Neu im Kino/Filmkritik: Sprechen wir alle eine „Universal Language“? Und ist das Farsi?

Januar 25, 2025

Beton und funktionale Zweckbauten sehen überall gleich aus. Es sind Nicht-Orte, Transitorte, die nicht zum längeren Aufenthalt gedacht sind. Deshalb dauert es auch einige Zeit, bis klar ist, dass Matthew Rankins wunderschön versponnene Indie-Komödie „Universal Language“ nicht irgendwo im arabischen und angloamerikanischen städtischen Raum, sondern in Kanada in Winnipeg spielt; – zu einem großen Teil innerhalb der dortigen iranischen Gemeinschaft, die auch im fernen Kanada untereinander vor allem Farsi spricht. In diesem surrealistichen Traum-Winnipeg begegnen sich, mehr oder weniger, die Grundschüler Negin und Nazgol, die im Eis einen 500-Riel-Schein entdecken und ihn haben und umtauschen wollen; ein Betrüger will ihnen helfen und den Schein anschließend behalten; ein Lehrer, der seine Schüler wortgewaltig zurechtstutzt (leider bleibt es bei einem, dafür eindrucksvollem Auftritt am Filmanfang); ein Touristenführer, der wissbegierige Besucher zu den Nicht-Denkmälern der Stadt führt und zwischen zwei lauten Straßen eine Schweigedoppelminute einlegt; ein Beamter, der kündigt und mit dem Bus nach Winnipeg fährt, um seine Mutter zu besuchen; ein Truthahn und noch viele weitere schräge Vögel.

Einige dieser Figuren verfolgt Rankin über eine längere Zeit. Bei anderen bleibt es, wie gesagt, bei einer Szene. Manche Figuren treffen sich im Lauf des Films. Manchmal hat das Treffen eine Auswirkung auf spätere Ereignisse, manchmal nicht. Weil Rankin sich nicht für das Erzählen einer Hollywood-Traditionen folgenden Geschichte interessiert und er auch keinerlei Interesse an Verdichtungen hat, belässt er es bei schrulligen, immer improvisiert und schmutzig wirkenden Episoden, die nichts über den Ort und die Handlungszeit verraten. Sie könnten irgendwann in den letzten vierzig Jahren spielen und würden auch dann einen verrauchten Retro-Charme haben.

Universal Language“ ist eine liebenswerte, zutiefst humanistische und freundliche surreale Komödie im Geist von Wes Anderson, Aki Kaurismäki und Roy Andersson. Nur dass bei Matthew Rankin eindeutig das Episodische und Sinnfreie im Vordergrund steht. Insofern ist es gut, dass der Film mit seinen schrulligen Figuren keine neunzig Minuten dauert.

Universal Language (Universal Language, Kanada 2024)

Regie: Matthew Rankin

Drehbuch: Matthew Rankin, Pirouz Nemati, Ila Firouzabadi

mit Rojina Esmaeili, Danielle Fichaud, Sobhan Javadi, Pirouz Nemati, Saba Vahedyousefi, Matthew Rankin, Mani Soleymanlou, Danielle Fichaud, Bahram Nabatian

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Universal Language“

Metacritic über „Universal Language“

Rotten Tomatoes über „Universal Language“

Wikipedia über „Universal Language“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 25. Januar: Der Fall Richard Jewell

Januar 24, 2025

ZDF, 01.00

Der Fall Richard Jewell (Richard Jewell, USA 2019)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Billy Ray

LV: Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell (Vanity Fair, Februar 1997), Kent Alexander, Kevin Salwen: The Suspect, 2019

Atlanta, 27. Juli 1996, Olympische Spiele: während eines Konzerts entdeckt der Sicherheitsmitarbeiter Richard Jewell einen verdächtigen Gegenstand. Sofort evakuiert er den Platz und rettet so, bevor die Bombe explodiert, viele Leben. Er wird als Held gefeiert. Und kurz darauf verdächtigt, die Bombe platziert zu haben, um sich als Helden zu inszenieren. Was stimmt?

Starkes, auf einem wahren Fall basierendes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Jon Hamm, Kathy Bates, Nina Arianda, Ian Gomez, Niko Nicotera

Hinweise

Moviepilot über „Der Fall Richard Jewell“

Metacritic über „Der Fall Richard Jewell“

Rotten Tomatoes über „Der Fall Richard Jewell“

Wikipedia über „Der Fall Richard Jewell“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Der Fall Richard Jewell“

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Juror #2“ (Juror #2, USA 2024)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Ausgabe: „Kundschafter des Friedens 2“

Januar 24, 2025

Vor acht Jahren mussten einige ehemalige DDR-Geheimagenten einer früheren Sowjetrepublik für die BRD eine kritische Situation zu lösen.

Die von Robert Thalheim mit vielen bekannten DDR-Schauspielern inszenierte Agentenkomödie „Kundschafter des Friedens“, die sich über Ost- und West-Agenten und DDR-BRD-Befindlichkeiten in der Realität und im Film selbstironisch amüsierte, war ein Erfolg.

Bereits während der Kinotour entstand die Idee für einen weiteren Einsatz der rüstigen DDR-Agenten. Aber der Tod von Michael Gwisdek, einem der Hauptdarsteller des Films, am 22. September 2020, die Coronavirus-Pandemie und die Suche nach der richtigen Geschichte verhinderten dann einen früheren Drehstart. Die Hauptdarsteller waren immer an einer Fortsetzung interessiert. Henry Hübchen, Winfried Glatzeder und Thomas Thieme sind wieder dabei. Katharina Thalbach und Corinna Harfouch sind die prominenten Neuzugänge. Sie alle hatten ihren Spaß und schwelgten in den Drehpausen unter südlicher Sonne sicher in Erinnerungen an die DDR, gemeinsame Bekannte und Schauspielerfahrungen.

Dieses Mal werden die titelgebenden ‚Kundschafter des Friedens‘, die absolut unironische Bezeichnung der DDR-Regierung für ihre Geheimagenten, von Helene (Corinna Harfouch) um einen Gefallen gebeten. Die Tochter von DDr-Agentenlegende Markus Fuchs bittet Jochen Falk (Henry Hübchen), den James Bond der DDR, Romeo-Agent Harry (Winfried Glatzeder), Logistiker Locke (Thomas Thieme) und Technikgenie Tamara (Katharina Thalbach) ihr beim Austausch eines Testaments zu helfen. Kurz vor seinem Tod hat Fuchs seiner Ehefrau Lucia (Lynne Ann Williams) die Ernst-Thälmann-Insel in Kuba überschrieben. Lucia will aus der naturbelassenen Halbinsel ein Touristenmekka machen.

Um diesen Ausverkauf kommunistischer Ideale an kapitalistische Interessen zu verhindern, machen sich die ‚Kundschafter des Friedens‘ auf den Weg nach Kuba, dem letzten kommunistischen Paradies – und sie erleben ihr blaues Wunder.

Kundschafter des Friedens 2“ ist ein harmloser Spaß mit einigen Witzen über Ost und West damals und heute, viel Nostalgie, Klamauk zum Gähnen und einer zusammengestückelten Geschichte, die sich nicht um interne Logik und stimmige Figuren kümmert.

Kundschafter des Friedens 2 (Deutschland 2025)

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Peer Klehmet, Robert Thalheim

mit Henry Hübchen, Katharina Thalbach, Corinna Harfouch, Thomas Thieme, Winfried Glatzeder, Alberto Ruano, Lynne Ann Williams, Rainer Reiners, Francisco de Solar, Nellie Thalbach, Amin Bahmeed

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kundschafter des Friedens 2“

Moviepilot über „Kundschafter des Friedens 2“

Meine Besprechung von Robert Thalheims „Eltern“ (Deutschland 2013)


Die Oscar-Nominierungen 2025

Januar 24, 2025

Vor wenigen Stunden wurden sie veröffentlicht und Deutschland hat, wenn man so will, mit „Konklave“ und „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ gleich zwei Bester-Film-Oscar-Chancen.

Die gesamte Nominierungsliste ist eine wundersame Zusammenstellung, die eine Prognose erschwert:

Best Picture

Anora” (Neon)

The Brutalist” (A24)

A Complete Unknown” (Searchlight)

Conclave” (Focus Features)

Dune: Part Two” (Warner Bros.)

Emilia Pérez” (Netflix)

I’m Still Here” (Sony Pictures Classics)

Nickel Boys” (Orion Pictures/Amazon MGM Studios)

The Substance” (Mubi)

Wicked” (Universal)

Directing

Anora” (Neon) Sean Baker

The Brutalist” (A24) Brady Corbet

A Complete Unknown” (Searchlight) James Mangold

Emilia Pérez” (Netflix) Jacques Audiard

The Substance” (Mubi) Coralie Fargeat

Writing (Adapted Screenplay)

A Complete Unknown” (Searchlight) Screenplay by James Mangold and Jay Cocks

Conclave” (Focus Features) Screenplay by Peter Straughan

Emilia Pérez” (Netflix) Screenplay by Jacques Audiard, in collaboration with Thomas Bidegain, Léa Mysius and Nicolas Livecchi

Nickel Boys” (Orion Pictures/Amazon MGM Studios) Screenplay by RaMell Ross & Joslyn Barnes

Sing Sing” (A24) Screenplay by Clint Bentley, Greg Kwedar; story by Clint Bentley, Greg Kwedar, Clarence Maclin, John “Divine G” Whitfield

Writing (Original Screenplay)

Anora” (Neon) Written by Sean Baker

The Brutalist” (A24) Written by Brady Corbet, Mona Fastvold

A Real Pain” (Searchlight) Written by Jesse Eisenberg

September 5” (Paramount) Written by Moritz Binder, Tim Fehlbaum; co-Written by Alex David

The Substance” (Mubi) Written by Coralie Fargeat

Actor in a Leading Role

Adrien Brody in “The Brutalist” (A24)

Timothée Chalamet in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Colman Domingo in “Sing Sing” (A24)

Ralph Fiennes in “Conclave” (Focus Features)

Sebastian Stan in “The Apprentice” (Briarcliff Entertainment/Rich Spirit)

Actress in a Leading Role

Cynthia Erivo in “Wicked” (Universal)

Karla Sofía Gascón in “Emilia Pérez” (Netflix)

Mikey Madison in “Anora” (Neon)

Demi Moore in “The Substance” (Mubi)

Fernanda Torres in “I’m Still Here” (Sony Pictures Classics)

Actor in a Supporting Role

Yura Borisov in “Anora” (Neon)

Kieran Culkin in “A Real Pain” (Searchlight)

Edward Norton in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Guy Pearce in “The Brutalist” (A24)

Jeremy Strong in “The Apprentice” (Briarcliff Entertainment/Rich Spirit)

Actress in a Supporting Role

Monica Barbaro in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Ariana Grande in “Wicked” (Universal)

Felicity Jones in “The Brutalist” (A24)

Isabella Rossellini in “Conclave” (Focus Features)

Zoe Saldaña in “Emilia Pérez” (Netflix)

Cinematography

The Brutalist” (A24) Lol Crawley

Dune: Part Two” (Warner Bros.) Greig Fraser

Emilia Pérez” (Netflix) Paul Guilhaume

Maria” (Netflix) Ed Lachman

Nosferatu” (Focus Features) Jarin Blaschke

International Feature Film

I’m Still Here” (Brazil)

The Girl with the Needle” (Denmark)

Emilia Pérez” (France)

The Seed of the Sacred Fig” (Die Saat des heiligen Feigenbaums) (Germany)

Flow” (Latvia)

Animated Feature Film

Flow” (Sideshow/Janus Films)

Inside Out 2” (Walt Disney)

Memoir of a Snail” (IFC Films)

Wallace & Gromit: Vengeance Most Fowl” (Netflix)

The Wild Robot” (Universal)

Documentary Feature Film

Black Box Diaries” (MTV Documentary Films)

No Other Land”

Porcelain War” (Picturehouse)

Soundtrack to a Coup d’Etat” (Kino Lorber)

Sugarcane” (National Geographic Documentary Films)

Film Editing

Anora” (Neon) Sean Baker

The Brutalist” (A24) David Jancso

Conclave” (Focus Features) Nick Emerson

Emilia Pérez” (Netflix) Juliette Welfling

Wicked” (Universal) Myron Kerstein

Production Design

The Brutalist” (A24) Production Design: Judy Becker, Set Decoration: Patricia Cuccia

Conclave” (Focus Features) Production Design: Suzie Davies, Set Decoration: Cynthia Sleiter

Dune: Part Two” (Warner Bros.) Production Design: Patrice Vermette, Set Decoration: Shane Vieau

Nosferatu” (Focus Features) Production Design: Craig Lathrop, Set Decoration: Beatrice Brentnerová

Wicked” (Universal) Production Design: Nathan Crowley, Set Decoration: Lee Sandales

Costume Design

A Complete Unknown” (Searchlight) Arianne Phillips

Conclave” (Focus Features) Lisy Christl

Gladiator II” (Paramount) Janty Yates and Dave Crossman

Nosferatu” (Focus Features) Linda Muir

Wicked” (Universal) Paul Tazewell

Music (Original Score)

The Brutalist” (A24) Daniel Blumberg

Conclave” (Focus Features) Volker Bertelmann

Emilia Pérez” (Netflix) Clément Ducol and Camille

Wicked” (Universal) John Powell and Stephen Schwartz

The Wild Robot” (Universal) Kris Bowers

Music (Original Song)

El Mal” from “Emilia Pérez” (Netflix) Music by Clément Ducol and Camille, Lyric by Clément Ducol, Camille and Jacques Audiard

The Journey” from “The Six Triple Eight” (Netflix) Music and Lyric by Diane Warren

Like A Bird” from “Sing Sing” (A24) Music and Lyric by Abraham Alexander and Adrian Quesada

Mi Camino” from “Emilia Pérez” (Netflix) Music and Lyric by Camille and Clément Ducol

Never Too Late” from “Elton John: Never Too Late” (Disney+) Music and Lyric by Elton John, Brandi Carlile, Andrew Watt and Bernie Taupin

Live Action Short Film

A Lien

Anuja

I’m Not a Robot

The Last Ranger

The Man Who Would Not Remain Silent

Animated Short Film

Beautiful Men

In the Shadow of the Cypress

Magic Candies

Wander to Wonder

Yuck!

Documentary Short Film

Death by Numbers” Kim A. Snyder and Janique L. Robillard

I Am Ready, Warden” (MTV Documentary Films) Smriti Mundhra and Maya Gnyp

Incident” (The New Yorker) Bill Morrison and Jamie Kalven

Instruments of a Beating Heart” (The New York Times OpDocs/Cineric Creative) Ema Ryan Yamazaki and Eric Nyari

The Only Girl in the Orchestra” (Netflix) Molly O’Brien and Lisa Remington

Makeup and Hairstyling

A Different Man

Emilia Pérez

Nosferatu

The Substance

Wicked

Sound

A Complete Unknown

Dune: Part Two

Emilia Pérez

Wicked

The Wild Robot

Visual Effects

Alien: Romulus

Better Man

Dune: Part Two

The Kingdom of the Planet of the Apes

Wicked

Wenn Nominierungen eine eindeutige Prognose für Gewinne wären, würde „Emilia Pérez“ mit dreizehn Nominierungen die meisten Oscars erhalten. „The Brutalist“ und „Wicked“ folgen mit zehn Nominierungen, „A complete Unknown“ und „Konklave“ mit acht Nominierungen. „Anora“ folgt mit sehs Nominierungen.

Wenn ich wetten müsste, würde ich mein Geld in den wichtigen Kategorien – bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera und beste Schauspieler in Haupt- und Nebenrollen – auf „The Brutalist“ und „A complete Unknown“ setzten. Ersterer ist der Versuch, die große US-amerikanische Geschichte anhand der Geschichte eines Mannes zu erzählen. Letzterer ist ein braves Biopic über die Anfangsjahre von Bob Dylan. Beide Filme sind typisches Oscar-Futter.

Das kann über „Emilia Pérez“ und „The Substance“ (unter anderem auch als Bester Film nominiert) nicht gesagt werden.

Nach der 97. Oscar-Preisverleihung am Sonntag, den 2. März, in Los Angeles im Dolby Theatre wissen wir mehr.


TV-Tipp für den 24. Januar: Der Marathon-Mann

Januar 23, 2025

3sat, 22.25

Der Marathon-Mann (Marathon Man, USA 1976)

Regie: John Schlesinger

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marathon-Mann“

Wikipedia über „Der Marathon-Mann“ (deutsch, englisch) und William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)

William Goldman in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Wolf Man“, der Werwolf im Mann in den Wäldern von Oregon

Januar 23, 2025

Ich fand Leigh Whannells neuen Horrorfilm gar nicht so schlecht wie befürchtet. Nach dem Ansehen des nichtssagenden Trailers und den aus dem Ausland kommenden negativen Äußerungen zum Film erwartete ich von „Wolf Man“ nur noch eine Notiz für die Jahresflopliste. Und wurde positiv überrascht.

Das heißt jetzt nicht, dass „Wolf Man“ ein guter Film ist. Es ist eher ein Film, den der Genrefan sich ansieht, dabei, auch wenn es schwerfällt, nicht über Löcher in der Story nachdenkt und sich stattdessen an den Effekten erfreut; soweit sie in der stockdunklen Nacht erkennbar sind. Denn Whannell zeigt in seinem freien Remake des Horrorfilmklassikers „Der Wolfsmensch“ (The Wolf Man, USA 1941, Regie: George Waggner, Lon Chaney Jr. als Werwolf) in schönster „Die Fliege“-David-Cronenberg-Bodyhorror-Tradition die sich über Stunden hinziehende Verwandlung von Blake Lovell in den titelgebenden ‚Wolf Man‘.

Blake (Christopher Abbott) kehrt mit seiner Frau Charlotte (Julia Garner) und ihrer gemeinsamen achtjährigen Tochter Ginger (Matilda Firth), zu der er eine innige Verbindung hat, in das einsam in den Wäldern von Oregon gelegene Elternhaus zurück. Sein schon vor Jahren im Wald verschwundener Vater würde für tot erklärt wurde. Jetzt will Blake das Haus ausräumen und seiner Frau und Tochter die Wälder zeigen, in denen er seine Kindheit verbrachte.

Auf der Hinfahrt verunglücken sie im Wald. Blake wird von etwas gebissen und sie flüchten panisch vor den Dingen, die im Dunkeln im Wald lauern, in das Haus seines Vaters. Dort verbarrikadieren sie sich vor den Angriffen eines oder mehrerer Tiere. So genau kann man das im Dunkeln nicht erkennen. Die Lovells versuchen Hilfe zu holen. Allerdings haben ihre Smartphones keinen Empfang (das soll ein in den USA übliches Problem sein) und auf die Hilferufe via CB-Funk antwortet niemand.

Aber viel schlimmer als die Angriffe aus dem Wald ist, dass Blake sich in ein verwandelt. Er wird zu einem Werwolf mit der tierischen Lust auf Menschenfleisch.

Whannell konzentriert sich auf die Situation zwischen den drei in der Hütte eingeschlossenen Menschen, ihren Fluchtversuchen und den Angriffen aus dem Wald. Das sorgt für eine ordentliche Portion Suspense. Es gibt einige Szenen aus Blakes Perspektive, der immer mehr zum Tier mutiert und sich immer weniger mit Charlotte und Ginger verständigen kann.

Gleichzeitig verzichtet Whannell auf Erklärungen und vieles ist einfach schlecht ausgedacht. So weiß Blake alles und nichts über den Wald und die im Wald lebenden Werwölfe. Halt gerade, wie es für die Szene besser ist. Selbstverständlich verrät er seiner Frau nichts über seine Verwandlung. Das seit Jahren verlassene elterliche Haus ist in jeder Beziehung erstaunlich gut erhalten. Im entscheidenden Moment kann sogar Ginger schneller als die sie verfolgenden Werwölfe laufen. Undsoweiterundsofort. Logisch ist das nicht, aber sonst wäre der Film nach fünf Minuten zu Ende. Ärgerlich ist dieses Hervorzerren der allerältesten Horrorfilmklischees, angesichts des in anderen Szenen durchaus vorhandenen Potentials, dann doch.

Wolf Man (Wolf Man, USA 2025)

Regie: Leigh Whannell

Drehbuch: Leigh Whannell, Corbett Tuck

mit Christopher Abbott, Julia Garner, Sam Jaeger, Matilda Firth, Benedict Hardie, Ben Prendergast, Zac Chandler, Milo Cawthorne

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Wolf Man“

Metacritic über „Wolf Man“

Rotten Tomatoes über „Wolf Man“

Wikipedia über „Wolf Man“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Leigh Whannells „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ (Insidious: Chapter 3, USA 2015)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die drei ??? und der Karpatenhund“ in Rocky Beach, Kalifornien

Januar 23, 2025

Nach ihrem Abenteuer in Transsilvanien sind ‚Die drei ???“ Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) wieder zurück in ihrer Heimat Rocky Beach, der in Kalifornien in der Nähe von Los Angeles liegenden Kleinstadt. Dort betreiben die drei ungefähr fünfzehnjährigen Schulfreunde auf einem Schrottplatz in einem ausrangiertem Campinganhänger eine Detektei. Sie übernehmen jeden Fall. Aber die meisten Fälle, wie verschwundene Einhörner und verlegte Brillen, langweilen sie. Das ändert sich, als Fenton Prentice (Ulrich Tukur) sie um Hilfe bittet. Prentice ist Kunsthändler. In seiner Galerie will er demnächst die Werke seines kürzlich verstorbenen Freundes Edward ausstellen. Sein letztes Werk ist der Karpatenhund, ein von einer alten Sage inspirierter Hund aus Kristall.

Seit Edwards Tod wird Prentice nachts in seiner Wohnung von einem schrecklichen Hundejaulen verfolgt. Prentice fragt sich, ob der Fluch des Karpatenhundes ihn heimsucht, in den Wahnsinn und Tod treiben will.

Prentice wohnt im Mulholland View, einem leicht heruntergekommenem Apartmentkomplex, das den Charme alten Hollywoods mit etwas Noir- Atmosphäre und leichtem David-Lynch-Feeling verströmt. Die anderen Mieter sind die neugierige und zänkische Verwalterin des Hauses, Edwards unverkäufliche Dinge zusammenbastelnder Bruder, eine als Kellnerin arbeitende Schauspielerin, eine am Strand mit Akrobatikshows Geld verdienende Schlangenfrau, ein tagsüber am Pool meditierender und in den Tag hineinlebender Supermarktverkäufer und ein viel beschäftigter Börsenmakler.

Weil die drei jugendlichen Detektive nicht an eine übernatürliche Erklärungen glauben, muss einer dieser Mieter für das Heulen des Karpatenhundes verantwortlich sein.

Noch bevor sie mit ihren Ermittlungen richtig beginnen können, wird aus Edwards Atelier der wertvolle Karpatenhund geklaut. Der Dieb kann mit seiner Beute im Mulholland-View-Wohnkomplex entkommen. Jetzt wollen Justus, Peter und Bob auch den Diebstahl aufklären.

Nach dem Europaausflug spielt das zweite Kinoabenteuer mit den aktuellen ‚drei ???‘ – Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl – in der Gegend, in der sie normalerweise ermitteln. Und dieses Mal benehmen sie sich auch wie drei gute Freunde, die gemeinsam Abenteuer erleben wollen und sich in ihren Fähigkeiten als Detektive vorzüglich ergänzen. Halt genauso wie die Fans der ‚drei ???‘ Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihre niemals älter werdenden jugendlichen Ermittler seit 1964, als sie in den USA das erste „Die drei ???“-Buch erschien, kennen und vor allem in Deutschland lieben. Während in den USA die Buchserie mit den nicht alternden Teenager-Detektiven schon vor Jahrzehnten eingestellt wurde, erscheinen in Deutschland, geschrieben von deutschsprachigen Autoren, weitere Romane und auch Hörspiele. Es sind Krimis für Kinder. Und auch Tim Dünschedes „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein Krimi für ungefähr zehnjährige Kinder.

Alles in diesem Krimi ist kindgerecht und für Kinder, die sich einen spannenden Krimi ohne elterliche Begleitung ansehen wollen. Die Eltern, wenn sie denn unbedingt mit ins Kino kommen wollen, können ein wenig in Erinnerungen an lang zurückliegende Leseabende mit den drei jungen Detektiven schwelgen und den Film mit der für den Film stark veränderten Roman- und Hörspielvorlage vergleichen. Sie werden auch einige der offensichtlichen Anspielungen auf klassische Hollywood-Kriminal- und Horrorfilme erkennen. Trotzdem ist das kein Film für sie. Es ist auch kein Film für pubertierende Teenager. Justus, Peter und Bob sind zwar in der Pubertät und in desem Film alt genug, um nach US-amerikanischem Recht mit sechzehn Jahren Auto zu fahren (keine Panik, nur kurz am Filmende nach dem Abschluss des Falles), aber sie haben keine Pubertätsprobleme und sie interessieren sich auch überhaupt nicht für Mädchen.

Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein Film für Kinder, der nicht kindisch ist. Dünschede und Drehbuchautorin Anil Kizilbuga, die auch das Buch für „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ schrieb, präsentieren einen ordentlich entwickelter Rätselkrimi mit mehreren Verdächtigen, falschen Spuren, kindgerechter Action und Spannung.

Der dritte Fall mit dem aktuellen Ermittlerteam wurde zusammen mit „Die drei ??? und der Karpatenhund“ gedreht. „Die drei ??? – Toteninsel“ soll in einem Jahr in die Kinos kommen.

Zum Filmstart veröffentlichte der Kosmos-Verlag, wo die „Die drei ???“-Jugendkrimis seit 1968 erscheinen, den von André Marx geschriebenen Roman zum Film. Es ist eine flüssig geschriebene Romanfassung des Films; mit vielen Bildern aus dem Film.

Die drei ??? und der Karpatenhund (Deutschland 2025)

Regie: Tim Dünschede

Drehbuch: Anil Kizilbuga

LV: M. V. Carey: The Mystery of the Invisible Dog, 1975 (Die drei ??? und der Karpatenhund)

Roman zum Film: André Marx: Die drei ??? und der Karpatenhund, 2024

mit Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Ulrich Tukur, Sunnyi Melles, Florian Lukas, Jördis Triebel, Filip Schnack, Philipp Christopher, Bernd Hölscher, Christoph Bach, Siri-Anna Faal, Johannes Nussbaum, Tamara Lopez

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Das Buch zum Kinofilm

André Marx: Die drei ??? und der Karpatenhund

Kosmos, 2024

192 Seiten

13 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die drei ??? und der Karpatenhund“

Moviepilot über „Die drei ??? und der Karpatenhund“

Kosmos über „Die drei ???“

Wikipedia über „Die drei ???“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Limbo“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ (Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 23. Januar: Verleugnung

Januar 22, 2025

RBB, 20.15

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde. Absolut sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Wiederholungen

MDR: Freitag, 24. Januar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

3sat, Freitag, 24. Januar, 20.15 Uhr

RBB: Freitag, 24. Januar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Zur Neuverfilmung von Alexandre Dumas‘ „Der Graf von Monte Christo“

Januar 22, 2025

Unzählige Male wurde Alexandre Dumas‘ „Der Graf von Monte Christo“ verfilmt. Die erste bekannte Verfilmung ist eine vierzehnminütige US-amerikanische Verfilmung von Francis Boggs und Thomas Persons. Hobart Bosworth spielte Edmond Dantés, den späteren Grafen von Monte Christo in diesem Film von 1908 und vier Jahre später wieder. Seitdem spielten Walter Rilla, Robert Donat (der erste Tonfilmgraf), Jean Marais, Louis Jourdan, Richard Chamberlain, Gérard Depardieu und James Caviezel den Grafen. Inszeniert wurden die Abenteuer des rachsüchtigen Grafen für das Kino und das Fernsehen von Henry Levin, André Hunebelle (u. a. die immer noch beliebten Fantomas-Filme mit Louis de Funès), David Greene, Denys de La Patellière und Kevin Reynolds. Das sind größtenteils keine wirklich bekannten Regisseure, aber mindestens gute Handwerker, die eine Geschichte flüssig für ein großes Publikum erzählen können. Und das ist bei der von Alexandre Dumas erfundenen Geschichte nötig. Ursprünglich erschien die Geschichte von 1844 bis 1846 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift „Le Journal des débats“. In Deutschland gibt es mehrere, teils mehr oder weniger, auch für ein jugendliches Publikum gekürzte Ausgaben. Die längste mir bekannte und aktuell regulär im Buchhandel erhältliche Fassung ist die bei dtv erschienene vollständige Übersetzung mit über 1500 Seiten.

Die Verfilmungen hatten oft, wie die Vorlage, eine epische Länge oder waren gleich eine mehrteilige TV-Serie.

Und jetzt gibt es eine neue Verfilmung der altbekannten Geschichte. Sie dauert fast drei Stunden und wurde von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière inszeniert. Sie inszenierten davor gemeinsam „Der Vorname“ und „Das Beste kommt noch“. Und sie schrieben zuletzt das Drehbuch für die 2023er „Die drei Musketiere“-Verfilmung. Pierre Niney („Yves Saint Laurent“, „Frantz“, „Jacques – Entdecker der Ozeane“, „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“) übernahm die Hauptrolle. Im benachbarten Frankreich ist der im Sommer gestartete Film mit inzwischen deutlich über neun Millionen Zuschauern ein Publikumserfolg.

Die Geschichte dürfte nach all den Verfilmungen und den oft mehr oder weniger gekürzten und bearbeiteten Buchausgaben bekannt sein.

Edmond Dantès ist 1815 ein junger, tapferer Seefahrer, der auch gegen Befehle seines Kapitäns verstößt, um während eines Sturms eine Frau vor dem Ertrinken zu retten. Als er seine große Liebe Mercédès heiraten will, wendet sich sein Schicksal. Denn sein bester Freund Fernand de Morcerf will ebenfalls Mercédès ehelichen. Im Gegensatz zu Dantès verfügt er über gute Beziehungen. Zusammen mit dem stellvertretendem Staatsanwalt Gérard de Villefort, der bei dem Verfahren gegen Dantès eine gute Karriereoption wittert, und Danglars, der das Kommando über sein Schiff an Dantès verlor, konspiriert er gegen Dantès. Danach soll Dantès Mitglied einer bonapartischen Verschwörung gegen den Staat sein. Ohne Gerichtsverfahren wird er zur Haft in einem Inselgefängnis verurteilt.

Nach vierzehn Jahren gelingt Dantès die Flucht. Ein Mithäftling, Abbé Faria, hat ihm vorher verraten, dass auf der Insel Monte Christo ein riesiger Goldschatz versteckt ist. Dantès findet den Schatz.

Als vermögender Graf von Monte Christo begibt er sich nach Paris. Er will sich an den Männern rächen, die ihn mit falschen Beweisen anklagten und zur Kerkerhaft verurteilten.

Delaporte und de La Patellière nehmen sich bei ihrer Version der bekannten Geschichte einige Freiheiten, die allein schon aufgrund der Länge des Romans notwendig sind. Davon abgesehen erzählen sie in ihrem sich erzählerisch am klassischen Abenteuerfilm orientierendem Dreistundenfilm die Geschichte des Grafen von Monte Christo strickt chronologisch und in drei deutlich unterscheidbaren Teilen

Der erste Teil ist der beste Teil des Rachedramas. Hier verdichten sie vorzüglich die Handlung und erzählen vieles ohne Worte. Ein Blick, Gesten, Reaktionen oder Tätigkeiten verraten alles notwendige über die Beziehungen der verschiedenen Akteure zueinander. In diesen Minuten wird gezeigt, wer warum gegen Dantès intrigiert und wie sich die Verschwörer aus verschiedenen Gründen gegen Dantès verbünden.

Die anschließende Gefangenschaft im Kerker, die gefährliche Flucht und die Entdeckung des Schatzes verbinden vor allem den ersten Teil mit der anschließenden Rachegeschichte. In ihr wird wenig gezeigt, aber viel geredet. Und das ist nicht so wahnsinnig spannend. Wir wissen bereits alles über das Komplott gegen Dantès. Trotzdem wird dies, teils quälend langwierig, in Tischgesprächen erklärt. Dantès überlegt sich komplizierte Komplotte gegen seine Feinde, die, nun, auf dem Papier möglicherweise gut aussehen. Im Kino nicht mehr. Außerdem bleibt beim Lesen immer die Zeit, die Namen nachzuschlagen und gegebenenfalls zurückzublättern.

Der Graf von Monte Christo (Le Comte de Monte-Cristo, Frankreich 2024)

Regie: Matthieu Delaporte, Alexandre de La Patellière

Drehbuch: Matthieu Delaporte, Alexandre de La Patellière

LV: Alexandre Dumas: Le Comte de Monte-Cristo, 1844/1846 (Der Graf von Monte Christo)

mit Pierre Niney, Bastien Bouillon, Anaïs Demoustier, Anamaria Vartolomei, Laurent Lafitte, Pierfrancesco Favino, Patrick Mille, Vassili Schneider, Julien de Saint Jean

Länge: 178 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Der Graf von Monte Christo“

Moviepilot über „Der Graf von Monte Christo“

Metacritic über „Der Graf von Monte Christo“

Rotten Tomatoes über „Der Graf von Monte Christo“

Wikipedia über „Der Graf von Monte Christo“ (Roman: deutsch, englisch, französisch, aktuelle Verfilmung: deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 22. Januar: Mulholland Drive – Straße der Finsternis

Januar 21, 2025

Arte, 20.15

Mulholland Drive – Straße der Finsternis (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)

Regie: David Lynch

Drehbuch: David Lynch

Die Handlung von „Mulholland Drive“ kann, wie bei dem ähnlich strukturiertem „Lost Highway”, kaum wiedergegeben werden. Denn dafür springt sie zu sehr zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, hin und her.

Der Neo-Noir-Mystery-Thriller beginnt mit einem Autounfall. Eine junge Schönheit (Laura Elena Harring) verliert dabei ihr Gedächtnis. Sie irrt durch das nächtliche Hollywood, findet bei der jungen Schauspielerin Betty (Naomi Watts) Unterschlupf und nennt sich, nach einem Filmplakat, Rita. Gemeinsam versuchen die beiden Frauen hinter Ritas Geheimnis zu kommen.

Diese Suche ist dann vollkommen irreal, surreal und doch auch vollkommen logisch. Inzwischen wird „Mullholland Drive“ David Lynchs vollendetstes Werk genannt.

Zahlreiche Preise und noch mehr Nominierungen sagen einiges über die Qualität von “Mulholland Drive” aus. Lynch erhielt 2001 beim Filmfestival in Cannes den Preis für die beste Regie. Der Film erhielt den César als bester ausländischer Film. Für Krimifans ist die Nominierung von „Mulholland Drive“ für den Edgar als bester Kriminalfilm des Jahres wichtig. Für Science-Fiction-Fans ist es die Nominierung für den Saturn Award als bester Science-Fiction-Film. Beide Male wurde Christopher Nolans „Memento“ als bester Film ausgezeichnet.

David Lynch: „Ich habe zuerst visuelle Einfälle (…) So war es auch bei ‚Mulholland Drive‘. Ich bin eines Nachts wirklich über diese Straße gefahren, oberhalb von Los Angeles in den Bergen von Santa Maria. Alles fügte sich in meinem Kopf zum perfekten Bild: die mystische Dunkelheit, die symbolischen Gegenstände, die unheimliche Atmosphäre. Es entstanden sofort ganz konkrete Vorstellungen, wie bestimmte Szenen in meinem Film auszusehen haben. (…) Ich glaube, man muss meine visuellen und akustischen Einfälle auf sich wirken lassen und in ihren Sog geraten. Und zum Schluss soll man aus dem Kino kommen und im Idealfall meine Bilder nicht mehr loswerden.“ (AZ, 31. Januar 2002)

mit Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, Ann Miller, Robert Forster, Dan Hedaya, Lee Grant, Billy Ray Cyrus, Chad Everett, Mark Pellegrino

Hinweise

Arte über den Film (auch in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Mulholland Drive“

Wikipedia über „Mulholland Drive“ (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert

Meine Besprechung von David Lynchs „Twin Peaks – Fire walk with me“ (Twin Peaks: Fire walk with me, USA 1992)

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)

Meine Besprechung von David Lynchs „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)


Cover der Woche – R. i. P. David Lynch

Januar 21, 2025

R. i. P. David Lynch (20. Januar 1946, Missoula, Montana – 15. Januar 2025, Los Angeles, Kalifornien)

Zehn Spielfilme, die meisten unumstrittene Klassiker („Eraserhead“, „Der Elefantenmensch“, „Der Wüstenplanet“, „Blue Velvet“, „Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula“, „Twin Peaks – Der Film“. „Lost Highway“, „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“, „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ und „Inland Empire“), die bahnbrechende TV-Serie „Twin Peaks“, viele kürzere Arbeiten (unter anderem lange Zeit ein täglicher Wetterbericht), einige Auftritte als Schauspieler, zuletzt als John Ford in Steven Spielbergs „The Fabelmans“, weitere künstlerische Tätigkeiten und eine sehr eigene Weltsicht, für die es auch ein Wort gibt.

Hinweise

Wikipedia über David Lynch (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert

Meine Besprechung von David Lynchs „Twin Peaks – Fire walk with me“ (Twin Peaks: Fire walk with me, USA 1992)

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)

Meine Besprechung von David Lynchs „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)

 


Vorgelesen, mit Erklärungen: Volker Kaminski liest aus seiner Endzeitnovelle „Die letzte Prüfung“

Januar 21, 2025

In der Zukunft ist die nördliche Halbkugel vereist. Der gelobte Ort heißt Tripolis, aber der Weg zu diesem Paradies ist gefährlich und die Stadt darf erst nach der Absolvierung mehrerer Prüfungen betreten werden Der jüngste Prüfling des erfahrenen Prüfers Ted ist Falt, ein immer wieder gegen die Regeln verstoßender junger Mann mit großen Ambitionen.

Volker Kaminski schrieb diese gelungene Mischung aus Dystopie und Abenteuergeschichte vor über dreißig Jahren. Die Endzeitnovelle erschien 1994 im Verlag Klaus Wagenbach als „Die letzte Prüfung“. Für die 2024 bei PalmArtPress erschienene Neuausgabe überarbeitete Kaminski den ursprünglichen Text seines ersten Romans leicht.

Volker Kaminski lebt in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Berlin. Er schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten und Romane, u. a. zuletzt „Herzhand“, „RUA 17“ und „Die letzte Prüfung“. Er erhielt unter anderem ein Alfred Döblin-Stipendium und ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Die Lesung wurde am 17. Januar 2025 im „Morgenstern – Antiquariat und Café“ (Berlin/Steglitz) aufgenommen.

Aufnahme: Axel Bussmer

Volker Kaminski: Die letzte Prüfung

PalmArtPress, 2024

116 Seiten

20 Euro

Hinweise

Homepage von Volker Kaminski

PalmArtPress über „Die letzte Prüfung“

Wikipedia über Volker Kaminski

Homepage von Morgenstern – Antiquariat und Café

Meine Besprechung von Volker Kaminskis Science-Fiction-Romanen „RUA 17“ (2023) und „Die letzte Prüfung“ (2024)


TV-Tipp für den 21. Januar: Winner

Januar 20, 2025

ZDF, 00.15

Winner (Winner, Kanada/USA 2024)

Regie: Susanna Fogel

Drehbuch: Kerry Howley, Susanna Fogel

LV: Kerry Howley: Who Is Reality Winner? (New York Magazine, 25. Dezember 2017, Reportage)

TV-Premiere zu nachmitternächtlicher Stunde: In dem schwarzhomorigen Biopic wird die Geschichte der Whistleblowerin Reality Winner erzählt. Sie war von 2010 bis 2016 in der United States Air Force. Danach arbietete sie für ein NSA-Subunternehmen (National Security Agency). Dort entdeckte sie einen NSA-Report über einen Versuch russicher Hacker, die US-Präsidentenwahl von 2016 zu beeinflussen. Sie gab den Bericht zur Veröffentlichung an „The Intercept“ weiter. Anschließend wurde sie verhaftet und zur bislang längsten Strafe für die nicht autorisierte Weitergabe von staatlichen Informationen an die Medien verurteilt.

Kurz nach der Premiere von „Winner“ auf dem Sundance Film Festival kam bei uns „Reality“ (Reality, USA 2023) in die Kinos. Tina Satter konzentriert sich in ihrem grandiosen Film auf das erste Gespräch zwischen Reality Winner (Sydney Sweeney [grandios!]) und den FBI-Beamten, die sie wegen Geheimnisverrats verhaften wollen.

mit Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Kathryn Newton, Danny Ramirez, Kristian Jordan

Hinweise

ZDF über „Winner“ (anschließend in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Winner“

Wikipedia über „Winner“ (deutsch, englisch) und und Reality Winner (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Bad Spies“ (The Spy who dumped me, USA 2018)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Cat Person“ (Cat Person, USA 2023)


TV-Tipp für den 20. Januar: Music Box – Die ganze Wahrheit

Januar 19, 2025

Arte, 20.15

Music Box – Die ganze Wahrheit (Music Box, USA 1989)

Regie:: Constantin Costa-Gavras

Drehbuch: Joe Eszterhas

Die renommierte Chicagoer Anwältin Ann Talbot verteidigt ihren Vater Mike Laszlo. Er soll nach Ungarn ausgeliefert werden, weil er im Zweiten Weltkrieg zahlreiche, grauenvolle Kriegsverbrechen begangen soll. Sie glaubt ihrem Vater und beginnt vor Gericht für ihn zu kämpfen.

Spannendes Gerichtsdrama, das Fragen zu Moral, Recht und Gesetz stellt und zum Nachdenken bewegt.

Polit-Filmer Costa-Gavras („Z“) erhielt auf der Berlinale, zu Recht, einen Goldenen Bären für den Film.

Eszterhas schrieb auch die Drehbücher für „Flashdance“, „Das Messer“, „Basic Instinct“, „Sliver“ und „Showgirls“.

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die fünfzigminütige Doku „Armin Mueller-Stahl: Ein Gaukler in Hollywood“ (Deutschland 2020).

mit Jessica Lange, Armin Mueller-Stahl, Frederic Forrest, Donald Muffat, Lukas Haas, Michael Rooker

Wiederholung: Freitag, 24. Januar, 14.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Music Box”

Wikipedia über „Music Box“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Januar: Kundschafter des Friedens

Januar 18, 2025

3sat, 21.45

Kundschafter des Friedens (Deutschland 2017)

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Robert Thalheim

Bevor die ‚Kundschafter des Friedens‘, eine Gruppe ehemaliger DDR-Spione im inzwischen fortgeschrittenen Rentenalter, im Kino ab dem 23. Januar Kuba besuchen, zeigt 3sat ihren ersten Einsatz.

In der früheren Sowjetrepublik Katschekistan wird wurde der designierte Präsident des Landes entführt. Die einzigen Agenten, die sich in dem Land auskennen, sind Jochen Falk und seine seit Ewigkeiten pensionierten Männer.

Gut, die Grundidee erinnert an „Space Cowboys“, aber es macht Spaß, wenn an alte Agentenfilme erinnert wird, spielerisch mit Vorurteilen über die DDR und die BRD umgegangen und die alten Säcke den Jungspunden zeigen, wo…

mit Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Antje Traue, Jürgen Prochnow, Thomas Thieme, Winfried Glatzeder, Florian Panzner, Wladimir Tarasjanz, Walter Kreye, Milan Peschel

Hinweise

Filmportal über „Kundschafter des Friedens“

Wikipedia über „Kundschafter des Friedens“

Meine Besprechung von Robert Thalheims „Eltern“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „La Cocina“ – Full Metal Jacket in der Küche

Januar 18, 2025

Estela bewirbt sich in dem in Manhattan liegendem Touristenrestaurant „The Grill“. Sie wird eingestellt und muss sofort mit ihrer Arbeit als Hilfskraft in der Küche des Restaurants beginnen. Diese ist die moderne Form der Hölle. Die Köche fertigen im Akkord aus bereit gestellten Zutaten die immergleichen Speisen an. Der eine macht seit Jahren nur Pizza. Der andere fügt, ähnlich lieblos und hastig, ein anderes Gericht zusammen. Die Kellnerinnen laufen herum und würden die Mahlzeiten am liebsten schon vor der Bestellung an die Gäste verteilen. Jeder wacht dabei eifersüchtig über seinen Arbeitsplatz. Der brüllende Schichtleiter führt wie ein Feldwebel die Aufsicht über die Küche.

Mit Estela tauchen wir in Alonso Ruizpalacios‘ SW-Film „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“ in diese auf Ausbeutung und gnadenloser Effizienz beruhende Welt ein. Die Angestellten werden ausgebeutet. Die Kunden, die wir erst am Ende, wenn sich die Geschichte von der Küche in das Restaurant verlagert, werden im Minutentakt abgefertigt. „The Grill“ ist letztendlich ein auf edel getrimmtes Fast-Food-Restaurant.

Als erzählerische Krücke in dem an allen Ecken und Enden ausuferndem Ensemblefilm dienen Ruizpalacios zwei Minimalgeschichten. Die Liebesgeschichte spielt sich zwischen dem leicht verträumten mexikanischen Koch Pedro, der einen prekären Aufenthaltsstatus hat, und der von ihm schwangeren Kellnerin Julia ab. In der Kriminalgeschichte, über die man besser nicht nachdenken sollte, sucht der Buchhalter des Restaurants nach der Person, die einen Teil der Tageseinnahmen vom Vortag gestohlen hat.

Diese Geschichten werden ständig zugunsten von Episoden und Impressionen aus der Akkordarbeit in der Küche und kurzen privaten Gesprächen unterbrochen.

Ruizpalacios erzählt das hochenergetisch als satirisch überspitzte, immer zur Hysterie neigenden und periodisch im Chaos versinkenden Nummernrevue. Das ist über weite Strecken witzig, aber mit hundertvierzig Minuten auch ziemlich lang geraten. Wie eine Schicht im „The Grill“.

La Cocina – Der Geschmack des Lebens (La Cocina, Mexiko/USA 2024)

Regie: Alonso Ruizpalacios

Drehbuch: Alonso Ruizpalacios

LV (Inspiration): Arnold Wesker: The Kitchen, 1957 (Die Küche, Theaterstück)

mit Raúl Briones, Rooney Mara, Anna Diaz, Motell Foster, Oded Fehr, Eduardo Olmos, Laura Gomez, James Waterston

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „La Cocina“

Metacritic über „La Cocina“

Rotten Tomatoes über „La Cocina“

Wikipedia über „La Cocina“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „La Cocina“

 


TV-Tipp für den 18. Januar: Michael Clayton

Januar 17, 2025

3sat, 23.40

Michael Clayton (Michael Clayton, USA 2007)

Regie: Tony Gilroy

Drehbuch: Tony Gilroy

Michael Clayton ist der Troubleshooter für eine große New Yorker Kanzlei. Als einer ihrer Anwälte ausrastet und damit der Prozess gegen das multinationale Chemieunternehmen U/North gefährdet, ist Clayton gefordert. Doch dieser steckt gerade selbst in einer Midlife-Crises.

Tony Gilroy, der als Autor der actionhaltigen Jason-Bourne-Trilogie bekannt wurde, hat mit seinem Regiedebüt einen Paranoia-Thriller inszeniert, bei dem die Bedrohung nicht mehr vom Staat sondern von der Wirtschaft ausgeht. Trotzdem haben Action-Fans bei „Michael Clayton“ schlechte Karten. Fans des guten, im positiven Sinn altmodischen Schauspielerkinos haben dagegen gute Karten.

Tony Gilroy war als bester Autor und Regisseur für einen Oscar nominiert, George Clooney als bester Darsteller, Tom Wilkinson als bester Nebendarsteller und Tilda Swinton erhielt einen Oscar einen BAFTA-Awards als beste Nebendarstellerin.

Gilroys Buch erhielt auch den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack, Michael O’Keefe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Michael Clayton“

Wikipedia über „Michael Clayton“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Jesse Eisenberg empfindet „A real Pain“

Januar 17, 2025

Als Kinder verbrachten die gleichaltrigen Cousins David (Jesse Eisenberg) und Benji (Kieran Culkin) viel Zeit miteinander. Dann gingen sie getrennte Wege und jetzt wollen sie bei einer mehrtägigen Holocaust-Reisetour durch Polen ihre Beziehung wieder auffrischen und etwas über ihre Familiengeschichte lernen. Ihre kürzlich verstorbene jüdische Großmutter überlebte als einziges Familienmitglied den Holocaust. Sie flüchtete von Polen in die USA. In ihrem Testament vermachte sie Benji und David etwas Geld für eine Reise nach Polen.

Jesse Eisenberg, der bei „A real Pain“ auch das von seiner Familiengeschichte sehr lose inspirierte Drehbuch schrieb und die Regie übernahm, spielt den schüchternen David. Er lebt in New York, ist verheiratet und Vater. Er nimmt den historischen Teil der Reise sehr ernst und hat wahrscheinlich vor der Reise ein halbes Dutzend Bücher dazu gelesen. Auf der Fahrt zum John F. Kennedy Flughafen schickt er Benji mehrere Nachrichten, in denen er ihn über den Verlauf seiner Fahrt und minimale Verspätungen informiert.

Der von Kieran Culkin gespielte Benji ist das komplette Gegenteil. Er ist ein Slacker, ein Spaßvogel – und er hat massive psychische Probleme. In dem einen Momet bringt er die Reisegruppe zum Lachen und terrorisiert sie kurz darauf mit seinen Launen und verbalen Angriffen. Er sorgt für Chaos und Unruhe.

In „A real Pain“ verknüpft Eisenberg die Geschichte der Wiederbegegnung der beiden Verwandten mit ihrer Familiengeschichte. Das tat Julia von Heinz vor wenigen Wochen auch in ihrer im direkten Vergleich deutlich gelungeneren Lilly-Brett-Verfilmung „Treasure“. Lena Dunham und Stephen Fry spielten das im Mittelpunkt der Geschichte stehende Tochter/Vater-Gespann. Nach dem Ende des Kalten Krieges will seine Tochter bei einer Reise nach Polen mehr über die Vergangenheit ihrer Familie erfahren. Ihr Vater, der als Kind den Holocaust überlebte, begleitet sie und sie sind ebenfalls ein gegensätzliches Paar. Sie hat die Reise präzise geplant. Er ist ein lebenslustiger Spaßvogel, der anscheinend nur ihre Pläne sabotieren will. Dabei verbirgt diese Fröhlichkeit nur mühsam seinen Schmerz und die Angst, sich diesem Trauma zu stellen.

Und damit kommen wir zum großen Unterschied zwischen den beiden sehr ähnlichen Dramen. In „Treasure“ ist der Holocaust unmittelbar mit einer der beiden Hauptfiguren und ihren Handlungen und Gefühlen verknüpft. In „A real Pain“ ist das nicht so. Eisenberg könnte seine Geschichte auch an jedem anderen Ort spielen lassen. Es ist egal, ob David und Benji eine Pauschalreise durch die USA oder durch Europa machen. Es ist egal, ob die Pauschalreise sich mit den Spuren des Judentums in Polen beschäftigt oder es sich um eine Weinverköstigungstour durch Frankreichs schönste Weingüter handelt. Die Reise ist nur der austauschbare Hintergrund für die Befindlichkeiten der Hauptfiguren.

A real Pain“ ist eine gut gespielte, humorvolle Charakterstudie über zwei gegensätzliche Cousins, die eine gemeinsame Reise unternehmen und danach wieder in ihr gewohntes Leben zurückkehren.

A real Pain (A real pain, USA 2024)

Regie: Jesse Eisenberg

Drehbuch: Jesse Eisenberg

mit Kieran Culkin, Jesse Eisenberg, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „A real Pain“

Metacritic über „A real Pain“

Rotten Tomatoes über „A real Pain“

Wikipedia über „A real Pain“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. Januar: Interstellar

Januar 16, 2025

RTL II, 20.15

Interstellar (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan

Bevor die Erde endgültig unbewohnbar ist, schickt die NASA ein Team, zu dem auch ein Farmer gehört, ins Weltall. Sie sollen auf der anderen Seite eines Wurmlochs eine zweite Erde finden.

Planetenhopping zur Rettung der Welt. Ich war, im Gegensatz zu den meisten Kritikern und Zuschauern, wenig begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Casey Affleck, David Gyasi, John Lithgow, Bill Irwin, Ellen Burstyn, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Mackenzie Foy, Topher Grace, David Oyelowo, William Devane

Wiederholung: Sonntag, 19. Januar, 23.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Interstellar“

Metacritic über „Interstellar“

Rotten Tomatoes über „Interstellar“

Wikipedia über „Interstellar“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Folge: „Criminal Squad 2“

Januar 16, 2025

Beginnen wir mit dem erfreulichen Teil: „Criminal Squad 2“ gehört nicht zu den vielen Fortsetzungen, die die Geschichte des ersten Films noch einmal, allerdings schlechter, erzählen. Das mussten wir im Kino in den vergangenen Monaten viel zu oft erleiden.

Christian Gudegast, Regisseur und Autor von „Criminal Squad“ und „Criminal Squad 2“, erzählt die Geschichte von Detective Nick O’Brien und Verbrecher Donnie Wilson weiter.

Im ersten Film, der 2018 in den Kinos lief, ging es um eine Bande, die in Los Angeles brutale Banküberfälle beging. Gejagt und gestellt wurden sie von Nick ‚Big Nick‘ O’Brien (Gerald Butler) und seinen Männern. Formal sind sie eine Spezialeinheit, in Wahrheit sind sie eine Bande gesetzloser Tough-Guy-Cops. Für sie ist die Dienstmarke die Erlaubnis, nach Belieben Gesetze zu brechen, Gewalt anzuwenden und auch zu foltern. Am Ende konnte Donnie Wilson (O’Shea Jackson Jr.), das Mastermind hinter den Überfällen, entkommen.

Der Thriller war eine geschredderte Frankenstein-Version von Michael Manns „Heat“.

Die Fortsetzung besteht aus den geschnittenen Szenen unzähliger besserer Heist-Movies, garniert mit überflüssigen Schimpfworten und ranzigem 80er-Jahre-Testosteron. Während in Heist-Movies die penible Planung und präzise Durchführung eines Einbruchs, bevorzugt ohne Gewalt anzuwenden, im Mittelpunkt steht, stehen in „Criminal Squad 2“ die Animositäten zwischen den Verbrechern im Mittelpunkt. Diese erschöpfen sich weitgehend in peinlichem Meiner-ist-größer-Macho-Getue und, im Original, großzügig in fast jeden Satz eingestreuten Schimpfworten. In den USA reichten die verbalen „Fucks“ für ein als Werbemaßnahme dringend ersehntes R-Rating.

Gudegast lässt die Geschichte in Europa spielen. In Nizza will Donnie Wilson die gut gesicherte weltgrößte Diamantenbörse, ein mehrere Häuserblöcke umfassendes Areal, ausrauben. Dafür arbeitet er mit einer extra für den Job zusammengestellten Verbrecherbande zusammen.

Als O’Brien erfährt, dass Wilson in Nizza ist, fliegt er allein dorthin und trifft sich mit Wilson. Er verlangt von dem Verbrecher, dass er an dem geplanten Diebstahl beteiligt wird. Er behauptet, er möchte endlich viel Geld verdienen und er habe keine Lust mehr auf die Polizeiarbeit. Für alle, die sich noch dunkel an den ersten „Criminal Squad“-Film erinnern, hört sich das nach einer faustdicken, absolut unglaubwürdigen Lüge an. Bislang war die Polizeiarbeit für ihn die beste aller Welten. Schließlich konnte er sich als Polizist schlecht benehmen und Straftaten begehen, ohne dafür bestraft zu werden. Und jetzt soll er dieses Leben als Schrecken der Straße gegen ein unauffälliges Leben auf der Flucht eintauschen wollen?

Diese Frage schiebt Wilson schnell beiseite. Gemeinsam beginnen sie mit der Planung, die in diesem Heist-Thriller erstaunlich wenig Erzählzeit beansprucht. Die Verbrecher beschäftigen sich lieber mit Sightseeing, pubertären Muskelspielen und gegenseitigen Beleidigungen. In der Originalfassung wird über hundert Mal „fuck“ gesagt. Action gibt es dagegen nur am Anfang und Ende des Films. Diese besteht, unspektakulär inszeniert und wild geschnitten, aus den bekannten Standardsituationen, in denen wild herumgeballert und mit quietschenden Reifen über den Asphalt gebrettert wird.

„Criminal Squad 2“ ist ein lahmer, vollgequasselter Heist-Krimi, der sich nur rudimentär für die Feinplanung des Einbruchs interessiert und mangels Action noch nicht einmal anspruchlose Actionfans befriedigt.

P. S.: Ich habe die 144-minütige US-Kinofassung gesehen. In die deutschen Kinos kommt die 13 Minuten kürzere internationale Fassung. Die Kürzungen dürften vor allem Straffungen im Mittelteil sein.

P. P. S.: Zwei weitere Fortsetzungen sind geplant.

Criminal Squad 2 (Den of Thieves: Pantera, USA/Spanien/Frankreich 2024)

Regie: Christian Gudegast

Drehbuch: Christian Gudegast (basierend auf Charakteren von Christian Gudegast und Paul Scheuring)

mit Gerard Butler, O’Shea Jackson Jr., Evin Ahmad, Salvatore Esposito, Meadow Williams, Swen Temmel, Michael Bisping, Orli Shuka

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Criminal Squad 2“

Metacritic über „Criminal Squad 2“

Rotten Tomatoes über „Criminal Squad 2“

Wikipedia über „Criminal Squad 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Christian Gudegasts „Criminal Squad“ (Den of Thieves, USA 2018)