In „Wie wilde Tiere“ wollen Antoine (Denis Ménochet) und Olga (Marina Foïs) im Nordwesten Spaniens in Galicien einen ökologisch korrekten Bauernhof betreiben. Die Einheimischen, vor allem zwei Brüder, sind über das ein französische Aussteigerpaar nicht begeistert. Seit Jahrhunderten führen sie ein karges Leben. Seit Jahren sehen sie, wie ihre Kinder, sobald sie eine bessere Ausbildung haben, die Heimat verlassen. Sie erhoffen sich in der Stadt ein besseres Leben. Misstrauisch beobachten die Zurückgebliebenen die Zugezogenen. Sie glauben, dass sie ein verklärtes Bild vom Leben in der Provinz haben und nur kurze Zeit in der menschenleeren, von aktuellen Entwicklungen abgeschnittenen Gegend bleiben werden.
Als es ein Angebot für den Bau von Windrädern und einem damit verbundenem wirtschaftlichem Aufschwung gibt, wollen fast alle das Angebot annehmen. Aber vor allem Antoine ist dagegen. Er will die Natur bewahren.
Rodrigo Sorogoyen („Macht des Geldes“) erzählt in seinem sehr langsam erzähltem Noir-Thriller, wie dieser Konflikt Zwischen Einheimischen und Zugezogenen tödlich eskaliert. Das ist in seiner fatalen Entwicklung schnell vorhersehbar, aber durchgehend spannend erzählt. Erst als es im letzten Drittel des mit gut hundertvierzig Minuten arg lang geratenen Films zu einem Ereignis kommt und danach die Story nur noch ziellos vor sich hin plätschert, fällt der Film in sich zusammen. Ab diesem Moment zieht sich der Noir bis zum Abspann wie Kaugummi.
In Spanien erhielt der lose von einem wahren Fall inspirierte Slow-Thriller dieses Jahr neun Goyas, unter anderem als bester Film und für die beste Regie. Außerdem erhielt er den César als Bester ausländischer Film.
Wie wilde Tiere (As Bestas, Spanien 2022)
Regie: Rodrigo Sorogoyen
Drehbuch: Isabel Peña, Rodrigo Sorogoyen
mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera, Diego Anido, Marie Colomb
Matt Johnson erzählt in seinem Produkt-Biopic „Blackberry – Klick einer Generation“ die Geschichte eines Mobiltelefons, mit dem man auf einer fest installierten Tastatur E-Mails schreiben konnte. Das war Ende der neunziger Jahre revolutionär. Schnell wurde das Gerät zum Statussymbol für Menschen, die sich für wichtig hielten. Keine zehn Jahre später, 2007, wurde das erste iPhone veröffentlicht. Und kurz darauf war das Blackberry Geschichte. Ein neues Statussymbol eroberte die Welt.
Matt Johnson erzählt diese Geschichte flott, äußerst kurzweilig und mit sarkastischem Witz im Stil von „The Big Short“, „Vice“ (ja, da geht es um Politik) und, dieses Jahr, „Air – Der große Wurf“ und „Dumb Money“. Das ist ein süffiger Spaß mit sehr nerdigen Computernerds und sehr machohaften, ständig brüllend Anweisungen gebenden Vorgesetztentyrannen, die es so (hoffentlich) nur im Film gibt.
Mit der Realität und den realen Vorbildern hat Johnsons Komödie wenig bis nichts zu tun. Am Vergnügen beim Ansehen des satirischen Dramas ändert das nichts.
Blackberry – Klick einer Generation (BlackBerry, Kanada 2023)
Regie: Matt Johnson
Drehbuch: Matt Johnson, Matthew Miller
LV: Jacquie McNish/Sean Silcoff: Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry, 2015
mit Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson, Cary Elwes, Saul Rubinek, Michael Ironside, Rich Sommer, Sungwon Cho, Martin Donovan
LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)
Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.
Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.
William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”
Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek
Der bibeltreue, heimlich schwule Father Gaylord steckt in der Klemme. Sein Ex-Lover Queen Bitch vom Planeten Oberon will die Welt mit einem magischen Ring in eine kinky Utopie voller Homosexueller verwandeln.
Father Gaylord möchte das, den Regeln seiner Kirche folgend, verhindern. Sein Freund Captain Faggotron, definitiv nicht hetero, soll das für ihn erledigen; – gut, einen Drehbuchoscar wird „Captain Faggotron saves the Universe“ nicht erhalten und die Frage, warum Queen Bitchs Vorhaben verhindert werden soll, kann der Film nie beantworten.
Harvey Rabbits Spielfilmdebüt ist ein Trashfilm, der sich in queeren Befindlichkeiten suhlt und sie plakativ ausstellt. Er tut das im Rahmen einer Science-Fiction-Geschichte, die sich der wunderschönen Tradition US-amerikanischer Serials und billiger Science-Fiction-Filme bedient, sie mit etwas No-Budget-Grandezza und Rosa-von-Praunheim-Feeling anreichert und abschließend reichlich Black- und Gay-Power darüberschüttet. Das gefällt, ist erfrischend undeutsch (gedreht wurde der Film in Berlin und seinen Ursprung hat er in selbstorganisierten hiesigen Filmschule Filmarche) und ist sehr gut geeignet für das vorweihnachtliche campy Trashfilm-Festival.
Ich hätte mir allerdings alles viel wilder und durchgeknallter gewünscht.
Captain Faggotron saves the Universe(Deutschland 2023)
Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni
Musik: Ennio Morricone
Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.
Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.
mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter
Die gefürchteten Vier (The Professionals, USA 1966)
Regie: Richard Brooks
Drehbuch: Richard Brooks
LV: Frank O’Rourke: A mule for the Marquesa, 1964 (später “The Professionals”)
Mexiko 1917: ein texanische Öl- und Viehmillionär engagiert vier Söldner seine von einem mexikanischen Revolutionär und Banditenführer entführte Frau zu befreien. Die vier Profis machen sich auf den Weg.
Richard Brooks Western-Klassiker „The Professionals“ ist gleichzeitig eine Heroisierung und zynische Demontage des professionellen Kriegshandwerks. Einer von Brooks besten, vielleicht sogar sein bester, Film.
Mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan, Woody Strode, Claudia Cardinale, Jack Palance, Ralph Bellamy
Willy Wonka war nicht immer der aus Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bekannte Besitzer der titelgebenden Schokoladenfabrik. Er war auch einmal ein junger, überaus optimistischer Mann mit großen Plänen. Er reiste um die Welt, lernte alles über Schokolade und sammelte an den entlegendsten Orten die exotischten Zutaten für seine köstlichen Schokoladenkreationen.
Nach vielen Jahren auf See kehrt er in seine alte Heimat zurück. Dort will er die Menschen für seine Schokoladenkreationen begeistern.
Aber die drei das örtliche Schokoladengeschäft beherrschenden Schokoladenhersteller sind davon nicht begeistert. Sie wollen den lästigen Konkurrenten loswerden. Denn Wonka verkauft seine Schokolade zu Kampfpreisen und seine Schokoladenkreationen sind besser und fantasievoller als ihre eigenen Kreationen. Sie setzen Himmel (vulgo die Kirche) und Hölle (vulgo die Polizei) in Bewegung.
Mit dem Geld, das Wonka mit seiner Schokolade verdient, will er sich nicht nur eine eigene Firma aufbauen, sondern sich auch aus den Händen von Mrs. Scrubbit befreien. Die hat ihm in der ersten Nacht nach seiner Ankunft ein Zimmer vermietet, das ihn, wie er zu spät erfährt, ihn zu ihrem Gefangenen macht. Immerhin kann er seine Schulden in den nächsten Jahrzehnten in Scrubbits Wäscherei abarbeiten. Dort trifft er mehrere Schicksalgenossen, die zu seinen Freunden werden und ihm helfen.
„Wonka“ erzählt die Vorgeschichte zu Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Paul King (Regie, Drehbuch) und Simon Farnaby (Drehbuch) erfanden diese Prequel-Geschichte. King führte bei den beiden allgemein beliebten „Paddington“-Filmen Regie. Farnaby spielte im ersten „Paddington“-Film mit und war bei „Paddington 2“ Co-Drehbuchautor.
Schon nach wenigen Minuten, wenn Willy Wonka frohgemut singend und tanzend die Hafenstadt betritt, ist die Frage, ob wir unbedingt noch ein Prequel zu einer bekannten Geschichte brauchen, hinfällig. King und Farnaby umgehen diese Prequel-Frage, indem sie einfach ihre Geschichte erzählen. Äußerst charmant, witzig, kurzweilig, sehr selbstironisch, voller gelungener Pointen und Anspielungen erzählen sie von den Schwierigkeiten, die Willy Wonka am Anfang seiner Karriere als Schokoladenhersteller überwinden musste und wie ihm das, mit einigen Freunden, gelingt. Es ist eine rundum positive Geschichte mit einem herrlich britischem Humor.
Timothée Chalamet als Willy Wonka, Olivia Colman als Mrs. Scrubbit und Hught Grant als Oompa-Loompa spielen Hauptrollen. Sally Hawkins, Keegan-Michael Key und Rowan Atkinson, um nur einige bekannte Namen zu nennen, übernahmen kleinere Rollen. Alle Schauspieler chargieren immer ein wenig und versuchen sich gegenseitig die Szenen zu stehlen.
„Wonka“ ist nicht nur ein Fantasy-Märchenfilm, sondern auch ein Musical. Deshalb mussten die Schauspieler, wie es heute gerne gemacht wird, auch singen und tanzen. Weil sie alle keine ausgebildeten Sänger und Tänzer sind, ist ihr Gesang und Tanz immer etwas amateurhaft, unbeholfen und schüchtern. Das trägt zum Charme des Films bei. Schnell stellt sich das Gefühl ein, so gut wie Timothée Chalamet oder Hugh Grant kann man selbst auch singen und tanzen.
Ob „Wonka“ ein Klassiker wird, ist natürlich noch unklar. Ebenso ob er in den kommenden Jahren zu einem immer wieder gern gesehenem und beliebten Weihnachtsfilm wird. Das Zeug dafür hat er auf jeden Fall. Bis dahin ist „Wonka“ in diesem Jahr der schönste Weihnachtsfilm für die ganze Familie; – ohne ein Weihnachtsfilm zu sein.
Wonka(Wonka, USA 2023)
Regie: Paul King
Drehbuch: Simon Farnaby, Paul King (nach einer Geschichte von Paul King) (basierend auf von Roald Dahl erfundenen Figuren)
mit Timothée Chalamet, Calah Lane, Olivia Colman, Hugh Grant, Sally Hawkins, Paterson Joseph, Keegan-Michael Key, Rowan Atkinson, Simon Farnaby, Mathew Baynton, Matt Lucas, Sophie Winkleman, Jim Carter, Tom Davis, Rakhee Thakrar, Natasha Rothwell, Rich Fulcher, Kobna Holdbrook-Smith
Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)
Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski
LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)
Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.
Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft.
mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)
Wenige Tage vor der Veröffentlichung von Richard Osmans neuem Kriminalroman „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ trafen wir den Bestsellerautor im Herzen von Berlin im Teehaus im Englischen Garten und sprachen mit ihm über seinen neuen Roman, inwiefern es ein Weihnachtskrimi ist, über die Inspiration für den Donnerstagsmordclub, die literarische Ahnenreihe, in der der Donnerstagsmordclub ermittelt, und die geplante Verfilmung.
Der titelgebende Donnerstagsmordclub besteht aus Joyce Meadowcroft, Elizabeth Best, Ron Ritchie und Ibrahim Arif. Sie leben in der noblen Senieorenresidenz Coppers Chase in der Grafschaft Kent. Dort treffen sich jeden Donnerstag, um über alte Mordfälle zu reden. Falls sie nicht gerade einen aktuellen Mordfall aufklären müssen. Dabei kommt ihnen ihre Lebenserfahrung, teils auch ihre früheren Berufe und Kontakte, und die allgemeine Unsichtbarkeit und Harmlosigkeit alter Menschen zugute. Denn welcher hartgesottene Verbrecher und Mörder erwartet schon, dass ihm einige alte Menschen, die sich ohne Gehhilfe kaum fortbewegen können, ihm Probleme bereiten könnten.
Das erste Buch mit dem Donnerstagsmordclub, betitelt „Der Donnerstagsmordclub“, erschien 2020 und war in Großbritannien sofort ein Bestseller. Die deutsche Übersetzung erschien 2021 und sie verkaufte sich ebenfalls ausgezeichnet.
„Der Mann der zweimal starb“, „Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel“ und jetzt „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ wurden ebenfalls Bestseller.
Im vierten Roman der Cozy-Crime-Serie wollen Elizabeth, Jocye, Ron und Ibrahim den Mord an dem mit ihnen befreundeten Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar aufklären.
Ein Drogenhändler benutzte ihn und sein Geschäft, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen, als Zwischenstation für den Schmuggel von Drogen.
Kurz darauf ist Kuldesh tot. Die Drogen und das Terrakottagefäß, in dem sie unauffällig transportiert wurden, sind verschwunden.
Wer seine Krimis gerne cozy, etwas humorvoll und mit vielen Dialogen hat, wird auch mit dem vierten Fall des Donnerstagsmordclubs einige schön entspannte Stunden verleben. Wer dagegen lieber einen ausgefuchsten Plot mit vielen Verdächtigen und noch mehr falschen Fährten hat, also einen Rätselkrimi im Agatha-Christie-Stil erwartet, wird enttäuscht sein.
Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt
Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit. (Schweiz/Deutschland 2022)
Regie: André Schäfer
Drehbuch: André Schäfer
TV-Premiere eines – in der Kinofassung – sehr gelungenen Porträts des Bestsellerautors Martin Suter. Arte zeigt eine 50-minütige Fassung des 90-minütigen Kinofilms.
Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt wird, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.
In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.
mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen
Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder (The Flying Deuces, USA 1939)
Regie: A. Edward Sutherland
Drehbuch: Ralph Spence, Harry Langdon, Charles Rogers, Alfred Schiller
Von der Liebe enttäuscht melden Stan (Stan Laurel) und Olllie (Oliver Hardy) sich bei der Fremdenlegion. Sie hoffen auf eine schnelle leichte Verletzung und einen erholsamen Aufenthalt in einem Sanatorium. Soweit der Plan.
Muss ich dazu etwas sagen? Stan und Ollie (die bei uns früher als „Dick & Doof“ populär waren) slapsticken sich durch die Fremdenlegion und wir lachen uns auf dem heimischen Sofa schlapp.
Mit Stan Laurel, Oliver Hardy, Jean Parker, Reginald Gardiner, James Finlayson, Jean Del Val
auch bekannt als „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ (Kinotitel zur deutschen Kinopremiere 1951), „Fliegende Teufel“, „Fliegende Teufelsbrüder“
Confidence – Coup in L. A. (Confidence, USA/Kanada/Deutschland 2003)
Regie: James Foley
Drehbuch: Doug Jung
Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug einen Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?
Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi mit einer prächtig gelaunten Starbesetzung, die sich gegenseitig übers Ohr haut.
„mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)
mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut, Robert Forster
Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, Italien/Deutschland/Spanien 1964)
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Leone, Duccio Tessari
Musik: Ennio Morricone
Sergio Leones erster richtiger Film (davor übte er bei Monumental- und Sandalenfilmen) und gleich ein genreprägender Klassiker, der für einen TV-Schauspieler den Weg zum Weltstar ebnete.
Die Story: In einer mexikanischen Kleinstadt taucht ein Fremder ohne Namen (Clint Eastwood, der öfter als Joe angesprochen wird) auf und spielt kaltschnäuzig die das Dorf beherrschenden Gangsterbanden gegeneinander aus.
Die Story lieh Leone sich von Akira Kurosawas „Yojimbo“. Der könnte auch mal wieder gezeigt werden.
mit Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté, Sieghardt Rupp, Antonio Prieto, Wolfgang Luckschy
Die Pflüger-Rezi sollte ich endlich mal fertig schreiben. Göhre kann ich die nächsten Tage hoffentlich in einem Rutsch lesen. Die letzten Tage war ich unter anderem mit dem Lesen von Weihnachtskrimis beschäftigt.
Und dann liegen bei mir noch Lassander (auf der Liste; Tobias Gohlis schreibt, dass es ein Pseudonym von Thor Kunkel sein könnte; was mich, auch wenn es nicht stimmt, daran erinnert, dass ich hier noch zwei ungelesene Bücher von Thor Kunkel herumliegen habe), Cosby, Willeford, SaFranko (beide Pulp Master und nicht auf der Liste) undundund rum (und das sind nur die Krimis, die mir spontan einfallen).
Zwei glorreiche Halunken (Il buono, il butto, il cattivo, Italien 1966)
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Agenore Incrocci, Furio Scarpelli, Luciano Vincenzoni, Sergio Leone (nach einer Geschichte von Luciano Vincenzoni und Sergio Leone)
Musik: Ennio Morricone (Wer sonst?)
Klassiker und glorreicher Abschluss von Sergio Leones Dollar-Trilogie. Wieder mit Clint Eastwood in, in diesem Fall, einer Hauptrolle.
Während des US-Bürgerkriegs suchen drei Halunken, mehr gegen- als miteinander, einen Goldschatz.
Mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach, Aldo Giuffre, Luigi Pistilli, Rada Rassimov, Enzo Petito, Claudio Scarchilli, John Bartho, Livio Lorenzon
Die Musik gefällt. Die Songs sind nämlich keine dieser pseudohippen gruseligen Pseudo-Dance-Pop-Songs, sondern großorchestraler Pop mit einer Tendenz zur gitarrenbasierten Lagerfeuermusik, die jeder schnell mitsingen kann.
Der Rest ist ein Mix aus wenig überzeugenden gezeichneten und computeranimierten Bildern, Anspielungen auf frühere Disney-Filme, dabei erstaunlich wenig Disney-Zauber und einer höchst unklaren, eigentlich schon beim Sehen vergessenen Geschichte. Es geht Asha. Das Mädchen lebt auf einer Insel, die als das „Königreich der Wünsche“ bekannt ist, weil der König des Landes Wünsche erfüllt. Allerdings, wie Asha erfährt, als sie ihm ihren Wunsch vorträgt, erfüllt König Magnifico nicht alle Wünsche, sondern nur die Wünsche, die ihm gefallen und die er als ungefährlich für sich ansieht. Er ist ein sich nach außen nett gebender Diktator.
Asha ist schockiert und versucht alle Wünsche, die bei König Magnifico geäußert und in Wunsch-Bubbles festgehalten sind, zu befreien. So kann sie den Menschen auch ihr Wissen über ihre Wünsche zurückzugeben.
Das ist natürlich nur dann eine gute Sache, wenn die Menschen sich und den anderen nur gute Dinge wünschen würden. Das ist so naiv und verquer, dass der Glaube an den Weihnachtsmann höchst rational ist.
Das Konzept der Wünsche ist auch, nun, etwas seltsam. Jeder kann seinen Wunsch bei König Magnifico abgeben. Danach vergisst der Wünschende seinen Wunsch. Er weiß also überhaupt nicht, ob sein Wunsch sich jemals erfüllt. Er kann sich deshalb auch nicht darüber freuen. Oder enttäuscht sein.
Sicher, in einem Kinderfilm muss nicht alles auf einem auch für Erwachsene erträglichem Niveau sein (obwohl Pixar und Ghibli, um nur zwei bekannte Animationsstudios zu nennen, das in ihren Filmen immer wieder zeigen), aber eine nachvollziehbare Geschichte, gerne mit einer plakativen Zeichnung von Gut und Böse, dreidimensionalen Charakteren und einem eindeutigen Ziel sollten möglich sein.
Das wäre mein Wish.
Davon abgesehen: alles Gute zum Hundertjährigen. So lange gibt es Disney schon und seinen hundertjährigen Geburtstag feiert das Studio in seinem neuesten Film mit zahlreichen Anspielungen auf frühere und heute immer noch bekannt-beliebte Filme. Diese Anspielungen und dass Asha sich wünscht, dass der Wunsch ihres hundertjährigen Großvaters in Erfüllung geht, bieten natürlich noch eine andere Lesart von „Wish“ an. Dann wäre „Wish“ ein Selbstbild und -analyse von Disney mit König Magnifico als Disney-Konzern.
Aber das ist sicher nur eine böswillige Überinterpretation.
Wish (Wish, USA 2023)
Regie: Chris Buck, Fawn Veerasunthorn
Drehbuch: Jennifer Lee, Allison Moore
mit (im Original den Stimmen von) Ariana DeBose, Chris Pine, Alan Tudyk, Angelique Cabral, Victor Garber, Natasha Rothwell, Jennifer Kumiyama
Life on Mars – Gefangen in den 70ern (Life on Mars, Großbritannien 2006)
Regie: Bharat Nalluri, John McKay
Drehbuch: Matthew Graham, Ashley Pharoah
Erfinder: Matthew Graham, Tony Jordan, Ashley Pharoah
Arte zeigt heute Abend die ersten vier Folgen der aus acht Folgen bestehenden ersten Staffel der kultigen Krimiserie. Kommenden Donnerstag geht es weiter – oder schon jetzt in der Mediathek. Dort kann dann auch gleich die zweite und letzte „Life on Mars“-Staffel angesehen werden.
Detective Chief Inspector Sam Tyler (John Simm) erwacht nach einem Unfall in der Vergangenheit im Jahr 1973. Dort kann er in Manchester als Polizist weiterarbeiten. Nur fremdelt er mit seinem zupackendem Chef Gene Hunt (Philip Glenister), den Kollegen, den archaischen Arbeitsmethoden und fast allem anderen.
„Ashes to Ashes – Zurück in die 80er“ setzte „Life on Mars“ fort und übertrifft sogar die ziemlich geniale Originalserie. In ihr erwacht DI Alex Drake (Keeley Hawes) nach einem Unfall 1981 in London und trifft auf den in die Hauptstadt versetzten Gene Hunt.
Mit John Simm, Philip Glenister, Liz White, Dean Andrews, Marshall Lancaster, Tony Marshall, Noreen Kershaw, Kevin McNally
Der Jigsaw-Killer ist zurück. Und wieder wird er von Tobin Bell in der Rolle seines Lebens gespielt. Weil er allerdings in der Filmserie schon vor langem gestorben ist, spielt der zehnte „Saw“-Film, profan „Saw X“ betitelt, zwischen dem ersten und dem zweiten „Saw“-Film.
John Kramer, der als Jigsaw Menschen tötet, hat Krebs im Endstadium und er hat sich mit seinem baldigen Tod abgefunden. Da hört er von einer experimentellen Behandlung in Mexiko, die in den USA nicht angewandt wird und die supererfolgreich sein soll. Anstatt dass bei ihm jetzt alle Alarmglocken über diesen Betrug losgehen, lässt er sich auf die teure Behandlung ein. Nur um nach der Operation und nachdem er sie bezahlt hat, zu erfahren, dass Doktor Cecilia Pederson ihn betrogen hat und mit seinem Geld verschwunden ist. Kramer beginnt sie und alle, die in den Betrug verwickelt sind, zu jagen und stellt deren Moral in von ihm ersonnenen Fallen auf die Probe.
Denn Jigsaw mordet nicht einfach so. Er will für seine Opfer ein Lehrer sein und sie zu besseren Menschen machen. Sagt er. In Wirklichkeit ist sein Gerede von Moral nur eine krude pseudophilosophische Ummäntelung für seine Taten. Er ist ein Sadist, der sich an den Leiden, Selbstverstümmelungen und dem Tod seiner Opfer ergötzt.
Bei seinem ersten Auftritt, 2004 in dem harten von James Wan inszeniertem und Leigh Whannell geschriebenem Horrorthriller „Saw“, war diese Mischung aus perversen Aufgaben für die Opfer und pseudophilospischen Erklärungen neu. Für Wan und Whannell war das der Beginn einer erfolgreichen Karriere in Hollywood. Sie erfanden auch das „Insidiuos“-Horrorfranchise. Wan inszenierte außerdem „Furious 7“ und die beiden „Aquaman“-Spielfilme (der zweite startet demnächst).
Jigsaw war nach dem Film einer der ikonischen Killer. Und das ganz ohne Maske.
Angesichts des Erfolgs an der Kinokasse folgten schnell weitere Filme, die bei uns nicht alle im Kino liefen und von der Kritik mehr oder weniger verrissen wurden.
Nachdem der vorherige „Saw“-Film „Saw: Spiral“ (Spiral: From the Book of Saw, USA 2021) an der Kinokasse deutlich weniger als erwartet einspielte (vierzig Millionen US-Dollar bei einem Budget von zwanzig Millionen US-Dollar), ist „Saw X“ ein gewisses back to the roots. Inszeniert wurde der Film von Kevin Greutert. Er war für den Schnitt bei den ersten fünf „Saw“-Filmen und dem achten „Saw“-Film „Jigsaw“ verantwortlich. Außerdem inszenierte er „Saw VI“ und „Saw VII“. Tobin Bell ist wieder dabei und zwar als Hauptdarsteller.
Für die langjährigen „Saw“-Fans gibt es etliche ausführlich gezeigte Morde. Denn die Fallen von Jigsaw sind so konstruiert, dass die Opfer einen möglichst schmerzhaften Tod erleiden.
Und es gibt eine Story, die zwar löchriger als Schweizer Käse ist, aber immerhin noch gut genug ist, um über Logiklöcher, unplausible Momente und Kramers verquere Moral nachzudenken. „Saw X“ reiht nicht nur etliche, detailliert gezeigte Folterungen aneinander, sondern es gibt eine Geschichte, die die Folterungen halbwegs sinnvoll zusammenhält, und wir erfahren einiges über John Kramer.
Insgesamt gehört „Saw X“ zu den besseren Filmen der Serie. Etliche Stimmen halten ihn sogar für die bislang beste Fortsetzung des ersten Films. Ein guter Film oder ein Film, den man sich unbedingt ansehen muss, ist es nicht. Außer man ist ein Fan der Serie oder liebt harte Horrorfilme.
Nachdem „Saw X“ bei einem Budget von dreizehn Millionen Dollar bereits jetzt über hundert Millionen Dollar eingespielt hat, ist ein elfter „Saw“-Film bereits beschlossen. Es wird nicht der letzte sein.
Saw X(Saw X, USA 2023)
Regie: Kevin Greutert
Drehbuch: Pete Goldfinger, Josh Stolberg
mit Tobin Bell, Shawnee Smith, Synnøve Macody Lund, Steven Brand, Renata Vaca, Michael Beach, Paulette Hernández, Octavia Hinojosa, Joshua Okamoto