TV-Tipp für den 13. Juli: Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Juli 13, 2023

WDR, 23.45

Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)

Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego

Drehbuch: Maria Camila Arias, Jacques Toulemonde (nach einer Geschichte von Cristina Gallego)

Bildgewaltiges Drogendrama, das die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels, beginnend in den späten Sechzigern, erzählt. „Birds of Passage“ bedient dabei selbstverständlich Genrekonventionen. Mit seinen ethnographischen Blick eröffnet er gleichzeitig eine vollkommen neue Perspektive. Er zeigt nämlich, wie sehr Traditionen unser Leben bestimmen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Wayuus hatten und wie sich das Leben eines abgeschieden lebenden Volkes durch den Drogenhandel verändert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Carmina Martinez, José Acosta, Jhon Narváez, Natalia Reyes, José Vincentes Cotes, Juan Martinez, Greider Meza

Hinweise

Moviepilot über „Birds of Passage“

Metacritic über „Birds of Passage“

Rotten Tomatoes über „Birds of Passage“

Wikipedia über „Birds of Passage

Meine Besprechung von Ciro Guerra/Cristina Gallegos „Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu“ (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)


Horst Eckert erkundet „Die Macht der Wölfe“

Juli 12, 2023

Hauptkommissar Vincent Veih verbringt mit seiner Kollegin und inzwischen auch Freundin Melia Adan in Berlin ein gemeinsames Wochenende. Das Programm für verliebte Paare wird von Melias Vater, ein sich ‚im Ruhestand‘ befindender einflussreicher Politiker, gestört. Er bittet sie zu einem Gespräch mit der Bundeskanzlerin Ute Frings-Fassbinder. Sie wird von Tristan Bovert erpresst. Er ist Staatssekretär im Kanzleramt und Geheimdienstbeauftragter der Bundesregierung. Die Kanzlerin möchte, dass Adan ihr beim Beschaffen der Beweise gegen ihren Erpresser hilft.

Zur gleichen Zeit werden in Düsseldorf auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhof am Wehrhahn, das von Immobilientycoon Hartmut Osterkamp gewinnbringend umgebaut wird, Teile einer zerstückelten Leiche entdeckt. Veih beginnt in dem Fall zu ermitteln. Er entdeckt dabei Jahre zurückreichende Verbindungen zwischen dem Toten, dem TV-Moderator Christoph Urban und rechten Netzwerken zwischen Politik und Großkapital.

Urban arbeitete früher als Sportreporter im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Nach seiner Entlassung betrieb er einen rechtspopulistischen YouTube-Kanal. Inzwischen ist er mit seiner Talkshow „Urban direkt“ auf dem TV-Sender Deutschland-TV der Quotenbringer. Finanziert wird der Sender und damit auch seine Sendung von dem Milliardär Hartmut Osterkamp. Dieser bietet Urban die Führung einer sich in Gründung befindenden rechtskonservativ-nationalistischen Partei an. Die Partei soll bei der nächsten Bundestagswahl antreten und diese Wahl wird bald kommen. Denn, so versichert er Urban, die Kanzlerin werde innerhalb der nächsten Tage zurücktreten. Das wisse er aus einer sehr zuverlässigen Quelle.

In ihrem vierten gemeinsamen Fall stehen die beiden Mordermittler Melia Adan und Vincent Veih eher an der Seitenlinie. Für den Mordfall interessiert Horst Eckert sich in „Die Macht der Wölfe“ kaum. Beim Erpressungsplot hat Adan nur eine kleine Rolle als Beschafferin von Überwachungstechnik und Begleiterin zu einer Familie. Im Zentrum seines neuesten Polit-Thrillers steht der Versuch Russlands, Deutschland zu destabilisieren, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben und eine Russland-hörige Regierung einzusetzen. Dafür bedient sich der Geheimdienst eines breiten Geflechts unterschiedlicher über Geld, Macht und Einfluss verfügender Männer.

Protagonist der Geschichte ist letztendlich Christoph Urban. Der TV-Journalist ohne politische Erfahrung soll zuerst vom rechten Polit-Journalisten zum Parteivorsitzenden einer auf ihn zentrierten Partei und dann zum Bundeskanzler gemacht werden. Er genießt bei Parteiveranstaltungen den Zuspruch aus dem Volk. Er stellt allerdings auch schnell fest, dass Osterkamp und seine Vertrauten ihm sagen, was er über Russland und andere Themen sagen kann. Er muss sich entscheiden, ob er das will und ob er den Preis dafür zahlen möchte.

Eckert erzählt, gewohnt nah an den aktuellen Schlagzeilen entlang, wie ein solcher Regime Change stattfinden könnte. Dabei gelingt es ihm, dass die Faschisten, Nazis und Rechtsextremisten bei ihm vernünftiger klingen als in anderen deutschen Krimis, in denen sie zu grenzdebilen, Floskeln absondernden Dumpfbacken werden.

Die Gruppe Konservativer, die den Umsturz plant, erinnert beim Lesen an die Gruppe Reichsbürger um Heinrich XIII. Prinz Reuß, die Anfang Dezember 2022 verhaftet wurden. Eckert hat das Manuskript für „Die Macht der Wölfe“ bereits im November abgegeben.

Die Spannung entsteht dieses Mal gerade aus dem Wissen, was geplant ist und der Frage, ob Veih und Adan das Schlimmste verhindern können. Denn natürlich sind die beiten Mordermittler nicht nur unbeteiligte Zuschauer.

In seinem Rundbrief hat Horst Eckert bereits seinen nächsten Roman angekündigt. Er erscheint nächstes Jahr und er hat eine neue Hauptfigur. Mehr will Eckert noch nicht verraten.

Nach vier Adan/Veih-Romanen in Folge und davor bereits drei aufeinander folgenden Vincent-Veih-Romanen ist das eine willkommene Rückkehr zu seinen Anfängen. Denn vor den sieben Romane mit Vincent Veih als Hauptfigur, die nur von „Der Preis des Todes“ (2018) unterbrochen wurde, hatte jeder seiner Romane eine andere Hauptfigur. Die Kontinuität zwischen den Romanen wurde hergestellt durch den Handlungsort Düsseldorf, dass KK11 (Kommissariat für Todesermittlungen) und immer wiederkehrenden Figuren, wie den in „Die Macht der Wölfe“ kurz vor der Pension stehenden Kriminaldirektor Ben Engel. Am Anfang des Romans ist noch unklar, wer sein Nachfolger wird, aber Veih wird von Engel schon einmal darauf hingewiesen, dass Liebesbeziehungen zwischen Vorgesetzten und direkten Untergebenen heute nicht mehr geduldet werden.

Horst Eckert: Die Macht der Wölfe

Heyne, 2023

480 Seiten

15 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Das Jahr der Gier“ (2022)


TV-Tipp für den 12. Juli: Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Juli 11, 2023

Arte, 20.15

Life of Pi: Schiffsburch mit Tiger (Life of Pi. USA/Großbritannien/Taiwan 2012)

Regie: Ang Lee

Drehbuch: David Magee

LV: Yann Martel: Life of Pi, 2001 (Schiffsbruch mit Tiger)

Nach einem Schiffsuntergang kann der siebzehnjährige Pi Patel, Sohn eines indischen Zoodirektors, sich auf ein Rettungsboot retten. Dummerweise muss er es mit dem Tiger Richard Parker teilen, der sehr hungrig ist.

Damals waren die Computereffekte, präsentiert in 3D, atemberaubend. Heute: schauen wir mal.

Es gab viel Kritikerlob, beeindruckende Zuschauerzahlen (in Deutschland gut 1,4 Millionen) und Preise, zum Beispiel erhielt Ang Lee den Regieoscar. Weitere gab es für die Kamera, die Musik und die Spezialeffekte.

Für das Lexikon des internationalen Films gehörte das Drama damals zu den besten Kinofilmen des Jahres 2012.

mit Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Ayush Tandon, Gautam Belur, Adil Hussain, Tabu, Ayan Khan, Mohd Abbas Khaleeli, Vibish Sivakumar, Gérard Depardieu

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Life of Pi“

Wikipedia über „Life of Pi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ang Lees „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ (Billy Lynn’s long Halftime Walk, USA/Volksrepublik China/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Ang Lees „Gemini Man“ (Gemini Man, USA 2019)


Cover der Woche

Juli 11, 2023

Weil Ross Macdonald (eigentlich Kenneth Millar, 13. Dezember 1915 in Los Gatos, Kalifornien – 11. Juli 1983 in Santa Barbara, Kalifornien) heute vor vierzig Jahren starb.

Der Hardboiled-Autor ist der Erfinder von Privatdetektiv Lew Archer. Zwischen 1949 und 1976 veröffentlichte er achtzehn Kriminalromane mit Lew Archer, zwei davon wurden mit Paul Newman verfilmt. Im Film hieß der Detektiv dann Lew Harper.

Wer ihn noch nicht kennt und die Krimis von Dashiell Hammett und Raymond Chandler liebt, sollte sich unbedingt sofort einen seiner Romane besorgen. Dabei sind die früheren Archer-Krimis besser als die späteren. Aber wirklich schlecht sind die auch nicht.


Die Krimibestenliste Juli 2023

Juli 11, 2023

Während ich noch an meiner Liste empfehlenswerter Urlaubslektüre arbeite (Und wenn sie nicht dieses Jahr kommt, kommt sie nächstes Jahr.), veröffentlichen die Damen und Herren der Krimibestenliste ihre Juli-Liste, wie immer präsentiert von Deutschlandfunk Kultur:

1 (-) Erin Flanagan: Dunkelzeit

(Aus dem Englischen von Cornelius Hartz und Stefanie Kremer)

Atrium, 365 Seiten, 25 Euro

2 (–) Yves Ravey: Taormina

(Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller)

Liebeskind, 112 Seiten, 20 Euro

3 (–) Yasmin Angoe: Echo der Gewalt

(Aus dem Englischen von Karin Diemerling)

Suhrkamp, 424 Seiten, 18 Euro

4 (–) Nicola Lagioia: Die Stadt der Lebenden

(Aus dem Italienischen von Verena von Koskull)

btb, 508 Seiten, 25 Euro

5 (3) James Kestrel: Fünf Winter

(Aus dem Englischen von Stefan Lux)

Suhrkamp, 499 Seiten, 20 Euro

6 (9) Carl Nixon: Kerbholz

(Aus dem Englischen von Jan Karsten)

CulturBooks, 304 Seiten, 24 Euro

7 (–) Tracey Lien: All die ungesagten Dinge

(Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmerman)

Piper, 333 Seiten, 24 Euro

8 (–) Anthony McCarten: Going Zero

(Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié)

Diogenes, 454 Seiten, 25 Euro

9 (10) Mary Paulson-Ellis: Das Erbe von Solomon Farthing

(Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt)

Ariadne/Argument, 478 Seiten, 25 Euro

10 (–) Anjali Deshpande: Mord

(Aus dem Hindi von Almuth Degener)

Draupadi, 207 Seiten, 19,80 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Vollkommen planlos ergänze ich die Liste noch um

Denise Mina: Fester Glaube (Ariadne/Argument – „furioser neuer Roman der schottischen Noir-Meisterin“ sagt der Verlag)

Don Winslow: City of Dreams (HarperCollins – ja, der stand letzten Monat auf der Bestenliste, aber einmal ist keinmal)

James Lee Burke: Verschwinden ist keine Lösung (Pendragon – der letzte Dave-Robicheaux-Kirmi)

William Boyle: Shoot the Moonlight out (Polar – „sein bisher bestes Werk“ [Megan Abbott])

und, außer Konkurrenz (weil es sich um eine Wiederveröffentlichung, sozusagen einen Klassiker handelt)

Carlo Emilio Gadda: Die grässliche Beschereung in der Via Merulana (Wagenbach – „Ein römischer Kriminalroman und zugleich ein Werk von weltliterarischem Format.“ [Hans Magnus Enzensberger – So! Jetzt hab ich auch diese Ikone der alten Bundesrepublik in der Kriminalakte erwähnt.)


TV-Tipp für den 11. Juli: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Juli 10, 2023

Tele 5, 22.15

Inherent Vice – Natürliche Mängel (Inherent Vice, USA 2015)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Thomas Pynchon: Inherent Vice, 2009 (Natürliche Mängel)

Los Angeles in den frühen Siebziger: Der dauerbekiffte Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix) sucht den spurlos verschwundenen Liebhaber einer seiner Ex-Freundinnen. Das ist der Auftakt für einen wahrhaft labyrinthischen Plot, der sich ungeniert bei den großen und bekannten Noirs bedient – und sich würdig zu ihnen gesellt.

Köstlicher, ebenso traditionsbewusster wie selbstironischer Noir für die Fans von Hammett, Chandler, Ellroy, „Chinatown“, „The Big Lebowski“ und „The Nice Guys“ (ja, die netten Jungs kamen genaugenommen etwas später). Die Vorlage dieses Megacuts des bekannten Hardboiled- und Noir-Kanons ist von Thomas Pynchon.

Danach will man sich wieder die Klassiker ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Jena Malone, Joanna Newson, Eric Roberts, Hong Chau, Michael Kenneth Williams, Martin Donovan, Sasha Pieterse

Die Vorlage

Thomas Pynchon: Natürliche Mängel

(übersetzt von Nikolaus Stingl)

rororo, 2012

480 Seiten

14 Euro

Deutsche Erstausgabe/Gebundene Ausgabe

Rowohlt, 2010

Originalausgabe

Inherent Vice

The Penguin Press, 2009

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Metacritic über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Rotten Tomatoes über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Wikipedia über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (deutsch, englisch) und über Thomas Pynchon

Perlentaucher über Thomas Pynchons „Natürliche Mängel“

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


Jack the Ripper, „Jack der Aufschlitzer – Das blutige Rätsel Londons“ gelöst

Juli 10, 2023

Fünf Morde werden ihm zugeschrieben. Heute, über 130 Jahre nach seinen Taten, ist seine Identität immer noch unbekannt. Dafür ist er ein popkultureller Mythos und es gibt zahlreiche mehr oder weniger plausible Theorien über seine Identität. Alan Moore fabulierte, zusammen mit Zeichner Eddie Campbell, in seinem Comic-Klassiker „From Hell“ über die Identität von Jack the Ripper.

Jahrzehnte früher fabulierte Victor von Falk in „Jack der Aufschlitzer – Das blutige Rätsel Londons“ über die Identität und Motive von Jack the Ripper. Ursprünglich erschien der Kolportage-Roman 1908 im A. Weichert Verlag als zehnter Band der „Sammlung interessanter Brigantenromane“ unter dem vollständigen Titel „Jack der Ausschlitzer – Das blutige Rätsel Londons. Eine Erzählung aus der Londoner Verbrecherwelt“. Der Jaron Verlag veröffentlichte ihn jetzt in seiner neuen Reihe „Jarons geheime Kriminalbibliothek“ wieder.

Von Falk behauptet im Vorwort, dass er an Dokumente gelangte, die die Identität von Jack dem Aufschlitzer enthüllten. Und am Ende des hundertsechzigseitigen Romans wissen wir, wer der Dirnenmörder ist und warum er die Freudenmädchen aufschlitzte.

Davor präsentiert von Falk verschiedene Figuren, deren Bedeutung für die Enthüllung des Aufschlitzers sich darin erschöpft, die Zeit bis zur Enthüllung des Täters zu verlängern. So beginnt der Roman mit zwei Kapiteln über die Familie Flint, der unglücklichen Heirat ihrer Tochter und dem Tod des Familienoberhaupts. Diese 28 Seiten spielen über zehn Jahre vor den ersten Taten von Jack dem Aufschlitzer und sie haben offensichtlich nichts mit ihm zu tun. Das nächste Kapitel spielt zwölf Jahre später. Eine Polizistin soll undercover Jack den Aufschlitzer, der im Londoner Stadtteil White Cheapel (so wird Whitechapel im Buch geschrieben) mordet, finden. Sie wird von ihm getötet. Eine Spur zum Täter gibt es nicht. Im nächsten Kapitel wird die Frau eines Briefträgers, die sich als Teilzeitprostituierte ein Zubrot verdient, getötet.

Erst als auf Seite 73 der aus Indien nach London zurückgekehrte Arzt Dr. Edgar Remender auftaucht, kehrt Ruhe in das Personenkarusell. Denn er stirbt nicht einige Seiten später, sondern er hilft dem Londoner Polizeidirektor Fred Gouvernant in dem Fall.

Diese Konstruktion, in der nicht zusammen hängende, in sich durchaus spannende Episoden aneinandergereiht werden, führt dazu, dass das anfängliche Interesse an einem Tätersuchspiel schnell erlahm. Es ist einfach nicht erkennbar, was die einzelnen Episoden mit dem Dirnenmörder zu tun haben. Und es ist auch nicht erkennbar, wer der Täter sein könnte. Im Vorwort behauptet von Falk, es sei ihm gelungen „Einsicht in Aktenstücke zu erlangen, die sonst nur den allerhöchsten Beamten der englischen Polizei zugänglich sind“. In seinem Roman werde er wahrheitsgetreu erzählen, was in den Akten stehe. Das weist auf einen Täter hin, dessen Identität unter keinen Umständen enthüllt werden darf. Und dieses Privileg geniesen nur sehr wenige Menschen oder Institutionen. Die Menschen, die von Falk in seinem Roman beschreibt, gehören eher nicht dazu.

So erlahmt das Interesse an der Enthüllung mit zunehmender Seitenzahl. Denn mit jeder gelesenen Seite wird es wahrscheinlicher, dass kein Täter präsentiert oder einer aus dem Hut gezaubert wird. Das ist am Ende nicht der Fall, aber es ist auch kein Täter, der eine größere Geheimhaltung bedarf.

Als Kolportageroman, der einen Einblick in das damalige Denken vermittelt, ist „Jack der Aufschlitzer – Das blutige Rätsel Londons“ vor allem für Fans historischer Geschichten einen Blick wert. Und er leuchtet die heute kaum bekannte und kaum erforschte Frühgeschichte der deutschen Kriminalliteratur ein wenig aus. Denn diese alten Kriminalromane sind heute höchstens noch antiquarisch erhältlich und die Autoren unbekannt.

Victor von Falk ist ein Pseudonym des Schriftstellers und Verlegers Hans Heinrich Sochaczewski (1861–1922).

Jarons geheime Kriminalbibliothek“ wird von Mirko Schädel herausgegeben. Er veröffentlichte mehrere Bücher zur Frühgeschichte der deutschsprachigen Kriminalliteratur, wie „Illustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum von 1796 – 1945“ und „Spannung 90 Grad. 333 ausgewählte Schutzumschläge der deutschen Spannungsliteratur von 1912 – 1942“.

Victor von Falk: Jack der Aufschlitzer – Das blutige Geheimnis Londons

(Jarons geheime Kriminalbibliothek Band 2, herausgegeben von Mirko Schädel)

Jaron, 2022

178 Seiten

15 Euro

Erstausgabe

A. Weichert Verlag, Berllin, 1908

Hinweise

Todspannung: Mirko Schädel über den Roman (Achtung: er verrät das Ende des Romans)

Wikipedia über Jack the Ripper (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Juli: OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika

Juli 9, 2023

ZDF, 22.15

OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika (OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire, Frankreich/Belgien 2021)

Regie: Nicolas Bedos

Drehbuch: Jean-François Halin

LV: Figur von Jean Bruce

TV-Premiere. Zum dritten Mal spielt Jean Dujardin den französischen James Bond Hubert Bonisseur de la Bath, bekannter als OSS 117. Seit seinem letzten Kinoeinsatz sind einige Jahre vergangen, aber OSS 117 hat sich nicht verändert. Er ist immer noch – jedenfalls für uns – der grenzdebile, blasierte, von sich überzeugte Idiot, der alle Vorurteile über die überheblichen Franzosen und den Westen bestätigt, während er, zu unserem Vergnügen, von Fettnapf zu Fettnapf springt.

Dieses Mal wird OSS 117 nach Afrika geschickt. Dort soll er einen Frankreich wohlgesonnenen Potentaten gegen Rebellen beschützen. Außerdem soll er einen seiner Nachfolger, den spurlos verschwundenen Jung-Agenten 1001, retten.

Köstliche und auch sehr liebevolle Satire auf James Bond, in dem alle Klischees und Vorurteile aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren dem allgemeinen Gelächter preisgegeben werden. Dabei lernt OSS 117 im Lauf dieses 1981 spielenden Abenteuers einige neue Dinge über Computer, Frauen und Afrika.

Mit Jean Dujardin, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Fatou N’Diaye, Wladimir Yordanoff, Gilles Cohen, Habib Dembélé

Wiederholung: Mittwoch, 12. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“

Rotten Tomatoes über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“

Wikipedia über „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juli: Das dreckige Dutzend

Juli 8, 2023

Tele 5, 20.15

Das dreckige Dutzend (The Dirty Dozen, Großbritannien/USA 1967)

Regie: Robert Aldrich

Drehbuch: Nunnally Johnson, Lukas Heller

LV: E. M. Nathanson: The Dirty Dozen, 1965 (Das dreckige Dutzend)

Im März 1944 erhält Major John Reisman den Befehl, ein Dutzend Männer für ein Himmelfahrtskommando auszubilden. Der Haken bei der Sache ist, dass diese Soldaten alle zum Tode verurteilte Schwerverbrecher sind.

Rüder Kriegsfilmklassiker mit einem, aus heutiger Sicht, Ensemble voller Stars. Einige von ihnen wurden erst durch diesen Kassenhit zu Stars.

mit Lee Marvin, John Cassavetes, Ernest Borgnine, Richard Jaeckel, Robert Ryan, George Kennedy, Telly Savalas, Donald Sutherland, Charles Bronson, Jim Brown, Clint Walker, Trini Lopez, Ralph Meeker, Robert Webber, Ben Carruthers

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das dreckige Dutzend“

Wikipedia über „Das dreckige Dutzend“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Aldrichs „Ein Zug für zwei Halunken (Emperor of the North Pole/Emperor of the North, USA 1973)


TV-Tipp für den 8. Juli: Krieg der Welten

Juli 7, 2023

Sat.1, 22.25

Krieg der Welten (War of the Worlds, USA 2005)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp

LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)

Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.

Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.

Am Donnerstag, den 13. Juli, läuft „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ mit Tom Cruise an – und der Film ist verdammt gut. Die Kritik gibt es zum Filmstart.

mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!; Davor zeigt Sat.1 ab 20.15 Uhr, zwei „Mission: Impossible“-Film mit Tom Cruise)

Hinweise

Moviepilot über „Krieg der Welten“

Metacritic über „Krieg der Welten“

Rotten Tomatoes über „Krieg der Welten“

Wikipedia über „Krieg der Welten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


TV-Tipp für den 7. Juli: James Bond 007: Leben und sterben lassen/James Bond 007: Der Mann mit dem goldenen Colt

Juli 6, 2023

Nach Sean Connery übernahm Roger Moore die Rolle. Seine ersten beiden Einsätze werden heute gezeigt:

Pro 7, 20.15

JAMES BOND: Leben und sterben lassen (Live and let die, Großbritannien 1973)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: Live and let die, 1954 (Leben und sterben lassen)

In Ian Flemings zweitem Bond-Roman finanziert Mr. Big mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA. In der Karibik kommt es zum abschließenden Kampf zwischen Mr. Big und Bond.

Im Film will Mr. Big die USA mit Heroin überschwemmen.

Der Action-Höhepunkt in Roger Moores erstem Auftritt als James Bond ist ein Bootsrennen in Louisiana. Der Film ginge als netter Agententhriller durch, wenn da nicht der Bösewicht und, damit verbunden, die unerträgliche Zeichnung der Afroamerikaner als eine Horde degenerierter Krimineller wäre. In dem Magazin „Time“ wurde Bond deshalb – zu Recht – ein „rassistisches Schwein“ genannt.

Mit Roger Moore, Jane Seymour, Yaphet Kotto, Clifton James, Julius W. Harris, Geoffrey Holder, David Hedison, Bernhard Lee, Lois Maxwell

Wiederholung: Freitag, 14. Juli, 23.00 Uhr

Die Vorlage (in der aktuellen Übersetzung)

Ian Fleming: Leben und sterben lassen

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

336 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leben und sterben lassen“

Wikipedia über „Leben und sterben lassen“ (deutsch, englisch)

Pro 7, 22.55

JAMES BOND: Der Mann mit dem goldenen Colt (The Man with the Golden Gun, Großbritannien 1974)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: The man with the golden gun, 1965 (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt, 007 James Bond und der goldene Colt)

Zweiter Einsatz von Roger Moore als Geheimagent ihrer Majestät. Sein Gegner ist Christopher Lee, der einen Profi-Killer spielt, der die Weltherrschaft will.

Von Ian Flemings letztem James-Bond-Roman wurde eigentlich nur der Beruf des Bösewichts übernommen.

Das ist der Bond mit dem Auto-Spiralsprung. Oh, und Lees Auto verwandelt sich in ein Flugzeug.

Einer der unbestrittenen Tiefpunkte der Bond-Serie.

Nächsten Freitag zeigt Pro 7 um 20.15 Uhr dann einen der unumstrittenen Höhepunkte der Serie: nämlich „Der Spion, der mich liebte“, Roger Moores dritten Einsatz als James Bond.

mit Roger Moore, Christopher Lee,  Britt Eklund, Maud Adams, Herve Villechaize, Clifton James, Bernhard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell

Wiederholung: Samstag, 15. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (in der aktuellen Übersetzung)

Ian Fleming: Der Mann mit dem goldenen Colt

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2014

240 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit dem goldenen Colt“

Wikipedia über „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Unser Fluss…unser Himmel“, unsere Stadt Bagdad

Juli 6, 2023

Gehen oder bleiben? Das fragen sich in Maysoon Pachachis „Unser Fluss…unser Himmel“ viele der im Film gezeigten Figuren. Ende 2006, nach der US-Invasion und dem Sturz von Saddam Hussein, ist die Situation in der Damals-Fünf-Millionstadt Bagdad immer noch unruhig. Straßenblockaden, Bombenanschläge, Hass, Gewalt, Intoleranz und die alltäglichen Probleme des Überlebens in einer Stadt, in der eigentlich nichts funktioniert bestimmen das Leben der dort lebenden Iraker. Pachachi begleitet in ihrer „Short Cuts“-Variante einige von ihnen einige Tage.

Zum Beispiel Sara, eine Schriftstellerin mit Schreibblockade. Die warmherzige Mutter fragt sich, ob sie mit ihrer Tochter die Stadt verlassen soll. Aber ihrer Tochter Reema scheint mit diesem Leben keine Probleme zu haben. Sie kennt auch kein anderes Leben. Um sie herum gruppieren sich andere Figuren, wie eine ehemalige Schauspielerin und Christin, ein ehemaliger iranischer Kriegsgefangener und seine schwangere Frau, eine sich mit Musik und Mode ablenkende Studentin und ein Beamter, der sich fragt, ob er sich bestechen lassen oder die Stadt verlassen soll.

Pachachi und ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori erzählen viele kleine, in einem Stadtviertel spielende Geschichten zwischen Alltag und Alltag. Oft ohne einen richtigen Anfang und ohne ein richtiges Ende. Sie konzentrieren sich auf den Alltag der kleinen Leute. Niemand von ihnen wird den Lauf der Geschichte ändern, aber Geschichte wird nie ohne sie gemacht.

Aus diesen Vignetten entsteht das zurückhaltend inszenierte Bild einer Stadt und eines Landes im Schwebezustand.

Unser Fluss…unser Himmel“ ist der erste international produzierte Spielfilm einer irakischstämmigen Regisseurin. Die in London lebende Maysoon Pachachi studierte Philosophie am University College London und Film an der London Film School. Seit fast dreißig Jahren arbeitet sie als unabhängige Dokumentarfilmregisseurin. Viele ihrer Dokumentarfilme, wie „Iranian Journey“ (1999) und „Return to the Land of Wonders“ (2004; ihr Film über ihre Rückkehr nach Bagdad nach über 35 Jahren), beschäftigen sich mit dem Mittleren Osten.

Ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori lehrt am College of Mass Communication der Universität Bagdad und sie ist Schriftstellerin. Sie veröffentlichte bereits einen Roman und mehrere Sammlungen mit Kurzgeschichten. Die beiden Frauen trafen sich 2006/2007 bei dem partizipativen Photoprojekt „Open Shutters Iraq“, in dem Frauen aus fünf irakischen Städten für eine Ausstellung, einen Bildband und einen Dokumentarfilm Bildgeschichten über ihr Leben erstellten. Al-Jubori war die irakische Projektmanagerin. Pachachi drehte den Dokumentarfilm „Our Feelings took the Pictures“ über das Projekt. 2011 schrieben Pachachi und Al-Jubori die erste Fassung des Drehbuch von „Unser Fluss…unser Himmel“. 2012 erhielt es beim Dubai International Film Festival den mit 100.000 US-Dollar dotierten IWC Schaffhausen Gulf Filmmaker Award. Die Dreharbeiten waren 2019 im Irak in den Großstädten Bagdad und Sulaimaniyya. Die Premiere des Films war 2021 auf dem Sarajevo Filmfestival.

Unser Fluss…unser Himmel (Our River… Our Sky [Internationaler Titel], Frankreich/Großbritannien/Deutschland/Kuwait/Vereinigte Arabische Emirate/Katar 2021)

Regie: Maysoon Pachachi

Drehbuch: Maysoon Pachachi, Irada Al-Jubori

mit Darina Al Joundi, Zainab Joda, Basim Hajar, Labwa Arab, Amed Hashimi, Meriam Abbas, Mahmoud Abo Al Abbas, Badia Obaid, Zaydun Khalaf, Suzan Muneam, Sami Al-Ali, Siham Mustafa, Kholod Mohamad, Ali El Kareem, Kameran Raoof, Mustafa Mohammed, Muslem Hassoun

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der arabische Titel ist „Kulshi Makoo“.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Unser Fluss…unser Himmel“

Moviepilot über „Unser Fluss…unser Himmel“

Rotten Tomatoes über „Unser Fluss…unser Himmel“


TV-Tipp für den 6. Juli: Robin Hood

Juli 5, 2023

ZDFneo, 23.00

Robin Hood (Robin Hood, USA/Großbritannien 2010)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

Ridley Scotts Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Robin Hood.

mit Russell Crowe, Cate Blanchett, William Hurt, Max von Sydow, Matthew MacFadyen, Mark Strong, Oscar Isaac, Léa Seydoux, Scott Grimes, Danny Huston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Robin Hood“

Wikipedia über „Robin Hood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Fabelhaft, „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Juli 5, 2023

Madeleine Verdier und Pauline Mauléon leben zusammen in einer Ein-Zimmer-Absteige, die nur in Spielfilmen eine gewissen Wohnlichkeit verkörpert. Madeleine ist eine unbekannte Schauspielerin auf der Suche nach irgendeiner, auch noch so kleinen Rolle. Pauline ist eine Anwältin auf der Suche nach ihrem ersten Mandanten. Beide sind jung, wollen im Paris der dreißiger Jahre das Leben genießen und sie brauchen jeden Pfennig. Zum Beispiel um die seit Monaten überfällige Miete bei ihrem Vermieter zu zahlen. Denn so langsam können sie ihn mit ihrem Aussehen und Charme nicht mehr zu einer weiteren Stundung überreden.

Deshalb kommt ihnen der Tod des einflussreichen Theaterproduzenten zupass. Madeleine war für einen Vorsprechtermin in der Villa des Produzenten, der jedes Klischee des fetten, schleimigen und sexgierigen Kapitalisten verkörpert. Das Vorsprechen lief schnell aus dem Ruder – und jetzt hält die Polizei sie für die Mörderin des Theatermannes.

Nach polizeilichen Verhören und einem Gespräch mit ihrer Mitbewohnerin gesteht Madeleine die Tat. Sie hat ihn zwar nicht getötet, aber gemeinsam wollen sie den Mord als Booster für ihre Karriere als Schauspielerin und Anwältin benutzen. Sie machen die Gerichtsverhandlung zum Medienzirkus. Sie stellen die Tat als Notwehr gegen einen übergriffigen Mann da. Und nach dem Freispruch könnte es für sie nicht besser aussehen. Die eine steigt als Schauspielerin, die andere als Anwältin auf. Die gut betuchten, heiratswilligen Männer stehen Schlange.

Dummerweise taucht in dem Moment Odette Chaumette (Isabelle Huppert, gewohnt grandios) auf. Der Stummfilmstar beherrscht immer noch den großen Auftritt. Nur die Filmrollen dafür gibt es nicht mehr. Jetzt fordert sie von Madeleine und Pauline ihren Anteil. Denn sie ist die Mörderin. Und sie könnte die Tat gestehen.

Immer noch liegt François Ozons Arbeitstempo irgendwo zwischen Claude Chabrol und Rainer Werner Fassbinder. Ein Film pro Jahr ist normal. Dabei ist er witziger als Fassbinder und er betrachtet seine Figuren liebevoller als Chabrol. Und er verfilmt öfter Theaterstücke, die er so bearbeitet, dass sie am Ende nicht wie Theaterstücke wirken. Auch sein neuester Film basiert auf einem Theaterstück, das er frei interpretiert und zu einer gleichzeitig zeitgenössischen und traditionsbewussten Screwball-Comedy macht.

Nach mehreren ernsten Filmen, – auch sein vorheriger Film, die gelungene Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage „Peter von Kant“, war letztendlich ziemlich ernst -, hat François Ozon jetzt wieder eine waschechte Komödie gedreht, die, so Ozon, als Abschluss einer Trilogie über den Status der Frau mithilfe von Humor und Glamour gesehen werden könne. Die beiden vorherigen Filme dieser sehr losen Trilogie waren „8 Frauen“ (ebenfalls mit Isabelle Huppert) und „Das Schmuckstück“.

Mein fabelhaftes Verbrechen“ ist eine in den Dreißigern spielende Screwball-Comedy, in der Tempo alles ist. Die Pointen folgen atemberaubend schnell aufeinander. Die Dialoge sind scharfzüngig und voller Anspielungen. Die Geschichte hat zahlreiche temberaubende und überraschende Wendungen. Sie sind wenig vorhersehbarer, aber letztendlich schlüssig. Schließlich verhalten sich alle Figuren in dem Stück, wenn sie von dem Mord profitieren wollen, überaus eigennützig. Vor allem die Männer sind nicht besonders intelligent, dafür aber eitel. Wobei Madame Chaumette als vollendete Diva mit ausladenden Kleidern und Gehabe auch ziemlich eitel ist.

Als Inspiration benutzte Ozon das 1934 entstandene, zweimal von Hollywood verfilmte Theaterstück „Mon Crime“ von Georges Berr und Louis Verneuil. Ozon modernisierte es so gelungen, dass „Mein fabelhaftes Verbrechen“ trotz Modernisierungen in jeder Sekunde wie ein zu Unrecht vergessenes altes Stück wirkt. Schließlich waren in den klassischen Screwball-Comedies die Frauen für die damalige Zeit sehr emanzipiert. In diesem Kosmos fallen zwei, später drei selbstbewusste Frauen, die sich von den Männern nichts vorschreiben lassen, nicht weiter auf.

Ein fabelhafter Spaß.

Mein fabelhaftes Verbrechen (Mon Crime, Frankreich 2023)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, (in Zusammenarbeit mit) Philippe Piazzo

LV: Georges Berr, Louis Verneuil: Mon Crime, 1934 (Theaterstück)

mit Nadia Tereszkiewicz, Rebecca Marder, Isabelle Huppert, Dany Boon, Fabrice Luchini, André Dussollier, Édouard Sulpice, Régis Laspalès, Olivier Broche

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

AlloCiné über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Rotten Tomatoes über „Mein fabelhaftes Verbrechen“

Wikipedia über „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)


TV-Tipp für den 5. Juli: Der Soldat James Ryan

Juli 4, 2023

Kabel 1, 20.15

Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, USA 1998)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Robert Rodat

1944, nach der Landung der Allierten in der Normandie, wird US-Captain Miller mit einigen Männern losgeschickt. Sie sollen den titelgebenden Soldaten James Ryan finden und nach Hause schicken. Dummerweise weiß niemand, wo er ist.

Packender Kriegsfilm von Steven Spielberg. Auch wenn er letztendlich nur die Geschichte vom tapferen Soldaten erzählt.

Mit Tom Hanks, Edward Burns, Tom Sizemore, Matt Damon, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribisi, Jeremy Davis, Ted Danson, Bryan Cranston, Paul Giamatti

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Soldat James Ryan“

Wikipedia über „Der Soldat James Ryan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juli 4, 2023


TV-Tipp für den 4. Juli: Sommer 85

Juli 3, 2023

RBB, 22.45

Sommer 85 (Été 85, Frankreich 2020)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon

LV: Aidan Chambers: Dance on my Grave, 1982 (Tanz auf meinem Grab )

TV-Premiere. Ein Küstendorf in der Normandie in den Achtzigern: der sechzehnjährige Alex muss vor Gericht erklären, warum er auf dem Grab eines Toten tanzte (80er Jahre Provinzprobleme halt). In Rückblenden entfaltet Ozon eine sich über einen Sommer erstreckende Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte zwischen dem schüchternen Alex und dem zwei Jahre älteren coolen David.

Sommer 85“ ist der Auftakt der Reihe „rbb QUEER“. Bis zum 15. August zeigt das rbb Fernsehen dienstags um 22.45 Uhr sieben queere Filme, sechs als deutsche Erstausstrahlung. Die nächsten Filme der sechsten Ausgabe von „rbb QUEER“ sind „Einfach Charlie“ (11. Juli, Großbritannien 2017, Regie: Rebekah Fortune), „Sprung ins kalte Wasser“ (18. Juli, Zypern/Griechenland/Italien 2021, Regie: Stelios Kammitsis), „Sweetheart“ (25. Juli, Großbritannien 2021, Regie: Marley Morrison), „Weekend“ (1. August, Großbritannien 2011, Regie: Andrew Haigh), „Als wir tanzten“ (8. August, Georgien/Schweden 2019, Regie: Levan Akin) und – endlich! – „Tangerine L.A.“ (15. August, USA 2015, Regie: Sean Baker).

Am Donnerstag läuft François Ozons neuer Film „Mein fabelhaftes Verbrechen“ an. Die Screwball-Comedy ist ein herrlich schwarzhumoriger Spaß über einen Mord und wie viele Damen davon profitieren wollen.

mit Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge, Valeria Bruni Tedeschi, Melvil Poupaud, Isabelle Nanty, Laurent Fernandez, Aurore Broutin

Hinweise

AlloCiné über „Sommer 85“

Rotten Tomatoes über „Sommer 85“

Wikipedia über „Sommer 85“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

 


TV-Tipp für den 3. Juli: Aviator

Juli 2, 2023

Arte, 20.15

Aviator (The Aviator, USA 2004)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: John Logan

Biopic über den Multimillionär Howard Hughes und sein Leben in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gut gespielt, liebevoll ausgestattet, straff erzählt mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Porträtierten, aber von Scorsese erwarte ich mehr.

Denn letztendlich ist „Aviator“ Ausstattungskino.

Danach, um 22.55 Uhr, zeigt Arte die gut einstündige Doku „Leonardo DiCaprio: Most Wanted!“ (Frankreich/Deutschland 2020).

Die neueste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, „Killers of the Flower Moon“, soll ab dem 19. Oktober in unseren Kinos laufen.

Mit Leonardo DiCaprio, Cate Blancett, Kate Beckinsale, John C. Reilly, Alan Alda, Jude Law, Alec Baldwin, Alan Alda, Ian Holm, Danny Huston, Gwen Stefani, Willem Dafoe

Wiederholung: Donnerstag, 6. Juli, 13.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aviator“

Wikipedia über „Aviator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juli: Die Farbe Lila

Juli 1, 2023

Arte, 20.15

Die Farbe Lila (The Color Purple, USA 1985)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Menno Meyjes

LV: Alice Walker: The Color Purple, 1982 (Die Farbe Lila)

Steven Spielbergs Verfilmung von Alice Walkers mit dem m American Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Briefroman. Erzählt wird die Geschichte der Schwarzen Celie (Whoopi Goldberg, Debüt). Sie wird um die Jahrhundertwende geboren, wächst arm auf, wird vom Stiefvater geschwängert, von ihrem Mann missbraucht und erfährt von einer Bluessängerin, wie frau sich gegen übergriffige Männer wehrt.

Damals kam Spielbergs erster ‚ernster‘ Film bei der Kritik nicht allzugut an. Zum Beispiel: „Es ist, als habe ein Regisseur sich aufgemacht, ein zweites ‚Vom Winde verweht‘ zu drehen.“ (Fischer Film Almanach 1987) Oder „Ein überinszeniertes, stark manipulatives Drama (…) kein großartiger Film.“ (Variety). Und ein Kassenerfolg wie seine vorherigen Filme „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ oder „E. T. – Der Außerirdische“ war das zweieinhalbstündige Drama auch nicht.

Aus heutiger Sicht fällt auch auf, wie konventionell, harmlos und vorsichtig alles ist. Heute würde man das so nicht mehr inszenieren.

Aber damals war Spielberg der einzige Regisseur, der ein so großes Budget für einen Film erhielt, in dem alle wichtigen Rollen von Schwarzen gespielt wurden und den Film dann für ein weißes Mainstream-Publikum annehmbar zu machen.

Niemand konnte ihm jetzt noch vorwerfen, er könne nicht mit schweren Stoffen umgehen. In gewisser Weise war ‚Die Farbe Lila‘ der Anfang seiner Entwicklung zu einem kompletteren Filmemacher.“ (Richard Schickel: Steven Spielberg: Seine Filme, sein Leben, 2012)

mit Danny Glover, Whoopi Goldberg, Margaret Avery, Oprah Winfrey, Willard Pugh, Akosua Busia, Desreta Jackson, Rae Dawn Chong

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Farbe Lila“

Wikipedia über „Die Farbe Lila“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Im Januar 2024 startet in Deutschland das Musical-Remake


Neu im Kino/Filmkritik: Berlinale-Preisträger: Estibaliz Urresola Solagurens „20.000 Arten von Bienen“

Juli 1, 2023

Berlinale 2023: Silberner Bär für Beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle: Sofía Otero

Der achtjährige Aitor möchte nicht mehr mit seinem Geburtsnamen angesprochen werden. Er bevorzugt Cocó und hat mädchenhaft lange Haare. Aber auch dieser Name gefällt ihm nicht so richtig. Als er mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern zu einem längeren Urlaub ins Baskenland zu ihrer Großmutter fährt, hat er einen Sommer lang Zeit, sich über seine Identität Gedanken zu machen.

Besonders gut kommt er dabei mit seiner Großmutter und, vor allem, seiner Tante, ihren Bienen und seinem Bruder aus. Seine verständnisvolle Mutter ist dagegen vor allem mit dem Erstellen einer Skulptur (die wir niemals sehen) für eine Bewerbung auf eine Arbeitsstelle, die ihr wohl nicht so wichtig ist, beschäftigt.

Estibaliz Urresola Solaguren erzählt in ihrem Spielfilmdebüt von Cocós Suche nach dem richtigen Namen für sich. Das erzählt sie äußerst feinfühlig, aber auch ohne nennenswerte Konflikte. Ihre Geschwister, ihre Mutter, ihr Vater (der nicht mitkommen konnte und erst am Ende bei einer Familienfeier wieder dabei ist) und ihre Großmutter akzeptieren und unterstützen Cocós Identitätssuche ohne größere Diskussionen.

Etwaige Probleme zwischen den einzelnen Familienmitgliedern werden nur gestreift, aber nie vertieft. Die Dorfbewohner, vor allem Cocós gleichaltrige Spielkameraden, sind nur eine Randnotiz. Figuren, wie Cocós ältere Schwester und ihre Mutter, verschwinden immer wieder über weite Strecken des Films. Cocós erste Begegnung mit den titelgebenden Bienen erfolgt erst ziemlich spät im Film und bleibt, von der Filmzeit, ein Nebenschauplatz.

Das macht „20.000 Arten von Bienen“ zu einem dieser ohne eine nennenswerte Spannungskurve vor sich hinplätschernden „ein Sommer auf dem Land bei den Großeltern“-Filmen, die es früher öfter aus Frankreich gab und natürlich immer auch ein Familienporträt sind.

Die neunjährige Sofía Otero, die Cocó spielt, ist die bislang jüngste Preisträgerin in der Geschichte der Berlinale.

20.000 Arten von Bienen (20.000 Especies de Abejas, Spanien/Frankreich 2023)

Regie: Estibaliz Urresola Solaguren

Drehbuch: Estibaliz Urresola Solaguren

mit Sofía Otero, Patricia López Arnaiz, Ane Gabarain, Itziar Lazkano, Martxelo Rubio, Sara Cózar, Unax Hayden, Andere Garabieta, Miguel Garcés

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahrre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „20.000 Arten von Bienen“

Metacritic über „20.000 Arten von Bienen“

Rotten Tomatoes über „20.000 Arten von Bienen“

Wikipedia über „20.000 Arten von Bienen“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „20.000 Arten von Bienen“