TV-Tipp für den 25. Februar: Der Smaragdwald

Februar 24, 2024

Früher als gewohnt, weil der Film schon am Nachmittag läuft

Tele 5, 15.40

Der Smaragdwald (The emerald forest, Großbritannien 1985)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Rospo Pallenberg

Während der Vater Bill Markham als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markham sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.

Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.

In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der General“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.

„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Smaragdwald“

Wikipedia über „Der Smaragdwald“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

John Boorman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Februar: The Man who wasn’t there – Der unauffällige Mr. Crane

Februar 23, 2024

One, 20.15

The Man who wasn’t there – Der unauffällige Mr. Crane (The Man who wasn’t there, USA 2001)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Friseur Ed Crane führt ein unauffälliges und ehrliches Leben, bis ihm ein Kunde ein todsicheres Geschäft anbietet.

Die Noir-Hommage „The Man who wasn’t there“ ist einer der schönsten Filme der Coen-Brüder.

„Kein Fehler, sich dieses kunstvolle Meisterwerk der Melancholie anzusehen.“ (Adrian Prechtel, AZ, 8. November 2001)

Mit Billy Bob Holland, Frances McDormand, James Gandolfini, Scarlett Johansson, Richard Jenkins, Tony Shalhoub

Auch bekannt als “The Man who wasn’t there” (Kinotitel)

Wiederholung: Montag, 26. Februar, 23.25 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Man who wasn’t there“

Wikipedia über „The Man who wasn’t there“ (deutsch, englisch) und die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Joel Coens „Macbeth“ (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Februar: Der Baader Meinhof Komplex

Februar 22, 2024

Arte, 20.15

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008)

Regie: Uli Edel

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Hinweise

Filmportal über „Der Baader Meinhof Komplex“

Rotten Tomatoes über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel über den Film

Meine Besprechung von Uli Edels „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (Deutschland 1981)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Diablo Codys Horrorkomödie „Lisa Frankenstein“

Februar 22, 2024

Der Abend und der Besuch auf der Party verliefen so desaströs, dass Lisa Swallows panikartig die Flucht ergreift, in der Nacht über den verlassenen Bachelor’s-Grove-Friedhof läuft, sich kurz an einem Grab, das sie tagsüber öfter besucht, ausheult und anschließend erschöpft in ihr Bett fällt.

Am nächsten Tag und nach einem Gewitter, erschrickt die Highschool-Schülerin über einen Eindringling, der wie das Monster aus dem Sumpf aussieht und sie anscheinend vergewaltigen will. Als er von der Garten-Springleranlage abgesprüht wird, hält sie ihn plötzlich für ganz sympathisch und als sie die Ähnlichkeit zwischen dem unbekannten Eindringling und dem von ihr verehrten im 19. Jahrhundert gestorbenem Künstler bemerkt, glaubt sie zu Recht, dass der Tote wieder auferstanden ist. Sie kleidet die sich zunächst nur unbeholfen bewegende Kreatur (so ihr Rollenname) ein und beginnt mit ihm durch die Gegend zu streifen.

Die Idee hat was. Drehbuchautorin Diablo Cody, die die Geschichte von „Lisa Frankenstein“ erfunden hat, hat einen guten Namen. Gleich ihr erstes Drehbuch, „Juno“ wurde erfolgreich verfilmt und mit dem Drehbuchoscar ausgezeichnet. „Young Adult“, „Ricki – Wie Familie so ist“ und „Tully“ folgten. Auch wenn die humorvoll-herzig-liebenswerten Dramen am Ende immer etwas harmloser und harmonieseliger waren als sie es hätten sein können, sind es sehenswerte Filme mit guten Rollen für die Hauptdarstellerinnen Charlize Theron (zweimal) und Meryl Streep. Die Horrorkomödie „Jennifer’s Body“ mit Megan Fox als männermordendem Vamp war bestenfalls so halb gelungen. Und auch Codys neue Horrorkomödie „Lisa Frankenstein“ ist nicht gelungen. Sie ist sogar schlechter als „Jennifer’s Body“. Daran ändern die wenigen garantierten Lacher und Slapstick-Momente nichts. Wenn Lisa und die Kreatur, der nach seiner Wiedergeburt einige Körperteile fehlen, sich einige von ihm dringend benötigte Körperteile besorgen, indem sie sie einfach bei einer anderen Person (die noch lebendig ist) abhacken, lacht der Horrorfan über so viel kaltschnäuzig präsentieren Pragmatismus. Die anderen Gags werden von Regisseurin Zelda Williams in ihrem Spielfilmdebüt fast ohne eine einzige Ausnahme gnadenlos versemmelt. Das ist Fremdschäm-Comedy auf dem Niveau einer unlustigen TV-Sketch-Show. Die Story wirkt wie eine erste Gedankensammlung. Untote. Highschool. Erste Liebe. 80er Jahre. Alles drin. Es gibt, beginnend mit „L. I. S. A. – Der helle Wahnsinn“ (Weird Science, USA 1985, einer damals an der Kinokasse erfolgreichen Teeniekomödie, in der zwei Computer-Nerds ihre Traumfrau zusammenbasteln), genug Anspielungen, um das Herz des Cineasten zu erfreuen. Der darf danach mit seinem Filmwissen angeben und ständig klugscheißerisch betonen, dass die zitierten Vorbilder viel besser sind.

Die 80er Jahre beschränken sich in der 1989 spielenden Highschool-Horrorkomödie hauptsächlich auf Lisas Outfit, Frisur und Sonnenbrille. Der Rest ist dann beliebig aus dem Highschool- und Horrorfilmfundus zusammengestellt. Friedhöfe, wie der im Film gezeigte, gehören zur Hollywood-Standard-Dekoration für alte Friedhöfe, auf denen gar schreckliche Dinge geschehen. Die Schule sieht so aus, wie US-amerikanische Schulen immer aussehen. Und Lisas Zimmer mit den Plakaten von B-Horrorfilmen aus den fünfziger Jahren sieht aus wie ein nerdiges Teenagerschlafzimmer.

Die Story funktioniert nicht als Liebesgeschichte (dafür geht es einfach zu schnell) und auch nicht als Horrorgeschichte. Denn es gibt einfach zu viele Episoden, die keinerlei Auswirkung auf die weitere Geschichte haben. So witzig es ist, um nur ein Beispiel zu nennen, wenn Lisa und die Kreatur bei anderen Menschen Körperteile abhacken, so unglaubwürdig ist es, dass das ohne nennenswerte Folgen für die weitere Geschichte geschieht. Da war Doktor Victor Frankenstein schon weiter. Er baute seine Kreatur aus Leichenteilen zusammen.

Wie eine Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern, von denen der eine ein Zombie ist, funktionieren kann, zeigt Jonathan Levine in seiner Zombie-Horrorkomödie „Warm Bodies“. Das ist der eindeutig bessere Filme.

Lisa Frankenstein (Lisa Frankenstein, USA 2024)

Regie: Zelda Williams

Drehbuch: Diablo Cody

mit Kathryn Newton, Cole Sprouse, Liza Soberano, Henry Eikenberry, Joe Chrest, Carla Gugino

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Lisa Frankenstein“

Metacritic über „Lisa Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „Lisa Frankenstein“

Wikipedia über „Lisa Frankenstein“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Good Boy“, braver Hund

Februar 22, 2024

Christian hat sie vorgewarnt. Trotzdem ist Sigrid schockiert, als sie seinen Hund sieht. Denn Frank ist kein Hund, sondern ein Mann in einem Hundekostüm, der sich wie ein Hund benimmt und auch so behandelt werden möchte. Schockiert verlässt sie den gut aussehenden, charmanten Christian. Aber als ihre Studienfreundin ihr sagt, dass Christian Iversen ein Millionenerbe ist, überdenkt sie ihre Entscheidung. Denn ihr Studium verläuft eher mittelprächtig im Nichts. Besondere Ambitionen hat sie keine. Und auch keinen anderen Freund. Also gibt sie Christian, der in jeder Beziehung ihr Gegenteil ist, eine zweite Chance.

Zu Dritt brechen sie zu einem verlängertem Wochenende in seinem Ferienhaus auf. Dort bittet Christian sie als erstes, ihm ihr Handy zu geben. Dann könnten sie ungestört und ohne Ablenkungen mehr Zeit miteinander verbringen.

Good Boy“ von Viljar Bøe hat eine vielversprechende Prämisse und ein Drehbuch, das die Motive seiner Protagonisten lange in der Schwebe lässt. Ist Christian wirklich ein psychopathischer Kontrollfreak und Perfektionist? Ihr erstes Treffen in einem noblen Lokal hätte fast nicht stattgefunden, weil sie sich grundlos verspätete und ihn auch nicht anrief. Warum beginnt er eine Beziehung mit einer Frau, die so offensichtlich das nicht zu ihm passende Gegenteil ist? Will Sigrid wirklich eine echte Beziehung mit ihm beginnen oder will sie nur sein Geld? Und wer ist Frank? Oder anders gefragt: warum will ein Mann 24/7 der Hund von einem anderen Mann sein? Das sind genug Fragen für eine spannende Geschichte, die nur einen kleinen Schritt von einer ätzenden Gesellschafts- und Beziehungssatire entfernt ist.

Nach einem gelungenem Set-Up führt Bøe sein Drei-Personen-Stück mit zu wenigen überraschenden Wendungen zu Ende. In den entscheidenden Momenten ist „Good Boy“ einfach viel zu brav und geht zu wenig in die Tiefe, um wirklich zu überzeugen.

Das macht „Good Boy“ trotz seiner Kürze von siebzig Minuten (wenn wir den Abspann weglassen) zu einer zu lang geratenen mediokren „Twilight Zone“-Episode, ohne deren schwarzen Humor.

Good Boy (Good Boy, Norwegen 2022)

Regie: Viljar Bøe

Drehbuch: Viljar Bøe

mit Gard Løkke, Katrine Lovise Øpstad Fredriksen, Amalie Willoch Njaastad, Nicolai Narvesen Lied

Länge: 76 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Good Boy“

Metacritic über „Good Boy“

Rotten Tomatoes über „Good Boy“

 


TV-Tipp für den 22. Februar: In den besten Händen

Februar 21, 2024

WDR, 23.30

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.

TV-Premiere. Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Hinweise

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 21. Februar: A rainy Day in New York

Februar 20, 2024

Arte, 20.15

A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

Während seine Freundin Ashleigh sich für die Studentenzeitung an einem verregneten Tag in New York mit dem von ihr bewunderten Arthaus-Regisseur Roland Pollard trifft, bummelt ihr wohlhabender Freund Gatsby durch die Stadt und trifft dabei einige alte Bekannte.

TV-Premiere. Typisches Alterswerk von Woody Allen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Sein fünfzigster Film „Ein Glücksfall“ startet am 11. April in den deutschen Kinos.

mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach

Wiederholung: Montag, 26. Februar, 14.15 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A rainy Day in New York“

Metacritic über „A rainy Day in New York“

Rotten Tomatoes über „A rainy Day in New York“

Wikipedia über „A rainy Day in New York“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Meine Besprechung von Woody Allens „A rainy Day in New York“ (A rainy Day in New York, USA 2019)

Meine Besprechung von Woody Allens „Rifkin’s Festival“ (Rifkin’s Festival, USA 2020)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 20. Februar: Im Tal von Elah

Februar 19, 2024

Tele 5, 20.15

Im Tal von Elah (In the Valley of Elah, USA 2007)

Regie: Paul Haggis

Drehbuch: Paul Haggis (nach einer Geschichte von Mark Boal und Paul Haggis)

Ex-Militärpolizist und Vietnamveteran Hank Deerfield erfährt, dass sein Sohn Mike sich nach seiner Rückkehr aus dem Irak fahnenflüchtig ist. Kurz darauf wird seine verbrannte Leiche gefunden. Deerfield beginnt mit einer Polizistin Mikes Mörder zu suchen. Dabei werden sie vom Militär behindert.

Haggis benutzt in seinem feinen Thriller das Genre, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Denn der auf einem wahren Fall basierende, hochgelobte Thriller beschäftigt sich mit den seelischen Kosten von Kriegseinsätzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Der Titel spielt auf die David-und-Goliath-Geschichte in der Bibel an. Deren Kampf fand im Valley of Elah, bei uns je nach Bibelübersetzung bekannt als Eichgrund, Elberfelder oder Terebinthental, statt.

Mit Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker

Wiederholung: Mittwoch, 21. Februar, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Im Tal von Elah”

Rotten Tomatoes über “Im Tal von Elah”

Wikipedia über “Im Tal von Elah” (deutschenglisch)

Das Drehbuch „In the Valley of Elah“ von Paul Haggis

Meine Besprechung von Paul Haggis‘ „Dritte Person“ (Third Person, Großbritannien/USA/Deutschland/Belgien 2013)


TV-Tipp für den 19. Februar: Doch das Böse gibt es nicht

Februar 18, 2024

Arte, 20.15

Doch das Böse gibt es nicht (Sheytan vojud nadarad/There is no Evil, Deutschland/Tschechische Republik/Iran 2020)

Regie: Mohammad Rasoulof

Drehbuch: Mohammad Rasoulof

TV-Premiere. In vier voneinander unabhängigen, nacheinander erzählten, im heutigen Iran spielenden Geschichten beschäftigt Mohammad Rasoulof sich mit der Frage, was die Todesstrafe für eine Gesellschaft bedeutet. In den einzelnen Geschichten sind die Protagonisten auf die eine oder andere Art davon betroffen und sie müssen sich entscheiden, wie sie damit umgehen. Wozu auch der Vollzug der Todesstrafe als Henker gehört.

Der sperrige 152-minütige Film gewann 2020 auf der Berlinale den Goldenen Bären.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh Shourian, Kaveh Ahangar, Alireza Zareparast, Salar Khamseh, Darya Moghbeli, Mahtab Servati, Mohammad Valizadegan, Mohammad Seddighimehr, Jila Shahi, Baran Rasoulof

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Doch das Böse gibt es nicht“

Moviepilot über „Doch das Böse gibt es nicht“

Metacritic über „Doch das Böse gibt es nicht“

Rotten Tomatoes über „Doch das Böse gibt es nicht“

Wikipedia über „Doch das Böse gibt es nicht“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Doch das Böse gibt es nicht“

Meine Besprechung von Mohammad Rasoulofs „Doch das Böse gibt es nicht“ (Sheytan vojud nadarad/There is no Evil, Deutschland/Tschechische Republik/Iran 2020)

Arte über den Film (bis zum 19. März in der Mediathek)


TV-Tipp für den 18. Februar: The Wicker Man

Februar 17, 2024

Tele 5, 22.35

The Wicker Man (The Wicker Man, Großbritannien 1973)

Regie: Robin Hardy

Drehbuch: Anthony Shaffer

Wenige Tage vor dem 1. Mai 1973 fliegt Sergeant Neil Howie (Edward Woodward) nach Summerisle. Die Insel gehört dem Magier Lord Summerisle (Christopher Lee). Dort soll ein Mädchen verschwunden sein. Aber die inselbewohner sagen, dass sie Rowan Morrison nicht kennen. Das ist, wie Howie schnell herausfindet, eine Lüge. Aber was ist passiert? Während seiner Ermittlungen ist der strenggläubige Polizist (er will sogar als Jungfrau in den Stand der Ehe gehen) von den exzessiv ausgelebten Fruchtbarkeitsriten der Inselbewohner irritiert.

TV-Premiere. Stilprägender Folk-Horrorfilm, der nach einem schweren Start im Kino (die Produktionsfirma British Lion Films wechselte während des Dreh zu EMI und denen gefiel der Film nicht) inzwischen ein hochgeschätzter Kultfilm ist. In Deutschland lief „The Wicker Man“ nie im Kino. Seine deutsche Premiere hatte er, ohne eine deutsche Synchronisation, 2009 auf DVD. Die wurde erst 2020 erstellt.

Anscheinend wird heute die 84-minütige Kinofassung gezeigt. Sie wurde vor dem Kinostart von den Produzenten erstellt, weil sie den 99-minütigen Director’s Cut für zu lang hielten.

The Wicker Man“ ist keiner dieser typischen damals populären Hammer-Horrorfilme, in denen Vampire in dunklen Gemäuern ihr Unwesen treiben. Hardys Film ist eine im Sonnenschein spielende Geschichte mit viel eindeutig zweideutigem Gesang (weshalb der Film auch manchmal, ironisch, als Musical gelabelt wird), heidnischen, in diesem Fall keltischen, Ritualen und viel Freizügigkeit. Ein ziemlicher Spaß mit einem höllischem Ende.

Perfekt inszeniert, fehlerlos gespielt und mit brillanter Musik“ (James Marriott/Kim Newman: Horror, 2007)

Mit Edward Woodward, Christopher Lee, Britt Ekland, Ingrid Pitt, Diane Cilento

Wiederholung: Dienstag, 20. Februar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Wicker Man“

Wikipedia über „The Wicker Man“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. Februar: Stillwater – Gegen jeden Verdacht

Februar 16, 2024

Vox, 20.15

Stillwater – Gegen jeden Verdacht (Stillwater, USA 2021)

Regie: Tom McCarthy

Drehbuch: Tom McCarthy, Thomas Bidegain, Noé Debre

Bill Baker (Matt Damon) ist ein in Stillwater, Oklahoma, lebender gläubiger Bohrarbeiter, Ex-Alkoholiker und Witwer. Seine Tochter Allison (Abigail Breslin) sitzt seit fünf Jahren in Marseille im Gefängnis. Sie soll ihre Mitbewohnerin ermordet haben. Bei seinen Besuchen in Marseille versucht er, ihre Unschuld zu beweisen.

TV-Premiere. Überzeugende Charakterstudie im Gewand eines Kriminalfilms, die zum Kinostart unglücklich und falsch als Film über den Fall Amanda Knox beworben wurde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Abigail Breslin, Camille Cottin, Lilou Siauvaud, Anne le Ny, Moussa Maaskri, Jean-Marc Michelangeli, Deanna Dunagan

Hinweise

Moviepilot über „Stillwater“

Metacritic über „Stillwater“

Rotten Tomatoes über „Stillwater“

Wikipedia über „Stillwater“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Win Win“ (Win Win, USA 2011)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Spotlight“ (Spotlight, USA 2015)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Stillwater – Gegen jeden Verdacht“ (Stillwater, USA 2021)


TV-Tipp für den 16. Februar: 1917

Februar 15, 2024

RTL II, 20.15

1917 (1917, USA 2019)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns

Während des Ersten Weltkriegs müssen zwei britische Soldaten einem anderen Bataillon eine wichtige Botschaft über die Pläne der deutschen Armee überbringen. Der Weg führt durchs Feindgebiet.

Atemberaubend als Quasi-One-Take inszenierter Kriegsfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcy, Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Daniel Mays, Colin Firth, Nabhaan Rizwan, Jamie Parker, Adrian Scarborough

Wiederholung: Samstag, 17. Februar, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „1917“

Metacritic über „1917“

Rotten Tomatoes über „1917“

Wikipedia über „1917“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „1917“ (1917, USA 2019)

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „Empire of Light“ (Empire of Light, Großbritannien 2022)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über den chilenischen Western „Colonos“

Februar 15, 2024

1901 schickt der chilenische Landbesitzer José Menéndez einen kleinen Trupp los. Offiziell sollen der britische Lieutenant MacLennan, der US-amerikanische Söldner Bill und das einheimische Halbblut Segundo in Feuerland sein ihm von der Regierung zugewiesenes Land und Transportwege sichern. In Wirklichkeit sollen sie die dort lebende indigene Bevölkerung beseitigen. Die Mission wird zu einer ziemlich blutigen Angelegenheit, die nichts von dem Pioniergeist klassischer Westerngeschichten hat. Es ist ein sich in seinem gesamten inhumanen Umfang langsam entfaltender Alptraum in einem menschenleeren Land.

Felipe Gálvez erzählt in seinem Debütfilm „Colonos“ von einem vergessenen Teil der Vergangenheit Chiles, nämlich der blutigen Kolonisierung Feuerlands, als eine Mischung aus wenig Fiktion und viel historischer Wahrheit. So gab es den Landbesitzer Menéndez, MacLennan und den im Zentrum des Films stehenden Völkermord an den in Feuerland lebenden Selk’nam.

Gálvez sagt über seinen Western, er sei keine „true reconstruction of history. Rather it is a reflection on how fiction, and especially cinema, can modify and distort it, and even rewrite it.“ Dabei setzt er einiges an historischem Wissen über die Geschichte Chiles voraus.

Er erzählt seinen düsteren Western in langen, statischen Einstellungen und in zwei großen Erzählblöcken. Im ersten, knapp siebzig Minuten langen Teil erzählt er die Geschichte von MacLennan, Bill und Segundo. In der letzten halben Stunde, die sieben Jahre später spielt, untersucht Vicuna, ein Gesandter des chilenischen Präsidenten, die damaligen Ereignisse. Er unterhält sich, getrennt und in deren Häusern, mit Menéndez und Segundo.

Colonos“ ist ein sperriger Arthaus-Western (mit der Betonung auf Arthaus) für ein begrenztes Publikum.

Colonos (Los Colonos, Argentinien/Chile/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden/Taiwan/Großbritannien 2023)

Regie: Felipe Gálvez

Drehbuch: Felipe Gálvez, Antonia Girardi

mit Mark Stanley, Camilo Arancibia, Benjamin Westfall, Alfredo Castro, Mishel Guana, Agustin Rittano, Sam Spruell, Marcelo Alonso

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Internationler Titel: The Settlers

Hinweise

Filmportal über „Colonos“ (die Freuden internationaler Filmfinanzierung)

Moviepilot über „Colonos“

Metacritic über „Colonos“

Rotten Tomatoes über „Colonos“

Wikipedia über „Colonos“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bob Marley: One Love“ für Jamaika und den Rest der Welt

Februar 15, 2024

Bob Marley: One Love“ gehört zu den Biopics, die nicht das gesamte Leben eines Menschen von der Wiege bis zur Bahre schildern, sondern die sich auf einen kurzen entscheidenden Abschnitt im Leben des Porträtierten konzentrieren. „Selma“ war so ein Biopic.

Reinaldo Marcus Green, der zuletzt das Biopic „King Richard“ (über Richard Williams und seine Töchter Venus und Serena Williams) inszenierte, beginnt sein Bob-Marley-Biopic Ende 1976. Jamaika versinkt im nachkolonialen Bürgerkriegschaos. Bob Marley, schon damals ein Star, möchte mit einem Friedenskonzert zur Versöhnung aufrufen. Politisch ist das selbstverständlich unglaublich naiv. Aber Bob Marley ist ein Künstler und ein gläubiger Rastafari. Am 3. Dezember 1976, zwei Tage vor dem Smile Jamaica Concert, wird in seinem Haus in Kingston ein Anschlag auf ihn verübt. Neben ihm werden seine Frau Rita, sein Manager Don Taylor und der Band-Assistent Louis Griffiths teils schwer verletzt. Wie durch ein Wunder überleben alle.

Nach dem Konzert verlässt Bob Marley die Insel. Der Druck ist zu groß. Seine Frau Rita und seine Kinder schickt er in die USA zu Verwandten (und ziemlich vollständig aus der Filmgeschichte). Er selbst fliegt mit seiner Band, den Wailers, nach London. Dort nimmt er seine nächste Platte auf. „Exodus“ wird am 3. Juni 1977 veröffentlicht und ein riesiger Erfolg. Bob Marley wird noch populärer.

Er tourt durch die Welt. Sein Wunsch, auch in Afrika zu spielen, verwirklicht sich in dem Moment noch nicht.

Am 22. April 1978 kehrt er zu einem weiteren Friedenskonzert, dem One Love Peace Concert, nach Jamaika zurück.

Diese beiden Konzerte bilden in Greens Film die erzählerische Klammer.

Dazwischen gibt es viele Episoden und Musik, aber es wird nie klar, was Green an genau diesem Teil aus Bob Marleys Leben interessiert. Alle damit zusammenhängenden potentiell interessanten Fragen werden vermieden. Es gibt auch keine Perspektive auf Marleys Leben, die das präsentierte Material irgendwie ordnen würde. Entsprechend ziellos plätschert das Biopic zwischen Episoden aus Marleys Familienleben, Proben und Abhängen mit seiner Band, Auftritten und Gesprächen mit Vertrauten und zusammenhanglos eingestreuten Rückblenden vor sich hin.

Dabei hätten diese anderthalb Jahre das Potential gehabt, eine interessante Geschichte zu erzählen. Green hätte erzählen können, wie es ist, wenn man aus seiner Heimat flüchten muss und wieder zurückkehren und Frieden stiften möchte. Oder wie es ist, wenn man plötzlich von einem weltweit bekannten Star, der schon damals in Jamaika gottgleich verehrt wurde, zu einem Superstar wird und man so zu einer einflussreichen Stimme wird. Oder wenn man von Freunden ausgenutzt und Vertrauen missbraucht wird. Oder wie ein Künstler, der in London auf Punk-Musiker trifft, sich mit seinem neuen Werk neu erfinden möchte. Oder über seine Beziehung zu seiner Frau. Das alles wird in „Bob Marley: One Love“ kurz angesprochen, aber nie konsequent vertieft.

Stattdessen rückt mit zunehmender Filmzeit die Rastafari-Religion immer mehr in den Mittelpunkt. Allerdings auf einem so plakativen und nervigem Niveau, das wir sonst nur aus unerträglichen christlichen Faith-based-Movies kennen.

Am Ende ist „Bob Marley: One Love“ nur, mit einigen Auslassungen, die Verfilmung einiger Zeilen aus dem Wikipedia-Artikel über Bob Marley. Garniert wird die Bilderbuch-Zusammenstellung nicht zusammenhängender Ereignisse mit vielen Bob-Marley-Songs, die im Film von Bob Marley gesungen werden.

Bob Marley: One Love (Bob Marley: One Love, USA 2024)

Regie: Reinaldo Marcus Green

Drehbuch: Terence Winter, Frank E. Flowers, Zach Baylin, Reinaldo Marcus Green (nach einer Geschichte von Terence Winter und Frank E. Flowers)

mit Kingsley Ben-Adir, Lashana Lynch, James Norton, Tosin Cole, Umi Myers, Anthony Welsh, Nia Ashi, Aston Barrett Jr., Anna-Sharé Blake, Gawaine „J-Summa” Campbell, Naomi Cowan, Alexx A-Game, Michael Gandolfini, Quan-Dajai Henriques, Hector Roots Lewis, Abijah „Naki Wailer” Livingston, Nadine Marshall, Sheldon Shepherd, Andrae Simpson, Stefan A.D Wade

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Bob Marley: One Love“

Metacritic über „Bob Marley: One Love“

Rotten Tomatoes über „Bob Marley: One Love“

Wikipedia über „Bob Marley: One Love“ (deutsch, englisch) und Bob Marley (deutsch, englisch)

AllMusic über Bob Marley

Meine Besprechung von Reinaldo Marcus Greens „King Richard“ (King Richard, USA 2021)

Bonushinweise

Am Freitag, den 16. Februar, zeigt Arte um 21.45 Uhr die Doku „Marley“ (USA/Großbritannien 2012) und danach um 00.05 Uhr „Bob Marley: Uprising Live!“ (Deutschland 1980). Das Konzert wurde am 13. Juni 1980 in der Dortmunder Westfalenhalle für den „Rockpalast“ aufgenommen.

Wahrscheinlich die bessere Wahl, die auch danach einige Tage in der Mediathek (Folge den Links) verfügbar ist.

Bob Marley live 1977 in London im Rainbow Theatre.

Bob Marley live 1980 in der Dortmunder Westfalenhalle


TV-Tipp für den 15. Februar: Große Freiheit

Februar 14, 2024

3sat, 22.30

Große Freiheit (Deutschland/Österreich 2021)

Regie: Sebastian Meise

Drehbuch: Thomas Reider, Sebastian Meise

TV-Premiere. Für den Homosexuellen Hans Hoffmann ist 1945 die Befreiung aus dem KZ nicht der Tag der Befreiung, sondern der Weg ins nächste Gefängnis. In den kommenden 25 Jahren verbringt Hans, weil er seine Homosexualität im einvernehmlichen Sex mit anderen Männern ausleben will, mit Unterbrechungen, einen großen Teil seines Lebens im Gefängnis. Dabei entwickelt sich im Gefängnis eine Freundschaft mit dem lebenslänglich verurteiltem Mörder Viktor, der zuerst nichts mit dem 175er zu tun haben will.

Der Strafgesetzparagraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, wurde in Westdeutschland 1969 entschärft und 1994 gestrichen.

Sehenswertes, top gespieltes kammerspielartiges Drama mit kleinen Schwächen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Große Freiheit“

Moviepilot über „Große Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Große Freiheit“

Wikipedia über „Große Freiheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Meises „Große Freiheit“ (Deutschland/Österreich 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Superheldin „Madame Web“ hat jetzt ihren Girl-Power-Film

Februar 14, 2024

Heute endet der kleine Lauf von neuen Filmen mit Sydney Sweeney. Nach der launigen RomCom „Wo die Lüge hinfällt“ und dem auf Fakten basierendem Drama „Reality“ spielt sie jetzt in einem Superheldenfilm mit. „Madame Web“ heißt das Werk. Es ist der neueste Film im Sony’s Spider-Man Universe und sie spielt Julia Cornwall. Eine Schülerin irgendwo im Teenageralter. Nach den beiden eben erwähnten Filmen, in denen sie, ihrem Alter entsprechend, Mitt-/Endzwanziger spielte, wird hier vom Zuschauer schon eine ordentliche Portion suspension of disbelief verlangt. Da helfen auch die betont unattraktive Schuluniform und die riesige Bücherwurm-Brille nur bedingt. Aber sie hat nur eine Nebenrolle.

Im Zentrum steht Cassandra ‚Cassie‘ Webb (Dakota Johnson), die titelgebende Madame Web. Am Filmanfang ist sie eine dreißigjährige Rettungssanitäterin, die 2003 mit Blaulicht durch Manhattan rast und Menschen rettet. Bei einem Einsatz stürzt sie in einem verunglückten Wagen in den Fluss und kann erst nach drei Minuten aus dem Wasser gerettet werden. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit überlebt sie, ist kurz darauf wieder mopsfidel und kann in die Zukunft sehen.

Der Bösewicht Ezekiel Sims (Tahar Rahim) kann ebenfalls in die Zukunft sehen. Er ermordete, weil er an eine seltene Spinnenart gelangen wollte, 1973 in Peru im Amazonas Cassies hochschwangere Mutter. Die eingeborenen, plötzlich aus den Bäumen kommenden Spinnenmenschen versuchen die Mutter und ihr noch ungeborenes Kind zu retten. Sie können allerdings nur Cassie retten.

Heute, also 2003, hat der in New York lebende Ezekiel einen wiederkehrenden Alptraum. Er sieht, wie er irgendwann in der Zukunft von drei maskierten Frauen getötet wird. Er will sie töten, bevor sie ihn töten. Dafür muss er sie zuerst finden. Benutzen tut er die damals moderne Überwachungstechnik, auf die er mit gestohlener NSA-Software zugreifen kann.

Als Cassie in einer ihrer Visionen sieht, wie Spinnenmann Ezekiel in einer U-Bahn die Teenager Julia Cornwall (Sydney Sweeney), Mattie Franklin (Celeste O’Connor) und Anya Corazon (Isabela Merced), umbringt, will sie sie retten. Erschwert wird ihre Mission dadurch, dass Ezekiel über Spinnen-Superkräfte verfügt, Julia, Mattie und Anya sind in dem Moment (und während des gesamten Films) nur normale Teenager ohne irgendwelche Superkräfte. Sie verfügen noch nicht einmal über die Teenager-Superkraft, alle Erwachsenen unglaublich zu nerven. Sie sind sehr ruhig, folgsam, einsichtig und halten sich fast immer an Cassies Anweisungen. Und Cassie verfügt nur über die manchmal vorhandene Gabe, in die Zukunft sehen zu können. Das erlaubt der erfahrenen TV-Regisseurin SJ Clarkson in ihrem Spielfilmdebüt, eine Szene mehrmals mit kleinen Variationen zu zeigen.

Diese weitgehende Abwesenheit von irgendwelchen Superkräften erspart uns langwierige Trainings-Montagen, in denen der Superheld seine Kräfte kennen lernt, und macht aus dem angekündigten Superheldenfilm einen eher gewöhnlichen Thriller, in dem der Bösewicht einige Menschen umbringen will und die Heldin das verhindern will.

Für eine Superhelden-Origin-Story ist das schon ein ungewöhnlicher Ansatz. Am Endergebnis ändert das nichts: „Madame Web“ ist ein erstaunlich anspruchsloser Film, der eher an einen TV-Film, bei dem alle nur wegen des Geldes dabei waren, erinnert. Die Schauspieler sind zwar anwesend, aber niemand hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Dialoge sind zweckdienliche Erklärdialoge, die dann für die Story unwichtig sind. Und die Filmstory wirkt immer so, als habe man nur Teile des Drehbuchs verfilmt. Da fehlen immer wieder Szenen, die die gezeigten Szenen wirkungsvoller machen würden. So sehen wir, zum Beispiel, nicht, wie Cassies Kollegen versuchen, sie aus dem Wasser zu retten. In dem einen Moment ist sie in dem in das Wasser fallendem Auto. Dann ist sie unter Wasser in einer Quasi-Traumsequenz und danach ist sie gerettet und reanimiert. In einer anderen Szene, ebenfalls vom Filmanfang, rast Cassie mit Blaulicht durch die Stadt. Aber warum sie sich so beeilt, wissen wir nicht. Denn wir wissen nichts über den Patienten, den sie befördert. Und ihr Kollege/Freund Ben Parker (Adam Scott; ja, wir können hier eine kleine Verbindung zu Spider-Man erahnen) agiert betont entspannt im hinteren Teil des Rettungswagen. Andere Szenen werden später nicht fortgeführt. Sie bleiben in der Luft hängen. Dafür benutzt Cassie, entgegen jeder Vernunft, während des gesamten Films ein von ihr geklautes und ramponiertes Taxi. Denn zu dem Zeitpunkt wird bereits nach ihr gefahndet und auch nach dem Taxi sollte gesucht werden. Die wenigen Actionszenen versumpfen im erwartbaren CGI-Overkill.

Und obwohl „Madame Web“ zum Sony’s Spider-Man Universe gehört, ist „Madame Web“ ein Einzelfilm ohne irgendwelche offensichtlichen Anspielungen oder Verbindungen zu den „Spider-Man“-Filmen. Diese waren wohl während der Produktion geplant, wurden aber vor dem Kinostart aus dem Film entfernt. Die wenigen jetzt noch vorhandenen Anspielungen auf Spider-Man, nämlich dass Ben Parker und die im Film hochschwangere Mary Parker (so heißt die Mutter von ‚Spider-Man‘ Peter Parker) mitspielen, sind dann so versteckt, dass unklar ist, ob es sich wirklich um eine Verbindung zum Spider-Man Universe oder nur um einen blöden Zufall handelt.

Madame Web“ ist in seiner allumfassenden Anspruchslosigkeit, wenn man dies akzeptiert, ein durchaus sympathisch-harmloser, sich nicht weiter um Logik und Wahrscheinlichkeit kümmernder Film mit einer angenehm kurzen Laufzeit, der mehr Fernsehen als Kino ist. Als möglicher Start eines Franchises – wobei ich jetzt nicht sagen kann, welches Franchise mit welchen Figuren gestartet werden soll – hat der Film trotz seines niedrigen Budgets von 80 Millionen US-Dollar wohl höchst unklare Zukunftsaussichten.

Madame Web (Madame Web, USA 2024)

Regie: S. J. Clarkson (alternative Schreibweise SJ Clarkson)

Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless, Claire Parker, S. J. Clarkson

mit Dakota Johnson, Sydney Sweeney, Celeste O’Connor, Isabela Merced, Tahar Rahim, Adam Scott, Emma Roberts, Mike Epps, José María Yazpik, Zosia Mamet, Kerry Bishé

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Madame Web“

Metacritic über „Madame Web“

Rotten Tomatoes über „Madame Web“

Wikipedia über „Madame Web“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Februar: Monuments Men – Ungewöhnliche Helden

Februar 13, 2024

Kabel 1, 20.15

Monuments Men – Ungewöhnliche Helden (The Monuments Men, USA/Deutschland 2013)

Regie: George Clooney

Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

LV: Robert M. Edsel/Bret Witter: The Monuments Men, 2010 (Monuments Men)

Während der letzten Kriegswochen versuchen einige anerkannte Kunstexperten im Auftrag der US-Army Kunstschätze, die sich in den Händen der Nazis befinden, vor ihrer Vernichtung zu retten.

Launiges Kriegsabenteuer mit Starbesetzung, etwas Action, Drama, Witz, pathetischen Ansprachen und einer kleinen Dosis Liebe. Das ist durchaus kurzweilig und unterhaltsam, aber nicht mehr.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Bob Balaban, Hugh Bonneville, Cate Blanchett, Dimitri Leonidas, Justus von Dohnányi, Michael Brandner, Alexandre Desplat, Serge Hazanavicius, Grant Heslov, Nick Clooney (Vater von George Clooney; er tritt in der letzten Szene auf)

Die Vorlage

Robert M. Edsel (mit Bret Witter) Monuments Men – Die Jagd nach Hitlers Raubkunst

(übersetzt von Hans Freundl)

Heyne, 2014

560 Seiten

9,99 Euro (nur noch antiquarisch erhältlich)

Deutsche Erstausgabe

Residenz Verlag, St. Pölten, 2013

Originalausgabe

The Monuments Men – Allied Heroes, Nazi Thieves, and the greatest Treasure Hunt in History

Center Street, New York 2010

Hinweise

Moviepilot über „Monuments Men“

Metacritic über „Monuments Men“

Rotten Tomatoes über „Monuments Men“

Wikipedia über „Monuments Men“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Monuments Men“

Meine Besprechung von George Clooneys “Monuments Men – Ungewöhnliche Helden” (Monuments Men, USA/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von George Clooneys „Suburbicon“ (Suburbicon, USA 2017)


TV-Tipp für den 13. Februar: Slow West

Februar 12, 2024

Tele 5, 20.15

Slow West (Slow West, England/Neuseeland 2015)

Regie: John Maclean

Drehbuch: John Maclean

Wilder Westen, 1870: der sechzehnjährige Schotte Jay Cavendish sucht seine aus Schottland geflüchtete große Liebe Rose Ross und eigentlich ist das Greenhorn zwischen Kopfgeldjägern, Indianern und allen anderen Wild-West-Gefahren zum Sterben verdammt. Wenn ihm nicht Silas Selleck, ein Revolverheld mit unklaren Absichten, helfen würde.

Schöner kleiner Western mit angenehm kurzer Laufzeit. Die Western Writers of America zeichneten den Film mit dem Spur Award als besten Western des Jahres aus.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Rory McCann, Andrew Robertt, Edwin Wright, Kalani Queypo

Wiederholung: Mittwoch, 14. Februar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Slow West“

Metacritic über „Slow West“

Rotten Tomatoes über „Slow West“

Wikipedia über „Slow West“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Macleans „Slow West“ (Slow West, England/Neuseeland 2015)


TV-Tipp für den 12. Februar: Barney’s Version

Februar 11, 2024

One, 20.15

Barney’s Version (Barney’s Version, Kanada/Italien 2010)

Regie: Richard J. Lewis

Drehbuch: Michael Konyves

LV: Mordecai Richler: Barney’s Version, 1997 (Wie Barney es sieht)

Filmproduzent Barney Panofsky („Totally Unneccessary Productions“) erinnert sich an sein bewegtes Leben.

Top besetzte, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete, äußerst gelungene Komödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike, Minnie Driver, Rachelle Lefevre, Scott Speedman, Bruce Greenwood, Jake Hoffman, Saul Rubinek, Paul Gross, David Cronenberg, Atom Egoyan, Ted Kotcheff, Denys Arcand, Richard J. Lewis (die fünf letztgenannten sind alles Regisseure und haben nur Cameos, zum Beispiel als Regisseur)

Wiederholung: Dienstag, 13. Februar, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Barney’s Version“

Rotten Tomatoes über „Barney’s Version“

Wikipedia über „Barney’s Version“ (deutsch, englisch) und über Mordecai Richler (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard J. Lewis‘ „Barney’s Version“ (Barney’s Vesion, Kanada/Italien 2010)


TV-Tipp für den 11. Februar: The Wolf of Wall Street

Februar 10, 2024

Wenige Tage bevor Martin Scorsese auf der Berlinale seinen Goldenen Ehrenbären erhält

Arte, 21.55

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.

Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung – und noch mehr im Bonusmaterial zum Film.

Anschließend, um 00.50 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere die knapp einstündige Doku „Martin Scorsese – Von Little Italy nach Hollywood“ (Frankreich 2023).

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Wiederholung: Freitag, 16. Februar, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte