TV-Tipp für den 14. November: Donnie Brasco

November 14, 2014

ZDFneo, 22.00

Donnie Brasco (USA 1997, Regie: Mike Newell)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990

FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.

Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.

Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche

Wiederholung: 15. November, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Donnie Brasco”

Wikipedia über „Donny Brasco“ (deutsch, englisch)

Weekly Script: Drehbuch “Donnie Brasco” von Paul Attanasio (Fassung vom 27. Juli 1992)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mommy“ – Grandioses Kino von Xavier Dolan

November 13, 2014

Der fünfzehnjährige Steve (Antoine Olivier Pilon) ist ein echtes Problemkind, das sogar in einer Geschlossenen Anstalt kaum gebändigt werden kann. Also nimmt seine Mutter Diane (Anne Dorval), die kaum genug Geld verdient, um alleine über die Runden zu kommen, ihn wieder bei sich auf. Denn die Witwe liebt ihren Sohn abgöttisch und auch Steve liebt sie ebenso abgöttisch. Er würde alles für sie tun. Wenn er einen Wutanfall bekommt, dann nur, weil etwas nicht nach seinem Kopf abgeht oder jemand Diane, aus seiner Perspektive heraus, schlecht behandelt. Genauso hemmungslos wie seine Wutausbrüche sind auch seine Liebesbeweise. Außerdem ist er der Mann im Haus.
Zu diesem immer kurz vor einer Explosion stehendem Mutter-Sohn-Gespann kommt noch die Nachbarin Kyla, eine auf unbestimmte Zeit beurlaubte Lehrerin, die eine Sprachstörung hat, sich deshalb fast nur in ihrem Vorstadthaus aufhält, schließlich Steve Privatunterricht gibt und dabei auch ihr Stottern überwindet.
Nach dem schwächeren „Sag nicht, wer du bist!“ ist „Mommy“, Xavier Dolans fünfter Spielfilm in fünf Jahren, wieder einmal überbordendes, kompromissloses Kino, das über fast hundertvierzig, äußerst kurzweilige Minuten in jeder Hinsicht begeistert. Das beginnt schon mit der mutigen Entscheidung, den Film im Format 1:1 zu drehen. Dieses viereckige Bild, wie ein CD-Cover, lässt links und rechts ungefähr ein Drittel der Leinwand im Dunkeln, was dazu führt, dass Steve, Diane und Kyla auch optisch in ihren seelischen Gefängnissen gefangen sind. Vor allem Steve hat diesen Tunnelblick, der seinen Blick einengt. Er handelt immer spontan, aus dem Moment heraus und ohne irgendeine Impulskontrolle.
Wenn sich dann zweimal das Bild öffnet und die ganze Leinwand in Besitz nimmt, ist es umso befreiender für die Charaktere, die in diesem Moment ihr inneres Gefängnis verlassen und Freiheit spüren. Für einen kurzen Moment. Denn, daran lässt Dolan von der ersten Minute, keinen Zweifel: Steve wird sich nicht ändern und Diane muss überlegen, wie sie ihrem Sohn am Besten helfen kann. Bis jetzt hat sie alles für ihren Sohn geopfert.
In Cannes erhielt Xavier Dolan für „Mommy“, gemeinsam mit Jean-Luc Godard für „Adieu au langage“ den Preis der Jury. Verdient.
Seine Hauptdarsteller, die Neuentdeckung Antoine Olivier Pilon, der bislang nur einige TV-Auftritte und eine Nebenrolle in Dolans „Laurence Anyways“ hatte, und die beiden Dolan-Stammschauspielerinnen Anne Dorval und Suzanne Clément hätten ebenfalls Preise für ihre natürliche und glaubwürdige Darstellung der psychsich lädierten Charaktere verdient.

Mommy - Plakat

Mommy (Mommy, Kanada/Frankreich 2014)
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
mit Anne Dorval, Antoine Olivier Pilon, Suzanne Clément, Alexandre Goyette, Patrick Huard
Länge: 138 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mommy“
Moviepilot über „Mommy“
Metacritic über „Mommy“
Rotten Tomatoes über „Mommy“
Wikipedia über „Mommy“
Meine Besprechung von Xavier Dolans „Laurence Anyways“ (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)
Meine Besprechung von Xavier Dolans „Sag nicht, wer du bist!“ (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)

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Die Cannes-Pressekonferenz zum Film

Xavier Dolan beim TIFF, wo er über „Mommy“ spricht

Xavier Dolan spricht auch mit dem ZDF über „Mommy“ (ohne Voice-Over und ohne Untertitel)


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Zwischen seinen Filmen und Interviews hatte Monsieur Dolan noch Zeit für das Musikvideo „College Boy“ von Indochine


Neu im Kino/Filmkritik: Hugh Grant fragt „Wie schreibt man Liebe?“

November 13, 2014

Es ist schon erstaunlich, wie gut es „Wie schreibt man Liebe?“ gelingt, all die erzählerischen Trüffel, die Autor-Regisseur Marc Lawrence auf dem Silbertablett präsentiert werden, zu ignorieren und sich allein auf die Präsenz des immer liebenswerten Hugh Grant zu verlassen.
Grant spielt Keith Michaels, einen geschiedenen Hollywood-Drehbuchautor, der vor fünfzehn Jahren einen Drehbuchoscar für „Paradise Misplaced“ bekam. Seine späteren Filme waren nicht so gut und jetzt braucht er, weil er keine Bücher verkauft, Geld. Ein Lehrerjob in Binghampton, ein Uni-Kaff bei New York, bringt ihm das benötigte Geld. Dass er glaubt, dass man Schreiben nicht lehren kann, ist nur ein kleines Hindernis. Er will die finanziell einträgliche Lehrer-Charade einfach hinter sich bringen, weshalb er die Teilnehmer für den Drehbuchkurs auch nach ihrem Aussehen auswählt. Trotzdem verirren sich zwei Nerds in seinen Kurs, der sonst nur aus Uni-Schönheiten besteht. Und eine Mittvierzigerin ist auch dabei. Holly Carpenter macht noch ein Bachelor-Studium, hat zwei Kinder (die wir eigentlich nie sehen und die für die Geschichte egal sind), immer einen patenten Ratschlag für den sympatisch verwuschelten Kursleiter und nebenher jobbt sie. Passenderweise in dem Uni-Buchladen und einem Nobelrestaurant.
Weil Holly Carpenter von Marisa Tomei gespielt wird, wissen wir auch, wer am Filmende nach der bewährten RomCom-Formel zusammenfindet, obwohl sie nur den Schein haben will und er nicht die Frau fürs Leben sucht. Eine gut aussehende Studentin, mit der er gleich am ersten Abend ins Bett hüpft, tut es auch. Jedenfalls für den Moment. Dass das ein an der kleinen Universität nicht akzeptiertes Verhalten ist, erfährt er kurz darauf und nachdem er am Begrüßungsabend gleich eine Brandrede gegen starke Frauen und Jane Austen hält, hat er es sich mit Professor Mary Weldon (Allison Janney) verscherzt. Denn sie ist die anerkannte Jane-Austen-Expertin, die humorlose und stocksteife Dekanin der Universität und sie hält absolut nichts von Hollywood-Drehbuchautoren, die keine Ahnung von Literatur haben. Sie ist die Person, die den literarisch vollkommen unbefleckten Keith Michaels jederzeit feuern kann.
„Wie schreibt man Liebe?“, das im Original „The Rewrite“ heißt, hätte so einfach ein Film über zweite Chancen und die Wechselwirkungen von Literatur und Leben, von Drehbuchdramaturgie und Leben, von den Genreerfordernissen einer romantischen Komödie und dem Leben, werden können. Es hätte ein wundervoller, auf mehreren Ebenen funktionierender Film werden können, wie zuletzt zum Beispiel Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“, wo es um das richtige Zubereiten von Mahlzeiten, unterschiedliche Kulturen und Lebensphilosophien geht, oder Fred Schepisis „Words and Pictures“, wo Clive Owen und Juliette Binoche ein Feuerwerk von Weisheiten und Zitaten abbrennen, um vor ihren Schülern einen Kampf um die höhere Kunst zu entfachen, der natürlich kaum verdeckt, dass sie ineinander verliebt sind.
Oder, ein ganz anderes Genre, der selbstreferentielle Slasher-Film „Scream“. Schon vor fast zwanzig Jahren spielten Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor
Kevin Williamson gelungen mit den Genreklischees, wenn die Studierenden sich über die Klischees in Horrorfilmen unterhalten und so den Killer finden wollen, während gerade die halbe Universität von einem maskierten Slasher gemeuchelt wird.
Gerade im direkten Vergleich mit „Words and Pictures“, der ja ein ähnliches Thema in einem ähnlichen Milieu behandelt, wird deutlich, wie lieblos „Wie schreibt man Liebe?“ zusammengeschustert ist. Marc Lawrences Film hätte dringend mindestens ein Rewrite gebraucht. Aber anscheinend wurde die erste Fassung verfilmt.

