LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)
Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.
Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.
mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo
TV-Premiere. Feinfühliges, in Cannes mehrfach ausgezeichnetes Drama über einen fünfzehnjährigen Jungen, der gerne ein Mädchen und Balletttänzerin wäre.
Ein wundervoller Mitternachtsfilm. Auch ohne johlende Menschenmassen, Eis und Bier, das einem vom Sitznachbarn über die frisch gebügelten Jeans gegossen wird:
Nitro, 00.00
The World’s End (The World’s End, Großbritannien 2013)
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
Zwanzig Jahre nachdem sie Newton Haven verlassen haben, kann Gary King seine alten Schulkumpels überzeugen, die damals vorzeitig abgebrochene Sauftour endlich zu beenden. Aber schon vor dem ersten Bier kommen ihnen die Dorfbewohner seltsam vor.
„The World’s End“ ist die neueste Komödie der Macher von „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ und ist eigentlich ein Remake von „Shaun of the Dead“ mit zombiehaft angreifenden Aliens anstatt Zombies. Dazu gibt es etwas Midlife-Crisis-Komödie – und viele Anspielungen.
Der Film ist wie ein Pubbesuch mit einigen guten Freunden, plus einer grandiosen Methode, die Aliens zu besiegen, die eindeutig aus der „Dr. Who“-Schule stammt, und einem unpassendem Epilog, der ungefähr so witzig wie der Kater nach der Sauftour ist. Aber bis dahin…
Hat der verheiratete Feinkosthändler Wever die vermögende, lebenslustige und attraktive Frau Böhmer, mit der er früher eine Beziehung hatte, ermordet? Kommissar Haferkamp ermittelt.
Der Anlass für die heutige Ausstrahlung von diesem Tatort-Oldie ist der neunzigste Geburtstag von Hansjörg Felmy (der am 31. Januar war).
Die Brüder Hajo und Martin Gies waren später an zahlreichen Schimanski-Tatorten und Schimanski-Einzelfilmen beteiligt.
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Walter Kohut, Kai Taschner, Marie-Luise Millowitsch, Karin Eickelbaum
Die versunkene Stadt Z (The lost City of Z, USA 2016)
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray
LV: David Grann: The lost City of Z: A Tale of deadly Obsession in the Amazon, 2009 (Die versunkene Stadt Z)
Biopic über den Forscher Percival ‚Percy‘ Fawcett, der zwischen 1906 und 1925 mehrere Reisen nach Südamerika unternahm. Im Amazonasbecken suchte er die titelgebende versunkene Stadt Z.
TV-Premiere. Episches, sehr traditionell erzähltes, sich an den Fakten entlanghangelndes Biopic. Ein enttäuschender Film von James Gray.
Boston, siebziger Jahre: in einer Lagerhalle wollen einige IRA-Mitglieder Waffen kaufen. Als es bei dem Geschäft ein Problem gibt, ersetzen Kugeln Argumente.
TV-Premiere. Epische Ballerorgie. Ein Fest für Actionfans; auch wenn ich von Ben Wheatley mehr erwartet hätte.
mit Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Sam Riley, Sharlto Copley, Jack Reynor, Babou Ceesay, Enzo Cilenti, Michael Smiley, Noah Taylor, Patrick Bergin, Mark Monero
French Connection – Brennpunkt Brooklyn(The French Connection, USA 1971)
Regie: William Friedkin
Drehbuch: Ernest Tidyman
LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)
Die beiden Polizisten Popeye Doyle (Gene Hackman) und Buddy Russo (Roy Scheider) sind auf der Spur einer großen, aus Frankreich kommenden, Lieferung Rauschgift.
Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.
Der Thriller erhielt unter anderem den Edgar-Allan-Poe-Award und fünf Oscars (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle und Schnitt).
Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi
Die Unsichtbaren – Wir wollen leben (Deutschland 2017)
Regie: Claus Räfle
Drehbuch: Claus Räfle, Alejandra López
Sehenswertes dokumentarisches Drama, mit nachgespielten Szenen und Interviews. Gezeigt wird das Leben und Überleben einiger Juden in Berlin, nachdem die Stadt am 10. Juni 1943 von Propagandaminister Joseph Goebbels für „judenfrei“ erklärt wurde.
mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Victoria Schulz, Florian Lukas, Andreas Schmidt, Laila Maria Witt, Sergej Moya, Lucas Reiber, Robert Hunger-Bühler, Maren Eggert, Naomi Krauss, Hanni Levy, Ruth Gumpel, Cioma Schönhaus, Eugen Friede
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Das empfehlenswerte Buch zum Film
Claus Räfle: Die Unsichtbaren – Untertauchen, um zu überleben – Eine wahre Geschichte
Body of Evidence (Body of Evidence, USA/Deutschland 1993)
Regie: Uli Edel
Drehbuch: Brad Mirman
In Bed with Madonna: die schon damals sehr erfolgreiche Sängerin verkörpert Rebecca Carlson. Sie soll einen Millionär mit ihrem Körper ermordet haben. Ihr Anwalt muss natürlich ausprobieren, ob man durch wilden, hemmungslosen Sex sterben kann.
Nachdem „Basic Instinct“ an der Kinokasse bummserfolgreich war, gab es weitere Erotik-Thriller, in denen Stars sich vor laufender Kamera auszogen. Die Storys waren Nebensache. Ebenso die Qualität der Filme; wobei „Body of Evidence“ immerhin für sechs Razzies in allen wichtigen Kategorien (Film, Regie, Drehbuch, Hauptrollen) nominiert wurde. Madonna erhielt einen Razzie. Und eine „Stinkers Bad Movie Award“-Nominierung.
Uli Edel inszenierte davor „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und danach „Der Baader Meinhof Komplex“.
mit Madonna, Willem Dafoe, Joe Mantegna, Anne Archer, Julianne Moore, Jürgen Prochnow, Frank Langella
Auf den ersten Blick hat Xhafer alles, was man sich für eine mustergültige deutsche Biographie wünschen kann: einen guten Job in einem Pharmaunternehmen, nette Kollegen, eine liebevolle, an ihrer Promotion sitzenden Frau und drei nette Kinder. Sie wohnen in einem geräumigem Kleinstadt-/Vorstadt-Reihenhaus. Er hat auch keine finanziellen Probleme. Viel bürgerlicher geht es kaum. Der Kosovare hat es offensichtlich in Deutschland geschafft.
Trotzdem ist er sich unsicher über seine Stellung. Daher ist für ihn eine an seinem Gartentor hängende tote Ratte kein Lausbubenstreich, sondern ein Angriff auf ihn und seine Herkunft. Es ist eine rassistische Tat, der weitere folgen. So wird er in der Firma nicht über die Verlegung eines Treffens in einen anderen Raum informiert und er erhält einige E-Mails nicht. Kleinigkeiten, die passieren können. Xhafer sieht es anders. Für ihn ist klar: er wird diskriminiert und gemobbt, weil er kein Deutscher ist.
Allerdings ist Xhafer ein so ruppiger und unfreundlicher Arbeitskollege, dass es mühelos nachvollziehbar ist, wenn seine Kollegen ihn nicht mögen. Xhafer ist nämlich ein ziemlicher Stinkstiefel. Mišel Matičević spielt ihn, mit übertrieben starkem, seine Fremdheit betonendem Akzent, grandios als äußerst eckigen Charakter, der für einen Teil seiner Probleme selbst Schuld ist.
Ob Xhafer wirklich gemobbt wird oder paranoid ist, lässt Visar Morina in seinem neuen Film „Exil“ offen. Denn selbstverständlich gibt es offene und versteckte rassistische Diskriminierungen, die im Film auch gezeigt werden. Trotzdem bietet Morina in seinem zweiten Spielfilm immer beide Interpretationen an. Er verzichtet auf eindeutige Erklärungen und platte Psychologisierungen. Er vertraut dem Zuschauer, der ausgehend von der aus Xhafers Perspektive erzählten Geschichte zu einem eigenen Urteil kommt. Das ist enorm dicht inszeniert mit einer Bild- und Tongestaltung, die eindeutig die große Leinwand im Blick hat. Auch der Erzählrhythmus zielt eindeutig auf den Kinosaal, in dem die Aufmerksamkeit einen eindeutigen Fokus hat. Dort wirkt Xhafers zunehmender Tunnelblick noch beängstigender als auf dem kleinen Bildschirm.
Die DVD hat keinerlei nennenswertes Bonusmaterial.
Exil(Deutschland/Belgien/Kosovo 2020)
Regie: Visar Morina
Drehbuch: Visar Morina
mit Mišel Matičević, Sandra Hüller, Rainer Bock, Thomas Mraz, Flonja Kodheli
Nachdem bei einem Routineeinsatz mehrere Kollegen von FBI-Agentin Kate Macer durch eine Sprengfalle sterben, erhält sie das Angebot, in der Spezialeinheit von Matt Graver mitzuarbeiten. Graver und seine Männer sollen die mexikanischen Drogenkartelle bekämpfen. Mit allen Mitteln.
In jeder Hinsicht grandioser, vielschichtiger, zum Nachdenken anregender Thriller über den Drogenkrieg an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.
mit Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Jeffrey Donovan, Raoul Trujillo, Julio Cedillo, Hank Rogerson, Bernardo P. Saracino, Maximiliano Hernández
Nach „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (ab 20.15 Uhr allein im All) und während ich Albert Camus‘ „Die Pest“ lese, gibt es einen Quasi-Dokumentarfilm über einen weltweiten Virus
Sat.1, 23.05
Contagion (Contagion, USA 2011)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Scott Z. Burns
Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.
mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han
Blue Note Records: Beyond the Notes (Schweiz 2018)
Regie: Sophie Huber
Drehbuch: Sophie Huber
TV-Premiere. Noch eine spielfilmlange Doku über das legendäre Jazz-Label mit seinen legendären Plattencovers und den legendären Musikern, von denen etliche auch im Film zu Wort kommen.
Ach, eigentlich könnte man mal eine Doku über eines der anderen legendären Jazz-Labels, wie Verve, Impulse, FMP, JMT oder Knitting Factory Works, machen.
Mit Michael Cuscuna, Lou Donaldson, Robert Glasper, Herbie Hancock, Norah Jones, Wayne Shorter, Marcus Strickland, Rudy Van Gelder, Don Was (und, in Archivaufnahmen, weiteren Jazzern)
Im Auftrag des Drachen (The Eiger Sanction, USA 1975)
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Hal Dresner, Warren Murphy (als Warren B. Murphy), Rod Whitaker
LV: Trevanian (Pseudonym von Rod Whitaker): The Eiger Sanction, 1972 (Im Auftrag des Drachen)
Jonathan Hemlock soll im Auftrag einer Geheimorganisation zwei Killer töten. Von einem ist nur bekannt, dass er an einer Besteigung der Eiger-Nordwand teilnimmt. Hemlock schließt sich den Bergsteigern an.
Thriller, bei dem die Landschaftsaufnahmen (Monument Valley, Schweizer Alpen) mehr beeindrucken als die Story. Was auch Clint Eastwood zugibt. Trevanians Debüt mit dem Superspion Hemlock war ein weltweiter Bestseller.
Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Heidi Brühl, Reiner Schöne
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Die Vorlage
Trevanian: Im Auftrag des Drachen (übersetzt von Werner Peterich) Heyne, 2014 400 Seiten
9,99 Euro
TV-Premiere zu einer unmögliche Uhrzeit. Los Angeles, neunziger Jahre, die coole Skaterszene und wie sie ihre Tage verbummeln. Jonah Hills Regiedebüt ist ein Film wie eine Zeitkapsel.
Die Tiefseetaucher(The Life Aquatic with Steve Zissou, USA 2004)
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson, Noah Baumbach
Steve Zissou, von sich selbst und seiner Grandiosität überzeugter Meeresforscher und -filme im Geist von Jacques-Yves Cousteau, jagt für seinen neuen Film einen Hai, der einen seiner Weggefährten gefressen hat.
Und weil „Die Tiefseetaucher“ ein Film von Wes Anderson ist, gibt es viele schrullige Figuren und absurde Begegnungen. Ein höchst vergnüglicher Über- und Unterwassertrip.
mit Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett, Anjelica Huston, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Michael Gambon, Noah Taylor, Bud Cort, Seu Jorge
Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.
Immer wieder gern gesehener Kultfilm!
Mit der Musik von Cat Stevens.
Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz
Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.
Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die über zweistündige Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.
Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.