Neu im Kino/Filmkritik: Über Cédric Klapischs „Die Farben der Zeit“

August 14, 2025

Die Ein-Satz-Beschreibung für Cédric Klapischs neuesten Film ist: Wenn Ihnen „The Life of Chuck“ gefallen hat, wird Ihnen „Die Farben der Zeit“ gefallen. Aber nicht jeder hat die erst seit einigen Tagen ziemlich erfolgreich im Kino laufende Stephen-King-Verfilmung „The Life of Chuck“ (kein Horrorfilm) gesehen, und der Vergleich bezieht sich nur auf die sehr ähnliche Stimmung und Erzählweise. Beide Filme sind zutiefst humanistisch und äußerst freundlich in ihrer Grundstimmung. Sie sind assoziativ und verspielt erzählt. Dabei nehmen sie gerne Abschweifungen und Umwege in Kauf.

Aber die Filme erzählen vollkommen verschiedene Geschichten. Während „The Life of Chuck“ sich auf eine Person konzentriert, deren Leben rückwärts erzählt wird, ist „Die Farben der Zeit“ ein auf zwei klar voneinander getrennten Zeitebenen spielender Ensemblefilm.

In der Gegenwart erfahren ungefähr fünfzig Menschen, die über den gesamten Globus verstreut leben und sich bislang nicht kannten, dass sie in der Normandie ein kleines, verfallenes Landhaus geerbt haben. Auf dem Grundstück soll ein Einkaufszentrum entstehen. Die Erben sollen dem Verkauf des Landes an die Stadt zustimmen. Aus ihren Reihen wählen sie vier Vertreter, die sich das Haus und das Gelände ansehen sollen. Es sind der junge, in Paris bei seinem Großvater lebende, leicht versponnene Fotograf/Videokünstler/Content Creator Seb (Abraham Wapler), der leutselige Bienenzüchter Guy (Vincent Macaigne), der kurz vor der Pensionierung stehende Lehrer Abdelkrim (Zinedine Soualem) und die zunächst unnahbare Geschäftsfrau Céline (Julia Platon). In dem Gebäude entdecken sie viele um die Jahrhundertwende entstandene Fotografien und Gemälde.

Diese Bilder sind der Ausgangspunkt für den zweiten Handlungsstrang. 1895, nach dem Tod ihrer Großmutter, beschließt Adèle (Suzanne Lindon) nach Paris zu reisen. Die 21-jährige will herausfinden, wer ihre Mutter ist. Sie hat Adèle unmittelbar nach der Geburt weggeben, jeden Monat einen festen Geldbetrag gezahlt und sich nie gemeldet. Auf ihrer Reise nach Paris trifft Adèle die Freunde Anatole (Paul Kircher) und Lucien (Vassili Schneider). Der eine ist ein Maler (mit einem Hang zum Impressionismus). Der andere ein Fotograf, der Anatole damit aufzieht, dass die Fotografie bald die Malerei ersetzen werde. Zu dritt erkunden sie, an „Jules und Jim“ in ihrer glücklichen Zeit erinnernd, Paris.

Klapisch wechselt flüssig zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In ihr lernen die vier Interessenvertreter für die Erbengemeinschaft sich besser kennen. Nach anfänglichem Zögern interessieren sie sich immer mehr für das Leben der anderen. Und sie entdecken in dem Haus ein bis dahin unbekanntes impressionistisches Gemälde. Es sieht gut aus, aber ist es in irgendeiner Beziehung wertvoll?

Die Farben der Zeit“ ist ein wundervolles, positiv stimmendes Stimmungsstück. Schon der Anfang, wenn Museumsbesucher vor den großen Gemälden in Zeitlupe durch ein Museum schweben, verzaubert. Dieser Zauber hält an und am Ende sieht man die Welt mit etwas impressionistischeren Augen.

Die Farben der Zeit (La Venue de l´avenir, Frankreich 2025)

Regie: Cédric Klapisch

Drehbuch: Cédric Klapisch, Santiago Amigorena

mit Suzanne Lindon, Abraham Wapler, Vincent Macaigne, Julia Piaton, Zinedine Soualem, Paul Kircher, Vassili Schneider, Sara Giraudeau, Cécile de France

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Die Farben der Zeit“

Moviepilot über „Die Farben der Zeit“

Metacritic über „Die Farben der Zeit“

Rotten Tomatoes über „Die Farben der Zeit“

Wikipedia über „Die Farben der Zeit“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Klapischs „Einsam Zweisam“ (Deux moi, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Cédric Klapischs „Das Leben ein Tanz“ (En Corps, Frankreich 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Sie sehen sich als „Soldaten des Lichts“

August 14, 2025

Soldaten des Lichts“ ist ein Dokumentarfilm über vegane Influencer, selbsternannte Heiler, Reichsbürger und windige Geschäftemacher. Und weil es eine beobachtende Doku ist, ist damit auch der Inhalt des Films beschrieben. Im Zentrum von Julian Vogel und Johannes Büttners Film steht der Influencer, Coach und selbsternannte Heiler Mr. Raw (bzw. Dr. Raw, bürgerlich David Ekwe-Ebobisse), der wortreich von seinem Geschäft und seiner Sicht auf die Welt erzählt. Einige seiner Gesprächspartner, wie der selbsternannte „König von Deutschland“, ergänzen das Bild eines ungesunden Gebräus zwischen propagierter gesunder Ernährung und Ideen von einem gesunden Volkskörper.

In ihrem beobachtendem Dokumentarfilm reihen Büttner und Vogel kommentarlos Szenen aneinander, in denen die mehr oder weniger einflussreichen Führer ihre Thesen verbreiten. Wer sie sind, erfährt man, wenn in einem Gespräch eine Person mit ihrem Namen angesprochen wird. Das geschieht fast nie. Im gesamten Film gibt es keine Namenseinblendungen. Es keine Texte mit weiterführenden Informationen. Es gibt kein Informationen vermittelndes Voice-Over. Es gibt, bis auf ganz Ausnahmen, keine Nachfragen und kein Gespräch mit den Porträtierten. Es gibt auch keine Statements von Menschen, die einige der kruden Thesen der Redner einordnen. Dr. Raw und seine Freunde dürfen ihren gefährlichen Unfug unwidersprochen verbreiten.

Allein das tragische Schicksal von Timo, der Dr. Raws Thesen begierig aufsagt, seine Ratschläge sklavisch befolgt und für ihn für Kost und Logi arbeitet, bildet da einen Kontrapunkt zur Selbstinszenierung des selbsternannten Doktors..

Entsprechend gering ist der Erkenntnisgewinn des knapp zweistündigen Films. Er bestätigt beim Publikum letztendlich nur die vorhandenen positiven oder negativen Meinungen über diese Szene. Mehr nicht.

Das macht „Soldaten des Lichts“, aufgrund seiner selbst gewählten Beschränkungen, zu einer ärgerlichen Zeitverschwendung.

Und wer jetzt glaubt, das sei – auch weil der Film von anderen Kritikern als aufklärerisches Werk in die Welt von jawasdennnun? gelobt wird – etwas harsch, sollte wissen, dass Dr. Raw der Film gefällt. Möglicherweise empfiehlt er ihn gerade auf seinen Social-Media-Kanälen und verwendet ihn als Werbung für sich.

Auf diesen und den entsprechenden YouTube-Kanälen kann man sich – natürlich nur in homöopathischen Dosen und mit selbstauferlegter Zeitbeschränkung – einen mehr als ausführlichen Eindruck von ihrer Gedankenwelt machen.

Soldaten des Lichts (Deutschland 2025)

Regie: Julian Vogel, Johannes Büttner

Drehbuch: Julian Vogel, Johannes Büttner

Länge: 108 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Soldaten des Lichts“

Moviepilot über „Soldaten des Lichts“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über „Bring her back“, den neuen Horrorfilm der Philippou-Brüder

August 14, 2025

Nach dem Tod ihres Vaters werden der fast erwachsene Andy (Billy Barratt) und seine jüngere, stark sehbeeinträchtigte Schwester Piper (Sora Wong) bei einer Pflegemutter untergebracht. Laura (Sally Hawkins) lebt in einem abgelegen in einem Wald liegendem Haus und sie ist etwas überdreht.

Langsam dämmert den beiden Geschwistern – vor allem Andy, der seine Schwester beschützen will -, dass mit der vom Jugendamt als zuverlässige und gute Pflegemutter geschätzten, allein lebenden Frau etwas nicht stimmt und dass in dem Haus seltsame Dinge passieren.

Bring her back“ gehört zu den Horrorfilmen, in denen einige Menschen seltsame Verwandte oder von Geistern besessene Häuser besuchen und bis zum Finale schreckliche Ereignisse nur angedeutet werden. Es sind Andeutungen, die das Interesse an der Lösung wachhalten, aber auch wenig bis nichts über diese Lösung verraten.

In diesem Fall sind es Kreidemarkierungen, willkürlich eingestreute Videoaufnahmen von einem Ritual, ein sich höchst seltsam verhaltender, im gleichen Haus lebender, autoaggressiver Junge und Sally Hawkins, die mit großem Vergnügen eine sich sehr, sehr seltsam verhaltende, wahrscheinlich sehr, sehr böse Pflegemutter spielt. Schon bei der überfreundlichen Begrüßung ihrer beiden neue Pflegekinder, stößt sie bei dem gemeinsamen Begrüßungsselfie Andy unsanft aus dem Bild. Danach bringt sie ihn in einer nicht aufgeräumten Rumpelkammer unter. Die subtilen Demütungen, die auch einfach nur Unachtsamkeiten sein könnten, setzen sich fort.

Wer diese Art Horrorfilm mag, dem dürfte „Bring her back“ sehr gut gefallen. Die Philippou-Brüder Danny und Michael schaffen eine bedrohliche Atmosphäre und platzieren die wirklich beunruhigenden Schockmomente gut.

Außerdem – habe ich das schon gesagt? – spielt Sally Hawkins die Hauptrolle. Sie allein rechtfertigt schon den Kinobesuch.

Danny und Michael Philippou inszenierten davor den hochgelobten und ziemlich intensiven Horrorfilm „Talk to Me“.

Bring her back (Bring her back, USA 2025)

Regie: Danny Philippou, Michael Philippou

Drehbuch: Danny Philippou, Bill Hinzman

mit Sally Hawkins, Billy Barratt, Sora Wong, Jonah Wren Phillips, Sally-Anne Upton, Stephen Phillips, Mischa Heywood

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Bring her back“

Metacritic über „Bring her back“

Rotten Tomatoes über „Bring her back“

Wikipedia über „Bring her back“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Danny und Michael Philippous „Talk to me“ (Talk to me, Australien 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Erst ein Schuh, jetzt „Das Kanu des Manitu“

August 14, 2025

Dieses Mal müssen Abahachi, der edle Häuptling der Apachen (Michael Bully Herbig), und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) das Kanu des Manitu finden. Einige Banditen und ein Ölbaron wollen es ebenfalls haben. Weil „Das Kanu des Manitu“ eine Komödie von Michael Bully Herbig ist, die gedanklich in der Tradition der „Bullyparade“ (1997 – 2002) und der daraus entstandenen, überaus erfolgreichen und ziemlich klamaukigen Komödie „Der Schuh des Manitu“ (2001) steht, ist diese Filmgeschichte nur der Aufhänger für allerei Albernheiten, Blödeleien und Sketche. Der gemeinsame Nenner dieser Parodie sind dabei die erfolgreichen Karl-May-Western aus den sechziger Jahren. Ob heutige Jugendliche diese Filme noch so gut kennen wie die Jugendlichen der achtziger und neunziger Jahren, die diese Western regelmäßig im TV sehen konnten, werden die kommenden Tage zeigen.

Unabhängig von dem möglichen Kassenerfolg – „Der Schuh des Manitu“ ist mit knapp 12 Millionen Kinobesucher in Deutschland die erfolgreichste deutsche Komödie; Herbigs Nachfolgefilm „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ (2004) folgt mit über 9 Millionen Besuchern auf dem zweiten Platz, „Bullyparade – Der Film“ (2017) konnte mit knapp 1,9 Millionen Besuchern nicht an die vorherigen Erfolge anknüpfen – stellt sich natürlich die Frage, ob der Film nötig ist. Schließlich sind Michael Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian und die anderen Mitwirkenden, die schon beim ersten Film dabei waren, an anderen Punkten in ihrer Karriere.

Jetzt kehren sie also zu den Anfängen ihrer Karriere und ihrem erfolgreichsten Werk zurück. Damit die Angelegenheit mehr als ein Aufwärmen altbekannter Gags für die Fans, eine Art Klassentreffen des damaligen Teams (und einiger Neuzugänge, von denen vor allem ein „Komparse“ im Gedächtnis bleibt) und eine Spekulation auf einen positiven Effekt auf das eigene Bankkonto ist, sollte es natürlich einen künstlerischen Grund geben, um sich wieder in die Welt von Winnetou, Karl May und den erfolgreichen Verfilmungen in den sechziger Jahren zu begeben.

Denn schon 2001 demontierte, parodierte und verschwulte Herbig die Karl-May-Western so sehr, dass danach alles dazu gesagt war. Entsprechend unnötig ist „Das Kanu des Manitu“.

Gelungen ist die Komödie so halbwegs. Sie ist technisch überzeugend, liebevoll ausgestattet und mit vielen Nebenbei-Gags. Sowieso ist die Gagdichte ziemlich hoch. Die Qualität ist durchwachsen und etliche der guten Gags werden bereits im Trailer präsentiert.

Die Aktualisierungen beziehen sich auf das gefahrlose Gebiet des Umgangs mit dem Wort „Indianer“ und einer durchaus berührenden Szene am Filmende. In ihr nehmen echte Apachen und Natives weiterer Stämme Abahachi/Herbig in ihren Kreis auf und bezeichnen ihn als einen der ihren, weil es nicht auf das Blut, sondern die inneren Werte ankomme.

In dem Moment sagt Bully Herbig auch, mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl, etwas über echte und falsche kulturelle Aneignung. Dass damals „Der Schuh des Manitu“ und heute „Das Kanu des Manitu“ keine Auseinandersetzung mit dem echten Wilden Westen ist, wusste schon damals jeder, der nicht vollkommen verblödet ist. Sie sind eine liebevolle Parodie der fantastischen Karl-May-Western, die unzählige Jugendliche durch die Kindheit und Jugend begleiteten.

Deshalb gibt es auch keine weiteren Aktualisierungen oder neue Themen für die Witze. Der Rassismus der aus Europa kommenden weißen Siedler, deren Glaube, ungezügelter Kapitalismus und die damit verbundene rücksichtslos betriebene Eroberung des Wilden Westens wären dankbare Objekte für neue Witze gewesen. Solche Gags würden das sichere Gebiet der Karl-May-Westernfilmparodie verlassen und sich mehr mit dem echten Wilden Westen und der Gegenwart beschäftigen. Das wollten die Macher nicht. Sie wollten einfach ihr altes Programm wieder präsentieren, etwas entstaubt und garniert mit zu vielen von Stefan Raab komponierten Songs und damit verbundenen Gesangseinlagen.

Das Kanu des Manitu“ ist ein unnötiger Film mit Albernheiten, Klamauk und kindgerechtem Humor (beispielsweise wenn sie in einer Höhle das Kanu des Manitu suchen und finden), der in der Welt dreißig Jahre alter Sketche lebt.

Das Kanu des Manitu (Deutschland 2025)

Regie: Michael Bully Herbig

Drehbuch: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian

mit Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica Schwarz, Friedrich Mücke, Daniel Zillmann, Tobias van Dieken, Pit Bukowski, Akeem van Flodrop, Tutty Tran, Merlin Sandmeyer, Waldemar Kobus, Jan van Weyde, Sky du Mont

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Kanu des Manitu“

Moviepilot über „Das Kanu des Manitu“

Wikipedia über „Das Kanu des Manitu“

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Ballon“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Tausend Zeilen“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 14. August: Die Gesetzlosen – Bürgerwehren gegen Drogenbosse (aka „Cartel Land“)

August 13, 2025

Phoenix, 23.00

Die Gesetzlosen – Bürgerwehren gegen Drogenbosse (Cartel Land, USA/Mexiko 2015)

Regie: Matthew Heineman

Drehbuch: Matthew Heineman

Etwas versteckt und mit einem dümmlichen TV-Titel läuft Matthew Heinemanns beeindruckende Doku über einen Mexikaner und einen Amerikaner, die in ihrem Land gegen die Drogenkartelle kämpfen, im TV.

„Cartel Land“ war, unter anderem, für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit José Manuel Mireles, Tim Foley

Hinweise

Moviepilot über „Cartel Land“

Metacritic über „Cartel Land“

Rotten Tomatoes über „Cartel Land“

Wikipedia über „Cartel Land“ 

Meine Besprechung von Matthew Heinemans „Cartel Land (Cartel Land, USA/Mexiko 2015)

Meine Besprechung von Matthew Heinemans „A private War“ (A private War, USA/Großbritannien 2018)


TV-Tipp für den 13. August: Tatort: Gefährliche Wanzen

August 12, 2025

SWR, 23.30

Tatort: Gefährliche Wanzen (Deutschland 1974)

Regie: Theo Mezger

Drehbuch: Wolfgang Menge

In einer Ölraffinerie werden Minisender (vulgo Wanzen) gefunden. Aus dem Atomkraftwerk in Karlsruhe werden geheime Unterlagen gestohlen. Kommissar Lutz (Werner Schuhmacher) glaubt, auch weil die Spuren ins Ausland führen, dass es sich um Spionage handelt.

Tatort-Oldie mit einer aus heutigen Sicht beeindruckenden Besetzung von Theaterschauspielern und künftigen TV-Ermittlern, unter anderem im Tatort. Den Krimi, nach einem Drehbuch des immer zuverlässigen Wolfang Menge, habe ich als ziemlich gelungen in Erinnerung.

mit Werner Schumacher, Peter Drescher, Werner Kreindl, Günther Ungeheuer, Claus Theo Gärtner, Margot Leonard, Rolf von Sydow, Elert Bode, Manfred Boehm, Dietz-Werner Steck, Karl-Heinz von Hassel, Christiane Pauli, Wolfgang Preiss, Stephan Orlac, Walter Richter, Willy Semmelrogge

Hinweis

Wikipedia über „Tatort: Gefährliche Wanzen“


TV-Tipp für den 12. August: Spotlight

August 11, 2025

Pro7, 20.15

Spotlight (Spotlight, USA 2015)

Regie: Tom McCarthy

Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer

Hochspannender Thriller über die Recherchen des „Boston Globe“ über den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und die ebenso lange Vertuschung durch die Erzdiözese.

2003 erhielt das „Spotlight“-Team den Pulitzer-Preis für seine Arbeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery, Brian D’Arcy James, Stanley Tucci, Jamey Sheridan, Billy Crudup, Elena Wohl, Gene Amoroso, Neal Huff, Paul Guilfoyle, Len Cariou

Wiederholung: Mittwoch, 13. August, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Spotlight“

Metacritic über „Spotlight“

Rotten Tomatoes über „Spotlight“

Wikipedia über „Spotlight“ (deutsch, englisch) und sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche

History vs. Hollywood über „Spotlight“

Bishop Accountability (äußerst umfassende Seite, die Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche behandelt)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Win Win“ (Win Win, USA 2011)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Spotlight“ (Spotlight, USA 2015)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Stillwater – Gegen jeden Verdacht“ (Stillwater, USA 2021)


TV-Tipp für den 11. August: Das Salz der Erde

August 10, 2025

Anlässlich des 80. Geburtstages von Wim Wenders (am 14. August) werden einige seiner Filme im TV gezeigt. Beispielsweise zeigt Arte heute um 21.50 Uhr sein Roadmovie „Don’t come knocking“ (2005) und 3sat seinen deutlich gelungeneren Dokumentarfilm

3sat, 22.25

Das Salz der Erde (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado

Drehbuch: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, David Rosier

Sehr sehenswerte Dokumentation über den Fotografen Sebastião Salgado.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastião Salgado, Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, Hugo Barbier, Jacques Barthélémy, Lélia Wanick Salgado

Hinweise

Filmportal über „Das Salz der Erde“

Moviepilot über „Das Salz der Erde“

Rotten Tomatoes über „Das Salz der Erde“

Wikipedia über „Das Salz der Erde“ (deutsch, englisch), Sebastião Salgado und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ “Anselm – Das Rauschen der Zeit” (Deutschland/Frankreich 2023)

Mein Gespräch mit Wim Wenders über „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ (Deutschland/Frankreich 2023)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Perfect Days“ (Japan/Deutschland 2023)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders


TV-Tipp für den 10. August: Laurence Anyways

August 9, 2025

RBB, 22.00

Laurence Anyways (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)

Regie: Xavier Dolan

Drehbuch: Xavier Dolan

Ein knapp dreistündiger Rausch: Laurence (Melvil Poupaud) und Fred (Suzanne Clément) sind ineinander verliebt. Da trifft Laurence eine folgenschwere Entscheidung: Er will ab jetzt als Frau leben.

„Laurence Anyways“ ist, wie alle großen Liebesfilme, letztendlich ein Film über die Unmöglichkeit der großen Liebe, bei dem die ordnende Hand eines Regisseurs fehlt, der beherzt Szenen aus dem Film entfernt, den Film auf verträgliche zwei Stunden gekürzt und die Vision klarer herausgearbeitet hätte. Denn gegen Ende zerfasert der Film etwas. Aber das ist ein kleiner Einwand gegen einen insgesamt mitreißenden Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung. 

mit Melvil Poupaud, Suzanne Clément, Nathalie Baye, Monia Chokri, Susie Almgren, Yves Jacques

Hinweise

Metacritic über „Laurence Anyways“

Rotten Tomatoes über „Laurence Anyways“

Wikipedia über „Laurence Anyways“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Laurence Anyways“ (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Sag nicht, wer du bist!“ (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Mommy“ (Mommy, Kanada/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Matthias & Maxime“ (Matthias et Maxime, Kanada 2019)


TV-Tipp für den 9. August: The Woman King

August 8, 2025

Pro 7, 20.15

The Woman King (The Woman King, USA 2022)

Regie: Gina Prince-Bythewood

Drehbuch: Dana Stevens (nach einer Geschichte von Maria Bello und Dana Stevens)

Afrika, frühes 19. Jahrhundert: die Oyo verkaufen Schwarze als Sklaven an die Weißen. Nancisa (Viola Davis!), Anführerin einer Elite-Kriegerinnen-Kampftruppe, will das ändern.

Konventionelles, aber äußerst packend erzähltes, von wahren Ereignissen inspiriertes Drama, bei dem gefällt, wie kompetent die bekannte Geschichte aus weiblicher Perspektive erzählt wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viola Davis, Thuso Mbedu, Lashana Lynch, Sheila Atim, Hero Fiennes Tiffin, John Boyega, Jordan Bolger, Jayme Lawson

Wiederholung: Sonntag, 10. August, 02.25 Uhr (Taggenau! Wahrscheinlich wird in der Nachtwiederholung die ungekürzte Fassung des FSK-16-Films gezeigt)

Hinweise

Moviepilot über „The Woman King“

Metacritic über „The Woman King“

Rotten Tomatoes über „The Woman King“

Wikipedia über „The Woman King“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood fragt, ob der Film den Geschichtsunterricht ersetzten kann

Meine Besprechung von Gina Prince-Bythewoods „The Woman King“ (The Woman King, USA 2022).


TV-Tipp für den 8. August: American Hustle

August 7, 2025

3sat, 22.25

American Hustle (American Hustle, USA 2013)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell

New York in den späten Siebzigern: FBI-Agent DiMaso will einen korrupten Bürgermeister überführen. Dabei sollen ihm der Betrüger Rosenfeld und seine Geliebte helfen.

Durchaus vergnügliche, aber auch von sich selbst zu sehr überzeugte Mega-Retro-Gaunerkomödie, die auf einem wahren Fall basiert.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro

Hinweise

Moviepilot über „American Hustle“

Metacritic über „American Hustle“

Rotten Tomatoes über „American Hustle“

Wikipedia über „American Hustle“ (deutsch, englisch) und die Operation Abscam (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „American Hustle“

Meine Besprechung von David O. Russells „American Hustle“ (American Hustle, USA 2013)

Meine Besprechung von David O. Russells „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Joy, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ einer Schulklasse

August 7, 2025

In der im Nordosten der USA liegenden Kleinstadt Maybrook verschwinden in einer Nacht um 2:17 Uhr 17 Kinder. Sie verließen, wie verschiedene Überwachungskameras zeigen, die elterliche Wohnung und liefen in die Nacht. Niemand weiß, wohin sie gelaufen sind. Oder warum.

Sie waren alle in der Schulklasse von Justine Gandy. Nur einer von Justines Schülern ist nicht verschwunden.

Was für eine Prämisse. Was für ein wundervoller Auftakt. „Barbarian“-Regisseur Zach Cregger führt in den ersten Minuten von seinem neuen Horrorfilm „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ sehr gelungen mit einer Kinderstimme im Voice-Over, atmosphärischen Bildern und gleitender Kamera in die Geschichte ein. Danach will man wirklich wissen, warum die Kinder verschwanden und welche Auswirkungen ein solcher plötzlicher und unerklärlicher Verlust von siebzehn Kindern auf eine kleine US-Gemeinde hat.

In den folgenden knapp zwei Stunden (wenn wir die Einführung in die Geschichte und den Abspann weglassen) erzählt Zach Cregger in sechs Kapiteln, die Ereignisse aus der Sicht verschiedener Figuren. Das tut er nicht, wie in „Rashomon“, indem er ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, sondern weitgehend chronologisch. Ganz selten werden bestimmte Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Im Zentrum der einzelnen, stilistisch unterschiedlich gestalteten Kapiteln stehen die Lehrerin Justine Gandy, ein Vater, ein Polizist, ein drogensüchtiger Slacker (in der vergnüglichsten Episode des Horrorfilms), der Schuldirektor und Alex Lilly, der einzige Schüler aus Justines Klasse, der in der fraglichen Nacht nicht verschwunden ist.

Bedingt durch diese Struktur ist lange unklar, was die Erklärung für das Verschwinden der Kinder sein könnte. Stattdessen erzählt Cregger aus dem Leben der im Mittelpunkt des Kapitels stehenden Figur. Es geht also um ihre Probleme bei der Arbeit und im Privatleben, ihren Alkohol- und Drogenkonsum und wie sie, – teils -, zu obsessivem und vollkommen unvernünftigem Verhalten tendieren.

Es gibt symbolträchtige Bilder, wie das Bild einer Maschinenpistole mit der Uhrzeit des Verschwindens der Kinder am Nachthimmel, und immer wieder Horrortopoi zitierende Bilder seltsam geschminkter Gesichter und sich seltsam verhaltender Menschen. Es sind Bilder, die Assoziationen auslösen. Mehr nicht. In einem Krimi wären es falsche Fährten.

Es gibt einige Jumpscares, die aber die Geschichte (jedenfalls auf den ersten Blick, manchmal auch rückblickend [ich will ja nichts spoilern]) nicht voranbringen, sondern nur durch die Kombination von plötzlich auftauchenden seltsamen Gesichtern und plötzlichem Musikeinsatz erschrecken. Beispielsweise wenn Justine einen Alptraum hat, aus dem sie erwacht und mit dem nächsten Horrorfilmgesicht konfrontiert wird. Und es gibt eine durchgehende Horrorfilmatmosphäre.

Die Lösung ist dann, angesichts der neugierig machenden Prämisse, ziemlich unbefriedigend. Sie bewegt sich, ohne Erklärungen, im Rahmen der bekannten Horrorfilmkonventionen. Die Bilder, die Handlungen einiger Personen und das Wissen des Horrorfans über, ähem, gewisse Dinge müssen genügen.

Weapons“ Ist primär eine Versuchsanordnung und eine formale Spielerei zwischen verschiedenen Genres und Stilen. Das ist immer wieder gut und überraschend inszeniert, aber keine Figur trägt durch den gesamten Film. Sie haben, auch wenn sie in den anderen Kapiteln auftauchen, nur ein Kapitel. Es sind miteinander verbundene Kurzgeschichten, die in ihrer Gesamtschau die Geschichte erzählen und sich dabei immer wieder, mehr oder weniger lang, von der Ausgangsfrage entfernen.

Weapons – Die Stunde des Verschwindens (Weapons, USA 2025)

Regie: Zach Cregger

Drehbuch: Zach Cregger

mit Julia Garner, Josh Brolin, Alden Ehrenreich, Austin Abrams, Cary Christopher, Benedict Wong, Amy Madigan

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Weapons“

Metacritic über „Weapons“

Rotten Tomatoes über „Weapons“

Wikipedia über „Weapons“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Freakier Friday“ – dieses Mal tauschen vier Frauen aus drei Generationen ihre Körper

August 7, 2025

2003 tauschen die Schülerin Anna Coleman (Lindsay Lohan) und ihre Mutter Tess (Jamie Lee Curtis), wenige Stunden vor ihrer Hochzeit, ihre Körper. Anschließend mussten sie sich im Körper und Leben der anderen Frau bewähren. Die flotte Komödie endete mit der in einem Disney-Film erwartbaren Botschaft. „Freaky Friday“ kam beim Publikum gut an und entwickelte sich seitdem zu einem immer wieder gern gesehenem Film. In den USA scheint es an Schulen „Freaky Friday“-Freitage mit dem Tausch von Kleidern zu geben. Ein Körpertausch ist in der Realität ja etwas schwieriger. Und Jamie Lee Curtis wurde, so erzählt sie, immer wieder auf diese Rolle angesprochen und nach einer Fortsetzung gefragt.

Jetzt ist es soweit. 22 Jahre nach dem ersten Film ist Anna eine alleinerziehende Mutter und Managerin einer Pop-Sängerin. Ihre fünfzehnjährige Tochter Harper (Julia Butters) ist eine begeisterte Surferin. Ihre Mutter Tess ist die dauerpräsente Oma und Podcasterin (naja, einmal am Filmanfang) und immer noch Sachbuchautorin. Die praktizierende Psychotherapeutin ist außerdem immer noch mit Ryan (Mark Harmon) verheiratet. Er ist der nett am Rand stehende, sie bedinungslos unterstützende Mann.

Anna will in wenigen Stunden Eric Reyes (Manny Jacinto) heiraten. Er ist ein aus London kommender Koch und die jüngere Ausgabe von Ryan. Erics Tochter Lily (Sophia Hammons) geht in Harpers Klasse. Beide Mädchen mögen sich nicht, weil es so im Drehbuch steht. Außerdem möchte Lily unbedingt zurück nach London zu ihren alten Freundinnen und in ihr altes Leben.

Wer den ersten Film noch präsent hat, kann leicht nachvollziehen, was geändert wurde und vermuten, dass die Fortsetzung in weiten Teilen ein Remake des ersten Films ist. Und so ist es auch. Mit minimalen Aktualisierungen und geringen Veränderungen, so tauschen dieses Mal nicht zwei sondern vier Personen unfreiwillig ihre Körper, wird die alte Geschichte noch einmal erzählt. Nur viel schlechter. Keine Figur ist klar gezeichnet. Kein Konflikt überzeugt. Der Körpertausch ist daher nur ein bedeutungsloser Gimmick. Es gibt nämlich keine sich aus den Figuren und ihren Konflikten ergebende Notwendigkeit für diesen Tausch und dass diese Personen miteinander tauschen. Entsprechend flach und eklektisch zusammengefügt ist die Geschichte. Dagegen ist „Freaky Friday“ eine mustergültig konstruierte Geschichte mit klar gezeichneten Figuren und Konflikten, die zu einer ebenso folgerichtig ablaufenden Geschichte und daraus resultierenden komischen Situationen führen.

In „Freakier Friday“ regieren dagegen Willkür und Zufall, auch bekannt als „der Drehbuchautor will das so“.

So fragte ich mich immer wieder, ob jetzt wirklich diese Person in diesem Körper ist. Zu ähnlich sind sich die vier Frauen, die ihre Körper tauschen. Im Film tauschen Tess (Jamie Lee Curtis) mit der Engländerin Lily (Sophia Hammons) und Anna (Lindsay Lohan) mit ihrer Tochter Harper (Julia Butters). Anschließend versuchen Lily und Harper als Tess und Anna die Hochzeit zu verhindern. Daneben gibt es einige Szenen, in denen Jamie Lee Curtis hemmungslos dem Affen Zucker gibt. Auch wenn das eher nicht dem Verhalten von Lily entspricht. Allerdings habe wir vor dem Körpertausch auch kaum etwas über Lily erfahren.

Beispielhaft sei hier die Szene in dem Second-Hand-Schallplattenladen von Jake (Chad Michael Murray) genannt. Jake war Annas High-School-Liebe, der im ersten Film starke Gefühle für Annas Mutter entwickelte. Sie und Anna (mit Lily und Harper in ihren Körpern) tauchen jetzt in seinem Plattenladen auf und Anna versucht ihn zu verführen. Die beiden Mädchen glauben, so die Hochzeit ihrer Eltern zu verhindern. Während die Schauspielerinnen munter chargieren und ikonische LP-Cover präsentieren, fragte ich mich, ob sich die beiden Teenager, die sich gerade in den Körpern von älteren Frauen befinden, so verhalten würden oder ob das nicht das Verhalten von anderen Frauen ist.

Das Problem der mangelnden Motivation von Handlungen kann gut mit dem Konzert am Filmende illustriert werden.

So ist in „Freaky Friday“ Annas Wunsch, dass sie zusammen mit ihrer Rockband „Pink Slip“ auftreten möchte, absolut nachvollziehbar. Dummerweise ist der Auftritt während dem Polterabend ihrer Mutter und sie sollte die Feier unter keinen Umständen verlassen. Das ist ein klarer Konflikt: Anna will in dem Moment unbedingt an einem anderen Ort sein. Noch komplizierter wird die Situation, weil Anna in dem Moment im Körper ihrer Mutter Tess steckt. Sie kann ihre eigene Feier natürlich unter keinen Umständen verlassen. Und Tess, die im Körper ihrer Tochter steckt, interessiert sich nicht für die Musik der Rockband ihrer Tochter. Sie kann auch nicht Gitarre spielen. Das wissen die anderen Mitglieder ihrer Band, die ihre Gitarristin unbedingt auf der Bühne haben wollen, nicht. Und schon ist das weidlich ausgenutzte Potential für zahlreiche Verwicklungen, komische Szenen und Screwball-Momente vorhanden.

Freakier Friday“ endet ebenfalls mit einem Konzert, zu dem Anna und ihre Tochter Harper (die haben ihre Körper getauscht) während des Polterabends müssen. Aber dieses Mal gibt es keine,Dringlichkeit und keinen Konflikt, der Anna zwingt, zu dem Konzert zu gehen. Sicher, Anna ist inzwischen die Managerin der an massiven psychischen Problemen leidenden Pop-Sängerin Ella (Maitreyi Ramakrishnan). Sie tritt an dem Abend auf. Kurz vor dem Konzert erhält Anna eine SMS, dass sie unbedingt zu dem Konzert kommen müsse. Warum steht da nicht drin, aber Anna (Lindsay Lohan) eilt, dem Willen des Drehbuchautors gehorchend, los; – wobei besser ihre Tochter Harper (wir erinnern uns: Anna ist in ihrem Kopf) losgeeilt wäre. Ihr Verschwinden wäre niemand auf der Feier aufgefallen.

So geht es durch den gesamten Film. Dinge passieren einfach oder weil die Schauspieler es beim Drehen für witzig hielten. Das führt dazu, dass die wenigen Gags über Gebühr strapaziert werden.

Freakier Friday“ ist eine auf der ganzen Linie gescheiterte Komödie. Immerhin hatten die Schauspieler bei diesem Familientreffen, bei dem alle bekannten Gesichter aus „Freaky Friday“ dabei sind, offensichtlich ihren Spaß und Jamie Lee Curtis konnte dem Affen ordentlich Zucker geben.

Freakier Friday (Freakier Friday, USA 2025)

Regie: Nisha Ganatra

Drehbuch: Jordan Weiss (nach einer Geschichte von Elyse Hollander und Jordan Weiss, basieren auf dem Kinderbuch „Freaky Friday“ von Mary Rodgers)

mit Jamie Lee Curtis, Lindsay Lohan, Julia Butters, Sophia Hammons, Manny Jacinto, Mark Harmon, Chad Michael Murray, Christina Vidal Mitchell, Haley Hudson, Lucille Soong, Stephen Tobolowsky, Rosalind Chao, Maitreyi Ramakrishnan, Vanessa Bayer, Ryan Malgarini

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Freakier Friday“

Metacritic über „Freakier Friday“

Rotten Tomatoes über „Freakier Friday“

Wikipedia über „Freakier Friday“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nisha Ganatras „Late Night – Die Show ihres Lebens“ (Late Night, USA 2019)


TV-Tipp für den 7. August: Milk

August 6, 2025

ZDFneo, 21.35

Milk (Milk, USA 2008)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Dustin Lance Black

Überzeugendes Biopic über Harvey Milk, der in den siebziger Jahren in San Francisco politisch aktiv und bekannt wurde als erster offen homosexueller Stadtverordneter in den USA. Am 27. November 1978 wurde er in San Francisco von dem Ex-Cop und Ex-Stadtrat Dan White erschossen.

Für das Drehbuch und den Hauptdarsteller gab es einen Oscar. Um nur zwei Preise aus dem Feld der über sechzig gewonnenen Preise und gut hundertfünfzig Nominierungen zu nennen.

mit Sean Penn, James Franco, Diego Luna, Emile Hirsch, Josh Brolin, Lucas Grabeel, Victor Garber, Jeff Koons

Hinweise

Metacritic über „Milk“

Rotten Tomatoes über „Milk“

Wikipedia über „Milk“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018)


TV-Tipp für den 6. August: Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp

August 5, 2025

ARD, 22.50

Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp (Deutschland 2024)

Regie: Klaus Stern

Drehbuch: Klaus Stern

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über Alex Karp, den Gründer der US-amerikanischen Firma Palantir. Aktuell diskutieren deutsche Sicherheitsbehörden über einen Einsatz der US-Überwachungssoftware. Aber anstatt sich mit der von Polizei und Geheimdiensten eingesetzten, von Datenschützern kritisierten Überwachungssoftware auseinanderzusetzten, konzentriert „Watching you“ sich auf Alex Karp, der als etwas schrulligen und interviewscheuer Unternehmer porträtiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Watching you“

Moviepilot über „Watching you“

Wikipedia über Klaus Stern, Palantir (deutsch, englisch) und Alex Karp (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Klaus Sterns „Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 5. August: Entspannung im Kalten Krieg: Die Schlussakte von Helsinki

August 4, 2025

Arte, 22.00

Entspannung im Kalten Krieg: Die Schlussakte von Helsinki (The Helsinki Effect, Finnland/Deutschland/Norwegen 2025)

Regie: Arthur Franck

Drehbuch: Arthur Franck

TV-Premiere. Humoristisches, in seiner Konzentration auf die Konferenztage letztendlich oberflächliches Dokuessay über die „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE), die vom 30. Juli bis zum 1. August 1975 in Helsinki stattfand und die für die Entspannunspolitik der kommenden Jahre entscheidend war.

Die Doku lief vor einigen Tagen als „Der Helsinki-Effekt“ im Kino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Leonid Breschnew, Henry Kissinger, Alexander Solschenitsyn, Gerald Ford, Urho Kekkonen

Hinweise

Arte über die Doku 

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Der Helsinki Effekt“

Moviepilot über „Der Helsinki Effekt“

Wikipedia über die KSZE (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Arthur Francks „Der Helsinki Effekt“ (The Helsinki Effect, Finnland/Deutschland/Norwegen 2025)


Wieder im Kino: „Der weiße Hai“ feiert sein 50jähriges in der „Best of Cinema“-Reihe

August 4, 2025

Bei den Dreharbeiten ahnten Steven Spielberg, die Crew und die Schauspieler nicht, dass sie gerade den Beginn des modernen Blockbuster-Kinos erschufen. Die Dreharbeiten verliefen chaotisch und dauerten viel länger als geplant. Das Budget vervielfachte sich. Das titelgebende Monster stellte nach einigen Minuten im Wasser seine Arbeit ein. Aber dann, gepusht zuerst von einer großen Werbekampagne, später von begeisterten Zuschauern, entwickelte sich „Der weiße Hai“ in den USA im Sommer 1975 schnell zu einem Kassenhit. Der deutsche Kinostart war am 18. Dezember 1975. Drei schlechtere Fortsetzungen und unzählige Filme, die Spielbergs Film mehr oder weniger unverhohlen und mehr oder weniger lieblos kopierten, folgten.

Der weiße Hai“ erzählt eine einfach Geschichte. Kurz vor dem Beginn der Sommersaison in dem New-England-Badeort Amity Island tötet ein Hai eine Schwimmerin. Weil der Bürgermeister das für den Ort überlebenswichtige Sommergeschäft mit den Touristen nicht ausfallen lassen will, machen sich der wasserscheue örtliche Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider), der junge Meeresbiologe Matt Hooper (Richard Dreyfuss) und der Seebär Quint (Robert Shaw) auf den Weg. Sie wollen den weißen Hai töten. Dummerweise ist der Hai größer, stärker, schlauer und rachsüchtiger als sie erwarten.

Am Dienstag, den 5. August, wird „Der weiße Hai“ im Rahmen der „Best of Cinema“-Reihe, wieder im Kino gezeigt. Und das lohnt sich. Denn Spielbergs Horrorthriller ist immer noch ein packender Film.

Und wer hat ihn in den letzten Jahren (Jahrzehnten?) auf der großen Kinoleinwand gesehen?

Der weiße Hai (Jaws, USA 1975)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Peter Benchley, Carl Gottlieb

LV: Peter Benchley: Jaws, 1974 (Der weiße Hai)

mit Roy Scheider, Robert Shaw, Richard Dreyfuss, Lorraine Gary, Murray Hamilton, Carl Gottlieb, Peter Benchley

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (Kinofreigabe, laut FSK seit 7. März 1995 frei ab 12 Jahre)

Hinweise

Homepage von Best of Cinema

Moviepilot über „Der weiße Hai“

Metacritic über „Der weiße Hai“

Rotten Tomatoes über „Der weiße Hai“

Wikipedia über „Der weiße Hai“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. August: Sommer vorm Balkon

August 3, 2025

Wenn die Wettervorhersage stimmt, haben wir bald

Arte, 20.15

Sommer vorm Balkon (Deutschland 2005)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase

Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.

Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld

Wiederholung: Donnerstag, 7. August, 14.00 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Sommer vorm Balkon“

Wikipedia über „Sommer vorm Balkon“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (Deutschland/Frankreich 2022)

Meine Besprechung von Andres Dresens „In Liebe, eure Hilde“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 3. August: Grand Budapest Hotel

August 2, 2025

Arte, 20.15

Grand Budapest Hotel (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Geschichte von Wes Anderson und Hugo Guiness)

1932: Monsieur Gustave H., der Chefconcierge des Grand Budapest Hotels, erbt von Madame D. ein wertvolles Gemälde und weil der Sohn der Verstorbenen dem Concierge das Gemälde nicht gönnt, gerät Gustave H. in Teufels Küche.

„The Grand Budapest Hotel“ ist ein sehr kurzweiliger, temporeicher, starbesetzter Spaß voller Zitate, Witze und Überraschungen. Eine wahre cineastische Wundertüte, die man auch einfach als spritzige Komödie genießen kann.

mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson, Florian Lukas, Bob Balaban, Lisa Kreuzer

Wiederholung: Mittwoch, 6. August, 13.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Grand Budapest Hotel“

Metacritic über „The Grand Budapest Hotel“

Rotten Tomatoes über „The Grand Budapest Hotel“

Wikipedia über „The Grand Budapest Hotel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“ (Isle of Dogs, USA 2018)

Meine Besprechung von Wes Andersons „The French Dispatch“ (The French Dispatch, USA/Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Asteroid City“ (Asteroid City, USA 2023)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Der phönizische Meisterstreich“ (The Phoenician Scheme, USA/Deutschland 2025)


TV-Tipp für den 2. August: Tatort: Schüsse in der Schonzeit

August 1, 2025

BR, 20.15

Tatort: Schüsse in der Schonzeit (Deutschland 1977)

Regie: Helmuth Ashley

Drehbuch: Willy Purucker

In der Jagdhütte von Hannes Mader wird eine junge Frau erschossen. Der Verdacht fällt natürlich auf Mader. Aber Veigl hat Zweifel. In der Familie von Maders Frau, altem bayrischem Geldadel, findet er weitere Tatverdächtige.

Na, das klingt doch nach einem Fall für die Freunde des Rätselkrimis.

Danach muss Kommissar Veigl (Gustl Barhammer) weiter ermitteln. Direkt im Anschluss, um 21.45 Uhr, zeigt der BR den „Tatort“ „Weißblaue Turnschuhe“ (Deutschland 1973) und um 23.00 Uhr „Maria im Elend“ (Deutschland 1979).

mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Eerhard Peiker, Werner Asam, Martin Semmelrogge, Siegfried Rauch, Veronika Fitz, Jörg Hube

Hinweise

ARD über Kommissar Veigl

Wikipedia über den „Tatort: Schüsse in der Schonzeit“