Wie schreibt man Liebe - Plakat

Wie schreibt man Liebe? (The Rewrite, USA 2014)
Regie: Marc Lawrence
Drehbuch: Marc Lawrence
mit Hugh Grant, Marisa Tomei, Bella Heathcote, J. K. Simmons, Chris Elliot, Allison Janney, Veanne Cox, Lily Wan, Olivia Luccardi, Emily Morden, Andrew Keenan-Bolger, Steven Kaplan
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Wie schreibt man Liebe?“
Metacritic über „Wie schreibt man Liebe?“
Rotten Tomatoes über „Wie schreibt man Liebe?“
Wikipedia über „Wie schreibt man Liebe?“


TV-Tipp für den 13. November: Kill Bill: Volume 1

November 13, 2014

Vox, 22.15

Kill Bill: Volume 1 (USA 2003, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Freitag, 14. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino


DVD-Kritik: James Toback und Alec Baldwin sind „Verführt und Verlassen“

November 12, 2014

Regisseur James Toback („Finger – Zärtlich und brutal“, Drehbuch für „Bugsy“) und Schauspieler Alec Baldwin („Jagd auf ‚Roter Oktober’“, TV-Serie „30 Rock“) fliegen 2012 nach Cannes, um einerseits Geld für einen Film zu sammeln und andererseits eine Dokumentation über ihre Suche nach Investoren zu machen und einen Blick hinter die Kulissen des Filmfestivals zu werfen.
Für diesen Blick hinter die Kulissen trafen sie sich auch mit Schauspielern und Regisseuren, die in ihren Erinnerungen an ihre Filme und Cannes schwelgen konnten. Es sind Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Roman Polanski, die immer interessante Gesprächspartner sind, auch wenn sie zu dem von Toback und Baldwin geplanten Spielfilm nichts beitragen können.
Bernardo Bertolucci schon eher; in einer Arkandimension. Er erzählt viel über seinen Skandalfilm „Der letzte Tango in Paris“ in dem Marlon Brando und Maria Schneider ein Liebespaar spielen. Toback, so der Minimalpitch des Teams Baldwin/Toback bei den potentiellen Investoren, will ein Remake von „Der letzte Tango in Paris“ drehen. Mit Alec Baldwin und Neve Campbell („Scream“) in den Hauptrollen. Mit Sex und politischen Verwicklungen. Im Irak. Der Arbeitstitel ist daher „Der letzte Tango in Tikrit“.
Doch eigentlich ist dieses Projekt nur der Vorwand, um einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und hinter den schönen Schein der Filmwelt zu werfen. Denn neben den Filmpremieren, dem Auftrieb der Stars und Sternchen, den vielen bunten Bildern, ist Cannes auch ein riesiger Filmmarkt, auf dem Projekte vorgestellt und verkauft werden. Manchmal nur mit ein, zwei Namen und einem Plakat. Diesen Blick auf die ökonomische Seite des Filmegeschäfts gibt es bei Gesprächen mit Investoren und bekannten Produzenten, wie Avi Lerner, der unter anderem die „The Expendables“-Filme und „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ (startet am Donnerstag) produzierte. Diese Geldgeber denken bei einem Projekt zuerst an die Verkaufsmöglichkeiten (also die Einnahmen) und wie hoch deshalb die Kosten sein dürfen, damit sie einen Gewinn haben. Ein wichtiger Punkt bei dieser Glechung ist dabei der Markwert der Stars. Und der von Baldwin und Campbell war, wie ein Blick auf ihre letzten Filme zeigte, damals nicht besonders hoch.
„Verführt und Verlassen“ ist vor allem, und daran ändert der rote Faden mit der Investorensuche nichts, eine Liebeserklärung an Cannes, das Kino und den Spielfilm, die immer wieder sympathisch konfus zwischen Verkaufsgesprächen, Hintergrundgesprächen zur Filmfinanzierung und Geschichten aus der Filmwelt schwankt, wenn die bekannten Regisseure und Schauspieler angenehm offen von ihren Erfahrungen erzählen. Da passt auch Tobacks Abschlussfrage bei den Interviews, ob man bereit zum Sterben sei, wunderbar in das offene Konzept des Films. Obwohl man in einem normalen Pitch diese Frage niemals stellen würde. Aber bei einem normalen Pitch laufen auch keine Kameras und es wird auch kein Film daraus gemacht.
Der exzessive Split-Screen-Einsatz in der Dokumentation lädt zum zweiten Ansehen auf einem großen Bildschirm ein. Denn auf den ersten Blick kann man all die Fotografien von früheren Cannes-Festivals und die Filmausschnitte aus Filmklassikern gar nicht erfassen.

Verführt und Verlassen - Plakat

Verführt und Verlassen (Seduced and Abandoned, USA 2013)
Regie: James Toback
Drehbuch: James Toback
mit Alec Baldwin, James Toback, Neve Campbell, Bernardo Bertolucci, Jeffrey Katzenberg, Bérénice Bejo, Martin Scorsese, Roman Polanski, Francis Ford Coppola, Avi Lerner, James Caan, Ryan Gosling, Jessica Chastain, Diane Kruger, Diablo Cody
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DVD
Weltkino/Studiocanal
Bild: 2.40:1
Sprache: Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial:
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Verführt und Verlassen“
Moviepilot über „Verführt und Verlassen“
Metacritic über „Verführt und Verlassen“
Rotten Tomatoes über „Verführt und Verlassen“
Wikipedia über „Verführt und Verlassen“ 

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James Toback und Alec Baldwin sprechen am 13. Oktober 2013 im 92Y-Talks über den Film (und das Gespräch ist fast länger als der Film)


TV-Tipp für den 12. November: Leben – BRD

November 12, 2014

ZDFkultur, 20.15
Leben – BRD (Deutschland 1990, Regie Harun Farocki)
Drehbuch: Harun Farocki
Am 30. Juli starb Harun Farocki, der Lehrer und Schreibpartner/Ratgeber/Freund von Christian Petzold (zuletzt „Phoenix“), der auch als Solo-Künstler schon lange bekannt war. Zum Beispiel mit „Leben – BRD“, einem Essayfilm in dem er Menschen in Schulungen, im Unterricht und bei Rollenspielen beobachtet und sich fragt: Müssen wir das Leben erst lernen? Spielen wir eine Rolle?
„Diese Rollenspiele, Psychodramen, Soziodramen geben ein Bild des Lebens in der BRD. Da ist ein Leben zu sehen, das vielfältig organisiert und ausgetrieben wird. (…) Die BRD wie ein Trainingslager, in dem die Lebenstechnik geübt wird, von Profi-Lebendigen. Die soziale Wirklichkeit wird ins Anschauliche getrieben.“ (Programm des 20. Internationalen Forums des jungen Films, Berlin 1990)
„Leben – BRD“ ist der Auftakt zu einem Farocki-Abend, randvoll gefüllt mit selten gezeigten Filmen: „Die führende Rolle“ (21.35 Uhr), „Erkennen und Verfolgen“ (22.10 Uhr – über Überwachungstechniken), „Ernste Spiele“ (23.10 Uhr), „Gefängnisbilder“ (23.50 Uhr) und einem Studiogespräch mit Harun Farocki (00.50 Uhr)
Wiederholung: Donnerstag, 13. November, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
ZDFkultur über „Leben – BRD“ und irgendwie auch über den Harun-Farocki-Abend
Homepage von Harun Farocki
Filmportal über Harun Farocki
Wikipedia über Harun Farocki


Cover der Woche

November 11, 2014

Cain - Null auf Hundert - Ullstein 1990


TV-Tipp für den 11. November: Polizeiruf 110: Cassandras Warnung

November 11, 2014

NDR, 22.00

Polizeiruf 110: Cassandras Warnung (Deutschland 2011, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.

Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.

mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken

Hinweise

ARD über “Polizeruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


Neue Bildergeschichten von Jason Starr und Denise Mina: „Wolverine MAX: Logan Extreme“ und „Stieg Larsson – Millenium: Verdammnis“

November 10, 2014

Mina - Stieg Larssons Verdammnis 1 - 2Starr - Wolverine MAX Logan Extrem - 2

Neben ihren Kriminalromanen schreiben Jason Starr und Denise Mina seit einiger Zeit auch Comics. Wobei Denise Mina im Moment den schwierigeren Part erwischt hat. Sie ist nämlich die Autorin der „Millenium“-Comics, die auf den drei Bestsellern von Stieg Larsson basieren, erfolgreich verfilmt wurden und enorm dickleibig sind. Zum Glück haben sie aber auch viel erzählerischen Ballast; Fett, das man umstandslos wegschneiden kann, ohne die Substanz der Geschichte zu gefährden.
„Verdammnis“, der zweite Roman von Stieg Larsson, bringt es auf 750 Seiten und er hat mir nicht gefallen. Die Verfilmung gefiel mir besser und Denise Minas Comic-Adaption liegt irgendwo dazwischen. Denn in dem ersten Band ihrer zweibändigen Comic-Adaption von „Verdamnis“ gibt es eigentlich nur Vorgeplänkel, das damit endet, dass die Polizei Lisbeth Salander als Mordverdächtige sucht. Sie soll Dag Svenson und Mia Johansson (Mia Bergmann im Roman und Film) getötet haben.
Bis dahin erfahren wir, dass Lisbeth, die beziehungsgestörte Computerhackerin das Land verlassen hatte, unter südlicher Sonne etwas erlebt, was für den Hauptplot vollkommen unwichtig ist, und jetzt wieder zurück in Stockholm ist. Zur gleichen Zeit ist der Womanizer-Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist für die Zeitschrift „Millenium“ mit dem Jungjournalisten Dag Svenson und dessen Freundin Mia Johansson an einer großen Story über osteuropäische Zwangsprostituierte und ihre Kunden in den höchsten Kreisen Schwedens dran.
Außerdem gibt es irgendwelche Verbrecher die Schandtaten planen, die hier noch nebulös sind. Wer aber den Roman gelesen oder den Film gesehen hat, weiß, was gespielt wird.
Denise Mina entfernt sich kaum von der Vorlage. Daher finden sich die Probleme des Romans auch in dem Comic, der sich wie ein spannungsfrei vor sich hin plätschernder Bericht aus dem Leben von Blomkvist und Salander liest, während man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Geschichte, der Kriminalfall, erkennbar beginnt. Denn bei aller Sympathie für die Lage der Zwangsprostituierten, ist eine Zeitungsrecherche dazu, die sich vor allem darin erschöpft, die Fakten noch einmal zu überprüfen, nicht besonders spannend. Das gleiche gilt für eine sich unter südlicher Sonne aalende Lisbeth. Dafür endet der erste Comic-Band von „Verdamnis“ mit einem ordentlichem Cliffhanger und das Set-Up ist, wie wir aus dem Roman wissen, jetzt endlich abgeschlossen.
Im zweiten Band können unsere beiden Helden dann die Morde aufklären und die wahren Täter finden.
Der Erscheinungstermin vom zweiten „Verdamnis“-Band ist noch unklar.
Während Denise Mina bei ihrer Adaption von „Verdamnis“ in das Korsett von Stieg Larssons Roman gezwängt war, hatte Jason Starr bei seiner aus fünfzehn Heften bestehenden Wolverine-Geschichte, die jetzt mit dem dritten Sammelband „Logan Extrem“ endet, freie Hand, solange Wolverine ab und an seine Stahlkrallen ausfahren kann.
Nach einem Aufenthalt in Japan hatte Logan sein Gedächtnis verloren. In Los Angeles fand er einen Zettel, auf dem stand, dass er in Las Vegas die Antwort auf seine Fragen bekäme. Vor Las Vegas strandete er in einem Trailerpark, wo er als Extreme Fighter in Käfigen irgendwelche Muskelpakete verkloppt.
Eines Abends begegnet er Suzie (aka Li’l Rick aka Mother Night), einer Schönheit, die ihn hypnotisiert. Er soll Max Fisher umbringen. (Trotz der Namensgleichheit mit dem „Flop“-, „Crack“- und „Attica“-Protagonisten Max Fisher muss das hier ein anderer Max Fisher sein, der bei seiner Damenwahl ein ähnlich schlechtes Händchen hat.)
Als Logan kurz darauf in Las Vegas ist, erfährt er auch, wer ihm warum den Zettel zugesteckt hat. Und während dieser Teil von „Logan Extrem“ in Richtung klassischer Gangsterkrimi mit Casino-Mafiaboss und Mafia-Schlägern geht, ist der erste Teil des Comic-Buches ziemlich noir. Immerhin haben wir hier einen Protagonisten, der sein Gedächtnis verloren hat, nicht weiß, wem er vertrauen kann und der von einer Schönheit eiskalt ausgenutzt wird. Dass sie dann auch noch mit seinem eh schon matschigen Gedächtnis herumspielt, macht die Sache nur noch schlimmer für Logan.
Das dürfte Jason-Starr- und Wolverine-Fans gefallen.
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Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fuso: Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1
(übersetzt von Joachim Körber)
Panini Comics, 2014
140 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
The Girl who played with Fire
Vertigo/DC Comics, 2014
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Vorlage

Larsson - Verdammnis - Filmcover - 2Larsson - Verdammnis - 2
Stieg Larsson: Verdammnis
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2007
768 Seiten
9,95 Euro
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Originalausgabe
Flickan Som Lekte Med Eldem
Norstedts Förlag, Stockholm, 2006
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Jason Starr/Felix Ruiz/Roland Boschi: Wolverine MAX: Logan Extrem
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5
Marvel, November 2013 – März 2014
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Zuletzt erschienen bzw. die neuesten Geschichten von Denise Mina und Jason Starr ohne Bilder und mit vielen Buchstaben:

Mina - Das Vergessen - 2

Der vierte Fall für Detective Inspector Alex Morrow: ein Waffenhändler verübt, während er in Untersuchungshaft sitzt, einen Mord. Die Beweise sind eindeutig: seine Fingerabdrücke sind am Tatort. Aber er kann dort unmöglich gewesen sein.
Die „Irish Times“ meinte, dass der Tartan Noir sogar den besten Werken von Ian Rankin Konkurrenz mache.
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Denise Mina: Das Vergessen
(übersetzt von Heike Schlatterer)
Heyne, 2014
352 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
The Red Road
Orion, 2013
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Starr - Dumm gelaufen - 2
Jason Starrs neuester Roman „Dumm gelaufen“ ist eigentlich ein ganz alter Roman, der in den USA bereits 2003 erschien, in Brooklyn spielt und ein echter Noir ist.
Mickey, der seinen Studienabschluss etwas verschoben hat, um seinen Vater zu pflegen, platziert auch für Angelo Sportwetten. Aber Angelo verliert ständig, der Buchmacher will sein Geld und Mickey sitzt in der Patsche. Da hilft, immerhin sind wir in einem Jason-Starr-Roman, auch der todsichere Plan von Mickeys Freund zur Geldbeschaffung nicht.
Seine neuesten Thriller „The Pack“ (2011) und „The Craving“ (2012), die zu einer Serie gehören, in dem Werwölfe in New York leben, sind noch nicht übersetzt und ich habe auch keine Ahnung wann und ob sie überhaupt übersetzt werden.
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Jason Starr: Dumm gelaufen
(übersetzt von Hans M. Herzog)
Diogenes, 2012
288 Seiten
14,90 Euro
10,90 Euro (Taschenbuch, erschienen 2014)
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Originalausgabe
Tough Luck
Vintage Crime/Black Lizard, 2003
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Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis „Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Wolverine MAX: Der Beschützer“ (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Jason Starr in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. November: Gran Torino

