Neu im Kino/Filmkritik: Let’s Dance im „Battle of the Year“

November 28, 2013

Ich gestehe: Dafür, dass ich von dem Film absolut nichts erwartete (außer dass er mir die Zeit bis zu meiner Verabredung verkürzte) und dass ich kein Fan von Tanzfilmen bin, hat mir Benson Lees „Battle of the Year“ ziemlich gut gefallen.

Macht ihn das zu einem guten Film? Einem sehenswertem Werk?

Nein, denn Benson Lee, der bereits den Dokumentarfilm „Planet B-Boy“ über das „Battle of the Year“, der – kurz gesagt – Olympiade der B-Boys, in der Breakdancer ihr Land repräsentierend tanzend gegeneinander antreten, ist ein Tanzfilm mit erstaunlich wenigen Tanzszenen und einer Story, die ungefähr die Tiefe eines Berichts aus dem Trainingslager bei „Deutschland sucht den Superstar“ erreicht. Denn – so die Filmgeschichte – nach fünfzehn Jahren will Hip-Hop-Produzent Dante Graham (Laz Alonso), dass endlich wieder ein US-Team den Wettbewerb gewinnt. Er kann seinen alten Freund Jason Blake (Josh Holloway), der nach dem Verlust seiner Familie bei einem Autounfall zum Trinker wurde, überzeugen, das Training der B-Boys zu übernehmen. Blake will es natürlich nur nach seinen Bedingungen tun und er hat auch gleich einige Ideen: er sucht die besten Breakdancer der gesamten USA und formiert sie in einem harten Training, bei dem pro Woche einer seine Rückfahrkarte erhält, bis nur noch 13 Jungs übrig sind, die dann in Montpellier beim Battle of the Year die Ehre der USA verteidigen dürfen.

Dass bei einem Tanzfilm die Story nur schmückendes Ornament ist, während die Tänze im Mittelpunkt stehen, gehört zum Genre, aber gerade weil die Macher von „Battle of the Year“ keinen normalen Tanzfilm machen wollten, gab es für meinen Geschmack zu wenige ausführliche Tanzszenen. Vor allem Tanzszenen, die eine Geschichte oder Teil der Filmhandlung und nicht schmückendes Beiwerk sind. Das fällt besonders bei dem abschließendem Tanzwettbewerb auf. Denn das US-Team zeigt dann eine – wahrscheinlich – schöne Choreographie, die die Geschichte der afroamerikanischen Kultur und Musik erzählt. Weil sie aber, wie alle Tanzszenen auf wenige Höhepunkte zerstückelt wurde, bleibt von der Choreographie fast nichts übrig. Weil sie auch vorher, während des Trainings niemals erwähnt wurde (was ein guter Subplot gewesen wäre, in dem man auch mühelos einiges über die Hip-Hop-Kultur und den Melting Pot USA hätte erzählen können), wirkt sie wie eine hastig eingefügte späte Rechtfertigung für die von Blake engagierte Choreographin Stacy (Caity Lotz), die einzige Frau im Trainingslager, die sich sofort den Respekt der Jungs verschafft, indem sie sagt, dass ihr Geschlecht egal sei. Das Problem hatte Blakes rechte Hand Franklyn (Josh Peck) nie. Er darf sogar den letzten Tänzer, der nicht mit nach Frankreich reisen darf, auswählen.

Das Trainingslager in einem stillgelegtem Gefängnis, das sie nicht verlassen dürfen, wirkt wie ein einziger Urlaub. Sozusagen Club-Med im Mehrbettzimmer. Dabei beweist jede Tanzszene das Gegenteil. Die Tänzer müssen sehr fit sein und sie können sich jederzeit verletzten. Aber während der gesamten Trainingswochen verletzt sich nur ein Tänzer.

Während des Trainings gibt es dann haufenweise teambildende Reden von Blake, die immer an der Parodie vorbeischrammen. Unklar ist dabei, von welcher Seite.

Die Tanzszenen wurden von echten B-Boys durchgeführt. Entsprechend beeindruckend sind sie und sie wurden auch kaum geschnitten. Schauspielerisch wurden die Tänzer dagegen nicht weiter gefordert.

„Battle of the Year“ ist ein klischeetriefender Wettbewerbsfilm, in dem auch getanzt wird.

Anmerkung: In der Originalfassung gibt es beim „Battle of the Year“ einige schöne Szenen, wenn Moderatoren aus verschiedenen Ländern von dem Wettbewerb berichten und unsere Pro7-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt auf Englisch von den Spielen berichten. Da soll noch einer etwas von Unterschicht-Fernsehen sagen.

Battle of the Year - Plakat

Battle of the Year (Battle of the Year, USA 2013)

Regie: Benson Lee

Drehbuch: Brinn Hall, Chris Parker

mit Josh Holloway, Josh Peck, Laz Alonso, Caity Lotz, Chris Brown, Ivan ‚Flipz‘ Velez, Jonathan Cruz, Richard Maguire, Jesse ‚Caspar‘ Brown, David ‚Kid David‘ Shreibman, Anis Cheurfa, Steve Terada, Gil Brace-Wessel, Joshua Lee ‚Milky‘ Ayers, Sammy Soto, Richard ‚Abstrak‘ Soto, Luis Rosado

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Battle of the Year“

Moviepilot über „Battle of the Year“

Metacritic über „Battle of the Year“

Rotten Tomatoes über „Battle of the Year“

Wikipedia über den Film „Battle of the Year“ und das wahre Battle of the Year (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 28. November: Zerrissene Umarmungen

November 28, 2013

3sat, 22.25

Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodóvar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Hinweise

Film-Zeit über „Zerrissene Umarmungen“

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


DVD-Kritik: Über „Schritte in der Nacht“, das Vorbild für „Dragnet“

November 27, 2013

Auch der zwölfte Film in der uneingeschränkt lobenswerten Film-Noir-Collection von Koch Media ist eine lohnenswerte Wiederentdeckung. Denn „Schritte in der Nacht“ von Alfred L. Werker ist zwar kein sattsam bekannter Noir-Klassiker, kein Film, der im Jahresturnus im TV läuft und auch kein waschechter Noir, aber ein flott inszenierter Polizeifilm mit mehr als deutlichen Noir-Spuren.

Offiziell basiert „Schritte in der Nacht“ auf einem wahren Fall und er präsentiert diese auch so, wie sie waren. Nur die Namen wurden geändert, verkündet am Anfang eine autoritäre Stimme. Nun, das stimmt so nicht. Denn die Filmemacher veränderten auch etliche weitere Fakten. Davon abgesehen bieten sie, wie einige Jahre später die einflussreiche von „Schritte in der Nacht“-Nebendarsteller Jack Webb erfundene TV-Serie „Dragnet“ („Polizeibericht“; für den „Schritte in der Nacht“ das Vorbild war), einen Einblick in die reale Polizeiarbeit. Die Detectives sind hart arbeitende, honorige Männer. Polizeiarbeit wird als Teamarbeit gezeigt, in der Polizisten und Forensiker, lange vor „CSI“, gut zusammenarbeiten. Dennoch ist Polizeiarbeit weitgehend langwierige und oft ergebnislose Beinarbeit, die kein Superhirn, sondern Beharrlichkeit erfordert.

Ein Mann erschießt in Los Angeles kaltblütig einen Polizisten. Er verschwindet spurlos in der Nacht. Die sofort angeordneten Fahndung bringt keine Ergebnisse. In den Verbrecherakten findet sich keine Spur und auch im kriminellen Milieu weiß niemand etwas über den Polizistenmörder. Erst als ein Kriminaltechniker eine Verbindung zwischen dem Mord und anderen, vollkommen anders begangenen Verbrechen entdeckt, haben die Detectives eine erste vielversprechende Spur.

Alfred L. Werker, Anthony Mann (dessen ungenannte Mitarbeit an dem Film damals ein offenes Geheimnis war und der wahrscheinlich die Szenen mit dem Mörder und die Actionszenen inszenierte) und Noir-Kameramann John Alton inszenierten die Szenen mit dem Mörder Roy Martin/Ray Morgan (Richard Basehart) oft in den typischen Noir-Perspektiven und es gibt drei großartige Actionszenen, in denen Spannung nicht durch laute Musik, sondern durch Bilder generiert wird: in einer Firma wollen die Polizisten dem Mörder stellen. Aber dieser ahnt etwas und es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem sie umeinander herumschleichen, bis ein Schusswechsel tödlich endet. Später wollen die Polizisten ihn in seiner Wohnung, einem Apartment in einer Apartmentsiedlung, stellen. Aber, gewarnt durch seinen Hund, gelingt ihm die Flucht in die riesigen Abwasserkanäle, die er bereits früher für die Flucht von seinen Tatorten benutzte. Hier entspinnt sich die finale Verfolgungsjagd. Sie wurde vor der heute legendären Verfolgungsjagd in „Der dritte Mann“ gedreht.

So spannend „Schritte in der Nacht“ als taffer noirischer Polizeithriller auch ist, so ärgerlich rudimentär ist die Zeichnung der Charaktere. Während man das bei den Polizisten noch als Stilmittel entschuldigen kann, ist es bei Martin ärgerlich. Denn wir erfahren nichts über ihn, vor allem nicht, warum er die Taten beging. Da helfen auch nicht die Noir-Kamerawinkel, die uns verraten, dass Martin schwere psychische Probleme hat.

In dem gewohnt informativen Booklet verrät Thomas Willmann einiges über die wahren Hintergründe. So war Martin, in Wirklichkeit Erwin Walker, ein psychisch kranker Kriegsveteran, der mit seinen Überfällen eine elektronische Radar-Kanone, die Metall pulverisieren kann, finanzieren wollte. Mit ihr wollte er die US-Regierung erpressen, den Soldatensold so sehr zu erhöhen, bis das Führen von Kriegen zu teuer würde. Das klingt nach einem Plan, der einen James-Bond-Schurken in Ehrfurcht erstarren lässt, und der ungefähr so durchgeknallt wie der von General Francis X. Hummel in dem Michael-Bay-Actionfilm „The Rock – Fels der Entscheidung“ ist.

Die Ausstattung der DVD unterscheidet sich nicht von den vorherigen Teilen der „Film Noir Collection“: das Bild ist überraschend gut und der Text von Thomas Willmann gewohnt informativ.

Schritte in der Nacht - DVD-Cover

Schritte in der Nacht (He walked by Night, USA 1948)

Regie: Alfred L. Werker, Anthony Mann (ungenannt)

Drehbuch: Crane Wilbur, John C. Higgins (nach einer Idee von Crane Wilbur)

mit Richard Basehart, Scott Brady, Roy Roberts, Whit Bissel, Jim Cardwell, Felice Ingersol, Jack Webb

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DVD

Koch Media (Film-Noir-Collection 12)

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie, 12-seitiges Booklet (von Thomas Willmann)

Länge: 76 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Turner Classic Movies über „Schritte in der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Schritte in der Nacht“

Wikipedia über „Schritte in der Nacht“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Schritte in der Nacht“

Der Film bei Archive.org


TV-Tipp für den 27. November: Tatort: Schicki-Micki

November 27, 2013

WDR, 22.15

Tatort: Schicki-Micki (D 1985, R.: Hans-Reinhard Müller)

Drehbuch: Herbert Riehl-Heyse, Ernst Fischer

Ein Journalist wird erschlagen und Kommissar Lenz muss, sich sichtlich unwohl fühlend, in der Münchner Schickeria ermitteln.

Etwa zeitgleich mit „Kir Royal“ entstand auch dieses satirische Sittengemälde der Münchner Gesellschaft. Kein Wunder, schließlich schrieb der 2003 verstorbene Herbert Riehl-Heyse von der Süddeutschen Zeitung mit am Drehbuch.

Mit Helmut Fischer, Henner Quest, Rolf Castell, Willy Harlander, Hannelore Elsner, Erich Hallhuber, Felix von Manteuffel, Hans-Reinhard Müller

Hinweis

Tatort-Fundus über Kommissar Lenz


Cover der Woche

November 26, 2013

Anthony - Der Höhlenplanet


TV-Tipp für den 26. November: The Big Eden

November 26, 2013

Arte, 20.15

The Big Eden (Deutschland 2011, Regie: Peter Dörfler)

Drehbuch: Peter Dörfler

Da müsst ihr durch. Das ist Berlin-Geschichte. Diese Doku über Rolf Eden, den ehemaligen Nachtclub-Besitzer und Playboy.

mit Rolf Eden

Hinweise

Arte über „The Big Eden“

Film-Zeit über „The Big Eden“

Moviepilot über „The Big Eden“

 

 


Morgen Autogrammstunde mit „Inspector Barnaby“-Schauspieler John Nettles

November 25, 2013

John Nettles als DCI Barnaby

Für die Barnabisten und John-Nettles-Fans ist das eine erfreuliche Nachricht:

Am Dienstag, den 26. November, gibt „Inspector Barnaby“-Darsteller John Nettles im Kino des Park Plaza Wallstreet (Wallstraße 23 – 24, 10179 Berlin-Mitte) um 16.30 Uhr eine Autogrammstunde.

Über „Inspector Barnaby“, diese urbritische, in der fiktiven Grafschaft Midsomer spielende Krimiserie nach den Romanen von Caroline Graham, die lauschiges Landleben in der Tradition von Agatha Christie (mit modernen Errungenschaften wie Telefon und Computer) mit bizarren Mordserien und britischem Humor garniert, muss ich wohl nichts sagen. Inzwischen laufen die spielfilmlangen TV-Krimis ja fast ständig im Fernsehen und auf DVD sind sie auch erhältlich. Demnächst sogar alle Fälle mit DCI Tom Barnaby. Denn nachdem Tom Barnaby (John Nettles) in Pension ging, übernahm DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), ein Cousin von Tom Barnaby, den Staffelstab und seit über zwei Jahren ermittelt er als „Inspector Barnaby“ im TV.

Inspector Barnaby - Volume 20 vorläufig

Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 14“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 15“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 17“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 2“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 3“


Verfilmte Bücher: „Chiemsee Blues“ ist „Hattinger und die kalte Hand“

November 24, 2013

Bogenberger - Chiemsee Blues - 2

Gar unchristlich beginnen die Ostertage mit einer abgetrennten Frauenhand, die am Karfreitag in einem Aussichtspavillon mit Blick auf den See und das Schloss Herrenchiemsee von zwei Urlaubern aus dem Ruhrgebiet gefunden wird. Kommissar Alfons Hattinger, der aber von allen nur Hattinger genannt wird, beginnt zu ermitteln, geplagt von periodischen Eifersuchtsschüben, weil er seine Freundin mit einem Ex-Freund in einem viel zu freundschaftlichem Umgang miteinander entdeckt und sie nicht mit ihm reden will (es ist ja auch eine dumme Sache, dass die Kollegen gerade dann anrufen, wenn er gerade mit ihr auf ihrem Sofa ihren Geburtstag feiern will), und dem Besuch seiner minderjährigen, aber sehr selbstständigen Tochter, die nichts anbrennen lässt.

Kurz darauf werden weitere Leichenteile gefunden. Immer an fotogenen Orten, die Presse belagert die Polizei – und Hattinger und seine Kollegen haben keinen blassen Schimmer, wer die Tote ist, bis sie – eher zufällig – den Kopf der schon vor einiger Zeit Ermordeten in ihrer Wohnung finden: es ist Annette Kauffmann, die als Elvira Marschall belanglose, aber sehr erfolgreiche Herz-Schmerz-Schmonzetten schrieb, die, wie wir noch später erfahren, vor zwanzig Jahren als Assistenzärztin in der Frauenklinik Dr. Marius, geführt von Dr. Schanderl (ja, die Bazis haben aber auch dusselige Namen), arbeitete und – hach, jetzt habe ich ein Problem. Im Roman wird das alles ziemlich spät aufgelöst, aber schon in der Filmsynopse wird der Täter und sein Motiv verraten.

Also für alle, die den Roman unbeschwert lesen wollen, breche ich jetzt ab.

„Chiemsee Blues“ ist der erste Roman von Thomas Bogenberger und er liest sich, auch aufgrund der angenehmen Länge, wie die Vorlage für den Fernsehfilm der Woche: ein sympathischer, geschiedener Ermittler, eine leicht renitente Freundin, eine ebenfalls leicht renitente Tochter, etwas Lokalkolorit, hier sogar ergänzt um viel bayerischen Dialekt (Hochdeutsch wird nur im Notfall gesprochen.), vielen Erklärungen der Polizisten untereinander, die sich erzählen, was sie gerade ermittelt haben, und einem überschaubar-durchschaubar, weit hergeholtem, weitgehend unplausiblen Fall. Denn warum sollte ein Mörder, indem er ohne eine Botschaft Leichenteile wild an Touristenplätzen verteilt, seine Entdeckung riskieren? Entweder durch die Polizei oder, in diesem Fall, weiteren potentiellen Opfern, die in ihrer Panik, wenn sie nach der Lektüre der Tageszeitung Eins und Eins zusammenzählen, bestimmt nicht ruhig auf ihren Mörder warten.

Aber so ist das halt in der Provinz…

Für den Frühling ist „Hattinger und der Nebel“ angekündigt, der zweite Krimi mit dem rundum sympathischen Ermittler.

Die Verfilmung „Hattinger und die kalte Hand“, die am Montag, den 25. November, um 20.15 Uhr im ZDF läuft, nimmt sich, wie ein Blick in die Filmsynopse verrät, bei den Morden und der Enthüllung des Täters, den wir im Film von Anfang an, im Buch erst am Ende namentlich und mit seinem Motiv kennen, einige Freiheiten. Es werden teils andere Menschen umgebracht, das geschmacklose Leichenstücke-in-der-Ferienlandschaft-verteilen-Spiel gibt es so nicht, dafür ist Hattingers Tochter irgendwann in Gefahr und die Geschichte spielt nicht während der für den Roman unwichtigen Ostertage, sondern im Sommer.

Aber weil Hans Steinbichler („Winterreise“, „Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun“) inszenierte, Bogenbergers Frau Ariela das Drehbuch schrieb und der mit ihr verwandte Hattinger-Darsteller Michael Fitz, der in den Münchner „Tatorten“ die gesamte Laufarbeit machen durfte und damit eigentlich der Chefermittler war, ein grundsympathischer Schauspieler ist, dürfte die Verfilmung gelungen sein. Tendenz netter Heimatkrimi ohne weitergehende Ambitionen.

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Thomas Bogenberger: Chiemsee Blues – Chiemgau-Krimi

Pendragon, 2011

272 Seiten

10,95 Euro

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Verfilmung

Hattinger und die kalte Hand – Ein Chiemseekrimi (Deutschland 2013)

Regie: Hans Steinbichler

Drehbuch: Ariela Bogenberger

mit Michael Fitz, Edgar Selge, Bettina Mittendorfer, Golo Euler, Gerhard Wittmann, Hanna Plaß, Michael Fuith, Ursula Karven

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Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Thomas Bogenberger

Wochenblatt: Interview mit Thomas Bogenberger über den Roman und die Verfilmung (20. November 2013)

ZDF über „Hattinger und die kalte Hand“


TV-Tipp für den 25. November: Wenn es Nacht wird in Paris

November 24, 2013

 

Arte, 20.15

Wenn es Nacht wird in Paris (Frankreich/Italien 1954, R.: Jacques Becker)

Drehbuch: Jacques Becker, Maurice Griffe, Albert Simonin

LV: Albert Simonin: Touchez pas au grisbi, 1953 (Wenn es Nacht wird in Paris)

Max und Riton planen einen letzten Coup, der gründlich schief geht.

Gangsterfilmklassiker, der neben „Rififi“ den Beginn des französischen Unterweltfilms, den wir alle lieben, markiert.

Albert Simonin (1905 – 1980) war neben Auguste Le Breton der Begründer des modernen französischen Kriminalromans. Sie verwandten in ihren Romanen die französische Umgangssprache und lieferten präzise Studien des Gangstermilieus. Simonins Grisbi-Romane und die Hotu-Trilogie gehören zu den Klassikern, die dem Polar zu seiner unverwechselbaren Sprache verholfen haben. – In Deutschland sind seine Bücher derzeit nicht erhältlich. Die Verfilmungen seiner Romane (z. B. „Wenn es Nacht wird in Paris“, „Die Millionen eines Gehetzten“) und Drehbücher (z. B. „Lautlos wie die Nacht“) werden ab und an gezeigt.

Mit Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Dora Doll, Gaby Basset, Lino Ventura (Debüt)

Hinweise

Arte über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Criterion über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Noir of the Week: Guy Savage über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Wikipedia über „Wenn es Nacht wird in Paris“ (englisch, französisch)


Kurzkritik: Maximo Duncker: Mord allein macht auch nicht glücklich

November 24, 2013

 

Duncker - Mord allein macht auch nicht glücklich - 2

Beginnen wir mit dem Positiven: der zweite Roman „Mord allein macht auch nicht glücklich“ von Maximo Duncker liest sich flott weg. Wieder ist der schnöselige Ex-Journalist Kai van Harm der Irgendwie-Protagonist und wieder ist Bruno Zabel dabei. Zabel ist ein Ex-NVA-Soldat, der jetzt in dem Dörfchen Altwassmuth von Hartz IV lebt, ordentlich trinkt, nie sein Dorf verlassen will und sich verdammt gut mit Computern auskennt. Das liest sich jetzt so ausgedacht, dass im Brandenburgischen bestimmt tausender solcher Typen leben. Als aktiver Teil des „Provinzkrimis“, der hauptsächlich (gut zweihundert von zweihundertachtzig Seiten) in Berlin spielt, ist Bruno dann auch die treibende Kraft der Aufklärung. Er wird von Kai van Harm, der die Erlebnisse in Altwassmuth zu einem Roman verarbeitete (siehe, wem’s gefällt, „Wer hier stirbt, ist wirklich tot“), zu einer Lesung inclusive einwöchigem Berlin-Aufenthalt in einem Hotel eingeladen. In dem Hotel wird ein Anschlag auf Bruno verübt: ein falscher Elvis sticht ihm ins Bein. Kurz darauf wird van Harms Wohnung mit einem Elvis-Presley-Songzitat verschönert und ein Stein in die Wohnung von van Harms Ex-Frau geworfen. Bruno ruft seine Ex-NVA-Freunde an. Sie rüsten van Harms Wohnung in eine Gefechtszentrale, inclusive Feldbett, Computern und Kaffeemaschine, um.

Dennoch kommen sie in Berlin nicht voran. Erst als van Harm zu einer Lesung in der Kulturscheune Wiepershof, Landkreis Teltow-Fläming, eingeladen wird, kommt es quasi zu einer Selbstenttarnung des Täters und in einem nachgeschobenem dreiseitigem „offenem Brief“ enthüllt van Harm die Identität des Täters und sein Gaga-Motiv.

Aber Duncker geht es in seinem Werk auch nicht um den Krimiplot, den er in höchstens homöopathischen Dosen eher lustlos einflechtet und der auch komplett unlogisch ist, sondern einfach nur um das spannungslose vor sich hin plappern. Denn skurril, witzig oder auch nur irgendwie pointiert ist nichts in „Mord allein macht auch nicht glücklich“.

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Maximo Duncker: Mord allein macht auch nicht glücklich

Blanvalet, 2013

288 Seiten

8,99 Euro


TV-Tipp für den 24. November: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123

November 24, 2013

Tele 5, 20.15

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (USA 1974, R.: Joseph Sargent)

Drehbuch: Peter Stone

LV: John Godey: The taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelhalm 1 Uhr 23)

Immer noch hochspannender Thriller über die Entführung einer New Yorker U-Bahn.

Das okaye, aber blasse Remake kann man sich schenken. Den Roman sollte man lesen.

Mit Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, James Broderick, Dick O’Neill, Lee Wallace

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“

Wikipedia über „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte über das Remake

Meine Besprechung von John Godeys “Abfahrt Pelham 1 Uhr 23” (The taking of Pelham One Two Three, 1973)


TV-Tipp für den 23. November: The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre

November 23, 2013

RBB, 22.15

The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre (USA 1998, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Clyde Hayes

LV: John Grisham (Originalstory – soweit bekannt nicht veröffentlicht)

Anwalt Rick Magruder verknallt sich in Mallory Doss und bemerkt nicht, wie sehr sie ihn für ihre Interessen benutzt.

Die erfolgloseste und – so auch meine Ansicht – die beste Grisham-Verfilmung. Altman verfilmte einen Drehbuch-Entwurf, den Grisham vor seinem Leben als Bestseller-Autor schrieb, und das Studio startete den Film – nach einem Streit mit Altman über die endgültige Fassung – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Grisham-Bücher und deren Verfilmungen löst der Held, natürlich ein Anwalt, nicht das Problem, sondern er ist das Problem. In dem düsteren Südstaaten-Thriller glänzen etliche Stars: Kenneth Branagh, Robert Downey Jr., Embeth Davidtz, Robert Duvall, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen

Hinweise

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

Rotten Tomatoes über „The Gingerbread Man“


Stephen King unterwegs in Europa – die ersten Dokumentationen

November 22, 2013

 

Von Stephen Kings erster offizieller Frankreich- und Deutschland-Lesereise (wenn man das bei einer Drei-Städte-Tour so sagen kann) gibt es online die ersten Fanmitschnitte aus Frankreich. Das Bild ist – nun, da sagen wir besser nichts dazu, aber der Ton ist, immerhin verharrt bei Lesungen das Publikum immer in andächtiger Stille, anhörbar. Vielleicht gibt es noch eine richtig professionelle Dokumentation.

Bis dahin: beide Male die Lesung vom 16. November in Paris, aus verschiedenen Blickwinkeln:

Die Pressekonferenz in Paris vom 12. November:

Bei Markus Lanz ist dann das Bild zwar deutlich besser, aber…

Stephen King beehrt die Runde nach der 37. Minute.

Der aktuelle Grund (als bräuchten die Stephen-King-Fans einen aktuellen Anlass) ist natürlich die Veröffentlichung seines neuen Romans „Doctor Sleep“, in dem er die Geschichte von „Shining“ weitererzählt.

King - Doctor Sleep - 4

Stephen King: Doctor Sleep

(übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2013

704 Seiten

22,99 Euro

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Originalausgabe

Doctor Sleep

Scribner, 2013

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Im Gepäck hat er natürlich noch sein davor erschienenes Buch „Joyland“, das mehr in Richtung Kriminalroman tendiert, im Original bei Hard Case Crime erschien und deshalb im Original schön pulpige Cover von Glen Orbik und Robert McGinnis hat.

King - Joyland - 4

Stephen King: Joyland

(übersetzt von Hannes Riffel)

Heyne, 2013

352 Seiten

19,99 Euro

–

King - Joyland - HardCaseCrime

Originalausgabe

Joyland

Hard Case Crime, 2013

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Und das ist noch nicht alles!

Am 5. Dezember startet bei uns die Neuverfilmung von seinem Debütroman „Carrie“. Kimberly Peirce („Boys don’t cry“) verfilmte mit Chloë Grace Moretz als Carrie und Julianne Moore als ihrer Mutter den Roman durchaus gelungen.

Deshalb gibt es jetzt auch eine Neuauflage von „Carrie“ mit einem Nachwort von Willy Loderhose über den Roman und Brian de Palmas Verfilmung, die wir alle als Teenager gesehen haben und uns damals natürlich unglaublich beeindruckt hat.

Leider geht Loderhose nicht auf die jüngste Verfilmung des Romans ein und Filmbilder fehlen auch. Diese Bilder waren für mich früher, neben dem an das Filmplakat angelehntem Cover, der Grund, Filmausgaben wie besessen zu kaufen.

King - Carrie - Neuausgabe 2013 - 4

Stephen King: Carrie

(übersetzt von Wolfgang Neuhaus)

Bastei-Lübbe, 2013

320 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

Carrie

Doubleday, 1974

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Die aktuelle Verfilmung

Carrie - Teaser

Carrie - Plakat

Carrie (Carrie, USA 2013)

Regie: Kimberly Peirce

Drehbuch: Lawrence D. Cohen, Roberto Aguirre-Sacasa

LV: Stephen King: Carrie, 1974 (Carrie)

mit Chloë Grace Moretz, Julianne Moore, Gabriella Wilde, Portia Doubleday, Alex Russell, Zoë Belkin, Ansel Elgort, Samantha Weinstein, Karissa Strain, Judy Greer, Katie Strain, Barry Shabaka Henley

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Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park

 


TV-Tipp für den 22. November: James Bond: Der Hauch des Todes

November 22, 2013

ZDFneo, 20.15 (Wiederholung um 23.50 Uhr)

JAMES BOND: Der Hauch des Todes (GB 1987, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: The living daylights, 1962 (Duell mit doppeltem Einsatz, Kurzgeschichte)

Bond soll einem russischen Agenten zur Flucht verhelfen. Aber dieser treibt ein doppeltes Spiel.

Der erste Bond mit Timothy Dalton ist ein rundum unterhaltsamer Familienfilm: etwas Action (jugendfrei), schöne Frauen (dito), Pferde, Exotik (na, so a la Karl May). Tja, man gab sich Mühe zum 25-jährigen Leinwandjubiläum.

Sogar einige Elemente der Fleming-Story wurden in „Der Hauch des Todes“ verwandt.

Mit Timothy Dalton, Maryam d´Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker (hier einer der Bösen)

Hinweise

Wikipedia über “James Bond: Der Hauch des Todes” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman „Solo“ (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ wiederholt, mit kleinen Variationen, die Hunger-Spiele

November 21, 2013

 

Wir erinnern uns: in „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ kämpfen bei den alljährlichen Hungerspielen jeweils zwei Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren aus den zwölf Distrikten von Panem gegeneinander. Die diktatorische Regierung inszeniert diese perverse „Dschungelcamp“-Variante als großes, von allen realen Problemen ablenkendes Fernsehspektakel, bei dem die Spielregeln, die von Präsident Snow (Donald Sutherland) und dem Spielleiter hemmungslos manipuliert werden, pervers sind: denn der Gewinner der Spiele ist die Person, die als einzige überlebt. Bei den 74. Hungerspielen gewannen Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson), weil das Publikum das Liebespaar ins Herz geschlossen hatte und die Spielregeln dafür ad hoc geändert wurden.

Der Film, der vieles ansprach, ohne es wirklich auszuführen, und der sich munter durch den reichhaltigen Dystopie-Fundus plünderte, war ein Überraschungserfolg. Danach war klar, dass auch die folgenden Panem-Jugendromane von Suzanne Collins, die die Geschichte von Katniss Everdeen, ihrem Freund Gale Hawthorne und Peeta Mellark weitererzählen, verfilmt werden. Mit einem größeren Budget, mehr bekannten Schauspielern und einer langfristigen Planung, die den abschließenden Panem-Film „Mockingjay“, ebenfalls inszeniert von Francis Lawrence, als Zweiteiler 2014 und 2015 ins Kino bringt.

Jetzt ist mit „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ der zweite Teil im Kino gestartet, der die Geschichte des ersten Films weitererzählen soll, der uns etwas tiefer in diese dekadente Diktatur eintauchen lassen soll und uns mehr von der Rebellion gegen das Regime erzählen soll. So die Werbung.

In Wirklichkeit ist Francis Lawrences „Catching Fire“ quasi ein Eins-zu-Eins-Remake, das die Geschichte von „The Hunger Games“ einfach noch einmal erzählt, mit kleinen Variationen, einer deutlich ruhigeren Kameraführung (Regisseur Gary Ross war doch zu verliebt in Wackelkamera und Sekundenschnitte) und einem hochkarätigeren Cast (Philip Seymour Hoffman! Jeffrey Wright! Amanda Plummer!).

Weil Katniss und Peeta nach ihrem Überraschungssieg bei den Bewohnern der Distrikte so überaus beliebt sind und sie damit für Unruhe sorgen könnten, werden für die 75. Hungerspiele die Spielregeln geändert. Dieses Mal treten erstmals Gewinner aus den vorherigen Hunger-Spielen gegeneinander an. Die meiste Zeit verbringt Lawrences Film, nachdem Katniss von ihrem abgelegenen Heimatdistrikt 12 mit dem Zug in die Hauptstadt reiste, dann, wie schon Gary Ross‘ Film, mit den Vorbereitungen und dem Training. Ungefähr das letzte Filmdrittel bis zum abrupten Ende (das als Cliffhanger für den dritten Teil fungiert) erzählt dann den Kampf der früheren Hunger-Spiele-Gewinner gegeneinander. Dieses Mal nicht im Wald, sondern im Dschungel und mit noch mehr Gefahren, die natürlich alle liebevoll von dem Spielleiter gesteuert werden.

Aber während in „The Hunger Games“ Jugendliche gegeneinander kämpften, dabei ein Kind, das als Teilnehmerin ausgelost wurde, sterben musste und damit die Fratze der Diktatur überdeutlich zeigte, kämpfen jetzt erfahrene Kämpfer, die schon einige Menschen ermordet haben, gegeneinander. Dummerweise lernen wir sie, wie schon im ersten Teil, kaum genauer kennen. Einige werden zwar von dem ehemaligen Hunger-Spiele-Gewinner Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) mit jeweils drei, vier Sätzen vorgestellt, aber diese gefährlichen Gegner, wie die Frau mit den Vampirzähnen, tauchen später eigentlich nicht mehr auf. Da ergeht es den wenigen während des Kampfs mit Katniss und Peeta verbündeten Hunger-Kämpfern etwas besser. Aber bei den anderen Kämpfer – und das ist die gefühlte Mehrheit der 24 Kämpfer – erfahren wir erst durch die Nachricht ihres Todes, dass es sie gab. Wenn allerdings Mörder, die wir nicht kennen, sterben, ist uns das herzlich egal. Entsprechend harmloser wirkt die Diktatur, die hier nicht unschuldige Kinder, sondern Mörder gegeneinander kämpfen lässt.

Auch die in „The Hunger Games“ noch erahnbare Kritik an den Medien, die hemmungslos für die Quote Regeln manipulieren und ändern, ist nicht mehr vorhanden. Wenn in „Catching Fire“ die Spiele beginnen, verschwinden sie dieses Mal fast vollständig aus dem Film.

Und die Rebellion hat in „Catching Fire“ noch kein Gesicht. Es gibt einige Graffitis und sekundenlange Bilder von Demonstrationen, die niedergeknüppelt werden. Aber was sie wollen, warum sie kämpfen, wie stark sie sind – das alles wird erst im dritten Teil erklärt. In „Catching Fire“ ist es ein vernachlässigbares Hintergrundrauschen.

Wer „The Hunger Games“ gesehen hat, für den ist „Catching Fire“ ein Déjà-Vu-Erlebnis. Und wer „The Hunger Games“ nicht kennt, kann, auch wenn er sich wundert, weshalb einige Charaktere, Konflikte und Hintergründe so schlecht eingeführt werden, problemlos die Geschichte verfolgen.

Die Tribute von Panem - Catching Fire - Plakat

Die Tribute von Panem – Catching Fire (The Hunger Games: Catching Fire, USA 2013)

Regie: Francis Lawrence

Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael deBruyn (eigentlich Michael Arndt)

LV: Suzanne Collins: Catching Fire, 2009 (Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe)
mit Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Stanley Tucci, Philip Seymour Hoffman, Donald Sutherland, Lenny Kravitz, Jeffrey Wright, Willow Shields, Sam Claflin, Lynn Cohen, Jena Malone, Amanda Plummer

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Moviepilot über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Metacritic über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Rotten Tomatoes über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Wikipedia über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ (deutsch, englisch)

Homepage von Suzanne Collins

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Roman Polanski lässt Emmanuelle Seigner die „Venus im Pelz“ spielen

November 21, 2013

 

Auch wenn Roman Polanski sagt, es seien nur Zufälle und es habe so in David Ives‘ Broadway-Erfolgsstück gestanden, beginnt man schon während des Ansehens des grandiosen Zwei-Personen-Stücks „Venus im Pelz“ die Filmhandlung, die in einem Theater lustvoll die Wirklichkeit mit der Fantasie verknüpft, mit Polanskis Werk und seinem Leben zu verbinden – und sicher hatte Polanski seinen diebischen Spaß daran, diese Ebene, die sicher mehr Fiktion und Spiel mit der Wirklichkeit als Wirklichkeit enthält, einzuflechten. Das beginnt schon mit der Besetzung. Immerhin spielt Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner Vanda und Mathieu Amalric als Roman-Polanski-Lookalike den Autor und Regisseur Thomas, der in einem Theater seine Version von „Venus im Pelz“ inszenieren will. In dem Stück geht es um die sadomasochistische Beziehung zwischen dem jungen Severin von Kusiemski, der sich per Vertrag seiner schönen Despotin Fanny von Pistor, kurz Vanda, für eine gewisse Zeit wehrlos ausliefert. Die einzige Bedingung ist, dass die Herrin nichts von ihm verlangen darf, was ihn als Mensch und Bürger ehrlos mache.

Thomas hat den ganzen Tag Schauspielerinnen beim Vorsprechen ertragen und seine Traumbesetzung nicht gefunden. Jetzt will er nur noch zu seiner Frau zum Abendessen. Da schneit der Vamp Vanda herein. Sie ist unpünktlich, jung, naiv, anscheinend kulturell absolut ungebildet und absolut nicht vorbereitet. Sie glaubt, es gehe irgendwie um Lou Reeds „Venus in Furs“. Was nicht stimmt, weil Thomas Leopold von Sacher-Masochs1870 erschienene, skandalträchtige Novelle „Venus in Furs“ (so der englische Titel von „Venus im Pelz“) adaptierte. Und den Text habe sie, wie sie freimütig in ihrem knappen Outfit bekennt, vorher in der U-Bahn mal überflogen. Dennoch kann sie Thomas mit einer gehörigen Portion jugendlicher Unverschämtheit und der Macht einer Verzweifelten, die sich nicht mehr das Geld für ein U-Bahnticket leisten kann, überzeugen, sie wenigstens die ersten Sätze des Stücks vorspielen zu lassen – und sie verwandelt sich in die Traumbesetzung.

In den folgenden anderthalb Stunden entspinnt sich zwischen den beiden ein Spiel zwischen Realität und Fantasie, zwischen Diskussion über den Text, Probe und Stück (in der untertitelten Originalfassung werden die nahtlosen Textwechsel durch kursive Untertitel angezeigt), wobei immer auch unklar ist, wie sehr Vanda das naive Dummchen nur spielt. Später im Film, wenn sie Thomas auf sein Privatleben anspricht, scheint sie auch viel mehr über ihn zu wissen. Aber dieser Erzählstrang, der in einem Rachekomplott von Thomas‘ Frau münden könnte, wird, auch weil der Film in dem Moment schon immer weiter in eine Traumwelt gewandert ist, nicht weiterverfolgt. In „Venus im Pelz“ geht es, wie in Leopold von Sacher Masochs gleichnamiger Novelle um Macht und Unterwerfung, um Sadomasochismus, – und das in einem grandios gespieltem, herrlich pointiertem Stück, das sehr polanskiesk ist und bei dem Polanski-Fans genüsslich die „Venus im Pelz“ mit seinen früheren Werken, Themen und seinem Leben (auch wenn Polanski als Regisseur anscheinend das genaue Gegenteil von Thomas ist) vergleichen können bis der gute Mann als Trottel an einem Pfahl, der noch von der vorherigen Produktion auf der Bühne steht, gefesselt wird.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Emmanuelle Seigner, die hier grandios spielt, ist schon viel zu alt für die Rolle des naiven, etwa Zwanzigjährigen Dummchens. Denn, auch bei viel gutem Willen, kann ich mir Vanda nicht als Über-Dreißigjährige vorstellen.

Venus im Pelz - Plakat

Venus im Pelz (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, David Ives (nach seinem Theaterstück)

mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Venus im Pelz“

Moviepilot über „Venus im Pelz“

Metacritic über „Venus im Pelz“

Rotten Tomatoes über „Venus im Pelz“

Wikipedia über „Venus im Pelz“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

 

 


TV-Tipp für den 21. November: Postman

November 21, 2013

Kabel 1, 20.15

Postman (USA 1997, R.: Kevin Costner)

Drehbuch: Eric Roth, Brian Helgeland

LV: David Brin: The Postman, 1985 (Gordons Berufung, Postman)

USA, nach der Apokalypse: nur wenige Menschen, die ohne Kommunikation in voneinander getrennten Festungen leben, haben überlebt. Ein selbsternannter Postbote verschafft ihnen, indem er Briefe (aka Nachrichten) befördert, zu neuer Hoffnung. Auch im Kampf gegen einen örtliche Warlords.

Kein Meisterwerk, aber so schlecht, wie der Film damals gemacht wurde („tagelang dauernde Stilisierungsfeier“ [Fischer Film Almanach 1999], „über die Maßen langweiliger Inszenierungsversuch von Kevin Costner“ [Zoom 2/98]), inclusive fünf gewonnener Razzies und dem Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts, ist der epische, an das Gute appellierende, zu lang geratene, postapokalyptische Science-Fiction-Film nicht.

Eric Roth schrieb eine frühe Drehbuchversion. Brian Helgeland die verfilmte Fassung, die sich wieder am Roma orientierte.

David Brins Roman erhielt den John W. Campbell Award und den Locus Award als bester Science-Fiction-Roman, außerdem wer er für den Hugo und Nebula Award nominiert.

Brin selbst ist mit der Verfilmung, die die Geschichte seines Romans zwar verändert, aber nicht verrät, insgesamt zufrieden.

Einige seiner Romane sind bei Heyne erhältlich.

mit Kevin Costner, Will Patton, Larenz Tate, Olivia Williams, James Russo, Tom Petty, Giovanni Ribisi, Joe Santos

Hinweise

Homepage von David Brin

Rotten Tomatoes über „Postman“

Wikipedia über „Postman“ (deutsch, englisch)


William Boyd schickt James Bond „Solo“ los

November 20, 2013

 

Boyd - Solo - 2

Der dritte Versuch der Erben von Ian Fleming James Bond als Romancharakter in das neue Jahrhundert zu bringen schließt sich nahtlos an die beiden vorherigen Romane an. William Faulks, ein Romanautor, knüpfte an Ian Flemings Romane an und ließ in „Der Tod ist nur der Anfang“ James Bond in den Sechzigern ein Abenteuer erleben. Letztendlich scheiterte der Versuch.

Jeffery Deaver, ein für seine Plot-Twists bekannter Thriller-Autor, dessen Romane eigentlich Rätselkrimis sind, versetzte James Bond in die Gegenwart und lieferte mit „Carte Blanche“ einen ordentlichen Thriller ab, der aber als Deaver-Werk enttäuschte, weil er die ganze Zeit mit dem globalen Fokus und dem Milieu fremdelte. Seine derzeit laufenden Serien mit Lincoln Rhyme und Kathryn Dance spielen ja in den USA, normalerweise innerhalb eines Bundesstaates oder einer Stadt. Außerdem hatte sein James Bond auch nicht den Glamour eines Jet-settenden Lebemanns mit der Lizenz zum Töten, sondern das Charisma einer effizienten Tötungsmaschine, eines Spezialagenten, der hinter den Kulissen die Schmutzarbeit erledigt. Das war mehr Jack Bauer als James Bond.

Der 1952 in Ghana geborene William Boyd ist wieder ein Romanautor. Oft spielen seine Romane in Afrika, behandeln die Kolonisation und deren Auswirkungen, die er teilweise auch selbst erlebte, gehen auch immer wieder in Richtung Polit-Thriller und handeln von falschen Identitäten. Er erhielt, teilweise mehrmals, zahlreiche renommierte Preise, wie den Somerset Maugham Award, den Mail on Sunday/John Llewellyn Rhys Prize, den McVitie’s Prize for Scottish Writer of the Year, den Sunday Express Book of the Year Award, den Los Angeles Times Book Prize und den International IMPAC Dublin Literary Award, und seit 2005 ist er Commander of the British Empire. Für die mehr als durchwachsene Verfilmung seines Romans „A good Man in Africa“ (mit Sean Connery) schrieb er das Drehbuch.

Auch sein James-Bond-Roman „Solo“ spielt in Afrika. Jedenfalls ein guter Teil der ersten Romanhälfte, in der James Bond 1969 in den Fantasiestaat Zanzarim geschickt wird. In ihm wird gerade zwischen zwei verfeindeten Stämmen ein veritabler Bürgerkrieg um die jüngst entdeckten, riesigen Ölreserven ausgefochten. Bond soll den einen Anführer umbringen und den Krieg beenden. Warum, also welche spezifischen Interessen das Empire daran hat, außer dass Zanzarim eine ehemalige Kolonie ist (was realpolitisch betrachtet kein Grund ist), bekommt er nicht gesagt. Wir können es uns trotzdem denken und sind am Ende dann doch etwas überrascht, dass genau das der profane Grund war.

Aber bis dahin müssen viele Seiten umgeblättert werden, Bond wird ungefähr in der Buchmitte schwer verletzt, fliegt dann während seines Erholungsurlaubs unter falschem Namen nach Washington, D. C., enttarnt einen Drogenschmugglerring und reimt sich in einem langen Gespräch mit seinem Freund Felix Leiter, inzwischen Ex-CIA, die Hintergründe für seinen Auftrag zusammen.

Bis dahin liest sich „Solo“ wie die misslungene Parodie eines schundigen Agententhrillers. Denn die Handlung stolpert unlogisch vor sich hin, sogar die Handlungen des Helden als Mann ohne Eigenschaften sind kaum motiviert. Er will sich rächen, weil er angeschossen wurde? Come on, das ist Berufsrisiko.

Das größte Problem des Romans ist allerdings der fehlende Bond-Gegner. Es muss ja kein Hugo Drax sein, der London mit Atomraketen zerstören will („Moonraker“), kein Goldfinger, der Fort Knox ausrauben will oder ein Blofeld, der in mehreren Bond-Romanen fiese Pläne gegen Großbritannien schmiedete. Es könnte auch eine Nummer kleiner sein, aber in „Solo“ gibt es überhaupt keinen auch nur halbwegs ernstzunehmenden Antagonisten für James Bond. Letztendlich gibt es höchstens einen austauschbaren, sadistischen Söldner, der mit viel gutem Willen als Bond-Gegenspieler betrachtet werden kann. Aber in jedem anderen Bond-Roman würde er zum Fußvolk gehören. Sogar der Profikiller Sacramanga in Ian Flemings posthum erschienenem „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hatte mehr Charisma.

Auch der arg rudimentär gezeichnete politische Hintergrund enttäuscht. Sowieso ist dieser 1969, während der Flower-Power-Bewegung spielende Roman, seltsam apolitisch und zeitlos geraten. Er könnte, mit minimalen Änderungen, genausogut Jahrzehnte früher oder in der Gegenwart spielen.

Nach drei mehr oder weniger veritablen Fehlschlägen – jedenfalls als James-Bond-Agententhriller – und nachdem der Film-James-Bond mit Daniel Craig eine ziemlich umfassende Back-to-Basics-Fit-für-die-Zukunft-Entwicklung hinter sich hat, die vom Publikum und der Kritik euphorisch aufgenommen wurde, sollten die Fleming-Erben sich für die kommenden Bond-Romane eine längerfristige Strategie überlegen. Große Namen und literarische Autoren sind es nicht. Aber ein talentierter Thriller-Autor, der längerfristig Bond-Romane schreiben möchte, wäre eine Möglichkeit. In den USA gelingt das ja, indem Krimi-Autoren Bücher zu TV-Serien schreiben, die im Stil der Serie sind (z. B. die Bücher zu „Monk“, „Burn Notice“ und zum „CSI“-Franchise), oder indem sie Romanserien fortführen. Vor allem James Patterson, aber auch Robert Ludlum und Tom Clancy, haben da ja ein entsprechendes Imperium aufgebaut. Auch Robert B. Parkers Privatdetektiv Spenser darf, geschrieben von Ace Atkins, weiterleben und Max Allan Collins vollendet, ebenfalls höchst erfolgreich, Manuskripte von Mickey Spillane. Etliche mit Privatdetektiv Mike Hammer.

Eine solche Strategie würde auch an die James-Bond-Vergangenheit anknüpfen. Denn John Gardner und Raymond Benson schrieben in den achtziger und neunziger Jahren bis zum 2002er-“Roman zum Film“ „Stirb an einem anderen Tag“ zahlreiche James-Bond-Romane, die derzeit nur noch antiquarisch erhältlich sind, während Cross Cult die James-Bond-Romane von Ian Fleming in neuen, ungekürzten Übersetzungen veröffentlicht.

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William Boyd: Solo – Ein James-Bond-Roman

(übersetzt von Patricia Klobusiczky)

Berlin Verlag, 2013

368 Seiten

19,99 Euro

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Originalausgabe

Solo

Jonathan Cape, London, 2013

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Hinweise

Homepage von William Boyd

Homepage von Ian Fleming

Wikipedia über James Bond

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

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Und was sagt der Autor?


TV-Tipp für den 20. November: No Country for Old Men

November 20, 2013

Kabel 1, 22.55

No Country for Old Men (USA 2007, R.: Ethan Coen, Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005

Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.

Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).

Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über “No Country for Old Men”

Rotten Tomatoes über “No Country for Old Men”

Wikipedia über “No Contry for Old Men” (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (28. November 2005)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (Shooting Draft)

Film-Zeit über “No Country for Old Men”

Offizielle Webseite der Cormac-McCarthy-Gesellschaft

Time: Cormac McCarthy und die Coen-Brüdern reden über „No Country for Old Men“

Meine Besprechung der Cormac-McCarthy-Verfilmung “The Road”

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

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Bonushinweis

Am 5. Dezember starten „Inside Llewyn Davis“ (von den Coen-Brüdern) und „Oldboy“ (von Spike Lee, mit Josh Brolin in der Hauptrolle; Besprechung von beiden Filmen zum Kinostart):

Inside Llewyn Davis - Plakat

Oldboy - Plakat 2013


Cover der Woche

November 19, 2013

McGivern - Ein Mann allein