Neu im Kino/Filmkritik: Über die gelungene John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“

Juli 8, 2016

Ein Bestsellerautor, ein unantastbarer Säulenheiliger und Doyen des Spionageromans ist John le Carré schon seit Jahrzehnten, aber bis vor einigen Jahren war die Zahl der Verfilmungen seiner Agententhriller überschaubar. Bis zur Jahrtausendwende gab es für das Kino eigentlich nur „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Das Russland-Haus“. In den letzten fünfzehn Jahren, vor allem in den letzten fünf Jahren, gab es dann mehrere le-Carré-Verfilmungen, die alle gelungen waren: „Der Schneider von Panama“, „Der ewige Gärtner“, „Dame, König, As, Spion“, „A most wanted man“, „The Night Gardener“ (für das Fernsehen) und jetzt „Verräter wie wir“, inszeniert von Susanna White („Eine zauberhafte Nanny“,„Parade’s End“), nach einem Drehbuch von Hossein Amini („Drive“, „Die zwei Gesichter des Januars“ [auch Regie]), der sich anstandslos in die Reihe der gelungenen le-Carré-Verfilmungen einreiht.

In Marrakesch lernt Perry (Ewan McGregor), ein harmloser Oxford-Dozent für Poesie, Dima (Stellan Skarsgård), einen russischen Lebemann mit riesigem Hofstaat, kennen. Dima mag den Engländer und seine Frau Gail (Naomie Harris), einer Anwältin, die beide erkennbar aus einer vollkommen anderen Welt stammen. Er spielt mit Perry Tennis, lädt ihn zu einer Party ein und bittet ihn um einen Gefallen. Denn Dima ist auch Geldwäscher für die russische Mafia. Er befürchtet, dass er demnächst im Auftrag des Kopfs der Vory umgebracht werden soll. Der britische Geheimdienst soll ihn und seine Familie beschützen. Deshalb möchte er, dass Perry dem englischem Geheimdienst einen USB-Stick mit Daten über von ihm getätigte Transaktionen, die auch britische Banken und Politiker belasten, übergibt.

Perry ist einverstanden. Es ist ja nur ein kleiner Gefallen für den potentiellen Überläufer und er tut doch offensichtlich ein gutes Werk. Aber es ist auch der erste Schritt, der ihn in die Welt der Geheimdienste führt.

Hossein Amini folgt zwar mit wenigen Abweichungen John le Carrés Geschichte, aber während le Carré die Geschichte bis weit über die Hälfte des Romans mit einer enervierenden Langsamkeit erzählt, hat Amini hier all die Fehler der Vorlage beseitigt. Die uninteressanten Stellen kürzte er ordentlich. Die Plot Points verschieben sich an die richtigen Stellen. Die Spannungskurve steigt stärker. Die wirkliche Geschichte, die ja erst beginnt, als Perry dem MI6-Agenten Hector Meredith (Damian Lewis) den USB-Stick übergibt, entwickelt sich schneller. Perry und seine Frau Gail geraten mit ihren Entscheidungen, die als einzelne Entscheidung ohne große Folgen, vernünftig und harmlos sind (Warum soll man nicht die Einladung zu einer Party annehmen? Warum soll man nicht dem Geheimdienst einen USB-Stick geben und so einer Urlaubsbekanntschaft helfen?), schnell in die von Misstrauen und Verrat geprägte Welt der Geheimdienste und des Großverbrechens, in der ein Menschenleben nicht mehr zählt als ein Bauer in einem Schachspiel. Dabei ist fraglich, ob Perry überhaupt so wichtig wie ein Bauer ist oder ob Dima der Bauer ist.

Kameramann Anthony Dod Mantle („28 Days Later“, „Slumdog Millionär“, „Rush – Alles für den Sieg“) inszeniert diese Welt als eine elegante Welt der Schatten und Spiegelungen, was der Geschichte eine latente Atmosphäre der Ungewissheit verleiht. Auch wenn wir Zuschauer genauer als Perry wissen, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird.

„Verräter wie wir“ lebt nämlich nicht von der pulstreibenden Spannung eines Action-Thrillers mit überraschenden Wendungen, sondern von der mahlstromartigen Spannung einer sich fatal entwickelnden Geschichte, aus der es für die Protagonisten kein Entkommen gibt.

„Eines der Themen von le Carrés Arbeit ist, dass Großbritannien als Weltmacht zwar beinahe alles verloren hat, aber immer noch die klassischen britischen Werte hat, die aus einer Zeit stammen, als Großbritannien an der Spitze der Welt stand und eine moralische Verpflichtung hatte. Während die Macht langsam verschwand, hat sich die dazugehörige Moral eher in eine Art Kompromiss verwandelt. John le Carré ist sehr interessiert an dem Einfluss, den der Abstieg der britischen Macht auf das moralische System hat. Das ist der Kern unseres Films. Es gibt jene, die es riskieren, die russische Autoritäten zu verärgern, um Dima zur Flucht zu verhelfen, und es gibt jene, die sich dem entgegen stellen und möglicherweise mit den Russen zusammenarbeiten, all das innerhalb des britischen Systems.“ (Hossein Amini)

Verräter wie wir - Plakat

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Die Vorlage, jetzt mit Filmcover

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

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Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der ganzen Serie


Neu im Kino/Filmkritik: „Tangerine L. A.“ erkundet unbekannte Ecken

Juli 7, 2016

Heiligabend in Los Angeles: Sin-Dee Rella erfährt von ihrer Freundin Alexandra, dass, während sie im Gefängnis saß, ihr Freund Chester eine Affäre mit einer anderen Frau hatte. Wutentbrannt will sie ihn zur Rede stellen. Aber zuerst muss sie ihre Nebenbuhlerin Dinah und dann ihren Freund finden.

Sean Baker („Starlet“) inszenierte diese Liebesgeschichte als Screwball-Comedy. Entsprechend hoch her geht es. Vor allem wenn in einem Donut-Laden in der finalen Konfrontation sich erstmals alle in die Geschichte involvierten Personen treffen und sich ohne jede Schamgrenze anbrüllen. So weit, so konventionell. Dass Sin-Dee und Alexandra Prostituierte sind, ändert daran nichts.

Allerdings sind die beiden Trans-Prostituierte, und das ist dann schon gar nicht mehr so konventionell. Sin-Dee ist über Chesters Seitensprung auch deshalb empört, weil er sie mit einer echten Frau betrogen hat. Mit der Feinfühligkeit einer in einer Ein-Zimmer-Wohnung gezündeten Silvesterrakete, die sich nicht um das von ihr verursachte Chaos kümmert, tobt sie durch ihr Viertel; die filmisch noch nicht erschlossene Gegend um das Santa Monica Boulevard und die Highland Avenue, in dem die Schauspieler von „Tangerine L. A.“ leben und sich mehr oder weniger selbst spielten. Und alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, die ihnen auf den Leib geschrieben wurden.

So sind die beiden Hauptdarstellerinnen Mya Taylor und Kitana Kiki Rodriguez selbst Transgender-Frauen. Sie lieferten die Inspiration für die Filmgeschichte und die Dynamik zwischen Sin-Dee und Alexandra. Sie waren auch in die weitere Vorbereitung involviert. Sean Baker und sein Co-Autor Chris Bergoch erkundeten vor dem Dreh die Gegend und entwarfen eine Ethnographie der Gegend, der dortigen Subkultur und den dort lebenden und arbeitenden Menschen. In dieser Beziehung hat „Tangerine L. A.“ viel von einem Dokumentarfilm. Realität und Fiktion liegen hier nah beieinander.

Man könnte „Tangerine L. A.“ also als unterhaltsame, teils auch arg vor sich hin plätschernde Screwball-Comedy unter Transgender-Prostituierten, gedreht mit Laienschauspielerinnen, für ein Independent-Publikum, das sich nicht an schrill-vulgären Klischeetransen stört, abtun, wenn es da nicht den technischen Aspekt gäbe.

Denn Sean Baker drehte den gesamten Film mit dem iPhone 5S. Er und sein Kameramann Radium Cheung benutzten beim Dreh anamorphotische Linsen von Moondog Labs, die ihnen Prototypen ihrer Adapter für das iPhone gaben. Die kleinen Kameras ermöglichten ihnen auf der Straße ein ungestörtes Filmen. In der Postproduktion wurden die Bilder bearbeitet und im Kino – ich habe den Film auf einer wirklich großen Leinwand gesehen – überzeugen die Bilder restlos. Es sind Kinobilder, die niemals an verwackelte YouTube-Videos oder die schrecklich unprofessionell und billig aussehenden Video-Aufnahmen erinnern, die es auch in Filmen mit bekannten Schauspielern gibt. Ich hatte beim Ansehen auch niemals das Gefühl, einen für einen kleinen Bildschirm gedrehten Film zu sehen. Die Bilder füllen in jeder Sekunde die gesamte Leinwand aus.

„Tangerine L. A.“ zeigt, dass man nicht viel Geld benötigt, um einen gut aussehenden Film für die groooße Leinwand zu drehen.

Man benötigt nur eine gute Geschichte, die dazu passende Schauspieler und das Ziel, einen Kinofilm zu drehen.

Tangerine L A - Plakat 4

Tangerine L. A. (Tangerine, USA 2015)

Regie: Sean Baker

Drehbuch: Sean Baker, Chris Bergoch

mit Kitana Kiki Rodriguez, Mya Taylor, Karren Karagulian, Mickey O’Hagan, Alla Tumanian, James Ransone

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Tangerine L. A.“

Metacritic über „Tangerine L. A.“

Rotten Tomatoes über „Tangerine L. A.“

Wikipedia über „Tangerine L. A.“ (deutsch, englisch)

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Ein Gespräch mit Sean Baker über „Tangerine L. A.“


TV-Tipp für den 8. Juli: Topas/Frenzy

Juli 7, 2016

Heute endet die Hitchock-Woche mit

3sat, 20.15

Topas (GB 1969, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret, John Vernon, Roscoe Lee Browne, John Forsythe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Topas“

Wikipedia über „Topas“ (deutsch, englisch)

Cinematic: Plakate und Aushangfotos zu “Topas”

Parallax View: Richard T. Jameson über “Topas”

–

3sat, 22.15

Frenzy (GB 1972, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frenzy“

Wikipedia über „Frenzy“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Juli: Familiengrab

Juli 7, 2016

3sat, 23.05

Familiengrab (USA 1976, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Rotten Tomatoes über „Familiengrab“

Wikipedia über „Familiengrab“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Juli: Der zerrissene Vorhang

Juli 5, 2016

3sat, 22.55

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, eine zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der zerrissene Vorhang“

Wikipedia über „Der zerrissene Vorhang“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über “Der zerrissene Vorhang”

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


TV-Tipp für den 5. Juli: Marnie

Juli 5, 2016

3sat, 22.30

Marnie (USA 1964, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Jay Presson Allan

LV: Winston Graham: Marnie, 1961 (Marnie)

Ein Verleger verknallt sich in eine Kleptomanin.

„Marnie“ ist – nach mehreren Klassikern – ein schwacher Hitchcock, der von der damaligen Kritik ziemlich verrissen wurde. Sean Connery bewies allerdings schon zu Bond-Zeiten seine Lust auf ungewöhnliche Rollen: der Geheimagent ihrer Majestät als Weichei.

„Marnie ist Hitchcocks Phantasie über das kleine Kind in der Frau und über den Züchtigungswahn der Männer. Auch ein Experiment damit, wie sehr das Freudsche Sozialisierungsmodell taugt für den Rahmen eines Suspense-Thrillers, in dem es anscheinend nur um die Auflösung kindlicher Traumata geht (die zu Verwirrung bei Rot/Weiß-Wahrnehmungen, zu Alpträumen bei nächtlichen Klopfgeräuschen, zu Angstzuständen bei Gewittern führen). Im Grunde aber handelt der Film von den Stadien eines permanenten Schocks auf der einen Seite, die in ständige Transfers in andere Identitäten münden, und von der systematischen Manipulation einer Abhängigen, mal mit Gewalt, mal mit sadistischer Verzögerung zelebriert.“ (Norbert Grob in Lars-Olav Beier/Georg Seeßlen [Hrsg.]: Alfred Hitchcock, 1999)

Mit Sean Connery, Tippi Hedren, Diane Baker, Martin Gabel, Bruce Dern

Wiederholung: Mittwoch, 6. Juli, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Marnie“

TCM über „Marnie“

Wikipedia über „Marnie“ (deutsch, englisch)

Winston Graham and Poldark Literary Society

Telegraph: Nachruf auf Winston Graham

Turner Classic Movies über „Marnie“

Tony Lee Moral: Hitchcock and the Making of „Marnie“, Manchester University Press 2002 (via Google Buchsuche)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


TV-Tipp für den 4. Juli: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Juli 4, 2016

ZDFneo, 23.15

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, Regie: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

„The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juli: Cocktail für eine Leiche/Verdacht

Juli 2, 2016

Heute startet 3sat eine Alfred-Hitchcock-Woche mit „Cocktail für eine Leiche“ und „Verdacht“. Weiter geht es mit „Marnie“ (Dienstag, 5. Juli, 22.30 Uhr), „Der zerrissene Vorhang“ (Mittwoch, 6. Juli, 22.55 Uhr), „Familiengrab“ (Donnerstag, 7. Juli, 23.05 Uhr), „Topas“ (Freitag, 8. Juli, 20.15) und „Frenzy“ (Freitag, 8. Juli, 22.15).

3sat, 22.10

Cocktail für eine Leiche (USA 1948, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Arthur Laurents, Hume Cronyn

LV: Patrick Hamilton: The Rope, Rope’s End, 1929 (Theaterstück)

Zwei Studenten bringen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren, einen Mitstudenten um und feiern eine Party – mit dem Toten in einer für alle sichtbaren Truhe.

Hamiltons Stück basiert locker auf dem Fall Leopold/Loeb, bei dem 1924 zwei Studenten grundlos einen Mitstudenten umbrachten. Hitchcock faszinierte neben der moralischen Frage bei „Cocktail für eine Leiche“ ein technischer Aspekt: er drehte den Film in Echtzeit (von 19.30 Uhr bis 21.15 Uhr; beim Essen wird etwas geschummelt) ohne einen sichtbaren Schnitt. Das gelang Hitchcock, indem er immer am Ende einer Filmspule auf einen Gegenstand (wie die Truhe oder ein Jackett) fuhr und bei der nächsten Spule genau dort fortfuhr. In den dazwischen liegenden zehn Minuten gibt es nie einen Schnitt. Die Schauspieler mussten ihre Texte genau kennen, die Kamera bewegte sich durch den Raum und Gegenstände wurden hin und her bewegt. Und im Hintergrund verdunkelte sich die Skyline.

Damals wurde das Experiment verrissen und auch Hitchcock sagte später, die Idee sei idiotisch und gegen alle seine Prinzipien. Heute genießen wir den Film einfach als verdammt gute Verfilmung eines Theaterstücks mit guten Schauspielern, die gute Dialoge sprechen dürfen.

Mit James Stewart, John Dall, Farley Granger, Sir Cedric Hardwicke

Wiederholung: Dienstag, 5. Juli, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cocktail für eine Leiche“

Wikipedia über „Cocktail für eine Leiche“ (deutsch, englisch)

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3sat, 23.30

Verdacht (USA 1941, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb glaubt sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‘Verdacht’ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verdacht“

Wikipedia über „Verdacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


TV-Tipp für den 2. Juli: The Place beyond the Pines

Juli 2, 2016

RTL, 00.35

The Place beyond the Pines (The Place beyond the Pines, USA 2012)

Regie: Derek Cianfrance

Drehbuch: Derek Cianfrance, Ben Coccio, Darius Marder

Musik: Mike Patton

Es beginnt mit dem Motorradstuntfahrer Luke, der Banken ausraubt, um seine Familie zu unterstützen. Eines Tages begegnet er einem jungen Polizisten.

Der immer noch neueste Film von „Blue Valentine“-Regisseur Derek Cianfrance ist eine Zusammenstellung von drei stilistisch sehr unterschiedlichen Kurzfilmen, die zwei Familiengeschichten eher lose und die Frage, wie sehr sich bestimmte Eigenschaften von den Vätern auf ihre Söhne vererben, ziemlich konsequent, aber auch etwas eindimensional in fast schon gewollt miteinander verknüpften Geschichten thematisiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Ach ja: Ist eine TV-Premiere zu einer doofen Uhrzeit, aber nach dem Fußballspiel.

mit Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes, Mahershalalhashbaz Ali, Ben Mendelsohn, Dane DeHaan, Emory Cohen, Ray Liotta, Rose Byrne, Bruce Greenwood, Harris Yulin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Place beyond the Pines“

Metacritic über „The Place beyond the Pines“

Rotten Tomatoes über „The Place beyond the Pines“

Wikipedia über „The Place beyond the Pines“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Wuxia-Film „The Assassin“

Juli 1, 2016

Wer sich nach dem Trailer auf einen asiatischen Martial-Arts-Film freut, der mit bildgewaltigen Kämpfen beeindruckt, der sollte sich beispielsweise noch einmal „Hero“ ansehen. Denn viel mehr Action als man im Trailer sieht, gibt es in dem gut zweistündigen Film nicht. Dafür gibt es in „The Assassin“ schöne und schön komponierte statische Einstellungen, die einem den Film wie ein Theaterstück genießen lassen. Ein Theaterstück, in dem die Schauspieler sich kaum bewegen und die Geschichte des in China in der Mitte des neunten Jahrhunderts spielendem Film fast nie greifbar wird.

Als Kind wurde Nie Yin-Niang ins Exil geschickt und von einer taoistischen Nonne zu einer Attentäterin ausgebildet.

Jetzt, dreizehn Jahre später, erhält Nie Yin-Niang den Befehl Tian Jian, den Gouverneur der größten militärischen Provinz in Nordchina, zu töten. Er ist ihr Cousin und sie war ihm als Kind als Ehefrau versprochen worden.

Nie Yin-Niang beginnt an ihrem Auftrag zu zweifeln. Auch weil, wenn sie ihren Auftrag erfüllt (was für sie kein Problem wäre), sie mit ihrer Tat die Provinz Weibo in ein Chaos stürzen würde. Denn Tian Jians Nachfolger wäre sein minderjähriger Sohn und seine machtbesessene und intrigante Frau.

Die Beziehungen und Intrigen sind in „The Assassin“ verwickelt wie in einem Shakespeare-Drama. Aber da redeten die Leute. Hier wird eher geschwiegen oder in Andeutungen gesprochen, die für uns eher unverständlich sind. In jeder Szene ist spürbar, dass Hou Hsiao-Hsien mit und in den Codes seiner Heimat, der dortigen Art des Geschichten erzählens und der dort vertrauten Zeichen arbeitet, ohne, wie andere asiatische Regisseure, eine Brücke in den Westen zu schlagen. Für uns vergrößert das die Distanz zum Geschehen noch weiter. Es ist, als ob man ein Baseball-Spiel beobachtet, ohne die Regeln zu kennen.

„The Assassin“ ist ein Film der Kontemplation, der Ruhe, des Versinkens im Dekor und der Landschaft, aber kein Film für Menschen, die unterhalten werden wollen.

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The Assassin (The Assassin, Taiwan/China/Hongkong/Frankreich 2015)

Regie: Hou Hsiao-Hsien

Drehbuch: Hou Hsiao-Hsien, Chu Tien-Wen, Hsieh Hai-Meng, Zhong Acheng

mit Shu Qi, Chang Chen, Zhou Yun, Tsunambuki Satoshi, Juan Ching-Tian, Hsieh Hsin-Ying, Sheu Fang-Yi

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Assassin“

Metacritic über „The Assassin“

Rotten Tomatoes über „The Assassin“

Wikipedia über „The Assassin“


TV-Tipp für den 1. Juli: Scarface – Toni, das Narbengesicht

Juli 1, 2016

BR, 23.15

Scarface – Toni, das Narbengesicht (USA 1983, Regie: Brian de Palma)

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)

De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.

Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.

Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)

Movie Addiction über “Scarface”

New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)

Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)

Angel Fire: Brian-de-Palma-Fanseite über “Scarface”

Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“ an der Brust von Frau Cruz

Juni 30, 2016

Man kann „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“, den neuen Film von Julio Medem („Lucia und der Sex“), leicht als Kitsch und Starvehikel abtun. Immerhin ist Penélope Cruz in fast jeder Sekunde zu sehen und der gesamte Film dreht sich um sie und ihr heldenhaftes Leiden als krebskranke Mutter, die sich zuerst eine Brust wegoperieren lässt, nur um danach zu erfahren, dass der Krebs nicht besiegt ist und sie innerhalb weniger Monate sterben wird. Gleichzeitig findet sie in Arturo, dem Talentscout von Real Madrid, der gerade seine Frau und Tochter verloren hat, eine neue große Liebe, die auch von ihrem elfjährigem Sohn akzeptiert wird. Immerhin ist Dani ein echtes Fußballtalent und ein Platz in der Mannschaft Real Madrid wäre ein Gottesgeschenk.

Und dann wird Magda wieder schwanger!

Das hätte sich das gesamte Team des sonntäglichen ZDF-Kitschfilms nicht schlimmer ausdenken können als Ballung von tragischem Leid und unfassbarem Glück. Normalsterbliche greifen in dem Moment panisch nach der Fernbedienung.

Aber Julio Medem wagt ein ziemliches gewagtes Experiment, indem er möglichst viel von dem, was wir bei einem gefühligem Kitschfilm erwarten, weglässt. So wird Magda von ihrem Mann wegen einer Jüngeren verlassen und ihren Job als Lehrerin ist sie auch bald los. Aber die Trennung geschieht mit einer SMS und ihre baldige Entlassung ist schon länger Teil ihrer Lebensplanung. Ihre Familie, Verwandtschaft und Freunde, mit denen sie über die Krebsdiagnose sprechen könnte, tauchen nicht auf. Stattdessen zieht sie sich erst einmal zurück, lässt Dani in ein Ferienlager fahren und sieht sich alleine die spanische Mannschaft beim 2012er Europapokal an. Sie versinkt höchstens für zwei Sekunden in Trübsal. All die großen Szenen, in denen Schauspieler so richtig groß mit Tränen, Schreien, Schluchzern und wilden Armbewegungen aufspielen können, fehlen.

Das gleiche gilt für ihre Beziehung zu Arturo. Schon bei ihrem ersten Zusammentreffen, auf der Tribüne eines Fußballstadions, geben sie sich Halt. Magda hat gerade die Krebsdiagnose erfahren. Er erfährt von dem Unfall seiner Familie. Auch danach entwickelt sich ihre Beziehung vor allem über den Verlust seiner Familie und ihrer Krankheit. Da ist, auch weil sie keine Zwanzig mehr sind, kein Platz für teenagerhaften Gefühlsüberschwang. Erst spät fällt Magda auf, dass sie noch keinen Sex hatten, obwohl sie schon länger sehr vertraut miteinander umgehen.

Medem entkernt nicht nur die kitschige Geschichte, sondern er konzentriert sich auch auf wenige Charaktere. Am Ende sind es nur Magda, ihr Sohn, ihr neuer Freund und, in einer Nebenrolle, ihr singender Gynäkologe, der auch nach Feierabend für sie Zeit hat. Keiner von ihnen übernimmt dabei die traditionelle Rolle des Bösewichts.

Medem lässt auch die Geschlechterverhältnisse ähnlich frei wie Pedro Alomodóvar tanzen. Freie Liebe, homosexuelle Liebe, echte und falsche Väter und alternative Lebensentwürfe abseits der normalen Ehe werden schulterzuckend akzeptiert. Sie sind in diesem katholischen Spanien kein Grund, sich aufzuregen. Das ist, wenn man an irgendeine x-beliebige RomCom denkt, in dem die Protagonistin nur ihren Traummann und eine traditionelle Familie haben will, erfrischend.

Auch Magda denkt überhaupt nicht daran, ihr Lebensglück nur in einer traditionellen Familie zu suchen. Immerhin ist sie eine Mutter und Mama ist das spanische Wort für, wenig überraschend, Mutter, aber auch die weibliche Brust oder, etwas poetischer der Ursprung der Liebe bzw. der Welt. Liebe schenkt sie dann auch während des Films.

Natürlich ist „Ma Ma“ ein Starvehikel und eine Liebesgeschichte, die angenehm ambivalent auf fast alle Elemente verzichtet, die zu einem Kitschfilm dazugehören. Dieses Spielen einer Melodie, während man möglichst viele Töne von ihr weglässt, ist als intellektuelles Vergnügen interessant. Für das Auge gibt es in jeder Szene Penélope Cruz. Was will man mehr von einem Film?

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Ma Ma – Der Ursprung der Liebe (Ma Ma, Spanien 2015)

Regie: Julio Medem

Drehbuch: Julio Medem

mit Penélope Cruz, Luis Tosar, Asier Etxeandia, Teo Planell, Àlex Brendermühl, Silvia Abascal

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ma Ma“

Metacritic über „Ma Ma“

Rotten Tomatoes über „Ma Ma“

Wikipedia über „Ma Ma“ (englisch, spanisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „High-Rise“ – eine Wohnung in der Paradies/Hölle

Juni 30, 2016

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

„High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

High Rise - Plakat

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

–

Pünktlich zum Filmstart erscheint „High-Rise“ in einer neuen deutschen Ausgabe

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro


TV-Tipp für den 30. Juni: Paycheck – Die Abrechnung

Juni 29, 2016

Pro 7, 20.15

Paycheck – Die Abrechnung (USA 2003, Regie: John Woo)

Drehbuch: Dean Georgaris

LV: Philip K. Dick: Paycheck, 1953 (Kurzgeschichte)

In naher Zukunft: Nachdem er drei Jahre bei einem Geheimprojekt arbeitete und sein Erinnerung daran gelöscht wurde, freut sich Michael Jennings auf ein mehr als fürstliches Honorar. Aber er erhält nur einige wertlose Gegenstände. Er habe das so gewollt. Jennings versucht, während er von Scharen Bösewichter gejagt wird, hinter das Geheimnis seiner Entlohnung zu kommen.

Nicht gerade Woos bester Film, aber immerhin Action, bei der man das Gehirn nicht vollkommen ausschalten muss. Und die Action war noch handgemacht.

Dicks Kurzgeschichte ist natürlich besser. Also, die Pointe ist gemeiner.

mit Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti, Colm Feore, Joe Morton, Michael C. Hall, Kathryn Morris

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Paycheck“

Wikipedia über „Paycheck“ (deutsch, englisch)

Arte über Philip K. Dick

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane “Marsianischer Zeitsturz”, “Ubik” und “Der dunkle Schirm”

Philip K. Dick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Juni: Frantic

Juni 28, 2016

BR, 23.30

Frantic (USA/Frankreich 1988, Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Roman Polanski, Gérard Brach

Richard Walker will mit seiner Frau einige romantische Tage in Paris verbringen. Aber dann verschwindet sie plötzlich, die Polizisten kümmern sich nicht um die angebliche Entführung und Walker gerät auf der Suche nach seiner Frau in Teufels Küche.

Polanski auf den Spuren von Alfred Hitchcock. Unterhaltsam, wenn auch etwas blutleer.

„‘Frantic’ ist Modell und Archetyp des Thrillers. Jede Handlungssequenz ist dem Kinogänger wohlvertraut. Auf dieser Ebene bietet der Film absolut keine Überraschungen, läuft fast zu reibungslos, um wirkliches Interesse zu erregen. (…) Was ‘Frantic’ interessant macht, ist der ausschließlich subjektive Blickwinkel, der die Erzählstruktur beherrscht: derjenige Walkers nämlich, des Fremden in feindseliger Umgebung.“ (Fischer Film Almanach 1989)

mit Harrison Ford, Emmanuelle Seigner, Betty Buckley, Alexandra Stewart

HInweise

Rotten Tomatoes über „Frantic“

Wikipedia über “Frantic” (deutsch, englisch)

Die Zeit: Michael Althen über “Frantic” (26. August 1988)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)


TV-Tipp für den 28. Juni: In weiter Ferne, so nah!

Juni 27, 2016

ZDFkultur, 20.15/23.55

In weiter Ferne, so nah! (Deutschland 1993, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders, Richard Reitinger, Ulrich Zieger

Engel Cassiel will wissen, wie das Leben als Sterblicher so ist. Als er ein Mädchen rettet, erfüllt sich sein Wunsch.

Die natürlich in Berlin gedrehte Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“. „Entstanden ist ein filmisches Wolkengebilde, das aus weiter Ferne fasziniert und sich in Nichts auflöst, wenn man zu nah rangeht.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit Otto Sander, Peter Falk, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Horst Buchholz, Nastassja Kinski, Heinz Rühmann, Rüdiger Vogler, Lou Reed, Willem Dafoe, Michael Gorbatschow, Hanns Zischler, Yella Rottländer (die Alice aus „Alice in den Städten“), Udo Samel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „In weiter Ferne, so nah!“

Wikipedia über „In weiter Ferne, so nah!“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. Juni: Saboteure

Juni 27, 2016

Arte, 20.15

Saboteure (USA 1942, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Peter Viertel, Joan Harrison, Dorothy Parker (nach einer Story von Alfred HItchcock)

Mechaniker Barry wird von der Polizei verdächtigt, einen Anschlag auf eine Flugzeugfabrik verübt zu haben.

Eher unbekanntes und daher grundlos unterschätztes Werk des Meisters, mit einem grandiosen Finale auf der Freiheitsstatue. In „Der unsichtbare Dritte“ ließ Hitchcock seine Hauptdarsteller auf einem anderen Nationalheiligtum herumkraxeln.

mit Robert Cummings, Priscilla Lane, Otto Krüger, Alan Baxter, Alma Kruger

Wiederholung: Dienstag, 28. Juni, 14.05 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


TV-Tipp für den 26. Juni: Du kannst anfangen zu beten

Juni 26, 2016

3sat, 23.55
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“

Hinweise

Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Juni: Der Kuss vor dem Tode

Juni 25, 2016

ZDFneo, 23.35

Der Kuss vor dem Tode (USA 1991, Regie: James Dearden)

Drehbuch: James Dearden

LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)

Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.

Nettes Remake.

Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Kuss vor dem Tode“

Wikipedia über „Der Kuss vor dem Tode“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Ira Levin


Neu im Kino/Filmkritik: Felix van Groeningen begrüßt uns im „Café Belgica“

Juni 24, 2016

Felix van Groeningens vorheriger Film „The Broken Circle“ wurde mit Preisen überhäuft; vom Berlinale Publikumspreis (Lokalpatriotismus) über den César als bester ausländischer Film und Nominierungen für den Europäischen Filmpreis bis zur Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film. Und im Kino lief er auch ganz gut.

Sein neuester Film „Café Belgica“ ist keine stupide Wiederholung des Erfolgs von „The Broken Circle“, aber auch nicht der komplette Gegenentwurf. Im Zentrum des Films steht das titelgebende „Café Belgica“, eine versifft-gemütliche Kneipe mit viel Musik, auch live, netten Bedienungen und einem netten Publikum, wie es sich für eine ultimative links-alternative Studentenkneipe gehört. Betrieben wird sie von dem Mittzwanziger Jo (Stef Aerts), der nur auf einem Auge sehen kann, etwas schüchtern und vernünftig ist.

Eines Tages taucht sein älterer Bruder Frank (Tom Vermeir, das Leinwanddebüt des Sängers und Gitarristen der Indie-Band „A Brand“) auf. Sie haben sich seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Frank ist verheiratet, Vater, notorisch begeistert und unvernünftig. Er hat gleich große Pläne für das Café Belgica. Jo lässt sich mitreisen und gemeinsam wollen sie aus der kleinen Kneipe, in der jeder willkommen ist, etwas größeres machen.

Das gelingt ihnen, aber der introvertierte Jo und der extrovertierte Frank, die das Kneipenabenteuer als gleichberechtigte Partner beginnen, sind nicht Yin und Yang. Sie ergänzen sich nicht, weil Frank auch ein notorischer Chaot ist, der große Pläne hat, begeistern kann, aber auch die Verantwortung scheut, die er als Geschäftsführer und bald zweimaliger Vater hat. Vor diesen Vaterpflichten und dem bürgerlichen Leben flüchtet er in das Café Belgica und das Nachtleben.

Gleichzeitig wird das Café immer größer und die Brüder bekommen die Probleme, die zum Nachtleben dazu gehören, bis die Ursprungsidee (die man mühelos als Metapher für die gesamte Gesellschaft sehen kann), einen Ort zu schaffen, an dem jeder willkommen ist, zunehmend in den Hintergrund gerät. Jedenfalls für Frank.

Das Café Belgica hat mit dem Café Charlatan ein reales Vorbild. Der Vater des Regisseurs Felix van Groeningen betrieb das im historischen Zentrum der Studentenstadt Gent liegende Café von 1989 bis 2000. Van Groeningen jobbte in ihm und viele Geschichten, die sich in und um das Café zutrugen, flossen in das Drehbuch für „Café Belgica“ ein. Die Filmmusik ist von Soulwax, die auch gleich noch einige Bands erfanden, die im Film auftreten. Und der Film fängt diese Atmosphäre der Geborgenheit in einer Musikkneipe, der durchgemachten Nächte und der erlebten Sonnenaufgänge gut ein.

Im Mittelpunkt stehen allerdings nicht die Gäste des Café Belgica, sondern die beiden Betreiber, ihr Privatleben, ihre problematische Beziehung und ihr gemeinsames Projekt, das von Anfang an den Keim des Scheiterns in sich trägt. Das regt, im Gegensatz zu „The Broken Circle“, in dem es um ein Bluegrass singendes Paar und ihren Krebstod ging, nicht zum Zücken der Taschentücher ein.

„Café Belgica“ ist nämlich Rock’n’Roll mit einem illusionslosem Blick auf die Beschissenheit der Dinge.

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Café Belgica (Belgica, Belgien/Frankreich/Niederlande 2016)

Regie: Felix van Groeningen

Drehbuch: Arne Sierens, Felix van Groeningen

mit Stef Aerts, Tom Vermeir, Hélène Devos, Charlotte Vandermeersch

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Belgische Homepage zum Film

Moviepilot über „Café Belgica“

Metacritic über „Café Belgica“

Rotten Tomatoes über „Café Belgica“

Wikipedia über „Cafe Belgica“ (englisch, niederländisch)

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „The Broken Circle“ (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)