November 10, 2014

Sat.1, 20.15

Gran Torino (USA 2008, Regie: Clint Eastwood)

Drehbuch: Nick Schenk (nach einer Geschichte von Dave Johannson und Nick Schenk)

Das Leben des verbitterten, rassistischen Korea-Veteranen Walt Kowalski gerät aus den gewohnten Bahnen, als er einen Hmong-Nachbarjungen gegen eine Straßengang verteidigt (sie hatten den Fehler begangen ihren Streit auf Kowalskis Rasen austragen zu wollen). Kowalski wird zum Helden der asiatischen Gemeinschaft und die Straßengang will die erlittene Schmach vergelten.

Der bislang vorletzte Leinwandauftritt von Clint Eastwood. Danach drehte er noch fünf weitere Filme. Zuletzt „Der Scharfschütze“ über einen Navy-SEAL-Scharfschützen. Der Film soll am 15. Januar 2015 in Deutschland starten. Denn Eastwood zaudert nicht lange, wenn ihm das Buch gefällt. Oft verfilmt er sogar die erste Fassung (in Hollywood bekannt als die Fassung, mit der die Gespräche beginnen, die aber vor dem Dreh noch mehrmals überarbeitet werden muss). Auch bei „Gran Torino“ änderte Eastwood nichts am Drehbuch.

Gedreht wird auch schnell. „Million Dollar Baby“ war vor der geplanten Drehzeit fertig (und die war mit 39 Tagen auch nicht gerade üppig) und kostete deutlich weniger, als zuerst von den Produzenten zuerst gesagt wurde (normalerweise dürfte es umgekehrt sein; Oh, und auch die zuerst genannten Kosten waren gar nicht so hoch.). Bei „Gran Torino“ waren 35 Drehtage angesetzt. Nach 33 Tagen war der Film im Kasten.

Tja, und, wie schon bei „Million Dollar Baby“ und „Erbarmungslos“ war die Kritik begeistert und wurde nicht müde, über „Gran Torino“ als Alterswerk das ein gutes Vermächtnis wäre, zu fabulieren. Dabei erzählt der Film doch einfach nur eine gute Geschichte.

Trotzdem hat „Gran Torino“ den Dagger als „best big-screen crime thriller story“, den César als bester ausländischer Film und die ganzen anderen Preise verdient.

Mit Clint Eastwood, Christopher Carley, Bee Vang, Ahney Her, Brian Haley, Geraldine Hughes, Dreama Walker, Brian Howe

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gran Torino“

Wikipedia über “Gran Torino” (deutsch, englisch)

CTV.ca: AP-Artikel über Nick Schenk

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nick Schenks „Der Richter – Recht oder Ehre“ (The Judge, USA 2014)


TV-Tipp für den 9. November: Dina Foxx – Tödlicher Kontakt

November 9, 2014

ZDFneo, 19.30/23.15
Dina Foxx – Tödlicher Kontakt (Deutschland 2014, Regie: Max Zeitler)
Drehbuch: Max Zeitler, Nina Pourlak, Philipp Zimmermann, Burkhard Althoff, Milena Bonse, Leif Alexis
Dina Foxx ist zurück. Inzwischen lebt sie in Berlin und als ihr Bruder sie an ihrem Geburtstag besucht, ist sie überglücklich. Am nächsten Tag liegt er im Koma. Die Ärzte vermuten eine Überdosis Partydrogen (Hey, wir sind Berlin!). Aber Dina glaubt, dass eine neue Gen-Tomate (die Krebs heilen soll) dafür und für den Tod von vielen Menschen verantwortlich ist. Nur, wie soll sie das beweisen?
2011 war „Wer rettet Dina Foxx?“ ein erfolgreiches TV-Experiment, das auch im Internet fortgesetzt wurde. Jetzt wird die Geschichte fortgesetzt, wobei Dina Foxx nicht mehr von Jessica Richter, sondern von Katharina Schlothauer gespielt wird und es dieses Mal zwei 45-minütige TV-Episoden sind (heute und kommenden Sonntag), die man auch ohne die Netz-Ergänzungen (Webisoden mit viel Christoph Bach, Spiel, Hintergrundinformationen) sehen kann.
Der insgesamt neunzigminütige Krimi ist flott geschnitten und inszeniert für ein jugendliches Publikum, das sich dann auch vielleicht nicht an der teils abstrusen Story und den Klischees stört. Denn langweilig wird es, zwischen den vielen Berlin-Ansichten, nie.
mit Katharina Schlothauer, Christoph Bach, Tomas Sinclair Spencer, Natascha Hockwin, Max Mauff, Marcus Schinkel, Sebastian Hülk, Karin Giegerich
Wiederholungen
ZDF: Montag, 10. November, um 23.55 Uhr
ZDFkultur: Freitag, 14. November, um 20.15 Uhr
Hinweis
ZDF über Dina Foxx


TV-Tipp für den 8. November: Serpico

November 8, 2014

ServusTV, 22.25

Serpico (USA 1973, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Homepage von Frank Serpico

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Für Mike Leigh ist „Mr. Turner – Meister des Lichts“

November 7, 2014

Das nächste Biopic. Dieses Mal über einen Maler, dessen Gemälde heute immer noch bekannt sind: William Turner. Und Mike Leigh, der sonst für sein Gegenwartskino, seine Arbeiterdramen, bekannt ist, inszeniert diesen historischen Stoff abseits der normalen Biopic-Pfade, in denen das Leben des Protagonisten ein illustrierter Wikipedia-Artikel ist. Leighs „Mr. Turner – Meister des Lichts“ ist eher ein Filmessay. Eine chronologische Aneinanderreihung von Impressionen aus dem Leben des Malers, dem wir zum ersten Mal 1826 am Ende einer Reise nach Belgien begegnen. In dem Moment war der 1775 geborene Turner bereits ein bekannter Künstler.
In den folgenden gut hundertfünfzig Minuten erzählt Mike Leigh Turners Leben bis zu seinem Tod 1851.
Aber im Gegensatz zu anderen Biopics bemüht Mike Leigh sich nicht, uns William Turner nahe zu bringen. Er ist ein grunzendes Scheusal, das zwischen zwei Pinselstrichen seine Haushälterin vergewaltigt. Er ist gehässig. Er benimmt sich wie ein kleines Kind, aber er hat auch eine sensible Seite, die sich in seinen Gemälden, seiner normalen Beziehung zu Sophia Booth, einer Vermieterin in Margate, bei der er sich 1829 unter falschem Namen einmietete und für die er bis zu seinem Tod Mr. Mallord blieb, und seiner Beziehung zu seinem 1829 verstorbenem Vater, der auch der Manager und Diener seines Sohnes war, zeigt. Außerdem war Turner ein großer Künstler, der in seinen Bildern auch die Auswirkungen der Französischen Revolution und der Industrialisierung auf die Gesellschaft und das Individuum reflektierte. Mike Leigh reflektiert diese gesellschaftlichen Veränderungen und Unsicherheiten auch in seinem Film. Genau wie Turners Bilder immer abstrakter wurden, löst Leighs Film immer mehr die Gewissheiten eines Gewissheiten verkündenden Biopics auf. Je länger der Film ist, desto unschärfer wird William Turner, der sein Handeln nie erklärte.
Timothy Spall, zuletzt die RomCom „Wie in alten Zeiten“ und Wormtail in den Harry-Potter-Filmen, ist ein bekannter Leigh-Darsteller, der für sein Porträt des Malers in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Er spielt diesen komplizierten Charakter eindrücklich in seiner Zerrissenheit und Maßlosigkeit. Auch die anderen Schauspieler sind toll, ebenso die Ausstattung und die Kamera. Leighs langjähriger Kameramann Dick Pope erhielt, ebenfalls in Cannes, den Vulcain Prize for the Technical Artist für seine Übertragung der Turner-Gemälde auf die große Leinwand.
Weil Leigh allerdings konsequent undramatisch Episoden aus einem viertel Jahrhundert aneinanderreiht, ohne dass sich die Jahre in den Gesichtern der Schauspieler spiegeln, und er kaum Hintergrundinformationen liefert, richtet sich „Mr. Turner“ nur an Turner-Fans, die die Bilder und Episoden einsortieren können.
Alle anderen sind, je nach Stimmungslage, dann von dem ruhigen Fluss der Erzählung fasziniert oder gelangweilt. Ich war gelangweilt, weil ich nichts über den Porträtierten erfuhr, auch der durch die Französische Revolution und die Industrialisierung forcierte Wandel nicht angesprochen wird und die einzelnen Episoden aus Turners Leben einfach nur Anekdoten sind, die nie eine eigenes Narrativ entfalten. Am Ende des Films wusste ich nicht mehr über William Turner als vorher – und das ist kein gutes Zeichen.

Mr Turner - Plakat

Mr. Turner – Meister des Lichts (Mr. Turner, Großbritannien 2014)
Regie: Mike Leigh
Drehbuch: Mike Leigh
mit Timothy Spall, Dorothy Atkinson, Marion Bailey, Ruth Sheen, Lesley Manville, Martin Savage, Paul Jesson, Patrick Godfrey, Leo Bill
Länge: 150 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mr. Turner“
Moviepilot über „Mr. Turner“
Metacritic über „Mr. Turner“
Rotten Tomatoes über „Mr. Turner“
Wikipedia über „Mr. Turner“ (deutsch, englisch)

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Das Q&A zum Film beim NYFF zum Film in großer Runde

DP/30 unterhält sich mit Mike Leigh über den Film und den ganzen Rest


Neu im Kino/Filmkritik: John Turturro ist „Plötzlich Gigolo“

November 7, 2014

Zuerst muss ein Missverständnis aufgeklärt werden: „Plötzlich Gigolo“ ist kein Woody-Allen-Film. Es ist nur ein Film, in dem er mitspielt; was ungefähr einmal alle zwanzig Jahre passiert. Er spielt Murray, einen glücklosen Buchladenbesitzer, der gerade sein Geschäft auflösen muss, während er seinen Freund Fioravante (John Turturro) zuquatscht. Fioravante ist ein introvertiert-feinfühliger Florist, ständig pleite und ganz zufrieden mit seinem Leben, bis Murray ihm vorschlägt, einmal mit seiner Hautärztin (Sharon Stone) und deren Freundin (Sofia Vergara) einen flotten Dreier zu machen. Immerhin ist Fioravante, auch wenn er keine Freundin hat, doch ein echter Frauentyp und finanziell soll es sich auch lohnen. Zögernd willigt er ein und er hinterlässt einen so guten Eindruck, dass Murray ihm weitere Frauen vermittelt, wie die Witwe eines angesehenen chassidischen Rabbis (Vanessa Paradis). Fioravante ist „Plötzlich Gigolo“ und wir sind mitten drin in einer New-York-Komödie, in der sich alles um Liebe dreht, die Pointen im Sekundentakt abgefeuert werden und alles wunderbar moralbefreit und zugleich sehr moralisch ist. Immerhin ist auch ein verliebter, strenggläubiger jüdischer Polizist (Liev Schreiber) dabei.
Woody Allen, der in seinen letzten Filmen den halben Globus bereiste, ist endlich wieder zurück in seiner Stadt in seinem Milieu und er feuert seine Pointen ab, dass es einem schwer fällt zu glauben, dass nicht Woody Allen, sondern John Turturro den Film inszenierte und auch das Drehbuch schrieb. Er hatte die erste Idee und erzählte seinem Friseur davon. Der erzählte es seinem Kunden Woody Allen, dem die Idee gefiel und der Turturro anrief. Sie trafen sich, und während Turturro das Drehbuch schrieb, gab Woody Allen ihm Tipps, bis irgendwar klar war, dass Murray ein perfekter Woody-Allen-Charakter ist.
Und so ist John Turturros neuester Film „Plötzlich Gigolo“, für alle, die sich nicht um die Credits kümmern, ein waschechter Woody-Allen-Film.
Der neue Woody-Allen-Film „Magic in the Moonlight“, für den Allen das Drehbuch schrieb und Regie führte, startet am 4. Dezember in Deutschland. Die romantische Krimikomödie spielt in den Zwanzigern an der Côte d’Azur und die Besetzung ist gewohnt hochkarätig.

Plötzlich Gigolo - Plakat

Plötzlich Gigolo (Fading Gigolo, USA 2013)
Regie: John Turturro
Drehbuch: John Turturro
mit John Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sharon Stone, Sofia Vergara, Bob Balaban, M’Barka Ben Taleb, Tonya Pinkins
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Plötzlich Gigolo“
Moviepilot über „Plötzlich Gigolo“
Metacritic über „Plötzlich Gigolo“
Rotten Tomatoes über „Plötzlich Gigolo“
Wikipedia über „Plötzlich Gigolo“

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Und ein Interview mit John Turturro über sein Werk


Neu im Kino/Filmkritik: „Das grenzt an Liebe“ wenn Michael Douglas und Diane Keaton sich kabbeln

November 7, 2014

„Harry und Sally“-Regisseur Rob Reiner hat wieder zugeschlagen und wenn sich in seinem neuen Film „Das grenzt an Liebe“, nach einem Drehbuch von Mark Andrus („Besser geht’s nicht“), die Schöne und das Biest zum ersten Mal treffen, wissen wir, wie die Geschichte endet. Vor allem wenn das Biest auf seine neunjährige Enkeltochter, die er noch nie gesehen hat, aufpassen muss und er „aufpassen“ zunächst als „möglichst schnell aus meinem Leben entfernen“ versteht.
Die Schöne ist eine meistens gut gelaunte Witwe, die sich gleich gut mit dem Kind versteht und dann auch beginnt, das Biest zu erziehen. Der ist ein Immobilienmakler, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau, der Liebe seines Lebens, hinterhertrauert und jetzt möglichst vielen Menschen das Leben zur Hölle machen will. Ihm geht es ja auch nicht besser.
Dass das Biest von Michael Douglas und die Schöne von Diane Keaton gespielt wird, hilft natürlich beim Gewinnen der Zuschauerherzen für diese nette Romantic-Comedy, die sich auf dem Charisma ihrer Stars ausruht und dabei sowohl die Stars als auch ihr Publikum unterfordert. Denn diese Liebeskomödie für die Generation 50+ (oder eher 60+) hat als Hauptdarsteller Michael Douglas, der „Einer flog über das Kuckucknest“ und „Das China-Syndrom“ produzierte und Hauptdarsteller in „Wall Street“, „Der Rosenkrieg“, „Basic Instinct“, „Falling Down“ und „The Game“ war, und Diane Keaton, die in „Reds“, allen drei „Der Pate“-Filmen und in zahlreichen Woody-Allen-Klassikern, wie „Der Stadtneurotiker“ (sie war Annie Hall!), „Innenleben“, „Manhattan“ und „Manhattan Murder Mystery“, dabei war. Das waren provozierende Filme, die ihre Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen haben.
Dagegen ist „Das grenzt an Liebe“ eine unerhebliche Komödie, die nur wegen der spielfreudigen Schauspieler besser erscheint, als sie letztendlich ist und sich in die ähnlich gelagerte romantische Komödien für Sechzigjährige einreiht, in denen das Drehbuch nie das Niveau der Schauspieler erreicht.

Das grenzt an Liebe - Plakat

Das grenzt an Liebe (And so it goes, USA 2014)
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: Mark Andrus
mit Michael Douglas, Diane Keaton, Sterling Jerins, Frances Sternhagen, Maurice Jones, Andy Karl, Austin Lysy, Frankie Valli, Rob Reiner
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das grenzt an Liebe“
Moviepilot über „Das grenzt an Liebe“
Metacritic über „Das grenzt an Liebe“
Rotten Tomatoes über „Das grenzt an Liebe“
Wikipedia über „Das grenzt an Liebe“


TV-Tipp für den 7. November: Blindes Vertrauen

November 7, 2014

ZDFneo, 20.15

Blindes Vertrauen (USA 2010, Regie: David Schwimmer)

Drehbuch: Andy Bellin, Robert Festinger

Im Netz gerät die 14-jährige Annie an einen Pädophilen, der sie auch zum Sex verführt. Ihre liberal-liebevollen Eltern versuchen mit der Tat umzugehen.

Dank des guten Drehbuchs, der guten Schauspieler und der zurückhaltenden Regie zeigt „Trust – Die Spur führt ins Netz“ eindrucksvoll und nachhaltig, was ein Missbrauch für die Betroffenen bedeutet, wie hilflos sie sind und man hört die „Es war Liebe“-Bekundungen von älteren Männern mit Minderjährigen mit anderen Ohren.

Ein zum Nachdenken anregendes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Clive Owen, Catherine Keener, Liana Liberato, Jason Clarke, Noah Emmerich, Viola Davis

auch bekannt als „Trust – Die Spur führt ins Netz“ (DVD-Titel)

Wiederholung: Samstag, 8. November, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Wikipedia über „Trust“ (deutsch, englisch)
Rotten Tomatoes über „Trust“
Collider Interview mit David Schwimmer über „Trust“ (30. März 2011)

BBC: Interview mit David Schwimmer über “Trust” (8. Juli 2011)

Meine Besprechung von „Trust – Die Spur führt ins Netz“ (Trust 2010)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Staatsanwalt ermittelt „Im Labyrinth des Schweigens“

November 6, 2014

Am 20. Dezember 1963 begann im Frankfurter Rathaus, dem Römer, der Auschwitz-Prozess, der erstmals vor einem deutschen Gericht die Verbrechen in den Konzentrationslagern thematisierte. Der Prozess war ein nationales Ereignis, das auch zu einem Bewusstseinswandel bei den Deutschen beitrug.
Vor dem Prozessbeginn mussten Staatsanwälte jahrelang in mühseliger Kleinarbeit die Beweise für die Anklage sammeln und entscheiden, wenn sie anklagen. Da wurden, weil es keine deutschlandweite Datenbank mit allen Einwohnern gab und die Behörden mauerten, schon einmal alle deutschen Telefonbücher besorgt und in mühseliger Kleinarbeit auf der Suche nach Namen durchgeblättert. Und damit auch kein Täter gewarnt wurde, geschah das unter größter Geheimhaltung.
Diese Geschichte, die in der Wirklichkeit untrennbar mit Generalstaatsanwalt Fritz Bauer verbunden ist, erzählt Giulio Ricciarelli in „Im Labyrinth des Schweigens“ in einer stimmigen Balance zwischen Fakten und Fiktion, wobei der größte Schritt weg von der Realität der erfundene Protagonist Johann Radmann (Alexander Fehling) ist. Er ist ein junger Jurist, der sich gerade seine ersten Sporen als Staatsanwalt verdient, indem er engagiert, aber unterfordert Verkehrdelikte zur Anklage bringt, an das Recht glaubt und der noch nie etwas von den Verbrechen, die in Auschwitz geschahen, gehört hat, weil man fünfzehn Jahre nach Kriegsende nicht darüber sprach. Damals wollte man nur vergessen. Radmann soll, nachdem er Bauer, einige vielversprechende Ermittlungsansätze vorgelegt hat, die Beweise für eine Anklage sammeln. Dabei werden, auch weil er erfährt, dass sein im Krieg verschollener Vater ein NSDAP-Mitglied war, seine Überzeugungen auf eine harte Probe gestellt. Angetrieben wird er bei seiner Suche von dem „Frankfurter Rundschau“-Journalisten Thomas Gnielka (den es ebenfalls gab) und dessen Dokumente die Initialzündung für den Auschwitz-Prozess waren. Behindert wird er von Kollegen, Polizisten und einer Gesellschaft, die nicht über die zwölfjährige Nazi-Diktatur reden, sondern diese Jahre aus ihrer Erinnerung streichen wollen.
Ricciarellis Debütspielfilm gehört zu den seltenen Glücksfällen im deutschen Kino, bei denen alles stimmt. Die dicht erzählte Geschichte ist spannend. Sie zeichnet, auch dank der gelungenen Kameraarbeit, ein genaues Bild der damaligen bleiernen Zeit. Die historischen Gebäude wecken Erinnerungen und weil an den historischen Orten gedreht wurde, wirkt die Filmgeschichte noch authentischer. Die Ausstattung ist ebenso authentisch. Nie hat man den Eindruck, dass in einer sorgfältig ausgestatteten Kulisse gedreht wurde. Die Dialoge klingen immer natürlich und sie umschiffen die Fallen des Stoffes, die zu didaktischen Dialogen und Monologen einladen. Sie zeichnen auch nebenbei ein Bild der damaligen Gesellschaft, in der es genau austarierte Hierarchien gab.
Das einzige, was man dem Film vorwerfen kann, ist dass Fritz Bauer zu einem grumpy old man wird, der in seinem Büro sitzt und Aufträge vergibt. Dabei hat er das Team von jungen Staatsanwälten, die damals die Beweise suchten, für ihr Leben beeinflusst und Bauer war einer der liberalen Denker, der das Gespräch mit Jüngeren suchte und ein besseres Deutschland wollte. Dieser Teil seines Charakters wird in dem Drama nicht beleuchtet. Dennoch, oder wahrscheinlich genau sogar deshalb, könnte Bauer, der nicht sich selbst, sondern die Sache in den Vordergrund stellte, der Film gefallen.
Denn „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein spannender Polit-Thriller, der gelungen die Genre-Muster vom Kampf des Einzelnen gegen die Gesellschaft bedient, ein Gefühl der damaligen Zeit vermittelt, informativ und aufklärerisch ist, neugierig auf die Vergangenheit und die damaligen Ereignisse macht und intelligent unterhält. Damit steht er gelungen in der Tradition von Filmen wie „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men).

Im Labyrinth des Schweigens - Plakat

Im Labyrinth des Schweigens (Deutschland 2014)
Regie: Giulio Ricciarelli
Drehbuch: Elisabeth Bartel, Giulio Ricciarelli
mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Im Labyrinth des Schweigens“
Film-Zeit über „Im Labyrinth des Schweigens“
Moviepilot über „Im Labyrinth des Schweigens“
Wikipedia über „Im Labyrinth des Schweigens“ (deutsch, englisch)
taz: Interview mit Ex-Staatsanwalt Gerhard Wiese (einer der Ankläger im Auschwitz-Prozess und eines der Vorbilder für Johann Radmann) über die historischen Hintergründe (6. November 2014)
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Vorankündigung
Vor dem Filmstart unterhielt ich mich mit Regisseur Giulio Ricciarelli über den Film und die historischen Hintergründe. Das Interview erscheint in der nächsten Ausgabe der „vorgänge – Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftpolitik“.


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Gespräch mit „Citizenfour“ Edward Snowden in Hongkong

November 6, 2014

Wenn ich „Citizenfour“, die Dokumentation von Laura Poitras über Edward Snowden, politisch beurteile, kann ich sie nicht genug loben. Poitras hat in den vergangenen Jahren die bei uns unbekannte Dokumentationen „My Country, my Country“ und „The Oath“ über den US-amerikanischen „war on terror“ gedreht, der auch ein höchst erfolgreicher Vernichtungsfeldzug gegen Bürgerrechte war. Eigentlich war er in diesem Bereich erfolgreicher als im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Auch wenn Osama Bin Laden tot ist, viele seiner engsten Verbündeten ebenfalls tot oder inhaftiert sind und Al Kaida als terroristische Bedrohung wohl keine große Rolle mehr spielt. Dafür gibt es zahlreiche Nachfolger.
Zur gleichen Zeit bekamen die Sicherheitsbehörden neue Befugnisse und die NSA begann die gesamte elektronische Kommunikation zu überwachen und zu speichern.
Edward Snowden, ein NSA-Mitarbeiter, wollte, dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Er nahm als „Citizenfour“ Kontakt zu einigen Journalisten auf, die er aufgrund ihrer Arbeit für vertrauenswürdig erachtete. Laura Poitras gehörte dazu. Glenn Greenwald, ein Jurist und „The Guardian“-Kolumnist, ebenso.
Am 3. Juni 2013 trafen Poitras und Greenwald zum ersten Mal Edward Snowden. In einem Hotelzimmer in Hongkong erzählte Snowden ihnen an acht Tagen, was er wusste und erklärte Dateien, die er kopiert hatte. Unmittelbar danach veröffentlichte Poitras ein kurzes Interview mit Snowden. Jetzt legt sie mit der Dokumentation „Citizenfour“, die sich um diese Tage in Hongkong im Juni 2013 dreht, nach.
Greenwald veröffentlichte noch in Hongkong die erste Geschichte, die auf dem Material von Edward Snowden basierte. Die Identität von Snowden wurde, vor allem auf seinen Wunsch, enthüllt. Anschließend wollte er in einem sicheren Land in Südamerika untertauchen. Er wollte, dass die Enthüllungen und nicht seine Person im Mittelpunkt der Debatte stehen. Weil die US-amerikanische Regierung seinen Pass für ungültig erklärte, strandete er auf dem Moskauer Flugplatz. Seit dem 12. Juli 2013 hat er in Russland Asyl.
In ihrem Dokumentarfilm erzählt Poitras diese Geschichte, die mit der Information endet, dass es einen zweiten Whistleblower im Geheimdienst gibt. Im Zentrum des Films steht dabei die Tage in dem Hotelzimmer, die Poitras (die sich als Regisseurin vollkommen zurückhält), Greenwald und sein „The Guardian“-Kollege Ewen MacAskill mit Snowden verbrachten. Es zeigt auch einen Wendepunkt in unserem Wissen über die Überwachung und die Verletzung der Grundrechte durch westliche Geheimdienste. Optisch ist das allerdings nicht besonders aufregend. Wir sehen drei Männer und eine Frau, die sich in einem Hotelzimmer miteinander unterhalten. Die Informationen über die Überwachungsapparate der NSA, des britischen Geheimdienstes GCHQ und ihrer Verbündeten sind inzwischen bekannt, auch wenn man einiges, wie dass die gesamte Kommunikation für Drohneneinsätze über Ramstein läuft, fast schon wieder vergessen hat.
Angereichert wird diese lange Woche im Hotelzimmer durch einige Interviews, Befragungen und Vorträge von Geheimdienstkritikern und Bürgerrechtlern, wie Jacob Appelbaum und William Binney, der im Oktober 2001 die NSA verließ, weil er Bedenken gegen die Ausspionierung von US-Bürgern hatte.
Das ist alles sehr konventionell gefilmt und auch nicht besonders informativ. Jedenfalls als aufklärerische Dokumentation über gesellschaftliche und politische Strukturen. „Citizenfour“ ist aber weit entfernt von der analytischen Schärfe und intellektuellen Tiefe einer Dokumentation von Alex Gibney (Taxi to the dark side, We steal secrets) oder Adam Curtis (The power of nightmares, The trap). Laura Poitras konzentriert sich auf Snowden, der hier als Mensch fassbar wird. Sie zeigt ihn in den letzten Tagen seines Lebens als Jedermann, der ruhig erklärt, warum er die Geheimnisse der NSA veröffentlichen will. In diesen Momenten wird für Menschen, die nur die Schlagzeilen lesen, einiges in die richtige Perspektive gerückt.

CitizenFour - Plakat 4

Citizenfour (Citizenfour, USA/Deutschland 2014)
Regie: Laura Poitras
Drehbuch: Laura Poitras
mit Edward Snowden, Glenn Greenwald, Laura Poitras, William Binney, Jacob Appelbaum, Ewen MacAskill, Jeremy Scahill
Länge: 114 Minuten
FSK: ?
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Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Citizenfour“
Moviepilot über „Citizenfour“
Metacritic über „Citizenfour“
Rotten Tomatoes über „Citizenfour“
Wikipedia über „Citizenfour“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung“ (No place to hide, 2014)

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Das Q&A mit Laura Poitras beim diesjährigen NYFF.

Ein weiteres Q&A mit Laura Poitras. Der Sound ist ziemlich gruselig.

Ein ZDF-Interview (aspekte) mit Laura Poitras. Mit deutschem Ton.

Das erste Video von Laura Poitras über Edward Snowden.


Neu im Kino/Filmkritik: „Interstellar“ – oder Planetenhopping mit Christopher Nolan

November 6, 2014

Mit seiner „Batman“-Trilogie und „Inception“ zeigte Christopher Nolan, dass Blockbuster nicht hirnentleerter Lärm sein müssen. Etwas Nachdenken ist durchaus erlaubt. Auch sein neuester Film „Interstellar“, ein gut dreistündiger Science-Fiction-Film, der eine wichtige Botschaft hat (wir zerstören unsere Umwelt), eine Utopie formuliert (die Rettung liegt in den Sternen, ähm, auf einem anderen Planeten in einer anderen Galaxie) und ein Ende hat, das in vielen Kritiken sicher unzählige Vergleiche mit Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“, dem Science-Fiction-Klassiker schlechthin, provoziert und die Fallhöhe anzeigt.
Nolans Film beginnt im US-amerikanischem Getreidegürtel, wo die Farmer gegen die Widrigkeiten der Umwelt kämpfen und, wie wir erst etwas später erfahren, die Menschheit sich inzwischen vollkommen von der Raumfahrt verabschiedete. Diesen Luxus kann man sich nicht leisten, wenn gerade jede Gehirnzelle für den konventionellen Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht wird. Die Farmer produzieren so viele Lebensmittel wie möglich, um das Überleben der Menschheit zu garantieren. Allerdings werden durch Umweltkatastrophen auch viele Ernten zerstört. Und eine andere Methode, um die Menschheit zu Ernähren (zum Beispiel Astronautennahrung), gibt es nicht.
Es ist irgendwie eine apokalyptische Welt, in der die wenigen Menschen, die wir kennen lernen, im Korngürtel einfach noch so leben, als habe sich die letzten fünfzig Jahre nichts verändert. Es gibt auch keine TV-Nachrichten von anderen Gebieten, sondern nur willkürlich eingeblendete Erzählungen von alten Menschen, die von dieser Umweltkatastrophe, die sie vor Jahrzehnten erlebten, erzählen. In diesen Momenten findet Nolan eindrücklich-apokalyptische Bilder von Stürmen, Staub und Dreck, der sich innerhalb weniger Sekunden überall in der Wohnung ablagert. Wir erfahren auch nicht, wie der Staat organisiert ist. Sowieso verschwenden die Nolan-Brüder, abgesehen von lauschigen Sonnenuntergängen über Kornfeldern, keinen Gedanken an eine differenzierte Utopie und daran, wie eine Welt aussieht, in der es zu einer Klimakatastrophe kommt und die Welt zunehmend unbewohnbarer wird.
Im Mittelpunkt des Films steht Cooper (Matthew McConaughey), der früher Raumfahrer war und jetzt mit seinem Vater (John Lithgow) und seinen beiden Kindern Farmer ist. Aber in seinem Herzen ist er immer noch ein Bastler und Forscher. Er ist die vernünftige Ausgabe von Mark Wahlberg in „Transformers: Ära des Untergangs“.
Coopers Tochter Murph (Mackenzie Foy) glaubt, dass ein Geist ihr in ihrem Zimmer Zeichen gibt. Als sich die Zeichen in einer bestimmten Form anordnen, können Cooper und Murph sie entschlüsseln. Die Spur führt sie zu einer geheimen, unterirdischen Station der NASA, wo er seinen alten Freund Professor Brand (Michael Caine) trifft, der ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann (auch weil dann der Film bereits nach ungefähr 45 Minuten zu Ende gewesen wäre). Cooper soll der Pilot einer Raumfahrtmission durch ein Wurmloch, das zufälligerweise am Rand unseres Sonnensystems aufgetaucht ist, sein. Brand hat schon einmal einige Raumfahrer durch das Loch geschickt und ihre rudimentären Signale lassen darauf schließen, dass es auf der anderen Seite des Wurmlochs für Menschen bewohnbare Planeten gibt. Brand glaubt auch, dass dieses Wurmloch nicht zufällig aufgetaucht ist, sondern dass es ein Signal von einer anderen, uns freundlich gesonnenen Spezies ist, die uns helfen wollen. Warum die Aliens dann nur ein Wurmloch im Weltall platzieren, das leicht übersehen oder falsch interpretiert werden kann und warum die Aliens uns nicht gleich helfen, beantworten die Nolans nicht. Aber sie sagen uns, dass die Zeit auf der anderen Seite des Wurmlochs langsamer vergeht, sie daher ihre Familie wahrscheinlich nie wieder sehen werden und, falls doch, ihre Kinder viel älter sind.
Jedenfalls könnte das, wenn sie schnell genug einen bewohnbaren Planeten finden, die Rettung der Menschheit sein. Cooper fliegt mit Amelia (Anne Hathaway), Romily (David Gyasi), Doyle (Wes Bentley) und einem sprechendem Roboter (kein Kommentar) los – und mehr will ich jetzt nicht verraten. Außer dass bis dahin ungefähr eine Stunde nicht sonderlich spannende Filmzeit vorbei ist (Nolan muss einfach nicht mehr ökonomisch erzählen), und er später zwischen den Erlebnissen von Cooper auf verschiedenen Planeten auf der einen Seite des Wurmlochs und seinen Hinterbliebenen auf der Erde hin und herspringt. Dabei sind die Erlebnisse von Jessica Chastain (als seine erwachsene Tochter Murph) und Casey Affleck (als sein erwachsener Sohn Tom) eher banal und die Auflösung, irgendwo zwischen irrationalen Zeitsprüngen, Wurmlöchern und Reisen durch Dimensionen nicht besonders überzeugend.
Denn während Stanley Kubrik und Arthur C. Clarke sich in „2001“ überhaupt nicht bemühten, das Ende zu erklären (obwohl Clarke später mehrmals in die „2001“-Welt zurückkehrte und die Geschichte weiter erzählte), wirkt das Ende von „Interstellar“ als ob Jonathan und Christopher Nolan zuerst alles detailliert und schlüssig auflösen wollten, aber ziemlich schnell, wie kleine Kinder, die ihr Zimmer aufräumen sollen, die Lust verloren. So endet „Interstellar“ halbherzig zwischen rationaler Aufklärung und fantastischem Ende, das so wenig überzeugt, wie der gesamte Film, der zu lang, zu zerfasert und zu konfus ist, um als Science-Fiction-Film zu überzeugen. Als Familiendrama zwischen Cooper und seinen beiden Kindern überzeugt er auch nicht.
Die Charaktere bleiben blass – und so auch die Schauspieler. Sie sind gefangen in einer Geschichte, in der Beziehungen, falls es sie überhaupt gibt, nur behauptet sind. Nur Coopers Beziehung zu seiner Tochter ist glaubwürdig. Jedenfalls am Anfang, wenn er als Vater seiner Tochter die Welt zeigt und sie lehrt, rational an Phänomene heranzugehen. Aber schon in diesen Momenten ist er der unbändige Forscher, der unbedingt neue Welten erforschen will; wenn er nicht gerade Computer für seine Traktoren und eine Drohne programmiert. Wenn er später, im Raumschiff, nur noch Videobotschaften von ihr, die inzwischen erwachsen ist, empfängt, wird sie zunehmend ein hölzerner Hinweis darauf, dass die Raumfahrer eine wichtige Mission haben und sich beeilen müssen, um die Welt zu retten.
Die Tricks sind, für eine Produktion, die 165 Millionen Dollar gekostet haben soll, erschreckend schlecht und die Musik von Hans Zimmer ist so laut, dass ich mich beim Ansehen fragte, ob IMAX-Filme einfach immer infernalisch laut sein müssen. Es gibt nämlich auch von „Interstellar“ eine IMAX-Fassung (größeres, fast quadratisches Bild), die in Deutschland in zwei Kinos läuft.

Interstellar - Hauptplakat

Interstellar (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan
mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Casey Affleck, David Gyasi, John Lithgow, Bill Irwin, Ellen Burstyn, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Mackenzie Foy, Topher Grace, David Oyelowo, William Devane
Länge: 169 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Interstellar“
Moviepilot über „Interstellar“
Metacritic über „Interstellar“
Rotten Tomatoes über „Interstellar“
Wikipedia über „Interstellar“ (deutsch, englisch)


Die KrimiZeit-Bestenliste November 2014

November 6, 2014

Wetter immer noch sommerlich. Empfehlungsliste der KrimiZeit-Kritiker immer noch mörderisch:
1 (3) Franz Dobler: Ein Bulle im Zug
2 (4) Liza Cody: Lady Bag
3 (-) James Lee Burke: Regengötter
4 (2) Wolf Haas: Brennerova
5 (1) Orkun Ertener: Lebt
6 (-) Ian Rankin: Schlafende Hunde
7 (-) Max Annas: Die Farm
8 (5) Nic Pizzolatto: Galveston
9 (-) Oliver Harris: London Underground
10 (-) Daniel Suarez: Control
–
In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
–
Cody, Rankin (Blindtipp, weil immer gut), Annas, Pizzolatto („True Detective“ fand ich zwar hoffnungslos überbewertet, aber „Galveston“ ist angenehm kurz), Harris und Suarez stehen auch auf meiner Zu-Lesen-Liste.
Aber die Tage habe ich „Der Fall Moriarty“ (Insel Verlag) von Anthony Horowitz gelesen (Ah, ja. Das Interview war gut und Horowitz – das war meiner Aufmerksamkeit entgangen – schreibt den neuen James-Bond-Roman, auf den ich mich sehr freue. Immerhin sind seine Sherlock-Holmes-Geschichten grandios, er hat Erfahrung mit historischen Stoffen und er hat schon einen James-Bond-Charakter erfunden.) und bin jetzt, neben Michael Althens „Liebling, ich bin im Kino!“ (Texte über Filme, Schauspieler und Schauspielerinnen, Karl Blessing Verlag), bei „FaceOff – Doppeltes Spiel“ (Goldmann), einem Kurzkrimi-Sammelband der International Thriller Writers, in dem bekannte Ermittler erstmals gemeinsam ermitteln. Zum Beispiel Patrick Kenzie und Harry Bosch oder Lincoln Rhyme und Lucas Davenport oder Jack Reacher und Nick Heller. Und die Erfinder haben die Geschichten gemeinsam geschrieben. Also Dennis Lehane und Michael Connelly. Jeffery Deaver und John Sandford. Undsoweiter. Die ersten Geschichten haben mir gefallen. Aber mir gefällt auch alles von Dennis Lehane, Michael Connelly, Ian Rankin,…

Und dann gibt es noch „Der Seidenspinner“, der neue Roman von „Harry Potter“ Robert Galbraith, der 670 Seiten lang ist,  am 24. November erscheint und schon jetzt in der aktuellen „Zeit“ (dieses Mal mit einer kleinen Krimibeilage) besprochen wird.