Verdammt langer, verdammt selten gezeigter Film (der den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt) über ein legendäres Musikfestival mit einem Haufen legendärer Bands und Musiker. Im Film treten auf: Richie Havens, Joan Baez, The Who, Sha-Na-Na, Joe Cocker, Country Joe and the Fish, Arlo Guthrie, Crosby Stills & Nash, Ten Years After, John Sebastian, Santana, Sly & the Family Stone, Jimi Hendrix, Canned Heat, Jefferson Airplane, Janis Joplin und Canned Heat. Und wer die beiden „Woodstock“-CDs hat, kann noch einige weitere Musiker hören.
Am Schnitt arbeiteten unter anderem Martin Scorsese (der ja später noch einige Konzerte filmte) und Thelma Schoonmaker mit. Beide werden auch als „Assistant Director“ aufgeführt.
Arte zeigt heute den 216-minütigen Director’s Cut. Die Kinoversion dauerte nur 184 Minuten.
Während Wadleighs Musikfilm noch läuft, zeigt der WDR ab 23.30 Uhr die Doku „Woodstock Diary“ (USA 2014), danach, um 02.15 Uhr die Doku „Woodstock – Wie der Mythos entstand“ (Deutschland 2009) und danach, um 03.45 Uhr den Spielfilm „Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende“ (USA 2009, Regie: Ang Lee). Und zum Sonnenaufgang einen Joint.
Wer sich den neuen Film von Quentin Tarantino ansehen will, steht seit einigen Tagen vor der Frage, ob er die vielen, vielen Artikel vor dem Kinobesuch liest oder sie bis nach dem Kinobesuch ignoriert.
Denen kann ich nur sagen, dass der offizielle Trailer den Film erstaunlich genau trifft. Die reichlich nebulöse offizielle Synopse, einige Rollennamen und einige Statements der Macher sind dagegen eher irreführend. Das gilt auch für darauf aufbauende Überschriften und Artikel, die sich mit verschiedenen historischen Aspekten und Personen, wie Charles Manson, beschäftigen.
Quentin Tarantinos neunter Spielfilm spielt 1969 und bedient sich einer ähnlichen Struktur wie sein Film „Death Proof“. Im ersten Teil des Films wird endlos lange geredet, ohne dass erkennbar ist, warum diese Gespräche für die Filmgeschichte und das Finale wichtig sein könnten. Im deutlich kürzeren zweiten Teil gibt es dann, wenn einige Frauen gegen einen Mörder und sein todsicheres Auto kämpfen, reichlich Action auf der Landstraße.
Auch „Once upon a Time in…Hollywood“ zerfällt in zwei deutlich unterscheidbare Teile. Allerdings mit einem deutlich befriedigenderem Ergebnis. Der erste, gut zweistündige Teil von „Once Upon a Time in…Hollywood“ begleitet den abgehalfterten TV-Star Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinen langjährigen Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt) an zwei Tagen im Februar 1969 durch Hollywood. Der zweite Teil des hundertsechzigminütigen Films spielt sechs Monate später in einer Nacht im August 1969. Nachdem in den ersten beiden Stunden vor allem geredet wurde, gibt es jetzt ein sehr gewalttätiges Finale.
Rick Dalton ist ein Schauspieler, der nach dem von ihm verursachten Ende einer erfolgreichen Western-TV-Serie nach einem Karriereneustart sucht. Bis dahin hält er sich mit viel Alkohol und Gastrollen in anderen TV-Serien über Wasser.
Cliff Booth ist sein langjähriger Stuntman, bester Freund und Mädchen für alles.
Quentin Tarantino begleitet diese beiden Männer an zwei normalen Tagen durch Hollywood. Sie treffen andere Menschen. Sie hängen ab. Sie erinnern sich an ihre Vergangenheit. Dank der guten Schauspieler, den lakonischen Dialogen und Beobachtungen, dem Zeitkolorit und der Musik (die übliche Best-of-Tarantino-Mischung) vergeht die Zeit recht unterhaltsam, ohne dass es eine nacherzählbare Geschichte gibt. Es ist nur das Beobachten einer Freundschaft.
Gleichzeitig ist der Film ein Zeitporträt von Hollywood in den späten sechziger Jahren. Unzählige Stars und Sternchen – unter anderem Steve McQueen und Bruce Lee und, als die neuen Nachbarn von Rick Dalton, Roman Polanski und Sharon Tate – treten auf. Unzählige Filme werden zitiert. Und es wird gezeigt, wie das alte Hollywood gegen das Fernsehen schon abdankte und, wer die Filmgeschichte kennt, New Hollywood am Horizont heraufdämmert. Bis dahin kommen die neuen Trends aus Europa. Stellvertretend dafür werden der von Tarantino verehrte Italo-Western und Roman Polanski, der zwei, dreimal durch das Bild läuft, genannt. Die Stars, die teilweise schon öfter in Tarantinos Filmen mitspielten, geben sich die Klinke in die Hand. Al Pacino, Kurt Russell, Bruce Dern, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Damian Lewis, Lena Dunham, Clu Gulager, Zoë Bell, Michael Madsen und James Remar haben oft nur einen Auftritt.
