Neu im Kino/Filmkritik: Über Patryk Vegas „Niewidzialna Wojna – The invisible war“

Oktober 9, 2022

Nennen wir Patryk Vegas neuen Film „Niewidzialna Wojna – The invisible war“ Autofiktion. Denn im Mittelpunkt steht ein Regisseur, der seine Filme auch schreibt und produziert, und der gerade nach Katar geflogen ist. Dort erhofft er sich von den Scheichs das nötige Geld für seinen nächsten Film. Als er gefragt wird, warum er zu ihnen gekommen ist, erinnert er sich an sein Leben.

In den nun folgenden über zwei Stunden geht es, mehr oder weniger fiktiv, einmal durch Patryk Vegas Leben von seiner frühen Kinobegeisterung (für Holllywood-Blockbuster), über seine ersten Versuche, Geld zu verdienen (meist mit desaströsem Ergebnis), seiner Arbeit als True-Crime-TV-Reporter (skrupelloser als Jake Gyllenhaal in „Nightcrawler“) und seinen Exploitation-Spielfilmen. In seinen Erinnerungen ist dieser Patryk Vega ein gewissenloses, empathieunfähiges Arschloch. Vega inszeniert dies über weite Strecken als eine bitterböse Satire auf die Medienwelt, die polnische Gesellschaft und den Kapitalismus. Das ist durchgehend auf die zynische Pointe zugespitzt. Die Schauspieler, vor allem die verschiedenen Inkarnationen von Patryk Vega, spielen so schlecht, dass die satirische Absicht überdeutlich ist.

In der zweiten Hälfte verliert „Niewidzialna Wojna“ merklich an Tempo. Dann erinnert Vega sich an seine Filme, von denen wir nichts sehen und über die wir fast nichts erfahren. Wer Vegas Filmographie kennt, ist hier eindeutig im Vorteil. Dazwischen ist er auf Filmpremieren und Empfängen und er plant sein nächstes Filmprojekt. Er will endlich seinen großen international erfolgreichen Hollywood-Blockbuster drehen und so als Regisseur anerkannt werden. Gleichzeitig will er erlöst werden. Denn als braver polnischer Katholik drückt ihn zunehmend das schlechte Gewissen über seine an der Kinokasse erfolgreichen amoralischen Filme, seine Taten und seine Beziehungen ins kriminelle Milieu.

Am Ende des Biopics fragen wir uns, wie autobiograpisch das Werk ist, und welche Stellung „Niewidzialna Wojna“ in seinem Werk haben soll. Also ob es eine überhöhte, keine Grenzen und Tabus kennende Mediensatire mit der Dampframme ist und Vegas nächster Film als weiterer Exploitation-Thriller an seine vorherigen Filme anknüpft, oder ob der am 2. Januar 1977 in Warschau geborene Vega wirklich eine religiöse Bekehrung erfahren hat und seine nächsten Filme gähnend langweilige Faith-based-Movies sind.

Aus Zuschauersicht hoffe ich auf den nächsten Exploitationfilm.

Niewidzialna Wojna – The invisible war (Niewidzialna Wojna, Polen 2022)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Rafal Zawierucha, Justyna Karlowska, Anna Mucha, Pawel Olearczyk

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Niewidzialna Wojna – The invisible war“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Pitbull – Exodus“ (Pitbull, Polen 2021) 

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Love, Sex and Pandemic“ (Milosc, seks & pandemia, Polen 2022)


TV-Tipp für den 10. Oktober: Nachtschicht: Die Ruhe vor dem Sturm

Oktober 9, 2022

ZDF, 20.15

Nachtschicht: Die Ruhe vor dem Sturm (Deutschland 2022)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Wegen eines herannahenden Sturms wird ganz Hamburg zu einem mehrtägigem Hausarrest verdonnert. Entsprechend leergefegt sind dieses Mal die Straßen der Großstadt, in denen Kommissar Bo Erichsen und sein Team vom KDD einen flüchtigen, extrem gewaltbereiten Killer und zwei ebenso flüchtige Affen suchen. Außerdem ist Kiez-Legende Micky Mommsen extrem sauer. Zwei Jungs haben ihm Drogen geklaut.

Auch in der titelgebenden „Ruhe vor dem Sturm“ ist auf dem Kiez einiges los. Es gibt herrlich schnoddrige Wortduelle und grotesk aus dem Ruder laufende Aktionen. Aber im Gegensatz zu Lars Beckers vorherigen „Nachtschicht“-Filmen ist hier alles mindestens zwei Nummern kleiner als gewohnt.

Dieser „Nachtschicht“-Film ist ein Kammerspiel in einer menschenleeren Polizeistation und ebenso menschenleeren Straßen.

mit Armin Rohde, Idil Üner, Sabrina Ceesay, Özgür Karadeniz, Sina Martens, Roland Koch, Shenja Lacher, Demet Gül, Slavko Popadic, Ben Andrews Rumler, Ercan Durmaz, Oscar Ortega Sánchez

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Science-Fiction-Film „Vesper Chronicles“

Oktober 9, 2022

Die Menschheit hat es mal wieder geschafft. Dieses Mal sogar ohne außerirdischen Besuch oder einen Atomkrieg. Mit gentechnisch veränderten Organismen und Pflanzen brachten sie unser Ökosystems endgültig aus dem Gleichgewicht. Seitdem lebt eine kleine Oligarchie in Zitadellen. Die anderen Menschen kämpfen in einem Ödland voller Matsch, Schlamm und glibberiger Wesen und Pflanzen um ihr Überleben. Jonas (Eddie Marsan) ist einer der im Ödland lebenden Menschen. Er hat sich einen kleinen Herrschaftsbereich mit treuen Gefolgsleuten aufgebaut und handelt mit den Zitadellen. Er erhält von ihnen gentechnisch verändertes Saatgut, das nur einmal ausgesät werden kann. Dafür verkauft er ihnen das Blut von Kindern.

Die junge Vesper (Raffiella Chapman), die titelgebende Hauptfigur der Geschichte, verkauft ihm immer wieder ihr Blut. Mit ihrem bewegungslos im Bett liegendem Vater und einer mit ihm verbundenen Drohne lebt sie in einem Bauernhof. Sie forscht an eigenen Pflanzenzüchtungen und streift allein durch den Wald.

Bei einem ihrer Streifzüge entdeckt sie die schwer verletzte, aus der Zitadelle kommende Camellia (Rosy McEwen). Sie könnte Vespers Weg in die Zitadelle sein.

Vesper Chronicles“ ist ein von Kristina Buozyte und Bruno Samper in Litauen gedrehter Science-Fiction-Film, der teurer aussieht als er war. Das liegt an den überzeugenden Spezialeffekten, die vor allem für die Pflanzen und einige Set-Erweiterungen benutzt wurden. Die Bilder der geheimnisvoll aussehenden, sumpfigen und oft nebligen Waldlandschaft und und kleinen Dingen, wie einem auf eine besondere Weise getragenem Umhang oder einem vor dem Gesicht getragenem Tuch, kreieren eine unheimliche Atmosphäre. Dazu kommt eine sich auf wenige Personen konzentrierende Geschichte, die in einer in sich stimmigen Welt spielt. Dabei wird vieles nur angedeutet. Die Geschichte selbst ist klug, aber auch ohne große Überraschungen entwickelt. Vieles kennt man so ähnlich aus anderen Dystopien, in denen die Menschheit nach einer Katastrophe zuverlässig alles erworbene Wissen vergisst und umstandslos in eine mittelalterliche Welt zurückfällt, in der nur das Recht des Stärkeren zählt. In dieser Welt und weil wir ein typisches bombastisches Hollywood-Ende erwarten, überrascht das Ende von „Vesper Chronicles“. Es verweigert sich den Drehbuch-Konventionen zugunsten eines fast schon undramatisch-realistischem Endes.

Letztendlich ist der von Kristina Buozyte und Bruno Samper, die bereits bei „Vanishing Waves“ zusammengearbeitet haben, inszenierte Science-Fiction-Film mehr am Visuellen als an der Story interessiert.

Für Science-Fiction-Fans ist „Vesper Chronicles“ definitv einen Blick wert. Die wissen natürlich auch, dass ein guter Science-Fiction-Film nicht unbedingt ein Multi-Millionen-Dollar-Budget benötigt, um gut zu sein.

Außerdem kann ein Film mit Eddie Marsan nicht schlecht sein. Denn Eddie Marsan spielt mit.

Vesper Chronicles (Vesper, Litauen/Frankreich/Belgien 2022)

Regie: Kristina Buozyte, Bruno Samper

Drehbuch: Kristina Buozyte, Brian Clark, Bruno Samper

mit Raffiella Chapman, Eddie Marsan, Rosy McEwen, Richard Brake, Melanie Gaydos, Edmund Dehn

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Vesper Chronicles“

Metacritic über „Vesper Chronicles“

Rotten Tomatoes über „Vesper Chronicles“

Wikipedia über „Vesper Chronicles“


TV-Tipp für den 9. Oktober: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

Oktober 8, 2022

Servus TV, 20.15

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants, USA 2011)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash

LV: Kaui Hart Hemmings: The Descendants, 2009 (Mit deinen Augen, Neuveröffentlichung unter „The Descendants“)

Auch im Paradies haben die Menschen alltägliche Probleme. So muss Rechtsanwalt Matt King (George Clooney) sich auf Hawaii mit der weiteren Nutzung des Landes, das seit Generationen im Familienbesitz ist und von ihm verwaltet wird, herumschlagen, seine Frau liegt nach einem Bootsunfall im Koma und er muss sich jetzt um seine beiden Töchter kümmern. Da erfährt er, dass seine Frau einen Liebhaber hatte.

Paynes Film ist eine feine, warmherzige und lebenskluge Komödie über Familien und andere alltägliche Probleme.

mit George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer, Matthew Lillard, Nick Krause, Amara Miller, Mary Birdsong, Rob Huebel, Patricia Hastie

Wiederholung: Montag, 10. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Descendants“

Wikipedia über „The Descendants“ (deutschenglisch)

The Wall Street Journal: Interview mit Kaui Hart Hemmings über “The Descendants” (23. November 2011)

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Alexander Payne über „The Descendants“

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Alexander Payne in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nat Faxon/Jim Rashs „Ganz weit hinten“ (The Way Way Back, USA 2013)


Die Krimibestenliste Oktober 2022

Oktober 8, 2022

Tagsüber Sonnenschein, Luft schnappen und dann mit einem Buch auf die Couch. Bei mir war es zuletzt Garry Dishers „Stunde der Flut“. Für dien Oktober stehen folgende Empfehlungen auf der von Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenliste:

1) Chuah Guat Eng: Echos der Stille

(aus dem Englischen von Michael Kleeberg)

463 Seiten

28,00 Euro

Wunderhorn

2) Oliver Bottini: Einmal noch sterben

432 Seiten

25,00 Euro

Dumont

3) Yves Ravey: Die Abfindung

(übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller)

110 Seiten

20,00 Euro

Liebeskind

4) Cherie Jones: Wie die einarmige Schwester das Haus fegt

(aus dem Englischen übersetzt von Karen Gerwig)

325 Seiten

25,00 Euro

CulturBooks

5) Garry Disher: Stunde der Flut

(übersetzt von Peter Torberg)

333 Seiten

24,00 Euro

Unionsverlag

6) Friedrich Ani: Bullauge

267 Seiten

23,00 Euro

Suhrkamp

7) Frauke Buchholz: Blutrodeo

264 Seiten

18,00 Euro

Pendragon

8) Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt

(übersetzt von Ulla Ackermann)

492 Seiten

23,00 Euro

Rowohlt

9) Sophie Sumburane: Tote Winkel

198 Seiten

18,00 Euro

Edition Nautilius

10) Karin Slaughter: Die Vergessene

(übersetzt von Fred Kinzel)

528 Seiten

24,00 Euro

HarperCollins


TV-Tipp für den 8. Oktober: Angel Heart

Oktober 7, 2022

Servus TV, 22.15

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Sonntag, 9. Oktober, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Neu im Kino/Filmkritik: Das Autorenporträt „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Oktober 7, 2022

Die Fantasie stimmt ja meistens mehr als die Realität.“

Martin Suter

Wie macht man einen Film über einen Schriftsteller? Bei einem Schauspieler ist das ja ziemlich einfach: einige Ausschnitte aus seinen Filmen, bevorzugt die Szenen, in denen er groß aufspielen kann, einige Statements von ihm, einige von Kollegen und ein Kritiker erklärt, warum der Schauspieler so grandios ist. Fertig. Bei Musikern werden die Filmausschnitte durch Konzertausschnitte ersetzt.

Aber bei einem Schriftsteller?

Eine Möglichkeit wird in „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ gezeigt. Nämlch indem man kurze Stellen aus dem Werk des Autors nachinszeniert und den Autor in diese Inszenierung stellt. Dann blickt Suter, immer etwas amüsiert wirkend, auf die von ihm erfundenen Figuren und er kann über ihre Geschichte reden. Daneben erzählt er auch, immer ein wenig selbstironisch und distanziert, über sich. Auch der Titel des Films ist von Martin Suter.

Suter selbst war, bevor er einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Schweiz wurde, unter anderem Werbetexter. Auf die weiteren Stationen Suters vor seinem Romandebüt „Small World“ geht André Schäfer in seinem Film kaum ein. Dieser Teil von Suters Leben ist für seine Romane unwichtig. „Small World“ erschien 1997 bei Diogenes. Seitdem schrieb er fast im Jahrestakt weitere Romane, Theaterstücke, Drehbücher und Liedtexte, die er mit Stephan Eicher vertonte. Alle seine Romane wurden zu Bestsellern, die mehr oder weniger Kriminalromane sind. Einige wurden verfilmt. Am bekanntesten dürften die „Allmen“-TV-Filme mit Heino Ferch sein.

2007 erhielt er für „Der Teufel von Mailand“ den Friedrich-Glauser-Preis. Er stand auch mal auf der Krimibestenliste.

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ ist ein sehr sympathisches Porträt eines sehr sympathischen und unprätentiösen Menschen, dem es durchgehend gelingt Nähe zu vermitteln und gleichzeitig nichts über sich zu verraten. Deshalb bleibt das Porträt konsequent an der Oberfläche. Auch nach neunzig Minuten, die wie im Flug vergehen, hat man erstaunlich wenig über Martin Suter und sein Werk erfahren.

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit. (Schweiz/Deutschland 2022)

Regie: André Schäfer

Drehbuch: André Schäfer

mit Martin Suter, Margrith Nay Suter, Ana Suter, Stephan Eicher, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bastian Schweinsteiger, Philipp Keel

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Moviepilot über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Wikipedia über Martin Suter

Diogenes über Martin Suter

Homepage von Martin Suter

Meine Besprechung von Ralf Huettners Martin-Suter-Verfilmung „Der Koch“ (Deutschland/Schweiz 2014)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Das finstere Tal

Oktober 6, 2022

3sat, 22.25

Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)

Regie: Andreas Prochaska

Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska

LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.

Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.

mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Perlentaucher über den Roman „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ war es wunderschön

Oktober 6, 2022

Inspiriert von wahren Begebenheiten“ steht auf dem Plakat. Die wichtigste wahre Begebenheit ist, dass Drehbuchautorin und Regisseurin Aelrun Goette in der DDR in den Achtzigern einige Jahre als Model für den VHB Exquisit und die Modezeitschrift „Sibylle“ gearbeitet hat. Wie die Hauptfigur ihres Films wurde sie auf der Straße entdeckt. Aber auch sie will den Film nicht als Biographie oder Enthüllungsgeschichte verstanden wissen. Sie erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte vor einem präzise bestimmtem historischem Hintergrund: nämlich den letzten Tagen der DDR.

Suzie wird im Bus von Coyote fotografiert. Er zeigt das Bild der Chefkoordinatorin des VHB Exquisit und der dort herausgegebenen Modezeitschrift „Sybille“. Anschließend wird Suzie zu einem Shooting eingeladen. Alle sind von der natürlichen Schönheit der jungen, Uuh, Schönheit fasziniert. Suzie taucht in die Welt der Mode und die subkulturelle Modeszene, die so gar nichts mit der Enge ihres Kinderzimmers zu tun hat, ein.

In dem Moment hat die Abiturientin bereits Ärger mit dem Staat. Zwei Volkspolizisten erwischten sie mit einer Kopie von George Orwells „1984“. In einem Kabelwerk muss sie sich in der Produktion bewähren. Da könnte die Arbeit als Model für Modefotografien ein Ausweg sein.

Natürlch kann so eine Geschichte aus der DDR erzählt werden. Die Schauspieler sind auch durchaus glaubwürdig in ihren Rollen.

Aber ich hatte niemals das Gefühl, dass hier eine Geschichte aus einem Land erzählt wird, ‚das es nicht mehr gibt‘, sondern immer, dass eine Geschichte aus einem Land erzählt wird, ‚das es nicht mehr gibt und wahrscheinlich niemals gab‘.

Die Bilder, die Farben, das Verhalten und die Kleidung sind immer irritierend gegenwärtig. Alles ist einfach zu sauber und zu bunt für die Realität. Mein Bild der DDR ist weniger bunt. Auch die BRD war 1989 nicht so bunt, wie es die DDR in diesem Coming-of-Age-Drama gewesen sein soll.

Andere in der DDR spielende Filme, wie Dominik Grafs „Der rote Kakadu“, Christian Petzolds „Barbara“, Andreas Dresens „Als wir träumten“ und „Gundermann“ (um nur einige Filme zu nennen, die mir spontan einfallen), fand ich in dieser Beziehung wesentlich glaubwürdiger. In ihnen wird eine in sich stimmige Welt gezeichnet. Nicht so in „In einem Land, das es nicht mehr gibt“.

Doch es ist nicht nur die verwendete Farbpalette, sondern auch viele andere Details. So ist die Kleidung, die die Figuren tragen, immer zu sauber und zu neu. Das fällt vor allem in den Szenen auf, in denen Suzie in der Fabrik arbeitet. Da ist auch am Ende der Schicht noch kein Schmutzfleck auf der Arbeitskleidung. Sie passt auch immer zu perfekt, als seien es massgeschneiderte Kleidungsstücke, die erst am Vorabend fertig gestellt wurden.

Auch Suzies Kinderzimmer wirkt weniger wie ein DDR-Kinderzimmer, sondern mit dem Che-Guevara-Bild und dem Atomwaffenfreie-Zone-Schild, wie das Kinderzimmer einer damals in der BRD politisch aktiven Jugendlichen.

Dazu kommen die Redaktionsräume des VHB Exquisit. Gedreht wurden die Szenen in einem alten Kaufhaus und so sieht es auch aus. Nachdem Suzie zuerst eine unscheinbare Einfahrt hinuntergeht, die auch in ein Parkhaus führen könnte, steht sie in einer imposanten, verschwenderisch großen Halle, die keine weitere Funktion hat.

Kommen wir jetzt zum Porträt der Modeszene, die natürlich – weil Künstler halt so sind – unglaublich freigeistig, freizügig und in jede Richtung sexuell aktiv ist.

Hier sollen wir glauben, dass die beiden im Film ausführlich gezeigten Modenschauen sich nicht vor einer aktuellen, gut budgetierten Modenschau verstecken müssen. Eine wurde sogar, weil die Macher gerade ihre Arbeit verloren und von der Stasi beobachtet werden, heimlich und ohne irgendein Budget auf die Beine gestellt. Trotzdem sieht sie unglaublich teuer aus. Die Vorbereitung muss viel Zeit, Mühe und auch Geld gekostet haben.

Bei der anderen Modeschau tritt in Leipzig der offen schwule Visagist Rudi, nachdem eines der Models einen Unfall hatte, in Frauenkleidern auf. Nach einem Schockmoment applaudieren die Apparatschiks. So können sie der Welt zeigen, wie fortschrittlich die DDR ist. Hier dürfen schwule Männer im Finale der Show verkleidet als Frau auftreten und Frauenkleider tragen. Beim Klassenfeind ist das nicht möglich.

Seltsam mutet – immerhin spielt der Film im Sommer 1989 und damit kurz vor dem Ende der DDR – an, dass sich niemand für die Ereignisse, die in dem Moment die DDR und die Welt bewegen, interessiert. Stattdessen geht es um das nächste Foto-Shooting, die nächste Modenschau und das nächste Vergnügen. Mal in der eigenen riesigen Wohnung, mal nackt in der Ostsee.

So ist „In einem Land das es nicht mehr gibt“ ein Film, in dem sich alles falsch anfühlt. Gezeigt wird ein Land, in dem doch eigentlich alles in Ordnung war und in dem man vor über dreißig Jahren schon fortschrittlicher war als es der Kapitalismus heute ist.

Wenn mir jetzt jemand sagt, dass es das alles damals dort gab und er mir das sogar haarklein beweisen kann, ändert das nichts an meinem Gefühl, dass sich hier alles falsch anfühlt. „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ wirkt wie ein Film, der einfach aus der Gegenwart in eine Fantasie-Vergangenheit verlegt wurde, weil man keine Computer im Bild haben wollte.

In einem Land, das es nicht mehr gibt (Deutschland 2022)

Regie: Aelrun Goette

Drehbuch: Aelrun Goette

mit Marlene Burow, Sabin Tambrea, David Schütter, Claudia Michelsen, Jördis Triebel, Bernd Hölscher, Sven-Eric Bechtolf, Hannah Ehrlichmann, Gabriele Völsch, Peter Schneider

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „In einem Land, das es nicht mehr gibt“

Moviepilot über „In einem Land, das es nicht mehr gibt“


Neu im Kino/Filmkritik: „The Woman King“ Viola Davis rules

Oktober 6, 2022

1823 in Westafrika: an der Küste legen immer wieder die Schiffe der Sklavenhändler an. Im Landesinnern existiert das Königreich von Dahomey. Ihr König Ghezo überlegt, wie er mit den Weißen Handel treiben kann.

Verteidigt wird das Königreich von den Agojie, einer Einheit von Kriegerinnen. Angeführt werden die Amazonen von der Generalin Nanisca (Viola Davis). Ihre Gegner sind die Sklavenhändler und der mit ihnen verfeindete Stamm der Oyo.

Gina Prince-Bythewood („Die Bienenhüterin“, „The Old Guard“) erzählt in ihrem neuesten Film „The Woman King“ die Geschichte von Nanisca, die gegen von außen kommende Feinde und Intrigen am königlichen Hof kämpfen muss. Denn auch die anderen Frauen am Hof versuchen den jungen, neuen und daher in Regierungsgeschäften unerfahrenen König Ghezo zu beeinflussen. Es geht darum, ob sie in Kriege ziehen sollen, ob sie mit den Weißen Handel treiben sollen und welche Waren sie ihnen anbieten sollen. Halt die üblichen Probleme in einem Königreich.

Daneben erzählt Prince-Bythewood die Geschichte der jungen Nawi. Sie ist von dem martialischem Auftreten der Agojie fasziniert. Nachdem das aufmüpfige Mädchen sich schon wieder weigerte, den von ihren Eltern ausgesuchten Mann zu heiraten, wird sie von ihnen zu den Agojie geschickt. Dort soll sie zu einer Kriegerin ausgebildet werden. Für ihre wichtige Aufgabe verzichten die Kriegerinnen, wie katholische Priester, auf Sex und Liebe. Als Nawi im Wald einen überaus gut aussehenden Weißen sieht, könnte das zu Problemen mit ihrem Gelübde führen.

Die Geschichte von „The Woman King“ basiert, wie die Macher immer wieder betonen, auf historischen Begebenheiten. So gab es die Agojie von 1600 bis 1904. Aber mit den Fakten wird eher locker umgegangen und galant weggelassen, was nicht in die heroische und ziemlich einfache Filmgeschichte passt. Außerdem störte uns, wenn wir ehrlich sind, bei den zahlreichen Sissi- und Robin-Hood-Filmen und den in Fürstenhäusern und Burgen spielenden Filmdramen, in denen Adelsgeschlechter und deren Höflinge munter gegeneinander intrigrieren, sich blutig bekämpfen und verlieben, dieser freie Umgang mit Fakten nie.

Auch in „The Woman King“ wird, vor fotogener Kulisse, eine deftige Geschichte voller Intrigen und Kämpfe erzählt. Wie zuletzt bei „Top Gun: Maverick“ wird eine bekannte Geschichte gekonnt, voller Energie und mit genug kleinen Variationen erzählt, um kurzweilig zu unterhalten. Das ist gut gemachtes, sein Publikum respektvoll behandelndes Blockbusterkino.

So spielt „The Woman King“ nicht in irgendwelchen zugigen, dunklen mittelalterlichen Burgen, sondern unter der warmen afrikanischen Sonne. Die Palastintrigen werden von Frauen ausgeübt. Immerhin gibt es einen König, der in einer altbekannten europäischen Version der Geschichte vielleicht eine Königin oder ein Tattergreis gewesen wäre. Der tapfere Feldherr ist eine Frau. Sie befiehlt eine Armee weiblicher Kämpfer. Das führt dann auch zu zwei großen Veränderungen gegenüber den üblichen Kriegsfilmen, in denen Soldaten auf einem Kasernenhof geschliffen werden. In „The Woman King“ findet die Ausbildung unter afrikanischer Sonne statt. Alles ist viel bunter. Es wird nicht gebrüllt, sondern viel getanzt, gesungen und gelacht.

Alle diese Änderungen können und wollen nicht darüber hingwegtäuschen, das nur die Geschlechter und die Hautfarbe geändert wurden. Die Story ist aus unzähligen anderen Filmen bekannt. Deshalb konnte ich die Uhr danach stellen, wann welche Wendung oder Überraschung kommt, und wie sich die Geschichte entwickelt. Aber Gina Prince-Bythewood erzählt das, trotz der Laufzeit von 135 Minuten, so straff, kompetent und energetisch, dass man mit Freude die Geschichte von Nanisca und Nawi verfolgt.

Außerdem hat Viola Davis die Hauptrolle. Naja, eine Hauptrolle.

The Woman King (The Woman King, USA 2022)

Regie: Gina Prince-Bythewood

Drehbuch: Dana Stevens (nach einer Geschichte von Maria Bello und Dana Stevens)

mit Viola Davis, Thuso Mbedu, Lashana Lynch, Sheila Atim, Hero Fiennes Tiffin, John Boyega, Jordan Bolger, Jayme Lawson

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Woman King“

Metacritic über „The Woman King“

Rotten Tomatoes über „The Woman King“

Wikipedia über „The Woman King“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood fragt, ob der Film den Geschichtsunterricht ersetzten kann


TV-Tipp für den 6. OKtober: Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind

Oktober 6, 2022

Servus TV, 20.15

Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (Confessions of a Dangerous Mind, USA 2002)

Regie: George Clooney

Drehbuch: Charlie Kaufman

LV: Chuck Barris: Confessions of a Dangerous Mind: An Unauthorized Autobiography, 1984

Fulminantes Regiedebüt von George Clooney über Chuck Barris, einen in den USA legendären TV-Produzenten (u. a. The Dating Game/Herzblatt), der in seiner Biographie behauptete, dass er in den Sechzigern und Siebzigern auch ein Auftragskiller für die CIA war.

Ob das stimmt, wissen wir nicht, aber das ist, jedenfalls für diesen angenehm durchgeknallten Film, auch ziemlich egal.

mit Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Rutger Hauer, Maggie Gyllenhaal, Kristen Wilson, Brad Pitt, Matt Damon

Wiederholung: Freitag, 7. Oktober, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“

Rotten Tomatoes über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“

Wikipedie über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Confessions of a Dangerous Mind“ von Charlie Kaufman (Dritte Fassung, 5. Mai 1998)

Meine Besprechung von George Clooneys “Monuments Men – Ungewöhnliche Helden” (Monuments Men, USA/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von George Clooneys „Suburbicon“ (Suburbicon, USA 2017)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Isaac Asimov: Geschichten aus der Zukunft

Oktober 4, 2022

Arte, 22.00

Isaac Asimov: Geschichten aus der Zukunft (Frankreich 2020)

Regie: Mathias Théry

Drehbuch: Mathias Théry

Knapp einstündige Doku über Isaac Asimov, einem der großen Science-Fiction-Autoren.

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über Isaac Asimov (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Oktober 4, 2022


Crime Cologne Award 2022 verliehen

Oktober 4, 2022

Tommie Goertz erhielt für seinen Roman „Frenzel“ (ars vivendi) den diesjährigen Crime Cologne Award.

Die Jury begründete ihre Auswahl so: Tommie Goerz‘ wunderbarer Kriminalroman „Frenzel“ gehörte von Anfang an zu unseren Favoriten. Frenzel, die Hauptfigur, ist kein strahlender Held, kein Mensch, dem die Herzen zufliegen. Nein, er ist ein Versehrter, mit dem es das Leben von Anfang an nicht gut gemeint hat. Als Kind vernachlässigt, als Jugendlicher zu naiv, um keine Dummheiten zu haben. Schließlich eine schwere Körperverletzung mit Todesfolge, ein Unglück, das ihm neun Jahre Knast und ein unstillbar schlechtes Gewissen einbringt.

Und dennoch hat sich dieser wunderliche, dieser herzenseinsame Frenzel seinen moralischen Kompass bewahrt. Damit hat er sich still und leise in unsere Herzen geschlichen. Frenzel weiß, was Recht und was Unrecht ist, und er schafft Ordnung in seinem kleinen Kosmos, den er sich mühsam aufgebaut hat. Helden wie er sind selten. Umso mehr verdient Frenzel diesen Preis.“

Auf der Shortlist standen außerdem

Martin von Arndt: Wie wir töten, wie wir sterben (ars vivendi)

Horst Eckert: Das Jahr der Gier (Heyne Verlag)

Linus Geschke: Das Loft (Piper)

Petra Ivanov: Stumme Schreie (Unionsverlag)

Jan Costin Wagner: Am roten Strand (Galiani Berlin).

 


TV-Tipp für den 4. Oktober (+ Bonushinweis): Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Oktober 3, 2022

Nitro, 20.15

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien, Großbritannien/USA 1979)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Dan O’Bannon (nach einer Geschichte von Dan O’Bannon und Ronald Shushett)

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Alien, 1979 (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt)

Ein Notruf unterbricht den Raumflug der Nostromo. Die vom Bordcomputer aus dem Tiefschlaf aufgewachte Besatzung sieht sich den Ursprung des Signals an und kämpft kurz darauf gegen ein äußerst unfreundliches außerirdisches Lebewesen. Besonders Ellen Ripley (Sigourney Weaver als role model) bereitet dem Alien Ärger.

Ein SF-Klassiker, der einige langlebige Filmkarrieren initiierte. Der legendäre Filmpitch war, so heißt es, in einem Fahrstuhl „Der weiße Hai im All“; der ebenso legendäre Werbespruch für den Film ist „In space no one can hear you scream“ und der Trailer stimmt einen auf zwei Stunden Terror ein.

mit Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Harry Dean Stanton, John Hurt, Veronica Cartwright, Ian Holm, Yaphet Kotto

Wiederholung: Donnerstag, 6. Oktober, 00.50 Uhr (Taggenau! – Dann auch ungekürzt. Der Film ist FSK-16.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alien“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Bonushinweis

In Comics wird die Alien-Welt weitergesponnen. Das letzte Erzeugnis ist der Comic „Blutlinien“ von Phillip Kennedy Johnson und Salvador Larroca. In der 2200 spielenden Geschichte geht es um Weyland-Yutani-Sicherheitschef Gabriel Cruz, der eigentlich im Ruhestand ist. Aber jetzt muss er noch einmal zurück auf die Forschungsstation Epsilon. Die Station wurde überfallen. Die Täter, zu denen sein Sohn gehört, haben jetzt Zugriff auf die gesamten Forschungen des Konzerns über die Xenomorphe. Aber Cruz soll nicht seinen Sohn, sondern den Alpha-Embryo retten.

Eine spannende Lektüre.

In den USA hat Johnson bereits weitere Geschichten aus dem Alien-Universum geschrieben. Außerdem schreibt er 007-Geschichten.

Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien – Blutlinien (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

160 Seiten

20 Euro


TV-Tipp für den 3. Oktober: Das rote Zelt

Oktober 2, 2022

Arte, 20.15

Das rote Zelt (La tenda rossa/Krasnaja Palatka, Italien/UdSSR 1968)

Regie: Mickail K. Kalatozov

Drehbuch: Ennio De Concini, Richard Adams, Robert Bolt (ungenannt), Alberto Cavallone (ungenannt), Mikhail Kalatozov (ungenannt), Yuriy Nagibin (Originaldrehbuch, ungenannt)

Dieser Sean-Connery-Film steht schon seit Jahrzehnten auf meiner To-Watch-Liste. Er lief seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen und ich kann und will mir auch nicht jeden Film kaufen. Außerdem ist er auf DVD aktuell nicht mehr erhältlich.

Es geht um die internationale Rettungsaktion, die 1928 nach dem Absturz des Luftschiffs „Italia“ gestartet wurde. Das Schiff stürzte auf dem Rückflug vom Nordpol über Spitzbergen ab. Die Überlebenden, zu denen auch der Leiter der Expedition, General Umberto Nobile (Peter Finch), gehörten, schlugen im Eis das titelgebende „rote Zelt“ auf. Zu den vielen Menschen, die die Abgestürzten suchten, gehörte auch Roald Amundsen (Sean Connery).

Der Polarforscher Amundsen gilt seitdem als verschollen. Nobile und die anderen Überlebenden des Absturzes konnten gerettet werden; – das sind historische Tatsachen.

Wie schon ein Blick auf die Besetzung verrät, war der Film damals ein Prestigeprodukt, für das Ost und West zusammen arbeiteten.

Der Film war eine jener Mammutproduktionen, wunderbar inszeniert vor spektakulärer Landschaft, gewissenhaft bis ins Detail recherchiert, mit einme außergewöhnlich guten Skript und in sechsundsechzig Wochen fast ohne Rücksicht auf die Kosten an schwierigen Drehorten produziert.“ (John Parker: Sean Connery)

Aber dann begann Paramount die internationale Kinoauswertung erst zwei Jahre nach der Premiere in Italien und der UdSSR. Die zeitgenössischen Kritiken waren durchwachsen. Neuere Bewertungen sind durchgehend positiv. Allerdings sah sich das Publikum damals lieber Filme wie „Easy Rider“ oder „The French Connection“ an. „Das rote Zelt“ passte einfach nicht mehr in die Zeit.

„…technisch hervorragend gestalteten und prominent besetzten Abenteuerfilms mit melodramatischen Akzenten.“ (Lexikon des internationalen Films)

Arte zeigt die zweistündige italienische Schnittfassung. Die sowjetische Fassung, die auch in der DDR gezeigt wurde, ist 158 Minuten. Diese Fassung hat Mosfilm auf YouTube (mit Untertiteln) online gestellt.

mit Peter Finch, Sean Connery, Claudia Cardinale, Hardy Krüger, Eduard Martsevich, Grigoriy Gay, Nikita Mikhalkov, Luigi Vannucchi, Mario Adorf

Wiederholung: Freitag, 7. Oktober, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das rote Zelt“

Wikipedia über „Das rote Zelt“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 2. Oktober: Scarface

Oktober 1, 2022

3sat, 23.10

Scarface – Toni, das Narbengesicht (Scarface, USA 1983)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)

De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.

Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.

Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)

Movie Addiction über “Scarface”

New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)

Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)

Angel Fire: Brian-de-Palma-Fanseite über “Scarface”

Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)