TV-Tipp für den 17. Januar: Interstellar

Januar 16, 2025

RTL II, 20.15

Interstellar (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan

Bevor die Erde endgültig unbewohnbar ist, schickt die NASA ein Team, zu dem auch ein Farmer gehört, ins Weltall. Sie sollen auf der anderen Seite eines Wurmlochs eine zweite Erde finden.

Planetenhopping zur Rettung der Welt. Ich war, im Gegensatz zu den meisten Kritikern und Zuschauern, wenig begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Casey Affleck, David Gyasi, John Lithgow, Bill Irwin, Ellen Burstyn, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Mackenzie Foy, Topher Grace, David Oyelowo, William Devane

Wiederholung: Sonntag, 19. Januar, 23.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Interstellar“

Metacritic über „Interstellar“

Rotten Tomatoes über „Interstellar“

Wikipedia über „Interstellar“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Folge: „Criminal Squad 2“

Januar 16, 2025

Beginnen wir mit dem erfreulichen Teil: „Criminal Squad 2“ gehört nicht zu den vielen Fortsetzungen, die die Geschichte des ersten Films noch einmal, allerdings schlechter, erzählen. Das mussten wir im Kino in den vergangenen Monaten viel zu oft erleiden.

Christian Gudegast, Regisseur und Autor von „Criminal Squad“ und „Criminal Squad 2“, erzählt die Geschichte von Detective Nick O’Brien und Verbrecher Donnie Wilson weiter.

Im ersten Film, der 2018 in den Kinos lief, ging es um eine Bande, die in Los Angeles brutale Banküberfälle beging. Gejagt und gestellt wurden sie von Nick ‚Big Nick‘ O’Brien (Gerald Butler) und seinen Männern. Formal sind sie eine Spezialeinheit, in Wahrheit sind sie eine Bande gesetzloser Tough-Guy-Cops. Für sie ist die Dienstmarke die Erlaubnis, nach Belieben Gesetze zu brechen, Gewalt anzuwenden und auch zu foltern. Am Ende konnte Donnie Wilson (O’Shea Jackson Jr.), das Mastermind hinter den Überfällen, entkommen.

Der Thriller war eine geschredderte Frankenstein-Version von Michael Manns „Heat“.

Die Fortsetzung besteht aus den geschnittenen Szenen unzähliger besserer Heist-Movies, garniert mit überflüssigen Schimpfworten und ranzigem 80er-Jahre-Testosteron. Während in Heist-Movies die penible Planung und präzise Durchführung eines Einbruchs, bevorzugt ohne Gewalt anzuwenden, im Mittelpunkt steht, stehen in „Criminal Squad 2“ die Animositäten zwischen den Verbrechern im Mittelpunkt. Diese erschöpfen sich weitgehend in peinlichem Meiner-ist-größer-Macho-Getue und, im Original, großzügig in fast jeden Satz eingestreuten Schimpfworten. In den USA reichten die verbalen „Fucks“ für ein als Werbemaßnahme dringend ersehntes R-Rating.

Gudegast lässt die Geschichte in Europa spielen. In Nizza will Donnie Wilson die gut gesicherte weltgrößte Diamantenbörse, ein mehrere Häuserblöcke umfassendes Areal, ausrauben. Dafür arbeitet er mit einer extra für den Job zusammengestellten Verbrecherbande zusammen.

Als O’Brien erfährt, dass Wilson in Nizza ist, fliegt er allein dorthin und trifft sich mit Wilson. Er verlangt von dem Verbrecher, dass er an dem geplanten Diebstahl beteiligt wird. Er behauptet, er möchte endlich viel Geld verdienen und er habe keine Lust mehr auf die Polizeiarbeit. Für alle, die sich noch dunkel an den ersten „Criminal Squad“-Film erinnern, hört sich das nach einer faustdicken, absolut unglaubwürdigen Lüge an. Bislang war die Polizeiarbeit für ihn die beste aller Welten. Schließlich konnte er sich als Polizist schlecht benehmen und Straftaten begehen, ohne dafür bestraft zu werden. Und jetzt soll er dieses Leben als Schrecken der Straße gegen ein unauffälliges Leben auf der Flucht eintauschen wollen?

Diese Frage schiebt Wilson schnell beiseite. Gemeinsam beginnen sie mit der Planung, die in diesem Heist-Thriller erstaunlich wenig Erzählzeit beansprucht. Die Verbrecher beschäftigen sich lieber mit Sightseeing, pubertären Muskelspielen und gegenseitigen Beleidigungen. In der Originalfassung wird über hundert Mal „fuck“ gesagt. Action gibt es dagegen nur am Anfang und Ende des Films. Diese besteht, unspektakulär inszeniert und wild geschnitten, aus den bekannten Standardsituationen, in denen wild herumgeballert und mit quietschenden Reifen über den Asphalt gebrettert wird.

„Criminal Squad 2“ ist ein lahmer, vollgequasselter Heist-Krimi, der sich nur rudimentär für die Feinplanung des Einbruchs interessiert und mangels Action noch nicht einmal anspruchlose Actionfans befriedigt.

P. S.: Ich habe die 144-minütige US-Kinofassung gesehen. In die deutschen Kinos kommt die 13 Minuten kürzere internationale Fassung. Die Kürzungen dürften vor allem Straffungen im Mittelteil sein.

