Neu im Kino/Filmkritik: „Die Verlegerin“ der Post und die Pentagon-Papiere

Februar 23, 2018

Als Katharine Graham nach dem Tod ihres Mannes 1963 die Leitung der „Washington Post“ übernahm, war sie die Tochter des Inhabers der „Washington Post“ (ihr Vater hielt sie für ungeeignet, die Zeitung zu führen, sie dachte das auch und hatte daher nichts gegen die Entscheidung ihres Vaters, ihren Ehemann zum Chef zu machen), eine ehemalige Journalistin und Mutter von vier Kindern, die sich, wie es dem damaligen Gesellschaftsbild entsprach, um Haushalt, Kindererziehung und das Gesellschaftsleben kümmerte. Sie war, so ihr Sohn Don Graham, „die Welthauptstadt der Selbstzweifel“.

Plötzlich stand sie, ohne echte Erfahrung im Zeitungsgeschäft und nur aus dem Gefühl einer Verpflichtung gegenüber dem Familienvermächtnis und ihren Kindern, als erste Frau an der Spitze eines großen Wirtschaftsunternehmen. Die Männer akzeptierten sie in ihren Männerzirkeln, den Clubs, Hinterzimmern und Vorstandszimmern nur, weil sie die Frau, die durch eine Erbschaft ihre aktuelle Position erhalten hatte, akzeptieren mussten. Aber eigentlich gehörte sie in das Damenzimmer, wo nicht über Politik, sondern über Frisuren geredet wurde.

Das Unternehmen, die „Washington Post“, war damals eine Tageszeitung mit finanziellen Problemen, deren größtes Problem – so sagt Steven Spielbergs neuer Film „Die Verlegerin“ – der Zugang zu verschiedenen Privatfeiern von US-Präsident Richard Nixon war. Zur Sanierung war ein Börsengang geplant, der möglichst störungsfrei verlaufen sollte. Skandalträchtige Geschichten und damit verknüpfte juristische Kalamitäten sollten in dem Moment unbedingt vermieden werden.

In diesem Moment schlug ihr ihr Chefredakteur Ben Bradlee eine Super-Story vor. Er war seit 1965 bei der „Washington Post“. Zwischen Bradlee und Graham herrschte eine vertrauenvolle Freundschaft. Die gegensätzlichen Charaktere hatten nämlich ein Ziel: aus der „Washington Post“ eine wichtige Tagezeitung zu machen. Sein Vorschlag war, nachdem die konkurrierende „New York Times“ am 13. Juni 1971 mit der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere begonnen hatte und kurz darauf, auf Antrag der Nixon-Regierung, eine einstweilige Verfügung erhielt, die ihr weitere Veröffentlichungen aus den Pentagon-Papieren untersagte, sich die Papiere zu besorgen und zu drucken.

Dabei handelte es sich um eine siebentausend Seiten umfassende Studie des einflussreichen Think-Tanks RAND Corporation mit dem prosaischen Titel „Geschichte US-amerikanischer Entscheidungsfindungen in Vietnam, 1945 – 1966“ (United States – Vietnam Relations, 1945–1967: A Study Prepared by the Department of Defense). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass mehrere US-Präsidenten die Öffentlichkeit über ihr Vorgehen in Vietnam belogen hatten. Daniel Ellsberg, einer der Autoren der Studie, hatte die siebentausend Seiten der Studie in mühevoller Kleinarbeit aus dem RAND-Büro geschmuggelt und fotokopiert. Er wollte, dass in der Öffentlichkeit darüber gesprochen wird.

Dass die Regierung über eine weitere Veröffentlichung nicht erfreut wäre, war in dem Moment klar. Denn damals kämpften in Vietnam US-Soldaten, während in den USA gegen den Krieg protestiert wurde.

Graham wusste, dass sie mit einer falschen Entscheidung die Zukunft der Zeitung ruinieren könnte. Sie wusste auch, dass es um die Freiheit der Presse ging, die im wichtigen Ersten Zusatzartikel zur Verfassung erklärt wird. Und sie war, als Teil der High Society von Washington, mit einigen der Männer, die in den Pentagon-Papieren erwähnt werden, eng befreundet.

Spielberg erzählt, nach einem konzentrierten Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer („Spotlight“), die Geschichte von Katherine Graham. Aber, wie der Originaltitel „The Post“ andeutet, auch die Geschichte der „Washington Post“, vor allem natürlich der Reporter, die sich als investigative Journalisten hinter die Story klemmen, und die Geschichte von ihrem Informanten Daniel Ellsberg, der später als Landesverräter angeklagt wurde. Am 11. Mai 1973 erklärte der zuständige Richter das Verfahren aufgrund eines schweren Fehlverhaltens der Regierung (sie hatte den Auftrag erteilt, Ellsbergs Psychiater auszuspionieren) für ungültig. Die Vorwürfe gegen Ellsberg und seinen RAND-Kollegen Anthony Russo wurden fallengelassen.

Spielbergs „Die Verlegerin“ ist, im besten Sinn, packendes quasidokumentarisches bildungsbürgerliches Kino, in dem liberale Werte, Traditionen und die Verfassung hochgehalten werden. Vor allem natürlich der Wert einer freien Presse. Denn am 18. Juni 1971 druckte die „Washington Post“ ihren ersten Artikel über die Pentagon-Papiere und weil ein Bundesrichter die vom Justizminsterium beantragte einstweilige und dauerhafte Verfügung gegen die Zeitung ablehnte, begann auch andere Zeitungen Berichte über die Pentagon-Papiere zu drucken.

Aber in dem Moment war der Weg durch die Gerichte noch nicht ausgeschöpft.

Die Verlegerin“ zeigt, wie die „Washington Post“ durch die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere und die gerichtlichen Auseinandersetzungen von einer unbedeutenden Lokalzeitung zu einer vielfach preisgekrönten und geachteten investigativen Tageszeitung wurde, wie eine Verlegerin sich emanzipiert und wie wichtig eine freie Presse ist bei der Aufdeckung von Skandalen.

Das Drama ist auch eine Liebeserklärung an die gute alte Tageszeitung. Es ist eine Zeit, als es in Redaktionen noch laut hämmernde Schreibmaschinen und einen festen Redaktionsschluss gab, Druckvorlagen von Hand erstellt wurden, Zeitungen gedruckt, verteilt und beim Frühstück oder dem Weg zur Arbeit gelesen wurden. Sie waren dann Tagesgespräch. Heute stehen die Artikel zuerst auf der Homepage der Zeitung und erst danach in der gedruckten Ausgabe.

Der Film endet mit dem Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate-Hotel am 17. Juni 1972. Diese Geschichte, die durch die Recherche der „Washington Post“-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward zum Rücktritt von Nixon führte, erzählt Alan J. Pakula 1976 in seinem Filmklassiker „Die Unbestechlichen“, den man sich nach „Die Verlegerin“ wieder ansehen kann. Beide Filme erzählen von Ereignissen und Konflikten, die heute wieder erschreckend aktuell sind.

Die Verlegerin (The Post, USA 2017)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Liz Hannah, Josh Singer

mit Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Tracy Lettts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood, Matthew Rhys, Alison Brie, Michael Stuhlbarg

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Die Verlegerin“

Metacritic über „Die Verlegerin“

Rotten Tomatoes über „Die Verlegerin“

Wikipedia über „Die Verlegerin“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Die Verlegerin“

Tagespiegel über Katharine Graham

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Ein Gespräch mit Steven Spielberg, Meryl Streep, Tom Hanks, Bob Odenkirk und Bradley Whitford über den Film, organisiert von der Washington Post

Meryl Streep und Tom Hanks bei CBS This Morning

Das Teaserplakat, das mir besser als das Hauptplakat gefällt

P. S.: Nicht zu verwechseln mit diesem Film, der nichts, aber auch absolut nichts mit „Die Verlegerin“ zu tun hat

 


Neu im Kino/Filmkritik: Deutsche Genreversuche: Der Horrorfilm „Heilstätten“

Februar 23, 2018

Horrorfilme können billig hergestellt werden. Sie leben von Schocks und, nun, Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen. Sie sprechen unsere Ängste an und sie können, wie zuletzt „Get out“, Themen ansprechen, die in höher budgetierten Filmen, die entsprechend mehr Geld einspielen müssen, nicht oder nicht so offen angesprochen werden. Sie richten sich vor allem an ein jugendliches Publikum und schon einige beachtliche Karrieren starteten mit Horrorfilmen. Ich sage nur George A. Romero, John Carpenter, Wes Craven, Tobe Hooper und Eli Roth. Filme wie „The Texas Chainsaw Massacre“, „Halloween“, „Hostel“, „Saw“ und „The Blair Witch Project“ (USA 1999) waren gigantische Erfolge, die ihr Geld mehr als einmal einspielten und unzählige Male kopiert wurden. Vor allem die Idee von „The Blair Witch Project“ war grandios. Im Internet wurde die Legende von einer Hexe und damit verbundener unheimlicher Ereignisse in den Wäldern von Maryland gestrickt. Der Film bestand dann, so wurde vor dem Filmstart kolportiert, aus den wieder aufgetauchten Aufnahmen, die eine handvoll spurlos verschwundener Filmstudenten auf ihrer Suche nach der Hexe gemacht haben. In den gefundenen Aufnahmen streifen sie ohne ein Drehbuch durch den Wald (was die oft erbärmlichen Dialoge erklärt). Sie sind keine Schauspieler (was das, ähem, naturalistische Spiel erklärt). Und sie sind keine ausgebildeten Kameramänner (was die oft erbärmliche Bildqualität erklärt).

Der unglaublich erfolgreiche Horrorfilm begründete das „Found Footage“-Subgenre, das behauptet, der Film sei aus gefunden Aufnahmen hergestellt worden. Und diese gefundenen Aufnahmen sind halt technisch nicht so perfekt, wie in einem richtigen Film. Alles das, was ein Kameramann vermeidet wie der Teufel das Weihwasser, ist hier ein Qulitätsmerkmal. Möglich wurde das durch die Entwicklung von immer kleineren, leistungsfähigen Videokameras. So drehte Steven Soderbergh seinen neuen Film, den Horrorthriller „Unsane“ (Kinostart 29. März 2018), komplett mit dem iPhone.

Für Filmproduzenten hatte das Subgenre noch drei erfreuliche Nebenwirkungen: es musst nicht mehr nach richtigen Schauspielern gesucht werden (die Protagonisten sollten ja gerade nicht spielen, sondern sich wie der Junge von nebenan benehmen), ein Drehbuch mit ausgefeilten Dialogen ist unnötig (die Schauspieler sollen sich ja wie die Schulkameradinnen verhalten und reden) und die Produktionskosten waren astronomisch niedrig. Man braucht nur ein Gebäude und einige Schauspieler. Sogar für Spezialeffekte braucht man eigenlich kein Geld, weil im Notfall ja immer die Kamera einen Schwenk in die langweilige Ecke machen kann. Blumhouse Productions, um nur die bekannteste Firma zu nennen, produziert seit Jahren mit enem Microbudget finanzierte Found-Footage-Horrorfilme, die durchgehend finanziell einträglich sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind es allerdings auch ziemliche Langweiler.

Heilstätten“ fällt in dieses Found-Footage-Subgenre. Dieses Mal spielt die Geschichte allerdings nicht in den USA, sondern in Deutschland und es handelt sich um eine deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern. Gedreht wurde der Film in einer Ruine mit Schauspielern, von denen einer auch ein YouTube-Star ist. Die anderen benehmen sich so als ob.

Die Story ist Asbach-Uralt-Horrorfilm: eine Gruppe Jugendlicher will eine Nacht in einem Gebäude verbringen, in dem es spucken soll. Die Nazis haben in der Heilstätte Menschenexperimente gemacht. Jetzt haben die untereinder verfeindeten YouTuber sich entschlossen, eine 24-Stunden-Challenge zu machen, in der es darum geht, eine Nacht in der Ruine zu verbringen. Zuerst halten die Jugendlichen die Mutprobe für einen großen Spaß. Denn Geister gibt es nicht.

Sie verteilen Kameras in dem Gebäude, die alles aufnehmen sollen, was in der Nacht geschieht. Und, wie es sich für einen YouTuber gehört, laufen sie immer mit einer eingeschalteten Kamera herum.

Dann geschehen unheimliche Dinge, es gibt Tote und anstatt herumzublödeln, wird geschrien und durch dunkle Gänge gerannt oder durch den Wald gestolpert.

Das ist, – wenig überraschend -, erbärmlich schlecht gespielt. Das aufgedrehte Gehabe der grenzdebilen YouTube-Stars nervt so sehr, dass ich über jedes Ableben erfreut war. Eine Nervensäge weniger in dieser überflüssigen Blumhouse-Kopie.

Dummerweise gibt es am Ende eine überraschende Wendung, die dem Film eine tiefere Bedeutung verleihen soll und die hier nicht verraten werden soll, weil es ein Mega-Spoiler wäre. Es ist allerdings auch eine vollkommen aus dem heiteren Himmel kommende überraschende Wendung, die teilweise im Widerspruch zu der vorherigen Geschichte steht und nicht vorbereitet wurde. Genausogut hätte auch ein Ufo auftauchen können.

So wird das nichts mit dem deutschen Horrorfilm.

Immerhin ist „Heilstätten“ nicht übermäßig lang und die Kulisse gefällt. Gedreht wurde der Film allerdings nicht in der Heilstätte Beelitz (eine oft genutzte Filmkulisse, u. a. „Men & Chicken“ und „A Cure for Wellness“), dem Handlungsort des Films, sondern in der ebenfalls verfallenen, unbekannteren Heilstätte Grabowsee gedreht.

Ach, und das Plakat ist auch gelungen.

Heilstätten (Deutschland 2018)

Regie: Michael David Pate

Drehbuch: Michael David Pate (nach einer Drehbuchvorlage von Ecki Ziedrich)

mit Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq, Lisa Maria Koroll, Emilio Sakraya, Timmi Trinks, Farina Flebbe, Maxine Kazis, David Schulz

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Heilstätten“

Moviepilot über „Heilstätten“

 


TV-Tipp für den 23. Februar: Mord in Louisiana

Februar 23, 2018

3sat, 22.35

In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: James Lee Burke: In the Electric Mist with Confederate Dead, 1993 (Im Schatten der Mangroven)

Polizeichef Dave Robicheaux will den Mord an einer neunzehnjährigen Prostituierten aufzuklären. Bei seinen Ermittlungen trifft er auch auf eine Filmcrew, die einen historischen Film dreht, den lokalen Paten, seinen alten Freund Julie ‘Baby Feet’ Balboni, dessen Geld auch in dem Film steckt und den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Grandios besetzte, sehr atmosphärische und sehr gelungene Verfilmung eines Robicheaux-Krimis. Feiner Stoff für Krimifans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm, Buddy Guy, John Sayles

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Berlinale: Pressekonferenz zu „In the Electric Mist“

Film-Zeit über „In the Electric Mist“

Homepage von James Lee Burke

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


TV-Tipp für den 22. Februar: Jack

Februar 22, 2018

3sat, 22.25

Jack (Deutschland 2014)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen

Als der zehnjährige Jack nicht von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt wird, haut er ab. In Berlin wartet allerdings niemand auf ihn. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder beginnt Jack seine, mal wieder, spurlos verschwundene Mutter zu suchen.

Mitreisendes, mehrfach ausgezeichnetes Sozial- und Jugenddrama, das immer auf Jacks Augenhöhe bleibt, während er durch die große Stadt läuft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ivo Pietzcker, Georg Arms, Luise Heyer, Nele Mueller-Stöfen, Vincent Redetzki, Jacob Matschenz

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jack“
Moviepilot über „Jack“
Berlinale über „Jack“

Meine Besprechung von Edward Bergers „Jack“ (Deutschland 2014)


Verfilmte Bücher: „Auslöschung“ ist „Auslöschung“

Februar 21, 2018

Ich wollte Jeff VanderMeers Romandebüt „Auslöschung“ im Zusammenhang mit dem Kinostart der Verfilmung besprechen. Weil Netflix, bis auf die USA und China, die Vertriebsrechte für den Film kaufte, wird das nicht geschehen. Jetzt wird er bei uns nicht im Kino laufen, sondern demnächst auf Netflix gestreamt werden. Ob er jemals auf DVD veröffentlicht wird…

Dabei sind die ersten Äußerungen von Filmkritikern sehr positiv. Außerdem ist „Auslöschung“ von Alex Garland geschrieben und inszeniert. Sein Regiedebüt war „Ex Machina“; einer der erfreulichsten SF-Filme des Jahres 2015.

Und die Vorlage sammelte berechtigtes Kritikerlob und Preise, wie den Nebula-Preis. Wobei Vorlage etwas unpräzise ist. Denn „Auslöschung“ ist der Auftakt der Southern-Reach-Trilogie, die aus drei unterschiedlichen Romanen besteht, die fast gleichzeitig erschienen.

In „Auslöschung“ geht es um eine Expedition, die in ein geheimnisvolles Naturgebiet geht. Dieses Gebiet, Area X genannt, wurde seit zwei Jahren von keinem Menschen mehr betreten. Es ist ein Gebiet an der sumpfigen Südküste der USA, wo seit Jahrzehnten die Natur sich auf seltsame Art verändert und immer weitere Gebiete in Besitz nimmt. Warum sie das tut, ist unbekannt. Was dagegen getan werden kann, ist unbekannt. Ob es gefährlich ist, ist unbekannt. Aber wahrscheinlich ist es sehr gefährlich. Denn in den vergangenen Jahren wurden elf Expeditionen losgeschickt. Die meisten Expeditionsteilnehmer verschwanden in dem Gebiet. Einige Expeditionsteilnehmer kamen später verändert zurück. Sie konnten nichts über ihre Erlebnisse erzählen.

Jetzt soll die zwölfte Expedition, bestehend aus vier Frauen, – einer Anthropologin, einer Landvermesserin, einer Psychologin und einer Biologin (die auch die Erzählerin ist) – , Antworten liefern. Sie sollen alles aufschreiben was sie dort sehen und erleben.

Schon kurz nachdem sie Area X betreten haben, beginnt die Landschaft sich zu verändern. Sie entdecken Gebäude, die ein Eigenleben haben. Und Expeditionsteilnehmerinnen sterben. Ob sie von der Natur oder einer Expeditionsteilnehmerin ermordet wurden ist unklar. Auch wie sehr wir der Erzählerin, die sich aus einem bestimmten Grund für die Expeditionsteilnahme bewarb, vertrauen können.

Das klingt jetzt etwas nebulös, aber gerade dieses Entdecken der Welt von Area X und wie diese auf die Erzäherin reagiert, ist ein Teil des Spaßes beim Lesen von „Auslöschung“. Dabei folgt der Roman mehr den Regeln des magischen Realismus oder, wenn auch auf einer sehr fantastischen Ebene, des Horrorromans (Was gibt es schlimmeres als eine Natur, die ein Eigenleben hat?) als denen eines konventionellen SF-Romans.

Weil „Auslöschung“ der eigenständige Beginn einer Trilogie ist, muss er noch nicht alle Fragen beantworten. „Auslöschung“ erzählt nur die Geschichte einer Frau, die in der Area X mit sich selbst konfrontiert ist und eine Entscheidung fällen muss. Dabei erfahren wir auch viel über ihre Vergangenheit, ihre Liebe zur Natur und zu ihrem Mann, der Mitglied einer früheren Area-X-Expedition war und zurückkehrte.

In dem zweiten Southern-Reach-Band „Autorität“ steht dann die Organisation Southern Reach, die für die Expeditionen in die Area X verantwortlich ist, im Mittelpunkt.

Paramount Pictures kaufte die Filmrechte schon 2014 und Alex Garland begann mit seinem Drehbuch ausgehend von dem Buchmanuskript. Den zweiten und dritten Band der Southern-Reach-Trilogie kannte er nicht und er kümmerte sich auch nicht darum. Ihm ging es darum, eine gute Geschichte zu erzählen.

Die Bilder aus dem Trailer sehen, trotz „Alien“-Touch, jedenfalls verdammt gut aus.

Jeff VanderMeer: Auslöschung – Southern-Reach-Trilogie I

(übersetzt von Michael Kellner)

Knaur, 2017

240 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Annihilation

Farrar, Straus & Giroux, New York, 2014

Deutsche Erstausgabe

Verlag Antje Kunstmann, 2014

Verfilmung

Auslöschung (Annihilation, USA 2018)

Regie: Alex Garland

Drehbuch: Alex Garland

LV: Jeff VanderMeer: Annihilation, 2014 (Auslösung)

mit Natalie Portman, Benedict Wong, Sonoya Mizuno, David Gyasi, Oscar Isaac, John Schwab, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez

Mehr Southern Reach

Jeff VanderMeer: Autorität – Southern-Reach-Trilogie II

(übersetzt von Michael Kellner)

Knaur, 2017

368 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Authority

Farrar, Straus & Giroux, New York, 2014

Deutsche Erstausgabe

Verlag Antje Kunstmann, 2015

Jeff VanderMeer: Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie III

(übersetzt von Michael Kellner)

Knaur, 2017

336 Seiten

9.99 Euro

Originalausgabe

Acceptance

Farrar, Straus & Giroux, New York, 2014

Deutsche Erstausgabe

Verlag Antje Kunstmann, 2015

Hinweise

Homepage von Jeff VanderMeer

Perlentaucher über Jeff VanderMeer

Moviepilot über „Auslöschung“

Metacritic über „Auslöschung“

Rotten Tomatoes über „Auslöschung“

Wikipedia über Jeff VanderMeer (deutsch, englisch), die Southern-Reach-Trilogie und die Verfilmung (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 21. Februar: Sophie Scholl – Allen Gewalten zum Trotz…

Februar 21, 2018

BR, 22.45

Sophie Scholl – Allen Gewalten zum Trotz… (Deutschland 2005)

Regie: Marieke Schroeder, Ulrich Chaussy

Drehbuch: Marieke Schroeder, Ulrich Chaussy

Einstündige Doku, für die Schroeder und Chaussy mit Zeitzeugen Interviews über Sophie Scholl und die Weiße Rose führten.

Die Doku entstand im Zusammenhang mit Marc Rothemunds „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ und auf der DVD könnten mehr oder weniger große Teile der Doku sein. Jedenfalls hatten er und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer Chaussy mit der Recherche historischer Fakten für ihren Film beauftragt.

mit Elisabeth Hartnagel, Anneliese Knoop-Graf, Franz Müller, Susanne Zeller-Hirzel

Hinweise

3sat über „Sophie Scholl – Allen Gewalten zum Trotz…“

BR über „Sophie Scholl – Allen Gewalten zum Trotz…“

Wikipedia über Sophie Scholl und die Weiße Rose

Bundeszentrale für politische Bildung über Sophie Scholl und die Weiße Rose


Cover der Woche

Februar 20, 2018

 


TV-Tipp für den 20. Februar: Mädchen mit Gewalt

Februar 20, 2018

WDR, 23.40

Mädchen mit Gewalt (Deutschland 1970)

Regie: Roger Fritz

Drehbuch: Jürgen Knop (nach einer Idee von Friedel Schnitzler)

Werner und Mike reißen Alice auf. In einer Kiesgrube vergewaltigt Werner sie. Als Alice damit droht, zur Polizei zu gehen, eskaliert die Gewalt.

TV-Premiere einer Perle des deutschen (Genre)Films. Mit der Musik von The Can.

Über seinen ersten Film „Mädchen, Mädchen“ (Deutschland 1966) steht in Robert Fischer/Joe Hembus „Der Neue Deutsche Film – 1960 – 1980“ (1981): „Immerhin steht Roger Fritz seiner Sache so gelassen gegenüber, dass die Geschichte nie in dem Mief endet, der hier im Altfilm fällig gewesen wäre, noch in der Larmoyanz, in der sie bei prätentiöseren Jungfilmern wegzuschwimmen pflegte.“ Das kann wahrscheinlich auch über „Mädchen mit Gewalt“, seinen dritten Spielfilm gesagt werden.

Obwohl das „Lexikon des internationalen Films“ überhaupt nicht begeistert war: „Zynischer Reißer, mit dem Roger Fritz vollends in die Niederungen kommerzieller Spekulation gerät. Ein brisantes Thema – Gewalt gegen Frauen, der Zusammenhang von Frustration und Aggression – wird völlig instinkt- und gefühllos verspielt.“

Fun Fact: Der schon 1968 gedrehte Film wurde von Arthur Cohn co-finanziert, auf englisch gedreht und später von den Schauspielern deutsch synchronisiert. Nur Arthur Brauss konnte sich wegen anderer Verpflichtungen nicht synchronisieren.

mit Helga Anders, Klaus Löwitsch, Arthur Brauss, Monika Zinnenberg, Rolf Zacher

auch bekannt als „Mädchen… nur mit Gewalt“

Hinweise

Moviepilot über „Mädchen mit Gewalt“

Filmportal über „Mädchen mit Gewalt“

Wikipedia über „Mädchen mit Gewalt“


„Das schweigsame Klassenzimmer“ geht auf Kinotour

Februar 19, 2018

Ungefähr jetzt ist die galaktische „Berlinale“-Weltpremiere von Lars Kraumes neuem Film „Das schweigsame Klassenzimmer“ über eine DDR-Schulklasse, die im November 1956 mit einer Schweigeminute auf die Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes reagierte. Ihre Lehrer und deren Vorgesetzten reagierten emport.

(Herrje, meine Lehrer wären froh gewesen, wenn wir mal geschwiegen hätten.)

Der Film läuft am 1. März an und dann erscheint auch meine Besprechung (musste bei der Pressevorführung ein Schweigelübde unterzeichnen, das ich bis dahin mönchisch einhalte).

Davor startet schon die Kinotour, deren Termine ich nicht marktschreierisch, sondern schweigsam verkünde:

Freitag, 23. Februar:

Eisenhüttenstadt (Schülerpremiere) / Filmpalast, Werkstraße 2A, 15890 Eisenhüttenstadt / Filmbeginn: 10:00 Uhr

Filmteam vor Ort: Regisseur Lars Kraume sowie die Darsteller Leonard Scheicher & Tom Gramenz

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Sonntag, 25. Februar

Leipzig / Passage Kino, Hainstraße 19a, 04109 Leipzig / Filmbeginn: 15:00 Uhr

Dresden / Programmkino Ost, Schandauer Str. 73, 01277 Dresden / Filmbeginn: 19:15 Uhr

Filmteam vor Ort: Regisseur Lars Kraume sowie die Darsteller Leonard Scheicher & Lena Klenke

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Montag, 26. Februar

Hamburg / Abaton, Allende-Platz 3, 20146 Hamburg / Filmbeginn: 20:00 Uhr

Filmteam vor Ort: Regisseur Lars Kraume sowie die Darsteller Leonard Scheicher, Lena Klenke & Burghart Klaußner

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Dienstag, 27. Februar

Essen / Lichtburg, Kettwiger Straße 36, 45127 Essen / Filmbeginn: 20:00 Uhr

Filmteam vor Ort: Regisseur Lars Kraume, Leonard Scheicher, Lena Klenke & Zeitzeuge und Buchautor Dietrich Garstka

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Mittwoch, 28. Februar

Frankfurt (nur Interviews!) / Talents: Regisseur Lars Kraume sowie die Darsteller Leonard Scheicher & Lena Klenke

Kleinmachnow / Neue Kammerspiele, Karl-Marx-Straße 18, 14532 Kleinmachnow / Filmbeginn: 10:00 Uhr

Gast: Florian Lukas

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Donnerstag, 1. März

München (Schülerpremiere) /Mathäser Filmpalast, Bayerstraße 3-5, 80336 München/ Filmbeginn: 10:00 Uhr

München / City Kino, Sonnenstraße 12, 80331 München / Filmbeginn: 20:30 Uhr

Filmteam vor Ort: Regisseur Lars Kraume sowie die Darsteller Leonard Scheicher & Lena Klenke

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Freitag, 2. März

Freiburg / Kandelhof, Kandelstraße 27, 79106 Freiburg im Breisgau / Filmbeginn: 20:30 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

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Samstag, 3. März

Stuttgart / Atelier am Bollwerk, Hohe Str. 26, 70176 Stuttgart / Filmbeginn: 15:00 Uhr

Karlsruhe / Schauburg, Marienstraße 16, 76137 Karlsruhe / Filmbeginn: 20:30 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

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Sonntag, 4. März

Heidelberg / Die Kamera, Brückenstraße 26, 69120 Heidelberg / Filmbeginn: 11:30 Uhr

Aschaffenburg / Casino, Ohmbachsgasse 1, 63739 Aschaffenburg / Filmbeginn: 17:00 Uhr

Frankfurt / Cinema, Roßmarkt 7, 60311 Frankfurt am Main / Filmbeginn: 19:00 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

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Freitag, 9. März

Düsseldorf / Atelier Kino im Savoy, Graf-Adolf-Straße 47, 40210 Düsseldorf / Filmbeginn: 19:00 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

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Samstag, 10. März

Münster / Cineplex Schlosstheater, Melchersstraße 81, 48149 Münster / Filmbeginn: 17:30 Uhr

Osnabrück / Cinema Arthouse, Erich-Maria-Remarque-Ring 16, 49074 Osnabrück / Filmbeginn: 20:00 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

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Sonntag, 11. März

Oldenburg / Casablanca, Johannisstraße 17, 26121 Oldenburg / Filmbeginn: 11:30 Uhr

Lüneburg / Scala, Apothekenstraße 17, 21335 Lüneburg / Filmbeginn: 17:00 Uhr

Gast: Regisseur Lars Kraume

Das schweigende Klassenzimmer (Deutschland 2018)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Lars Kraume

LV: Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer, 2006

mit Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel, Florian Lukas, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Und der Ullstein-Verlag spendierte der Sachbuchvorlage einen schicken neuen Umschlag

Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer

Ullstein, 2018

256 Seiten

12 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das schweigende Klassenzimmer“

Moviepilot über „Das schweigende Klassenzimmer“

Wikipedia über „Das schweigende Klassenzimmer“

Berlinale über „Das schweigende Klassenzimmer“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)


Hammett-Lesungen mit Ben Aaronovitch und den „Berlin Noir“-Autoren

Februar 19, 2018

Von Ben Aaronovitch habe ich vor Jahren ein Buch gelesen, das mir gefiel.

Von „Berlin Noir“ habe ich noch nichts gelesen, aber da schlägt der blinde Lokalpatriotismus jegliches kritische Bewusstsein.

Hier die Ankündigung der Krimibuchhandlung Hammett:

Am 27.02.2018 veranstalten wir gemeinsam mit der Otherland Buchhandlung einen Abend mit dem englischen Fantasykrimi-Autor Ben Aaronovitch.

Das wird keine Autorenlesung im klassischen Sinne, wie sie in Deutschland üblich ist, in anderen Ländern aber kaum, sondern einfach ein unterhaltsamer Abend nach dem Motto „Meet the Author“, an dem uns Ben Aaronovitch einiges erzählen wird und sich dem Dialog mit seinem Fan-Publikum stellt.

Mit der witzigen Fantasykrimi-Serie um Police Constable Peter Grant in einem magischen London („Die Flüsse von London“ und weitere fünf Bände bisher) hat Ben Aaronovitch sich eine weltweite Fangemeinde erschrieben. „So stellt man es sich vor, wenn Harry Potter erwachsen geworden und zur Polizei gegangen wäre“, meinte seine Kollegin Diane Gabaldon dazu.

Der Abend wird komplett auf Englisch stattfinden.

Der Eintritt ist frei.

Wann? – Dienstag, 27. Februar 2018, ab 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr).

Wo? – DTK-Wasserturm, Ecke Kopisch-/Fidicinstraße in Kreuzberg. (Nächste U-Bahnstation: U6, Platz der Luftbrücke.)

Richtig berlinerisch und kriminell wird es dann am 01.03.2018, bei der Premieren-Buchpräsentation der dann druckfrisch vorliegenden Berlin-Krimi-Anthologie „Berlin Noir“ (CulturBooks Verlag).

Mit der zuvor erschienenen Städte-Anthologie „Paris Noir“ hat der CulturBooks Verlag die Messlatte für diese neue Berlin-Krimi-Anthologie extrem hoch gelegt. Wir sind sehr gespannt!

An dem Abend werden mindestens zehn der dreizehn Autor(inn)en anwesend sein, und einige von ihnen werden auch Kostproben aus ihrer jeweiligen „Berlin Noir“-Story zum Besten geben.

Der Moderator des Abends und Herausgeber des Story-Bandes, Thomas Wörtche, wird zwischen Autor(inn)en und Publikum vermitteln und einiges zur Entstehung und zum Sinn und Zweck der Anthologie „Berlin Noir“ erzählen. Diskussion erwünscht!

Wann? – Donnerstag, 1. März 2018, ab 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr).

Wo? – DTK-Wasserturm, Ecke Kopisch-/Fidicinstraße in Kreuzberg. (Nächste U-Bahnstation: U6, Platz der Luftbrücke.)

Eintritt: 5 Euro.

Vorverkauf und Kartenreservierung im Hammett, per e-mail oder Telefon.

(…)

P.S.:

Am 16. März 2018 kommt dann unsere australische Lieblingsautorin Candice Fox („Hades“-Trilogie) ins English Theatre Berlin, Fidicinstraße 40, und wird ihren aktuellen Roman „Crimson Lake“ vorstellen.


TV-Tipp für den 19. Februar: Das alte Gesetz

Februar 18, 2018

Arte, 23.50 (VPS könnte 23.55 Uhr sein)

Das alte Gesetz (Deutschland 1923)

Regie: Ewald André Dupon

Drehbuch: Paul Reno

Galizien, 1860: der orthodoxe Jude Baruch Mayer will Schauspieler werden. Sein Vater, der Rabbi, ist dagegen. Aber die christliche Erzherzogin hat da auch noch ein Wort mitzureden.

Gestern auf der Berlinale, heute im Fernsehen und morgen auf der Festplatte. Denn die Uhrzeit für die Erstausstrahlung der brandneuen, digital restaurierten Fassung ist ziemlich mitternächtlich.

Im Gegensatz zu früheren Rekonstruktionen und älteren Fassungen entspricht diese rekonstruierte Fassung der Originalfassung. Sie hat die gleiche Länge wie die Premierenfassung (135 Minuten) und mit der in den 1990er Jahren aufgetauchten Zensurkarte konnte auch der originale Ablauf und die originalen Texte der Zwischentitel wieder hergestellt werden. Denn, und das ist bei einem Stummfilm nichts ungewöhnliches, wurden schon damals für den Export verschiedene Fassungen erstellt. Das Originalnegativ und Kopien der deutschen Fassung sind verschollen. Deshalb erstellten die Restauratoren in mühevoller Arbeit aus allen existierenden Fassungen die restaurierte Fassung.

‚Das alte Gesetz‘ inszeniert das Dilemma des Protagonisten, wie sich seine schauspielerischen Ambitionen mit seinem Judentum vereinbaren lassen, als Generationskonflikt zwischen Vater und Sohn und als Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. ‚Das alte Gesetz‘ meint hier die jüdische Tradition. Das Motiv des interreligiösen Liebespaares (…) ist (…) ein Gradmesser für die Spielräume und Grenzen der jüdischen Assimilation.“ (Margrit Frölich, epd film 2/2018)

Mit Ernst Deutsch, Henny Porten, Ruth Weyher, Hermann Vallentin, Avrom Morewsky, Grete Berger

Hinweise

Arte über „Das alte Gewehr“

Berlinale über „Das alte Gewehr“

Deutschlandfunk Kultur über „Das alte Gewehr“

Filmportal über „Das alte Gewehr“

Wikipedia über „Das alte Gewehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Februar: Es geschah am hellichten Tag

Februar 18, 2018

Arte, 20.15

Es geschah am hellichten Tag (Deutschland 1958)

Regie: Ladislao Vajda

Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.

Allseits bekannter Krimiklassiker mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Siegfried Lowitz. Auch das Ausland war von dem Film begeistert: „Unter der hervorragenden Regie von Ladislao Vajda wird die Handlung pausenlos in einem unbarmherzigen und beklemmenden Tempo gesteigert und ist getragen von einem Dialog, der vor Gescheitheit blitzt und nur gelegentlich durch die, dem Dichter eigene, Melancholie gebremst wird.“ (Aufbau, New York, 1960)

Dürrenmatt war mit dem Ende des Filmes unzufrieden. Sein „Buch zum Film“ hat daher ein pessimistisches Ende

Hinweise

Wikipedia über „Es geschah am hellichten Tag“ und Heinz Rühmann

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


Neu im Kino/Filmkritik: Deutsche Genreversuche: Der Agentenfilm mit „Luna“

Februar 17, 2018

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Heißt es. Bei „Luna“, dem Spielfilmdebüt von Khaled Kaissar, ist es anders. Die ersten Szenen, in denen wir einiges über die 17-jährige Luna und ihr Umfeld, ihre Familie und ihre beste Freundin, erfahren, sind einfach schlecht. Dann begleitet Luna ihre Eltern und ihre jüngere Schwester zu einem gemeinsamen Wochenende in die Berge.

Kurz nachdem sie in der einsam gelegenen Hütte an einem Bergsee angekommen sind, tauchen drei vierschrötige Kerle auf und bringen ihre Familie wegen irgendeiner Sache, die ihr Vater verbockt hat, um. Die Zeugin Luna kann fliehen und in diesem Moment kommt die Hoffnung auf, dass „Luna“ zu einem ordentlichen Survival-Thriller in den Alpen wird. Vielleicht kein Meisterwerk, aber ein ordentlich spannender Film, der nicht besonders tiefgründig sein muss.

Diese Hoffnung wird schnell enttäuscht. Denn Kaissar verlegt die Geschichte schnell, beginnend mit einer ländlichen Polizeistation, in verschiedene Innenräume, in denen die verschiedenen Akteure Dokumente suchen, andere Wohnungen beobachten und sich gegenseitig Gott und die Welt erklären. Denn, und das ist die aus der Realität kommende Inspiration für den Film, Lunas Vater war ein russischer Geheimagent, der seit zwanzig Jahren unter falscher Identität in Deutschland lebte, einer bürgerlichen Arbeit nachging, heiratete und Kinder bekam. In der Realität wurde die in Baden-Württemberg lebende Agentenfamilie 2012 enttarnt und vor Gericht gestellt. Im Film will Lunas Vater aussteigen. Das und wie er seinen Ausstieg bewerkstelligen will, führt zu einigen Problemen, die dann zu seiner Ermordung führten. Luna erfährt das alles Hamid, der sie rettete, als eine Polizistin, die für die Bösen arbeitet, sie umbringen wollte.

Hamid war, wie ihr Vater, ebenfalls ein russischer Geheimagent. Er arbeitet allerdings schon länger nicht mehr für die Russen. Jetzt will der Einzelkämpfer Luna in Sicherheit bringen, indem er sie mit einem falschen Pass in den nächsten Bus nach Moskau setzt.

Luna will aber nicht abhauen, sondern sie will wissen, wer warum ihre Familie ermordete. Zusammen mit Hamid beginnt sie mit einer Suche nach den Tätern und den Hintermännern, in der die Geheimagentenwelt so gezeigt wird, wie Klein Doofi sie sich vorstellt. Und die Charaktere sich immer wieder unglaublich dumm verhalten. Zum Beispiel telefoniert Luna, als hätte sie in ihrem gesamten Leben nicht einen einzigen Kriminalfilm gesehen, während sie gerade in Hamids Wohnung sitzt, mit ihrer besten Freundin. Und schwuppdiwupp wissen ihre Verfolger, wo sie ist.

Luna“ ist ein zäher Brei, der Versatzstücke aus der Wirklichkeit, Verschwörungstheorien und alle bekannten Klischees über die Geheimdienste, die man aus Buch und Film seit Jahrzehnten kennt, in der irrwitzigen Hoffnung zusammenwirft, dass so irgendetwas Spannendes entstehen könnte. Am Ende hat man einen unglaubwürdigen, zugequasselten Actionfilm ohne Action, dessen Agentengeschichte gut in eine der zahlreichen „Soko“-Vorabendserien passen würde. Und ich meine das nicht als Lob.

Dabei kann Deutschland durchaus als Kulisse für spannende Agententhriller dienen. Zuletzt waren das die John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted Man“ oder, als durchgeknallter Actionfilm am anderen Ende des Geheimagentenfilmspektrums, „Atomic Blonde“.

Nächste Woche geht es mit „Heilstätten“ weiter. Ein Horrorfilm für die Generation YouTube.

Luna (Deutschland 2017)

Regie: Khaled Kaissar

Drehbuch: Ulrike Schölles, Ali Zojaji, Alexander Costea

mit Lisa Vicari, Carlo Ljubek, Branko Tomovic, Benjamin Sadler, Bibiana Beglau, Rainer Bock, Genija Rykova

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Luna“

Moviepilot über „Luna“

Wikipedia über „Luna“


TV-Tipp für den 17. Februar: Heist – Der letzte Coup

Februar 17, 2018

ZDFneo, 21.40

Heist – Der letzte Coup (Heist, USA 2001)

Regie: David Mamet

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Wie ist die „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“?

Februar 17, 2018

Seine Weltpremiere erlebte Guillermo del Toros neuer Film „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ in Venedig. Dort erhielt er den Goldenen Löwen als bester Film. Seitdem erhielt der Film über achtzig Preise und fast zweihundertsiebzig Nominierungen. Allein diese Zahlen verraten schon einiges über die Qualität des Films. Der Höhepunkt der Preisverleihungen dürfte die Oscar-Nacht sein. Denn „The Shape of Water“ ist für dreizehn Oscars nominiert, unter anderem in den wichtigen Kategorien bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, Nebendarsteller und Kamera. Und er hatte gute Chancen, einige Preise zu erhalten. Unter anderem, trotz starker Konkurrenz, den Preis als bester Film des Jahres. Denn wie „The Artist“, der 2012 den Oscar als bester Film des Jahres erhielt, feiert „The Shape of Water“ das alte Hollywood zwischen B-Picture-Monsterheuler und Musical in seiner ganzen Pracht.

Ungefähr 1963, zur Hochzeit des Kalten Krieges, wird ein seltsames Wesen (Doug Jones), das Filmfans beim ersten Anblick sofort als „Der Schrecken vom Amazonas“ (Creature from the Black Lagoon, USA 1954, Regie: Jack Arnold) erkennen, zu Forschungszwecken in eine geheime und hoch gesicherte US-Forschungsanlage in Baltimore gebracht. Es ist eine dieser Anlagen, in der niemand auch nur zwei Schritte gehen kann, ohne sich ausweisen zu müssen. Bis auf die Putzfrauen, die überall Zutritt haben und normalerweise nicht beachtet werden. Es sind ja nur die Putzfrauen. Wie die schüchterne und stumme Elisa (Sally Hawkins). Sie lebt allein in einem Apartment über einem riesigen Kino, das eines dieser alten Filmpaläste ist, die wir nur aus Filmen kennen. Mit einem netten Betreiber und einer überschauberen Kundschaft. Elisas einziger Freund ist ihr Nachbar Giles (Richard Jenkins). Er ist ein erfolgloser, netter, homosexueller Werbezeichner und Musicalliebhaber, mit dem sie im Fernsehen alte Filme ansieht. Ihre beste Freundin ist ihre redselige Arbeitskollegin Zelda (Octavia Spencer). Die Afroamerikanerin ist verheiratet und nie um eine spitze Bemerkung verlegen.

Elisa führt ein einsames, geregeltes Leben, in das nur ihre Träume Farbe bringen. Bis sie den Amphibienmann trifft. Wobei trifft eigentlich nicht das richtige Wort ist. Schließlich ist er in dem Forschungslabor, das sie putzt, in einem Wasserbottich gefangen und angekettet. Sie kann ihn zunächst nur durch eine dicke Glasscheibe schemenhaft sehen.

Der Amphibienmann wurde von dem stahlharten Regierungsagenten Richard Strickland (Michael Shannon) eigenhändig aus dem Amazonasgebiet nach Baltimore geschleppt. Er möchte alles über das Wesen wissen und er will verhindern, dass es den Russen in die Hände fällt. Für ihn ist dieser Fischmensch eine gefährliche Bestie, die mit Schlägen gefügig gemacht werden muss. Der Meeresbiologe Dr. Robert Hoffstetler (Michael Stuhlbarg), der die Lungenstruktur des Amphibienmannes untersuchen soll, behandelt den Amphibienmann besser. Trotzdem ist er auch für ihn nur ein Forschungsobjekt.

Nur Elisa hat Mitleid mit ihm. Sie begegnet ihm unvoreingenommen, bringt ihm Essen mit und verständigt sich wortlos mit ihm. Langsam vertraut er ihr.

Gleichzeitig werden die Experimente für den Amphibienmann immer lebensbedrohlicher und russische Spione versuchen die Anlage zu infiltrieren.

Weil Elisa sich inzwischen in ihn verliebt hat, möchte sie ihn befreien. Aber wie? Und können ihr ihre Freunde, die wie sie gesellschaftliche Außenseiter sind, helfen?

Del Toros neuer Film ist ein überaus gelungener Crossover aus Monsterfilm, Liebesfilm und Thriller, garniert mit ein, zwei kräftigen Musical-Tupfern, der sich ausdrücklich auf die klassischen Fünfziger-Jahre-B-Pictures beruft. Damals gab es jede Woche eine Alien-Invasion, ein wissenschaftliches Experiment ging grotesk schief und natürlich mussten die Amerikaner sich gegen die bösen Russen verteidigen. Es waren und sind höchst unterhaltsame Filme, die auch, mehr oder weniger offensichtlich, Stimmungen aufgriffen. Es waren oft paranoide Fantasien, die das Herz jedes Analytikers erfreuen. Die besten dieser Filme wurden in jede Richtung interpretiert. Auch der Publikumserfolg „Der Schrecken vom Amazonas“ als „Die Schöne und das Biest“-Variante hatte eine Botschaft. Del Toro knüpft an diesen Klassiker an, führt ihn weiter und verändert vieles, bis eigentlich nur noch der Amphibienmann vorhanden ist. Allerdings nicht mehr als Herrscher über seine Welt, sondern als Gefangener und malträtierte Kreatur. Er ist wahrlich kein Biest mehr. Ein verwunschener Prinz ist er auch nicht. Und Elisa ist nicht die Anwärterin für „die Schöne“, sondern für „die Unsichtbare“. Wie ihre Freunde, die damals von der WASP-Gesellschaft, deren Vertreter Richard Strickland ist, nicht wahrgenommen wurden.

Durch diese Veränderungen wird „The Shape of Water“ zu einem subversivem Märchen über gesellschaftliche Außenseiter, die sich respektvoll, human und ohne Vorurteile begegnen.

Durch diese Veränderungen entgeht del Toro der Gefahr, einfach nur eine zweistündige, prächtig gefilmte, detailversessene Retro-Liebeserklärung an die alten B-Picture-Monsterheuler abzuliefern. Das ist „The Shape of Water“ auch. Aber im Gegensatz zu dem letztjährigen Oscar-Liebling „La La Land“ (das dann überraschend doch nicht der beste Film des Jahres wurde) benutzt del Toro die alten Filme und unsere Erinnerungen an sie, um daraus innerhalb und unter Verwendung der bekannten Formen etwas vollkommen Neues zu machen.

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water, USA 2017)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro)

mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Michael Stuhlbarg, Doug Jones, David Hewlett, Nick Searcy, Stewart Arnott

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Shape of Water“

Metacritic über „The Shape of Water“

Rotten Tomatoes über „The Shape of Water“

Wikipedia über „The Shape of Water“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Crimson Peak“ (Crimson Peak, USA 2015)

Die TIFF-Pressekonferenz

DP/30 spricht mit Guillermo del Toro über „The Shape of Water“

Peter Travers spricht mit Guillermo del Toro über „The Shape of Water“


TV-Tipp für den 16. Februar: Cobain: Montage of Heck

Februar 16, 2018

Arte, 21.45

Cobain: Montage Of Heck (Kurt Cobain: Montage Of Heck, USA 2015)

Regie: Brett Morgen

Drehbuch: Brett Morgen

Beängstigend intime Dokumentation über „Nirvana“-Leadsänger Kurt Cobain mit vielen intimen Privataufnahmen, die niemals für eine breitere Öffentlichkeit bestimmt waren.

Mehr in meiner ausführlicher Besprechung.

mit Wendy O’Connor, Kimberly Cobain, Don Cobain, Jenny Cobain, Tracy Marander, Courtney Love, Chris Novoselic, Kurt Cobain (Archivaufnahmen)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Cobain: Montage Of Heck“
Moviepilot über „Cobain: Montage Of Heck“
Metacritic über „Cobain: Montage Of Heck“
Rotten Tomatoes über „Cobain: Montage Of Heck“
Wikipedia über „Cobain: Montage Of Heck“, Kurt Cobain (deutsch, englisch) und Nirvana (deutsch, englisch)
AllMusic über Nirvana

Meine Besprechung von Brett Morgens „Cobain: Montage Of Heck“ (Kurt Cobain: Montage Of Heck, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Black Panther“ bringt eine neue Farbe in die Superheldenwelt

Februar 16, 2018

Derzeit – und viel dürfte sich nicht änderen – hat „Black Panther“ bei Rotten Tomatoes einen fast hundertprozentigen Frischegrad. Damit ist der neueste Marvel-Film der, neben Pixars „Die Unglaublichen – The Incredibles“, am besten bewertete Superheldenfilm. Weil die kumulierte Bewertung bei Rotten Tomatoes immer einen leichten Hang zu den Extremen hat, empfiehlt sich ein Blick auf die ausgewogener bewertende Metacritic-Seite. Deshalb hat „Black Panther“ dort nur einen Metascore von aktuell 87 Prozent. Bei ausschließlich positiven Bewertungen. Und die Vorverkäufe sind astronomisch hoch. Damit ist „Black Panther“ für Marvel schon vor dem Kinostart ein weiterer Gewinner, der in den ersten Tagen sein Budget einspielen wird.

Die hohen Bewertungen verraten natürlich auch etwas über Erwartungshaltungen bei den Kritikern und das gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem Filme präsentiert werden. Denn in „Black Panther“ steht erstmals, wenn wir Marvels „Blade“-Trilogie (mit Wesley Snipes) ignorieren, in einem Superheldenblockbusterfilm ein schwarzer Superheld im Zentrum der Geschichte. Weiße haben nur Statistenrollen haben und die Geschichte spielt fast vollständig im Herzen Afrikas.

Der titelgebende Superheld ist Prinz T’Challa. Er ist, nach dem Tod seines Vaters T’Chaka in „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, 2016) sein designierter Nachfolger und damit der titelgebende Black Panther. Aber so einfach ist das mit der Nachfolge im Königreich Wakanda nicht.

Wakana ist ein im Herzen Afrikas liegender Staat, der eine konsequent isolationistische Politik betreibt. Seit Ewigkeiten hält das Land sich aus allen Konflikten und dem Weltgeschehen heraus. Seine Bewohner führen ein einfaches, aber glückliches und friedliches Leben. Allerdings hat Wakanda durch das undurchdringliche Metall Vibranium (aus dem Material besteht auch das Schild von Captain America) seit Ewigkeiten den Zugriff auf unglaubliches technologisches Wissen. Die so entstandenen futuristischen Technologien und Geräte verbergen sie vor der Welt hinter der Tarnkappe eines malerischen Postkartenafrikalandes, das sogar auf jeglichen Tourismus verzichtet.

So fortschrittlich die in Wakanda benutzte Technologie ist, so archaisch ist die Gesellschaft aufgebaut. Es gibt Stämme. Es gibt eine dem Königshaus gegenüber absolut loyale Amazonen-Palastwache, die Dora Milaje, die gerne wie anno dunnemals mit Speeren kämpft. Es gibt eine durch Geburt geregelte Nachfolge, die nur in einem ehrlichen Kampf verändert werden kann. Als T’Challa gekrönt werden soll, wird er von Jabari-Anführer M’Baku herausgefordert. T’Challa gewinnt den Kampf und bringt, entgegen den Regeln, den Unterlegenen nicht um. Dafür – und das ist keine große Überraschung – hilft er ihm später.

Denn Erik Stevens, aka Killmonger, hat zusammen mit Ulysses Klaue in London aus einem Museum ein aus Vibranium bestehendes historisches Artefakt gestohlen. Über einige Umwege kommt Stevens nach Wakanda, um T’Challa die Krone streitig zu machen. Das kann er, weil er beweisen kann, dass er bzw. seine Vorfahren aus Wakanda sind.

Der nun zwischen T’Challa und Killmonger entbrennende Kampf geht dabei nicht nur um die Macht in Wakanda, sondern vor allem um die künftige politische Ausrichtung von Wakanda. Soll Wakanda weiterhin eine isolationistische Politik betreiben? Oder soll Wakanda eine interventionistische Politik betreiben und den unterdrückten schwarzen Brüdern und Schwestern in anderen Ländern (vor allem natürlich den USA) helfen? Die nötigen Mittel dazu hätten sie in Wakanda. Und wie sollen sie in anderen Ländern eingreifen? Killmonger bevorzugt dabei eindeutig die gewalttätige Methode.

Mit diesem Setting und Konflikt begibt „Black Panther“ sich tief in den Afrofuturismus und die Diskussion, wie Afroamerikaner in den USA für ihre Rechte kämpfen sollen. Und damit ist der Film in den Trump-USA unverkennbar ein hochpolitisches Statement.

Es ist allerdings auch ein Film mit einem wenig charismatischen Protagonisten. T’Challa ist der edle, vernünftige Langweiler, den jeder gern hat. Er ist ein weichgespülter Dr. Martin Luther King, ohne dessen Sendungsbewusstsein. Er ist, jedenfalls am Filmanfang, ein weitgehend selbstgenügsamer Anführer, der in Wakanda und der Welt wenig verändern möchte.

Die Filmgeschichte spielt vor allem in Wakanda und bedient damit all die schönen Afrika-Klischees, die wir aus den alten Tarzan-Filmen kennen und die auch in den „Black Panther“-Comics seit seinem ersten Auftritt 1966 verarbeitet wurden. Es ist die in Fantasy- (mehr) und Science-Fiction-Geschichten (weniger) nicht unübliche Mischung aus Zauberkräften und utopischen technischen Errungenschaften und einer Gesellschaft, die im Mittelalter stecken blieb. Dabei hätten die Macher in ihrem „Black Panther“-Film doch endlich mal eine Gesellschaft entwerfen können, die nicht blind hoffnungslos veraltete, überkommene und nicht zukunftsfähige Stammesrituale herunterbetet, die schon vor hundert Jahren vor allem der Fantasie des weißen Mannes entsprangen.

Die Action ist, verglichen mit der Action in der vor zwei Wochen gestarteten Dystopie „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“, eher konfus als packend und oft einfach zu übertrieben. Auch weil vieles aus oder mit der Hilfe des Computers entstand und einige der Spezialeffekte so künstlich aussehen, dass sie wahrscheinlich bewusst so schlecht sind, um an ältere SF-Filme zu erinnern.

Mein Unbehagen an dem Film liegt sicher auch daran, dass mir Ryan Cooglers vorheriger Film „Creed“ so gut gefiel, dass Chadwick Boseman als Jackie Robinson in „42“ und als James Brown in „Get on up“, beides afroamerikanische Helden (Brown taugt ja nur bedingt zum Vorbild), so überzeugend war und dass der Trailer einen wirklichen afroamerikanischen Superhelden versprach, der den Weißen voller „Shaft“-Selbstbewusstsein so richtig in den Arsch tritt. Ich meine, was gibt es cooleres als einen Mann in Schwarz, der auf einem durch die Großstadt rasendem Auto auf dem Dach kniet und von schmissigen HipHop-Klängen begleitet wird?

Dagegen ist „Black Panther“ dann nur eine doch eher brave Origin-Geschichte einer schon durch seine Geburt auserwählte Person aus einem weit, weit entfernten Land. Ohne Sun Ra, aber mit James-Bond-Anspielungen und – und das ist das Neue – durchgehend erzählt aus afroamerikanischer Perspektive.

P. S.: Ohne Maske ist Andy Serkis kaum zu erkennen.

Black Panther (Black Panther, USA 2018)

Regie: Ryan Coogler

Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole

LV: Charakter von Stan Lee und Jack Kirby

Mit Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Martin Freeman, Forest Whitaker, Angela Bassett, Andy Serkis, Daniel Kaluuya, Danai Gurira, Florence Kasumba, John Kani, Stan Lee

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Marvel-Facebook-Seite

Moviepilot über „Black Panther“

Metacritic über „Black Panther“

Rotten Tomatoes über „Black Panther“

Wikipedia über „Black Panther“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Creed“ (Creed, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik und ausführlicher Lesehinweis: „Alles Geld der Welt“ hilft der Getty-Familie nicht

Februar 15, 2018

Irgendwann während des Films fragte ich mich, was eigentlich aus der Getty-Familie und ihrem Vermögen wurde. Dabei war J. Paul Getty (15. Dezember 1892 – 6. Juni 1976) einmal der reichste lebende Amerikaner und wahrscheinlich auch der reichste Mensch auf der Erde. Er war ein Öl-Tycoon und Geizkragen vor dem Herrn. Die Entführung seines sechzehnjährigen Enkels Paul Getty (bzw. genaugenommen John Paul Getty III) am 10. Juli 1973 in Rom ging um die Welt. Es war in einer Zeit als Entführungen zum Geschäft von Terrorgruppen und Verbrecherbanden gehörten, eine der wenigen Geiselnahmen, über die noch Jahre danach gesprochen wurde.

Die Gründe dafür sind offensichtlich: das Opfer, seine Familie und der Verlauf der Geiselnahme. Denn J. Paul Getty weigerte sich, das geforderte Lösegeld von 17 Millionen Dollar zu zahlen. Zuerst weil er vermutete, dass sein Enkel gar nicht entführt wurde, später weil dann alle seine Enkel entführt würden und er dafür bezahlen müsste. Nach zähen Verhandlungen, begleited von einer großen Medienöffentlichkeit, und der Zahlung eines wesentlich geringeren Lösegelds von etwa drei Millionen Dollar kam Paul Getty am 15. Dezember 1973 frei. Davor – und das ist die schlimmste Szene des Films – wurde ihm sein rechtes Ohr abgeschnitten.

In seinem neuen Film „Alles Geld der Welt“ konzentriert Ridley Scott sich, nach einem Drehbuch von David Scarpa („Die letzte Festung“, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“), auf diese Geiselnahme ohne sie erzählerisch in den Griff zu bekommen. Weil er sich nie entscheiden kann, aus welcher Perspektive er seine Geschichte erzählen möchte, verheddert er sich schnell zwischen seinen verschiedenen Erzählsträngen. Er mäandert zwischen den Geschichten von J. Paul Getty, Paul Getty, Gail Harris, Fletcher Chace, Cinquata und der normalen Polizeiarbeit hin und her, ohne dass sich ein Hauptplot herausschält, an dem sich alle anderen Plots als Nebengeschichten orientieren könnten. Es ist auch nie klar, was Scott erzählen will. Soll „Alles Geld der Welt“ eine Meditation über Geld und Reichtum, ein Entführungsthriller, eine Familiengeschichte oder die Geschichte einer Person sein? Denn jede Person und jeder Erzählstrang könnte fast mühelos fast vollständig aus dem Film herausgeschnitten werden, ohne dass man beim restlichen Film viel verändern müsste.

Als Ensemblestück funktioniert „Alles Geld der Welt“ auch nicht. Ein gelungenes Ensemblestück hat ebenfalls einen zentralen Charakter und ein Thema, um das alle Plots und Szenen kreisen.

Scott beginnt seinen Film mit Paul Getty (Charlie Plummer). Er wird in Rom entführt und nach Kalabrien gebracht. Er ist sogar über eine große Strecke des Films der Voice-Over-Erzähler. Aber irgendwann in der Mitte des Films verstummt er.

Bis dahin hat er uns viel über den finanziellen Aufstieg seines Großvaters, die Beziehung seiner Eltern Gail Harris (Michelle Williams) und John Paul Getty II (Andrew Buchan) zu ihm und ihre desaströse Beziehung erzählt. Einiges davon ist später für die Filmgeschichte wichtig. Viele Informationen sind allerdings nur belanglose Hintergrundinformationen, die Christopher Plummer die Gelegenheit geben, an verschiedenen Orten jüngere Version von J. Paul Getty zu spielen.

1973 lebt J. Paul Getty schon seit Jahren auf seinem Landsitz Sutton Place. Dort besucht ihn Gail Harris. Sie, inzwischen geschieden, hat nicht das geforderte Lösegeld. Aber J. Paul Getty könnte das Lösegeld für seinen Lieblingsenkel mühelos bezahlen. Er lehnt ab und beauftragt seinen Sicherheitsberater, den ehemaligen CIA-Agenten Fletcher Chace (Mark Wahlberg), sich um die Entführung zu kümmern. Chace soll seinen Enkel möglichst billig, am besten ohne dass er einen Cent bezahlen muss, befreien.

Chace böte sich, wie man es von einer klassischen Privatdetektivgeschichte kennt, als Erzähler und Führer durch die seltsame Welt der Gettys zwischen unermesslichem Reichtum und emotionaler Kälte an. Aber über weite Strecken des Films lungert Chace einfach nur in dem Film herum, ohne etwas zur Handlung beizutragen. Er muss uns auch nicht die Geschichte von Gettys Vermögen erzählen. Das hat der entführte Paul Getty bereits erledigt.

Während Chace in und um Rom herum falsche Spuren verfolgt, freundet Paul Getty sich mit einem seiner Entführer an. Cinquanta (Romain Duris) versucht ihm dann auch zu helfen, während die anderen Entführer Paul Getty an höherrangige ‚Ndrangheta-Mitglieder verkaufen (Yep, Entführung war damals ein Geschäft). Die sehen Paul Getty nur als Investition, die bei Bedarf abgeschrieben werden kann.

Das alles plätschert, durchaus gut gespielt und immer wieder mit interessanten Szenen, über zwei Stunden vor sich hin, ohne dass jemals das Potential der Geschichte in irgendeine Richtung auch nur halbwegs ausgelotet wird. Denn dafür hätten Autor Scarpa und Regisseur Scott Entscheidungen treffen müssen.

Alles Geld der Welt“ ist – und das muss spätestens am Ende der Besprechung erwähnt werden – der Film, der Monate nach den Dreharbeiten, sechs Wochen vor dem Kinostart im Dezember, während die Werbemaschne schon auf Hochtouren lief, einen Darsteller ersetzte. Eine Verschiebung des Starttermins kam in dem Moment nicht in Frage. Schließlich sollte „Alles Geld der Welt“ bei der gerade anlaufenden Preisverleihungssaison einige Preise erhalten und von dem Rummel um die Nominierungen und Verleihungen profitieren. Bis jetzt gab es neun Nominierungen. Fünf, davon eine Oscar-Nominierung, für Christopher Plummer. Zwei für Ridley Scott. Außerdem ist, und das ist der zweite wichtige Grund, der gegen eine Verschiebung des Starttermins sprach, für Ende März der Start der zehnteiligen FX-Serie „Trust“ von Danny Boyle angekündigt. Sie erzählt ebenfalls die Geschichte der Getty-Entführung.

Der ersetzte Schauspieler ist Kevin Spacy. Er spielte J. Paul Getty. Als Vorwürfe gegen ihn wegen fortgesetzter sexueller Belästigung öffentlich wurden, wurden die Dreharbeiten für die letzte Staffel der erfolgreichen Netflix-Serie „House of Cards“ gestoppt. Die Macher entschlossen sich, die Staffel ohne ihn zu beenden und schrieben neue Drehbücher.

Ridley Scott veranlasste für seinen Film einen teuren Nachdreh mit Christopher Plummer als J. Paul Getty. Plummer war auch seine ursprüngliche Wunschbesetzung. Mit ihm und Gail-Harris-Darstellerin Michelle Williams und Fletcher-Chace-Darsteller Mark Wahlberg wurden die Spacey-Szenen mit Plummer innerhalb weniger Tage neu gedreht und in den Film hineingeschnitten. Der Grund für diesen radikalen und nicht unumstrittenen Schritt war, dass Scott eine objektive Betrachtung des Films wollte. Es sollte nicht über Kevin Spacey, sondern über den Film geschrieben werden. Es sollte nicht zu einem Backlash kommen, der, befeuert durch Boykott-Aufrufe, den finanziellen Erfolg des Films gefährdet.

Boykott-Aufrufe gab es nicht, aber ein finanzieller Erfolg wurde „Alles Geld der Welt“ bis jetzt auch nicht.

Alles Geld der Welt (All the Money in the World, USA 2017)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Scarpa

LV: John Pearson: All the Money in the World; Painfully Rich, 1995 (Alles Geld der Welt)

mit Michelle Williams, Christopher Plummer, Mark Wahlberg, Charlie Plummer, Romain Duris, Andrew Buchan, Timothy Hutton, Stacy Martin, Giuseppe Bonifati, Charlie Shotwell

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Buchhinweis

Pünktlich zum Kinostart erschien bei HarperCollins die deutsche Ausgabe von John Pearsons Biographie über Jean Paul Getty, der seinen erste Vornamen normalerweise auf „J.“ abkürzte, auf Deutsch. Die Entführung, die im Mittelpunkt des Films steht, macht mit vierzig Seiten nur einen kleinen Teil der umfangreichen Biographie über Jean Paul Getty und seine Familie, die vom Pech verfolgte ‚Getty-Dynastie‘, aus, die nach seinem Tod wenig bis nichts von seinem Vermögen erhielt. Sein gesamtes persönliches Vermögen ging, ohne irgendeine Bedingung, an das J. Paul Getty Museum in Malibu. Das von seinem persönlichem Vermögen sauber in einem Trust getrennte Vermögen ging dann, Jahre nach seinem Tod, an einige seiner Nachkommen.

Wenn man sich die Seiten über die Entführung durchliest, hätte man Gettys Entführung auch als Schwarze Komödie oder Satire über Unfähigkeit auf verschiedenen Ebenen verfilmen können. So war Chace „wahrscheinlich jedoch der schlechteste Botschafter, den der alte Mann sich hätte aussuchen können“. Er war „ein ziemlicher Verschwörungstheoretiker“, der kein Italienisch sprach und mit den Entführen spanisch reden wollte. Die postalische Zustellung des abgeschnittenen Ohrs dauerte drei Wochen. Und die Carabinieri hätten „den Fall nicht einmal dann (…) lösen können, wenn Paul von Donald Duck gefangen gehalten worden wäre“.

John Pearson: Alles Geld der Welt

(übersetzt von Claudia Heuer)

HarperCollins, 2018

432 Seiten

14,99 Euro

Ursprünglich erschien Pearsons Buch 1995 bei Macmillan als „All the Money in the World“. 2017 erschien bei William Collins unter dem Titel „Painfully Rich“ eine erweiterte Neuausgabe.

Für die deutsche Ausgabe wurde die aktuellste Ausgabe mit einer vierseitigen Nachschrift von John Pearson zur Neuausgabe zum Filmstart genommen.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alles Geld der Welt“

Metacritic über „Alles Geld der Welt“

Rotten Tomatoes über „Alles Geld der Welt“

Wikipedia über „Alles Geld der Welt“ (deutsch, englisch)

 

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Februar: Flucht in Ketten

Februar 15, 2018

3sat, 21.00

Flucht in Ketten (The defiant ones, USA1958)

Regie: Stanley Kramer

Drehbuch: Nathan E. Douglas, Harold Jacob Smith

Klassiker über zwei Sträflinge, die aneinandergekettet sind, und deshalb bei ihrer Flucht kooperieren müssen. Weil der eine ein Weißer, der andere ein Afroamerikaner ist, hassen sie sich. Gelingt es ihnen, ihre Vorurteile überwinden?

Stanley Kramers enorm erfolgreicher Film (außer in den Südstaaten) ist ein heute immer noch aktueller Aufruf gegen Rassismus und zur Toleranz.

Packender, visuell starker und ausgezeichnet gespielter Film – in seinen moralischen Absichten vielleicht etwas überdeutlich.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Tony Curtis, Sidney Poitier, Theodore Bikel, Charles McGraw, Lon Chaney Jr., Claude Akins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht in Ketten“

TCM über „Flucht in Ketten“

Wikipedia über „Flucht in Ketten“ (deutsch, englisch)


Ab Aschermittwoch im Radio: der „Radio Tatort: Im Königreich Deutschland“

Februar 14, 2018

Als im Januar 2008 der erste „Radio Tatort“ gesendet wurde, wurde die Übertragung des „Tatort“-Prinzips vom TV auf den Hörfunk, nach dem jede Landesrundfunkanstalt seinen „Radio Tatort“ produziert und das einstündge Hörspiel dann in der gesamten ARD gesendet wird, doch eher belächelt. Nach zehn Jahren hat der „Radio Tatort“ sich etabliert, zum Jubiläum gab es eine zweistündige Episode und nächsten Monat wird der 120. Fall gelöst.

Davor gibt es mit „Im Königreich Deutschland“ ab dem 14. Februar (alle Sendetermine unten und außerdem online) den 119. Fall. Produziert vom SWR mit den Kommissaren Xaver Finkbeiner (Ueli Jäggi) und Nina Brändle (Karoline Eichhorn). Zu ihnen kommt die Gerichtsvollzieherin Hannah Beierlein, die von Unbekannten überfallen wurden. Sie glaubt, dass die Täter Reichsbürger sind, mit denen sie beruflich Ärger hat. Sie erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an, stellen sich eigene Fantasiepapiere aus und zahlen keine Steuern. Sie haben, unter der Führung von Udo Knöpfle, in einer alten Schule ihr Königreich errichtet.

Als ein Sondereinsatzkommando die Schule stürmen will, wird auf die Polizisten geschossen. Einer wird lebensgefährlich verletzt. Während er noch in Lebensgefahr schwebt, versuchen Finkbeiner und Brändle den Täter unter den vier in der Schule lebenden Reichsbürgern zu ermitteln.

Im Königreich Deutschland“ ist ein sehr nah an den aktuellen Schlagzeilen über die Reichsbürger entlang geschriebener Krimi. Autorin Katja Röder will vor allem Informationen über diese rechte Subkultur vermitteln. Entsprechend didaktisch sind viele Dialoge geraten, während der Fall schnell zu einem biederen Rätselkrimi mit einigen Verdächtigen und falschen Fährten wird.

Im Königreich Deutschland (Deutschland 2018)

Regie: Alexander Schuhmacher

Autorin: Katja Röder

mit Ueli Jäggi, Karoline Eichhorn, Matti Krause, Therese Hämer, Uwe Preuss, Astrid Meyerfeldt, Isaak Dentler

Länge: 53 Minuten

Sendetermine

Mittwoch, 14. Februar

hr2-kultur, 18.05 Uhr

Bayern 2, 20.03 Uhr

Donnerstag, 15. Februar

Bremen Zwei, 21.05 Uhr

Freitag, 16. Februar

WDR 3, 19.05 Uhr

SWR2, 22.03 Uhr

Samstag, 17. Februar

WDR 5, 17.04 Uhr

SWR4, 21.03 Uhr

Sonntag, 18. Februar

SR 2 KulturRadio, 17.04 Uhr

Bremen Zwei, 17.05 Uhr

Montag, 19. Februar

kulturradio (RBB), 14.04 Uhr

MDR Kultur, 18.00 Uhr

Samstag, 24. Februar

NDR Info, 21.05 Uhr

Hinweise

ARD-Seite zum “Radio Tatort“ (dort können auch ältere „Radio Tatorte“ angehört werden)

SWR über „Im Königreich Deutschland“