Am Abend aller Tage (Deutschland 2017, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Markus Busch
Der Jurist und Kunstkenner Philipp Keyser wird von einer Gruppe namenloser Senioren beauftragt, das verschollene Gemälde „Berufung der Salome“ des Expressionisten Ludwig Glaeden besorgen. Es soll sich in der Münchner Villa des menschenscheuen Sammlers Magnus Dutt befinden.
Sehr lose inspiriert vom wahren Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt und der bei ihm gefundenen Raubkunstgemälde inszenierte Dominik Graf ein Thrillerdrama, in dem es auch um die Frage geht, wem Kunst gehört. Und natürlich um das Kino
mit Friedrich Mücke, Victoria Sordo, Ernst Jacobi, Emma Jane, Hildegard Schmahl
LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)
Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die danach folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.
Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein Rockmusiker, der immer noch große Hallen füllt. Seine Musik geht, entsprechend seinem Alter, so in Richtung poppig-schrammeliger Grunge mit seltenen Country-Anwandlungen. Eines Abends entdeckt der Alkoholiker nach einem Konzert in einer Drag-Bar die vollkommen unbekannte Sängerin Ally (Lady Gaga). Er verbringt die Nacht mit ihr, verliebt sich in sie und lädt sie zu seinem nächsten Konzert ein. Backstage. Mit einem gemeinsamen Song auf der Bühne. Sie verlieben sich ineinander. Er fördert sie. Sie, die nie vor mehr als einem Dutzend Menschen auftrat, ist zuerst überwältigt von den Reaktionen des Publikums. Tausende jubeln ihr zu. YouTube-Aufnahmen von ihrem Kurzauftritt gehen viral. Schnell beginnt sie ihre erste CD aufzunehmen, während ihr Produzent bereits das allumfassende TV- und Tourpaket schnürt und so den nächsten Pop-Star aufbaut.
Währenddessen versinkt Maine immer mehr im Drogensumpf.
Und wer eine der vier vorherigen Versionen der Geschichte kennt, kennt auch ihr Ende. Am bekanntesten dürfte die 1976er Version von Frank Pierson mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand sein. Der Film, der die Geschichte aus Hollywood ins Musikbusiness verlegte, war ein kommerzieller Erfolg. Die Songs Hits. Die Kritik, wie ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt, war nicht begeistert.
Die älteren Versionen – „What Price Hollywood?“ (USA 1932, Regie: George Cukor), „Ein Stern geht auf“ (A Star is born, USA 1937, Regie: William A. Wellman) und „Ein neuer Stern am Himmel“ (A Star is born, USA 1954, Regie: George Cukor) – dürfte heute niemand mehr kennen.
In seinem Regiedebüt knüpft Bradley Cooper an Piersons Werk an. Und zwar so sehr, dass ich ständig Barbara Streisand und Kris Kristofferson vor mir sah. Auch wenn ich von Piersons Film nur das bekannte Plakatbild mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand vor einer bis zum letzten Platz gefüllten Freilichtbühne kenne. Weil der Film seit Ewigkeiten, – falls überhaupt -, nicht mehr im Fernsehen gezeigt wurde, dürften die meisten Piersons Film ebenfalls nicht kennen oder nur noch eine vage Erinnerung an ihn haben. Denn nicht jeder kauft sich DVDs.
Mit seinem Aussehen – Vollbart, lange, zottelige Haare – betont Cooper die Ähnlichkeit zwischen ihm und Kristofferson. Lady Gaga weist ständig auf ihre Nase hin und dass mit so einer Nase eine Karriere im Musikbusiness ausgeschlossen sei. Ihre Nase ist allerdings, trotz aller penetrant-inszenatorischer Bemühungen, nie so beeindruckend wie Barbara Streisands markant-legendäre Nase.
Das oberflächlich porträtierte Musik-Business erinnert auch mehr an die siebziger Jahre als an die Gegenwart.
Coopers pseudo-dokumentarische Inszenierung knüpft an das New-Hollywood-Kino der siebziger Jahre an. Wobei Cooper einen Hang zu Nahaufnahmen hat, die in ihrer Geballtheit auf der großen Leinwand dann doch etwas störend sind. Das ist nicht schlecht, aber insgesamt so retro, dass sich die Frage nach dem Grund für das aktuelle Remake der Geschichte von „A Star is born“ stellt.
Auf der musikalischen Ebene punktet Lady Gaga, die hier, mehr oder weniger sich selbst spielend, auch als Schauspielerin überzeugt. Wenn sie beginnt zu singen, kommt die Kamera zur Ruhe. Sie verharrt auf der Sängerin, umkreist sie liebevoll und zeigt sie gleichzeitig singend und Klavier spielend. Einen ganz Song lang. Und dann noch einen ganzen Song.
Auch Bradley Cooper sang seine Songs live. Begleitet wird er meistens von Lukas Nelson & Promise of the Real. Ein größeres Publikum kennt die Rockband als eine aktuelle Begleitband von Neil Young. Im Gegensatz zu den fast ungeschnittenen Auftritten von Lady Gaga (jaja, Ally im Film) wird bei Coopers Auftritten als Jackson Maine häufig geschnitten, die Kamera wackelt rockig und meistens ist sie hinter ihm positioniert oder nimmt sein Gesicht in extremer Nahaufnahme auf. Das alles zeigt weniger Maines drogenumnebelten Zustand, sondern dient mehr der Verschleierung von Coopers begrenzten musikalischen Fähigkeiten.
Die Story selbst ist eine oberflächliche Schmonzette aus dem Showmilieu, die uns nichts über das Showgeschäft verrät, was wir nicht schon aus einer Vorabendserie kennen. Über die Probleme, mit einem Süchtigen zusammen zu leben, erfahren wir auch nichts substantielles. Dafür darf das Liebespaar ausführlich miteinander knutschen.
Wem das genügt, der kann mit „A Star is born“ über zwei Stunden verbringen.
A Star is born (A Star is born, USA 2018)
Regie: Bradley Cooper
Drehbuch: Eric Roth, Bradley Cooper, Will Fetters (basierend auf dem Drehbuch von 1954 von Moss Hart, basierend auf dem Drehbuch von 1976 von John Gregory Dunne, Joan Didion und Frank Pierson, basierend auf einer Geschichte von William Wellman und Robert Carson)
mit Bradley Cooper, Lady Gaga, Andrew Dice Clay, Dave Chapelle, Sam Elliott, Rafi Gavron, Anthony Ramos, Alec Baldwin, Ron Rifkin, Don Was
Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)
LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959
Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.
Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.
Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour
Drehbuch: Herman Miller, Dean Reisner, Howard Rodman (nach einer Story von Herman Miller)
Ein Sheriff aus Arizona verfolgt in New York einen flüchtigen Mörder.
Die erste Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood ist eine Vorstudie für „Dirty Harry“ und war der beginn einer jahrelangen Freundschaft. Der Film kam beim Publikum gut an, aber ich stimme Richard Schickel zu: „Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, (…) dass es sich um einen verworrenen und im Ton vergriffenen Film handelt, der nie sein eigentliches Ziel findet, sondern von Schlüsselszene zu Schlüsselszene wandert – beziehungsweise kriecht.“ (Clint Eastwood – Eine Biographie)
„Coogans großer Bluff“ war auch das Vorbild für die TV-Serie „Ein Sheriff in New York“ (McCloud, mit Dennis Weaver).
mit Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Seymour Cassel
Unabhängig von dem, was ich gleich über Florian Henckel von Donnersmarcks neuen Film „Werk ohne Autor“ schreiben werde, muss ich eins klarstellen: die über drei Stunden, die der Film dauert, vergingen schnell. Ich musste nicht gegen den Schlaf kämpfen, rutschte nicht unruhig im Kinosessel herum und biss nicht die vordere Sesselreihe durch. Das gelingt nicht jedem Film. Vor allem nicht über eine so epische Laufzeit hinweg.
Aber die Entscheidung von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ in das Rennen um den Auslandsoscar zu schicken, verstehe ich nicht. Zur Auswahl standen auch „Transit“, „Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Der Hauptmann“. Alles interessante Filme, die nicht so hemmungslos auf einen Oscar schielen wie „Werk ohne Autor“. Und gegen unseren letztjährigen Oscarbewerber, Fatih Akins „Aus dem Nichts“, ist „Werk ohne Autor“ langweiliges, bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.
Das Vorbild für Kurt Barnert ist Gerhard Richter
Bevor von Donnersmarck das Drehbuch schrieb, konnte er sich einen Monat mit Richter unterhalten und ihn begleiten. Er hätte also genug Material für ein Biopic gehabt. Aber er entschloss sich zur fiktionalisierten Version, in der Kenner des Lebens und Werks von Richter ihn immer erkennen. Aber im Detail ist unklar, ob die Szene erfunden oder wahr ist. Auch andere Charaktere, die auf wahren Personen basieren, haben im Film andere Namen. So heißt Joseph Beuys im Film Antonius van Verten und Oliver Masucci zeigt wieder einmal sein Talent. Auch die anderen Schauspieler überzeugen.
Wer sich mit der deutschen Kunstgeschichte nicht so auskennt, kann die Informationen im Film wie ein Schwamm aufsaugen und sie dann irgendwann kleinteilig mit der Wirklichkeit vergleichen.
Das erste Mal begegnen wir Kurt Barnert als er 1937 mit seiner Tante Elisabeth in Dresden die Ausstellung „Entartete Kunst“ besucht und, wie in einem Brennglas, alle wichtigen Themen des Films angesprochen werden.
In den folgenden drei Stunden erzählt von Donnersmarck dann Barnerts Leben bis zu seiner ersten großen Ausstellung 1966 in der Kunsthalle Wuppertal, wo Barnert Probleme hat, sein Werk zu erklären. Das tut dann ein Journalist, vor dem Portrait von Tante Elisabeth stehend, für eine TV-Reportage: „Zufällig gewählte Illustriertenbilder, Passfotos vom Automaten, beliebige Schnappschüsse aus Familienalben – alles unscharf abgemalt. Mit solchen Bildern, die aus unerklärlichen Gründen eine echte Kraft besitzen, scheint sich Kurt Barnert zum führenden Künstler seiner Generation zu entwickeln – und das mit der totgewähnten Malerei! Aber wie viele in seiner Generation hat er nichts zu erzählen, nichts zu sagen, löst sich von jeder Tradition, verabschiedet sich vom biographischen Ansatz in der Kunst und schafft so zum ersten Mal in der Kunstgeschichte…ein Werk ohne Autor.“
Der Film verästelt sich, nimmt sich Zeit für Abschweifungen und zeigt einiges ausführlicher als nötig, während Barnert eher passiv ist. Er ist nicht der Künstler, der bereits seine Sprache gefunden hat und der fanatisch ein Projekt verfolgt. In der DDR malt er akribisch ein Wandfresko. In Düsseldorf experimentiert er. Wie die anderen Studenten. Dabei wirkt Barnerts Experimentieren nicht wie die Suche nach einer eigenen Sprache, sondern wie das Erfüllen des Pflichtprogramms.
Neben Barnerts Geschichte erzählt von Donnersmarck auch die Geschichte von Tante Elisabeth, die psychisch gestört ist und von ihrem Arzt, Professor Carl Seeband, in den Tod geschickt wird. Er erzählt auch Seebands Geschichte, dem es immer gelingt, zur herrschenden Klasse der verschiedenen Systeme zu gehören und der sich immer wieder in das Leben seiner Tochter einmischt. Denn für ihn ist ein Künstler kein Mann für seine Tochter.
Und immer wieder gelingen von Donnersmarck einprägsame Szenen. Teils, wenn die Busfahrer auf dem Busbahnhof auf Bitten von Tante Elisabeth hupen und sie „hebt die Arme wie in Ekstase, lässt die Erschütterung des tiefen Hornklangs durch sich wogen. Musikerlebnis der extremen Art.“ (Drehbuch), als Überwältigungskino. Teils dank der Schauspieler und dem Inhalt der Szene.
„Werk ohne Autor“ ist allerdings auch ein strikt chronologisch erzählter Film, der weder Fisch noch Fleisch ist. Er ist kein straffer Zwei-Stundenkinofilm, der einen Konflikt zuspitzt. Er ist auch keine vier- oder sechsstündige Mini-TV-Serie, in der verschiedene Plots nebeneinander her laufen können ohne sich jemals zu kreuzen. Wobei von Donnersmarck sich eher für die das bildungsbürgerliche Publikum ansprechende Mini-TV-Serie interessiert, die allerdings zu lang für einen Kinobesuch wäre.
Und so ist die Szene, die visualisiert, warum von Donnersmarck den Film drehte und die in einem Zwei-Stundenfilm die große Szene, auf die alles hinausläuft, wäre, komplett verschenkt.
Die Inspiration für „Werk ohne Autor“ war ein vor etwa zehn geführtes Interview, bei dem der Interviewer, „Tagesspiegel“-Reporter Jürgen Schreiber, von Donnersmarck erzählte, er habe gerade eine Biographie über Gerhard Richter geschrieben. Die Inspiration dazu war seine Tagesspiegel-Reportage über Richter, in der er enthüllte, dass Richters Tante Marianne Schönfelder (verewigt in dem Portrait „Tante Marianne“) von NS-Ärzten umgebracht wurde und dass Richters Schwiegervater, Prof. Dr. Heinrich Eufinger, als SS-Obersturmbannführer bei der Sterilisierung geistig Behinderter eine maßgebliche Rolle spielte. Richter hat das anscheinend erst durch Schreibers Reportage erfahren.
Für von Donnersmarck war diese Geschichte und die damit verbundenen Verstrickungen die Inspiration für „Werk ohne Autor“. Im Film sehen wir dann auch, wie Barnert ausgehend von Fotografien von seiner Tante Elisabeth, Passfotos von Seeband und der Verhaftung des Naziverbrechers Burghard Kroll diese Fotos nachzeichnet und ineinander übergehen lässt. In diesem Bild verbindet er das Schicksal seiner Tante mit dem eines Psychiaters, der das Euthansie-Programm initiierte, das Seeband willig ausführte. Das Bild fasst damit mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte zusammen. Und es wäre, wenn Barnert gewusst hätte, was er malt, eine Anklage gegen seinen Schwiegervater.
Als dieser das Bild bei einem Besuch in Barnerts Atelier sieht, reagiert er verstört. Es ist durch die Inszenierung offensichtlich, dass Seeband die volle Bedeutung des Bilds erfasst, dass er seine Vergangenheit sieht und er davon ausgeht, dass Barnert sie auch kennt.
Dieser Moment könnte die Rache des Künstlers an dem Mörder seiner Tante sein. Er ist es allerdings nicht. Denn Barnert kennt den Mörder seiner Tante nicht. Er hat auch keine Ahnung von Seebands Verstrickungen mit dem Nazi-Regime und wie sehr er sich immer wieder in Barnerts Leben einmischt.
Von Donnersmarck verschenkt genau den Moment, auf den implizit der gesamte Film hinausläuft.
Sein dritter Spielfilm ist auch ein Film über die moderne Kunst, auf die er allerdings immer wieder verächtlich herabblickt. Das zeigt sich vor allem an den in der Kunstakademie Düsseldorf spielenden Szenen. So führt Harry Preuser Barnert am ersten Tag durch die Akademie und äußerst sich sehr spöttisch über die Akademie und seine Mitstudenten. Die Projekte der Studenten scheinen vor allem eine von jeglicher Technik und Handwerk befreite Selbstverwirklichung zu sein. Und Professor van Verten ist ein enigmatischer Scharlatan, der sich nicht für die Werke seiner Studenten interessiert.
Im Gegensatz zum am 31. Oktober startendem „Queen“-Biopic „Bohemian Rhapsody“ zeigt „Werk ohne Autor“ die Phase des Suchens, der Irrwege und der missglückten Versuche im Leben eines Künstlers. Es ist ein Portrait der Kindheit, Jugend und der Lehrlingsphase eines Künstlers. Gleichzeitig zeichnet von Donnersmarck über drei Stunden betulich, im Stil eines TV-Mehrteilers ein Bild Deutschlands von 1937 bis 1966.
Werk ohne Autor (Deutschland 2018)
Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck
mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann
Länge: 189 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Das Buch zum Film
Mit vielen Filmbildern, dem Drehbuch, einem Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck und einem Gespräch zwischen dem Künstler Thomas Demand und dem Filmemacher Alexander Kluge über den Film. Beide Gespräche sind interessant.
Aber gerade wegen der Filmgeschichte hätte man gerne mehr über die Unterschiede zwischen Richters Biographie und dem Film erfahren. In einem eigenem Text oder einem Essay über Richters Wirken und die Kunst in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.
Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.
Immer wieder gern gesehener Kultfilm!
Mit der Musik von Cat Stevens.
Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer
Venom ist für eine neue Superheldenserie eine ungewöhnliche Wahl. Und das liegt nicht an Venoms Fähigkeiten, sondern an seinem Wesen. Er ist ein Außerirdischer, der wie es sich für ein Alien gehört, Menschen verspeist. Damit ist er ein Bösewicht, der nach seinem ersten Auftritt 1988 in „The Amazing Spider-Man“ als Bösewicht bei den Marvel-Comiclesern gut ankam. Seitdem erlebt er weitere Abenteuer. In den Comics benutzt Venom verschiedene Menschen als Gastkörper. Zum Beispiel Eddie Brock. Der ist auch in der Verfilmung Venoms Gastkörper.
Der Film „Venom“ gehört allerdings nicht zum Marvel Cinematic Universe (MCU) und weil er von Sony in Kooperation mit Marvel produziert wurde (liegt an den Rechten) wird es in naher Zukunft auch nicht zu einem Treffen zwischen Venom, dem MCU und den bei 20th Century Fox beheimateten X-Men kommen.
Das gibt den Machern die Freiheit, ohne den Ballast der anderen Serien einen vollkommen eigenständigen Film in, immerhin soll „Venom“ der Auftakt für eine Serie sein, einer vollkommen eigenständigen Welt zu erfinden. Regisseur Ruben Fleischer („Zombieland“, „Gangster Squad“) und seine vier Drehbuchautoren nutzen diese Freiheit für eine B-Movie-Geschichte, die sogar für ein B-Movie zu schlecht ist.
Im wesentlichen geht es um den Journalisten Eddie Brock, der nach einem illegalen Besuch des „Life Foundation“-Labors zum Wirt des Aliens Venom wird. Weil der Laborbesitzer, der stinkreiche Entrepreneur Carlton Drake, weitere Aliens auf die Welt bringen will, müssen Brock und Venom, der sich in die Erde und die Menschen verliebt, das verhindern.
Aber bis Brock und Venom sich treffen, vergeht ungefähr eine halbe Stunde in einem für einen Blockbuster erstaunlich kurz geratenen Film. Wenn man den sehr langen Abspann (inclusive zweier Abspannszenen, zu denen ich später noch etwas sagen werde) herausrechnet, dürfte der Film gerade so auf knapp hundert Minuten, eher so fünfundneunzig Minuten, kommen. In dieser ersten halben Stunde passiert fast nichts. Außer dass in Malaysia ein „Life Foundation“-Forschungsraumschiff bruchlandet. Die Life Foundation, die Eigentümerin des Schiffs, kann die im Weltraum gefundenen Wesen unbeschadet in die Firmenzentrale in San Francisco bringen. Weil allerdings ein Behälter bei der Landung zerstört wurde, macht sich dieser Alien in verschiedenen menschlichen Körpern langsam auf den Weg nach San Francisco. Währenddessen versaut Brock sein Leben durch einen Fehler, der noch nicht einmal als Anfängerfehler entschuldigt werden kann. Denn Brock ist ein Top-TV-Enthüllungsjournalist, der von allen Brennpunkten berichtet. Er lebt in einer glücklichen Beziehung mit Anne Weying, einer Anwältin. Als er auf ihrem Computer eine Datei über eine Klage gegen die Life Foundation entdeckt, benutzt er diese Informationen um Drake bei einem Interview darauf anzusprechen. Das Interview wird abgebrochen. Brock verliert seinen Job. Seine Freundin ihren Job. Sie verlässt ihn. Und der nun arbeitslose Brock zieht in eine billigere Wohnung. Dort trinkt er vor sich hin, bis die“Life Foundation“-Angestellte Dr. Dora Skirth ihn anspricht. Im „Life Foundation“-Labor würden ethisch fragwürdige Experimente mit Menschen und der Substanz aus dem Weltraum gemacht, bei denen die Menschen krank werden und sterben.
Brocks begleitet sie in das Labor. Als sie ihm sagt, er solle in dem Labor nichts anfassen, wissen wir, was er tun wird. Und – wir reden von einem Profi-Journalisten! – er tut es auf die dümmste Weise, die einem einfallen kann.
Solche idiotischen Entscheidungen gibt es immer wieder während des gesamten Films.
Das ist eines seiner Probleme.
Ein anderes ist, dass Ruben Fleischer nie den richtigen Rhythmus findet. „Venom“ ist das ruckelige filmische Äquivalent zu einem missglückten Versuch, Heavy Metal mit Hip Hop zu verbinden. Mal wird zu viel, mal zu wenig, mal an den falschen Stellen geschnitten. Und immer ist es zu laut.
Lautstärke ist bei den Actionszenen kein Problem. Und die sind, auch wenn sie fast alle nachts spielen, gelungen. Es gibt, zwischen Faustkämpfen und Schießereien, eine ausführliche „Bullitt“-Reminiszenz. Diese Szenen zeigen auch, wie Brock und Venom zunehmend eine Einheit werden.
In diesem Zusammenhang sind die Momente, in denen Brock sich an Venom anpasst, gelungen. Denn diese Symbiose wird in Brocks Apartment und einem Nobelrestaurant von einem irrem Verhalten begleitet.
Die Gespräche zwischen Brocks und Venom bringen etwas Deadpool-Humor in den Film.
Aber für einen Film, vor allem für einen Film, der ein Auftakt zu weiteren Filmen sein soll, ist das zu wenig. Während die anderen Superhelden alle eine Mission haben, die über viele Geschichten trägt, fehlt Venom genau diese Mission. Er will eigentlich nur Menschen essen.
„Venom“ bewegt sich damit im erzählerisch im Fahrwasser von älteren Comicverfilmungen, wie „Catwoman“, und „Die Mumie“, dem missglückten Auftakt des „Dark Universe“. Nur ohne all den erzählerischen Ballast von Ideen und Figuren, die vielleicht in einem der späteren Filme wichtig werden.
Kommen wir zum Abschluss zu den beiden Abspannszenen, die zu einem Marvel-Film dazugehören, die teilweise schon in diversen Vorberichten angedeutet wurden und die in diesem Fall eine besondere Stellung haben. In der ersten Post-Credit-Szene trifft Tom Hardy bei einem Besuch in einem Hochsicherheitsgefängnis auf den in einer Hannibal-Lecter-Zelle sitzenden von Woody Harrelson gespielten Cletus Kasady. Das erwähne ich, weil es Gerüchte um seine Rolle gab und er selbst schon darüber sprach. In „Venom“ hat er nur ein Cameo. Im nächsten „Venom“-Film soll die Rolle größer sein. Die zweite Szene ist ein Animationsfilm, der für „Spider-Man: A new Universe“ wirbt. Der ebenfalls von Sony produzierte Trickfilm startet in Deutschland am 13. Dezember 2018 und er hat, was im Film auch explizit gesagt wird, nichts mit „Venom“ zu tun.
Venom (Venom, USA 2018)
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Kelly Marcel, Will Beall (nach einer Geschichte von Jeff Pinkner und Scott Rosenberg, basierend auf dem von Todd McFarlane und David Michelinie erfundenem Marvel-Charakter)
mit Tom Hardy, Michelle Williams, Riz Ahmed, Scott Haze, Reid Scott, Jenny Slate, Woody Harrelson, Stan Lee (sein übliches Cameo)
Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)
LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)
Deutschland, nach dem 2. Weltkrieg: die Auschwitz-Überlebende Nelly will wieder zurück zu ihrem Mann Johnny, der sie verraten haben soll. Johnny erkennt sie nicht, aber ihm fällt Nellys Ähnlichkeit zu seiner Frau auf und das will er ausnutzen, um an Nellys Vermögen zu kommen. Nelly macht, nicht ohne Hintergedanken, das Spiel mit.
Während ein Hurrikan in Alabama einen Küstenort zerlegt, wollen Perkins und seine Männer in aller Ruhe die Bank ausrauben.
Aber sie haben nicht mit der Bundesagentin Casey, dem Meteorologen Will und seinem Bruder Breeze gerechnet.
Und schon beginnt ein windiges Katz-und-Maus-Spiel in der Bank, in der 600 Millionen alte Dollar auf ihre Vernichtung warten, und im menschenleeren Küstenort. Denn der Ortssheriff hat in weiser Voraussicht vor der Ankunft des Hurrikans das Dorf geräumt. Jetzt können die Guten und die Bösen hemmungslos herumballern und auch Gegenstände, wie Radkappen, als tödliche Waffen einsetzen. Und wie es sich für einen Actiontrashfilm gehört, werden Logik und Wahrscheinlichkeit fröhlich ignoriert. Da können im tosenden Sturm Gespräche über größere Entfernungen geführt werden, Kugeln treffen auch bei Hurrikanstärke 5 das gewünschte Ziel und seltsamerweise liegen alle Gebäude, wenn es gerade nötig ist, fast nebeneinander.
Einen Innovationspokal strebt Rob Cohen mit seinem neuen Film „The Hurricane Heist“ nicht an. Wie in seinen bekanntesten Filmen „The Fast and the Furious“ und „xXx – Triple X“ liefert er leichtgewichtige Buddy-Actionunterhaltung mit einem humoristischen Unterton, der immer sagt, man solle das ganze nicht zu Ernst nehmen. Das beginnt schon mit dem sportlichen Turnen aller Beteiligte im Hurrikan als sei dieser Hurrikan der Kategorie 5 (mehr geht nicht) eine steife Brise und endet, nun, sagen wir es mal so, mit einer jede Wahrscheinlichkeit ignorierenden „Fast & Furious“-Hommage.
Die Schauspieler, unter anderem Toby Kebbel als Will, Maggie Grace als Casey, Ryan Kwanten als Breeze, spielen betont entspannt. Die Dialoge sind vorhersehbar und die Tricks sind bestenfalls durchwachsen. Wobei, wie ein Blick in das Bonusmaterial zeigt, Cohen erstaunlich viel live mit den Schauspielern drehte und auch erstaunlich viel vor laufender Kamera zerstört wird. Danach wurde ungefähr jedes Bild, vor allem natürlich alle Bilder, in denen der Hurrikan tobt, digital bearbeitet.
„The Hurricane Heist“ ist es ein okayer, selbstironischer Actionfilm für einen verregneten Nachmittag.
Das Bonusmaterial besteht aus achtzehn erstaunlich informativen Mini-Featurettes. Sie enthalten Kurzstatements der Macher und viele Aufnahmen von den Dreharbeiten.
The Hurricane Heist (The Hurricane Heist, USA 2018)
Regie: Rob Cohen
Drehbuch: Scott Windhauser, Jeff Dixon (nach einer Geschichte von Anthony Fingleton und Carlos Davis)
mit Toby Kebbell, Maggie Grace, Ryan Kwanten, Ralph Ineson, Melissa Bolona, Ben Cross
Schöne neue Welt: eine Software sagt voraus, wer wann wo wie Verbrechen begeht.
So weit ist es noch nicht, aber wie weit wir auf dem Weg in diese Kontrollgesellschaft sind, zeigen Matthias Heeder und Monika Hielscher in ihrer spielfilmlangen Dokumentation.
Fool for Love – Verrückt nach Liebe (Fool for Love, USA 1985)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Sam Shepard (nach seinem Theaterstück)
Eddie und seine Halbschwester May, Kellnerin in einem abgewrackten Motel in New Mexico, lieben und hassen sich. Denn er möchte wieder mit ihr…
Bereits um 20.15 Uhr zeigt Arte den Robert-Altman-Klassiker „M. A. S. H.“. Weil dieser saukomische Antikriegsfilm öfter gezeigt wird, ist „Fool for Love“ der heutige Tagestipp. Die Verfilmung von Sam Shepards Theaterstück ist nicht Altmans bester Film und er entstand in einer Zeit, in der er sich von einem missglückten Film zum nächsten missglückten Film hangelte. Seine Pechsträhne endete erst 1992 mit „The Player“. Danach folgte ein beachtliches Alterswerk.
„Alles ist pseudo und bleibt pseudo: ein Pseudofilm nach einem Pseudostück über einen Pseudokonflikt von Pseudofiguren. Pseudokunst. Echt nur die Langeweile.“ (Fischer Film Almanach 1987)
Immerhin sieht der Film gut aus.
mit Kim Basinger, Sam Shepard, Harry Dean Stanton, Randy Quaid, Martha Crawford
Janne und ihr Freund Piet wollen in einem Dorf in Niederbayern ein Haus renovieren. Sie sind jung. Finanziell geht es ihnen im Moment nicht so gut. Denn ihr letztes Projekt, ein kleiner Verlag, scheiterte. Aber das Angebot von Robert, bei ihm im Verlag als Lektorin zu arbeiten, klingt verlockend. Auch wenn – ich greife hier ziemlich weit vor – Janne lange zögert, das Angebot anzunehmen.
Eines Abends geht Janne zu einer Klassenfeier. Dort trifft sie den ihr unbekannten, aber ganz sympathischen Martin. Sie trinken. Sie feiern. Und weil Martin zu betrunken ist, um noch nach Hause zu fahren, bietet sie ihm an, dass er bei ihnen auf der Couch schlafen kann. In der Wohnung vergewaltigt er sie.
Janne geht allerdings nicht zur Polizei. Sie will den Vorfall verdrängen.
Aber als sie Martin auf ihrer neuen Arbeitsstelle trifft, er sogar ihr Vorgesetzter sein soll und er sie fragt, was sie tun möchte, ist sie ratlos. Denn er fühlt sich irgendwie schuldig und er möchte ihre Wünsche berücksichtigen. Aber was will sie?
Bis es zu dieser zweiten Begegnung zwischen Janne und ihrem Vergewaltiger kommt, ist schon sehr viel Filmzeit vergangen, in denen nicht viel passiert. Auch weil Janne zuerst so tut, als sei überhaupt nichts passiert. Sie ist, in den Worten der Regisseurin Eva Trobisch, „eine Figur, deren Eigenschaften ich von einigen Frauen meiner Generation gut kenne. Sie sind gebildet, aufgeklärt, gleichberechtigt und, ganz wichtig, unkompliziert. Sie empfinden sich in keiner Weise unterdrückt.“
Janne ist auch eine Frau, die meist passiv-aggressiv reagiert und eigentlich immer ausweicht, anstatt sich klar zu positionieren. Das macht sie zu einem durchaus interessanten Charakter, der, so wie er in „Alles ist gut“ präsentiert wird, abseits der bekannten Konventionen liegt. Es ist allerdings auch ein Charakter, der vor allem nervt.
Das ist ein Problem von Eva Trobischs Spielfilmdebüt. Ein anderes Problem ihrer Charakterstudie ist, dass die Geschichte, deren katastrophaler Verlauf schnell absehbar ist, sich viel zu langsam entwickelt.
Auf dem Filmfest München, wo der Film seine Premiere hatte, erhielt er den Förderpreis Neues Deutsches Kino, den Fipresci Preis und Eva Trobisch und Hauptdarstellerin Aenne Schwarz wurden ausgezeichnet.
Alles ist gut(Deutschland 2018)
Regie: Eva Trobisch
Drehbuch: Eva Trobisch
mit Aenne Schwarz, Andreas Döhler, Hans Löw, Tilo Nest, Lisa Hagmeister, Lina Wendel
Laura (Penélope Cruz) kommt mit ihrer pubertierenden Tochter und ihrem jüngeren Sohn zur Hochzeit von ihrer Schwester zurück in ihr Heimatdorf. Neben ihrer Familie, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, und den Dorfbewohnern trifft sie auch auf ihren Jugendfreund und -liebe Paco (Javier Bardem). Er wuchs als Sohn eines Hausangestellten bei ihnen auf. Inzwischen ist er ein angesehener, wohlhabender, verheirateter Winzer.
Während der Hochzeitsfeierlichkeiten verschwindet Lauras Tochter spurlos. Es gibt Hinweise auf eine Entführung, die sich verdichten, als ein Erpresserbrief auftaucht. Vor einigen Jahren gab es in der Gegend schon einmal eine Entführung, die tragisch endete.
Vor allem Paco will Laura helfen.
Mit der Entführung ist natürlich auch die weitgehend unbeschwerte Feierstimmung futsch.
Bis dahin ist Asghar Farhadis erster auf spanisch gedrehter Film nämlich ein wunderschönes, an Robert Altmans Ensemblefilme erinnerndes Porträt einer Hochzeitsgesellschaft und eines Ortes. Witz, Drama, kleine Spitzen und Gehässigkeiten vermischten sich zu einem vergnüglichen Gesellschaftsporträt.
Aber mit der Entführung wird in der zweiten Filmhälfte aus dem Drama ein Kriminalfilm, der immer wieder mit der Logik zu kämpfen hat, weil er offensichtliche Fragen nicht beantwortet. So ist nicht erklärbar, warum niemand im gesamten Dorf die Polizei informiert. Und Pacos Bereitschaft, seiner Ex-Freundin zu helfen, ist verdächtig großzügig.
Diese Filmhälfte ist deutlich schlechter geraten als die erste Hälfte. Daran ändern auch die letzten Wendungen des Films, in denen „Offenes Geheimnis“ zum Noir wird, nichts.
Die gute erste Hälfte, die guten Schauspieler, die schöne spanische Landschaft und die präzise Inszenierung werden unter einem mehr als halbgaren Krimi begraben.
Der Iraner Asghar Farhadi inszenierte „Nader und Simin – Eine Trennung“, „Le Passé – Ds Vergangene und „The Salesman“.
Offenes Geheimnis (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018
Regie: Asghar Farhadi
Drehbuch: Asghar Farhadi
mit Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darin, Eduard Fernández, Bárbara Lennie, Inma Cuesta, Elvira Mínguez, Ramón Barea, Carla Campra
Berlin Babylon – Staffel 1, Folge 1 – 3 (Deutschland 2017)
Regie: Tom Tykwer, Achim von Borries, Hendrik Handloegten
Drehbuch: Tom Tykwer, Achim von Borries, Hendrik Handloegten
LV: Volker Kutscher: Der nasse Fisch, 2008
Berlin, 1929: Der Kölner Polizist Gereon Rath soll in der Hauptstadt in einem Erpressungsfall ermitteln.
Opulenter, hochgelobter Krimi, der vor allem ein Sittenbild ist
Am Donnerstag geht es weiter.
mit Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Matthias Brandt, Anton von Lucke, Benno Fürmann, Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Mišel Matičević
„Die Unglaublichen 2“ schließt unmittelbar an „Die Unglaublichen“ an und weil es sich um einen Animationsfilm handelt, sind die Charaktere in den vergangenen vierzehn Jahren nicht gealtert.
Nachdem die Auswirkungen des Schlusskampfes aus „Die Unglaublichen“ halbwegs beseitigt sind, führt Familie Parr in einer neuen Stadt und mit neuer Identität ein normales Leben. Da erhält die Familienmutter Helen, aka Elastigirl, ein Angebot, das sie nicht ablehnen will. Der superreiche Telekommunikationsunternehmer Winston Deaver schlägt ihr vor, gegen Bösewichter zu kämpfen, etwaige Kosten zu tragen und so zu einem positiveren Image der Superhelden beizutragen. Elastigirl stimmt zu. Ihr Mann Bob, aka Mr. Incredible, muss derweil den Haushalt führen auf und auf die gemeinsamen Kinder Violetta, Flash und Baby Jack-Jack, die ebenfalls Superkräfte haben, aufpassen.
In den USA lief „Die Unglaublichen 2“ schon Mitte Juni an, wurde von der Kritik gelobt (94 Prozent bei Rotten Tomatoes) und spielte bis jetzt weltweit schon über eine Million Dollar ein. Aus Sicht von Pixar hat sich die Investition von zweihundert Millionen Dollar gelohnt. Und „Die Unglaublichen 2“ ist auch ein vergnüglicher Film, der eine James-Bond-Geschichte mit Superhelden und, in diesem Fall, einer Superheldin als Protagonistin erzählt. Die Animationen sind auch oft deutlich realistischer als in „Die Unglaublichen“.
Aber – und das ist ein Problem des Films – die Geschichte ist extrem vorhersehbar. Denn letztendlich wird die Geschichte von „Die Unglaublichen“ einfach noch einmal erzählt. Nur dass dieses Mal Elastigirl und nicht ihr Mann Mr. Incredible die Hauptrolle hat. Der muss jetzt die Hausarbeit machen, während sie, mit mehr oder weniger umfangreichen Kollateralschäden, Schurken fängt. Das macht das Ansehen arg redundant.
Außerdem führt Regisseur Brad Bird, der auch „Die Unglaublichen“ inszenierte, seine Charaktere nicht ein, sondern geht davon aus, dass man sie, ihre Fähigkeiten, Eigenschaften und Beziehungen aus dem ersten Film kennt.
So ist „Die Unglaublichen 2“ für die Kenner von „Die Unglaublichen“ einfach eine Wiederholung der altbekannten Geschichte, die schon beim ersten Mal nur die Krücke für eine damals erfrischend andere Nummernrevue war. Damals gab es im Kino noch nicht jeden Monat einen Superhelden-Blockbuster und zweifelnde Superhelden mit Familie und Eheproblemen hatte man noch nicht gesehen. Für die, die den ersten Film nicht kennen, bleiben dagegen einige Anspielungen unverständlich und sie müssen sich die Charaktere erst selbst erschließen. Um nicht falsch verstanden zu werden: man muss „Die Unglaublichen“ nicht kennen, um „Die Unglaublichen 2“ zu verstehen. Aber es hilft.
Und wenn man „Die Unglaublichen“ kennt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich „Die Unglaublichen 2“ anzusehen.
Ein klassischer Fall von Catch 22.
Die Unglaublichen 2 (Incredibles 2, USA 2018)
Regie: Brad Bird
Drehbuch: Brad Bird
mit (im Original den Stimmen von) Craig T. Nelson, Holly Hunter, Sarah Vowell, Huck Milner, Catherine Keener, Eli Fucile, Bob Odenkirk, Samuel L. Jackson, Michael Bird, Sophia Bush, Brad Bird, Phil LaMarr, Isabella Rossellini
(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Markus Maria Profitlich, Emilia Schüle, Mechthild Grossmann, Riccardo Simonetti
Die Geschichte ist bekannt: Am 16. September 1979 gelang den Familien Strelzyk und Wetzel in einem selbstgebauten Ballon die Flucht aus der DDR in den Westen.
Direkt nach ihrer Landung in einem Feld bei der oberfränkischen Stadt Naila berichteten alle Medien, also die Zeitungen, Radio und die damals drei Fernsehprogramme (alle selbstverständlich mit Sendeschluss!), darüber. Disney sicherte sich die Verfilmungsrechte und 1982 lief in den deutschen Kinos Delbert Manns „Mit dem Wind nach Westen“ (Night Crossing), mit John Hurt und Beau Bridges, über die spektakuläre Flucht. Die damalige Kritik war nicht begeistert: „Stinklangweilig und voller Klischees über die DDR.“ (Fischer Film Almanach 1983)
Nun gibt es Michael Bully Herbigs Version der damaligen Ereignisse. Selbstverständlich als Thriller mit bekanntem Ausgang und klarer Freund-Feind-Zeichnung. Das ist als Wettlauf gegen die Zeit durchaus spannend. Denn nach einem erfolglosen Fluchtversuch entdeckt die Stasi die Reste des Ballons. Stasi-Oberstleutnant Seidel, ein harter Hund und überzeugter Kommunist, leitet die Suche nach den potentiellen Republikflüchtlingen. Und diese kaufen in der halben DDR den Stoff für den nächsten Ballon zusammen.
Das ist, wie gesagt, spannend, aber nie wirklich packend oder in irgendeiner Form Herzrasen verursachend. Dafür ist alles zu betulich inszeniert und die Flüchtlinge sind einem zu egal, weil ihre unterschiedlichen Motive zwar angesprochen, aber nie emotional begreifbar sind.
„Bei Peter Strelzyk war es die Tatsache, dass man seine Meinung nicht frei äußern durfte und dass man für einen politischen Witz drei Jahre ins Gefängnis kommen konnte. Günter Wetzel durfte nicht studieren, was er wollte. Er fühlte sich eingezwängt und wollte raus. Petra Wetzel hatte eine todkranke Mutter im Westen, die sie nicht besuchen durfte. Und Doris Stelzyk hatte einen Bruder, der schon als Jugendlicher fliehen wollte, deshalb ins Zuchthaus kam und jeden Lebensmut verlor. Allein bei den vier Hauptfiguren unseres Films gibt es vier ganz unterschiedliche Motive, die in ihrer Summe aber viel über die ehemalige DDR aussagen.“ (Michael Bully Herbig)
Und die DDR wirkt immer wie ein Kulissenstaat mit viel bräunlicher Patina. Das sieht immer wie die aus zahllosen West-Spionagefilmen vertraute Version der DDR aus. Da helfen auch nicht die zahlreichen Hinweise im Presseheft, dass man sich ausführlich mit der DDR-Geschichte beschäftigte, die Familien Strelzyk und Wetzel die Macher berieten, bei der Ausstattung und den Kulissen darauf geachtet wurde, dass jedes Detail stimmt und dass möglichst viele Schauspieler und Teammitglieder des Films einen Bezug zur DDR haben. Die DDR in „Ballon“ wirkt immer wie ein Blick von außen auf eine liebevoll hergerichtete Kulisse.
Ironischerweise konnte Bully Herbig nicht in Pößneck, dem Wohnort der Flüchtlinge drehen. Nach der Wende wurde der Stadtkern restauriert und die Stadt saniert. Gedreht wurde deshalb in Bayern in Nordhalben. Auch der Disney-Film wurde, immerhin stand damals die Mauer noch, zu großen Teilen in Bayern gedreht.
Während des Thrillers fragte ich mich, wie die Interpretation dieser Geschichte aus der Sicht eines DDR-Regisseurs aussähe.
Ballon(Deutschland 2018)
Regie: Michael Bully Herbig
Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Röscheisen, Michael Bully Herbig
mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Thomas Kretschmann, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler, Ronald Kukulies, Emily Kusche, Till Patz, Ben Teichmann, Christian Näthe, Sebastian Hülk, Gernot Kunert, Ulirch Friedrich Brandhoff