P. P. S.: Zwei weitere Fortsetzungen sind geplant.

Criminal Squad 2 (Den of Thieves: Pantera, USA/Spanien/Frankreich 2024)

Regie: Christian Gudegast

Drehbuch: Christian Gudegast (basierend auf Charakteren von Christian Gudegast und Paul Scheuring)

mit Gerard Butler, O’Shea Jackson Jr., Evin Ahmad, Salvatore Esposito, Meadow Williams, Swen Temmel, Michael Bisping, Orli Shuka

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Criminal Squad 2“

Metacritic über „Criminal Squad 2“

Rotten Tomatoes über „Criminal Squad 2“

Wikipedia über „Criminal Squad 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Christian Gudegasts „Criminal Squad“ (Den of Thieves, USA 2018)


TV-Tipp für den 16. Januar: Kaiserschmarrndrama

Januar 15, 2025

One, 20.15

Kaiserschmarrndrama (Deutschland 2021)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Kaiserscharrndrama, 2018

Ein Webcam-Girl wird ermordet und Franz Eberhofer hat einen neuen Fall. Wenn er sich nicht gerade mit den Bauplänen von seinem Bruder und seiner Ehefrau herumärgern muss. Die wollen nämlich für beide Familien ein wunderschönes Haus bauen.

Gewohnt vergnügliche Provinzkrimi-Kost, dieses Mal fast ohne Kriminalfall, aber mit gewohnt unterhaltsamen und respektlosen Streitigkeiten im Kreis der Familie und Freunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Sigi Zimmerschied, Nora Waldstätten, Michael Ostrowski, Thomas Kügel, Maria Hofstätter, Matthias Egersdörfer, Rüdiger Klink, Thomas Mraz, Ferdinand Hofer, Mai Le, Theresa Walter, Marek Fis, Christine Neubauer, Willy Astor, Olivia Pascal, Sarah Viktoria Frick

Wiederholung: Samstag, 18. Januar, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kaiserschmarrndrama“

Moviepilot über „Kaiserschmarrndrama“

Wikipedia über „Kaiserschmarrndrama“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung  „Leberkäsjunkie“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“ (Deutschland 2021) und der DVD

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Guglhupfgeschwader“ (Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Rehragout-Rendezvous“ (Deutschland 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „Juror #2“ hat ein Problem – und es ist nicht Clint Eastwood

Januar 15, 2025

Stur wie ein Maultier macht Clint Eastwood einfach weiter. Schon seit Jahren stellt sich bei jedem neuen Eastwood-Film die Frage, ob es sein letzter Film ist. Und ein Jahr später läuft sein nächster Film im Kino. Nur Warner Bros, die Firma, mit der er seit Jahrzehnten zusammenarbeit und für die er ein Garant für gute Einnahmen ist, verhielt sich in den USA schäbig. Anstatt seinen neuesten Film „Juror #2“, wie gewohnt, regulär in die Kinos zu bringen, verbuddelte sie ihn in ihrem Streamingdienst Max und gab ihm einen Pseudo-Mini-Kinostart. So als ob die Namen „Clint Eastwood“ und „Nicholas Hoult“ nicht zugkräftig wären.

In Deutschland läuft der Gerichtsfilm, wie auch in anderen Ländern, regulär im Kino.

Juror # 2“ ist Eastwoods 42. Film als Regisseur und es ist wieder ein gelungener Film. Es ist ein im positiven Sinn altmodischer Film, bei dem die Schauspieler und die Story im Mittelpunkt stehen. Die Bilder sind unauffällig und präzise komponiert. Auch wenn ein großer Teil des Films im Gericht spielt, gelingten Eastwood und seinem Kameramann Yves Bélanger (u. a. die Eastwood-Filme „The Mule“ und „Der Fall Richard Jewell“) Bilder, in denen man immer das gesamte Bild, also auch die Schauspieler, die gerade nichts sagen, im Auge behalten sollte. Den Schnitt übernahm, wie seit 1976 bei Eastwood-Filmen gewohnt, Joel Cox.

Die Story entwickelt sich von ihrer bestechend einfachen Prämisse auf weitgehend vertrauten Pfaden hin zu einem durchaus überraschendem Ende. Bis dahin stellt der Gerichtsfilm einige zum Nachdenken anregende Fragen. Die erste ist natürlich: Was würde ich tun?

Im Mittelpunkt der in der US-Provinz spielenden Geschichte steht der für ein regionales Lifestyle-Magazin schreibende Journalist Justin Kemp (Nicholas Hoult). Er ist ein trockener Alkoholiker, Mitglied bei den Anonymen Alkoholikern und glücklich verheiratet. Seine Frau ist schwanger. Gemeinsam freuen sie sich auf ihr gemeinsames Leben zu dritt. Er hat ein glückliches Leben verdient. Das Amt als Geschworener nimmt er an, weil es seine Pflicht als Bürger ist.

Als die Anklage den Geschworenen den Fall präsentiert, klappt ihm die Kinnlade runter. James Michael Sythe ist angeklagt, nach einem Streit in einer Bar seine Freundin ermordet zu haben. Sythe ist gewalttätig, cholerisch und vorbestraft. Ihm ist die Tat zuzutrauen und, nun, wenn er diese Tat nicht begangen hat, dann hat er bestimmt eine andere schlimme Tat begangen.

Kemp klappt die Kinnlade runter, weil er in der verregneten Oktobernacht ebenfalls in der Bar war und auf dem Heimweg über etwas fuhr. Er hielt an, sah nichts und fuhr nach Hause. Jetzt fragt er sich, ob er damals nicht ein Tier, das in den Wald weglief, sondern Kendall Carter überfuhr. Er fragt sich, was er tun soll, was er tun kann und ob er überhaupt etwas tun soll. Immerhin ist er nur einer der zwölf Geschworenen und es ist, so die Anklage, ein klarer Fall.

Der Kriminalfilm „Juror #2“ ist überaus gelungenes Schauspielerkino mit vielen bekannten und guten Schauspielern in teils kleinen, aber eindrücklichen Rollen. Neben Hoult spielen Toni Collette, J. K. Simmons, Kiefer Sutherland, Chris Messina und Zoey Deutch mit. Die von Jonathan Abrams geschriebene Geschichte entwickelt sich stringent und mit einigen überraschenden Wendungen bis zum letzten Bild.

Clint Eastwood braucht keine zwei Stunden, um diese Geschichte in all ihren Facetten zu erzählen. „Juror #2“ ist kein auf den ersten Blick erkennbares, alle Preise abräumendes Meisterwerk, aber es ist ein seiner Geschichte und den Schauspielern vertrauender Film, den man sich unbedingt im Kino ansehen sollte.

Nach dem etwas enttäuschenden und aus der Zeit gefallenen „Cry Macho“ wäre „Juror #2“, wenn es denn wirklich Eastwoods letzter Film ist, ein überaus würdiger Abschied.

Juror #2 (Juror #2, USA 2024)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Jonathan Abrams

mit Nicholas Hoult, Toni Collette, Zoey Deutch, Kiefer Sutherland, Gabriel Basso, Francesca Eastwood, Leslie Bibb, Chris Messina, J. K. Simmons, Amy Aquino

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Juror #2“

Metacritic über „Juror #2“

Rotten Tomatoes über „Juror #2“

Wikipedia über „Juror #2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Januar: Philomena

Januar 14, 2025

Arte, 20.15

Philomena (Philomena, Großbritannien 2013)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Steve Coogan, Jeff Pope

LV: Martin Sixsmith: The Lost Child of Philomena Lee, 2009 (Philomena – Eine Mutter sucht ihren Sohn)

1952 wurde die Irin Philomena Lee als Jugendliche ungewollt schwanger. Sie ging zur Besserung in ein Kloster. Ihr Kind wurde, ohne sie zu fragen, von den barmherzigen Schwestern fortgegeben. Jetzt, fünfzig Jahre später, möchte sie ihren Sohn wiedersehen. Aber die katholische Kirche mauert. Nur der Journalist Martin Sixsmith hilft ihr.

Feines, auf einer wahren Geschichte basierendes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit Judi Dench, Steve Coogan, Sophie Kennedy Clark, Anna Maxwell Martin, Ruth McCabe, Kate Fleetwood, Peter Hermann, Mare Winningham, Michelle Fairley

Hinweise

Moviepilot über „Philomena“

Metacritic über „Philomena“

Rotten Tomatoes über „Philomena“

Wikipedia über „Philomena“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ (Florence Foster Jenkins, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „Victoria & Abdul“ (Victoria & Abdul, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „The Lost King“ (The Lost King, Großbritannien 2022)


Cover der Woche

Januar 14, 2025

Bedrückende Geschichte, fein verfilmt.


TV-Tipp für den 14. Januar: Polizeiruf 110: Bis Mitternacht

Januar 13, 2025

BR, 22.00

Polizeiruf 110: Bis Mitternacht (Deutschland 2021)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Tobias Kniebe

Kommissarin Bessie Eyckhoff glaubt, dass Jonas Borutta der Isarauenmörder und Messerstecher vom Olympiadorf ist. Neunzig Minuten bevor sie ihn mangels Beweisen entlassen muss, zieht sie ihren Kollegen Josef Murnauer hinzu. Auch er hatte Borutta vor einigen Jahren als Mörder verdächtigt.

Ein „Polizeiruf 110“ von Dominik Graf. Muss ich noch mehr sagen? Oder zitiere ich einfach das Lexikon des Internationalen Films: „Hochkonzentrierter (Fenseh-)Krimi mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen und versiertem Gespür für Spannungssteigerung.“

mit Verena Altenberger, Michael Roll, Thomas Schubert, Daniel Christensen, Robert Sigl, Thomas Wittmann

Hinweise

Wikipedia über „Polizeiruf 110: Bis Mitternacht“

ARD über “Polizeiruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Domink Graf/Felix von Boehms (Co-Regie) „Jeder schreibt für sich allein“ (Deutschland 2023)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Januar: Endstation Schafott

Januar 12, 2025

Arte, 20.15

Endstation Schafott (Deux Hommes dans la ville, Frankreich/Italien 1973)

Regie: José Giovanni

Drehbuch: José Giovanni

Starkes Krimidrama über einen Ex-Sträfling, der ein ehrliches Leben führen will, von einem Sozialhelfer unterstützt und einem Polizisten verfolgt wird.

Danach dranbleiben. Um 21.45 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere Park Chan-wooks hochgelobten, für mich enttäuschenden Noir „Die Frau im Nebel“ (Südkorea 2022).

Mit Alain Delon, Jean Gabin, Mimsy Farmer, Michel Bouquet, Bernard Giraudeau, Gérard Depardieu (in einer Nebenrolle als junger Gangster)

Wiederholung: Donnerstag, 23. Januar, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Endstation Schafott“

Wikipedia über „Endstation Schafott“ (deutsch, englisch, französisch) und José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni


Neu im Kino/Filmkritik: Über Magnus von Horns „Das Mädchen mit der Nadel“

Januar 12, 2025

Uh, das ist jetzt für eine Besprechung, die nicht zu viel verrät und die auch nicht vollkommen in die Irre führt, ein schwieriger Film. Der Trailer verrät kaum etwas, die Synopse und der Hinweis auf den wahren Fall Overby führen eher in die Irre. Ja, es geht auch um Dagmar Overby. Die in Kopenhagen lebende Frau tötete zwischen 1916 und 1920 nach eigenen Angaben sechzehn uneheliche Babys und Kleinkindern. Es wird angenommen, dass sie mindestens 25 Kinder ermordete. Ihr Leben und ihre Taten könnten die Grundlage für ein spannendes Drama sein.
Aber diese Geschichte erzählt Magnus von Horn in seinem Film nicht. „Das Mädchen mit der Nadel“ ist nur lose vom Fall Overby inspiriert.
Im Zentrum der nach dem Ersten Weltkrieg spielenden Geschichte steht Karoline. Sie ist eine junge Frau, deren Mann in den Krieg zog und der seitdem spurlos verschwunden ist. Weil die Regierung sich weigert, seinen Tod anzuerkennen, ist Karoline keine Kriegswitwe, sondern nur eine in bitterster Armut lebende Frau, die in einer Fabrik als Näherin schuften muss. Dort lernt sie den Sohn des Frabrikbesitzers kennen. Sie verlieben sich, aber die Verhältnisse sind nicht so, dass seine Eltern Dagmar akzeptieren.
Als sie von ihm geschwängert wird, überlegt sie verzweifelt, was sie tun kann. Da bietet ihr eine fremde, vertrauenswürdig auftretende Frau an, ihr Baby an eine Familie zu vermitteln. Dagmar sagt, sie habe das schon öfter getan.
Die Geschichte bewegt sich zwischen Kitsch, Märchen und Kolportage. Aber dank der an expressionistische Stummfilme und die Filme von Aki Kaurismäki erinnernden Inszenierung auf hohem Niveau. Außerdem handelt es sich um ein düsteres Märchen.
In der zweiten Hälfte, wenn Karoline Dagmar begegnet, verliert der Film dann seinen klaren erzählerischen Fokus auf Karolines Beziehung zu ihrem Geliebten und ihrem Mann. Plötzlich steht die Beziehung zwischen den beiden Frauen im Mittelpunkt. Dass Dagmar eine Mörderin ist, ist in dem Moment noch unklar. Erst am Ende wird das Ausmaß von Dagmars Taten enthüllt.
Wahrscheinlich hätte mir der Film besser gefallen, wenn ich nicht, den Brotkrumen der Werbung folgend, ein Arthaus-Drama über eine Serienmörderin, sondern ein sozialkritisches Drama mit Kaurismäki-Touch (aber ohne seinen lakonischen Humor) über eine junge, vom Schicksal gebeutelte Frau erwartet hätte.
Seine Premiere hatte der SW-Film „Das Mädchen mit der Nadel“ 2024 in Cannes im Wettbewerb. Im Moment steht der Film auf der Oscar-Shortlist für den besten internationalen Film.

 

Das Mädchen mit der Nadel (Pigen med nålen, Dänemark/Polen 2024)

Regie: Magnus von Horn

Drehbuch: Magnus von Horn, Line Langebek Knudsen

mit Vic Carmen Sonne, Trine Dyrholm, Besir Zeciri, Tessa Hoder, Ava Knox Martin, Joachim Fjelstrup, Ari Alexander

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Internationaler Titel: The Girl with the Needle

Ab dem 24. Januar auf Mubi.

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Mädchen mit der Nadel“

Metacritic über „Das Mädchen mit der Nadel“

Rotten Tomatoes über „Das Mädchen mit der Nadel“

Wikipedia über „Das Mädchen mit der Nadel“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Januar: Basic Instinct

Januar 11, 2025

Arte, 22.00

Basic Instinct (Basic Instinct, USA 1992)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Joe Eszterhas

San Francisco: Detective Nick Curran (Michael Douglas) soll den Mord an einem ehemaligen Rockmusiker aufklären. Die Hauptverdächtige ist Catherine Tramell (Sharon Stone), Bestsellerautorin von blutigen Sensationsthrillern. Während seiner Ermittlungen verliebt Curran sich in sie.

Der Plot ist 08/15-Noir-Ware. Aber wie Paul Verhoeven das inszeniert und wie er dabei im Rahmen eines Mainstream-Thrillers auf die Skandal- und Sensationslust des notorisch prüden US-amerikanischen Publikums spekuliert, ist große Kunst.

Damals war der Erotikthriller vor allem in den USA ein heftig umstrittener Kinohit und der Beginn einer Welle zahlreicher, bis auf wenige Ausnahmen, schlechterer Erotikthriller.

Heute ist „Basic Instinct“ ein Klassiker.

Anschließend, um 00.05 Uhr zeigt Arte die brandneue, 55-minütige Doku „Sharon Stone – Überlebensinstinkt im Showbiz“.

Mit Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Denis Arndt, Jeanne Tripplehorn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Basic Instinct“

Wikipedia über „Basic Instinct“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD


Die Krimibestenliste Januar 2025

Januar 11, 2025

Die Weihnachtsbücher sind schon ausgelesen (oder bereits für den Sommerurlaub verstaut)? Neuer Lesestoff wird dringend gesucht? Nun, die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur, hat da zehn Vorschläge:

1 (–) Sebastian Barry: Jenseits aller Zeit

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser

Steidl, 278 Seiten, 28 Euro

2 (3) Una Mannion: Sag mir, was ich bin

Aus dem Englischen von Tanja Handels

Steidl, 375 Seiten, 28 Euro

3 (2) Katniss Hsiao: Das Parfüm des Todes

Aus dem Chinesischen von Karin Betz

Suhrkamp, 484 Seiten, 20 Euro

4 (1) Pascal Garnier: Zu nah am Abgrund

Aus dem Französischen von Felix Mayer

Septime, 144 Seiten, 20 Euro

5 (4) Gaea Schoeters: Trophäe

Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing

Zsolnay, 255 Seiten, 24 Euro

6 (–) Doug Johnstone: Einbalsamiert

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Polar, 397 Seiten, 26 Euro

7 (5) Tim O’Brien: America Fantastica

Aus dem Englischen von Gregor Hens

HarperCollins, 527 Seiten, 24 Euro

8 (–) Rob Hart: Assassins Anonymous

Aus dem Englischen von Barbara Röhl

Lübbe, 333 Seiten, 12,90 Euro

9 (–) Femi Kayode: Gaslight

Aus dem Englischen von Andreas Jäger

btb, 448 Seiten, 16 Euro

10 (–) Jessica Knoll: Bright Young Women:

Aus dem Englischen von Jasmin Humburg

Eichborn, 461 Seiten, 18 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 11. Januar: The Social Network

Januar 10, 2025

ZDFneo, 20.15

The Social Network (The Social Network, USA 2010)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)

Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.

Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.

Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer

Hinweise

Das Drehbuch von Aaron Sorkin

Rotten Tomatoes über „The Social Network“

Wikipedia über „The Social Network“ (deutsch, englisch)

Chasing the Frog vergleicht die Fiktion mit den Fakten

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Mezrichs „21“ (Bringing down the House, 2002)


Neu im Kino/Filmkritik: „Putin“, gesehen durch die Augen von Patryk Vega

Januar 10, 2025

Dass Patryk Vegas „Putin“ kein gewöhnliches Biopic über den russischen Präsidenten wird, wird auch den Menschen, die Vegas vorherige Filme nicht kennen, bereits in den ersten Minuten klar. 2026, also in der nahen Zukunft, informiert ein General den im Krankenhaus liegenden Wladimir Putin über den aktuellen Zustand der Welt. Währenddessen wechselt eine Krankenschwester Putins Windel, verabreicht ihm eine Spritze und gemeinsam heben sie ihn vom Boden ins Bett. Machtloser und in einem entwürdigenderem Zustand sah man selten einen politischen Führer, einen Diktator, dessen Image auf einem Bild hyperpotenter, strotzender Männlichkeit beruht.

Danach springt Vega zurück in Putins Kindheit und es geht in den folgenden knapp zwei Stunden halbwegs chronologisch durch Putins Leben. Dabei interssiert Vega sich nicht für eine realisisch-naturalistisch, sklavisch an den Fakten entlang erzählten Geschichte. Wer das will, ist mit dem Wikipedia-Artikel oder einer TV-Reportage besser bedient.

Vega geht es um die Demontage von Putin, der sich als starken Führer sieht und inszeniert. Vega zeigt ihn – und dieses Porträt wirkt in Osteuropa sicher provozierender als hier im Westen – als einen kleinen Wicht, der von allen geschlagen und herumgestoßen wird. Er leidet an Minderwertigkeitskomplexen und ist impotent. Während die anderen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Orgien feiern, steht er daneben. Alle außer ihm haben Sex. Und er wird immer von zwei nur für ihn sichtbaren Dämonen aus seiner Kindheit begleitet. Es sind ein Halbstarker, der ihn damals, als er als Kind in Moskau ankam, verprügelte, und eine hypersexualisierte, Uniform tragende Dämonin. Sie flüstern ihm ein, was er tun soll.

Inszeniert hat Vega seinen neuen Film als eine mit Farbfiltern zugeschüttete Dystopie und nur halb überzeugende CGI-Leistungsschau. Für ein C-Picture sind die Spezialeffekte okay, für einen Hollywood-Blockbuster erbärmlich schlecht. Vegas computerbearbeitete Bilder sind meilenweit von der Qualität der in „Better Man – Die Robbie Williams Story“, den „Planet der Affen“-Filmen, Disneys aktuellen fotorealistischen Neuverfilmungen von Disney-Klassikern und auch den beiden „Avatar“-Spielfilmen gezeigten Bildern entfernt. Interessant ist seine Idee, Putin nicht von einem ihm ähnlich sehendem Schauspieler spielen zu lassen, sondern Putins Gesicht mit der Hilfe von KI-Programmen auf das Gesicht eines Schauspielers zu kopieren. In einigen Momenten sieht das beängstigend echt aus. Aber meistens sieht es in jeder Beziehung unnatürlich und amateurhaft aus. Vor allem wenn Putin spricht. Deshalb redet er wenig und ist selten im Bild.

Die teils Putins Biographie folgende, teils frei erfundene Story bekommt Vega dabei nie vollständig in den Griff. Von dem Film existieren inzwischen mehrere unterschiedlich lange Fassungen. Ich konnte eine zweieinhalbstündige und die jetzige, etwa eine halbe Stunde kürzere und deutlich gelungenere Kinofassung sehen. Gelungener ist allerdings noch lange nicht gut. Beide Fassungen sind schlecht. Beide Male zerfasert die Geschichte. Beide Male gibt es keine weitergehende Analyse von Putins Leben. Es gibt nur das Bild eines kleinen Mannes, der gerne ein großer Führer wäre, es aber nicht ist. Das ist für einen Spielfilm, der zwischen missglückter Satire, Küchenpsychologie, verklemmten Orgien, Gewaltausbrüchen und Bildern von Kriegsgebieten ziellos schwankt, zu wenig.

Die knapp zweistündige Kinofassung erzählt vor allem am Anfang zügig und satirisch zugespitzt Putins Geschichte. Später wird es sprunghafter und kryptischer. Gegen Ende, wenn er der Präsident von Russland ist, ist die Satire nur noch eine wild fantasierte, episodische, höchstens für Putin-Kenner verstehbare Abfolge von Maßnahmen gegen Terroranschläge, von ihm in Auftrag gegebenen Anschlägen, Ermordungen von Feinden, über die wir gerade ihren Namen erfahren, und Kriegen an austauschbaren Orten mit vollkommen rätselhaften Kriegszielen. Durchgängig springt Vega wild in der Chronologie hin und her.

Die in Tschernobyl unter aussätzigen Verbrechern spielenden Szenen haben zwar nichts mit Putins Biographie zu tun, aber sie sind immerhin visuell überzeugend.

Bei Vega ist der Diktator nicht nackt, sondern er hat gerade sein Geschäft in seine Windel gemacht. Das ist nicht subtil, sondern rmaximal demütigend für den Porträtierten und Vega nimmt sich viel Zeit, diese Botschaft so laut herauszubrüllen, dass auch wirklich jeder im Kinosaal die Botschaft versteht.

Für uns ist die misslungene Satire „Putin“ ein verzichtbarer, sich im Uwe-Boll-Terrotorium bewegendes Werk, dessen Provokationspotential bei uns gegen Null tendiert.

Putin (Putin, Polen 2024)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Slawomir Sobala,Tomasz Dedek, Justyna Karlowska, Thomas Kretschman, Maksymilian Zielinski

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Putin“

Rotten Tomatoes über „Putin“

Wikipedia über „Putin“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Pitbull – Exodus“ (Pitbull, Polen 2021) 

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Love, Sex and Pandemic“ (Milosc, seks & pandemia, Polen 2022)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Niewidzialna Wojna – The invisible war“ (Niewidzialna Wojna, Polen 2022)


TV-Tipp für den 10. Januar: Supermarkt

Januar 9, 2025

BR, 00.25

Supermarkt (Deutschland 1974)

Regie: Roland Klick

Drehbuch: Roland Klick, Georg Althammer (Mitarbeit), Jane Sperr (Mitarbeit)

Der 18-jährige Willi driftet durch Hamburg. Um die Hure Monika zu retten, will er den Geldtransporter eines Supermarkts zu überfallen.

Ein deutscher Gangsterfilm, der damals von der Kritik gelobt und vom Publikum ignoriert wurde. Heute ein Kultfilm und Klassiker des deutschen Film.

„Fest steht dass Klick hier unbewusst einige wichtige Komponenten des Neuen Deutschen Films vorweggenommen hat: Jugendkriminalität, die Großstadt als Dschungel und die Entstehung von Gewalt im thematischen Bereich, glaubhafter Realismus und geradliniges Erzählkino im formalen.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 – 1980, 1981)

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich begeistert, denn „Supermarkt“ war originäres Kino, das bis auf die Drehorte nichts mit anderen deutschen Filmen gemein hatte.

Der Titelsong „Celebration“ wird von Marius Müller-Westernhagen als Marius West gesungen; die Musik ist von Udo Lindenberg. Und Jost Vacano (Das Boot, Robocop, Total Recall) war der Kameramann.

mit Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Witta Pohl, Alfred Edel

Hinweise

Homepage von Roland Klick

Wikipedia über Roland Klick und „Supermarkt“

Filmzentrale: Andreas Thomas über „Supermarkt“


Neu im Kino/Filmkritik: „September 5“, 1972: Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München – und das Fernsehen ist live dabei

Januar 9, 2025

Es ist höchstens eine Fußnote der damaligen Ereignisse, aber für die Mediengeschichte ist es ein markanter Punkt. 1972 wurden die Olympischen Spiele auch im Fernsehen übertragen. Live und weltweit. Es sollten friedliche Spiele werden, die, keine dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ein positives Bild von Deutschland zeigen sollten. Diese Imagepflege scheiterte als acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ im Olympischen Dorf elf israelische Sportler und ihre Betreuer als Geisel nahmen. Zwei von ihnen wurden von den Terroristen in den ersten Minuten erschossen. Die geplante Befreiung der Geisel auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck war ein Desaster. Alle neun verbleibenden Geisel, fünf der acht Geiselnehmer und ein Polizist sterben in dem Feuergefecht.

Die Unfähigkeit der Polizei, die Geiselnahme friedlich und ohne Tode zu beenden, führte zur Gründung der GSG 9.

Während der 21 Stunden dauernden Geiselnahme waren auch die Sportjournalisten von ABC Sports vor Ort. Sie berichten live über die Spiele.

In seinem dritten Spielfilm „September 5“ schildert Tim Fehlbaum, wie die ABC-Journalisten auf die Geiselnahme reagieren. Ihr Kontrollraum ist gegenüber vom Olympischen Dorf. Wenn sie die Tür öffnen, haben sie einem perfekten Blick auf den Ort der Geiselnahme. Sie sind zwar keine Politik-Journalisten und deshalb nicht zuständig, aber sie sind vor Ort. Sie betrachten die Geiselnahme als ihre Story und sie können mit ihren Kameras live berichten. Weltweit. Ihnen gelingt auch das bekannte Bild von den einen Terroristen auf dem Balkon. Durch ihre Live-Aufnahmen verhindern sie – was ihnen erst später bewusst wird – einen Befreiungsversuch der Polizei. Denn auch im Zimmer der Geisel läuft ihre Live-Übertragung der Geiselnahme. Im Film ist das der Moment, in dem den Journalisten wirklich bewusst wird, dass sie eine bis dahin nicht gekannte Verantwortung für ihre Bilder und ihre Worte haben.

Tim Fehlbaum, der bereits mit seinen beiden Science-Fiction-Filmen „Hell“ und „Tides“ begeisterte, widmet sich dieses Mal einem wahren Ereignis. Das inszeniert er sehr dicht, nah an den Fakten, detailversessen in der Ausstattung, präzise im Zeigen der damaligen Schwierigkeiten beim Erstellen der Fernsehbilder (so müssen, zum Beispiel, Filmrollen durch Polizeisperren geschmuggelt werden) und bis auf wenige Aufnahmen ausschließlich im von außen hermetisch abgeschottetem, fensterlosen ABC-Kontrollraum. Weil Fehlbaum auch auf Uhrzeiteinblendungen verzichtet und nur einmal gegessen wird, verschwimmt auch jedes Zeitgefühl.

Über die Geiselnahme erfahren wir nur, was die Journalisten in dem Moment auch erfahren oder auf einem ihrer Bildschirme sehen. „September 5“ ist daher kein Film über die Motive der Terroristen und die Strategie der Polizei, die Geiselnahme zu beenden. Das alles wissen die ABC-Journalisten nicht. Sie verstehen sich als Beobachter der Ereignisse, über die sie möglichst nah und mit exclusiven Bildern berichten wollen.

Das ist auch der Kern journalistischer Ethik. Keine Seite ergreifen, sondern die Fakten berichten. Diese hehre Idee kollidiert in „September 5“ schnell mit der Realität.

Denn schnell müssen sie sich fragen, was sie alles zeigen wollen und wie sehr sie damit die Ereignisse beeinflussen wollen. Das waren damals insofern neue Fragen, weil bis dahin Live-Berichte von Brennpunkten nicht möglich waren. Zwischen dem Ereignis und der Verbreitung des Berichts über das Ereignis verging je nach Medium – Radio, Fernsehen, Zeitung – weniger oder mehr Zeit, in der auch darüber entschieden werden konnte, welche Bilder gezeigt werden.

Die Fragen, mit denen die Männer in „September 5“ konfrontiert werden, sind heute immer noch aktuell. Und weil es immer mehr Bilder gibt, stellt sich die Frage öfter. Während früher nur entschieden werden konnte, ob Bilder vom Tatort gezeigt werden, gibt es heute auch Bilder von der Tat. Teils aufgenommen von Überwachungskameras, teils von Opfern und Zeugen und manchmal auch vom Täter, der seine Tat aufnimmt und live streamt.

Fehlbaum behandelt diese Fragen im Rahmen einer wahren Geschichte und anhand der Arbeit der handelnden Journalisten, die alle eine möglichst gute Story erzählen wollen. Durch die Konzentration auf einen Aspekt der damaligen Geiselnahme gibt „September 5“ einen guten Einblick in die Arbeit von Journalisten, dem Druck, dem sie damals ausgesetzt waren und dem Jagdfieber, das sie gepackt hatte. Die Fragen sind seitdem die gleichen geblieben. Nur die Technik hat sich geändert und der Zeitdruck ist gestiegen.

Der Journalistenthriller „September 5“ ist sehenswert, spannend und mit neunzig Minuten angenehm kurz.

September 5 (Deutschland/USA 2024)

Regie: Tim Fehlbaum

Drehbuch: Moritz Binder, Tim Fehlbaum, Alex David (Co-Autor)

mit Peter Sarsgaard, John Magaro, Ben Chaplin, Leonie Benesch, Zinedine Soualem, Georgina Rich

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „September 5“

Moviepilot über „September 5“

Metacritic über „September 5“

Rotten Tomatoes über „September 5“

Wikipedia über „September 5“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Hell“ (Deutschland/Schweiz 2011)

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Tides“ (Deutschland 2021)


TV-Tipp für den 9. Januar: Warten auf Bojangles

Januar 8, 2025

RBB, 20.15

Warten auf Bojangles (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)

Regie: Régis Roinsard

Drehbuch: Romain Compingt, Régis Roinsard

LV: Olivier Bourdeaut: En attendant Bojangles, 2016 (Warten auf Bojangles)

1958 begegnen sich an der Riviera auf einer High-Society-Party der charmante Hochstapler Georges und die lebenslustige Camille. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten, bekommen ein Kind und Georges muss feststellen, dass Camilly psychisch ernsthaft krank ist.

Nachdem die TV-Premiere in der Nacht deutlich nach 2 Uhr, läuft der Film heute nach der Tagesschau. Und das ist gut so.

In der ersten Hälfte eine poppige Feelgood-Komödie, in der zweiten ein zunehmend düsteres Drama mit zwei zunehmend problematischen Hauptfiguren. Ein gut gespielter, gut inszenierter, aber auch sehr zwiespältiger Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Romain Duris, Gregory Gadebois, Solan Machado-Graner

Wiederholung: Freitag, 10. Januar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Warten auf Bojangles“

AlloCiné über „Warten auf Bojangles“

Rotten Tomatoes über „Warten auf Bojangles“

Wikipedia über „Warten auf Bojangles“ 

Meine Besprechung von Régis Roinsards „Warten auf Bojangles“ (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 8. Januar: In den besten Händen

Januar 7, 2025

Arte, 20.15

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.

Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Hinweise

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour, Frankreich 2023)


Cover der Woche: Víctor Santos: Fahrenheit 451

Januar 7, 2025

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der das Papier von Büchern von alleine anfängt zu brennen.

Fahrenheit 451“ ist der Titel von Ray Bradburys 1953 erschienenem Science-Fiction-Klassiker über eine Welt, in der Feuerwehrleute Bücher in Brand setzen. Eines Tages beginnt einer von ihnen, Guy Montag, an seiner Arbeit zu zweifeln. Er beginnt die Bücher, die er verbrennen sollte, zu lesen, während seine Frau gelangweilt vor dem Fernseher sitzt und weiter verblödet. Durch seine Taten wird Montag zum Staatsfeind.

Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von Víctor Santos‘ überaus gelungener Comic-Adaption von Bradburys vor allem in den USA täglich aktueller werden Dystopie über eine Gesellschaft ohne kulturelles Gedächtnis.

Oh, und „Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von François Truffauts durchwachsener, aber dennoch sehenswerter Verfilmung des Romans.

Víctor Santos: Fahrenheit 451

(nach dem Roman von Ray Bradbury)

(übersetzt von Silvano Loureiro Pinto)

Cross Cult, 2024

160 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Fahrenheit 451

Editorial Planeta, 2023

Hinweise

Homepage von Víctor Santos

Wikipedia über „Fahrenheit 451“ (Roman [deutsch, englisch], Film [deutsch, englisch]) und Víctor Santos

Meine Besprechung von Ray Bradburys „S is for Space“ (S is for Space, 1966)


TV-Tipp für den 7. Januar: Highlander – Es kann nur einen geben

Januar 6, 2025

HR, 22.40

Highlander – Es kann nur einen geben (Highlander, USA 1986)

Regie: Russell Mulcahy

Drehbuch: Gregory Widen, Peter Bellwood, Larry Ferguson (nach einer Geschichte von Gregory Widen)

Connor MacLeod ist unsterblich. Nur wenn ihm oder einem anderen Unsterblichen mit einem Schwerthieb der Kopf abgeschlagen wird, stirbt er. Das weiß MacLeod seit 1536. Im heutigen New York trifft er wieder auf seinen Erzfeind Kurgan.

Stilbildender Kultfilm mit der bombastischen Musik von Queen

mit Christopher Lambert, Roxanne Hart, Clancy Brown, Sean Connery

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Highlander“

Wikipedia über „Highlander“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Russell Mulcahys „Shadow und der Fluch des Khan“ (The Shadow, USA 1994)


Wieder im Kino: Der Thriller „Sieben“ im Rahmen der „Best of Cinema“-Reihe

Januar 6, 2025

Mit einem Noir-Thrillerklassiker, den viele nur aus dem Puschenkino kennen, startet die monatliche „Best of Cinema“-Reihe in das neue Jahr. Am Dienstag, den 7. Januar, wird, „Sieben“, David Finchers zweiter Spielfilm, wieder im Kino gezeigt.

Die Story dürfte bekannt sein: In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.

Sieben“ ist einer der prägenden Thriller der neunziger Jahre. Er begeisterte damals gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum. Und das heute wohl bekannte Ende ist immer noch ein absolut schockierendes Killer-Ende.

Nach „Alien 3“ hätte in Hollywood niemand auf eine glorreiche Filmkarriere von David Fincher gewettet. Aber dann inszenierte er als seinen zweiten Film „Sieben“, einen Noir-Thrillerklassiker. Danach kamen „The Game“ (1997), „Fight Club“ (1999), „Panic Room“ (2002), „Zodiac“ (2007), „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ (2008), „The Social Network“ (2010), „Verblendung“ (2011) und „Gone Girl“ (2014). Seitdem arbeitet Fincher exklusiv für Netflix. Finanziell dürfte das einträglich sein, aber so einen richtigen, allgemein bekannten, diskutierten und sich tief im öffentlichen Bewusstsein festgesetzten Klassiker hat er seitdem nicht mehr gedreht.

Sieben (Se7ven, USA 1995)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Andrew Kevin Walker

mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery

Die nächsten „Best of Cinema“-Filme

4. Februar: Cliffhanger

4. März: Fargo – Blutiger Schnee

1. April: Die purpurnen Flüsse

6. Mai: Red Heat

3. Juni: Lola rennt

Hinweise

Metacritic über „Sieben“

Rotten Tomatoes über „Sieben“

Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte