Was haben wir als Kinder nicht die italienischen „Hercules“-Filme geliebt. Von diesen Sandalenfilmen erwarteten wir nur neunzig Minuten Spaß ohne höheren Anspruch, auch ohne Logik und gute Schauspieler. Herrje, Hercules (oder wie der muskelbepackte Held gerade hieß) wurde meistens von einem Bodybuilder gespielt, der während des Drehs vielleicht bekannt war, aber den zwanzig, dreißig Jahre später niemand mehr kannte und dessen Filmkarriere aus einigen dieser bunten Sandalenfilme bestand. Echte Schauspieler verirrten sich nie auf das Set und das Budget war auch nicht hoch. Aber es machte Spaß.
Bei „Hercules“ ist das Budget höher. Offiziell so um die 100 Millionen Dollar. Die Schauspieler sind bekannter. Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Joseph Fiennes (verschenkt in ungefähr drei Auftritte) und John Hurt sind dabei. Die Regie übernahm Brett Ratner, der die drei „Rush Hour“-Filme, „After the Sunset“, „X-Men – Der letzte Widerstand“ und „Aushilfsgangster“ drehte. Alles keine große Kunst, aber immer spaßige und oft auch kommerziell erfolgreiche Unterhaltung.
Allerdings macht sein „Hercules“ keinen Spaß. Es ist letztendlich eine düster-blutige, angenehm kurze Söldner-Geschichte die im alten Griechenland spielt. Hercules (Dwayne Johnson) ist der Anführer einer kleinen Söldner-Gruppe. Mit einem Geschichtenerzähler, der die Taten von Hercules hübsch ausschmückt zu göttlichen Heldentaten. Schon bei den alten Griechen gehörte Öffentlichkeitsarbeit zum guten Ton. Und eine sexy Amazone ist auch dabei. Jetzt sollen sie für König Cotys (John Hurt) eine feindliche Armee schlagen. Danach stellen sie fest, dass Cotys sie über die Ursachen des Konflikts belog, weshalb der skrupellose Hercules dann doch einige Gewissenkonflikte hat, und dass Cotys sie nicht bezahlen will, verschlechtert seine Laune weiter. Das führt dann zu einigen weiteren, ziemlich vorhersehbaren Konflikten und Kloppereien vor konsequent dunkler Kulisse, weil in heutigen Blockbustern die poppigen Farben der Sandalenfilme und von „Conan, der Barbar“ nicht mehr existieren.
Wegen der vorhersehbaren und uninteressanten Story, die dieses Mal auf einem Comic von dem am 16. März 2014 verstorbenem Steve Moore basiert, wird allerdings niemand in „Hercules“ gehen. Eher schon wegen der Action. Aber die wird von Brett Ratner, als hätte er nichts von seinen Jackie-Chan-Filmen gelernt, so zerschnippelt, dass die natürlich mit CGI aufgepimpten Kampfszenen vor allem ein großes Chaos sind, was sicher die chaotische Stimmung in einem Kampf angemessen wiederspiegelt, allerdings auch nichts über die Arbeit der Stuntmänner und wenig über die Abläufe der Schlacht verrät. Und natürlich ist ein so inszeniertes Schlachtgetümmel nicht sonderlich beeindruckend. Das vergisst man schon beim Ansehen.
Weil „Hercules“ in 3D präsentiert wird, muss auch etwas zum 3D-Bild gesagt werden: es ist mal wieder gruselig mit all den Nachteilen, die man von 3D kennt und die in einem IMAX noch potenziert werden. Jedenfalls ärgerte mich das 3D-Bild so sehr, dass ich gefühlt alle zwei Minuten aus dem Film gerissen wurde, weil irgendetwas nicht stimmte, wie ein Ghosting-Effekt im Vorder- oder Hintergrund des Bildes, während der Rest korrekt dargestellt wurde, oder schlichtweg falsche Größenverhältnisse bei Körpern, Räumen und Waffen. Viele scheint das nicht zu stören, aber mich störte es dieses Mal so sehr, dass es mir letztendlich den gesamten Film verdarb.
Hercules (Hercules, USA 2014)
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: Ryan Condal, Evan Spiliotopoulos
LV: Steve Moore/Chris Bolsin: Hercules: The Thracian War, 2008
mit Dwayne Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Aksel Hennie, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Tobias Santelmann, Joseph Fiennes, Peter Mullan
Nach der gründlich misslungenen Culture-Clash-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist „Amma & Appa“ das reale Gegenmodell. Denn die Regisseurin Franziska Schönenberger ist verliebt in Jayakrishnan ‚Jay‘ Subramanian, einen Künstler (er zeichnete auch die Animationen für den Film), den sie in Indien während eines Arbeitsaufenthaltes kennen lernte. Sie verliebten sich ineinander, er kam nach Deutschland und jetzt wollen sie heiraten. Aber wie bringt man das den Eltern schonend bei und wie überzeugt man die Eltern, der Ehe zuzustimmen?
Schönenberger, die auch Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert, hatte dann die Idee, die Geschichte ihrer Liebe und die Begegnung der Eltern in Indien bei Jayakrishnans Eltern in Cuddalore zu dokumentieren. Als Studienarbeit und sicher auch, um die Begegnung ihrer Eltern in ruhige Bahnen in Richtung Zustimmung zur Ehe zu lenken. Immerhin verhält man sich vor laufender Kamera anders als ohne Kamera, fremde Leute und potentielles Publikum. Auch wenn beim Dreh nicht absehbar war, dass der Bayerische Rundfunk einsteigt, der kleine Studetenfilm auf der Berlinale, dem DOK.fest und jetzt im Kino läuft.
„Amma & Appa“ schildert die Begegnung der Eltern von Franziska und Jay in Indien. Ausführlich schildern die Eltern ihre Gefühlte, Hoffnungen und Bedenken zu dieser geplanten Liebesheirat. Vor allem Jays Mutter schildert eindrücklich, was diese Ehe für sie bedeutet. Einen Bruch der Tradition und ein Verlust der Sicherheit im Alter. Denn in Indien zieht die Braut in das Haus des Bräutigams und damit ist auch die Frage der Pflege der Eltern geklärt. Jetzt würde sie allerdings ihren Sohn verlieren, der nach Deutschland zu seiner Braut ziehen will.
Diesen Gefühlen der Eltern gibt Schönenberger viel Raum, garniert mit folkloristischen Impressionen aus Indien. Über sie und ihren Freund, wie sie sich kennenlernten und was sie für Pläne haben, erfahren wir dagegen im Film nichts. Auch nicht, warum es ein Jahr dauerte, bis sie Jays Eltern zum ersten Mal besuchen durfte. Das ist emotional nachvollziehbar, hinterlässt aber auch das Gefühl, dass man nur Teile der Geschichte erfährt. Denn so wichtig die Zustimmung der Eltern für eine Heirat ist, ist – und das wird auch am Filmende von den Eltern gesagt – es letztlich eine Entscheidung des Paares, ob sie heiraten wollen.
Aber durch die Zusammenkunft der Eltern, die ungefähr im gleichen Alter sind und vor ungefähr dreißig Jahren heiraten, zeigt Schönenberger in einem Doppelporträt auch, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Traditionen und wie eine Verständigung funktionieren kann.
Formal ist die sichtbare Neugierde und kindliche Lust von Schönenberger und Subramanian (der als Co-Regisseur firmiert) auf das Ausprobieren verschiedener Stilmittel in ihrer Experimentierlust zunächst erfrischend, aber letztendlich auch störend, weil eben jegliche formale Geschlossenheit fehlt und vieles auch überflüssig bis störend ist, wie die wahllos hineingeschnittenen, neuen Aufnahmen mit einer alten 16mm-Kamera, die das Flair eines Amateurfilms für den Hausgebrauch haben. Vor allem wenn die Bilder mit einem bewusst naiv gehaltenem Off-Kommentar garniert werden. Da wird das charmante Amma und Appa beim dritten Hören zu einer nervigen Marotte, die ein ernstes Problem auf das Niveau einer Nachmittags-Kindersendung, in der alles furchtbar witzig sein soll, senkt.
Amma & Appa – Eine bayerisch-indische Liebe (Deutschland 2013)
Ohne Vorrede und ohne Kommentar: die aktuelle KrimiZeit-Bestenliste:
1 (2) Mike Nicol: Black Heart
2 (-) Orkun Ertener: Lebt
3 (10) Joseph Kanon: Die Istanbul-Passage 4 (6) Jim Nisbet: Der Krake auf meinem Kopf
5 (1) Olen Steinhauer: Die Kairo-Affäre
6 (-) Nic Pizzolatto:Galveston
7 (-) Carlo Lucarelli: Bestie
8 (-) Wolf Haas: Brennerova
9 (-) Howard Linskey: Gangland
10 (-) Chloe Hooper: Die Verlobung
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
Inglourious Basterds (USA/Deutschland 2009, R.: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth])
Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)
Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.
Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.
Vox wird aber wahrscheinlich die deutsche Synchronisation bringen.
mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)
LV: Joseph Wilson: The Politics of Truth: : A Diplomat’s Memoir – Inside the Lies That Led to War and Betrayed My Wife’s CIA Identity; Valerie Plame: Fair Game: My Life as a Spy, My Betrayal by the White House, 2007
Valerie Plame war CIA-Agentin. Ihr Mann, der Exbotschafter und Bill-Clinton-Berater Joseph Wilson, wurde von George W. Bush beauftragt, in Niger die Beweise für den Irak-Krieg zu liefern. Er fand keine. Die Regierung behauptete das Gegenteil. Wilson ging an die Öffentlichkeit – und die Regierung Bush startete eine Schmutzkampagne gegen Wilson und seine Frau, die dabei als CIA-Agentin enttarnt wurde.
Ein weiterer Polit-Thriller, der mit der Regierung Bush und dem „war on terror“ abrechnet. Doch während der unterschätzte „Green Zone“ (inszeniert von Paul Greengrass, der zwei „Bourne“-Film inszenierte), basierend auf einem Sachbuch, eine Geschichte erfand, nahm „Bourne“-Regisseur Liman als Grundlage für seinen international abgefeierten Film eine Interpretation der wahren Ereignisse, die auch „Plamegate“ (nach „Watergate“) genannt wurde . Die deutschen Kritiker sind dagegen negativer.
Jedenfalls ist es schön, dass der Polit-Thriller der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine so gelungene Renaissance erlebt.
mit Sean Penn, Naomi Watts, Sam Shepard, Noah Emmerich, Michael Kelly, Bruce McGill
Nachdem am Ende der vierten Staffel das „Leverage“-Team seine Zentrale in Boston aufgeben musste, trennten sich ihre Wege. Jeder nahm, auf seine eigene Art, eine Auszeit in fremden Städten und füllte sie auch mit einigen nicht ganz legale Tätigkeiten. Jetzt kommen Nathan Ford (Timothy Hutton), Ex-Versicherungsdetektiv und Kopf des „Leverage“-Teams, Sophie Deveraux (Gina Bellman), Schwindlerin und gar nicht so verhinderte Schauspielerin, die in dieser Staffel auch Leiterin eines Theaters wird, Eliot Spencer (Christian Kane), Schläger, Alec Hardison (Aldis Hodge), Hacker, und Parker (Beth Riesgraf), artistische Einbrecherin, in Portland, Oregon, wieder zusammen. In einem neuen Quartier. Sie firmieren wieder als „Leverage Consulting & Associates“, aber das vernachlässigbar-nichtssagende Firmenschild ändert nichts daran, dass sie pro bono immer noch Menschen helfen, die von Konzernen, Wirtschaftsbossen, Politikern und anderen Weiße-Kragen-Kriminellen hereingelegt wurden und denen das Recht nicht hilft. Dann sorgt das „Leverage“-Team für ausgleichende Gerechtigkeit, indem sie die Betrüger betrügen und bloßstellen. Unblutig, clever und mit Stil.
Außerdem betreiben sie das im Erdgeschoss liegende Lokal, wo sie sich mit den Hilfesuchenden treffen und Alec als Brauer verschiedene Biersorten von anscheinend zweifelhafter Qualität ausprobiert, während Eliot, der ein begnadeter Koch ist (wie „Trüffeljagd“ beweist), nicht in der Küche steht, aber eine auf Biersorten abgestimmte Speisekarte für fast unmöglich hält.
Die Fälle der fünften und leider auch letzten Staffel, die im Original immer „Jobs“ heißen und ebenso anspielungsreiche wie witzige Titel haben (Wer denkt beim „The Long Good-bye Job“ nicht sofort an den gleichnamigen Roman von Raymond Chandler? Wer denkt bei „The French Connection Job“ nicht an den Drogenschmuggelthriller „The French Connection“?), sind, im Gegensatz zu den vorherigen „Leverage“-Jobs formal offener, obwohl „Leverage“ nie eine so starre Struktur wie beispielsweise „Law & Order“ oder „CSI“ hatte.
Neben den üblichen und immer witzigen Gauner-legen-Gauner-Geschichten gibt es dieses Mal auch einen „24“-Thriller, eine „Das Fenster zum Hof“-Variante, einen Agatha-Christie-Rätselkrimi und einen Ausflug in die siebziger Jahre, der eigentlich ebenfalls ein Rätselkrimi ist. Denn in „Die wilden Siebziger“ (The D. B. Cooper Job) sollen Nathan und die „Leverage“-Mitglieder herausfinden, was mit D. B. Cooper, dem legendären Flugzeugentführer, der 1971 mit seiner Beute aus einem Flugzeug in ein Waldgebiet sprang und spurlos verschwand, geschah. In den Rückblenden spielen die „Leverage“-Mitglieder die damaligen Charaktere, stilecht angezogen und frisiert. Es gelingt ihnen sogar, D. B. Cooper zu finden.
Es gibt auch wieder zwei Folgen, in denen das „Leverage“-Team getrennt ist. In „Der Anschlag“ (The Rundown Job) sind Eliot, Alec und Parker in Washington, D. C., wo sie innerhalb weniger Stunden einen Terroranschlag verhindern müssen. Das ist dann hemmungsloses wildern in „24“-Gefilden und als Thriller entsprechend humorfrei. Zur gleichen Zeit besuchen Sophie und Nathan eine Auktion, auf der ein besonders wertvolles Gemälde verschwindet. In „Echt gefälscht“ (The Frame-Up Job) müssen sie einerseits ihren alten Bekannten, den Interpol-Agenten Jim Sterling, der sie natürlich verhaften will, überzeugen, dass Sophie das Bild nicht klaute. Gleichzeitig müssen sie den Mord an dem reichen Besitzer der Bilder aufklären und den Urheber etlicher Kunstfälschungen finden.
In „Parker allein zu Haus“ (The Broken Wing Job) erhält Parker, die sich mit einem gebrochenen Bein in der Wohnung langweilt, eine ganze Episode. Als sie zufällig hört, dass zwei Lokalbesucher ein Verbrechen planen, will sie den Überfall auf ein benachbartes Geschäft verhindern; was mit einem Gipsbein gar nicht so einfach ist.
Selbstverständlich kämpfen Nate Ford, Sophie Deveraux, Eliot Spencer, Alec Hardinson und Parker (was für ein schöner Name!) auch gegen Großverbrecher und miese Kapitalisten, die hemmungslos ihre Mitarbeiter ausbeuten und für den Profit über Leichen gehen. Manchmal inszenieren sie dafür eine große Charade, wie in der Auftaktepisode „Bruchlandung“ (The Very Big Bird Job) mit einem Flug in Howard Hughes‘ legendärem Flugzeug „Spruce Goose“ oder in „Wir sind nicht allein“ (The First Contact Job) mit einem Besuch von Außerirdischen. Da ist dann „Die Oldtimer-Show“ (The Real Fake Car Job) mit vielen Oldtimern schon eine leichte Übung.
Eine besonders witzige Variante von diesem Kampf gegen skrupellose Profiteure ist „Sport ist Mord“ (Gimme a K Street Job). Um gegen gefährliche Machenschaften bei Cheerleader-Wettbewerben vorzugehen, gehen sie nach Washington, D. C.. Sie wollen wichtige Kongressmitglieder überzeugen, einem Gesetz zuzustimmen, das aus den Cheerleader-Wettbewerben einen Sport mit höheren Sicherheitserfordernissen machen würde. Das müsste doch, immerhin ist Washington für seine korrupten Politiker bekannt, ganz einfach sein. Aber dann erhalten die „Leverage“-Mitglieder einige Lektionen im politischen Geschäft.
Auch der Kampf gegen eine neu eröffnete Billigkette in einer Provinzstadt, die alle alteingessenen Geschäfte innerhalb weniger Monate vernichtet, in „Kaufrausch“ (The Low Low Price Job), nimmt einen vollkommen anderen Verlauf, als geplant. Denn die Filialleiterin schmettert alle Angriffe ab. Diese sind allerdings auch eher auf dem Niveau einer Sponti-Gruppe. Durchaus spaßig, aber nicht so gut wie die Weihnachtsfolge „Kein Kinderspiel“ (The Toy Job), in dem sie gegen den Besitzer eine Firma vorgehen, der gefährliche Kuscheltiere an Kinder verkaufen möchte. Das wäre legal, weil der frühere Waffenhändler die freiwilligen Produkttests entsprechend manipulierte.
Auch mit gepanschtem Wein, Ausbeutung der Arbeiter und der chemischen Keule kann man einen erklecklichen Profit machen. Als auf dem Weingut ein Arbeiter stirbt, macht das „Leverage“-Team in „Edler Tropfen“ (The Corkscrew Job) sich auf den Weg zum Weingut und dem neuen Besitzer, dem die Qualität seines Weins egal ist, solange der Profit stimmt.
Während sie auf dem Weingut allen Erntearbeitern helfen, müssen sie in „Auf dünnem Eis“ (The Blue Line Job), auf Wunsch seines minderjährigen Sohnes, nur einen Eishockey-Spieler, der unbedingt weiterspielen will, vor einer weiteren Kopfverletzung retten. Eine Verletzung, die der Besitzer des Teams herbeisehnt und dafür auch Spiele manipuliert.
In „Charlie und die Traumfabrik“ (The White Rabbit Job) müssen sie dann – entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten – einen Firmenerben so manipulieren, dass er wieder zu seinen ursprünglichen Werten zurückkehrt. Wie in „Inception“ manipulieren sie sein Unterbewußtsein.
Das Serienfinale „Das schwarze Buch“ (The Long Good-bye Job) ist dann eine eher zwiespältige Angelegenheit. Sie wollen das titelgebende Buch, in dem die Namen der Profiteure der Finanzkrise von 2007/2008 stehen, aus einem bestens gesichertem Gebäude klauen. Auf den ersten Blick geht der Job schief. Für meinen Geschmack wirkte dieser letzte Job, nach 76 erfolgreichen Jobs, wie eine hastig zum Abschluss erklärte Folge. Dieser Eindruck verstärkt sich auch, weil in den vorherigen Jobs der fünften „Leverage“-Staffel keine folgenübergreifenden Geschichte erzählt wird und so auch nichts das große Finale andeutet.
Das ändert aber nichts daran, dass auch in der fünften und leider letzten Staffel „Leverage“ immer noch eine vergnügliche, witzige und sehr kurzweilige Robin-Hood-Serie ist. Und insgesamt 77 Episoden und drei Romanen („The Con Job“ von Matt Forbeck, „The Zoo Job“ von Keith R. A. Decandido und „The Bestseller Job“ von Greg Cox), die nach dem Ende der Serie veröffentlicht wurden, sind keine schlechte Bilanz.
Leverage – Staffel 5 (Leverage, USA 2012)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Deveraux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardinson)
Gäste (Yeah, es waren wieder einige bekannte Gesichter dabei): Gary Elwes, Adam Baldwin, Treat Williams, Thure Riefenstahl, Fred Ward, Monte Markham, Gregg Henry, Catherine Dent, Mark Sheppard
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DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Geschnittene Szenen, Hinter den Kulissen (naja, ein Gag Reel) (insgesamt 13 Minuten)
Länge: 609 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Die finalen Jobs des „Leverage“-Teams
Bruchlandung (The (Very) Big Bird Job)
Regie: John Rogers
Drehbuch: John Rogers
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Auf dünnem Eis (The Blue Line Job)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: M. Scott Veach, Paul Guyot
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Wir sind nicht allein (The First Contact Job)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Aaron Denius Garcia
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Trüffeljagd (The French Connection Job)
Regie: Tawnia McKiernan
Drehbuch: Paul Guyot
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Sport ist Mord (The Gimme a K Street Job)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Jeremy Bernstein
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Die wilden Siebziger (The D. B. Cooper Job)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Chris Downey
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Die Oldtimer-Show (The Real Fake Car Job)
Regie: John Harrison
Drehbuch: Josh Schaer
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Parker allein zu Haus (The Broken Wing Job)
Regie: John Harrison
Drehbuch: Rebecca Kirsch, M. Scott Veach
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Der Anschlag (The Rundown Job)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: Chris Downey, John Rogers, Josh Schaer
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Echt gefälscht (The Frame-Up Job)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: John Rogers, Geoffrey Thorne, Jeremy Bernstein
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Kaufrausch (The Low Low Price Job)
Regie: Tawnia McKiernan
Drehbuch: Rebecca Kirsch
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Charlie und die Traumfabrik (The White Rabbit Job)
Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)
Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.
Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper. Was will man mehr an einem matschigen Novemberabend?
“The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.
Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles
Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.
Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.
mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas
96 Seiten – das täuscht. Denn der von Silke Roesler-Keilholz und Sascha Keilholz herausgegebene Sammelband „James Gray – Der filmische Raum zwischen Nähe und Distanz“ ist extrem klein gedruckt. Andere Verlage hätten den Text locker auf gut 192 Seiten verteilt und es würde sich immer noch niemand über den Platz zwischen den Buchstaben beschweren.
In dem Sammelband sind Analysen von James Grays Filmen „Little Odessa“, „The Yards“, „We own the Night“ und „Two Lovers“ und ein Interview mit James Gray. Klingt doch gut?
George Gently – Der Unbestechliche: Blinder Hass (Großbritannien 2012, Regie: Gillies Mackinnon)
Drehbuch: David Kane
LV: Charakter von Alan Hunter
Northumberland, 1968: Am Straßenrand wird Dolores Kenny gefunden. Die junge Frau wurde erschlagen – und sie ist eine Farbige. Inspector George Gently und sein Kollege John Bacchus ermitteln – und der Krimi wird schnell zu einer ebenso gelungenen, wie bedrückenden Gesellschaftsanalyse. Denn damals gab es in Pensionen Schilder, die sagten „Keine Schwarzen, keine Iren, keine Hunde“ (wobei die Wirtin bei den Hunden sicher eine Ausnahme gemacht hätte). Einer der größten Rassisten organisierte Tanzabende mit Northern Soul, auf denen Schwarze und Weiße miteinander zu Soul-Musik (die es auch reichlich zu hören gibt) tanzten, während in der eigenen Familie penibel auf die Rassentrennung geachtet wurde.
Wie sich dann die Konflikte verschärfen und die Familie Kennedy mit dem Tod eines Familienmitglieds zurechtkommen müssen, ist absolut sehenswert. Auch wenn am Ende nur der Fall, aber kein einziger Konflikt gelöst ist.
„Blinder Hass“ (Gently Northern Soul) ist der grandiose Auftakt der fünften „George Gently“-Staffel, der wieder einmal zeigt, was diese Krimiserie von anderen Krimiserien unterscheidet: der Blick auf gesellschaftliche und soziale Konflikte.
mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Pippa Bennett-Warner, Lenora Crichlow, Craig Conway, Philip Correia, Gary Carr, Eamonn Walker, John Bowler
Doku-Filmer Erroll Morris (The Thin Blue Line, The Unknown Known) interviewt Robert McNamara, Ex-US-Verteidigungsminister, Präsident der Weltbank und Lieblingsfeind der Linken.
Die Doku gewann unter einem einen Oscar als bester Dokumentarfilm.
„Ich komme aus der Studentenbewegung der 60er Jahre, und McNamara galt als unser absolutes Feindbild, als Architekt des Vietnamkrieges und Chefideologe. (…) Ich versuche ihn zu verstehen. Meine Ansicht über den Vietnamkrieg hat sich nicht geändert, aber meine Ansicht über McNamara.“ (Errol Morris, AZ, 30. Juni 2004)
Trotz der unzähligen Filme über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre gibt es immer noch Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Wie die der Wolfskinder; Kinder, die in den letzten Kriegswirren von ihren deutschen Eltern getrennt wurden und sich alleine im nördlichen Ostpreußen durchschlagen mussten.
In seinem Debütfilm „Wolfskinder“ erzählt Rick Ostermann die Geschichte von einer handvoll Kinder, die 1946 ohne ihre Eltern alleine durch die litauischen Wälder streifen und versuchen zu überleben. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Hans (Levin Liam), der nach dem Tod seiner Mutter (Jördis Triebel), mit seinem jüngerem Bruder Fritz (Patrick Lorenczat) versucht auf ein Landgut zu gelangen, in dem sie 1945 lebten. Ihre Mutter sagte, dass die dortige Bäuerin sie aufnehmen werde.
Auf dem Weg erleben sie zahlreiche Abenteuer, die immer wieder, ohne nennenswerte Variation, bittere Episoden von Tauschhandel erzählen. Ein Stofftier gegen eine Mahlzeit. Ein Kind gegen drei Äpfel. Die Erwachsenen sind immer wieder Menschen, die ihnen böse gesinnt sind. Die sie, wenn sie Soldaten sind, sofort töten wollen. Und die von Hans mehr oder weniger angeführte Gruppe von Kindern verändert sich auf ihrem ziellos erscheinendem Weg in ihrer personellen Zusammensetzung immer wieder. Er verliert seinen Bruder, der anscheinend im Fluss von Soldaten erschossen wurde. Bei dieser Flußüberquerung trifft er zwei Mädchen.
Gemeinsam setzten sie ihren Weg, der immer sinnloser wird. fort. Auch weil sein Ziel, der Hof, immer mehr wie eine Fata Morgana wirkt, die Hans immer weiter antreibt, auch wenn er auf seiner Reise immer wieder die Chance hätte, irgendwo unterzukommen.
Ostermann erzählt diese Geschichte, die in Litauen gedreht wurde, mit beindruckenden Landschaftsaufnahmen fast als Stummfilm, der allerdings nie wirklich packt. Denn obwohl es die Wolfskinder wirklich gibt, wirkt die Situation und die Reise der Kinder in „Wolfskinder“ immer künstlich und, auch weil die historische Situation nie thematisiert wird, erscheint das Verhalten der gesichtslosen Soldaten, die Kinder nur als Zielscheiben benutzen, seltsam. Auch dass die Kinder die Landessprache nicht verstehen, erscheint seltsam. Weil aber diese Dialoge nicht untertitelt sind, die deutschen Dialoge der Kinder oft im Off sind (meistens sehen wir das sprechende Kind nicht) und deren Spiel extrem ausdrucksarm ist, verstärkt sich das Gefühl, außerhalb der Geschichte zu stehen, die letztendlich mehr an eine der aktuellen, ungleich packenderen, in der mehr oder weniger nahen Zukunft spielenden Dystopien, wie „The Road“, „The Walking Dead“ oder, um auch einen deutschen Film zu nennen, „Hell“ erinnert.
Allerdings erreicht „Wolfskinder“ niemals die Qualität dieser Geschichten. Ostermann will in seinem Film einerseits konkret von einem historischen Ereignis erzählen, ohne die Hintergründe, die Vorgeschichte, zu thematisieren. Daher nimmt er die Perspektive der Kinder ein, die nichts von den vorherigen Ereignissen wissen. Und wir wissen nichts über die Eltern dieser Kinder. Sie sind einfach da. Gleichzeitig will Ostermann abstrakt eine Parabel mit offenem Ende über Kinder als Opfer von Kriegen erzählen. Das funktioniert in diesem Fall nicht, weil sich die verschiedenen Erzählhaltungen und Perspektiven und unser historisches Wissen, immerhin sollen wir mit den Kindern von Tätern sympathisieren, diametral gegenüber- und im Weg stehen.
Außerdem fragte ich mich, warum Rick Ostermann bis zum geht nicht mehr abstrahiert, anstatt konkret von einem Schicksal, einem wahren Fall, zu erzählen.
Wolfskinder(Deutschland 2013)
Regie: Rick Ostermann
Drehbuch: Rick Ostermann
mit Levin Liam, Helena Phil, Jördis Triebel, Vivien Ciskowska, Patrick Lorenczat, Willow Voges-Fernandes, Til-Niklas Theinert
LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)
Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.
Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)
Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.
Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“
Der Film beginnt in einer dieser schummerigen Bars, die anscheinend seit den seeligen Tagen des Greenwich-Village-Folk-Booms in den frühen Sechzigern nicht verändert wurden. Gretta (Keira Knightley) soll, aufgefordert von ihrem alten Freund Steve (James Corden), gegen ihren Willen, ein Lied spielen und bereits nach den ersten schüchtern vorgetragenen Tönen von „A Step you can’t take back“ ist Dan (Mark Ruffalo) fasziniert. Der Plattenproduzent hört nicht eine Engländerin und eine Gitarre, sondern schon ein ganzes Arrangement, das es locker mit einem alten Cat-Stevens-Song aufnehmen kann. Er bietet ihr an, eine Platte mit ihr zu produzieren.
Aber Gretta ist skeptisch. Sie wollte nämlich am nächsten Tag zurück nach London fliegen. Ihr Freund Dave (Adam Levine), mit dem sie nach New York kam, hat gerade eine CD aufgenommen. Die Plattenfirma steckte ihn in den großen Showzirkus, pimpte die von ihr und Dave geschriebenen und in England gemeinsam gesungenen Songs etwas auf und Dave ging an der Westküste fremd. Für Gretta ist die Beziehung vorbei und auch New York hat sie abgehakt.
Auch Dan befindet sich an einem Tiefpunkt in seinem Leben. Zu seiner Frau Miriam (Catherine Keener) und seiner Tochter Violet (Hailee Steinfeld) hat er, trotz gelegentlicher Treffen, den Kontakt verloren. Er trinkt zu viel. Sein letzter Erfolg liegt schon Ewigkeiten zurück und vor wenigen Stunden wurde er aus der von ihm mitgegründeten Plattenfirma herausgeworfen. Aber jetzt hat er eine neue Stimme entdeckt und er hat eine Vision für eine Platte: die Lieder werden auf der Straße aufgenommen und zu einem Porträt der Stadt und ihrer Menschen.
Gretta lässt sich überzeugen, eine Band wird zusammengestellt und quer durch New York, in Gassen, auf U-Bahnstationen und Dächern werden die Lieder aufgenommen.
Währenddessen lernen Gretta und Dan sich besser kennen und wie sich die Beziehung zwischen diesen beiden Musikliebhabern entwickelt, gehört zu den großen Pluspunkten des Films, der souverän die Kitschfallen umschifft. Denn John Carney („Once“) verzichtete glücklicherweise auf eine Liebesgeschichte zwischen den Beiden, auch wenn sie in einer wunderschönen romantischen Szene durch das nächtliche New York streifen und sich gegenseitig ihre Lieblingslieder vorspielen. Stattdessen versucht Gretta die Ehe von Dan zu kitten, redet mit seiner Tochter, die auch bei einem Lied mitspielen darf, und sie muss sich entscheiden, ob sie es doch noch einmal mit ihrem Freund Dave versuchen will.
„Can a Song save your Life?“ ist ein Feelgood-Film mit guter Musik (eine dicke Kaufempfehlung für die Soundtrack-CD!), der durch das natürliche Spiel seiner Schauspieler für sich einnimmt. Dass man über das Musikgeschäft nichts substantielles erfährt und die Idee, eine Platte mit vor Ort aufgenommenen Songs, inclusive Umgebungsgeräuschen, spätestens seit Michelle Shockeds „The Texas Campfire Tapes“ nicht mehr brandneu ist, ist da egal.
Can a Song save your Life (Begin again, USA 2013)
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney
mit Keira Knightley, Mark Ruffalo, Hailee Steinfeld, Adam Levine, James Corden, Yasiin Bey (aka Mos Def), Ceelo Green, Catherine Keener, Rob Morrow
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Die CD
Zum Filmstart erschien jetzt auch bei uns die CD mit den gefälligen Filmsongs, die es als Import-CD unter dem englischen Originaltitel „Begin again“ schon länger gibt. Sie enthält sechzehn Songs (vier davon sind „Bonus Tracks“) aus und inspiriert vom Film und die poppigen Songs, oft in Richtung Folk gehend, gefallen. Sie sind fast alle von Gregg Alexander (The New Radicals) geschrieben und gesungen von Adam Levine (Maroon 5), Keira Knightley und Gregg Alexander (bzw. dem Cessyl Orchestra). Einige Songs gibt es in mehreren Versionen, wie „Lost Stars“, das zweimal von Adam Levine, einmal im sehr poppigen „Into the Night Mix“, und einmal von Keiira Knightley gesungen wird.
Insgesamt eine abwechslungsreiche knappe Stunde.
Can a Song save your Life? – Music from and inspired by the Orginal Motion Picture
Schon die ersten Bilder und Trailer weckten vor Ewigkeiten freudige Erwartungen. Wir sahen eine Gruppe seltsamer Wesen. Denn neben einem Mensch, einer an ihrer Hautfarbe erkennbaren außerirdischen Schönheit, einem Muskelprotz (auch, erkennbar an seiner Hautfarbe, nicht-irdischen Ursprungs), starrten uns ein Waschbär (mit einem beeindruckendem Sündenregister) und ein Baumwesen an. Diese Gruppe Misfits sollten die Beschützer der Galaxis sein? Naja, immerhin nur selbsternannt. Und dann gab es noch bunte Bilder von fremden Planeten, Weltraumschlachten, Witze und gut abgehangene Siebziger-Jahre-Musik. Yeah, da konnte man schon „Hooked on a Feeling“ sein, ein episches Weltraumabenteuer, wie es seit „Krieg der Sterne“ (die Originaltrilogie!) nicht mehr im Kino lief, erwarten und, man hat ja schon tausende Trailer gesehen, die besser als der Film waren, befürchten, dass sich die ersten Bilder später, beim Ansehen des Films, als heiße Luft entpuppen.
Nun, sie tun es nicht. „Guardians of the Galaxy“ ist ein zünftiges, von James Gunn („Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Super“) flott und über etwaige Logiklöcher lässig hinweggehendes Weltraumabenteuer, bei dem man die fast schon Marvel-üblichen Story-Schwächen gerne verzeiht. Denn der Gegner der Guardians of the Galaxy ist schwach, austauschbar und langweilig. Eine ziemliche Nullnummer. Aber immerhin will Ronan (Lee Pace) den Orb (so ein Ding, mit dem man Herrscher über den gesamten Kosmos wird) haben und den Planeten Xandar vernichten.
Gegen ihn bringen sich die Guardians in Stellung und sie sind ein so herrlich abgedrehter Haufen von Außenseitern, dass da schon fast egal ist, um was es geht, solange es genug Action und flotte Sprüche gibt. Beides gibt es in rauhen Mengen. Immerhin müssen Peter Quill (Chris Pratt), intergalaktischer Vagabund, der sich selbst Star-Lord nennt, als Kind von der Erde entführt wurde (was die Musik erklärt) und jetzt das aktuelle „Han Solo“-Update ist, Gamorra (Zoe Saldana), hübsche Killerin mit einer Mission, Rocket Racoon (im Original: Bradley Cooper), genetisch veränderter, kybernetisch manipulierter Waschbär, Kopfgeldjäger, Söldner und waffenverliebt (vor allem wenn die Waffe seine Körpergröße topt), sein Kumpel Groot (im Original Vin Diesel), eine humanoide Baumkreatur mit besonderen Fähigkeiten und eingeschränktem Vokabular, und Drax the Detroyer (Dave Bautista), der den Tod seiner Familie rächen will und dafür Leichenberge hinterlässt, sich in diesem Abenteuer zusammenraufen. Trotz unterschiedlicher Interessen haben sie, wie sie nach einigen Kämpfen gegeneinander und Verhandlungen miteinander erkennen, immerhin ein gemeinsames Ziel: Ronan.
Und das verfolgen sie über mehrere Planeten, inclusive einem Gefängnisausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, und Begegnungen mit mehr oder weniger menschlichen Wesen, die oft höchst egoistische Interessen haben und nicht vor Gewalt zurückschrecken.
„Guardians of the Galaxy“ ist, endlich wieder, ein witziges Weltraumabenteuer – und das ist gut so.
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn
Face/Off – Im Körper des Feindes (USA 1997, Regie: John Woo)
Drehbuch: Mike Werb, Mike Colleary
FBI-Cop Sean Archer kann den Terroristen Castor Troy verhaften. Naja, fast. Denn Castor liegt jetzt im Koma und niemand weiß, wo in Los Angeles die von Castor deponierte Atombombe ist. Also lässt Archer sich auf eine gefährliche und geheime Operation ein: er nimmt das Gesicht von Troy an und schleicht sich in dessen Bande ein. Dummerweise erwacht Castor aus dem Koma und er beginnt Archer zu verfolgen. Mit der gesamten Polizei als Helfer, für die der Terrorist jetzt der tapfere Polizist Archer ist.
Grandioser Actionfilm von John Woo, der ihn auf dem Höhepunkt seiner Hollywood-Karriere zeigt. Und das Spiel von John Travolta und Nicolas Cage als Feinde, die ihre Identität wechseln, ist ein großer Spaß.
„Eine faszinierende, atemberaubende Symphonie – virtuos von John Woo komponiert und dirigiert. (…) Hervorragend.“ (Fischer Film Almanach 1998)
mit John Travolta, Nicolas Cage, Alessandro Nivola, Gina Gershon, Dominique Swann, Nick Cassavetes, Colm Feore, CCH Pounder
Für die Kriminalakte ist das Erscheinen des neuen Romans „Das Dickicht“ von Joe R. Lansdale eine gute Gelegenheit, dem Mann einige Fragen zu stellen.
Der Texaner Joe R. Lansdale schrieb in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Romane und Kurzgeschichten in unterschiedlichen Genres, die alle irgendwie zur Spannungsliteratur gehören: Kriminalromane, Thriller, Horror-Geschichten, Western und abgedrehte Variationen davon. Einige Comics schrieb er auch und er schnüffelte an den Rändern von Hollywood herum. Ein kleiner Klassiker ist „Bubba Ho-Tep“. Don Coscarelli verfilmte mit Bruce Campbell Lansdales gleichnamige Kurzgeschichte, in der im Altersheim Elvis Presley und John F. Kennedy (ein Schwarzer) gegen eine ägyptische Mumie kämpfen. Ein großer Spaß. Demnächst läuft auf dem Fantasy-Filmfest die brandneue, prominent besetzte Romanverfilmung „Cold in July“ von Jim Mickle, mit Michael C. Hall, Don Johnson und Sam Shepard.
Äußerst beliebt bei Krimilesern sind seine knochentrockenen Geschichten mit Hap Collins und Leonard Pine. Neun Romane mit dem seltsamen Paar sind bereits erschienen.
In den vergangenen Jahren, vor allem seit dem mit dem Edgar ausgezeichntem „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms), schrieb Lansdale auch mehrere Romane, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts in seiner Heimat Osttexas spielen. Protagonist ist oft ein sehr junger Mensch und die Rassenfrage wird immer thematisiert.
Auch die Abenteuergeschichte „Das Dickicht“ spielt zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Autos und Telefone gibt es schon, aber normalerweise bewegt man sich auf einem Pferd von einem Ort zum nächsten. Der sechzehnjährige Jack Parker macht sich, nach dem Pockentod seiner Eltern und der Ermordung seines Großvaters auf dem Sabine River, mit dem Afroamerikaner Eustace Cox, seinem Wildschwein Keiler, dem Zwerg Shorty, dem Freudenmädchen Jimmie Sue und dem Sheriff und früheren Kopfgeldjäger Winton auf die Jagd nach dem Mörder seines Großvaters und den Entführern seiner jüngeren Schwester. Das sind Cut Throat Bill, Nigger Pete und Fatty Worth, drei skrupellose Banditen, die im titelgebenden Dickicht, einer gesetzlosen Gegend, untergetaucht sind.
Was war die Inspiration für „Das Dickicht“?
Die Hauptinspiration für „Das Dickicht“ waren Geschichten über Ost-Texas, die ich als Jugendlicher hörte. Dazu kam die Lektüre von Mark Twain und pure Einbildung. Ich nehme gerne etwas, das einen Bezug zur Realität hat und entfessele meine Fantasie. Mein Vater, zum Beispiel, hatte als Kind Pocken. Er wurde 1909 geboren, ein Jahr bevor Mark Twain starb. Er hörte viele Geschichten über Ost-Texas, das große Dickicht, wo meine Geschichte spielt, und ich verwendete Geschichten, die ich von meiner Großmutter hörte. Und einige Kleinigkeiten von meiner Mutter. Wieder einmal verschmolz ich meine Fantasie mit diesen Geschichten und so entstand dieser Roman. Der Zwerg Shorty war für mich eine Überraschung. Über seinen Ursprung kann ich nichts sagen.
In den vergangenen Jahren, vor allem seit „The Bottoms“ spielen viele ihrer Geschichten in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und oft erzählen sie die Abenteuer von jungen Menschen. Woher kommt ihr Interesse an dieser Zeit und den jugendlichen Charakteren?
Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert. Meine Eltern waren während dieser Zeit junge Erwachsene und Erwachsene. Es war eine schwere Zeit, also war ich neugierig. Wie ich schon bei der vorherigen Frage sagte: ich hörte viele Geschichten über die Große Depression. Sie hatte, wie du dir denken kannst, einen großen Einfluss auf meine Eltern. Meine anderen Romane entstanden, wie „Das Dickicht“, ausgehend vom Hörensagen oder eher mündlichem Geschichtenerzählen. Einige Geschichten, die mir erzählt wurden, waren wahr. Andere nicht. Manchmal waren es nur alte Geschichten, die weitererzählt wurden und nichts mit meiner Familie zu tun hatten. Aber es waren die Erfahrungen und Geschichten von anderen.
Ich denke, ich bin einer der letzten, der noch da war, um diese alten Geschichten zu hören, weil meine Eltern, als ich geboren wurde, älter waren als die Eltern von meinen Klassenkameraden. Sogar mein Bruder ist siebzehn Jahre älter als ich. Daher hat er etwas andere Erfahrungen als ich und ich habe viele Dinge von ihm gelernt. Das war so nicht geplant. Es geschah einfach.
Ich bin ein guter Zuhörer, wenn es um Geschichten geht. Vorausgesetzt, sie interessieren mich. Während die anderen Kinder spielten, saß ich bei den Erwachsene und hörte ihnen zu.
Sie schreiben in vielen verschiedenen Genres und Comics. Woher wissen Sie, welches Genre das richtige Genre für die Geschichte ist und was sind die Vorteile von Genres?
Wenn mich jemand fragt, ob ich einen Kriminal-, Horror- oder was auch immer für eine Genre-Geschichte schreiben soll, dann kenne ich die Richtung. Aber das ist auch alles. Zuerst muss es mich interessieren, und dann habe ich die grobe Richtung in die die Erzählung sich bewegen soll. Aber danach lasse ich die Geschichte ihren eigenen Weg finden. Manchmal setzte ich mich einfach hin und beginne mit dem Schreiben. Ausgehend von einer Stimmung oder einer einzigen Idee. Dann entwickelt sich die Geschichte und sie wird, was immer sie werden will.
Ich denke, ich kann nur schreiben, indem ich die Geschichte ihre Stimme finden lasse. Ich kann gelenkt, aber nicht kontrolliert werden.
Können Sie uns etwas über ihren Schreibprozess erzählen? Wie entsteht ein Lansdale-Roman?
Ich recherchiere ohne zu denken, dass ich recherchiere. Ich lese einfach, was mich interessiert oder fasziniert, Erzählungen und Sachbücher. Ich lese viel über Geschichte; Biographien und so. Ich lese viel und ich lese fast ständig, mit kurzen Pausen, weil ich es sowieso tun würde und es mir gefällt.
Ich schreibe gern. Normalerweise schreibe ich am Morgen, kurz nachdem ich aufstehe. Ich versuche täglich mindestens drei bis fünf Seiten zu schreiben, und oft wird es mehr. Ich mache das fünf bis sieben Tage pro Woche, manchmal auch im Urlaub. Aber ich arbeite selten mehr als drei Stunden. So tue ich regelmäßig etwas und ich fühle mich jeden Tag wie ein Held.
Ich schreibe eine sehr gewissenhafte erste Fassung, mit Überarbeitungen während des Schreibens. Danach wird diese Fassung noch einmal in Details überarbeitet.
Manchmal habe ich eine Geschichte, die eine größere Überarbeitung erfordert, aber während des Schreibens überarbeite ich bereits das Geschriebene und am nächsten Tag überarbeitete ich die Arbeit des vorherigen Tages und tauche so wieder in die Geschichte ein. So erledige ich viele Überarbeitungen während des Schreiben.
Mehrere Fassungen mag ich nicht. Es deprimiert mich einfach und meine Geschichten werden mit dieser Methode nicht besser, sondern schlechter.
Am besten funktioniert für mich: Sorgfältig jetzt, kleine Veränderungen später.
Welche fünf Bücher würden Sie für den späten Sommerurlaub empfehlen?
Adventures of Huckleberry Finn (Die Abenteuer des Huckleberry Finn; Huckleberry Finn; Huckleberry Finns Abenteuer), von Mark Twain
To Kill a Mocking Bird (Wer die Nachtigall stört), von Harper Lee
The Great Gatsby (Der große Gatsby), von F. Scott Fitzgerald
The Martian Chronicles (Die Mars-Chroniken), von Ray Bradbury
Diese Liste kann sich verändern, aber diese Bücher gehören immer zu meinem Lieblingsbüchern.
Wenn ich etwa schwindeln darf, indem ich eine Kurzgeschichtensammlung hinzufüge, empfehle ich
A Good Man is hard to find, von Flannery O’Connor (diese Sammlung wurde so anscheinend nicht übersetzt, aber die Kurzgeschichten von Flannery O’Connor erschienen in verschiedenen, antiquarisch erhältlichen Sammelbänden)
Das hat verdammt lange gedauert. Immerhin erschien die Originalausgabe von „Machos und Macheten“ in den USA bereits 2001. Aber ein neues Abenteuer von Hap Collins, weiß, hetero und eher friedliebend, und Leonard Pine, schwarz, schwul und sehr schlagkräftig, ist wie alter Wein. Er wird mit der Zeit besser.
Am Anfang von „Machos und Macheten“ arbeiten Hap und Leonard als Nachtwächter in East Texas in einer Geflügelfarm. Der Job ist ziemliche Hühnerkacke, bezahlt aber die Miete. Eines Nachts sieht Hap nach Dienstschluss, wie ein Irrer direkt vor der Farm eine Frau vergewaltigen will. Er stürzt sich ins Getümmel und, mit etwas Hilfe von einer Kollegin, gelingt es ihm, den Irren, der vorher einige Drogen eingeworfen hat, zu überwältigen. Weil die Frau die sechzehnjährige Tochter von Elmer Bond, dem Besitzer der Geflügelfarm, ist, erhält Hap eine saftige Belohnung und die Erlaubnis für einen längeren Urlaub, den er dann auch mit seinem Kumpel Leonard nimmt. Eine Kreuzfahrt, die für die Beiden beim ersten Landgang endet. Denn es gelang ihnen, sich auf dem Schiff so viele Feinde zu machen, dass das Schiff ohne sie weiterfuhr.
In Playa del Carmen, Mexiko, treffen sie dann auf einige Strauchdiebe, die sie ausrauben wollen. Noch während sie sich mit ihnen prügeln, taucht Ferdinand auf und schlägt sie mit seiner Machete in die Flucht. Von einer Anzeige sehen sie ab, weil die Strauchdiebe Polizisten waren.
Und es kommt noch schlimmer. Denn das Boot von Ferdinand, der eine hübsche Tochter hat, in die Hap sich sofort verliebt, wurde von einem blonden Arschloch für viel Geld und der Option auf absolute Narrenfreiheit während des Ausflugs gemietet, weshalb er Beatrice als unwillige Gespielin betrachtet. Schnell, ungefragt und gegen Beatrices Wunsch mischen die beiden Kumpels sich ein.
Der Angelausflug endet in einem Desaster, die beträchtliche Heuer wird nicht bezahlt und Beatrice und ihr Vater Ferdinand sitzen in der Patsche. Denn die Heuer sollte ihre Schulden bei dem Kartellchef Juan Miguel begleichen, der jetzt die Schulden anderweitig eintreiben will, was dazu führt, dass Hap und Leonard, mal wieder, Ärger haben und es auch einige Leichen gibt.
„Machos und Macheten“, das sechste Collins-Pine-Abenteuer, ist ein herrlich abgedrehter Hardboiled-Krimi-Spaß voller Witze und Gewalt. Denn auch südlich der Grenze machen die beiden Kumpels das, was sie am Besten können: blöde Sprüche, sich mächtig Ärger einhandeln und dabei die Pläne von einigen Verbrechern stören.
Und Joe R. Lansdale erzählt das in seiner üblichen schnörkellosen Prosa mit einer gehörigen Portion schwarzen Humor.
Die Entführung des Michel Houellebecq (Frankreich 2014, Regie: Guillaume Nicloux)
Drehbuch: Guillaume Nicloux
September 2011: die angekündigte Lesereise von Michel Houellebecq („Ausweitung der Kampfzone“, „Elementarteilchen“) fällt aus. Der französische Bestsellerautor und Provokateur war damals von drei Amateur-Kidnappern entführt worden und führte mit ihnen tiefsinnige Debatten über Gott und die Welt.
Ein Spaß; vor allem natürlich für Houellebecq-Fans.
Das Drehbuch wurde beim Tribeca Filmfestival ausgezeichnet.
mit Michel Houellebecq, Mathieu Nicourt, Maxime Lefrançois, Françoise Lebrun, Luc Schwarz
Am Donnerstag startet James Gunns kurzweiliger Science-Fiction-Abenteurfilm „Guardians of the Galaxy“, der in den USA seit einem Monat sehr erfolgreich im Kino läuft, endlich auch in Deutschland. Das ist wenig, aber noch genug Zeit, um einen Blick in die gezeichnete Vorlage zu werfen.
Gunns Film basiert auf der von Dan Abnett und Andy Lanning erfundenen Inkarnation der „Guardians of the Galaxy“. In „Guardians of the Galaxy – Collection“ und „Guardians of the Galaxy – Kampf um die Erde“ erzält Brian Michael Bendis, der die Serie 2013 übernahm, eine Geschichte mit den Rettern der Galaxis, die sich in zwei Punkten vom Film unterscheidet: sie ist ernster und Peter Quill, der Anführer der Guardians, nennt sich nicht wegen irgendwelcher größenwahnsinniger Anwandlungen Star-Lord, sondern der Erdling (mütterlicherseits) ist der Sohn des Herrschers von Spartax und in dem Comic „Guardians of the Galaxy – Collection“ (enthält „Guardians of the Galaxy – Vol. 1 – 7“) und „Guardians of the Galaxy – Kampf um die Erde (Band 3)“ (enthält „Guardians of the Galaxy – Vol. 8 – 10“) sind die Guardians, also ‚Star-Lord‘ Peter Quill, Kriegerin Gamora (sie ist auch die Adoptivtochter von Thanos), Waschbär Rocket Raccoon, Baumwesen Groot und Kämpfer Drax schon länger zusammen. Im Film finden sie sich erst.
In dem Comic müssen sie die Erde beschützen. Denn der Tyrann Thanos will die Erde vernichten, weil dieser Planet nur Probleme verursacht und so die verschiedenen Herrscherfamilien des Weltalls munter, wie wir es schon von den griechischen Göttern kennen, gegeneinander intrigieren können.
Die Guardians und Iron-Man Tony Stark (uh, ja, der spielt im Film nicht mit; – außer er hat in der Abspann-Sequenz, die ich nicht kenne, einen Auftritt) versuchen die Erde zu retten.
Später, in „Kampf um die Erde“, hilft ihnen auch noch Angela. Die Kriegerin gelangte durch einen Riss im Raum-Zeit-Gefüge in die Welt von Star-Lord und sie hilft den Guardians bei ihrem Kampf gegen Thanos.
Das liest sich flott und vergnüglich weg, wird aber zunehmend auf eine episodische Endlosigkeit angelegt, was sich besonders deutlich daran zeigt, dass der „Kampf um die Erde“ mal schnell in den erdnahen Orbit und auf andere Welten verlagert wird und nicht endet, weil erst der für den vierten „Guardians of the Galaxy“-Sammelband angekündigte „Prozess gegen Jean Grey“ durchgeführt werden muss. Das wäre dann schon das nächste Crossover, dieses Mal mit den X-Men, und es setzt die beliebte Marvel-Strategie fort, verschiedene Serien miteinander zu verknüpfen. Denn dieses „Guardians of the Galaxy“-Abenteuer von Bendis ist auch mit dem großen „Infinity“-Crossover verknüpft. Das Verknüpfen verschiedener Serien erfreut natürlich das Herz des Fanboys und des Alles-Sammlers, aber wer neu einsteigt oder nur eine Serie verfolgen will, fühlt sich doch, wieder einmal, etwas außen vor gelassen.
Und dann gibt es noch Probleme mit dem Raum-Zeit-Kontinuum, was leider auch zu einer Anything-can-happen-Einstellung führt.
Ergänzend zum Film gibt es „Guardians of the Galaxy – Die offizielle Vorgeschichte zum Film“, die von Dan Abnett und Andy Lanning, den Erfindern der aktuellen „Guardians of the Galaxy“-Inkarnation, geschrieben wurde. In dem Heft werden zwei kurze Geschichten erzählt. In der ersten kämpfen die beiden Killerinnen und Töchter von Thanos, Gamora und Nebula, mit- und gegeneinander bei verschiedenen Killer-Trainings. Auf Praxius kämpfen sie gegeneinander um den Orb.
Witziger und deutlich gelungener ist die zweite Geschichte, in der es Söldner-Action mit Rocket Racoon und Groot auf der Raumstation Hub gibt. Weil sie mal wieder Pleite sind, übernehmen sie für den Verbrecherboss Zade Scraggot den Auftrag, aus der gut gesicherten Zollstation eine Kiste zu klauen. Als sie erfahren, was in der Kiste ist, verändert sich alles.
Aber eine Vorgeschichte zum Film, die wichtige Informationen zur Filmhandlung liefert, konnte ich nicht erkennen.
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Brian M. Bendis/Steve McNiven/Sara Pichelli: Guardians of the Galaxy – Collection (Marvel Now)
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini, 2014
188 Seiten
16,99 Euro
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enthält
Guardians of the Galaxy 0, 1 – 7
Marvel, 2013
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Brian M. Bendis/Francesco Francavilla/Kevin Maguire: Guardians of the Galaxy – Kampf um die Erde (Band 3) (Marvel Now)
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini, 2014
100 Seiten
12,99 Euro
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enthält
Guardians of the Galaxy 8 – 10
Guardians of the Galaxy: Tomorrow’s Avengers (2013) 1
Marvel 2013/2014
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Dan Abnett/Andy Lanning/Wellinton Alves: Guardians of the Galaxy – Die offizielle Vorgeschichte zum Film
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini, 2014
52 Seiten
4,99 Euro
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enthält
Guardians of the Galaxy – Prelude
Marvel, 2014
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Die Verfilmung
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn