17. Oktober: Der seidene Faden

Oktober 16, 2021

Arte, 20.15

Der seidene Faden (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

London, 1955: Edelschneider Reynolds Woodcock ist der Star der Modewelt. Jeder erträgt klaglos seine Marotten. Als er sich in die Kellnerin Alma verliebt und diese nicht daran denkt, seine Wünsche bedingungslos zu erfüllen, beginnt ein Machtkampf im Haus Woodock.

TV-Premiere. In jeder Beziehung sehr gelungenes Drama, das rückblickend betrachtet auch ein äußerst gelungener Noir-Krimi mit Anklängen an Alfred Hitchcocks Daphne-du-Maurier-Verfilmung „Rebecca“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.20 Uhr, zeigt Arte die fünfzigminütige brandneue Doku „Daniel Day-Lewis – Der Weg zum weltbesten Schauspieler“, der sich mit „Der seidene Faden“ in den Ruhestand verabschiedete.

mit Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville, Brian Gleeson, Sue Clark, Harriet Sansom Harris, Lujza Richter

Wiederholung: Dienstag, 19. Oktober, 13.50 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Der seidene Faden“

Metacritic über „Der seidene Faden“

Rotten Tomatoes über „Der seidene Faden“

Wikipedia über „Der seidene Faden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Bugsy

Oktober 15, 2021

One, 22.00

Bugsy (Bugsy, USA 1991)

Regie: Barry Levinson

Drehbuch: James Toback

„LV“: Dean Jennings: We Only Kill Each Other: The Life and Bad Times of Bugsy Siegel, 1967 (Buch wurde von James Toback als Materialquelle benutzt)

Selten gezeigtes Biopic über den Gangster Bugsy Siegel (1906 – 1947), der in den Dreißigern vom Showbiz fasziniert war und in der Wüste das Glücksspielparadies Las Vegas aufbauen wollte.

„Levinson fügt dem Gangsterfilm in einer temporeichen und kraftvoll-vitalen Inszenierung nichts wesentliche Neues hinzu, aber er befreit die Gattung von Pathos und Botschaften, Moral und Emphase.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Der Film gewann unter anderem den Golden Globe als bester Spielfilm.

mit Warren Beatty, Annette Bening, Harvey Keitel, Ben Kingsley, Elliott Gould, Joe Mantegna, Richard Sarafian, James Toback

Wiederholung: Sonntag, 17. Oktober, 23.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bugsy“

Wikipedia über „Bugsy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Barry Levinsons „The Bay – Nach Angst kommt Panik“ (The Bay, USA 2012)

Meine Besprechung von Barry Levinsons „Rock the Kasbah“ (Rock the Kasbah, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“, jetzt geht es in die Schule

Oktober 15, 2021

Fünf Jahre nach dem an der Kinokasse sehr erfolgreichem Animationsfilm„Boss Baby“ erzählt „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“ eine weitere Geschichte aus dem Leben der Familie Templeton. Die damaligen Babys sind inzwischen erwachsen. Ted ist der erzkapititalistische Chef einer riesigen Firma und vor allem an Weihnachten spendabel. Sein Bruder Tim ist glücklich verheiratet und liebevoller Vater von zwei Mädchen, für die er immer Zeit hat. Tina ist noch ein Baby. Ihre siebenjährige Schwester Tabitha ist überaus ehrgeizig, bewundert Ted und will so schnell wie möglich wie er werden. Wir können sie uns als eine 150-prozentige weibliche Version von Christian Lindner vorstellen. Selbstverständlich ist sie die Klassenbeste. Sie besucht das Acorn Center for Advanced Childhood. Auf dieser Eliteschule bahnt sich eine Katastrophe an. Denn der Schuldirekter Dr. Erwin Armstrong will mit seinen Schülern die Welt beherrschen. Er ist, salopp gesagt, der typische größenwahnsinnige James-Bond-Bösewicht mit einem teuflischen Plan.

Verhindern können den nur die Templetons. Die Baby Corp., hier vertreten durch Baby Tina, verjüngt dafür die Brüder Tim und Ted auf Baby-/Kleinkindalter und gemeinsam mit Tabitha, die nichts davon weiß, betreten sie die Schule.

„Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“ ist ein rätselhafter Film. Nicht wegen der Handlung. Die ist, auch wenn sie in unzählige unzusammenhängende Episoden und Nebenstränge zerfällt, ziemlich simpel.

Vollkommen unklar ist dagegen das von Regisseur Tom McGrath und Drehbuchbautor Michael McCullers, die bereits gemeinsam „Boss Baby“ erzählten, anvisierte Zielpublikum. Ihr Animationsfilm ist einerseits eine Abfolge von Gags, die einer rein episodischen Dramaturgie gehorchen und immer wieder in lärmend-anspruchslosem, oft auch nervigem Klamauk enden. Das kann sogar ein unaufmerksames Kind verfolgen. Ihm wird auch die fehlende erzählerische Kohärenz nicht auffallen. Stattdessen geschieht ständig irgendetwas. Es ist laut. Es ist bunt.

Andererseits ist die von Baby Corp. und den anderen Figuren verfolgte Ideologie und auch die Konflikte der einzelnen Figuren (soweit vorhanden) für Erwachsene gedacht. Denn welches Kind interessiert sich schon für den Konflikt des Vaters zwischen Beruf und Familie, seinen Ambitionen und der Realität? Welches Kind versteht die hier verfochtene erzkapititalistische Ideologie? Welches Kind fragt sich, welche Probleme Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder haben? Das sind durchaus wichtige Fragen. Es sind allerdings Fragen und Probleme, für die sich kein Kind (und auch kein Teenager) interessiert. Es sind Fragen für Erwachsene, die auf ihre erste Midlife-Crisis zusteuern. Für dieses Publikum werden diese Fragen allerdings, zwischen plattem Klamauk, viel zu platt behandelt.

„Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“ ist wie ein umgedrehter Pixar-Film. Während es den Pixar-Filmen gelingt, gleichzeitig Kinder und Erwachsene auf einem hohen Niveau anzusprechen, gelingt das dem zweiten „Boss Baby“-Film nie. Dieser Animationsfilm ist das Negativ eines Pixar-Films.

Boss Baby – Schluss mit Kindergarten (The Boss Baby: Family Business, USA 2021)

Regie: Tom McGrath

Drehbuch: Michael McCullers (nach einer Geschichte von Tom McGrath und Michael McCullers)

mit (im Original den Stimmen von) Alec Baldwin, James Marsden, Amy Sedaris, Ariana Greenblatt, Jeff Goldblum, Eva Longoria, Jimmy Kimmel, Lisa Kurdrow, Tom McGrath

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) K. Dieter Klebsch, Timmo Niesner, Irina Bentheim, Samira Özcan, Hans Bayer, Sally Öczan, Karlo Hackenberger, Ulrike Stürzbecher

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“

Metacritic über „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“

Rotten Tomatoes über „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“

Wikipedia über „Boss Baby – Schluss mit Kindergarten“


TV-Tipp für den 15. Oktober: Für ein paar Dollar mehr

Oktober 14, 2021

Bayern, 22.45

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ridley Scotts Mittelalterdrama „The last Duel“

Oktober 14, 2021

Natürlich ist das titelgebende „The Last Duel“ nicht wirklich das letzte Duell, sondern das Duell vom 29. Dezember 1386 ist das letzte gerichtlich verbürgte Duell in Frankreich. Aber es ist ein guter Filmtitel. Mit dem Duell sollte herausgefunden werden, ob Jacques Le Gris Marguerite de Carrouges vergewaltigt hatte. Solche Gerichtskämpfe, bei denen durch einen Kampf herausgefunden wurde, wer die Wahrheit sagt, waren damals schon eine Seltenheit.

Dieses Duell, die Schuldfrage und ob Marguerite de Carrouges vergewaltigt wurde, wurden seitdem, mehr oder weniger farbig ausgeschmückt, weiter erzählt. 2004 schilderte Eric Jager, nach zehnjähriger Recherche, in „The Last Duel“ das Duell. Matt Damon wurde auf das Buch aufmerksam. Er sprach Ridley Scott, mit dem er bereits bei „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ zusammengearbeitet hat, darauf an. Und er schrieb zusammen mit Ben Affleck und Nicole Holofcener das Drehbuch, bei dem vor allem seine Erzählstruktur auffällt. Denn die Ereignisse werden hintereinander, in drei ungefähr gleich langen Blöcken von jeweils ungefähr 45 Minuten geschildert. Zuerst werden die Ereignisse aus der Sicht von Jean de Carrouges (Matt Damon), dann von Jacques Le Gris (Adam Driver) und abschließend von Marguerite de Carrouges (Jodie Comer) geschildert. Holofcener („Genug gesagt“, „Can you ever forgive me?“) war vor allem für diesen Teil zuständig.

Carrouges und Le Gris sind alte Kampfgefährten und Freunde, die gemeinsam zahlreiche Kämpfe überlebten. Carrouges heiratete 1380 Marguerite de Thibouville. Durch die Heirat erhoffte er auch, seine prekäre finanzielle Situation zu verbessern. Trotzdem muss er immer wieder als Ritter in Kämpfe ziehen. Le Gris, Sohn eines normannischen Gutsherrn, beginnt währenddessen für Graf Pierre d’Alencon (Ben Affleck) zu arbeiten und Geld einzutreiben.

Während Carrouges auf einem Feldzug ist, hat Marguerite die Aufsicht über den Hof (und sie ist dabei wesentlich geschäftstüchtiger als ihr Mann). Als sie allein in der Burg ist, dringt Le Gris ein und vergewaltigt sie. Das behauptet sie jedenfalls später gegenüber ihrem Mann. Die Forschung, die sich in diesem Fall auf ungewöhnlich viele gut erhaltene und umfangreiche Dokumente stützen kann, interpretierte die Schuldfrage unterschiedlich. Jager geht in seinem Buch davon aus, dass Le Gris Marguerite vergewaltigte. Der Film folgt ihm darin.

Carrouges fordert Gerechtigkeit. Nachdem d’Alencon sie ihm nicht gewährt, zieht er vor den Justizpalast in Paris. Dort entscheidet der zuständige Richter, dass das Urteil durch ein Gottesurteil gefällt werden soll.

Diese Geschichte erzählt Ridley Scott, wie gesagt, aus drei verschiedenen Perspektiven. Das ist eine gute Idee, um ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und jede neue Perspektive kann zu weiteren Erkenntnissen führen. Dominik Moll zeigt die Möglichkeiten dieser Herangehensweise in seiner letzte Woche gestarteten Colin-Niel-Verfilmung „Die Verschwundene“. Bei Scott unterscheiden sich die drei Perspektiven kaum. Sie wirken daher wie fast identische Wiederholungen einer Geschichte. Das ist dann arg redundant und langweilt auch.

Gleichzeitig wird offensichtlich, wie sehr der Vorwurf der Vergewaltigung und die Empörung von Carrouges über die Vergewaltigung seiner Frau und seine Versuche, den Täter in einem Gerichtsverfahren verurteilen zu lassen, alle andere Erklärungen und Motive aus dem Film verdrängt. In dem Moment erscheint Carrouges wie ein eifriger Kämpfer für die Rechte der Frauen. Dabei heiratete er Marguerite wegen ihrer Mitgift und als zukünftige Mutter eines Erben. Ihr Geschlechtsverkehr kann mühelos als lustlose Vergewaltigung in der Ehe beschrieben werden.

Genau dieses rein instrumentelle Verhältnis zu seiner Frau führt zur Frage, warum Carrouges seine Klage gegen Le Gris so stur und eifrig weiterbetrieb. Seine ständigen finanziellen Probleme, die ihm verwehrten Positionen und Ämter, auf die er, mehr oder weniger zu Recht, Anspruch gehabt hätte und verlorene Klagen gegen Graf d’Alencon und damit den König von Frankreich liefern Ansätze für eine andere mögliche Erklärung. Das alles wird im Film auch erwähnt, aber als Erklärung für Carouges‘ Verhalten nie weiter thematisiert. Andere Erklärungen und Interpretationen für sein Verhalten werden überhaupt nicht erwähnt.

So bleibt „The Last Duel“ vor allem als mittelalterliche Soap-Opera über gekränkte männliche Eitelkeiten in Erinnerung. Daran ändert auch die dritte, aus Marguerites Perspektive erzählte und endgültige Interpretation der Ereignisse nichts. Denn zwei Drittel des Films werden aus der Perspektive von zwei Männern erzählt und sie bestimmen die Handlung.

Scott inszenierte diese wahre Geschichte in dunklen grau-schwarzen Bildern und einem sehr brutalen Duell am Filmende.

The Last Duel (The Last Duel, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Ben Affleck, Matt Damon, Nicole Holofcener

LV: Eric Jager: The Last Duel: A True Story of Trial by Combat in Medieval France, 2004

mit Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Nathaniel Parker, Harriet Walter, Marton Csokas, Adam Nagaitis, Alex Lawther

Länge: 153 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „The Last Duel“

Metacritic über „The Last Duel“

Rotten Tomaotes über „The Last Duel“

Wikipedia über „The Last Duel“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beteiligt sich an der Wahrheitsfindung

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Oktober: Die Wütenden – Les Misérables

Oktober 13, 2021

Servus TV, 22.15

Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti

Ein ganz normaler Sommertag in Clichy-Montfermeil, einem sozialen Brennpunkt östlich von Paris: Polizisten, darunter ein Neuling bei seinem ersten Arbeitstag, und Kleingangster kennen und bekriegen sich.

TV-Premiere. Rundum überzeugendes Ghettodrama. Einer meiner Kino!filme des Jahres 2020.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar

Wiederholung: Freitag, 15. Oktober, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Wütenden – Les Misérables“

Moviepilot über „Die Wütenden – Les Misérables“

Metacritic über „Die Wütenden – Les Misérables“

Rotten Tomatoes über „Die Wütenden – Les Misérables“

Wikipedia über „Die Wütenden – Les Misérables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


„Ihr Fall, Inspector Morse“ sagt Colin Dexter

Oktober 13, 2021

Nachdem der Unionsverlag alle dreizehn Inspector-Morse-Romane in überarbeiteten Übersetzungen neu veröffentlichte, schließt der Verlag seine verdienstvolle Colin-Dexter-Werkausgabe mit einer vollständigen Neuausgabe von „Ihr Fall, Inspector Morse“ ab. Denn in der ersten deutschen Ausgabe fehlte eine Kurzgeschichte. Nach der Veröffentlichung dieser Kurzgeschichtensammlung 1993 schrieb Dexter, hauptsächlich nach der Jahrtausendwende, noch sieben weitere Kurzgeschichten. Diese wurden bis jetzt nicht gesammelt in einem Buch veröffentlicht und sie wurden, soweit ich weiß, auch nicht übersetzt.

Wer also das gesamte Werk von Colin Dexter, dem Erfinder von Inspector Endeavour Morse und seinem Gehilfen Sergeant Robert Lewis, haben möchte, muss sich auf eine kleine Suchtour begeben. Und Englisch können.

Für die weniger eifrigen Komplettisten dürften die elf in „Ihr Fall, Inspector Morse“ gesammelten Kurzgeschichten reichen. Denn die Geschichten, sechs mit Inspector Morse, fünf ohne ihn, erreichen nie die Qualität seiner Romane. Teils wirken sie wie spontane Ideen oder Szenen, die es nicht in einen der Morse-Romane, geschafft haben. Teils wie Skizzen für einen Roman, die dann doch nicht weiter verfolgt wurden. Das gilt vor allem für die Geschichten, in denen Morse einen Mord aufklären muss. Die Schlußpointen sind vor allem deshalb überraschend, weil sie fast immer aus dem heiterem Oxford-Himmel kommen.

Sehr gelungen ist seine Sherlock-Holmes-Geschichte „Eine falsche Identität“. Sie liefert nämlich hintereinander mehrere überzeugende Erklärungen für das seltsame Verhalten eines potentiellen Bräutigams und zeigt damit, wie eine gute Rätselgeschichte funktioniert.

„Ihr Fall, Inspector Morse“ ist vor allem ein Buch, für die Gesamtleser von Colin Dexter. Für sie ist der Sammelband ein schöner Abschluss. Neueinsteiger sollten dagegen mit einem von seinen Inspector-Morse-Kriminalromanen anfangen; – allerdings besser nicht mit seinem letzten, sondern mit irgendeinem früheren Fall.

–

Colin Dexter: Ihr Fall, Inspector Morse

(übersetzt von Peter Torberg, Almut Carstens, Christa Früh, Ute Tanner, Elfi Hartenstein, Elke Bahr, Karin Polz, Wolfram Hämmerling, Thomas Weidemann)

Unionsverlag, 2021

256 Seiten

12,95 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1995

–

Die Geschichte „So gut wie Gold“ wurde erstmals ins Deutsche übersetzt.

–

Originalausgabe

Morse’s Greatest Mystery and other Stories

Macmillan, London, 1993

–

Der letzte Inspector-Morse-Roman

Colin Dexter: Der letzte Tag

(übersetzt von Ute Tanner)

Unionsverlag, 2021

352 Seiten

13,95 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Und kurz ist unser Leben

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2000

–

Originalausgabe

The Remorseful Day

Macmillan, London, 1999

–

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)

Mein Geburtstagsgruß an Colin Dexters

Meine Hinweis auf Colin Dexters „Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse“ (The Secret of Annexe 3, 1986) (und weitere Weihnachtskrimis. Wer also schon jetzt ein Geschenk für Weihnachten sucht.)


TV-Tipp für den 13. Oktober: Die Wahrheit über Lolita

Oktober 12, 2021

Arte, 21.55

Die Wahrheit über Lolita (Frankreich 2021)

Regie: Olivia Mokiejewski

Drehbuch: Olivia Mokiejewski

Brandneue knapp einstündige Doku über Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ und seine Folgen.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 13. März 2022)

Wikipedia über „Lolita“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Oktober 12, 2021


TV-Tipp für den 12. Oktober: Manche mögen’s heiß

Oktober 11, 2021

HR, 23.15

Manche mögen’s heiß (Some like it hot, USA 1959)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond (nach einer Geschichte von Robert Thoeren und Michael Logan)

Chicago, während der Prohibition: die beiden Musiker Jerry und Joe beobachten den Mord an mehreren Gangstern. Um nicht ebenfalls ermordet zu werden, flüchten sie. In Frauenkleidern verstecken sie sich in einer nur aus Frauen bestehenden Band.

Klassiker. Seltsamerweise war die im TV doch ziemlich oft gezeigte Komödie hier noch nie der Tagestipp. Naja, niemand ist perfekt.

mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon, Tony Curtis, George Raft, Pat O’Brien, Joe E. Brown, Edward G. Robinson Jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Manche mögen’s heiß“

Wikipedia über „Manche mögen’s heiß“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Stefan Ruzowitzkys sehenswerten Serienkiller-Noir „Hinterland“

Oktober 11, 2021

Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehren Peter Perg (Murathan Muslu) und seine Männer aus dem Krieg zurück in ein Wien, das sie nicht wieder erkennen. Als sie in den Krieg zogen war Österreich ein Kaiserreich. Jetzt gehört Österreich zu den Verlierern, einen Kaiser gibt es nicht mehr, es ist kleiner und eine Republik. Sie kämpften auf der falschen Seite für die falsche Sache. Niemand erwartet diese Verlierer.

In Wien kehrt Perg in seine alte Wohnung zurück. Seine Frau ist mit ihrem Kind zu ihrer Schwester aufs Land gezogen. Noch ehe Perg sich wirklich Gedanken über sein weiteres Leben machen kann, wird der frühere Kriminalinspektor in einen Mordfall verwickelt. Ein Serienkiller ermordet einen Oberleutnant aus Pergs Truppe, verstümmelt ihn und stellt die Leiche aus.

Zusammen mit der Gerichtsmedizinerin Theresa Körner (Liv Lisa Fries), die er von früher kennt, und dem jungen Kommissar Paul Severin (Max von der Groeben) beginnt er den Serienmörder zu suchen.

Gut, die Geschichte von Stefan Ruzowitzkys neuem Film „Hinterland“ ist ein 08/15-Serienkillerthriller, in dem der Mörder munter seine Taten begeht, die Opfer anschließend fotogen ausstellt, der Ermittler tapfer aufklärt und dem Mörder am Schluss die Maske vom Gesicht reißt. Dabei ist seine Identität sekundär. Schließlich ist „Hinterland“ kein klassischer Rätselkrimi, bei dem der Ermittler in einer Schar hochgradig verdächtiger Menschen den Täter finden muss.

Diese Mordermittlung bildet das Rückgrat für die atemberaubende Gestaltung des Films. Denn Ruzowitzky drehte seinen neuen Film fast ausschließlich im Studio vor Blue Screens. D. h. letztendlich, dass die Schauspieler wie in einem Theater vor einem nackten Hintergrund spielten, Benedict Neuenfels das aufnahm und Ruzowitzky, zusammen mit Oleg Prodeus und Ronald Grauer als Digital Designer, später diese einfügte. Dabei ging es ihnen nie um Realismus, sondern um, so Ruzowitzky, „eine digitale Version des Stummfilmklassikers ‚Das Kabinett des Dr. Caligari’“. Diesen expressionistischen Stil hält er vom ersten bis zum letzten Bild durch. Es handelt sich um ein künstliches Wien, das in jedem Bild seine Künstlichkeit betont und zeigt, wie derangiert und auch verrückt Perg, die anderen Kriegsheimkehrer und ganz Österreich sich fühlen.

Es sind Bilder, die auf die große Leinwand gehören – und auch in einem Comic gut aufgehoben wären.

Hinterland (Österreich/Luxemburg/Belgien/Deutschland 2021)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Robert Buchschwenter, Hanno Pinter, Stefan Ruzowitzky

mit Murathan Muslu, Liv Lisa Fries, Maximilian von der Groeben, Marc Limpach, Matthias Schweighöfer, Stipe Erceg

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Filmportal über „Hinterland“

Moviepilot über „Hinterland“

Rotten Tomatoes über „Hinterland“

Wikipedia über „Hinterland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Das radikal Böse“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Die Hölle – Inferno“ (Österreich/Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Narziss und Goldmund“ (Deutschland 2020)

–

„Hinterland“-Pressekonferenz beim Locarno Film Festival (Schweigen wir über die Kamera. Der Ton ist wichtiger)