Neu im Kino/Filmkritik: Über Rodrigo Sorogoyens Provinz-Noir „Wie wilde Tiere“

Dezember 10, 2023

In „Wie wilde Tiere“ wollen Antoine (Denis Ménochet) und Olga (Marina Foïs) im Nordwesten Spaniens in Galicien einen ökologisch korrekten Bauernhof betreiben. Die Einheimischen, vor allem zwei Brüder, sind über das ein französische Aussteigerpaar nicht begeistert. Seit Jahrhunderten führen sie ein karges Leben. Seit Jahren sehen sie, wie ihre Kinder, sobald sie eine bessere Ausbildung haben, die Heimat verlassen. Sie erhoffen sich in der Stadt ein besseres Leben. Misstrauisch beobachten die Zurückgebliebenen die Zugezogenen. Sie glauben, dass sie ein verklärtes Bild vom Leben in der Provinz haben und nur kurze Zeit in der menschenleeren, von aktuellen Entwicklungen abgeschnittenen Gegend bleiben werden.

Als es ein Angebot für den Bau von Windrädern und einem damit verbundenem wirtschaftlichem Aufschwung gibt, wollen fast alle das Angebot annehmen. Aber vor allem Antoine ist dagegen. Er will die Natur bewahren.

Rodrigo Sorogoyen („Macht des Geldes“) erzählt in seinem sehr langsam erzähltem Noir-Thriller, wie dieser Konflikt Zwischen Einheimischen und Zugezogenen tödlich eskaliert. Das ist in seiner fatalen Entwicklung schnell vorhersehbar, aber durchgehend spannend erzählt. Erst als es im letzten Drittel des mit gut hundertvierzig Minuten arg lang geratenen Films zu einem Ereignis kommt und danach die Story nur noch ziellos vor sich hin plätschert, fällt der Film in sich zusammen. Ab diesem Moment zieht sich der Noir bis zum Abspann wie Kaugummi.

In Spanien erhielt der lose von einem wahren Fall inspirierte Slow-Thriller dieses Jahr neun Goyas, unter anderem als bester Film und für die beste Regie. Außerdem erhielt er den César als Bester ausländischer Film.

Wie wilde Tiere (As Bestas, Spanien 2022)

Regie: Rodrigo Sorogoyen

Drehbuch: Isabel Peña, Rodrigo Sorogoyen

mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera, Diego Anido, Marie Colomb

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Wie wilde Tiere“

Metacritic über „Wie wilde Tiere“

Rotten Tomatoes über „Wie wilde Tiere“

Wikipedia über „Wie wilde Tiere“ (deutsch, englisch, spanisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blackberry – Klick einer Generation“ und dann weggewischt

Dezember 10, 2023

Matt Johnson erzählt in seinem Produkt-Biopic „Blackberry – Klick einer Generation“ die Geschichte eines Mobiltelefons, mit dem man auf einer fest installierten Tastatur E-Mails schreiben konnte. Das war Ende der neunziger Jahre revolutionär. Schnell wurde das Gerät zum Statussymbol für Menschen, die sich für wichtig hielten. Keine zehn Jahre später, 2007, wurde das erste iPhone veröffentlicht. Und kurz darauf war das Blackberry Geschichte. Ein neues Statussymbol eroberte die Welt.

Matt Johnson erzählt diese Geschichte flott, äußerst kurzweilig und mit sarkastischem Witz im Stil von „The Big Short“, „Vice“ (ja, da geht es um Politik) und, dieses Jahr, „Air – Der große Wurf“ und „Dumb Money“. Das ist ein süffiger Spaß mit sehr nerdigen Computernerds und sehr machohaften, ständig brüllend Anweisungen gebenden Vorgesetztentyrannen, die es so (hoffentlich) nur im Film gibt.

Mit der Realität und den realen Vorbildern hat Johnsons Komödie wenig bis nichts zu tun. Am Vergnügen beim Ansehen des satirischen Dramas ändert das nichts.

Blackberry – Klick einer Generation (BlackBerry, Kanada 2023)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson, Matthew Miller

LV: Jacquie McNish/Sean Silcoff: Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry, 2015

mit Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson, Cary Elwes, Saul Rubinek, Michael Ironside, Rich Sommer, Sungwon Cho, Martin Donovan

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Blackberry“

Metacritic über „Blackberry“

Rotten Tomatoes über „Blackberry“

Wikipedia über „Blackberry“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über den Film (der viel Fiktion enthält)

Meine Besprechung von Matt Johnshons „Operation Avalanche“ (Operation Avalnche, USA/Kanada 2016)


TV-Tipp für den 10. Dezember: Angel Heart

Dezember 9, 2023

Arte, 21.55

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Neu im Kino/Filmkritik: Ooh Gaylord! „Captain Faggotron saves the Universe“

Dezember 9, 2023

Der bibeltreue, heimlich schwule Father Gaylord steckt in der Klemme. Sein Ex-Lover Queen Bitch vom Planeten Oberon will die Welt mit einem magischen Ring in eine kinky Utopie voller Homosexueller verwandeln.

Father Gaylord möchte das, den Regeln seiner Kirche folgend, verhindern. Sein Freund Captain Faggotron, definitiv nicht hetero, soll das für ihn erledigen; – gut, einen Drehbuchoscar wird „Captain Faggotron saves the Universe“ nicht erhalten und die Frage, warum Queen Bitchs Vorhaben verhindert werden soll, kann der Film nie beantworten.

Harvey Rabbits Spielfilmdebüt ist ein Trashfilm, der sich in queeren Befindlichkeiten suhlt und sie plakativ ausstellt. Er tut das im Rahmen einer Science-Fiction-Geschichte, die sich der wunderschönen Tradition US-amerikanischer Serials und billiger Science-Fiction-Filme bedient, sie mit etwas No-Budget-Grandezza und Rosa-von-Praunheim-Feeling anreichert und abschließend reichlich Black- und Gay-Power darüberschüttet. Das gefällt, ist erfrischend undeutsch (gedreht wurde der Film in Berlin und seinen Ursprung hat er in selbstorganisierten hiesigen Filmschule Filmarche) und ist sehr gut geeignet für das vorweihnachtliche campy Trashfilm-Festival.

Ich hätte mir allerdings alles viel wilder und durchgeknallter gewünscht.

Captain Faggotron saves the Universe (Deutschland 2023)

Regie: Harvey Rabbit

Drehbuch: Harvey Rabbit

mit Tchivett, Bishop Black, Rodrigo Garcia Alves

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Verleih über den Film (inclusive der Kinotermine)

Filmportal über „Captain Faggotron saves the Universe“

Moviepilot über „Captain Faggotron saves the Universe“

Rotten Tomatoes über „Captain Faggotron saves the Universe“

 


TV-Tipp für den 9. Dezember: Für ein paar Dollar mehr

Dezember 8, 2023

RBB, 23.30

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Dezember: Die gefürchteten Vier

Dezember 7, 2023

BR, 22.45

Die gefürchteten Vier (The Professionals, USA 1966)

Regie: Richard Brooks

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Frank O’Rourke: A mule for the Marquesa, 1964 (später “The Professionals”)

Mexiko 1917: ein texanische Öl- und Viehmillionär engagiert vier Söldner seine von einem mexikanischen Revolutionär und Banditenführer entführte Frau zu befreien. Die vier Profis machen sich auf den Weg.

Richard Brooks Western-Klassiker „The Professionals“ ist gleichzeitig eine Heroisierung und zynische Demontage des professionellen Kriegshandwerks. Einer von Brooks besten, vielleicht sogar sein bester, Film.

Mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan, Woody Strode, Claudia Cardinale, Jack Palance, Ralph Bellamy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die gefürchteten Vier“

Wikipedia über „Die gefürchteten Vier“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Als Willy „Wonka“ keine Schokoladenfabrik hatte

Dezember 7, 2023

Willy Wonka war nicht immer der aus Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bekannte Besitzer der titelgebenden Schokoladenfabrik. Er war auch einmal ein junger, überaus optimistischer Mann mit großen Plänen. Er reiste um die Welt, lernte alles über Schokolade und sammelte an den entlegendsten Orten die exotischten Zutaten für seine köstlichen Schokoladenkreationen.

Nach vielen Jahren auf See kehrt er in seine alte Heimat zurück. Dort will er die Menschen für seine Schokoladenkreationen begeistern.

Aber die drei das örtliche Schokoladengeschäft beherrschenden Schokoladenhersteller sind davon nicht begeistert. Sie wollen den lästigen Konkurrenten loswerden. Denn Wonka verkauft seine Schokolade zu Kampfpreisen und seine Schokoladenkreationen sind besser und fantasievoller als ihre eigenen Kreationen. Sie setzen Himmel (vulgo die Kirche) und Hölle (vulgo die Polizei) in Bewegung.

Mit dem Geld, das Wonka mit seiner Schokolade verdient, will er sich nicht nur eine eigene Firma aufbauen, sondern sich auch aus den Händen von Mrs. Scrubbit befreien. Die hat ihm in der ersten Nacht nach seiner Ankunft ein Zimmer vermietet, das ihn, wie er zu spät erfährt, ihn zu ihrem Gefangenen macht. Immerhin kann er seine Schulden in den nächsten Jahrzehnten in Scrubbits Wäscherei abarbeiten. Dort trifft er mehrere Schicksalgenossen, die zu seinen Freunden werden und ihm helfen.

Wonka“ erzählt die Vorgeschichte zu Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Paul King (Regie, Drehbuch) und Simon Farnaby (Drehbuch) erfanden diese Prequel-Geschichte. King führte bei den beiden allgemein beliebten „Paddington“-Filmen Regie. Farnaby spielte im ersten „Paddington“-Film mit und war bei „Paddington 2“ Co-Drehbuchautor.

Schon nach wenigen Minuten, wenn Willy Wonka frohgemut singend und tanzend die Hafenstadt betritt, ist die Frage, ob wir unbedingt noch ein Prequel zu einer bekannten Geschichte brauchen, hinfällig. King und Farnaby umgehen diese Prequel-Frage, indem sie einfach ihre Geschichte erzählen. Äußerst charmant, witzig, kurzweilig, sehr selbstironisch, voller gelungener Pointen und Anspielungen erzählen sie von den Schwierigkeiten, die Willy Wonka am Anfang seiner Karriere als Schokoladenhersteller überwinden musste und wie ihm das, mit einigen Freunden, gelingt. Es ist eine rundum positive Geschichte mit einem herrlich britischem Humor.

Timothée Chalamet als Willy Wonka, Olivia Colman als Mrs. Scrubbit und Hught Grant als Oompa-Loompa spielen Hauptrollen. Sally Hawkins, Keegan-Michael Key und Rowan Atkinson, um nur einige bekannte Namen zu nennen, übernahmen kleinere Rollen. Alle Schauspieler chargieren immer ein wenig und versuchen sich gegenseitig die Szenen zu stehlen.

Wonka“ ist nicht nur ein Fantasy-Märchenfilm, sondern auch ein Musical. Deshalb mussten die Schauspieler, wie es heute gerne gemacht wird, auch singen und tanzen. Weil sie alle keine ausgebildeten Sänger und Tänzer sind, ist ihr Gesang und Tanz immer etwas amateurhaft, unbeholfen und schüchtern. Das trägt zum Charme des Films bei. Schnell stellt sich das Gefühl ein, so gut wie Timothée Chalamet oder Hugh Grant kann man selbst auch singen und tanzen.

Ob „Wonka“ ein Klassiker wird, ist natürlich noch unklar. Ebenso ob er in den kommenden Jahren zu einem immer wieder gern gesehenem und beliebten Weihnachtsfilm wird. Das Zeug dafür hat er auf jeden Fall. Bis dahin ist „Wonka“ in diesem Jahr der schönste Weihnachtsfilm für die ganze Familie; – ohne ein Weihnachtsfilm zu sein.

Wonka (Wonka, USA 2023)

Regie: Paul King

Drehbuch: Simon Farnaby, Paul King (nach einer Geschichte von Paul King) (basierend auf von Roald Dahl erfundenen Figuren)

mit Timothée Chalamet, Calah Lane, Olivia Colman, Hugh Grant, Sally Hawkins, Paterson Joseph, Keegan-Michael Key, Rowan Atkinson, Simon Farnaby, Mathew Baynton, Matt Lucas, Sophie Winkleman, Jim Carter, Tom Davis, Rakhee Thakrar, Natasha Rothwell, Rich Fulcher, Kobna Holdbrook-Smith

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wonka“

Metacritic über „Wonka“

Rotten Tomatoes über „Wonka“

Wikipedia über „Wonka“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pénélope Bagieus Roald-Dahl-Comic-Adaption „Hexen hexen“ (Sacrées sorcières, 2020)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016) (und Besprechung der Vorlage)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ (The Witches, USA 2020) (und Besprechung der Vorlage)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Der Ghostwriter

Dezember 6, 2023

Servus TV, 20.15

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Freitag, 8. Dezember, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Der Ghostwriter”

Rotten Tomatoes über “Der Ghostwriter”

Wikipedia über “Der Ghostwriter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Robert Harris‘ „Intrige“ (An Officer and a Spy, 2013)


Im Verhörzimmer: Richard Osman über seinen neuen Krimi „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“

Dezember 6, 2023

Wenige Tage vor der Veröffentlichung von Richard Osmans neuem Kriminalroman „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ trafen wir den Bestsellerautor im Herzen von Berlin im Teehaus im Englischen Garten und sprachen mit ihm über seinen neuen Roman, inwiefern es ein Weihnachtskrimi ist, über die Inspiration für den Donnerstagsmordclub, die literarische Ahnenreihe, in der der Donnerstagsmordclub ermittelt, und die geplante Verfilmung.

Der titelgebende Donnerstagsmordclub besteht aus Joyce Meadowcroft, Elizabeth Best, Ron Ritchie und Ibrahim Arif. Sie leben in der noblen Senieorenresidenz Coppers Chase in der Grafschaft Kent. Dort treffen sich jeden Donnerstag, um über alte Mordfälle zu reden. Falls sie nicht gerade einen aktuellen Mordfall aufklären müssen. Dabei kommt ihnen ihre Lebenserfahrung, teils auch ihre früheren Berufe und Kontakte, und die allgemeine Unsichtbarkeit und Harmlosigkeit alter Menschen zugute. Denn welcher hartgesottene Verbrecher und Mörder erwartet schon, dass ihm einige alte Menschen, die sich ohne Gehhilfe kaum fortbewegen können, ihm Probleme bereiten könnten.

Das erste Buch mit dem Donnerstagsmordclub, betitelt „Der Donnerstagsmordclub“, erschien 2020 und war in Großbritannien sofort ein Bestseller. Die deutsche Übersetzung erschien 2021 und sie verkaufte sich ebenfalls ausgezeichnet.

Der Mann der zweimal starb“, „Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel“ und jetzt „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ wurden ebenfalls Bestseller.

Im vierten Roman der Cozy-Crime-Serie wollen Elizabeth, Jocye, Ron und Ibrahim den Mord an dem mit ihnen befreundeten Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar aufklären.

Ein Drogenhändler benutzte ihn und sein Geschäft, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen, als Zwischenstation für den Schmuggel von Drogen.

Kurz darauf ist Kuldesh tot. Die Drogen und das Terrakottagefäß, in dem sie unauffällig transportiert wurden, sind verschwunden.

Wer seine Krimis gerne cozy, etwas humorvoll und mit vielen Dialogen hat, wird auch mit dem vierten Fall des Donnerstagsmordclubs einige schön entspannte Stunden verleben. Wer dagegen lieber einen ausgefuchsten Plot mit vielen Verdächtigen und noch mehr falschen Fährten hat, also einen Rätselkrimi im Agatha-Christie-Stil erwartet, wird enttäuscht sein.

Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

(übersetzt von Sabine Roth)

List, 2023

432 Seiten

17,99 Euro

Originalausgabe

The last Devil to die

Viking, UK, 2023

Hinweise

Wikipedia über Richard Osman (deutsch, englisch)

List über Richard Osman

BookMarks über „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“

Meine Besprechung von Richard Osmans „Der Donnerstagsmordclub“ (The Thursday Murder Club, 2020)

Meine Besprechung von Richard Osmans „Der Mann, der zweimal starb“ (The Man who died twice, 2021)

Mein Bericht über Richard Osmans Besuch 2022 in Berlin


TV-Tipp für den 6. Dezember: Alles über Martin Suter. Ausser der Wahrheit.

Dezember 5, 2023

Arte, 22.15

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit. (Schweiz/Deutschland 2022)

Regie: André Schäfer

Drehbuch: André Schäfer

TV-Premiere eines – in der Kinofassung – sehr gelungenen Porträts des Bestsellerautors Martin Suter. Arte zeigt eine 50-minütige Fassung des 90-minütigen Kinofilms.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Kinofilms.

mit Martin Suter, Margrith Nay Suter, Ana Suter, Stephan Eicher, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bastian Schweinsteiger, Philipp Keel

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Moviepilot über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Wikipedia über Martin Suter

Diogenes über Martin Suter

Homepage von Martin Suter

Meine Besprechung von Ralf Huettners Martin-Suter-Verfilmung „Der Koch“ (Deutschland/Schweiz 2014)

Meine Besprechung von André Schäfers „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ (Schweiz/Deutschland 2022)


Cover der Woche

Dezember 5, 2023


TV-Tipp für den 5. Dezember: Ewige Jugend

Dezember 4, 2023

HR, 00.00

Ewige Jugend (Youth, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt wird, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.

In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ewige Jugend“

Wikipedia über „Ewige Jugend“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 4. Dezember: Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder

Dezember 3, 2023

Arte, 20.15

Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder (The Flying Deuces, USA 1939)

Regie: A. Edward Sutherland

Drehbuch: Ralph Spence, Harry Langdon, Charles Rogers, Alfred Schiller

Von der Liebe enttäuscht melden Stan (Stan Laurel) und Olllie (Oliver Hardy) sich bei der Fremdenlegion. Sie hoffen auf eine schnelle leichte Verletzung und einen erholsamen Aufenthalt in einem Sanatorium. Soweit der Plan.

Muss ich dazu etwas sagen? Stan und Ollie (die bei uns früher als „Dick & Doof“ populär waren) slapsticken sich durch die Fremdenlegion und wir lachen uns auf dem heimischen Sofa schlapp.

Mit Stan Laurel, Oliver Hardy, Jean Parker, Reginald Gardiner, James Finlayson, Jean Del Val

auch bekannt als „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ (Kinotitel zur deutschen Kinopremiere 1951), „Fliegende Teufel“, „Fliegende Teufelsbrüder“

Hinweise

Arte über den Film (bis zum 2. Januar 2024 in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder“

Wikipedia über „Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Confidence – Coup in L. A.

Dezember 2, 2023

3sat, 00.00

Confidence – Coup in L. A. (Confidence, USA/Kanada/Deutschland 2003)

Regie: James Foley

Drehbuch: Doug Jung

Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug einen Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?

Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi mit einer prächtig gelaunten Starbesetzung, die sich gegenseitig übers Ohr haut.

„mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)

mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut, Robert Forster

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Confidence“

Wikipedia über „Confidence“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Dezember: Für eine Handvoll Dollar

Dezember 1, 2023

Nochmal Leone & Eastwood

RBB, 23.30

Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, Italien/Deutschland/Spanien 1964)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Duccio Tessari

Musik: Ennio Morricone

Sergio Leones erster richtiger Film (davor übte er bei Monumental- und Sandalenfilmen) und gleich ein genreprägender Klassiker, der für einen TV-Schauspieler den Weg zum Weltstar ebnete.

Die Story: In einer mexikanischen Kleinstadt taucht ein Fremder ohne Namen (Clint Eastwood, der öfter als Joe angesprochen wird) auf und spielt kaltschnäuzig die das Dorf beherrschenden Gangsterbanden gegeneinander aus.

Die Story lieh Leone sich von Akira Kurosawas „Yojimbo“. Der könnte auch mal wieder gezeigt werden.

mit Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté, Sieghardt Rupp, Antonio Prieto, Wolfgang Luckschy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für eine Handvoll Dollar“

Wikipedia über „Für eine Handvoll Dollar“ (deutsch, englisch)


Die Krimibestenliste Dezember 2023

Dezember 1, 2023

Also, dann: was empfiehlt die jeden Monat von Deutschlandfunk Kultur präsentierte Krimibestenliste für den letzten Monat des Jahres:

1 (9) Regina Nössler: Kellerassel

Konkursbuch, 344 Seiten, 12,90 Euro

2 (1) Andreas Pflüger: Wie Sterben geht

Suhrkamp, 448 Seiten, 25 Euro

3 (–) Pascal Garnier: Der Beifahrer

Aus dem Französischen von Felix Mayer

Septime, 139 Seiten, 20 Euro

4 (–) Maren Lassander: Kreuzschmerzen

Golkonda, 368 Seiten, 22 Euro

5 (–) Uta-Maria Heim: Tanz oder stirb

Gmeiner, 283 Seiten, 14 Euro

6 (7) Monika Geier: Antoniusfeuer

Ariadne/Argument, 432 Seiten, 24 Euro

7 (4) Gianrico Carofiglio: Groll

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull

Folio, 239 Seiten, 25 Euro

8 (5) Zoë Beck: Memoria

Suhrkamp, 281 Seiten, 16,95 Euro

9 (3) Frank Göhre: Harter Fall

CulturBooks, 163 Seiten, 17 Euro

10 (–) Yishai Sarid: Schwachstellen

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama

Kein & Aber, 286 Seiten, 24 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Die Pflüger-Rezi sollte ich endlich mal fertig schreiben. Göhre kann ich die nächsten Tage hoffentlich in einem Rutsch lesen. Die letzten Tage war ich unter anderem mit dem Lesen von Weihnachtskrimis beschäftigt.

Und dann liegen bei mir noch Lassander (auf der Liste; Tobias Gohlis schreibt, dass es ein Pseudonym von Thor Kunkel sein könnte; was mich, auch wenn es nicht stimmt, daran erinnert, dass ich hier noch zwei ungelesene Bücher von Thor Kunkel herumliegen habe), Cosby, Willeford, SaFranko (beide Pulp Master und nicht auf der Liste) undundund rum (und das sind nur die Krimis, die mir spontan einfallen).


TV-Tipp für den 1. Dezember: Zwei glorreiche Halunken

November 30, 2023

Bayern, 22.45

Zwei glorreiche Halunken (Il buono, il butto, il cattivo, Italien 1966)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Agenore Incrocci, Furio Scarpelli, Luciano Vincenzoni, Sergio Leone (nach einer Geschichte von Luciano Vincenzoni und Sergio Leone)

Musik: Ennio Morricone (Wer sonst?)

Klassiker und glorreicher Abschluss von Sergio Leones Dollar-Trilogie. Wieder mit Clint Eastwood in, in diesem Fall, einer Hauptrolle.

Während des US-Bürgerkriegs suchen drei Halunken, mehr gegen- als miteinander, einen Goldschatz.

Mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach, Aldo Giuffre, Luigi Pistilli, Rada Rassimov, Enzo Petito, Claudio Scarchilli, John Bartho, Livio Lorenzon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zwei glorreiche Halunken“

Wikipedia über „Zwei glorreiche Halunken“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Disney hat einen „Wish“

November 30, 2023

Die Musik gefällt. Die Songs sind nämlich keine dieser pseudohippen gruseligen Pseudo-Dance-Pop-Songs, sondern großorchestraler Pop mit einer Tendenz zur gitarrenbasierten Lagerfeuermusik, die jeder schnell mitsingen kann.

Der Rest ist ein Mix aus wenig überzeugenden gezeichneten und computeranimierten Bildern, Anspielungen auf frühere Disney-Filme, dabei erstaunlich wenig Disney-Zauber und einer höchst unklaren, eigentlich schon beim Sehen vergessenen Geschichte. Es geht Asha. Das Mädchen lebt auf einer Insel, die als das „Königreich der Wünsche“ bekannt ist, weil der König des Landes Wünsche erfüllt. Allerdings, wie Asha erfährt, als sie ihm ihren Wunsch vorträgt, erfüllt König Magnifico nicht alle Wünsche, sondern nur die Wünsche, die ihm gefallen und die er als ungefährlich für sich ansieht. Er ist ein sich nach außen nett gebender Diktator.

Asha ist schockiert und versucht alle Wünsche, die bei König Magnifico geäußert und in Wunsch-Bubbles festgehalten sind, zu befreien. So kann sie den Menschen auch ihr Wissen über ihre Wünsche zurückzugeben.

Das ist natürlich nur dann eine gute Sache, wenn die Menschen sich und den anderen nur gute Dinge wünschen würden. Das ist so naiv und verquer, dass der Glaube an den Weihnachtsmann höchst rational ist.

Das Konzept der Wünsche ist auch, nun, etwas seltsam. Jeder kann seinen Wunsch bei König Magnifico abgeben. Danach vergisst der Wünschende seinen Wunsch. Er weiß also überhaupt nicht, ob sein Wunsch sich jemals erfüllt. Er kann sich deshalb auch nicht darüber freuen. Oder enttäuscht sein.

Sicher, in einem Kinderfilm muss nicht alles auf einem auch für Erwachsene erträglichem Niveau sein (obwohl Pixar und Ghibli, um nur zwei bekannte Animationsstudios zu nennen, das in ihren Filmen immer wieder zeigen), aber eine nachvollziehbare Geschichte, gerne mit einer plakativen Zeichnung von Gut und Böse, dreidimensionalen Charakteren und einem eindeutigen Ziel sollten möglich sein.

Das wäre mein Wish.

Davon abgesehen: alles Gute zum Hundertjährigen. So lange gibt es Disney schon und seinen hundertjährigen Geburtstag feiert das Studio in seinem neuesten Film mit zahlreichen Anspielungen auf frühere und heute immer noch bekannt-beliebte Filme. Diese Anspielungen und dass Asha sich wünscht, dass der Wunsch ihres hundertjährigen Großvaters in Erfüllung geht, bieten natürlich noch eine andere Lesart von „Wish“ an. Dann wäre „Wish“ ein Selbstbild und -analyse von Disney mit König Magnifico als Disney-Konzern.

Aber das ist sicher nur eine böswillige Überinterpretation.

Wish (Wish, USA 2023)

Regie: Chris Buck, Fawn Veerasunthorn

Drehbuch: Jennifer Lee, Allison Moore

mit (im Original den Stimmen von) Ariana DeBose, Chris Pine, Alan Tudyk, Angelique Cabral, Victor Garber, Natasha Rothwell, Jennifer Kumiyama

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wish“

Metacritic über „Wish“

Rotten Tomatoes über „Wish“

Wikipedia über „Wish“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. November: Life on Mars – Gefangen in den 70ern

November 29, 2023

Arte, 21.45

Life on Mars – Gefangen in den 70ern (Life on Mars, Großbritannien 2006)

Regie: Bharat Nalluri, John McKay

Drehbuch: Matthew Graham, Ashley Pharoah

Erfinder: Matthew Graham, Tony Jordan, Ashley Pharoah

Arte zeigt heute Abend die ersten vier Folgen der aus acht Folgen bestehenden ersten Staffel der kultigen Krimiserie. Kommenden Donnerstag geht es weiter – oder schon jetzt in der Mediathek. Dort kann dann auch gleich die zweite und letzte „Life on Mars“-Staffel angesehen werden.

Detective Chief Inspector Sam Tyler (John Simm) erwacht nach einem Unfall in der Vergangenheit im Jahr 1973. Dort kann er in Manchester als Polizist weiterarbeiten. Nur fremdelt er mit seinem zupackendem Chef Gene Hunt (Philip Glenister), den Kollegen, den archaischen Arbeitsmethoden und fast allem anderen.

Ashes to Ashes – Zurück in die 80er“ setzte „Life on Mars“ fort und übertrifft sogar die ziemlich geniale Originalserie. In ihr erwacht DI Alex Drake (Keeley Hawes) nach einem Unfall 1981 in London und trifft auf den in die Hauptstadt versetzten Gene Hunt.

Mit John Simm, Philip Glenister, Liz White, Dean Andrews, Marshall Lancaster, Tony Marshall, Noreen Kershaw, Kevin McNally

Hinweise

Arte über „Life on Mars – Gefangen in den 70ern“

Wikipedia über „Life on Mars – Gefangen in den 70ern“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Einige Gene-Hunt-Parodien und das Original

Meine Besprechung von „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er – Staffel 1“ (Ashes to Ashes, GB 2008)

Meine Besprechung von „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er – Staffel 2″ (Ashes to Ashes, GB 2009)

Meine Besprechung von „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er – Staffel 3“ (Ashes to Ashes, GB 2010)


Neu im Kino/Filmkritik: „Saw X“ – same old, same old

November 29, 2023

Der Jigsaw-Killer ist zurück. Und wieder wird er von Tobin Bell in der Rolle seines Lebens gespielt. Weil er allerdings in der Filmserie schon vor langem gestorben ist, spielt der zehnte „Saw“-Film, profan „Saw X“ betitelt, zwischen dem ersten und dem zweiten „Saw“-Film.

John Kramer, der als Jigsaw Menschen tötet, hat Krebs im Endstadium und er hat sich mit seinem baldigen Tod abgefunden. Da hört er von einer experimentellen Behandlung in Mexiko, die in den USA nicht angewandt wird und die supererfolgreich sein soll. Anstatt dass bei ihm jetzt alle Alarmglocken über diesen Betrug losgehen, lässt er sich auf die teure Behandlung ein. Nur um nach der Operation und nachdem er sie bezahlt hat, zu erfahren, dass Doktor Cecilia Pederson ihn betrogen hat und mit seinem Geld verschwunden ist. Kramer beginnt sie und alle, die in den Betrug verwickelt sind, zu jagen und stellt deren Moral in von ihm ersonnenen Fallen auf die Probe.

Denn Jigsaw mordet nicht einfach so. Er will für seine Opfer ein Lehrer sein und sie zu besseren Menschen machen. Sagt er. In Wirklichkeit ist sein Gerede von Moral nur eine krude pseudophilosophische Ummäntelung für seine Taten. Er ist ein Sadist, der sich an den Leiden, Selbstverstümmelungen und dem Tod seiner Opfer ergötzt.

Bei seinem ersten Auftritt, 2004 in dem harten von James Wan inszeniertem und Leigh Whannell geschriebenem Horrorthriller „Saw“, war diese Mischung aus perversen Aufgaben für die Opfer und pseudophilospischen Erklärungen neu. Für Wan und Whannell war das der Beginn einer erfolgreichen Karriere in Hollywood. Sie erfanden auch das „Insidiuos“-Horrorfranchise. Wan inszenierte außerdem „Furious 7“ und die beiden „Aquaman“-Spielfilme (der zweite startet demnächst).

Jigsaw war nach dem Film einer der ikonischen Killer. Und das ganz ohne Maske.

Angesichts des Erfolgs an der Kinokasse folgten schnell weitere Filme, die bei uns nicht alle im Kino liefen und von der Kritik mehr oder weniger verrissen wurden.

Nachdem der vorherige „Saw“-Film „Saw: Spiral“ (Spiral: From the Book of Saw, USA 2021) an der Kinokasse deutlich weniger als erwartet einspielte (vierzig Millionen US-Dollar bei einem Budget von zwanzig Millionen US-Dollar), ist „Saw X“ ein gewisses back to the roots. Inszeniert wurde der Film von Kevin Greutert. Er war für den Schnitt bei den ersten fünf „Saw“-Filmen und dem achten „Saw“-Film „Jigsaw“ verantwortlich. Außerdem inszenierte er „Saw VI“ und „Saw VII“. Tobin Bell ist wieder dabei und zwar als Hauptdarsteller.

Für die langjährigen „Saw“-Fans gibt es etliche ausführlich gezeigte Morde. Denn die Fallen von Jigsaw sind so konstruiert, dass die Opfer einen möglichst schmerzhaften Tod erleiden.

Und es gibt eine Story, die zwar löchriger als Schweizer Käse ist, aber immerhin noch gut genug ist, um über Logiklöcher, unplausible Momente und Kramers verquere Moral nachzudenken. „Saw X“ reiht nicht nur etliche, detailliert gezeigte Folterungen aneinander, sondern es gibt eine Geschichte, die die Folterungen halbwegs sinnvoll zusammenhält, und wir erfahren einiges über John Kramer.

Insgesamt gehört „Saw X“ zu den besseren Filmen der Serie. Etliche Stimmen halten ihn sogar für die bislang beste Fortsetzung des ersten Films. Ein guter Film oder ein Film, den man sich unbedingt ansehen muss, ist es nicht. Außer man ist ein Fan der Serie oder liebt harte Horrorfilme.

Nachdem „Saw X“ bei einem Budget von dreizehn Millionen Dollar bereits jetzt über hundert Millionen Dollar eingespielt hat, ist ein elfter „Saw“-Film bereits beschlossen. Es wird nicht der letzte sein.

Saw X (Saw X, USA 2023)

Regie: Kevin Greutert

Drehbuch: Pete Goldfinger, Josh Stolberg

mit Tobin Bell, Shawnee Smith, Synnøve Macody Lund, Steven Brand, Renata Vaca, Michael Beach, Paulette Hernández, Octavia Hinojosa, Joshua Okamoto

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Saw X“

Metacritic über „Saw X“

Rotten Tomatoes über „Saw X“

Wikipedia über „Saw X“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kevin Greuterts „Visions“ (Visions, USA 2015)

Meine Besprechung von Darren Lynn Bousmans „Saw: Spiral“ (Spiral: From the Book of Saw, USA 2021)