TV-Tipp für den 10. Januar: Chinatown

Januar 9, 2026

ZDFneo, 22.05

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in eine Verschwörung, die er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Die Originale könnten im Rahmen einer kleinen Serie über die Schwarze Serie auch mal wieder gezeigt werden.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Wiederholung: Sonntag, 11. Januar, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Glücklich mit einer „Rental Family“?

Januar 9, 2026

Phillip Vandarpleog (Brendan Fraser) ist ein Schauspieler, den es im Kino immer so gibt. In Japan ist er immer noch bekannt für einen sieben Jahre alten Zahnpasta-Werbespot. Abgesehen davon ist seine Karriere seit Jahren nicht existent. Der in Tokio allein lebende, an Geldnot leidende US-Schauspieler hat also genug Zeit, um jeden anderen Job anzunehmen. In diesem Fall ist es, für eine „Rental Family“-Agentur in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Entsprechend der Wünsche des Auftraggebers spielt er unterschiedliche Rollen. Mal direkt für den Auftraggeber, mal für Menschen, denen der Auftraggeber helfen möchte. Mal spielt Phillip den Bräutigam (die Eltern der lesbischen Auftraggeberin sind begeistert über den weißen Ehemann), mal den Vater (der echte ist abwesend, aber die Schule verlangt einen anwesenden Vater), mal einen Journalisten, der einen zunehmend dementen alten Schauspieler interviewen soll.

Diese Arbeit könnte für Phillip eine neue, gute und mühelose Einkunftsquelle sein. Er spielt den Menschen vor, was sie sehen wollen oder sehen sollen, macht sie glücklich und nimmt das Geld. Dummerweise fällt es ihm schwer, zwischen der Rolle und seinem emotionalem Investment in die Rolle zu unterscheiden. Er mischt sich in das Leben der Personen ein, für die er eine Rolle spielt.

Und schon haben wir eine Geschichte über zwei verschiedene Kulturen, kulturelle Missverständnisse und wie guter Wille und eine gehörige Portion Tollpatschigkeit, alles etwas aus dem Ruder laufen lassen. Hikari inszeniert dies feinfühlig als warmherziges Low-Key-Feelgood-Movie mit vorhersehbaren Verwicklungen und nur die guten Aspekte solcher ‚gemieteten Freunde‘ betonend. Brendan Fraser spielt diesen Phillip Vandarpleog etwas eindimensional als großes, schüchtern lächelndes Kind, das immer noch mit den japanischen Sitten und Gebräuchen fremdelt.

Rental Family (Rental Family, USA/Japan 2025)

Regie: Hikari

Drehbuch: Hikari, Stephen Blahut

mit Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shannon Gorman

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Rental Family“

Metacritic über „Rental Family“

Rotten Tomatoes über „Rental Family“

Wikipedia über „Rental Family“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song Sung Blue“ – kein Neil-Diamond-Biopic

Januar 9, 2026

basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.

Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.

In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.

Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.

Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.

Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)

Regie: Craig Brewer

Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)

mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Song Sung Blue“

Metacritic über „Song Sung Blue“

Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“

Wikipedia über „Song Sung Blue“ (deutsch, englisch)

AllMusic über Neil Diamond


Neu im Kino/Filmkritik: „Greenland 2“, die Reise geht weiter

Januar 9, 2026

Seit fünf Jahren – und damit seit dem Filmende von Roman Ric Waughs bei der Kritik und dem Publikum überraschend erfolgreicher Dystopie „Greenland“ – leben John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und ihr inzwischen fünfzehnjähriger Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) in Grönland in einem Schutzbunker. Sie mussten dorthin flüchten, weil der Einschlag des Kometen Clarke auf der Erde das Klima, die Luft und die Landschaft veränderte. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Radioaktivität, Stürme und unvorhersehbare Einschläge von weiteren Teilen des Kometen machen sie in weiten Teilen unbewohnbar. Das Leben im Bunker ist das neue Normal. Und, obwohl der Bunker langsam auseinanderbricht und sich zu viele Menschen mit zu wenig Nahrung in ihm aufhalten, werden weitere Menschen aufgenommen.

Ausgehend von den ihnen zur Verfügung stehenden lückenhaften Daten, verfechten Wissenschaftler die Theorie, dass an dem Ort, an dem Clarke in Südfrankreich einschlug, neues Leben, möglicherweise sogar in bislang ungeahnter Pracht und Vielfalt, entstehen könnte. Ein Garten Eden.

Als ein Erdbeben den Bunker zerstört, machen die Garritys und einige weitere Bunker -Bewohner sich auf den Weg zu dem Krater. Ihre erste Station ist Großbritannien, oder genauer gesagt, die jezt halb unter Wasser liegende Stadt Liverpool.

Greenland 2“ schickt die Familie Garrity wieder auf die Reise. Nur dass sie dieses Mal nicht von Florida nach Grönland, sondern von Grönland nach Südfrankreich, ihrem neuen Sehnsuchtsort, gehen soll. Und wie es sich für eine Reisegeschichte gehört, ist der Weg das Ziel. Auf ihrer Reise treffen die Garritys ihnen mehr oder weniger freundlich gesonnene Menschen, die sich mehr oder weniger gut in dieser Welt eingerichtet haben und sie müssen viele Gefahren überstehen.

So weit, so konventionell. „Greenland 2“ ist, wie „Greenland“, dystopisches Katastrophenkino, das sich immer in den bekannten Genrekonventionen bewegt und sich dabei auf eine ganz normale Familie ohne besondere Eigenschaften und Fähigkeiten konzentriert. Das ist immer wieder kitschig, manchmal auch brutal und die Spezialeffekte sind immer wieder erstaunlich schlecht. Für die Ansichten zerstörter Großstädte gilt dies nicht. Und die Landschaftsaufnahmen – es wurde auf Island gedreht – gefallen.

Gefallen tut auch, dass es Regisseur Ric Roman Waugh, auch dank des Drehbuchs und den in ihren Rollen glaubwürdigen Schauspielern, gelingt, mit wenigen Strichen Figuren zu zeichnen, die schnell eine eigene Identität erhalten und als klar unterscheidbare Individuen im Gedächtnis bleiben. Das gilt sogar für Figuren, die nur einen kleinen Auftritt (wie eine im Rollstuhl sitzende Frau) oder, kurz vor dem Ziel ihrer Reise, nur einen sekundenlangen Auftritt als Leiche haben. Und es gibt einige gute Action- und Suspense-Szenen. Beispielsweise bei der der Logik des Spannungskinos gehorchenden Überquerung des Ärmelkanals.

Das alles bewegt sich, bodenständig und ohne besondere Innovationen, in dem bekannten Rahmen solcher Filme. Angenehm überraschend ist dagegen die Sicht der Macher auf diese Welt und die Gesellschaft nach der Apokalypse.

Im Gegensatz zu gängigen negativen US-amerikanischen Dystopien entwerfen die Macher von „Greenland 2“ eine positive Dystopie. In US-Dystopien werden nach einer Katastrophe meist alle zivilisatorischen Errungenschaften auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Gemeinschaften sind faschistoide, religiöse und kultische Zwangsgemeinschaften mit einem skrupellosen, oft auch durchgeknalltem Diktator als Anführer. Es gilt das gnadenlos durchgesetzte Recht des Stärkeren. Eine Kugel ersetzt jedes Argument. In „Greenland 2“ wird dagegen immer der Wert von Zusammenarbeit, Vertrauen, Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft betont. Es geht, ausgehend von der Kleinfamilie, um den Aufbau von friedlichen Gemeinschaften und einer inklusiven Gesellschaft in einer Welt, in der eben diese Gesellschaften und das Leben auf der Erde durch eine Katastrophe vernichtet wurden. Die Garritys bewegen sich auf ihrer Reise von Grönland nach Südfrankreich durch eine Welt, in der Gewalt allgegenwärtig ist und die Menschheit um ihr Überleben kämpft. Trotzdem werden christliche und humanistische Werte immer noch befolgt und es haben sich mehr oder weniger große, mehr oder weniger beständige Notgemeinschaften gebildet. Staatliche und quasi-staatliche Strukturen bestehen ebenfalls weiterhin; in welchem Umfang bleibt in dem Film, der sich auf die Erlebnisse einer Familie konzentriert, allerdings im Dunkeln. Auch für den überaus normalen und gewöhnlichen Familienvater John Garrity sind Gewalt und Gegengewalt niemals das präferierte Mittel um seine Familie zu beschützen und an das Reiseziel zu gelangen.

Das macht „Greenland 2“ zu einem europäischen Gegenentwurf zu US-amerikanischen Dystopien. Es macht den Katastrophenfilm auch zu einer überraschend positiven Dystopie.

P. S. 1: Als Titel ist „Greenland“, wenn man ihn als ‚Grönland‘ übersetzt, sinnfrei. Wenn man ihn als ‚Grünes Land‘ übersetzt, ist das etwas anderes.

P. S. 2: Der Film wurde, wie gesagt, auch auf Island gedreht. Im Film ist Island untergegangen.

Greenland 2 (Greenland 2: Migration, USA 2025)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Chris Sparling, Mitchell LaFortune

mit Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, William Abadie, Sophie Thompson, Trond Fausa, Nelia Valery Da Costa, Ken Nwosu, Denez Raoul

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Greenland 2“

Metacritic über „Greenland 2“

Rotten Tomatoes über „Greenland 2“

Wikipedia über „Greenland 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland“ (Greenland, USA 2020)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Kandahar“ (Kandahar, USA 2023)


TV-Tipp für den 9. Januar: Jack Reacher

Januar 8, 2026

Pro7, 20.15

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.

„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.

2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher. 2022 übernahm Alan Ritchson (1,88 Meter) für Amazon Prime die Rolle für eine bei den Fans beliebte, insgesamt nur okaye Streamingserie.

mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

Hinweise

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch), Jack Reacher (deutsch, englisch) und Lee Child (deutsch, englisch)

zu Lee Child und Jack Reacher

Homepage von Lee Child

Meine Besprechung von Lee Childs „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman“ (Night School (21 Reacher), 2016)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Spezialist“ (Past Tense (Reacher 23), 2018)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Held“ (The Hero, 2019)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Meine Besprechung der Amazon-Prime-Video-Serie „Reacher“ (Reacher, USA 2022) (Staffel 1) (Verfilmung des Jack-Reacher-Romans „Größenwahn“ [Killing Floor, 1997])

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

zu Christopher McQuarrie

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ (Mission: Impossible – The Final Reckoning, USA 2025)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Jafar Panahis „Ein einfacher Unfall“

Januar 8, 2026

Zweite Kinowoche des Jahres und zweiter empfehlenswerter Arthaus-Film des Jahres. Denn heute startet Jafar Panahis mit vielen Preisen – beginnend mit der Goldene Palme in Cannes und, zuletzt, drei Gotham Awards und einem AFI Award -, zahlreichen Nominierungen – unter anderem für den Golden Globe und den Europäischen Filmpreis in den wichtigen Kategorien – und Vorschusslorbeeren bedachter neuer Film „Ein einfacher Unfall“. Wie seine vorherigen Filme drehte der Iraner ihn in seinem Heimatland in Teheran und Umgebung unter erschwerten Bedingungen. Seit über zwanzig Jahren ist er als Regimegegner Repressionen ausgesetzt. Seine Filme wurden im Iran verboten. Er wurde mehrmals inhaftiert und mit einem Arbeitsverbot belegt. Panahi antwortete darauf mit Filmen, die er unter dem Radar des Regimes drehte und die weltweit gefeiert wurden. Das Arbeitsverbot wurde inzwischen aufgehoben. Aber Panahi geht davon aus, dass die Behörden seine Filme weiterhin nicht genehmigen würden und er keine Drehgenehmigung erhalten würde. Deshalb drehte er auch seinen neuesten Film „Ein einfacherUnfall“ ohne eine Drehgenehmigung. Probleme gab es, wie er in einem Interview im Presseheft sagt, nicht. Und dem fertigen Film, der sich auf wenige Personen und Schauplätze und das Dilemma der Personen konzentriert, merkt man diese Beschränkungen nicht an.

Die Filmgeschichte beginnt mit einer zufälligen Begegnung. Als ein Ehemann und Vater sein Auto nach einem Unfall mitten in der Nacht in eine Werkstatt bringt, glaubt der Mechaniker Vahid, dass dieser Mann ihn im Gefängnis folterte. Er hat sein Gesicht nie gesehen, aber er erkennt ‚Holzbein‘ an dem unverkennbarem Quietschen seiner Beinprothese. Jetzt will Vahid sich an dem Folterer rächen. Er verfolgt ihn, entführt ihn und will ihn in der Wüste lebendig vergraben.

Als dieser seine Unschuld beteuert, beginnt Vahid zu zweifeln. Er sucht einige Menschen auf, die damals mit ihm im Gefängnis waren. Sie wurden ebenfalls von Eghbal, so nannte sich ihr Folterer im Gefängnis, gefoltert. Sie sollen ihm die Gewissheit geben, die er für seinen Mord benötigt.

Anhand dieser Personen, die verschiedene Oppositionsgruppen und Haltungen zur Frage des Tyrannenmords repräsentieren, und die für einen Tag eine Gemeinschaft bilden, entwirft Jafar Panahi ein Bild des Irans und der Opfer des Terrorregimes. In der Geschichte konzentriert er sich in langen Szenen auf die Ausgangsfrage und das für die betroffenen Personen daraus entstehende Dilemma. Plötzlich stehen sie konkret vor der Frage, ob sie den Menschen wirklich töten wollen und können, der sie im Auftrag der Regierung folterte. Aus einer Rachefantasy, die sie vielleicht hatten, wird plötzlich die reale Option, sich zu rächen.

Ein einfacher Unfall“ ist ein sehenswerter Film mit zwei Problemen. Für mich war von der ersten Sekunde an klar, dass Vahid und die anderen im Film gezeigten Opfer des Folterer, eine Gruppe sympathischer, harmlos-gutwilliger Menschen, nicht in der Lage sein werden, ihn zu töten. Das raubte der Geschichte einen großen Teil seiner Spannung.

Das zweite Problem ist das von Jafar Panahi gewählte offene Ende. Er bricht, je nach Lesart, etwas zu früh oder zu spät ab.

Ein einfacher Unfall (Yek taṣādof-e sāde, Iran/Frankreich/Luxemburg 2025)

Regie: Jafar Panahi

Drehbuch: Jafar Panahi

mit Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten, Majid Panahi, Mohamad Ali Elyasmehr, Georges Hashemzadeh, Delmaz Najafi, Afssaneh Najmabadi

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Internationaler Titel: It was just an accident

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein einfacher Unfall“

AlloCiné über „Ein einfacher Unfall“

Metacritic über „Ein einfacher Unfall“

Rotten Tomatoes über „Ein einfacher Unfall“

Wikipedia über „Ein einfacher Unfall“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 8. Januar: Nymphomaniac 1

Januar 7, 2026

3sat, 22.25

Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Regie: Lars von Trier

Drehbuch: Lars von Trier

Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem älteren Mann, der ihr verständnisvoll zuhört, wie sie zur Nymphomanin wurde. Zwischen ihren Erinnerungen unterhalten sie sich tiefsinnig über ihr Leben und analysieren es in einer köstlichen Mischung aus Tief- und Flachsinn.

3sat zeigt heute und morgen ab 22.25 Uhr die Kinofassung von Lars von Triers „Nymphomaniac“. Beide Teile erschienen auch in einem deutlich längeren Director’s Cut.

Eine ziemlich spaßige Angelegenheit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Jesper Christensen

Hinweise

Moviepilot über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Metacritic über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Rotten Tomatoes über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Wikipedia über „Nymphomaniac“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 2“ (Nymphomaniac – Volume 2, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „The House that Jack built“ (The House that Jack built, Dänemark/Schweden/Frankreich/Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Geister – Exodus“ (Riget: Exodus, Dänemark 2022)

Die Berlinale-Pressekonferenz, die zum Stadtgespräch wurde:


TV-Tipp für den 7. Januar: Das Verhör

Januar 6, 2026

Arte, 20.15

Das Verhör (Garde à vue, Frankreich 1981)

Regie: Claude Miller

Drehbuch: Claude Miller, Jean Herman, Michel Audiard

LV: John Wainwright: Brainwash, 1979 (Gehirnwäsche)

In der Neujahrsnacht verhört Inspektor Gallien (Lino Ventura) den angesehenen Notar Maitre Jérôme Martinaud (Michel Serrault). Er glaubt, dass der Notar innerhalb weniger Tage zwei achtjährige Mädchen vergewaltigte und anschließend ermordete.

In den richtigen Händen genügen zwei Schauspieler und ein gutes Drehbuch für atemlose Hochspannung.

Mit Lino Ventura, Michel Serrault, Guy Marchand, Romy Schneider

Hinweise

AlloCiné über „Das Verhör“

Rotten Tomatoes über „Das Verhör“

Wikipedia über „Das Verhör“ (deutsch, englisch, französisch) und John Wainwright (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Januar: Venezuela – Maduros Machtkampf

Januar 5, 2026

Arte, 22.10

Venezuela – Maduros Machtkampf (Frankreich 2024)

Regie: Paul Cabanis

Drehbuch: Paul Cabanis

Aktuelle Ergänzung zu dem von Arte für heute geplanten Themenabend, der um 20.15 Uhr mit der brandneuen, zweiteiligen Doku „Europas Drogenmafia“ (Frankreich 2025) beginnt und jetzt um 23.05 Uhr mit der ebenfalls brandneuen, 53-minütige Doku „Drogenkrieg in Ecuador“ (Spanien 2025) endet.

Venezuela – Maduros Machtkampf“ ist eine 52-minütige Doku über Nicolás Maduro, den am 3. Januar 2026 im Rahmen einer nach allgemeiner Einschätzung völkerrechtswidrigen US-Militäroperation von Venezuela in die USA entführten Präsidenten von Venezuela.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 15. Februar 2026)

Wikipedia über Nicolás Maduro (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Januar: The Revenant – Der Rückkehrer

Januar 4, 2026

Pro7, 20.15 (möglicherweise gekürzt, weil der Film FSK 16 ist)

The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro G. Iñárritu

LV („based in part on the novel“): Michael Punke: The Revenant, 2002 (Der Totgeglaubte)

1823: Als Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) in den eiskalten Rocky Mountains auf der Pelztierjagd von einem Grizzly schwer verletzt wird, lassen ihn seine Jagdgefährten zum Sterben zurück. Aber Glass stirbt nicht, sondern er beginnt sie, zuerst mehr kriechend als gehend, zu verfolgen.

Unter extrem schwierigen Bedingungen gedrehtes, visuell überwältigendes Überlebensdrama, das mit Preisen überschüttet wurde. Unter anderem drei Oscars für Leonardo DiCaprio (Hauptrolle), Alejandro G. Iñárritu (Regie) und Emmanuel Lubezki (Kamera).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 23.15 Uhr, zeigt Pro7 Quentin Tarantinos Geschichtsstunde „One upon a Time in…Hollywood“, ebenfalls mit Leonardo DiCaprio und ebenfalls sehenswert.

mit Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Duane Howard, Arthur Redcloud

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Revenant“

Metacritic über „The Revenant“

Rotten Tomatoes über „The Revenant“

Wikipedia über „The Revenant“ (deutsch, englisch) und Hugh Glass (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Revenant“ (als ginge es in dem Film um Faktentreue)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten“ (Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades, Mexiko 2022)


TV-Tipp für den 4. Januar: Spencer

Januar 3, 2026

One, 23.15

Spencer (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Pablo Larraín

Drehbuch: Steven Knight

Prinzessin Diana besucht zu Weihnachten 1991, als ihre Ehe mit Charles bereits kriselt, den königlichen Landsitz in Norfolk, trifft die gesamte Königsfamilie und leidet unter dem routiniert gnadenlos durchgezogenem Protokoll.

Gandioses und grandios durchgeknalltes Biopic, das sich wenig für Fakten und noch weniger für Edelkitsch-Seligkeit interessiert, sondern das Leben am Hof als Horrorfilm, Unterabteilung Psychohorror, zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Spencer“

Moviepilot über „Spencer“

Metacritic über „Spencer“

Rotten Tomatoes über „Spencer“

Wikipedia über „Spencer“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood konstatiert einen weitgehenden Sieg der künstlerischen Freiheit

Meine Besprechung von Pablo Larrains „El Club“ (El Club, Chile 2015)

Meine Besprechung von Pablo Larraíns „Jackie: Die First Lady“ (Jackie, USA 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Neruda“ (Neruda, Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Spencer“ (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Maria“ (Maria, Deutschland/Italien/USA 2024)


TV-Tipp für den 3. Januar: Papillon

Januar 2, 2026

One, 22.00

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“, in dem er von seinem weiteren Leben erzählt, war dann episodischer.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Victor Jory, Woodrow Parfrey, Robert Deman, Anthony Zerbe, Don Gordon, William Smithers, Val Avery, Dalton Trumbo

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über François Ozons Albert-Camus-Verfilmung „Der Fremde“

Januar 2, 2026

Meursault ist der Ich-Erzähler in Albert Camus‘ „Der Fremde“, einem 1940 geschriebenem, 1942 erschienenem kurzen, in der damaligen Kolonie Algerien spielende Roman, der schnell zum Klassiker und einem der wichtigsten Werke des Existentialismus wurde.

Dieser Meursault ist ein 1938 in Algier allein lebender dreißigjähriger kleiner Angestellter. Er erzählt zuerst von der Beerdigung seiner entfernt in einem Altersheim verstorbenen Mutter, von seinem halbseidenem Nachbarn, von seiner unmittelbar nach der Beerdigung seiner Mutter beginnenden Affäre mit einer ehemaligen Kollegin, wie er scheinbar grundlos einen jungen Araber tötet und für diese Tat vor Gericht gestellt wird. In der Verhandlung geht es dann vor allem um sein Verhalten.

Jetzt verfilmte François Ozon diesen Klassiker sehr nah an der Vorlage entlang in wunderschönen SW-Bildern. In jedem Moment ist der Respekt vor der Vorlage spürbar.

Ozon erfindet viele Dialoge, die im Roman nur zusammengefasst zu lesen sind. Er zeigt in eindrucksvollen Bildern, was im Roman der Erzähler, der alles ohne erkennbare Regung verfolgt, in wenigen Worten erzählt. Das damalige Leben in der Kolonie wird fassbar. Ebenso Meursaults Lebenseinstellung.

Diese wird schon deutlich, wenn Meursault erfährt, dass seine Mutter verstorben ist und er diese Nachricht ohne eine erkennbare Gefühlsregung aufnimmt. Die Trauerfeierlichkeiten beobachtet er eher von außen. Die erforderlichen Rituale, die für ihn keine Bedeutung haben, vollzieht er, nachdem er dazu aufgefordert wird, quasi automatisch. Damals – wie gesagt, die Geschichte spielt 1938 und damals hatte die Religion in der Gesellschaft eine andere Bedeutng als heute – war sein Verhalten, wie auch später Aussagen von Charakterzeugen vor Gericht zeigen, verstörend und schockierend. Schockierend und gegen alle Trauer-Konventionen ist auch, dass Meursault unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter sich am Strand vergnügt und eine Beziehung mit einer jungen Frau beginnt. Auch hier folgt er emotionslos den Konventionen, denen ein Verliebter folgen soll. Später ermordet er ohne einen erkennbaren Grund einen Araber. Die anschließende Gerichtsverhandlung verfolgt er ebenso ungerührt. Das war damals sicher zutiefst verstörend und ungewöhnlich. Heute ist das anders.

Entsprechend offensichtlich ist die Botschaft des Films und entsprechend überflüssig ist Meursaults Verteidiungsrede am Filmende. Sie wiederholt nur in epischer Länge noch einmal das bereits Gesagte.

Damit kämen wir zum Problem des Films. Mit etwas über zwei Stunden ist „Der Fremde“ einer der längsten Filme von François Ozon. Nur „Gelobt sei Gott“ ist länger. Während das in dem auf Tatsachen basierendem Drama kein Problem war, ist die Ozon-unübliche Länge in „Der Fremde“ ein Problem. Überraschende Wendungen – wenn wir von Meursaults Mord absehen – gibt es nicht. Ozon erzählt Meursaults Geschichte, wie Camus, chronologisch als eine weitgehend zufällige Abfolge von Ereignissen, die auch wegen der strengen Inszenierung als Passionsgeschichte ohne Gott und ohne eine höhere Bedeutung gelesen werden kann.

Das ist allerdings nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten gelungenem Film. Die SW-Fotografie verleiht dem Drama das Aussehen eines vergessenen Meisterwerks aus den fünfziger Jahren. Die Schauspieler sind gut. Die einzelnen Szenen sind kluge Übertragungen vom Roman in den Film. Ozon verdeutlicht Dinge, die Camus nur in Halbsätzen schilderte. Er erfand viele Dialoge. Und die Geschichte über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und die Anforderungen der Gesellschaft an den Einzelnen ist immer noch aktuell.

Damit ist „Der Fremde“ der erste Höhepunkt des Kinojahres.

Der Fremde (L’Étranger, Frankreich 2025)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo

LV: Albert Camus: L’Étranger, 1942 (Der Fremde)

mit Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud, Christophe Malavoy, Nicolas Vaude, Jean-Charles Clichet, Mireille Perrier, Hajar Bouzaouit, Abderrahmane Dehkani, Jérôme Pouly, Jean-Claude Bolle-Reddat, Christophe Vandevelde, Jean-Benoît Ugeux

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Internationaler Titel: The Stranger

Hinweise

Allociné über „Der Fremde“

Moviepilot über „Der Fremde“

Metacritic über „Der Fremde“

Rotten Tomatoes über „Der Fremde“

Wikipedia über „Der Fremde“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Meine Besprechung von François Ozons „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (Mon Crime, Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 2. Januar: Anatomie eines Falls

Januar 1, 2026

ARD, 23.45

Anatomie eines Falls (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)

Regie: Justine Triet

Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari

TV-Premiere – und Nein, ich sage jetzt nichts zur Uhrzeit, sondern verweise auf die Mediathek. Dort sollte der Film anschließend für einige Tage ansehbar sein.

Fiel Samuel Maleski aus dem Fenster oder half seine Frau Sandra Voyter etwas nach? Über zweieinhalb spannende Stunden rollt Justine Triet diesen Fall akribisch auf.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sandra Hüller, Swann Arlaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz, Samuel Theis, Jehnny Beth

Hinweise

Moviepilot über „Anatomie eines Falls“

AlloCiné über „Anatomie eines Falls“

Metacritic über „Anatomie eines Falls“

Rotten Tomatoes über „Anatomie eines Falls“

Wikipedia über „Anatomie eines Falls“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Justine Triets „Anatomie eines Falls“ (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 1. Januar: Suzume

Dezember 31, 2025

Pro7 Maxx, 20.15

Suzume (Suzume no Tojimari, Japan 2022)

Regie: Makoto Shinkai

Drehbuch: Makoto Shinkai

Die siebzehnjährige Suzume trifft einen geheimnisvollen jungen Mann und öffnet eine Tür in eine andere Dimension. Aus ihr könnte eine die Welt vernichtende Bedrohung kommen.

Gelungener, ziemlich komplexer Fantasy-Romantik-Anime, der nicht ganz die Qualität von Makoto Shinkais bekanntestem Werk „Your Name – Gestern, heute und für immer“ erreicht. Aber etwas schlechter als ein Meisterwerk ist immer noch verdammt gut.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Hinweise

Moviepilot über „Suzume“

Metacritic über „Suzume“

Rotten Tomatoes über „Suzume“

Wikipedia über „Suzume“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Makato Shinkais „Suzume“ (Suzume no Tojimari, Japan 2022)


Meine Tops und Flops 2025: Buch und Film

Dezember 31, 2025

Es ist schon wieder so weit: während die einen auf die Weihnachtsmärkte stürmen und über die Preise meckern (anstatt die fünfzig Euro für einmal Glühwein und Currywurst in einem guten Restaurant zu investieren) oder Silvesterböller kaufen (ohne über die Preisen zu meckern), sitzen die anderen über Jahresrückblicken und Bestenlisten. So auch ich.

Nach langem Nachdenken, räsonieren über nicht gesehene Filme und nicht gelesene Bücher, streichen, umstellen, wieder umstellen sehen meine Jahresbestenlisten für Kinofilme (und schon sind all die TV-Filme draußen) und Bücher (und schon konkurrieren Kriminalromane mit Sachbüchern und Comics) im Moment so aus (und würden in einigen Stunden wohl wieder anders aussehen):

 

Die zehn besten Filme des Jahres

Dieses Jahr war die Auswahl schwierig. Es gab viele gute, aber wenige großartige Filme, die mich sofort mitrissen und lange nachwirkten. Es gab sehr viele Filme, die großartig anfingen, irgendwann im zweiten Akt den Plot verloren und die Geschichte mit einem ärgerlichen dritten Akt beendeten; – falls sie mir nicht alle sagen wollten, dass das Leben sinnlos ist und der Zufall die herrschende Kraft im Universum ist.

Außerdem enttäuschten von vielen normalerweise zuverlässige Regisseuren die neuen Filmen.

Wenn ich mich auf zehn Filme beschränke, die 2025 im Kino anliefen (ch habe schon potentielle Anwärter für die 2026er Jahreslisten):

One Battle after another (schon während des Films sagte ich mir: der kommt auf meine Jahresbestenliste; – wenn ich eine Jahresbestenliste erstelle) (Das ist die ehrliche und angesichts der eintrudelnden Prognosen, Besten- und Nominierungslisten die absolut gefahrlose Wahl. Eigentlich jeder liebt diesen Film.)

Und jetzt, in keiner besonderen Reihenfolge, die Plätze 2 bis 10:

Blood & Sinners

Bugonia

Caught Stealing (Der Roman von Charlie Huston ist trotzdem besser.)

Die Farben der Zeit

Franz K.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße (weil Wolfgang Beckers letzter Film, weil ein Berlin-Film – und weil er so gut in die Weihnachtszeit passt.)

Heldin

Juror # 2 (Clint Eastwoods letzter Film – bis zu seinem nächsten Film)

September 5 – The Day Terror went live

Die zehn schlechtesten Filme des Jahres

Oder: Was lief da schief?

Auch hier in alphabetischer Reihenfolge

The Alto Knights (sprachlos im Kino sitzend in einem Gangsterfilm von Barry Levinson mit Robert De Niro in der Hauptrolle, nach einem Drehbuch von Nicholas Pileggi)

Captain America: Brave New World (gutes Superheldenkino ist nur noch eine Erinnerung)

Conjuring 4 (absolut enttäuschender Abschluss einer gelungenen Horrorfilmreihe)

Eddington

Five Nights at Freddy’s 2

Honey don’t (50 Prozent Coen sind mindestens 50 Prozent zu wenig Coen)

Nosferatu (immerhin eine Gelegenheit, einige ältere Dracula-Verfilmungen wieder anzusehen)

Silent Night, Deadly Night

Tanz der Titanen

The Toxic Avenger (tja, nun, eine Entschuldigung, sich das Original mal wieder anzusehen)

ehrenwerte Nennung (weil ich ja nur Filme nehmen will, die im Kino liefen)

Play Dirty (Amazon Prime – Shane Black verfilmt Richard Stark. Wie kann das zu so einem unwitzigen Actionmurks führen, der nie Richard Starks Parker, sondern, mit allen zugedrückten Augen, Donald E. Westlakes Dortmunder an einem ganz schlechten Tag ist? „Play Dirty“ ist als Westlake/Stark-Verfilmug eine Vollkatastrophe. Dabei weiß und kann Black es besser.)

Filme, die besser als verdammt gut aussehende Screensaver mit Musik funktionieren

Avatar: Fire and Ash

Tron: Ares

 

 

Die zehn besten Bücher des Jahres

Wieder sind nur die Bücher qualifiziert, die dieses oder letztes Jahr erstmals auf Deutsch erschienen. Damit haben sich ältere oder noch nicht übersetzte Romane für diese Liste disqualifiziert. Und sie sollte weiblicher als meine letzte Bestenliste sein.

Also, mühelos quotiert:

Megan Abbott: Hüte dich vor der Frau

Jonathan Coe: Der Beweis meiner Unschuld

Frank Göhre: Sizilianische Nacht

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

Isabel Kreitz: Die letzte Einstellung

Jake Lamar: Viper’s Dream

Anna Mai: Broilerkomplott

Sara Paretsky: Wunder Punkt

Mercedes Rosende: Ursula fängt Feuer

Josef Schnelle: Der Mann, der das Kino liebte – Francois Truffaut und seine Filme

Einige Bücher, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diese Liste geschafft hätten, fehlen, weil ich aus verschiedenen Gründen viele ältere Romane (Ich sage nur „Momo“ und „Stiller“) las, dieses Jahre alle für den Glauser-Preis nominierten Romane und Debüts besprach, etliche Sachbücher lesen wollte und einige schlechte Bücher lesen musste.

Aber eine Liste der schlechtesten Bücher des Jahres ist unfair, weil da die vielen schlechten Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, fehlen würden.

Das gesagt lese ich gerade, wegen Park Chan-wooks „No other Choice“, die von Donald E. Westlake geschriebene Vorlage „The Ax“ (1997) und, nachdem ich die Verfilmung gesehen habe, steht Jordan Harpers „Die Rache der Polly McClusky“ (She rides shotgun, 2017) weit oben auf meiner Zu-Lesen-Liste.

Und was sind eure Tops und Flops?


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2025

3sat, 05.55

Pop around the Clock

Wie in den vergangenen Jahren präsentiert 3sat einen bunten Mix von, meines Wissens, bislang im TV nicht gezeigten Live-Auftritten von bekannten Musikern, Musikerinnen und Bands. Unter anderem Pink Floyd (um 11.15 Uhr), David Gilmour (um 13.00 Uhr), Marius Müller-Westerhagen (um 14.45 Uhr), Bruce Springsteen (um 16.00 Uhr), Elton John und Brandi Carlile (um 17.15 Uhr), Simply Red (um 00.25 Uhr) und Iggy Pop (sein 2023er Montreux-Auftritt als Betthupferl um 03.30 Uhr). Der Abend gehört Mariah Carey (um 19.00 Uhr), Whitney Houston (um 20.15 Uhr, ihr ‚Concert for a new South Africa‘ von 1994) und Rihanna (um 21.45 Uhr).

Das vollständige Programm, mit der Gelegenheit zum Vor- und Nachsehen und weiteren Konzerten.


TV-Tipp für den 30. Dezember: Urban Priol: TILT 2025 – Der Jahresrückblick

Dezember 29, 2025

3sat, 20.15

Urban Priol: TILT 2025 – Der Jahresrückblik

Nun, der Titel sagt alles über die neunzigminütige Satire-Sendung. Aber nicht, dass Urban Priols Jahresrückblick Teil des 3sat-Thementages „Kabarett & Comedy“ ist. Alle Details hier.


Neu im Kino/Filmkritik: Heftig, blutig und sehr personalintensiv diese „Therapie für Wikinger“

Dezember 29, 2025

Manfred (Mads Mikkelsen) war schon immer etwas seltsam. Jetzt, 15 Jahre nachdem sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) für den heftig aus dem Ruder gelaufenen Diebstahl von 41,2 Millionen Kronen inhaftiert wurde und Manfred die Beute versteckte, hält Manfred sich für John Lennon. Sicher, einige Kleinigkeiten, wie musikalische Fähigkeiten, Frisur, Brille, stimmen nicht, aber Manfred will nur mit John angesprochen werden. Sonst stürzt er sich aus dem nächsten Fenster, egal wie tief er dann fällt, oder er lässt sich aus dem fahrenden Auto fallen. Egal wie schnell es fährt und wie stark die Straße befahren ist. Und selbstverständlich erinnert sich John nicht daran, was Manfred getan hat und wo Manfred die Beute auf dem Grundstück der Eltern versteckte.

Anker hofft mit einen Besuch in ihrem im Wald gelegenem Elternhaus, das inzwischen einem Ehepaar gehört, das es zu einem Airbnb machte, etwas gegen Manfreds Dissoziative Persönlichkeitsstörung unternehmen zu können – und an die Beute zu kommen. Ein Arzt unterstützt ihn dabei. Er hat sogar eine noch bessere Idee: er will herausfinden, was passiert, wenn man mehrere Menschen mit einer Dissoziativen Persönlichkeitsstörung zusammen bringt und sie in ihrer Sicht der Welt bestätigt. In diesem Fall müssten die Beatles wieder vereinigt werden. Die entsprechenden persönlichkeitsgestörten Menschen sind schnell gefunden. Sie werden von Anker und dem Arzt aus verschiedenen Kliniken geholt. Ein Glückstreffer ist ein Patient, der zwischen zwei Beatles-Musikern und vielen weiteren, teils vollkommen gegensätzlichen Identitäten wechselt. Diese abrupten Persönlichkeitswechsel sorgen für weitere Lacher in Anders Thomas Jensens neuer Komödie. Zu Jensens früheren Filmen gehören „Blinkende Lichter“, „Dänische Delikatessen“, „Men & Chicken“ und „Helden der Wahrscheinlichkeit“. Außerdem schrieb er zahlreiche von anderen Regisseuren verfilmte Drehbücher.

Therapie für Wikinger“ ist, wie Jensens vorherige von ihm inszenierte Filme, keine Komödie für sensible Feingeister. Das beginnt schon mit der als Trickfilm präsentierten Einleitung (die am Filmende fortgeführt wird) über einen Wikingerhäuptling, der, nachdem sein Sohn einen Arm verliert, den anderen Stammesmitgliedern ebenfalls einen Arm abhackt. Denn, so denkt er, wenn alle gleich sind, wird niemand mehr wegen eines fehlenden Arms angestarrt. Bei dem abgehacktem Arm bleibt es nicht.

Nach dieser Einstimmung ist der Ton für den Film gesetzt. Keine der von Anders Thomas Jensen für seinen neuen Film „Therapie für Wikinger“ erfundenen Figuren hat einen besonders großen Respekt vor der eigenen und der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen. Die unterschiedlichen Ansichten und Ziele der durchgehend etwas dummen, manisch auf ihr Ziel fixierten Figuren prallen ungehemmt aufeinander. Schnell entwickelt sich eine aus Screwball-Komödien bekannte Dynamik von weiteren, immer absurderen, aber gleichzeitig auch vollkommen vernünftigen und folgerichtigen Aktionen und Reaktionen.

Daraus macht Jensen eine schwarzhumorige Geschichte mit brutalem Humor, Klamauk und musikalischen Experimenten zwischen Abba, Beatles und, aufgrund des fehlenden musikalischen Könnens der Film-‚Beatles‘, experimentellen Klängen.

Auch die Botschaft überdehnt Jensen so sehr, dass sie von einer begrüßenswerten Ansicht in nackte Idiotie und Wahnsinn umschlägt – und so auch zum Nachdenken darüber anregen kann.

Insgesamt ist diese „Therapie für Wikinger“ eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit. Wenn man den richtigen Humor dafür hat.

Therapie für Wikinger (Den sidste viking, Dänemark 2025)

Regie: Thomas Anders Jensen

Drehbuch: Thomas Anders Jensen

mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Sofie Gråbøl, Søren Malling, Bodil Jørgensen, Lars Brygmann, Kardo Razzazi, Nicolas Bro, Peter Düring, Lars Ranthe, Anette Støvelbæk, Rikke Louise Andersson

Internationaler Titel: The Last Viking

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Therapie für Wikinger“

Metacritic über „Therapie für Wikinger“

Rotten Tomatoes über „Therapie für Wikinger“

Wikipedia über „Therapie für Wikinger“ (dänisch, deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)

Anders Thomas Jensen in Berlin


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Medicus 2“ erzählt von Rob Coles Heilungen in London

Dezember 29, 2025

Im elften Jahrhundert reist Rob Cole von London in den Orient. Er will in der Schule des Universalgelehrten Ibn Sina erfahren, wie verletzte und kranke Menschen geheilt werden. Vor zwölf Jahren erzählte Philipp Stölzl diese Geschichte im Kino.

Jetzt kehrt Cole mit einigen Weggefährten, die ebenfalls ausgebildete Mediziner sind, zurück in ein England, das Krankheiten und Verletzungen mit einer Mischung aus Aberglaube, Zaubersprüchen und infektiösem Dreck behandelt. Cole will den Menschen helfen und muss sich dafür mit mächtigen Vertretern der weltlichen und der geistlichen Welt anlegen.

In „Der Medicus 2“ erzählt Philipp Stölzl die Geschichte von Rob Cole, wieder gespielt von Tom Payne, weiter. Der erste Film, der Weihnachten 2013 startete, war mit über 4,2 Millionen Kinobesucher im deutschsprachigen Raum, davon über 3,6 Millionen allein in Deutschland, ein Erfolg. „Der Medicus“ basierte auf dem gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon. Gordon erzählte in zwei weiteren Romane die Geschichte der Familie Cole, aber nicht die von Rob Cole, weiter. Deshalb erfanden Stölzl und Jan Berger eine eigene Geschichte, die die Geschichte von „Der Medicus“ weiter erzählt und die auch als vollkommen eigenständige Geschichte mit neuen Figuren und Konflikten funktioniert. 

Entstanden ist ein zünftiger, unterhaltsamer und kurzweiliger Abenteuerfilm mit klar gezeichneten Figuren und Konflikten – und durchaus nachvollziehbaren, aber in dieser Häufung unglaubwürdigen Übertreibungen. Cole muss einen Patienten nur ansehen und schon weiß er, woran er erkrankt ist und wie er behandelt wird. Er ist auch ein Vorfahre von Sigmund Freud. Er kümmert sich um die Krankheiten der Seele und auch hier weiß er, wie er sie behandelt. Er ist ein wahrer Wunderheiler. Ebenso seine Weggefährten. Alle englischen Mediziner sind Scharlatane und Schlächter. Das ist dann doch etwas zu plakativ. Aber diese klare Zeichnung der Figuren und ihrer Interessen bildet eine gute Grundlage für die daraus entstehenden Konflikte und auch Wandlungen.

Der Medicus 2 (Deutschland 2025)

Regie: Philipp Stölzl

Drehbuch: Stewart Harcourt, Caroline Bruckner, Philipp Stölzl, Jan Berger, Marc O. Seng (nach einer Geschichte von Jan Berger und Philipp Stölzl)

mit Tom Payne, Emily Cox, Áine Rose Daly, Owen Teale, Emma Rigby, Malick Bauer, Jaouhar Ben Ayed, Harry Redding, Rosie Boore, Sara Kestelman, Evelyn Craven, Leonard Scheicher, Máté Haumann, Finty Williams, Francis Fulton-Smith, Anne Ratte-Polle, Liam Cunningham, Aidan Gillen

alternative Schreibweise: Der Medicus II

internationaler Titel: The Physician 2

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Der Medicus 2“

Moviepilot über „Der Medicus 2“

Wikipedia über „Der Medicus 2“

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Der Medicus“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Ich war noch niemals in New York“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Schachnovelle“ (Deutschland 2021)