TV-Tipp für den 9. August: Das finstere Tal

August 8, 2020

3sat, 21.45
Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.
Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Wiederholung: Montag, 10. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Die lesenswerte Vorlage

Willmann - Das finstere Tal - 2

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Perlentaucher über den Roman „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 8. August: Die neun Pforten

August 7, 2020

ZDFneo, 20.15

Die neun Pforten (The ninth gate, Frankreich/Spanien/USA 1999)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Enrique Urbizu, John Brownjohn, Roman Polanski

LV: Arturo Perez-Reverte: El Club Dumas, 1993 (Der Club Dumas)

Ein Antiquar (Johnny Depp; zu jung für die Rolle) soll die letzten beiden Exemplare von „Die neun Pforten“, einem Buch das von Satan höchstpersönlich geschrieben wurde, finden. Während seiner Suche geschehen mysteriöse Dinge – und der Zuschauer langweilt sich satanisch während dieses Mummenschanzes.

Das dürfte Roman Polanskis uninteressantester Film sein. Aber für eine laue Sommernacht…

Mit Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner, Barbar Jefford, James Russo

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die neun Pforten“

Wikipedia über „Die neun Pforten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)


Die Shortlist für den Crime Cologne Award 2020

August 7, 2020

Beginnen wir mit den nicht wirklich überraschenden Meldungen: Das Krimifestival Crime Cologne wurde verschoben. Die Preisverleihung des „Crime Cologne Award 2020“ findet als Live-Stream statt. Das war und ist bei anderen Preisverleihungen im Moment ja normal.

Und nun kommen wir zur Neuigkeit: die Shortlist für den Crime Cologne Award wurde heute veröffentlicht. Nominiert sind:

Max Annas: Morduntersuchungskommission – Rowohlt Hundert Augen

Horst Eckert: Im Namen der Lüge – Heyne Verlag

Tom Hillenbrand: Qube – Verlag Kiepenheuer & Witsch

Petra Ivanov: Entführung – Unionsverlag

Thomas Ziebula: Der rote Judas – Wunderlich Verlag

Die Preisverleihung ist am 6. September.


TV-Tipp für den 7. August: Source Code

August 6, 2020

RTL II, 20.15

Source Code (Source Code, USA 2011)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Ben Ripley

Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.

Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar

Wiederholung: Samstag, 8. August, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Source Code“

Wikipedia über „Source Code“ (deutsch, englisch)

Script Shadow redet mit Drehbuchautor Ben Ripley über „Source Code“ (9. Februar 2010)

We got this covered redet mit Ben Ripley über „Source Code“ (20. März 2011)

Trailer Addict stellt Ben Ripley einige Fragen über „Source Code“

WGA redet mit Ben Ripley über „Source Code“

Indie Wire unterhält sich mit Ben Ripley und Duncan Jones über „Source Code“ (15. März 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones“ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Body Cam“, Taschenlampe & Monster

August 6, 2020

Als Streifenpolizistin Renee Lomito-Smith (Mary J. Blige) sich noch am Tatort das Video ansieht, auf dem zu sehen ist, wie ihr Kollege bei einer nächtlichen Routine-Verkehrskontrolle ermordet wurde, staunt sie. Denn er wurde von einem vom Himmel kommendem, nur schattenhaft erkennbarem Wesen geschnappt, durch die Luft geschleudert und regelrecht massakriert. Weil ihre Kollegen ihr nicht glauben – die Dashcam-Aufnahmen aus dem Streifenwagen und die Bodycam-Aufnahmen des Polizisten wurden gelöscht -, beginnt Renee auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre erste Spur führt zu Taneesha Branz. Taneeshas Sohn wurde vor kurzem von einigen Polizisten getötet.

Jetzt ist die Afroamerikanerin spurlos verschwunden. Und weitere Polizisten werden im schönsten „Alien“-Stil getötet.

Body Cam – Unsichtbares Grauen“ ist ein hübscher kleiner, sehr stilbewusster B-Horror-Copthriller. Malik Vitthal lässt die Geschichte vor allem in der Nacht spielen und die Polizisten laufen gerne mit Taschenlampen durch leere Straßen und leere Häuser. In den Momenten entwickelt der Thriller immer wieder eine ordentliche Portion Suspense. Denn natürlich wartet im Dunkeln immer wieder, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eine Überraschung. Wenn sie dann kommt, zuckt man auch immer wieder zusammen. Nach mehreren Minuten Stille erfüllt auch nur ein lautes Geräusch zuverlässig seinen Zweck. Und Vitthal hat ein Gespür für Stille.

Neben diesen nächtlichen Suspense-Szenen beschwören die langen Fahrten im Auto durch die Großstadtnacht eine schöne Noir-Stimmung in der bekannten „Blade Runner“-Tradition.

Bei all diesem Stilbewusstsein wird die Story nebensächlich. Die sehr langsam erzählte Mörderjagd bleibt an der dunkelblau und schwarz schimmernden Oberfläche. Vitthal erzählt die Geschichte von Renees Jagd nach dem anscheinend übernatürlichem Polizistenmörder mit einem fast schon pathetischen Ernst. Immerhin geht es um die Zustände in US-amerikanischen Städten, Rassismus, Vorurteilen und Polizeigewalt.

Gerade angesichts dieser wichtigen Themen und der Auflösung hätten „Body Cam“ mehr B-Picture-Schmutz und richtig verstandenes Trashgefühl gut getan. Denn ein Polizisten ermordendes übernatürliches Monster mit einer politischen Agenda ist eine wundervolle Idee für einen hemmungslos Blut, Ärger und Empörung spritzenden Thriller, der Moral- und Sittenwächter entsetzt aufschreien lässt, während die afroamerikanische Community die krude Rachegeschichte genießt. Gerne gewürzt mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor. Der fehlt hier völlig.

So ist „Body Cam“ vor allem ein gut inszenierter und edel aussehender Happen für Zwischendurch für den doch etwas genügsamen Horrorfilm- und Polizeifilmfan.

Bocy Cam – Unsichtbares Grauen (Body Cam, USA 2020)

Regie: Malik Vitthal

Drehbuch: Nicholas McCarthy, Richmond Riedel (nach einer Geschichte von Richmond Riedel)

mit Mary J. Blige, Nat Wolff, David Zayas, Anika Noni Rose, David Warshofsky, Ian Casselberry, Philip Fornah, Lara Grice, Demetrius Grosse, Naima Ramos-Chapman

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Body Cam“

Metacritic über „Body Cam“

Rotten Tomatoes über „Body Cam“

Wikipedia über „Body Cam“ 


TV-Tipp für den 6. August: The Big Lebowski

August 5, 2020

ZDFneo, 20.15

The Big Lebowski (The Big Lebowski, USA 1998)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Ein echter Kultfilm.

Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.

mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara

Hinweise

Homepage des Lebowski Fest

Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen

Rotten Tomatoes über „The Big Lebowski“

Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Irresistible“ ist nicht unwiderstehlich

August 5, 2020

Beginnen wir mit dem Regisseur von „Irresistible“ (oder wie im Abspann mit farbigen Buchstaben angedeutet wird: „IrRESISTible“). Er heißt Jon Stewart und er schrieb auch das Drehbuch. Dieser Jon Stewart war von 1999 bis 2015 Moderator und kreativer Kopf der „The Daily Show“. In seiner Late-Night-Show erklärte er mit satirischen Mitteln Politik so gut, dass sie für viele, vor allem jüngere Zuschauer, zu einer politischen Informationssendung wurde. Und, dank YouTube, wurde Stewart auch bei uns bekannt. Seit dem Ende seiner täglichen Show verfolgte er verschiedene Projekte und trat einige Male in „The Late Show with Stephen Colbert“ auf.

Wenn dieser Mann jetzt eine Polit-Satire dreht, dann erwartet man, nun, scharfzüngige, äußerst konzentrierte, zum Nachdenken anregende, äußerst schnell erzählte Satire. Also irgendetwas in Richtung von „The Big Short“, „Vice“ oder etwas in der Tradition von Aaron Sorkin. Die Geschichte von „Irresistible“ ist für so eine Herangehensweise prädestiniert.

Nach der Wahl von Donald J. Trump ist der Politikberater Gary Zimmer (Steve Carell) am Boden zerstört. Als er einen YouTube-Clip von einem Auftritt von Colonel Jack Hastings (Chris Cooper) sieht, ist er begeistert. Hastings ist ein pensionierter Veteran, verwitwet und Milchbauer. Während einer Gemeindeversammlung in dem Kaff Deerlaken, Wisconsin, ergriff er für die im Ort lebenden illegalen Einwanderer und gegen eine sie diskriminierende Regel das Wort. Hastings hielt eine wahrhaft demokratische, patriotisch die US-amerikanischen Werte hochhaltende Rede im US-amerikanischen Hinterland; dem Landstrich, der eigentlich fest in republikanischer Hand ist.

Zimmer macht sich auf den Weg nach Deerlaken. Er will Hastings zur neuen Hoffnung der Demokraten aufbauen. Der erste Schritt ist ein erfolgreicher Wahlkampf gegen den seit Ewigkeiten amtierenden Bürgermeister.

Zimmer kann Hastings von seinem Vorhaben überzeugen. Kurz nach Hastings ersten Wahlkampfaktivitäten, kommt Faith Brewster (Rose Byrne) nach Deerlaken. Sie ist für eine langjährige Wahlkampfmanagerin der Republikaner und schon seit Ewigkeiten Zimmers Intimfeindin, mit der ihn eine Hassliebe verbindet.

Das klingt doch nach der Ausgangslage für eine zünftige Polit-Satire über den frei drehenden Wahlkampfwahnsinn in den USA, die aktuellen politischen Befindlichkeiten und die kulturellen Kämpfe und Gräben zwischen Washington, D. C., und der Provinz.

Aber genau das ist „Irresistible“ nicht. Es ist eine sehr betulich erzählte kleine Provinzschnurre, die niemand weh tun will. Alles plätschert nett harmlos vor sich hin. Nichts wird wirklich zugespitzt. Die Zahl der Pointen ist überschaubar. Die Menschen in Deerlaken sind sympathisch und nett. Politische Konflikte scheint es, außerhalb der Blase der beiden verfeindeten Wahlkampfmanager, nicht zu geben. Und Zimmer und Brewster sind vor allem daran interessiert, Gegensätze zu inszenieren, um mehr Geld für ihren Wahlkampf zu bekommen. Auch die von ihnen nach außen gezeigte Abneigung kann nie ihre Zuneigung füreinander überdecken. Die Landschaft zeigt sich von ihrer fotogensten Seite. Alles ist wundervoll entschleunigt. So wie es halt vor fünfzig, sechzig, siebzig oder achtzig Jahren war, als Mr. Smith nach Washington ging.

Und genau das ist „Irresistible“ letztendlich: ein archetypischer Frank-Capra-Film mit einigen kleinen Modernismen (ein, zwei Wahlkampfspots, einige Telefone) und einer allumfassenden Warmherzigkeit, die nur die versöhnenden Dinge sieht. Stewart zeigt, ohne erkennbare Brechungen, ein weißes Amerika, das es so niemals gab. Die Kamera nimmt das brav auf im Seitenverhältnis 1,66, das heute doch sehr an ein TV-Bild erinnert.

Und genau dort gehört Jon Stewarts rundum harmloser Film auch eigentlich hin.

Ach ja: es lohnt sich, sich den Abspann anzusehen. Dann erklärt ein Experte, wie realistisch die im Film gezeigten Ereignisse sind.

Irresistible – Unwiderstehlich (Irresistible, USA 2020)

Regie: Jon Stewart

Drehbuch: Jon Stewart

mit Steve Carell, Rose Byrne, Chris Cooper, Mackenzie Davis, Topher Grace, Natasha Lyonne, Brent Sexton, Blair Sams, Will McLaughlin, Will Sasso, C. J. Wilson, Andrea Frankle

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Irresistible“

Metacritic über „Irresistible“

Rotten Tomatoes über „Irresistible“

Wikipedia über „Irresistible“


TV-Tipp für den 5. August: Inception

August 4, 2020

Um das Warten auf seinen neuen Film „Tenet“ (der Ende August bei uns in den Kinos anlaufen soll) zu verkürzen

Kabel 1, 20.15

Inception (Inception, USA/GB 2010)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Wiederholung: Donnerstag, 6. August, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)


Cover der Woche

August 4, 2020


Die Krimibestenliste August 2020

August 4, 2020

Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren pünktlich zum Monatsbeginn ihre Liste der besten Krimis für diesen Sommer(ferien)monat (obwohl es schon spürbar früher dunkel wird):

1. Zoë Beck – Paradise City (Plazierung im Vormonat: 4)

Suhrkamp, 280 Seiten 10 Euro.

2. Lee Child – Der Bluthund (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Wulf Bergner. Blanvalet, 448 Seiten, 22 Euro.

3. Guillermo Martinez – Der Fall Alice im Wunderland (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Eichborn, 320 Seiten, 16 Euro.

4. William Boyle – Eine wahre Freundin (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf. Polar, 364 Seiten, 22 Euro.

5. Hideo Yokoyama – 50 (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Japanischen von Nora Bartels. Atrium, 352 Seiten, 22 Euro.

6. Max Annas – Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit (Plazierung im Vormonat: /)

Rowohlt, 336 Seiten, 20 Euro.

7. James Lee Burke – Blues in New Iberia (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 586 Seiten, 22 Euro.

8. Joseph Incardona – One-Way-Ticket ins Paradies (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Lydia Dimitrow. Lenos, 310 Seiten, 22 Euro.

9. Lauren Wilkinson – American Spy (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Antje Althans, Anne Emmert, Katrin Harlaß, Jenny Merling. Tropen, 366 Seiten, 16 Euro.

10. Tommie Goerz – Meier (Plazierung im Vormonat: /)

Ars Vivendi, 164 Seiten, 18 Euro.


TV-Tipp für den 4. August: Offenes Geheimnis

August 4, 2020

ARD, 22.45

Offenes Geheimnis (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018)

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi

Zur Hochzeit ihrer jüngeren Schwester kehrt Laura wieder in ihre alte Heimat zurück. Während der Hochzeitsfeier wird ihre Tochter entführt.

TV-Premiere. „Offenes Geheimnis“ ist nicht Asghar Farhadis bester Film, aber ein Film mit Penélope Cruz und Javier Bardem ist immer sehenswert. Außerdem ist die erste Hälfte von „Offenes Geheimnis“ sehr gelungen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darin, Eduard Fernández, Bárbara Lennie, Inma Cuesta, Elvira Mínguez, Ramón Barea, Carla Campra

Wiederholung: Mittwoch, 5. August, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Offenes Geheimnis“

Metacritic über „Offenes Geheimnis“

Rotten Tomatoes über „Offenes Geheimnis“

Wikipedia über „Offenes Geheimnis“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Le Passé – Das Vergangene“ (Le Passé, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „The Salesman“ (Fourshande, Iran/Frankreich 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Offenes Geheimnis“ (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018)


Alter Scheiß? Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig

August 2, 2020

Inspector Morse – – – ist bei uns wohl am bekanntesten aus zwei Spin-off-TV-Serien. Die eine heißt „Lewis – Der Oxford Krimi“. In ihr ermittelt DI Robert „Robbie“ Lewis in Oxford. Davor war er der Assistent von Inspector Morse. Die andere ist „Der junge Inspektor Morse“ und sie erzählt von Fällen, die Morse als junger Polizist in den sechziger Jahren in Oxford aufklärte. Der Ursprung für beide Serien ist die bei uns fast unbekannte Serie „Inspektor Morse“. Diese Serie basiert auf dem von Colin Dexter erfundenem Ermittler, der vor seinem TV-Leben in einigen hochgelobten Kriminalromanen Verbrecher jagte.

Sein erster literarischer Auftritt war 1975 in „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock, 1975).

Einige Jahre später schrieben die Krimikritiker Rudi Kost und Thomas Klingenmaier in „Steckbriefe“ über Colin Dexter und Inspector Morse: „Es gibt ihn noch, den guten alten englischen Krimi, mit all seinen Tugenden: Gepflegter Stil, sophisticated bis ironisch, schrullige Figuren, jede Menge falscher Fährten, die Verrätselung bis zum verblüffenden Schluss. Colin Dexter bedient sich ungeniert in der Trickkiste, mit der Selbstsicherheit eines Autors, der sich der Tradition, der Spielregeln, bewusst ist, aber auch der gutgeölten Mechanismen, die eine Geschichte am Laufen halten und der deswegen mit ihnen augenzwinkernd spielen kann. Seine Bücher sind mit einem Wort zu kennzeichnen: gepflegt. Colin Dexter nimmt eine bekannte Formel auf, misst sie an modernen kriminalistischen und psychologischen Erkenntnissen und passt sie sodann geschmeidig an.“

Der von Colin Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist, wie es sich für einen traditionellen Rätselkrimi gehört, ein von privaten und psychischen Problemen angenehm unbelasteter Ermittler. Er hat kein Privatleben, das die Ermittlung stört und den Roman um Dutzende, wenn nicht sogar hunderte Seiten verlängert. Er lebt allein. Hat keine Beziehung. Hört gern klassische Musik. Liest gerne. Löst leidenschaftlich Kreuzworträtsel. Das alles ist nicht so wahnsinnig interessant, macht ihn aber in seiner Gewöhnlichkeit sehr sympathisch. Vor allem ist er ein schlauer Ermittler.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist der achte Morse-Roman. Er erhielt den „Gold Dagger“ und ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Morse-Roman.

Morse wird mit einem Magengeschwür und -blutungen ins Krankenhaus eingeliefert und sofort notoperiert. Sein jahrelanger übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, gepaart mit einem Hang zur körperlichen Bewegungslosigkeit, forderten ihren Tribut. Im Krankenbett liest er, zwischen den Kontrollbesuchen von Ärzten und Schwestern, einem Bericht über einen historischen Mordfall. Bei der Beschreibung des Tathergangs fallen ihm einige Unstimmigkeiten auf. Daher vermutet er, dass 1859 die falschen Männer für den Mord an Joanne Franks gehenkt wurden. Also beginnt er vom Krankenbett aus, unterstützt von einigen ihm bei der Beschaffung historischer Dokumente helfenden Hände, den Täter zu suchen. Denn Mord verjährt nicht.

Und, da verrate ich jetzt kein Geheimnis, er kann den Fall lösen.

Dabei war für Morse diese Ermittlung zunächst nur eine Ablenkung vom Klinikalltag mit seinen Regeln, die ihn dazu zwingen, bestimmte feste (ein Schundroman mit eindeutigem Cover) und flüssige Gegenstände (etwas Alkohol) vor neugierigen Augen zu verbergen. In diesen Momenten liefert Colin Dexter eine wunderschön süffige des damals (der Roman erschien 1989) wohl schon etwas der Vergangenheit angehörenden drakonischen Krankenhausalltags mit festen Besuchszeiten, Peinlichkeiten bei der Lektüre der falschen Literatur, strengen Schwestern und Ärzten, die Aufgrund der medizinischen Werte sofort den Alkoholkonsum des Patienten treffend einschätzen. Bei dem Aufnahmegespräch gab Morse selbstverständlich zu geringe Mengen an.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist auch die Geschichte eines alten Mannes, der noch einige neue Dinge entdeckt. Inzwischen sind diese Second Chances-Geschichten ja ein etabliertes Genre, in dem Sechzigjährige (oder noch ältere) es noch einmal wissen wollen oder die wirklich große Liebe entdecken.

Außerdem: welche unsportliche Leseratte wäre nicht gern wie der alleinstehende, übergewichtige Inspector Morse, dem auf dem Krankenbett fast alle Frauenherzen zufliegen?

Colin Dexter erzählt dies alles mit süffigem Humor. Er weiß, welche Klischees er bedient. Er tut dies mit spürbarer Wonne. Und der Fall ist gut geplottet.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ bewegt sich, wie seine anderen Romane, im Feld des traditionellen Rätselkrimis, der heute in dieser Form kaum noch gepflegt wird. Einerseits, weil zwei-/dreihundertseitige Bücher zugunsten dickerer Bücher aus der Mode gekommen sind. Andererseits – und das ist der wichtigere Grund -, ist es verdammt schwierig, einen guten Rätselplot mit überzeugenden falschen Fährten und einer ebenso logischen, wie überraschenden Auflösung zu erfinden.

In Deutschland erschienen die Morse-Krimis zuerst im Rowohlt-Verlag und seit zwei Jahren im Unionsverlag. Diese überarbeiteten Neuauflagen machen die Krimis so einer neuen Leserschaft zugänglich.

Und „Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist ein guter Einstieg in die Morse-Welt. Denn, auch das ist etwas aus der Mode gekommen, die Morse-Romane können in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden.

Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Christiane Friederike Bamberg, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

208 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Wench is dead

Macmillan, London, 1989

Deutsche Erstausgabe

Mord am Oxford-Kanal

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1990

Ebenfalls wieder neu erschienen

Colin Dexter: Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Marie S. Hammer, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

272 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Secret of Annexe 3

Macmillan, London, 1986

Deutsche Erstausgabe

Hüte dich vor Maskeraden

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1988

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine


TV-Tipp für den 3. August: Leberkäsjunkie

August 2, 2020

ARD, 20.15

Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016

In der Ruine des abgebrannten Mooshammerhofs wird eine Frauenleiche gefunden. Dorfpolizist Franz Eberhofer muss den Mörder suchen. Gleichzeitig muss er eine strenge Diät befolgen, die ihm, unter anderem, das Essen von Leberkäse verbietet.

TV-Premiere. Für die sechste Eberhofer-Krimikomödie wurde nichts an der bewährten Rezeptur geändert: „Leberkäsjunkie“ ist gewohnt witzig-kurzweilige Unterhaltung mit einem bestens eingespieltem Stammensemble und spielfreudigen Gaststars. Der Fall selbst ist dabei nebensächlich.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.

Wiederholung: Dienstag, 3. August, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Leberkäsjunkie“

Moviepilot über „Leberkäsjunkie“

Wikipedia über „Leberkäsjunkie“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung  „Leberkäsjunkie“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 2. August: Logan Lucky

August 1, 2020

Pro7, 20.15

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

Nach seiner Entlassung bei einer Baufirma hat Jimmy Logan einen Plan: während eines Nascar-Rennens will er die Einnahmen klauen. Er braucht dabei nur etwas Hilfe und seine Helfer sehen nicht wie vertrauenswürdige Diebe, sondern wie dusselige Hinterwäldler aus.

Wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie von Steven Soderbergh. Sozusagen die Hillbilly-Version von „Ocean’s Eleven“. Dass der minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde, ist da egal.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Inzwischen ist auch das Rätsel um die Identität der Drehbuchautorin Rebecca Blunt enthüllt. Es ist Soderberghs Frau Jules Asner.

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

Wiederholung: Montag, 3. August, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. August: Internal Affairs – Trau ihm, er ist ein Cop

Juli 31, 2020

ZDFneo, 22.00

Internal Affairs – Trau ihm, er ist ein Cop (Internal Affairs, USA 1990)

Regie: Mike Figgis

Drehbuch: Henry Bean

Ist der allseits beliebte, hilfsbereite Polizist Dennis Peck (Richard Gere) korrupt? Der interne Ermittler Raymond Avilla (Andy Garcia) will es herausfinden.

Hübsch düsterer, in Los Angeles spielender Cop-Thriller von Mike Figgis („Stormy Monday“, „Leaving Las Vegas“) mit Richard Gere, besetzt gegen sein Image, als bad guy.

Es gibt keine sauberen Polizisten mehr in diesem ungemein spannenden und dichten Polizeifilm, (…) der (…) vor allem durch seine atmosphärisch stimmige und dicht an den Figuren bleibenden Inszenierung besticht.“ (Fischer Film Almanach 1991)

mit Richard Gere, Andy Garcia, Nancy Travis, Laurie Metcalf, Richard Bradford, William Baldwin, Annabella Sciorra, Michael Beach, Xander Berkeley, Elijah Wood

Wiederholung: Sonntag, 2. August, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Internal Affairs“

Wikipedia über „Internal Affairs“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Figgis‘ „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“ (Somebody up there likes me, Großbritannien 2019)


TV-Tipp für den 31. Juli: Mein großer Freund Shane

Juli 30, 2020

BR, 22.45

Mein großer Freund Shane (Shane, USA 1953)

Regie: George Stevens

Drehbuch: A. B. Guthrie jr., Jack Sher

LV: Jack Schaefer: Shane, 1949 (Mein großer Freund Shane)

Revolverheld Shane hilft einigen Siedlern gegen einen bösen Viehzüchter.

Ein Westernklassiker für Erwachsene mit einem mythologischen Helden. Sowohl Roman als auch Film eroberten Publikum und Kritik im Sturm.

Mit Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Elisha Cook jr.

Hinweise

Wikipedia über „Mein großer Freund Shane“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Shane”

Rotten Tomatoes über „Shane“

Filmsite: Tim Dirks über “Shane”

Western-Autor Richard S. Wheeler über „Shane“ von Jack Schaefer


TV-Tipp für den 30. Juli: Der andere Liebhaber

Juli 29, 2020

MDR, 23.40

Der andere Liebhaber (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, in Zusammenarbeit mit Philippe Piazzo

LV: Joyce Carol Oates: Lives of the Twins, 1987 (Der Andere; Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Rosamund Smith)

Die hoffnungslos neurotische Chloé verliebt sich in ihren Psychotherapeuten – und seinen Zwillingsbruder. Das führt zu einigen mörderischen Verwicklungen.

TV-Premiere zu einer indiskutablen Uhrzeit.François Ozons Psychothriller ist ein wunderschöner intellektueller Spaß mit überraschenden Wendungen bis zur letzten Minute. Immer nach dem alten Thriller- und Horrorfilmprinzip „nichts ist, wie es scheint“; – was natürlich auch eine Täuschung sein kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der andere Liebhaber“

AlloCiné über „Der andere Liebhaber“

Metacritic über „Der andere Liebhaber“

Rotten Tomatoes über „Der andere Liebhaber“

Wikipedia über „Der andere Liebhaber“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Joyce Carol Oates‘ „Pik-Bube“ (Jack of Spades, 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Master Cheng in Pohjanjoki“ gibt Nachhilfe im Kochen und entdeckt…

Juli 29, 2020

Pohjanjoki ist kein Dorf irgendwo in der chinesischen Provinz, sondern eine Ansammlung von einigen wenigen Häusern und einem Imbissrestaurant in Lappland. Die Stammgäste sind meist älter und sehr finnisch. Die Restaurantbesitzerin Sirkka ist deutlich jünger, etwas resolut und finnisch-blond. Das von ihr zubereitete, oder treffender angerichtete Essen soll finnisch sein, sieht aber wie einer meiner Kochversuch aus, die ich mir nur schön reden kann, weil ich sehr hungrig bin und es nichts anderes zu Essen gibt. Sirkkas Mahlzeiten sind von ausgewählter Lieblosigkeit.

An diesem Ort strandet Master Cheng mit seinem Sohn. Cheng sucht Fongtron. Ob es sich dabei um einen Namen für eine Person oder um etwas anderes handelt, wissen Sirkka und ihre Gäste nicht. Sie haben noch nie von einen Fongtron.

Trotzdem will Cheng in Pohjanjoki bleiben und Fongtron suchen.

Als eine chinesische Reisegruppe, deren Bus liegen blieb, Sirkkas Restaurant betritt und von dem Anblick des finnischen Essen (Diese Matsche soll Essen sein?) schockiert ist, bietet Cheng Sirkka seine Hilfe an. Denn er ist Koch und er kann, mit den richtigen Zutaten (die im Lebensmittelladen um die Ecke gekauft werden) feines chinesisches Essen herbeizaubern, das sättigt und die Seele heilt.

Die Chinesen sind begeistert. Sirkka ebenfalls – und spätestens jetzt kann sich jeder, der schon einmal einen Film gesehen hat, in dem die Zubereitung von Essen im Mittelpunkt steht, sich mühelos die weitere Geschichte mit ihre kulinarischen und amourösen Verwicklungen ausmalen.

Mika Kaurismäki macht in seinem neuesten Film selbstverständlich Malen nach Zahlen. Wenn das Ergebnis dann allerdings so warmherzig ist, hat man nichts dagegen. „Master Cheng in Pohjanjoki“ ist ein Feelgood-Movie, das absolut vorhersehbar seine Geschichte einer Völkerverständigung erzählt in einem Finnland, das mehr mit einer ZDF-Inga-Lindström-Schmonzette zu tun hat als mit einem Aki-Kaurismäki-Film. Im Gegensatz zu seinem Bruder Aki (der mal wieder einen neuen Film drehen könnte) ist bei Mika Kaurismäki dieses Mal nichts skandinavisch-deprimierend und es gibt auch keine lakonisch gepflegte Tristesse des Proletariats.

Stattdessen gibt es prächtige Landschaftsaufnahmen, lecker zubereitetes chinesisches Essen, gut aufgelegte Schauspieler, etwas Humor, etwas Drama, etwas Essensphilosophie, angenehm wenig Kitsch und eine positive und sehr begrüßenswerte Botschaft.

Kaurismäki erzählt die Geschichte von Cheng und Sirkka so warmherzig, dass man die Erklärung, wer Fongtron ist, am besten einfach als den Grund akzeptiert, der den chinesischen Meisterkoch in die Provinz verschlägt. Denn irgendeinen Grund muss es geben, warum ein Vater mit seinem Sohn die Heimat verlässt und um die halbe Welt reist. Länger nachdenken sollte man nicht über diese Erklärung. Sie war schon vor fünfzig Jahren weit hergeholt. Heute, mit dem Internet und allgegenwärtigen Smartphones, ist sie komplett unglaubwürdig.

Das ändert nichts daran, dass „Master Cheng in Pohjanjoki“ ein schöner Film für einen Kinobesuch ist.

Ein dickes Lob geht an den Verleih, der die deutsche Fassung nicht komplett eindeutschte. In der Originalfassung wird finnisch, englisch und chinesisch gesprochen. In der deutschen Fassung deutsch, englisch und chinesisch. Und damit dürfte der sprachliche Reiz der Originalfassung (die ich gesehen habe) erhalten bleiben.

Mika Kaurismäki über seinen Film: „In Zeiten, in denen mächtige Diktatoren die Welt zu entzweien versuchen, wollte ich einen Film machen, der die Menschen wieder zusammenbringt.

Die Globalisierung ist das Thema der Stunde und hinterlässt nicht selten einen unangenehmen Beigeschmack. Auch ‚Master Cheng in Pohjanjoki‘ ist in gewisser Weise ein Film über Globalisierung – jedoch im positiven Sinne: Eine zufällige Begegnung zwischen zwei gewöhnlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die sich und ihre Umwelt gegenseitig bereichern und anerkennen, spiegelt den eigentlichen Geist der Globalisierung wider.

Die Narration ist bewusst minimalistisch gehalten. Seine Einfachheit macht ihn universell begreifbar, seine bedingungslose Herzlichkeit hat eine mitreißende Energie.

Die Landschaft und Drehorte des Films machen einen essenziellen Teil seiner Atmosphäre aus.“

Master Cheng in Pohjanjoki (Master Cheng, Finnland/China/Großbritannien 2019

Regie: Mika Kaurismäki

Drehbuch: Hannu Oravisto, Mika Kaurismäki (Adaption), Sami Keksi-Vähälä (Adaption)

mit Pak Hon Chu, Anna-Maija Tuokko, Lucas Hsuan, Vesa-Matti Loiri, Anna-Maija Tuokko, Kari Väänänen

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Master Cheng in Pohjanjoki“

Rotten Tomatoes über „Master Cheng in Pohjanjoki“

Wikipedia über „Master Cheng in Pohjanjoki“

Meine Besprechung von Mika Kaurismäkis „The Girl King“ (The Girl King, Fnnland/Deutschland/Kanada/Schweden 2015)


TV-Tipp für den 29. Juli: Tatort: Berlin – Beste Lage

Juli 28, 2020

RBB, 22.17

Tatort: Berlin – Beste Lage (Deutschland 1993)

Regie: Matti Geschonneck

Drehbuch: Rainer Berg, Matti Geschonneck

Musik: Ulrich Gumpert

Auf einem Laster, der Schrott nach Polen transportieren soll, wird die Leiche eines Tischlers gefunden, der im Scheunenviertel lebte. Das Wohn- und Gewerbegebiet in Berlin-Mitte soll luxussaniert werden. Deshalb wollen der Besitzer des Hauses und ein Makler die alten Mieter aus dem Wohnblock vertreiben. Kommissar Markowitz glaubt, dass der Tote etwas gegen sie in der Hand hatte.

Dichte Milieustudie, die die Veränderungen im Nachwendeberlin reflektiert. Denn schon damals wurde gnadenlos gentrifiziert.

Die acht Markowitz-“Tatorte“ sind immer noch ein Rätsel. Denn der SFB (heute RBB) produzierte von 1991 bis 1995 eine Reihe hochkarätiger „Tatorte“, die die damaligen Veränderungen in Berlin reflektierten. Und das in einer Qualität, die davor und danach nicht erreicht wurde. Denn davor ermittelte Heinz Drache als Kommissar Bülow (Gähn!), danach Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter (Grusel! Zwei Giftschrankfolgen und „Ein Hauch von Hollywood“, der so schlecht war, dass er an einem Montag um 23.00 Uhr versendet wurde).

mit Günther Lamprecht, Hans Nitschke, Claudia Balko, Thomas Schendel, Renate Küster

Hinweise

Wikipedia über „Tatort: Berlin – Beste Lage“

Tatort-Fundus über Kommissar Franz Markowitz

Berliner Morgenpost: Interview mit Günther Lamprecht über Kommissar Markowitz


Cover der Woche

Juli 28, 2020