Bei all dem Vergnügen, das man beim Abhängen mit Rick Dalton und Cliff Booth hat, fallen einige Probleme des gut dreistündigen Films erst mit zunehmender Laufzeit auf.
„Once upon a Time in…Hollywood“ ist einer der wenigen Tarantino-Filme ohne einen Afroamerikaner. Und die meisten Frauen, selbstverständlich alles Weiße, sind Staffage. Margot Robbie hat als Sharon Tate bei den Frauen die größte Leinwandzeit, aber sie bleibt das Sternchen, das mit Roman Polanski verheiratet ist und sich im Kino begeistert auf der Leinwand sieht. Die anderen Frauen sind als sexwillige Hippiemädchen reine Männerfantasien.
Denn Tarantinos Nostalgietrip ist ein Film voller weißer Männer. Und, das muss man angesichts des Porträts der Gegenkultur und der Hippies sagen, ‚alter weißer Männer‘, die mental in den Fünfzigern leben. Für sie sind die Hippies ungewaschener, langhaariger Abschaum. Ihre Wohnungen sind noch herunterkommener als die von Cliff Booth, die als archetypische, seit Ewigkeiten nicht mehr aufgeräumte White-Trash-Wohnung präsentiert wird. Die Hauptfiguren Dalton und Booth sind wahrlich keine Geistesgrößen. Ihre Vergangenheit, vor allem bei Booth, ist düster. Trotzdem halten sie sich immer noch für etwas Besseres. Vor allem Dalton trauert seiner großen Zeit, den fünfziger und frühen sechziger Jahren, und einigen verpassten Chancen hinterher. Sie verachten die Jugend. Sie sind reinrassige Reaktionäre. Das fällt dank des Spiels von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt und weil die gesellschaftlichen Konflikte und Umbrüche in der US-Gesellschaft noch nicht einmal im Hintergrund angesprochen werden, erst spät auf. Im äußert gewalttätigen Finale können sie dann das tun, was sie in ihrem tiefsten Innern schon lange machen wollten.
Um Sharon Tate (die oft im Bild ist und wenig sagt), Roman Polanski, Charles Manson und Tates Ermordung geht es dagegen in „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Für sie interessiert sich der Film nicht. Er interessiert sich nur für den TV-Schauspieler Rick Dalton und seinen Stuntman Cliff Booth und ihre Freundschaft, die hier eingebettet wird in eine Verklärung des Hollywoods der sechziger Jahre.
Das hat unbestritten seinen Reiz und unterhält über eine große Strecke, dank der vielen Anspielungen und den Auftritten bekannter Schauspieler, sehr kurzweilig. Allerdings wird das Spiel mit den Zitaten zunehmend redundant. Erst am Ende knüpft Tarantino einige Episoden zusammen, ohne dass eine erzählerische Notwendigkeit erkennbar ist. Das Finale ist im Film das überraschende und durch nichts vorbereitete, zufällige Ereignis. Tarantino hätte sich genausogut, und ohne dass man etwas vermisst hätte, auf die beiden Tage im Februar 1969 beschränken können.
Insgesamt ist Quentin Tarantinos neunter Kinofilm (wenn man „Death Proof“ weglässt oder „Kill Bill“ als einen Film zählt) ein prächtig ausgestatteter, top besetzter und gespielter, sehr unterhaltsamer, aber auch problematischer Film.
Tarantino hat bereits eine längere Schnittfassung für die Fernsehauswertung angekündigt. Dann sollen auch die mit Tim Roth, James Marsden und Danny Strong gedrehten Szenen, die für die Kinofassung vollständig herausgeschnitten wurden, gezeigt werden.
Once upon a Time in…Hollywood (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar
Länge: 161 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternative Schreibweisen: „Once upon a Time in Hollywood“, „Once upon a Time…in Hollywood“
Heute läuft Quentin Tarantinos neuer Film „Once upon a Time in…Hollywood“ an. Daher
Vox, 22.30
Kill Bill: Volume 1 (Kill Bill: Voume 1, USA 2003)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.
Vox zeigt kommenden Donnerstag, den 22. August, um 22.30 Uhr den zweiten Teil.
mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks
Wehrlos – Die Tochter des Generals (The General’s Daughter, USA 1999)
Regie: Simon West
Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)
LV: Nelson DeMille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)
Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.
Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)
Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.
Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.
Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”
Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III
Eye in the Sky – In letzter Sekunde (Eye in the Sky, Großbritannien 2015)
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: Guy Hibbert
Ein über den halben Globus verteiltes Team beobachtet mittels einer Drohne und eines Agenten vor Ort die Zusammenkunft von islamistischen Terroristen in einem Haus in Nairobi. Als sie sehen, dass die Terroristen sich auf einen Selbstmordanschlag vorbereiten, stehen sie vor der Frage, ob sie weiter beobachten oder den vermuteten Anschlag verhindern wollen.
TV-Premiere eine gut besetzten, gut gespielten und zum Nachdenken anregenden Dramas über den Drohnenkrieg, die damit verbundenen Entscheidungen und moralischen Fragen.
Bei uns erschien „Eye in the Sky“ direkt auf DVD.
mit Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Jeremy Northam, Iain Glen, Phoebe Fox,Monica Dolan, Michael O’Keefe, Laila Robins, Gavin Hood
Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville
LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)
Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb befürchtet sie, dass er sie umbringen will.
Klassiker.
Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.
“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‘Verdacht’ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce
LV: Stephen Rebello: Alfred Hitchcock and The Making of Psycho, 1990 (Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“)
Biopic über die Dreharbeiten zu „Psycho“ und die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und seiner Frau Alma Reville.
Die Dialoge sind pointiert, der Humor hitchcockian, die Schauspieler grandios, das Zeitkolorit treffend, die Faktentreue – naja, warum soll man bibeltreu bei den Fakten bleiben, wenn sie einer gelungenen Pointe im Weg stehen. Entstanden ist eine Geschichte, die in dieser Version, so meine Vermutung, Alfred Hitchcock gefallen hätte.
Der Sendetermin dieser schon lange überfälligen TV-Premiere ist eine Frechheit, für die es keine Entschuldigung gibt.
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (Vertigo, USA 1958)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)
Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.
Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.
Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey
Wegen des 120. Geburtstags von Alfred Hitchcock am 13. August laufen die Tage einige Hitchcock-Filme. Morgen läuft „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (ARD, 23.30 Uhr), am Montag „Verdacht“ (Arte, 20.15 Uhr) und am Sonntag „Hitchcock“ (ARD, 00.05 Uhr, TV-Premiere des Biopics über die Dreharbeiten zu „Psycho“).
BR, 22.55
Marnie (Marnie, USA 1964)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Jay Presson Allan
LV: Winston Graham: Marnie, 1961 (Marnie)
Ein Verleger verknallt sich in eine Kleptomanin.
„Marnie“ ist – nach mehreren Klassikern – ein schwacher Hitchcock, der von der damaligen Kritik ziemlich verrissen wurde. Sean Connery bewies allerdings schon zu Bond-Zeiten seine Lust auf ungewöhnliche Rollen: der Geheimagent ihrer Majestät als Weichei.
„Marnie ist Hitchcocks Phantasie über das kleine Kind in der Frau und über den Züchtigungswahn der Männer. Auch ein Experiment damit, wie sehr das Freudsche Sozialisierungsmodell taugt für den Rahmen eines Suspense-Thrillers, in dem es anscheinend nur um die Auflösung kindlicher Traumata geht (die zu Verwirrung bei Rot/Weiß-Wahrnehmungen, zu Alpträumen bei nächtlichen Klopfgeräuschen, zu Angstzuständen bei Gewittern führen). Im Grunde aber handelt der Film von den Stadien eines permanenten Schocks auf der einen Seite, die in ständige Transfers in andere Identitäten münden, und von der systematischen Manipulation einer Abhängigen, mal mit Gewalt, mal mit sadistischer Verzögerung zelebriert.“ (Norbert Grob in Lars-Olav Beier/Georg Seeßlen [Hrsg.]: Alfred Hitchcock, 1999)
Mit Sean Connery, Tippi Hedren, Diane Baker, Martin Gabel, Bruce Dern
Es beginnt harmlos mit einer fast schon jugendlich unbedarften und unschuldigen Mischung aus Eifersucht und Neugierde. Denn der jüngere Freund von Claire Millaud hat gerade keine Zeit. Er will lieber mit seinem neuen Zimmergenossen Alex zusammen sein. Am Telefon lässt Ludo sich denkbar ungeschickt verleugnen. Also legt Claire ein Facebook-Profil an und gibt sich als 24-jährige Clara Antunès aus. Dabei ist Claire schon in den Fünfzigern und in Paris Universitätsprofessorin. Sie befindet sich in einer gesellschaftlichen, sozialen und auch ökonomischen Position, in der man sagt, sie habe es nicht nötig, sich in sozialen Netzwerken mit einem Fake-Profilen herumzutummeln.
Als Clara schickt sie eine Freundschaftsanfrage an Alex. Der reagiert darauf. Es entspinnt sich eine elektronische Freundschaft. Doch dann will Alex die verständnisvolle und nach den Fotos gut aussehende Claire, in die er sich inzwischen verliebt hat, treffen.
Safy Nebbou erzählt in seiner sich sehr ernst nehmenden, auf Camille Laurens‘ Roman basierenden Charakterstudie die Geschichte auf mehreren Zeit- und Realitätsebenen. So erzählt Claire ihrer Psychologin in einer Rahmenhandlung diese Geschichte von ihrer falschen elektronischen Identität und ihrer Liebe zu Alex. Dabei ist unklar, wie unzuverlässig Claire als unzuverlässige Erzählerin ist. Denn wenn bei ihr seelisch alles in bester Ordnung wäre, wäre sie nicht schon länger in psychologischer Behandlung. Außerdem scheint die Beziehung zu Alex kein glückliches Ende genommen zu haben.
Juliette Binoche spielt die geschiedene, zweifache Mutter und Literaturdozentin, die für eine Sex-Beziehung einen jüngeren Liebhaber hat, gewohnt überzeugend. Wobei rätselhaft bleibt, warum Claire sich so triebhaft zu jüngeren Männern hingezogen fühlt, anstatt sich mit einem etwa gleichaltrigem Mann zu treffen. Wobei natürlich auch Männer, wie Claires Ex-Mann, jüngere Freundinnen haben und warum sollte eine Frau nicht aus den gleichen Gründen eine Beziehung zu einem jüngeren Mann haben?
Mit zunehmender Laufzeit wird allerdings auch deutlich, dass Claire eine skrupellos manipulierende und lügende Stalkerin ist.
Weil diese Entwicklung schnell absehbar ist und die Figuren zu eindimensional sind, – eigentlich sind bis auf Claire alle Figuren Staffage, die sie nach Belieben inszeniert -, wird „So wie du mich willst“ schnell zu einem Vexierspiel, das davon lebt, dass vor allem Juliette Binoches Gesicht ausführlich in Großaufnahmen gezeigt wird.
Wer also gut hundert Minuten das Gesicht von Juliette Binoche ansehen will, wird von „So wie du mich willst“ begeistert sein.
So wie du mich willst(Celle que vous croyez, Frankreich 2019)
Regie: Safy Nebbou
Drehbuch: Saly Nebbou
LV: Camille Laurens: Celle que vous croyez, 2016
mit Juliette Binoche, Francois Civil, Guillaume Gouix, Charles Berlin, Nicole Garcia, Marie-Ange Casta, Jules Houplain
Es ist nur ein Bild, das Rafi von Miloni macht, das in dem Feelgood-Movie „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben“ die Geschichte in Gang setzt.
Rafi fotografiert in Mumbai vor der Touristenattraktion „Gateway of India“ Touristen. Es sind Urlaubserinnerungen, die die in ihre Gedanken versunken über den Platz schlendernde Miloni nicht braucht. Denn sie lebt, behütet und gut situiert, in Mumbai. Die Vorzeigestudentin soll einen Mann heiraten, den sie nicht kennt.
Als Miloni einige Freunde entdeckt, verschwindet sie, ohne das von Rafi gemachte Bild zu bezahlen oder mitzunehmen.
Zur gleichen Zeit hört seine auf dem Dorf lebende Großmutter auf, die dringend nötigen Medikamente zu nehmen. Sie wird sie erst wieder nehmen, wenn Rafi eine Frau hat.
Weil Rafi seine Großmutter liebt, erfindet er eine junge und gut aussehende Freundin, die so aussieht wie Miloni.
Als seine Großmutter einen Besuch in Mumbai ankündigt, muss er Miloni finden und sie überreden, sich für einige Tage als seine Freundin auszugeben.
In dem Moment hat „Lunchbox“-Regisseur Ritesh Batra die wichtigen Konflikte eingeführt und weil „Photograph“ eine romantische Komödie ist, erübrigt sich die Frage, ob Rafi und Miloni zusammenfinden und ob die Großmutter die Charade, die ihr von Rafi und Miloni vorgespielt wird, durchschaut. Die Frage ist nur wann und wie. In anderen Filmen, mal mehr komödiantisch, mal mehr dramatisch, ist das ein tragfähiger Konflikt für viele dramatische Situationen.
Schließlich kommen Rafi und Miloni aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die indische Klassengesellschaft existiert noch und sie sind unterschiedlich alt. Rafi ist zwar höflich, nett und ehrlich, aber ansonsten genau der Mann, den Eltern nicht für ihre Tochter wollen. Vor allem, wenn es ihr einmal besser gehen soll.
Diese gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Rafi und Miloni zeigt Batra sehr deutlich. Beispielsweise wenn Miloni mit ihren Eltern, bei denen sie lebt, zu Abend isst. Oder wenn Rafi abends in das kleine Zimmer geht, in dem er mit mehreren Männern schläft. Auf dem Weg wird er von mehreren Bekannten darauf angesprochen, dass seine Großmutter ihre Medikamente nicht mehr nimmt. Und plötzlich wird aus der anonymen Millionenstadt ein Dorf, in dem jeder jeden kennt.
In seinem neuen Film ist für Regisseur Batra auch der Konflikt zwischen Individuum und Familie wichtig: „Als ich aufwuchs, und wahrscheinlich genauso Jahrhunderte zuvor, kam für die Menschen in Indien immer die Familie zuerst. Erst seit kürzerer Zeit haben sie angefangen, sich selbst mehr als Individuen denn als Zugehöriger einer Familie wahrzunehmen. Das ist zu einem der zentralen Konflikte des heutigen indischen Lebens geworden.“
Um all diese Konflikte und Themen anzusprechen, müssten die Figuren etwas tun. In „Photograph“ schweigen sie sich meistens melancholisch und sehr höflich an.
Denn Batra will die Geschichte von Rafi und Miloni nicht als schnell erzählte Geschichte eskalierender Konflikte, humoristischer Volten und heißer Küsse erzählen. Er begnügt sich mit schönen Bildern von schönen Menschen, die ausdruckslos in die Kamera blicken und immer etwas gramgebeugt durch das Bild schlurfen. Es ist, als ob man Farbe beim Trocknen zusieht. Damit ist „Photograph“ der nicht besonders interessante Arthaus-Gegenentwurf zu den bunten Bollywood-Filmen.
Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer (Photograph, Indien/Deutschland/USA 2019)
Regie: Ritesh Batra
Drehbuch: Ritesh Batra
mit Nawazuddin Siddiqui, Sanya Mahotra, Farrukh Jaffar, Abdul Quadir Amin, Vijay Raaz, Virendra Saxena, Geetenjali Kulkarni
Moe Diamond (Liam Hemsworth – nicht der „Thor“-Hemsworth, sondern der „Tribute von Panem“-Hemsworth) ist in New York ein Geldwäscher, der altmodischen Art. Er läuft durch die halbe Stadt und tauscht das Drogengeld solange in Gold und Diamanten um, bis man die Spur nicht mehr zurückverfolgen kann. Dafür fallen für ihn zehn Prozent ab. Bei einer Million ist das kein schlechter Schnitt für einen Tag Lauferei. Dabei hilft ihm Skunk (Emory Cohen) , der Neffe des Mafiosi Perico. Sie arbeiten für ihn und Perico will ihnen jetzt mehr Geld zum Waschen anvertrauen.
Als Perico von einem korrupten FBI-Agenten vor polizeilichen Maßnahmen gewarnt wird, stoppt er für die nächsten Stunden alle seine Geschäfte. Moe und Skunk, die gerade auf einer Tour waren, sitzen jetzt auf einem Haufen Geld. Skunk hat auch gleich eine Idee, was sie mit dem Geld machen können: sie können es in einen Drogendeal investieren.
Widerwillig lässt Moe sich überzeugen. Und er hatte Recht mit seinen Bedenken: der Deal ist zu schön, um wahr zu sein. Bei der Übergabe tauchen korrupte Polizisten auf, die sie umbringen wollen.
In letzter Sekunde können Moe und Skunk mit dem Geld und den Drogen entkommen. Auf ihrer Flucht bauen sie einen Unfall, bei dem Moe sein Gedächtnis verliert. Zusammen mit Skunk muss er die nächsten Stunden überleben. Denn die Polizisten, die die Drogen für dieses Geschäft aus der Asservatenkammer entwendeten, suchen sie.
„Killerman“, der neue Film von Malik Bader, orientiert sich mit seiner Gangstergeschichte erzählerisch und von der Wahl der Schauplätze und Schauspieler an den siebziger Jahren. Schon lange sah man diese abgeranzten Ecken von New York nicht mehr im Kino. Obwohl in Savannah, Georgia, gedreht wurde. Aber auch Martin Scorseses archetypischer New-York-Film „Hexenkessel“ (Mean Streets, 1973) wurde in Los Angeles gedreht. Und die Schauspieler sehen, bis auf den Strahlemann Liam Hemsworth, nicht wie die typischen Hollywood-Gesichter aus. Es sind Charakterköpfe, die man so aus älteren Filmen, von Fotos und auch aus der Nachbarschaft kennt.
Die Handkamera, die vielen Nahaufnahmen und das hohe Schnitttempo sind dann moderne Stilmittel, die den Thriller in die Nähe eines TV-Thrillers, wie der erfolgreichen Serie „24“, rücken.
Denn auch wenn „Killerman“ eine Gangstergeschichte erzählt, ist es ein Thriller, in dem jeder jeden jagt und tötet. Im Mittelpunkt der Jagd steht Moe, der sich, nach seinem Gedächtnisverlust, in einer fremden Welt, in der es mehr Feinde als Freunde gibt, zurechtfinden muss.
Bader inszenierte Moes Geschichte insgesamt recht zügig, hart und ironiefrei. Es gibt auch einige überraschende Wendungen, die für den Genrejunkie allerdings wenig überraschend sein dürften.
Insgesamt bietet „Killerman“ kurzweilige Genreunterhaltung in vertrauten Gewässern, die nie vorgibt mehr zu sein, als sie ist.
Killerman (Killerman, USA 2019)
Regie: Malik Bader
Drehbuch: Malik Bader
mit Liam Hemsworth, Diane Guerrero, Emory Cohen, Mike Moh, Zlatko Buric, Suraj Sharma, Nickola Shreli, John Cenatiempo
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 18 Jahre (eine FSK-16 wäre auch okay gewesen)
LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)
Nachdem seine Frau und Tochter in ihrem New Yorker Apartment überfallen und vergewaltigt werden und seine Frau von den Verbrechern ermordet wird, sieht der friedliebende, linksliberale Paul Kersey (Charles Bronson) rot.
Selbstjustiz-Klassiker, der das schlechte Vorbild für unzählige weitere Vigilantenfilme war. Das gilt auch für die direkten „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzungen.
Michael Winner inszenierte die krude Geschichte kraftvoll, ohne große Subtilitäten mit eindeutiger Botschaft. Trotzdem ist sein Film immer wieder ambivalenter als das Publikum den Kassenhit damals sah.
Brian Garfield, der Autor der Vorlage, ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, schrieb er die „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 von James Wan als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt Garfield, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.
Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence of subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isn’t a solution, it’s a problem.“
Hauptdarsteller Charles Bronson äußerte sich in Interviews über den Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre, als die Millionenstadt in einem Sumpf von Gewalt und Verbrechen versank.
Insiang lebt mit ihren Geschwistern und ihrer sie drangsalierenden Mutter in den Slums von Manila. Eines Tages ergibt sich für sie eine Gelegenheit zur Rache.
Ewig nicht mehr gezeigter Klassiker von Lino Brocka (1939 – 1991), dem bedeutendsten philippinischen Regisseur. „Das Mädchen Insiang“ lief 1978 in Cannes und machte Brocka international bekannt. Heute wird die restaurierte Fassung gezeigt.
„Für europäischen Geschmack wirken die melodramatischen Akzente und die schwülstige Erotik an manchen Stellen überzogen, doch ist der Film so meisterlich inszeniert, dass die Zerstörung menschlicher Gefühle und Werte im sozialen Elend eindrucksvoll sichtbar wird.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Der mit genau kalkulierten tränenreichen Gefühlsausbrüchen und mit perfekt eingesetzten melodramatischen Effekten nicht sparende Film (ein Kompromiss des Regisseurs, seine sozialkritischen Intentionen kommerziell abzusichern) war jedoch so realistisch und deprimierend, dass er vor heimischem Publikum zu einem finanziellen Misserfolg wurde.“ (Fischer Film Almanach 1982)
Um seine sozialkritischen Arbeiten zu finanzieren, drehte er kommerziell orientierte Auftragsproduktionen, Actionfilme und Melodramen.
Regie: Stephen Daldry, Christian Duurvoort (Brasilien)
Drehbuch: Richard Curtis, Felipe Braga (zusätzliches Material)
LV: Andy Mulligan: Trash, 2010 (Trash)
Die jugendlichen Müllsammler Raphael, Gardo und Rato finden in Rio de Janeiro auf einer Müllkippe einen Geldbeutel. Als die Polizei ihnen für den Geldbeutel einen unheimlich hohen Finderlohn verspricht, wissen die Slum-Kinder, dass sie etwas sehr Wertvolles gefunden haben. Nur was und wie können sie damit Geld verdienen, ohne vorher zu sterben?
Fabelhafter, mitreisend inszenierter Jugendfilm, der eine spannende Schnitzeljagd durch die Slums erzählt und einen ziemlich realistischen Einblick in das Leben seiner Protagonisten bietet. Für Erwachsene immer wieder etwas zu plakativ. Aber sie sind auch nicht das Zielpublikum des Thrillers, der für mich im Kino eine sehr erfreuliche Überraschung war.
LV: Vardis Fisher: Mountain Man (1965), Raymond W. Thorp, Robert Bunker: Crow Killer: The Saga of Liver-Eating Johnson (1958, 1969)
Um 1850 zieht Exsoldat Jeremiah Johnson sich aus der Zivilisation in die Berge zurück. Doch auch dort findet er nicht seinen Seelenfrieden.
„Pollack setzt in seinem Film auf ruhige, meditative Bilder und arbeitet mit langsamen Panoramaschwenks und Überblendungen. Im Mittelpunkt steht die Schilderung der einsamen Bergwelt von Utah, deren überwältigende Schönheit zugleich auch als bedrohlich und lebensfeindlich gezeigt wird. Es ist eine archaische Welt des Auge-um-Auge, in die Jeremiah geht. Die Winter scheinen in diesen Bergen nie zu vergehen, und diese ewigen Winter betonen die selbstgewählte Isoliertheit der Protagonisten.“ (Peter Ruckriegel, in Bernd Kiefer/Norbert Grob [Hrsg.]: Filmgenres Western)
Anschließend, um 22.05 Uhr, zeigt Arte die neue, einstündige Doku „Robert Redford – The Golden Look“, die bislang unveröffentlichtes Material enthält.
April 1992: Während Los Angeles sich in den letzten Tagen vor dem Urteil im Rodney-King-Prozess langsam zu einem Pulverfass entwickelt, muss der korrupte Polizist Eldon Perry mit seinem jungen Partner Bobby Keough einen Vierfach-Mord in einem koreanischen Geschäft aufklären.
„Dark Blue“ ist einer der besten Cop-Thriller der nuller Jahre. Das Buch stellt Fragen nach Schuld und Sühne, individueller Verantwortung und wie Verbrechen bekämpft werden sollen. Die Schauspieler agieren fantastisch. Die Kamera ist immer bei ihnen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen.
James Ellroys Anteil war dabei relativ klein. Er schrieb in den frühen Neunzigern das Drehbuch „The Plague Season“, das vor dem Hintergrund der 1965er Watts-Unruhen spielte. In den folgenden Jahren wurde es entwickelt (So nennen Filmproduzenten ein ständiges Herumschreiben an einem Buch. Nicht immer unbedingt zum Vorteil des Buches.) und letztendlich von „Training Day“-Autor David Ayer umgeschrieben. Anscheinend überlebte wenig bis nichts von Ellroys ursprünglichem, nicht veröffentlichtem Skript. Trotzdem enthält „Dark Blue“ etliche Ellroy-Themen und der Polizeithriller ist ein extrem düsterer Spielfilm.
Das Los Angeles Police Department hat eine lange Geschichte von Polizeiskandalen. Nach dem Rodney-King-Skandal kam es in den späten Neunzigern zum Rampart-Skandal. Im Bezirk Rampart wurden Polizisten der Elite-Einheit CRASH, um Drogenhändler zu bekämpfen, selbst zu Verbrechern. Der Rampart-Skandal löste eine große Umgestaltung des LAPD aus.
Filmischen Widerhall fand Rampart unter anderem in „Training Day“ und der grandiosen Polizeiserie „The Shield“ (bei uns vor allem grandios gefloppt).
Mit Kurt Russell, Scott Speedman, Ving Rhames, Brendan Gleeson, Lolita Davidovich
Nachdem der fünfte Eberhofer-Film „Sauerkrautkoma“ bundesweit über eine Million Besucher hatte, läuft auch der sechste Eberhofer-Film „Leberkäsjunkie“ bundesweit. Die ersten vier Eberhofer-Filme wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nur in Bayern im Kino gezeigt. Dort waren sie zunehmend erfolgreiche Blockbuster. Schon in den ersten Eberhofer-Film „Dampfnudelblues“ gingen über eine halbe Million Menschen. Dabei sind die Filme auf den ersten Blick ganz normale Provinzkrimis, wie man sie aus allen Städten zwischen Kitzbühel und Wismar kennt.
Da ist das fiktive, von Bestseller-Autorin Rita Falk erfundene Niederkaltenkirchen nur ein weiteres Dorf auf der kriminellen Landkarte. Dort ermittelt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) immer noch auf dem elterlichen Hof lebend und er denkt immer noch nicht daran, sein großes Jugendzimmer zu räumen. Er denkt auch nicht daran, erwachsen zu werden. Sein Vater (Eisi Gulp) kifft, seine Oma (Enzi Fuchs) kocht, sein Bruder (Gerhard Wittmann) isst öfter mit und auch Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) sitzt oft in der Küche am Esstisch. Sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), ein notorisch erfolgloser, aber nie um einen Ratschlag verlegener, enthusiastischer Privatdetektiv, isst ebenfalls oft mit. Nur Eberhofers Sohn Paul muss altersbedingt noch neben dem Tisch im Babysitz sitzen.
Jetzt soll Eberhofer, weil Susi auf einer Fortbildung ist, einige Tage auf seinen Sohn aufpassen. Sie teilen sich die Kindererziehung, weil er sich mit ihr, wieder einmal, zerstritten hat.
Da wird nach einem Brand auf dem Mooshammerhof eine Frauenleiche gefunden. Schnell ist klar, dass die junge Frau ermordet wurde. Eberhofer hat einen neuen Kriminalfall, den er mit seinem gewohnten, an aktive Arbeitsverweigerung grenzenden Elan lösen will.
Die nach dem Brand obdachlose Liesl Mooshammer (Eva Mattes) kommt bei den Eberhofers unter und sorgt mit ihrem herrischen und extrovertiertem Verhalten für Ärger. Die auf den ersten Blick kaum erkennbare Eva Mattes gibt hier dem Affen ordentlich Zucker. Mattes und Bezzel waren von 2004 bis 2016 das Konstanzer „Tatort“-Team.
Weitere Verdächtige werden von Robert Stadlober, Manuel Rubey, Castro Bokyi Affum und Anica Dobrau gespielt.
Selbstverständlich sind auch Eberhofers aus den vorherigen Filmen bekannten Freunde und Vorgesetzten wieder dabei. Gespielt werden sie wieder von Daniel Christensen, Max Schmid, Stephan Zimmer, Michael Ostrowski, Sigi Zimmerschmied und Thomas Kügel.
Ed Herzog, der bereits die vorherigen Eberhofer-Krimis schrieb und inszenierte, inszenierte auch „Leberkäsjunkie“. Das Drehbuch schrieb er wieder mit Stefan Betz. Dabei befolgten sie die alte Weisheit, dass man eine funktionierende Sache nicht verändern solle. Das Team ist gut eingespielt, die bekannten Schrullen der Figuren werden gepflegt, es gibt Situationskomik und neue Witze, die sich dieses Mal vor allem um Eberhofers Essgewohnheiten und seine Folgen drehen. Denn seit der Trennung von Susi hat er sich zu einem richtigen Frustesser mit Wampe entwickelt. Nachdem er auf dem Mooshammerhof nach dem Anblick der Brandleiche ohnmächtig wird, rät ihm der Arzt, künftig auf seine Cholesterinwerte zu achten. Das bedeutet, dass sein geliebter Leberkäse sofort vom Speiseplan gestrichen ist. Seine Oma kocht ihm gesundes, aber auch ungenießbares Essen und Eberhofer stopft bei jeder Gelegenheiten wahre Fleischberge in sich hinein.
Daneben ist der Kriminalfall noch unwichtiger als in den vorherigen Eberhofer-Krimis. Weil der Humor, mal derber, mal anarchistischer, wieder einmal stimmt und weil die Stammbesetzung und die Gastschauspieler spielfreudig harmonisieren, ist „Leberkäsjunkie“ ein gelungener neuer Eberhofer-Krimi, der genau das liefert, was man nach den vorherigen Eberhofer-Krimis erwartet.
Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)
Regie: Ed Herzog
Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog
LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016
mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.
Drehbuch: H. O. Gregor (Pseudonym von Horst-Otto-Gregor Wendlandt), Harald Philipp
LV: frei nach Edgar Wallace
Inspector Craig jagt mit Danny Ferguson den Mörder ihrer Schwester, die gleichzeitig als Stripteas-Tänzerin und V-Frau für Scotland Yard arbeitete.
„’Die Tote aus der Themse’ war trotz einiger attraktiver Außenaufnahmen einer jener belanglosen Filme, die mit Edgar Wallace nicht mehr viel zu tun hatten und mit denen Horst Wendlandt die Serie ausklingen ließ.“ (Florian Pauer: Die Edgar Wallace-Filme)
Wenn nicht so viele auch heute noch bekannten Schauspieler irgendwann durch das Bild stolpern würden, gäbe es wirklich keinen Grund, sich diesen Trash anzusehen.
Mit Uschi Glas, Hansjörg Felmy, Werner Peters, Harry Riebauer, Petra Schürmann, Vadim Glowna, Günther Stoll, Siegfried Schürenberg, Ivan Desny, Ingrid Steeger