„Point Break“ – der erste Trailer

Mai 27, 2015

Wow, der erste Trailer für „Point Break“ (das Remake von „Point Break“ mit leicht geänderter Story) sieht verdammt gut aus und er hat einen ordentlichen Michael-Mann-Vibe.

Kinostart ist in Richtung Jahresende und selbstverständlich gibt es eine 3D-Version.

Also: viel Spaß:

(via Variety)

Nachtrag (vor einigen Stunden vergessen): Der deutsche Verleih Concorde hat auch schon einige Bilder von Luke Bracey (The Best of Me – Mein Weg zu dir) als Johnny Utah und Édgar Ramirez (Carlos – Der Schakal) als Bodhi veröffentlicht.
Deutscher Kinostart ist der 21. Januar 2016. Also nachdem sich der „Star Wars“-Staub etwas gelegt hat.

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Die Story ist doch bekannt? Polizist Utah will in einem sportlichen Undercover-Einsatz eine Bande Verbrecher überführen. Dummerweise ist deren Anführer Bodhi ein Charmebolzen und dem Polizisten gefällt das adrenalingesteuerte Verbrecherleben. Ist ja auch spannender als am PC die Tasten zu schlagen.


TV-Tipp für den 27. Mai: Die Ehe der Maria Braun

Mai 27, 2015

Arte, 20.15

Die Ehe der Maria Braun (Deutschland 1978, Regie: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Danach, um 22.10 Uhr, läuft die ziemlich brandneue Doku „Fassbinder“ (hier besprochen).

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

Hinweise

Arte über Rainer Werner Fassbinder

Wikipedia über “Die Ehe der Maria Braun” und Rainer Werner Fassbinder

Deutsches Filmhaus über „Die Ehe der Maria Braun“

Filmzentrale: Besprechungen von Ulrich Behrens, Janis El-Bira und Dieter Wenk über “Die Ehe der Maria Braun”

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte


Cover der Woche

Mai 26, 2015

-ky - Schattenboxen


TV-Tipp für den 26. Mai: Angel Heart

Mai 26, 2015

Tele 5, 22.05

Angel Heart (USA 1987, Regie: Alan Parker)

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Homepage von William Hjortsberg

Thrilling Detective über Harry Angel

Mordlust über „Angel Heart“


Horror bei ZDFneo

Mai 25, 2015

Das dürfte einige Fans des gesitteten Horrorfilms erfreuen: ZDFneo zeigt ab Samstag, den 27. Juni, bis zum Samstag, den 1. August, jeden Samstagabend von der Tagesschau-Wettervorhersage bis zum Morgengrauen Horrorfilme. Auf dem Programm stehen:

Samstag, 27. Juni 2015

20.15 Uhr            Van Helsing, USA 2004

22.10 Uhr            Der Knochenjäger, USA 1999

0.00 Uhr              From Dusk Till Dawn, USA 1995 (allseits bekannt)

1.35 Uhr              Im Land der Raketenwürmer, USA 1990

03.05 Uhr            From Dusk Till Dawn, USA 1995 (Wiederholung)

4.40 Uhr              Tarantula, USA 1955 (ein Klassiker!!!)

Samstag, 4. Juli 2015

20.15 Uhr            Riddick – Chroniken eines Kriegers, USA 2004

22.00 Uhr            Turistas – Mörderisches Paradies, USA 2006

23.20 Uhr            Eden Lake, GB 2008

00.40 Uhr            Das Dorf der Verdammten, USA 1995 (von John Carpenter)

02.05 Uhr            Eden Lake, GB 2008 (Wiederholung)

03.25 Uhr            Turistas – Mörderisches Paradies

Samstag, 11. Juli 2015

20.15 Uhr            Von allen Geistern besessen, USA 1990

21.35 Uhr            Die Vögel, USA 1963 (das wird ein Hitchcock-Abend)

23.30 Uhr            Topas, USA 1969

1.30 Uhr              Der zerrissene Vorhang, USA 1963

3.30 Uhr              Cocktail für eine Leiche, USA 1948

04.45 Uhr            Von allen Geistern besessen, USA 1990 (Wiederholung)

Samstag, 18. Juli 2015

22.20 Uhr            Der verbotene Schlüssel, USA 2005

23.55 Uhr            In der Tiefe wartet der Tod, USA 2009

01.15 Uhr            Der weiße Hai 2, USA 1978

03.05 Uhr            Der weiße Hai – Die Abrechnung, USA 1987

04.30 Uhr             In der Tiefe wartet der Tod, USA 2009 (Wiederholung)

Samstag, 25. Juli 2015

22.00 Uhr            Let Me In, USA 2010

23.45 Uhr            Rosewood Lane, USA 2011

01.20 Uhr             Rammbock, D 2010 (ein deutscher Zombiefilm – und gut ist das Werk außerdem)

02.20 Uhr             Labyrinth der Monster, USA 1983

04.00 Uhr             Let Me In, USA 2010 (Wiederholung)

Samstag, 1. August 2015

22.05 Uhr            Gothika, USA 2003

23.40 Uhr            The Unborn, USA 2008

00.55 Uhr             Cube, CAN 1997 (Kultfilm?)

02.25 Uhr             Katzenmenschen, USA 1981 (inzwischen auch ein Klassiker, von Paul Schrader)

04.14 Uhr             Gothika, USA 2003 (Wiederholung)

–

Insgesamt eine mehr als überzeugende Auswahl von eher neueren Horrorfilmen.


DVD-Kritik: Der Südkorea-Thriller „Verjährung“

Mai 25, 2015

Nach den ersten Minuten vermutet der gestandene Thriller-Fan, dass „Verjährung“ eine weitere Variation von Friedrich Dürrenmatts „Das Versprechen“ (ursprünglich verfilmt als „Es geschah am hellichten Tag“) wird. Immerhin kündigt Kommissar Cheong-ho seinen Job und er nimmt die Ermittlungsakten mit, um weiter an dem nicht aufgeklärten Entführungsfall zu ermitteln. Damals starb bei der Lösegeldübergabe das entführte Kind. Er hatte damals der Mutter Ha-kyung versprochen, den Täter zu finden. Seitdem sind fünfzehn Jahre vergangen und die Verjährungsfrist, die jede Ermittlung beendet, setzt ein.
Das könnte einen spannenden Kriminalfilm geben.
Aber Regisseur und Drehbuchautor Chung Keun-Sup macht nach diesem Auftakt noch einige Schlenker, die die Geschichte in neue und überraschende Bahnen lenkt. Es beginnt mit neuen Ermittlungen, weil jemand an dem der Öffentlichkeit unbekanntem Tatort eine Blume hinterlegte. Das ist die erste vielversprechende Spur, die Cheong-ho seit Ewigkeiten hat. Außerdem gibt es eine zweite Entführung, die an die damalige Entführung erinnert. Cheong-ho wird zu den Ermittlungen hinzugezogen. Außerdem ermittelt die immer noch um ihr Kind trauernde Mutter auf eigene Faust.
Gegen Ende driftet die Geschichte in „Oldboy“-Gefilde. Und wenn sich in den letzten Minuten alle Puzzlestücke zusammenfügen, zieht man anerkennend seinen Hut vor Chung Keun-Sup, der virtuos mit den Erwartungen des Zuschauers spielte.
Nur die zur Auflockerung eingestreuten Comedy-Elemente stören.

Verjährung - DVD-Cover

Verjährung (Mong-tajoo, Südkorea 2013)
Regie: Chung Keun-Sup (DVD-Cover, gebräuchlicher sind Geun-seop Jeong oder umgekehrt Jeong Geun-Seop)
Drehbuch: Chung Keun-Sup
mit Uhm Jung-Hwa, Kim Sang-Kyung, Song Young-Chang, Cho Hee-Bong
–
DVD
Edel
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Trailer
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Verjährung“
Rotten Tomatoes über „Verjährung“
Wikipedia über „Verjährung“


TV-Tipp für den 25. Mai: Der Plan

Mai 25, 2015

ZDF, 23.35

Der Plan (USA 2011, Regie: George Nolfi)

Drehbuch: George Nolfi

LV: Philip K. Dick: Adjustment Team, 1954 (Kurzgeschichte)

Politiker David Norris verliebt sich in die Tänzerin Elise. Da tauchen einige seltsame Männer bei ihm auf, die behaupten, von einem Planungsbüro zu kommen und Norris’ Leben nachzujustieren. Denn nach dem Plan gibt es zwischen David und Elise keine Liebesgeschichte.

Bei Kritik und Publikum ziemlich gut angekommenes Spielfilmdebüt von George Nolfi, dem Drehbuchautor von „Das Bourne Ultimatum“, „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ und „Ocean’s Twelve“, über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.

„Der Plan“ reiht sich mit seiner guten Story, den guten Schauspielern, der gelungenen Inszenierung und den gelungenen Tricks (es gibt wenige Tricks und die fügen sich organisch in die Geschichte ein) in die Reihe der gelungenen Philip-K.-Dick-Verfilmungen ein.

mit Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp

Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Plan“

Metacritic über „Der Plan“

Rotten Tomatoes über „Der Plan“

Wikipedia über „Der Plan“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“

Philip K. Dick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Mai: Blitz

Mai 24, 2015

Pro7, 23.00

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Seine sieben „Inspector Brant“-Romane sind bis jetzt noch nicht übersetzt, aber das ändert sich ungefähr jetzt. Denn der Polar-Verlag veröffentlicht ungefähr jetzt „Kaliber“ mit dem Herrn Brant auf Mörderjagd.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Montag, 25. Mai, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Mein Herz tanzt“ zwischen den Kulturen

Mai 23, 2015

1982: Eyad wächst in einem arabischen Dorf in Israel auf. Seine Familie ist lebhaft. Niemand hat viel, aber insgesamt Ist das Klima in der Gemeinde gut. Wenn nicht die Israelis wären, die einen ständig unterdrückten.
Sechs Jahre später erhält der intelligente Junge als bislang erster Palästinenser ein Stipendium an einem jüdischen Elite-Internat in Jerusalem. Er nimmt, begleitet von den besten Wünschen und der Unterstützung seiner Eltern, das Stipendium an und taucht, ganz auf sich allein gestellt, in das ihm fremde universitäre und jüdische Leben in der Großstadt ein. Er verliebt sich in seine Klassenkameradin Naomi. Ihre jüdischen Eltern dürfen nichts von ihrer Beziehung erfahren. Und er kümmert sich, im Rahmen des Sozialprojekts der Schule, um den gleichaltrigen jüdischen Yonatan, der an einer unheilbaren Muskellähmung erkrankt ist. Nach anfänglichen Problemen befreunden sie sich. Eyad wird praktisch zu einem Teil der Familie.
Drei Jahre später steht er vor einer schwierigen Entscheidung zwischen seinen muslimischen Wurzeln und einer Zukunft in Israel.
Eran Riklis‘ neuer Film „Mein Herz tanzt“ beginnt wie eine schrullige Komödie aus dem israelisch-palästinensischem Grenzland mit all ihren Absurditäten und wird zunehmend ernster. Das könnte funktionieren, wenn Riklis darauf vorbereiten würde, die Geschichte nicht zunehmend zwischen ihren Plots zerflettern würde (was man wohlwollend als ein tanzen zwischen Kulturen und Ansprüchen interpretieren könnte) und das Ende nicht so absurd wäre. Es ist „überraschend“ (was ja jeder Schreibratgeber fordert) im negativen Sinn. Nichts bereitet einen während des Films darauf vor. Es ist aus der Luft gegriffen, eigentlich gegen den Charakter von Eyad und man fragt sich, ob Riklis das wirklich als eine Antwort auf die Identitätskonflikte junger Menschen geben möchte.
Diese Uneinheitlichkeit im Erzählton und auch der Erzählhaltung führt dazu, dass man glaubt, drei verschiedene Filme zu sehen und die Dramaturgie zunehmend episodisch wird. Die Geschichte zerfasert, was durch die Zeitsprünge (Juni 1988, November 1990 und April 1991) noch verstärkt wird und es wird immer unklarer, an welchem Punkt Riklis die Filmgeschichte beenden will. Wenn es in der Liebesgeschichte eine entscheidende Wendung gibt? Wenn sein Freund stirbt? Wenn er sein Studium abschließt und ein neues Kapitel seines Lebens aufschlägt? Oder wenn er sein Studium abbricht, um, wie sein Vater, Terrorist zu werden? Nun, ein Terrorist wird Eyad nicht.
Diese während des Films verstärkende Unklarheit über das angepeilte Ende (also das Ziel der Reise) führt auch dazu, dass man das Interesse an der Filmgeschichte verliert.
Ein sprachgewaltiger Autor – „Mein Herz tanz“ basiert auf einem halb-autobiographischem Roman – kann mit seiner Sprache über diese episodenhafte Struktur hinwegtäuschen. In einem Film, der einer anderen Dramaturgie gehorcht, ist das allerdings zu wenig.
Das ist schade, weil „Mein Herz tanzt“, nach dem fast schon burlesken ersten Teil, feinfühlig von den Ängsten, Nöten und Hoffnungen eines Studenten in einer fremden Stadt und einer ihm feindlich gesonnenen Gesellschaft, in der er versucht seinen Weg zwischen den Kulturen zu finden, erzählt.

Mein Herz tanzt - Plakat

Mein Herz tanzt (Dancing Arabs, Israel/Frankreich/Deutschland 2014)
Regie: Eran Riklis
Drehbuch: Sayed Kashua
LV: Sayed Kashua: Dancing Arabs, 2002 (Tanzende Araber)
mit Tawfeek Barhom, Razi Gabareen, Yael Abecassis, Michael Moshonov, Ali Suliman, Danielle Kitzis, Marlene Bajali, Laetitia Eido, Norman Issa
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mein Herz tanzt“
Moviepilot über „Mein Herz tanzt“
Rotten Tomatoes über „Mein Herz tanzt“
Meine Besprechung von Eran Riklis‘ „Die Reise des Personalmanagers“ (שליחותו של הממונה על משאבי אנוש‎/Shliḥuto shel Ha’Memuneh al Mash’abey Enosh, Israel/Deutschland/Frankreich/Rumänien 2010)


TV-Tipp für den 23. Mai: Tatort: Schattenboxen

Mai 22, 2015

HR, 21.40
Tatort: Schattenboxen (Deutschland 1981, Regie: Fritz Umgelter)
Drehbuch: Hans Kelch (nach der Kurzgeschichte „Ein Mord zur rechten Zeit“ von -ky, erschienen in „Mitunter mörderisch“, 1976)
Erster von zwei Auftritten von Lutz Moik als Hauptkommissar Bergmann: ein Fabrikant wird entführt. Kommissar Bergmann glaubt, dass ein Boxtrainer und sein Schützling etwas mit der Entführung zu tun haben. Und er fragt sich, warum es, trotz einer hohen Lösegeldforderung, kein Lebenszeichen von dem Entführtem gibt.
Ein alter „Tatort“, der allein schon wegen seinem Alter sehenswert ist. Außerdem laufen diese alten „Tatorte“ fast nie im Fernsehen.
mit Lutz Moik, Ingmar Zeisberg, Günter Strack, Günter Lamprecht, Matthias Dittmer, Karl Michael Vogler, Richy Müller
Hinweise
Das Erste über „Tatort: Schattenboxen“
Wikipedia über „Tatort: Schattenboxen“
Tatort-Fundus über Kommissar Bergmann


Neu im Kino/Filmkritik: Die Kulturdoku „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979 – 1989“

Mai 22, 2015

Sting sang vor Ewigkeiten über einen „Englishman in New York“. Mark Reeder ist ein Englishman in Berlin und er findet Sting wahrscheinlich wahnsinnig blöd. Immerhin stöberte Reeder in seiner Heimat Manchester (kein schöner Ort, aber die Heimatstadt von „Joy Division“) durch die Fächer seines Plattenladens und er war fasziniert von den tollen elektronischen Klängen, die aus Deutschland kamen. Kraftwerk, Tangerine Dream undsoweiter. Also machte er sich Ende der Siebziger, als Zwanzigjähriger, ohne Geld, ohne ein Wort Deutsch zu können (bis auf die wenigen Worte, die man aus den Filmen kannte und mit denen man die Eltern, die noch den Krieg erlebt hatten, mühelos provozieren konnte), mit einem Spleen für Uniformen (natürlich deutsche Uniformen) auf den Weg in die Stadt seiner Träume: Berlin, das ihn mit seiner lieblos gepflegten Ruinenlandschaft an seine Heimatstadt erinnerte.
Dort wuselte er in der Kunst- und Musikszene herum, traf einige der von ihm verehrten Musiker (bei anderen endete das Abenteuer an der Haustür) und auch andere, damals noch unbekannte Musiker, wie Nena, Die Toten Hosen, Blixa Bargeld und Nick Cave (der in dem Film durch seine, ähem, Wohnung führt), lebte in besetzten Häusern, hatte Zoff mit der Polizei, trat in Filmen auf (seine Kleidung half), organisierte Konzerte und alles war, wie Mark Reeder in „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979 – 1989“ erzählt, ein einziger Rausch. Immerhin war West-Berlin in den Achtzigern ein Kreativzentrum der Subkultur und er war mittendrin. Jedenfalls soweit er sich noch daran erinnern kann, denn, wie am Anfang des Films ganz bescheiden bemerkt wird: wer sich an die Achtziger erinnern könne, habe sie nicht erlebt. Nach der Euphorie der frühen Achtziger mit Depri-Klängen, Endzeit-Musik und experimentellen Avantgarde-Klängen und einem bekennendem Dilletantismus, war irgendwann die Party vorbei. Es kam der Kater. Ende der Achtziger entdeckte er Westbam. Von diesen neuen elektronischen Klängen war er wieder fasziniert und er gründete 1990 das Trance-Label MFS. Aber das ist eine andere Geschichte.
In „B-Movie“ erzählt Reeder seine Geschichte. In der deutschen Fassung sogar mit einem wunderschönen Akzent, der seiner distanziert-ironischen, sich selbst nie zu ernst nehmenden Schilderung von den wilden achtziger Jahren in West-Berlin eine zusätzlich sehr britische Note verpasst, wenn er erzählt, wie er als seltsamer Engländer mit einem Uniformfetisch freundlich von den Berlinern aufgenommen wurde, die frühen Achtziger eine einzige Party in einem von der restlichen Welt abgeschlossenem Irrenhaus waren, garniert mit Ausflügen nach Ost-Berlin, das er „Disneyland für Depressive“ nennt.
Denn trotz aller Selbstinszenierung (man hat das Gefühl, dass Reeder keine zwei Schritte ohne seine Kamera ging) wirkt er immer sympathisch redselig und bescheiden. Das liegt auch daran, dass er ein großes Panorama der damaligen Szene ausbreitet und er und die Filmemacher Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck (die ebenfalls aus der Subkulturszene kommen) und Heiko Lange tief in den Archiven wühlten und eine erstaunliche Menge an zeitgenössischem Filmmaterial ausgruben, das es ihnen ermöglichte, vollkommen auf aktuelle Interviews zu verzichten. „B-Movie“ ist die Rückschau von Reeder, die eher zufällig entstand. In einem Interview in der „Berliner Zeitung“ vom 21. März 2015 (nicht online) sagt er: „Jörg [Hoppe] gefiel eines meiner Remix-Alben und so fragte er mich, ob ich bei diesem Projekt das Sounddesign machen wollte. Ich fand das interessant und meinte, ich hätte da ein paar Filme bei mir zu Hause. Das könnte er sich ja überspielen. Er wusste überhaupt nichts von meinem früheren Leben. Gleichzeitig suchten sie nach einem roten Faden, der die Filmsequenzen verbindet. Der Film ist also ganz den Regisseuren zu verdanken, sowie allen, die uns ihre Super-8- oder VHS-Filme gegeben haben. Ich als außenstehender Dritter konnte allerdings aus einer ganz anderen Perspektive erzählen, um die Stadt zu dieer Zeit zu zeigen, mit einem ganz anderen Humor.“
So entstand eine feine, kurzweilige, witzige, lehrreiche Dokumentation, die eine gute Ergänzung zu Oscar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ ist und etwas Lust auf das Wiederhören der alten Platten macht. Denn der Endzeit-Lärm der „Einstürzenden Neubauten“ (um nur die bekannteste Berlin-Band zu nennen) ist nicht gerade lauschige Musik für das Feierabendbier.

B-Movie - Plakat

B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979 – 1989 (Deutschland 2015)
Regie: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange
Drehbuch: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange
mit Mark Reeder, Gudrun Gut, Westbam, Blixa Bargeld, Nick Cave, Joy Division, Zazie de Paris, Nena, Die Toten Hosen, Der Wahre Heino, Einstürzende Neubauten, Die Ärzte, Malaria!, Ideal, Jörg Buttgereit
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „B-Movie“
Film-Zeit über „B-Movie“
Moviepilot über „B-Movie“
Wikipedia über Mark Reeder (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Augen des Engels“ und die Sinnkrise des Regisseurs

Mai 22, 2015

Der Mordfall war im November 2007 ein gefundenes Fressen für die Medien: ein Mord unter Studenten in der italienischen Stadt Perugia. Das Opfer Meredith Kercher sah gut aus und war aus England. Die mutmaßliche Täterin, die Studentin Amanda Knox, der „Engel mit den Eisaugen“, sieht ebenfalls gut aus und ist aus den USA. Ein mit ihr befreundeter italienischer Student wurde als Mittäter angeklagt und Gerüchte über satanische Riten vervollständigten das Bild. Die Ermittlungen der Polizei waren so schlampig, dass, befeuert von den Sozialen Medien (also dem Internet), gleich die Verschwörungstheorien ins Kraut schossen.
Die Journalisten waren entzückt und berichteten über Monate ihren Heimatredaktionen über die Ermittlungen und den durch mehrere Instanzen gehenden Prozess. True-Crime-Autoren schrieben Bücher, von denen nur die wenigsten ins Deutsche übersetzt wurden. Eines der wenigen ist, bei Knaur, „Der Engel mit den Eisaugen“ (The Witch of Perugia, 2013) von Douglas Preston und Mario Spezi.
Hollywood hätte sich die Geschichte nicht besser ausdenken können.
Auch Michael Winterbottoms „Die Augen des Engels“ erzählt nur leicht fiktionalisiert die Geschichte des Mordfalls Kercher und des Presserummels anhand den Recherchen von Thomas Lang (Daniel Brühl), der einen Spielfilm über den Fall drehen will. Auch wenn Winterbottom es in Abrede stellt, kann man nicht anders, als in Lang das filmische Alter Ego von Michael Winterbottom zu sehen, der im Film die Reise unternimmt, die Winterbottom bei den Recherchen für den Film unternommen hat.
Die US-Journalistin Simone Ford (Kate Beckinsale) (deren reales Vorbild Barbie Latza Nadeau dem Filmteam helfend zur Seite stand) erklärt ihm in Siena die Hintergründe des Mordfalles, führt ihn an die wichtigen Orte und vermittelt ihm einige Gesprächspartner. Die Amerikanerin Jessica Fuller soll mit ihrem Freund ihre Mitbewohnerin ermordet haben. Ford führt ihn an die wichtigen Orte, verschafft ihm Kontakte und besucht mit ihm auch Gerichtsverhandlungen. Außerdem lernt Lang eine junge Studentin kennen, die ihn in die studentische Gemeinde einführt.
Diese Konstruktion in der neben dem Mordfall auch die journalistische und die fiktionale Bearbeitung eines Skandalmordfalles angesprochen werden, übt natürlich einen gewissen Reiz aus, der sich im Film dann nur bedingt entfaltet. Denn der Protagonist ist ein Beobachter, der einfach noch einmal die bekannten Fakten zusammenträgt (vor allem indem Journalisten sie ihm erzählen), fernab von seiner Heimat eine kleine Sinnkrise hat (er hat seit Jahren keinen Film mehr gedreht und lebt getrennt von seiner Frau und seiner Tochter) und, immerhin soll es ja irgendwann auch etwas Thriller-Spannung geben, glaubt, dass er in Lebensgefahr schwebt, weil ein geheimnisvoller Blogger (Valerio Mastandrea), der behauptet, die wahren Hintergründe zu kennen, ihn umbringen will. Die Auslandskorrespondenten, die in Siena den Mord beobachten, sind ein kleines hübsches Biotop, das lange nicht so interessant wie das Biotop der Kriegsreporter ist, und das auch eher eine dekorative Rolle hat. Das gleiche gilt für das studentische Milieu, das Lang ebenfalls als Außenstehender betrachtet.
Michael Winterbottom spricht in seinem Film viel an, ohne sich jemals wirklich für eine Geschichte zu entscheiden. Eigentlich kann man „Die Augen des Engels“ sogar besser darüber beschreiben, was er nicht ist. Am Ende überwiegt daher der Eindruck ein vor fotogener Kulisse gut gespieltes, niemals wirklich packendes Drama, das einmal als TV-Film-der-Woche geplant war, gesehen zu haben. „Die Augen des Engels“ ist nicht wirklich schlecht. Es ist aber auch kein Film, den man begeistert weiterempfiehlt.
Nach mehreren Gerichtsverhandlungen wurden am 27. März 2015 vom obersten Gerichtshof Italiens Amanda Knox und Raffaele Sollecito endgültig freigesprochen. Wer Meredith Kercher ermordete ist immer noch unklar.

Die Augen des Engels - Plakat

Die Augen des Engels (The Face of an Angel, Großbritannien/Italien/Spanien 2014)
Regie: Michael Winterbottom
Drehbuch: Paul Viragh
LV: Barbie Latza Nadeau: Angel Face, 2010 (Sachbuch über den Mordfall)
mit Daniel Brühl, Kate Beckinsale, Valerio Mastandrea, Cara Delevingne, Ava Acres, Genevieve Gaunt, Sai Bennett, Ranieri Menconi, Andrea Tidoni, Peter Sullivan
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Augen des Engels“
Moviepilot über „Die Augen des Engels“
Metacritic über „Die Augen des Engels“
Rotten Tomatoes über „Die Augen des Engels“
Wikipedia über „Die Augen des Engels“ und den Mordvall Meredith Kercher (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010)

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Ein Q&A zum Film


Neu im Kino/Filmkritik: „A world beyond“ im Tomorrowland hier und da

Mai 22, 2015

Der Anfang von Brad Birds neuem Film „A world beyond“ (er war zuerst als „Projekt: Neuland“ angekündigt) ist eine schöne Einführung in verschiedene Weltsichten und auch ein kleiner Ulk auf Kosten des Produzenten: George Clooney wendet sich direkt an uns und sagt, dass man die nun folgende Geschichte in die richtige Perspektive setzen müsse. Nämlich die Negative, mit Kriegen und von Menschen verursachte Umweltzerstörung und Katastrophen, die die Welt zerstören. Eine Stimme unterbricht ihn und fordert eine postivere Perspektive. Für Kinder ist diese Szene sicher nur ein gelungener Witz, für Filmkundige eine liebevolle Auseinandersetzung mit der immer positiven Disney-Welt und der ganz anderen Realität, die natürlich im weiteren Film nur noch eine Nebenrolle spielt. Immerhin ist der retrofuturistische Science-Fiction-Abenteuerfilm „A world beyond“ ein Disney-Film, der sich in erster Linie an das typische Disney-Publikum, also Kinder, richtet, ohne dass Erwachsene schreiend den Saal verlassen müssen. Für die gibt es genug Subtexte, Anspielungen und filmische Zitate, um sie kurzweilig zu unterhalten, während die Geschichte auf der logischen Ebene wenig bis keinen Sinn ergibt. Dafür stimmt die emotionale Reise, auf die uns Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird (Ratatouille, Mission: Impossible – Phantom Protokoll) und Mit-Drehbuchautor Damon Lindelof (Lost, World War Z) mitnehmen umso mehr.

Casey Newton (Britt Robertson) ist als Teenager ein echter Wildfang, die sich, wenn sie nicht gerade um ihren jüngeren Bruder kümmert, die Abrissbagger an einer Raketenabschussrampe in Cape Canaveral sabotiert (sie will den Abriss und die damit drohende Arbeitslosigkeit ihres Vaters verhindern). Sie ist superschlau, von der Technik begeistert und gnadenlos fortschrittsgläubig. Die Optimistin glaubt, dass mit Erfindungen eine bessere Welt möglich ist. Sie ist die große Schwester, die wir als Zehnjährige gerne gehabt hätten.

Als sie nach einem ihrer nächtlichen Streifzüge inhaftiert wird, erhält sie bei ihrer Entlassung einen Button mit einem „T“, der sie, als sie ihn anfasst, in eine andere Welt versetzt. Es ist das Tomorrowland, dessen Silhoutte dem bekannten Disney-Logo ähnelt und in Disneyworld gab es bereits 1955 den ersten „Tomorrowland“-Themenpark, der den naiven, an seine technische Machbarkeit glaubenden Fortschrittsglauben der fünfziger Jahre huldigte und der sich auch bruchlos im Film wiederfindet.

Als forschungsbegeisterte Jugendliche will Casey natürlich mehr über diese fantastische, saubere und perfekte Zukunftswelt erfahren und sie begibt sich auf eine gefahrvolle Reise, auf der sie auch Frank Walker (George Clooney) begegnet. Vor Jahrzehnten war er, wie sie, ein an eine wundervolle Zukunft voller wundervoller technischer Spielereien und Gadgets glaubender Jugendlicher. Für die Weltausstellung 1964 hat der damals Zehnjährige einen Raketen-Rucksack erfunden, der noch nicht perfekt funktionierte. Anstatt nach oben bewegte er sich seitwärts. Damals gab die gleichaltrige Athena (Raffey Cassidy) ihm ebenfalls einen „T“-Button und er konnte das Tomorrowland, ein Ort, in dem die besten Erfinder der Welt abgeschieden von der normalen Welt, an Erfindungen, die die Welt zu einem besseren Ort machen sollen, arbeiten.

Doch dieser Traum wurde irgendwann zu einem Alptraum, der auch unsere Welt bedroht.

Als letzte Chance für eine Rettung beider Welten hat die immer noch jugendliche Athena Casey den letzten „T“-Button gegeben.

Aber bis wir erfahren, wer Tomorrowland und die Welt zerstören will und Casey und Frank auf den erstaunlich blassen Bösewicht treffen, muss sie in der Gegenwart (im SF-Andenkenladen „Blast from the Past“ und mit vielen menschenähnlichen Robotern) und in der Vergangenheit (die etwas mit dem Eiffelturm zu tun hat) viele Abenteuer erleben, die alle in sich vergnüglich sind, aber, genau wie ein Kindergeburtstag, nicht viel Sinn ergeben. Außer natürlich, dass man eine gute Zeit hat.

A World Beyond - Plakat

 

A world beyond (Tomorrowland, USA 2015)

Regie: Brad Bird

Drehbuch: Brad Bird, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Damon Lindelof, Brad Bird und Jeff Jensen)

mit George Clooney, Britt Robertson, Hugh Laurie, Raffey Cassidy, Tim McGraw, Keegan-Michael Key, Kathryn Hahn, Thomas Robinson, Judy Greer

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „A world beyond“

Moviepilot über „A world beyond“

Metacritic über „A world beyond“

Rotten Tomatoes über „A world beyond“

Wikipedia über „A world beyond“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Ghost Protocol, USA 2011)


TV-Tipp für den 22. Mai: Der Staatsfeind Nr. 1

Mai 22, 2015

Pro Sieben, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (USA 1998, Regie: Tony Scott)

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Sonntag, 24. Mai, 15.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte


„Secret Service – Jahrbuch 2015“ und das „Krimimagazin: Crime & Sex“ informieren über die Krimiwelt

Mai 21, 2015

Krimimagazin - Crime & SexSyndikat - Secret Service Jahrbuch 2015 - 2

Nachdem der alljährliche „Der deutsche Krimi ist schlecht und der Regionalkrimi ist noch schlechter“-Artikel dieses Jahr von Lisa Kuppler, die es eigentlich besser wissen müsste, in der FAZ erschien und es gleich einige geharnischte Kommentare gab (unter anderem Der Schneeman, CrimeNoir, Crimemag und Polar), erspare ich mir jede weitere Kommentierung (aber man könnte die bekannte „Der Regionalkrimi ist doof“-Melodie doch wenigstens mal etwas variieren) und wende mich den Sammelbänden „Secret Service – Jahrbuch 2015“ von der deutschsprachigen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und dem Sammelband „Krimimagazin: Crime & Sex“ von Tobias Gohlis und Thomas Wörtche zu.

Im „Krimimagazin: Crime & Sex“ versammeln die beiden Krimikritiker neun Texte von Krimiautoren. Drei Frauen, sechs Männer. Drei Deutsche, sechs, hm, Ausländer.

Und auch nach der Lektüre kann ich immer noch nicht sagen, wer es kaufen soll und was die Absicht des Sammelbandes ist. Das heißt jetzt nicht, dass die Texte vollkommen uninteressant sind. Es sind Ergänzungen zu den von den Autoren geschriebenen Romanen, die teilweise schon etwas älter sind. Es handelt sich um Hintergrundmaterial und damit klassisches Material für ein Nachwort.

So schreibt Gary Dexter („Der Marodeur von Oxford“, Penser Pulp 2013) in „Kriminalliteratur und Sexologie: Bettgenossen des 19. Jahrhunderts“ über Krimis (viel Sherlock Holmes) und Sexologen im 19. Jahrhundert. Das liest sich eher wie ein Lexikonartikel.

Auch Wolfgang Kaes‘ Ausführungen über Stalking und die nicht mehr aktuelle Gesetzeslage in Deutschland lesen sich wie ein Lexikonartikel. Kaes (zuletzt „Spur 24“, rororo 2014) schrieb darüber in „Herbstjagd“ (2006).

Mechtild Borrmann schreibt über Zwangsprostitution am Beispiel einer Prostituierten. Das Porträt basiert auf ihren Recherchen für „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (Droemer Verlag, 2014) und verrät einem informiertem Zeitungsleser nichts Neues.

María Inés Krimer („Sangre Kosher: Ruth Epelbaum und die Zwi Migdal“, Penser Pulp 2014) schreibt über Prostitution in Argentinien, gestern (viel und interessant) und heute.

Andrew Brown (zuletzt „Trost“, btb 2014) erzählt eine Episode aus seinem Alltag als Polizist mit einer Straßenprostituierten.

Carlo Lucarelli (zuletzt „Bestie“, Folio 2014) redet über den italienischen Mann und das Verbrechen in Italien, also vor allem die Mafia. Das Interview ist ein netter Einblick in die italienische Seele.

Liza Cody liefert einige Hintergründe zu ihrem letzten Roman „Lady Bag“ (ariadne, 2014). Sie porträtiert vier obdachlose Frauen, die sie zu dem Roman inspirierten und dieser gut geschriebene Text macht wirklich neugierig auf „Lady Bag“.

Howard Linskey schreibt über das Geschäft mit der Prostitution in England, das auch in seinen Romanen „Crime Machine“ (Knaur 2012), „Gangland“ (Knaur 2014) und „Killer Instinct“ (Knaur, angekündigt für August 2015) eine Rolle spielt.

Und Frank Göhre begibt sich wieder auf die sündige Meile St. Pauli. Darüber hat er mehrere Romane geschrieben und in diversen Nachworten und Essays auch über die wahren Hintergründe seiner Geschichten geschrieben. Trotzdem gelingt es ihm in „Palais d’Amour“ einige Aspekte anzusprechen, die auch für einen Göhre-Fan noch neu sind.

Aber in den Sammelband fehlt jede kritische Betrachtung oder Einordnung von ihren Romanen (was auch nicht die Aufgabe des Autors ist) oder des Themas „Sex und Verbrechen“ in die Geschichte der Kriminalliteratur. Es gibt, was man bei den beiden Herausgebern eigentlich hätte erwarten können, keinen einzigen Text, der sich mit der Darstellung von Kriminalität und Sexualität im Kriminalroman beschäftigt und was die Behandlung von Sex und Verbrechen in der Literatur über die Wirklichkeit aussagt.

In den Essays geht es fast immer nur um Prostitution in der Wirklichkeit in verschiedenen Ländern in der Vergangenheit und der Gegenwart, mal mit mehr, mal mit weniger Informationen über die Verbindung vom Sexgewerbe zum Verbrechen. Man erfährt auch etwas über den dortigen Sittenwandel. Aber ohne die Kenntnis der Romane hängen die Texte fast alle im luftleeren Raum, oft sind sie nicht sonderlich spannend geschrieben und allzu neugierig wurde ich nicht auf die meisten Romane.

Immerhin gelingt es Liza Cody, Howard Linskey und Frank Göhre, die alle auch sagen, wie die Wirklichkeit ihre Romane inspirierte, neugierig auf ihre Romane zu machen. Und das wäre nach „drei Frauen“ und „drei Deutsche“ das dritte Trio.

Für Februar 2016 ist mit „Crime & Money“ das zweite Krimimagazin angekündigt, das dann hoffentlich mehr als ein schlechter „True Crime“-Sammelband ist.

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Das Zielpublikum von „Secret Service – Jahrbuch 2015“ des Syndikats ist dagegen ganz klar umrissen: die Mitglieder des Syndikats und deutschsprachige Krimiautoren. Für sie gibt es die bewährte Mischung aus Klatsch und Tratsch, vulgo Vereinsmeierei. Es gibt einige Kurzkrimis, die ungefähr die Länge eines Witzes haben, Veranstaltungsberichte (über die Wiener Kriminacht, die Criminale und das Forum Criminale; beides lesenswert), Hintergrundinformationen (über E-Books und Lesungen), Ratschläge und, von Thomas Przybilka (der auch wichtige Sekundärliteratur auflistet), die immer interessanten Befragungen der Glauser-Preisträger. Dieses Jahr sind es die 2014er Preisträger Judith W. Taschler (für „Die Deutschlehrerin“ als bester Roman), Harald Gilbers (für „Germania“ als bestes Debüt), Verleger Herman-Josef ‚Hejo‘ Emons (Ehrenglauser für besondere Verdienste), Alexander Pfeiffer (für „Auf deine Lider senk ich Schlummer“ als bester Kurzkrimi) und Alice Gabathuler (für „NO_WAY_OUT“ als bester Kinder- und Jugendkrimi).

Und dann gibt es, immer wieder, Texte, die mich kopfschüttelnd zurücklassen, wie Renate Klöppels „Lampenfieber bei Lesungen: Ein Übel, mit dem man sich abfinden muss?“. Anstatt wirklich sinnvolle Hinweise zu geben oder zu erzählen, wie eine Lesung funktioniert, plaudert sie ein wenig und die Tipps sind höchstens für Schüler, die zum ersten Mal ein Referat halten sollen, tauglich. Denn – und hier kommen meine Tipps für Lesungen – als Autor hat man im Gegensatz zu allen anderen Menschen, die etwas präsentieren, einige Vorteile: die Leute sind wegen einem gekommen, sie sind höflich und interessiert und sie wollen den Autor umschmeicheln. Sie werden also keine unhöflichen Fragen stellen oder einen kritisieren. Man hat schon einen Text, den man einfach nur vorlesen muss. Niemand erwartet, dass ein Autor ein guter Vorleser ist. Er sollte einfach seinen Text langsam und laut (wenn es kein Mikrophon gibt) vorlesen und danach einfach schon einmal die offensichtlichen Fragen (Woher haben Sie ihre Ideen? Warum haben Sie diesen Roman geschrieben? Wie sieht ihr Arbeitstag aus? Hat Hollywood schon wegen der Verfilmung angefragt?) beantworten. Dabei kann er sich viel Zeit lassen. Denn die Leute wollen ihm zuhören. Sie werden ihn nicht unterbrechen. Und, wie gesagt, sie sind höflich. Sie klatschen. Sie lachen. Sie freuen sich, dass der Autor sie beehrt. Am Ende signiert man die Bücher.

Außerdem sollte jeder Autor vor seiner ersten Romanveröffentlichung – immerhin haben sie fast alle studiert – schon einige Vorträge vor Publikum gehalten haben. In der Schule (die blöden Referate), in der Universität (die blöden Referate) und im Beruf (die blöden Referate).

Über Horst-Dieter Radkes Behauptung „Die Protagonisten der meisten aktuellen Romane haben keine Biographie.“ in „Über das Grab hinaus… – Von Krimiklassikern lernen“ lohnt es sich kaum zu streiten. Er nennt dann Dorothy L. Sayers‘ Lord Peter Wimsey, Agatha Christies Miss Marple und Hercule Poirot und George Simenons Kommissar Maigret als Charaktere mit einer ausgefeilten Biographie.

Der Leser aktueller Romane denkt an Lawrence Blocks Matt Scudder, James Lee Burkes Dave Robicheaux, Michael Connellys Harry Bosch, Ian Rankins John Rebus, Robert B. Parkers Jesse Stone, Ken Bruens Jack Tayler, und ehe ihm weitere Ermittler mit einer ausgewachsenen Biographie, die sich über mehrere Romane entwickelt, einfallen, beschließt er, den Text zu vergessen.

In „Großleinwandthriller oder: Warum machst du eigentlich kein Kino?“ schreibt Matthias Herbert über seine Erfahrungen bei der (Nicht-)Realisierung eines Spielfilms. Das ist amüsant geschrieben und bietet einen ernüchternden Einblick in die deutsche Filmszene.

Insgesamt zeigt „Secret Service – Jahrbuch 2013“, wie die vorherigen Ausgaben, warum der deutsche Krimi ist, wie er ist.

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Tobias Gohlis/Thomas Wörtche (Herausgeber): Krimimagazin: Crime & Sex

Droemer, 2015

240 Seiten

9,99 Euro

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Syndikat: Secret Service – Jahrbuch 2015

Gmeiner, 2015

256 Seiten

9,99 Euro

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Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2013“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2014“


TV-Tipp für den 21. Mai: Nachtschicht: Reise in den Tod

Mai 21, 2015

ZDFneo, 20.15
Nachtschicht: Reise in den Tod (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Während einer Polizeikontrolle verliert ein Schleuser einen Teil seiner aus Afrika kommenden Fracht, eine aus Afrika kommende Hausangestellte beschwert sich bei der Polizei über ihre Arbeitgeber und das bewährte „Nachtschicht“-Team erlebt wieder eine unruhige Nacht, in der alles mit allem zusammen hängt.
Das Lexikon des internationalen Films meint: „Dicht inszenierter und gut gespielter (Fernseh-)Kriminalfilm.“ Besser hätte ich es auch nicht sagen können.
Ach ja: gewohnt gut besetzt.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Götz George, Jeanette Hain, Peter Kremer, Hadnet Tesfai, Dominique Siassia, Clemens Schick, Filip Peeters, Christian Redl, Jan-Gregor Kremp

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Mai: Rosetta

Mai 20, 2015

Arte, 20.15
Rosetta (Belgien/Frankreich 1999, Regie: Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne)
Drehbuch: Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne
Die junge Rosetta sucht eine Arbeitsstelle. Aber niemand will sie einstellen.
Ein älteres, gewohnt sehenswertes und sozialkritisches Werk der Dardenne-Brüder, deren letzter Film „Zwei Tage, eine Nacht“ überall abgefeiert wurde.
In Cannes erhielt der Film die Goldene Palme und die Hauptdarstellerin wurde als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
„Ein Film wie ‚Rosetta‘ rechtfertigt das Überleben des Kinos.“ (Alexander Horwath, Die Zeit, 3. Mai 2001)
In Belgien war der Film so erfolgreich, dass eine politische Maßnahme gegen die Jugendarbeitslosigkeit „Rosetta-Plan“ genannt wurde. Bei uns kam der Film erst 2001 in die Kinos.
Im Anschluss, um 21.45 Uhr, läuft die brandneue, gut einstündige Doku „Es war einmal…Rosetta“ über den Film.
mit Emilie Dequenne, Fabrizio Rongione, Anne Yernaux, Olivier Gourmet
Hinweise
Arte über „Rosetta“
Rotten Tomatoes über „Rosetta“
Wikipedia über „Rosetta“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Luc und Jean-Pierre Dardennes „Zwei Tage, eine Nacht“ (Deux Jours, Une Nuit, Belgien/Frankreich/Italien 2014)


Nicht Spenser, sondern Jesse Stone, Virgil Cole und Everett Hitch – und immer Robert B. Parker

Mai 19, 2015

Parker - Mord im ShowbizParker - Der Killer kehrt zurück

Bekannt wurde Robert B. Parker mit dem Boston-Privatdetektiv Spenser, der in den Siebzigern zu einer Neuerfindung des Privatdetektiv-Romans betrug und in den folgenden Jahren die Blaupause für alle Privatdetektive wurde. Denn Parker gab dem Privatdetektiv ein Gewissen, einen gewalttätig-loyalen Freund (der die Schmutzarbeit vom Verprügeln bis Töten erledigte) und eine Freundin, eine feste Partnerin, und damit ein deutlich eingeschränktes Sexualleben. Spenser ist halt kein Mike Hammer.
Außerdem integrierte Parker Themen in den Privatdetektivroman, die dort in den frühen Siebzigern (und teilweise auch in der restlichen Literatur) nicht beachtet wurden und die uns heute selbstverständlich erscheinen.
Fast bis zur Jahrtausendwende schrieb Parker Spenser-Romane und einige Einzelromane, die lange nicht so populär wie die Serie um seinen Privatdetektiv sind.
Seine kurzlebige Serie mit der Privatdetektivin Sunny Randall war dann auch nur eine weibliche Ausgabe von Spenser. In „Mord im Showbiz“ hat sie nach sechs Romanauftritten (die fast alle nicht übersetzt wurden) auch ihren ersten Auftritt in einem Jesse-Stone-Roman.
Jesse Stone ist, obwohl sich sein Spenser-tum nicht verleugnen lässt, ein Gegenentwurf zu Spenser. Stone war Kriminalpolizist in Los Angeles, ist Alkoholiker, hat eine problematische On/Off-Beziehung zu seiner Ex-Frau Jenn, besucht regelmäßig einen Psychiater (er hat halt keine Susan Silverman) und ist der Polizeichef von Paradise, Massachusetts, einem Küstenort in Sichtweite von Boston.
In acht TV-Filmen wurde er kongenial von Tom Selleck verkörpert. Danach beendete CBS die Reihe, weil ihnen die Zuschauer zu alt waren. Für September 2015 ist mit „Lost in Paradise“ ein neuer Jesse-Stone-Film, wieder mit dem bewährten Team vor und hinter der Kamera, angekündigt, der dann vom Hallmark Channel präsentiert wird.
Bis dahin (und bis der Film im deutschen TV läuft) ist mehr als genug Zeit, um die beiden bei uns neuen Jesse-Stone-Romane „Mord im Showbiz“ und „Der Killer kehrt zurück“ zu lesen, die sich im Guten wie im Schlechten nicht von Robert B. Parkers anderen, in den letzten Jahren geschriebenen Romanen unterscheiden. Das Plotting ist eher schlampig (vor allem in „Mord im Showbiz“ passiert lange nichts: kein Ermittlungsansatz, keine heiße Spur, kein Verdächtiger), die Charaktere und die Gespräche sind, trotz wechselndem Setting, vertraut, aber Parkers Sprache gefällt und der lakonische Humor, vor allem in den zahlreichen Dialogen, ist gewohnt treffend. Eigentlich bestehen seine Romane nur aus Dialogen und einigen spärlichen Regieanweisungen.
In „Mord im Showbiz“ wird die in einem Park an einem Baum hängend die Leiche des bekannten, verheirateten Talkshow-Moderators und Schürzenjägers Walton Weeks entdeckt. Kurz darauf wird die Leiche seiner Assistentin Carey Longley in einem Müllcontainer im Hof von Daisys Restaurant entdeckt. Sie war von ihm schwanger. Aber die üblichen Verdächtigen haben ein Alibi oder kein Motiv.
Gleichzeitig behauptet Jesse Stones Exfrau, dass sie vergewaltigt wurde. Er bittet, trotz Zweifel, seine derzeitige Freundin, die Privatdetektivin Sunny Randall, sich um Jenn zu kümmern. Kurz darauf entdeckt Sunny einen Stalker. Aber Jenn, die weiterhin an ihrer TV-Karriere arbeitet, behauptet, ihn nicht zu kennen.
„Der Killer kehrt zurück“ beginnt mit der Rückkehr von einem alten Bekannten und einer typischen Western-Situation.
Wilson „Crow“ Cromartie, der indianisch-stämmige Killer aus dem zweiten Stone-Roman „Terror auf Stiles Island“ (Trouble in Paradise“, 1998), ist wieder in Paradise. Als erstes besucht er Jesse Stone im Polizeirevier, um ihm zu sagen, dass er zurückgekommen ist und jemand suchen soll.
Crow ist natürlich ein zweiter Hawk, wie Spensers loyaler, gewalttätiger Freund und Frauenheld heißt. Entsprechend schnell entwickelt sich aus dem professionellen Respekt zwischen Jesse und Crow eine Quasi-Freundschaft. Vor allem nachdem Crow sein Ziel entdeckt hat und sich weigert Frances Franklin zu töten und ihre vierzehnjährige Tochter Alice, eigentlich Amber, zu ihrem Vater zurückzubringen. Louis Francisco ist ein Florida-Mafiosi, der, nachdem er erfährt, dass Crow den Auftrag nicht ausführen will, seine Männer losschickt, um den Auftrag und Crow zu erledigen.
Währenddessen stachelt Amber ihren Freund Esteban Carty, den Kopf einer Latino-Gang an, ihren Vater auszunehmen.
Und schon entwickelt sich ein veritabler leichengesättigter Gegenwarts-Western.

Parker - Brimstone
Nach dem Quasi-Western „Der Killer kehrt zurück“ wenden wir uns dem echten Western zu: „Brimstone“, das dritte Abenteuer von Virgil Cole und Everett Hitch.
Nach einer einjährigen Suche finden die beiden Revolermänner Coles Freundin Allie French in einem Freudenhaus, aus dem sie sie sofort herausholen. Weil ihre Ersparnisse fast aufgebraucht sind, nehmen Cole und Hitch in Brimstone, einem kleinen, rasch wachsendem Ort, einen Job als Gesetzeshüter an und geraten in den Kampf zwischen Kneipenbesitzer Pike, der ganz Texas will, und Bruder Percival, einem religiösen Eiferer, der in Brimstone sein „Neues Bethelem“ errichten möchte. Natürlich ohne Alkohol und käuflichen Sex.
Bis dieser Konflikt zwischen Pike und Percival für die Romangeschichte wirklich wichtig wird, vergeht viel Zeit, die Robert B. Parker durchaus kurzweilig mit Allies Bemühungen als Hausfrau und religiös bekehrte Kirchenmusikerin und den üblichen Konflikten, die es in einer kleinen Stadt mit schießwütigen Betrunkenen und ebenso schießwütigen, aber nüchternen Indianern gibt. Das ist nicht besonders aufregend oder innovativ, aber es ist eine angenehme Lektüre, die auch den Staub des Wilden Westens atmet.
In den USA werden nach dem Tod von Robert B. Parker einige seiner Serien von anderen Autoren weitererzählt. Ace Atkins schreibt neue Spenser-Romane. Michael Brandman, der auch die Stone-Filme produzierte und die meisten Drehbücher verfasste, schrieb drei Jesse-Stone-Romane, ehe er den Stab an den dreifachen Shamus-Gewinner Reed Farrel Coleman (den könnte ein deutscher Verlag mal übersetzen) weiterreichte. Robert Knott, Schauspieler und Drehbuchautor der Parker-Verfilmung „Appaloosa“, schreibt neue Cole/Hitch-Western.
Und im Juli veröffentlicht Pendragon mit „Drei Kugeln für Hawk“ (Cold Service, 2005) einen neuen Spenser-Roman.

Nachtrag (21. März 2015): Wer die alten Spenser-Romane (die natürlich vieeel besser als die Neuen sind) lesen will, kann sich jetzt als E-Book „Wetten gegen den Tod“ (Mortal Stakes, 1975 – Betrug bei den Boston Red Sox. Nicht mit Spenser.), „Bodyguard für Rachel Wallace“ (Looking for Rachel Wallace, 1980 – Spenser spielt den Bodyguard für eine lesbische Feministin – und wir erleben eine erste Diskussion über Spensers Machotum und den Feminismus. Grandios!) und „Neun Mörder “ (The Judas Goat, 1978 – Spenser auf Terroristenjagd; den fand ich zu episodisch und zu Spenser-untypisch) besorgen.
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Robert B. Parker: Mord im Showbiz
(übersetzt von Bernd Gockel)
Pendragon, 2015
304 Seiten
11,99 Euro
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Originalausgabe
High Profile
G. P. Putnam’s Sons, 2007
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Robert B. Parker: Der Killer kehrt zurück
(übersetzt von Bernd Gockel)
Pendragon, 2015
312 Seiten
11,99 Euro
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Originalausgabe
Stranger in Paradise
G. P. Putnam’s Sons, 2008
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Robert B. Parker: Brimstone
(übersetzt von Emanuel Bergman)
Europa Verlag, Zürich, 2015
224 Seiten
20,00 Euro
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Originalausgabe
Brimstone
G. P. Putnam’s Sons, 2009
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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte

 


Cover der Woche

Mai 19, 2015

Parker - The Godwulf Manuscript


TV-Tipp für den 19. Mai: Biester

Mai 19, 2015

ZDFkultur, 22.20
Biester (Frankreich/Deutschland 1995, Regie: Claude Chabrol)
Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff
LV: Ruth Rendell: A Judgment in Stone, 1977 (Urteil in Stein)
Die wohlhabenden Lelièvres schätzen Sophie als Hausmädchen. Dabei wissen sie nichts über ihre Perle. Ganz im Gegensatz zur Postbeamtin Jeanne.
Chabrols ruhiger Thriller blickt einmal mehr hinter die Kulissen der Provinz-Bourgeoisie. Der Ausgang seines „marxistischen Thrillers“ (Chabrol über Biester) ist letal. „Der sozialen Hinrichtung der Repräsentanten der Unterschicht folgt die körperliche Hinrichtung der Bourgeoisie. Das ist der totale Krieg zwischen den Klassen. Und Chabrol setzt ihn unverhüllt in Szene.“ (Fischer Film Almanach 1996)
Mit Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jean-Pierre Cassel, Jacqueline Bisset

Wiederholung: Mittwoch, 20. Mai, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Biester“

Wikipedia über „Biester“ (deutsch, englisch, französisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte