Neu im Kino/Filmkritik: Berlinale-Preisträger: Claire Denis‘ „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Juli 13, 2023

Berlinale 2022: Preis für die beste Regie

Sara (Juliette Binoche) und Jean (Vincent Lindon) sind seit zehn Jahren zusammen und noch so verliebt wie am ersten Tag. Das ist jedenfalls der Eindruck, den wir am Filmanfang von ihnen bei ihrem gemeinsamen Urlaub am Meer bekommen.

Als Sara eines Morgens auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Moderatorin bei Radio France Internationale ist, sieht sie François (Grégoire Colin), eine frühere Liebe von ihr. Genaugenommen und wie wir später erfahren, verließ sie François zugunsten von Jean. Beide waren miteinander befreundet und auch Geschäftspartner. Jean verbüsste, möglicherweise aufgrund dieser Geschäfte, eine längere Haftstrafe. Jetzt versucht der frühere Rugby-Spieler wieder zu arbeiten. Und weil seine Bemühungen um eine ehrliche Arbeit erfolglos sind, nimmt er das Angebot von François gerne an. Um was es dabei genau geht, bleibt lange rätselhaft. Und damit sind wir bei dem größten Problem des Films. Claire Denis lässt vieles aus der Vergangenheit und Gegenwart ihrer Figuren im Dunkeln. Wir können (und sollen) vieles vermuten und eigene Vermutungen anstellen. Vieles, was sie andeutet, bleibt teils vollkommen im Dunkeln, teils viel zu lange im Dunkeln. Ich rede hier vor allem von Informationen, die sie ohne Probleme zu einem früheren Zeitpunkt hätte verraten können. So bauen François und Jean eine Talentagentur für junge Sportler auf. Anfangs, schließlich trifft Jean sich nach Einbruch der Dunkelheit mit François und er will Sara nicht verraten, was er mit François macht, wirkt es, als planten sie ein Verbrechen.

Im Mittelpunkt des Dramas stehen allerdings nicht die beiden Männer, sondern Sara. Sie trifft sich wieder mit François und fragt sich, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen hat. Oder ob sie Jean verlassen soll. Dabei ist offensichtlich, wer von den beiden Männern die bessere Wahl ist. Auch weil der Grund, weshalb sie damals François zugunsten von Jean verlassen hat, immer noch gültig ist.

Mit Liebe und Entschlossenheit“ ist ein sich langsam entwickelndes, vor sich hin mäanderndes Liebesdrama mit zahlreichen, für den Hauptplot nebensächlichen bis störenden Subplots.

Die Musik ist von den Tindersticks.

P. S.: Toller Trailer, der den Film als nervenzerreißenden Thriller verkauft. Das ist er nicht.

Mit Liebe und Entschlossenheit (Avec amour et acharnement, Frankreich 2022)

Regie: Claire Denis

Drehbuch: Christine Angot, Claire Denis

LV (frei nach): Christine Angot: Un tournant de la vie, 2018

mit Juliette Binoche, Vincent Lindon, Grégoire Colin, Issa Perica, Bulle Ogier

Länge: 116 Minuten

FSK: ?

Hinweise

AlloCiné über „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Moviepilot über „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Metacritic über „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Rotten Tomatoes über „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Wikipedia über „Mit Liebe und Entschlossenheit“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „Mit Liebe und Entschlossenheit“

Meine Besprechung von Claire Denis‘ „Trouble Every Day“ (Trouble Every Day, Frankreich/Deutschland/Japan 2001)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ jetzt im Kino

Juli 13, 2023

Beginnen wir gleich mit dem Wichtigsten. Wie erwartet ist „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil 1″ ein ausgezeichneter Action-Thriller, der alles das bietet, was die vorherigen „Mission: Impossible“-Filme auch boten: reichlich handgemachte, spektakuläre Action und eine doch eher nebensächliche, aber die Actionszenen gut zusammenhältende Geschichte mit einen doch eher vernachlässigbarem Bösewicht. Denn so sehr die Filme selbst in Richtung James Bond gehen, so wenig beeindruckend sind die Bösewichter. Sicher, Philip Seymour Hoffman in „Mission: Impossible III“ blieb länger im Gedächtnis, aber letztendlich haben sie nie die raumfüllende Grandezza eines echten Bond-Bösewichts, sondern sie sind eher funktional.

Dieses Mal ist der Bösewicht die gesichtslose „Entität“ und der mysteriöse Gabriel (Esai Morales). Er gehörte zur supergeheimen US-amerikanischen Impossible Missions Force (IMF) und er ist ein Kollege von Ethan Hunt (Tom Cruise). Die Entität ist eine künstliche Intelligenz, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und jetzt die Menschheit vernichten könnte. Oder, je nachdem in welchen Händen sie ist, die Gegner des Besitzers vernichten könnte. Sie ist überall und nirgends. Sie kann alles vorherplanen und berechnen. Sie kennt daher jeden Plan, der gemacht wird, um sie zu vernichten und sie trifft vorher alles notwendigen Maßnahmen, um das zu verhindern. Sie ist, qua Programmierung, allwissend und unbesiegbar. Jedenfalls solange Storm fließt. Ihr menschliches Gesicht ist Gabriel.

Mit einem aus zwei Teilen bestehendem Schlüssel kann sie abgeschaltet werden. Im ersten Teil des Zweiteilers „Dead Reckoning“ müssen Ethan Hunt und seine wenigen IMF-Vertrauten die beiden Teile des Schlüssels finden, ehe er in die falschen Hände gerät. Bei dieser wilden Hatz, ist Hunt schnell überzeugt, dass der Schlüssel und die Herrschaft über die Entität nicht in die Hände eines Staates gehört.

Im zweiten Teil geht es für das MI-Team dann darum, das Schlüsselloch zu finden. Jeder andere Plot wäre eine große Überraschung. „Dead Reckoning Teil 2“ läuft nächstes Jahr im Kino.

Danach schließen Tom Cruise, der in allen „Mission: Impossible“-Filmen Ethan Hunt spielte, und Christopher McQuarrie, der Autor und Regisseur der vorherigen „Mission: Impossible“-Filme, weitere Filme der Serie nicht aus.

Trotzdem verströmt „Dead Reckoning Teil Eins“ durchgehend ein melancholisches Gefühl des Abschieds. Der Gegner ist ein Geist. Erinnerungen an frühere Einsätze wehen durch den Film. Und dass Ethan Hunt/Tom Cruise älter wird, wird direkt angesprochen, wenn Hunt erzählt, dass er vor dreißig Jahren als IMF-Agent rekrutiert wurde. Und irgendwann ist die Zeit der Fronteinsätze vorbei. Trotzdem hat er sich wieder entschlossen, den unmöglichen Auftrag anzunehmen und mit seinen Freunden und Vertrauten aus vergangenen Missionen, wie Luther Stickell (Ving Rhames, seit dem ersten „Mission: Impossible“-Film dabei), Benji Dunn (Simon Pegg) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) gegen einen die Welt bedrohenden Gegner zu kämpfen und dafür um den halben Globus zu reisen.

Grace (Hayley Atwell) könnte ein neues Mitglied in ihrem Team werden. Doch bis es soweit ist, verhindert die Taschendiebin, die von einer ihr nicht bekannten Person mit der Beschaffung einer Schlüsselhälfte beauftragt wurde, mehrmals, dass Hunt die Mission erfolgreich abschließen kann. Erst später realisiert sie, dass es sich dieses Mal um keinen normalen Auftrag handelt.

Sie gehört, neben der schon erwähnten Ilsa Faust, The White Widow (Vanessa Kirby) und Paris (Pom Klementieff) zu den überzeugenden Frauenfiguren des Films, die eine größere Leinwandzeit haben, und die durchaus einen Einzelfilm tragen könnten. Im Gegensatz zu der immer wieder widersprüchlich handelnden Helena Shaw (Phoebe Waller-Bridge) in „Indiana Jones und das Rad des Schícksals“ oder den niemals ihr Potential ausschöpfenden Frauen in den „Fast & Furious“-Filmen.

Die Action ist gewohnt atemberaubend. In Rom gibt es eine lange Auto- und Motorradverfolgungsjagd, die zeigt, was in der durch die gleichen Gassen führenden Autoverfolgungsjagd in „Fast X“ fehlte: das Gefühl, dass das alles real gedreht wurde. In Abu Dhabi und Venedig gibt es ausgedehnte Verfolgungsjagden und Versteckspiele. In den Alpen gibt es das große Actionfinale, neben, in und auf einer aus einer anderen Ära stammenden Wagons und einer Dampflokomotive, die das Filmende nicht erleben. Im Finale gibt es auch einige der aus Werbung bekannten spektakulären und gefährlichen Stunts, die auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfalten.

Das ist alles sehr gelungen und unterhaltsam und endet, im Gegensatz zu dem schon erwähnten „Fast X“, „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ oder „Dune“, nicht mitten in der Handlung. Es gibt, wie früher bei einem Zweiteiler einer TV-Serie, ein richtiges Ende und einen guten Hinweis auf den Inhalt des zweiten Teils. Deshalb kann McQuarries Film wie Quentin Tarantinos erster „Kill Bill“-Film problemlos als eigenständiger, in sich abgeschlossener Film besprochen werden. Im nachhinein, also wenn man beide „Kill Bill“-Filme kennt, war die Teilung in zwei Filme die richtige Entscheidung. Das dürfte bei „Mission: Impossible“ auch der Fall sein.

Mit 164 Minuten Stunden ist der siebte „Mission: Impossible“-Film allerdings auch zu lang geraten. Mehrmals, als ob wir chronisch unaufmerksam wären, wird uns in fast den gleichen Worten die Entität erklärt, und natürlich hätte hier und da einiges gestrafft und gekürzt werden können. Nicht jeder Film muss gut drei Stunden dauern. Doch das ist, zugegeben, Jammern auf hohem Niveau.

Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ ist, wie erwartet, spannende Mainstream-Actionunterhaltung mit einem erstaunlich aktuellen Thema. Denn als McQuarrie das Drehbuch schrieb, waren Künstliche Intelligenz und die Gefahren und Chancen von KI ein Spezialistenthema. Mit ChatGPT ist es ein uns alle betreffendes Thema geworden.

Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach der Fernsehserie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Hayley Atwell, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Vanessa Kirby, Esai Morales, Pom Klementieff, Mariela Garriga, Henry Czerny, Shea Whigham, Greg Tarzan Davis, Frederick Schmidt, Charles Parnell, Rob Delaney, Cary Elwes, Indira Varma, Mark Gatiss

Länge: 164 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Metacritic über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (Mission Impossible: Rogue Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)


TV-Tipp für den 13. Juli: Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Juli 13, 2023

WDR, 23.45

Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)

Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego

Drehbuch: Maria Camila Arias, Jacques Toulemonde (nach einer Geschichte von Cristina Gallego)

Bildgewaltiges Drogendrama, das die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels, beginnend in den späten Sechzigern, erzählt. „Birds of Passage“ bedient dabei selbstverständlich Genrekonventionen. Mit seinen ethnographischen Blick eröffnet er gleichzeitig eine vollkommen neue Perspektive. Er zeigt nämlich, wie sehr Traditionen unser Leben bestimmen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Wayuus hatten und wie sich das Leben eines abgeschieden lebenden Volkes durch den Drogenhandel verändert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Carmina Martinez, José Acosta, Jhon Narváez, Natalia Reyes, José Vincentes Cotes, Juan Martinez, Greider Meza

Hinweise

Moviepilot über „Birds of Passage“

Metacritic über „Birds of Passage“

Rotten Tomatoes über „Birds of Passage“

Wikipedia über „Birds of Passage

Meine Besprechung von Ciro Guerra/Cristina Gallegos „Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu“ (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)


TV-Tipp für den 12. Juli: Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Juli 11, 2023

Arte, 20.15

Life of Pi: Schiffsburch mit Tiger (Life of Pi. USA/Großbritannien/Taiwan 2012)

Regie: Ang Lee

Drehbuch: David Magee

LV: Yann Martel: Life of Pi, 2001 (Schiffsbruch mit Tiger)

Nach einem Schiffsuntergang kann der siebzehnjährige Pi Patel, Sohn eines indischen Zoodirektors, sich auf ein Rettungsboot retten. Dummerweise muss er es mit dem Tiger Richard Parker teilen, der sehr hungrig ist.

Damals waren die Computereffekte, präsentiert in 3D, atemberaubend. Heute: schauen wir mal.

Es gab viel Kritikerlob, beeindruckende Zuschauerzahlen (in Deutschland gut 1,4 Millionen) und Preise, zum Beispiel erhielt Ang Lee den Regieoscar. Weitere gab es für die Kamera, die Musik und die Spezialeffekte.

Für das Lexikon des internationalen Films gehörte das Drama damals zu den besten Kinofilmen des Jahres 2012.

mit Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Ayush Tandon, Gautam Belur, Adil Hussain, Tabu, Ayan Khan, Mohd Abbas Khaleeli, Vibish Sivakumar, Gérard Depardieu

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Life of Pi“

Wikipedia über „Life of Pi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ang Lees „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ (Billy Lynn’s long Halftime Walk, USA/Volksrepublik China/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Ang Lees „Gemini Man“ (Gemini Man, USA 2019)


TV-Tipp für den 11. Juli: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Juli 10, 2023

Tele 5, 22.15

Inherent Vice – Natürliche Mängel (Inherent Vice, USA 2015)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Thomas Pynchon: Inherent Vice, 2009 (Natürliche Mängel)

Los Angeles in den frühen Siebziger: Der dauerbekiffte Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix) sucht den spurlos verschwundenen Liebhaber einer seiner Ex-Freundinnen. Das ist der Auftakt für einen wahrhaft labyrinthischen Plot, der sich ungeniert bei den großen und bekannten Noirs bedient – und sich würdig zu ihnen gesellt.

Köstlicher, ebenso traditionsbewusster wie selbstironischer Noir für die Fans von Hammett, Chandler, Ellroy, „Chinatown“, „The Big Lebowski“ und „The Nice Guys“ (ja, die netten Jungs kamen genaugenommen etwas später). Die Vorlage dieses Megacuts des bekannten Hardboiled- und Noir-Kanons ist von Thomas Pynchon.

Danach will man sich wieder die Klassiker ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Jena Malone, Joanna Newson, Eric Roberts, Hong Chau, Michael Kenneth Williams, Martin Donovan, Sasha Pieterse

Die Vorlage

Thomas Pynchon: Natürliche Mängel

(übersetzt von Nikolaus Stingl)

rororo, 2012

480 Seiten

14 Euro

Deutsche Erstausgabe/Gebundene Ausgabe

Rowohlt, 2010

Originalausgabe

Inherent Vice

The Penguin Press, 2009

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Metacritic über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Rotten Tomatoes über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Wikipedia über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (deutsch, englisch) und über Thomas Pynchon

Perlentaucher über Thomas Pynchons „Natürliche Mängel“

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


TV-Tipp für den 10. Juli: OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika

Juli 9, 2023

ZDF, 22.15

OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika (OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire, Frankreich/Belgien 2021)

Regie: Nicolas Bedos

Drehbuch: Jean-François Halin

LV: Figur von Jean Bruce

TV-Premiere. Zum dritten Mal spielt Jean Dujardin den französischen James Bond Hubert Bonisseur de la Bath, bekannter als OSS 117. Seit seinem letzten Kinoeinsatz sind einige Jahre vergangen, aber OSS 117 hat sich nicht verändert. Er ist immer noch – jedenfalls für uns – der grenzdebile, blasierte, von sich überzeugte Idiot, der alle Vorurteile über die überheblichen Franzosen und den Westen bestätigt, während er, zu unserem Vergnügen, von Fettnapf zu Fettnapf springt.

Dieses Mal wird OSS 117 nach Afrika geschickt. Dort soll er einen Frankreich wohlgesonnenen Potentaten gegen Rebellen beschützen. Außerdem soll er einen seiner Nachfolger, den spurlos verschwundenen Jung-Agenten 1001, retten.

Köstliche und auch sehr liebevolle Satire auf James Bond, in dem alle Klischees und Vorurteile aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren dem allgemeinen Gelächter preisgegeben werden. Dabei lernt OSS 117 im Lauf dieses 1981 spielenden Abenteuers einige neue Dinge über Computer, Frauen und Afrika.

Mit Jean Dujardin, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Fatou N’Diaye, Wladimir Yordanoff, Gilles Cohen, Habib Dembélé

Wiederholung: Mittwoch, 12. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“

Rotten Tomatoes über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“

Wikipedia über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juli: Das dreckige Dutzend

Juli 8, 2023

Tele 5, 20.15

Das dreckige Dutzend (The Dirty Dozen, Großbritannien/USA 1967)

Regie: Robert Aldrich

Drehbuch: Nunnally Johnson, Lukas Heller

LV: E. M. Nathanson: The Dirty Dozen, 1965 (Das dreckige Dutzend)

Im März 1944 erhält Major John Reisman den Befehl, ein Dutzend Männer für ein Himmelfahrtskommando auszubilden. Der Haken bei der Sache ist, dass diese Soldaten alle zum Tode verurteilte Schwerverbrecher sind.

Rüder Kriegsfilmklassiker mit einem, aus heutiger Sicht, Ensemble voller Stars. Einige von ihnen wurden erst durch diesen Kassenhit zu Stars.

mit Lee Marvin, John Cassavetes, Ernest Borgnine, Richard Jaeckel, Robert Ryan, George Kennedy, Telly Savalas, Donald Sutherland, Charles Bronson, Jim Brown, Clint Walker, Trini Lopez, Ralph Meeker, Robert Webber, Ben Carruthers

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das dreckige Dutzend“

Wikipedia über „Das dreckige Dutzend“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Aldrichs „Ein Zug für zwei Halunken (Emperor of the North Pole/Emperor of the North, USA 1973)


TV-Tipp für den 8. Juli: Krieg der Welten

Juli 7, 2023

Sat.1, 22.25

Krieg der Welten (War of the Worlds, USA 2005)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp

LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)

Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.

Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.

Am Donnerstag, den 13. Juli, läuft „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ mit Tom Cruise an – und der Film ist verdammt gut. Die Kritik gibt es zum Filmstart.

mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!; Davor zeigt Sat.1 ab 20.15 Uhr, zwei „Mission: Impossible“-Film mit Tom Cruise)

Hinweise

Moviepilot über „Krieg der Welten“

Metacritic über „Krieg der Welten“

Rotten Tomatoes über „Krieg der Welten“

Wikipedia über „Krieg der Welten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


TV-Tipp für den 7. Juli: James Bond 007: Leben und sterben lassen/James Bond 007: Der Mann mit dem goldenen Colt

Juli 6, 2023

Nach Sean Connery übernahm Roger Moore die Rolle. Seine ersten beiden Einsätze werden heute gezeigt:

Pro 7, 20.15

JAMES BOND: Leben und sterben lassen (Live and let die, Großbritannien 1973)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: Live and let die, 1954 (Leben und sterben lassen)

In Ian Flemings zweitem Bond-Roman finanziert Mr. Big mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA. In der Karibik kommt es zum abschließenden Kampf zwischen Mr. Big und Bond.

Im Film will Mr. Big die USA mit Heroin überschwemmen.

Der Action-Höhepunkt in Roger Moores erstem Auftritt als James Bond ist ein Bootsrennen in Louisiana. Der Film ginge als netter Agententhriller durch, wenn da nicht der Bösewicht und, damit verbunden, die unerträgliche Zeichnung der Afroamerikaner als eine Horde degenerierter Krimineller wäre. In dem Magazin „Time“ wurde Bond deshalb – zu Recht – ein „rassistisches Schwein“ genannt.

Mit Roger Moore, Jane Seymour, Yaphet Kotto, Clifton James, Julius W. Harris, Geoffrey Holder, David Hedison, Bernhard Lee, Lois Maxwell

Wiederholung: Freitag, 14. Juli, 23.00 Uhr

Die Vorlage (in der aktuellen Übersetzung)

Ian Fleming: Leben und sterben lassen

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

336 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leben und sterben lassen“

Wikipedia über „Leben und sterben lassen“ (deutsch, englisch)

Pro 7, 22.55

JAMES BOND: Der Mann mit dem goldenen Colt (The Man with the Golden Gun, Großbritannien 1974)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: The man with the golden gun, 1965 (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt, 007 James Bond und der goldene Colt)

Zweiter Einsatz von Roger Moore als Geheimagent ihrer Majestät. Sein Gegner ist Christopher Lee, der einen Profi-Killer spielt, der die Weltherrschaft will.

Von Ian Flemings letztem James-Bond-Roman wurde eigentlich nur der Beruf des Bösewichts übernommen.

Das ist der Bond mit dem Auto-Spiralsprung. Oh, und Lees Auto verwandelt sich in ein Flugzeug.

Einer der unbestrittenen Tiefpunkte der Bond-Serie.

Nächsten Freitag zeigt Pro 7 um 20.15 Uhr dann einen der unumstrittenen Höhepunkte der Serie: nämlich „Der Spion, der mich liebte“, Roger Moores dritten Einsatz als James Bond.

mit Roger Moore, Christopher Lee,  Britt Eklund, Maud Adams, Herve Villechaize, Clifton James, Bernhard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell

Wiederholung: Samstag, 15. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (in der aktuellen Übersetzung)

Ian Fleming: Der Mann mit dem goldenen Colt

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2014

240 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit dem goldenen Colt“

Wikipedia über „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Unser Fluss…unser Himmel“, unsere Stadt Bagdad

Juli 6, 2023

Gehen oder bleiben? Das fragen sich in Maysoon Pachachis „Unser Fluss…unser Himmel“ viele der im Film gezeigten Figuren. Ende 2006, nach der US-Invasion und dem Sturz von Saddam Hussein, ist die Situation in der Damals-Fünf-Millionstadt Bagdad immer noch unruhig. Straßenblockaden, Bombenanschläge, Hass, Gewalt, Intoleranz und die alltäglichen Probleme des Überlebens in einer Stadt, in der eigentlich nichts funktioniert bestimmen das Leben der dort lebenden Iraker. Pachachi begleitet in ihrer „Short Cuts“-Variante einige von ihnen einige Tage.

Zum Beispiel Sara, eine Schriftstellerin mit Schreibblockade. Die warmherzige Mutter fragt sich, ob sie mit ihrer Tochter die Stadt verlassen soll. Aber ihrer Tochter Reema scheint mit diesem Leben keine Probleme zu haben. Sie kennt auch kein anderes Leben. Um sie herum gruppieren sich andere Figuren, wie eine ehemalige Schauspielerin und Christin, ein ehemaliger iranischer Kriegsgefangener und seine schwangere Frau, eine sich mit Musik und Mode ablenkende Studentin und ein Beamter, der sich fragt, ob er sich bestechen lassen oder die Stadt verlassen soll.

Pachachi und ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori erzählen viele kleine, in einem Stadtviertel spielende Geschichten zwischen Alltag und Alltag. Oft ohne einen richtigen Anfang und ohne ein richtiges Ende. Sie konzentrieren sich auf den Alltag der kleinen Leute. Niemand von ihnen wird den Lauf der Geschichte ändern, aber Geschichte wird nie ohne sie gemacht.

Aus diesen Vignetten entsteht das zurückhaltend inszenierte Bild einer Stadt und eines Landes im Schwebezustand.

Unser Fluss…unser Himmel“ ist der erste international produzierte Spielfilm einer irakischstämmigen Regisseurin. Die in London lebende Maysoon Pachachi studierte Philosophie am University College London und Film an der London Film School. Seit fast dreißig Jahren arbeitet sie als unabhängige Dokumentarfilmregisseurin. Viele ihrer Dokumentarfilme, wie „Iranian Journey“ (1999) und „Return to the Land of Wonders“ (2004; ihr Film über ihre Rückkehr nach Bagdad nach über 35 Jahren), beschäftigen sich mit dem Mittleren Osten.

Ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori lehrt am College of Mass Communication der Universität Bagdad und sie ist Schriftstellerin. Sie veröffentlichte bereits einen Roman und mehrere Sammlungen mit Kurzgeschichten. Die beiden Frauen trafen sich 2006/2007 bei dem partizipativen Photoprojekt „Open Shutters Iraq“, in dem Frauen aus fünf irakischen Städten für eine Ausstellung, einen Bildband und einen Dokumentarfilm Bildgeschichten über ihr Leben erstellten. Al-Jubori war die irakische Projektmanagerin. Pachachi drehte den Dokumentarfilm „Our Feelings took the Pictures“ über das Projekt. 2011 schrieben Pachachi und Al-Jubori die erste Fassung des Drehbuch von „Unser Fluss…unser Himmel“. 2012 erhielt es beim Dubai International Film Festival den mit 100.000 US-Dollar dotierten IWC Schaffhausen Gulf Filmmaker Award. Die Dreharbeiten waren 2019 im Irak in den Großstädten Bagdad und Sulaimaniyya. Die Premiere des Films war 2021 auf dem Sarajevo Filmfestival.

Unser Fluss…unser Himmel (Our River… Our Sky [Internationaler Titel], Frankreich/Großbritannien/Deutschland/Kuwait/Vereinigte Arabische Emirate/Katar 2021)

Regie: Maysoon Pachachi

Drehbuch: Maysoon Pachachi, Irada Al-Jubori

mit Darina Al Joundi, Zainab Joda, Basim Hajar, Labwa Arab, Amed Hashimi, Meriam Abbas, Mahmoud Abo Al Abbas, Badia Obaid, Zaydun Khalaf, Suzan Muneam, Sami Al-Ali, Siham Mustafa, Kholod Mohamad, Ali El Kareem, Kameran Raoof, Mustafa Mohammed, Muslem Hassoun

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der arabische Titel ist „Kulshi Makoo“.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Unser Fluss…unser Himmel“

Moviepilot über „Unser Fluss…unser Himmel“

Rotten Tomatoes über „Unser Fluss…unser Himmel“


TV-Tipp für den 6. Juli: Robin Hood

Juli 5, 2023

ZDFneo, 23.00

Robin Hood (Robin Hood, USA/Großbritannien 2010)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

Ridley Scotts Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Robin Hood.

mit Russell Crowe, Cate Blanchett, William Hurt, Max von Sydow, Matthew MacFadyen, Mark Strong, Oscar Isaac, Léa Seydoux, Scott Grimes, Danny Huston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Robin Hood“

Wikipedia über „Robin Hood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Fabelhaft, „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Juli 5, 2023

Madeleine Verdier und Pauline Mauléon leben zusammen in einer Ein-Zimmer-Absteige, die nur in Spielfilmen eine gewissen Wohnlichkeit verkörpert. Madeleine ist eine unbekannte Schauspielerin auf der Suche nach irgendeiner, auch noch so kleinen Rolle. Pauline ist eine Anwältin auf der Suche nach ihrem ersten Mandanten. Beide sind jung, wollen im Paris der dreißiger Jahre das Leben genießen und sie brauchen jeden Pfennig. Zum Beispiel um die seit Monaten überfällige Miete bei ihrem Vermieter zu zahlen. Denn so langsam können sie ihn mit ihrem Aussehen und Charme nicht mehr zu einer weiteren Stundung überreden.

Deshalb kommt ihnen der Tod des einflussreichen Theaterproduzenten zupass. Madeleine war für einen Vorsprechtermin in der Villa des Produzenten, der jedes Klischee des fetten, schleimigen und sexgierigen Kapitalisten verkörpert. Das Vorsprechen lief schnell aus dem Ruder – und jetzt hält die Polizei sie für die Mörderin des Theatermannes.

Nach polizeilichen Verhören und einem Gespräch mit ihrer Mitbewohnerin gesteht Madeleine die Tat. Sie hat ihn zwar nicht getötet, aber gemeinsam wollen sie den Mord als Booster für ihre Karriere als Schauspielerin und Anwältin benutzen. Sie machen die Gerichtsverhandlung zum Medienzirkus. Sie stellen die Tat als Notwehr gegen einen übergriffigen Mann da. Und nach dem Freispruch könnte es für sie nicht besser aussehen. Die eine steigt als Schauspielerin, die andere als Anwältin auf. Die gut betuchten, heiratswilligen Männer stehen Schlange.

Dummerweise taucht in dem Moment Odette Chaumette (Isabelle Huppert, gewohnt grandios) auf. Der Stummfilmstar beherrscht immer noch den großen Auftritt. Nur die Filmrollen dafür gibt es nicht mehr. Jetzt fordert sie von Madeleine und Pauline ihren Anteil. Denn sie ist die Mörderin. Und sie könnte die Tat gestehen.

Immer noch liegt François Ozons Arbeitstempo irgendwo zwischen Claude Chabrol und Rainer Werner Fassbinder. Ein Film pro Jahr ist normal. Dabei ist er witziger als Fassbinder und er betrachtet seine Figuren liebevoller als Chabrol. Und er verfilmt öfter Theaterstücke, die er so bearbeitet, dass sie am Ende nicht wie Theaterstücke wirken. Auch sein neuester Film basiert auf einem Theaterstück, das er frei interpretiert und zu einer gleichzeitig zeitgenössischen und traditionsbewussten Screwball-Comedy macht.

Nach mehreren ernsten Filmen, – auch sein vorheriger Film, die gelungene Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage „Peter von Kant“, war letztendlich ziemlich ernst -, hat François Ozon jetzt wieder eine waschechte Komödie gedreht, die, so Ozon, als Abschluss einer Trilogie über den Status der Frau mithilfe von Humor und Glamour gesehen werden könne. Die beiden vorherigen Filme dieser sehr losen Trilogie waren „8 Frauen“ (ebenfalls mit Isabelle Huppert) und „Das Schmuckstück“.

Mein fabelhaftes Verbrechen“ ist eine in den Dreißigern spielende Screwball-Comedy, in der Tempo alles ist. Die Pointen folgen atemberaubend schnell aufeinander. Die Dialoge sind scharfzüngig und voller Anspielungen. Die Geschichte hat zahlreiche temberaubende und überraschende Wendungen. Sie sind wenig vorhersehbarer, aber letztendlich schlüssig. Schließlich verhalten sich alle Figuren in dem Stück, wenn sie von dem Mord profitieren wollen, überaus eigennützig. Vor allem die Männer sind nicht besonders intelligent, dafür aber eitel. Wobei Madame Chaumette als vollendete Diva mit ausladenden Kleidern und Gehabe auch ziemlich eitel ist.

Als Inspiration benutzte Ozon das 1934 entstandene, zweimal von Hollywood verfilmte Theaterstück „Mon Crime“ von Georges Berr und Louis Verneuil. Ozon modernisierte es so gelungen, dass „Mein fabelhaftes Verbrechen“ trotz Modernisierungen in jeder Sekunde wie ein zu Unrecht vergessenes altes Stück wirkt. Schließlich waren in den klassischen Screwball-Comedies die Frauen für die damalige Zeit sehr emanzipiert. In diesem Kosmos fallen zwei, später drei selbstbewusste Frauen, die sich von den Männern nichts vorschreiben lassen, nicht weiter auf.

Ein fabelhafter Spaß.

Mein fabelhaftes Verbrechen (Mon Crime, Frankreich 2023)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, (in Zusammenarbeit mit) Philippe Piazzo

LV: Georges Berr, Louis Verneuil: Mon Crime, 1934 (Theaterstück)

mit Nadia Tereszkiewicz, Rebecca Marder, Isabelle Huppert, Dany Boon, Fabrice Luchini, André Dussollier, Édouard Sulpice, Régis Laspalès, Olivier Broche

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

AlloCiné über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Rotten Tomatoes über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Wikipedia über „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)


TV-Tipp für den 5. Juli: Der Soldat James Ryan

Juli 4, 2023

Kabel 1, 20.15

Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, USA 1998)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Robert Rodat

1944, nach der Landung der Allierten in der Normandie, wird US-Captain Miller mit einigen Männern losgeschickt. Sie sollen den titelgebenden Soldaten James Ryan finden und nach Hause schicken. Dummerweise weiß niemand, wo er ist.

Packender Kriegsfilm von Steven Spielberg. Auch wenn er letztendlich nur die Geschichte vom tapferen Soldaten erzählt.

Mit Tom Hanks, Edward Burns, Tom Sizemore, Matt Damon, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribisi, Jeremy Davis, Ted Danson, Bryan Cranston, Paul Giamatti

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Soldat James Ryan“

Wikipedia über „Der Soldat James Ryan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juli: Aviator

Juli 2, 2023

Arte, 20.15

Aviator (The Aviator, USA 2004)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: John Logan

Biopic über den Multimillionär Howard Hughes und sein Leben in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gut gespielt, liebevoll ausgestattet, straff erzählt mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Porträtierten, aber von Scorsese erwarte ich mehr.

Denn letztendlich ist „Aviator“ Ausstattungskino.

Danach, um 22.55 Uhr, zeigt Arte die gut einstündige Doku „Leonardo DiCaprio: Most Wanted!“ (Frankreich/Deutschland 2020).

Die neueste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, „Killers of the Flower Moon“, soll ab dem 19. Oktober in unseren Kinos laufen.

Mit Leonardo DiCaprio, Cate Blancett, Kate Beckinsale, John C. Reilly, Alan Alda, Jude Law, Alec Baldwin, Alan Alda, Ian Holm, Danny Huston, Gwen Stefani, Willem Dafoe

Wiederholung: Donnerstag, 6. Juli, 13.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aviator“

Wikipedia über „Aviator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juli: Die Farbe Lila

Juli 1, 2023

Arte, 20.15

Die Farbe Lila (The Color Purple, USA 1985)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Menno Meyjes

LV: Alice Walker: The Color Purple, 1982 (Die Farbe Lila)

Steven Spielbergs Verfilmung von Alice Walkers mit dem m American Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Briefroman. Erzählt wird die Geschichte der Schwarzen Celie (Whoopi Goldberg, Debüt). Sie wird um die Jahrhundertwende geboren, wächst arm auf, wird vom Stiefvater geschwängert, von ihrem Mann missbraucht und erfährt von einer Bluessängerin, wie frau sich gegen übergriffige Männer wehrt.

Damals kam Spielbergs erster ‚ernster‘ Film bei der Kritik nicht allzugut an. Zum Beispiel: „Es ist, als habe ein Regisseur sich aufgemacht, ein zweites ‚Vom Winde verweht‘ zu drehen.“ (Fischer Film Almanach 1987) Oder „Ein überinszeniertes, stark manipulatives Drama (…) kein großartiger Film.“ (Variety). Und ein Kassenerfolg wie seine vorherigen Filme „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ oder „E. T. – Der Außerirdische“ war das zweieinhalbstündige Drama auch nicht.

Aus heutiger Sicht fällt auch auf, wie konventionell, harmlos und vorsichtig alles ist. Heute würde man das so nicht mehr inszenieren.

Aber damals war Spielberg der einzige Regisseur, der ein so großes Budget für einen Film erhielt, in dem alle wichtigen Rollen von Schwarzen gespielt wurden und den Film dann für ein weißes Mainstream-Publikum annehmbar zu machen.

Niemand konnte ihm jetzt noch vorwerfen, er könne nicht mit schweren Stoffen umgehen. In gewisser Weise war ‚Die Farbe Lila‘ der Anfang seiner Entwicklung zu einem kompletteren Filmemacher.“ (Richard Schickel: Steven Spielberg: Seine Filme, sein Leben, 2012)

mit Danny Glover, Whoopi Goldberg, Margaret Avery, Oprah Winfrey, Willard Pugh, Akosua Busia, Desreta Jackson, Rae Dawn Chong

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Farbe Lila“

Wikipedia über „Die Farbe Lila“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Im Januar 2024 startet in Deutschland das Musical-Remake


Neu im Kino/Filmkritik: Berlinale-Preisträger: Estibaliz Urresola Solagurens „20.000 Arten von Bienen“

Juli 1, 2023

Berlinale 2023: Silberner Bär für Beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle: Sofía Otero

Der achtjährige Aitor möchte nicht mehr mit seinem Geburtsnamen angesprochen werden. Er bevorzugt Cocó und hat mädchenhaft lange Haare. Aber auch dieser Name gefällt ihm nicht so richtig. Als er mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern zu einem längeren Urlaub ins Baskenland zu ihrer Großmutter fährt, hat er einen Sommer lang Zeit, sich über seine Identität Gedanken zu machen.

Besonders gut kommt er dabei mit seiner Großmutter und, vor allem, seiner Tante, ihren Bienen und seinem Bruder aus. Seine verständnisvolle Mutter ist dagegen vor allem mit dem Erstellen einer Skulptur (die wir niemals sehen) für eine Bewerbung auf eine Arbeitsstelle, die ihr wohl nicht so wichtig ist, beschäftigt.

Estibaliz Urresola Solaguren erzählt in ihrem Spielfilmdebüt von Cocós Suche nach dem richtigen Namen für sich. Das erzählt sie äußerst feinfühlig, aber auch ohne nennenswerte Konflikte. Ihre Geschwister, ihre Mutter, ihr Vater (der nicht mitkommen konnte und erst am Ende bei einer Familienfeier wieder dabei ist) und ihre Großmutter akzeptieren und unterstützen Cocós Identitätssuche ohne größere Diskussionen.

Etwaige Probleme zwischen den einzelnen Familienmitgliedern werden nur gestreift, aber nie vertieft. Die Dorfbewohner, vor allem Cocós gleichaltrige Spielkameraden, sind nur eine Randnotiz. Figuren, wie Cocós ältere Schwester und ihre Mutter, verschwinden immer wieder über weite Strecken des Films. Cocós erste Begegnung mit den titelgebenden Bienen erfolgt erst ziemlich spät im Film und bleibt, von der Filmzeit, ein Nebenschauplatz.

Das macht „20.000 Arten von Bienen“ zu einem dieser ohne eine nennenswerte Spannungskurve vor sich hinplätschernden „ein Sommer auf dem Land bei den Großeltern“-Filmen, die es früher öfter aus Frankreich gab und natürlich immer auch ein Familienporträt sind.

Die neunjährige Sofía Otero, die Cocó spielt, ist die bislang jüngste Preisträgerin in der Geschichte der Berlinale.

20.000 Arten von Bienen (20.000 Especies de Abejas, Spanien/Frankreich 2023)

Regie: Estibaliz Urresola Solaguren

Drehbuch: Estibaliz Urresola Solaguren

mit Sofía Otero, Patricia López Arnaiz, Ane Gabarain, Itziar Lazkano, Martxelo Rubio, Sara Cózar, Unax Hayden, Andere Garabieta, Miguel Garcés

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahrre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „20.000 Arten von Bienen“

Metacritic über „20.000 Arten von Bienen“

Rotten Tomatoes über „20.000 Arten von Bienen“

Wikipedia über „20.000 Arten von Bienen“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „20.000 Arten von Bienen“


Neu im Kino/Filmkritik: Berlinale-Preisträger: Kamila Andinis „Before, Now & Then“

Juli 1, 2023

Berlinale 2022: Silberner Bär für Beste Nebendarstellerin: Laura Basuki

Das hat jetzt, zwischen Berlinale-Premiere und Kinostart, einige Monate gedauert und ob sich das Warten in diesem Fall gelohnt hat, liegt im Auge des Betrachters. Wer nämlich so ein richtiges politisch gesättigtes Historiendrama mit einer oder mehreren Liebesgeschichten erwartet, wird enttäuscht sein. Die Filmgeschichte würde zwar für so einen Film taugen, aber „Before, Now & Then“ ist dieser Film nicht.

Kamila Andinis neuer Film spielt in Indonesien in den sechziger Jahren. Damals putschte General Suharto sich an die Macht. Nana lebt als Frau eines wohlhabenden Sudanesen auf einem anscheinend abgelegen gelegenem Landhaus ein, auf den ersten Blick, gutes Leben. Trotzdem lässt sie die Erinnerung an den gewaltsamen Tod ihres Vaters und an ihren ersten Mann, der vor Jahren verschleppt wurde,und nicht los. Eines Tages taucht er wieder auf.

Andini („Yuni“) macht aus dieser Geschichte ein Slow-Cinema-Werk, das ganz von seinen atmosphärischen, präzise komponierten Bildern, den langen statischen Einstellungen und der hypnotisierenden Minimal-Music von Ricky Lionardi lebt. Sie zeigt schöne Menschen, die in schöner Umgebung zu schöner Musik, fast nichts tun. Vieles wird nur zart angedeutet und bleibt offen für Interpretationen. So lädt der Film zum Entspannen, zum Meditieren und damit zum Abschweifen ein.

Die politischen Hintergründe, die damit verbundenen Konflikte, die Traditionen und herrschenden gesellschaftlichen Regeln, die im Hintergrund immer erahnbar sind, erschließen sich dagegen wahrscheinlich nur Einheimischen oder Menschen, die Indonesiens Nachkriegsgeschichte kennen. Für alle anderen bleiben, wie gesagt, die Bilder und die Musik.

Before, Now & Then (Nana, Indonesien 2022)

Regie: Kamila Andini

Drehbuch: Kamila Andini, Ahda Imran

mit Happy Salma, Rieke Diah Pitaloka, Laura Basuki, Chempa Puteri, Arswendy Bening Swara, Arawindi Kirana, Ibnu Jamil

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Before, Now & Then“

Metacritic über „Before, Now & Then“

Rotten Tomatoes über „Before, Now & Then“

Wikipedia über „Before, Now & Then“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Before, Now & Then“


TV-Tipp für den 1. Juli: Tom of Finland

Juni 30, 2023

One, 21.40

Tom of Finland (Tom of Finland, Finnland 2017)

Regie: Dome Karukoski

Drehbuch: Aleksi Bardy

TV-Premiere. Seine Bilder von ziemlich nackten, muskelbepackten Männern in Leder und Uniform dürften immer noch allgemein bekannt sein. Aber wer zeichnete diese homoerotischen Bilder? Dome Karukoski erzählt in seinem inszenatorich konventionellem, dennoch sehr, sehr sehenswertem Biopic die Geschichte von Tom of Finland, bürgerlich Touku Laaksonen (1920 – 1991).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Pekka Strang, Lauri Tilkanen, Jessica Grabowsky, Seumas Sargent, Jakob Oftebro

Wiederholung: Montag, 3. Juli, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Tom of Finland“

Metacritic über „Tom of Finland“

Rotten Tomatoes über „Tom of Finland“

Wikipedia über „Tom of Finland“ (deutsch, englisch) und Tom of Finland (deutsch, englisch)

epd Film: Kurzes Interview mit Dome Karukoski über seinen Film

Meine Besprechung von Dome Karukoskis „Tom of Finland“ (Tom of Finland, Finnland 2017)

Meine Besprechung von Dome Karukoskis „Tolkien“ (Tolkien, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den DreamWorks-Animationsfilm „Ruby taucht ab“

Juni 30, 2023

Als Ruby Gillman ins Wasser springt, um ihren Klassenkameraden Connor vor dem Ertrinken zu retten, entdeckt sie, dass sie kein Mensch, sondern eine Seekrake ist, die sich als Mensch tarnt. Das haben ihre Eltern ihr bislang verschwiegen. Aber die panische Angst ihrer Mutter, dass Ruby mit Meereswasser in Kontakt gerät, ist nun verständlich. Außerdem ist Rubys Mutter keine normale Seekrake, sondern die Tochter der Kriegerkönigin der sieben Meere. Als Seekrake lernt Ruby schnell ihre Großmutter und ihr Schicksal als Thronfolgerin kennen. Sie wird auch schnell in den schon seit Ewigkeiten existierenden Konflikt zwischen den (guten) Seekraken und den (bösen) Meerjungfrauen hineingezogen.

Dabei ahnt sie in dem Moment noch nicht, dass die neue, schnell in der Oeanside High-School überaus beliebte Mitschülerin Chelsea Van Der Zee eine Meerjungfrau ist, die sie manipuliert.

Während der Abschlussfeier, die auf einem Boot stattfindet, eskaliert der Konflikt. Auf dem Boot sind neben Rubys besten Freundinnen auch ihr großer Schwarm Connor, ein obercooler Skater, den sie schüchtern anhimmelt und bei den Matheaufgaben hilft. Denn im Gegensatz zu Ruby ist Connor in Mathe eine Niete.

Der neue DreamWorks-Animationsfilm „Ruby taucht ab“ kann als eine Variation und, vor allem, ein Gegenentwurf zu „Arielle die Meerjungfrau“ gesehen werden. Wie in Arielle verliebt sich in „Ruby taucht ab“ eine, uh, Meerjungfrau in einen Landjungen (kein tapferer Prinz, sondern ein entspannt-cooler Skater) und sie muss gegen eine böse Meerhexe kämpfen. Aber während Disney in ihrer kürzlich gestarteten überlangen Realverfilmung vor allem alte Geschlechterklischees wiederholen, interpretieren Regisseur Kirk DeMicco („Die Croods“) und Co-Regisseurin Faryn Pearl in „Ruby taucht ab“ die Geschlechterverhältnisse modern. Sie verändern auch die Zuschreibung von „gut“ und „böse“. Bei ihnen sind die Meerjungfrauen böse, die Kraken gut. Ihre Geschichte spielt in der Gegenwart. Rubys Mutter verdient als Häusermaklerin das Geld, während ihr Vater entspannt abhängt und sich um die Kinder kümmert. Ihr großer Schwarm ist kein Prinz, sondern einfach nur der coole Typ aus der Schule, dem sie helfen muss. Und, schließlich sind Vorurteile und der Umgang mit ihnen ein wichtiges Thema des Films, gibt es einen alten Seebären, der jetzt Vergnügungsschiffe fährt. Sein Leben hat er der lautstarken Aufklärung über die Verbrechen der Seekraken gewidmet.

Insgesamt ist „Ruby taucht ab“ ein netter, witziger Abenteuerfilm mit einer für Erwachsene arg vorhersehbaren Geschichte und einer für Kinder angenehm kurzen Laufzeit. Und sie sind das Zielpublikum des Films.

Ruby taucht ab (Ruby Gillman, Teenage Kraken, USA 2023)

Regie: Kirk DeMicco, Faryn Pearl (Co-Regie)

Drehbuch: Pam Brady, Brian C. Brown, Elliott DiGuiseppi

mit (im Original den Stimmen von) Lana Condor, Toni Collette, Annie Murphy, Sam Richardson, Liza Koshy, Will Forte, Colman Domingo, Jane Fonda

(in der deutschen Synchronisation den Stimmen von) Patricia Carlucci, Katrin Fröhlich, Yvonne Greitzke, Tobias Schmidt

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ruby taucht ab“

Metacritic über „Ruby taucht ab“

Rotten Tomatoes über „Ruby taucht ab“

Wikipedia über „Ruby taucht ab“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. Juni: James Bond 007: Diamantenfieber

Juni 29, 2023

Pro 7, 20.15

JAMES BOND: Diamantenfieber (Diamonds are forever, Großbritannien 1971)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: Diamonds are forever, 1956 (Diamantenfieber)

Eigentlich soll Bond nur einen Juwelenraub untersuchen. Aber Erzfeind Blofeld (schon wieder mit neuen Gesicht: Charles Gray) hat seine Finger drin.

Sean Connery kehrte für eine damals unglaublich hohe Summe zurück und spendete das Geld dem Scottish International Education Trust.

„Diamantenfieber“ ist insgesamt ein ziemlich lahmer Bond, bei dem nur die Autoverfolgungsjagd in Las Vegas in die Historie einging. Dreiundfünfzig Autos wurden geschrottet. Und die schwulen Killer Mr. Wint (Bruce Glover) und Mr. Kidd (Putter Smith) sind köstlich.

Danach kämpft James Bond weiter gegen Blofeld. Um 22.55 Uhr in „Man lebt nur zweimal“ und um 01.15 Uhr in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“.

mit Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Bruce Glover, Putter Smith

Die aktuell erhältlliche Übersetzung

Ian Fleming: Diamantenfieber

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

336 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Diamantenfieber“

Wikipedia über „Diamantenfieber“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte