Meistens; – oder anders gesagt: in den Romanen, die ich von Philippe Djian kenne, geht es um Sex, Drogen, Verbrechen, oft Mord, und eigentlich immer um überbordende Gefühle. Sein dritter Roman „Betty Blue“ ist, auch dank der grandiosen Verfilmung von Jean-Jacques Beineix, sein bekanntester Roman. „Oh…“, bzw. Paul Verhoevens Verfilmung „Elle“, dürfte das bekannteste neuere Werk des Schriftstellers sein.
Mit seinem neuen Roman „Die Ruchlosen“, eigentlich eher eine Novelle, kreist er wieder um seine bekannten Themen. Der 32-jährige Marc lebt bei seiner fast zwanzig Jahre älteren Schwägerin Diana. Sie ist Zahnärztin, Witwe, hat eher milde psychische Probleme und sieht, so denkt Marc, für ihr Alter immer noch verdammt gut aus. Er findet sie auch sexuell attraktiv. Allein dieses Zusammenleben mit absehbaren emotionalen und sexuellen Verwicklungen könnte in dem Küstenort schon für Probleme sorgen.
Aber es kommt schlimmer. Denn eines Tages findet Marc am Strand drei Päckchen Koks, die er gewinnbringend anlegen möchte. Das sorgt zwischen Marc, Diana, ihren leicht psychotischen Freunden und einigen Gangstern, denen das Koks gehört, für Ärger. Kurz darauf steht Marc vor der ersten Leiche.
„Die Ruchlosen“ oder, im Original, „Die Ungerechten“, nennt Philippe Djian die Gruppe Freunde, die verschieden alt sind, sich in der Kleinstadt gefunden haben und jetzt, mangels gesellschaftlicher Alternativen, miteinander auskommen müssen. Sie alle haben psychischen Probleme und oft auch körperlichen Gebrechen. Sie alle sind auch höchst unsympathisch.
Das wäre kein Problem, wenn Djian es schaffen würde, dass ich mich für sie, ihre Probleme, Wünsche und Ziele interessieren würde. Aber daran scheint er in seinem oft sehr kryptisch geschriebenem Roman kein Interesse zu haben. Auch der Plot ist mehr erahn- als erkennbar.
Insgesamt gehört „Die Ruchlosen“ zu den Romanen von Djian, die mich absolut nicht ansprechen und wenn er nicht so kurz geraten wäre, hätte ich ihn nicht zu Ende gelesen.
Im Wald wird eine junge Frau erschossen. Als Kommissar Haferkamp in einem Wochenendhaus die Tatwaffe entdeckt, gesteht der Vater des Tatverdächtigen die Tat. Der Fall könnte gelöst sein, wenn der Vater kein perfektes Alibi hätte.
Ein alter Haferkamp-Tatort und eine Reise in die alte Bundesrepublik.
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Agnes Finck, Herbert Fleischmann, Dieter Schidor, Gracia-Maria Kaus
Les Doges ist ein Ort in den Cévennes, dem südöstlichsten Teil des französischen Zentralmassivs, und, wenn man Frank Bouysse glauben will, hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten wenig bis nichts geändert. Sein Roman spielt zwar im Januar 2006, aber sie könnte genausogut in den Fünfzigern spielen. Die Bauern haben schon Autos, Traktoren und Telefone. Also Festnetz. Handys haben in den Bergen kein Netz.
Hier leben seit Jahrzehnten Gus, sein Hund Mars und sein Nachbar Abel. Dieser ist mit über siebzig Jahren ungefähr zwanzig Jahre älter als Gus. Beide leben allein. Haben wenig Kontakt zum Rest der Welt und auch ziemlich wenig Kontakt zueinander. Manchmal helfen sie sich mit Geräten aus. Manchmal trinken sie ein Glas Wein zusammen. Aber letztendlich sind beide Männer schweigsame Einsiedler.
Als Gus an einem Januarmorgen einen Schuss hört, seltsame Spuren im Schnee sieht und Blut entdeckt, ist das, immerhin ist „Rauer Himmel“ im Polar Verlag erschienen, der Auftakt für eine Kriminalgeschichte. Auch wenn sehr lange unklar bleibt, was auf dem Hof von Abel geschah und damit auch unklar ist, ob wirklich ein Mensch verletzt oder getötet wurde oder ob mit Gus die Fantasie durchgeht.
Der 1965 geborene Frank Bouysse zog 2013 in einen verlassenen Weiler im Départment Corrèze, das im Nordwesten des Zentralmassiv liegt. Dort schrieb er, wie Alf Mayer im Nachwort erzählt, die Geschichte neben seiner Arbeit als Gartenbauleher in einer Berufsbildungsstätte. Er hatte schon einige Romane veröffentlicht. Aber er dachte nicht, dass sich irgendjemand für diese Regionalgeschichte interessieren könnte. Ein Freund überredete ihn, das Manuskript einem Verlag anzubieten. Es wurde veröffentlicht und war ein Erfolg.
„Rauer Himmel“ ist ein gelungener Noir, bei dem die Beschreibung des bäuerlichen Lebens eindeutig im Vordergrund steht. Bouysses Roman ist eine gute Ergänzung zu Colin Niels „Nur die Tiere“ (Seules les bêtes, 2017), der ebenfalls im Zentralmassiv spielt und in dem die Bauern ebenfalls am Existenzminimum leben.
Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)
Regie: Jay Roach
Drehbuch: Charles Randolph
TV-Premiere. Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.
Anschließend, um 23.55 Uhr, zeigt das ZDF im Rahmen seines #MeToo-Abends (der ruhig früher hätte beginnen können), ebenfalls als TV-Premiere, die spielfilmlange Doku „Unantastbar – Der Fall Harvey Weinstein“ (Großbritannien 2019).
Eine feine Idee hatte Studiocanal da: An jedem ersten Dienstag im Monat werden, teils in neuen 4K-Restaurierungen, im Rahmen der Reihe „Best of Cinema“ altbekannte und immer noch beliebte Filme wieder im Kino gezeigt. Über dreihundert Kinos bekundeten bis jetzt ihr Interesse daran, die Filme nach einer jahrelangen Leinwandabstinez wieder in ihren Sälen zu zeigen.
Den Auftakt macht am 2. November Francis Ford Coppolas „The Outsiders – The Complete Novel“ in einer neu restaurierten 4K-Fassung, die auf der großen Leinwand atemberaubend gut aussieht.
„The Outsiders“ ist die Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Romandebüt. In dem Buch schildert sie, basierend auf eigenen Erlebnissen, vom Leben der Greaser und der Socs. Die Greaser sind eine aus der Arbeiterklasse und unteren Arbeiterklasse stammende Jugendgang. Die Socs sind die rivalisierende, aus dem wohlhabenden Teil von Tulsa, Oklahoma, stammende Gang.
Eine richtige Geschichte hat „The Outsiders“ nicht. Es ist eine in den Sechzigern (die nach den Fünfzigern aussehen) spielende, locker verknüpfte Abfolge von Episoden aus dem Alltag der Jugendlichen. Es wird sich geschlagen, geliebt, getrunken, miteinander ins Autokino gegangen und, nachdem einer der Socs bei einer Schlägerei versehentlich stirbt, müssen zwei Mitglieder der Greasers aufs Land flüchten. Dort verstecken sie sich in einer abgelegen liegenden, verfallenen Holzkirche, retten einige Kinder, kehren als Helden zurück und prügeln sich wieder mit den Socs.
Die Besetzung besteht aus damals unbekannten, aber aufstrebenden Schauspielern. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise spielten mit. Erstaunlich viele von ihnen sind heute noch aktiv, bekannt und beliebt. Und Musiker Tom Waits hat auch einen kurzen Auftritt. Er schrieb die Musik für Coppolas vorherigen Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart).
Der Film selbst war für Coppola nach dem Riesenerfolg von „Apocalypse Now“ und dem Megaflop „Einer mit Herz“, der ihn und seine Firma Zoetrope in den Ruin trieb, der Versuch mit einem sicherem Hit – einem für wenig Geld mit damals unbekannten Schauspielern, basierend auf einem bei Jugendlichen bekanntem und beliebten Buch – seine finanzielle Situation zu verbessern. Bei der Kritik kam der „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Verschnitt (Rebel Without a Cause) damals nicht so gut an. So schrieb, stellvertretend für weitere negative zeitgenössische Besprechungen, Variety: „Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“
Beim Publikum kam der Film besser an. Inzwischen ist es ein äußerst beliebter Film, der allein schon wegen der mitspielenden Schauspieler und der wunderschönen Sonnenuntergänge sehenswert ist.
Coppola selbst hatte den Film damals, auf Druck des Studios, von gut zwei Stunden auf neunzig Minuten gekürzt. 2005 veröffentlichte er eine umfangreiche Fassung, in die er die damals geschnittenen, den Romanlesern bekannte Szenen wieder einfügte und den Soundtrack veränderte und ergänzte. Sein inzwischen verstorbener Vater Carmine Coppola hatte für die neu eingefügten Szenen damals keine Musik geschrieben. Diese Fassung nannte Francis Ford Coppola „The Outiders: The complete Novel“. Sie ist näher am Buch und auch die Fassung, die Coppola ursprüngllich veröffentlichen wollte.
Die jetzt erstellte 4K-Version unterscheidet sich nicht von der 2005 veröffentlichten Version. Außer dass das Bild neu abgetastet wurde. Es ist brillant. Schönere Sonnenuntergänge wird man in diesem Herbst wohl nicht im Kino sehen.
Die fabelhafte Welt der Amélie (immer wieder schön. Trotzdem könnte Jean-Pierre Jeunet acht Jahre nach „Die Karte meiner Träume“ mal wieder einen neuen Film inszenieren.)
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Dienstag, 4. Januar
Tod auf dem Nil (mit Peter Ustinov als Hercule Poirot. Die neue Verfilmung von Agatha Christies Roman soll am 10. Februar 2022 in den Kinos starten.)
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Dienstag, 1. Februar
Mulholland Drive (in einer unter der Aufsicht von David Lynch in 4K restaurierten Fassung; auch Lynch könnte mal wieder einen neuen Spielfilm drehen.)
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Dienstag, 1. März
Total Recall – Die totale Erinnerung (in einer restaurierten 4K-Fassung)
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Dienstag, 5. April
Grüne Tomaten (eine Komödie über kochende Frauen und besondere Zutaten)
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The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell
LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)
mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton
auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)
Länge: 91 (Kinofassung)/115 Minuten (The complete Novel)
Le Train – Nur ein Hauch von Glück (Le train, Frankreich/Italien 1973)
Regie: Pierre Granier-Deferre
Drehbuch: Pierre Granier-Deferre, Pascal Jardin
LV: Georges Simenon: Le train, 1961 (Der Zug)
1940 in Frankreich verbringen Julien und Anna auf der Flucht vor den Nazis in einem Zug einige gemeinsame Stunden. Zwei Jahre später hat diese Begegnung ein Nachspiel.
Hervorragend gespieltes, menschlich anrührendes Liebesdrama mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider
Danach, um 21.50 Uhr, zeigt Arte die brandneue, gut einstündige Doku „Trintignant über Trintignant“ (Frankreich 2020).
Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann
LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004
Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).
Die Version von Michael Mann.
Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).
„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall
Evan Hansen hat psychische Probleme. Deshalb soll er jeden Tag einen Brief an sich schreiben, der ihn auf einen fröhlichen, erfüllten und aufbauenden Tag einstimmt. Eines Tages schreibt er in seiner Highschool am Schulcomputer einen zweiten Brief an sich. Der ausgedruckte Brief gerät in die Hände von Connor. Connor ist der von allen gemiedene, aggressive, keine Freunde habende Schulpsycho.
Kurz darauf bringt Connor sich um. Seine Eltern, Cynthia Murphy und ihr neuer Mann Larry Mora, entdecken in Connors Nachlass Evan Hansens Brief. Allerdings glauben sie, aufgrund der Anrede „Dear Evan Hansen“/“Lieber Evan Hansen“ und der fehlenden Unterschrift, dass der Brief von ihrem Sohn ist, er in ihm über seine Gefühle schreibt und indirekt seinen Suizid ankündigt.
Evan hat in dem Moment nicht die Kraft, sie über ihren Irrtum aufzuklären. Stattdessen erfindet er Geschichten über Connor und sich.
„Dear Evan Hansen“ ist die Verfilmung des gleichnamigen, mit sechs Tony-Awards ausgezeichnetem Broadway-Musical. Ben Platt, der schon am Broadway Evan Hansen spielte, übernahm wieder die Rolle. Und damit kommen wir zu einem eher kleinerem Problem des Musicals. Platt, der Evan Hansen als eine linkische jüngere Inkarnation von Woody Allen spielt, ist Jahrgang 1993 und damit schon lange aus dem Schulalter. Im Theater stört so etwas nicht sonderlich. Im Film führt dies zu einem seltsamen Verfremdungseffekt. Auch die anderen Schüler werden von Schauspielern gespielt, die schon lange die Highschool verlassen haben.
Ein größeres Problem des sich bis auf wenige Momente realistisch gebenden Films ist, dass die Prämisse ziemlich unglaubwürdig ist und die Themen ‚psychische Probleme‘ und ‚Suizid‘ oberflächlich behandelt werden. Regisseur Stephen Chbosky und Drehbuchautor Steven Levenson (und sicherlich auch das dem Film zugrunde liegende Musical) zeigen außerdem eine erschreckend oberflächliche Welt. So glauben alle, vor allem Connors verzweifelte Eltern, sofort an Evans Lüge über seine Freundschaft zu Connor. Eigentlich treiben sie ihn für ihr eigenes Seelenheil zu dieser Lüge.
Die Eltern – im Film werden nur die Eltern von Connor Murphy und Evan Hansens ihn allein erziehende Mutter gezeigt – haben erschreckend wenig Ahnung von dem Alltag und den Problemen ihrer Kinder. Sie interessieren sich auch nicht dafür. Die Lehrer, die Schulleitung und die Therapeuten, sofern sie überhaupt im Film vorkommen, haben ebenfalls keine Ahnung davon. Denn Evan Hansens Charade beginnt mit einem Gespräch mit Connors Eltern und dem Schuldirektor, der den Brief genau wie Connors Eltern interpretiert. Deshalb fragen sie sich auch nicht, warum ein Jugendlicher heute einen Brief am Computer schreibt und ihn dann ausdruckt, anstatt ihn seinem Empfänger elektronisch zuzuschicken.
Später wird auch von Evans Mitschülern seine Lüge umstandslos akzeptiert. Er wird zum großen Helden der Schule, weil er mit dem Toten befreundet war, jetzt trauert und auf einer pompösen Schultrauerfeier darüber reden kann.
Nur Connors Schwester weist anfangs darauf hin, dass niemand Connor mochte oder mit ihm befreundet war.
Regisseur Chbosky zeichnet dieses für uns doch sehr fremde Schulmilieu vollkommen kritiklos und unreflektiert als Ort, an dem Konkurrenzdruck, Mobbing, Verlogenheit und Oberflächlichkeit alltäglich sind. Es ist ein Ort, der, abhängig von der Schulleitung, zu psychischen Krankheiten, Suiziden und Amokläufen (die es in „Dear Evan Hansen“ nicht, aber an anderen Highschools gibt) führen muss. In „Dear Evan Hansen“ werden für die Probleme von Evan, Connor und den anderen Schülern trotzdem keine strukturellen Lösungen, sondern ein Arrangieren mit diesen Regeln und der Konsum von Tabletten vorgeschlagen. Als gäbe es in den USA keine Opioid-Epidemie, die jährlich zu zehntausenden Toten führt. Letztes Jahr starben über 90.000 Menschen an diesen oft von Ärzten verschriebenen Opioid-Schmerzmitteln. In „Dear Evan Hansen“ werden Tabletten dann wie Smarties genommen.
Die Musik – im Film sind elf Songs aus dem Musical und vier weitere Songs enthalten – gefällt als gefällige, altmodische Popmusik. Für die deutsche Fassung wurden die Songs ebenfalls synchronisiert.
So ist „Dear Evan Hansen“ ein prominent besetztes Musical, das wichtige Probleme nur antippt und sie mit gefälligen Songs abschmeckt.
Dear Evan Hansen (Dear Evan Hansen, USA 2021)
Regie: Stephen Chbosky
Drehbuch: Steven Levenson (nach dem Musical von Justin Paul, Steven Levenson und Benj Pasek)
mit Ben Platt, Kaitlyn Dever, Amy Adams, Julianne Moore, Daniel Pino, Amandla Stenberg, Nik Dodani, Colton Ryan
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young
Auf den ersten Blick ist Scott Cooper ein ungewöhnlicher und auch der falsche Regisseur für diesen Film. Immerhin ist „Antlers“ ein Horrorfilm und Cooper ist für langsam erzählte, sich auf seine Schauspieler verlassende, düstere Dramen bekannt.
Auf den zweiten Blick ist Scott Cooper dann doch nicht so unpassend. In seinen bisherigen Filmen wechselte er munter die Genres – „Crazy Heart“ ist ein Country-Musikfilm, „Auge um Auge“ (Out of the Furnace) ist ein Hinterland-Sozialdrama, „Black Mass“ ein Gangsterfilm, „Feinde – Hostiles“ ein Western -, aber immer erzählt er teils wahre, teils sich nah der Wirklichkeit bewegenden Geschichten über dunkle, vergessene und ignorierte Abschnitte der US-amerikanischen Geschichte. Es sind Gegenerzählungen zum idealisierten Selbstbild. Da ist ein Horrorfilm nicht nur ein weiteres Genre, um seine Themen durchzuspielen, sondern eine fast schon natürliche und folgerichtige Wahl, um seine Themen durchzuspielen. Verdrängung und die Angst vor Verdrängtem sind schließlich inhärente Bestandteile des Horrorgenres. Und spätestens seit Jordan Peeles Horrorfilmen „Get out“ und „Wir“ (Us) wissen wir wieder, dass gute Horrorfilme kein billiges Feierabendvergnügen, sondern Kommentare zur Gesellschaft sind.
Im Mittelpunkt von „Antlers“ stehen die Lehrerin Julia Meadows und einer ihrer Schüler. Julia kehrte nach fünfzehn Jahren wieder in ihre alte Heimat, ein Dorf in Oregon, zurück. Sie wohnt wieder in ihrem Elternhaus. Ihr Mitbewohner ist ihr jüngerer Bruder Paul, der niemals das Dorf und das Haus verlassen hat. Er ist inzwischen der Ortssheriff. In dem Haus wird Julia wieder von Erinnerungen an ihre Kindheit und ihren gewalttätigen Vater geplagt.
Lucas Weaver ist einer ihrer Schüler. Der introvertierte Junge wird von seinen Mitschülern gemobbt und er hat sogar für den kärglichen Standard von Oregon nur ärmliche Kleiderfetzen an. Mit seinem jüngerem Bruder wohnt er bei seinen Vater Frank. Er ist polizeilich bekannt und drogensüchtig. Aber trotzdem darf er seine beiden Söhne weiter erziehen.
Als Julia eine von Lucas gezeichnete Geschichte entdeckt, interpretiert sie diese, auch aufgrund eigener Erfahrungen, als Dokument häuslichen Missbrauchs. Sie will Lucas helfen und fährt zu dem einsam gelegenem, baufälligem Holzhaus, in dem Lucas lebt.
Spätestens ab dem Moment, in dem Julia Lucas‘ Bilder sieht, weiß nicht nur der gestandene Horrorfilmfan, wie die Geschichte weiter gehen wird und dass in dem Haus ein Monster lauert.
Ein Horrorfan, der sich etwas in nordamerikanischer Folklore auskennt, dürfte das Wesen, das von Frank Besitz ergriffen hat, schnell als einen aus der Anishinabe-Kultur stammenden bösartigen Geist, einen Wendigo, erkennen. Ein Wendigo ist ein Geist, der im Wald (bzw. in „Antlers“ in einer verlassenen Bergwerksmine) lebt. Er ergreift, so der Mythos, von Menschen Besitz, macht sie wahnsinnig und zu Menschenfressern.
Auch Frank beginnt Menschen zu jagen. Für Scott Cooper ist das allerdings nicht der Anlass, um einen gewöhnlichen Horrorfilm mit billigen Jump-Scares, jungfräulich kreischenden Teenagern, dekorativ ausgeweiteten Leichen und blutigen Metzelorgien, zu beginnen. Wie in seinen vorherigen Filmen erzählt er seine Geschichte extrem langsam und ohne überraschende Wendungen. Wieder stehen die Schauspieler im Zentrum und wieder zeichnet er ein Bild der USA, die ihre besten Zeiten hinter sich haben. In Coopers Oregon haben sich die Menschen schon lange vom amerikanischen Traum verabschiedet. Sie leben zwischen industriellen Hinterlassenschaften, Schrott und verfallenden Häusern. Sie haben keine Hoffnung mehr auf ein besseres Leben und jeder verschweigt Erfahrungen von Gewalt und sexueller Gewalt. Einen Ausbruch aus diesem Teufelskreis von Gewalt, Drogenmissbrauch und Hoffnungslosigkeit scheint es nicht zu geben.
Am Ende führt Cooper diese Analyse nicht zu einer Anklage. Stattdessen lässt er, auch weil er durchgehend vieles nur andeutet, mehrere mögliche Interpretationen zu und er folgt in den letzten Minuten des Films zu sehr den etablierten Horrorfilmkonventionen, um restlos zu begeistern. Wer allerdings einen ungewöhnlichen Horrorfilm sehen möchte, der sich einfachen Antworten verweigert, unbequeme Themen anspricht und zum Nachdenken anregt, sollte einen Blick riskieren.
Antlers (Antlers, USA 2021)
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: C. Henry Chaisson, Nick Antosca, Scott Cooper
Der unverhoffte Charme des Geldes (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)
Regie: Denys Arcand
Drehbuch: Denys Arcand
In Montreal stolpert Paketfahrer Pierre-Paul Daoust, hochintelligenter, studierter Philosoph, leidenschaftlicher Kaptitalismusgegner und überaus gesetztestreuer Bürger, in einen schief gehenden Überfall. Bevor die Polizei auftaucht, versteckt er die Beute in seinem Laster. Danach steht er vor der Frage, was er mit den Säcken voller Geld machen soll. Eine Escort-Dame, ein vorbestrafter Finanzjongleur und ein Offshore-Banker wollen ihm helfen das Geld zu waschen. Gleichzeitig suchen die Polizei und einige Mafiosi die Beute.
Muntere, äußerst philosophische Krimikomödie, die gleichzeitig eine Lehrstunde in der Kunst des Geldwachens ist und eine sehr interessante Antwort auf die Frage gibt, was ein armer, ehrlicher Mann macht, wenn er plötzlich reich ist.
Vor einer US-Tournee wollen eine 21-köpfige Gruppe junger Tänzer:innen und ihre Choreographin in einer leerstehenden Schulturnhalle noch einmal richtig feiern. Dummerweise wurde der Sangria mit Acid abgeschmeckt.
TV-Premiere. Optisch beeindruckender, hemmungsloser, vom 70er-Jahre-Giallo beeinflusster Trip, der nicht jedem gefallen wird.
Als Vorbereitung für Halloween (Carpenters Horrorklassiker läuft unter anderem am Sonntag, den 31. Oktober, um 22.15 Uhr auf Tele5) und umrahmt von Stephen-King-Verfilmungen (um 20.15 Uhr läuft die erste Verfilmung von „Es“ und danach, um 02.30 Uhr „Thinner – Der Fluch“) gibt es gruseliges aus dem Fernseher
Kabel Eins, 00.20
Poltergeist (Poltergeist, USA 1982)
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von Steven Spielberg)
Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.
Tobe Hooper, geboren am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, schrieb mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte und inszenierte mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.
Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.
mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein
Marcello betreibt in einer süditalienischen Küstenstadt, deren besten Jahre schon einige Jahrzehnte zurückliegen, an der Strandpromenade einen Hundesalon. Zu seinen Nachbarn und Besucher gehören Kleingangster, die ihn in ihre Verbrechen hineinziehen.
TV-Premeire. Handlungsarmes Noir-Drama über einen gutmütigen Mann, der in einem normalen Gangsterfilm höchstens eine klitzekleine Nebenrollen hätte.
Zu Matteo Garrones vorherigen Filmen gehören „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ und „Das Märchen der Märchen“.
Drehbuch: Roland Kibee, James R. Webb (nach einer Story von Borden Chase)
1866 machen die beiden Glücksritter Trane und Erin Mexiko unsicher. Denn sie sind nicht politischen Ideologien, sondern grünen Scheinen treu.
Damals ein gewaltiger Erfolg an der Kasse, später eines der Vorbilder für den Spaghetti-Western und heute immer noch höchst unterhaltsam anzusehen, wie zwei Jungs mit einigen lässigen Sprüchen und Schüssen die mexikanische Revolution zur Operette degradieren.
Mit Gary Cooper, Burt Lancaster, Denise Darcel, Cesar Romero, Ernest Borgnine, Charles Bronson (noch als Charles Buchinsky), Jack Elam
Der Fall Serrano (Mort d’un pourri, Frankreich 1977)
Regie: Georges Lautner
Drehuch: Georges Lautner
LV: Raf Vallet (Pseudonym von Jean Laborde): Mort d‘ un pourri, 1973
Ein Mann sucht die Mörder eines befreundeten Abgeordneten, und entdeckt ein übermächtiges System von Korruption und anderen Verbrechen.
Spannender Politthriller
Und jetzt einige weitere Stimmen:
„Hervorragend besetzter, leicht zynisch gefärbter Kriminalfilm.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Mehr Unterhaltungs- und Actionfilm als echter Polit-Thriller, mehr Kult des Delon-Mythos als Kreation einer glaubhaften Hauptfigur.“ (Horst Schäfer/Wolfgang Schwarzer: Von ‚Che‘ bis ‚Z‘ – Polit-Thriller im Kino, 1991)
„die politisch interessante Ebene des Zusammenspiels von Gewalt, Korruption und Politik wird einer auf spektakuläre Action-Höhepunkte hin inszenierten Dramaturgie geopfert.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)
Als Vorlage für den Film diente auch die Affäre De Broglie. Der Provinzbürgermeister und Abgeordnete wurde am 24. Dezember 1976 ermordet. Bei den Untersuchungen wurden seine Beziehungen zu einer Gruppe von Politikern und Wirtschaftsbossen bekannt. Mit seiner Ermordung sollte ein Mitwisser beseitigt werden. Der Täter wurde nicht gefunden.
Georges Lautner ist vor allem für seine Jean-Paul Belmondo-Vehikel, wie „Der Windhund“, „Der Puppenspieler“ und „Der Profi“ bekannt.
mit Alain Delon, Ornella Muti, Mireille Darc, Stéphane Audran, Klaus Kinski, Maurice Ronet
Kurz gesagt: der neue Film von Wes Anderson ist der neue Film von Wes Anderson und er hat alles das, was man von einem Wes-Anderson-Film erwartet.
Damit hätten wir die Frage, ob der Film sehenswert ist, oder nicht, geklärt.
Jedenfalls für die Menschen, die seit Ewigkeiten auf „The French Dispatch“, Andersons Liebesklärung an „The New Yorker“, warteten, die Covid-bedingten Startterminverschiebungen geduldig ertrugen, immer auf einen Kinostart hofften (begleitet von zahlreichen Gebeten) und die sich selbstverständlich an seine vorherigen Filme erinnern. Seit seinem dritten Film „The Royal Tenenbaums“ produziert der Autorenfilmer auch seine Werke, die, bei allen Unterschieden, immer einen unverkennbaren Stil haben. Das gilt für seine starbesetzten Realfilme, wie „The Darjeeling Limited“, „Moonrise Kingdom“ und „The Grand Budapest Hotel“, und für seiine Trickfilme, wie „Fantastic Mr. Fox“ und „Isle of Dogs“. „The French Dispatch“ ist wieder ein Realfilm, wieder mit vielen bekannten Schauspielern und wieder mit zahlreichen Anspielungen. Dieses Mal auf die Welt des französischen Films, Frankreich und den alten Magazinjournalismus.
Der titelgebende „The French Dispatch“, also genaugenommen „The French Dispatch of the Liberty, Kansas Evening Sun‘, ist ein amerikanisches Magazin, das in Frankreich erscheint, immer ein Liebhaberprojekt des Verlegers war und ist. Wenn es zu einem Konflikt zwischen der Länge des journalistischen Textes und den Anzeigen kommt, dann wirft er einige Anzeigen raus. Nachdem der hochgeschätzte Gründer und Verleger Arthur Howitzer, Jr. (Bill Murray) stirbt, stirbt auch das Magazin. In seinem Film blättert Wes Anderson durch die letzte Ausgabe und der so entstandene Film ist dann eine Ansammlung von garantiert erfundenen Reportagen aus der sehr französischen Stadt Ennui-sur-Blasé (erfunden, gedreht wurde in Angoulême) in einer fiktiven Zeitlinie, die immer wie ein französischer Film aus den fünfziger/sechziger Jahren aussieht.
In der ersten und kürzesten Reportage radelt der Reisereporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) durch die verrufensten Ecken der Stadt und zeigt sie im Wandel der Zeit.
In „Das Beton-Meisterwerk“ schreibt und spricht die Kunstkritikerin J. K. L. Berensen (Tilda Swinton) über den Künstler Moses Rosenthaler (Benicio Del Toro) und sein Werk. Der geistesgestörte, inhaftierte Maler ist ein Genie. Jedenfalls für die Kunstwelt, die ungeduldig auf sein neuestes Werk wartet, das im Gefängnis der Welt präsentiert werden soll. Werk und Ablauf der Präsentation entsprechen dann nicht den Erwartungen einer normalen Vernissage.
„Korrekturen eines Manifests“ ist eine Reportage über politikbewegte Studenten und damit auch eine Satire und Hommage an die 68er und die Nouvelle Vague, vor allem natürlich an die in den Sechzigern entstandenen legendären Filme von Jean-Luc Godard. Lucinda Krementz (Frances McDormand) berichtet über die revolutionären Umtriebe der Studierenden und sie hilft Zeffirelli B (Timothée Chalamet), dem charismatischem Anführer der Studenten, entgegen aller journalistischer Ethik, aber befeuert von der Liebe, bei der Formulierung eines Manifests. Oder genauer gesagt: sie redigiert es, während sie gemeinsam im Bett und Bad sind.
„Das private Speisezimmer des Polizeichefs“ ist die sich in jedem gutem Magazin befindende Kriminalgeschichte. In dieser ziemlich noiren Reportage erzählt Roebuck Wright (Jeffrey Wright), der eigentlich nur ein Porträt über den Koch des Kommissars von Ennui-sur-Blasé schreiben wollte, von der Entführung des Sohnes des Kommissars und sich daraus ergebenden Verwicklungen.
Gerahmt werden diese Reportagen von einem Blick in die Redaktionsräume des „French Dispatch“, eines Magazins, das es heute so nicht mehr gibt und auch so wahrscheinlich niemals gab, aber in dem alle eine große, seltsame Familie waren.
Alle Geschichten sind starbesetzte Liebeserklärungen an Frankreich, das französische Kino, das Kino und das Erzählen von Geschichten aus sicherer ironischer Distanz. Die Episodenstruktur, die natürlich dem Blättern in einem Magazin entspricht, verhindert eine traditionelle Spannungsdramaturgie. Aber die interessierte Wes Anderson noch nie. Ihn interessierte immer das verspielte Spielen mit Versatzstücken, Brechungen und Anspielungen in seinem ganz eigenem Kosmos.
„The French Dispatch“ ist ganz großes und großartiges Kino für den kulturinteressierten Bürger, Cineast und, weil wir dieses Mal in einem aus Filmen sehr vertrautem Nachkriegsfrankreich sind, Bourgeois.
The French Dispatch (The French Dispatch, USA/Deutschland 2021)
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Originalgeschichte von Wes Anderson, Roman Coppola, Hugo Guiness und Jason Schwartzman)
mit Benicio Del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Lyna Khoudri, Jeffrey Wright, Mathieu Amalric, Stephen Park, Bill Murray, Owen Wilson, Christoph Waltz, Edward Norton, Jason Schwartzman, Liev Schreiber, Elisabeth Moss, Willem Dafoe, Lois Smith, Saoirse Ronan, Cécile de France, Guillaume Gallienne, Tony Revolori, Rupert Friend, Henry Winkler, Bob Balaban, Hippolyte Girardot, Anjelica Huston (Erzählerin)
(Ich empfehle im Kino ausdrücklich den Verzicht auf etwaige Trinkspiele.)
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.
Bernd Eichinger hatte die Idee zur kurzlebigen Reihe „German Classics“. In ihr wurden deutsche Filmklassiker von einer hochkarätigen Besetzung vor und hinter der Kamera für das Fernsehen neu inszeniert. Die Kritikerreaktionen waren gespalten, aber durchaus wohlwollend. Nur SAT 1 stieg nach vier Filmen aus. Deshalb ist „Es geschah am helllichten Tag“ einer der wenigen von einem Privatsender produzierten Filme, die echte Kinoqualitäten haben und nicht durch ein verzweifeltes Schielen auf die Quote alles vermurksen.
Dieses extrem selten gezeigte Remake von „Es geschah am helllichten Tag“ ist ein seltsam aus der Zeit gefallener Film. Das Rühmann/Fröbe-Original wurde kaum aktualisiert und jetzt sehen wir einen filmischen Bastard, der einerseits eindeutig in den Fünfzigern spielt, andererseits aber mit der heutigen Technik arbeitet. Die Inszenierung betont, besonders bei den im Wald spielenden Szenen, das märchenhafte. Gerade wegen der nur halbherzigen Aktualisierung berührt einen Nico Hofmanns Remake nie wirklich. Es bleibt letztendlich Ausstattungskino.
Vier Jahre später inszenierte Sean Penn mit „Das Versprechen“ (The Pledge) den gleichen Stoff wesentlich packender.
Mit Joachim Król, Barbara Rudnik, Axel Milberg, Heino Ferch, Hans-Werner Meyer, Arnd Klawitter, Martin Lüttge, Monika Baumgartner, Michael Mendl, Monica Bleibtreu